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Bewahrung der Schöpfung

Brot für alle Monbijoustrasse 29 Postfach 5621 3001 Bern Tel. +41 31 380 65 65 bfa@bfa-ppp.ch

F ASTENOPFER Alpenquai 4 6002 Luzern Tel. +41 41 227 59 59 mail@fastenopfer.ch

o eku Kirche und Umwelt Postfach 7449 Schwarztorstrasse 18 3001 Bern Tel. +41 31 398 23 45 info@oeku.ch

Impressum Koproduktion von Brot für alle, Fastenopfer und oeku Kirche und Umwelt Auflage: 6840, September 2012 Konzept und Gestaltung: Clerici Partner Design, Zürich Druckerei: Cavelti Druckerei, Gossau Papier: Cyclus Recyclingpapier

Schritt für Schritt zu mehr Nachhaltigkeit Die Schweiz lebt auf zu grossem Fuss. Würden das alle Menschen im gleichen Masse tun, müsste unser Planet bereits jetzt mehr als zweieinhalbmal mehr Ressourcen zur Verfügung haben. Damit untergraben wir einen Grundsatz unseres christlichen Glaubens und Handelns: die Bewahrung der Schöpfung. Auch Pfarreien und Kirchgemeinden sind gefordert, der fortlaufenden Zerstörung unserer Mit- und Umwelt entgegenzuwirken. Die vorliegende Handlungsanleitung von Brot für alle, Fastenopfer und oeku lädt Sie mit konkreten und einfachen Vorschlägen dazu ein und begleitet Sie dabei gerne.


Der erste Schritt zu mehr Energieeffizienz

Der erste Schritt zu mehr Energieeffizienz Energie sparen

In der Schweiz verbrauchen wir pro Kopf 6300 Watt; dies entspricht mehr als hundert permanent brennenden 60-WattGlühbirnen pro Person. Das ist sechzigmal mehr, als ein Bewohner Bangla­deschs benötigt. Dies können wir ändern, ohne kalte Füsse zu bekommen.

Beim Heizen > Heizen Sie die Kirche und Kirchgemeinderäume nur dann, wenn sie auch wirklich gebraucht werden. Ansonsten die Temperatur auf 8 bis 12 Grad absenken; das Gebäude und das Inventar nehmen dabei keinen Schaden. > Führen Sie kleinere Anlässe im Winter statt in der Kirche in einfach heizbaren Räumlichkeiten durch. > Installieren Sie eine programmierbare Steuerung zu Ihrer Heizung. > Eine Nutzungstemperatur von 18 Grad während des Gottesdienstes reicht aus. Eine schöne Atmosphäre mit warmen Farben erhöht die gefühlte Raumtemperatur dafür merklich.

Energieverbrauch erfassen und einsparen Eine Vorstellung über den Energieverbrauch in Ihrer Kirch­ gemeinde erhalten Sie mit der Führung einer Energiebuchhaltung. Sie liefert ohne gros­sen Aufwand die Informationen für eine fundierte Entscheidung, wo und wie Energie eingespart werden kann. Danach fällt Energie sparen leicht.

Eine Energiebuchhaltung führen

Beim Lüften > Fünf bis zehn Minuten Stosslüften ist sinnvoller als Daueroder Kippflügellüften.

Informationen zusammentragen Informationen über den Energieverbrauch Ihrer Heizung oder Ihren Stromverbrauch können den Rechnungen Ihres Strom­-­ versor­gers ent­nommen oder direkt am Zähler abgelesen werden.

Erfolge feiern Indem Sie die Verbrauchszahlen über die Jahre hinweg vergleichen und innerhalb der Kirchenpflege besprechen, können Sie die Wirkung der Massnahmen beurteilen. Die Zahlen werden Ihnen zeigen, dass bereits einfache Massnahmen den Energiebedarf senken.

Neues Heizregime in der Heiliggeistkirche Die Berner Heiliggeistkirche hat im Jahr 2009 begonnen, über den Energieverbrauch Buch zu führen. Dank dem Einbau einer optimierten Heizsteuerung und einem neuen Heizregime wurden seither 30 Prozent Heizkosten eingespart.

Foto: Kurt Aufdereggen

Foto: Kurt Aufdereggen

Buch führen Die Verbrauchserfassung erfolgt einmal im Jahr. Benutzen Sie die von uns vorgefertigte Excel-Tabelle «Energiebuchhaltung», die Sie auf den Websites von www.oeku.ch, www.brotfueralle.ch/ klima und www.fastenopfer.ch/klima vorfinden. Tragen Sie den Ener­gie­verbrauch Ihrer kirchlichen Liegenschaft in die Tabelle ein.

Beim Beleuchten

Christkatholische Kirche Bern im Winter nicht beheizt In der kalten Jahreszeit feiert die christkatholische Gemeinde Bern ihre Gottesdienste in der Krypta. Dieser sakrale Raum der Kirche St. Peter und Paul dient als «Winterkirche», der grosse Kirchenraum wird hingegen im Winter nicht beheizt.

> Wenn Sie einen Raum verlassen, schalten Sie immer das Licht aus. > Installieren Sie Bewegungsmelder in Treppen­häusern und Foyers. > Die aktuell beste Beleuchtungstechnik finden Sie unter www.topten.ch.


«Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Von ihm kommt die Energie für alles in allen.»

(1.Kor 12,6)

Die gute Energie (griech. en-ergon) kommt von Gott, doch sinnvoll und effizient damit umzugehen, das ist die Aufgabe der Menschen.

Links und weitere Informationen

Die Tabelle «Energiebuchhaltung» und den Leitfaden «Energie sparen und Klima schützen» für Kirchgemeinden (A4, 40 Seiten) finden Sie als Download unter: www.oeku.ch www.brotfueralle.ch/klima www.fastenopfer.ch/klima Weitere nützliche Websites: www.energieschweiz.ch www.energiefranken.ch


Der erste Schritt zu mehr Artenvielfalt

Der erste Schritt zu mehr Artenvielfalt

Herbergen für Wildbienen bauen

Von den rund 10 000 in der Schweiz untersuchten wild lebenden Tier- und Pflanzenarten ist ein Drittel gefährdet. Bereits mit kleinen Massnahmen können wir die Artenvielfalt fördern.

Hängen Sie Nisthilfen für Wildbienen auf. Diese Insekten sind friedfertig und greifen Menschen nicht an, sind aber wichtig für die Bestäubung von Obstbäumen, einheimischen Sträuchern und Blumen. Mit wenig Aufwand können Sie auch zusammen mit Kindern ein Bienenhotel bauen und aufhängen. (Anleitung siehe Rückseite.)

Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen Je vielfältiger die Grünflächen rund um die Kirche gestaltet sind, desto grösser ist die Tier- und Pflanzenvielfalt. Mit einer Blumenwiese, einheimischen Sträuchern und dem Bau eines Wildbienenhotels können Sie die Artenvielfalt fördern.

Gute Voraussetzungen für Vögel und Fledermäuse schaffen Erhalten Sie bestehende Nistplätze und Fledermausquartiere. Lassen Sie Einschlupflöcher zum Dachstock und Kirchturm offen. Empfindliche Strukturen schützen Sie am besten mit Gittern. Verzichten Sie bei Fledermaus-Einflugstellen auf Aussenbeleuchtung. Planen Sie Sanierungen der Kirche mit Fachleuten für Vögel und Fledermäuse.

Blumen säen

Einheimische Sträucher pflanzen Pflanzen Sie auf dem Friedhof und dem Kirchen­areal einheimische Kräuter, Stauden, Sträucher und Bäume an. Dornen‑ büsche sind wertvoll, weil sie kleinen Tieren ein Versteck bieten. Wild­sträucher wie Kornelkirsche und Schwarzdorn sind Nahrungsquelle für Hummeln, Schmetterlinge und Vögel. Er­ setzen Sie Sommerflieder, Kanadische Goldrute, Japanischen Knöterich und Kirschlorbeer mit einheimischen Sträuchern.

Es macht Spass, gemeinsam im Katechese- oder Konfirmanden­ unter­richt, in der Sonntagsschule oder im Familienkreis ein Wild­ bienenhotel zu bauen.

Der Friedhof: Ein Wohnort für Amphibien und Reptilien

Foto: Claudia Baumberger

Foto: Claudia Baumberger

Überlassen Sie einen Streifen des Kirchenareals der Natur! Mähen Sie den Rasen um die Kirche nicht wöchentlich, und lassen Sie Blumen wie Margeriten, Schlüsselblumen oder Wiesensalbei stehen. Im Fachhandel gibt es Samen für Blumenrasen. Verzichten Sie auf Gifte zur Bekämpfung von Unkraut, Schnecken oder Insekten. Das Gift tötet weitere Tiere und belastet die Umwelt.

Mit blütenreichen Gartenbeeten geht die reformierte Kirchge­meinde Enge in der Stadt Zürich mit gutem Beispiel voran.

Bauen Sie Verstecke: Altholzhaufen oder mit Holz kombinierte Steinhaufen. Schaffen Sie Inseln mit verfilztem Altgras. Ent­ schärfen Sie mögliche Kleintierfallen: Decken Sie Schächte mit Fliegengittern ab, versehen Sie Brunnen mit Ausstiegshilfen. Planen Sie einen Weiher nur gemeinsam mit einer Fachperson für Amphibien. Setzen Sie keine Fische in Ihrem Weiher aus.


Links und weitere Informationen

«Gott machte die Wildtiere nach ihren Arten, das Vieh nach seinen Arten und alle Kriech­ tiere auf dem Erdboden nach ihren Arten. Und Gott sah, dass es gut war.» (1.Mose 1,25)

Der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, bedeutet daher auch, ihre Vielfalt zu bewahren.

www.vogelwarte.ch / www.birdlife.ch Merkblätter für die Natur- und Vogelschutzpraxis und Anleitung zum Bau von Wildbienenhotels zum Herunterladen. www.karch.ch Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz www.fledermausschutz.ch www.cps-skew.ch (invasive Neophyten) www.pronatura.ch/ratgeber www.giftzwerg.ch www.bauen-tiere.ch www.vogelglas.info

Literatur: Amiet, F., Krebs, A., 2012: Bienen Mitteleuropas: Gattungen, Lebensweise, Beobachtung. Haupt Bern. Stocker, M., Meyer, S., 2012: Wildtiere: Hausfreunde und Störenfriede. Haupt Bern. Bundesamt für Umwelt (BAFU), 2011: Gebäudesanierungen: Vogel- und fledermausfreundlich. www.umwelt-schweiz.ch/ud-1034-d


Der erste Schritt zu weniger Papier

DER ERSTE SCHRITT ZU WENIGER PAPIER Fast 200 Kilogramm Papier pro Kopf be­nötigt durchschnittlich eine Person in der Schweiz pro Jahr. Das ist doppelt so viel wie in den 70er-Jahren. Um diese Menge Papier herzustellen, braucht es jedes Jahr einen Wald, der so gross ist wie der Zürichsee. Der Traum des papierlosen Büros wird sich nie er­füllen, aber der, weniger zu verbrauchen, schon. Beginnen wir heute damit!

Recyclingprozess kommt im Mix ganz automatisch ein genügender Anteil von neuen Fasern hinzu. Die Produktion von Recycling­ papier erfolgt in der Schweiz und schliesst mit der Sammlung von Altpapier den Kreislauf.

Warum auch in die Ferne schweifen? Berücksichtigen Sie Papierhersteller und –lieferanten sowie Druckereien in der Schweiz. Sie nehmen damit Ihre soziale Ver­antwortung wahr und sagen Nein zu tieferen Preisen zugunsten der Umwelt und der Schweizer Unternehmen.

GLEICHBLEIBENDE PAPIERKOSTEN Nicht gebrauchtes Papier ist das umweltfreundlichste Papier – und das günstigste noch dazu. Die Umstellung auf Recyclingpapier hat für Sie aber keine höheren Kosten zur Folge: Es ist etwa gleich teuer wie herkömmliches Papier. So wird auch das Portemonnaie nicht stärker belastet.

Recyclingpapier ist top von A bis Z Mit unserem Papierkonsum haben wir einen grossen Einfluss auf die Abholzung und Bewirtschaftung von Wäldern. Fast 50 Prozent der weltweiten Holzernte wird zu Papier und Karton ver­ arbeitet. Dabei kommt nur ein kleiner Prozentsatz des Holzes aus nachhaltiger Waldwirtschaft. Weltweit stammt über die Hälfte des Holzes, das für die Papierherstellung gebraucht wird, aus Urwäldern oder Plantagen.

Mit Köpfchen kaufen  –  und drucken Kaufen Sie Recyclingpapier, dieses gibt es heute in Topqualität. Überlegen Sie vor dem Drucken zuerst, welche Informationen auf Papier tat­sächlich nötig sind. Drucken Sie so wenig wie möglich aus, wenn immer möglich zwei Seiten auf ein Blatt und/oder doppelseitig. Übrigens: Für Drucker und Kopiermaschinen ist Recyclingpapier problemlos. Tropenholz gehört nicht in den Müll Kaufen Sie auch Toilettenpapier, Taschentücher oder Servietten usw. aus Recyclingfasern. Ver­sorgen Sie öffentliche Toiletten im Kirchgemeindehaus z.B. mit waschbaren Tuchrollen anstatt mit Papierhandtüchern.

Weltmeister bleiben im Sammeln Geben Sie Ihr Altpapier in die Sammlung. Die Papierfaser lässt sich nämlich fünf- bis sechsmal wiederverwerten. Bei jedem

Positivbeispiele Viele Organisationen wie die oeku brau­chen für Drucksachen und Büro­papier konsequent Recyclingpapier.

Blauer Engel Das Label garantiert, dass die Papier­fasern zu 100 Prozent aus Altpapier bestehen. Hohe Stan‑ dards sichern eine umweltfreund­ liche Produktion. Zum Beispiel ist der Einsatz von Chlor zur Papierbleichung verboten.

Die Holzplantagen für unser Papier stehen häufig in Entwicklungsländern. Dort gibt es zunehmend Probleme mit dem Boden, diverse Fälle von Landraub und Vertreibungen sind bekannt. Dabei werden die Lebensgrundlagen von Menschen und Tieren zerstört. Gemäss Studien schneiden auch FSC-zertifizierte Plantagen nicht viel besser ab. Verglichen mit der Herstellung von Frischfaser­papier braucht die Herstellung von Recycling­papier nur die Hälfte der Energie und des Wassers. Die Treibhausgasbelastung ist deshalb nur halb so hoch.


«Auf dem Wege der Gerechtig­ keit ist Leben, und auf ihrem gebahnten Pfad ist kein Tod.» (Sprüche 12,28)

Links und weitere Informationen

Ein Denk-Zettel, mehr wert als das Papier, auf dem es geschrieben steht.

Zur Büro-Ökologie www.fups.ch Ratgeber Papier: Förderverein für umweltverträgliche Papiere und Büroökologie FUPS Schweiz, in Zusammenarbeit mit Buwal und WWF (A4, 34 Seiten), www.fups.ch/ratgeber.php Klima-Arbeit www.brotfueralle.ch/klima www.fastenopfer.ch/klima

Foto: Synpa Benin

Landgrabbing: www.brotfueralle.ch/landgrabbing www.fastenopfer.ch/land

«Mein Land ernährt meine Familie. Mein Land braucht eine Stimme.» Salamatou Gazéré, Projektpartnerin von Brot für alle, engagiert sich in ihrem Heimatland Benin für eine nachhaltige Entwicklung.


Schritt für Schritt zu mehr Nachhaltigkeit