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Unternehmerische Gesellschaft mit zwei Geschwindigkeiten Fazit-Autor Thomas Goiser war in Tel Aviv und hat mit Günther Schabhüttl, dem dortigen österreichischen Wirtschaftsdelegierten, ein Gespräch geführt.

Fotos: Thomas Goiser, Plusllultra/Flickr

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iebzig Jahre nach der Staatsgründung ist Israel ein Wachstumshotspot. Gegenüber dem Vorjahr ist die Bevölkerung wieder um rund 200.000 Personen angestiegen, einerseits wegen Zuzug, andererseits wegen der hohen Geburtenraten. Bald werden neun Millionen Menschen im Land leben. Das Wachstum führt trotz Bauboom zu einem Wohnungsmangel. Schabhüttl, der seit 2013 im Land tätig ist, erklärt: »Das ständige Anpassen an neue Gegebenheiten bringt Innovation und das Bevölkerungswachstum befeuert den Konsum. Die Wirtschaft wächst entsprechend – für 2018 wird ein Wirtschaftswachstum von real 3,7 Prozent prognostiziert. Israel zählt zu den wenigen Industrieländern, deren Schuldenstand im Verhältnis zum BIP heute niedriger ist als vor der globalen Finanzkrise.« Die Budgetsituation ist damit im globalen Vergleich überaus günstig. Unerwartet hohe Anstiege der Steuereinnahmen aufgrund von Angeboten für Strafmilderungen für reuige Steuersünder führten in den vergangenen Jahren zu Senkungen der Mehrwertsteuer von 18 Prozent auf 17 Prozent und der Körperschaftssteuer von 24 Prozent auf 23 Prozent. Globalisierte Hightechnation Im Mitte Oktober veröffentlichten Global Competitiveness Report des Weltwirtschaftsforums führt Israel weltweit das Ranking in den Bereichen »Wachstum innovativer Unternehmen« und »Einstellung zu unternehmerischem Risiko« an. »In Hightechsektoren liegt Israel an der Weltspitze, während im Bereich der Infrastruk70 /// FAZIT JÄNNER 2019

tur, in der traditionellen Industrie und in den Bereichen Umwelttechnik wie auch Energiewirtschaft noch Nachholbedarf besteht. Das Land ist wirtschaftlich, gesellschaftlich, kulturell und politisch sehr unterschiedlich. IT und Hightech haben sich hier trotz schwieriger Rahmenbedingungen etabliert. Das ist auch auf die hohe Motivation der wirtschaftlichen Führungsschicht zurückzuführen. Ein kleiner Heimmarkt und de facto fehlende Nachbarmärkte haben dazu geführt, dass Unternehmen vom ersten Tag an in globalen Dimensionen denken«, ist Schabhüttl überzeugt, »außerdem herrscht hier eine ausgeprägte Mentoringkultur und kurze Wege zu Entscheidungsträgern. Es wird schnell entschieden, dafür werden auch rasche Reaktionen vom Gegenüber erwartet.« Derzeit sind weniger als ein Zehntel der Erwerbstätigen in Israel in der Hightechindustrie tätig, es herrscht derzeit bereits ein Mangel an etwa 10.000 qualifizierten Ingenieuren und Programmierern. Innerhalb eines Jahrzehnts soll sich die Zahl der Beschäftigten im Hochtechnologiebereich verdoppeln. In den meisten anderen Sektoren hinkt die Arbeitsproduktivität weit dem OECD-Schnitt hinterher und Teile der Bevölkerung fehlen im Arbeitsprozess. Starke Exporte und Innovationsfokus Österreichs wirtschaftliche Bilanz mit dem Land ist traditionell sehr positiv: Exporte von nahezu 400 Millionen Euro stehen Im-

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Fazit 149  

Jänner 2019

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