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des Buddhismus gelangt ist, war sie im Kern bereits in der Konzeption altindischer Vorstellungen von Zeit und Raum verankert. Das Ein und Aus der Atmung war der zyklischen, kosmischen Urkraft gleich, in deren dynamischem Prinzip sich das Prinzip des Werden und Vergehens der Welt wiederholt. Die physiologische Wechselwirkung zwischen Atmung und Körper wurde in einer Studie des japanischen Professors Arita Hideho 有田秀穂 an der medizinischen Fakultät der Tôhoku-Universität einer näheren Untersuchung unterzogen (Arita, Hideho; Takahashi, Genboku 高橋玄朴: Koko Ichiban ni Tsuyoku Naru Serotonin Kokyûhô ここ一番に強くなるセロトニン呼 吸法. Tôkyô: Jiyûsha, 2002). Mittels der Elektromyografie – einem Verfahren zur elektronischen Messung von Muskelaktivität – konnte in einem Versuch nachgewiesen werden, dass bereits nach den ersten fünf Minuten Tanden-Atmung im Gegensatz zur normalen Atmung ein erhöhter Gebrauch der Bauchmuskeln zu verzeichnen ist. Erstaunlicherweise wurden außerdem Aktivitäten des sonst von der Atmung unabhängigen Schollenmuskels am Unterschenkel (lat: musculus soleus) verzeichnet. Bedeutende Ergebnisse brachte ebenfalls eine Analyse der Serotoninausschüttung nach zehnminütiger Bauchatmung von erfahrenen Probanden, die erhöhte Werte von Serotonin im Blut nachwies. Serotonin ist Abb.: Das Tanden – Schnittstelle dynamischer und statischer Qualitäten eines Schützen ein Neurotransmitter, der für Aktivitäten im zentralen Nervensystem eine erhebHarada Rôshi 原田老師 (Sôgen-ji 曹源寺, Die zentrale Rolle der Atmung im Bud- liche Rolle spielt und unter anderem für Okayama/Japan, selbst einmal Kyûdô- dhismus lässt sich früh bis zu den ersten die Steuerung der Kontraktion von MusPraktizierender) wusste in einem Gespräch schriftlichen Darlegungen der Lehre des keln gebraucht wird – vor allem der mir gegenüber vom großen Vorzug der historischen Buddha im Sutta-Pitaka Skelettmuskulatur. Im Rahmen der UnterAtemschulung auch in anderer Hinsicht („Korb der Lehrreden“) des Pâli-Kanons suchung wird unter gegebenen Gesichtszu berichten, nämlich dass bei der (ca. 1. Jh. v. Chr.) zurückverfolgen (siehe punkten ein physiologischer Effekt aufÜbertragung der Zazen-Übung auf Mahâsatipatthâna-Sutta, „Die Grundlagen gezeigt, bei dem die Verbesserung von alltägliche Verrichtungen der Geist des der Achtsamkeit“ im Digha Nikâya), wo Körperhaltung und -beweglichkeit mittels Absoluten mit dem konkreten Dasein zu jedoch noch einzig die Züchtigung des Serotoninausschüttung und Muskelkonverschmelzen beginnt. Aus dieser Geistes mittels einer bedachten Atmung traktion durch die Tanden-Atmung beeinPerspektive können natürlich alle im Vordergrund stand (vgl. die vertiefende flusst wird. Verrichtungen zur Übung des Zen werden, Ausführung über die Atmung im Majjhima Für das Kyûdô ist dies natürlich von beso auch das in dieser Weise von Nikâya befindlichen Ânâpânasati-Sutta, sonderem Interesse, da mit Hilfe einer Begleiterscheinungen hitziger Debatten „Bedachte Ein- und Ausatmung“). Bevor regelmäßigen Tanden-Atmung auch für verfolgte Kyûdô. Wie gesagt, nur ein die Atmung ins Visier der um mentale eine Verbesserung der Stabilität und AusBetrachtungswinkel. Reinheit bedachten Meditationstechniken richtung des Standes im dôzukuri gesorgt

Zanshin I | 09 31

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ZANSHIN I.09  

Das Deutsche Kyudo Magazin (DKyuB e.V.) German Kyudo Magazine

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