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Managementserie [20]

immer die Gefahr bestand, sich verletzt zu fühlen. Heute ist er älter, reifer.« Werner Fleck hat die typische Betriebsform, wo die Frau in den Betrieb involviert ist. »Das haben wir probiert«, sagt er. »Aber Meine Frau ist kein Büromensch. Es ist ihr nicht von der Hand gegangen und es hat ihr keine Freude gemacht. Da haben wir das gelassen.« Eine kluge Entscheidung. Zu oft werden Familienmitglieder aus praktischen Gründen in den Betrieb integriert. Sie erfüllen dann eine Rolle, nicht weil sie es so gerne wollen oder können, sondern weil sie Familienmitglied sind. Das führt mitunter auch zu unnötigen Konflikten. Mitarbeiter ausbilden Werner Fleck: »Wir schauen, dass wir vor allem über Großhändler aktuelle Infos bekommen. Wir recherchieren auch viel im Internet. Da ich selbst Ausbildner an Institutionen bin, bekomme ich dort auch immer Zugang zu den neuen Trends. Kursangebote können nicht in Anspruch genommen werden. Kein Geld, keine Zeit. Unglaublich teuer für unsere Betriebsgröße. Wenn meine Mitarbeiter an der Elektrikertagung teilnehmen, sind 75 Porzent des Betriebs unproduktiv.« Das Ausbilden von Lehrlingen wird aus der Sicht von Werner Fleck immer schwieriger. »Wir haben hier das Problem, dass viele für die Arbeit geeignet wären, aber nicht die Fähigkeiten haben, die Schule zu schaffen. Meine bestehenden Mitarbeiter habe ich geprägt.« Digitalisierung und Globalisierung im Handwerk Kleine wie große Betriebe sehen sich seit einigen Jahren mit der zunehmenden Digitalisierung konfrontiert. Wie geht man bei Elektro Fleck damit um? »Ich habe ein System für das Rechnungswesen, die Kundenverwaltung und ein Buchhaltungsprogramm. Internet und die sozialen Medien, sind für uns derzeit nicht so Thema. Falls mein Sohn Interesse hat, sich mehr im Betrieb zu engagieren, wird das sicher mehr werden.« Die Globalisierung wurde für das Unternehmen durch die EU-Osterweiterung ab 2014 spürbar. »Auf einmal gab es keine Anfragen mehr für Rohbauinstallierung«, erklärt Fleck. »Man muss die Trends beobachten. Wir waren auch stark in Photovoltaik. Das wird im Moment wieder weniger. Dafür wird der Wohnbau wieder mehr. Beim Portfolio habe ich immer darauf geachtet, mit dem Strom mit zu gehen und mich auf Kundenanforderungen ein zu stellen und gute Kooperationen zu pflegen. Die Anforderungen von Vater Staat werden immer höher und daher steigt der unproduktive administrative Aufwand. Teilweise hat das mit Handwerk nichts mehr zu tun.«

Gesund sein, gesund bleiben In vielen Gewerken der Baubranche ist die Arbeit körperlich sehr anstrengend. Auch bei Werner Fleck zeigen sich Verbrauchserscheinungen. Was hält ihn fit? »Ich nehme wir jeden Tag eine Stunde heraus. Das geht nur am Abend. Sport, mit dem Hund in den Wald gehen. Ich habe mir auch einen Fitnessraum zu Hause eingerichtet. Gegen 21 Uhr komm ich zum Trainieren. Untertags ist es schwer, in Ruhe zu Essen.« Daher achtet er beim Abendessen auf Qualität. Am wenigsten Raum bekommt Familienzeit. Gesellige Kontakte sind nicht bis kaum möglich. Werner Fleck: »Wenn ich ehrlich bin, ich bin immer unter Spannung.« Der Elektriker im Ort, der Bäcker ums Eck, die Hutmacherin in der City oder die Möbeldesigner im Coworking-Space. Sie alle leisten einen wichtigen Beitrag zur ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Nachhaltigkeit. Bislang fehlen politische Rahmenbedingungen, die Kleinstunternehmen so unterstützen, dass die Rollenvielfalt ohne Selbstaufopferung realisierbar ist. n

Werner Fleck, Gründer und Geschäftsführer von Elektro-Fleck, verheiratet, Vater von vier Kindern. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die gesamte Elektrotechnik im Bereich Haus- bzw. Gebäudetechnik für Privatkunden und Unternehmen. Smarthome-Lösungen, SAT-Anlagen, Photovoltaik, Alarmanlagen, Sprechanlagen und die Überprüfung elektrischer Anlagen gehören zum Betätigungsfeld. Telefon: +436645873611, Email: elektro-fleck@inode.at

»Ich kann gut mit meinen Leuten, ich kann mich gut auf Menschen einstellen.«

WERNER FLECK

FAZIT JÄNNER 2019 /// 47

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