Fazit 153

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Erfolg braucht Führung

Managementserie

Führung mit Herz Liebe geht durch den Magen.

Fotos: Marija Kanizaj, NHL-Graz/Alexander Engelbogen

Ein Interview von Carola Payer mit Adrianna Dynkowska, Gründerin und Eigentümerin eines Lokals.

Dr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

46 /// FAZIT JUNI 2019

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er schon einmal das Vergnügen hatte, eine der schönen Städte von Polen zu besuchen, hat sie vielleicht schon mal gegessen: Pierogis, polnische Teigtaschen, die unterschiedlich gefüllt werden und zu einem der Lieblingsgerichte der Polen zählen. Im Interview mit Adrianna Dynkowska erlebt man ein sprühendes Energiebündel mit einer Sprachgeschwindigkeit, die sich fast selber überholt. Die Leidenschaft sprüht aus jeder ihrer Poren. Ihre Geschichte ist beeindruckend. In einer Zeit, wo man oft mit Menschen konfrontiert ist, die darüber klagen, wie mühsam ihre Arbeit ist, wie ausgelaugt und müde sie in diesem Digitalisierungs- und Changezeitalter sind, erklärt sie: »Ich liebe meine Arbeit. Ich liebe mein Leben. Ich liebe, was ich tue.« Kein Jammern, kein Klagen. Das ist ziemlich erfrischend! »Spaß haben wollen« statt »Job zum Überleben« als Gründungszünder Adrianna Dynkowska hat in Polen Biologie und Publizistik studiert. Ihr Mann, der im Rahmen seiner Tierarztausbildung ein Praktikum in Graz machte, bekam dann das Angebot, in Graz zu bleiben. So kam auch sie ohne jegliche Deutschkenntnisse nach Graz. 1,5 Jahre hat sie auf der Uni intensiv Deutsch gelernt und, um ihr Leben zu finanzieren, die Ausbildung zur zahnarzttechnischen Assistentin gemacht. Jedoch einfach nur zu arbeiten, war ihr zu wenig. Sie wollte Spaß haben, bei dem was sie tut. Die Idee, ein Lokal zu eröffnen, das die polnische Nationalspeise Pierogi anbietet, war schon, seit sie nach Graz gekommen ist, in ihrem Kopf. Sie hat die Gastroszene beobachtet und dachte sich: »Die könnte noch bunter sein. Ich wollte da noch mehr Farbe reinbringen und etwas aus meiner polnischen Heimat herzeigen.« Diese Intention teilte zuerst niemand mit ihr. Von der beherzten Idee zum realen Plan Da spielte das Schicksal ihr Mazena Kupka in die Hände. Bei einem polnischen Verein lernte sie ihre jetzige Geschäftspartnerin, die aus Schlesien kommt, vor acht Jahren kennen. Endlich ein »Zeichen« am Gründungshimmel. Beide waren damals schwanger. Mazena Kupka lud Adrianna Dynkowska und ihren Mann zum Essen mit vielen verschiedenen polnischen Spezialitäten ein. Adriana Dynkowska war beeindruckt von der Qualität und sofort ist in ihr die Idee gereift, Mazena Kupka für ihre leidenschaftliche Vision zu gewinnen. In ihr sah sie die Spezialistin für die Produktion. Marzena Kupka hat die Gastronomie Fachschule in Rybnik, Polen, gemacht und hat einen Bachelor in Business Management. Weiters bringt sie aus ihrer Biografie die Ausbildung zur Masseurin und zur Buchhalterin mit. Auch Marzena Kupka lebt mit ihrem Mann, der Osteopath ist, und den 2 Kindern in Graz.

Vom Plan zum Businessplan 2013 stieg Mazena Kupka auf den Vorschlag ein. Ihre Ehemänner wussten noch nichts von der gemeinsamen Idee und dass in der Schwangerschaft drei Babys ausgetragen wurden. Der Businessplan für das dritte Baby wurde »heimlich« entwickelt. Zwei Jahre lang wurden im Kochlabor verschiedenste Varianten an Pierogis ausprobiert. Mehlarten, Füllungen, Zutaten, Mengen wurden variiert. Österreichische Versuchskaninchen mussten kosten, um den Geschmack der Österreicher zu erforschen. Adrianna Dynkowska: »Wir wollten wissen, welchen Geschmack hat Österreich, was mögen Österreicher? Zum Beispiel kam der Tipp für Mohn Pierogis von einer Testesserin. »Wir haben zum