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Technik werden kann. Hierzu erläutert der Vorsitzende der Kyûdô-Federation Tôkyô Shikano Noburô 鹿野伸郎 den Zusammenhang zwischen Tanden-Atmung und Körperhaltung in einem von der Nihon Kezai Shinbun unter der Rubrik „Gesundheit“ zum Thema publizierten Artikel. Nach Shikano besteht die zentrale Rolle des Tanden in seiner verbindenden Funktion des unbewegten Unterkörpers und des beweglichen Oberkörpers. In der (vorseitig) abgebildeten Zeichnung kann man sich dies schematisch vor Augen führen. Das Tanden bildet die Nahtstelle zur Verwirklichung statischer und dynamischer Kriterien des dôzukuri, welche nicht unabhängig voneinander bestehen. An ihm werden Kräfte aufgenommen und strahlen wieder aus. Vor allem die diametral entgegenlaufenden Kräfteachsen linker Arm/rechtes Bein und rechter Arm/linkes Bein finden im Tanden ihre Schnittstelle. Bei guter Balance wird so der sichere Stand auf natürliche Weise durch die Kraft des Bogens unterstützt, indem bei richtiger Arm-/Schulterlinie die Kräfte zur Körpermitte hingelenkt werden und dort über die Beine in Richtung Boden abgeleitet werden. Neben den verschieden Positionen, die das Atmen betreffen, könnten noch viele weitere, besonders gesundheitsfördernde erwähnt werden, die hier zu erörtern leider kein Platz mehr bleibt. Anrecht auf Vollständigkeit will in dieser Hinsicht also gewiss nicht beansprucht werden. Ein Fazit mit einem sicher nicht voreiligen Schluss kann dennoch bereitgestellt werden: Von Unkonzentriertheit beim alltäglichen Training über Prüfungsangst bis hin zur Körperhaltung – wer bewusst atmen lernt, sollte zumindestens so manch unpassende Situation in den Griff bekommen, um sich die Technik am Bogen nicht noch schwieriger zu gestalten, als sie ohnehin schon ist. 2 Fabian Kommoß 25, Student der Japanologie und Ostasiatischen Kunstgeschichte (Text- und Bildrechte liegen beim Autor)

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Von Shomen zu Heki – Hambur g Ein Erfahrungsbericht; im begleitenden Eric, du bist aus beruflichen Gründen nach Hamburg gekommen. Wie oder wodurch hast du erfahren, dass du hier (weiterhin) Kyudo machen kannst? 1 Ich kam im August 2008 aus Delft in den Niederlanden nach Hamburg, um als Windturbinen-Entwicklungsingenieur für Mitsubishi zu arbeiten. Eine der ersten Sachen, die ich checkte, bevor ich hierher kam, war die Möglichkeit, hier Kyudo zu betreiben. Mein Lehrer in den Niederlanden, Jimmy sensei, sagte mir, dass ich im Alster Dojo bei Feliks sensei und seiner Frau Connie sensei die Gelegenheit zum Üben hätte. Er erwähnte außerdem, dass es ein sehr schönes und großes Dojo sei und dass ich mich glücklich schätzen könne, wenn Feliks sensei mich als Lernenden akzeptiert. Wie hast Du erfahren, dass wir in der technik der »heki ryu insai ha« schießen? Oder warst du schon darauf vorbereitet? 1 Ich hatte schon von Masaki sensei in Nagasaki (mein Lehrer, der mich ganz zu Anfang gelehrt hat) und von anderen Kyudo-jin in den Niederlanden gehört, dass der Heki-Stil in Deutschland der am meisten praktizierte Stil ist. Bevor ich hierher kam, kannte ich nur den geläufigen Shomen-Stil sowie ein bisschen von der Bishu Chikurin-ha. Daher habe ich bei YouTube und auch sonst im Internet nach Material über Heki im Allgemeinen geschaut, um zu sehen, worum es dabei geht. Aber natürlich ist es so völlig unmöglich, den Unterschied zwischen dem Shomen, das ich schoss, und dem HekiStil in Deutschland zu erfassen. So war ich nur wenig im Bilde, bevor ich nach Hamburg kam. Wie war dann die Umstellung tatsächlich für dich? 1 Nach der Pause meines ersten Trainings im Alster Dojo habe ich mich entschieden, zu Heki zu wechseln. Während der Pause hatte ich eine längere Diskussion mit Feliks

sensei darüber, ob man Schießstile wechseln sollte oder nicht. Obwohl er mich niemals zu etwas gedrängt hat, hatte ich das Gefühl, dass es einfach natürlicher sei, dem zu folgen, was er und all die anderen im Dojo machten. Insbesondere da die Dauer meines Aufenthalts in Hamburg ungewiss war. Das war der Grund, warum ich mich zum Wechsel entschloss und Feliks um seine Anleitung bat. Außerdem dachte ich, weil ich mich immer noch unerfahren fühlte, dass der Wechsel unmittelbar erfolgen sollte und nicht in einem späteren Stadium. Wie lange hast du gebraucht, bis dir dein Schießen wieder „normal“ vorkam? 1 Das ist eine schwierige Frage – weil ich nicht der Ansicht bin, jemals einen normalen Schuss hinbekommen zu haben ... Es geht immer etwas Fremdartiges in meinem Körper vor bzw. ich bekomme das Gefühl, dass ich es hätte anders machen sollen. Um letztlich eine stabile Form ausführen zu können, benötigte ich ein paar Wochen vor dem Makiwara. Was macht(e) dir bei Heki am meisten Schwierigkeiten? 1 Ich habe eine Menge Probleme und Schwierigkeiten im Kyudo erfahren, die nicht mit dem Heki-Stil als solchem zuammenhängen. Aber auf jeden Fall war eine der Sachen beim Heki-Stil, die mir am Anfang zu schaffen machte, dass die Kraft des Bogens schon während des Yugamae in den Körper eintritt. Zudem kommt die Kraft von unten. Beim Shomen war ich es nur gewohnt, dass die Kraft von oben und von oben allein über meine Schultern kam. Um es noch komplizierter (jedenfalls für mich) zu machen: Während des Uchiokoshi wechselt die Kraftrichtung von unten nach oben. Dieses, in Kombination mit der Drehung und einem etwas anders gesetzten Tenouchi, verursachte und verursacht noch immer eine Menge Verunsicherung für mich,

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ZANSHIN I.09  

Das Deutsche Kyudo Magazin (DKyuB e.V.) German Kyudo Magazine

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