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»Sell In May« – Saisonal investieren Die Kapitalmärkte weisen regelmäßig zwischen Oktober und April die größte Performance auf. Oder anders: Aktien sind im September am günstigsten und im Mai am teuersten. Diese regelmäßig wiederkehrende Kapitalmarktanomalie

– den sogenannten Wintereffekt – kann man sich mit der »Sell in May«-Strategie zunutze machen, indem im September gekauft und im Mai verkauft wird. Seltsamerweise folgen alle Blue-Chip-Indizes diesem Phänomen. »Sell in May« beruht auf Erfahrungswerten, und weil sich viele Investoren danach richten, wird sie wegen des dadurch bewegten Handelsvolumens zu einer Art sich selbsterfüllenden Prophezeiung. Gegenüber »Buy-and-Hold«- erzielen »Sell-in-May«-Investoren eine geringfügig bessere Performance. Daher bieten viele Finanzdienstleister Investmentstrategien bzw. eigene Saisonzertifikate auf Basis des Wintereffekts an.

»The trend is your friend« – Mit der Masse schwimmen Die Strategie »The trend is your friend« empfiehlt Papiere zu kaufen, die gerade steigen, und sie dann zu verkaufen, wenn der Kurs zu sinken beginnt. Das klingt zwar einfach, ist aber in der Realität schwierig oder gar unmöglich. Wie soll der Anleger die richtigen Zeitpunkte erkennen? Dennoch ist es statistisch wahrscheinlicher, dass ein bestehender Börsentrend noch länger andauert und kein sofortiges Ende findet. Daher ist es nie ratsam, gegen den Trend zu handeln, außer man erkennt klare Anzeichen für eine Trendumkehr.

Foto: Anthony Quintano

immer mehr Studien zeigen, dass das kaum gelingt. Bis zu 98 Prozent der aktiv gemanagten Fonds schaffen es nämlich nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Wer langfristig investiert, sollte wissen, dass es so gut wie keinen Fonds gibt, der seinen Vergleichsindex dauerhaft (länger als fünf Jahre) übertrifft. Daher – und auch wegen der wesentlich niedrigeren Kosten – empfehlen unabhängige Finanzexperten und Verbraucherschützer für den langfristigen Vermögensaufbau immer öfter ETFs. Die günstige Kostenstruktur führt aber auch dazu, dass Banken oft kein großes Interesse an dem aktiven Vertrieb dieser Produkte zeigen. Für professionelle Investoren werden Indexfonds jedoch immer wichtiger. Und so stecken inzwischen unglaubliche drei Billionen Dollar in Indexfonds. Doch mit dem Erfolg wachsen auch die Risiken. Denn der nächste Crash kommt bestimmt. Und gerät der Markt ins Rutschen, werden die ETFs aufgrund ihrer Marktmacht die Fallgeschwindigkeit des zugrunde liegenden Index deutlich beschleunigen.

Das »Fearless Girl« von Kristen Visbal in der New Yorker Wall Street stellt sich mutig dem Börsenbullen entgegen. Anleger sollten daher versuchen, Gewinne so lange wie möglich laufen zu lassen. Doch auch die uralte Wallstreet-Weisheit »Wenn der Friseur oder der Taxifahrer zu Aktien raten, ist es Zeit auszusteigen« hat ihre Berechtigung, weil das ein klarer Hinweis auf eine Marktüberhitzung bzw. auf das baldige Platzen der Blase wäre. Charttechniker nutzen »The trend is your friend« anhand der 200-Tage-Linie. Diese bildet sich aus den Schlusskursen einer Aktie an den letzten 200 Börsentagen. Durchbricht der Kurs diese Linie nach oben, gilt das als Kaufsignal. Durchbricht er sie nach 200 Tagen nach unten, wird verkauft. Seit der Finanzkrise lässt sich ein viel volatilerer Kursverlauf feststellen. Das erhöht zwar die Chancen für Daytrader,

FAZIT JUNI 2017 /// 33

Fazit 133  

Juni 2017

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