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www.fazemag.de

Februar 2013 3,90 Euro (DE/AT) 6,90 CHF (CH)

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Das neue Magazin f端r elektronische Musik

mit OLIVER SCHORIES Download-Mix Jamie Lidell / Ian Pooley / Indoor Life Delphic / Holocube / FaltyDL / Tosca Art Department / Michael Michalsky Otto Knows / Adana Twins / TM404 Pioneer CDJ2000nexus / DJM2000nexus + die Gewinner des Jahrespolls 2012

&


IN YOUR FAZE FAZEmag 012 / Februar 2013

FAZEM AG RELEA SE N A CHT AM 01 .02. A B 23 U IM RE HR INEKE FUCH (A ACH S ENER STR. 5 0) IN KÖ LN

In Your Faze, liebe Fazilisten.

ren. Manches war dabei vielleicht so zu

Marc Romboy und Ken Ishii? Auch Jamie

erwarten, einiges aber auch für uns einen

Lidell und Delphic liefern in diesem Monat

einen Monat hat das neue Jahr nun schon

Überraschung. Lest ab Seite 44, wer sich

Hörenswertes ab, was gleichwohl für den

wieder auf dem Buckel, und wir von

2012 in eure Herzen gespielt und/oder pro-

Wahlhamburger Oliver Schories und seinen

FAZEmag sind nach wie vor mit allen uns

duziert hat. Bei allen, die dort nicht auf-

Download-Mix gilt, mit dem er so einige –

zur Verfügung stehenden Mitteln und

tauchen, würde ich meine Hand allerdings

wenn nicht alle – FAZEmag-Leser glücklich

Energien bestrebt, unseren zwei einzigen

niemals dafür ins Feuer legen, dass wir

machen dürfte.

guten Vorstäzen gerecht zu werden: Weiter-

sie nicht eines Tages zwischen Würmern,

machen wie bisher und niemals ins Dschun-

Kakerlaken und Doppel-D-Promis auf den

Über konstruktive Kritik und etwaige

gelcamp gehen.

Bildschirmen wiedersehen.

Anregungen freuen wir uns fast genau-

Ersterer Maxime dürften sicherlich auch

Einen ersten Ausblick darauf, wer die

besten via feedback@fazemag.de. Jetzt aber

einige DJs, Produzenten, Live-Acts, Label

Chance hat, beim Poll 2013 vorne mit

erst mal viel Spaß beim Lesen der neuen

etc. anschließen, wenn sie einen Blick auf

dabei zu sein und sämtlichen Ekelprüfungen

Ausgabe.

die Auswertung unseres Jahrespolls 2012

vorerst aus dem Weg zu gehen, liefern euch

werfen. Ihr habt gewählt und eure Helden

die anderen Themen dieser Ausgabe. Wie

Bis zum nächsten Monat

der vergangenen zwölf Monate auserko-

wäre es mit dem gemeinsamen Album von

Nicole

so wie über Lob und Anerkennung, am

IMPRESSUM Herausgeber FAZE Music und Verlags GmbH Redaktionsadresse FAZE Music und Verlags GmbH Schanzenstr. 39 E 51063 Köln Tel.: +49 (0) 221 9 33 38 – 452 Fax: +49 (0) 221 9 33 38 – 453 Geschäftsleitung Sven Schäfer (V.i.S.d.P.) [sven@fazemag.de]  Chefredaktion Nicole Ankelmann [nicole@fazemag.de] Redaktion Benedikt Schmidt [benedikt@fazemag.de] Tassilo Dicke [tassilo@fazemag.de] Rafael Da Cruz [rafael@fazemag.de] Matthias Thienel [matthias@fazemag.de]

Verena Bolz [verena@fazemag.de]

Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 01.02.2012

Grafik Stefan Gubatz [stefan@fazemag.de] Arek Losiewicz [arek@fazemag.de] Laura Handler [laura@fazemag.de]

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Redaktionelle Mitarbeit: Andrea Daschner, Andreas Gehm, Andreas Rathmann, Arne Schütte, Bela Tess Wind, Björn Torwellen, Carsten Becker, Damian Duda, Daniel Schröckert, Domink Eulberg, Eva Winter, Hauke Schlichting, Jan Drees, Jens Hänsgen Katrin Richter, Katrin Weber, Manuel Haas, Martin Lange, Mirek Ponsens, Oliver Wallner, Patrick Selzer, Philipp Strauch, Rainer Weichhold, Roger Schimmelpfennig, Sascha Giese, Silvia Schumacher, Stev Dive, Tobias Quinten, Tobi Kirsch, Tom Breu, Tom Novy, Xenia Beliyaeva Coverfoto Natascha Romboy Vertrieb Verlagsunion KG Postfach 57 07 65047 Wiesbaden Tel.: 06123-620143

Erscheinungsweise 12 Ausgaben pro Jahr. Abonnement für ein Jahr: Inland 40 EUR, Ausland 65 EUR inkl. Porto und MwSt. Für unverlangt eingesandtes Material wird keine Haftung übernommen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben die Meinung des jeweiligen Verfassers wieder, nicht unbedingt die des Herausgebers. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Verlages, dies gilt auch und ausdrücklich für Veröffentlichungen im Internet. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen. Alle Angaben sind ohne Gewähr.


Feedback

Feedback Hier präsentieren wir euch ausgewählte Leserbriefe und Kommentare von unserer Homepage. Bitte weiterhin fleißig in die Tasten hauen oder gerne auch mal einen Brief schreiben. Wir freuen uns! ZU: RAINERS RATGEBER – TEIL 8: DIE SACHE MIT DEN SCHEINBAR VON DER GEMA GELÖSCHTEN YOUTUBEVIDEOS G. MAKACKEN Rainer, du schreibst doch selbst, dass es sich bei den zwölf Videos, die die GEMA verhindert, um “beispielhafte” Videos handelt – es geht somit nicht nur um diese zwölf Videos, sondern im Prinzip doch um alle Videos mit GEMA-Musik. Mit den zwölf wurde eben gerichtlich ein Exempel statuiert. Die GEMA fordert schließlich nicht, dass Youtube am Ende nur für diese zwölf Videos Gebüren abführt – sondern für ALLE Videos, die GEMAMusik enthalten. Google hat daher sozusagen “vorbeugend” auch die restlichen GEMA-Videos teils sperren lassen, um weitere Gerichtsprozesse im vorhinein zu vermeiden. Würde jedes andere Unternehmen genauso machen. RAINER WEICHHOLD Du meinst, das is sowas wie eine Toyota-Rückrufaktion aller Autos? Dann hätte das Youtube doch bei ALLEN Videos machen müssen, nicht nur bei ein paar tausend ... AUDIOLOGIN Es ist richtig, dass nur ein paar Videos gesperrt wurden. Weiterhin kann jeder Komponist, Label, Verlag Google anschreiben und eine Sperrung veranlassen – genau wie jeder andere Weltbürger, der seine Rechte verletzt sieht. Google ist eine Bratze und ein Mega-Konzern, der gierig ist und die totale Macht will. Der deutsche Lemming hat nichts anderes zu tun, als gegen unsere GEMA zu bashen, weil ihm sonst die Morgenlatte ausbleibt. Wenn Google Gerichtsprozesse vermeiden wollte, wäre es überhaupt nicht soweit gekommen. Wenn Google Respekt vor der Kunst und den Komponisten hätte, würde dieser Konzern einlenken und das bezahlen, was die Komponisten haben wollen. Was zählt sind Masse, Macht und Geld. Der Beitrag ist komplett korrekt und richtig dargestellt, weil ich es weiß und nicht nur glaube... Peace! MR. HENKY Interresantes Wissen ... beleuchtet auf jeden Fall die andere Seite. Aber die negative Meinung über die GEMA kam bei mir erst auf, als ich mich im letzten Jahr mit der Thematik zum ersten Mal auseinander setzen musste. Im Grunde eine topp Idee, ein Haufen, der existiert, weil er für die Rechte der Künstler eintritt. So weit so gut. Wie die Tantiemen verteilt werden aber, das ganze Auszahlsystem ist fürn Arsch, verschlingt einen Wahnsinn an Verwaltungskosten, und als langjähriger Vinyljunkie weiß ich, wie selten die GEMA bei unserer Musik überhaupt vertreten ist. Das ist sehr gering und rechtfertigt in keinsterweise die geforderten Erhöhungen. MAXIMILIAN Man könnte doch Youtube auch einfach abschaffen, und dann können alle mal schauen, wie die Promo flöten geht. Dann ist diese dumme Diskusion vom Tisch ... Wenn ich das schon höre:

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Die Bösen von Google sind geldgeil ... Man schaue sich allein mal an, was die GEMA mit der ganzen Kohle macht. Mehr, mehr, mehr, immer mehr ... für Dr. Dings, Professor Boing und Prof. Dr. Dr. Schießmichtot. „Es geht uns natürlich um die Künstler, nachdem wir alle ein wenig Geld bekommen haben. Wir arbeiten ja so hart. 300.000 im Jahr für die Chefetage ...“ Und die elektronische Musik ist da auch noch in der dunkelsten, uninteressantesten Ecke, und da lässt sich noch gut was abzweigen für die Musik der Pseudoelite. Dann kommen da so Verblendete wie Schiller und Co. an und machen noch den Dicken für die GEMA. Naja, gibt ja auch Geld... Wieso läuft bei denen keiner Amok ? PANZAERFRANK Ein sehr kontroverses Thema mit interessanten Argumenten auf allen Seiten. Früher hatten wir Dopppeltapedecks, mit denen wir u. a. Radiosendungen aufgenommen haben. Diese Ghettoblaster gab es überall legal zu kaufen. Bei etlichen Radiosendungen warteten die Sprecher extra, bis das Lied komplett zu Ende gespielt war, ohne dazwischen zu quatschen. Heute laufen im Radio wochenlang täglich 20 Hits, immer dieselben. Kein Wunder, wenn manche Leute irgendwann weichgekloppt sind. G. MAKACKEN Youtube zahlt doch bereits – im Ausland, wo sich die Verwertungsgesellschaften mit Youtube längst auf eine angemessene Vergütung geeinigt haben. JENNY Dass die angemessen ist, wage ich zu bezweifeln. Wenn die da genauso mies zahlen wie z. B. bei Spotify, dann kommen am Ende bei den Künstlern nur ein paar Cent an. Das ist ja mit ein Grund, warum die GEMA verhandeln will, eben weil das Ausland zeigt, dass bei derart schlechter Bezahlung nichts mehr über bleibt. Und jetzt bitte nicht wieder damit anfangen, dass die GEMA ja so viele Kosten verursacht. Einen Kostensatz von 15% finde ich völlig in Ordnung. In England hat man bei der miesen Bezahlung auch wieder eingelenkt und möchte mehr Geld von Youtube haben, woraufhin Youtube sich einfach mal wieder quergestellt hat und den Usern in England die Videos sperrt. Das ist keineswegs nur ein Problem in Deutschland. G. MACKACKEN Seltsamerweise hört man von ausländischen Musikern nie irgendwelche Beschwerden, dass sie von ihrer Verwertungsgesellschaft zu wenig Royalties erhalten würden und sich von Youtube abgezockt fühlen. Dort schüttelt man stattdessen auch längst den Kopf darüber, was in Deutschland mit der GEMA abgeht. Wie kürzlich der Presse zu entnehmen war, haben die großen Plattenfirmen Milliarden von Fake-Views bei ihren Videos auf Youtube generiert. Nachdem Youtube den Schwindel aufgedeckt hatte, wurde diese natürlich gelöscht. Man stelle sich nun mal vor, was wäre, wenn Youtube für solche FakeViews auch noch Kohle an die GEMA abgedrückt hätte? JENNY Für sowas findet sich sicher doch auch eine Lösung, Google hat doch genug ITler, die da was entwickeln können. Ansonsten kann halt nur Videos schauen, wer einen Account bei Youtube hat, damit würde es schon deutlich schwerer, was zu faken. Es ist doch genau das Gleiche wie bei Google (Suchmaschine), was da nicht schon alles unternommen wurde, um auf die erste Seite zu kommen, und Google hat immer wieder gegen gesteuert, da haben die doch schon ne Menge Erfahrung.

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Leserbriefe an feedback@fazemag.de oder per Post: FAZEmag / Redaktion Feedback / Schanzenstr. 39 E / 51063 Köln Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Inhalt

INHALT FAZEmag 012 / Februar 2013

PROLOG

MUSIK

18

22

26 KONSUM

30

16 18 22 26 28 30 31 32 34 36 38 40 42

Art Department / Hot Coins Romboy & Ishi – Unverhofft gen Sonne Oliver Schories – Zweite Herzensangelegenheit Jamie Lidell – Zu House in Nashville Ian Pooley –  ... macht sein Ding Delphic – Der Weg aus der Krise FaltyDL – Alles aus Liebe Indoor Life – Immer noch elektrisierend Animal Trainer – Das verflixte 7. Jahr Holocube – Endlich volljährig! Otto Knows – Who knows? He knows! 10 Wegweiser – Tosca FAZEmag Jahrespoll – And the winners are ...

52 Mode – Mode, Musik, Michalsky 56 Gadget Inspektor – Spielzeug für Große 58 Spielplatz – Neue PC- & Konsolen-Games 60 Leinwand – Aktuelle Kinostarts & DVD-Releases

NEUES FÜRS OHR

62 63 66 70 72

FAZE Forty DJ-Charts Longplayer Compilations Singles + EPs

TECHNIK

84 86 88 91

Studioportrait – Andreas Tilliander, TM404 Maschinenraum – Die Tech-News-Ecke Gefechtsstation – Pioneer CDJ/DJM2000nexus Ableton Push – Einer für alles

EPILOG

92 93 98

Rausgehen – Die FAZEmag-Eventtipps Abo – FAZEmag in your house Novys Welt – Der blaue Pullover

28

31

03 Editorial + Impressum 04 Feedback – Eure Meinung ist uns wichtig 05 Inhaltsverzeichnis 06 Auftakt – Neues aus der Szene

52

91

88

92

98

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Auftakt

SNOWZONE Aprés Ski ist vor der Party Eine Woche Schnee- und Partyspaß in den französischen Alpen steht in der letzten Märzhälfte an, wenn die Snowzone das kleine Örtchen Les Deux Alpes zum wiederholten Male in Beschlag nimmt. Neben jeder Menge Pistenspaß wartet das Event mit einem formidablen LineUp auf, also keine Chance für kalte Füße. Der Dortmunder Ante Perry ist ebenso dabei, wie die Drum’n’BassHeads Jaycut & Kolt Siewerts. Blonde Verstärkung im Doppelpack kommt von Shelectric, noch mehr Sound von P.A.C.O., Disco Gessner und dem Gastmannschaft DJ-Team. Dies ist nur ein erster Vorgeschmack auf das, was euch musikalisch erwartet, weitere Künstler werden in Kürze bekanntgegeben. Wer den Winterfreuden in Les Deux Alpes frönen möchte, sollte frühzeitig Unterkunft und Ticket buchen. Dies könnt ihr auf der Website zum Event in verschiedenen Kategorien machen. Snowzone // 23.03.–30.03.13 // Les Deux Alpes, Frankreich LineUp: Ante Perry, Jaycut & Kolt Siewers, Shelectric u.a. www.snowzone.net

A&P BERLIN SUMMER RAVE Nutze deine Chance und lege auf dem FAZEmag-House-Floor auf! In Berlin ticken nicht nur die Uhren, sondern auch die Jahreszeiten anders, denn Ende Mai ist es bereits wieder soweit. Dann wird auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof die vierte Ausgabe des A&P Berlin Summer Rave gefeiert. Das musikalische Programm verteilt sich auf drei Hangars: Es gibt die Main Hall, in der Westbam, Dumme Jungs und Vitalic ihr Unwesen treiben, den Ostfunk Floor mit u. a. AKA AKA feat. Thalstroem, Torsten Kanzler und Lützenkirchen, sowie den House Floor, der vom FAZEmag präsentiert wird. Jawollja, euer Lieblingsmagazin ist dabei, und ihr habt die Chance, ein Teil des dortigen LineUps zu sein, denn wir rufen zum DJ-Contest auf. Der Gewinner wird den House Floor eröffnen und steht damit auf einer Bühne mit Mousse T., Oliver Schories, Bebetta und Falko Niestolik. Nähere Infos zum Contest gibt es in der Märzausgabe, also haltet euch bereit und übt fleißig. A&P Berlin Summer Rave // 25.05.13 // Flughafen Tempelhof, Platz der Luftbrücke, Berlin LineUp: Westbam, AKA AKA feat. Thalstroem, Vitalic, Mousse T., Dumme Hungs, Lützenkirchen, Oliver Schories, Bebetta, Torsten Kanzler, Falko Niestolik, Mr. X And Mr. Y, Electrixx etc.

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Tickets im VVK und weitere Infos: www.berlin-summer-rave.de


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Auftakt

PLANET XENBEL VON XENIA BELIAYEVA Sind wir nicht alle egoistisch? Die Sache mit Hans-Jürgen Vogel muss kurz unterbrochen werden, weil: „Breaking News!“ Der Hund, der meinem Bruder gehörte, gehört jetzt mir. Nachdem mein Bruder aus dem Urlaub gekommen ist, hat er irgendeinen Mega-Deal abgeschlossen und musste direkt auf Geschäftsreise. In seinem Geschäft geht alles sehr schnell. Wie an der Börse, rauf und runter. (Mhh, in meinem Geschäft eigentlich auch.) Nach der Geschäftsreise, wollte er den Hund abholen, war aber sehr gestresst. Er wusste nicht, was mit seinem Deal ist und wann er wieder losfliegen muss. Seine Freundin veranstaltete SMS-Terror, ich versuchte, ihre Gefühlswelt für meinen Bruder zu übersetzen, er dachte an seine ungeöffneten Briefe und E-Mails und dass er den Steuerberater noch anrufen muss ... Alles in allem war er sehr unruhig. Ich konnte sehen, wie es in seinem Kopf rauschte. Deswegen schlug ich vor, den Hund noch etwas bei mir zu lassen. ter. Hin und wieder ruft sie: „Kalle komm“, dann wieder „Kalle“, dann „Komm“. Kalle dreht sich nicht um, Kalle kommt nicht, Kalle folgt uns. Wir sind schon ein gutes Stück weiter. An einer Biegung bleibe ich stehen. Nicht wegen Kalle, Schneeflocke hat irgendwas entdeckt und schnüffelt fröhlich. Auf einmal, oder auch endlich, kommt Kalles Besitzerin mit aggressivem Gang und roten Wangen um die Ecke. Sie nimmt Kalle an die Leine, sagt ihm, was für ein Arsch er ist, fragt ihn, ob er taub sei und wirft mir asoziales Verhalten vor, weil ich nicht früher stehen geblieben bin. Ich habe Ihr ruhig gesagt, dass ich nicht wegen ihr stehen geblieben bin, sondern, weil mein Hund hier was zu schnüffeln hat. Dann ist sie explosiv abgerauscht. Sicherlich, ich hätte kurz stehen bleiben können, ich bin ja nicht asozial, aber die Dame hat in dem Moment die Verantwortung für ihren Hund auf mich geschoben, und ich habe mich bewusst dazu entschlossen, diese nicht zu tragen. Das nächste Mal, wenn sie telefoniert, rennt Kalle vielleicht aus dem Park und wird im schlimmsten Fall vom Auto überfahren. Dann ist natürlich der asoziale Autofahrer schuld. Nächsten Monat kommen wird dann wieder zu Hans-Jürgen Vogel. Die Hundebesitzerin www.xenbel.net Dann kam noch dies und das, und ich war schon hoffnungslos in den Hund verliebt. Die Zeit spielte für mich, und so nahm ich meinen Mut zusammen und fragte meinen Bruder, ob der Hund bei mir bleiben kann, und er ihn nimmt, wenn ich auf Tour bin oder er Zeit hat. Es schien mir das Beste zu sein – für den Hund, für meinen Bruder und natürlich für mich. Mein Bruder ist nicht verantwortungslos, ich muss ihn in Schutz nehmen. Wir hätten uns beide keinen Hund geholt. Der Hund kam durch ein trauriges Kapitel zu uns, aber jetzt freuen wir uns über das Tier. Vielleicht ist es so, wie mit einem Kind. Irgendwie passt es gerade nicht oder auch nie, und wenn es dann da ist, passt es super und ist lediglich eine Frage der Organisation. Falls ihr mal eine Organisationskrise habt oder auch ohne Krise, kann ich „Simplify your life“ von Werner Tiki Küstenmacher nur empfehlen. In Parks kann ich mich gut mit mir und meiner Umwelt beschäftigen, Gedanken ordnen, Abläufe strukturieren oder auch einfach an nichts denken. Hamburg hat die schönsten Grünflächen Deutschlands, und ich habe noch längst nicht alle gesehen. Heute habe ich einen Ausflug in den Volkspark gemacht. Ich hatte Lust, mich von anderen Hundebesitzern ankacken zu lassen. Sozialverhalten ahoi! Alle Soziologen in den Park! Hier gibt es reale Fallbeispiele! Schneeflocke und ich gehen rum, auf einmal gesellt sich ein schwarzer Labrador zu uns, seine Besitzerin steht 100 Meter entfernt an einer Bank und telefoniert. Schneeflocke und ich gehen weiter. Der Labrador folgt uns, seine Besitzerin telefoniert wei-

GUBIS EHER NICHT SO DOLLE KARIKATUREN

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Auftakt

FAZEmag / 012 / Februar 2013

EULBERGS HEIMISCHE GEFILDE „Brenzlich, brenzlich“ – dachte der Feuersalamander

Und tatsächlich, der Feuersalamander braucht niemanden zu fürchten, er hat keine natürlichen Fressfeinde. Grund dafür ist ein übel beißendes Hautdrüsensekret mit dem Hauptgift Samandarin, das er je nach Angriffsstärke schaumartig über spezielle Ohrendrüsen oder Drüsensporen auf dem Rücken absondert. Lässt der Angreifer nicht locker, kann der Salamander das Drüsensekret aktiv bis zu einem Meter weit spritzen. Jeder Angreifer, der einmal seine Erfahrung mit dem beißenden Sekret gemacht hat, wird nie wieder einen Feuersalamander anrühren. Seine leuchtend gelbe „Warntracht“ wird ihn schon von Weitem davon abhalten: „Achtung giftig!“. Zudem dient das Hautdrüsensekret der Hemmung von Bakterien- und Pilzwachstum auf der feuchten Haut. Feuersalamander erreichen so ein erstaunliches Alter von bis zu 50 Jahren. Das gelblich bis orangefarbene, gepunktete bis gestreifte Muster der Feuersalamander ist bei jedem Tier anders, wie ein individueller Fingerabdruck. Durch dieses auffällige Erscheinungsbild ist der Feuersalamander seit langer Zeit den Menschen vertraut. Auf Grund seiner behäbigen, furchtlosen Fortbewegung war man der Meinung dem Tier könne nichts und niemand etwas antun. Auch vor Feuer habe es keine Angst, sei gar mit seinem Hautsekret dazu in der Lage Brände zu löschen. Brach im Dorf ein Feuer aus, gingen die Menschen in den Wald um Salamander zu sammeln, die sie dann in die lodernden Flammen warfen, mit der Hoffnung der mutige Salamander bekämpfe das Feuer. Diesem verhängnisvollen Irrtum verdankt der Feuersalamander seinen Namen. Feuersalamander sind typische Laubwaldbewohner. In der Dämmerung werden sie erst aktiv und jagen nachts alles, was

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sie finden können: Würmer, Schnecken, Käfer, Asseln. Nur an verregneten, kühlen Tagen, bei typischem „Salamanderwetter“, verlassen sie auch tagsüber ihr Versteck. Ihr Lebensraum ist dabei eng an klare, sauerstoffreiche Fließgewässer gebunden. Solche Quellbäche braucht der Salamander zur Jungenaufzucht. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Lurchen werden keine Eier, sondern voll entwickelte, kiemenatmende Larven in die Gewässer abgesetzt. In diesen fischfreien Oberläufen, entwickeln sie sich innerhalb weniger Monate zu lungenatmenden Landtieren. In der letzten Zeit ist jedoch auch ein Verhalten von Feuersalamandern beobachtet worden, ihre Larven in stehende Gewässer, wie Tümpel, Gräben oder Pfützen abzulegen. Grund dafür ist wohl, dass saubere Quellbäche immer seltener werden. Zudem besteht nicht die Gefahr in den fischreicheren Unterlauf der sonst üblichen Fließgewässer abgedriftet zu werden. Allerdings besteht die Gefahr einer Austrocknung. Interessanterweise paaren sich nur solche Salamander untereinander die entweder in stehenden oder f ließenden Gewässer geboren wurden, obwohl sie noch ein und die selbe Art sind. Einige Populationen von Feuersalamandern in Südeuropa können zum Teil fertig entwickelte Jungsalamander gebären, die sofort terrestrisch leben und somit völlig entkoppelt von Gewässern sind. Dies kann als Anpassung an trockenwarmes Klima und die damit verbundene Gewässerknappheit verstanden werden. Bei anderen, in Höhlen lebenden Populationen von Feuersalamandern, verweilen die Tiere ihr Leben lang im aquatischen Larvenstadium und erlangen dennoch Geschlechtsreife. www.dominik-eulberg.de

Foto: flickr.com / aah-yeah

Behäbig und furchtlos stapf ein etwa 20 Zentimeter langes, schwarz glänzendes Wesen mit leuchtend gelbem Muster auf dem Rücken über den Waldboden; mit einer fast schon arroganten Gemütlichkeit, als könne ihm nichts und niemand etwas anhaben.


Auftakt

APPLESCAL Amsterdam im Februar Der Februar ist in Amsterdam für gewöhnlich ein friedvoller Monat. Die Menge der bekifften Touristen, die das Zentrum auf Mietfahrrädern terrorisieren, ist ziemlich gering. Es gibt viele schöne Orte, an denen man jetzt einen wärmenden Kaffee trinken kann. Ein solch schöner Ort dafür ist Haarlemmerdijk/Brouwersgracht. Haarlemmerdijk ist eine Einkaufsstraße mit vielen kleinen Läden. Kein Saturn, kein H&M, sondern eine vielfältige Zahl von Shops, die Second-Hand-Klamotten verkaufen oder Raritäten wie spanischen Wein und biologische Fahrräder aus Bambus feil bieten. Diese Gegend ist eher Underground und zeigt die wahre Schönheit von Amsterdam. Die Brouwersgracht ist in unmittelbarer Nähe und einer der schönsten und ruhigsten Kanäle der Stadt. Darüber hinaus ist hier aber auch Anfang des Jahres was Revolutionäres passiert. Die Clubs dürfen nun am Wochenende 24 Stunden lang öffnen. Bisher war um 5 Uhr Schluss. Einer der besten Läden, um das auszuprobieren ist das Trouw. Am 2. Februar kommt Robag Wruhme, am 10. Laurent Garnier und schließlich am 24. Michael Mayer. Aber Obacht, nicht jeder Club in Amsterdam hat ein gutes Musikprogramm. Probiert es einfach aus. Foto: Ivan Herman

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Anfang Februar erscheint Applescals „Dreaming In Key“ auf Atomnation. www.amsterdam.info/de www.atomnation.net

neues

Album


Auftakt

FAZEmag / 012 / Februar 2013

RAINERS RATGEBER – TEIL 12: Lizenzabrechnungen Jeder, der sich in Deutschland mit elektronischer Tanzmusik auseinandersetzt, ist schon auf den Augsburger Rainer Weichhold getroffen. Sei es in seiner Funktion als Chef von DJ-Propaganda, A&R und Labelmanager von Great Stuff Records, Macher von Kling Klong Records oder einfach bei seinen DJ-Gigs. Neben seinen DJ-Coaching-Seminaren gibt Rainer Weichhold nun auch im FAZEmag jungen Produzenten jeden Monat Tipps, was sie beachten sollten, wenn sie den inneren Drang verspüren, in der großen weiten Welt der Musikindustrie ihr Glück zu suchen. Kontaktiert Rainer gerne direkt unter rainer@klingklong.com! Klassischerweise sind die Abrechnungen der Lizenzen nach jedem Halbjahr fällig, und die Labels haben dann drei Monate Zeit, diese Statements zu errechnen und den Künstlern zu schicken. Das heißt, die Abrechnungen des Künstleranteils an den Einnahmen aus dem 2. Halbjahr 2012 solltest du von deinem Label bis zum 30.03.2013 erhalten. Und genauso hast du als Labelmacher auch die Pflicht deinen eigenen Künstlern bis dann die Abrechnungen zu schicken. Die Kalkulation selbst ist eigentlich nichts Dramatisches, eine teure Spezial-Software ist bei jungen Labels nicht notwendig. Ich selbst mache einfach in einem Excel-Dokument eine Aufstellung aller Einnahmen der Titel des jeweiligen Künstlers (Vinyl, digital, Compilations anderer Labels ...). Nicht vergessen: Dazu gehören natürlich auch die Einnahmen aus den Remixen dieser Tracks, nicht nur die Einnahmen der Originalversionen. Wie hoch der jeweilige Künstleranteil der unterschiedlichen Einnahmen dann ist, ergibt sich aus einzelnen Abmachungen im unterschriebenen Vertrag. Dann ziehe ich die vertraglich vereinbarten Kosten für z.B. Remixe, Videos etc. wieder ab und erhalte so die Summe, über die der Künstler nach Rechnungsstellung seine Auszahlung bekommt. Unbeabsichtigte Flüchtigkeitsfehler können jedem mal passieren, deswegen schaue besser ganz genau die Abrechnungen durch, die du von deinem Label bekommen hast und überprüfe, ob die vertraglichen Abmachungen auch genau umgesetzt wurden. Manche Statements sehen auf den ersten Blick recht unübersichtlich und verwirrend aus. Doch da ist es keine Schande wenn man bei der Plattenfirma nachfragt und sich die Systematik ihrer Kalkulation erläutern lässt. So kommt es oft vor, dass die erste Abrechnung noch sehr wenig enthält und manchmal auch sogar noch im Minus ist. Vor allem, wenn man doch bei Beatport etc. gesehen hat, dass sich das Release gut verkauft, dann sieht das auf den ersten Blick merkwürdig aus. Aber kein Grund zur Beunruhigung, das kommt in der Regel daher, dass die abzuziehenden Kosten (Remixe, Video etc.) bereits in der Abrechnung enthalten sind, weil sie schon vom Label bezahlt wurden. Die Einnahmen (vor allem aus den Downloads) werden aber oft von den Shops nur alle drei Monate mit den Digital-Vetrieb abgerechnet. Dieser wiederum rechnet oft auch erst nach weiteren drei Monaten an das Label ab, so dass es tatsächlich bis zu einem Dreivierteljahr dauern kann, bis dein Label dieses Geld hat und an Dich abrechnen kann. Diese Verzögerungen solltest Du immer einkalkulieren und nicht enttäuscht sein, wenn du erstmal nichts ausgeschüttet bekommst. Das Minus aus der Abrechnung musst du natürlich niemandem bezahlen, es wird lediglich in die Abrechnung der nächsten Periode übertragen und dann dort verrechnet. Denk dran: Deine Künstler freuen sich, wenn du ihnen unaufgefordert ihre Abrechnungen schickst und dann natürlich auch kurzfristig ihre Rechnungen überweist. Das sollte Standard sein, ist es aber leider nicht immer. 10

In der März-Ausgabe: Künstlersozialkasse

PRIMAVERA SOUND Ein Kessel Buntes in Barcelona Und, schon was vor in diesem Frühjahr? Wie wäre es mit einer schicken Reise ins wunderschöne Barcelona? Vorher noch fix die Spanischkenntnisse aufgefrischt: Cerveza heißt Bier, gleich ein San Miguel bestellen ist aber einfacher. Mehr muss man dann auch nicht wissen, wenn man zum Primavera Sound Festival fährt, denn Musik ist schließlich die Sprache, die jeder versteht. Und da kann sich das LineUp echt mal sehen lassen. Pünktlich zum Redaktionsschluss wurde es bekannt gegeben, und wir möchten es euch – in Auszügen – nicht vorenthalten. Mit dabei sind vom 22. bis zum 26. Mai Animal Collective, Four Tet, Hot Ship, How To Dress Well, James Blake, Jessie Ware, Apparat, Melody’s Echo Chamber, Phoenix, Simian Mobile Disco – und Rock-Heroen wie Band Of Horses, Bob Mould, Nick Cave & The Bad Seeds, Tame Impala und Grizzly Bear. Mehr dazu dann im Internet. Anwesenheit ist hier Pflicht. www.primaverasound.com


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Auftakt

1 JAHR FAZEMAG – DIE GEBURTSTAGS-RELEASENACHT PRES. MEANWHILE (AMSTERDAM)

WOODKID Analoge Energien Yoanne Lemoine ist sein Name, Film seine Passion. Eigentlich, denn er ist ein äußerst erfolgreicher Videoregisseur und arbeitete bereits für Stars wie Katy Perry und Tayor Swift. Aber auch der Musik ist der Franzose äußerst zuträglich und überraschte im vergangenen Jahr mit seiner ersten Single „Iron“ Freunde unterschiedlichster Musikgenres. Aus dem Geheimtipp wurde bald ein Massenphänomen. Entstehen seine Sounds auch mit klassischer Instrumentierung, haben sie dennoch in ihrer Gesamtheit einen so energetischen Sog, dass man sie leicht mit elektronischer Musik verwechseln könnte. Treibende Beats sind das Grundgerüst seiner größten Erfolge, darunter auch die zweite Single „Run Boy Run“, die dazugehörigen Videos absolut sehenswert. Mitte März veröffentlicht Lemoine mit „The Golden Age“ nun sein erstes Album, und im Zuge dessen kommt er im April für drei Termine nach Deutschland. 13.04.13, Heidelberg, Kongresshaus Stadthalle 15.04.13, München, Muffathalle 16.04.13, Köln, Live Music Hall

LineUp: The Man With No Shadow, Camiel Daamen, Rafael Da Cruz, Fritscher & Tegaro Manch einer wird diese Heft womöglich nicht rechtzeitig zur Februar-Releasenacht am 01.02.13 im Reineke Fuchs in Händen halten. Deshalb richten wir den Fokus bereits jetzt auf den März, denn dann feiern wir „1 Jahr FAZEmag“. Dafür laden wir uns bekannte Freunde aus dem Land des Käses und der Tulpen in die Domstadt. Amsterdam liebt Köln. Köln liebt Amsterdam. Wir präsentieren am 1. März den ersten offiziellen Showcase des Amsterdamer Labels Meanwhile, zu dem uns die beiden Labelheads The Man With No Shadow und Camiel Daamen beehren. Ersterer sorgte in den vergangenen Jahren nicht nur durch legendäre Industrie-Raves für Aufsehen, sondern auch durch seine Residency bei der Sensation White. Über sein wahre Identität wird bereits länger spekuliert. In den Niederlanden gehört er gemeinsam mit Camiel Daamen jedenfalls zum Innercircle der renommiertesten Künstler – nicht zuletzt durch regelmäßige Sets im wohl bekanntesten Laden des Landes, dem Studio 80. Gemeinsam mit Rafael Da Cruz und dem neuen Kölner Duo Fritscher & Tegaro werden die zwei Niederländer also zeigen, dass Beziehungen – im Gegensatz zu der der van der Vaarts – auch glücklich und ohne Handgreiflichkeiten geführt werden können. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: Der Eintritt ist frei. All night long. 1 Jahr FAZEmag – Die Geburtstags-Releasenacht // 01.03.13, ab 23.00 Uhr // Reineke Fuchs, Aachener Straße 50, Köln www.meanwhile.nl www.fazemag.de www.reineke-fuchs.com

KOMMENDE ALBEN IN MÄRZ UND APRIL: Hurts – Exile (Four Music/Major Label Records) Brandt Brauer Frick – Miami (!K7) Kaspar Bjørke – Remix Crusades (hfn music) Autechre – Exai (Warp Records/Rough Trade) IAMX – The Unified Field (61seconds) David August – Times (Diynamic) Depeche Mode – Delta Machine (Columbia Records) Miss Kittin – Calling From The Stars (wSphere) The Knife – Shaking The Habitual (Rabid/Cooperative Music) DJ Koze – Amygdala (Pampa Records) Phoenix – Phoenix Bankrupt! (tba.)

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Auftakt

FAZEmag / 012 / Februar 2013

T-BONE-BRAINS Testcard #22: „Fleisch“ Seit Jahren wird die Veganwelle von einer Bücherschwemme begleitet. Jonathan Safran Foer schreibt „Tiere essen“, Karen Duve startet den Selbstversuch „Anständig essen“. Und so weiter. Es gibt vegane YouTube-Channel (VeganEveryDay), vegane Mode (Umasan) und vegane Musik ist seit Straight Edge kein großes Ding mehr. Aber Fleisch ist mehr als Whitewashing für Chris Martin, den Gemüsebono der Nuller-Jahre. Daran erinnert der Popkulturreader „Testcard“ aus dem Mainzer Ventil Verlag mit Aufsätzen über „Männliches Fleisch und weibliches Gemüse“, über den Zusammenhang zwischen Body Modification und Formf leisch, über „Veggies in Sitcoms“ und einer „Text-Kontext-Analyse zu Lady Gagas Fleischkleid“. Man schaut zurück, bis der Leib Christi erscheint, wenigstens aber bis 1985, als „Meat is Murder“ von The Smiths erscheint. Seitdem hat sich viel getan. Die „Human-Animal-Studies (HAS)“ etablieren sich in den Akademien. Die Tierrechtsorganisation PETA wirbt damit, dass Vegetarier besseren Sex haben und „für die populäre Kampagne Lieber nackt als im Pelz posierten nackte Models und Prominente als Botschafterinnen. Diese Kampagne bediente inhaltlich wie auch ästhetisch die üblichen Stereotype, um für mediale Aufmerksamkeit zu sorgen: junge, weibliche, nackte Idealkörper prominenter Frauen.“ Und „mit ihrem Fleischkleid verortet sich Lady Gaga gleich in mehreren Diskursen; im Rahmen der MTV Video Music Awards etwa im

Kontext Pop, wo Fleischbeschau längst zum Alltag geworden ist, denn das weibliche Fleisch ist eine starke Ressource. Lady Gaga macht aus der metaphorischen Fleischbeschau eine konkrete und präsentiert sich mit Fleischlappen behangen.“ Das ist dann schon schwer durch den Diskursf leischwolf gedreht. Fest steht: Das tierische Fleisch in Zeiten des fortschreitenden Veganismus hat keinen guten Leumund. Doch bizarrerweise hat die Popkultur das menschliche, tierische, persönliche, synthetische Fleisch in all seinen Erscheinungsformen integriert – auf derart umfassende Weise, dass sich die 304 testcard-Seiten mühelos füllen und abwechslungsreich präsentieren: Wie die Auslage einer Landschlachterei vorm Osterwochenende. / Jan Drees

LANGENBERG Flashback • Dein Lieblingsjahrzehnt: Die 00er-Jahre. Das Jahrzehnt, in dem alles zusammengekommen ist. Volljährig, erster Job bei einem Soul und Funk-Label und die ersten Wildstyle-Experimente als DJ samt eigener Partyreihe (siehe Foto). Daraus resultierend das Verständnis, dass Soul seinen Platz in elektronischer Tanzmusik hat. Überzitiert aber Fakt: House is a Fe***** (ihr wisst, was jetzt kommt ...) •D  eine Lieblings-EP: Antena – Camino Del Sol (Joakim & Todd Terje Remixes) •D  er schlimmste Song/Track: Keep Calm, It’s Just Business ... • Dein Lieblings-Musikintrument: Yamaha RS 7000 • Dein Lieblings-Kleidungsstück: weiße, printfreie T-Shirts •D  ein schlimmster modischer Fauxpas: Ein Hemd, das wie ein Perserteppich aussah. •D  eine Jugendsünde: keine •D  ein Lieblingsfilm: Man On The Moon •D  eine Lieblingsserie: Die Sopranos •D  ein persönlicher Held: Papa natürlich! www.soundcloud.com/langenberg

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testcard – Beiträge zur Popgeschichte #22: „Fleisch“, Ventil Verlag, 304 Seiten, 15 Euro www.testcard.de


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Auftakt

FAZE RDIO PLAYLIST FEBRUAR Es ist Winter, und da geht es in die Berge. Allerdings heißt das heutzutage nicht mehr, dass nur DJ Ötzi und Konsorten dort laufen müssen. Dank so prominenter Vertreter wie Rave on Snow und Snowbombing gibt es immer mehr Events, die auch für Freunde elektronischer Klänge interessant sind. Was diese hervorragende Playlist belegt ... 1 Coldcut featuring Robert Owens –  Walk A Mile In My Shoes/ Henrik Schwarz Mix 2 Kerri Chandler – Bar A Thym 3 Maceo Plex – Sex Appeal 4 Ry & Frank Wiedemann – Howling/Âme Remix 5 Tiga – Hot In Herre 6 Example – Changed The Way You Kiss Me 7 Benga – Acid Lie 8 RATM – Killing In The Name 9 Nero – Promises 10 Freestylers – Cracks/Flux Pavillion Remix 11 Moby – Go 12 Wolfang Ambros – Schifoan www.rdio.com/people/FAZEmag

THE GAME The Winner Takes It All Aus dem Hause Davidoff kommt der neue Herrenduft „The Game“. Ausstrahlung, Charme, Charisma und eine Aura von Eleganz – das ist es, was einen Verführer ausmacht, der auf der Sonnenseite des Lebens steht und als selbstbewusster Gewinnertyp seine Konkurrenten aussticht. Er findet sich auf jeden Fall in „The Game“ wieder. Aromatisch-holzig mit Wacholdernote und mit Iris veredelt. Ein Duft, der den Kontrast von Energie und Sinnlichkeit verkörpert und damit der perfekte Begleiter für deine Clubnacht mit einer privaten Afterhour darstellt. www.zinodavidoff.com


Caprices Festival

FAZEmag / 012 / Februar 2013

CAPRICES FESTIVAL i n kl. O ra ng e N ew Tale nt C on tes t

Vom 8. bis zum 16. März finden sich in diesem Jahr zum zehnten Mal die besten Musiker verschiedener Genres auf dem Caprices Festival in Crans-Montana zusammen. Die Veranstalter scheuen auch bei dieser Ausgabe weder Kosten noch Mühen, so dass sich in der französischen Schweiz an ganzen neun Tagen lustig amüsiert werden kann. Zu erleben sind dabei u. a. Künstler wie Björk, Fatboy Slim, 2ManyDJs, Cypress Hill und Ricardo Villalobos. Eben echte Stars aus Electro, Rock, Pop und HipHop werden an diesem einen kleinen Fleck Erde versammelt sein, um ein jedes Musikerherz zu erwärmen. Neben der Verlängerung der Gesamtfestivalzeit wurden auch die Räumlichkeiten neu ausgerichtet und so die Kapazitäten erhöht. Die Festivalbesucher haben nun die Wahl zwischen zwei Hauptsälen mit jeweils mehr als 5.000 Plätzen. Im ersten Saal finden die Hauptkonzerte statt, im zweiten kann bis in die frühen Morgenstunden zur Musik der besten DJs abgetanzt werden.

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Im Rahmen des Festivals findet seit neun Jahren außerdem der Orange New Talent Contest statt,

bei dem auch in diesem März Nachwuchstalente aus dem In- und Ausland gesucht werden. Dafür kann sich seit dem 3. Dezember ein jeder Musiker online anmelden und sich mit seinem Act vorstellen. Am 15. Februar dann werden nach zwei Auswahlrunden fünf Teilnehmer durch die User im Internet und eine Jury von Orange für die Endausscheidung gewählt. Diese fünf Glücklichen spielen als Support auf den großen Bühnen des Festivals, um anschließend mit diesem Gig im Internet für das endgültige Voting bereit zu stehen. Nach der dritten und letzten Entscheidungsrunde wird dann der endgültige Sieger auserkoren, dem nun alle Türen und Tore zu einer großen Karriere offen stehen. Wer mit seiner Band oder seinem Act an diesem Contest teilnehmen möchte, sollte sich jetzt umgehend auf der Webseite des Caprices Festivals anmelden. Tickets für neun Tage Festival-Vergnügen erhaltet ihr für 85 CHF (ca. 70 EUR) ebenfalls dort. Zudem bietet sich die Möglichkeit, exklusive „Music, Sleep & Ski“-Pakete by Caprices Travel zu erstehen, mit denen euch ein allumfassender Festivalkomfort geboten wird.

VERLOSUNG Wir verlosen ein Wochenende für zwei Personen in einem 4-Sterne-Hotel in Crans-Montana inklusive Festivaltickets (08.+09.03.), Karten für Modernity (09.+10.03.) und 2-Tages-Skipässen (bei eigener Anreise). Sendet eine Postkarte an die Redaktionsadresse oder eine E-Mail an win@fazemag.de, Stichwort bzw. Betreff: Caprices. Einsendeschluss ist der 18. Februar, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Caprices Festival // 08.03.–16.03.13 // Crans-Montana, Schweiz LineUp: 2ManyDJs, Björk, Black Rebel Motorcycle Club, Brandt Brauer Frick, Cypress Hill, Fatboy Slim, Method Man & Redman, Portishead, Sophie Hunger, Nelly Furtado, Peter Doherty, Ricardo Villalobos, Simian Mobile Disco, Sven Väth, The Killers, The Kills, Vitalic uvm.

www.capricesfestival.ch


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Snowbombing

SNOW BOMBING D e r B e r g r u ft

Während hierzulande die von den Medi-

le Disco, Seth Troxler, Kerri Chandler, Heidi,

en

„Russenpeitsche“

Skream und Scuba. Auch bei den Live-Acts

chen. Es geht dort überall sehr familiär zu. Man

genannte Kaltwetterfront für lahmgelegte

gibt es Großartiges zu vermelden. So werden

trifft sich nicht nur für ein paar Stundenzum fei-

Flughäfen, eine noch chaotischere Deutsche

die britische Rockband Kasabian und der bri-

ern, sondern die meisten am nächsten Tag auf

Bahn und Staus in rekordverdächtiger Länge

tische Dubstep-Dance-Rapper Example für

der Hütte und schaut, wer den größeren Hang-

sorgt, genießt man im beschaulichen Zillertal

Ausnahmezustand sorgen. Außerdem live

over hat.“ Auf die Frage, warum nicht auf der

in Österreich die Ski-Hochsaison. Traumhaf-

und in Farbe am Start: Above & Beyond und

Piste, muss er gestehen, dass er seit seinem

te Berglandschaften – Mayrhofen bietet Idylle

Âme, die ebenfalls live spielen werden.

und

Wetterdiensten

pur. Anfang Januar jedoch wird traditionell

um mit meiner gesamten Familie Urlaub zu ma-

14. Lebensjahr nicht mehr auf Skiern stand. „In der Regel schaue ich nur meinen Jungs zu

eines der spektakulärsten Festivals für elek-

Eines der größten Highlights wird sicherlich

oder helfe ihnen beim Aufstehen. In diesem Jahr

tronische Musik in das Skidorf einkehren.

die vierte Präsenz der Drum&Bass-Combo

verspreche ich aber, es erneut zu wagen.“

Die Snowbombing sorgt bereits seit Jahren

London

mit atemberaubenden Locations für ein ech-

Alben und Produktionen auf dem hauseige-

Elektricity

sein.

Mit

unzähligen Außer dem erneuten Versuch, eine Skiläufer-

tes Wintererlebnis. Vom Zauberwald bis hin

nen Label Hospital Records beeinflussten sie

karriere zu starten, steht für den Londoner

zur „Arctic Disco“, inmitten eines Iglos oder

das Genre maßgeblich. Wir erwischten Tony

auch wieder einige Zeit im Studio an. „Im

einer auf 300-Meter Höhe gelegene Hütte. Die

Colman am Telefon, der während des Inter-

vergangenen Jahr habe ich auch lange hier ge-

Snowbombing scheint wie die perfekte Fusi-

views im Studio saß. „Ich habe gerade mein

sessen, Künstlern wie Netsky oder S.P.Y. bei ih-

on aus Hotspots in der Schneenatur und dem

Cubase auf Version 7 aktualisiert und fange in

ren Projekten geholfen. Ich liebe es, mit meiner

besten, was die Szene aktuell zu bieten hat.

diesem Jahr erstmals an, ein paar Sounds zu

Erfahrung Künstler, die es wirklich ernst mei-

machen. Ich bin hochmotiviert.“ Auf die Ap-

nen, zu supporten. In diesem Jahr geht es ohne

Mit dabei sind in diesem Jahr u.a. Carl Cox

riltage im Schnee freut sich Colman bereits

Pause weiter, es werden grandiose neue Alben

oder der Überflieger Maceo Plex, der im

jetzt, sieht er die Snowbombing nämlich nicht

von Danny Byrd oder Logistics kommen. Mit

vergangenen Jahr alle möglichen Preise ab-

nur als ganz normales Booking. „Das gesamte

unserem Podcast, der mittlerweile einen ver-

räumte, die es mitzunehmen gab. Mit seinem

Event ist mit dem Drumherum schlichtweg ein-

dammt großen Bekanntheitsgrad hat, steuern

Label Ellum Audio und durch Produktionen

zigartig. Ein toller Vibe mit einem noch tolleren

wir im März auf Folge 200 zu. Da werden wir

auf Hot Creations und Visionquest gilt er als

LineUp. Ich bin nicht nur DJ, Produzent und Kopf

uns auch etwas Spannendes einfallen lassen.

absoluter Deephouse-Veteran. Außerdem da-

von Hospital Records, sondern auch Vater und

Und kurz danach sehen wir uns am Ski-Lift ...“

bei sind Acts wie Tiga, Netsky, Simian Mobi-

Ehemann. Daher nutze ich die Zeit in Österreich,

/ Rafael Da Cruz

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www.snowbombing.com www.


Art Department / Hot Coins

Art Department

Hot Coins

Weltweite Experimentierlust

Exzess und seine Folgen

Kaum drei Jahre sind vergangen, seit das kanadische Duo seine erste Single veröffentlicht und damit seinen fast schon märchenhaften Aufstieg gestartet hat. „Without You“ öffnete Jonny White und Kenny Glasgow Tür und Tor. Es folgten Remixe, EPs, das Debütalbum „The Drawing Board“, zahlreiche Bookings und nun die erste offizielle Mix-CD namens „Social Experiment 003“. Von der globalen House-Landkarte sind sie mittlerweile nicht mehr wegzudenken. „Social Experiment“ nennt sich die Partyreihe der beiden, mit der sie seit ein paar Jahren weit über ihre Heimatstadt Toronto hinaus rund um den Globus touren und u. a. damit auf der Winter Music Conference in Miami zu Gast waren, dem Sonar in Barcelona, in der Fabric oder der Panorama Bar. Anfang 2011 dann der Schritt zur gleichnamigen Mix-Reihe, die von Soul Clap eröffnet wurde mit der Katalog-nummer 002, 001 gehört der Party. Plattform für den Mix ist das Label No.19 Music, das White 2008 zusammen mit Nitin Kalyan ins Leben rief und auf dem ein großer Teil des AD-Output herauskommt. Der andere Teil läuft über Crosstown Rebels, dem Label von Damian Lazarus, auf dem auch das Debütalbum erschien. „Social Experiment 003“ umfasst 14 Tracks und ist ein Spiegelbild ihrer DJ-Sets. Ein bisschen dunkler, technoider, aber ansonsten eine Abfahrt, für die sie in Clubs und auf Festivalbühnen bekannt sind und geliebt werden. Bei der Trackauswahl haben sie zudem darauf geachtet, dass sie vor allem neues und exklusives Material gesammelt haben, um eine gewisse Grundspannung für den Hörer zu gewährleisten, damit dieser nicht in Langweile ob der bekannten Stücke fällt. Humbug in diesem Fall, ob exklusiv oder bekannt, die Mischung ist nahezu perfekt und umfasst klangvolle Namen wie Jamie Jones, Carl Craig, Tale Of Us, Robert Owens. Die Jahreswende startete das Duo ähnlich, wie fast das gesamte letzte Jahr lief: am DJ-Pult. Kurz vor Weihnachten auf dem Day Zero Festival in Playa del Carmen in Mexiko und kurz nach Neujahr an gleicher Stelle auf dem BPM Festival. Jetzt aber ruhen die DJ-Skillz für eine Weile. Die können gerade nur auf CD oder digital genossen werden, da sich Art Department eine dreimonatige Auszeit genommen haben, um neue Musik zu schreiben. Die erste Pause dieser Art seit drei Jahren. Wir dürfen Großes erwarten. / Tassilo Dicke

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Bisher kannte man den in Berlin lebenden Schotten Danny Berman hauptsächlich von seinen Produktionen und DJ-Sets als Red Rack’em. Jetzt geht er einen Schritt weiter. Über Sonar Kollektiv ist „The Damage Is Done“, das Debütalbum seiner Band Hot Coins erschienen, das schon lange vor Veröffentlichung hohe Wogen der Begeisterung schlug. Der Post-Punk-, Disco- und Electro-Sound der Jahre 78–82 war deutlich hörbare Inspiration für das Werk. Der Ursprung von Hot Coins lag aber woanders: „Ich war auf dem Sziget Festival in Budapest, als mein Freund Michael Wynne dort sein Geld auf einer Bank liegen ließ. Es herrschte 38 Grad Hitze, und wir paddelten in der Donau. Als er das Geld einstecken wollte, verbrannte er sich die Hand und rief: ‚Oooh Hot Coins!‘ Das wurde dann zu unserem Spruch. 2005 machte ich unter dem Namen Disco Edits. Drei Jahre später wurden Platten auf Society Recordings und Tirk releast und Gilles Peterson spielte auf Radio 1 meinen Remix für ‚Stand On The Word‘ von Joubert Singers, im Original eine Paradise Garage Hymne. Nun kommt das Album, und ich werde die Songs mit einer Band live aufführen. Das Timing dafür ist perfekt. Es ist eine aufregende Zeit in Berlin, um eine Band zu starten.“ Thematisch drehen sich die Stücke auf der LP um die bösen Folgen des Nachtlebens, wie die unvermeidlichen Comedowns vom Partyexzess, nagende Selbstzweifel und das Gefühl von sozialer Ausgrenzung. „Die Lyrics sind alle autobiografisch. Bei Tracks wie ‚New Beat‘ singe ich etwa: ‚When does enough feel enough‘, damit stelle ich mein eigenes, unbarmherziges Feiern und den selbstzerstörerischen Lebensstil in der Dance Music Szene in Frage, den ich die die letzten 15 Jahre geführt habe. Ich hatte eine großartige Zeit, aber manchmal frage ich mich, wie sich die Dinge entwickelt hätten, hätte ich damals in 1994 nicht die beiden Technics gekauft und wäre stattdessen Anwalt oder so geworden. Ich bin mir aber sicher, es wäre viel langweiliger gewesen ...“ / Benedikt Schmidt Die Releaseparty von „The Damage Is Done“ findet am 16.02. im Salon Zur wilden Renate in Berlin statt.

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www.no19music.com

www.sonarkollektiv.com


Marc Romboy & Ken Ishii / Unverhofft gen Sonne

Es gibt Momente, in denen es sinniger erscheint, sich von gewissen Plänen oder Absichten abzuwenden und seinem Herzen oder seinen Instinkten Gehör zu bieten. Raum erschaffen – nicht nur für Neues oder Kreatives, sondern auch für Zufälle oder dem altbekannten Schicksal, das ab und an um die Ecke biegt und unverhofft grüßt. So werden in mir Erinnerungen wach an den März 2011, als ein glücklicher Marc Romboy in sein Studio in seiner Heimatstadt Mönchengladbach zum Interview einlädt. Mit Stephan Bodzin hatte er gerade das riesige Projekt „Luna“ vollendet und arbeitete mit dem Bremer kurz vor Tourbeginn mit Hochdruck an der Live-Show. Er erzählte von seinen Vorhaben für die entfernte Zukunft. Ein Soloalbum wolle er nach der Tour und somit das FollowUp für das 2008 erschienene „Contrast“ angehen. Entschlossenheit und Zuversicht stand ihm im Gesicht. Nun schreiben wir 2013, und an einem zunächst unspektakulären Dienstagmorgen liegt ein anderes, ein unerwartetes Resultat auf meinem Schreibtisch. Den Rheinländer ereilte wohl genau einen jener Momente, in denen es an der Zeit ist, nicht nur nach Schema „F“ zu arbeiten und eine weitere Katalognummer vorzulegen. Gemeinsam mit der japanischen Legende Ken Ishii liefert Romboy stattdessen ein weiteres Kollaborationsalbum namens „Taiyo“ ab und überrascht damit sicherlich nicht nur mich.

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Marc, dein letztes Soloalbum liegt nun schon fast fünf Jahre zurück. Was hat dich nach „Luna“ dazu bewegt, eine neue Kollaboration einzugehen? Marc Romboy: Zunächst einmal fällt mir bei dieser Frage auf, wie gnadenlos schnell die Zeit rast. Unglaublich, aber wahr, „Contrast“ wurde 2008 releast. Dennoch kommt es mir gar nicht so lange vor. Die Zusammenarbeit mit Ken hat sich peu a peu entwickelt. Zunächst hatte er einen Mix für meine Radioshow „Systematic Session“ gemacht, der mir durch seine Andersartigkeit und Schrägheit sehr gefiel. Danach waren wir im ständigen E-Mail-Kontakt, bis auf einmal die gemeinsame Idee entstand, einen Track zusammen zu machen und sich hierfür per E-Mail und Skype auszutauschen. Auf meiner Festplatte befand sich noch ein Demo, das mir zwar gut gefiel, aber noch ohne zündende Idee in den Ordnerstrukturen herumlag. Das Demo hatte eine total abgefahrene Sequenz vom Roland Jupiter 8 und klang sehr ungewöhnlich, aber irgendetwas fehlte. So schickte ich sämtliche Files an Ken. Er setzte sich sofort in sein Studio und lud mir ein paar Tage später Spuren hoch, die es hinzuzufügen galt. Als ich die Spuren einzeln hörte, dachte ich ‚naja cool‘. So richtig vorstellen konnte ich mir das aber nicht. Für mich hat es zu diesem Zeitpunkt nicht zusammengepasst. Als dann das Demo mit seinen zusätzlichen Elementen lief, fiel ich im wahrsten Sinne des Wortes fast vom Stuhl. Das Ganze hatte etwas Magisches, Frisches, Unerwartetes und gab mir – so bescheuert es auch klingt – einen richtigen Kick. Glücksgefühle der tollsten Art. Ich wusste, das ist ein besonderer Track. Und so entstand der Titeltrack „Taiyo“. Ken, in der Szene giltst du als lebende Legende und bist seit über zwei Jahrzehnten im Geschäft. Wie entstand der Kontakt zu Marc? Ken Ishii: Danke für die schönen Worte. Ich hatte vorher einige Sachen über bzw. von Marc gehört, allerdings nie die Möglichkeit ihn zu treffen. Eines Tages, ich schätze es war Ende 2011, hat er mich über Twitter angeschrieben. Er bat mir an, einen Mix für seine Systematic Sessions zu machen. Das war der Startschuss. Marc: Witzigerweise lernten wir uns nach langem E-Mail-Kontakt physisch erst im Sommer 2012 in Amsterdam kennen, als wir uns zu der Fotosession verabredet hatten. An dieser Stelle übrigens ein dickes Danke an meine Frau Natascha und Patrice Bäumel, die diese Session erst in dieser Art möglich machten. Patrice hatte uns freundlicherweise als


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& Unverhofft

gen Sonne Locationscout durch Amsterdam kutschiert und meine Liebe zu dieser Stadt immens verstärkt. Zu dieser Zeit gab es jedenfalls schon die Idee, das Album zu produzieren, und es gab auch schon alle Skizzen zu den Tracks. Der Weg von der ersten Nummer zum gleichnamigen Album „Taiyo“ war kein dann auch sonderlich weiter, denn wir hatten beide tierisch Lust auf dieses Projekt. Außerdem bin ich persönlich ein riesiger Fan von Alben, die ein Konzept beinhalten und wenn dieses Konzept einmal steht, gehen die Produktion und die Ausführung relativ leicht von der Hand. Hattest du nicht vor, die Produktion komplett alleine zu machen und dein nächstes Solo-Album zu veröffentlichen? Marc: Das hatte ich definitiv vor, jedoch verlor dieses Vorhaben einfach an Bedeutung im Verlaufe der Zusammenarbeit mit Ken. Ich mache mir selbst keinen Druck und stehe hinter jedem Release, auf dem mein Name steht. Und dieses ganze Projekt mit einem großartigen Künstler ergab für mich von Anfang bis Ende Sinn. Ich denke, ich habe einfach auf mein Herz gehört. Von Anfang bis Ende habe ich mir das Album angehört – relativ schnell meine ich eine Art „Soundfusion“ zu erkennen. Typisch druckvoller Systematic Sound aus Mönchengladbach gepaart mit Straightness und Härte aus Tokio. Würdet ihr das unterschreiben? Marc: Ja, ich denke, da liegst du goldrichtig. Ich mag es nicht, mich wiederholen zu müssen. Ich möchte das Musikmachen immer als neue Herausforderung betrachten, so als würde man ein Land bereisen, das man zuvor noch nicht besucht hat. Deshalb veröffentliche ich auch gerne eine Deep House-Nummer nach einem Technotrack, falls ich es gerade so empfinde. Bei mir gilt: Erwarte das Unerwartete. Aus diesem Aspekt heraus war die Zusammenarbeit mit Ken natürlich traumhaft für mich. Er hat alle meine Ideen mit Elementen bereichert, auf die ich niemals gekommen wäre oder bei denen ich mich einfach nicht getraut hätte und vermutlich umgekehrt. Das machte und macht die ganze Sache so speziell. Ken: So sehe ich das auch. Wir beide haben völlig verschiedene Herangehensweisen im Studio und kommen auch aus zwei verschiedenen Ecken. Die Tatsache, dass wir das Album nicht gemeinsam im Studio produziert haben, sondern uns gegenseitig die Files hin

und her geschoben haben, gab jedem von uns die Chance, sich alleine so frei wie möglich zu entfalten. Das Wichtige war – wie bauen wir welchen Part auf und wie platzieren wie die einzelnen Sounds im Track selbst an? Marc hat das ganze dirigiert und das hervorragend gemacht. Ich finde, wir haben eine perfekte Mischung aus beiden Styles. Marc: Wenn man genau hin hört, kann man auch – denke ich – ganz gut herausfinden, welche Elemente von wem sind. So viel sei verraten, die sphärischen Einspielungen kommen zum Beispiel alle von Ken. Insgesamt haben wir für das Projekt rund ein halbes Jahr gebraucht. Ken, deine ersten Releases liegen mittlerweile über 20 Jahre zurück. Was hat sich deiner Meinung nach in der Szene verändert – was ist noch genau so? Ken: Ich schätze, der Wert eines einzelnen Tracks hat sich definitiv verändert. Leider zum Negativen. War es früher noch viel aufwendiger, teurer und auch zeitintensiver, Musik zu produzieren, geht das heute schon mit wenigen Mausklicks. Auch die Veröffentlichung auf einem professionellen Label war damals nicht so einfach, wie es heute der Fall ist. Heute gibt es fast mehr Labels als Künstler, wodurch der Wert der Musik rapide nach unten gegangen ist. Ich gehe definitiv mit der Zeit und bin kein Gegner der Digitalisierung. Eine mp3 ist allerdings nur eine mp3 in einem Ordner auf einer meist riesigen Festplatte. Eine feste Konstante in unserer Szene hingegen ist in jedem Fall die Passion, die

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Marc Romboy & Ken Ishii / Unverhofft gen Sonne

die Leute zu dieser Musik haben. Denn im Grunde genommen interessiert es den Großteil des Dancefloors nicht, von welchem Medium die Musik abgespielt wird, sondern ob sie dich berührt.

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Marc, du hast im letzten Jahr zahlreiche Singles veröffentlicht – von housig groovig bis hin zu treibendem Techno war dein Sound sehr vielfältig. Man könnte meinen, du machst mehr denn je, wonach dir gerade ist. Deinen Sound pauschal zu kategorisieren scheint unmöglich. Wo meinst du, geht deine persönliche Reise hin? Marc: Da gebe ich dir Recht. Ich sehe Techno manchmal als Baum an, an dem ich jeden einzelnen Ast so sehr mag, dass ich mich nicht auf eine Richtung festlegen möchte. Josh Wink hat mal gesagt „When A Banana Was Just Banana!“ – damit meinte er nichts anderes als die Tatsache, dass Anfang der 90er-Jahre, als Techno groß wurde, alles unter diesem Namen betitelt wurde. Egal ob Breakbeat, House, Jungle oder Acid, alles war Techno und so empfinde ich bis heute. Wenn die Leute offenherzig sind – und das ist Gott sei Dank meistens so – dann kann das eine sehr spannende Reise werden, von der ich anfangs selbst gar nicht weiß, wo und wie sie verlaufen wird. Eine spannende Sache, die mich jedes Wochenende aufs Neue begeistert. Unser Album würde ich jedenfalls in Kurzform auch als Techno, aber mit viel Melodie und Atmosphäre bezeichnen. Unser Ziel war es, den Hörer mit auf eine Soundreise zu nehmen. Ich kann nur jedem empfeh-

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len, das Album in einem durchzuhören, es passt immer, lässt einen gut abschalten, egal ob im Auto, beim Joggen, im Flugzeug oder auch zu Hause. Gibt ein für dich noch unerforschtes Genre, in dem du dich gerne mal austoben würdest? Marc: Jazz und Klassik. Zwei Musikrichtungen, die ich sehr mag und die für uns alle sehr beeinflussend waren und sind, auch wenn man das vielleicht auf den ersten Blick nicht realisiert. Gerade Jazz war ja am Anfang seiner Entstehung sehr spannend, da dort musikalische Regeln gebrochen wurden und viel experimentiert wurde. Und generell würde ich es als sehr interessant empfinden, mal mehr in die Musikgeschichte einzutauchen, da gibt es mit Sicherheit viel zu entdecken, gerade auch mit meinem Wissen über die Technogeschichte im Vergleich. Bei dir zuhause ist aktuell eine Menge los, wie ich gehört habe. Familie Romboy wurde um ein Mitglied erweitert und ihr überlegt, irgendwann nach Amsterdam zu ziehen? Marc: Ja, kurz vor Silvester wurde ich zum zweiten Mal Papa und bin natürlich stolz wie Oskar. Gemeinsam mit dem Albumrelease bedeutet das gerade natürlich jede Menge Action. Glücklicherweise habe ich da den vollen Support meiner Frau, sodass wir gemeinsam doch alles unter einen Hut bekommen. Amsterdam ist eine Stadt, die mich schon immer fasziniert hat. Sie hat etwas Niedliches und Gemütliches. Wir haben viele Freunde dort – vielleicht wagen wir es eines Tages tatsächlich. Ken, auch du hast in deiner Karriere schon eine große Bandbreite an Genres abgedeckt und dafür eine Menge Alias benutzt. Im letzten Jahr hast du das JazzThema aufgegriffen und erst kürzlich zu einem Remix-Contest auf Facebook aufgerufen. Ken: Richtig, der ist erst sein ein paar Tagen zu Ende. Im letzten Jahr habe ich mit Metropolitan Harmonic Formulas das Debütalbum „Music for Daydreams“ veröffentlicht. Dabei geht es nicht um elektronische Dance-Musik, sondern vielmehr um Listening-Zeug mit Hang zum Jazz. Anschließend habe ich bei Facebook aufgerufen, die Tracks nach Lust und Laune zu remixen, sie dabei DJ-tauglich zu machen und sie zu posten. Es war

www.marcromboy.de / www.systematic-recordings.de


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Marc Romboy & Ken Ishii / Unverhofft gen Sonne

„Ich sehe Techno manchmal als Baum an, an dem ich jeden einzelnen Ast so sehr mag, dass ich mich nicht auf eine Richtung festlegen möchte.“

also kein gewöhnlicher Remix-Contest mit strikten Vorgaben. Die Resultate lassen sich in jedem Fall hören. Kommen wir zurück zum Album. Der Titeltrack „Taiyo“ ist bereits veröffentlicht, was kommt nun? Eine Tour? Marc: Es wird eine Menge Remixes von den Tracks geben. Dabei sind Leute wie Dave Clarke, Peter von Hoesen, die von mir äußerst geschätzten Jungs von Skudge aus Schweden und sogar Max Cooper. Alle Remixes sind gratis zum Download auf jeder CD und beim Digitalrelease dabei. Gemeinsame Shows mit Ken sind definitiv geplant. Wir sind gerade dabei, ein paar ausgesuchte Dates zu fixieren. Wir sitzen gerade auch an einem exklusiven Mix für einen Podcast, der in Kürze erscheinen wird und auch der ist alles andere als normal. (lacht) Was dürfen wir auf Systematic in 2013 erwarten? Marc: Jede Menge. Vor dem Sommer werden noch zwei weitere Alben kommen. Einmal das jetzt schon dritte Werk meines Freundes Robert Babicz, das mal wieder – und ich kann es einfach nicht anders sagen – genial ist und voller Emotion und Leidenschaft steckt. Außerdem habe ich die große Ehre, das erste Album von David Pezzner aus Seattle zu veröffentlichen, der in meinen Augen neben KiNK der Shootingstar dieses Jahres werden wird. In Deutschland ist David zur Zeit eher noch ein Geheimtipp, aber: ‚Augen auf bei diesem Namen‘, da kommt noch einiges Geniales. Leute wie Catz ’n Dogz oder

Joris Voorn lieben seinen Sound. Und natürlich werde ich auch mein ‚Baby‘, die Reihe „Lost Treasures“, weiterführen. Nachdem jetzt gerade „Nothing Stays The Same“ von Mike Dunn raus ist, wird vor dem Sommer von NY House-Legende Victor Simonelli aka ZAM „Africa Freedom“ mit neuen Remixes erscheinen. Ich sagte ja, jede Menge. (lacht) Und bei dir, Ken? Ken: Ich überlege, mein Label 70 Drums zu reaktivieren, auf dem seit 2002 lediglich ein paar meiner Alben erschienen sind. Das wird, denke ich, mein Fokus in 2013 sein. Bereits in den Startlöchern stehen Nummern wie Ken Ishi „The Buddha’s Ear – Impact Mechanics“ (mit Remixes von Ben Sims und Markantonio & Roberto Capuano etc.), Ken Ishii „Serial Puncher – Rhythm Converted“, Mauro Picotto „Launchpad“ (Ken Ishii Remix), ein Remix für Jeff Mills. Zu meinem 20-jährigen Jubiläum in diesem Jahr ist also eine Menge geplant. / Rafael Da Cruz

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Oliver Schories / Zweite Herzensangelegenheit

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OL I V E R SC HOR I E S Zweite Herzensangelegenheit

In den vergangenen Wochen wurden sie gewählt. Der Mann oder die Frau des Jahres. Das Wort des Jahres. Der Fußballer des Jahres. Das Celebrity-Pärchen des Jahres. Der peinlichste Ausrutscher des Jahres. Ja, diese Liste könnte man unendlich fortsetzen. Konzentriert man sich allerdings auf die wichtigen Dinge im Leben, wie die Musik, verringert sich die Auswahl beachtlich. Oliver Schories gehört auf diesem Gebiet zu den Protagonisten in 2012. Seine Sets wurden frenetisch gefeiert – sowohl live oder als DJ im Club oder im World Wide Web. Liebe zum Detail wird ihm nachgesagt. Und so trug sein Debütalbum im März 2012 den kurzen, aber passenden Namen „Herzensangelegenheit“. Zwölf Monate später ist der Hype um seine Person riesig. Sein Kalender quillt über vor Shows, Interviews, Studio-Terminen. Dennoch fand der gebürtige Bremer Zeit, an seinem zweiten Album „Exit“, das im März auf Parquet Recordings erscheint, zu arbeiten. Bevor die neuen Stücke um die Welt gehen, setzte sich der mittlerweile in Hamburg lebende Schories außerdem hin, um den zweiten FAZEmag Download-Mix in 2013 zu erstellen und unseren Fragen Rede und Antwort zu stehen.

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Nach deinem Debütalbum entwickelte sich das Jahr 2012 ziemlich erfolgreich für dich. Wie ist deine persönliche Retrospektive? Oliver Schories: 2012 war schon anders als die Jahre zuvor, das stimmt. Selbst bekommt man das ja immer recht spät mit – ich jedenfalls. Als im März das Album kam, wurde die Aufmerksamkeit, auch international, auf einmal um einiges größer. Ich erinnere mich noch an eine lustige Begegnung im Shuttlebus in Belgien auf dem Weg zum Tomorrowland Festival, zu dem ich mit dem YoutubeTeam aus London fuhr. Ein Mädel von denen machte seinen iPod auf der Fahrt an und spielte den Podcast ab, den ich ein paar Wochen zuvor für Ibiza Voice aufgenommen hatte. Sie sagte ‚Hey, this Oliver is playing today as well, we need to see him‘, da musste ich natürlich schon ein bisschen grinsen und habe mich gefreut. Ansonsten war eigentlich alles wie immer, nur etwas mehr als ich bisher gewohnt war: Ein bisschen mehr Arbeit, ein bisschen mehr Stress und ein paar mehr Leute, die wkamen, wenn ich gespielt habe. Und dann kam im Juni dieser magische Samstagmorgen in Lärz, von dem ich inzwischen den Eindruck habe, dass so gut wie jeder vor Ort gewesen ist. Es ist absolut unglaublich, was für eine riesige Resonanz diese 60 Minuten auf dem Fusion Festival ausgelöst haben. Es vergeht nahezu kein Abend, an dem ich unterwegs bin und mich nicht jemand darauf anspricht. Am Sonntag nach dem Auftritt bin ich in Urlaub gefahren und hatte quasi als ‚letzte Amtshandlung‘ noch das Set auf Soundcloud hochgeladen. Als ich dann nach drei Tagen das erste Mal wieder online ging und nachschaute, war es bereits über 40.000 mal abgespielt worden – da ahnte ich, dass das wohl doch etwas höhere Wellen schlagen könnte. Auch wenn dieses Wort immer etwas cheesy klingt, würde ich dieses Set als eine Art Durchbruch bezeichnen.

Die Klicks auf deinem Soundcloud-Profil sind definitiv beeindruckend. Wie wichtig sind solche Zahlen der digitalen Welt für dich? Ich würde lügen, würde ich sagen, sie seien unwichtig. Parallel zu den Verkaufszahlen und den Charts hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge entwickelt. Es gibt ja viele Künstler, die nicht eine einzige Veröffentlichung haben, aber zehntausende Plays auf Soundcloud und so auf sich aufmerksam machen. Ein gutes Beispiel ist da Nico Pusch, der sich in den letzten Jahren mit dem Basteln von Bootlegs beschäftigt hat (die übrigens witzigerweise von Soundcloud weitgehend nicht gelöscht worden sind) und es so über Facebook und Soundcloud inzwischen zu europaweiten Bookings gebracht hat. Findest du das eher positiv oder negativ? Ich halte das definitiv für eine gute Sache, da die Künstler so ohne Umweg mit den Leuten in Kontakt treten und sich Feedback abholen können. Auch ich habe ja als einzigen Kommunikationskanal Facebook, über den ich neue Tracks, Mixe und Termine verbreite. Es ist meines Erachtens sehr wichtig, mit den Leuten auf Augenhöhe zu sein, auf Fragen zu antworten und zu sehen, was gerade so läuft, dafür ist Facebook ein geeignetes Medium, da es recht ungefiltert ist. Die Leute sind in der vermeintlichen Anonymität des Internets einfach ehrlicher. Wenn du einen schlechten Track hochlädst, schreiben dir innerhalb weniger Minuten zehn Leute, dass das Schrott ist, dann weißt du sofort: Ok, next J. Bei dir gehören negative Kommentare eher zur Seltenheit. Vielmehr werden deine „Jahreszeiten“-Mixe geliebt, geliked und geteilt. Wie entstand die Idee dazu, und welches Konzept verfolgst du dabei?

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

Oliver Schories / Zweite Herzensangelegenheit

Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr daran erinnern, welches der erste Jahreszeiten-Mix war und wie es dazu kam. Ich glaube, dass ich einfach nur nach einem Titel suchte und ihn dann – mangels Kreativität bei der Namensfindung – der damaligen Jahreszeit entsprechend benannte. Die Klickzahlen waren astronomisch, und irgendwann wurden dann Fragen nach einem Nachfolge-Set der nächsten Jahreszeit entsprechend laut. So ist diese ‚Serie‘ entstanden. Von Konzept möchte ich hier auch nicht sprechen; es sind meist eher ruhigere, langsame Tracks, die sich oft nur schwer im Club spielen lassen, mir aber trotzdem sehr gut gefallen und für mein Empfinden Gehör finden sollten. Als recht großes Problem sehe ich bei der ganzen ‚Mixtape-Community‘ jedoch momentan Soundcloud selbst, die seit geraumer Zeit intensiv damit beschäftigt sind, Sets von diversen DJs ohne weitere Information einfach zu löschen – mit Verweis auf Copyright-Verstöße. Auf Nachfragen, welcher Track des Sets denn aber nun dem “automatic content protection system‘ nicht gefällt, gibt es keine Antwort. Auch die Stimmen nach einem FollowUp deines Albums „Herzensangelegenheit“ haben sich in den vergangenen Wochen gemehrt. Ehe wir auf die Zukunft zu sprechen kommen – bist du mit der Resonanz auf deinen ersten Longplayer zufrieden? Als ich die Demos des Albums zu Parquet Recordings schickte, sagte der Vertrieb ‚davon werden wir keine 100 Stück verkaufen!‘ – Ich musste wirklich ein bisschen um die Veröffentlichung kämpfen. Einer Vinyl-Edition wurde von Anfang an eine Absage erteilt, und beim Thema CD war ich mir überhaupt nicht sicher – braucht man das? Wer kauft denn im Jahre 2012 noch CDs? Ich wollte aber auf alle Fälle was Physisches haben, und so habe ich dann die CD-Version extra nochmal gemixt, dass sie ohne Unterbrechung durchläuft – und wir haben uns für eine GutscheinLösung entschieden: Wer die CD kauft, bekommt die mp3s ungemixt dazu. Das hat dann doch erstaunlich gut funktioniert, zur großen Überraschung aller Beteiligten. Es war schließlich auch für Parquet ein verhältnismäßig großes Ding, und ich kann mich nur immer wieder bei Normen (Solee, dem Labelboss, Anm. d. R.) bedanken, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat und ich die ganze Scheibe genau so veröffentlichen konnte, wie ich wollte, ohne irgendwelche Kompromisse eingehen zu müssen. Wenn ich es heute höre, würde ich natürlich alles anders machen, aber in der Entstehungszeit Ende 2011 fand ich das cool so. Ich bin super zufrieden mit dem Feedback, und danke ganz herzlich allen, die mich dabei unterstützt haben, dass es geklappt hat. In den vergangenen Wochen hattest du die Chance, „alles anders zu machen“. Im März erscheint mit „Exit“ dein zweites Album.

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Oliver Schories / Zweite Herzensangelegenheit

In der Tat, es kommt am 15. März ziemlich genau ein Jahr nach dem ersten. In diesem Fall sogar auch als Vinyl. Es enthält 13 neue Tracks, wobei „Sunset“ bereits als Single mit Remixes von Joris Delacroix, Wankelmut und Newbie Nerdz im Dezember 2012 auf meinem Label der turnbeutel erschienen ist. Insgesamt denke ich, dass für mich das Albumformat eine bessere Möglichkeit darstellt, meine Musik zu veröffentlichen, als mit Singles und EPs. Meine Musik funktioniert im DJ-Set nicht. Einzelne Titel vielleicht, aber das Gros ist zu speziell, um es aufzulegen – es sticht immer zu sehr heraus. „Exit“ ist viel runder als der Vorgänger, natürlich auch wieder mit viel Bass und Vocals, enthält einige der ‚klassischen‘ Schories-Elemente, klingt aber insgesamt schon homogener. Bisher hat es kaum jemand gehört, ich werde es einfach mal veröffentlichen und schauen was passiert. (lacht) Du hast gerade dein DJ-Set angesprochen. Ich habe kürzlich ein Interview von dir gelesen, in dem du behauptest deine DJSkills seien in den letzten Jahren vermeintlich schlechter geworden – also doch lieber live? Beides hat seinen Reiz, ganz klar. 2013 wird sicher wieder gut durchmischt sein, da achte ich schon immer drauf. Ich habe mein neues Live-Set so gut wie fertig, habe nun die NI Maschine und den Livid Instruments CNTRL:R voll mit eingebunden und warte sehnsüchtig auf den ‚Push‘ von Ableton. Wenn der das kann, was die Werbung verspricht, ist es exakt das Gerät, das mich “complete” in meinem Setup macht. Dann wird das Live-Set zu einer kleinen Technikschlacht in der ich mich über 90 Minuten richtig schön austoben kann und Spaß haben werde. Für DJ-Sets muss ich mir nochmal ein neues Setup überlegen. Ich bin ja großer Fan von Traktor mit Timecode-Vinyls, muss aber leider immer mehr feststellen, dass sich viele Clubs davon verabschiedet haben, ihre 1210er zu pflegen und nur noch auf CD setzen. Ich hatte es letztes Jahr wirklich sehr oft, dass Club- oder Bühnentechniker einfach nicht mehr wissen, wie Plattenspieler aufgestellt und vor Vibrationen geschützt werden – von daher werde ich wohl auch sehr bald auf CD-Player mit Timecodes ausweichen. Denn wenn dir alle drei Minuten die Nadel weghüpft, macht das auch kei-

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nen Spaß. Aber – ich bin DJ, lege seit 15 Jahren Platten auf, und werde von daher ein DJ-Set vermutlich immer etwas lieber spielen als live, auch wenn ich nie der perfekte Beatmatcher und Stimmungsbogenerzeuger war und nie sein werde. Ich spiele einfach das, was mir gefällt – ohne mich dabei irgendeiner Etikette zu unterwerfen. House, Techno, Deep-, Tech- ein paar Bootlegs, ein paar Klassiker ... Wohin denkst du, geht die Reise in den nächsten Jahren? Verlieren aufgrund der Digitalisierung Akteure, die ausschließlich auflegen, an Bedeutung und wird somit der Live-Act immer wichtiger? Ich denke, dass es immer DJs genauso wie Live-Acts geben wird. Die Sache ist eben, dass man als Live-Act einfach ein paar halbwegs gute Produktionen haben muss, um damit auch gebucht zu werden. Denn nichts zieht sich schlimmer, als ein langweiliger Live-Act. Zunehmende Digitalisierung bedeutet ja – leider – nicht automatisch auch eine zunehmende Anzahl an guten Produzenten. Vielmehr werden wir uns meines Erachtens damit anfreunden oder abfinden müssen, dass über kurz oder lang wohl der Großteil der Akteure mit Laptop oder USB-Stick spielen wird, und Vinyl wohl weitgehend verschwinden wird. Ich sehe so selten Leute, die noch mit Vinyl auflegen, und gepaart mit der bereits angesprochenen oft schlechten technischen Ausstattung der Clubs wird das sicher so weitergehen. Von meinem Label der turnbeutel weiß ich ja auch ein bisschen, wie sich die Vinylverkäufe verhalten – lohnen tut sich das definitiv nicht.“ Was dürfen wir denn für 2013 auf dem Label erwarten? Ich lege in diesem Jahr ganz klar mein Hauptaugenmerk auf das Label. Wir werden eine Reihe von Veröffentlichungen haben, darunter Miyagi aus Hamburg, Kollektiv Ost aus Berlin, Uschi & Hans oder Zusammenklang aus Bremen, schNee aus Berlin und noch einige weitere. Zum Sommer hin wird es auch noch eine neue Single aus meinem Album mit Remixes von Rodriguez Jr, Pupkulies & Rebecca und Dan Caster geben. Weiterhin werden wir ein paar Label-Partys veranstalten und unsere Booking-Agentur ausbauen. Es steht also wieder einiges an in diesem Jahr. / Rafael Da Cruz

IN THE MIX 012 OLIVER SCHORIES Um den Mix herunterladen zu können, besuche unsere Webseite unter www.fazemag.de/mix Dein persönlicher Download-Code:

991609198615 Gültig vom 01.02. bis 28.02.2013

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

Oliver Schories / Zweite Herzensangelegenheit

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Jamie Lidell / Zu House in Nashville

FAZEmag / 012 / Februar 2013

JAMIE LIDELL Zu H ou se i n Nash v i lle

Gemeinhin sind es die Debütalben, die schlicht den Künstlernamen im Titel tragen. Bei Jamie Lidell verhält es sich – wie wohl so oft in seinem bisherigen Musikerleben – anders. “Jamie Lidell” ist das mittlerweile fünfte Studioalbum des gebürtigen Briten, das am 15.02. auf Warp Records erscheinen wird. Hierfür hat er sich – nach zahlreichen Kollaborationen in der jüngeren Vergangenheit – offenbar mal ganz auf sich selbst konzentiert. Sicher konnte man Lidell noch nie vorwerfen, musikalisch nicht breit aufgestellt zu sein, und auch mit diesem neuen Album gelingt im der Schulterschluss von Funk und House einmal mehr. War schon der Vorgänger “Compass” brilliant, ist “Jamie Lidell” noch ein wenig brillianter. Mensch und Maschine sind bei Lidell im Einklang, und er mit sich und seinem Leben sowieso im Reinen. Privates und Berufliches zu vermischen ist für ihn ein Muss und notwendig, um mit möglichst viel Hingabe bei der Sache zu sein. Wir haben ihn zum neuen Album ebenso befragt, wie zu seiner weiteren Familienplanung in 2013. Und da hat er so einiges vor. Während du bei “Multiply” mit Leuten wie Gonzales und Mocky und auf “Compass” mit Beck, Feist u. a. zusammengearbeitet hast, entstand “Jamie Lidell” eher im Alleingang. War es dir wichtig, dich nach all den Kollaborationen musikalisch mal

wieder ganz auf dich zu fokussieren? Ich sollte wohl mit dem Märchen aufräumen, dass ich das Album ganz allein aufgenommen habe. Auch diesmal hatte ich wieder einige unglaublich tolle Leute im Studio zur Seite, die mir auf so viele verschiedene Arten geholfen haben. Ich liebe es einfach, mit anderen Menschen zu arbeiten. Jeder, der in der Lage ist, meine Zwanghaftigkeit zu ertragen, ist eine mutige Seele. Meine Frau ist zum Beispiel die wichtigste Person auf dieser Platte. Sie hat mir mit vielen Worten, Sounds, dem ehrlichsten Feedback von allen, jedem Lächeln und jeder Umarmung geholfen. Besser hätte ich es wohl nicht treffen können. Ich habe keine ‚großen‘ Namen auf dem Album, das ist richtig. Aber alle Leute, die mir geholfen haben, sind groß in meiner ganz eigenen Welt. Nicht zuletzt Justin Stanley, der zwischen dem Lidell Home Studio in Nashville und seiner Arbeit für keinen Geringeren als Prince hin- und herswitchte. Und trotzdem heißt das Album schlicht “Jamie Lidell”, vielleicht, weil noch mehr Lidell drin steckt als zuvor? Es ist halt viel mehr “all round”. Ich habe Funk hinzugefügt, das Raue von Super_Collider mit dem Fokus und der Struktur aus “Multiply”und “JIM”-Zeiten, das habe ich dann alles freestyle-mäßig zusammengeführt. Ich habe das Glück, Musik nach wie vor so zu lieben. Ich wache immer noch auf und bin ganz aufgeregt, weil ich etwas Neues

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

Jamie Lidell / Zu House in Nashville

mache. Etwas, das mich selbst herausfordert, noch besser zu werden. Es zu versuchen. Ich denke, diese Platte ist eine echte Lidell-Erfahrung. Es hat mich einige Zeit gekostet ... “Jamie Lidell” ist ein Stück weit elektronischer, was ein wenig verwundert, wenn man weiß, dass es in Nashville aufgenommen wurde – der Wiege von Country und Rhythm and Blues. Wie kam es dazu, und wie sehr hat es den Sound auf dem Album beeinflusst? In New York zu leben, war unglaublich und frustrierend zugleich. Für einen Musiker braucht es Glück, Reichtum oder beides, um in NYC aufzufallen. Ich hatte eine harte Zeit dort, als ich Musik machte, denn mein Nachbar konnte jedes Atmen von mir hören. Meine Frau und ich fühlten uns wie Gefangene in unserem eigenen Apartment. Es wurde alles ein wenig zu eng, und so war bald klar, dass wir mehr Raum für uns brauchten. In Nashville gibt es davon jede Menge, es ist warm und es leben dort gute Leute. Und es befindet sich alles im Wachstum. Wie schaut es derzeit mit deiner Zusammenarbeit mit Cristian Vogel und eurem Projekt Super_Collider aus? Findet dort noch etwas statt? Im Moment nicht. Ich vermisse ihn dort in Berlin. Ich liebe es, mit ihm einfach mal ein Bier trinken zu gehen. Das ist immer der erste Schritt in Richtung einer neuen Super_Collider-Platte. Gibt es sonst Pläne für Kollaborationen im neuen Jahr oder wirst du dich lieber weiterhin auf dich selbst konzentrieren? Ich bin auf dem kommenden Tensnake-Album zu hören, ebenso auf dem von Brandt Brauer Frick. Ich habe einen Song mit den Jets aufgenommen und noch ein paar andere tolle Sachen, wie eine Nummer mit Atom Heart. Ich bin sehr froh darüber, in so viele Dinge mit so coolen Künstlern involviert zu sein. Ein Studio daheim zu haben, macht

einen großen Unterschied. Ich habe während der Aufnahmen für mein eigenes Album noch zwei volle LPs für andere Artists produziert. Eins für Peagsus Warning und eins für Ludwig Persik. Big stuff! Unbedingt googlen. Du hast immer wieder mit vielen tollen Künstlern in der Vergangenheit gearbeitet. Bleiben da noch Wünsche offen, zum Bespiel Leute, deren Musik du im letzten Jahr erst entdeckt hast? Defintiv. Ich möchte damit beginnen, mehr zu produzieren. Da kommt eventuell einen Kollaboration mit Jack White auf mich zu – nein, das ist nur ein Scherz, aber er lebt immerhin auch in Nashville. (lacht) Azealia Banks ist super. Ich möchte sie unbedingt rappen hören. Im Moment aber höre ich sie singen. Großartig verspielter Stil. Ich hoffe, sie behält das bei und hält ihre Musik so frisch. Es gibt so viele gute Musik da draußen. Ich hoffe, zukünftig auf Tour wieder viel davon mitzubekommen. Tour ist ein super Stichwort. Auch mit “Jamie Lidell” geht Jamie Lidell ja sicher wieder auf die Bühne. Was können wir erwarten? Jamie Lidell live und pur? Oder bist du lieber mit Band unterwegs? Ja, solo, Baby! Die Live-Show ist noch in Arbeit, während wir sprechen. Ich bin dabei, eine coole, interaktive Audio/Visual-Party aufzubauen. Betonung auf Party! Diesmal könnt ihr euch den Arsch abtanzen. Looping, scooping and hoola hooping. Ich mag das alles. Wenn ich solo unterwegs bin, wünsche ich mir, eine Band dabei zu haben. Und wenn ich mit Band unterwegs bin, wäre ich lieber allein. Tja, so bin ich. Sonst noch irgendwelche Pläne für 2013? Ich möchte wirklich gern mit meiner Frau Urlaub machen und nicht so viel arbeiten. Vielleicht Babys machen?! Zur Hölle, ja! / Nicole Ankelmann


Ian Pooley / … macht sein Ding

FAZEmag / 012 / Februar 2013

IAN POOLE Y

… MACHT SEIN DING

Es war überfällig. Fast fünf Jahre ließ ließ sich Ian Pooley Zeit, aber nun endlich steht der Nachfolger von „In Other Words“, der noch auf Ministry of Sound erschien, in den (virtuellen) Regalen. Das letzte Jahr war ein recht ruhiges, sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Ein paar Remixe und schließlich dann im November die Vorab-EP „Compurhythm“ auf Innervisions, die kurz vor Jahreswechsel das neue Werk ankündigte. „What I Do“ lautet der Titel des neuen Longplayers, der auf Pooled Music erschienen ist, uns wieder in den seinen House-Kosmos abtauchen lässt und ein Jahr einläutet, das noch weitere Projekte auf Pooleys Agenda hat.

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Diesen seinen Kosmos präsentiert er uns mittlerweile seit über 20 Jahren. Seine Karriere startete in seiner Heimatstadt Mainz, seit sechs Jahren wohnt er in Berlin. Zahlreiche Releases auf Force Inc., NRK, Definitive Recordings, V2 Records, Ministry of Sound und seinem seit 2003 existierendem Label Pooledmusic säumen seinen Weg. Dazu agierte er vor allem in den 90er-Jahren unter diversen Pseudonymen wie Ides, John Skipper Trax oder Silvershower. „Einerseits war der Sound immer ein bisschen anders und andererseits wollte ich damals meinen eigentlichen Namen nur für Force Inc., Definitive und NRK nutzen.“ So erschienen die Tracks z. B. von Silvershower auf Plus 8 Records, zuletzt 2011.

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

Ian Pooley / … macht sein Ding

Die ersten Überlegungen für „What I Do“ gab es vor über zwei Jahren: „Es wird Zeit!“ Und so startete er locker die ersten Tracks zu sammeln – eine Phase, die bis Februar letzten Jahres andauerte. Produktionstechnisch ist der Wahlberliner mit walisischen Wurzeln ein paar Schritte in die Vergangenheit gegangen, hat den Computer deutlich weniger benutzt und dafür sein altes Equipment wieder hervorgeholt. Dabei hat er sich auch selbst limitiert und bestimmte Geräte nur für bestimmte Tracks benutzt, was insgesamt sehr gut funktioniert hat. Als Favorit kristallisierte sich der Memorymoog heraus, der zwar schwer und unhandlich, aber „breit zu nutzen ist, für Flächen und Basslines“. Ebenfalls am Start war ein CompuRhythm CR-78, Namensgeber der Innervisions-Single. „Das Gerät hatte ich vier Jahre nicht an. und da gab es dann ab und zu einen Wackler, der sehr charakteristisch ist, dass eben die Snare nicht immer gleichmäßig da ist.“ Sein gesamtes altes Equipment hat Pooley nie verkauft, weil er immer der Überzeugung war, dass man damit immer anders an die Sache rangeht, als wenn man einfach nur Sampler in Logic oder virtuelle Emulationen nutzen würde.

hensweise, die heute immer mehr verkümmert, beklagt Ian. Es werde fast nur noch auf Deadline produziert, egal ob EP oder Remix. Dabei sei es durchaus wichtig, einfach mal drauf los zu produzieren, als Fingerübung oder um zu sehen, wo man steht. Heutzutage ist es nicht schwer, seine Tracks sobald wie möglich bei irgendeinem der unzähligen Labels unterzubekommen. „Es fehlt der Filter. Ich empfehle den Leuten immer, sich eine Drum Machine zu kaufen, irgendwas von Korg, Yamaha oder Kawai für zwei- bis dreihundert Euro, und dann setze dich mal ein Woche nur damit auseinander. Da klingt viel interessanter, als wenn man immer nur auf eine bestimmte Soundbank bei Ableton oder Logic zurückgreifen kann, wo dann z.B. so ein Standard 909 Open Hihat-Sound auftaucht, den jeder nutzt und bei dem ein bestimmter Zeitgeist vorherrscht.“ Seine ersten Schritte unternahm Ian natürlich noch gänzlich ohne Rechnerunterstützung. Er legte sich 1987/88 eine Yamaha F7 zu, eine 909 war damals noch zu teuer für ihn. „Die Yamaha hatte nicht so coole Sounds. Ich habe wochenlang herumprobiert, gepitcht, editiert, bis ich doch was Brauchbares herausbekommen habe. Und dieses Tüfteln, das fehlt mir einfach heutzutage, da ist schon einfach alles bereit und vorgefertigt.“

Nach der Track-Sammelphase ging es etwas schleppend voran, bis August/September. „Dann habe ich noch mal drei, vier Tracks reingeschleust, die ganz spontan entstanden sind und dadurch schließlich das Album auf den Punkt gebracht.“ Ein paar Tracks flogen wieder runter, denn es waren einfach zu viele. „Ich warte in solchen Situationen immer ein paar Monate, dann höre ich mir die Geschassten noch mal an und entscheide spontan, was passiert. Aber es geschieht durchaus, dass Stücke einfach nicht mehr auftauchen. Und wenn ich dann alte DATs von mir anhöre, dann merke ich, dass ich auch einfach sauviele Sachen nur aus Spaß produziert habe.“ Eine Vorge-

Während „What I Do“ gerade frisch auf den Markt gekommen ist, stehen schon weitere Aufgaben und Ideen an. Für Pooled Music hat er Indira Paganotto gesignt, um die er sich nun kümmert, an seinen beiden ersten Alben „Since Then“ und „Meridien“ hat er die Rechte wieder erworben und plant dafür eine Neuauflage als Special Edition mit Outtakes, Vorab- oder Dub-Versionen und eine neue Single mit einem Nicht-Album-Track steht auch schon in den Startlöchern. Und dann gibt es ja auch noch Silvershower, die technoidere Seite von Ian. „Ende des Jahres habe erstmals aufgelegt unter dem Namen, im Amsterdamer Trouw. Dabei habe ich auch viele alte Technoplatten aus den Mitt- und Endneunzigern gespielt, einer Periode, die ich am liebsten mag, was diesen Sound angeht. Da habe ich wieder richtig Bock bekommen, etwas in diese Richtung zu machen.“ Konkret heißt das, dass es neue Tracks geben wird – nicht als Ian Pooley, evt. aber auch nicht als Silvershower – und dass er dafür auch ein Vinyllabel einführen möchte, das dann als Sublabel von Pooledmusic etabliert werden soll. Viele neue Projekte, aber dennoch heißt es jetzt erstmal „What I Do“. „Ich bin sehr happy mit dem Album, es ist sehr stimmig. Ich finde meine Handschrift wieder, aber es klingt auch frisch und neu. Das ist gar nicht so einfach, weil ich ja nicht herumdesigne, um das in eine Richtung zu bringen, dass es ein Ian Pooley-Album wird. Ich mache einfach ...“ Das macht er gut, seit über 20 Jahren. / Tassilo Dicke

Meine erste selbstgekaufte Platte ... Pet Shop Boys - West End Girls

Ein Tag ohne Musik ist ... doof!

Mein erstes Musikinstrument ... Yamaha RX 7 Drum Machine

Der letzte Track, den ich mir gekauft habe ... Trus’me - Somebody

Meine erste Platte, die ich aufgelegt habe ... Mr. Fingers – Can You Feel It Geheimwaffe ... Thomas Bangalter – Club Soda Der Track geht immer ... Michi Lange – Brothers & Sisters/ Michi’s Rewind Remix

Equipment für das Album: Roland TR 909 Roland CR78 Memorymoog Roland Jupiter 8 Korg Polysix Akai MPC 3000 29

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Delphic / Der Weg aus der Krise

delphic

FAZEmag / 012 / Februar 2013

D E R W E G AU S D E R K R I S E

Es war 2009, als mit “Acolyte” das erste Album der aus Manchester stammenden Band Delphic erschien und Fans und Kritiker begeisterte. 80s-inspirierter Electropop, intelligent, euphorisch, begeisternd. Trotz oder gerade wegen aller Lobeshymnen gerieten Frontman James Cook und seine Jungs im Anschluss für eine Weile in eine kreative Krise. Die Single “Good Life”, einer von fünf offiziellen Songs zu den Olympischen Spielen 2012, lieferte im Sommer eine erste Idee von dem zu erwartenden Follow-Up, mit dem sich Delphic während der 18-monatigen Produktionsphase aus der Krise befreit haben. “Collections” erscheint am 01.02. via Cooperative, und wie wichtig dieses Album für die Band ist, erklärt uns James Cook am besten selbst.

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Es ist einiges passiert seit dem Debütrelease vor drei Jahren. Vieles hiervon hat die neue Platte ohne Zweifel beeinflusst, erzählt er mir im Interview. „Platz und Zeit hier reichen nicht, um all das aufzuzählen, was sich seither verändert hat. Es war aber alles dabei, von Schreibblockaden und düsteren Zeiten über Clubbing bis hin zu privaten Trennungen bei einigen von uns. Doch dann kam das Jahr des Durchbruchs. Wir waren wieder in der Lage zu schreiben, mit neuen Leuten zu arbeiten und hatten bald einen positiveren Blick auf das Leben. Das hatte größten Einfluss auf unsere Kreativität.” Und so ist “Collections” eben kein düsteres Electroalbum geworden, sondern ein positives Werk mit elektronischen Elementen, das das eher 80er-Synthie-beeinflusste „Acolyte” in Sachen Popattitüde noch in den Schatten stellt. Immer dabei: Der Anspruch, sich nicht selbst zu wiederholen. Und dessen Erfüllung ist Delphic gelungen. „Es gab in den letzten Jahren so einige Bands, die eine zweite Platte veröffentlichten, die nach nicht mehr klang, als einem Abklatsch der ersten. Wir haben unser Debüt veröffentlicht, warum also die selben Ideen noch einmal verarbeiten? Wir wollten von Beginn an eine Band sein, die am meisten durch ihre eigene Entwicklung beeinflusst wird, mit einem breiten Musikspektrum.” Diese Entwicklung ist hör- wie spürbar, wirkt „Collections” doch weitaus erwachsener, gereifter als sein Vor-

gänger. „Klar haben uns bis zu einem gewissen Maße die selben euphorisierenden Dinge wie bei ‚Acolyte‘ geleitet, doch sind sie jetzt subtiler eingesetzt, spielen eher am Rande eine Rolle. Die Einflüsse aus Weltmusik und HipHop hingegen fanden zuvor so gar nicht statt. Außerdem haben wir uns mehr auf den Songwritingprozess eingelassen, uns strukturell und harmonisch neu aufgestellt, was die größere Popattitüde erklären dürfte.” Daran nicht ganz unschuldig sind sicherlich auch die Produzenten Ben Allen und Tim Goldsworthy, der zuvor für Bands Massive Attack tätig war. „Tim war wie ein Mentor für uns, mit einem unglaublichen Barometer für das, was cool ist und was nicht. Ben sollte zum einen die Platte abschließend fertig stellen und uns zum anderen in den Samplingprozess einführen, mit dem wir dann daheim experimentieren konnten.” Für “Acolyte” arbeitete man im Studio noch mit Ewan Pearson zusammen. Eine Kooperation, die auch heute noch nicht Geschichte ist. „Wir haben einige Songs in der Pipeline und hoffen, Ewan bald in den Credits wieder zu finden”, drückt James seinen Wunsch der weiteren Zusammenarbeit mit dem britischen Wahlberliner aus. Über die anstehende Tour im März wird vorab nicht viel verraten, doch ist für James klar: „Wir versuchen, den Leuten live vor Ort ein neues Gefühl zu vermitteln, das sie so auf der Platte nicht finden.” / Nicole Ankelmann

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

FaltyDL / Alles aus Liebe?

Falt yDL

A L L E S AU S L I E B E ?

Die Liebe war auch in der großen Welt der Musik immer eines der verlässlichsten Themen. Wohl auf ewig werden sie besungen werden, all jene heftigen Gefühle zwischen Euphorie und Schmerz, zwischen Zweisamkeit und Trennung, zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Eifersucht und Harmonie ... Unzählige Songs und Alben haben ebenso unzählige Künstler dem oder der Angebeteten gewidmet und ihre Emotionen auf die unterschiedlichsten Klangarten und Stile übertragen, von der Popnummer bis zum instrumentalen Housetrack. Auch bei „Hardcourage“, dem neuen Album von FaltyDL, das uns über Ninja Tune erreicht, stand die Liebe Pate. Während der Produktion verliebte sich Drew Lustman (so sein bürgerliche Name) und diese eine Liebe wurde zu seiner sprichwörtlichen Muse. „Ich wollte das Album dann einfach nur fertig bekommen, damit ich es dieser Frau widmen konnte“, begründet der New Yorker das Release recht pragmatisch. „For Karme“ markiert für ihn den wichtigsten Track der Platte. Warum dem so ist, das bedarf hier sicher keiner weiteren Erläuterung. „Finally Some Shit/The Rain Stopped“ ist für FaltyDL dann der persönliche Lieblingstrack. „Da stecken eine Menge Zorn und Sinnlichkeit drin.“ Eher anstrengend war für ihn die Zusammenstellung der produzierten Stücke zu einem Album. „Das war enorm schwierig. Das ganze Hin und Her von Labelseite aus ... Die Musik zu machen ist ja eher der lustige Teil. Interviews zu geben finde ich auch sehr ermüdend. Das macht nicht so viel Spaß, wie man denken könnte.“ Ursprünglich wollte er „Hardcourage“ gar nicht mit der Öffentlichkeit teilen, entschied sich aber glücklicherweise dann doch dafür. Was nicht bedeutet, dass er gleich immer alles veröffentlicht, was in seinem Studio so entsteht: „Ich habe mindestens 100 Tracks, die ich niemals herausbringen werde, sondern nur Freunden gebe. Das, was letztlich releast wird, ist nur 10% von dem was ich kann und gemacht habe ... “ An Selbstbewusstsein mangelt es diesem Künstler definitiv nicht. Fragt man ihn nach dem Hauptgrund dafür, dass er sein FaltyDL Projekt einst gestartet hat, verweist er auf einen alten Bekannten: „Squarepusher brachte mich dazu, dass ich mehr sein wollte, als nur Bassspieler in einer Band.“ Diesem Umstand verdanken wir eine Vielzahl beachtlicher wie inspirierender Werke

und Tracks, die zwischen 2007 und heute über Labels wie Planet Mu, Ramp Recordings, Swamp 81, 50Weapons, Hemlock Recordings oder eben Ninja Tune verbreitet wurden. Ebenso fertigte er vielbeachtete Remixe für Mount Kimbie, Scuba, oder The xx. an. Sogar bei Thom Yorke steht FaltyDL weit oben in der Gunst und privaten Playlist und dufte folgerichtig schon den Support für Radiohead machen. Dass man ihm musikalisch gerne mal die Verschmelzung verschiedenster Stile von House bis Electronica zuschreibt, oder wie man ihn überhaupt versucht einzuordnen, das interessiert Drew Lustman herzlich wenig. „Ich denke darüber nicht soviel nach, wie die Journalisten. Ich mache Musik, weil ich es muss. Nicht, weil ich es will.“ Aha. Wie ernst das nun gemeint ist, darüber sollten wir lieber noch eine Weile nachdenken. Bei der Frage nach dem größten Missverständnis, dem er bisher ausgesetzt war, nimmt er noch einmal, wenn auch eher versöhnlich Bezug auf die Musikjournalisten: „Viele von ihnen verstehen nicht, warum ich Musik erschaffe. Aber das ist okay. So ist der Kreislauf des Lebens. Wir alle müssen Fragen stellen.“ Derzeit stellt FaltyDL aber keine Fragen, sondern feilt noch etwas an seiner neuen Liveshow. „Das Set ist momentan nicht ganz vollständig, aber es wird einen Computer, einen Controller und einige Lichter beinhalten. Dazu wird viel getanzt, sowohl im Publikum, als auch auf der Bühne.“ Klare Ansage. Neben dem damit verbundenen Umherreisen wird sich Lustman der Produktion von Filmmusiken und dem Klangdesign für Kunstinstallationen widmen. „Vielleicht kommt auch noch ein weiteres Album dieses Jahr ... “ / Benedikt Schmidt

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Indoor Life / Immer noch elektrisierend

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Imm er no c h e l e k t r i si e r e n d

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Die frühen 80er-Jahre in New York – das war eine in vielerlei Hinsicht aufregende Zeit. Die Musik-, Literatur- und Kunstszene der Stadt brodelte gewaltig, besonders im Underground. Sie brachte immer neue spannende Künstler und verblüffende Werke hervor. Es herrschte eine äußerst inspirierte Stimmung, nicht nur im Nachtleben. Mittendrin in all dem Trubel tummelte sich auch Indoor Life, die Band um Sänger Jorge Socarras. Von der Westküste hatte es die Musiker ziemlich schnell nach Gründung in den Big Apple gezogen. Dort sorgten sie bald gehörig für Begeisterung auf den Bühnen der Clubs. Die Musik von Indoor Life darf man sich als eine hypnotische wie innovative Mischung aus Zutaten von New Wave, Disco und Post-Punk vorstellen. Klänge, die live on stage wie auch von Platte sofort mitrissen. Schon anno 1980 kam die erste EP heraus. Als Produzenten dafür hatte die Gruppe den großen, leider viel zu früh gestorbenen Patrick Cowley gewinnen können. Im gleichen Jahr lobte auch schon Andy Warhols Interview Magazin in den höchsten Tönen: „Indoor Life is one of the few modern practitioners of beautiful music.“ In den Folgejahren erschienen bis zum Ende der Band weitere Singles und zwei Alben. Auch in Deutschland war man auf

Indoor Life durch deren Europatour und natürlich die Releases aufmerksam geworden. Michael Reinboth und Thomas Elsner etwa, die von 1980 bis 1985 in ihrer Heimatstadt Hannover das Elaste Magazin herausgaben und darin schon die erste Platte der Band besprochen hatten. Reinboth faszinierte am Indoor Life-Sound besonders „die repetitiven Momente, der Loop-Aspekt“, wie er es in den Linernotes zur am 15.02. über Compost Records und Elaste Records erstmals veröffentlichten kompletten Zusammenstellung aller Stücke von Indoor Life erzählt. Der Katalog wurde dafür „digitalisiert, komplett re-mastered und von alten Bändern oder auch von rarem Vinyl restauriert“. Komplettiert wird die Doppel-CD von zwei Bonustracks sowie Remixen von Discodromo, Softrocks, Mathias Schaffhäuser, Quaid und weiteren. Ein beiliegendes Poster, das – wie auch das Coverartwork – von Thomas Elsner designt wurde, enthält erwähnte ausführliche Linernotes. Neben Reinboth kommen hier weitere Experten und Weggefährten der Band zu Wort - von Bruce Geduldig, Jon Hassel und Mike Thorne bis zu Thomas Meinecke und Finn Johannsen. Wir blicken mit Sänger Jorge Socarras ein wenig auf die Indoor Life Geschichte zurück:


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Indoor Life / Immer noch elektrisierend

Wann und wo habt ihr euch zum ersten Mal getroffen? Was war der Hauptgrund für die Gründung von Indoor Life? Jorge Socarras: 1979 traf ich den Bassisten Bob Hoffnar in San Francisco. Er wollte zusammen mit einer Reihe anderer Musiker eine Band starten. Ich schloss mich ihnen dann als Sänger an. Joe Sabella war unser Drummer, und das vierte Mitglied war ein Gitarrist. Diese Gruppierung blieb aber noch nicht die endgültige Indoor Life-Besetzung, wir waren mit dem konventionellen Sound einer Gitarrenband unzufrieden. Und so gingen der Gitarrist und wir schon bald wieder getrennte Wege. Joe brachte dafür J.A. Deane aka Dino mit in die Band. Der spiele eine elektronische Posaune sowie Keyboard und erzeugte damit fabelhafte Klänge – wie ein Elefant vom Mars. Wir wussten sofort: Das war unser Sound, mit dem wir eine andere Art von Musik aufbauen konnten. Und so wurde 1980 Indoor Life geboren.

Was hat rückblickend Indoor Life so besonders für diese Zeit und darüber hinaus gemacht? Besonders auffällig an unserer Musik war, dass sie experimentell und expressionistisch und mit einer leidenschaftlichen Romantik verknüpft war. Sie konnte nicht so einfach eingeordnet werden, da sie abseits der Konventionen vieler New Wave und Post-Punk-Bands stand. Dadurch ist die Musik nicht veraltet – wie vieles aus den Genres, die man eher kategorisieren konnte – und klingt heute vielleicht noch genauso abenteuerlich oder noch abenteuerlicher als damals.

Anfang der 80er-Jahre seid ihr in der New Yorker Szene musikalisch aktiv gewesen. Wie können wir uns jene, sicherlich spannende Zeit vorstellen? Wir sind 1980 nach New York gezogen, als dort gerade die neue Underground Music und Clubszene explodierte. Unseren Debütgig spielten wir im Danceteria, und von da an traten wir in nahezu jeder Location auf: Mudd Club, Hurrah, CBGB, Rock Lounge, Webster Hall und so weiter. Es herrschte ein aufregender Zeitgeist in der Stadt. Und in der Szene gab es viele kreative Pioniere – nicht nur bei der Musik, sondern auch in allen anderen Künsten. Für dieses Avantgarde-Publikum war unser Sound perfekt. Welche Personen oder Orte haben euch in New York am meisten inspiriert? Wir waren damals in der glücklichen Situation, mit Künstlern wie Jon Hassell, Philip Glass, Suicide und Diamanda Galas zu performen. Und jene Künstler, die zu unseren Konzerten kamen, waren ebenso inspirierend: Brian Eno, David Bowie, David Byrne, Robert Fripp. Die Clubs bildeten das Zentrum von NewYorks kreativer Szene, und jeder nahm daran teil. Inwieweit wart ihr denn mit der berühmten New Yorker Kunstszene verbunden oder in kunstbezogene Projekte involviert? Wir haben mit den Videokünstlern Nam June Pail und Joan Downey zusammengearbeitet, Musik für das New York City Contemporary Ballet produziert, inklusive des ersten New-Wave-Ballets, das bei MTV auf Sendung ging. Dino schrieb zudem Musik für den Dramatiker Sam Shepard, und ich trat im Avantgarde Theater unter der Regie von Peter Reed auf.

Gab es einen Moment in eurer Karriere, den du von heute aus betrachtet als besonders oder sogar wegweisend bezeichnen würdest? Wie schon eingangs erwähnt, war sicherlich Dinos Eintritt in die Band musikalisch bahnbrechend für uns. Für mich selbst war es die Tatsache, einige meiner Helden wie Brian Eno im Publikum unserer Konzerte zu sehen, sehr besonders, denn das waren die Innovatoren, die den meisten Einfluss auf mich hatten, und nun hatten wir die Chance, ihnen hoffentlich etwas Neues zu präsentieren. Wie war denn eigentlich eure Arbeitsteilung im Studio? Wir gaben uns da sehr demokratisch. Jeder steuerte Ideen bei. Aber dennoch, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wurde das Schreiben der Lyrics mir als Sänger überlassen. Als wir uns dann weiterentwickelten schrieben Dino und ich einen guten Teil der Songs zusammen. Welches Konzert, welcher Song oder welche Studiosession empfindest du im Nachhinein als besonders prägend? Für mich war es eine langgehegter Wunsch, mit dem Produzenten Mike Thorne zu arbeiten. Ich schätze seine Arbeit für so viele sagenhafte Gruppen sehr. Er gab unseren Stücken eine epische, nahezu cinematische Größe. So hatte ich mir unseren Sound immer schon vorgestellt. Eure erste EP wurde vom legendären Patrick Cowley produziert, wie äußerte sich sein Einfluss auf die Platte konkret? Patricks größte Einflussnahme auf unseren Sound bestand darin, dass er uns half, die verschiedenen musikalischen Teile und Dynamiken zu gliedern, so dass sie bei der Aufnahme viel klarer klangen. Wir neigten ja dazu, die Klänge zu verwaschen, die atmosphärisch dicht waren. Ohne Patricks Produktion hätten die Songs so nicht auf Vinyl erscheinen können. Warum habt ihr die Band dann irgendwann aufgelöst? Wir hatten uns, als es mit Indoor Life losging, darauf verständigt, mindestens sieben Jahre zusammen zu bleiben. Das war die Zeitspanne, die wir glaubten, dafür zu brauchen, um unsere Karriere aufzubauen. 1987 waren dann alle von uns von der sich verändernden Musikszene und dem Druck „kommerzieller“ sein zu müssen“ entmutigt. Wir sahen uns bereit dafür, weiterzuziehen. Welche Projekte betreibt ihr heute? Dino (J.A. Deane), Bob Hoffnar und Joe Sabella machen heute immer noch Musik und arbeiten mit anderen zusammen. Ich selbst bilde mit Mathias Schaffhäuser das Duo Fanatico, unser erstes Album ist auf Yellow Tail veröffentlicht worden. Ebenso kam kürzlich mein erster Roman „The Immortal’s Last Breath“ in den Handel. Die „Indoor Life“Compilation auf Compost ist nun für alle von uns ein – nach mehr als 25 Jahren – wahr gewordener Traum. / Benedikt Schmidt

www.compost-records.com

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Animal Trainer / Das verflixte 7. Jahr

FAZEmag / 012 / Februar 2013

ANIMAL TRAINER Das verflixte 7. Jahr Sie heißen Samy Jackson und Adrian Flavor, und gemeinsam bilden sie seit mittlerweile sechs Jahren das Schweizer DJ-Duo Animal Trainer. Während sie im Zürcher Hive Club als Residents auflegen, machen sie auch regelmäßig Halt im Ausland. Viel sind sie in Deutschland unterwegs, aber auch Amsterdam, Barcelona, Bangkok und sogar Südafrika wurden schon mit ihren tierischen Tönen bespielt. Sie sind bei Labels wie Stil vor Talent, Poker Flat, Hive Audio und ab kommenden März bei Katermukke vertreten. Anlässlich des siebten Geburtstags ihres Stammclubs und ihres selbstgegründeten Imprints Hive Audio erzählen sie uns mehr über die am 5. Februar erscheinende Jubiläums-Compilation, Zukunftspläne und endlose Nächte in der Schweizer Metropole.

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Ihren derzeitigen Status haben Animal Trainer weniger ihren Gigs selbst, als einer ihrer Produktionen zu verdanken, erzählt mir Samy im Interview und zeigt sich dankbar: „Ich denke, dass da vor allem ‚Krambambuli‘ maßgeblich dafür verantwortlich war. Der Song hat uns schon ziemlich viele Türen geöffnet, und wir staunen noch immer, wenn wir an einen Ort kommen, an dem wir noch nie waren und jedem das Lied bekannt ist. Das ist ein unglaublich schönes Gefühl. Ohne Stil vor Talent, Oliver Koletzki und das gesamte Backoffice mit Slawi, Christoph und Friedrich in Berlin wäre das so nicht möglich gewesen.“ Auch abseits dieser Nummer ist bei den beiden in den letzten Monaten zwar einiges passiert, doch sehen sie all das lediglich als Vorhut dessen, was uns in diesem Jahr erwartet. „Ich glaube, das Wesentliche war nicht das, was im letzten Jahr passiert ist, sondern viel mehr die Erkenntnis, sowie der Weg zu dieser Erkenntnis und der Wille, was wir 2013 und 2014 erreichen wollen. 2012 war in diesem Sinn kein

spezielles Jahr. ‚Business as usual‘, wir haben den Ball flach gehalten. 2013 wird eine Menge mehr passieren. Hoffentlich“, lacht er. Der Hive Club, die Homebase von Animal Trainer, und ihr daraus resultierendes Label Hive Audio feiern jetzt ihren siebten Geburtstag, und dieses Ereignis wird natürlich gebührend begangen. „Ausgiebig, exzessiv und endlos. Es wird gelacht, geliebt und getanzt! Wir können das hier in Zürich mindestens so gut wie in der großen deutschen Stadt“, verspricht Adrian vollmundig, und klar ist bereits, dass dieses Versprechen gehalten wird. Das unterstreicht die dazu passende Compilation. „Das machen wir nun bereits seit dem Fünfjährigen, somit ist es die dritte Compilation im Zusammenhang mit dem Geburtstag des Clubs. Und während die letzten zwei schon richtig geil waren, haben wir uns tatsächlich noch einmal selbst übertroffen. Die Compilation beinhaltet ausschließlich Hits von vielen befreundeten und auch international sehr bekannten Acts.“ Darunter Zombie Disco Squad, Niconé & Sascha Braemer, Monkey Safari und Animal Trainer selbst. Natürlich sind Geburtstag und CD erst der Anfang, für 2013 haben Samy und Adrian noch so viel mehr vor. „In erster Linie werden wir versuchen, alle Energie positiv zu nutzen und uns nicht von unwichtigem Kleinkram aufhalten zu lassen. Im Moment arbeiten wir an unserem ersten Album – mit diversen Gastsängern, sowie Musik, die gar nichts mit dem Dancefloor zu tun hat. Das ist einerseits mutig, andererseits finden wir beide reine Dancealben todlangweilig. Wir haben da sehr große Ansprüche und arbeiten im Moment fast jeden Tag daran, denn wir wollen unserem nächsten großen Ziel näher kommen. Und das ist, auch live aufzutreten, eventuell sogar mit einer Gastsängerin, um einen Konzertcharakter zu bekommen. Natürlich haben wir da auch die Festivalbühnen im Auge.“ Wir wiederum haben ein Auge auf Animal Trainer und werden die Entwicklungen gespannt beobachten. / Laura Handler

www.soundcloud.com/animaltrainer / www.stilvortalent.de / www.jackmode-agency.com


Holocube / Endlich volljährig!

FAZEmag / 012 / Februar 2013

HOLO CUBE Endlich v olljäh ri g !

Holocube – darunter stellt sich der musikalisch Unwissende wohl am ehesten ein technisches Spielzeug aus „Star Wars“ vor, doch weit gefehlt. Vor rund achtzehn Jahren, inzwischen also fast so ferm wie eine andere Galaxie, gaben Toni Rios, Marco Cannata und André Walter – allesamt Grandseigneurs des Musikzirkus – ihrem gemeinsamen Projekt auf Harthouse diesen Namen. Nach langer Funkstille folgt nun das Revival, und das gleich mit einem Album auf BluFin. Wir befragten Marco und Toni dazu bei einem Glas Wein in der Kölner Bar Tabac, ehe es wenig später gemeinsam zur FAZE Releasenacht ins Reinke Fuchs ging.

Fehlt nicht noch jemand in der Runde hier? Toni Rios: Der André sitzt wie immer im Studio und tüftelt. Marco Cannata: Wo auch sonst? Musik geht bei André stets vor. Ihm ist es schon immer wichtiger gewesen, seine Musik für sich sprechen zu lassen ... Der erste Track eures Albums heißt „18 Years Later“. Ist Holocube nun völljährig geworden? Toni: Aber sowas von. Ich denke das wird man auch an den Tracks hören.

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Was hat euch dazu bewegt, das Projekt wieder aufleben zu lassen? Vor allem gleich mit einem Album, nachdem es bisher ausschließlich EPs gab? Toni: Eigentlich war das purer Zufall. Ich arbeite mit André seit ca. 2007 im Studio und habe auch mein letztes Album „Past & Present“ auf Soap Records 2009 mit ihm produziert. Die Idee, mit einem neuen Album zu beginnen, kam dann in 2011. Als mir Marco sagte, dass er auch wieder mit André im Studio ein paar Sachen angefangen hat, beschlossen wir, gemeinsam einen Holocube-Longplayer aufzunehmen. Marco: André und ich hatten Kontakt aufgenommen und wollten schon seit Längerem wieder etwas zusammen machen, eben auch ein Album. Und als es so weit war, sprach ich auch mit Toni darüber. So dachten wir uns, dass es doch eigentlich mal eine coole Sache wäre, unsere langjährigen Erfahrungen zusammenfließen lassen und

wieder etwas zusammen zu machen. Frei nach dem Motto: Wie würde wir denn heute – nach 18 Jahren – Holocube klingen Schließlich hat jeder von uns einiges an Vibes und Erfahrungen in den letzten 18 Jahren sammeln dürfen, jeder auf seine eigene Art und Weise. Musikalisch ist der Altersunterschied sehr bemerkenswert: In den 90ern ging alles etwas schneller voran, das jetzige Album ist dagegen wesentlich clubbiger und vocallastiger. Toni: Wir haben uns ein Jahr Zeit gelassen, um dieses Projekt auch wirklich erwachsen rüber zu bringen. Mir ist es wichtig, ein bestimmtes Spektrum an Stilen in einem Album gut zu verpacken. Aber dabei ist es ebenso wichtig, dass wir dies die Stile sind, die wir auch vertreten. Euer Album erscheint auf BluFin und nicht – wie eure alten Sachen – auf Harthouse? Wie kommt das? Toni: Für mich war es wichtig, mit einem Label zu arbeiten, mit dem schon in den letzten Jahren eine super Zusammenarbeit stattgefunden hat. André und ich hatten schon das Vergnügen mit BluFin. Und die Zusammenarbeit mit Andrea ist wirklich topp. Marco: Das war die beste Entscheidung, die wir nur treffen konnten. Schließlich macht Andrea den Job auch nicht erst seit gestern, und man merkt, dass da ein Profi am Start ist. Das ist natürlich, wenn es um ein Album geht, sehr wichtig ist. Abgesehn davon ist es auch sehr wichtig, dass

das Menschliche super passt – was auch bei Andrea in höchsten Tönen gelobt und mal erwähnt werden muss. Sie reißt sich beide Arme und Beine für ihre Künstler aus, da können sich manch andere ein Scheibchen von abschneiden. Von André hört und spielt man jede Menge (Stigmata, Driving Forces, Drizzly), Toni spielt beispielsweise regelmäßig hier in Köln. Um dich, Marco, war es lange eher ruhig … Marco: Sagen wir es mal so, ohne das Thema jetzt zu vertiefen: Irgendwann um 2003 hatte ich keine Inspirationen mehr im Studio, ebenso wenig wie Power und Spaß am Auflegen. Da war mir klar, dass es an der Zeit war, eine Pause auf umbestimmte Zeit einzulegen. Bis dain hatten sich gute 20 Jahre Fulltime-Job im Musikbusiness angesammelt, aber jetzt bin ich wieder da und muss sagen: Es war gut, so eine Pause gemacht zu haben ... Alles ist wieder so aufregend wie früher. Ich freue mich auf jedes Booking und jede Studiositzung, und so muss es eigentlich auch sein. Alles andere hat keinen Wert. Toni, du warst bisher immer Teil der CocoonFamilie, nun bist du neben weiteren gesetzten Herren (Anthony Rother, Frank Müller, Funk D’Void) bei Provocateur. Wie kam es dazu? Toni: Ich bin von der ersten Stunde an bei Cocoon gewesen. Talida Wegener, die damals mit Sven Väth Cocoon Booking ins Leben gerufen hat, holte mich mit in die Agentur. Das war für mich

www.facebook.com/holocubeofficial


FAZEmag / 012 / Februar 2013

das Beste, das mir damals passieren konnte. Doch für mich war es jetzt wichtig, nach zwölf Jahren Cocoon ein paar Veränderungen zu starten, und Provocatuer Booking ist für mich das Naheliegendste, da Diana Weigl auch das Holocube-Projekt professionell betreuen wird und wir sehr lange befreundet sind. Was hat sich bei euch persönlich in 18 Jahren geändert? Toni hat zwei Kinder und eine ihn liebende Frau … Und sonst? Toni: Auf jeden Fall, und ich bin sehr happy damit. Aber es ist auch sonst viel passiert: Labels wie Soap Records und Danza Electonica, an denen ich beteiligt war. Ein paar Mix-Compilations, drei Künstleralben und eine Menge Bookings ... Und jetzt gehts weiter. Aber geändert hat sich nicht viel. 18 Jahre älter bin ich auch noch geworden ... Marco: Bei mir sind einfach die Jahren schnell ins Land gegangen – bis heute. Dauert es weitere 18 Jahre bis zum nächsten Release? Toni: Auf keinen Fall, wir arbeiten schon an den nächsten Projekten. Gibt es noch ein paar andere Projekte, die wiederbelebt werden? Toni: Aquaform, das seinerzeit auf Eye Q releast wurde ... Marco: ... und mit Sicherheit noch andere Projekte. (lacht) Das ist eben die Ruhe vor dem Sturm. Wir haben genug Winterschlaf gehabt. Unsere Köpfe sprießen nur so vor Ideen, die umgesetzt werden wollen. Was passiert jetzt weiter mit Holocube? Toni: Auf jeden Fall Tour ... Rock’n’Roll! / Lukas Fritscher

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Otto Knows / Who Knows? He Knows!

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Who Knows? He Knows!

Otto Knows „Million Voices” wurden laut, als im November letzten Jahres die erste, gleichnamige Single des jungen Schweden Otto Jettmann erschien. Während die Swedish House Mafia ihre Dienst quittiert, fängt Otto Knows gerade erst an, von Stockholm aus die internationale Dancemusic-Szene zu infiltrieren. Dass es nur in diese eine Richtung, nämlich nach vorn und oben, gehen konnte, war ihm schon früh klar, und so legte er bereits im pubertären Alter von 16 Jahren in den ersten Clubs seiner Heimatstadt auf.

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„Es begann alles damit, dass ich mit Sebastian Ingrosso befreundet war”, erinnert sich Otto im Interview. „Er gab mir die Schlüssel zu seinem Studio und meinte, ich könne dort ein wenig rumhängen und Musik machen, so viel ich wolle.” Solch ein Angebot lässt man sich als danceinteressierter Teenie natürlich nicht entgehen, was damit endete, dass Seb, wie seine Freunde ihn nennen, Otto am Ende beratend zur Seite stand. „Und hier bin ich nun”, sagt er, als könne er es selbst noch nicht so recht glauben. Seine Freundschaft zu Ingrosso öffnete ihm so manche Tür, dessen ist sich Otto absolut bewusst, und er macht auch keinen Hehl daraus. „Es war dann im Anschluss an die Veröffentlichung von ‚Million Voices‘, dass die richtig große Wende kam. Seither toure ich unablässig, was ein wenig ermüdend ist mitunter, aber ich möchte mit in keinster Weise auch nur eine Sekunde darüber beklagen.” – „Million Voices” war weltweit ein riesiger kommerzieller Erfolg, schaffte in UK sogar eine beachtliche Sales Charts-Platzierung. Eine Überraschung für Otto selbst? „Das war mitnichten so geplant. Es wurde auch nicht

von der Plattenfirma besonders gepusht, vielmehr wuchs das Ganze auf organische Art und Weise. Es wurde im Sommer auf Ibiza eine große Nummer und hat sich dann verselbständigt.” Als persönlich größten Moment empfand Otto jenen, als das Teil auf der BBC Radio One Playlist erschien. „In dem Moment wusste ich, dass das was ganz Großes wird. Es ging dann auf Platz 15 in UK, ebenso in die Top 5 in Belgien und den Niederlanden.” Seither ist viel passiert. Neben all der Reiserei zu seinen sich wie die Karnickel vermehrenden Gigs ist es vor allem das Aufeinandertreffen mit zahlreichen, namhaften Produzenten und Artists, das ihm viel Freude bereitet. Daraus resultierten u. a. Kollaborationen mit Avicii und David Guetta. War die kommerzielle Schiene immer eher seine als der Underground? „Ich mache Musik erst mal für mich, nicht für andere. Wenn ich privat mit meinen Freunden abhänge, höre ich aber zum Beispiel auch viel Deep House. Ich mag einfach gute Musik ...” Ottos Agenda für 2013 ist recht vollgepackt, so dass man davon ausgehen kann, von Mr. Knows noch das eine oder andere in den nächsten Monaten zu hören. „Ich freue mich sehr darauf, im März mit der Swedish House Mafia in ihrem Masquerade Motel in Los Angeles zu spielen. Außerdem sind bereits einige große Festivals im Sommer bestätigt. Dann geht es auch mal wieder zurück nach Miami. Ihr werdet die Möglichkeit bekommen, mich an zahlreichen verschiedenen Orten auf dieser Welt zu erleben. Aber natürlich arbeite ich auch an jeder Menge neuer Musik mit einer ganzen Reihe von Künstlern, die ich sehr schätze. Nichts, worüber ich schon sprechen darf, aber der Moment rückt näher, in dem ich einige große Dinge zu verkünden habe ...” / Nicole Ankelmann

www.soundcloud.com/otto-knows


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Gadget Inspektor


Zehn musikalische Wegweiser / Tosca

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Tosca

Zehn musikalische Wegweiser Das Wiener Duo veröffentlicht sein sechstes Album und benennt es nach der Location, in der es im letzten Oktober erstmals mit neuem Material ein Konzert gab, das das anwesende Publikum restlos begeisterte. Vor gut 20 Jahren begannen die musikalischen Karrieren von Rubert Huber und Richard Dorfmeister, bevor sie 1997 ihre erste gemeinsame Platte veröffentlichten und mittlerweile viele Musiker und Produzenten mit ihrem Sound prägten. Ihre eigenen Einflüsse stellen sie nun hier vor, den Anfang macht Huber, Dorfmeister folgt im Februar auf unserer Homepage.

Supermarktparkplatz vors Tonbandgerät. Feel

nachfolger, außer dem seltsamen Sich-in-den-

like a broke down engine ...

Kopf-stehlen dieser Musik.

Karlheinz Stockhausen Gesang der Jünglinge (1962) Laute.

Miles Davis The Complete On The Corner Sessions (1972–75, veröffentlicht 2007)

Nicht gruselig, berührend stattdessen ... Teena-

In dieser Phase seines Lebens hat Miles Davis ein

ger sterben im Feuer für ihren Gott und singen

Universum geschaffen, das einzigartig ist – selbst

dabei. Stockhausen, ja bitte!

oder gerade hier in den auf sechs CDs veröffentli-

Gespensterstimmen, menschlich-elektronische

seltsame

chen Studiosession-Outtakes. Das zu hören ist wie

Alfred Brendel Klaviersonaten von Joseph Haydn (1986) Innigkeit, spürbare Musikliebe, tiefe, eine gewisse Behäbigkeit in der Leichtig-

The Residents Eskimo (1979)

keit. Alfred Brendel ist der beste Haydn-Pianist und Haydn noch immer unentdeckt.

Acht oder neun Jahre alt war ich. hörten Radio. Ein Album wurde vorgestellt, und ich war nach zwei, drei Minuten fasziniert –

Eine Kerze auf dem Cover und

Completed

Wunderschöne Stimme, seltsame englische Texte und dem Begriff der Schönheit tals. Fragil und stark, immer gerne und immer mit neuem Gewinn gehört.

so etwas hatte ich noch nie gehört! Für mein

die Musik ist genauso: Brennt die

Kinderohr unglaubliche Klänge, ich bin interes-

ganze Zeit, klingt dabei aber leise und verhal-

Last Exit Last Exit (1986)

siert, amüsiert, begeistert, habe den Moment

ten, obwohl laut und wild. Die beste Rockmusik-

Bill Laswell, Sonny Sharrock, Peter

noch immer im Kopf ...

Soundabmischung seit „Exile On Main Street“ von den Stones.

Blind Willie McTell Atlanta Strut (1929)

Brötzmann und Ronald Shannon Jackson: Musik ist reine Energie, fast Lärm. Live wie auf Tonträger, Freiheit in Energie verwandelt – Free

birgt sich hinter dem damaligen

John Zorn Spy vs. Spy: The Music Of Ornette Coleman (1988)

Aufnahmestandard und dem Klischee „Blues“,

Zorn spielt Ornette Coleman, Zorn

von dem McTell frei war, als er die Aufnahmen

at his best ... wilde, laute, energetische Musik,

einspielte. Eine zwölfsaitige Open Tuning-Gitar-

ebenso der Bandleader, music goes energy ...

re, eine herzzerreißende Stimme – direkt vom

wenig Spuren damals vom nachmaligen Webern-

Die Schönheit dieser Musik ver-

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AGF Westernization (2003)

nach spürende, scheinbar kaputte Instrumen-

Sonic Youth Daydream Nation (1988)

Unterwegs mit den Eltern, wir

auf den Schultern eines Riesen zu sitzen ...

Jazz wird hier einer gewissen Vollendung zugeführt.

Can Ege Bamyasi (1972) Can? Was haben die Typen immer mit Can? Wer ist denn das? Warum nur? Antwort beim Anhören ...

www.g-stoned.com


Jahrespoll 2012

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

DJ 2012

TRACK 2012

REMIX 2012

1. CHRIS LIEBING 2. Klaudia Gawlas 3. Sven Väth 4. Felix Kröcher 5. Frank Sonic 6. Richie Hawtin 7. Adam Port 8. Paul van Dyk 9. Oliver Koletzki 10. Len Faki

1. KLANGKARUSSELL – SONNENTANZ 2. Wankelmut – One Day 3. Gregor Tresher – About A Good Place 4. Adam Port – Sally 5. Eric Sneo & Klaudia Gawlas – Bubbles 6. DJ Hyperactive – Wide Open (Len Faki Edit) 7. Pachanga Boys – Time 8. Ry & Frank Wiedemann – Howling 9. Loco Dice – Detox 10. Gary Beck – Algoreal

1. ASAF ADIAN – ONE DAY / WANKELMUT REMIX 2. Frank Wiedemann & Ry Cuming – Howling / Âme Remix 3. Santé – Homegirl / Rampa Remix 4. Editors – Papillon / Klaudia Gawlas Remix 5. Motor – The Knife / Brian Sanhaji Remix 6. DJ Hyperactive – Wide Open / Len Faki DJ Edit 7. Nikola Gala – Greenball / Coyu Remix 8. Klangkarussel – Sonnentanz / Oliver Koletzki Remix 9. M.A.N.D.Y/Adultnapper – Kindling / John Tejada Rmx 10. Nick Curly – Underground / Dennis Ferrer Remix

11. Alle Farben 12. Carl Cox 13. Adam Beyer 14. Rampa 15. Armin van Buuren

11. Bebetta – Herr Kapellmeister 12. Pig&Dan – Blown On The Corner 13. M.A.N.D.Y. vs Adultnapper – Kindling 14. Solomun – Kackvogel 15. Todd Terje – Inspector Norse

11. Marc Romboy – The Advent / Nic Fanciulli Remix 12. Theophilus London – Wine & Chocolate / Andhim Rmx 13. Tom Novy – Walking on the moog / Oliver Schories Remix 14. Tim Deluxe – Transformation / DJ Hell Remix 15. Philipp Poisel – Eiserner Steg / Eins Aus Zwei Remix

Gewinner Jahrespoll: Tag 01: Waldorf VST = M. Heine, Bielefeld Tag 02: Reloop RHP 20 = M. Zimmermann,

Ahlen Urbanears Zinken Pumpkin = R. Werner, Magedburg Tivoli Radio Silenz = U. Mink, Ulm WeSC Axwell Bassoon DJ = P. Riese,

Minden Tag 03: Ecler Nuo = T. Schmidt, Rostock Tag 04: Relentless = T. Schreiner, Erfurt

Jägermeister = S. Fritzsche, Regensburg Jägermeister = E. Celik, Berlin Jägermeister = N. Metzger, Bochum Jägermeister = W. Hoffmann, Essen


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Jahrespoll 2012

Best of 2012 Gewinner und Verlierer im großen FAZEmag Jahrespoll Vielen Dank liebe Fazilisten. Mehr als 7.500 Personen haben an unserem ersten Jahrespoll teilgenommen. Und das, obwohl wir eine IP-Sperre eingebaut haben, damit kein Fan mehrmals für seinen Liebling abstimmen und so das Ergebnis verfälschen konnte. Das hat uns viele erboste Emails eingebracht, aber so sind wir halt. Outlaws, die gegen den Strom schwimmen. Bitte stellt euch jetzt ein Emoticon mit Zigarette vor. Mit einigen Nennungen und Platzierungen haben wir tatsächlich nicht gerechnet. Dass ihr die GEMA nur sehr selten genannt habt beispielsweise oder dass es Leser gibt, die

bei ‚Technische Innovation‘ den Hundehaarstaubsauger favorisieren. Wenn man sich eure Ergebnisse und unsere Cover-Themen bzw. Mixmeister anschaut, so scheinen wir im vergangenen Jahr doch ein gutes Händchen bewiesen zu haben. Und auch die Tatsache, dass www.fazemag.de mit großem Abstand das Rennen gemacht hat, rührte uns zu Tränen. Aber genug geschwafelt, wir bedanken uns noch einmal in aller Form für die Unterstützung durch unsere Gewinnspielpartner und eure interessanten Ergebnisse.

Du hast unsere Leser überzeugt und bist zum besten DJ 2012 gewählt worden. Wie erklärst du dir deine Popularität bzw. was ist deiner Meinung nach ausschlaggebend für dein hohes Standing innerhalb der Szene? Das einzuschätzen fällt mir nicht ganz leicht. Ich könnte mir vorstellen, dass der Spaß, den ich nach wie vor bei meinen Gigs habe, ganz einfach spürbar ist, dass er sich auf die Leute überträgt und wir unter anderem dadurch eine gute Zeit miteinander haben. Darum geht es doch letztendlich, wenn man feiern geht. Technische Mittel und Fähigkeiten sind meiner Meinung nach eher zweitrangig, wobei ich lange an meinem Setup und meiner Technik gearbeitet habe, bis ich mich so intuitiv ausdrücken und so auf die Crowd reagieren konnte, wie es mir heutzutage an einem guten Abend gelingt – insofern spielt das natürlich auch eine Rolle. Ich fühle mich auf jeden Fall sehr geehrt, dass die FAZE Leser mich zum besten DJ gewählt haben und bedanke mich

ganz herzlich für diese Auszeichnung! Was zuerst das Red Brick in Gießen war, ist mittlerweile die ganze Welt – deine Spielwiese. Was machst du heutzutage noch genauso wie 1991? Für mich ist der Gig, den ich gerade spiele, immer auch der Wichtigste, und das ist unabhängig davon, ob ich in einem kleinen Club in einem Land spiele, in dem Techno noch nicht so populär ist, oder auf einem der allseits bekannten Mega-Festivals. Mir geht es nach wie vor in erster Linie um die Musik und das Miteinander. Im Red Brick wollte ich den Leuten einfach eine gute Zeit bereiten, und genau so sieht das auch heute noch aus, selbst wenn sich die Rahmenbedingungen seitdem ziemlich verändert haben. Seit 2010 gibt es von dir keine eigenen Releases mehr, sondern ‚nur‘ Remixe, aber auch die nur sehr ausgewählt, wie im vergangenen Jahr für Motor. Wann gibt es wieder

neuen Chris Liebing-Stuff oder legst du deinen Focus in 2013 noch mehr auf CLR und seinen Artist-Stamm? Mein Fokus wird auch 2013 wieder stark auf meiner Beteiligung an Projekten verschiedener CLR Künstler liegen. Das hat mir letztes Jahr so viel Spaß gemacht und hat meiner Meinung nach auch gute Ergebnisse hervor gebracht, so dass ich damit nicht plötzlich wieder aufhören möchte. Ob ich nicht doch mal wieder selbst etwas produzieren werde, kann ich jetzt noch gar nicht sagen, vielleicht juckt es mich ja irgendwann im Laufe des Jahres unter den Fingern, aber das werde ich dann spontan entscheiden. Frankfurt hatte in der letzten Zeit das Ende des CocooncClubs zu verkraften, und wie es ausschaut, wird auch das U60 geschlossen. Wo wird man dich in 2013 in Mainhattan sehen? Wenn ich das wüsste. Mein Management ist natürlich dran, da ich sehr gerne in meiner Homebase spiele und wir auch immer wieder gerne Events in Frankfurt organisieren, aber so weit ich weiß, gibt es da im Moment noch keine konkreten Pläne.

Jägermeister = M. Berghof, Leipzig Brandstifter = R. Schuster, Wermelskirchen BiBop-Package = L. Vogt, Frechen BiBop-Package = A. Radjen, Solingen

BiBop-Package = K. Weber, Bremen BiBop-Package = G. Korf, Cuxhafen Tag 05: Fabfilter Creative Bundle = M. Sobek, Haar

Serato Video = D. Garzareck, Halle (Saale) Tag 06: EKS XP 10 = I. Schönfelder, Iserlohn Denon MC 2000 = J. Rauch, München

DJ 2012 – CHRIS LIEBING

Was war dein Lieblingsevent in 2012, was dein Lieblingstrack und was dein schönster Moment abseits der Musik? Natürlich gab es einen Haufen toller Events letztes Jahr, aber eins hat irgendwie herausgestochen. Die Time Warp in Mailand, Italien war unfassbar... da hat irgendwie alles gepasst... tolle Momente. Einer meiner Lieblingstracks im Jahr 2012 war „Consciousness“ von Clouds auf Turbo, mit dem hatte ich viele Gänsehaut Momente. Abseits der Musik war 2012 für mich ein recht turbulentes und erfahrungsreiches Jahr, da fällt es mir schwer, den schönsten Moment zu nennen. Fragt mich am besten nächstes Jahr noch mal.

American Audio VMS 2 = S. Abraham, Göttingen Tag 07: Zippo Set = T. Glaser, Bonn Zippo Set = M. Flansch, Wesel

Was sind deine Ziele für 2013? Ich habe ehrlich gesagt keine Liste guter Vorsätze. Ich bin immer bemüht, mich weiter zu entwickeln und zwar in Bezug auf mich selbst und in Bezug auf andere Menschen. Wie das genau aussieht und wie ich das genau erreichen kann, erschließt sich mir oft erst intuitiv – sozusagen auf dem Weg zum vermeintlichen Ziel. Was CLR angeht, haben wir jede Menge schöne Pläne und Ziele – checkt einfach immer mal wieder unsere Webseite www.clr.net und lasst euch überraschen :)

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Jahrespoll 2012

FAZEmag / 012 / Februar 2013

PRODUZENT 2012 1. OLIVER KOLETZKI 2. Adam Beyer 3. Gregor Tresher 4. Gary Beck 5. Fritz Kalkbrenner 6. Solomun 7. deadmau5 8. Paul Kalkbrenner 9. Klangkarussell 10. Eric Sneo 11. Niereich 12. Pig & Dan 13. Butch 14. Rampa 15. Chris Liebing

PRODUZENT 2012 – OLIVER KOLETZKI Die zwölfte FAZE-Ausgabe und zum dritten Mal ist Oliver Koletzki ein Thema. Gehts noch? Aber ihr habt es nicht anders gewollt. Nachdem er uns in unserer ersten Ausgabe Auskunft über sein Album „Großstadtmärchen 2“ gab und uns im Dezember einen schönen Mix ablieferte (den ihr immer noch exklusiv bei iTunes bekommt), begrüßen wir ihn nun in der Februarausgabe als Pollgewinner in der Kategorie „Bester Produzent“. Darüber hinaus landete sein Album „Großstadtmärchen 2“ und seinem Label Stil vor Talent jeweils auf Platz 3.

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Imbernon und natürlich Klangkarussell. Aber mit Platz 1 bei den Produzenten hätte ich jetzt nicht gerechnet. Klar mein aktuelles Album „Großstadtmärchen 2“ hat sich gut verkauft, aber ich persönlich denke nicht, dass es mein bestes Album war. Vielleicht würdigen ja die Leser meine allgemeine Produzententätigkeit über die letzten Jahre und alle vier Alben.

Platz 1 bei den Produzenten, Platz 3 mit Label und deinem Album. Was sagst du dazu? Ich freu mich natürlich riesig! Bei der Labelplatzierung habe ich mir schon Hoffnungen gemacht, da wir ein sehr starkes Jahr hinter uns haben. Mit tollen Albenthemen von Fran, Dapayk & Padberg und Channel X, aber auch starken EPs von Kellerkind, Niconé & Sascha Braemer, Edu

Das verflixte siebte Jahr mit dem Label hat dir also kein Unglück gebracht. Was glaubst du denn, ist das Geheimnis des Erfolges? Ich denke, wichtige Zutaten sind Mut und Bescheidenheit. Wir vertrauen in unsere Künstler und folgen ihren Visionen anstatt sie in Schubladen zu pressen. Wir trauen uns auch an unkonventionelle und poppige Themen ohne Angst davor zu haben, als Mainstream verschrien zu werden. Wir sind nicht arrogant und werden nicht übermütig. Wir haben mit unseren Künstlern faire Deals und keine Knebelverträge. Wir vergessen nicht wo wir herkommen: von ganz unten.

Palladium Boots = K. Suchowiersch, Bochum Tag 08: Hercules DJ Console = S. Gayko, Marl Luke LDP 1 = S. Grensemann, Allens-

bach ION Audio iCADE Mobile: K. Schäfer, Berlin Focusrite iTrack Solo = F. Hornseifer, Nürnberg

Als Produzent warst du in den letzten sehr aktiv und erfolgreich, zwischen Dancefloor und Pop. Liegt da der Schlüssel in deiner Beliebtheit, dass du nicht so „einseitig“ bist? Ja, ich denke das ist ein ganz wichtiger Grund. Vor allem Live haben wir den Leuten dieses Jahr eine große Vielfalt geboten: Ich habe wieder sehr viele DJ-Gigs gespielt, aber auch eine Menge LiveAuftritte mit Fran. Gleichzeitig hatten wir aber auch ein sehr erfolgreiches Jahr mit meiner Band The Koletzkis mit tollen Konzerten wie z. B. bei Rock am Ring oder Sonne Mond Sterne. Ich glaube wirklich fest daran, dass die Menschen da draußen die viele Arbeit und Mühe, die langen Nächte im Studio und die unzähligen Bandproben zu schätzen wissen.

lich. Bei meinem eigenen Release kristallisiert sich „Bring Me Home“ als kleiner Hit heraus. Diesen Monat erscheint Dan Caster mit superstarken Tracks für den Dancefloor. Als nächstes Niko Schwind. Natürlich weiß ich, dass es am Anfang viel Geduld erfordert, ein neues Label zu etablieren. Aber diese Zeit und Ausdauer haben wir. Was lange währt, wird gut.

Als das letzte Interview mit dir im Dezember erschien, startete gerade dein neues Label Light My Fire. Jetzt mit einigen Wochen Abstand, wie lautet dein erstes Resümee? Alles gut! Der erste Release von Fapples lief schon ganz ordent-

Außerdem hast du uns ja verraten, dass es bei dir jetzt wieder richtig Dancefloor geht, was deine Produktionen angeht. Was steht als Nächstes an? Ich nehme mir für das nächste Album besonders viel Zeit. Ich werde das ganze Jahr durchproduzieren und es wird erst 2014 erscheinen. Es soll nicht ganz so offensichtlich werden wie die Alben davor und dafür werde ich auch einiges an meiner Arbeitsweise ändern, wie z.B. nach 18 Jahren von Cubase auf Ableton Live umsteigen. Außerdem hab ich mir wieder einen echten Fender Rhodes gekauft.

Tag 09: Marshall InEar Headphones = J. Lehmann, Frankurt Ortofon InEar Headphones = A. Otto, Wiesbaden

Shure Sound Isolating Headphones = D. Wiedemann, Merzig German Garment Shirt = A. Schickedanz, Naumburg Tag 10:


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Maschinenraum

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Jahrespoll 2012

DURCHSTARTER 2012 1. KLAUDIA GAWLAS 2. Wankelmut 3. Klangkarussell 4. Adam Port 5. Alle Farben 6. Frank Sonic 7. Oliver Schories 8. Andhim 9. Zedd 10. Rampa

ALBUM 2012 1. PAUL KALBRENNER – GUTEN TAG (PK MUSIK) 2. Fritz Kalkbrenner – Sick Travellin‘ (Suol) 3. Oliver Koletzki – Großstadtmärchen 2 (Stil vor Talent) 4. Monoloc – Drift (CLR) 5. Monika Kruse – Traces (Terminal M) 6. Boys Noize – Out Of The Black (BNR) 7. Gary Beck – Bring A Friend (Soma Records) 8. Oliver Schories – Herzensangelegenheit (Parquet) 9. Ricardo Villalobos – Dependent & Happy (Perlon) 10. Fran – Frantastic (Stil Vor Talent) 11. Daniel Stefanik – Confidence (Cocoon) 12. Marc Miroir – Hitting Home (Paso) 13. Michael Mayer – Mantasy (Kompakt) 14. Paul van Dyk – Evolution (Vandit) 15. AKA AKA – Varieté Remixed (Burlesque)

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Ortofon Concorde = S. Kim, Düsseldorf Gut Aufgelegt = M. Greza, Huglfing Gut Aufgelegt = O. Heinrich, Mainz Gut Aufgelegt = M. Hayta, Maintal

Tag 11: Pioneer Receiver = A. Jansen, Garbsen Tag 12: Cocoon Paket = N. Stallkamp, Werder

Cocoon Paket = R. Lange, Dresden Moon Harbour Paket = J. Robens, Fürth Moon Harbour Paket = U. Milautzki, Landshut

Moon Harbour Paket = K. Krebel, Darmstadt Ninja Tune Paket = M. Isele, Lahr Ninja Tune Paket = I. Rösener, Freiburg


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Jahrespoll 2012

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Jahrespoll 2012

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LIVE ACT 2012 1. AKA AKA 2. Paul Kalkbrenner 3. Extrawelt 4. Fritz Kalkbrenner 5. Anthony Rother 6. Brian Sanhaji 7. BMG Brachiale Musikgestalter 8. Âme 9. Kollektiv Turmstraße 10. Boys Noize 11. deadmau5 12. The Prodigy 13. The Advent 14. Nicolas Jaar 15. Oliver Schories

LIVE ACT 2012 – AKA AKA FEAT. THALSTROEM

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Die drei von der Tanzstelle haben es geschafft und dabei viele illustre Acts auf die hinteren Plätze verwiesen. Was denkt ihr ist ausschlaggebend für euren immensen Erfolg? Ehrlichkeit und Leidenschaft. Das, was auf der Bühne passiert, sind 100% wir. Das ist der Anspruch an uns selbst. Jeder, der auf einer Party mit uns feiert, soll einfach einen schönen Abend haben. Wir wollen Musik machen, die Leute wollen tanzen – was will man mehr?

Oktoberfest. Wann findet ihr Zeit ins Studio zu gehen und was ist für 2013 releasetechnisch geplant? Mal von ein paar Studio-Auszeiten im Sommer und Winter abgesehen, treffen wir uns immer dienstags bis donnerstags im Studio und sind fleißig. Am Wochenende sind wir ja immer auf Tour, da entstehen dann manchmal auch unterwegs schon Ideen, die man dann zusammen im Studio ausarbeitet. Lediglich Montag ist heiliger Schontag!

Ihr habt im Mai unseren Download-Mix angefertigt, der ähnlich wie ein VW Käfer läuft und läuft und läuft. Was macht euren Sound so zeitlos, wo doch wöchentlich Hunderte von Songs erscheinen. Wir (Hannes & Holger) sind uns bei der Musikauswahl in unseren DJSets immer recht schnell einig, da wir einen ähnlichen Geschmack haben. Da geht es dann eigentlich nur noch darum, wer welche Nummer spielen „darf“. Euer Tour-Kalender ist so voll wie ein Japaner auf dem

Auf eurem Remixalbum „Varieté Remixed“ sind viele unterschiedliche Künstler remixender Weise zu Wort gekommen und auch in der Auswahl eurer Remixes, die ihr annehmt, seid ihr sehr variabel. Wie kommt es zu dieser Open Mindness? Sind es die drei verschiedenen Charaktere, die als Summe AKA AKA & Thalstroem ergeben? Wir kommen musikalisch alle drei aus sehr unterschiedlichen Ecken. David ist ja ursprünglich Jazzer und hat in seinem Musikstudium das Einmaleins der Klassik aus-

Ninja Tune Paket = A. Bobba, Traunstein Tag 13: GoPro Hero HD 3 = A. Kartabany, Titisee-Neustadt

GoPro Hero HD 3 = M. Schiller, Potsdam Lomography = F. Rachow, Köln Incase Point Case = B. Brown, Berlin Rockwell Watch = L. John, Erwitte

wendig gelernt, bei Holger leuchteten lange die Augen, wenn Namen wie Sepultura oder Deine Lakaien fielen, und Hannes kommt eher aus der Drum’n’Bass- und TripHop Szene. Das ganze beeinflusst uns heute noch musikalisch und dadurch haben wir zusammen dann doch einen recht weiten Horizont, was Stileinflüsse angeht. Das schlägt sich dann sowohl auf die Produktionen als auch auf die Auswahl der verschiedenen Remixer nieder. So bleiben wir auch nicht stehen, da immer wieder einer von uns neue Ideen hat, wo es hingehen könnte mit unserer Musik.

passiert. Dieser Wow-Effekt war plötzlich da, bei dem man merkt, dass alle Leute im Raum auf einer Welle sind. Genau als wir das gespürt haben, setzten sich auf einmal alle im Break hin und sprangen bei der ersten Bassdrum in die Luft und schrien. Das war so ein für Amsterdam typischer Sitdown, der dem ganzen noch das I-Tüpfelchen aufgesetzt hat. Gänsehaut!

Welches Event in 2012 war für euch das Herausragende und wieso? Da gab es einige, z. B. Sea of Love, SMS, TimeWarp oder Nature One. Aber ganz besonders haben wir uns bei unserem letzten Auftritt in Amsterdam gefreut. Denn wir waren mittlerweile schon etliche Male dort und hatten jedes Mal eine schöne Zeit gehabt mit den Leuten, die musikalisch wirklich offen sind. Aber beim letzten Mal ist auf einmal etwas Besonderes

Was passiert in 2013 mit eurem Label Burlesque Musique? Gibt es neue Artists? 2012 stand ja im Zeichen des Remix-albums. Jetzt geht es wieder mehr mit eigenen Werken unserer Artists weiter. Ins Boot kommen u.a. Joachim Pastor, dessen „Le Poulain“ sicher einige aus unseren Sets kennen. Oder mit Arjuna Schiks, den wir in Amsterdam kennen und lieben gelernt haben. Außerdem ist Stereo Express jetzt nicht nur bei uns in der hauseigenen Booking-Agentur vertreten, sondern arbeitet auch an seinem Debütalbum, das wir auf Burlesque Musique präsentieren werden. Auf jeden Fall viel Musik mit Herz und Melodie, das ist uns wichtig!

Tag 14: Reloop Wave = G. Stolzke, Werdohl Tag 15: Propellerhead Reason = G. Berger, Linz

Tag 16: Carrera Evolution = H. Kabiersch, Parchim Assassin‘s Creed III-Set = K. Baader, Hamburg


EVENT 2012

CLUB 2012

HÄRTESTE CLUBTÜR 2012

1. NATURE ONE 2. SonneMondSterne 3. feierRhein 4. TimeWarp 5. Fusion Festival 6. MAYDAY 7. Tomorrowland 8. Love Family Park 9. Melt! Festival 10. PollerWiesen

1. BERGHAIN BERLIN 2. Butanclub Wuppertal 3. CocoonClub FFM 4. U 60311 FFM 5. Club Lehmann Stuttgart 6. Watergate Berlin 7. Tresor Berlin 8. Bootshaus Köln 9. Gotec Karlsruhe 10. KaterHolzig Berlin

1. BERGHAIN / BERLIN 2. U60311 FFM 3. Cocoon Club Frankfurt 4. P1 München 5. KaterHolzig Berlin 6. Watergate Berlin 7. Robert Johnson Offenbach 8. Studio Club Essen 9. Butanclub Wuppertal 10. Rote Sonne München

11. N8Digital 12. Day & Night Festival 13. Echelon Open Air 14. Rave on Snow 15. Ruhr-in-Love

11. Harry Klein München 12. Robert Johnson Offenbach 13. Gewölbe Köln 14. 102 Neuss 15. Hive Club zürich

Lego Star Wars = I. Bachmann, Soltau Lego Star Wars = W. Palluch, Berka Die Sims 3 = S. Burghartz, Memmingen

Star Trek = B. Gerlach, Rotenburg Everyone Sing = J. Huber, Dortmund Professor Layton = E. Weichsel, Ingolstadt Tag 17: Sony Xperia = M. Schmüser,

Hemsbach Garmin = C. Artik, Berlin Tag 18: Gaming Set = M. Siats, Paderborn Tag 19: Eastpak Transfer = S. Kober,

Bern Canvasco Urban Bag = V. Balting, Erfurt Magma Rolltop Backpack = C. Friebe, Germering

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

Jahrespoll 2012

COMPILATION 2012 1. SVEN VÄTH IN THE MIX – THE SOUND OF THE 13TH SEASON 2. Ben Klock Fabric 66 3. FAZE DJ Set #3: Aka Aka 4. Fritz Kalkbrenner – Suol Mates 5. Mayday 2012 – Made in Germany 6. Pan-Pot – back 2 back 7. Acid Pauli – Get Lost V 8. Cocoon Compilation L 9. Robag Whrume – Olgamikks 10. Berghain 06 – Norman Nodge 11. Dapayk Solo – Fenou Bouquet Vol.2 12. Wankelmut In The Mix – Wankelmoods Vol. 1 13. Watergate X 14. Basstech.02 – Torsten Kanzler & DJ Emerson 15. NATURE ONE – You.Are.Star

LABEL 2012

SOUNDDEALER 2012

HOMEPAGE 2012

1. KEINEMUSIK 2. CLR 3. Stil vor Talent 4. Cocoon Recordings 5. Diynamic 6. Drumcode 7. Innervisions 8. Techno League Records 9. Kompakt 10. Mobilee

1. WWW.BEATPORT.COM 2. Hard Wax Berlin 3. www.deejay.de 4. www.decks.com 5. www.musichead.de 6. Kompakt Köln 7. iTunes 8. Overdrive Records Mainz 9. www.djshop.de 10. Freebase Records Frankfurt

1. WWW.FAZEMAG.DE 2. www.facebook.com 3. www.beatport.com 4. www.soundcloud.com 5. www.clr.net 6. www.residentadvisor.net 7. www.trndmusik.de 8. www.sunshine-live.de 9. www.feier-rhein.com 10. www.vice.com

11. Masters of Disaster 12. Minus 13. Ostgut Ton 14. Break New Soil 15. Vandit Records

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Magma Rolltop Backpack = H. Waltz, Berlin Tag 20: Beyerdynamic Gaming Headset = L. Wittor, Aachen

2 x 2 Mayday-Karten = N. Knauß, Krefeld 2 x 2 Nature One-Karten = T. Lukas, Bochum Tag 21:

Native Instruments Maschine = O. Land, Dachau NWS Chaos Engine = T. Neu, München Tag 22:

Access Virus = S. Petersen, Flensburg Tag 23: Parrot Zik Headphones = D. Wegener, Koblenz Parrot Zik Headphones = L. Meister,


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Jahrespoll 2012

DJ HARDWARE 2012 1. PIONEER CDJ-2000 NEXUS 2. Technics 1210 MK II 3. Native Instruments Maschine MK 2 4. Allen & Heath Xone 92 5. Pioneer DJM 900nexus 6. Akai APC 40 7. Faderfox 4TrackTrigger 8. Numark 4Trak 9. Reloop Digital Jockey 3 10. livid instruments cntrl:r

DJ SOFTWARE 2012

TECHNISCHE INNOVATION 2012

LOSER 2012

1. ABLETON LIVE 2. Native Instruments Traktor Pro 2 3. Rane Serato Scratch Live SL 4 4. Virtual DJ 5. Mixed in Key 5

1. 2. 3. 4. 5.

1. GRIECHENLAND 2. Mitt Romney 3. Angela Merkel 4. Christian Wulff 5. Thomas Gottschalk

Dormagen Tag 24: Ultrasone Signature Headphones = P. Christ, Münster SAE Kurs = J. Große, Bremen

SAMSUNG GALAXY S3 iPad Mini Pioneer CDJ-2000 Nexus Native Instruments Traktor Kontrol F1 Pioneer Rmx 1000

SAE Kurs = S. Schmidt, Andernach SAE Kurs = K. Boetel, Boerssum

Vielen Dank an alle Sponsoren und herzlichen Glückwunsch allen Gewinnern!

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Ian Pooley Mode, / …Musik, machtMichalsky sein Ding

FAZEmag / 012 / Februar 2013

MODE, MUSIK, MICHALSKY Michael Michalsky ist einer der prominentesten deutschen Designer und hat bereits für so unterschiedliche erfolgreiche Unternehmen wie Adidas, MCM oder auch SONY gearbeitet. Der gebürtige Göttinger und schon seit einigen Jahren in Berlin wohnende Michalsky studierte am London College of Fashion und begann seine Karriere als Designmanager bei Levi’s in Deutschland. Seinen Durchbruch erlebte er Ende der 1990er-Jahre als Chefdesigner bei adidas und hier vor allem aufgrund seiner Kooperationen mit illustren Modeschöpfern wie Yōji Yamamoto oder Stella McCartney, die viele andere Unternehmen inspirierten und dafür sorgten, dass Puma beispielsweise mit Evisu eine Kooperation einging. Im Juni 2006 verließ Michalsky adidas und gründete sein eigenes Mode- und Lifestyle-Unternehmen in Berlin. In den darauffolgenden Jahren erweiterte er seine Range und entwarf so unter anderem für Tchibo Design-Kollektionen oder auch die Sonder-Edition einer Ariel-Waschmittel-Verpackung. Aber auch für SONY arbeitete er und designte eine „Mobile Sommer Kollektion“. Michael Michalsky ist bekannt dafür, dass er sich nicht in seinem Mode-Elfenbeinturm zurückzieht, sondern auch viele gemeinnützige Initiativen unterstützt und den Blick über seinen persönlichen Tellerrand hinaus kreisen lässt. So engagiert er sich seit 2007 für die Initiative ‚Rettet Darfur‘ von fairplanet.net und wurde sogar zum offiziellen Botschafter des Projekts ernannt oder designte eine T-Shirt-Kollektion für die Naturschutzorganisation WWF unter dem Namen ‚Protect‘.

Wie viele Designer hat auch Michalsky eine Vorliebe für Musik, die in seinem Fall weiter über die Untermalung seiner Modeschauen hinaus geht. So veranstaltet er unter dem Namen ‚StyleNite‘ seit 2010 eine kulturelle Veranstaltung in Berlin, die zweimal jährlich während der Berlin Fashion Week stattfindet. Zu dieser Veranstaltungsreihe ist jetzt via Warner eine Compilation mit dem Titel „Broken Promises“ erschienen, die viele aktuelle House-Club-Hits featured und uns bewogen hat, mit dem – lt. Vogue – ‚deutschen Mode-Papst‘ ein Interview zu führen. Gratulation zur gelungenen Zusammenstellung. Welche Versprechen werden gebrochen oder was soll der Titel bedeuten? Michael Michalsky: Vielen Dank. Ich freue mich sehr über die Compilation. „Broken Promises“ ist das Inspirationsthema meiner neuen Kollektion. Es bezieht sich auf den schleichenden Werteverlust, den ich in den westlichen Gesellschaften feststelle. Überall, in Politik, Wirtschaft aber auch den privaten Beziehungen werden zu viele Versprechungen gemacht, die anschließend nicht eingehalten werden. Das finde ich bedenklich und wollte das thematisieren. Einige Designer wie Karl Lagerfeld haben bereits Compilations zusammengestellt. Andere namhafte Kollegen sind selbst unter die Musiker gegangen wie Jean-Paul Gaultier. Warum diese Art von CD und was macht „Broken Promises“ besonders? Aber kein anderer Designer präsentiert seine Mode in einem kulturellen Kontext, so wie ich das mache. Musik ist mir dabei schon immer extrem wichtig. Zur jeweiligen StyleNite eine Compilation herauszugeben, war ein langer Wunsch von mir, der jetzt in Erfüllung ging. Ich habe alle Songs selbst ausgewählt, und der Titel bildet die Klammer zu meiner aktuellen Kollektion. Es geht um Lifestyle. Und Mode wie auch Musik sind ein Teil davon.

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Auffällig ist die sehr geschmackvolle Selektion aus ausnahmslos coolen und sehr aktuellen Housetracks. Warum passen die ausgesuchten Stücke so gut zur Michalsky-Mode oder zur zweimal im Jahr stattfindenden StyleNite? Ich liebe elektronische Musik und bin seit den Zeiten des Front in Hamburg (Anm. der Redaktion: Hier hatte Boris Dlugosch seine Residency und machte das Front zum ersten House-Club Deutschlands) stark von House geprägt. Später erlebte ich dann den ‚Summer of Love‘ 1987 in London. Deshalb begleitet Musik mich, seit ich Mode mache, und beeinflusst meine Designs. Electro ist immer der Soundtrack bei meinen Fashion-Shows.

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

Ian Pooley Mode, Musik, / ‌Michalsky macht sein Ding

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Ian Pooley Mode, / …Musik, machtMichalsky sein Ding

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Broken Promises – Compiled by Michalsky (Bitclap)

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Auf dem erfolgreichen Warner-Dance-Label Bitclap erscheint die erste „StyleNite“Compilation. So nennt der bekannte deutsche Designer Michael Michalsky seine zweimal im Jahr stattfindenden Partys anlässlich der Berlin Fashion Week und da gern alles unter Kontrolle hat, stammt das Tracklisting komplett aus seinen Händen. Karl Lagerfeld hat ja auch schon Fashion-Compilations zu verantworten, und während King Karl auf die Synthese aus klassischer zu zeitgenössischer Musik setzte, widmet sich Michalsky ausschließlich aktuell angesagten Clubsounds. So startet die Compilation mit Noir & Hazes Club-Hit „Around“ im Solomun-Remix und wird von Hot Chips Joe Goddard gefolgt. Im weiteren Verlauf trifft der Hörer dann noch auch so illustre Gäste wie Finnebassen, Niko Schwind, Kellerkind, Tensnake, Andhims Hitmix von „Wine & Chocolates“ oder Ben Ivory im Alle Farben-Remix. Damit der Sound nicht zu eintönig erscheint, sorgen die momentan aus allen Radiosendern schallenden Icona Pop für ein wenig Reibung, bis der Hit des vergangenen Jahres – „Howling“ von Frank Wiedemann & Ry Cuming – eine großartige Zusammenstellung beschließt. Klasse. Zur nächsten StyleNite möchte ich eingeladen werden, dass das mal klar ist. 9 tseb

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

Ian Pooley Mode, Musik, / …Michalsky macht sein Ding

Wo und zu welchem Anlass triffst du auf neue Musik? Im Radio laufen die meisten der versammelten Stücke ja nicht. Welche Clubs besuchst du regelmäßig und welchen DJs hörst du gern zu? Ich weiß beispielsweise, dass du unseren FAZE-TV-Moderator Tom Novy gut kennst. Ich habe viele Freunde, die als DJs arbeiten. Tom Novy, Tiefschwarz, Mousse T, Behrouz und andere versorgen mich regelmäßig mit neuen Sounds. Wir reden über die Trends und treffen uns in Berlin oder Ibiza, wo ich jeden Sommer mehrmals hinfahre. Zu Hause höre ich „Ibiza Global Radio“ im Internet. Levi’s, Adidas, MCM, aber auch Marriott, BMW oder Sony. Welche Marken sind reizvoll für eine Zusammenarbeit und welche nicht? Dass es kein Michalsky-Sarg-Design geben wird, ist ja bekannt. Ich bekomme oft Anfragen von anderen Unternehmen, für deren Marken zu designen. Das geht über den Modebereich hinaus und macht sehr viel Spaß. Für mich ist wichtig, dass ich mit der Marke, für die ich arbeite, etwas anfangen kann. Ich brauche einen Bezug. Das Image muss mir gefallen. Ob das dann ein Produktdesign wird oder Interieur, das ist gleich spannend. Gucci-Designer Tom Ford hat vor kurzem seinen ersten Film abgedreht. Welche nicht-modischen oder designtechnischen Projekte können wir noch erwarten? Wir werden sehen. Ich finde neue Projekte immer interessant und inspirierend. Aktuell mache ich viel Interieur Design für die Serie Michalsky Living. Dazu gehören Sofas, Tapeten und Teppiche und bald auch Besteck. Gerade gibt es eine neue Anfrage aus dem Architekturbereich. Ich weiß aber noch nicht, ob ich Zeit dafür finde. Welche Marke – unabhängig von Mode – besitzt das beste Image und wieso? Tja, was ist das „beste Image“? WWF finde ich toll, weil die dauerhaft gute Umweltschutzprojekte realisieren. Apples Image ist ein bisschen angekratzt, aber ich mag deren Design. Berlin ist der musikalische Schmelztiegel Europas, wenn nicht der Welt. Was macht Berlin so sexy und für einen Designer so wertvoll? Berlin ist derzeit einzigartig auf der Welt. Hier treffen sich die Kreativbereiche Mode, Musik, Kunst und Film. Sie beeinflussen sich gegenseitig und fordern voneinander Weiterentwicklung. Das ist unglaublich faszinierend. Eine hochkreative Mi­­ schung von jungen, hungrigen Leuten aus der ganzen Welt, die ihre Träume verwirklichen wollen. Für mich bedeutet das einen ständigen Strom von Input, den ich für meine Arbeit nur anzuzapfen brauche. Ich könnte monatlich eine neue Kollektion entwerfen, so viele Ideen gibt mir Berlin. Berlin hat aber nicht nur gute Seiten. Wie ist deine Meinung zur Flughafen-Farce? Ein schönes Beispiel für „Broken Promises“, but some things are worth waiting for ... / Sven Schäfer 29 55

www.michalsky.com www.pooledmusic.com


Gadget Inspektor

FAZEmag / 012 / Februar 2013

BERLIN BOOMBOX Mehr als nur ein Pappkarton Die große Ära der Ghettoblaster und Boomboxes ist längst vorbei, und manch einer denkt mit Wehmut an die klobigen Kisten zurück, die man lässig auf der Schulter getragen hat. Der Berliner Designer Axel Pfaender lässt diese Ära wieder aufleben, indem er 80er-Jahre-Style mit moderner Technik paart und so die „Berlin Boombox“ entwickelt hat. Die Box ist aus Pappe, beinhaltet nur die nötigsten Technikkomponenten und kann ganz einfach zusammengebaut werden. Anschließen kann man via Klinke jeder Mp3-Player, iPhone etc.

GOLA CLASSICS Kultlabel aus Manchester

Preis: 65 EUR www.berlinboombox.com

Die Traditionsmarke stellte vor über 100 Jahren ihre ersten Fußballschuhe her und prägte jahrzehntelang den englischen Fußball, ehe man gegen Ende der 60er auch andere Sportarten eroberte und sich heute als Lifestyle-Label etabliert hat, das auf eine authentische und ehrliche Geschichte zurückblicken kann. Neben Schuhen sind es vor allem Gola-Taschen, die sich großer Beliebtheit erfreuen, wie auch z. B. diese Shoulder Bag im Vintage Style mit Union Jack und Lederverzierungen aus der „Gola Classics“-Serie. So schultert man gerne seine Lasten. Preis: 60 EUR www.gola.co.uk Verlosung Wir verlosen drei Taschen. Postkarte an die Redaktion oder E-Mail an win@fazemag.de, Stichwort: „Goal Gola“. Einsendeschluss ist der 18. Februar, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

ROBERTS REVIVAL R250 Die immerjungen 50er-Jahre Elvis lebt, Rock’n’Roll auch. Ebenso der Pettycoat, und James Dean sowieso. Kaum ein Jahrzehnt, das mit seinen Ikonen immer noch so verehrt wird. Neben dem aufkommenden Fernsehen war natürlich das Radio Transportmittel Nummer Eins für Musik. Die Firma Roberts war damals schon höchst aktiv in Sachen Rundfunkempfänger und hält diese Ära mit ihrer „Revival“-Serie lebendig. Das R250 ist mit moderner Technik versehen, aber äußerlich nahezu authentisch. Der damals übliche Drehknopf für Lautstärke, Tragriemen, Lautsprecherabdeckung in Kühlergrilloptik oder Kunstlederbezug in zwölf verschiedenen Farben lassen das Herz jedes Fans höher schlagen. Preis: 169 EUR www.robertsradio.de Verlosung Wir verlosen ein R250. Postkarte an die Redaktion oder E-Mail an win@fazemag.de, Stichwort: 56

„Elvis lebt“. Einsendeschluss ist der 18. Februar, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Gadget Inspektor

HOERBOARD SPIN AGE Das Auge legt mit auf „Spin Age“ ist das dritte Familienmitglied. Der Leipziger Designer David Kornmann hat mit Hoerboard ein Label geschaffen, um äußerst elegante und markante DJ-Pults zu gestalten – nach „Classic“ und „Scomber Mix“ nun also „Spin Age“. Laser-geschnittenes Metall mit klaren Formen und Strukturen, wahlweise in Matt oder Glanz und mit feinen Details wie den schwarz abgesetzten Schraubenköpfen. Ein echter Blickfang, hinter dem so manch ein DJ verblasst. Preis: 2.190 EUR www.hoerboard.com

YouTuch So macht Abtrocknen wieder Spaß Im Zeitalter der Spülmaschinen haben es Geschirrtücher echt schwer. Einräumen, starten, ausräumen, fertig. Dennoch gibt es ja hin und wieder das kleine Schmutzgeschirr, für das man nicht wirklich die Maschine starten will. Lästige Handarbeit, die aber mit dem YouTuch wieder Spaß macht und die Vorfreude auf die Internet-Session nach dem Abtrocknen steigert. Preis: 13,50 EUR www.inkognito.de

SONY WALKMAN NWZ- W273 Unter der Wasseroberfläche ... Der neue Walkman ist nichts für den gemütlichen Sonntagnachmittagsspaziergang im Schlosspark. Damit wäre er ziemlich unterfordert, denn das neue Modell liebt es sportlich und ist nicht nur spritzwassergeschützt, sondern tatsächlich auch für den Schwimmeinsatz geeignet (bis zu 2 Meter Tiefe). Damit ist er mittlerweile nicht nur optisch – die komplette Technik befindet sich im Kopfhörer –, sondern auch technisch Lichtjahre weiter als sein Urgroßvater namens TPS-L2 oder dessen in den 80ern sehr populäre Sohn DD2. Erhältlich in drei Farben (Weiß, Schwarz, Schwarz-Blau), Speicherkapazität 4 GB. Preis: 79 EUR www.sony.de

Verlosung Wir verlosen drei Tücher. Postkarte an die Redaktion oder EMail an win@fazemag.de, Stichwort: „In trockenen Tüchern“. Einsendeschluss ist der 18. Februar, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Spielplatz

FAZEmag / 012 / Februar 2013

GAMES IM FEBRUAR

Dead Space 3

Metal Gear Rising – Revengeance

And so it begins – 2013 ist noch keine vier Wochen alt und schon warten wieder ein paar echte Aufgaben auf die darbende Zockerschaft. Wer also seine To-Do-Liste vom letzten Jahr bereits abgearbeitet hat, darf sich auf jede Menge böse, hässliche, ätzende und deformierte Monster, ein Widersehen mit alten und aufgepimpten Helden und eine umfangreiche Portion Japano-Rollenspiel-Gedöns freuen.

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Den Anfang macht Dead Space 3 von EA, das sich in gleich mehrfacher Hinsicht auf gewagtes Terrain begibt. Zum einen, weil Serien-Held Issac nun nicht mehr durch dunkle, verseuchte, angsteinfößende Raumschiffe oder Raumstationen irrt, sondern den Eisplaneten Tau Volantis von den Necromorph-Mutanten säubern muss. Zum anderen, weil sich die Entwickler schon ein paar drastische Veränderungen im Gameplay erlauben. So trifft Issac zwischen Schnee, Eis, Stürmen und Lawinen auf den EarthGovSoldaten John Carver, der die irren Fanatiker verfolgt, die seine Familie angegriffen haben. Dadurch hat Carver nicht nur ein gutes Stück von seinem Verstand eingebüßt, er wird auch zu Isaacs Koop-Partner, den ein zweiter Spieler übernehmen kann. Von nun an gilt es, die Necromorphen im Team zu zerlegen, darauf zu achten, dass man sich

nicht zu weit voneinander entfernt und sich bei kleineren Rätseln behilflich ist. Darüber hinaus müssen sich die zwei aber auch noch jede Menge Waffen mit Hilfe des Salvage Bot (ein fliegender Roboter) zusammenbauen und können nun auch erstmals auf ein Deckungssystem zurückgreifen. Durch jenes sind sie in der Lage im Kampf gegen noch größere Bossgegner in Sicherheit oder zumindest aus dem Weg zu hechten. Das wird nicht alle der allzu treuen Fans des Originals erreichen, sieht aber großartig aus, besitzt dadurch immer noch genug Dead SpaceAtmosphäre und erscheint für Xbox, PS3 und PC. Eine weitere Institution, die Neuland betrittt, ist Konamis Metal Gear-Serie. Denn mit dem kryptisch klingenden Metal Gear Rising – Revengeance für Xbox und PS3 steht nun erstmals keine Schleicherei, sondern echte Schwert-Schnetzel-Action auf dem Programm. Held des Ganzen ist der blonde, leicht androgyne Maschinenmensch und Solid Snake-Schüler Raiden, der erstmals im zweiten Teil der Serie auftauchte. Raiden muss vier Jahre nach „Metal Gear Solid 4 – Guns of Patriots“ die Privatarmeen der Desperado Enterprises zur Strecke bringen. Dafür greift er vor allem zu seiner Elektroklinge, mit der man leichte und

starke Attacken zu blutigen Kombinationen vereint. Dadurch wird Raidens ZeitlupenEnergie aufgeladen, die dann dafür sorgt, dass man Feinde in den entsprechenden Momenten mittels rechtem Analogstick filettieren kann. Allerdings sollte man im Gefecht gegen gigantische Metal-Gear-Mechs oder Cyborgs auch geschickt im Blocken sein, da der Schwierigkeitsgrad doch schon sehr knackig ist. Raidens Ausrüstung und Fähigkeiten werden mit Hilfe eines Erfahrungssystems verbessert, außerdem darf er die Waffen von erledigten Endgegnern behalten und ins eigene Arsenal einbauen. Und zur Not greift er auch schon mal zum Raketenwerfer, um aufzuräumen. Wer also verkraften kann, dass es sich hierbei um lineare Action mit gelegentlichen Nebenmissionen handelt, darf sich gerne ins Getümmel stürzen. Womit wir beim nächsten VideospielSchwergewicht wären, das irgendwie aufgemotzt oder dem Zeitgeist angepasst wurde: Capcoms DmC – Devil May Cry für Xbox, PC und PS3 erzählt von der Jugend des Dämonenjägers Dante, gibt erstmals genauere Einblicke in die Familiengeschichte der Engel-Teufel-Mischgeburt und lässt ihn als übercoolen Emo-Hipster-mir-scheißegalMacho unter seinen übernatürlichen Artgenossen aufräumen. Einen kleinen Minus-


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Spielplatz

Zero Escape: Virtue’s Last Reward

DmC – Devil May Cry

punkt gibt es dabei für die Cutscenes, insbesondere die Figuren. Beides hat Entwickler Ninja Theory mit „Enslaved“ schon wesentlich besser abgeliefert. Aber wer ein Devil May Cry kauft, kauft es ohnehin nur aus einem Grund: den geilen Kämpfen. Und die sind Zucker für die Augen. Dante wirbelt so flott und flüssig über die Mattscheibe, wie es sich gehört und sieht dabei auch noch arschcool aus. Allerdings hat er auch eine Fantastillion an Moves im Gepäck, die sich zwar stylish miteinander kombinieren lassen, aber halt so zahlreich sind, dass man sie sich kaum alle behalten, geschweige denn abrufen kann. Doch genau darin liegt die Essenz des Spiels. Im kreativen Kombinieren von den obligatorischen Knarren mit einem Schwert, einer teuflischen Axt, einer himmlischen Sense, den Alternativwaffen aus Himmel und Hölle, einem hellen und dunklen Enterhaken, einem normalen, himmlischen oder höllischen Ausweichmove, einem Engelsboost oder eines Teufels-Modus. Wer sich dieser Aufgabe stellen möchte und kein HardcoreDMC-Purist ist, darf also gerne zugreifen. Und wo wir schon im bei japanischen Gepflogenheiten sind, machen wir doch auch direkt da weiter. Mit Zero Escape: Virtue’s Last Reward von Koch Media erreicht uns eine so genannte Visual Novel auf PS Vita und 3DS,

Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin

die man gut und gerne als kleinen Mindfuck betiteln darf. Ohne großes grafisches Brimborium wird darin die Geschichte von Student Sigma erzählt, der plötzlich mit acht anderen Charakteren in einer mysteriösen Halle erwacht. Was folgt, ist ein Spiel um Vertrauen und Verrat, bei dem man seine Mitinsassen kennen lernen und einschätzen muss. Für jede Entscheidung gibt es Punkte, egal ob man sein Leben in die Hände der Fremden legt oder ob man sie in die Pfanne haut. Hat man neun dieser BP-Punkte zusammen, die mittels eines Geräts am Arm gemessen werden, ist man frei. Erzielt man 0 Punkte wartet eine Giftspritze. Doch Vorsicht, unter den neun Personen befindet sich auch Zero, ein Serienmörder und der Mastermind dieser verzwickten Escape-the-Room-Versuchsanordnung. Diese legen wir nicht nur den erfahrenen Fans ans Herz, sondern auch allen anderen, die mal was wagen möchten, auf langsame und methodische Spiele stehen oder einfach eine gute Dosis Paranoia zu schätzen wissen. Wer es lieber etwas knuffiger und kuscheliger mag, sollte unbedingt zu Namco Bandais Ni no Kuni: Der Fluch der weißen Königin für die PS3 greifen. Denn es wurde zum einen vom renommierten Studio Level-5 entwickelt, das für solche Klassiker wie „Dragon

Quest 8“ (auf der PS2) oder Erfolgsreihen wie „Professor Layton“ verantwortlich ist. Zum anderen hat das japanische Animationsstudio Ghibli, auf dessen Konto so unfassbar fantasievolle Filme wie „Das Schloss im Himmel“ oder „Chihiros Reise ins Zauberland“ gehen, den Zeichentrick-Look dieses Japano-Rollenspiels kreiert. Erzählt wird die Story des kleinen Oliver, der in eine Bilderbuch-Fantasie-Parallelwelt reist, um dort ein Magier zu werden und so seine kürzlich verstorbene Mutter zurückzuholen. Dabei trifft er auf allerlei Freunde und kauzige Charaktere (böse Katzen namens „Schnurrken), viele große, aber nicht abschreckende Dungeons, überschaubare Nebenmissionen und jede Menge Rätsel mit forderndem Schwierigkeitsgrad. Klares Highlight sind allerdings die Kämpfe, die auf Monsterbeschwörungen in Echtzeit setzen. Irgendwann kombiniert man mit drei Haupthelden und bis zu neun Kreaturen, passt sich seinen Gegnern immer wieder neu an und stellt nach zahlreichen, aufgelevelten Monsterchen fest, dass man es hier mit einem besseren Pokémon zu tun hat. Oder mit einem so innovativen wie traditionellen J-RPG, das den Begriff „Wunderbare Weltflucht“ mehr als verdient. In diesem Sinne: Das Jahr kann kommen ... / Daniel Schröckert

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Leinwand / Kino

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

PARKER Kinostart: 7. Februar 2012 Regie: Taylor Hackford Genre: Thriller

LES MISÉRABLES Kinostart: 21. Februar 2013 Regie: Tom Hooper Genre: Drama

THE MASTER Kinostart: 21. Februar 2013 Regie: Paul Thomas Anderson Genre: Drama

Ist Parker (Jason Statham) hauptberuflich auch Dieb, hat er dennoch einen streng moralischen Kodex, der dem des Robin Hood ähnelt – in gewissen Grenzen. Er bestiehlt nur die Reichen und verletzt lediglich die, die es wirklich verdient haben. Seinen aktuellen Auftrag besorgt ihm Hurley, der Vater (Nick Nolte) seiner Freundin (Emma Booth). Die zwei schlagen ihm vor, die daraus resultierende Beute direkt in einen noch größeren Coup zu investieren. Parker lehnt dankend ab und wird dafür von seinen Komplizen getötet – zumindest sieht es für sie so aus. Doch Parker hat überlebt – sonst wäre der Film auch etwas schnell vorbei. Von nun an hat er nur noch ein Ziel: Rache. In der Verkleidung eines reichen Texaners und in Begleitung der Vermögensberaterin Leslie Rodgers (Jennifer Lopez) entwickelt er einen Plan, um seinen Ex-Kollegen zum einen die Beute abzujagen und sie zum anderen zur Rechenschaft zu ziehen. Dafür muss Parker nach Palm Beach in Florida und nicht nur auf seine geheime Identität achten, sondern auch auf die verführerische neue Frau in seinem Leben.

Fast 20 Jahre saß Sträfling Jean Valjean (Hugh Jackman) als ‚Gefangener 24601‘ hinter Gittern, weil er Brot für seine hungernde Familie stahl. Als er schließlich auf Bewährung freigelassen wird, möchte er ein neues Leben beginnen. Dazu muss er allerdings erst einmal dem Griff des unerbittlichen Inspektors Javert (Russell Crowe) entgehen, der ihm stets auf den Fersen ist und nur auf einen Fehltritt Valjeans lauert. Auch seine Umwelt begegnet ihm wegen seiner vorangegangenen Verfehlung und der hinter ihm liegenden Inhaftierung feindselig. Um die Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen, verstößt Valjean gegen seine Bewährungsauflagen: Er taucht unter und nimmt eine neue Identität an. Allerdings Javert ist weiterhin hinter ihm her. Als sich Valjean in die in ärmlichen Verhältnissen lebende Fantine (Anne Hathaway) verliebt, kommt es zu einer tragischen Wendung ... „Les Misérables“ ist übrigens – falls es jemand nicht weiß – ein Musical von ClaudeMichel Schönberg (Musik) und Alain Boublil (Libretto). Die Handlung basiert auf dem Roman „Die Elenden“ von Victor Hugo.

Der Intellektuelle Lancaster Dodd (Philip Seymour Hoffman) beschließt nach den schrecklichen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs, eine neue Glaubensgemeinschaft zu gründen. Klar, dass er selbst auch gleich deren Anführer wird. Mit „The Cause“ – so der Name seines neuen Religionsbundes – zieht er allerhand verlorene und verlassene Seelen an, die sich in der Gruppe geborgen fühlen und in der Masse ihr Heil suchen. So auch sein treuester Jünger Freddie Quell (Joaquin Phoenix). Quell ist ein Navy-Veteran mit posttraumatischem Stresssyndrom, heute schwerer Alkoholiker und vom rechten Weg abgekommen. Er sieht in dem charismatischen Sektenführer Dodd einen strahlende Leitfigur, durch die er wieder Hoffnung in seinem Leben findet. Freddy wird von Dodd zu dessen rechter Hand ernannt, doch bald kommen Freddie erste Zweifel an der Wahrheit und der Ernsthaftigkeit der Lehren Dodds ... Regisseur Paul Thomas Anderson zeichnete u. a. für Filme wie „Boogie Nights“, „Magnolia“ und „There Will Be Blood“ verantwortlich, was durchweg für großes Kino spricht.

Bar 25


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Leinwand / DVDs

DVDs IM FEBRUAR

Der Winter hat uns immer noch fest im Griff. Da geht man ungern vor die Tür. Zugegeben. Wer also partout keine Lust hat, den Stammclub aufzusuchen, findet hier einige Tipps, den Abend in den eigenen vier Wänden gut unterhalten zu verbringen. In den eigenen vier Wänden bringt mich sofort zum spannenden Horror-Film „The Cabin In The Woods“ (Universum), über den ich nicht so viel verraten möchte, weil man dann nicht mehr von Plot-Twists überrascht ist. Nur so viel, es ist eine wirklich erfrischende Mischung aus „Tanz der Teufel“, „Scream“ und „Truman Show“. Verlosung: Und damit ihr euch selbst ein Bild von diesem genialen Film machen könnt, verlosen wir drei DVDs unter allen Einsendern einer E-Mail an win@fazemag. de mit dem Stichwort: „Ich bin ein Leser, holt mich hier raus“. So, genug herumgealbert; es wird Zeit für The Man. So heißt die neue Hoffnung des Action-Films Scott Adkins im spannungsgeladenen ActionKracher „El Gringo“ (Sunfilm). Adkins, den Action-Fans seit „Undisputed“ auf dem Schirm haben dürften, ist mit seiner Rolle in „Expendables 2“ in die nächsthöhere Hollywood-Riege aufgestiegen und es gilt abzuwarten, wie es mit ihm weitergeht. Physisch kann er es jedenfalls locker mit Jason Statham und Co. aufnehmen. In „El Gringo“ hat er sich gegen Schurken und korrupte Polizisten durchzusetzen, und das sorgt für knochenbrechende Action. Um

euch den Film aus der Joel Silver-Schmiede so richtig schmackhaft zu machen, verlosen wie zum Start des lateinamerikanischen Action-Krachers „El Gringo“ am 7. Februar 2013 ein Genießer-Paket mit drei besonderen, hochgelobten und intensiven Rumsorten von Rum & Co.: Von fruchtig-süß bis nussig und mit Tabaknote sind der ‚Ron Botucal Reserva Exclusiva‘ aus Venezuela, der ‚Legendario Elixir‘ aus Kuba und der ‚Ron Centenario Fundacion XX 20 Jahre‘ aus Costa Rica eine echte Gaumenfreude. Mehr Infos zu den Rum-Sorten gibt es unter www.rumundco.de! Ihr müsst lediglich eine E-Mail an win@fazemag.de richten und uns mitteilen, in welchem Action-Film, Scott Adkins gegen Dolph Lundgren und Jean-Claude van Damme antreten muss. Jetzt reicht es aber auch wieder mit den Gewinnspielen. Aber ich bleibe noch eine Weile beim Action-Genre hängen. Studiocanal veröffentlicht nämlich dieser Tage eine ungeschnittene „American Fighter“-Box der Teile 1–4 mit Schnarchnase Michael Dudikoff. Für Komplettisten unverzichtbar, für Trash-Liebhaber auch. Universal Pictures hat in diesem Monat einige interessante Filme in der Pipeline. Auch wenn ich persönlich ein großer Oliver Stone-Fan bin, hat mit sein „Savages“ trotz Salma Hayek und Blake Lively sowie ordentlicher Härte nur bedingt gefallen. Vielleicht muss man ihn mehrmals sehen. Ab 14. Februar hat man dazu die Gelegenheit. Ebenfalls

nichts für Zartbesaitete ist der Horror-Film „Stitches – Bad Clown“, in dem ein Kindergeburtstagsclown zum verrückten Mörder wird. Slash as slash as slash as slash. Schon okay, wenn auch nichts Besonderes. Sehr rasant ist der asiatische Action-Film „Motorway“ (Universum), der mich aber dennoch an „Alarm für Cobra 11“ erinnert hat. Nicht die beste Assoziation, wie ich finde, aber nun gut. Bei Echtzeitverfilmungen muss der Cineast natürlich immer an „Gegen die Zeit“ mit Johnny Depp oder Kiefer Sutherlands „24“ denken. Der großartige „96 Minutes“ (Sunfilm) bedient sich des Stilmittels des Echtzeitfilms und handelt von vier Jugendlichen, die im Auto durch Atlanta fahren, verletzt und verstört und völlig auf sich allein gestellt sind. In Rückblenden erfährt man, wie es zu der Katastrophe, in der sie sich befinden, kommen konnte. Spannend und mitreißend. So, ich muss jetzt mal ins Bett. Wir lesen uns nächsten Monat wieder. Peter Hyams Jr.

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

FAZE FORTY

FAZEFORTY

Zusammengestellt aus den Monatscharts von über 100 DJs, Plattenläden und Downloadstores

1

2

1. Luciano – Rise Of Angel (Cadenza)

19. Jamie Jones – Change (Hot Trax)

2. Yousef – Beg / Hot Since 82 Future Mix

22. Kölsch feat. Troels Abrahamsen – All That Matters

20. Duke Dumont – The Giver (Turbo Recordings) 21. Beatamines & David Jach – How Never (Keno)

(Defected)

(Kompakt) 23. Layo & Bushwacka! – Raw Defined / Marco Resmann

3. Digitalism – Zdarlight / Chopstick & Johnjon

Remix (Olmeto)

Remix (Toolroom)

24. Frankie Watch – Geiri / NiCe7 Remix (D-Floor Records)

4. Fedde Le Grand – Raw (Spinnin)

25. Tube & Berger – Surfin / Nice7 Remix (Kittball)

5. Nick Curly – Underground / Dennis Ferrer Remix (Cecille)

26. Super Flu & Andhim – Reeves (Monaberry)

6. Rachel Row – Follow The Step / Kink Beat Mix (Pets)

27. Solee – Jonalu (Parquet Recordings)

7. David Herrero – Together / Hollen Remix (Get Funky

28. Slam – Harem / Gary Beck Remix (Bek Audio)

Music)

29. Mike Dehnert – Refillable (Delsin Records)

8. Maya Jane Coles – Easier To Hide (I/AM/ME)

30. Kareem Cali – Slide To Open (Bouq)

9. Jamie Jones – Road To The Studio (Hot Trax)

31. Hanfry Martinez & Terence Terry – Sunday Gathering /

10. Adam Beyer & Alan Fitzpatrick – Human Reason / Len

Dyed Soundorom Remix (La Vie En Rose)

Faki Remix (Drumcode)

32. Holocube – 18 Years Later (BluFin)

11. Hot Chip – Flutes / Sasha Remix (Last Night On Earth)

33. Mendo & Yvan Genkis – Miso (Saved)

12. UMEK – Kuzla Prevarantska (1605)

34. Nicole Moudaber – Sonic Language (Drumcode)

13. Uto Karem – Taking Me (Agile)

35. Soul Button – The Keepers (Steyoyoke)

14. Audiojack – No Equal Sides (Juno Records)

36. Tim Xavier feat. G-Tech – Space Jockey (Upon.You)

15. Cari Lekebusch, Zoe Xenia – Good Love Sweet Love /

37. Thomas Lizzara – Django (Beatwax Records)

Shadow Child Remix (Kling Klong)

38. Amine Edge & Dance – Going To Heaven With The

16. Mathew Herbert – It’s Only / DJ Koze Remix (PAMPA)

Goodie-Goodies (2DIY4)

17. Marcus Worgull, Osunlade – Reno (Innervisions)

39. TJR – Same Old Fool / Sonik Remix (Rising Music)

18. Luca Bacchetti – The Bloom (Saved)

4

62

3

5

40. Jay Lumen – Raw Basses (Suara)

6

7

8

9

10


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Nico Pusch

Charts

Bakermat

Mendo

Lee van Dowski

Umek

NICO PUSCH (040 Recordings)

TOCADISCO (Toca Recordings)

BAKERMAT (Be Yourself Music)

ALEX NIGGEMANN (Poker Flat Recordings)

01 D.B. – Limit (Keinerechte) 02 Beatamines & David Jach – How Never (Keno) 03 Otis Taylor – 10 Million Slaves / Ron Flatter Edit (Telarc) 04 Nico Pusch feat. Felix Schreiber – United (Stilecht Rocken Records) 05 Carlo Ruetz – Bamsik (040 Recordings) 06 Cudder & Mulder – Japanese Floor (040 Recordings) 07 Bakermat – Zomer (Delicieuse Records) 08 Nico Pusch – Der Spielmann-Opi von der Kröpi (Unreleased) 09 Radio Diffusion – BHVL (Universal Music) 10 Nico Pusch – Be Free / Klangkünstler Remix (Damm Records)

01 Tocadisco – Jump (Dim Mak Records) 02 Green Velvet & Harvard Bass – Lazer Beams (Relief Records) 03 Milk & Sugar – Let the Sun Shine / Tocadisco Remix (Milk & Sugar Recordings) 04 Firebeatz & Schella – Dear New York (Spinnin Records) 05 D.I.M. – Dragon (Boysnoize Records) 06 Proxy – Shut Up! / GTRONIC Remix (Dim Mak Records) 07 TJR – Same Old Fool / Sonik Remix (Rising Music) 08 Boris Dlugosch – Knalldrang (Poker Flat) 09 Amine Edge & Dance – Going To Heaven With The Goodie-Goodies (2DIY4) 10 Raz Ohara – El Zahir / Acid Pauli’s Acid Dub (Kindisch)

01 Alle Farben – Wunderbar (Kallias Music) 02 Moby – Why Does My Heart / Crussen Edit (Unsigned) 03 Felkon – Jacob & Phill’s Mephisto (Unsigned) 04 Stavroz – Robot Street Musicians (Wired) 05 Lexer – Little Bird (Unsigned) 06 Dusty Kid – Nemur / Walls Of Guitars (Boxer Recordings) 07 Julia Stone – This Love / Egokind Edit (Unsigned) 08 Stereoclip – It’s About The Time (Delicieuse Records) 09 Groove Armada – Look Me In The Eye Sister / Audiojack Remix (Ministry of Pies) 10  Andhim – AleeFee (Sunset Handjob)

01 Alex Niggemann – I Don’t Care / Salvatore Freda Remix (Poker Flat) 02 Flashmob – Pieces feat. Laila Walker / Panorama Mix 03 Frankie Watch – Geiri / NiCe7 Remix (D-FLOOR) 04 Alex Niggemann – Back 2 Basics / Francys Remix (Poker Flat Recordings) 05 Markus Homm – City Tax (8Bit) 06 SHOW-B – Sax ’N’ MPC / Show-B & Tomas Herb Edit (Compost Records) 07 Smash TV – Chrystal Moth / Rodriguez Jr. Remix (Soulfooled) 08 Eva Mendes – Mosca (Hypercolour) 09 Marc Poppcke – When You Are Near (Last Night On Earth) 10 Alex Niggemann - Lovers feat. John Rydell / Andre Lodemann Remix (Poker Flat)

MICHAEL NIELEBOCK (Treibstoff)

RICH VOM DORF (Ton liebt Klang)

TECHNASIA (Cadenza Records)

MENDO (Clarisse Records)

01 Michael Nielebock – Pure Visions (Treibstoff) 02 Solee  – Platinum / Leevey Remix (Parquet Recordings) 03 Dapayk Solo – Hammered (Contuse) 04 Mirco Niemeier – Rummelsburger Bucht (Budenzauber) 05 Monika Kruse  – Latin Lovers feat. Zafra Negra / Andhim Remix (Voltaire Music) 06 The Glitz  – Orange Blossom (Voltaire Music) 07 Oliver Schories  – I´m Not (Super 8) 08 David Jach  – How Never / Gordian Gleiss Remix (Musica Diaz) 09 Federico Milani  – Kamouflage EP / SIS Remix (Paragram Records) 10 Einmusik  – Damgala (Einmusika)

01 Super Flu & Andhim – Reeves (Monaberry) 02 Rich vom Dorf – Mochacho & Chicacabra / Mollono Bass Remix (Acker) 03 Kanzler & Wischnewski – Volture / Arts & Leni Remix (Ton liebt Klang) 04 Mauro Valente – Toast De Bournee (Sophisticated Retreats) 05 Dirty Doering – Casino Aquatique (Katermukke) 06 Adam Port – Someone To Love (Keinemusik) 07 Davis & Dembrowski – 9 am / Wendejacken Remix (Vogelfrei) 08 Benn Finn – It´s True / Ron Flatter Remix (Pour La Vie) 09 Beatamines & David Jach – How Never (Keno) 10 Noze – When Tiger Smoked / Smash TV Remix (Get Physical)

01 Mr G – Contrast (Phoenix G) 02 Javier Varez – Lost In Mulholland Drive / Nick Harris Remix (Alma Soul Music) 03 Jerome Sydenham – Mud Sweat (Ibadan Records) 04 Reeko – Electrica Phenomena (PoleGroup) 05 Nakadia – Arai Wa (Clarisse Records) 06 Flashmob – Ninety Five / Argy ’95 Mix (Get Physical) 07 Deepbass – Nova / Psyk Remix (Informa Records) 08 Nicole Moudaber – Sonic Language (Drumcode) 09 Chevel – Human (None Series) 10 Doubtingthomas – Little Helper 56-6 (Little Helpers)

01 Mendo & Yvan Genkins – Temaki (Saved) 02 Miguel Matoz – Flavour Jam (Clarisse) 03 Luciano - Rise Of Angel (Cadenza) 04 Mendo & Yvan Genkins – Miso (Saved) 05 Miguel Matoz – Flavour Jam / Nakadia Remix (Clarisse Records) 06 Leonardo Gonnelli – Face To Face / Daniel Sanchez Remix (Bla Bla) 07 Fabio Neural – Tarida / Daniel Dubb Mix (VIVa Music) 08 MRI – Die Stasikinder Vom Busbahnhof / Demian Muller & Andre Butano Boiled & Beeing Remix (Resopal Schallware) 09 Matthew Lima – Feel This Noise (Amazing Music) 10 Understanding Not Forgiven – Robot Needs Oil (JETT Records)

LEE VAN DOWSKI (Cadenza Records)

ERNESTO FERREYRA (Cadenza Records)

CESAR MERVEILLE (Cadenza Records)

DANI CASARANO (Melisma)

01 La Funk Mob – Motorbass Get Funked Up / Elektrophunk Remix (Minus) 02 Oliver $, Sqim – Hoes (Play It Down) 03 Cabin Fever – For Spencer (Rekids) 04 Aldo Cadiz – Exes.O.S. / Version One (Desolat) 05 David Mayer – Celsius (Keinemusik) 06 Matt McLarrie – Tickly Voodoo / Hollen Remix (Younan Music) 07 &ME – Youth (Keinemusik) 08 Cabin Fever – Snapped (Rekids) 09 Simon Baker – Hideout / ThermalBear Remix (Last Night On Earth) 10 Charles Ramirez, Stan Garac – The Pianist (Hall Of Fame Records)

01 Mirko Loko & Ernesto Ferreyra – The Give Box 02 DeWalta – Tetraeder (Meander) 03 Birds Making Machine – Three Days Late (Birds Making Machine) 04 Brothers In Low – Planetarium (Mus Records) 05 Martinez – Pygmalion (Memoria Recordings) 06 Vid – Legacy (An|dromeda) 07 Franco Cinelli – Galaxy Funk (Movida Records) 08 Fantasna, Royal Silver – Asi Somos / Funk E (Melisma Records) 09 Prins Thomas – Bom Bom (Full Pupp) 10 Luca Aniston – Looking To The Sky / Ernesto Ferreyra Remix (Blooming Soul Records)

01 Ryan Crosson & Cesar Merveille feat. Banana Lazuli & Arthur Simonini – At The Seams (Visionquest) 02 Ion Ludwig – SoS Tribute (UGold 1) 03 Luciano – Rise Of Angel (Cadenza Records) 04 Felipe Valenzuela & Dani Casarano – Better Than Less / Valentino Kanzyani Remix (Melisma Limited) 05 Vera – Attachments Of The Past (Hello? Repeat) 06 Dave Aju feat. Jaw – Caller #7 / Seth Troxler & Subb-an Remix (Circus Company) 07 Unknown Artist – Don´t Expecting You (Fathers And Sons 002) 08 Merveille & Crosson – No Hassle (Visionquest) 09 Ricardo Villalobos – Dependant & Happy LP (Perlon) 10 Schubaq & Verveine – Ness (Tardis)

01 Move D – Drone (Modern Love) 02 STL – Silent State (Smallville Records) 03 Olin – Finally (Argot) 04 Marco Shuttle – That’s The Point (Eerie Records) 05 Hydergine – Shimmering Memories / ARP Remix (Analog Response) 06 Aubrey – A1 (Dot One Records) 07 Samuel Andre Madsen – Moodsy EP (Nsyde Music) 08 Roger Gerressen – Put That Record On (Sudden Drop) 09 The Persuader – Morgon Sol (Svek) 10 Egal 3 – Bios EP (Genial)

UMEK (1605)

DANIEL BORTZ (Suol)

NICE7 (Noir Music)

MEGGY (Suol)

01 UMEK – Kuzla Prevarantska (1605) 02 David Herrero – Together / Hollen Remix (Get Funky Music) 03 Carlos Fauvrelle – 1999 / Ivan Pica Remix (Shinshy Records) 04 Siwell – Hangover (1605) 05 Paco Ortola, Hassio, Siwark – I Am To You (Attary Records) 06 Diego Play – Motion (Dusk Records) 07 Matt Klast – Disco Non Ready (Mindshake Records) 08 Nick Cartez – El Viernes / Bullet Mix (Bullet Proof Records) 09 Kasey – Whats My Name (Hands Up Records) 10 Mike Dehnert – Refillable (Delsin Records)

01 Matthew Dekay & Lee Burridge – Holding On (All Day I Dream) 02 Silor & I – Tough Love / Aril Brikha Remix (Art Of Vengeance) 03 John Talabot – When The Past Was Present (Permanent Vacation) 04 Slove – Flash / Pachanga Boys Remix (Pschent Music) 05 Anette Party & Macchina Nera – Gangbang (Pastamusik) 06 Maxxi Soundsystem – Regrets We Have No Use For / Matthew Herbert Remix (Hypercolour) 07 Soul Clap, Mel Blatt – Ecstasy / Catz´n Dogz Body Language Remix (Get Physical) 08 Nils Penner – Munich (Freerange Records) 09  Mario Basanov – Mes Souvenirs (Needwant) 10 Pional – Into A Trap (Permanent Vacation)

01 AFFKT feat. Sutja Gutierrez – Soul / NiCe7 Remix (Noir Music) 02 Marcus Worgull, Osunlade – Reno (Innervisions) 03 Chanté ­– Delicious Inc. / Tuccillo 2012 04 Frankie Watch – Geiri / NiCe7 Remix (D-Floor Records) 05 Italoboyz feat. Blind Minded – Caprizant (Superfiction) 06 Tube&Berger – Surfin / NiCe7 Remix (Kittball Records) 07 Benoit & Sergio – Bridge So Far (Hot Creations) 08 NiCe7 – Bassline Soldiers (Defected) 09 Alex Flatner & MSMS feat. Cari Golden – Love Is A Condition / Paolo Rocco’s Stictly 90’s Dub (Noir Music) 10 Storm Queen – Look Right Through / MK Dub III (Defected)

01 Meggy – Anything You Can (Suol) 02 Maxxi Soundsystem – Stella’s Way / Huxley Remix (Ellum Audio) 03 Trickski – Voyage d’Amour (Suol) 04 Jay Shepard, Martin Dawson – Cut A Hole (Retrofit) 05 James Barnsley – Acid Tambourine / Tamba Dub Mix (Breakoutaudio) 06 Duke Dumont – The Giver / Tiga Remix (Turbo Recordings) 07 Kezla – The Motion / Oli Furness’s Rub-ADub Remix (Love Not Money) 08 Jimpster – Can’t Stop Loving (Freerange) 09 The Layabouts, Omar – As Long As You Believe / Julian Gomes Remix (Reel People Music) 10 Mark Henning – You’re Diggin Into Me (Soma)

63


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Charts

Marco Bailey

64

Marc Poppcke

Daniel Solar

Cristian Varela

Ramon Tapia

UTO KAREM (Agile Recordings)

MARCO BAILEY (MB Elektronics)

SOUL BUTTON (Steyoyoke)

PELE (Cocoon Recordings)

01 Uto Karem – Earth Link (Agile) 02 Bart Skils – Hypnotizing (Drumcode) 03 Pig&Dan – Savage (Elevate Techno) 04 Uto Karem – Taking Me (Agile) 05 Hollen – Right Way (Agile) 06 Slam – Harem (Bek Audio) 07 Jeff Mills – Automatic (Purpose Maker) 08 DJ Le Roi – Heartbreaker / Clio Remix (Noir Music) 09 Hollen, Gonzalez, Gonzalo – Format It / Ron Costa Remix (Snatch! Records) 10 Ramon Tapia – 411 / Sante Remix (Say What?)

01 James Zabiela – The Healing (Born Electric) 02 Marco Bailey – Album High Volume (MB Elektronics) 03 Marco Bailey & Filterheadz – Diavel Carbon (unreleased) 04 Mr. Bizz – Cube (MB Elektronics) 05 Redhead – Baloo (Suara) 06 Mark Antonio – Metric (Analytic Trail) 07 Luca Bacchetti – The Bloom (Saved) 08 Ron Costa – Berlidof (SCI+TEC) 09 Tom Hades – Together Divided (MB Elektronics) 10 Adam Beyer & Alan Fitzpatrick – Human Reason / Len Faki Remix (Drumcode)

01 Soul Button – The Keepers (Steyoyoke) 02 Supernova – Last Night In NY (Street King) 03 Soul Button – Come To Me (Steyoyoke) 04 Marc Poppcke, Max Farlane – Penzium / Guille Quero & Sound Process Remix (Crossfrontier Audio) 05 Shlomi Aber – Foolish Games feat Moggli (Be As One) 06 B&S Project – Slow Brent (Paul’s Boutique) 07 Tube & Berger – Surfin / Nice7 Remix (Kittball) 08 Soul Button – Play Again (Steyoyoke) 09 Tale Of Us, The Das – Fresh Water (Life And Death) 10 Gallus Kurus – Ile De Goree (Ladies And Gentlemen)

01 Pele & Shawnecy – Savago (Cécille) 02 Steve Lawler – Hoffmanns Potion (Moon Harbour) 03 JohnWaynes – Wet (CIC) 04 Jamie Woon – Wayfaring Stranger (Der Zweiten Ton Edit) 05 Luca Bachetti – The Bloom (Saved) 06 Fabio Neural – Bad Mother / Pele & Shawnecy Remix (Artura) 07 Kareem Cali – Slide To Open (Bouq) 08 Collective Machine – Beautful Old times (KD) 09 Basti Grub – Big Top (Desolat) 10 Pele & Shawnecy – Focus (Cécille)

MULDER (Hey! Records)

THYLADOMID (Diynamic)

TRICKSKI (Suol)

MARC POPPCKE (Crossfrontier Audio)

01 Konrad Black – Devastator (Get Weird) 02 Cari Lekebush, Zoe Xenia – Good Love Sweet Love / Shadow Child Remix (Kling Klong) 03 KiNK  – Leko (Whatpeopleplay) 04 Skai, M.In – How Crazy feat. Noah Desmit (Yuma) 05 Marc Antona, Xiki – Hawah (PMI Dance) 06 Mike Shannon – Waterfloor Shuffle (Watergate X) 07 Jose Vizcaino – Fosforo (Kinetic Groove) 08 Mulder – Backseat Driver (Hey! Records) 09 Kyodai – Never Know / Simon Garcia Remix (Pokerflat Recordings) 10 Christian Burkhardt – Pianissimo / D’Julz Remix (Oslo)

01 Gabe – Truly Fucked (PopArt) 02 Dashdot – Lowbotic Fabric (Acid Fruits) 03 Switchbox – Pirates Poetry (Ellum Audio) 04 Re.Dupre – Galaxy (PopArt) 05 Smallpeople – Black Ice (Smallville Records) 06 Adriatique – Face To Face (Culprit) 07 Sailor & I – Tough Love / Jonas Mantey Remix (Art Of Venegance) 08 Habischman feat. Cari Golden – Diabolic (Noir) 09 Gorge Fitzgerald – Every Inch / Deetron Remix (Hypercolour) 10 Hanfry Martinez, Terence – Sunday Gathering / Dyed Soundorom Remix (La Vie En Rose)

01 Crazy White Boy – Zoma feat. Nonku / Kyle Watson Remix (Soul Candi Records) 02 Re:freshed Orchestra – Roc Boys (Kindred Spirits) 03 Mario & Vidis – Care feat. Ernesto / Trickski French Touch (Silence Music) 04 Hot Toddy – Mutha Sucka / Ron Basejam Remix (Smoke’N’Mirrors) 05 Trickski – A Billion People feat. Hollis P. Monroe & Overnite (Suol) 06 Liquideep – Feel It / Andre Lodemann Remix (Deeper Shades Recordings) 07 Trickski – Point 0 /Chopstick & Johnjon Remix (Suol) 08 Ejeca – Dazed (Needwant) 09 Oleg Poliakov – House Of The Sun (Circus Company) 10 James Teej – Greenback feat. dOP (Rekids)

01 Zoo Brazil – The Dark End (Magik Muzik) 02 Cumiks feat. Fran von Vie – Promises (Crossfrontier Audio) 03 Soul Button – The Keepers (Steyoyoke) 04 16 Bit Lolitas – Nuclear Power Pants (Bit and Pieces) 05 Solee – Jonalu (Parquet Recordings) 06 Smash TV & Kiki – Sunkissed (Hive Audio) 07 Marc Poppcke – Relaxing The Soul (Last Night On Earth) 08 Hernan Cattaneo & Soundexile – Infoxication / Chaim Remix (Sudbeat) 09 David Durango – Koi (Crossfrontier Audio) 10 Luis Bondio & Cesar Lombardi – Incubus / Marc Poppcke Remix (Classound Recordings)

DANIEL SOLAR (Dikso)

LUIS HILL (Crossfrontier Audio)

WHOMI (MFM Booking)

CRISTIAN VARELA (Vareland Ent.)

01 Duke Dumont – The Giver (Turbo) 02 Digitalism – Zdarlight / Chopstick&Johnjon Remix (Toolroom) 03 Rachel Row – Follow The Step / Kink Beat Mix (Pets Recordings) 04 Scuba – Hardbody (Hotflush Recordings) 05 Larse – The Answer (Dikso) 06 Miguel Puente – Baby Gurl / Balcazar & Sordo Remix (Akbal Music) 07 Nacho Marco – Lets Go Silly / Roberto Rodriguez Remix (Serenades) 08 Mathew Herbert – It’s Only / DJ Koze Remix (PAMPA) 09 6th Borough Project – The Vibes (Delusions of Grandeur) 10 Soul Button – The Keepers (Steyoyoke)

01 Animal Trainer – Drop In (Hive Audio) 02 Dusty Kid – Bolero (Noir) 03 Soul Button – The Keepers (Steyoyoke) 04 FCL – It’s You / Charles McCloud & VIn Sol Remix (Unsigned) 05 Channel X – My 3 Wishes / Nico Stojan Remix (Stil vor Talent) 06 Betoko – Not Alone (Moodmusic) 07 Solar & Poppcke – Lightest Shades of Grey / Los Suruba Remix (Crossfrontier Audio) 08 Kölsch feat. Troels Abrahamsen – All That Matters (Kompakt) 09 Biatlone – Your Mind / Thierry Tomas Remix (Alma Soul Music) 10 Boris Brejcha – Freunde Finden (Harthouse)

01 Ultraista – Smalltalk / Four Tet Remix (I Am Fortified) 02 Sound Stream – Julie’s Theme (Sound Stream) 03 Sinkane – Runnin / Daphni Remix (Phonica Records Special Editions) 04 Orgue Electronique – Here I Come (Crème Organization) 05 Shenoda – Flex (Losing Suki) 06 Detroit Swindle – John Doe (Dirt Crew Recordings) 07 Bruce Trail – Gargamel Rising (Fool’s Gold) 08 Klankarbeit – Fat P (EC Records) 09 Lula Circus – So Cold / Havens+Hart Remix (Stranjjur) 10 Plezier – Plezier Anthem (Moda)

01 Steve Conelli – Question (Pornographic Recordings) 02 Jay Lumen – Raw Basses (Suara) 03 Hollen, Gonzalez, Gonzalo – System Overload (Bitten) 04 Lutzenkirchen – Darkmere (NM2) 05 Cristian Varela – Cockteaser (Toolroom Records) 06 Jamie Jones – Road To The Studio (Hot Trax) 07 Maceo Plex – Filthy Mama (Ellum Audio) 08 Stefano Noferini – Tatamau (Toolroom Records) 09 David Amo, Julio Navas, Rober Gaez – This Is True House (Great Stuff) 10 Cristian Varela & Sergio Fernandez – Smash TV (Insert Coin)

MARCO RESMANN (Upon.You)

GUNNAR STILLER (Upon.You)

BOSS AXIS (Parquet Recordings)

RAMON TAPIA (Say What? Recordings)

01 Tiga – Plush / Âme Remix (Different) 02 Tim Xavier feat. G-Tech – Space Jockey (Upon.You) 03 Gebrüder Teichmann – Time’s Almost Up / Losoul’s Altered Poetry Version (Killekill) 04 Trevino – Lag (Revolver) 05 Delano Smith – Invitation Only / Reconstructed By Tobias (Sushitech) 06 Will Saul – Light Sleeper / Michael Mayer Remix (Aus Music) 07 Layo & Bushwacka! – Raw Defined / Marco Resmann Remix (Olmeto) 08 Maan – Jackin (Tresor) 09 John Tejada & Josh Humphrey – Pulse Locker (Palette) 10 Komponente – City Lights (Body Parts)

01 Tim Xavier feat. G-Tech – Space Jockey (Upon.You) 02 Life And Death – Step Aside / Carl Craig Remix (Visionquest) 03 Luca Bacchetti – The Bloom (Saved) 04 Juan Zolbaran – Wooden Chair (Time Has Changed) 05 Tania Vulcano & Tato – Anestesiste (Isgud) 06 Hector – The Hand Of Hec (Mobilee) 07 Gunnar Stiller – Open You / Layo & Bushwacka! Remix (Upon.You) 08 Doomwork – Surrounding (100% Pure) 09 Layo & Bushwacka! – Raw Defined / Marco Resmann Remix (Olmeto) 10 Nakadia – Arai Wa / Gunnar Stiller Remix (Clarisse)

01 Kölsch feat. Troels Abrahamsen – All That Matters (Kompakt) 02 Hot Chip – Flutes / Sasha Remix (Last Night On Earth) 03 Boss Axis – Bridge A Divide (Parquet) 04 Oliver Koletzki – Bring Me Home (Light My Fire) 05 Edu Imbernon & Los Suruba feat. Daniel Wilde – Leopard / Boy Next Door Remix (Stil vor Talent) 06 Fabian Schumann & Black Vel – Apocado / Boss Axis Remix (Mangue) 07 Boss Axis feat. Silke K. – One Day (Unsigned) 08 Karmon – When Dark Becomes Light (Diynamic) 09 Marc de Vole & Patrick Muschiol – Little Man EP (Damm Records) 10 Christian Smith – Indulge Me (Plus8)

01 Ramon Tapia & Tripmastaz – Jack (Say What Recordings) 02 Tyree – Nuthin Wrong (Mojuba) 03 Gary Martin – Pimping People In High Places (Teknotika) 04 Layo & Bushwacka! – What Do You Say Now / Steve Lawler Remix (Olmeto) 05 The Stick Men & Soulgrabber – Hey Brice (Stickman Rec.) 06 Deep Square – Inspuna (Plant 74) 07 Norman Zube – Loopin (Kiddaz FM) 08 Bp – Shall Be Saved (Aella Music) 09 Monika Kruse – Namaste / Ramon Tapia Remix (Terminal M) 10 Lake People – Point In Time (Krakatau)


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Toni Rios

Charts

Nicole Moudaber

Darko Esser

Markus Gardeweg

Ralf Kollmann

JANETTE SLACK (Stamina Agency)

PEO DE PITTE (Stamina Agency)

TONI RIOS (Soap Records)

MARCO CANNATA (BluFin)

01 Janette Slack & Kickflip feat. Javone Prince – You Can’t Stop This / Black’n’Blunt Remix (Slack Trax) 02 DJ Love – It’s Hot! / JPod Remix (Air Recordings) 03 Jay Robinson – Work It / Marten Hørger Remix (Instant Vibes) 04 Ghetto Funk – I Just Want To Celebrate / Stickybuds Remix 05 Volatile Psycle – Gramophone (Heavy Artillery Recordings) 06 AMB – Tipsy Wings / Tshabee Remix (Chi Recordings) 07 Janette Slack – Girl In Black / Kickflip Remix (Slack Trax) 08 Black’n’Blunt – I Believe (Lot 49) 09 Some DJ – Fetto Ghunk (Ghetto Funk) 10 Pyramith – Cowbell Rock (BugEyed)

01 Far Too Loud – Firestorm / Peo de Pitte Remix (Funkatech) 02 A-Trak & Tommy Trash – Tuna Melt (Fool’s Gold) 03 Lunde Bros – Put Em Up EP (Mutants) 04 Symphany Hall – Metal Arrives (Marble) 05 Fedde Le Grand – Raw (Spinnin) 06 Peo de Pitte & Nom De Strip – Big Knobbler (Rising Music) 07 Harvard Bass – Erasers (Turbo) 08 Proxy – Junk (Dim Mak) 09 Peo de Pitte & NAPT – Gonna Be Mine / 2013 Remix (Strictly Rhythm) 10 Breakage – The Promise (Digital Soundboy)

01 Holocube – 18 Years Later (BluFin) 02 David Kassi – Freeway (Mangali Music) 03 Danny Ocean – Back To The 90s (Sincopat) 04 Martin Landsky – 1000 Miles / Gerd´s Geeman Remix (Poker Flat) 05 Marc Fanciulli – Cutoff (Leena Music) 06 Raw Verse feat. Norine Braun – Jentley / Ultrasone Remix (Labyrinth) 07 Nick Curly – Underground / Dennis Ferrer Remix (Cecille) 08 The Glitz – Les Amis 4 (Voltage Musique) 09 Will Monotone – Fiona (Fogbank Rec.) 10 Chris Fortier – Nickel Plated / NYC Remix (Mile End Records)

01 Holocube – 18 Years Later / Tom Pooks Remix (BluFin) 02 Anthony Rother – Traumzeitreise (Datapunk) 03 Holocube – Desayuno / Schröder & Deutschmann Remix (Blufin) 04 Matthew Herbert – Smash TV / Coyu Remix (Get Physical) 05 Steve Nash – Dancing / Re.You Mix (Natural Rhythm) 06 Jamie Jones – Change (Hot Trax) 07 Pan-Pot – White Fiction (Mobilee) 08 Holocube – Flat Lick / Basti Grub Remix (BluFin) 09 Luke Slater – Black Tea (Ostgut Ton) 10 Chris Fortier – Nickel Plated / NYC Remix (Mile End Records)

NICOLE MOUDABER (Drumcode)

DARKO ESSER (Wolfskuil)

SANDRIEN (Wolfskuil)

PITTO (Wolfskuil)

01 Nicole Moudaber – Roar EP (Intec) 02 Nicole Moudaber feat. Hosie – In The Mood EP (MOOD Records) 03 Guti – The Hust / Carl Cox Remix (White Label) 04 Jonas Kopp – Reforce (Deeply Rooted House) 05 The Deeshakerz – Get Feelin’ (Area Remote) 06 Alanis Morisette – Receive / Nicole Moudaber Remix (Sony) 07 Stevie V – Dirty Cash / Alan Fitzpatrick Jaded Rework (White Label) 08 Nicole Moudaber – Sonic Language (Drumcode) 09 Victor Calderone – Into The Void (Waveform) 10 Billy Johnston – Rainy (MOOD Promo)

01 Tripeo – Second Trip (Tripeo) 02 George FitzGerald – Every Inch / Deetron Remix (Hypercolour) 03 Imugem Orihasam – Beware EP (BALANS) 04 Maarten van der Vleuten – Internaut (Shipwrec) 05 Doka – Exigent EP (Wolfskuil Records) 06 Rrose – Cavity (EAUX) 07 DJ Haus – Needin’ U / MK Dub (Unknown To The Unknown) 08 Trevino – Makes Sense (3024) 09 Julien H Mulder – Symmetrical Timeline (Farden) 10 Breach – You Won’t Find Love Again / Citizen Remix (Naked Naked)

01 Various Artists – Textures I (Concrete Music) 02 Qindek – Te Beroerd (Wolfskuil Ltd) 03 Chevel – Hearing (Non Series) 04 Kuru – Black Moon Lilith / Joey Anderson Remix (Sublevel Sounds) 05 Terrence Dixon – Minimalism / Re:Vision (Thema) 06 Paul Mac – Sometimes Its That Simple / John Heckle Remix (Stimulus) 07 Low Jack – Free Pyjamas (Delsin Records) 08 Sandrien – Haters EP (Wolfskuil Ltd) 09 Donnie Tempo – Systems On EP (More About Music) 10 Chrystal Maze – Cow Needs A Bell (Field)

01 FaltyDL – Straight And Arrow / Four Tet Remix (Ninja Tune) 02 Pitto – Richklap (Wolfskuil Ltd) 03 Roisin Murphy – Simulation / Mano Le Tough Remix (Permanent Vacation) 04 Marcus Worgull, Osunlade – Muwekma / Reno Original Mix (Innervisions) 05 Die Galoppierende Zuversicht – Ameisenreisen (Bar 25) 06 Cowboy Rhythmbox, Daniel Avery – Shake (Fabric Live 66) 07 B.U.R.T. (Inside) – 6th Borough Project (One Night In the Borough) 08 Invisible Conga People – Can’t Feel My Knees (DFA) 09 Mike Dehnert – M10 (Fachwerk) 10 Lemaitre – Blue Shift (Substellar)

OLE BIEGE (Monaberry)

MARVIN ZEYSS (Beatwax Records)

ALDO CADIZ (Desolat)

HOMEBASE (Beatwax Records)

01 Stimming – November Morning (Dynamic) 02 Audiojack – No Equal Sides (Juno Records) 03 Super Flu, Andhim – Reeves (Monaberry) 04 PeteLeesa – Niko / Snilloc Remix (Athmosphere Records) 05 Rocque & Waslewski – Hello Pete (Zuckerton ’Records) 06 Scheibe – Achterwaarts (Monaberry) 07 Nico Stojan – Organ Whai (Dantze) 08 Monkey Safari – Hi Life / Ole Biege Remix (Monaberry) 09 Dexter Ford – Our Sun (LQD Music) 10 Cascandy – Hands On / Super Flu’s Hands On Cascandy Five & Six (Monaberry)

01 Leisuregroove – My Love (Stealth Records) 02 Marvin Zeyss – Running Nowhere / Chris Lattner Remix (Highway Records) 03 Tigerskin – In Public (Future Classic) 04 Thomas Lizzara – Django (Beatwax) 05 Javier Orduña & Iñigo Oruezabal – Forms & Love / Sutja Gutierrez Remix (Sincopat) 06 Duke Dumont – The Giver (Turbo) 07 Hanfry Martinez & Terence Terry – Sunday Gathering / Dyed Soundorom Remix (La Vie En Rose) 08 Yousef – Beg / Hot Since 82 Future Mix (Defected) 09 Maya Jane Coles – Easier To Hide (I/AM/ ME) 10 Osunlade & Marcus Worgull – Reno (Innervisions)

01 Ilario Alicante – Echosides / Markus Suckut Remix (Pushmaster) 02 Samuel L Session – Dystopian Life / Thunder Mix (Klap Klap) 03 Mobius Strum – Cellnom (8Bit) 04 SEPH – Oom (Aula Magna) 05 Beatamines & Fabiano Kinzley – Linnah (Beatwax) 06 Aldo Cadiz – Move / Figueroa & Obando Remix (Tanzbar) 07 Sidney Charles – Malindi / Danito & Agent! Remix (Kling Klong) 08 Kareem Cali – Slide To Open (Bouq) 09 Prompt Live Band – Kombai (Highgrade) 10 Pele & Shawnecy – Free Your Style (Terminal M)

01 Thomas Lizzara – Django (Beatwax Records) 02 Homebase – Basswürfel (Beatwax Records) 03 Sergio Parrado – El Abuelito / Aldo Cadiz Remix (My Little Dog) 04 Aldo Cadiz & Ricky Erre Love – Press For Two (Desolat) 05 Jack Beuys – Dampfer (Extrasmart) 06 Mirco Veitengruber – Supervision (Degree) 07 MFD – 02 (MFD) 08 Alec Troniq – Xanthippe (Ipoly) 09 Raumakustik – Liebe ist (Grain) 10 Meggy – Curious (Suol)

MARKUS GARDEWEG (Supraton)

RALF KOLLMANN (Mobilee)

DANNY SERRANO (Get Physical Music)

MARC DOSEM (Tronic)

01 Tom Novy – 808 Fly (Nouveau Niveau) 02 Digitalism – Zdarlight / Chopstick & Johnjon Remix (Toolroom Records) 03 Bart Skils – Midnight Moving / 2000 And One’s 1984 Electro Synth Pop Mix (100% Pure) 04 Karmon – Feel It (Diynamic Music) 05 Claptone – Another Night (Exploited Rec.) 06 Yousef – Beg / Hot Since 82 Future Mix (Defected) 07 Feed Me & Crystal Fighters – Love Is All I Got / Larse Remix (Mau5trap) 08 Hot Natured & Ali Love – Benediction (Hot Creations) 09 Frank Ocean – Lost / Tom Shark Edit (CDR) 10 LTJ Experience – I Don’t Want This Groove To Ever End (Irma Rec.)

01 Sebo K – Scenario (Mobilee) 02 Marcus Worgull & Osunlade – Reno (Innervisions) 03 Omar S – Triangulum Australe (FXHE) 04 Tom Flynn – Work It Out (Mobilee) 05 Jesse Rose – Love The Feeling High (Play It Down) 06 Daniel Stefanik – Rush (Cocoon) 07 Steve Martin – Bobby Champs (Hypercolour) 08 Tapesh & Maximiljan – One Night (Leena) 09 Sebo K – Shades Of Red (Mobilee) 10 Rachel Row – Follow The Step / Kink Beat Mix (Pets)

01 Danny Serrano – Face Off Face (Suara) 02 Mendo & Yvan Genkis – Miso (Saved) 03 Freboitar – Floetenflirt (Pimprinella) 04 Matteo Spedicatti & V!to – Places You Might Know / Patrick Lindsey Remix (This and That) 05 Pele & Shawnecy – Sick Track (Heinz Music) 06 Frankie Deep – The Tattoo I Wanted / Danny Serrano Remix (Area Remote) 07 The Deepshakerz – Absinthe (Bitten) 08 Sidney Charles – Fameless (Kling Klong) 09 Tapesh & Maximijan – This Is (Leena Music) 10 Alex Piccini – Something To Say (Waveform Records)

01 Manuel de la Mare, Luigi Rocca – Across the Universe (303Lovers) 02 Mike Dehnert – Refillable (Delsin Records) 03 Dusky – Calling Me (School) 04 Flug – Last Night 05 Warm Hall – Hidden Notes (Resopal Schallware) 06 Emmanuel – Innerspace (100%Pure) 07 Coyu – Road To Meowland (Suara) 08 Slam – Harem / Gary Beck Remix (Bek Audio) 09 Dosem – Smashing Society (Tronic) 10 Jori Hulkkonen – Step Aside (My Favorite Robot)

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Neues fürs Ohr / Longplayer

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Jamie Lidell Jamie Lidell (Warp / RTD) Seit Jahren schon ist der Brite Everbody’s Darling, zumindest was echte Kenner der alternativen elektronischen Tanzszene angeht. Entstanden sind die elf neuen Titel in seiner neuen Wahlheimat Nashville, die er auf seiner Reise nach Berlin und New York als solche auserkoren hat. Nach seinen gefeierten Singles “Multiply“ und “Another Day“ sowie den Kollaborationen mit Christian Vogel als Super_Collider, besinnt er sich ganz auf sich selbst und kreiert den typischen Lidell-Sound: Eigenständige elektronische, alternative Tanzmusik, die keine Scheu vor Experimenten hat und sich eher Oldschool als der Moderne verschreibt. Das liegt zum großen Teil natürlich auch an der authentisch dazu passenden Instrumentation wie z. B. auf “Big Love“ wenn die 80er-Programmierung und der Cameo Gesang markant an zurückliegende Zeiten erinnern. Mal packt er Funk und Vocoder aus (“Do Yourself A Faver“, “In Your Mind“), eifert Prince in Instrumentalisierung und Gesang nach (“You Know My Name“, “So Cold“) oder lässt britischen R’n’B/Soul a la Loose Ends aufkeimen (“You Naked“). Da noch ein wenig HipHop-Affinität (“Why_Ya_Why“) und fertig ist wieder ein Album, das Kritiker wie eingeschworene Fans in höchsten Tönen jubilieren lässt. Ich schließe mich beeindruckt und voller Überzeugung an. 0 Carsten Becker

Alice Russell To Dust (Differ-Ant Recordings / Groove Attack)

Der Ruf ihrer massiven SoulStimme eilt ihr bereits seit Jahren voraus und macht sich insbesondere bei den Liveauftritten der bis zu 16-köpfigen Band bemerkbar. In den letzten Jahren hat sich ihr Können in der Szene gefestigt, was Gastauftritte bei Mr. Scruff, Nostalgia 77 oder Roy Ayers belegen. Auch auf diesem Album setzt sie wieder auf die Zusammenarbeit mit Produzent TM Juke. Und das zahlt sich aus: Ihre Stimme weist noch mehr Soul auf. Gitarrenriffs (“Heartbreaker“), Harmonien (“For A While“, “Twin Peaks“) oder soulig-popige Analogien zu Adele (“To Dust”) sind einige der Elemente, die die Welt von Alice Russell bestimmen. Und die entwickelt sich gerade in die genau richtige Richtung – direkt durch die Decke. 9 Carsten Becker Apparat Krieg und Frieden (Music For Theatre) (Mute)

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Sascha Rink alias Apparat auf der neuesten Reise seiner Klangforschung. Dieses mal ist er dem Ruf der Hochkultur gefolgt, den Soundtrack für die Bühnenversion von Tolstois „Krieg und Frieden“ zu schreiben und mit einem Ensemble aufzuführen. Ein Tonträger war da noch nicht geplant,

aber nachdem der letzte Vorhang gefallen war, ging Sascha zusammen mit Philipp Timm (Cello) und Christoph Hartmann (Violine) ins Studio und gab dem Ganzen einen neuen Schliff, einen Drive, etwas Frische. Das Ergebnis ist außerordentlich, Apparat’sche Melancholie trifft auf Streicher, furiose Klangstrukturen und Dramatik. Ein mäandernder Fluss, der sein Ziel nie erreichen möchte, den wir auch nie verlassen wollen. Ein in sich stimmiger Soundtrack, der perfekt durch choreographiert ins Ohr fließt und dort Emotionen auslöst und Zufriedenheit generiert. Das Zusammenspiel der Instrumente und der ab und an auftauchenden Stimme Rings ist ein Genuss. 9 dr.nacht Applescal Dreaming In Key (Atomnation)

Das vierte Album des jungen niederländischen Produzenten Pascal Terstappen aka Applescal, dass wie sein letztes (als Yoriba 87) auf seinem Label Atomnation erscheint. „Dreaming In Key“ ist ein sehr feines Knispertechnostück, das organisch vor sich hin blubbert, mal im Ruhepuls, aber auch gerne im Tanztempo. Applescal öffnet hier einen Kosmos an wabernde Geräuschen, druckvollen Beats, sphärischen Flächen und zwirbelnden Melodien, die immer in einen guten Mischungsverhältnis stehen, das von Track zu Track anders dosiert ist. Das Tempo variiert, ab er über allem schwebt eine dichte und deepe Atmosphäre, die hier jede Note spüren lassen. 9 dr.nacht

Bad Cop Bad Cop Wings of Techno (Pomelo)

Beim Hören von „Wings of Techno“ beschleicht einen irgendwie das Gefühl, dass sich Lopazz und Alex Cortex, die beiden Künstler hinter Bad Cop Bad Cop einmal richtig und grenzenlos austoben wollten. Dafür bietet neben der Livespielerei natürlich ein Album den passenden Rahmen. Weit breitet das Duo darauf seine Flügel aus und lässt den klingenden Gerätepark quer durch Techno, House und Electronica gleiten. Doch hier wird nicht nur Können demonstriert, sondern auch eine emotionale wie abwechslungsreiche Geschichte erzählt, die von bollernden Tracks, bleepigen Einschüben, trippen Rhythmusritten, melancholischen Annekdoten bis hin zu einem grandios downbeatigen Finale reicht. 8 BS Delphic Collections Cooperative)

(Chimeric/

2009 erschien mit „Acolyte“ das Debütalbum der aus Manchester stammenden Delphic, mit dem sie uns 80erJahre inspirierten, teils etwas düsteren Electropop präsentierten. Mit ihrem jetzt erscheinenden Zweitling schlagen sie durchaus weniger dunkle Töne an, ist „Collections“ für die Band nach einigen schwierigen Zeiten ein Befreiungsschlag. Und eben dies kann man hören, ebenso wie den persönlichen

Wunsch der Bandmitglieder, sich nicht selbst zu wiederholen. Mit hoher Popaffinität und viel Liebe zur großen Melodien treffen hier die unterschiedlichsten Musikstile –vom bereits bekannten Elektropop über Streicherarrangements bis hin zu Einflüssen aus HipHop und Weltmusik – zusammen und bilden gemeinsam ein durchweg spannendes, euphorisches wie empathisches Album. 9 NicoleA DJ Antoine Sky Is The Limit (Kontor)

Children of the night, this is a crazy world but it has been a perfect day, because sky‘s the limit. And, party people, keep on dancing - it is a house party. You and me we have a everlasting love. Now or never. We will never grow old, because there is something in the air. I know, I am a beautiful liar, but without you, this is no love song. To have a bella vita, meet me in Paris. Or welcome to Saint Tropez. Halt, das war auf dem vorherigen Album. Aber ansonsten ist das hier alles authentisch. Zielgruppengerecht, denke ich. Alles denkbar von 1 bis 0 dr. house FaltyDL Hardcourage (Ninja Tune / RTD)

Als FaltyDL hat Drew Lustman in den letzten Jahren schon auf den unterschiedlichsten Labels auf sich aufmerksam

machen können und so einige beachtliche Platten veröffentlicht. Auf dem altehrwürdigen Ninja Tune zeigt er sich mit einem neuen Album der Welt. Ein Werk, das laut eigener Aussage von der Liebe inspiriert ist und das eine umwerfende Verschmelzung von warmherzig housigen Klängen, Electronica und anderen Musiken bietet. Ob mit Gastsängern oder instrumental, In die Produktion und Dramaturgie von „Hardcourage“ wurde hörbar viel Gefühl und Einfallsreichtum gelegt. Und das hat in einigen Momenten durchaus Hitpotenzial und bringt rundum betrachtet den FaltyDL Sound auf die nächste Ebene. 8 BS Function Incubation (OstGut Ton)

Function, bekannt als einer der beiden Sandwell DistrictAkteure, legt sein erstes TechnoSoloalbum vor. Die neun Tracks auf „Incubation“ sind von unmittelbarer Klarheit und Schönheit. Die gesamten Gestaltungsmöglichkeiten elektronischer Musik werden ausgeschöpft, zum Glück aber nicht beliebig, sondern zusammenhängend präsentiert. Zwischen ambientesken Soundlayern und griffigen Rhythmen pendelnd wird der Zuhörer in einen Klangrausch getaucht. Töne zum Anfassen. Sprache, Raum, Zeit? Irrelevant. Die unterschiedlichen Soundschattierungen sorgen für Abwechslung. Das Album bietet mehr als eine lose Abfolge der verschiedenen Tracks. Eine Erfahrung für Körper und Geist. Higher state of consciousness, hier ist der überbordende Soundtrack dazu, endlich. Danke dafür. 0 TobiQ


FAZEmag / 012 / Februar 2013 Holocube 18 Years Later (BluFin)

Holocube ist das Projekt dreier Grandseigneurs im TechnoZirkus: Marco Cannata, André Walter und Toni Rios. Für die vielen jüngeren Semester unter uns: vor achtzehn Jahren gab es hierzu bereits auf Harthouse zwei VÖs, mit entsprechend anderem Sound. 18 Jahre später, viele Erfahrungen später, nun ein Comeback gleich als Longplayer. Released auf dem Kölner Label BluFin, das für guten, funktionalen Techno prädestiniert ist. Was ist jetzt auf dem Album drauf? Alle neun Tracks sind ausnahmslos für eine gute besuchte Tanzfläche zur Prime-Time gemacht. Coole und lässige Grooves, sowie wahnsinnige Breaks bei denen sich die Nackenhaare aufstellen. Es wird viel mit Vocals gearbeitet. Ich muss sagen, ein komplett solider Longplayer, der ohne den Hintergrund durchaus auch als Best-Of durchgehen könnte. Neun Stücke, allesamt erwachsener Techno mit Prädikat: Wertvoll. Mein Favorit ist ‚Lenibelle’, der jedoch bereits schon auf der BluFin X-Mas Compilation im Dezember released wurde. 8 Lukas Fritscher

Neues fürs Ohr / Longplayer

ALTERNATIVES Selektiert für hörenswert befunden von Nicole Ankelmann

Meine Erwartungen hinsichtlich eines neuen Eels-Albums sind jedes Mal recht groß, wurden aber noch nie enttäuscht. So auch diesmal nicht. Nach dem 2010 erschienenen „Tomorrow Morning“ und damit dem Ende einer Trilogie erscheint nun mit „Wonderful, Glorious“ das zehnte Album der US-amerikanischen Rockband um Mark Oliver Everett. Und hier hält der Titel, was er verspricht. Wundervoll und glorreich gestalten sich die 13 Songs, und es fällt mir schwer, hier einen Song hervorzuheben, entwickelt doch jeder seinen ganz eigenen Charme und fügt sich am Ende trotz aller Eigenheiten perfekt ins musikalische Gesamtbild ein. Für mich schon jetzt eines der Alben des noch so jungen Jahres. Wieder mal ... Benannt nach ihrem exzentrischen Frontmann konnten Darwin Deez aus New York erstmalig 2009 in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erregen, als ihre Debütsingle „Constellations“ erschien. Sowohl in den USA als auch in UK trafen sie mit ihrem weirden Mix aus Indiefolk und Mathrock mit Vintageästhetik ins Schwarze einer aufgrund von zu viel Gleichförmigkeit mitunter gelangweilten Musikszene, so dass auch das 2010 folgende erste Album vielerseits gelobt wurde. Mit ihrem zweiten Longplayer dürfte es Darwin und seiner Begleitband ganz ähnlich gehen. Mal verspielter, mal tiefgründiger und immer etwas irrer Außenseitersound. Ein großer Spaß.

Ian Pooley What I Do (Pooledmusic)

I Am Kloot Let It All In (Shepherd Moon)

I Am Kloot sind zurück. Mit ihrem sechsten, je nach Zählweise auch siebten, Album liefert das in Manchester beheimatete Trio ein sehr intimes, nahezu zerbrechlich arrangiertes Zehnerpack aus neuen Songs, die dem geneigten Hörer dank eines ausgefeilten Mixdowns das Gefühl vermitteln nicht in der ersten Reihe des Konzertsaals sondern im Studio direkt zwischen den Musikern zu stehen, wirklich ganz dicht dabei zu sein und so den lakonisch-melancholischen BritPop der 1999 gegründeten Band noch einmal aus einer neuen HD-Perspektive zu erfahren. Ein gefühltes Frühherbstalbum, das mit sehnsüchtigen Momenten nicht spart ohne dabei vollends in die untergründig mitschwingende Melancholie zu verfallen, in „Shoeless“ sogar kurz eine Folk-Affinität durchschimmern lässt, nur um im darauffolgenden „Even The Stars“ die offensichtliche Schwermut vieler Americana-Songs in ihren Pop-Entwurf einzuflechten, der sich in seiner unaufgeregten Schlichtheit als absolut zeitlos erweist. 8 baze. djunkiii

„What I Do“ – schnörkellos, ohne Gehabe oder großes Gefolge. Ian Pooley hat sich über vier Jahre Zeit gelassen für seinen neuen Longplayer, und das Warten hat sich gelohnt. „Wie immer“, möchte man sagen, aber das klingt schon irgendwie zu routiniert und langweilig, dabei ist das Album natürlich typisch Pooley, aber eben auch frisch, modern und crispy. Frei von halbjährlichen Zeitgeistphänomenen baut hier der gebürtige Mainzer seine Tracks zusammen, hat dieses Mal den Computer weitestgehend links liegen gelassen und sich mit seinem alten analogen Fuhrpark beschäftigt. Schöner organischer Sound, der warm ums Herz macht, sehr deep den Dancefloor füttert und Hymnen wie „Bring Me Up“, „Compurhythm“ oder „What You Love“ hervorbringt. 9 dr.nacht

zahlreiche andere Künstler beeinflusst und inspiriert hat. Die erste EP, die anno 1980 herauskam, wurde vom legendären Patrick Cowley produziert. (Weitere Arbeiten von Socarras und ihm hat bekanntlich das Berliner Label Macro vor wenigen Jahren re-releast) Nun ist es Compost und und Elaste Records zu verdanken, dass erstmals eine Zusammenstellung aller Indoor Life Songs auf den Markt kommt. Garniert wird diese fantastische Werkschau mit Remixen von Discodromo, Soft Rocks und ein paar weiteren. Es bleibt auf jeden Fall festzustellen, dass der Sound von Indoor Life, eine Mischung aus Disco, New Wave und PostPunk, auch heute nichts von seiner Magie verloren hat. Das der CD beigelegte Poster begeistert darüber hinaus mit aufschlussreichen Liner-Notes von Thomas Meinecke, Finn Johansson, Bruce Geduldig (Tuxedomoon) und weiteren Zeitzeugen und Kennern. Eine essentielle Angelegenheit mit Mehrwert also. 9 BS Lump200 Hobbies & Religions (Office 4 Music)

James Edward Olliges Jr. aka Jim James ist eigentlich Sänger der aus Louisville stammenden Rockband My Morning Jacket. Nach einer EP mit George Harrison-Coversongs in 2009 als Yim Yames veröffentlicht er nun sein erstes Soloalbum. Jedes zu hörende Instrument auf „Regions Of Light And Sound Of God“ wurde von Jim selbst eingespielt, und auch sonst ist dieses Album so solo, wie es nur solo sein kann. Inspiriert hat ihn hierfür die 1929 erschienene Geschichte „God’s Man“ von Lynd Ward, seien ihm einige Dinge hieraus doch tatsächlich selbst widerfahren. Dass diese Dinge eine Mischung aus seltsam, schmerzlich und wundervoll waren, lässt sich hören wie spüren. Empathischer Space-Rock trifft auf Oldschool-R’n’B, folkige wie auch poppige Elemente. Komplex und doch intim. Mehrere erfolgreiche Singles und zahlreiche Gigs im Vorprogramm von Bands wie Franz Ferdinand und Passion Pit sowie auf einigen wichtigen britischen Festivals gingen diesem Album voraus. Jetzt ist die Zeit reif für das Debütalbum der Iren Funeral Suits, dessen Titel „Lily Of The Valley“ (Maiglöckchen) als Referenz an die TV-Serie „Breaking Bad“ zu verstehen ist. Brian James, Mik McKeogh, Greg McCarthy und Dar Grant haben mit der kunstvollen Verwebung von britischer Düsternis und rauem, dreckigem Indierock mit teils melodiöser Popattitüde ein stilsicheren Erstling geschaffen, der ein Garant für voll Hütten im Rahmen der ganz eigenen Tour sein dürfte. • Eels – Wonderful, Glorious (E-Works) VÖ: 01.02.13 • Darwin Deez – Songs For Imaginative People (Cooperative) VÖ: 08.02.13 • Jim James – Regions Of Light And Sound Of God (V2/Cooperative) VÖ: 08.02.13 • Funeral Suits – Lily Of The Valley (Rubyworks/PIAS) VÖ: 15.02.13

sen. Zu breit gefächert sind die Ansätze, die Rene Desalmand mit seinem Projekt Lump200 verfolgt, auch wenn sich Stolperfunk, eine Vorliebe für Sägezahnbasslines, verqueren Jazz und blechern-kaputte Beats wie ein knallrot verheddertes Spiralkabel durch das Album ziehen und sich mit Vorliebe in tanzflächenbevölkernden Füssen verfangen, während Figrin D‘an And The Modal Nodes vollgepumpt mit Ketamin einen improvisierten Croonerfunk-Jam abliefern. Spätestens wenn Prinzessin Leia sich nur spärlich verhüllt zum „Oval Foreign Little Town Remix“ auf dem Tresen räkelt und die Santanica Pandemonium gibt, ist der Hörer vollends in einem nahezu wahnwitzigen Stilmix gefangen, der „Hobbies & Religions“ nicht nur dank der beigelegten 3D-Brille zum exzellenten Coverartwork zu einem der interessantesten Alben des Monats macht. 9 baze. djunkiii

auf den Hausarzt wartet. Doch das nur am Rande. Der dritte Longplayer des amerikanischen Künstlers zeichnet sich insgesamt durch einen nahezu liebevollen Umgang mit Melodien und Stimmungen aus. Immer wieder wird mit einem charmanten Gefühl von Pop innig geflirtet. Musikalisch verfolgt Lusine dahingehend unterschiedliche Wege und scheut dabei, wie schon früher, auch keine Experimente. Mit dem Schlusstrack „February“ gibt es obendrein noch eine unaufdringlich hymnische Nummer, die im Club wahrlich große Freude bereiten könnte. 8 BS

Lusine The Waiting Room (Ghostly International)

Entgegen aller Erwartungen ist Mr. Systematic aus Mönchengladbach nun doch wieder eine Kollaboration eingegangen. Nach Stephan Bodzin aus Bremen schwenkte Marc Romboy nun nach Tokio hinüber. Ken Ishii – für viele eine lebende Legende. Mit unzähligen Projekten, Alter Egos sowie dutzenden von Alben erarbeitete er sich diesen Status seit Anfang der 90er Jahre – meist auf R&S Records gesignt – zurecht. Hierzulande gehört Marc Romboy mit Systematic Recordings zu einem festen Bestandteil des elektronischen Kosmos. Und so lange diese beiden Herrschaften auch im Business sind, so ver-

Indoor Life Indoor Life (Compost Records/Elaste Records)

Indoor Life waren eine Band von Jorge Socarras, die, Anfang der 80er in San Francisco und darüber hinaus aktiv war und

GlitchHop? Grime-o-tronica? Mutant Phonk? Mit welcher artifiziellen Begrifflichkeit mensch es auch versucht, es ist fast unmöglich die 15 Tracks auf „Hobbies & Religions“ in einer halbwegs treffenden Catchphrase zusammenzufas-

Musik für Wartezimmer? Das klingt jetzt natürlich etwas merkwürdig, andererseits kann man sich die entspannten Stücke des neuen Lusine Albums sehr gut als Soundtrack der Zeitüberbrückung in solchen Räumlichkeiten vorstellen. Ganz egal, ob man dabei nun auf Godot oder lediglich

Marc Romboy & Ken Ishii Taiyo (Systematic Recordings)

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Neues fürs Ohr / Longplayer

schieden sind ihre Wurzeln. Vergleiche ich die flächigen, abstrakten und zum Teil trancigen Soundstrukturen Ishiis, die er Mitte des letzten Jahrzehnts veröffentlichte mit dem doch sehr straighten und drückenden Sound eines Marc Romboy, fällt es mir schwer, Parallelen zu ziehen. Hört man „Taiyo“ jedoch in einem durch, wird klar, warum genau dies brillant funktioniert. Denn auf diesem Longplayer findet eine beeindruckende Soundfusion statt, bei der niemand an die 7000 Kilometer, die zwischen diesen beiden Protagonisten liegen, denkt. Es erklingt Techno im Jahre 2013. Frisch, treibend und belebend geht es auf sämtlichen sieben Tracks zu. Ein Paradebeispiel dafür ist sicherlich der Titeltrack „Taiyo“, der es durch seine Vielfältigkeit schon jetzt in die wichtigsten Playlists und damit gefeiertsten Dancefloors dieser Welt geschafft hat. Mönchengladbach und Tokio – der Beginn sowie das erste Resultat einer wunderbaren Freundschaft. 9 Rafael Da Cruz Map.ache Ulfo (Kann Records)

THERE’S MORE TO LIFE THAN ... Angehört von baze.djunkiii (Intrauterin Recordings / nitestylez.de) ...Weihnachtswahnsinn. Oder Weltunter­ gang. Denn während sich die Menschen auf den Straßen sowohl wegen des einen als auch des anderen Themas die Köpfe zermartern, entsteht diese Kolumne in seeliger Ruhe und nur begleitet von den ganz und gar nicht besinnlichen Tönen der jüngst erschienen „Dead Kore Dead Tube“ EP des Spiral Tribe-, SP23- und 69dbMitglieds James Hawley, besser bekannt als Jack Acid. Veröffentlicht auf digitalemWege via Djungle Fever Berlin gibt es hier eine ungezähmte, rohe und nervenzerreißende Variante von Acid auf die Ohren, deren Ursprung zweifelsohne in dreckigen Industriekellern und schwer illegalen Freetekno-Partys zu suchen ist. Sehr gut. Zu Hause im Club hingegen ist das neueste Release aus dem Hause Metalheadz

das unbedingt durch gehört werden will - wer von BPitch Control oder Stil vor Talent auf itunes-Singleedits geeicht wurde, darf sich umstellen: Diese eine Stunde Musik gehört Map.ache immer und immer und immer wieder. 8 Jan Drees Michael Mind Project State Of Mind (Kontor)

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Sehnsüchte werden wach, denkt man an Connewitz, wo Kann Records seine Homebase hat. Zu Nachwendezeiten waren die inzwischen perfekt restaurierten Häuser DDRmäßig runtergerockt, also Einladung für eine blühende Alternativszene. DER SPIEGEL sprach damals vom „AnarchoRefugium“ und schrieb: „Kaum ein Polizist wagt sich dort hinein, und doch duldet die Stadt das ‚BermudaDreieck‘ (Szene-Jargon)“. Das Kultur-Jugendzentrum Conne Island blühte auf, ist seitdem Anlaufstelle für HipHop, Electro, Metal, Gothic. Jan Barich, der Kann Records seit 5 Jahren mit verantwortet, legt als Part des DJ-Duos MANAMANA im Conne Island auf, veranstaltet die monatliche Electric-Island-Reihe und kommt nun, nach etlichen Remixaufträgen, mit seinem eigenen After-Hour-MinimalAlbum „ulfo“. Damit zeigt er quasi im Vorbeigehen, dass Leipzig das oft zitierte Zeug zum „neuen Berlin“ hat - aber durch elegante Variationen dem Hauptstädtischen etwas Spielerisches hinzuzufügen hat. Der sparsam orchestrierte Sound von map.ache kommt wesentlich unhektischer daher, mit melodiöser (man möchte fast sagen: romantischer) Pianounterfütterung, mit hellem Vibrofonklang und „four to the floor“ wird hier sehr filigran buchstabiert. Dazu gibt es eine dramaturgische Steigerung im Album,

Das Projekt von Jens Kinder­ vater und Frank Bülles ist nun schon seit sechs Jahren erfolgreich im Bereich House und Dance unterwegs und hat sich vor allem durch zeitgemäße Coverversionen einen Namen machen können, die sich fast ausnahmslos in den deutschen Dance-Charts und auch in den Verkaufscharts platzieren konnten. „State Of Mind“ ist eine Dreifach-CDBox mit neuen Stücken der beiden auf CD1, an denen des Öfteren Dante Thomas beteiligt war, ihren größten Hits auf CD 2 und einem DJ-Mix auf CD 3. Soundtechnisch gibt es hier keine großen Überraschungen zu erwarten, aber wer „Blinded By The Light“ oder „Bakerstreet“ im Michael Mind Project Treatment mochte, wird auch hier tanzen. 7 tseb Mike Oldfield Tubular Beats (Edel)

Was hat denn das hier zu suchen, werden sich jetzt einige Musik-Connaisseure

Platinum, auf dem sich Artificial Intelligence & Command Strike als Kollaborateure die Ehre geben. Sowohl „Mad One“ mit der Unterstützung von Jamakabi am Mikrofon, als auch „Broken Grounds“ liefern ein handwerklich perfektes Blueprint für klassisch-rollenden, Subbass-verliebten Drum’n’Bass, der ohne große Schnörkel jeden Tanzflur zum Beben und mit seinen abgrundtiefen Frequenzen Hosenbeine zum Flattern bringt. Absolut zeitlos und daher wichtig. Kürzlich an dieser Stelle hoch gelobt wurde mit „Mars“ das aktuelle Album von Ahmed Abdullahi Gallab aka Sinkane, aus dem jetzt in der Phonica Records Special Edition die Single „Runnin’“ ausgekoppelt wurde. Neben dem Originalsong gibt es Remixversionen von Chandeliers und Daphni, die sich auf höchst spannende Weise dem Afrobeatbeeinflussten SynthPop meets FunkEntwurf des gebürtigen Ägypters nähern. So geht Pop ohne Anbiederung an jegliche Mainstreamgefilde. Und auch im Hause Audiolith hält das Popverständis dieser Tage Einzug in

fragen. Hat Richard Branson noch nicht genügend Geld mit dem Debüt von Michael Gordon Oldfield verdient? Aber fangen wir vorne an. „Tubular Bells“ war das Debütalbum des Briten und ist bis heute das weltweit erfolgreichste Instrumentalalbum eines einzelnen Musikers. Das Album erreichte schnell die Top Ten der britischen Albumcharts und blieb dort 247 Wochen lang. Außerdem erhielt er einen Grammy dafür. Auch wenn spätere Hits wie “Moonlight Shadow” und“To France” (jeweils mit Maggie Reilly) oder „Shadows On The Wall“ hierzulande populärer waren, steht der Erfolg des 1973er Albums “Tubular Bells” immer noch für sich. Zusammen mit Torsten “York” Stenzel, der bereits mit Faithless, Moby, Tina Turner oder ATB kooperierte, hat Mike Oldfield die Stücke von „Tubular Bells“ in „Tubular Beats“ umgewandelt und für einige Titel sogar neue Gitarrenparts eingespielt. Soundtechnisch startet die CD mit angenehmem Chillout-Sound, bis es dann ein wenig tanzbarer wird und man auf eine Mischung aus Weltmusik und elektronischer Backings zwischen Progressive House und Trance trifft. Für Oldfield-Fans sicherlich eine mehr als willkommene Frischzellenkur. Für ‚normale‘ Konsumenten unter Umständen zu blutleer. 6 trancer Mollono.Bass Remix–Collection (3000 Grad)

Im Gesamten betrachtet, schunkeln viele der auf die-

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Form einer Splitsingle aus dem berühmt berüchtigten Audiolith Singles Club. Während sich Fuck Art, Let‘s Dance! mit ihrem Song „Maze“ in die Herzen verliebter Indiemädchen clubben ziehen Tubbe mit „Mess“ andere Seiten auf und rocken nach Herzenlust die queere Show mit einer ElectroClash-Interpretation, die sich gewaschen hat. Weniger queer, dafür aber genau so tanzflurtauglich präsentiert sich das in Edinburgh beheimatete HipHop-Triplet Young Fathers, das mit dem „Tape One“ ihr erstes Album auf Anticon. vorlegt, mittels nur acht Tracks den Glauben an eben jenes Genre wieder zum Leben erweckt und dieses problemlos mit hymnischen Indie-Hooklines, AfrobeatEinflüssen, Grime-Vibes, Reggae und dräuendem Gangster-Funk kombiniert. Pflichtkauf für alle, die sich noch mit Begeisterung an die 2009er Two Fingers 12Inch-Veröffentlichung „What You Know“ in Kollaboration mit Sway erinnern, auch wenn knapp 20 Minuten Laufzeit in diesem Fall natürlich viel zu wenig sind. Bitte mehr davon.

ser CD versammelten Remixes von Mollono.Bass ziemlich sommerlich daher. Das hebt die Laune beim einschlägig bekannten Publikum. Auf der anderen Seite hat man schon nach wenigen Tracks die Herangehensweise des Künstlers voll und ganz verstanden und fühlt sich ein wenig übersättigt. Der Hang zu einer ganz bestimmten Art von Groove ist nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht wurde in diesem Sinne einfach getreu der Devise „Never change a winning team“ gearbeitet. Ob eine solche Remixsammlung nun wirklich notwendig ist, darüber lässt sich auf jeden Fall streiten. Genügend Freunde findet diese Art von Tanzmusik bestimmt nach wie vor. 6 BS Monophona The Spy (Snowhite)

Wie es klingt, wenn Drum’n’­ Bass / Dubstep auf Singer/ Songwriter trifft, hat zuletzt Alex Clare eindrucksvoll belegt. Es geht aber auch ganz anders, irgendwie ruhiger und weniger chartorientiert. Monophona heißt das Projekt, das aus einem Produzenten und DJ namens Chook und der Singer/Songwriterin Claudine besteht und sich 2010 zusammenfand. Aus Luxemburg stammend möchten sie nun mit ihrem Album „The Spy“ Musikinteressenten auch anderer Länder für sich gewinnen. „The Spy“ liefert entspannte Klänge im Mix mit Claudines sanfter Stimme, elektronische Elemente ebenso wie klassische Instrumentierung. Zart, warm und schön. 8 NicolA

MopMop Isle Of Magic (Agogo/Indigo)

Die Welt des Grooves aus Jazz, Latin und Funk belebt das achtköpfige Kollektiv aus Italien mit dem aktuellen Album neu. Auf dem vierten Album der Band sucht der in Berlin lebende Andrea Benini nach neuen Richtungen. Die Farben reichen von Voodoo Jazz (“Black Ivory“), Soul Rhythms (“Loa Chant“), AfroFunk (“Run Around“) und exotischer Rhythmik (“The Golden Bamboo“). Das Besondere ist das Mitwirken von über 15 Musikern (u.a. Funklegende Fred Wesley) und das ausschließliche Benutzen von Vintage-Equipment. Die Vielschichtigkeit und Virtuosität der Musik über die gesamte Laufzeit ist beeindruckend. “Isle Of Magic“ ist der Soundtrack einer imaginären Landschaft, in der sich Musiker und Hörer bestens aufgehoben fühlen. 8 Carsten Becker Natural Self Neon Hurst My Eyes (Tru Thoughts)

Drei Jahre brauchte es, damit sich Natural Self zum SingerSongwriter entwickelte, um uns zwölf neue Songs zu präsentieren. Dabei schimmern seine eigentlichen Wurzeln von Hip Hip, Funk und tropische Einflüsse immer noch durch, wenn sich eine Kollektion aus Beats, Bleeps und Noises mit melodischer Pop-Non-


FAZEmag / 012 / Februar 2013 Pop Sensibilität mischt (“Machine“). Jede Menge Gastmusiker bereichern den Sound, der heavy Beats genauso im Programm hat (“The Valleys“) wie Violine und Cello über Broken Beats (“Mirror In The Sky“). “Neon Hurts My Eyes“ ist ein alternativer Songwritingansatz, der elektronische Entwicklungen genauso wie klassische Elemente berücksichtigt und ein sehr wertiges Resultat schafft. 8 Carsten Becker Neve Naive The Inner Peace Of Cat And Bird (Sonar Kollektiv) Der Titel legt das eigentliche Thema dieses Albums bereits thematisch fest: Das Finden des inneren Frie­ dens im Lebensalltag zwischen Kommunikation, Beziehung, Leidenschaft und Abstammung. Stefan “Merse“ Ulrich von der Jazzanova-Liveband und Miss Flint (Reggaeband Jahcoustix) schaffen sechzehn wunderbare SongwritingTitel, die von verträumtem und alternativem Songwriting (“Goodnight My Friend“, “Junkyard“) über Duffy Soul („How I Learned To Fly“) bis hin zu danceaffinen Sounds (“Hands“, “Dancer“) reichen. Damit hinterlässt das Duo ein markantes, in sich geschlossenes Imprint, das die Liebe zur Musik und für Emotionalität offenbart. Wer sich gern auf Gefühle und Stimmungen einlässt ist bei Neve Naive bestens aufgehoben. 7 Carsten Becker New Order The Lost Sirens (Rhino / Warner) Große Band, bis zuletzt. Das schaffen nicht viele mit so einem Erbe, Neustart und über eine so lange Distanz. Immerhin auch schon sieben Jahre her das letzte Album und nun gibt es zwar nichts Neues, aber einen schönen Blick ins Archiv der Sessions zu „Waiting For The Sirens Call“. Acht Songs sind es insgesamt inkl. einer alternativen Version von „I Told You So“ und alle schön anzuhören. Mein Favorit ist aber „I’ll Stay With You“, das diesen typischen hymnischen NO-Charakter trägt. Arme hoch, yeah! 8 dr.nacht Olaf Hund Music Is Dead (Post Electronic Music/Musiques Hybrides) Olaf Hund ist ein vielseitig tätiger und dementsprechend vielbeschäftigter Künst­ler. Mit der (vielleicht) nicht ganz so ernstgemeinten Ansage „Music Is Dead“ feuerte er eine Serie von EPs ab, deren Inhalt recht treffend folgendermaßen beschrieben wird: „post-punk score for guitar and electronic instruments“. Die Tracks oder besser Songs sollten laut gehört werden und werden hier auf einem Album versammelt. Wild herumspringen kann man dazu bestimmt gut. Die Stücke machen allerdings auch auf schon Zimmerlautstärke ausreichend Spaß. Das eine oder

Neues fürs Ohr / Longplayer

andere Luftgitarren-Solo inklusive. Fazit: Tote Musik klingt anders. 7 BS SBTRKT LIVE (Young Turks) Als 2010 das erste Album von Aaron Jerome aka SBTRKT er­­ schien, waren die Reaktionen durchweg über­ schäumend. Völlig verzückt vom soulig-funkigen Postgarageund Dubstepsound des Briten lobten Fans wie Kritiker weltweit dieses Werk über den Klee. Zu Recht. Die darauf folgenden Live-Shows standen dem in nichts nach, und so ist über das nun nur via iTunes erscheinenden LiveAlbum auch nicht mehr viel zu sagen. Die Songs des Longplayers in ihrer Live-Version via Audio und Video – mit Unterstützung von Kollege Sampha immer ein wenig anders interpretiert als auf dem Originalalbum. Für Fans des Briten in Erinnerung an seine Auftritte sicherlich ein Muss. Ergänzend hierzu wird Young Turks „LIVE“ auch noch mal limitiert auf 500 Exemplare als Vinyl+DVD-Packages in handgedruckten Covern über die Labelwebsite unters Volk bringen. 8 NicoleA The Phunkguerilla & Cosmo Klein Let’s Work (Cosmopolytix/Herzog Records) Nachdem Cos­ mo Klein bereits mit zahlreichen Kory­phäen des etwas kommerzielleren Clubsounds – zu nennen wären da Syke’N’Sugarstarr, Tocadisco und Jean Elan – diverse Hitsingles verbuchen konnte und gerade im Ausland – allen voran Portugal – längst zum Superstar aufgestiegen ist, veröffentlicht er nun gemeinsam mit seiner langjährigen Band The Punkguerilla das erste Album in dieser Form. Von einem Album als Popsänger in längst vergangenen Tagen dabei einmal abgesehen. „Let’s Work“ präsentiert mal tanzbare, mal balladeske Soulund Funk-Nummern, getragen von der Stimme des Marcus getauften Cosmo. Einflüsse der 70er und 80er wie Prince und Marvin Gaye sind dabei unüberhörbar. Wer rein auf seine Clubtunes hofft, ist mit diesem Album allerdings eher schlecht beraten und sollte auf die sicherlich noch in großer Anzahl erscheinenden Singles und Kollaborationen achten. 7 PoppyA DJ Shog 10 Years (Sony Music) T r a n c e - Fa n s im Lande kennen Sven Greiner als DJ Shog und das seit den 1990er Jahren. Vor allem seine Compilation-Reihe „Technics DJ Set“ sorgte für Popularität, die durch seine erfolgreichen Singles „The 2nd Dimension“ und „This Is My Sound“ noch gesteigert werden konnte. Sein bislang größter Erfolg war die Single „Another World“, die sich 14 Wochen in den Media Control Charts tummel-

te. Jetzt erscheint mit diesem DoppelAlbum eine Retrospektive des Hamburgers, die auf CD 1 sowohl seine Hits in neuen Remixes (u.a. von North State & Roby K oder Adam van Garrel) und brandneue Songe featured und CD 2 die Hits in Original-Versionen auflistet. Als besonderes Highlight gibt es noch einen exklusiven Download-Code, mittels dessen man Zugriff auf 11 weitere Club-Mixes hat. Sehr gelungen und für Fans des Herrn Shog unverzichtbar. 8 trancer TM404 TM404 (Kontra-Musik Records) Kontra-Musik ist und bleibt ein Label, das mit außergewöhnlichen Veröffent­ lichungen zu glänzen versteht. Neuester Zuwachs ist TM404, ein Liveprojekt von Andreas Tilliander. Dieser Herr steht bekanntlich ebenfalls für bemerkenswerte Klänge und eine kontinuierlich spannende Weiterentwicklung. Mit Hilfe diverser Maschinen aus dem Hause Roland (der Projektname TM404 ist eine Anspielung auf die nicht vorhandene 404) sind vorliegende Tracks erschaffen worden. Bemerkenswert ist, dass hier die TB-303, die sonst meist für Acid steht, gekonnt in trippig, dubbige Sphären geführt wird. Vom ersten bis zum letzten Ton ein extrem faszinierendes und schickendes Album. 0 BS Tosca Odeon (!K7 / Alive) Traditionell ist der Sound von Tosca ein ambivalenter. Melancholisch downbeatig einerseits, farbenfroh leichtfüßig und zielstrebig andererseits. Das mag zum

Teil an der Wiener Atmosphäre liegen, zum anderen natürlich auch durch das weitere Umfeld der beiden Protagonisten geprägt sein, die mit Richard Dorfmeister ein Teil des Kruder/Dorfmeister Duos an Bord hat. Auffällig an “Odeon“ ist die dunkle Färbung der zehn Songs. Wie immer zeitlos, aber dieses Mal ein wenig verlangsamt und eben darker (z.B. “Meixner“). Ein ganz zentraler Punkt, den Richard und Peter explizit hervorheben und sich damit auch in ambiente Szenerien vorwagen (“Soda“, “Zur Guten Ambience“) und ein bluesiges Grundgefühl transportieren (“Cavallo“). Damit bleiben sie jedoch, auch wenn dieses Mal andersartig, ihrem Sound treu und vervollkommnen ihr Markenzeichen, den man getrost als einzigartigen “Vienna Sound“ bezeichnen darf. Großartig. 9 Carsten Becker

Die Alben in voller Länge – jetzt bei rdio.com

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Neues fürs Ohr / Compilations

FAZEmag / 012 / Februar 2013

5 Years Desolat (Desolat) Das Label von Loco Dice und Martin Buttrich begeht sein fünfjähriges Jubiläum, was natürlich ein Grund zum Feiern ist. Und zur Feier des Tages hat Loco Dice dann nicht nur 15 exklusive Stücke von befreundeten Künstlern zusammengestellt sondern diese auch gleich zusammengemixt. Der erste Desolat-DJ-Mix von Loco Dice beginnt mit Alexkid und landet nach tini beim ersten Höhepunkt, dem starken „Lolopopinho“ vom Honcho selbst. Nach Hector, Basti Grub oder Guti landen wir bei Shlomi Abers düsterem Knaller „Mancha“, bis Horatio und Lucero en Vivo mit dem grandiosen „La France“ eine tolle Mix-CD beschließen. Für jeden Freund minimal-perkussiver House-Sounds mit Techno-Einschlag ein absolutes Muss. 9 tseb

Art Department Social Experiment 003 (No.19 Music)

erkennt man deutlich den roten Faden und die Visionen einer talentierten Künstlerin und Label-Inhaberin. 9 Rafael Da Cruz

Wallbridge. Gewohnt hochwertig. 7 trancer egoFM Vol. 1 (Sony Music)

Darkroom Dubs Vol.3 Compiled & mixed by Silicone Soul (Darkroom Dubs)

Nach Soul Clap nun also LabelHead Jonny White mit Partner Kenny Glasgow. Art Department – Dreamteam der geschmackvollen Housemusik – liefern ihr „Social Experiment“ ab. Nach dem charmanten Intro geht es auch direkt mit einem Knaller los, „La Cueva“ von White und Nitin. Über Stock und Stein ganz smooth Richtung Dancefloor schluffen, um dort ein gemütliches Plätzchen zu finden, nahe der Box und und mit ausreichender Kondition versorgt. Denn Pause machen gilt nicht, AD lassen dich nicht mehr los, packen Hits, Perlen und Überraschungen aus. Kein Ausfall, alles wohltemperiert und auf den Punkt. 9 Kornell Salata Correspondant Compilation (Correspondant)

Die Silicone Soul Jungs, Craig Morrison und Graeme Reedie feiern das zünftig das zehnjährige Bestehen von Darkroom Dubs und huldigen dieser Dekade entsprechend mit der dritten Compilation. Auf dieser werden einige der Höhepunkte aus dem Labelkatalog versammelt. Die Tracks und Remixes stammen von Acts wie Of Norway, Alex Niggeman & Marc Poppcke, Freska, Robag Wruhme und natürlich den Hausherren selbst. Alles in allem eine nette Selektion für Fans und Neuentdecker der Darkroom Darks. Funktioniert übrigens auch in hellen Räumen. 7 BS Dream Dance 66 (Sony)

Der junge Radiosender punktet mit frischer Musik und Kernkompetenz. Beste Voraussetzungen für die erste Compilation, die nun endlich zu haben ist. Eine Doppel-CD mit handverlesener Musikauswahl, die überzeugen kann – inkl. einiger bisher unveröffentlichter Songs wie „It Ain’t Love“ von Sascha Braemer oder dem exklusiv nur auf dieser Compliation zu findenden Paul KalkbrennerRemix von Lexy & K-Pauls „Happy Zombies“. Weitere Highlights: „Wings“ von Frittenbude, „The Keepers“ von Santigold, „All Night“ von Parov Stelar oder „Chained“ von The xx. Dazu gibt es auf jeder CD noch zusätzlich zu den aktuellen Hits zwei egoFMKlassiker, die von Matias Aguayo, Armand van Helden, Caribou und Groove Armada kommen. Geschmack hat einen Namen: egoFM. Compilation: gelungen, mit Auszeichnung. 9 Kornell Salata InFiné by JMJ (InFiné)

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Es war Ende Mai 2011, als das erste Release auf dem französischen Imprint das Licht der Welt erblickte. Nhar sorgte damals für Katalognummer 001. Nun, knapp zwei Jahre später, kann Label-Cheffin Jennifer Cardini auf Releases von The Hacker, Roman Flügel oder Coma zurückblicken und sorgt mit der ersten LabelCompilation für das 13. Release. Auf insgesamt 14 Tracks wird zum Teil eine Retrospektive der Pariser Labels gezogen sowie ein Ausblick auf die kommenden Wochen gegeben. Mit „Venom“ liefert die Wahlkölnerin Cardini selbst einen neuen, exklusiven Track ab. Ohne Zweifel gehört diese Compilation zu einer der heißesten im Frühjahr. Warum? Es geht gewohnt avantgardistisch und frisch zu. Von technoiden bis hin zu seichten, housigen Klängen ist die Bandbreite groß - dennoch

Die beliebte Dream Dance-Serie geht in die 66te Runde und hält an dem bewährten Konzept, Tranceund ProgressiveNummern mit aktuellen Dance-Hits zu paaren, fest. So finden sich hier neben dem Riesenhit „Don‘t You Worry Child“ von der Swedish House Mafia & John Martin, TranceHits von Tiesto & Allure, Armin van Buuren, Dash Berlin, ATB, Cosmic Gate, Markus Schulz, Ferry Corsten, 4 Strings, Rank 1, Andy Moor oder Marcel Woods, Ufta-Überflieger von Pulsedriver, Rocco & Bass-T, Brooklyn Bounce, Scooter oder Marc Van Linden. Auf der dritten CD gibt es wieder hochwertige Trance-Tunes von u.a. Paul Oakenfold & Jes, Myon & Shane 54, Giuseppe Ottaviani, Roger Shah, Talla 2xlc oder Ashley

Eine ganz besondere Compilation, mit der InFiné ins neue Jahr startet, denn kein Geringerer als Jean Michel Jarre, der französische Gottvater der Synthesizer- und elektronischen Musik hat sich des Katalogs des französischen Labels, das wie er aus Lyon stammt, angenommen und seine ganz persönliche Auswahl zusammengestellt. Ein Ritterschlag, völlig zurecht, denn InFiné gehört auch für mich zu den spannendsten Imprints unserer Tage, vermag es doch eine außergewöhnliche und spannende Balance zwischen Dancefloor, Pop und experimentellen Tönen zu halten. Da mag der Abgang von Agoria im

letzten Jahr zwar schmerzen, aber das vorhandene Potential und die Neueinsteiger (wie z.B. The Same) ist auch so sehr bemerkenswert. Da verwundert es auch nicht sehr, dass Jarre sich aus allen musikalischen Ecken gleichermaßen bedient, und so finden wir hier z.B. neben einem richtig guten Dancefloor-Kracher („Parade“ von Rone“), zarte Ambient-Töne („Goodnight Twilight“ von Clara Moto) oder den aufsprudelnden Enthusiasmus zwischen Beat, Jazz und klassischen Elementen von Aufgang („Sonar“). Passt, läuft stimmig zusammen und überzeugt. Ein Manifest, das ich ohne zu zögern so unterschreiben kann! 0 dr.nacht In Love with Fisher & Fiebak (Recovery Tech)

sen, belegt diese Compilation, die sehr gefühlvoll mit Pink Martini und dem Submotion Orchestra startet. Leichte und trancige Popmelodien umgarnen des Hörers Ohr. Dann geht es in Richtung Buddha Bar mit Downbeats und südländischen Ethnosounds (The Real Tuesday, Alex Cortiz). Da noch ein wenig jazzige Brasstunes oder dort spanische Gitarrenklänge (Clelia Felix, Chris Spheeris) und Balkan Chillbeats (Cayetano). Im letzten Drittel bewegt sich die Compilation mehr Richtung Tanzfläche. Rodney Hunter, Elektro Swing von den Nighthawks oder Nicola Conte (”Kind Of Sunshine“) sowie Nu Jazz Sounds von Boozoo Bajou runden das schöne Gesamtbild einer unterhaltsamen Scheibe für zu Hause, in der Lounge und an der Beach ab. 7 Carsten Becker Pacha 2013 (Embassy One)

Fisher & Fiebak geben Gas zum Jahresstart: Mit einer Selektion grooviger, deeper TechhouseNummern von Labels wie Cecille, Cadenza, Formatik oder VIVa MUSiC und Künstlern wie Format B, Lee Burridge, Matthew Dekay, DJ Sneak, Mendo sowie den Upon.You-Artists Marco Resmann und Gunnar Stiller, kreieren die zwei DJs und Produzenten aus Düsseldorf eine runde und abwechslungsreiche HouseVereinigung. Als Special kommt ihr exklusiver Track „Moments“ hinzu, den es ausschließlich auf der „In Love with Fisher & Fiebak“-Compilation geben wird. Rein in den Player damit, starten, Spaß haben! 9 W!LD KAT Klangmeister The Magic Part 3&4 (Lola’s World/Clubstar)

Durch ganz unterschiedliche Welten führt uns Klangmeister Jürgen Schlüter mit seiner neuen Zusammenstellung. Dass Arbeiten für schillernd-extrovertierte Gestalten wie Harald Glööckler nicht unbedingt zum Nachteil gereichen müs-

Die beiden neckischen Kirschen sind hier, und jeder Housefan freut sich. Der legendäre Club auf Ibiza, der seit Jahren für großartige Partys und ebensolche Compilations bürgt, meldet sich mit seiner 2013-Ausgabe zurück und die neueste Dreifach-CD bietet einen umfassenden Ausblick auf das PartyJahr 2013. Insgesamt findet man hier 62 Club-Hits – teils aktuelle, teils kommende – von Artists wie Thomas Gold. John Dahlbäck vs. Ron Carroll, Afrojack, Swedish House Mafia feat. John Martin, Digitalism im Fedde Le Grand & Deniz Koyu-Remix, Novy Vs. Eniac im Falko NiestolikRemix, DJ Antoine vs. Mad Mark, Florence + The Machine, Medina, Klangkarussell, Dada Life oder Kurd Maverick. Wer auf leicht angepoppten HouseSound mit Sommerfeeling steht, wird hier bestens bedient. 8 dr. house Sinan Mercenk präsentiert: Samova – Music For Modern Tea Culture 1 (Ideedeluxe Records) Es gibt unzählige Getränke­ firmen und Brausehersteller, die mit vielen eigenen


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Neues fürs Ohr / Compilations

Telepathic Bubblebath (xxc3 / Liquid Sky Berlin)

Compilations immer wieder das Rad neu zu erfinden suchen. Eine Compilation als Begleitung für einen Tee, als entspanntes Heißgetränk finde ich nicht so oft. Was passiert? Hamburger Tee-Kontor, der seine Kreationen auch mit den Namen Relax, Disco oder Space versieht, heuert Hamburger Produzent an, um dem Ganzen den entsprechenden musikalischen Rahmen zu geben. Was ist zu hören? Sinan Mercenk sagt mir zuerst nichts, bei weiterem Recherchieren finde ich seine Produktionen jedoch auf Kontor Sunset Chill, Nassau Beach Compilation, Milchbar und ebensolchen. Ich drücke dir Playtaste und werde mit angenehm chilligem HouseSound beschallt. Elf Tracks, alle von Sinan himself. Beim dritten Track „Change your way“ haben wir allerdings schon einen kräftigen schwarzen Tee getrunken und wechseln die Couch für die Grill-Party auf der Terrasse draußen. Nicht unbedingt chillig die Zusammenstellung, aber sehr schön für ein lustiges Beisammensein mit Bier in der Hand! Wirklich nice! Geeignet für Hopfentee und nette Gesellschaft! Tolle Compilation! 8 Lukas Fritscher

rierte „Telepathic Jacuzzi“, das gute 15 blubbernde Minuten auf die Uhr bringt. Insgesamt eine wunderschöne Zuhörcompilation und vollkommen berechtigt die Höchtpunktzahl absahnend. 0 Kraftbert United States Of House 4 (ZYX)

Die neue Compilation der hochkreativen Liquid Sky-Posse um Elektroniklegende Dr. Walker steht unter dem Motto „Telepathic Bubblebath“ – und genau das bekommt der Hörer bei dieser Zusammenstellung auf die Ohren. Psychedelisches, blubberndes und buntes Zeug, das sich erwartungsgemäß an keine Erwartungen hält. Da treffen harmonisch runde Drones auf glitchende Digitalverzerrungen, Noise und Lärm, an anderer Stelle geben sich entspannte IDMRhythmen mit zum Tanz zwingenden Percussionmustern die Potis in die Hand – und auch die bewährte 303 blitzt hier und da auf. Künstler wie Jette von Roth, Brendon Moeller, Moogulator, Numinos oder Stefan Gubatz lassen sich während der gut zweieinhalb Stunden Spielzeit auf Experimente ein, die immer hörenswert und spannend sind. Auch scheint man hier ein besonderes Verhältnis zur Tracklänge zu haben, bestes Beispiel ist das mit 21:44 Spielzeit regelrecht epische „Biding My Bent Time“ von Sense, der 14:06 Minuten lange „Waldarbeiter“ der frisch reformierten Air Liquide oder das vom Compilationtitel inspi-

Zum vierten Mal hat Falko Niestolik seine aktuellen und kommenden Lieblings-HouseTracks auf zwei CDs zusammengestellt. Wie gewohnt spannt er hierbei einen großen stilistischen Bogen und featured sowohl deepere Tracks wie auch energisch pumpendere. Das große Plus der United States Of House-Serie ist der, dass sie immer eine große Anzahl an bislang unveröffentlichten Stücken bietet und so ist es auch hier mit brandneuen Tracks von Bob Sinclar, DJ Dove, Erick Morillo & Harry ‚Choo Choo‘ Romero oder BK Duke & Fine Touch. Aber auch die anderen enthaltenen Produktionen von David Penn, Kathy Brown oder Tom Novy sind top-aktuell und machen diese Doppel-CD zu einem Muss für jeden House-Fan. Dass Falko ein technisch hervorragender DJ ist, weiß man ja spätestens seit seinem FAZE DJ-Mix. 9 dr.house

GERADE EBEN NICHT! Soulful Stuff jenseits 4/4 – Alles abseits gerader Beats mit DJ 2b fuzzy Eine basslastige Mischung kommt vom Hamburger Label Echo Beach mit dem Debüt der Berliner Truppe Illbilly Hitec und dem genreschweren Titel „Reggaetronics“. Dahinter verbirgt sich die Kombination gebrochener Beats modernster Couleur mit dem Vibe von Reggae und Dub. Seit drei Jahren sind die Berliner Jungs weit gereist und haben sich für ihr Album Unterstützung von sprachmächtigen MCs aus Europa, Argentinien, Jamaika und Russland gesichert. Fester Bestandteil am Mikro ist zudem MC Longfingah, der Frontmann des Projekts. Herausgekommen ist eine explosive Mischung spannender Clubtunes, die untenrum ordentlich abgeht, mit ihren eingängigen Refrains aber auch poppige Wiedererkennungsmerkmale beinhaltet. Das absolute Spektakel des noch jungen Jahres ist die nun folgende Veröffentlichung von The Kyteman Orchestra auf dem eigenen Label Kytopia. Hinter diesem außergewöhnlichen Werk steckt Colin Benders alias Kyteman, der schon im jungen Alter eine Musikakademie besucht hat. Der Mann folgt seiner Vision: die Zusammenführung von Hiphop und Soul mit einem Orchester inkl. Opernsängern und einem Chor. Da können also schon mal über 40 Menschen auf der Bühne stehen. Hier fehlt der Platz, um detailreich auf dieses gelungene Werk eingehen zu können. Abschließend sei nur verkündet: Eine so spannende und ungewöhnliche Kombination voller Pathos gab es schon lange nicht mehr zu hören. Kommen wir zum Abschluß zu zwei schönen Compilations der Diggerfraktion: Al Kent überzeugt mit der dritten Ausgabe von Disco Love Vol.3 auf BBE mal wieder mit einer stilsicheren Auswahl inklusive exklusiver Edits. Kann man wärmstens empfehlen. Zuguterletzt sollte die vierte Ausgabe der „The Story of“- Reihe auf Tramp Records mit Jimmy Preacher Ellis nicht unerwähnt bleiben. Natürlich hat Labelchef Tobias Kirmayer wieder ganze Arbeit geleistet und siebzehn Perlen aus der langen Karriere des Sänger ausgegraben, die zuvor nur auf seltenen Singles erhältlich waren. Die muß man einfach haben, wenn man „schwarze“ Musik mag.

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Neues fürs Ohr / House

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Christopher Schwarzwalder Mirrors EP (Katermukke) Großartiger, hymnischer (Tech-)House in Bestbesetzung, von dem man nicht genug bekommt. Klingt übertrieben? Ist aber die treffende Umschreibung für die fünf Tracks der „Mirrors EP“ auf Katermukke. Das Label ist mittlerweile schon bei Release Nr. 27 angelangt, und es haut trotzdem einen Qualitätsvolltreffer nach dem nächsten raus. Der Titeltrack erfreut mit einer schwebend-sphärischen Soundwolke, untenrum groovt es wild und knackig. „Shurik´n“ ist trippig angehaucht, das Hauptelement bildet eine langsam dahingleitende Cello-oder-was-auch-immer-Hook. Herzerwärmend. „Once Again“ geht tempomäßig noch einen Schritt zurück, packt dafür aber krachende Bässe aus. Schwarzwalder hat abschließend noch zwei Remixes dabei: Acid Paulis „Symbiotic“ und Dirty Doerings „Dr. Nagel“ werden von ihm umgekrempelt. Passt alles perfekt zusammen. 0 Tobiq

Meggy Hide 4 Love (Suol) Wer Bock auf frischen, lebendigen Gesang im Housekostüm hat, sollte bei diesem Release seine Ohren spitzen. SuolNeuzugang Meggy liefert mit der „Hide 4 Love“ EP vier weiche Tracks ab, die den Soundkosmos des Labels ergänzen und bereichern. Die Mischung aus Meggys Stimme und knackigen Bässen kann was! „Anything You Can“ wird von einer bunten Hook dominiert. „Hide 4 Love“ fließt melancholisch aus den Boxen. Ruhig und emotional, ein heißes Stück genau zur richtigen Zeit. „Curious“ wurde zusammen mit Chopstick & Johnjon produziert und geht direkt in Richtung Dancefloor. Da passt einfach alles. „Better“ ist ein Hybrid aus Soul, Pop und House. Zurücklehnen und genießen. 8 TobiQ Emilie Nana Black Label #95 (Compost Records) Die gebürtige Kamerunerin mit ihrer dritten Black LabelNummer. „Like You“ startet flott und bouncy, versprüht Sonnenlaune und Deepness. „September 10th“ hingegen hangelt sich shuffelig an der Hihat entlang, mit Vocaleinsatz und Groove. Gianluca Pandullo aka I-Robots liefert für „Like You“ einen Remix ab, der sich hier wie ein perkussiver Meteoritenhagel auf die Oberfläche verteilt und den Dancefloor in ein blühendes Viervierteltaktfeld verwandelt. 8 dr.nacht

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Victor’s Mob. Yellow Head EP (Port 001) Neues Label aus? Hier wird der guten alten TribalHouse Tradition in moderner Ausprägung gehuldigt. Vertrackte und profund groovende Perkussionarbeit in Zusammenspiel mit einem Femalevocalhook und diversen Layern aus Synthieklängen erinnern an afroinfizierte Label aus Amerika wie die von Large oder Spiritual. Phasenweise klingt “Think“ recht progres-

siv. In jedem Fall extrem spannend. Das Titelstück präsentiert sich in zwei unterschiedlichen Mixen. Der “KinK Hand Made Mix“ ist ein purer Perkussiontrack, der von seiner Monotonie und reinen Schlagwerkarbeit lebt. Ein paar lose eingestreute, helle Klänge – mehr nicht. Schönheit wie man sie direkter kaum darstellen kann. Das Original drückt im Tech-House Stil deutlich nach vorn und integriert ein Sprachsample sowie unterschiedliche Effekte und dringt zum Ende hin in acidlastige Bereiche vor. Maschineller Tech-Funk vom Feinsten. Selten klang ein Debüt so vielversprechend für die weitere Labelarbeit. 0 Carsten Becker Spin Science Wonderland (Audio Tonic Records 019) Der in Estland beheimatete Produzent Ülar Aasmäe, besser bekannt unter seinem Alias Spin Science, veröffentlicht mit „Wonderland“ bereits seine dritte digitale Single auf Audio Tonic Records und liefert mit diesen Track einen frühen Kandidaten für einen DeepHouse-Sommerhit, kombiniert er doch geschickt eine lebhafte, techy Hook mit positivster Grundstimmung, gefilterte Vocals, Snare-Attacken und ein von massiven Flächen geprägtes Breakdown, das sogar Tranceliebhabern die Freudentränen in die Augen treibt, während Tom Middleton sich mit seinem Remix in techhousigere Gefilde vorwagt, in typisch englischer Weise die ravigen Aspekte des Tracks herausarbeitet und so ein Blueprint für (Neo)Trance in 2013 schafft an dem sich dieses Jahr noch viele Tracks messen müssen. 8 baze.djunkiii Sidney Charles The Quest EP (Kling Klong) Dank seiner Home Territory EP (KLING063) war Sidney Charles Kling Klongs Topseller 2012, nun folgt seine zweite EP. Der junge Hamburger

bringt nun einen 5-Tracker, los geht’s natürlich mit dem Titeltrack. Technoid, mit stark runtergepitchten male vocals und einem aufwendigen Perkussivgerüst kommt „The Quest“ daher. Auch „Malindi“ im Danito & Agent! Remix überzeugt. Genau im richtigen Tempo rollt die Basswelle über die Tanzfläche, die Breaks sind durch Key-Chords wunderbar herausgearbeitet, die Drops nehmen einem den Atem. „Fameless“ beeindruckt durch eine umwerfende Bassmelodie (beinahe wortwörtlich), die den relativ eintönigen Track trotzdem interessant macht. Die kurzen Tom-Wirbel vor den Drops zeigen, dass Charles das mit den Percussions ziemlich gut drauf hat. Der Shameless Drums Remix des Niederländers ONNO ist weniger progressiv, dafür stehen natürlich die Percussions im Vordergrund. Das Schlusslicht der Tracklist macht die Original Version von „Malindi“. Ein sehr tribaler Track, was sich sowohl in den Vocals als auch den Percussions widerspiegelt. Einzig die Key-Synths und Shaker definieren „Malindi“ zu einem soliden Stück TechHouse. 8 Argus J Thomas Wood & Santiago Keep It Real (Total Life Music) Wunderbarer deeper Houseinput offensichtlich amerikanischer Machart. Thomas Wood startet den Opener mit sanften Synthieklängen über leicht breakender Rhythmik, dazu ein paar afro-narrative Elemente und fertig ist ein geschmeidiger Housetrack. Erinnert an die guten alten Endneunziger von House. “Sunset Blvd.“ Schleicht sich downbeatig aus dem Geschehen; hat was von Massive Attack. Ebenfalls gelungen. Die B-Seite setzt mit Santiago und seinem Lebensphilosophie beschreibenden “Workin, Cooking, Smokin And Relaxin” noch einen drauf. Hammondsounds und Vocals lassen schnell

den Brückenschlag zu Shazz „El Camino Pt. 2“ im Organ Dub Mix (Yellow) erkennen. House, Jazz, Soul, Dance – alles vereint zu einer herrlich groovenden Angelegenheit. Extraklasse! Zum Schluss darf es noch die alternative Version von “Street Life“ im leichten Discooutfit sein, die Dance, Funk, Jazz und Soul in sich eint. Superbe Scheibe. 0 Carsten Becker Gebrüder Teichmann feat. Foremost Poets Time’s Almost Up! (Killekill House Trax) Oh Mann, da startet das Brüderpaar aber gleich zu Beginn des neuen Jahres gewaltig durch. In Zusammenarbeit mit Johnny Dangerous aka Foremost Poets, zündet das Trio eine Acid-Granate, die mit fettem Beat, Flangern und obligatorischer 909 so richtig punktet. Die vielen feinschichtig eingelassenen Elemente erfreuen und überraschen auch noch beim dritten und vierten Hören. Doch das ist alles nichts gegen die B-Seite. Und die kommt von Losoul. Ihre Version trippt deep-progressiv mit schönem Subbass noch mehr und die schemenhaften Vocals prägen die leicht mystische Hintergrundathmo des Maschinenbeats. Sehr starker Auftritt. 9 Carsten Becker Fritscher & Tegaro Nameless (Ohral) „Nameless“ von Fritscher und Tegaro sticht aus der Masse hervor. Der Track ist ein leuchtendes Beispiel, wie man geschickt tanzbare House-Grooves mit einer beschwingten Deepness verbindet. Ein kräftiges Percussionsarrangement flirtet mit der sanften Hook, wow, da geht was. Langsam gleitet der Track so dem Höhepunkt entgegen. Einfallsreich und funktional. Starskies „Far Out Mix“ ist reduzierter, weniger groovy, mehr mit dem Gespür für passend in Szene gesetzte Synthies und Vocals. Pierces Remix verbindet treibende Beats mit einem reifen

Klangsetting und den Sounds des Originals. Zwei gelungene Remixes, ein einprägsamer Originaltrack, darauf kann das Duo Fritscher und Tegaro aufbauen. 8 TobiQ Fer BR Jungle Life EP (Waveform Recordings 012) Mit Fer BR geht dieser Tage ein weiterer Spanier ins Rennen um die House-Krone und serviert auf Waveform Recordings vier recht trocken-perkussive Variationen von Latin-/ TribalHouse, die sich nicht auf starre Loopstrukturen verlassen sondern im freien Spiel mit perkussiven Elementen über eben jenen Loops an Veröffentlichungen wie die leider extrem unterbewertete Paddo / Sis-Kollaboration „Yuhricame“ aus dem Jahre 2008 erinnern. Das ist natürlich nicht mehr neu, taugt aber für mixfreudige DJs immer noch als properes Tool. 6 baze.djunkiii Mr. Statik & Cosmic Cowboys Carnal Haze (Rotary Cocktail) Europäische Geschlossenheit beweist diese Scheibe allemal. Ein Grieche teamt mit zwei italienischen Cowboys auf einem deutschen Label und eine Französin steuert einen Mix bei. Nicht übel, denn bereits das Titelstück hat es in sich. Eine Mischung aus treibendem House gepaart mit einer dubbigen durch Synthieloop getriggerten Athmo. Damit lässt sich sehr elegant in den Abend reiten. Die Französin Molly (Rekids) geht in ihrer Überarbeitung schneller und dicker zu Werke, lässt die Dubtunes stehen und hallen.Trotzdem gefällt mir das Original etwas besser. Und dann wäre da ja auch noch Marc Schneider von der Circus Company. Seine Version von “Lazy Days“ baut er bedächtig auf, lässt sie sich langsam in die Hirnwindungen des Rezipienten hineinarbeiten und ist dort nach drei Minuten nicht mehr wegzudenken. Deeper Housepumper der Extraklasse. Starke Nr. 37


FAZEmag / 012 / Februar 2013 auf Rotary. Becker

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Carsten

Justus Köhncke Ti m e co d e Re m i xe s (Kompakt) „Timecode“ kehrt zurück. Köhnckes Clubhit aus dem Jahre 2004 ist ein zeitlos elegantes, discoides Housebrett. Nun wird der Track neu rausgebracht inkl. zweier Remixe, die beide sehr fein und unterschiedlich das Thema aufnehmen, aber dennoch viel Eigenleben preisgeben. Tyree Cooper startet und bedient sich natürlich aus seinem reichen Chicago-Pool, ohne es jedoch zu übertreiben und ein plattes Retro-Analoggewitter zu starten. Fein gemacht, fein dosiert. Weiter geht’s nach Schweden, wo Axel Boman wartet und einen verruchten Underground-Touch auspackt, den er wohl im hintersten Winkel einer verrauchten DJ-Bar gefunden hat. Delay, Delay, meine Damen und Herren, aber das Warten lohnt sich. 0 dr.nacht Professor Inc. Protensive Apodicticity (Bad Animal 005) Frederic Poix a.ka. Professor Inc. legt mit seinem neuen Viertracker nach Releases auf Rue De Plaisance und Boe in 2012 erneut vor und beackert mit der zungenverknotenden „Protensive Apodicticity EP“ ein zugegebenermaßen etwas weird anmutendes

Neues fürs Ohr / House

Feld zwischen omnipräsenten Hallfahnen, skelettiertem, roh aus analogen Maschinen gepumpten, statisch wirkendem TechHouse und Splittern von frei eingestreutem, zuweilen nur grob editiertem Schlagwerk, das auf Fans von Labels wie Philpot oder MCDE trotz dunklerer Verortung einen gewissen Reiz ausüben dürfte. Auf B1 widmet sich Safeword dem Remixauftrag zu „Roots“, zieht dabei überraschend die Temposchraube an und liefert mit seiner Interpretation den tanzflächentauglichsten Track dieser 12“. 6 baze. djunkiii Edgar Peng Barbeque Bob EP (Ursl Rec.) Da scheint aber jemand ganz gewaltig mit dem hydrophilen Element und griechischer Mythologie zu liebäugeln. Anders ist das herrlich gestaltete beidseitige Cover von Taucherglocke und allerlei Fisch- und Götterfiguren kaum zu erklären. Musikalisch spielt das Titelstück in einer verspielten, trancig-verträumten Liga, die ich eher dem AfterHour/Chill Out Bereich zuordnen möchte. “Naked Soul“ auf der B-Seite ist ebenfalls deep angelegt, bringt mehr Clubfeel auf den Dancefloor und bietet gute Perkussionarbeit. Schönes Stück. An ältere Plastic City Sachen erinnert mich schließlich “It’s Not Over“: Deeper Tech-House

mit Chord-Hook und einem funky Flow. Gutes Scheibchen. 6 Carsten Becker Sven Kerkhoff & Sidney Charles Jaeger & Sammler (Session Deluxe) Kerkhof & Charles auf der Jagd durch den Amazonas. Dort oder in irgendeinem anderen Urwald haben Sie dann diverse Flöten, Chants und allerlei Perkussives gefangen, um daraus einen feinen Tribalschieber namens „Jäger“ zu schrauben. „Sammler“ hingegen, auf der B1 angesiedelt, wurde wohl eher tief aus der Samplekiste zusammengesammelt und das Resultat überzeugt mit fettem Groove und Oldschool-Chords. Mein Favorit auf der Platte! Auf B2 gibt´s dann noch in Säure gebratenes Hühnchen. Mutet klanglich wieder eher wie A1 an, bleibt aber doch nur ein Tool. 6 Claus Casper Wefeelnomath Import Export EP (Teng Records) Die italienischen Produzenten Mathias Cordsen und Filippo Rocco debütieren dieser Tage mit ihrem WefeelnomathProjekt auf Nick Woolfsons Teng Records Label und widmen sich mit ihrer neuen Veröffentlichung voll und ganz einer verspielten, flächendurchtränkten DeepHouse-Variation, die den Liebhaber dieses Sounds

mit unerwarteten SynthieImprovisationen, CowbellAttacken und ähnlichen Spielereien erfreut. Mit „Look“ liefert das Duo einen LateNight-Stomper, der zusätzlich noch von Dessous RecordingsProduzent Owain K durch den Remixwolf gedreht und in ein für íhn typisch reduziertes, aber hocheffektives Tool verwandelt wird. Zeitlos. 8 baze.djunkiii Nathan G Duplicity EP (Large) Moderner Garagehouse aus Chicago von Nathan G. Während seinen Umzugs nach Berlin schiebt der Luvbug Label Frontmann zwei neue Tracks auf Large raus. “Fall For Me“ arbeitet mit hochtonigen Strings, einer typisch Chicagohousigen Synthieline und Sprachfetzen. Deeper Dancetune. Mehr Perkussionarbeit mit Brokenbeateinschüben bei ähnlicher Synthiestruktur lässt den raueren Charakter von “Up Again“ offen zu Tage treten. Prima Housescheibchen, das Historie und Moderne anspruchsvoll vereint. 8 Carsten Becker Johannes Brecht Holla (Sunday Music) Johannes Brecht konnte Henrik Schwarz so gut überzeugen, dass dieser sein Label Sunday Music aus dem Winterschlaf erweckte, um „Holla“ zu ver-

öffentlichen. Brecht, gelernter Bass- und Keyboardspieler sowie Komponist, geht mit verspielter Leichtigkeit und ausufernder Freude ans Werk. Zwischen Party On und Feinsinnigkeit pendeln vor allem „Holla“ und „Bob“, wo hingegen „People“ sehr aufmüpfig und provokant reinknallt. 8 dr.nacht Piek Hemingway ft. Samuel Fitch & Miano (Fiakun) Nach dem exzellenten “Voodoo“ des Mexikaners Cesar Coronado, legt man beim spanischen Label mit einem weiteren outstanding Track auf Nummer 8 nach. Piek stammt aus Nordspanien und haut mit “Hemingway“ einen amtlich pumpenden, discobeieinflussten Housetrack raus. Aber nicht plakativ, sondern mit warm rollendem Electronicbass, Retrokeys und rollender Perkussion. Das Beste jedoch sind Fitsch‘ tolle, soulige Vocals, die schön amerikanisch klingen. Fettes Teil! Der Mix kommt von Mathias Vogt und Ian Pooley als M.V.I.P. Und die streben natürlich Richtung Techno mit tigher Drumprogrammierung und dem Einsatz oldschooliger Klänge. Mit den einsetzenden Hihats und Claps läft das Ding wie ein Länderspiel. Mindestens so gut wie das Original. Sehr, sehr starke Performance. 9 Carsten Becker

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Neues fürs Ohr / House Rev & Kjavik (Compost Black Label 96) Wie bei ihren letzten Gastspielen auf CBL lassen Magnus Rev und Isak Kjavik mit drei fetten Tracks mal wieder kräftig die Basslines rollen. “Hwmym“ bewegt sich im Midtemposegment und stresst coole Vocals mit geschickt eingebrachten Synthieklängen. Catchy Track, der sehr gut auf dem Dancefloor funktioniert. Irgendwo muss bei den beiden ein Funk und Hip Hop Gen schlummern, anders lässt sich der funky Flow und die entsprechende Verbalakrobatik mit Sprachsamples nicht erklären, wenn der “Joker“ gezogen wird. Lockerer Groove ohne zu überpacen. Schließlich folgt auf “Ace Back“ ein satter Elektrobass, der sich in ähnlichen kompositorischen Strukturen wie die beiden vorherigen Tracks bewegt. Nicht ganz so stark. Wegen der beiden guten ersten Titel. 7 Carsten Becker Sergey Sanchez & Thierry Thomas Keep U Happy (Highway Records) So langsam aber sicher schickt sich das Moskauer Label an, eine Bank in Sachen zeitgemäßem House zu werden. Zuletzt noch die Francys mit einem tollen Alex Niggemann RMX und jetzt „Keep U Happy“ vom Propaganda Club-Resident Sergey Sanchez zusammen mit Thierry Thomas. Wieder einmal bewies man ein sicheres Händchen bei der Wahl der Remixer und verpflichtete den alten Chefrocker Ian Pooley. Der lässt sich auch nicht lumpen und pimpt „Keep U Happy“ das es eine wahre Freude ist. Auf der Flip dürfen dann nochmal die Tripmastaz und Asaga ran. Erstere sind ziemlich verspult unterwegs und nicht weiter erwähnenswert, Letzterer haut ganz gut in die Hot Creations-Kerbe und, man kann´s sich jetzt denken, funktioniert! 6 Claus Casper

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Laura Jones Sensoramic EP (Visionquest) Laura Jones, eine der großen Newcomerinnen der letzten beiden Jahre, nun schon mit ihrer ersten Solo-EP auf Visionquest. „Let Me In“ heißt der Titeltrack und ist das erste Laura-Jones-VocalStück. Flüsternd-zart kommen die Vocals und erzeugen mit den sphärischen Synths und der Bassmelodie einen sinnlichen Housetrack ohnegleichen. Der Dub Mix auf A2 überzeugt durch gesteigerte Progressivität und Basslastigkeit (welch Überraschung für einen Dub Mix), aber auch die Perkussionen scheinen weitaus diffiziler herausgearbeitet. Die Vocals treten nur noch schnipselweise auf, auch dies verleiht dem Track einen gewissen Charme. Die B-Seite startet mit „Lose Myself“, einem einerseits

technoiden, andererseits aber auch ziemlich deepen Track. Lang hallende Vocals und orbitale Synths, gepaart mit einer bullig-dubbigen Bassline und prickelnden Effekten. B2 aka „Every Thought“ ist eine Kombination aus gefilterten Bleeps, einer beeindruckenden Bassmelodie und treibenden Shakern. Gutes Afterhour-Material. 6 Argus J Unomas (Mia) God Made Me Phunky (Novotek) Um es vorwegzunehmen und die Erwartungen etwas zu dämpfen. An das grandiose Original von DJ Sneak reicht dieser Track zwar nicht heran, aber der reduzierte, lockere Housegroove, über den die gesamt Laufzeit ein an Logorrhoe leidender Afroamerikaner spricht, ist schon ganz großes Kino und lädt zum unentwegten Mitswingen, Mitsnippen und Mittanzen ein. Stark. Lunar City Express stressen die Hammonds und lassen das jazzig, leicht popig erscheinende Element Einzug halten. Der zweite Titel (“The Rule“) ist ein eher durchschnittlicher Vocal House Track nach amerikanischem Muster. Das Original überzeugt mich nicht, dafür aber der “Leix und Samu Raw Mix“. Mit ein paar Filtern klingt der Beat reduziert und härter und bounct gleich ganz anders. Schöner Floorpusher. Insgesamt prima. 7 Carsten Becker Waifs & Strays I Saw Yo Girl (Futureboogie Recordings) Die Bristoler Waifs & Strays mit ihrer zweiten EP auf Futureboogie wieder gewohnt acid-groovy. 10 Releases nach Be Patient (FBR003) kommt nun mit dem Full Acid Vox Edit von „I Saw Yo Girl“ nun wieder ein potentieller Erfolg. Eine dubbige Bassmelodie, ein solides Perkussionsgerüst und funkige Vocals sorgen gemeinsam mit den Acid-Synths für Stimmung. Auf A2 folgt „I Saw Yo Girl“ im Dub Edit: noch drückender, noch dubbiger, noch stärker Richtung Acid House. Zu guter Letzt folgt „Remedy“, ein melodischeres Stück. Groovy, mit KopfnickerBassline und klatschenden Snares kommt „Remedy“ daher, trotzdem verliert der Track seine Acid-Ambition nicht, die Synthmelodie hält alles zusammen. Auch die Vocals sind wunderbar eingearbeitet und die Breaks entladen sich äußerst effektvoll. Saubere Arbeit! 8 Argus J Jay Lumen Play Cool The Old School EP (100% Pure) Ultracooles Boxenfutter, sexy und groovy, einfach Tech-House pur. Jay Lumen hat bei diesem nur digital erhältlichen Release feinste Bassdrums dabei. Der Titeltrack „Play Cool The Old

School“ lässt von der ersten Sekunde an Popos wackeln und die Hände in die Luft schnellen. Feurige Percussions und eine mitreißende Hook sind genau am richtigen Platz. Kurze Vocalshouts sorgen für das gewisse Extra. „Femme Fatal“ steht dem in nichts nach, ist aber verspielter. Leicht deep macht auch dieser Track dem Dancefloor Beine. Die Synthieline ist harmonisch mit den Beats verwoben. Typisch Jay Lumen eben. 9 TobiQ V.A. Compost Black Label #94 (Compost Black Label) Drei Künstler zwei Musikstile. Philipp Stoya geht für das Label ungewöhnlich hart zur Sache. “Ransd“ sieht gemäßigte Technostyles mit rohem Elektrobass und einer netten Synthiehook, die eine andere, gefällige Klangfarbe verleihen. Lukas Bohlender beglückt uns mit einem lieblichen, deepen Housetrack, der auf unterschiedlichen Layern fußt (“Club Chateau“). Mehr was für die gepflegte Hintergrunduntermalung und zum Mitschwingen geeignet. Martin Brohlin überrascht dann mit einem perkussionzentrierten Broken Beat Track “Overloaded“, der Acid, Tech-House und Elektro als Midtempo fusioniert. Der tricky Einsatz der unterschiedlichen Elemente ist das Salz in dieser außerordentlichen Housessuppe. Insgesamt 6 Carsten Becker Alex Q Guten Morgen Rosengarten (IWW) Alex Q is´n Guter! Irgendwie immer leicht sommerlich angetranced kommt er daher und spielt damit absolut in der selben Liga wie das Kollektiv Turmstrasse. Kein Wunder dass man in dann auch auf Musik gewinnt Freunde findet. Sein neuester Streich kommt allerdings durch das Münchner Label IWW in die Shops. IWW selbst hosten eine Residency im Harry Klein und sind mit Ihren Labelshowcases von Amsterdam bis Berlin unterwegs. Zwei der Jungs, Maxage und Fabian Kranz steuern dann auch gleich mal je einen Remix bei. Das Original von „Guten Morgen Rosengarten“, ein schöner, fluffiger 116 BPM Track der Hoffnung auf den irgendwann mal wieder kommenden Sommer macht wird von Maxage in ein oldschooliges Chordgewand gesteckt und Kollege Kranz geht dann sogar noch ein paar Jährchen weiter zurück in der HouseHistorie und lässt die 909 und die 303 aus dem Sack. Macht Spaß! 8 Claus Casper Ole Biege Linedance (Monaberry) Ole Biege in the house mit seinem Debüt auf Monaberry. „Linedance“ marschiert flachsend forsch zur Peaktime, Mr. Biege erhebt die Stimme,

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Melodien erfüllen den Raum und reißen die Händ in die Höhe. „Tasted Wime“ ist etwas extravaganter und kapriziöser, mitschwingend der Kater vom Vorabend. Lässig, leger und beschwipst. „Corntoolio“ kommt aus der Tiefe der Gruft, rotzig und hochprozentig. Jeder Schlag um die Ohren vertreibt die bleierne Schwere mehr und mehr und ermöglicht eine 1A-Freakshow auf dem Dancefloor. 8 Kornell Salata 95 North Let Yourself Go (Danse Club Records) Wieder einmal geht die Reise mit Danse Club Back Into The 90s des US House. Dazu nimmt man die Originale und lässt diese durch angesagte aktuelle Produzenten überarbeiten. Das Original ist gekennzeichnet durch seine US Garage Vocals, Organ Stabs und die knitterige Drumprogrammierung. Starker Auftritt. Matt Tolfrey dringt mit bubbelnden Bassstrukturen und melodischen Anteilen in das tiefere Houseterritorium ein. Aus Manchester ist Moodymanc als nächster am Start. Sein “Dubble Dark Dub“ vereint chunky Drums, hohe Streicher und helle Vocals. Cooles Teil. Den Floor richtig im Griff hat der “Brodanse Mix“, denn der entfacht mit seinem techy Outfit hypnotische Wirkung und damit einen echten Slammer. Hut ab vor dieser sehr guten Platte. 9 Carsten Becker Philipp Gorbachev Hero Of Tomorrow (Cómeme) Ein äußerst verqueres und zugleich eingängiges Release kommt von Philipp Gorbachev auf Cómeme. Stilistisch ist so ziemlich alles zwischen 80ies, Wave, House und Konzeptmusik versammelt, und zwar gleichzeitig. Mich spricht die Mischung direkt an. Leichtfüßige Bässe paaren sich mit treffenden Vocals und streicheln die Seele. Nehme ich zwar eher zum Zuhören als zum Tanzen, aber „Hero Of Tomorrow“ wird auch im Clubkontext funktionieren. Ganzen sechs Tracks kann man lauschen. Los geht es überdreht und aufmüpfig mit „Where Is Rony Douglas“. „Tour Las Mystical“ schwingt die Synthiekeule, yeah! „I Want You So“ ist eine einfach gestrickte, aber gefühlsbetonte Liebeserklärung. „Sweet Regina“ packt eine schicke Melodie aus. „Last Days Of The District“ stellt die percussiven Elemente in den Vordergrund. Den Abschluss dieser Wahnsinnsscheibe bildet die zackige Looporgie „Hero Of Tomorrow“. Ein super Release. 9 TobiQ Four Seasons Volume 1 (Got 2 Go Records 002) Limitiert auf 250 in graumarmoriertes Vinyl gepresste 12inches liefert das fran-

zösische Label Got 2 Go Records hier jeweils einen Track der Künstler Whim-ee und Anaxander im Orginal, im ersten Fall ergänzt um einen zusätzlichen Remix von Martin De Brig während im zweiten Fall Jared Wilson für eine weitere Bearbeitung an den Reglern steht. Das Resultat sind insgesamt vier angenehm zurückhaltende Tracks zwischen House und TechHouse, denen ihr basswarmer Chicago- /Jack-Bezug gut zu Gesicht steht und sich auch in 5 Jahren noch problemlos in jedes Set einfügen lässt. Vor allem die lebhaftmodulierte Acidline und die sirenenhaften Out-of-TuneFlächenkonstruktion in Anaxanders „You Got“ haben zur richtigen Zeit gespielt zweifelsohne Hitpotential und verdienen erhöhte Aufmerksamkeit. Gut. 8 baze.djunkiii Booka Shade Haleshop EP (Blaufield) Blaufield sendet als erstes Release die EP „Haleshop” von Booka Shade an die Clubfront. Das Duo hat hierfür drei Stücke komponiert. Über die Soundqualität muss man natürlich keine Worte verlieren, dafür sind Merziger und Kammermeier schon zu lange im Business. Der Titeltrack verwebt eine attraktive Melodie mit Bässen und Percussions. Okay. „Chateau Rouge“ klappert Floor-affin, vergisst aber nicht emotionale Höhepunkte zu setzen. Eine Spur mehr Groove wäre nötig und möglich gewesen. „Karrera“ ist mein Favorit. Den Tänzer fest im Blick marschiert der Track stramm los. Reduziert-technoid treibt er die Bässe vor sich her. Ohrenschmeichelnde Synthies machen Spaß. Kurze Vocals lassen aufhorchen. 8 TobiQ Xuzav Wherever You Are EP (Depaart 004) Erst in 2012 gegründet präsentiert das Madrid-basierte Imprint Depaart schon seine vierte Veröffentlichung und holt sich nach drei Releases der Labelgründer erstmalig einen Fremdproduzenten ins Labelboot, der hier in drei Varianten tief pumpenden, basswarmen House und DeepHouse liefert, dabei die Tanzfläche immer fest im Auge behält und sich doch einen eigenen speziellen und vor allem leicht verspulten Stil bewahrt, der sich wie ein roter Faden durch Xusavs durchaus Detroit-beeinflusste Bearbeitung von Strings und Vocals zieht. Durchaus empfehlenswert auch für diejenigen, die sonst ausschließlich im US-House-Fach des Plattenladens ihres Vertrauens stöbern. 8 baze.djunkiii Benoit & Sergio Bridge So Far (Hot Creations) Zwar sind Benoit & Sergio bei weitem keine unbe-


FAZEmag / 012 / Februar 2013 kannten Namen, jedoch ist die Veröffentlichung einer EP auf Hot Creations selbst für diese beiden Größen sowas wie ein zusätzlicher Ritterschlag. Den haben sich die beiden aber auch verdient. „Bridge So Far“ ist leicht, melodiös und befreiend. Sobald die Vocals einsetzen muss man einfach begeistert sein von diesem so sommerlichen Track. Auch die Bassline lässt nicht zu wünschen übrig, solide unterstützt sie die Synth-Key-Harmonien und sorgt so für ein perfektes Gesamtbild. Auf der B-Seite ist „$100 BILL“ zu hören, ein bisschen deeper, ein bisschen grooviger als die A-Seite. Verheißungsvoll kündigen die Vocals immer wieder den Drop an, der sich dann effektvoll-funky entlädt. Mit solchen EPs werden Benoit & Sergio auch in Zukunft noch viele Menschen beglücken! 7 Argus J Grown Folk The Boat / Keep Few Near (Icee Hot) In behaglicher Langsamkeit und herzergreifender Wärme ergießen sich die Melodien ins verzückte Ohr, während Beats und Grooves die Sache zeitgleich nach vorne schieben. Die beiden Stücke von Grown Folk gestatten sich durchaus einen gewissen hymnischen Pathos. House und Progressive sollten hier als Stichworte der ungefähren stilistischen Einordnung genügen. Das „Gerd Re-Work“ von „The Boat“ zeigt den Mann aus Holland in jackender Bestform. Auf Melodien verzichtet er ganz, treibt aber die Bassline sympathisch in den Wahnsinn und lässt es ordentlich rappeln. Ghost on Tape schlägt in eine ähnliche Kerbe und schickt die Ravefreunde unter uns mit einer wahrhaft düsteren Synthline. 8 BS Guri Freedom EP (Sub_Urban 001) Die spanische Eventagentur Sub_ Urban launcht mit der „Freedom EP“ ihr eigenes Label und öffnet die musikalischen Tore mit einer Veröffentlichung ihres Resident-DJ Guri, der sich hier mit seinen drei Tracks hier dem klassischen, positive upliftenden House amerikanischer Prägung widmet, ohne sich lange mit überflüssiger Cheesyness und anderen unnötigen Verschnörkelungen aufzuhalten. Dabei macht genau diese Reduktion auf die wesentlichen Elemente den Reiz der Tracks aus, die sich inklusive der melancholisch-flächigen DeepHouseNummer „Sneaker Lover“ lange in den Plattenkisten der Welt bewähren dürften. 8 baze.djunkiii Various Apetunes Vol.2 (Lany Records) Zum zweiten Mal versammelt Maxim Lany Freunde und Bekannte auf einer EP und, wie auch beim ersten Mal ist die Platte ein Volltreffer. Fünf Tracks, fünf verschiedene Produzenten, bzw. Teams. Flo Mrzdk & Mahan sind mir zwar gänzlich unbekannt, mit „I See You Dancin“ auf A1 könnte sich das aber ziemlich schnell ändern. Deep und basslinedriven eröffnen sie die EP und machen Lust auf mehr. Die Loulou Players aus Belgien gehen gewohnt funky zur Sache. „You´re here, I´m there“ schmachtet der Discobarde und die Discokugel glitzert. Yoman Yohanson bedient sich mit „Feel the Heat“ beim Jones Girls-Klassiker „Nights over Egypt“ und zaubert ein

Neues fürs Ohr / House

deepes 110 BPM Discoschmusestück daraus. Labelowner Lany und Kollege Katorski sitzen zusammen im Birdcage und singen „I Give You Something“ und der Knaller kommt dann auf B2. Adam Berecki hat mich schon auf Objectivity umgehauen und auch hier schafft er es wieder! Mit „Lovegroove“ lässt er so was von gekonnt den Sound von King Street, Guidance und Co wieder aufleben - da hat einer seine Hausaufgaben gemacht! Und das mit 22! 9 Claus Casper DJ F Transformación (AHD Records) Es grenzt schon an Wahnsinn, wie sich die Melodie des Titeltracks würdevoll langsam aber stetig immer tiefer ins Hirn bohrt, vollkommen willenlos macht und den Körper zum seligen Umherschwingen bringt, während drumherum die Claps flattern, Effekte flirren und man einfach nicht will, dass die Musik je endet. In den Pads von „Preludio“ wird man hiernach sanft gebettet. „True Love“ zieht mit seiner Drum auf die Tanzfläche, traut sich aber auch, einiges auszuprobieren und baut in der Mitte eine interessante Spannung auf, die man so nicht erwartet hätte. Absolut empfehlenswerte Platte. 0 BS Pele & Shawnecy Free Your Style E.P. (Terminal M) Es war sicher nicht die schlechteste Entscheidung für den in den 90ern mäßig erfolgreichen Frankfurter Rapper und Backing Singer Shawnecy zu seinem Buddy Pele nach München zu ziehen, denn seitdem geht´s bergauf. Get Physical, Cecille und Suara sind nur ein paar der Labels auf denen das Duo veröffentlicht hat. Die neue EP auf Monika Kruses Terminal M könnte man durchaus als eine Reminiszenz an Shawnecys Hip Hop Wurzeln verstehen. Auf A 1 wird House of Pain´s „Jump“ gesampled, auf A 2 sogar „The Message“- und gerappt wird auch noch. Hört sich gefährlich an, passt aber erstaunlich gut! Beide Tracks rocken wie Sau! Die B Seite kommt dann ohne Hip Hop Samples aus. Auch hier steuert Shawnecy im ersten Track die Vocals bei, der Zweite bleibt bis auf ein paar Samples im Break Instrumental. Ist dann auch mein Favorit auf der Flip und ein gutes finish für eine gelungene Platte. 7 Claus Casper J.T.C. Sonic Criminal (Killekill 011 Promo) Tadd Mullinix a.ka. James T. Cotton a.k.a. J.T.C. nun also mit seinem ersten Solorelease auf Killekill, das binnen vier Tracks eine Brücke zwischen ‚troitschen Flächenkonstruktionen, dichtem, melancholisch-rohem DeepHouse und auf dem B1-Track „Earth“ sogar TechnoJazz Steve Stoll‘scher Prägung schlägt. Damit liegt der in Ann Arbor beheimatete Produzent auf voller Linie richtig und verdient sich 8 baze.djunkiii Marc Romboy L´Arc En Siel (More Music) Wieder was von Marc Romboy, diesmal war er solo aktiv. Der vorliegende Track „L´Arc En Siel“ wurde zudem sowohl von Pezzner als auch von Trikk geremixt. Durch eine große musikalische Offenheit ist ein Stück entstanden, das neben den Kopfnickern an der Bar auch den wilden Tänzern auf dem Dancefloor

gefallen wird. Warme Beats und eine einfallsreiche Melodie sind zeitlos schick. Der Remix von Pezzner ist zurückhaltender. Verträumte Percussions haben hier das Zepter in der Hand. Trikks Remix erhöht das Tempo und ist wesentlich fordernder als das Original. Diese Bearbeitung gehört definitiv in den Club. 8 TobiQ Sona Vabos Four Trax EP (Southern Fried Records) Der Four-Tracker des Londoners startet funky mit ein paar discoid ausreißenden Streichern. Ein sympathischer Titel, der auf Anhieb die Tanzfläche im Griff hat und eine Bombenstimmung entfacht. Dann mischt er Detroit Techno mit Chicago Houseelementen, wenn “Two Turn Jax“ in 80er Manier seine Nische besetzt. OK, aber nicht ganz so stark. Es geht deep und perkussiv mit “Cabe Rhythm“ weiter – solider, verspielter Housegroove. Vocals und jazzinfizierte Brasstops auf “Dirty Swing“ runden eine wunderbare Platte ab. 8 Carsten Becker KiNK vs. Marc Romboy Sampledelics Vol. 2 (Systematic) Fluffig und tanzbar kommen die drei Tracks von „Sampledelics Vol. 2“ daher. Hierfür haben sich KiNK und Romboy wieder zusammengeschlossen. Knackiger Deep House ohne Allüren. „Over And Out“ macht den Einstieg, Vocals und HallClaps sorgen für Drive. Eine geheimnisvolle Sequenzerhook trägt die Gedanken in andere Sphären. „Pump It!“ ist einfacher, offensichtlicher. Die Melodie kommt mir zu schrill rüber. „Delusion Of The Enemy“ baut sich stimmungsvoll auf. Zerbrechliche Percussions und Synthies verbreiten akustische Spannung. Zusammen mit den Beats ergibt das eine

melancholische Melange, die äußerst ansprechend in die Beine geht. Insgesamt ein recht ordentliches Release. 7 TobiQ Liebig & Enviro The Intimate Express (Kwattro Kanali 002) Nach Deep kommt Disco und nach Disco die Schleife. Getreu dieser Faustregel loopen sich Liebig & Enviro auf ihrer aktuellen 12“ durch vier pumpende Tracks zwischen SlowHouse und Primetime, die in sich in ihrer Machart zuweilen am French Touch der Endneunziger orientieren, jedoch in keiner Sekunde altbacken oder kopiert klingen. Im Gegenteil – mit „1000 Loops Of Love“ versteckt sich auf B2 sogar ein potentieller Hitkandidat für die ganz späten Stunden im Liebhaberclub der Wahl während „The Intimate Express“ verliebt mit ItaloDiscoSynthies flirtet. 7 baze.djunkiii Various 7 Years Hive (Hive Audio) Stolze 7 Jahre hat die Züricher ClubInstitution nun schon auf dem Buckel. Zum Geburtstag hauen die beiden Besitzer Adrian Wollhaf und Samuel Gmur aka Animal Trainer gerne mal wieder eine Compilation raus und vereinen Freunde und Residents zur fröhlichen Werkschau in Sachen State of the Art-House. Monkey Safari, Zombie Disco Squad, Madmotormiquel & Sebo , Niconé & Sascha Braemer, Joyce Munoz, Smash TV & Kiki und so weiter und so fort geben sich hier musikalisch die Klinke in die Hand- einen Favoriten auszumachen ist schier unmöglich. Sei es der Opener „Drop In“ der beiden Labelbosse selbst, Monkey Safaris Joint Venture mit dem Sänger Mykel Anthony oder „Dope Selector“ von Joyce Munoz


Neues fürs Ohr / House

– alles Top! Kaufempfehlung und Glückwunsch von meiner Seite! Auf die nächsten 7 Jahre! 9 Claus Casper Renato Cohen Suddenly Funk (100% Pure) Es ist ehrlich gesagt schon ziemlich lange her, dass ich das letzte Mal eine Platte von Renato Cohen gehört habe. Vermutlich kurz nach „Pontapé“, und das liegt immerhin schon 10 Jahre zurück (der Klassiker war kürzlich der Abschluss von Dave Clarkes „I Love Techno 2012“-Set). Jetzt hat er ein neues Release auf 100% Pure am Start. „Suddenly Funk“ kommt als Original und als „2000 And One“-Remix um die Ecke. Nach einem stimmungsvollen Auftakt, der auf mehr hoffen lässt, versandet das Original leider im electrohousigen Einerlei und kann mich überhaupt nicht begeistern. Das gab es doch schon zigmal - und das sogar besser. Da ändern auch schnittige Claps nichts dran. Der Remix ist gefälliger, geht in die deepe Ecke, befindet sich aber letzten Endes auch im unteren Bereich. 4 TobiQ Prad Bitt The Fight Is Over (Snejl Black 001) Eigentlich schon auf den ersten Blick aufgrund des NDWFaktor – mensch erinnere sich: Neue Deutsche Witzigkeit - im Artistnamen durchgefallen, entpuppt sich „The Fight Is Over“ mit Remixen von Salz und Brendon Möller als unerwartet hochwertiges DubTechno-Release mit TechHouse-Einschlag, das dem Genre zwar keine essentiell neuen Erkenntnisse abgewinnen kann, dafür im letzten Drittel von „Second Rule“ mit einer sich überraschend aus dem Nichts hervor modulierenden Acidline punktet. 7 baze.djunkiii

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The Mole Hang In There Fry Guy (Slices Of Life / Kompakt) Zum ersten Mal begegnete mir Colin de la Plante auf Philpot mit seiner 2005er Ausgabe von “Fat S Edit“: Der Slo Mo House Smasher, der mich auch heute noch maximal flasht und in meiner TOP20 der besten Houseplatten ever rangiert. In der letzten Zeit war es etwas ruhiger um ihn, nun tritt er mit discoaffinem House auf SOL zurück ins Rampenlicht. Disco war schon immer ein Steckenpferd von ihm, das er beim Titelstück wenig plakativ mit dickem Bass und einer gewisperten Frauenstimme auf Perkussions umsetzt. Dabei bleibt er seinem Motto von monotonen, geloopten Strukturen treu, hinten raus wird es sogar ein wenig progressiv. Der zweite Stück “Now I Understand“ ist deutlich reduzierter gestaltet, pumpt aber auch ordentlich und massiv. Disco ist eben nicht gleich Disco und kann durchaus ohne viel Streicher

und Bumbum im clubbigen Housekontext wirken. Schönes Teil. 7 Carsten Becker

schnell in den Untiefen meiner Musiksammlung. 3 TobiQ

Spencer Parker & Ian Pooley Thirty Six EP (Ovum Recordings) Seit Parker und Pooley sich 2010 erstmals in Berlin begegneten, ist viel Zeit verstrichen, beide haben Karriere gemacht. Nun knüpfen sie an ihre Kinderteller EP (OVM210) von damals an und releasen erstmals wieder gemeinsam auf Josh Winks Imprint Ovum. Die Platte startet mit „In My Head“, einem minimalistischen Track voller pulsierender Synths und DrumGroove. Trotzdem ein bisschen zu wenig, um den Hörer über längere Zeit zu unterhalten, bald wird der Track eintönig und wirkt monoton. „Lerchen Und Eulen“ ist zwar ähnlich minimalistisch gehalten, bringt aber durch CymbalLoops und Breaks dennoch mehr Abwechslung. Der letzte Track heißt „Pooley Parker (Radio Slave Mix)“ und ist eine ziemliche Reise. Eine solide Drum-Sub-Bass-Struktur ist das einzig konstante Element des Tracks, spacige Pads und orbitale Synths sowie lang hallende Effekte machen den Mix zu einer Erfahrung jenseits von Zeit und Raum. Zumindest, wenn man eine Ader für so was hat. 5 Argus J

Goeran Meyer Secret Room EP (Heimlich Audio) Ich muss ja schon sagen, der gute Göran hat sich nicht nur einmal bei uns gemeldet und wollte sich danach erkunden, wie ich seine Musik finde. Zäher Bursche! Also höre ich auch mal rein. Göran und sein Kollege Lukas Edler haben obendrein auch ihr Debut mit und auf ihrem eigenen Label Heimlich Audio abgeliefert. Kurz vorab für alle Lesefaulen: vier Eins-A Tracks! Reinhören lohnt sich! Alle vier Nummern sind rund und stimmig. Die beiden Jungs arbeiten mit schicken Melodien und coolen Arrangements - echt erstaunlich. Basierend auf elegantem Deephouse à la „mich lässt alles kalt“ gibt das eine gekonte Mischung! Macht weiter, Jungs! 6 Lukas Fritscher

Show-B Sax N MPC (Compost Black Label) Nach Nummer 49 und 85 auf CBL, startet Show-B mit einem ganzen Paket an Mixen und Stücken auf Ausgabe Nummer 93 wieder fulminant durch. Das Titelstück ist housig-elektronisch gestaltet, groovt gut, aber etwas fehlt mir der Zug in Form eines Wiedererkennungseffekts. Der Edit (zusammen mit Thomes Herb) setzt die Perkussions stärker in Szene und reitet deutlicher in Richtung Club. Sehr relaxt gleitet “My MPC N Me“ mit seiner Chicago’esken Bassästhetik, um gleich den Weg für Dub infizierten Deep Slo-Mo House freizumachen (“Jammin‘“). Außerdem gibt es den rhythmischeren “Huckley Rmx“. Ordentlich, aber eine Nummer zu unspektakulär. 5 Carsten Becker Santos Rough Surface EP (Saved) Nic Fanciullis Label Saved startet das neue Jahr mit diesem Zwei-Tracker des Italieners Santos. Leider ist die „Rough Surface EP“ langweilig und kraftlos geraten, so dass die beiden Tech-House-Stücke fade an mir vorüberziehen. „Ghetto People“ kombiniert eine einfallslose Bassline mit nervigen Vocals und einem schüchternen Synthieeffekt. „Gentle Crime“ hat Standarddrums und einen ziemlich ätzenden Dauerton dabei. Mini Tonmodulationen können hier kaum etwas am Gesamtbild ausrichten. Das Release verschwindet ganz

Pirupa Oldies E.P. (Material Series) Snatch 035 (Snatch) 2012 war mit Sicherheit ein gutes Jahr für Pirupa. „Party Nonstop“ war einer der größten Ibiza-Hits der Saison und wurde im Spätsommer von Defected gesigned. Nun schießt er gleich zwei E.P.s auf unterschiedlichen Labels hinterher. Den Anfang macht die Oldies E.P. auf Mihalis Safras‘ Label Material. Der Name lässt Oldschool vermuten und genau das bekommt man auch. Witchdoctor-Samples und eine fette Orgel-Hook. Herz, was willst Du mehr?Der B Track „Past Stuff“ fällt tooliger aus und beschränkt sich auf ein solides Drumming und eine dicke Bassline. Nicht schlecht, aber A1 ist mehr mein Ding. Auf Riva Starrs Label Snatch geht es mit dem Opener „Do it“ gleich zur Sache. Pianoloops und eine Grime-Bassline geben den Ton an und zack, fertig ist der Hit. Kann manchmal so einfach sein! Für „Everylife“ hat sich Pirupa mit dem, ebenfalls italienischen, Kollegen Leon zusammen getan. Auch hier wird mächtig Richtung Tanzfläche gedrängt. Funktionstrack wäre hier mein Stempel. Zum Schluss dann „The Base“. Selbes Prädikat, nur noch etwas düsterer als „Everylife“ und bestimmt auch mal auf dem Techno-Floor zu hören. Oldies E.P.: 9 Snatch 035: 7 Claus Casper Brett Johnson ft. Dave Barker Broken (Homecoming) Das Original von Brett ist schon eine Überraschung. Sehr soulig und funky überzeugt es total und die Vocals setzen dem Ganzen noch die Krone auf. Der Remix von Phil Weeks dagegen schlägt eine ganz andere Richtung ein, kickend und mit einer Hihat, die einfach nur treibt. Die Bongos und Congas runden das Ganze schön ab. Beim

FAZEmag / 012 / Februar 2013

The Midnight Perverts Remix gefällt mir der Anfang sehr gut, jedoch zum Ende hin wird es mir zu überladen. Ganz anders Bretts zweiter Mix mit dem Titel ‚Bang the Box Remix‘. Er kommt sehr cool, deep und trocken an, versprüht aber dennoch einen gewissen Drive, der sich den ganzen Track durchzieht! 9 Stev Dive The Analogue Cops, Alex Picone & Ryan Elliott Five EP (Bass Culture) Für mich ist „Gentlemen“ definitiv der beste Track auf dieser EP. Er vereint düstere Elemente mit bestimmenden Snares, eine sehr angepasste Hihat mit einem coolen Sample, das sich fast den kompletten Track durchzieht. Das Break ist sowieso ein Fall für sich. Mann muss es gehört haben, um darüber urteilen zu können. Die restlichen drei Tracks sind nicht mehr groß erwähnenswert. Sie werden so oder so von „Gentlemen“ weggespült! 0 Stev Dive Slow Hands & Tanner Ross All The Same (Wolf + Lamb) Seit sich die beiden 2010 auf dem Detroit Electronic Music Festival (DEMF) kennenlernten, verbringen Tanner Ross und Ryan Cavannah aka Slow Hands viel Zeit zusammen. Als sich die ganze W+LCrew über den Sommer auf Mallorca niederließ, hatten beide genug Zeit, sich mit ihren Produktionen zu beschäftigen, sodass mit „All The Same“ die erste Single-Auskopplung zum erwarteten KollaborationsAlbum erscheint. „All The Same“ zeichnet sich durch raue, bestimmte Vocals, eine Bass- und eine sorglosverzerrte Synth-Melodie aus. Leider sind teilweise auch die Vocals verzerrt, was dem Track sein Potential nimmt. Die Single enthält außer dem Original noch zwei Remixes, den Baby Prince & The Bamboozla Remix, sowie den Jah Bless Reggae Mix, der auch für das bald erscheinende Album gedacht ist. Baby Prince & The Bamboozla interpretierten „All The Same“ weitaus treibender, die provozierenden Shaker und die viel stärker betonte stampfende Bassdrum machen „All The Same“ erstmals zu einem Track, der mir gefällt. Schöne Perkussivarbeit! Aber auch die Vocals sprechen hier mehr an als im Original Mix; gut eingearbeitet, nicht verzerrt. Zu guter Letzt; Der Jah Bless Reggae Mix ist melodiebetonter, slower, dubbiger und vor allem kürzer als das Original, gefällt mir aber trotzdem (oder gerade deswegen) besser. 4 Argus J Nicholas ft. Stee Downes Things of the Past (4LUX) Das Original wäre eigentlich eine sehr schöne deepe Housenummer, wenn sie nicht so eine schreckliche Hihat hätte, die den Track nur nervig macht. Der NYC Club Mix ist da

dann schon eine Etappe besser, aber immer noch nicht das Gelbe vom Ei. „Forever Feel It“ ist da schon meilenweit voraus, groovy und deep wie es sein soll, und auch der Drive ist vorhanden. „Now Is The Time“ ist auch sehr deep und cool, aber zum Ende hin läuft er sehr unrund! Als fünfter und letzter Song kommt der Remix von „Forever Feel It“, der mich dann doch weghaut. Groove trifft Flächen und Deepness! Wow, sehr schöner Aufbau. Muss man gehört haben. 6 Stev Dive Raw Rootz Beginnin` (Raw Rootz) Sehr rollend und druckvoll gehen die Herren Scan Mode und Alvaro Sanchez hier in die Vollen! Sehr monoton, aber nicht langweilig verpacken sie diesen Track und spielen gekonnt mit Snares und Claps. Alex Under verwandelt dann das Ganze doch eher in einen sehr technoiden Track. Es könnte auch ein eigenständiger Track sein, da er mit dem Original nichts mehr gemeinsam hat. Dennoch topp, und er steht dem Original in nichts nach. Zum Schluss haben wir noch den Felipe Venegas Remix, der zwischen den zwei Tracks herumwandert, nicht zu technoid aber auch nicht zu deep klingt. 8 Stev Dive Matteo Spedicati & Vito Places You Might Know (This And That) Das Besondere an dieser Scheibe ist auch gleichzeitig seine Crux. Den beiden Perkussionspezialisten gelingt es mit einer Xylophon-like Synthieloopfrequenz erhöhte Aufmerksamkeit zu erregen und für die ersten Minuten auch des Hörers Ohr zu becircen. Doch mit fortlaufender Spielzeit ermüdet das Geklöppel und man möchte nicht mehr so richtig zu dem ansonsten durchschnittlichen Track mitgehen. Patrick Lindsey auf der B-Seite verändert dieses Element mehr in Richtung weniger nervender Tonhöhen und kann besser punkten. Es reicht jedoch nicht mehr als zu. 4 Carsten Becker David Pasternack A Grace Odyssee (Son Of A Beach) Da hat jemand aber ganz viel Paul Kalkbrenner und Wankelmut gehört. Im Vordergrund stehen langgezogene, helle leichte Synthietöne vor einem catchy Houseflow. Melodiös, flockig, locker. Das gilt auch für den zweiten Track “Gamma Ray“. Tut keinem weh, lockerer Lounge oder Dancesound. Mittlerweile aber abgenutzt und daher eher im Mittelmaß versinkend. Daran ändert auch der forciertere Ritt von Andreas Kronert in seiner Überarbeitung nichts. Produktion einwandfrei, Kreativitätslevel jedoch Limes gegen Null. 3 Carsten Becker


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Neues f端rs Ohr / House

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Neues fürs Ohr / Techno

FAZEmag / 012 / Februar 2013

Sable Sheep My Onslaught (Be As One) Nach „Painting My Fur“ und „Her Empathy“ startet das israelische Label Be As One nun mit der dritten EP des Zobel-Schafs ins Jahr 2013. Beide EPs waren sehr erfolgreich, der deutsche DJ scheint einer der ganz großen Newcomer zu sein. Auch seine neue Scheibe ist vielversprechend, der Titeltrack „My Onslaught“ überzeugt durch die wie gewohnt marschierende Kickdrum, den aggressivtreibenden Key-Loop und die spooky noises im Hintergrund. Dark, technoid, progressiv, kurz: geil. A2 heißt „Harvest My Soul“ und ist eigentlich relativ entspannt und groovy – wäre da nicht ein enormes Basskonstrukt, das einem mit all seiner Wucht beinahe die Beine beim Tanzen weghaut. Minimalistisch, aber sehr unterhaltsam. Auf B1 hat uns Sable Sheep ein Perkussiv-Arrangement namens „His Betrayal“ gezaubert. Keine Melodie, nur eine unglaubliche Vielfalt an Toms, Claps, Snares und sonstigen Schlaginstrumenten. Gekonnt schrauben diese sich immer wieder in die Höhe, um sich effektvoll in massiven Drops zu entladen. „Crucify Me“ hingegen lässt sich beinahe schon als House verbuchen, so fröhlich plätschert die Key-Melodie im Hintergrund vor sich hin, während ein Synth-Loop und die Claps für die nötige Progression sorgen. Die schnellen Shaker erinnern an brasilianische Strände. Auch Sable Sheeps dritte EP wird wieder viel Aufsehen erregen, der Mann scheint es einfach drauf zu haben. 0 Argus J

Juan Atkins Archiv #7 (Tresor) Die Berliner Labelinstitution versucht sich an einer Wiederaufnahme ihrer ArchivSerie. Vor mehr als zehn Jahren gestartet, sollen mit dieser Reihe Trackperlen durch eine erneute Veröffentlichung zurück in das kollektive Clubgedächtnis geholt werden. Für „Archiv #7“ sind zwei Stücke von Juan Atkins an der Reihe. „I Love You“ von 2004 und „Techno City ´95“ als Audiotech von 1995. Zeugnisse purer Klangkunst. „I Love You“ ist eine Technoballade, eine akustische Liebeserklärung. Audiotechs Track ist die Hymne der Achse Detroit-Berlin, relaxt und trotzdem kraftvoll. Auch wenn es sich hierbei um echte, zeitlose Klassiker handelt, stellt sich die Frage nach der Aktualität. Den Raver von heute wird das Release kaum interessieren, für Electronicafreaks und Musikliebhaber lohnt sich der Kauf. Daher: 7 TobiQ

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La Compilacion Parte 2 (Movida Records) Jens Zimmermann auf der einen, Silvio Marquardt auf der anderen Seite. Was sich bei “VCRC“ anfangs noch wie ein stumpfer, düsterer, blubbernder, vor sich hinwabernder Technotrack mit megastrapaziertem, verfremdeten Vocalsnippet anhört, bleibt es auch bis zum Ende. Das nenne ich mal konsequent und treibt den Hörer damit an den Rand des Machbaren, des Zumutbaren. Andererseits ist es das Urtümliche von Techno – das “Sich-In-Trance-Tanzen“, was Jens Zimmermann hier auf den Punkt bringt. Harter Tobak und gleichzeitig faszinierend. “Cheesy Landscapes“ frickelt viel mit Synthies und Loops, lässt mal eine kleine Möwe aufkreischen und bleibt ansonsten rhythmisch korrekt. Ist mir zu melodisch, zu glatt und auch zu trancig gestaltet. Dürfte im Club jedoch viel Wirkung zeigen. Insgesamt jedoch raffinierte 7 Carsten Becker

Justin Berkovi Mondrian Remixes (Trapez) Die Remixe zum letztjährigen Album. Den Anfang macht Mark Reeve mit seiner Version des Titeltracks. Posttraumatischer Tooltechno, der Detroit im Rückspiegel hinter sich lässt und mit seinem modernen Sounddesign knallhart überzeugt. Wieder „Mondrian“, dieses mal von Monoid. Mit stoischer Ruhe und Minimalgeist sowie kosmischer Ausstrahlung und Flächen geht es hier zu Werke. Weiter geht es mit Harvey Mckay und seiner „City Lights“-Version. Knackiges Loopmonster mit Soul und Industrial-Charme. Nummer 4 liefert Roland M. Dill. Sein Pulmonic-Mix von „Voices“ bounct aufgeregt und quietschvergnügt durch den Gemüsegarten. Seine Soundlandschaft und Percussioneinsätze treiben es auf die Spitze. 8 Kornell Salata Zenker Brothers Mars In Lion (Tresor) Die Gebrüder Zenker tischen uns einen neuen 4-Tracker auf. Für die Tresor 259 haben die beiden sowohl klassischen Techno als auch Experimentelles zu bieten. Über dem gesamten Release liegt ein Soundschleier aus sphärischen Layern, mal mehr, mal weniger. A1-Track „Knight of“ ist direkt für den Floor, daran lassen kickende Beats und eine verdrehte Synthieline keinen Zweifel. Ein Hauch von Säure macht aus dem Break ein Happening. „The Future Is You“ als A2 ist mit seinem breakigen Rhythmus zum Runterkommen, zum GehirnDurchlüften geeignet, auf die Dauer aber ermüdend und spannungsarm. Die B-Seite geht mit den Tracks „Davin“ und „Cosmilian“ komplett in die relaxte Soundrichtung. Techno und Ambient sind ausbalanciert aufeinander abgestimmt. „Davin“ schickt wogende DetroitWellen in die Nacht, während „Cosmilian“ schwingende Frequenzen ausstrahlt. Eine Veröffentlichung mit interessanten Facetten. 8 TobiQ

Frank Martiniq / Mike Vamp The Renegade Circus (Suicide Circus) Die zweite SC featured Frank Martiniq und Mike Vamp. Das Titelstück vereint druckvollen Techhouse mit Dubanteilen und verschafft der gesamten Szenerie mit smoothen Chords eine weiche, runde Note, trotz des fetten Beats. Dagegen wirkt “Birdy“ mit seinem brutalen und rohen Sound schon wie eine stampfende, brüllende eben noch gezügelte Maschine. Pumpt ordentlich. Für Freunde des progressiv-stampfenden Discogefildes auf elektroider Housebasis hält Mike Vamp sein “License To Thrill“ bereit. Hier eher durchschnittliche Kost; nichts, was man nicht schon gehört hätte. Insgesamt ordentliche 6 Carsten Becker Svida Hold It E.P. (Klap Klap 014) Schon die zweite Svida 12“ auf Samuel L Sessions‘ Klap KlapLabel innerhalb weniger Monate und auch mit diesen vier neuen Tracks zeigt sich wieder, warum dem Produzentenduo Calle Hernulf und Martin Halinowski eine fruchtbare Zukunft prophezeit werden kann. Spezialisiert auf unaufgeregt reduzierte, aber dennoch effektiv treibende Produktionen mit zurückgenommenen Rave-Referenzen und markanten Melodiefragmenten führen die beiden als Svida liebgewonnene ClubTechnoTraditionen fort und verweisen mit einem Track wie „Afraid Pt2“ auf den weltraumkalten ScienceFiction-Touch diverser Detroiter Produktionen. 7 baze. djunkiii Citizen Kain Driller EP (BluFin) Obwohl die zwei Tracks von Citizen Kain auf der „Driller EP“ ziemlich stromlinienförmig und effektiv sind, fehlt es mir an Innovationen und Pep. Nicht falsch verstehen, für den Club haben beide genug Potential und werden die Stimmung anheizen. Dafür sorgt schon der schleifen-

de Bass, der nicht nachlässt und mehr will. Ein paar zusätzliche Soundelemente hätten „Driller“ und Lipstick Sucker“ aber trotzdem gut getan. Alles in allem SloMo-Techno, der okay ist. Max Bett remixt „Driller“. Und auf einmal groovt und tanzt der Track. Soliman macht sich an „Lipstick Sucker“ ran. Zurücklehnen und Ohren auf. Entspannung pur. 7 TobiQ Mike Okay Dolly (What What) Verträumt und verspielt klingt anders. Mit der harten, rauen Welt von Elektro und Techno konfrontiert uns Mike auf diesem Dreitracker. Minimalistisch steckt er sein Revier bei “Edelweiß“ ab und bleibt bewusst dark subtil. Daher wirkt der Sound auch nicht zu heavy, knarzt aber schon ganz prima und hat einen catchy Flow. Ganz anders präsentiert sich im Gegensatz dazu die B-Seite. “Dolly“ ist mit seinem Gitarrengezupfe schon fast ein ibizenkischer SommerlüftchenHousetrack, der bereits jetzt schon auf den Sommer schielt. Locker groovend, aber nichts Besonderes. Die Elemente beider Tracks, d.h. der harte Beat in Verbindung mit melodiösen Bestandteilen vereint schließlich “Golden Brown“. Alles ist gut produziert und auch ganz nett arrangiert. Doch wirklich neu ist das alles nicht und flasht daher eher durchschnittlich. Allein “Golden Brown“ hat mit seiner formidablen Perkussionarbeit das Potential zu mehr. Vielleicht noch einen Remix nachschieben? 5 Carsten Becker Chevel Hearing EP (Non Series 005) Endlich mal wieder MinimalTechno, der seinen Namen auch wirklich in aller Form verdient. Zügig und auf das Wesentliche reduziert erobert Dario Tronchin als Chevel die Plattenkisten aller spiel- und mixfreudiger DJs, liefert mit „Fringe“ eine leicht verspulte Acid-Variation, die auch eines

Abe Duque würdig wäre, und macht auch sonst mit seinen hypnotisch-trommelnden TechnoVariationen große Freude. 8 baze.djunkiii Spitzer Clunker Remixes (InFiné) Das Original klingt wie eine Reminiszenz an die 90er Jahre mit Fugazi und Nick Cave. Die rockige Seite von Spitzer. Den Remixreigen eröffnet Alejandro Paz mit Klopfzeichen, Claps und kontinuierlichem Kolossalsound. Hypnotisch bis in die Krawatte. Weiter geht’s mit Atavism, der schon viel feingliedriger herangeht, dennoch weder Druck noch Hypno-Loops missen lässt. Klasse. Subarys im elektroiden Rausch mit Hall und schließlich InFinés neues Signing The Same. Die arbeiten sich nach einen sehr behutsamen Start nach und nach in Trance und frickeln auf Teufel komm raus auf dem Dancefloor rum. 8 Kornell Salata S-File Remote Controll (GND) Allen Partyfreunden im TechHouse Bereich sei dieser ZweiTracker wärmstens ans Herz gelegt. Das Titelstück schöpft seine Energie aus einer tiefen Bassline und einer darken Vocal-Hook. Saftiger Techno vor energetischem Saft nur so strotzend. Aber eben ein bisschen auf Party getrimmt. “Auxout“ könnte gut aus den 80ern stammen. Keven Saunderson Synthies (ein wenig “Good Life“ ist definitiv auch dabei) und lange Flächen lassen Partystimmung in langen Nächte auch noch nach 4 Uhr zu. Gutes Feierteil. 6 Carsten Becker Various Artists Shuffle The Cards! (Asyncron) Das neue Label Asyncron erblickt mit der „Shuffle The Cards!“EP das Licht der Technowelt. Der Titeltrack kommt von Normann Gravis. Vom Start weg ein überzeugendes Stück. Druckvolle Beats, freche Rhythmusspielereien und ein


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Neues f端rs Ohr / Techno

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Neues fürs Ohr / Techno

gefälliges Synthiekleid machen Spaß. Dazu darke Vocals und ab geht es! „Pokerface“ von Marcel Cousteau setzt auf Percussions. Überall schnauft, scheppert und klappert der Track. Gefällt mir richtig gut. Perfekt zum schonungslosen Abfeiern! Torsten Kanzler knöpft sich „Shuffle The Cards!“ für seinen Remix vor. Reduziert-loopig marschiert seine Bearbeitung durch die Landschaft. Nebel und Strobo sind die perfekten Begleiter. Ein tolles Release! 9 TobiQ V.A. Sinister (Sinister LTD 02) Die zweite Artist MiniCompilation in Form von vier Produzenten(teams) erscheint kaum auf dem Label lesbar als EP. Die A-Seite startet mit einem großen Namen. Heiko Laux und Alexander Lukat erweisen dem Titel “Bleak Apathism Mix“ alle Ehre. Apathisch, stoisch windet sich das ruhig dahingleitende, aber vor allem durch die hallenden Hintergründe bedrohlich wirkende Stück endlos lang und tonnenschwer durch die Rillen des Vinyls. Vielleicht etwas zu monoton. Das Titelstück stammt von Pär Grindviik und ist eine Aneinanderreihung von Klängen, Geräuschen und Effekten. Schwer bewertbar. Mit der B-Seite kehrt der Rhythmus zurück. Wie in einer leergefegten Halle klingt die Athmo von “Our Tide Of Sin“. Dustin Zahn schafft einen harten Midtempotrack, den ich allerdings kaum auf der Tanzfläche einzusetzen wüsste. Vielleicht was für eine filmische Untermalung. Furztrocken verabschiedet sich Secluded mit seinem hallenden “Energy“, das in seiner Minimalität überzeugt und an alte Octave One Platten erinnert. 5 Carsten Becker Nicole Moudaber Roar EP (Intec Digital) Nach einigen eher mittelmäßigen Releases auf Intec Digital ist die „Roar EP“ ein echter Hinhörer. Von Frau Moudaber gibt es zum einen puren Abgehtechno, zum anderen ein Stückchen zum Grooven und Genießen. Der Titeltrack fällt in die erste Kategorie und baut sich nach einem knallenden Einstand geschickt und intensiv auf. Zu den Bässen gesellen sich Hi-Hats und Claps und erhöhen schon einmal die Temperatur bis kurz vor den Siedepunkt. Zwei gegenläufige Synthieeffekte sorgen mit Wucht für Energie. Die Stimmung kocht. Female Vocalsamples führen dann zur kollektiven Ekstase. 10 Minuten pure Glückseligkeit frühmorgens im Club. „Brooklyn Hangover“ punktet mit einem perkussiven Grundgerüst und einer zurückgelehnten Attitüde. Kein Stress, nur Spaß und lockeres Tanzbeinschwingen. 9 TobiQ

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MRI & We:Two #001 (Resopal Schallware 086) Auch das Team von Resopal Schallware startet mit hochgeschraubter Geschwindigkeit ins noch junge Jahr, bedient sich dabei leider auf dem A-seitigen „Sam‘s Detonator“ klackernder Minimalstrukturen aus der

Mitte des letzten Jahrzehnts und sirenenartiger Steigerungen, die wohl die Beginn der sogenannten Abfahrt einläuten sollen, dabei – wie auch die wabernd angerissenen Melodiefetzen - allerdings eher zu großraumdiscotauglichem ElectroHouse denn zu zeitgemäßer Clubmusik passen. Ähnliches gilt auch für „Matador“ und „Jack And Lumber“ auf der Flipside, die damit ebenfalls durchs Raster fallen, obwohl es sicherlich eine Zielgruppe für diese Platte gibt. Der Rezensent allerdings zählt nicht dazu. 4 baze.djunkiii Francesco Tristano Ground Bass (Deutsche Grammophon) „Ground Bass“ ist eine Auskopplung aus dem letztjährigen Album „Long Walk“. Eine barocke Eigenkomposition Tristanos, die er nun in die Hände zweier Remixer gibt. Brandt Brauer Frick machen den Start und verfolgen formell einen sehr ähnlichen Ansatz wie Tristano – das Aufbrechen traditioneller Technostrukturen. Das Trio hackt los, lässt einzelne Fragmente unberührt und baut hier eine Vierviertelsituation drumherum, aber sehr verwegen und eigen, freejazzig und nicht konventionell. Kirk Degiorgio hingegen legt Tempo vor, zeigt sofort, wie sein Weg gepflastert ist und lässt „Ground Bass“ nur noch als Motiv in seinem technoiden Trip auftauchen. 8 dr.nacht Tripeo Second Trip (Whitelabel) Nachschlag von Tripeo. Auf den schon bekannten Pfaden seines ersten Releases wandelnd spinnt Tripeo mit seinem zweiten Vinyl seine Vision fort. Dazu gehören natürlich trockene Drumpatterns und weiche Synthies. Klanglich ist das eine Exkursion in reduzierte, emotionslose Technoräume. „Untitled #3“ schiebt verschiedene Texturen übereinander, so dass sich eine homogene Komposition ergibt. Einzig die Beats könnten mehr Kraft und Tatendrang vertragen. Besser, obgleich experimentell-industriell und nicht 4-To-The-Floor, ist „Untitled #4“. Rustikale Bässe und futuristische Lasersounds prägen den Track. Eine zunächst störende Hookline integriert sich im Verlauf des Stücks ohne Probleme. „Second Trip“ ist kein großer Wurf, aber mehr als Massenware von der Stange. 6 TobiQ Seph AM 02 (Aula Magna Records 002) Der argentische Produzent Sebastian Galante alias Seph schafft mit der zweiten Veröffentlichung des ebenfalls in seinem Heimatland ansässigen Labels Aula Magna Records einen überaus galanten Spagat zwischen Dub-induziertem Club- und BrokenTechno, dem mensch sich in seiner Reduktion auf wesentliche Elemente schwer entziehen kann. Vor allem B1-Tune „Navi“ dürfte auch unter den Fans des deeperen Dubstep seine Freunde finden und in diesem Kontext ebenso für volle Tanzflächen sorgen wie jüngst Tracks von

Produzenten wie Deadbeat oder auch Monolake. Sehr bemerkenswert auch der Ambient-geprägte BrokenTechno-Entwurf „Zoom (Bi)“ auf B2 und damit reif für verdiente 9 baze.djunkiii Northern Structures Live From Somewhere EP (Sonic Groove) Schweden-Techno kennt jeder, aber Techno aus Dänemark? Das Duo Troels B. Knudsen und Lasse Buhl zeigt als Northern Structures mit diesem Release auf Adam X´ Label „Sonic Groove“, wie man sich das vorzustellen hat. Dass hier Knudsen aka Ctrls seine Finger mit im Spiel hat, ist unüberhörbar. Innovativfuturistische Synthiewände sind die Spielbälle wuchtiger Bässe, alles ist aber mehr auf den Floor ausgerichtet als bei seinem Soloprojekt. Die „Live From Somewhere EP“ ist von sprödem, industriellem Charme und beinhaltet doch einen ganz eigenen Charakter. „Session 1“ trommelt zunächst zaghaft, legt dann aber umso heftiger nach. „Session 2“ brilliert mit einem ausgefuchsten Rhythmusspiel. „Session 3“ pocht im Hintergrund, beständig, ohne Rast. „Session 4“ schiebt sich dem knallenden Höhepunkt entgegen. Rustikaler Techno für ganz späte Stunden. 9 TobiQ Klaudia Gawlas Ufo Chords (Abstract / Masters of Disaster) Außerirdische haben sich auf den Weg zur Erde gemacht. Sie kommen vom Planet Sound. Ihre Mission: In Einklang mit den Erdbewohnern feiern - zu UfoKlängen soll das ganze Universum tanzen! Und die klingt wie? Na klar, nach feinstem, durchdringendem Techno! Schließlich bastelte für das Soundgeschwader aus dem All keine geringere an Beats und Bässen als die derzeitige Grande Dame des deutschen Techno – Klaudia Gawlas. Bei ihrer aktuellen EP „Ufo Chords“ geht es daher natürlich mit mächtig Schubkraft zur Sache. Dafür sorgen fette Kicks gepaart mit hallenden Highhats und einer rollenden Bassline. Mystisch, ja eben als wären sie nicht von dieser Welt, kommen die Klänge daher, bis sich Mitte des Tracks alles in harmonisches Wohlgefallen auflöst. Die Aliens sind gelandet, die Party hat längst begonnen! Mit von der Partycrew ist diesmal auch A.Paul. Der Portugiese steuerte zwei deepe, energiegeladene Remixe zu „Ufo Chords“ bei. Am Ende der EP bläst Klaudia Gawlas mit „Shock Therapy“ zum kollektiven Weckruf. Dabei hat sie ordentlich in die psychedelische Trickkiste gegriffen. Wer da nicht mitwackeln muss, dem kann wirklich nicht mehr geholfen werden. 9 eva Pev & Kowton Raw Code/Junked (Hessle Audio) Nur allzu leicht könnte man sich dazu verleiten lassen, die beiden Tracks, die Peverelist und Kowton hier gemeinsam geschaffen haben, als harmlos und unauffällig abzutun. „Raw Code“ ist stattdessen eine ratternde Maschine, die gefüt-

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tert werden will und deren scheinbare Sorgenfreiheit der Melodie nicht über den Schleudergang der Beats hinwegtäuschen kann. Das nachfolgende „Junked“ ist fast schon beunruhigend stoisch wie bedrohlich. Die Drum gibt monotone Signale. Die Spannung, die mit den Sounds drumherum gestrickt wird ist deutlich spürbar. Doch das große Gewitter bleibt aus. 6 BS Sandrien Haters (Wolfskuil) Malerischen Dörfchen entlang atemberaubender Meeresbuchten gleich hat Newcomer Sandrien seine Melodien aufgereiht. Der Titeltrack „Haters“ ist von einer schwebenden Leichtigkeit, die fast schon droht kitschig zu wirken. Ein Track auf Messers Schneide. In manchen Momenten bunt und schrill. In anderen nervig und überzogen. Das rechte Maß fehlt. „Goodbye“ ist besser ausbalanciert. Auch hier wird eine ziselierte Hook durch die Boxen gepresst, durch ein kräftiges Bassfundament ist der Track aber stimmiger. Marcel Fengler hat sich an „Haters“ ausgetobt. Sein Remix ergötzt sich zunächst an weichen Synthiewellen, kommt dann aber knackig zur Sache. Funky Breaks sprühen Funken, Beats poltern um die Wette. Der perfekte Einstand in ein mehrstündiges Technoset. 7 TobiQ Various Artists Let Fantasy Be Heard (Danza Macabra Records 011) Mit seiner mittlerweile elften Veröffentlichung versammelt das in Slovenien beheimatet Label Danza Macabra Records neben einem Track des Gründerduos Edin Cuturic und Martin Rojnik drei weitere Tunes aus der Feder von Larsson, Rico Puestel und Owen Howells auf einem Release, die sich zwischen den Eckpunkten reduziert treibendem ClubTechno – Larssons „Late Night Fantasy“ - , experimentellem Off-Key TechHouse mit knarzend übersteuerten Bässen und upliftenden TechHouseEpisoden a la „Chaos Rains“ bewegen. Abwechslungsreich und durchaus amtlich. 7 baze.djunkiii Alan Backdrop Excursion A (Motoguzzi Records) Irgendwo zwischen DubTechno und darkem Ambient ist Alan Backdrops Musik wohl am ehesten einzuordnen, auch der erste Teil der ExcursionReihe macht es wieder schwierig. Aber damit sollte man sich ja bekanntlich eh nicht allzu lange aufhalten, also ab ans Eingemachte. Excursion A startet mit „D9U0B9“, einem schnellen, darken aber nicht zu heftigen Track. Sphärische Synths, schnelle Percussions und eine gut gefadete Bassdrum; nicht laut-prügelnd, wie wir es schon so oft gehört haben, aber auch nicht so leise, dass

die Progression verloren geht. Weiter geht’s mit „Pdst“ und prompt kommt auch schon wieder die gute, alte PrügelKickdrum zum Zug. In der Unendlichkeit der darken Ambient-Synths sorgt sie für ein wenig Authentizität – und vor allem für Druck. Ohne die harte Bassdrum schliefe der Hörer wahrscheinlich bald ein, „Pdst“ ist mir zu minimalistisch gehalten. Ein Alan Fitzpatrick oder ein Jonas Kopp könnte hieraus wahrscheinlich schnell eine Techno-Perle zaubern, aber im Original Mix ist mir das einfach noch zu wenig. „Sephora“ scheint sich langsam aufzubauen; plätschernde Effekte, klackernde Perkussionen, drückende Synths. Der Hörer wartet auf den Einsatz der Kickdrum, nach diesem ewigen, aber hammermäßigen Break muss doch endlich sowas wie ein Drop folgen – tut es aber nicht. Es bleibt bei der drückenden, aufpeitschenden Atmosphäre, die sich nicht entladen kann und den Hörer so ziemlich heftig therapiert. Ein geiles Stück Arbeit, aber bitte (!) kann sich „Sephora“ mal einer von den Tresor-Jungs oder so vornehmen? Da steckt noch so viel ungenutztes Potenzial drin! 6 Argus J Dublicator Diffuse Glow EP (Plug & Lay Records 001) Der aus Ungarn stammende Produzent Tamas Olejnik a.k.a. Dublicator liefert die Katalognummer 001 des frischen Labels Plug & Lay Records und driftet mit den vier Tracks seiner „Diffuse Glow EP“ zwischen dezent-schwebendem DubTechno, zurückgenommenen Flächen und auch Heimkontext zu goutierendem ArmchairTechno-Vergnügen. Dabei orientiert er sich nur partiell an den typischen, seit Basic Channel unzählige Male beackerten Chords sondern arbeitet vordergründig mehr mit sanft moduliertem Hallfahnenrauschen und warmen, all um fließenden Basswellen deren überaus angenehme Sogwirkung sich am Besten nach vielen durchtanzten Stunden im Club erfahren lässt. 7 baze.djunkiii Pilocka Krach Fame (Greatest Hits International) Pilocka Krach gibt sich auf eigensinnige Art und Weise funky. Vor allem in seiner Verknüpfung von Lyrics und knackigen Basslines und Beats. Im eingängigen Sprechgesang mimt er den Stichwortgeber und augenzwinkernden Beobachter und Reflektor. Das funktioniert gerade beim Titeltrack „Fame“ ausgesprochen gut. Die Remixe von BeSVENDSEN, Philip Bader und Sven Dohse sind eine nette wie tanzbare Ausdehnung der Tracks in verschiedenartig groovender Weise. Besonders die Variante von Sven Dohse sticht hier angenehm hervor. 6 BS


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Neues fürs Ohr / Techno

Switchbox Pirates Poetry (Ellum Audio) Die erste EP des deutschen Duos auf dem Label aus Florida. „Pirates Poetry“ ist kein Prügel, vor allem durch die Vocals von NAtz kommt der Track trotz harter Bassdrum eher entspannt und sorgenfrei als aggressiv und treibend rüber. Trippige Effekte und eine groovige Sub-Melodie tun ihr übriges. Auf der B-Seite ist ein Remix des Titeltracks zu hören und zwar von Danny Daze und Labelchef Maceo Plex in ihrer Kollaboration Jupiter Jazz. Solider, härter und mehr acid als das Original treibt der Jupiter Jazz Remix den Hörer zum Tanzen an. Trotzdem gehen die Vocals nicht unter, sondern bringen weiterhin eine gewisse Ruhe in den aufreibenden Track. Der letzte Titel der EP stammt ursprünglich von dreamAwaken und heißt „8 Bit In A Bit“ – hier zu hören im Switchbox Remix. Götz Bökler und Niko Bohn (aka Goetzlich und Nuke aka Switchbox)haben ganze Arbeit geleistet, dark und treibend gräbt der Track seine Furchen in den Floor und reißt so manchen Raver mit sich, grollende Synths und klimpernde background noises treiben einen in die Ekstase. 6 Argus J

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Neues fürs Ohr / Trance

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TRANCE IM FEBRUAR Angehört von Damian Duda

Montage sind nicht jedermanns Sache! Ganz regelmäßig kann man zum Beispiel in Facebook feststellen, wie anstrengend viele Leute den Wochenbeginn entweder nach einem durchfeierten oder verfaulenzten Wochenende empfinden. Be­son­­ders bei DJs ist das häufig der Fall, wenn mindestens Freitag und Samstag gespielt wurde mit Heimkehr am späten Sonntagabend. Daraus resultiert oft, dass der Montag zum neuen Sonntag ernannt wird. Aber nicht jeder hat die Möglichkeit, sich diese Freiheit zu nehmen, und durchaus kann der Montag sich für Menschen mit administrativen Erledigungen und Aufgaben auch anders gestalten. Die „Monday Morning Madness“ tritt bereits sehr früh ein. Nach dieser Herausforderung hat Alexander Mieling alias Alex M.O.R.P.H. der sich gerade mit seinem Album „Prime Mover“ auf Welttournee befindet, die aktuelle Auskopplung benannt, die von Shannon Hurleys Vocals unterstützt wird. Entgegen der Titelgebung, die sich durch eine gewisse Hektik auszeichnet, wird diese jedoch musikalisch eher ruhig gehalten und ruft ein Flair hervor, das vergleichbar ist mit einem sommerlichen Morgen auf dem Fahrrad an einem der Strände und Promenaden von Los Angeles, wo die amerikanische Sängerin herkommt. Das warme Ambiente der Melodie und der deepe Charakter dieses Releases auf A State Of Trance wird auch von dem russischen Kollegen Alexander Popov aus Saratow übernommen und beginnt hier ebenso sanft, lässt aber mehr Energetik nach dem Break auflodern. Eine weitere Veröffentlichung des Labels kommt aus dem niederländischen Nijmegen 82

von Thomas Bronzwaer mit einem 2-Tracker, der nach einer längeren Pause als originale Eigenproduktion an den Start gebracht wird. Aus einem komplexen Labyrinth mit völlig ausgeglichener Basslinie und unglaublichen melodischen Kicks besteht „Proteus“, das sich bereits beim ersten Hören zu einem Ohrwurm entwickelt und zu meinen ersten Favoriten im neuen Jahr gehört. „Coherence“ ist etwas gemäßigter gehalten – mit einem progressiven Groove und funky Rhythmus sich perfekt für zu Beginn eines Sets für dessen konstanten Aufbau eignend. Ähnlich experimentell verhält sich „Evolution“ der beiden momentan sehr gefragten und fleißigen Italiener Luca Moretti und Emanuele Carrieri, die man als Antillas & Dankann besser kennt. Verstärkt im Bereich des Remixens in letzter Zeit für unter anderem Dash Berlin, Andy Moor oder Markus Schulz, kommt nun auf „Captivating Sounds“ ein sehr außergewöhnliches und starkes Original, das bei entsprechender Lautstärke voll zur Geltung kommt – mit Einflüssen aus Electro- und Progressive House und Trance. Ende 2012 brachten die beiden San Franciscaner Josh Gabriel und Dave Dresden nach fünf Jahren ihre erste Vocal-Single auf ihrem eigenen Imprint „Organized Nature“ heraus. Das Label an sich wurde bereits 2005 gegründet, auf dem bekannte Klassiker von damals wie „Tracking Treasure Down“ erschienen, jedoch genießt dieses seitdem erst nur 15 Kata­log­nummern. Das liegt

zum einen daran, dass in der Anfangszeit ausschließlich Produktionen von Gabriel & Dresden selbst vorgestellt, mit verhältnismäßig wenigen Auskopplungen (inklusive Album 2006) und kaum auswärtige Künstler gesignet wurden – bis auf zwei Ausnahmen: „Big Top – Sub/Tidal“ und „Retrobyte – Going Down“ jeweils 2005 und 2006. Zum anderen hat sich das Künstlerduo 2008 offiziell aufgelöst und Ende 2011 überraschenderweise wiedervereinigt. Im Zeitraum von Dezember 2007 bis Februar 2012 war Organized Nature konsequenterweise stillgelegt ohne irgendwelche Releases, womit erst „No Reservations“ als Katalognummer 012 in Kooperation mit Dubstep-Duo Secret Panda Society und einem neuen, electrolastigen Soundkonzept die Reaktivierung gab. Insgesamt muss ich sagen, dass mir das neue Gewand im Vergleich zu den alten Produktionen und vor allem Remixen nicht so sehr gefällt, da es mit klassischem Trance nicht mehr all zu viel zu tun hat und seinen Fokus auf Electro/Progressive House geht, als ob man versuchen würde in einen bestehenden Trend einzusteigen und nicht die eigene Identität zu wahren. Trotzdem sind durchaus kreative Remixe auf den Paketen zu finden mit guter Künstlerauswahl. Die aktuelle Single „Play It Back“ mit der Stimme von Betsie Larkin finde ich im Original und dem eigenen „Gabriel & Dresden Sunrise Mix“ durchaus akzeptabel, interessanter aber ist die separat veröffentliche „Remixed“-Version. Der Kalifornier Ken Loi, der von Tiësto zum Breakthrough Producer des Jahres ernannt wurde, steuert eine streng progressive Peaktime-Version bei – mit zwei Ebenen des Aufbaus im aktuellen Charakter des Labels, Maor Levi aus Israel hingegen einen sehr schöne und

verträumte Interpretation mit dicker Melodieausprägung und coolen Double-Beats im Break, wie man es von ihm üblicherweise auf Anjunabeats kennt. Ein weiteres Highlight ist die Dreierkollaboration von Christian Burns, Paul Oakenfold und Jes Brieden mit dem Titel „As We Collide“. Nach „Bullet“ zusammen mit Stefan Dabruck, ist diese die zweite Vorauskopplung aus Burns’ noch zu erscheinenden Artistalbum. Die Vocals, die er geschrieben hat, singt er ausnahmsweise nicht selbst ein, sondern gibt hier der Dame aus New York den Vortritt, die als Stimme von Motorcycle (was übrigens ein Nebenprojekt mit Gabriel & Dresden war) internationalen Erfolg erlangte und später mitunter BT, Ronski Speed, Cosmic Gate und auch Tiëstos musikalische Errungenschaften untermalte. Den instrumentalen, und sehr guten Produktionspart für die Single leistete hier Paul Oakenfold. Auch hier gibt es eine separate und einige Wochen später veröffentliche „Remixes“-Version. Zwei housige Versionen kommen jeweils vom Grammy-nominierten Andy Caldwell aus Los Angeles, der neben Soloprojekten auch Teil des amerikanischen House-Acts Soulstice ist, das mit ihm und den beiden Geschwistern von Chris Rene besteht, der Drittplatzierter Teilnehmer der ersten Staffel des von X-Factor USA war. Die zweite Remixunterstützung liefert der Holländer Jesse Voorn, der große Bruder von Joris Voorn. Insgesamt jedoch trifft der Norweger Orjan Nilsen wieder einmal meinen Nerv und übertrifft mit seinem erstklassigen Big Room Beitrag und tranciger Abfahrt selbst das Original und verleiht dem Paket eine adäquate Abrundung. / Damian Duda


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FAZEmag / 012 / Februar 2013

TM404

Im Studio mit Andreas Tilliander / TM404

ANDREAS TILLIANDER

IM STUDIO MIT

Der schwedische Produzent veröffent­ licht seit der Jahrtausendwende unter seinem bürgerlichen und diversen Künstlernamen zahlreiche EPs, Remixe und Alben u. a. auf Labels wie Raster-Noton oder Mille Plateaux. Sein neuestes Alias ist TM404 – eine Reminiszenz and die legendären Roland-Geräte mit den drei Ziffern in der Typenbezeichnung wie TB-303, TR-808, TR-909 etc. Ein Live-Projekt, das er im Februar bei KontraMusik auch auf Tonträger veröffentlicht.

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Ich habe angefangen, elektronische Musik zu machen, als ich ungefähr 13 Jahre alt war. Anfangs habe ich mit zwei Kassettenrekordern und einem schlechten Keyboard experimentiert. Ich habe außerdem Violine gespielt und versuchte, mit etwas zu kommen, das andere Leute vielleicht genau so mögen wie ich. Das war unmöglich. Früh in meiner „Karriere”, als ich noch ein Teenager war, habe ich gemerkt, dass ich eigentlich besser darin bin, Songs zu machen, statt irgendein Instrument zu spielen. Ich kaufte mir einen Amiga 500 mit der einzigen Absicht, Musik damit zu machen. Die anderen Kids in meine Klasse hatten auch einen, aber sie spielten nur damit. Eines Tages hatte ich meine Hände an einer (legalen!) Kopie von „Soundtracker“ und fing mit meinen ersten Produktionen an. D.A.F waren ein großer Einfluss, und ich versuchte, Basslines zu erzeugen, indem ich den Namen des Mädchens eintippte, in das ich in der jeweiligen Woche verliebt war. Jede Taste auf meiner Computertastatur stand für einen Ton, und auf diesem Wege habe ich einige sehr komische (und schlechte) Melodien entwickelt. Ja, ich

war jung und dumm. Nach einer Weile habe ich mir analoge Synthesizer gekauft. Ich hatte einen älteren Freund mit all diesen legendären Synthesizern, und so wusste ich früh, was ich wollte. Als ich 17 war, habe ich eine Zeit lang Rasen gemäht, um mir einen Korg MS-20 zu kaufen. Ich habe immer noch diesen Synthesizer, den ich auch noch benutze und liebe. Nachdem ich dann auf ein paar Compilations vertreten war und von Zeit zu Zeit live gespielt hatte, machte ich 1999 mein erstes Album, „Vena“ (Komplott), unter dem Alias Komp. An diesem Punkt habe ich alle meine Hardware verkauft (Nordlead, MS-10, VC-10, SQ-10, S-900, SPV-355, A-3000, Emax etc.), um mir dann einen PC und Musikprogramme anzuschaffen. Als ich „Vena“ produzierte, habe ich Sony SoundForge als meine Hauptwaffe benutzt. Es kostete mich sehr viel Mühe, damit Songs zu machen. Ich habe diesen Weg immer vorgezogen, deswegen konnte ich Musik machen, die ich vorher noch nie gemacht wurde. Ausschneiden und Einfügen von Soundstufen, pitchen oder die Sounds entwickeln, wie es meine Akai vorher nicht konnte. Die eine Sache, die ich während des Produzierens mit der SoundForge allerdings echt vermisst habe, war die Möglichkeit, Veränderungen in Echtzeit vorzunehmen oder zu „spielen“. Deshalb benutzte ich den Tracker von Jeskola Buzz. Es fühlte sich ähnlich an wie mit dem Amiga, und ich produzierte auf die gleiche Art und Weise. Ich habe mich gut dabei gefühlt, habe es geliebt, und die Soundqualität war auch besser. Und ich wusste genau, was ich mache, musste nicht zufällig Tasten drücken, um außergewöhnliche Basslines zu bekommen.

* siehe www.youtube.com/repeatle

www.repeatle.com


FAZEmag / 012 / Februar 2013

Im Studio mit Andreas Tilliander / TM404

In der Zeit als ich Pan Sonic, Basic Channel oder Plastikman hörte, war ich dann sehr fixiert auf Minimal und Electronic Dub. Meine Hoffnung war etwas Ähnliches zu machen, aber „digitaler und rauer“. Was dabei rauskam, war das Album „Cliphop“, das ich 2000 als Mokira auf Raster-Noton veröffentlichte. Darüber hinaus habe ich Buzz auch benutzt, um meine drei Alben für Mille Plateaux zu machen. Vor zehn Jahren fing es an, dass mir das Gefühl vom Knöpfedrehen und die Synths fehlten, also habe ich mir so viel Hardware gekauft, wie ich konnte. Auch heute noch habe ich Interesse an alten Maschinen und versuche, immer etwas mitzunehmen, wenn ich irgendwo spiele. Heutzutage benutze ich Ableton Live und meine DAW (Digital Audio Workstation), aber ich tendiere dazu, es mehr als Recorder zu benutzen. Selten benutze ich Softsynths, aber wenn ich es tue, dann suche ich mir NI Massive und Arturia raus. Der Hauptgrund, Musik mit Hardware zu machen, ist nicht so sehr der Sound an sich. Ich weiß, es gibt viele Debatten über die Wärme von Analog oder die Magie von Hardware. Da stimme ich in dem einen oder anderen Punkt zu, aber da gibt es auch etwas, das alle Leute zu vergessen scheinen: Beim Musikmachen geht es darum, Spaß zu haben, und für mich macht es mehr Spaß, mit einem klassischen Korg Mono/Poly zu spielen. Ich habe Tonnen von Hardware – einige Synthesizer zuhause, andere in meinem Studio. Manchmal verleihe ich Drum Machines an einen Freund. Ich habe sogar ein paar Geräte im Büro meiner Freundin. Es ist letztendlich auch nicht so wichtig, was du benutzt. Es geht darum, Ideen zu haben und die Power und den Willen, etwas mit diesen Ideen zu machen. Mein jüngstes Projekt heißt TM404, und dabei geht es darum, Musik in Echtzeit zu machen. Ich habe ein Konzept entwickelt, bei dem ich nichts anderes benutzen darf als die alten Roland-Klassiker wie MC-202, TB-303, TR-606, TR-808 etc. Alle diese Aufnahmen waren improvisiert, und ich habe die Sessions auch noch gefilmt*. Ich bin mir sicher, es würde nicht so klingen, hätte ich Softsynths benutzt. Man hört fehlerhafte Kabel und knackendes Zubehör. Während eines Tracks habe ich eine SMS bekommen, also ist da ein iPhoneGeräusch zu hören, das ich auch gelassen habe. Aber sonst ist alles analog, alles Roland. Ich habe natürlich realisiert, dass nicht jeder sich heutzutage verschiedene TB-303s leisten kann. Ich habe sie gekauft, als sie günstig waren, habe mir nie ein Haus oder ein Auto gekauft. Ich habe außerdem in ein professionelles Outboard investiert, weil ich viel Mastering-Arbeit und Produktionen für andere Künstler mache. Elektronische Musik zu machen, kann teuer sein, muss es aber nicht. Es geht darum, Prioritäten zu setzen. Meine ist es, Musik zu machen.

Instrumente/ Sequencer: Roland SH-101 Roland MC-202 Roland TB-303 (5x) Roland TR-505 Roland TR-606 Roland TR-606 (mit Analog Solutions Modul) Roland TR-626 Roland TR-707 Roland TR-808 Roland TR-909 Roland MKS-50 Roland Juno-106 Korg MS-20 Korg MS-50 Korg Mono/Poly Pearl Syncussion SY-1 Akai MPC-1000 (x3) Clavia NordModular

G2 Clavia MicroModular Clavia NordRack 2 Elektron Analog Four Elektron Octatrack (x2) Elektron Monomachine mkII Elektron Machinedrum UW mkII Moog Minimoog Sequential Circuits Prophet-5 rev 2 Futureretro 777 Sequentix Cirklon DSI MEK Waldorf Micro-Q Effektgeräte: Roland RE-201 Roland RE-301 Roland RE-501

Korg Stage Echo Maestro EP-4 Aria Locobox AD-15 (my first FX. Bought in 1992) Lexicon Model 200 Dynacord TAM-21 Dynacord SRS-56 Empirical Labs Distressor (x2) Empirical Labs Fatso Tube-Tech SMC 2B Thermionic Culture Culture Vulture Roland SP-303 Universal Audio UAD-2 Mixkonsolen: Trident 8T 16ch TLAudio Tube-tracker M3

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Maschinenraum

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REASON PX7 Reason huldigt FM – DX zu PX 30 Lenze wird Yamahas legendärer Digitalsynthesizer DX7 in diesem Jahre alt. Und schon ist die zugrundeliegende FM-Synthese wieder in aller Ohren und Munde. Auch Propellerheads wollen den abermaligen Hype nicht verpassen und bringen mit dem PX7 nun ihre Vorstellung einer frequenzmodulierenden (genauer: phasenmodulierenden) Klangwaffe heraus. Als Modul für Reason bedient sich dieser sechs Operatoren und 32 Algorithmen, um 80s-klassische Bass-, Brass- und Glocken-Sounds aber auch moderne Pads, Leads, Wobbles und Growls zu generieren. „Makro Control“ ermöglicht selbst Laien die einfache Beherrschung der seinerzeit als unbeherrschbar verschrienen Syntheseform. Der PX7 ist vollständig in das Reason-Rack integriert, lässt sich dank Combinator vervielfachen, mit Effekten versehen und sogar über CV Control von anderen Reason-Instrumenten steuern. Als besonderes Highlight stellen die Entwickler zudem einen Online-Converter bereit, um Original DX7-Patches ins PX7-Format überführen zu können. Erhältlich für 79 EUR im Online-Shop der emsigen Schweden. www.propellerheads.se

AKG BY TIËSTO Serientäter

NI SCARBEE RICKENBACKER BASS Dänischer Zupfkuchen

Die Headphone-Schwemme schwemmt weiter. So haben sich inzwischen auch der niederländische Trance-Superstar Tiësto und das österreichische Headphone Superbrand AKG zusammengetan, um nicht etwas nur ein einzelnes Modell, sondern gleich eine komplette Serie herauszubringen.

Was haben unter anderem John Taylor (Duran Duran), Paul Simonon (Ex-The Clash), Bob Hardy (Franz Ferdinand), Lemmy (Motörhead) und Peter Hook (Ex-New Order) gemeinsam? Denn Friseur? Wahrscheinlich nicht. Den Dealer? Wer weiß. Sicher ist, dass sie alle in ihrer musikalischen Vergangenheit bevorzugt auf E-Gitarren der kalifornischen Kultmarke Rickenbacker zurückgegiffen haben, um ihre Bassläufe zu gestalten. Mit dem „Scarbee Rickenbacker Bass“ hat es Native Instruments nun geschafft, den charakteristischen Klang des legendären Modells 4003 für die Nutzung mit Kontakt zu virtualisieren.

Mit „AKG by Tiësto“ überschrieben sind derzeit drei abgestufte Versionen unter den Typenbezeichnungen „K267“, „K167“ und „K67“ erhältlich. Der AKG K267 TIËSTO stellt dabei das Flaggschiff der Kopfhörerflotte dar und drückt den satten Sound mittels übergroßer 50mm Wandler durch den Gehörgang. Ein “Dual Plug-In“-Feature erlaubt die Kabelzuführung über die linke oder rechte Muschelseite, weiterhin ermöglicht der patentierte 3D-Faltmechnismus eine besonders platzsparende Aufbewahrung. Als zusätzlichen Bonus bringt der robuste Alu-Hörer einen Dreistufen-Switch mit, um den Bass-Sound für Bühnen-, Club-, oder Studio-Einsätze anpassen zu können. Die sonstigen Merkmale lauten: 5Hz-30kHz Frequenzgang, 32 Ohm Nennimpendanz, 3500mw Nennbelastbarkeit, 115db SPL/V Empfindlichkeit, 310 Gramm Gewicht. Die Kosten: 429 EUR. Die abgespeckten Varianten mit kleineren Wandlern und engerem Übertragungsbereich sind mit 249 EUR (K167 Tiësto) und 149 EUR (K67 Tiësto) entsprechend günstiger. www.akg.com

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Gesampelt wurden die Sounds einmal mehr vom Dänen Thomas „Scarbee“ Skarbye, welcher bereits für die Sammlungen “ReBass” und “Funk Guitarist” verantwortlich war. Im Hinblick auf maximalen Punch mit Plektrum eingespielt, ist die Sammlung in die Artikulationsarten „offen gezupft“ und „Palm-Muting“ gedämpft unterteilt. Weiterhin holte Skarbye bei der Aufnahme in Pro Tools dank der Nutzung ausschließlich hochwertiger Komponenten wie Rotosound-Stahlsaiten, Mogami-Kabel und ein Metric Halo LIO-8 Vorverstärker detailgetreu das Beste aus dem Originalinstrument heraus. Dank der internen Aufteilung des reinen Bass- und Verstärkersignals lassen sich zudem feine Nuancen des Klangs individuell abstimmen. Ein guter Fang für alle Studio- und Gelegenheitsbassisten, die sich ein Original nicht leisten können oder wollen. Oder, wie Skarbye selbst, aufgrund Karpaltunnelsyndrom nicht mehr selbst ausgiebig in die Saiten hauen kann. Für 99 EUR inkl. Kontakt 5 Player. Die Kontakt 5 Vollversion kostet 379 EUR. www.native-instruments.com


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Maschinenraum

HEAVY SYNTH INDUSTRY Ich hab noch einen Koffer in Berlin aus Pittsburgh

CUBASIS FÜRS IPAD Produzieren im Handstreich

Prinzipiell sind wir, was Synthesizermodule betrifft, mit Doepfer natürlich rundum gut bedient. Dennoch kann einen Seitenblick nie schaden. Durchaus sehen, fühlen und hören lassen können sich nämlich beispielsweise die Alternativen von und aus Pittsburgh. Dort gegründet von einem gewissen Richard Nicol, der zusammen mit Thomas O’Connor, Michael Johnsen und Scott Swartz die Analogwelt seit 2010 mit eigenen Modulen bereichert. Handmade und 100% analog. Neuestes Geschöpf ist der “Synthesizer Block”: Ein semimodular vorverschalteter und somit auch Standalone einsatzfähiger Monofonist inklusive Oszillator-Einheit, 12 db Lowpass-Filter, LFO-Sektion, ADSR Hüllkurvengenerator und Verstärker. Über die insgesamt 18 Patch-Punkte kann dann schließlich zusätzlich der interne Signalweg verändert werden bzw. können diese für die Manipulation weiterer Bausteine herhalten. Ein guter Ausgangspunkt für die Entwicklung eines eigenen Modularsystems für umgerechnet etwa 220 EUR.

Cubase 7 dampft noch, da folgt auch schon Burner aus dem Hause Steinberg. Mit Cubasis sind die Hanseaten jedenfalls ganz vorne mit dabei, wenn es um die Portierung einer kompletten Produktionsumgebung auf das Apple-Tablett geht. So kombiniert die App die intuitive Multitouch- Steuerung des iPads mit dem vertrauten Arrangement-Fensteraus Cubase inklusive der Spurliste und des Inspector-Bereichs. Unbegrenzt viele Audiound MIDI-Spuren können prinzipiell genutzt und die aufgenommenen Spuren mit dem integrierten Mixer sowie den mehr als zehn Audioeffekten, darunter Kompressor, Equalizer und Delay, abgemischt werden. Für weitere Bearbeitungen des Audiomaterials steht ein einfach zu bedienender Sample-Editor bereit. Die App bringt ferner mehr als 70 Instrumenten-Sounds aus Basis der hauseigenen Workstation HALion Sonic sowie 300 MIDI- und Audioloops in höchster Studioqualität mit. Die Sounds lassen sich mit dem virtuellen MIDI-Keyboard oder den integrierten Drum-Pads direkt einspielen. Alternativ kann natürlich auch ein externes, Core MIDI-kompatibles Keyboard verwendet werden. Im Key-Editor können MIDI-Noten schließlich hinzugefügt oder geändert und die gesamte Produktion bis zum Mixdown voran getrieben werden. 

Wem das zu lange dauert, kann auch weiterhin auf der ersten großen Pittsburgh-Smasher „Foundation“ in der aktuellen Version 2.0 zurückgreifen: Ein vollmodularer Synthesizer inklusive MIDI-Anbindung bereits verschraubt in einem schmucken Transportcase. Zu den zwölf Modulen ab Werk zählen unter anderem zwei Oszillatoren, ein Doppel-LFO, ein Multimodefilter, zwei Hüllkurven, ein Vierkanalmischer sowie ein Ringmodulator, Diese lassen sich natürlich jederzeit umarrangieren oder gegen andere Module in Eurorack-Größe tauschen. Inklusive Patch-Kabel kostet der „Pittsburgh Modular Foundation 2.0“ bei uns 1.695 EUR im virtuellen Laden von Andreas Schneider. www.pittsburghmodular.com www.schneidersladen.de

Die App bietet Audio-Export nach Dropbox, SoundCloud und AudioCopy sowie Projekt-Export nach Cubase unter Windows und OS X. Der Import von Cubasis-Projekten ist in Cubase 7, Cubase 6.5, Cubase Artist 7, Cubase Artist 6.5, Cubase Elements 6, Cubase LE 6 und Cubase AI 6 möglich. Hierzu muss die Cubase Project Import Extension installiert werden. Cubasis ist kompatibel mit iPad 2 (48 Stimmen), iPad 3 (64 Stimmen), iPad 4 (64 Stimmen) und iPad mini (48 Stimmen) unter iOS 6 und kostet 44,99 EUR im App Store. www.steinberg.de

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Gefechtsstation / Pioneer CDJ-2000nexus + DJM-2000nexus

FAZEmag / 012 / Februar 2013

PIONEER CDJ-2000nexus DJM-2000nexus Mit Netz und doppeltem Boden Wir haben uns zum Jahresbeginn einfach mal das gegönnt, was vielen Digitaljockeys Tränen begeisterter Freude in die Augen treibt: Ein komplettes Pioneer-Set bestehend aus zwei brandaktuellen CDJ-Playern und einer DJM-Unit als klassischen Vierkanal-Effektmixer. Denn was über viele Jahre vornehmlich optisch eine harmonische Einheit ergab, macht nun auch im technischen Zusammenspiel richtig Sinn. Schließlich künden die Zusätze „nexus“ bei den 2000er Modellen von einer fantastischen, dank DJ-Link eng vernetzten DJ-Zukunft. Wer hätte das gedacht? Tatsächlich reicht die DJ-digitale Spur bei Pioneer dann doch bis ins Jahr 1994 zurück. In jenem Jahr der großen Dance Music-Kommerzialisierung (u.a. Jahresendcharts Single Pop #6: Marusha - Somewhere Over The Rainbow) stellten die Japaner mit dem CDJ-500 ihren ersten pitchbaren Single-Player im Tabletop-Design vor. Ebenso wie der kompaktere Nachfolger CDJ-500S des Jahres 1997 noch als Top-Loader konstruiert, war dieses Gerät zwar noch weit davon entfernt, dem Turntable auch nur ansatzweise den Rang streitig zu machen. Und doch: Mit der Idee, CDs über ein riesiges Jog Wheel ähnlich einem Vinyl handhabbar zu machen, war der Grundstein des heutigen Erfolges gelegt. Bereits damals war übrigens ebenfalls schon der bis zum heutigen Tage nahezu uhrwerkgenau eingehaltene Produktlebenszyklus von drei Jahren für ein CDJ-Modell erkennbar. Nach dieser Zeit folgt eine, wie auch immer geartete, neue Variante. Den endgültigen Siegeszug durch die Clubs, Profistudios und schließlich auch Bedrooms trat dann ab dem Jahre 2001 das Laufwerk CDJ-1000 an. Dieses prägt im grundsätzlichen Layout noch heute das Gesicht des Pioneer-Players wie auch vieler seiner Mitbewerber. Der letzte große Quantensprung im Bezug auf die Technik und das Design erfolgte schließlich Ende 2009 mit der Vorstellung des CDJ-2000: Ein innovativer Bolide mit gigantischem Display,

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welcher die Grenzlinie vom CD- zum MultiformatPlayer inklusive Vernetzung und Software-Nutzung endgültig überschritt. Dieser löste dann auch Erfolgsmodell CDJ-1000 in der letzten Version mk3 endgültig ab und bildet in weiten Teilen die Grundlage des jetzigen CDJ-2000nexus. Entsprechend finden sich viele der 2000er-Vorzüge auch beim nexus wieder. Angefangen beim riesigen 20 cm-Jogwheel, welches im Drehwiderstand frei eingestellt werden kann. Bis hin zur Anschlusssektion, welche rückseitig mit einem Stereo-CinchAusgang sowie koaxialen Digitalausgang, ferner einem Faderstart-Slot und der entscheidenden Netzwerkschnittstelle belegt ist. Bei einer physischen Verkabelung lassen über einen Hub so bis zu zwei Rechner wechselseitig ansteuern. Im Falle einer WLAN-Vernetzung sogar bis zu vier, einschließlich Smartphones und Tablets. Wir werden später den LAN-Weg über den DJM-2000nexus gehen. Der „Kurzschluss“, also die direkte LAN-Verkoppelung von zwei (maximal vier) CDJ-2000nexus inklusive Zugriff auf das Musikmaterial des jeweils anderen Players funktioniert natürlich weiterhin auch. Die Files können ausgelesen werden von SD- bzw. SDHC-Karten oder aber USB-Datenträgern (Sticks,


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Gefechtsstation / Pioneer CDJ-2000nexus + DJM-2000nexus

Festplatten) – beide Anschlüsse sind an bekannter Stelle oberseitig vorhanden. Ach so, ein Slot-In-Laufwerk für CD/DVD-Silberlinge besitzt das gute Stück natürlich ebenfalls. Einmal mehr beeindruckend ist der Bildschirm des 2000er-Modells. Eher schon Monitor denn gewöhnliches LC-Display gibt es auf einer Diagonalen von 15,5 alle entscheidenden Informationen gestochen scharf preis. Eingerahmt wird die angewinkelte Display-Kuppel von den bekannten Funktionsbuttons zur Auswahl des Abspiel-Mediums (Disc, SD, USB, Link) sowie Organisation (Browse, Tag List, Info, Menu/Utility). Eine Neuerung stellt hierbei der separate Button „Rekordbox“ dar. Dieser detektiert am CDJ angeschlossene, Rekordboxkompatible Geräten. Das kann ein Computer oder nun ebenso auch ein Wireless Device (Smartphone, Tablet) sein. Mittels des Push-Encoders am rechten Bildschirmrand kann man dann komfortabel durch die Device-Liste (wie auch alle anderen Menüs) navigieren und die gewünschte Library öffnen.

nun auch mobil durchführen lassen. Bis hin zur kabellosen Übertragung von RekordboxTracks zwischen beispielsweise einem PC und Mobilgerät. Oder der Steuerung eines von einem Mobilgerät an den CDJ-2000nexus gesendeten Titels. Anders als beim neuen Pioneer XDJ Aero Controller, der einen eingebauten Wi-Fi Router mitbringt, muss der CDJ2000nexus jedoch zuvor mit einem externen WLAN-Router verknüpft werden, damit das kabellose Spiel funktioniert. Der herüber gesandte Track wird übrigens offenbar tatsächlich im CDJ selbst gebuffert - von einer reinen, brüchig kalten Wi-Fi-Fernsteuerung kann also nicht die Rede sein. Dafür muss der Track dann aber auch im schnell verschickbaren Kompaktformat MP3 oder AAC vorliegen. Noch scheiden sich am diesem, auch schon von Denon mit Engine umgesetzten, Wireless-Feature die Geister: Was die einen als ultimative Innovation und Befreiung feiern, lässt bei anderen einmal mehr die Sinnfrage keimen. Aber schon anno 1994 dürften sich dieselben Personen gleichermaßen gefragt haben, welchen Sinn es denn mache, mit einem CD-Player auflegen zu wollen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich ist auch der CDJ-2000nexus imstande, Tracks unterschiedlichster Formate abzuspielen, die zuvor nicht durch die Management-Software Rekordbox geschleust wurden. Alles andere wäre ja auch witzlos. Und bei den CD/DVD-Titel sogar erfolglos. Denn diese lassen sich nicht „rekordboxen“ und brennen. Es wäre es aber im Umkehrschluss ebenso witzlos, sich den nexus-Player zuzulegen, und die Rekordbox nicht zu nutzen. Denn mit dieser werden die Tracks überhaupt erst so „hingebürstet“ und mit Taktrastern, Wellenformdarstellungen usw. versehen, dass sich der nexus-Funktionsumfang voll auskosten lässt. Man sollte sich also die, zugegeben etwas zeitraubende, Arbeit machen und seinen Musikbestand sauber durchanalysieren und ggf. Cue-Punkte und Playlisten gleich mit anlegen. Im rasanten Mehrdeck-Flow kommt wirklich nichts ätzender, als irgendein nicht oder fehlerhaft analysierter Track. Die Rekordbox ist inzwischen auch als App für Android- und iOS-Geräte erhältlich, so dass sich im Grundsatz dieselben Analyse-Aktionen

Weit sind wir abgeschweift, dabei war das CDJ-Display doch noch gar nicht komplett abgehandelt. Denn dieses bringt als zusätzliche Neuerung eine hoch aufgelöste Wellenform-Darstellung mit, in die sogar hineingezoomt werden kann, um bestimmte Bereiche anzusteuern und Cue-Punkte exakt zu setzen. Auch die Taktraster werden sichtbar und können bei Bedarf direkt am Gerät verändert werden. In allen Fällen hervorragende Dienste leistet der mit der Generation 2000 eingeführte „Needle Search“ Ribbon-Controller unterhalb des Displays. Dank dessen spürbar erhabenen Abstandsmarken lässt sich wirklich blitzschnell und gezielt durch die Wellenform surfen. Mit der Anlage von Taktrastern innerhalb der Tracks (wir erinnern uns: Recordbox-Analyse) kommen dann schließlich noch viele weitere CDJ-Neuerungen voll zum Tragen. So zum Beispiel der „Slip“-Mode, mit dem ab sofort selbst gewagteste Schleifen-, Reverse- und sogar ScratchStunts stets taktsynchron durchgeführt werden können. Ebenso bleiben die mit dem „Loop“-Mode aktivierbaren und in der Länge per Ribbon Controller veränderbaren Trackstückelungen stets „in time“. Ja selbst Hot Cues können mittels „Quantize“ rasterpunktgenau gesetzt werden. Aber das ist noch nicht alles ... ... denn der Synchronlauf auf lässt sich auf das gesamte Setup ausdehnen. An dieser Stelle bringen wir nun endlich auch den DJM-2000nexus Vierkanalmixer ins Spiel. Als neues Flaggschiff des 1996 mit dem Modell DJM-500 eingeführten Klassikers bringt dieser rückseitig sechs Netzwerkanschlüsse aufs Trapez, um mit zwei Computern und bis zu vier CDJ-2000nexus-Playern zu interagieren. Per Netzwerkkabel werden die CDJs mit dem DJM über die Pro DJ Link-Anschlüsse verkoppelt, automatisch erkannt und den entsprechenden Kanalzügen zugewiesen. Im Display der CDJs leuchtet die Kanalnummer (1, 2 ...) entsprechend auf. Der Vorteil der 2000er Mixerreihe ist nun, dass sie ebenfalls ein großes, touchfähiges Multifunktions-Display im Herzen trägt. Kommen wir also gleich nun zu dem, was seit Ankündigung die Gemüter erregt: Die Sync-Funktion des neuen DJM. Öffnet man im Mixer-Display das „MIDI“-Fenster, lässt sich auf der ersten Seite festlegen, welcher Player im Sync-Modus mitläuft bzw. die Master-Funktion übernimmt. Ebenso kann auch am Mixer selbst ein Tempo eingegeben werden, so dass dieser die Funktion

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des Taktgebers übernimmt und die Grundgeschwindigkeit an alle anderen LAN- und MIDI-Gerätschaften streut. Und zum dritten besitzen auch die DJMPlayer nun eigene Sync- und Master-Buttons, damit man jederzeit den Status von jedem Gerät aus wechseln kann. Oder falls der Mixer als Kernstück eben gar nicht vorhanden ist. Und nun lasset den Spaß beginnen! Denn läuft erst einmal alles im Grid-Gleichschritt synchron, kann man sich ungefähr ausmalen, was alles möglich ist. Sämtliche Effekte, selbst die sonst schwierigen Delays, umgarnen ohne unangenehme Abweichung magisch die Musik. Effektfahnen können jederzeit verkürzt und verlängert werden, aber wiederum stets im Quantisierungsmuster der Musik. Samples lassen sich aus allen möglichen Kanalrichtungen ziehen, stapeln, versetzen und wieder entfernen. Ebenso können die auf dem DJM befindlichen Drum-Sounds exakt gesetzt sowie mittels BeatSlice Remix komplett neue Tracks aus den sezierten Titeln der verschiedenen Zuspieler generiert werden. (Ableton lässt grüßen!) Bis hin eben zur Synchronisierung externer Soft- und Hardware-Gerätschaften, da das Taktsignal auch als MIDI-Clock ausgespuckt wird. Sagenhaft! Nochmal der Hinweis: Das alles funktioniert natürlich nur derart fix und reibungslos, solange die Files zuvor durch die Rekordbox gezogen und mit den erforderlichen BPM-und Rasterdaten versehen wurden. CD/DVDTracks, egal in welcher Form sie vorliegen, können nicht in den automatisierten Gleichlauf einbezogen werden. Zwar besitzen sowohl der CDJ wie auch DJM einen Beat-Counter. Allerdings lässt sich die so ermittelte Taktgeschwindigkeit nicht als MasterBPM nutzen. Ebenso können die Rekordbox-Daten, wie bereits erwähnt, nicht auf CD exportiert/gebrannt werden. Das Medium CD wäre ohnehin viel zu träge für den neuartigen DJ-High Speed-Aktionismus.

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Was unter dem Strich bleibt, ist eine sensationelle Tool-Erfahrung, die leider in dieser netzwerkverbundenen Konfiguration bestehend aus mindestens zwei CDJ-2000nexus plus DJM2000nexus (plus ggf. weiterer Zusatztools) Sinn macht. „Leider“, weil damit dann auch mal eben fast 6.000 Schleifen über den Ladentisch wandern. Der kreative Spaß und Zusatznutzen ist jedoch selbst mit Gold kaum aufzuwiegen. Übrigens gerade wegen der Sync-Funktion, welche überhaupt erst den zeitlichen Freiraum für die gigantischen und in atemberaubender Geschwindigkeit durchführbaren Effekt-, Mix- und Remix-Optionen schafft. Und wo würde die Tanzmusik wohl heute stehen, hätte es nicht auch in der Vergangenheit nicht bereits Hilfsfunktionen wie den Arpeggiator, Step-Sequencer und Sync-Boxen gegeben? Kaum ein Track, dem diese Automatisierungen nicht zugrunde lagen. Ein Produzent und Advanced DJ ist eben keine Band. Gerne weisen wir noch darauf hin, dass es den Player auch als kleinere (und entsprechend günstigere) DJM-900nexus Variante gibt. Ebenso den Mixer. Allesamt auf Wunsch auch in Weiß. Und sogar als nochmals reduzierte CDJ/DJM-Bundles in unterschiedlicher Zusatzusstattung. / Matthias Thienel

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Pioneer CDJ-2000nexus Multiformat DJ-Player Nutzbare Medien: iPhone 3/GS und 4/GS, iPad ab 3. Generation, iPod Touch ab 3. Generation, Android Geräte (Phones, Tablets ...), USBSpeicher (Flash, Festplatten ...), SD/ SDHC-Karten, Computer (Mac, PC) abspielbare Formate: MP3, AAC, WAV, AIFF, Audio-CD, CD-R/RW, DVD±R/RW/R-DL Anschlüsse: 1 Audio-Out (Cinch), 1 Digital Out (coax.), 1 Pro DJ Link / LAN, 1 Control (Miniklinke), 1 USB-A, 1 USB-B, 1 SD Card Slot Hauptmerkmale: 206mm Jogwheel, Needle Strip Ribbon, WLAN, Wi-Fi Control, Beat Sync / Master Play, Wave Zoom, Quantize, verbessertes Master Tempo, Slip Mode, Active Loop, Emergency LoopSlip Mode, Beat Countdown, Phase Meter, MIDI/HID Control Preis: 1.899 EUR UVP

Pioneer DJM-2000nexus Digitaler 4-Kanal-Effektmixer Anschlüsse: 6 CD/Line-In (Cinch) 2 Phono-In (Cinch) 4 Digital-In (coax.) 1 Mikrofon-In (XLR/Klinke) 2 Master-Out (Cinch, XLR) 1 Booth-Out (Klinke) 1 Rec-Out (Cinch) 1 Digital-Out (coax.) 1 Kopfhörer (Klinke) 1 Send / Return (Klinke) 1 MIDI-Out 1 USB (Typ B) 6 Pro DJ Link / LAN (2 Computer, 4 Player) Audio: Abtastfrequenz 96 kHz, D/A-Wandler 32 Bit, A/D-Wandler 24 Bit, Frequenzgang 20 Hz – 20 kHz, Klirrfaktor 0,004 % oder niedriger Hauptmerkmale: 15 cm Multitouch-LCDisplay, 7-Band Frequency Mix, Sidechain Remix, Beat Slice, Syncund MIDI-Mode, Live-Sampler, Dreiband EQ/Isolator pro KanalCrossfader frei zuweisbar Effekte: Inst FX mit Filterregler pro Kanal: High Pass Filter, Low Pass Filter, Jet, Zip, Crush, Noise Beat Effects mit 3-Band-Effektfilter-Control: Delay, Multi Tap Delay, Roll, Reverse Roll, Trans, Gate, Echo, Reverb, Slip Roll, Filter, Phaser Preis: 2.299 EUR UVP

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

Ableton Push / Einer für alles

Ableton Push Ein e r für

ALLES von Björn Torwellen

Der Shootingstar der Messen und Musikelektronik Shows wird dieses Jahr wohl der neue Controller von Ableton sein. Der Push wirkt mit seinen 64 Anschlagsdynamischen Tasten zuerst wie die große Konkurrenz der Maschine von Native Instruments, doch die Hardware aus dem Hause Ableton (in Kooperation mit Akai) kommt noch ehrgeiziger daher.

ativität von Ableton, gebündelt in deinen Fingern. Aber auch die berührungsempfindlichen Drehregler mit ihren Displays bieten die volle Kontrolle. Alle wichtigen Informationen werden in das Display übertragen. Teilweise hat man das Gefühl, mit einer eigenständigen Hardware zu arbeiten.

Ok, was kann das Teil? Nun, dass ein Controller die Brücke zwischen Mensch und Maschine schlägt, sollte ja bekannt sein. Der Push ermöglicht es, alle Instrumente und Effekte live zu steuern. Aber auch das Navigieren in den beiden Ansichten geht ziemlich leicht von der Hand. Das Arrangieren einzelner Clips während einer Live Performance oder Studio Session ist ähnlich wie beim Launchpad von Novation möglich. Aber der Push ist mehr als ein Controller – in seinem Herzen ist er auch ein Instrument.

Zum Schluss noch ein paar harte Fakten. Der Push kommt mit USB-Anschluss daher, über den er auch seinen Strom bezieht. Das Ganze passt in jeden Rucksack und auch in jeden Geldbeutel, denn mit 499 EUR ist der Push schon fast ein kleines Schnäppchen. Wer nun richtig heiß geworden ist, sollte sich unbedingt mal die zahlreichen Promovideos anschauen die im Netz so kursieren. Danke Ableton, ich freue mich! / Björn Torwellen

Es regt sich eine gewissen Freude in mir, wenn ich das Gerät in Aktion sehe. Der Computerbildschirm wird bald überflüssig, ganz egal ob es darum geht, einen neuen Beat zu kreieren oder mit Loops zu jonglieren. Aber nicht nur als Beatmaschine macht der Push riesen Spaß, auch als Instrument. Mit ein wenig Übung können Noten und ganze Akkorde gespielt werden. Durch die bunten Taster können wichtige Spielhilfen generiert werden, die zu ganz neuen, abstrakten Klangkonstrukten führen. Genial! Die gesamte Power und Kre-

Ableton Push 64 Pads mit Anschlagsdynamik und Aftertouch 8 berührungsempfindliche Drehregler LCD-Display Stromversorgung über USB

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www.ableton.com/de/push


Rausgehen

FAZEmag / 012 / Februar 2013

CORONA EXTRA CLUBTOUR START + KATERMUKKE 08.02.13 + 16.02.13, Kesselhaus, Volkhartstr. 14, Augsburg.

FOCUS ON ... TORSTEN KANZLER 22.02.13, Butan Club, Auf der Bleiche, Wuppertal. Ab 22 Uhr

Torsten Kanzler ist wohl das, was man einen echten Vollblutmusiker nennt. Die Woche überwiegend im Studio anzutreffen, bastelt er dort fleißig an immer wieder neuen Ideen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich sein Sound enorm weiter entwickelt hat. Ein schier unendlicher Output an Bleeps, Burps und Zischs, die detailverliebt arrangiert werden. Dazu ein ordentlich wummernder Bass, das ist die Marschroute, für die er steht. Trotz alledem bleibt der Abstract-Künstler sich treu – es ist immer noch harter Techno, und spätestens wenn die Kick einsetzt, weiß man, da steckt doch irgendwie der Kanzler hinter. Torsten Kanzler ist seit eh und je für eine kompromisslose, treibende Bassline bekannt. An diesem Abend sind im Wuppertaler Butan Club alle Augen auf ihn gerichtet, wenn er die Finger auf die Regler legt und den Tanzflur beschallt. Außerdem in dieser Nacht dabei sind OverloadBetreiber Salvatore Polizzi, Butan-Veteran Stefan Waldschmidt und Jan Hanke. Einer gelungenen Nacht steht demnach nichts mehr im Wege. Es sei denn, ihr kommt am Türsteher nicht vorbei.

Das Kesselhaus in Augsburg gehört u. a. schon durch seine imposante Erscheinung zu einem beliebten Ziel der dort wohnhaften Nachtschwärmer. Aber auch das LineUp kann stets was. Im Februar präsentiert man euch gleich mehrere vielversprechende Abende. Am 8. Februar z. B. feiert Corona hier die Premiere der 40 Topplocations umfassenden Corona Extra Clubtour. Im Gepäck hat man mit dem Schweizer DJ Antoine einen Überflieger, der international kommerzielle Erfolge feiert und nicht zuletzt mit seinem Remix von „Welcome To St. Tropez“ einen Hit geschaffen hat, der nicht mehr nur in den Clubs, sondern auch in den Charts und im Radio ganz vorne mit spielt. Rund eine Woche später – am 16. Februar – ist das Kesselhaus ganz in Berliner Händen. Das derzeit wohl umtriebigste Label Katermukke zelebriert einen ihrer Labelabende. Somit bitten mit David Dorad, Britta Arnold und Sascha Cawa gleich drei der berühmt-berüchtigten Bar25bzw. Katerholzig-Akteure zum Tanz. Das dies sowohl weird, als auch extrem lange gehen kann, wissen trainierte Hauptstädter und deren Besucher nur all zu gut. Da soll mal einer sagen, dass im Süden nicht so viel geht. Kesselhaus – the place to be im Februar, meine Damen und Herren.

www.butanclub.com

www.kesselhaus.eu

LineUp: Torsten Kanzler, Jan Hanke uvm.

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LineUp: DJ Antoine (08.02.) + David Dorad, Britta Arnold, Sascha Cawa (16.02.)


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18 JAHRE DOCKLAND 23.02.13, Heaven + Fusion, Münster. Ab 23 Uhr LineUp: The Disco Boys, Niels Liebich, M.A.N.D.Y., Andhim, Steve Six, Khetama, Cutmaster Jay, Hen B, Michael Kruck, Jon Asher, Jan Barco, Kareem Wie gut, dass es Menschen in unserem Lande gibt, die aller Unvernunft ihr Studium schmeißen, um sich ganz ihrer Vorliebe für elektronische Musik und dem Nachtleben hinzugeben. Denn genauso entstand vor 18 Jahren am Münsteraner Hafen das Dockland, das bis 2004 einer der beliebtesten Party-Hotspots war. Zwar nicht mehr im Dockland, aber in den darauf aufbauenden Clubs Heaven und Fusion, wird nun die Volljährigkeit einer Firmenära gefeiert. Am 23. Februar bittet das Heaven mit den Disco Boys zum Tanz, im Fusion wird mit Andhim und M.A.N.D.Y. angestoßen. Da kann man wohl davon ausgehen, dass nicht vor dem Morgengrauen ein Ende er Party in Sicht ist. Man wird schließlich nur einmal 18.

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WE ARE CARNIVAL 10.02.13, 102, Bockholtstr. 102, Neuss. Ab 18 Uhr LineUp: Joseph Capriati, Alan Fitzpatrick, AKA AKA live, Joey Daniel u.a.

Doch im Geburtstagsmonat gibt es noch mehr: Am zweiten Samstag im Februar startet mit Soul Heaven ein neues Event für alle Liebhaber urbaner Sounds.

Das Rheinland ist im Feiermodus. Das ist beinahe immer so, zur fünften Jahreszeit aber besonders. Neben Köln und Düsseldorf gibt sich auch Neuss dem Karneval hin und öffnet das 102 zum wilden Treiben. Aber auch Nicht-Karnevalisten sind hier gern gesehen und kommen auf ihre Kosten. Techno-Freaks, House-Jecken, Wochenend-Zombies und Selbstdarsteller verschiedenster Couleur tanzen statt schunkeln auf den zwei Areas der Location. Auf dem Mainfloor kommt der Sound hierfür vom Drumcode-Künstler Josehp Capriati aus Italien, der mit seinem energetischen Technoset für mehrere Stunden schweißtreibenden Vernügens sorgen wird. Ebenfalls auf Drumcode beheimatet ist Alan Fitzpatrick, der es seinem Kollegen gleichtun wird. Support gibt es von Oliver Klein und Raphael Dincsoy. Auf dem oberen Floor erwarten euch AKA AKA live, Joey Daniel und Don Kirschbaum. Verkleidet oder nicht, dabei sein ist alles.

www.dockland.de / www.heaven-muenster.de / www.fusion-club.de

www.hundertzwei.com

PAROV STELAR BAND

ZEDD Zedd ist einer der Künstler unserer Zeit, die in den letzten Jahren in Sachen Fankreis enormen Zuwachs erfahren haben. Ausschlaggebend hierfür war seinerzeit seine Entscheidung, dem bereits berühmten Kollegen Skrillex seine Tracks zukommen zu lassen, der diese mit Vorliebe in seine vielgehörten Sets einbaute. Als er ihm dann noch die Chance bot, ihn auf seiner Tour durch Europa und die Staaten zu supporten, gab es für Zedd kein Halten mehr. Sein melodiöser Breitwandsynthie-Sound sorgt für ausgelassene Partystimmung, wo immer der gebürtige Russe auftaucht, und das ist in diesem Monat gleich vier Mal in ganz Deutschland.

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Langsam aber stetig hat Parov Stelar in den vergangen Jahren nach und nach die Musikwelt erobert. Trotz typisch österreichischer Zurückhaltung ist es ihm gelungen, sich einen riesigen Anhängerstamm aufzubauen, so dass inzwischen seine Konzerte schon im Vorfeld nicht selten ausverkauft sind. Sein retroesker Sound unter Zuhilfenahme verschiedenster Stilelemente und Samples aus Soul, Pop, Jazz und Swing trifft den Geschmack der Massen mehr und mehr und macht seine Konzerte zu einem absoluten Klangerlebnis. Beatig und groovig kann hier über die Dauer von eineinhalb und mehr Stunden getanzt werden, vereinen sich bei Parov doch Eleganz und Energie wie sonst nirgendwo.

20.02.13, München, Yip Yab 21.02.13, FFM, Zoom 22.02.13, Hamburg, Waagenbau 23.02.13, Köln, Bootshaus

21.02. Dresden, Alter Schlachthof 15.02. Stuttgart; LKA-Longhorn 23.02. Erlangen, Heinrich-Lades-Halle 20.02. Wiesbaden, Kulturzentrum Schlachthof e.V. 16.02. Hamburg, Docks 22.01. Bielefeld, Ringlockschuppen 17.02. Hamburg, Docks 27.02. München, Freimann

www.zedd.net

www.parovstelar.com


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Rausgehen

ESBEN AND THE WITCH Schon das Video zu „Marching Song“ erregte seinerzeit dank seiner düsteren Morbidität Aufsehen. Das Debütalbum „Violet Cries“ präsentierte den dazu passenden, ebenso morbiden Sound, und schnell hatten Esben And The Witch mit „Nightmare Pop“ ein neues Genre kreiert. Jetzt ist mit „Wash The Sins Not Only The Face“ der zweite Longplayer der Briten erschienen, das mehr traum- als alptraumhafte Songs präsentiert. Über die Umsetzung ihres Sounds auf der Bühne spielen Live-Drums eine wichtige Rolle, aber auch das passende Licht, verriet uns Sänger Daniel Copeman letzten Monat im Interview: „Wir versuchen, eine besondere Stimmung zu erzeugen, das funktioniert in Stadien einfach nicht, daher lieben wir die kleineren Clubs.“ Dann mal nichts wie hin.

ADANA TWINS 16.02.13, Fusion Club, Am Hawerkamp 31, Münster. Ab 23 Uhr LineUp: Adana Twins, Luna Tom, Da Hunter

16.02.13, Münster, Gleis 22 17.02.13, Hamburg, Knust 18.02.13, Berlin, Bi Nuu 19.02.13, München, Ampere 22.02.13, Köln, Gebäude 9

Am dritten Samstag im Februar können sich die Partygäste des Münsteraner Fusion Club auf ein ganz besonderes Highlight freuen: Die musikalischen Zwillinge aus Hamburg namens Adana Twins werden an diesem Abend die Meute zum Tanzen bringen. Ihre Single „Juicy Fruit“, die bei Kollegen und Fans gleichermaßen auf Begeisterung stieß, zeugt davon, dass sie eindeutig zur deutschen DJ-Elite gehören. Als Support sind außerdem noch Luna Tom und Da Hunter mit am Start. Für schlanke acht Euro im VVK seid ihr dabei.

www.esbenandthewitch.co.uk

www.fusion-club.de

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Österreich / envloop Records

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envloop Records E in e Ta sche vol ler S o u nd

„Schuld dran“ sind eigentlich die gebackenen Bohnen: Irgendwann 2009 saßen die beiden Bremer Ralph Klenke aka Mightiness und Michael Gahleitner aka Relate beim Frühstück an der Weser und zelebrierten Relates Rückkehr aus London und die tags darauf geplante Weiterreise nach Salzburg/Österreich zünftig und stilecht mit britischem Frühstück. Alles war perfekt – Tee, Orange-Jelly, Bohnen, Würstchen und Eier. Bloß die Musik, die aus dem MP3-Player dröhnte, die ließ zu wünschen übrig. Was tun?

Zurück in Salzburg und Linz/Österreich traf sich Nordlicht-AustroExport Relate alsbald mit Austro-Elektronik-Urgestein Hillberg aka Hilmar Gammler, der seit seiner Zeit in Liverpool/UK einem vor Fett triefenden englischen Frühstück ebenfalls nicht abgeneigt ist, und der Beschluss, ein Label zu gründen, war gefasst. Erfahrungen, wie es geht, brachte zunächst mal Relate und Mightiness ein, die bereits einige Jahre zuvor mit Mightiness Records ein in Fachkreisen geschätztes Drum’n’Bass-Label an den Start gebracht hatten. Und auch Hillberg konnte einiges beisteuern – so hatte er auf seinem ersten Label D.N.A. Records aus dem Jahr 2000 bereits Artists wie Marcus Füreder – besser bekannt unter seinem heutigen Künstler-Pseudonym Parov Stelar – gesignt.

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Die ersten Tunes waren schnell gefunden, doch wer sollte das alles remixen, und vor allem: Sollte das frisch aus der Taufe gehobene Label nun ein Drum’n’Bass-Label, ein Elektrohouse-Label oder was nun werden? Die Antwort: Ein Rundruf bei alten Freunden in Österreich, Deutschland, New York und Liverpool ergab, dass so manche alte Freunde mittlerweile „Karriere“ gemacht hatte und doch freudig zusagte. Zum anderen zogen die drei Labelbosse ein Konzept aus dem Hut aus längst vergangenen Jahren, als solide Labels sich ebenfalls nicht auf bestimmte Genres festlegen ließen, sondern munter brachten, was den Betreibern gefiel. Diesen „Spirit of the old“ hat enveloop Records längst zur Kunst und Label-Philosophie erhoben: Geleast wird, was gefällt; und Genrevielfalt ist das Konzept: Kein Release, das nicht von Electrohouse bis Drum’n’Bass oder Dubstep über Old-School-Breakbeat mehrere Stile abdeckt. Im kommenden

Sommer wird sogar ein Release gewagt, auf dem die bislang beiden erfolgreichsten Veröffentlichungen zusätzlich in „Unplugged“Versionen der aus Lanzarote stammenden Band Emmiel zu hören sein werden. No Go oder das Konzept der Zukunft? Forward into the past oder back to the future? Was diesbezüglich als absolutes elektronisches Musik-No-Go begann („[...] die 2000er Generation braucht klare Vorgaben, so verwirrt ihr das arme Publikum viel zu sehr [...]“ lautete ein gut gemeinter Rat aus Anfangstagen) ist in den vergangenen beiden Jahren zum Erfolgsrezept avanciert: Zunächst zaghaft, dann immer mehr zeigte sich, dass eine große Sehnsucht besteht, Electronic Music wieder so zu präsentieren wie in ihren Anfangszeiten: International und transkontinental verbindend, das bringen, was Spaß macht und sich gut anhört: Ein britisches Frühstück besteht ja auch nicht nur aus Würstchen allein. Artist aus dem Austro-Inland und dem Ausland gewinnen dem Konzept immer mehr ab: Vor allem über die Komplimente von Artists wie Clemens Neufeld, Parov Stelar, Billie Ray Martin, Laurent Garnier oder General Midi oder Meat Katie freut man sich bei envloop ganz besonders. Mittlerweile an Release Nummer 010 arbeitend, fuhr die Österreich/Deutschland/England/USA-Connection auch schon respektable Erfolge ein: 2010 etwa mit „Don’t Stop Robot“ von Struboskop mit Jazz-Queen Violetta Parisini, mit „Giving Up On Love“ der beiden


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Österreich / envloop Records

UK-Artists Kooky und UK-Legende Pat Fulgoni sowie mit „When the Bass Drops“ des New Yorker Hipstep- und HipHop-Ausnahmetalents I-Cue und der US-“Queen of Glitch“ Ill-Esha – letztlich schaffte es der Tune in das Programm von 200 Radiosendern weltweit und erhielt großartigen Response.

Tex – und natürlich, dass der Drum’n’Bass-Remix von „Giving Up On Love“ von Mightiness die heiligsten Foren Englands gestürmt hat.

„Ständig neue Kooperationen finden, sich für alles interessieren und offen sein“, so beschreibt auch Hillberg den „neuen“ alten Background von envloop, und „Keep On Raving, Friede, Freude, Rock’n’Roll!“ Und so bedeutet jedes neue Release des Labels auch, neue Artists zu präsentieren und zu connecten, oder altgediente in neuem Kontext zu entdecken: Neben den bereits erwähnten I-Cue und Osyssey aus New York und Frozen Smoke und Kooky und Pat Fulgoni aus Liverpool, Violetta Parisini und Struboskop aus Wien gab es etwa auch ein Release mit den New Yorker „Liquid Sky“-Legenden Carlos Soulslinger und TC Islam, Remixe des „Newcomers“ Peter Kreuzer, Head von „La Rochelle“, deren Jazz-House-Remix für Max Raabe eben dieser Tage erscheint. Besondere Freude bereitet den Music-Lovers auch die Zusammenarbeit mit Fire-Music Records des Austro-Urgesteins D-

„Doch eigentlich legen wir 2013 erst richtig los“, lässt envlooper Mightiness aus seinem neuen Hamburger Domizil verkünden. „Releases von und mit Syntax E aus Berlin, Techno-Legende Jeyenne, Italo-Producer Italo Brutalo aus München, ein neues Projekt mit Austro-Underground Legende Didi Bruckmayr, das Sommer-Release und vieles mehr steht heuer an.“ So lässt auch dirty oldskool man Hillberg keine Spur von Altersmüdigkeit erkennen: „Dazu ein neues Spin-Off-Label für experimentellere und schrägere Tunes ab Februar – Arbeitsname: Brathering-Shandy Records“, erzählt der gelernte Linzer Hillberg, der tatsächlich bereits 1980 seine ersten elektronischen Sounds produzierte: „Eine sprichwörtlich lange Geschichte“, lacht er. „Geendet hat es damit, dass ich und mein Kumpel Conrad Schnitzler (Tangerine Dream, Cluster) als Roadies sein Equipment durch Linz getragen haben und glatt zwei Wochen später – von ihm persönlich schwer inspiriert – die erste Elektronik-Band gründeten. Mit 17!“ Doch das Wichtigste ist der weit verstreuten Crew („Wir danken den Mächten des Himmels für die Erfindung von Skype und Billigflügen!“), dass nun endlich „guter Sound, zu dem auch wir abgehen können“, aus den Frühstücks-Buffet-Lautsprechern schallt. Ein Tee darf nachgegossen werden. / Uwe Moran

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Der blaue Pulli

Man könnte schon sagen, dass sich die Dinge heutzutage immer schneller entwickeln, oder? Zum einen fragt sich jeder, wo der Trend hingeht, und zum anderen will jeder der Erste sein oder am besten der Trend selbst. Was ist nur los heutzutage, wo man sich schon als nerdiger Anfänger Gedanken über sein Image machen muss, um in seinem Genre als cool und glaubhaft rüberzukommen? Ist das wirklich alles so wichtig, frage ich mich. Muss mein Outfit zum Set passen? Brauche ich 200.000 gekaufte Facebook-Likes? Darf ich wirklich keine Interviews geben oder gar Fotos von mir machen lassen? Soll ich eine Maske tragen? Was ist mir den ganzen netzgehypten Kindern wie Falscher Hase und Co., die auf „Junge von nebenan“ machen und dann doch klar den Erfolg wählen und ihn auch suchen. Ist es die Suche nach Ruhm, die uns heute alle so agieren lässt? Ist das nur Mache oder ist das echt? Man kann sich vieles fragen dieser Tage.

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FAZEmag / 012 / Februar 2013

Wenn man so lange im Musikgeschäft ist, wird einem auch vieles fremd. Nicht, dass man es nicht verstehen kann. Nein, eher fehlt einem der Sinn hinter vielem. Muss jede Zeitung ein DJ-Voting machen? Ist diese leidige Diskussion über Underground und Kommerz nicht längst hinfällig? Zum Beispiel ist die sehr erfolgreiche „Sonnentanz“-Nummer von einem einzigen Ordner einer SamplingCD zusammengebastelt. Drag and Drop quasi, ein paar Effekte, fertig ist die Top 10-Nummer. Ist das cool? Klar muss man das auch erst mal machen, aber sich jetzt hinstellen und erzählen, man möchte den Jazz zurück in die Housemusik bringen, gleichzeitig aber schon Gagen verlangen wie ein Calvin Harris, und dann das Ganze im Gegenzug wieder verurteilen, das ist doch schräg. Mmh na ja, ziemlich bekloppte Doppelmoral, wenn man mich fragt. Die Sampling-CD habe ich übrigens per Zufall gefunden. Auf der anderen Seite macht Besagter Calvin Harris dann einen Hit mit Rihanna und schafft das dann auch noch mit nur einer Note. Das ist großes Songwriting, meine Damen und Herren. Das zeigt sehr großes Können. Somit ist diese Diskussion über cool und nicht cool doch eher sinnlos. Ich verstehe sowieso nicht, warum sich die ganze elektronische Musik neuerdings über gut/cool

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und schlecht/Guetta definiert und nicht wie in den 90ern über Spaß. Wo ist es hin, das „Peace, Love & Unity“-Gefühl? Alles weg? Mit der Loveparade verschwunden? Wenn ich noch mal mit ansehen muss, wie ein DJ seine Fans auf der Tanzfläche in die Knie gehen lässt, dann muss ich kotzen. Das haben wir schon 1995 im Space gemacht, also lasst euch doch bitte was etwas Neues einfallen. Die Kiste ist jetzt fast 20 Jahre alt. Und ich kann auch nicht mehr so gut in die Knie gehen mittlerweile. Ein Freund hat mich neulich gefragt ob ich nicht die Geschichte vom blauen Pulli kenne? Ich verneinte. Er meinte, ich hätte doch „Der Teufel trägt Prada“ gesehen und eben die Szene, in der der schwule Assistent der Neuen mit dem blauen Pulli erzählt, dass genau dieser Pulli mal von einen unglaublich großen Designer erfunden worden sei, alle großen Magazine hätten darüber berichtet und ihn für das Neuste und Schickste befunden. Nach einiger Zeit kommt der blaue Pulli dann in die Kaufhäuser, und nach noch mehr Zeit findet man ihn für zwei Dollar auf dem Wühltisch. Ja, sagte mein Freund, und die Geschichte vom blauen Pulli ist wie Housemusik. Es ist heutzutage der Klon vom Klon vom Klon. Deswegen fehlt uns allen etwas darin. Es war nämlich alles schon da in diesem Genre, und es wartet nur sehnsüchtig darauf, neu erfunden zu werden. Ich hoffe, das passiert bald und irgendeiner findet den Schlüssel. Denn dann können sich alle die ganze Show endlich sparen und wieder Musik hören und genießen! Etwas, das verlorengegangen zu sein scheint auf vielen Partys heutzutage. Dies ist auch nicht die übliche „Früher war alles besser“-Nummer, sondern eher die Suche nach Hoffnung in diesem Irrgarten von vielen bad Vibes. So wird es nämlich nicht besser, sondern so geht viel kaputt, finde ich. Und wenn man sich den Overkill da draußen so ansieht, dann hofft man insgeheim, dass sich das alles bald erneuert oder zumindest gesundschrumpft. Bis zum nächsten Monat. Euer Tom

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FAZEmag 02/13  

Die Februarausgabe des FAZEmag

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