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Erfolg braucht Führung

Managementserie

P

Wenn es eng wird Persönliche Krisen in Kleinstunternehmen.

Gespräch von Carola Payer mit Ingrid Friedl, der Geschäftsführerin eines Friseursalons.

Fotos: Marija Kanizaj, Privat (2)

Dr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

48 /// FAZIT OKTOBER 2018

ionierinnen und Pioniere schaffen Arbeitsplätze. Klein-, Kleinst- und Mittelbetriebe prägen die Wirtschaft. Neun von zehn Kleinstbetrieben haben maximal fünf Mitarbeiter. Die meisten halten auch in schwierigen Zeiten an ihren Mitarbeitern fest. Aber, was ist, wenn die Eigentümerin, der Chef selbst in der Krise sind? Ingrid Friedl, seit 25 Jahren Unternehmerin in der Friseurbranche, wurde von so einer Krise von einem Tag auf den anderen überrascht. Nach langer Zeit als Partnerin eines Salons in Graz führt Sie seit zehn Jahren als Eigentümerin ein Geschäft mit vier Mitarbeiterinnen in Wundschuh.

Raus aus der Routine – plötzlich ist alles anders Jeder kann einmal über einen kürzeren oder auch längeren Zeitraum ausfallen – sei es durch Unfall oder Krankheit. Fast jeder Unternehmer hat einen Plan B, falls es erforderlich ist, drei bis vier Wochen nicht zu arbeiten. Aber wie sieht es aus, wenn die Arbeitspause viel länger sein muss? Diese Information bekam Ingrid Friedl völlig überraschend bei einer Routineuntersuchung 2013 im Alter von 52 Jahren. Keine vorausgehenden Schmerzen, keine Form einer Ankündigung. Diagnose: Brustkrebs. Ingrid Friedl bei der Frage, was ihr erster Gedanke war: »Ich muss ehrlich sagen, ich habe nicht als Erstes ans Geschäft gedacht. Ich dachte an meine Tochter und: »Ich will meine Enkelin aufwachsen sehen«. Die intensiven Behandlungen und Therapien erforderten von ihr ein fast einjähriges Fernbleiben vom Betrieb. Ingrid Friedl: »Die Chemo- und Alternativtherapien haben mich so geschwächt, ich hatte gar nicht die Kraft, die Arbeit zwischendurch aufzunehmen. Ich konnte auch den Geruch der Mittel nicht ertragen. Ich brauchte die ganze Kraft, um mich auf mich zu konzentrieren.« Professor Hendrik Berth, Medizinpsychologe des Uniklinikums Dresden, bestätigt die Notwendigkeit eines kompletten Rückzuges: »Ich bin definitiv dagegen, dass während einer Krebstherapie noch weiter gearbeitet wird.« Die allermeisten Chemotherapien gehen nicht nur mit körperlicher Erschöpfung einher, sondern auch mit kognitiven Einschränkungen. Die Konzentrations- und Gedächtnisleistungen werden vermindert«, sagt Berth. Die Tätigkeit für das Unternehmen macht demnach noch kränker. »Die Arbeit stellt eine weitere Belastung dar und führt dazu, dass der Genesungsprozess verzögert wird«, so der Psychologieprofessor. Aus der wissenschaftlichen Forschung ist bekannt, dass beispielsweise Stress den Ausbruch von Erkältungen begünstigt. Dementsprechend könne man zusätzliche arbeitsbedingte Belastungen neben einer Krebserkrankung als ungesund betrachten. Das Weiterarbeiten sei während einer Chemotherapie also nicht empfehlenswert – weder seitens des Erkrankten noch seitens der Firma. Herausforderung – die eigene Arbeitskraft kompensieren Wie gelingt ein vollständiger Rückzug in einem so personenbezogenen Dienstleistungsgeschäft, mit einer hohen Affinität der Kunden von ihrem Friseur oder ihrer Friseurin betreut zu werden? Moser, Professor für Managementkompetenzen an der Europäischen Fachhochschule, meint dazu: »Ein kooperatives, wertschätzendes Klima innerhalb der Belegschaft ist ein Grundpfeiler, um eine krankheitsbedingt geschwächte Führung auszugleichen.« Auch Ingrid Friedl weist darauf hin, dass in der Krise ihr jahrelanges Fördern einer guten Teamarbeit hier Früchte gezeigt hat. »Ich sorge immer dafür, dass es den Mitarbeitern gut geht. Ich möchte, dass alle gerne arbeiten gehen. Ich bin auf Augenhöhe mit meinen Mitarbeitern und gehe mit ihnen um, wie ich es auch gerne möch-

Fazit 146  

Oktober 2018

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