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Fazitthema

»Wir können uns den Verlust keines einzigen hellen Kopfes mehr leisten.«

Josef Herk, Präsident der WKO-Steiermark

D

ie gute Nachricht vorweg: Im Vorjahr sind 4.700 junge Steirerinnen und Steirer in eine Lehrlingsausbildung gestartet – 90 Prozent in einem Betrieb und 10 Prozent in einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte. Gegenüber 2016 ist das ein Plus von 1,8 Prozent. Und sogar der Anteil der Lehranfänger bei den 15-Jährigen ist um 0,4 Prozent auf 41,6 Prozent gestiegen. Langfristig befindet sich die Lehre dennoch auf einem absteigenden Ast. Seit dem Jahr 2000 ist die Gesamtzahl der steirischen Lehrlinge um ein Viertel von über 20.000 auf etwa 15.000 zurückgegangen. Der demografische Wandel hinterlässt auch hier seine Spuren.

Fachkräftemangel als Wachstumsbremse

Langfristig hat das fatale Folgen für die Wirtschaft. Ein Unternehmen, das seine Facharbeiterstellen nicht besetzen kann, kann auch nicht wachsen. Und so bezeichnet der Großteil der Manager – über beinahe alle Sparten hinweg – den Fachkräftemangel inzwischen als größte Herausforderung für die Zukunft der Betriebe. Die sinkenden Geburtenzahlen haben längst zu einem Kampf um die Jugendlichen geführt, der zwischen den Ausbildungsbetrieben und den weiterführenden Schulen ausgetragen wird. Dabei wären viele Jugendliche, die sich an die Matura wagen, in einem Beruf besser aufgehoben als in der Schule. Davon ist auch die steirische Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner überzeugt. Sie konstatiert zudem, dass viele Lehrabsolventen bessere Verdienst- und Karrierechancen haben als Maturanten. Der Trend

zur höheren Bildung sei jedoch Teil des Aufstiegsmythos. Bei 15-Jährigen entscheiden vor allem die Eltern über die Ausbildungskarriere. Und die Mütter und Väter sind immer noch davon überzeugt, dass sie ihrem Kind über die Schule, die es besucht, zu einer höheren sozialen Position verhelfen können. Der Run auf die AHS ist daher trotz des Geburtenrückgangs ungebrochen.

So viele Schulen bei so wenigen Schülern

Dass die Gymnasien in der Folge so viele Jugendliche wie möglich von der Unterstufe in die Oberstufe mitnehmen wollen, ist verständlich. Denn es geht um Lehrerstellen und damit ums Geld. Daher gibt es neben dem klassischen humanistischen und naturwissenschaftlichen AHS-Zweigen inzwischen auch kreative, sportwissenschaftliche oder englischsprachige Oberstufenklassen. Damit versuchen die Direktoren, die Eltern und Schüler gegen die Abwerbungsversuche der höheren weiterführenden Schulen und natürlich auch möglicher Ausbildungsbetriebe zu immunisieren. Aus Sicht von Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk wird die Auseinandersetzung um die Jugendlichen nicht immer mit fairen Mitteln geführt. So wird die Lehre von den Oberstufenschulen oft als zweitklassige Ausbildungsform abgetan, obwohl etwa die technischen Berufe nicht nur eine spannende und steile Karriere, sondern auch entsprechend hohe Einkommen in Aussicht stellen.

Das Image der Lehre holt auf

In zahlreichen Kampagnen versucht die Kammer gemeinsam mit den Ausbildungsbetrieben daher das Image der Lehre aufzuwer-

FAZIT JÄNNER 2019 /// 11

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Jänner 2019

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