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FARBENSPORTLICH.DE Hella & David

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FILM 3 Februar 2014

Oscars 2014


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OSCARVERLEIHUNG 2014 Auf www.farbensportlich.de stellen wir euch die neuesten Kinostarts und Veröffentlichungen aus dem Heimkino vor. In diesem Heft fassen wir alle Titel zusammen, die (bis zum 25. Februar 2014) auf Farbensportlich vorgestellt und für einen oder mehrere Oscars nominiert wurden. Folgende 18 Filme nehmen am Rennen um die 86. Academy Awards teil (sortiert nach Kinostart in absteigender Reihenfolge – neuester zuerst, ergänzt um die Anzahl ihrer Oscar-Nominierungen): 4 8 12 16 20 24 28 32 36 40 44 48 52 56 60 64 68 72

SAVING MR. BANKS 1x PHILOMENA 4x AMERICAN HUSTLE 10x 12 YEARS A SLAVE 10x THE WOLF OF WALL STREET 5x NEBRASKA 6x ALL IS LOST 1x INSIDE LLEWYN DAVIS 2x CAPTAIN PHILLIPS 6x BLUE JASMINE 3x GRAVITY 10x LONE RANGER 2x ICH — EINFACH UNVERBESSERLICH 2 2x BEFORE MIDNIGHT 1x STAR TREK INTO DARKNESS 1x IRON MAN 3 1x THE BROKEN CIRCLE 1x DIE CROODS 1x

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Übersicht Nominierungen Statistik

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„It’s all right, Mrs. Travers. It’s alright. Mr. Banks is going to be all right. I promise.“ — Walt Disney

REGIE John Lee Hancock DARSTELLER Emma Thompson Tom Hanks Colin Farrell KINOSTART 06. März 2014 4


WO DAS BUCH ENDET, BEGINNT IHRE GESCHICHTE Es ist das Jahr 1961. Walt Disney (Tom Hanks, CAPTAIN PHILLIPS), seine Maus und sein Vergnügungspark mögen zwar echte Berühmtheiten sein, doch die Autorin P.L. Travers (Emma Thompson, SCHRÄGER ALS FIKTION) lässt sich davon nicht beeindrucken. Und so müssen erst 20 Jahre ins Land ziehen und Travers kurz vor der Pleite stehen bevor sie dem Bitten von Disney nachgibt und für Gespräche über eine Verfilmung ihrer Mary Poppins-Geschichte von London nach Amerika reist. Doch erst vor Ort sollen die richtigen Schwierigkeiten beginnen. Travers zeigt sich gegenüber dem Drehbuchautoren Don DaGradi (Bradley Whitford, THE CABIN IN THE WOODS) sowie den Komponisten Robert (B.J. Novak, DAS BÜRO) und Richard Sherman (Jason Schwartzman, DARJEELING LIMITED) stets starrköpfig. Zum einen kommen für sie keine Trickfilm-Elemente oder gar ein Musical in Frage und zum anderen scheint die aufgebaute Distanz von der australischen Schriftstellerin unüberwindbar. Schließlich ist die neurotische Frau rund um die Uhr mit ihren ganz eigenen Dämonen aus der Vergangenheit beschäftigt. Aber Walt Disney, seine Crew und ihr Chauffeur Ralph (Paul Giamatti, COSMOPOLIS) geben nicht auf, um einen Weg der Verständigung mit P.L. Travers und ihren Buch-Charakteren zu finden. Gewagt, gewagt. In SAVING MR. BANKS schrammt Regisseur John Lee Hancock (BLIND SIDE – DIE GROSSE CHANCE) die Biografie Walt Disneys nur um seiner Protagonistin P.L. Travers im Zuge dessen mehr Tiefe geben zu können. Doch in den kurzen Momenten, in denen man Disney über seine Kindheit reden hört oder ihn beim Rauchen erwischt, wird deutlich wie interessant ein Film über diese Hollywoodgröße gewesen wäre. Stattdessen geht Hancock den mutigeren Weg und versucht den schwerfälligen Entstehungsprozess von dem Film MARY POPPINS aufzurollen. Dies geschieht mit vielen Rückblenden, in denen vor allem Colin Farrell (7 PSYCHOS) als fantasievoller Familienvater mit Alkoholproblem hervorsticht. Somit schwankt SAVING MR. BANKS fortwährend zwischen Komödie (die zugeknöpfte Autorin sieht sich immer wieder neuen Herausforderungen à la Kuscheltierberge im Hotelzimmer und Süßigkeiten-Exzesse auf der Arbeit gegenüber) und Drama (das Kind, das seinen Vater von seinem Unglück befreien möchte), was zeitweise störend kitschig und pathetisch ausarten kann. Nichtdestotrotz lässt sich der Reiz der Biografie von T.L. Travers nicht leugnen. „Ich habe noch nie jemanden gespielt, der so voller Widersprüche steckt. Das macht es umso spannender, weil die Stimmung ständig umschlägt. Ihre Jugend hat ihre Beziehungsunfähigkeit – insbesondere mit Männern – nachhaltig gestört. Ihr Vater war so labil und unzuverlässig, dass die Liebe für sie zu einer heiklen Angelegenheit wurde.“ (Emma Thompson) 5


Die Vielschichtigkeit des Zweistünders wie auch die minutiös geniale Darbietung von Emma Thompson sind die großen Pluspunkte des DisneyWerkes. Aber auch wenn die Geschichte spannende Einblicke in vergangene Tage in Hollywood geben kann, so fällt es schwer zu erkennen für wen John Lee Hancocks Film nun eigentlich gemacht ist.

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NOMINIERUNG Beste Filmmusik 6


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Fotos: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany


„I did not abandon my child, he was taken away from me.“ — Philomena Lee

REGIE Stephen Frears DARSTELLER Judi Dench Steve Coogan Sophie Kennedy Clark KINOSTART 27. Februar 2014 8


Nachdem seine Karriere ein abruptes Ende genommen hat, muss sich der Polit-Journalist Martin Sixsmith (Steve Coogan, THE LOOK OF LOVE) neu orientieren. Genau im richtigen Augenblick wird er auf die Geschichte von Philomena Lee (Judi Dench, JAMES BOND 007 – SKYFALL) gestoßen. Denn die alte Dame hat nach 50 Jahren des Schweigens ihrer Tochter Jane (Anna Maxwell Martin, GELIEBTE JANE) gebeichtet, dass sie auch die Mutter eines Sohnes ist, welcher ihr aber weggenommen wurde. Ein uneheliches Kind stellte im Irland der 50er Jahre eine Schande dar und im Kloster wurde der kleine Junge schließlich zur Adoption freigegeben. Martin sieht in Philomenas Story die Chance auf abermaligen Erfolg und lässt sich auf eine ausgedehnte Suche nach dem verlorenen Sohn ein. Dabei findet er jedoch nicht nur neue Wahrheiten, sondern auch eine überraschende Freundschaft. PHILOMENA ist Kitsch, den man ertragen kann. Der auf wahren Begebenheiten basierende Film von HIGH FIDELITY-Regisseur Stephen Frears jongliert so gekonnt mit zuckersüßem Pathos, Stereotypen und dem Clash der Kulturen, dass man (überrascht von der eigentlich so toxischen Mixtur, die hier zu funktionieren scheint und auch noch zum Lachen und Weinen gleichzeitig bringt) immer weiter hinschauen muss. Der britische Hauptdarsteller Steve Coogan fungierte zugleich als Produzent des Werkes, das auf dem Buch THE LOST CHILD OF PHILOMENA LEE von Martin Sixsmith beruht. „Was mich am meisten inspirierte, war ein Foto von Martin, der neben Philomena auf einer Bank sitzt. Die beiden geben einfach ein schräges Paar ab: Auf der einen Seite Martin, der Journalist mit Oxford-Abschluss, ein Intellektueller aus dem Bürgertum; auf der anderen Seite Philomena, die bodenständige Irin aus dem Arbeitermilieu, Krankenschwester im Ruhestand. Die Beziehung zwischen diesen fand ich hochinteressant.“ (Steve Coogan) So gehen die meisten Pointen auch auf das Konto der Unverhältnismäßigkeit zwischen den beiden Protagonisten. Speziell Judi Dench kann in dem 98-minütigen Filmvergnügen als naiver Gutmensch auftrumpfen. Für sie scheint das Hotelfrühstück so ein Fest zu sein als würde Heiligabend sowie ihr Geburtstag auf ein und denselben Tag fallen. Zudem gibt sie gerne die gesamte Geschichte von einem Buch wieder und jeder Mensch ist für sie etwas ganz Besonderes. Und da die Balance zwischen dem Zynismus von Martin Sixsmith, der Tragik von Philomena Lees Schicksal und dem komödiantischen Potential in der Konfrontation der zwei so unterschiedlichen Menschen stets gewahrt bleibt, ist auch Stephen Frears‘ Verfilmung PHILOMENA etwas ganz besonderes geworden.

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4 NOMINIERUNGEN

Bester Film Beste Hauptdarstellerin Bestes adaptiertes Drehbuch Beste Filmmusik 10


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Fotos: Universum Film


„You’re nothing to me until you’re everything.“ — Sydney Prosser

REGIE David O. Russell DARSTELLER Christian Bale Amy Adams Bradley Cooper KINOSTART 13. Februar 2014 12


VOM LÜGEN UND BELOGEN WERDEN Irvin Rosenfeld (Christian Bale, THE FIGHTER) und Sydney Prosser (Amy Adams, MAN OF STEEL) sind ein Betrüger-Pärchen, welches gerade eine richtige Goldsträhne hat als der ehrgeizige FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper, SILVER LININGS) Wind von ihren dubiosen Machenschaften bekommt. Aber ins Gefängnis sollen sie trotzdem nicht wandern – DiMaso hat Wichtigeres mit den Beiden geplant. Mit ihrer Hilfe will er viel größere Fische, wie den Bürgermeister Carmine Polito (Jeremy Renner, DAS BOURNE VERMÄCHTNIS) samt etwaiger Mafia-Verbindungen, hochnehmen. Dies artet jedoch zu einem weitaus schwierigeren Unterfangen aus als anfangs erwartet, denn schließlich schaltet sich auch Rosenfelds unberechenbare NochEhefrau Rosalyn (Jennifer Lawrence, DIE TRIBUTE VON PANEM – THE HUNGER GAMES) ein. David O. Russell scheint einen Lauf zu haben. Nach der durchwachsenen 2004er Satire I HEART HUCKABEES verstummte es zunächst um den Regisseur. Erst 6 Jahre später sollte es mit THE FIGHTER ein Lebenszeichen von ihm geben. Und was für eines! Gleich 2 Oscars sammelte das Sportlerdrama ein und auch mit dem darauffolgenden SILVER LININGS sollten Lob und Preise nicht abebben. Nun wird AMERICAN HUSTLE (10 Oscar-Nominierungen) vorgestellt und schnell wird klar: David O. Russell hat seine Stimme gefunden. Bissige Dialoge, eine geschmackvolle Inszenierung, ein brillantes Schauspieler-Ensemble und nicht zuletzt in jedem Moment schreiendkomisch. Russell (der zusammen mit Eric Warren Singer auch das Drehbuch zum Film schrieb) weiß mit schrillen Farben sowie der Musik von u.a. Duke Ellington und vor der glanzvollen Kulisse vom New York der 70er Jahre so sehr zu verzaubern, das der Zuschauer von dem Verwirrspiel der Story sehr zügig ziemlich durcheinander gebracht wird. Doch der Kern von Russells Geschichten bleibt seid The Fighter der Gleiche: „Diese Filme handeln von Menschen, deren Leben nicht so verlaufen ist, wie sie es sich vorgestellt oder geplant hatten. [...] Das Selbstbild dieser Figuren ist ein einziger Scherbenhaufen. Sie fragen sich nicht nur, was noch kommt, sondern auch, was das Leben wieder lebenswert macht und ob sie jemals wieder lieben können.“ (David O. Russell) Was den 138-Minüter so besonders herausragend macht, ist die Passion und Liebe, mit welcher der Regisseur an seine verschrobenen Charaktere herangeht. Gleichzeitig wissen Darsteller wie der Toupet tragende Christian Bale, die chamäleonartige Amy Adams, der überdrehte Lockenkopf Bradley Cooper sowie die pöbelnde Dumpfbackenblondine Jennifer Lawrence den Film noch mit extra viel Schwung und Pomp auszustatten. AMERICAN HUSTLE steckt voller Herzlichkeit, Irrwitz und guter Gefühle. 13


10 NOMINIERUNGEN

Bester Film Beste Regie Bester Hauptdarsteller Beste Hauptdarstellerin Bester Nebendarsteller Beste Nebendarstellerin Bestes Originaldrehbuch Bestes Szenenbild Bestes Kost端mdesign Bester Schnitt 14


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Fotos: Tobis Film


„I don’t want to survive. I want to live.“ — Solomon Northup

REGIE Steve McQueen DARSTELLER Chiwetel Ejiofor Lupita Nyong’o Michael Fassbender KINOSTART 16. Januar 2014 16


Es ist das Jahr 1841 und der Afro-Amerikaner Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor, 2012 – DAS ENDE DER WELT) ist ein freier Mann. Gemeinsam mit seiner Frau (Kelsey Scott) und seinen zwei Kindern (Quvenzhané Wallis, BEASTS OF THE SOUTHERN WILD und Cameron Zeigler) lebt er als angesehener Geigenspieler in New York. Doch durch eine Hinterlist zweier zwielichtiger Künstler (Scoot McNairy, MONSTERS und Taran Killam, TAFFE MÄDELS) wird er nach Washington gelockt, wo ihm nicht nur Papiere, Kleidung und sein Name genommen werden, sondern auch seine Freiheit. Schließlich bringt man ihn in den Süden, um ihn dort als Sklave Platt weiter zu verkaufen – zunächst an den Plantagenbesitzer Ford (Benedict Cumberbatch, SHERLOCK), dann an den besonders rücksichtslosen Edwin Epps (Michael Fassbender, PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN). Die Zeit vergeht und Solomons Hoffnungen schwinden mit den Jahren mehr und mehr, dass die ihm zugefügte Ungerechtigkeit aufgedeckt wird und er zu seiner Familie zurückkehren kann. Zum Jahresbeginn scheint kaum ein Vorbeikommen an Steve McQueens Sklaven-Drama 12 YEARS A SLAVE. Das Werk ist nicht nur für unzählige Awards mehrfach nominiert, sondern stellte sich bereits bei einigen FilmVerleihungen als strahlender Gewinner heraus. So zum Beispiel bei den „Kansas City Film Critics Circle Awards“. Da gewann McQueen in der Kategorie Bester Regisseur wie auch Bester Film, aber auch Chiwetel Ejiofor als Bester Schauspieler, Michael Fassbender als Nebendarsteller, John Ridley mit dem von Solomon Northup adaptierten Drehbuch und zu guter Letzt Lupita Nyong’o als Beste Nebendarstellerin. Dies ist kein Hype, sondern das schon längst fällige Erkennen des inszenatorischen, fotografischen wie erzählerischen Talents von Steve McQueen. Speziell die Nebenhandlung der Sklavin Patsey verleiht der auf der wahren Geschichte von Northrup basierenden Werkes Gewicht. Voller Ruhe und gleichzeitiger Intensität werden dem Zuschauer Episoden aus dem alltäglichen Grauen eines Sklaven gezeigt. So wird die von dem Edwin Epps anscheinend bevormundend behandelte Patsey von Epps’ Frau (Sarah Paulson, MARTHA MARCY MAY MARLENE) umso gewalttätiger behandelt – man bewirft und verletzt sie urplötzlich mit einem Glasgegenstand, verbietet ihr die Benutzung von Seife und als sie einmal nicht sofort auffindbar ist, soll ihr sogleich das Leben aus dem Leib gepeitscht werden. Dem Film wohnt eine unvergleichliche Brutalität inne, welche die Reichweite des Schmerzes auch für den Betrachter greifbar macht, aber nicht wie in Horror-Streifen wie Saw oder Hostel zum Gruseln und Kreischen an Halloween geeignet ist. Die von John Ridley (RED TAILS) aufgearbeitete, mutige Erzählung von Solomon Northup erweist sich als viel essentieller und damit auch machtvoller. 17


„Ich glaube, dass dieses Buch für die USA historisch genauso wichtig ist, wie das Tagebuch der Anne Frank für die europäische Geschichte.“ (Steve McQueen) Lange Einstellungen auf Chiwetel Ejiofors Gesicht, in welchen sich das Warten und der Wunsch um den Ausbruch aus dem Sklavenleben deutlich abzeichnen, erinnern in ihrem Feingefühl an die früheren Werke McQueens, HUNGER und SHAME. Aber mit 12 YEARS A SLAVE hat sich der englische Regisseur weiterentwickelt. Mit seinem Werk erschafft er eine weitgreifende Chronik der Unterdrückung. Ein Gefühl der Bedrückung kriecht im Laufe der 134 Minuten ebenso in den Zuschauer hinein, jedoch nicht ohne auch Stück für Stück Hoffnung zu sähen – so wie Solomon Northup einfach nicht zu brechen ist, egal wie viel Entmenschlichendes ihm über die 12 Jahre widerfährt. Dieser Film ist eine visuell wie historisch bewegende Erfahrung, der man sich auf keinen Fall entziehen sollte.

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NOMINIERUNGEN Bester Film Beste Regie Bester Hauptdarsteller Bester Nebendarsteller Beste Nebendarstellerin Bestes adaptiertes Drehbuch Bestes Szenenbild Bestes Kostümdesign Bester Schnitt 18


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Fotos: Tobis Film


„The year I turned 26, I made 49 million dollars.“ — Jordan Belfort

REGIE Martin Scorsese DARSTELLER Leonardo DiCaprio Jonah Hill Margot Robbie KINOSTART 16. Januar 2014 20


Die Konkurrenz bei den diesjährigen Golden Globes in der Kategorie Bester Schauspieler im Comedy-Genre war groß. Christian Bale für AMERICAN HUSTLE, Bruce Dern mit NEBRASKA, Oscar Isaac trat für INSIDE LLEWYN DAVIS und Joaquin Phoenix mit HER an. Doch dieses Mal sollte Leonardo DiCaprio die goldglänzende Trophäe in seine Arme schließen dürfen. Auch Regisseur Martin Scorsese hätte bei DiCaprios Dankesrede nicht zufriedener aussehen können. Somit scheint bestätigt, das Regisseur und Darsteller mit der Wahl und Ausarbeitung von THE WOLF OF WALL STREET einfach alles richtig gemacht haben. Die Geschichte rund um den Wolf an der Wall Street ist die Verfilmung des auf wahren Ereignissen basierenden Buches von Jordan Belfort (gemimt von Leonardo DiCaprio, INCEPTION). Es handelt sich um eine Story voller Höhen und Tiefen, in der sich alles um Geld, Drogen und Sex dreht. Denn als Jordan an der New Yorker Börse anfängt, erhält er von seinem Chef Mark Hanna (Matthew McConaughey, MAGIC MIKE) eine inspirierende Rede über das Leben als Broker. Und als Jordan kurz darauf seine eigene Firma Stratton Oakmont gründet, sind Marks Worte noch immer ein prägender Einfluss auf seine Arbeit. Seinen Mitgründern Donnie (Jonah Hill, 21 JUMP STREET), Nicky (P.J. Byrne, FINAL DESTINATION 5), Chester (Kenneth Choi, CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER), Robbie (Brian Sacca, THE KINGS OF SUMMER) und Alden (Henry Zebrowski, WHITE IRISH DRINKERS) möchte er mit auf den Weg geben, dass es immer nur um den eigenen Erfolg geht und nicht darum, dass die Kunden zufrieden sind. Mit regelrechten Erpressungsmethoden scheffelt der Trupp in kürzester Zeit so viel Geld, dass sie sich immer weiter vergrößern können. Für Jordan sieht es rosig aus: an seiner Seite steht eine wunderschöne Frau (Margot Robbie, ALLES EINE FRAGE DER ZEIT), er besitzt imposante Immobilien und die Party-, Prostituierten- und Drogenzufuhr scheint kein Ende zu nehmen. Doch so ein steiler Aufstieg mit zwielichtigen Methoden ruft genauso schnell das FBI auf den Plan und Agent Patrick Denham (Kye Chandler, SUPER 8) ist alles andere als käuflich. Mit dem zügellosen Gebrauch von „Fuck“ und seinen Abwandlungen (über 500 Mal!) und einem irre tanzenden Leonardo DiCaprio erhielt Martin Scorseses (HUGO CABRET) THE WOLF OF WALL STREET bereits weit vor der Veröffentlichung einen ordentlichen Buzz. Die mittlerweile eingetrudelten Preise sollten nun ihr übrigens tun und die Menschen weiterhin weltweit scharenweise ins Kino bewegen. Und trotz einer unverschämt langen 3-Stunden-Fassung (man kürzte schon…) lohnt sich der Besuch in vielerlei Hinsicht. Schließlich liefert Jordan Belforts skandalöse Biografie eine so unverschämt unterhaltsame Grundlage, das man kaum seinen Augen und Ohren trauen möchte. Mal befindet man sich inmitten wildester Orgien, dann wiederum 21


auf einer monströsen Yacht, auf der man wegen eines Sturms um sein Leben fürchten muss. Im Büro wird eine Parade mit Brüsten und Konfetti gefeiert und einfach ein jeder scheint diesen Jordan Belfort zu lieben. Aber es wäre wohl kein Scorsese-Film, wenn nach dem wahnwitzigen Aufstieg nicht ein genauso extremer Fall folgen würde. THE WOLF OF WALL STREET ist eine Satire ohne Hemmungen. „In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren war Wall Street so unkontrolliert und anarchisch wie eine neue Form des Wilden Westens. Und Jordan Belfort war einer dieser Gesetzlosen, die davon profitierten, wie sich immer mehr Hintertüren im Finanzsystem öffneten, immer mehr glänzende Gelegenheiten, mehr oder weniger legal die Mitmenschen übers Ohr zu hauen.“ (Leonardo DiCaprio) Martin Scorsese zeigt den Exzess in schillernden Farben und weiß dies mit cleveren Gegenschnitten und Untertönen zu kombinieren – so dass der Zuschauer, der kurz davor stehen sollte das Kino vor Ekel und Ermüdung zu verlassen, wieder von diesem Vorhaben abgehalten wird. Denn so richtig weggucken kann man bei so viel Spaß und Können gar nicht.

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NOMINIERUNGEN Bester Film Beste Regie Bester Hauptdarsteller Bester Nebendarsteller Bestes adaptiertes Drehbuch 22


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Fotos: Universal Pictures Germany


„Have a drink with your old man. Be somebody!“ — Woody Grant

REGIE Alexander Payne DARSTELLER Bruce Dern Will Forte June Squibb KINOSTART 16. Januar 2014 24


LEISE TÖNE TREFFEN AUF GROSSE BILDER Als Woody Grant (Bruce Dern, MONSTER) ein Flugblatt in seiner Post findet, das ihn über einen angeblichen Hauptgewinn informiert, gibt es für ihn kein Halten mehr. Auch wenn seine Frau (June Squibb, ABOUT SCHMIDT) und Kinder (Will Forte und Bob Odenkirk, BREAKING BAD) den Rentner davon überzeugen wollen, dass er reingelegt wurde, macht er sich zunächst zu Fuß auf den Weg zum 900 Meilen entfernten Nebraska, um sich dort den Preis abzuholen. Doch kann er allein die lange Strecke nicht bewältigen. Schließlich sieht sein Sohn David (Will Forte, MACGRUBER) darin die Möglichkeit mehr Zeit mit seinem Vater zu verbringen und begibt sich kurzerhand mit ihm auf einen Road Trip, der sie auch zu dem Geburtsort Hawthorne von Woody bringt – einem kleinen Städtchen, in dem die Kunde eines vermeintlichen Millionärs schnell die Runde macht und ordentlich Wellen schlägt. Nach Filmen wie THE DESCENDANTS – FAMILIE UND ANDERE ANGELEGENHEITEN oder auch SIDEWAYS bleibt Regisseur Alexander Payne auch in dem neuen Schwarzweiß-Drama NEBRASKA seinem Stil treu. Es wird sich auf eine Reise begeben, bei der man vor eindrücklicher Kulisse eigene Marotten auspackt und mit den Mitmitmenschen zaudern muss. Paynes Hauptdarsteller sind dabei genauso launisch wie die Situationen, in die er sie steckt. So darf der Zuschauer miterleben wie Woodys Frau an einem Grab ihren Rock hebt, um zu zeigen, was der Verstorbene verpasst hat, genauso wie er sich in den fast zwei Stunden auf Gebisssuche und Barbesuche einstellen kann. Die von Bob Nelson geschriebene Geschichte ist so oft urkomisch wie sie tieftraurig und einsam wirkt. Alexander Payne kann somit in seinem neuen Werk diese Mixtur aus gutmütiger Komödie und aufwühlendem Drama erneut perfekt präsentieren und erwärmt auch durch das einprägsame Schauspielerensemble die Herzen.

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6 NOMINIERUNGEN

Bester Film Beste Regie Bester Hauptdarsteller Beste Nebendarstellerin Bestes Originaldrehbuch Beste Kamera 26


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Fotos: Paramount Pictures Germany


„I’m sorry... I know that means little at this point, but I am. I tried, I think you would all agree that I tried. To be true, to be strong, to be kind, to love, to be right. But I wasn’t. And I know you knew this.“ — Our Man

REGIE J.C. Chandor DARSTELLER Robert Redford KINOSTART 09. Januar 2014 28


NIEMALS AUFGEBEN? Ein Aufprall läutet den Anfang ein. Dann schwappt Wasser in gleichmäßigen Intervallen in den Innenraum der Segelyacht. Der Mann (Robert Redford, THE COMPANY YOU KEEP – DIE AKTE GRANT), vom Lärm geweckt, geht sofort dem Problem auf den Grund. Ein herrenloser Schiffscontainer hat sich seinen Weg in das Schiff des Mannes gebohrt. Aber auch nachdem er fachmännisch die undichten Stellen geleimt hat, lässt das Unglück nicht von ihm ab. Die Nässe hat seine technischen Hilfsmittel außer Kraft gesetzt und von nun an ist er, Sturm für Sturm inmitten des Indischen Ozeans, auf sich allein gestellt. Der Tod rückt näher. Eines gleich vorweg: von der dramatischen Themenwahl muss man sich keinesfalls beirren lassen. Denn J.C. Chandor, der sich bereits in DER GROSSE CRASH – MARGIN CALL einen Namen für seine sachliche Erzählweise in einer heiklen Situation gemacht hat, setzt auch bei seinem zweiten Spielfilm auf die leisen Töne. Doch während im Debüt die pointierten Dialoge noch als eine wichtige Hauptrolle aufspielten, kommt das Seemannsabenteuer mit lediglich vereinzelten Hilferufen und keinerlei Hintergrundgeschichte aus. Der Betrachter hat allein das gealterte Männergesicht, was zu ihm spricht. Verkörpert wird der einsame Seemann von Robert Redford, der trotz sinkender Rettungschancen unverzagt und präzise ans Werk geht. Doch in seinen Augen kann man im Laufe der 106 Minuten immer mehr die schwindende Hoffnung und den Frust erkennen – eine beeindruckende Darbietung, die einem die Nackenhaare aufstellt! „Im Grunde handelt es sich um eine einzige lange Actionsequenz, die, wenn sie endet, hoffentlich etwas Allgemeingültiges aussagt über unsere kompromisslose Bereitschaft, nicht vorschnell aufzugeben, über unseren Willen zum Überleben.“ (J. C. Chandor) So wie der Regisseur und Drehbuchautor J. C. Chandor durch die Arbeit seines Vaters als Mitarbeiter in einer Investmentbank detaillierte Einblicke in die Finanzwelt für sein Erstlingswerk nutzen konnte, so kann er auch bei der Tour de Force auf hoher See aus seiner eigenen Erfahrung schöpfen. Die Liebe zum Detail auf kleinstem Raum und auch das uneingeschränkte Können des unbenannten Hauptdarstellers in ALL IS LOST sind ebenfalls Gründe dafür, weshalb der Film trotz des Minimalismus funktioniert und mit seiner unemotionalen Ausweglosigkeit durch Mark und Bein geht.

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NOMINIERUNG Bester Tonschnitt 30


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Fotos: Universal Pictures Germany


„If it was never new, and it never get’s old, then it’s a folk song.“ — Llewyn Davis

REGIE Joel Coen Ethan Coen DARSTELLER Oscar Isaac Carey Mulligan John Goodman KINOSTART 05. Dezember 2013 32


DAS STREBEN NACH AUTHENTIZITÄT Entweder hat Llewyn Davis (Oscar Isaac, DRIVE) seine beste Zeit als Folkmusiker in New York im Jahr 1961 schon hinter sich oder aber er jagt der Möglichkeit eines zukünftigen Erfolgs hinterher, die einfach nicht zur Realität werden will. In jedem Fall ist es schwer ein Verständnis für den Künstler zu entwickeln, der jede Nacht auf der Suche nach einer neuen Unterkunft zum Schlafen ist, die Frauen anderer Männer zu schwängern scheint und sich partout nicht auf den Deal einlassen will als Musiker in einer Band zu agieren. Nur wenn Davis auf der Bühne steht, mit geschlossenen Augen und einer Gitarre in den Händen, kann man ein klareres Bild von ihm und der ihn umgebenden Melancholie erhalten, die er auch auf seinen Reisen immer mit sich trägt. Wieso sollte jemand Interesse daran haben einen Folksänger zu verprügeln? Diese Frage stellte die Initialzündung der Brüder Joel Coen und Ethan Coen für ihr neues Werk dar. INSIDE LLEWYN DAVIS nimmt sich zur Beantwortung der New Yorker Musikszene der späten 50er, frühen 60er an. Einer Zeit, in der Bob Dylan noch nicht auf der Bildfläche erschienen war. Dafür aber Dave Van Ronk, aus dessen Memoiren THE MAYOR OF MACDOUGAL STREET der Film ebenfalls seine Inspiration zog. „Viel von der Musik ist ausgesprochen schön. Und aus ihrem Revival entwickelte sich das, was wir heute als diese Singer-Songwriter-Sache ansehen, die ja doch sehr anders ist als die traditionelle Folkmusik.“ (Joel Coen) Nichtdestotrotz erhält der 105-Minüter musikalische Unterstützung von Marcus Mumford – seines Zeichens Sänger der britischen Kapelle Mumford And Sons, die erst in diesem Jahr bei der Grammy-Verleihung den Preis für das beste Album des Jahres einheimsen konnte. Auch Justin Timberlake (mit Rollkragenpulli und Unschuldsblick) wird eine Bühne für etwas ungewöhnlichere musikalische Darbietungen gegeben. Das Verweben der traditionellen Klänge (wie sie ähnlich auch schon in dem 2000er Coen-Film O BROTHER, WHERE ART THOU? – EINE MISSISSIPPI-ODYSSEE ihren Platz fanden) mit einer universell begreiflichen Außenseiter-Figur funktioniert. Nach einem Fehltritt wie W.E. findet Hauptdarsteller Oscar Isaacs Charme und Charisma hier seine passende Einbettung in den lakonischen wie satirischen Humor der Coen-Brüder. Dieser beginnt damit aufzublühen als Llewyn Davis unfreiwilligerweise eine rote Katze als ständigen Begleiter mit sich herumtragen muss oder Carey Mulligan (SHAME) als Davis’ One-Night-Stand aus dem Fluchen, aufgrund ihres Fehltritts, gar nicht mehr heraus kommt. INSIDE LLEWYN DAVIS wird auch deshalb zur Lachsalven-Parade für den Zuschauer, da ein ganzes Ensemble gestandener Hollywood-Größen in einprägsame Szenarien hineingeschrieben wurden. So zum Beispiel Garrett Hedlund (ON 33


THE ROAD – UNTERWEGS) als stiller Beat-Poet mit dem ewig schlafenden John Goodman (ARGO) im Gepäck oder auch Adam Driver (GIRLS) als etwas dümmlich wirkender Musiker. Nach dem Westernabenteuer TRUE GRIT – VERGELTUNG aus dem Jahr 2010 gehen Joel und Ethan Coen nun einen völlig neuen Weg und können damit auf ganzer Linie punkten. Mit INSIDE LLEWYN DAVIS ist ihnen ein vielschichtiges Einzelgänger-Werk gelungen, welches von der Vielzahl an dargebotenen Facetten von Traurigkeit, Witz und Ausweglosigkeit sowie der stets stimmigen musikalischen Untermalung (und dem Ausspielen ganzer Songs) lebt.

2 NOMINIERUNGEN

Beste Kamera Bester Ton

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Fotos: StudioCanal


„Listen up, we have been boarded by armed pirates. If they find you, remember, you know this ship, they don’t. Stick together and we’ll be all right. Good luck.“ — Captain Richard Phillips

REGIE Paul Greengrass DARSTELLER Tom Hanks Barkhad Abdi Barkhad Abdirahman KINOSTART 14. November 2013 36


Am 08. April 2009 kaperten somalische Piraten das Container-Frachtschiff Maersk Alabama. Es hatte Hilfsgüter geladen und befand sich auf der Fahrt nach Mombasa, Kenia. Den bewaffneten Seeräubern gelang es um 7:30h Ortszeit das Schiff zu entern. Kurz zuvor wies Kapitän Richard Phillips seine 20 Mann starke Besatzung an sich versteckt zu halten. Um seine Crew zu schützen, bot er sich den Piraten als Geisel an. So begannen für ihn lange Tage der Angst und der Hoffnung auf Rettung. Die Erinnerungen an diese Erlebnisse sind immer noch frisch. In den erst kürzlich erschienenen Memoiren HÖLLENTAGE AUF SEE, von dem Kriegsveteran Richard Phillips, der als erster US-Seemann von somalischen Piraten entführt wurde, schrieb er seine Gedanken zu der Odyssee nieder. Auch wenn sich sowohl Besatzungsmitglieder als auch Piraten von seinem Werk distanzierten, sah der Regisseur Paul Greengrass (DAS BOURNE ULTIMATUM) darin eine heroische Vorlage für einen Film. „The confrontation between Phillips, who is part of the stream of global economy, and the pirates, who are not, felt fresh and new and forwardlooking to me. The stand-off between Phillips and Muse is thrilling high seas siege, but one that speaks to the larger forces shaping the world today.“ (Paul Greengrass) Zum Inhalt: In Vermont nehmen die Ereignisse ihren Lauf als Richard Phillips (Tom Hanks, CLOUD ATLAS) sich von seiner Frau Andrea (Catherine Keener, BEING JOHN MALKOVICH) verabschiedet, während in Somalia der ehemalige Fischer Muse (Barkhad Abdi) nach Freiwilligen sucht, um eines der vielen Schiffe zu überfallen, die das Horn von Afrika passieren. Erst auf See werden sich ihre Wege kreuzen. Phillips verantwortet als Kapitän eines dänischen Containerschiffes 17.000 Tonnen Frachtgut und befindet sich eigentlich auf einer Routinetour, bis ein kleines Motorboot auf dem Radar auftaucht. Machtlos muss die unbewaffnete Mannschaft zusehen, wie Muse und drei weitere Somalis schließlich das Schiff sowie die Brücke besetzen. Doch der erhoffte Fang bleibt aus: die Eindringliche erbeuten kaum Geld und beschließen kurzerhand Phillips zu kidnappen und später gegen ein hohes Lösegeld einzutauschen. Im genauso langsamen wie winzigen Rettungsboot treten sie den Rückzug an. Die Distanz bis zur Küste beträgt mehrere hundert Kilometer und die Fahrt wird Tage dauern. Schon bald liegen die Nerven der Seeräuber blank und die Situation droht zu eskalieren. Zudem sind die Entführer von der US-Marine eingeholt worden und von drei Kriegsschiffen umzingelt. Phillips ist, trotz der Nähe zu den Rettungskräften, noch immer in großer Gefahr. Denn ein Versuch die bewaffneten Piraten auszuschalten, kann nur bei der gewährleisteten Sicherheit von dem Kapitän gewagt werden. 37


Für Greengrass gehörte es zu den härtesten Aufgaben seiner Karriere derart komplizierte Szenen auf offener See zu koordinieren: „To put that on water is a monumental logistical endeavor. You’ve got dozen and dozen of boats, and then you have to have safety boats. The production was like a flotilla, and I felt like the admiral of a fleet.“ Er ist weiterhin bemüht der erklärten Heldenfigur Phillips einen ebenso nachvollziehbares Feindbild gegenüber zu stellen, welches sich aus bitterer Armut, Hunger und Unterdrückung heraus entfaltet hat. Der Versuch, den Piraten Gerechtigkeit in der Darstellung zukommen zu lassen, geht letzten Endes auch für den Zuschauer auf. Ihren Handlungsmotiven wird genügend Platz eingeräumt, um ein Gefühl für die vier Männer zu entwickeln und gerade dadurch entsteht auch die Kraft, welche in Paul Greengrass’ CAPTAIN PHILLIPS liegt. Der Versuch ein so großes Frachtschiff ohne Aufsehen einnehmen zu können, ist von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Diese Verzweiflung, in dem Akt, es trotzdem zu tun und auch in dem Handeln des Kapitäns, hält den Betrachter gebannt über die gesamte Dauer von 134 Minuten im Kinosessel. Tom Hanks gelingt es zudem die Rolle des Kapitän Phillips nuanciert zum Leben zu erwecken. Er präsentiert einen starken Charakter, der es aufgrund seines Mutes und seines Handlungsgeschicks schafft der Hölle zu entkommen. So ist CAPTAIN PHILLIPS ein überaus eindringliches wie vor Aktualität strotzendes Werk (erst nach diesem Zwischenfall wurde privates Wachpersonal auf den Frachtschiffen zugelassen und verhinderte wenige Monate später einen erneuten Versuch von Piraten sich Zugang zur Maersk Alabama zu verschaffen), dass dem Zuschauer, trotz der Ferne zu der Thematik, durch und durch gehen wird.

6 NOMINIERUNGEN

Bester Film Bester Nebendarsteller Bestes adaptiertes Drehbuch Bester Schnitt Bester Ton Bester Tonschnitt 38


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Fotos: Sony Pictures Releasing


„Can you please not fight in here? I don't think I can take it. For some reason, my Xanax isn't kicking in.“ — Jasmine

REGIE Woody Allen DARSTELLER Cate Blanchett Alec Baldwin Sally Hawkins KINOSTART 07. November 2013 40


DER FREIE FALL Auf seine alten Tage weiß Woody Allen ein ums andere Mal mit lockerleichten Filmperlen zu überraschen, die durch eine bitterböse, witzige oder auch äußerst ernsthafte Beinote im Gedächtnis bleiben. So auch mit BLUE JASMINE geschehen – einem Film, der vor allem durch seine Ausnahmedarstellerin Cate Blanchett überzeugt. Jasmine (Cate Blanchett, AVIATOR) hat das Schicksal hart getroffen. Nach vielen Jahren des Zusammenlebens findet sie heraus, dass ihr Mann Hal (Alec Baldwin, WENN LIEBE SO EINFACH WÄRE) sie betrügt. Als wäre dies nicht schon genug der Demütigung, ist Hal auch in seinem Job ein Betrüger und muss genau aus diesem Grund für eine ganze Weile ins Gefängnis gehen. Nun sitzt Jasmine quasi auf der Straße. Eine Situation, mit der sie so gar nicht umzugehen weiß. Einen Nervenzusammenbruch später landet sie dann schließlich bei ihrer Adoptivschwester Ginger (Sally Hawkins, WE WANT SEX) in einer gemütlichen, kleinen Wohnung – ständig neuen Annäherungsversuchen der Männer und keiner Perspektive ausgesetzt. Nach MATCH POINT (2005) oder auch MIDNIGHT IN PARIS (2011) widmet sich der Herrscher über den klugen Dialogwitz, Woody Allen, ein weiteres Mal dem Clash der Milieus. „Sie muss ihre gewohnte Umgebung verlassen, und das ist jenseits ihrer Vorstellungskraft. Sie betritt ein völlig unbekanntes Terrain, reist von der Ostküste an die Westküste, wechselt [...] die soziale Klasse.“ (Cate Blanchett) Jasmine hat all die Vorzüge einer reichen Vorzeigedame und Ginger die schlichte Besonnenheit einer Mittelklasse-Klischee-Frau. Doch wer hier im Ring nach den rund anderthalb Stunden besser abgeschnitten hat, ist schwer auszumachen. Vielmehr mag der Schwermut der festgefahrenen Situation für sich einzunehmen. Cate Blanchett, welche die erste Wahl des Regisseurs (und wie immer auch Drehbuchautors) für diese verlorene Figur darstellte, bringt den Inhalt von Allens Werken auf den Punkt: „Er zeigt Menschen, die total von der Ernsthaftigkeit ihres Lebens überzeugt sind – was völlig absurd ist.“ So sieht Blanchett auf Dauer eher nach Bob Dylan mit Tränensäcken (I’M NOT THERE) als nach Galadriel in DER HERR DER RINGE-Trilogie aus. Trotz Chanel, makelloser Haut und ebenso makellosen Manieren: diese Frau ist gebrochen. Sie zittert, spricht mit sich selbst und befindet sich noch immer in der Illusion jemand auf der Park Avenue zu sein. „Von Anfang an ist klar, dass Jasmine verloren ist.“ (Woody Allen) Jasmines gespreizte Art, ihre stetigen Erfindungen sowie Überhöhungen ihrer selbst werden dem Zuschauer mit Sicherheit ein Dauergrinsen ins 41


Gesicht zaubern können. Ein Beispiel für die amüsante Kompliziertheit von Jasmines Gedankengängen ist ihr Wunsch danach Interieurdesignerin zu werden. So will sie zunächst einen Computerkurs belegen, um so Interieurdesign online studieren zu können. Und um dafür das nötige Kleingeld zu haben, jobbt sie zusätzlich in einer Zahnarztpraxis – ein großes Kuddelmuddel! Aber Allen erreicht bei all der guten Unterhaltung mit Blue Jasmine auch eine Emotionalität mit den Situationen, in welche er seinen fragilen Hauptcharakter völlig überfordert hineinsteckt, die weit über die seiner Filme in den letzten Jahren hinaus geht und somit noch Wochen nach dem Schauen bittersüß nachhallt.

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NOMINIERUNGEN Beste Hauptdarstellerin Beste Nebendarstellerin Bestes Originaldrehbuch 42


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Fotos: Warner Bros. Pictures Germany


„Half of North America just lost their Facebook.“ — Matt Kowalski

REGIE Alfonso Cuarón DARSTELLER Sandra Bullock George Clooney Ed Harris KINOSTART 03. Oktober 2013 44


BLOSS NICHT LOSLASSEN! Das Weltall. Es bietet den wohl besten Ausblick auf die Erde und ist gleichzeitig ein überaus menschenfeindlicher Ort. Genau dort befinden sich Ryan Stone (Sandra Bullock, BLIND SIDE – DIE GROSSE CHANCE) und Matt Kowalski (George Clooney, THE DESCENDANTS – FAMILIE UND ANDERE ANGELEGENHEITEN) als ein Unglück die Beiden auseinanderreißt und die einzige Chance auf Rettung für Ryan darin besteht die nächstgelegene chinesische Raumstation zu erreichen, um von dort aus zurück auf die Erde zu fliegen. Ein dramatischer Kampf um das nackte Überleben beginnt, der auch den Zuschauer nicht unbeschadet zurücklässt. Ein Kammerspiel der etwas anderen Art. Der CHILDREN OF MENRegisseur Alfonso Cuarón (er schrieb auch das Drehbuch gemeinsam mit seinem Sohn Jonás Cuarón und zeigt sich ebenfalls für Schnitt und Produktion mit verantwortlich) spielt mit den Urängsten des Menschen. In GRAVITY greifen die Panik in der unendlichen Weite, ohne Schutz und Sicherheiten und Klaustrophobie wunderbar in 90 Minuten in einander. So zittert nicht nur Oscar-Preisträgerin Sandra Bullock in ihrer überzeugend dargebotenen Rolle wie Espenlaub, sondern auch mindestens genauso heftig der Betrachter. Alles bewegt und dreht sich, man befindet sich im freien Fall und muss sich außerdem noch vor herabstürzenden Raumstation-Teilen oder gar Leichen schützen. Und die ganze emotionale Achterbahnfahrt findet zudem in schönstem 3D statt. Dieses wird in Cuaróns Werk so unvergleichbar gut und überwältigend eingesetzt, so dass man sich nur wünschen kann, dass GRAVITY in Zukunft der Maßstab für 3D-Umsetzungen sein wird. Kein Wunder also, dass der Regisseur rund viereinhalb Jahre für die Umsetzung seines Weltraum-Schock-Szenarios benötigte. Gelohnt hat es sich in jedem Fall. GRAVITY setzt zwar Minute für Minute neue Angstattacken frei, weiß aber auch mit epischen Bildern und einer spannenden Geburts-Analogie den Atem zu rauben. Ganz zurecht wird er bereits als heißer Oscar-Kandidat gehandelt und man kann sich nur freuen, dass Sandra Bullock nach einem eher sinnfreien Ausflug ins Quatsch-Krimi-Genre (TAFFE MÄDELS) in Alfonso Cuaróns Film (der u.a. zunächst Angelina Jolie für die Figur der Ryan Stone vorgesehen hatte) wieder zu voller Größe aufblühen kann.

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10 NOMINIERUNGEN

Bester Film Beste Regie Beste Hauptdarstellerin Bestes Szenenbild Beste Kamera Bester Schnitt Beste Filmmusik Bester Ton Bester Tonschnitt Beste visuelle Effekte

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Fotos: Warner Bros. Pictures Germany


„Horse says you are a spirit walker. A man who’s been to the other side and returned. A man who cannot be killed in battle.“ — Tonto

REGIE Gore Verbinski DARSTELLER Armie Hammer Johnny Depp William Fichtner KINOSTART 08. August 2013 48


DIE ABENTEUER VON LONE RANGER UND TONTO In dem Jahr 1869 sind die Veränderungen im Wilden Westen überall spürbar. Unzählige Menschen stellen sich in den Dienst des Magnaten Latham Cole (Tom Wilkinson, MICHAEL CLAYTON), um eine Eisenbahnstrecke nach der anderen zu bauen. Auch der Anwalt John Reid (Armie Hammer, THE SOCIAL NETWORK) kehrt dorthin zurück, um ebenfalls den Samen des unaufhaltsamen Fortschritts in das Justizsystem, so wie er es versteht, zu pflanzen. Doch als er in dem Präriegebiet angelangt ist, muss er feststellen, dass dort wenig Wert auf friedfertige Verfahrensweisen gelegt wird, sondern vielmehr auf handfeste Rachefeldzüge. So reitet der Neuling schließlich mit seinem Bruder, dem Texas Ranger Dan Reid (James Badge Dale, SHAME), und seiner Gruppe los, um den entflohenen Bösewicht Butch Cavendish (William Fichtner, DRIVE ANGRY) zur Strecke zu bringen. Aber nachdem der Trupp in einen Hinterhalt geraten ist, kann der Indianer Tonto (Johnny Depp, ALICE IM WUNDERLAND) nur noch John Reid retten. Letztlich haben beide eine ganz eigene Rechnung mit Cavendish zu begleichen und so machen sie sich gemeinsam auf den Weg, Tonto mit einem toten Vogel als Kopfschmuck und John Reid mit seiner Identität verschleiernden Maskierung, um endgültig Gerechtigkeit und Frieden zu erlangen. „Es geht um die Wandlung von John Reid hin zum Lone Ranger eingerahmt von einer Tragikomödie, die sich zwischen zwei Figuren von völlig unterschiedlicher Herkunft entwickelt. Zu Beginn der Story kommen die beiden überhaupt nicht miteinander klar und entwickeln erst im Verlauf ihrer gemeinsamen Erlebnisse eine Art fragile Freundschaft. Unsere Version ist spannend, aufregend, dramatisch, witzig, spektakulär und emotional.“ (Produzent Jerry Bruckheimer) Bereits vor zwei Jahren setzte der FLUCH DER KARIBIK-Regisseur Gore Verbinski eine außergewöhnlich eigenbrötlerische Figur ein, um im Wild Wild West auf Rettungsmission zu gehen. So stellte sich in dem 2011er Animationsfilm RANGO ein schauspielerndes Chamäleon als Held des kleinen Örtchens Dirt heraus und im 2013er LONE RANGER ist es nun ein verklemmter Pazifist mit dem Allerweltsnamen John Reid. Nicht nur in der Wahl solcher irrwitzigen Unikate als Hauptcharaktere bewies Verbinski einen guten Riecher, sondern auch in der Besetzung der solchen in seinen Western-Streifen. Während Johnny Depp in RANGO noch die absolut auf ihn zugeschnittene Hauptrolle bekleidete, bezieht er in dem neuen 149-Minüter den nicht minder humorlastigen Nebenposten. Der SPIEGLEIN SPIEGLEIN-Märchenprinz Armie Hammer schmückt sich dagegen mit dem Titel des LONE RANGER. Der Endzwanziger Strahlemann konnte in der jüngsten Vergangenheit schon einige große Rollen abstauben, jedoch wollten die Funken bei seinem Spiel nie so 49


richtig ins Sprühen kommen. Umso überraschender, dass Depp zwar problemlos Hammer auf der Deutschlandpremiere im August die Show stiehlt, aber der 1986 geborene dieses eine Mal trotzdem überzeugen kann. Er ist tollpatschig, deplatziert und zunächst kriegt er auch nicht die von ihm so gewollte Frau (Ruth Wilson, LUTHER) ab – und sorgt genau damit für einige überzeugte Schenkelklopfer. „Sobald man Armie kennenlernt, merkt man schnell, dass er keinen Funken Zynismus oder Verdorbenheit in seinem Körper hat. Armie blickt mit einem umfassenden, blinden Optimismus auf die Welt. Und wir brauchten genau so jemanden, dem man auch etwas altmodische Ansichten abkaufen würde.“ (Gore Verbinski) Trotz dieser erfolgsversprechenden Mischung aus Darstellern und Machern musste die 250 Millionen Dollar Disney-Verfilmung schon ordentlich Häme einstecken. Zu klamaukig, zu viele Drehbuchschwächen auf zu langer Spieldauer verteilt und einfach zu teuer um dermaßen eklatante CGI-Fehltritte dem Zuschauer zumuten zu können. So die besonders schwerwiegenden Probleme des Abenteuerfilms in komprimierter Form. Doch nichtsdestotrotz kann man auch, mit der Unterstützung von den soliden Kompositionen Hans Zimmers, einen launigen Kino-Spaß erleben, in dem es neben kannibalisch veranlagten Kaninchen auch weinende Kinder und ein magisches Pferd zu begucken gibt.

2 NOMINIERUNGEN

Bestes Make-up und beste Frisuren Beste visuelle Effekte 50


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Fotos: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany


„Just because everybody hates it doesn’t mean it’s not good.“ — Gru

REGIE Chris Renaud Pierre Coffin DARSTELLER Steve Carell Kristen Wiig Russell Brand KINOSTART 04. Juli 2013 52


DER NEUE HELD IST EIN EHEMALIGER VERBRECHER Es ist schon einige Zeit ins Land gezogen seid die Heimkinder Edith, Margo (im Original: Miranda Cosgrove, SCHOOL OF ROCK) und Agnes bei Gru (im Original: Steve Carell, CRAZY, STUPID, LOVE., im Deutschen: Oliver Rohrbeck) vor der Tür standen, um ihm Kekse zu verkaufen und schließlich nie wieder gehen mussten. Nachdem Gru seine Kinderliebe entdeckte und die Drei adoptierte, entschied er sich sogar dazu seinen Superschurken-Job an den Nagel zu hängen. Nun versucht er sich gemeinsam mit seinen Minions und Wissenschaftler Dr. Nefario (Original: Russell Brand, MÄNNERTRIP, deutsche Fassung: Peter Groeger) im Marmeladen-Geschäft. Zumindest bis ihn die Agentin Lucy (Kristen Wiig, BRAUTALARM, im Deutschen: Martina Hill, SWITCH RELOADED) unter der Anleitung von Silas Ramspopo (Originalfassung: Steve Coogan, TROPIC THUNDER, im Deutschen: Thomas Danneberg) rekrutiert, um auf der Seite der Guten zu arbeiten. Er soll den Verbrecher ausfindig machen, der ein Serum geklaut hat, welches normale Lebewesen zu Scheusalen mutieren lässt. Nun muss Gru in Zusammenarbeit mit der tollpatschigen Lucy in einem Kaufhaus nach Verdächtigen Ausschau halten, was ihm wegen der Attraktivität seiner Kollegin sowie seinen Vater-Pflichten ordentlich durcheinander bringt. ZURÜCK ZUR ARBEIT? In dem zweiten Teil der Schurkengeschichte rund um Gru und Co. steht die Liebe im Vordergrund. Zum einen soll der grummelige Gru endlich unter die Haube gebracht und den Kindern so eine neue Mutter geschenkt werden. Und zum anderen verliebt sich auch die älteste der drei Mädchen zum ersten Mal, was ein ums andere Mal für kitschig süße wie auch besonders viele chaotische Momente sorgt. Doch das alles mag nicht im Geringsten so zu amüsieren und zum Mitgehen animieren wie die kleinen gelben Helfer von Gru, die stets mit unheimlich viel Spaß und Herz bei der Sache sind und zudem ganz viel Hunger auf Eis haben. Dass für die Minions ein Spin-off in Planung ist, stellt sich somit als logischer nächster Schritt für Universal da. Denn auch in ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 2 erweisen sie sich als die unangefochtenen Hauptdarsteller. Eine jede Szene wissen sie zu beleben, außergewöhnlich oder einfach entzückend albern zu machen. Dieser, unter der Regie von Chris Renaud und Pierre Coffin angefertigte, zweite Teil wurde bereits im Kino ordentlich gefeiert und damit sollte schon klar sein, dass diese herrlich anarchische Geschichte auch im Heimkino eine sehr gute Figur machen wird.

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2 NOMINIERUNGEN

Bester Animationsfilm Bester Filmsong 54


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Fotos: Universal Pictures Germany


„If you want love, then this is it. This is real life. It's not perfect but it’s real.“ — Jesse

REGIE Richard Linklater DARSTELLER Julie Delpy Ethan Hawke KINOSTART 06. Juni 2013 56


EIN TAG IN DEM LEBEN VON CELINE UND JESSE Celine (Julie Delpy, 2 TAGE PARIS) und Jesse (Ethan Hawke, TÖDLICHE ENTSCHEIDUNG) befinden sich im Sommerurlaub in Griechenland. Während Jesses Sohn (Seamus Davey-Fitzpatrick, MOONRISE KINGDOM) aus erster Ehe bereits den Flieger nach Hause in amerikanische Gefilde nehmen musste, hat das Paar die jungen Zwillinge Ella und Nina (Jennifer und Charlotte Prior) immer um sich herum. Bei einem üppigen Mittagessen mit Freunden entscheiden diese, dass den Beiden zum Abschluss ihres Urlaubes eine Nacht ohne Kinder in einem Hotel vergönnt sein soll. Ariadni (Athina Rachel Tsangari, ATTENBERG-Regisseurin) und Stefanos (Panos Koronis) wollen auf die Mädchen aufpassen und Celine und Jesse Zeit für sich schenken. Doch es kommt anders als geplant. Schon zuvor, während der Autofahrt und bei einem Spaziergang kommen sich die Zwei in die Haare. Jesse betont wie sehr es ihn stört seinen Sohn nicht um sich haben zu können, weil er nun mit Celine in Paris lebt. Sie will nicht als Sündenbock da stehen und hat zugleich Angst nicht mehr genug von ihm geliebt zu werden. Die Situation droht im Hotelzimmer zu eskalieren und Celine glaubt, dass die Alternativen zu einer Trennung immer dünner gesät zu sein scheinen. Mittlerweile hat Richard Linklaters BEFORE SUNRISE – ZWISCHENSTOPP IN WIEN 19 Jahr auf dem Buckel. Das nach dem Konzept „zwei Menschen aus verschiedenen Kulturen lernen einander in einer ihnen fremden Stadt kennen“ (Richard Linklater) funktionierende Werk erhielt vor 9 Jahren den Nachfolger BEFORE SUNSET, welcher sogar eine Oscar-Nominierung für das beste adaptierte Drehbuch erntete. Im Jahr 2013 folgt nun ein 3. Teil einer Filmreihe, in welcher die zwei Protagonisten in malerischer Kulisse herumlaufen, sitzen oder liegen und sich romantisch, ernst wie auch beißend komisch unterhalten. So wie auch schon bei dem Vorgänger schrieben Julie Delpy und Ethan Hawke gemeinsam mit Richard Linklater an dem Drehbuch zu BEFORE MIDNIGHT. Das Gespann scheint vor wie hinter der Kamera mit bestechender Leichtigkeit zu funktionieren, denn herausgekommen ist ein 108-minütiges dialogisches Feuerwerk unter der in die Irre führenden Sonne Griechenlands. Mit erotischer und kämpferischer Knisterei, Urlaubssehnsüchten wie auch beispielsweise Witzeleien zu möglichen Erziehungspannen. Die endlose Romanze zwischen dem mittlerweile Anfang 40-jährigen Paar Celine und Jesse will einfach noch immer kein Stück ermüden, da Linklater immer wieder neue Wege geht und überraschende Perspektiven zu wählen weiß. „Diese Figuren befinden sich in einer neuen Phase ihres Lebens und verfügen über deutlich mehr menschliche Erfahrung, auf die sie sich beziehen können – und die es so lohnend macht, dass man ihnen nachforscht.“ (Richard Linklater) 57


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NOMINIERUNG Bestes adaptiertes Drehbuch 58


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Fotos: Prokino Filmverleih


„The enemy of my enemy is my friend.“ — James T. Kirk

REGIE J.J. Abrams DARSTELLER Chris Pine Zachary Quinto Benedict Cumberbatch KINOSTART 09. Mai 2013 60


EARTH WILL FALL J.J. Abrams’ STAR TREK-Franchise ist um einiges düsterer und größenwahnsinniger als das 2009er Werk. Der Grund liegt an einem der härtesten Feinde des STAR TREK-Universums überhaupt: Kahn. Der Mann mit dem unbezwingbaren Willen und den unvergleichlichen Überkräften. Ist da etwa das Ende schon vorprogrammiert? Selbst nachdem James T. Kirk (Chris Pine, DAS GIBT ÄRGER) zum Kapitän der Enterprise ernannt wurde, setzt er sich noch immer über bestehende Regeln hinweg. Als der Erste Offizier Spock (Zachary Quinto, DER GROSSE CRASH – MARGIN CALL) in einem Vulkan zu verbrennen droht, während er versucht die Zerstörung des Planeten Nibiru zu verhindern, rettet ihn Kirk in letzter Minute aus den Flammen. Doch nicht ohne verheerende Folgen. Die primitiven Einwohner erblicken das Raumschiff, was eine drastische Einmischung in die Fortentwickelung von Nibiru darstellt. Diese unbedachte Handlung zieht schwerwiegende Folgen nach sich. Kirk wird von Admiral Pike (Bruce Greenwood, DINNER FÜR SPINNER) zurück auf den Posten des Ersten Offiziers und Spock komplett versetzt. Kirk kann es kaum fassen, dass es Spock war, der ihn erst verraten hat und seine freundschaftliche Geste scheinbar nicht zu schätzen weiß. Doch schon bald müssen die beiden unter Beweis stellen wie gut sie auch als Team zusammen arbeiten können. Denn der abtrünnige Offizier John Harrison (Benedict Cumberbatch, DAME, KÖNIG, AS, SPION) verübt einen Angriff auf die Sternenflotte und erschüttert die Föderation in ihren Grundfesten. Persönlich betroffen, will die Mannschaft der Enterprise Rache nehmen. Was bezweckt Harrison? Welcher Wahnsinn steckt wirklich hinter seinen Taten? THEY HAVE ONE CHANCE TO SAVE US ALL Nach vier TV-Serien und elf Kinofilmen startet Regisseur J.J.Abrams (LOST) erneut einen Versuch den STAR TREK-Kosmos um ganze 132 Minuten bewegtes Material zu bereichern. Ob Fans genauso glücklich über die Fortsetzung sind, wie es Crew und Regisseur bei der Berliner Pressekonferenz Ende April beteuerten, bleibt höchst unsicher. Denn STAR TREK INTO DARKNESS ist vor allem eines: belanglos. Ebenso wie nach dem ersten Sci-FiFilm mit Abrams auf dem Regiestuhl vermag man sich kaum noch an den Inhalt erinnern. Die Action spielt die unangefochtene Hauptrolle und lässt die Handlung mitsamt der Kumpel- wie Beziehungs-Zickereien (bei Spock und Uhura – Zoe Saldana, COLOMBIANA – kriselt es) als Nebenschauplatz nur wage aufscheinen. Ob Simon Pegg (SHAUN OF THE DEAD) als neurotisches Superhirn Scotty, Alice Eve (MEN IN BLACK 3) alias Neuling Dr. Carol Marus, Anton Yelchin (DER BIBER), der nervöse Russe Pavel Chekov, John Cho in der Rolle des Steuermanns Hikaru Sulu oder auch Karl Urban (DREDD) 61


als ärztlicher Beistand mit dem dümmlichen Namen Pille – einem jeden ihrer Charaktere muss in der unverhältnismäßig langen Laufzeit noch gezwungenermaßen eine Daseinsberechtigung hineingeschrieben werden. Im Großteil des Werkes haben sie jedoch keinen Platz und können letztlich nur halbgare Heldenmomente sowie lahme One-Liner präsentieren. Auch Draufgänger Chris Pine stellt sich als statischer, unemotionaler Brennpunkt dar, bei dem jede Nahaufnahme eine wahre Verschwendung ist. Dagegen kann Applaus geerntet werden mit den effektvollen, monumentalen Schauplätzen und einem Gegenspieler wie Benedict Cumberbatch, der seiner Rolle als fieser Supermensch die nötige Kontur verleiht. Denn natürlich wurden die 185 Millionen Dollar Produktionskosten gut angelegt in diesem 2. Teil. Wie in IRON MAN 3, THE DARK KNIGHT RISES oder auch MARVEL’S THE AVENGERS muss bei den neuesten Action-Filmen immer das Extremste von allem sein. Unschlagbarer, tiefer sinkender und düsterer als alles zuvor Gesehene. Doch bei dem Konsumieren all dieser Helden-Filme hat sich so langsam aber sicher ein unbezwingbares Sättigungsgefühl breit gemacht und man kann in der Zukunft nur auf reichlich frische, innovative Ideen hoffen.

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NOMINIERUNG Beste visuelle Effekte 62


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Fotos: Paramount Pictures Germany


„You can take away my suits, you can take away my home, but there’s one thing you can never take away from me: I am Iron Man.“ — Tony Stark

REGIE Shane Black DARSTELLER Robert Downey Jr. Gwyneth Paltrow Ben Kingsley KINOSTART 01. Mai 2013 64


Labil? Gebrochen? Traumatisiert? Adjektive, die man wohl kaum mit dem selbst ernannten Genie, Milliardär und Playboy Tony Stark (Robert Downey Jr., SHERLOCK HOLMES) in Verbindung bringt. Doch im dritten Teil von IRON MAN ist alles anders – angefangen bei der Gesichtsbehaarung. „Hier geht es nicht um Politik, sondern um die gute alte Rache.“ (Tony Stark) Nach dem Tony Stark als Mitglied der Rächer-Initiative THE AVENGERS die Welt vor dem machtbesessenen Loki (Tom Hiddleston, THOR) retten konnte, wird er von stetiger Schlaflosigkeit und Angstzuständen geplagt. Nun soll er aber den Mandarin (Ben Kingsley, HUGO CABRET) aufhalten, einen Terroristen der mit allen Wassern gewaschen ist. Dies kann der skrupellose Schurke spätestens dann unter Beweis stellen als er erfolgreich einen Anschlag auf das prunkvolle Stark-Anwesen in Miami verübt und neben der Zerstörung von Tonys Hobbykeller voller Iron Man-Anzüge auch Pepper (Gwyneth Paltrow, TWO LOVERS) und die alte Bekannte Dr. Maya Hansen (Rebecca Hall, VICKY CHRISTINA BARCELONA) in höchste Gefahr bringt. Doch ist Tony stark genug für diese neue Herausforderung? Oder ist er durch die konstante Angst um seine geliebte Pepper, die zudem durch ein unheimliches Interesse seitens Aldrich Killian (Guy Pearce, MEMENTO) und seiner Forschungseinrichtung A.I.M. (Advanced Idea Mechanics) ganz abgelenkt ist, zu sehr geschwächt? „Heute ist der erste Tag vom Rest ihres Lebens.“ (Der Mandarin) Iron Man ist nicht unbesiegbar. Im dritten Teil der Comic-Adaption, welche unter der Regie von Genre-Fan Shane Black (KISS KISS BANG BANG, schrieb zusammen mit Drew Pearce das Drehbuch zur Marvel-Produktion) entstand, wird unaufhörlich das Bild eines gehemmten und auf sich gestellten Mannes gezeigt. Denn nachdem er sich plötzlich nur noch mit einem Prototyp-Anzug im eisigkalten Tennessee wiederfindet, muss er zeigen, dass er wie zu Beginn des ersten IRON MAN allein mit seinem richtigen Gespür und mit Mut sowie Erfindergeist viel erreichen kann. Und auch wenn Stark den Kampf mit seinen Dämonen allein führen muss, so stehen ihm beim Krieg gegen den Terror ein kleiner Junge (Ty Simpkins, INSIDIOUS) sowie sein alter Freund James Rhodes (Don Cheadle, FLIGHT) alias Iron Patriot zur Seite. Auch diese zwei so unterschiedlichen Charaktere helfen Stark dabei sich weiterzuentwickeln, seine Persönlichkeit zu formen. Und somit bleibt, trotz all der ausgefallenen Action, der aufwändigen Explosionen, der wechselnden Bösewichte und einer äußerst wütenden Pepper Potts immer der Fokus auf den einen, wahren Protagonisten des 130-Minüters. Tony Stark, der sich nicht auf das Blech um ihn herum reduzieren lässt, ist ein charmanter wie angenehm unkonventioneller Superheld (auch ohne die hier so 65


gewollt eingebaute psychologische Tiefe). Und zudem kann noch immer mit einer guten Portion absurden Humor und Ăœberraschungen an den richtigen Stellen gepunktet werden.

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NOMINIERUNG Beste visuelle Effekte 66


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Fotos: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany


„Life is not generous.“ — Elise Vandevelde

REGIE Felix Van Groeningen DARSTELLER Johan Heldenbergh Veerle Baetens Nell Cattrysse KINOSTART 25. April 2013 68


ERSTENS KOMMT ES ANDERS UND ZWEITENS ALS MAN DENKT Zunächst erzählt THE BROKEN CIRCLE eine romantische Liebesgeschichte. Es werden die ersten zärtlichen Blicke zwischen der Tätowiererin Elise (Veerle Baetens, LOFT – TÖDLICHE AFFÄREN) und dem BluegrassBandmitglied Didier (Johan Heldenbergh, HASTA LA VISTA), das rückhaltlose Hingeben genauso eingefangen wie Schock-, Überraschungsmomente und Tatendrang bei der plötzlichen Schwangerschaft von Elise. Die Zwei scheinen ihr gemeinsames Leben im harmonischen Gleichgewicht gefunden zu haben als sie schließlich ihre Tochter Maybelle (Nell Cattrysse) um sich zu haben wissen. Doch dann wird umgeschwenkt. Die Liebesgeschichte entblättert sich, wirft die Hüllen der Sicherheit und wärmenden Flirterei ab und zeigt im Kern eine Leidensgeschichte als Maybelle im Alter von sechs Jahren an Krebs erkrankt. Das Glück, die Leidenschaft und sogar die Musik bekommen einen tiefen Bruch. DIE BESCHISSENHEIT DER DINGE-Regisseur Felix Van Groeningen zeigt in seinem vierten Spielfilm den Kreislauf der Dinge, wie er bittersüßer nicht sein könnte. Allein die musikalische Untermalung, komponiert von Björn Eriksson, wirkt stetig dem Traueraufbau entgegen und lässt die gewaltige Schlagkraft der Thematik an manch kritischer Stelle wie durch ein übergroßes Kissen gepolstert erscheinen. Häppchenweise wird dem Zuschauer die Tragweite der Geschichte serviert. Man blickt zurück. In die Zeit auf kleinen Bühnen mit bunten Scheinwerfern, auf eine Hochzeit mit einem Schleier, der aus einem Vorhang gemacht wurde. Dann schaut man nach vorn. Dort wo die Krankenhaussterilität Vernunft und Zuversicht mahnt. Neben der Musik sind Elises Tattoos in solchen Momenten der Kälte der einzige greifbare Lichtblick, der sich hoffnungsfroh durch das Gesamtwerk von 111 Minuten zieht. „In diesem Film geht es um mehr, als nur die Liebe der Eltern zu ihrem Kind. Es geht um die Liebe zwischen zwei sehr gegensätzlichen Menschen und um deren Verlust: wie man sich verliert, obwohl es das Letzte auf der Welt ist, was man will. [...] Didier verbirgt sein Leiden hinter seinen großen rationalen Prinzipien und Theorien, Elise dagegen flüchtet sich eher in eine Welt religiöser und irrationaler Vorstellungen.“ (Felix Van Groeningen) Die Idee zu THE BROKEN CIRCLE erhielt Van Groeningen durch das gleichnamige Theaterstück von Johan Heldenbergh. Eine Adaption stellte sich jedoch zuerst als schwierig allein aufgrund der Komplexität des Stückes dar. Doch nachdem Heldenbergh auch als Protagonist gewonnen werden konnte, ließen sich weitere Hindernisse leichter meistern. Und letztlich öffnete sich für den Regisseur die Tür in ein Reich voller persönlicher Geschichten zu dem Themenkreis große Liebe, Tod, Trost, Trauer, Elternschaft, Religion und Musik, die er im Spielfilmformat eindrücklich zu entzaubern wusste. 69


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NOMINIERUNG Bester fremdsprachiger Film 70


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Fotos: Pandora Film Verleih


„Never not be afraid!“ — Grug

REGIE Kirk De Micco Chris Sanders DARSTELLER Emma Stone Nicolas Cage Ryan Reynolds KINOSTART 21. März 2013 72


TRAU DICH AUS DEINER HÖHLE! Wir befinden uns in der Steinzeit, genauer gesagt bei den Croods. Eine Familie, wie aus dem Bilderbuch. Da es zu dieser Zeit überall nur so vor Gefahren wimmelt und alle Nachbarn der Croods bereits durch unterschiedlichste Gräuel sterben mussten, leben sie fast ausschließlich in einer Höhle. Grug (Originalstimme: Nicolas Cage, GHOST RIDER, im Deutschen: Uwe Ochsenknecht, DIE BLUTHOCHZEIT), das Oberhaupt der Sippe, ist sehr darauf bedacht nur am Tage auf die Jagd zu gehen und seinen drei Kindern einzuschärfen, dass es immer zum Tode führt, wenn man neue Dinge ausprobieren möchte. Während Sohnemann Thunk (Originalstimme: Clark Duke, KICK-ASS) jedes Wort seines Vaters mit einem frommen Nicken quittiert, stoßen die Verbote bei der rebellischen Eep (im Original: Emma Stone, THE HELP, deutsch: Janin Reinhardt, LOTTA IN LOVE) auf geschlossene Ohren. Sie will in die Welt hinaus, die Sonne genießen, neue Orte entdecken und vor allem frei sein. Als sie bei einem heimlichen Ausflug auf den weltgewandten Guy (Ryan Reynolds, GREEN LANTERN, deutsch: Kostja Ullmann, GROUPIES BLEIBEN NICHT ZUM FRÜHSTÜCK) trifft und er ihr erzählt, dass die Welt aufhören wird so zu existieren wie man sie bis jetzt kannte, ist sie sofort dafür ihn auf seinem Fluchtweg zu begleiten. Als die Vorhersagen von Guy dann auch tatsächlich eintreffen und die Kontinente sich zu spalten beginnen, schließt sich letztlich die ganze Familie dem Abenteuer an, um sich auf die Suche nach einem neuen, sicheren Domizil zu machen. Der DreamWorks-Animationsfilm DIE CROODS von den Machern Kirk De Micco (SPACE CHIMPS – AFFEN IM ALL) und Chris Sanders (DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT) ist witzig, farbgewaltig und amüsiert. Im Besonderen in den Momenten, in welchen neue Dinge wie Schuhe und Gürtel und Worte wie Kuscheln erfunden werden. In solchen Augenblicken wird klar gestellt, dass es sich bei dem 98-Minüter nicht nur um einen Kinderfilm handelt, sondern auch innovativen Spaß für die restlichen Familienmitglieder bietet. In dem Steinzeit-Spektakel gibt man sich – ganz ohne das Drängen auf historische Korrektheit – den Wünschen und Illusionen in 3D ohne Grenzen hin. In früheren DreamWorks-Werken wie dem 2006er FLUTSCH UND WEG oder auch MONSTERS VS. ALIENS aus dem Jahr 2009 konnte man oft eine störende visuelle Eindimensionalität erleben, welche die Figuren leblos und emotionslos aussehen ließ. Doch den Croods-Charakteren versuchte man nun mehr Tiefgang und Seele einzuverleiben, indem man zum Beispiel Schauspieler wie Emma Stone während der Synchronisation filmte, um dann selbst im Nachhinein noch ihre Mimik und Gestik in die Animation einfließen zu lassen. Somit kann man eine starke Protagonistin erleben, die den Film schon ganz allein zu tragen vermag. Speziell die Entwicklung der ersten Liebe 73


vermag auf der gesamten Linie zu beglücken. Ebenso wie die zahlreichen fantasievollen tierischen Kreaturen, die von einer großen Experimentierfreude der Erschaffer zeugen. Es gibt unter anderem Piranhasittiche, sportliche Emuböcke sowie flauschige Tiger zu bewundern. Und die Möglichkeit einer Fortsetzung scheint ebenfalls gegeben. Denn genügend Material für schwierige Familienangelegenheiten und der Sinnsuche im Leben ist auf jeden Fall vorhanden.

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NOMINIERUNG Bester Animationsfilm 74


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Fotos: Fox Deutschland


ÜBERSICHT NOMINIERUNGEN BESTER FILM AMERICAN HUSTLE Charles Roven Richard Suckle Megan Ellison Jonathan Gordon CAPTAIN PHILLIPS Scott Rudin Dana Brunetti Michael De Luca DALLAS BUYERS CLUB Robbie Brenner Rachel Winter GRAVITY Alfonso Cuarón David Heyman HER Megan Ellison Spike Jonze Vincent Landay NEBRASKA Albert Berger Ron Yerxa PHILOMENA Gabrielle Tana Steve Coogan Tracey Seaward 12 YEARS A SLAVE Brad Pitt Dede Gardner Jeremy Kleiner Steve McQueen Anthony Katagas THE WOLF OF WALL STREET Martin Scorsese Leonardo DiCaprio Joey McFarland Emma Tillinger Koskoff BESTE REGIE Alfonso Cuarón GRAVITY Steve McQueen 12 YEARS A SLAVE Alexander Payne NEBRASKA David O. Russell AMERICAN HUSTLE Martin Scorsese THE WOLF OF WALL STREET BESTER HAUPTDARSTELLER Christian Bale AMERICAN HUSTLE Bruce Dern NEBRASKA Leonardo DiCaprio THE WOLF OF WALL STREET Chiwetel Ejiofor 12 YEARS A SLAVE Matthew McConaughey DALLAS BUYERS CLUB BESTE HAUPTDARSTELLERIN Amy Adams AMERICAN HUSTLE Cate Blanchett BLUE JASMINE Sandra Bullock GRAVITY Judi Dench PHILOMENA Meryl Streep IM AUGUST IN OSAGE COUNTY

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BESTER NEBENDARSTELLER Barkhad Abdi CAPTAIN PHILLIPS Bradley Cooper AMERICAN HUSTLE Michael Fassbender 12 YEARS A SLAVE Jonah Hill THE WOLF OF WALL STREET Jared Leto DALLAS BUYERS CLUB BESTE NEBENDARSTELLERIN Sally Hawkins BLUE JASMINE Jennifer Lawrence AMERICAN HUSTLE Lupita Nyong’o 12 YEARS A SLAVE Julia Roberts IM AUGUST IN OSAGE COUNTY June Squibb NEBRASKA BESTES ORIGINALDREHBUCH AMERICAN HUSTLE Eric Warren Singer David O. Russell BLUE JASMINE Woody Allen DALLAS BUYERS CLUB Craig Borten Melisa Wallack HER Spike Jonze NEBRASKA Bob Nelson BESTES ADAPTIERTES DREHBUCH 12 YEARS A SLAVE John Ridley BEFORE MIDNIGHT Richard Linklater Julie Delpy Ethan Hawke CAPTAIN PHILLIPS Billy Ray PHILOMENA Steve Coogan Jeff Pope THE WOLF OF WALL STREET Terence Winter BESTER ANIMATIONSFILM DIE CROODS Chris Sanders Kirk DeMicco Kristine Belson ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 2 Chris Renaud Pierre Coffin Chris Meledandri ERNEST & CELESTINE Benjamin Renner Didier Brunner DIE EISKÖNIGIN – VÖLLIG UNVERFROREN Chris Buck Jennifer Lee Peter Del Vecho KAZE TACHINU Hayao Miyazaki und Toshio Suzuki

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BESTER FREMDSPRACHIGER FILM THE BROKEN CIRCLE Belgien REGIE Felix Van Groeningen DAS FEHLENDE BILD Kambodscha REGIE Rithy Panh DIE JAGD Dänemark REGIE Thomas Vinterberg LA GRANDE BELLEZZA – DIE GROSSE SCHÖNHEIT Italien REGIE Paolo Sorrentino OMAR Palästinensische Autonomiegebiete REGIE Hany Abu-Assad BESTER ANIMIERTER KURZFILM FERAL Daniel Sousa Dan Golden GET A HORSE! Lauren MacMullan Dorothy McKim MR HUBLOT Laurent Witz Alexandre Espigares POSSESSIONS Shūhei Morita FÜR HUND UND KATZ IST AUCH NOCH PLATZ Max Lang Jan Lachauer BESTER KURZFILM AQUEL NO ERA YO Esteban Crespo AVANT QUE DE TOUT PERDRE Xavier Legrand Alexandre Gavras HELIUM Anders Walter Kim Magnusson PITÄÄKÖ MUN KAIKKI HOITAA? Selma Vilhunen Kirsikka Saari THE VOORMAN PROBLEM Mark Gill Baldwin Li BESTES SZENENBILD 12 YEARS A SLAVE Adam Stockhausen Alice Baker AMERICAN HUSTLE Judy Becker Heather Loeffler GRAVITY Andy Nicholson Rosie Goodwin Joanne Woollard DER GROSSE GATSBY Catherine Martin Beverley Dunn HER K. K. Barrett Gene Serdena BESTE KAMERA THE GRANDMASTER Philippe Le Sourd GRAVITY Emmanuel Lubezki INSIDE LLEWYN DAVIS Bruno Delbonnel NEBRASKA Phedon Papamichael PRISONERS Roger Deakins

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BESTES KOSTÜMDESIGN 12 YEARS A SLAVE Patricia Norris AMERICAN HUSTLE Michael Wilkinson THE GRANDMASTER William Chang Suk Ping DER GROSSE GATSBY Catherine Martin THE INVISIBLE WOMAN Michael O’Connor BESTER DOKUMENTARFILM 20 FEET FROM STARDOM Morgan Neville Gil Friesen Caitrin Rogers THE ACT OF KILLING Joshua Oppenheimer Signe Byrge Sөrensen CUTIE AND THE BOXER Zachary Heinzerling Lydia Dean Pilcher DIRTY WARS: THE WORLD IS A BATTLEFIELD Richard Rowley Jeremy Scahill AL MIDAN Jehane Noujaim Karim Amer BESTER DOKUMENTAR-KURZFILM CAVEDIGGER Jeffrey Karoff FACING FEAR Jason Cohen KARAMA HAS NO WALLS Sara Ishaq THE LADY IN NUMBER 6 Malcolm Clarke Nicholas Reed PRISON TERMINAL: THE LAST DAYS OF PRIVATE JACK HALL Edgar Barens BESTER SCHNITT 12 YEARS A SLAVE Joe Walker AMERICAN HUSTLE Jay Cassidy Crispin Struthers Alan Baumgarten CAPTAIN PHILLIPS Christopher Rouse DALLAS BUYERS CLUB John Mac McMurphy Martin Pensa GRAVITY Alfonso Cuarón Mark Sanger BESTES MAKE-UP UND BESTE FRISUREN DALLAS BUYERS CLUB Adruitha Lee Robin Mathews JACKASS: BAD GRANDPA Stephen Prouty LONE RANGER Joel Harlow Gloria Pasqua-Casny BESTE FILMMUSIK DIE BÜCHERDIEBIN John Williams GRAVITY Steven Price HER William Butler Owen Pallett PHILOMENA Alexandre Desplat SAVING MR. BANKS Thomas Newman

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BESTER FILMSONG „Happy“ ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 2 Pharrell Williams „Let It Go“ DIE EISKÖNIGIN – VÖLLIG UNVERFROREN Robert Lopez Kristen Anderson-Lopez „The Moon Song“ HER Karen O Spike Jonze „Ordinary Love“ MANDELA – DER LANGE WEG ZUR FREIHEIT Dave Evans Paul Hewson Adam Clayton Larry Mullen BESTER TON CAPTAIN PHILLIPS Chris Burdon Mark Taylor Mike Prestwood Smith Chris Munro GRAVITY Skip Lievsay Niv Adiri Christopher Benstead Chris Munro DER HOBBIT – SMAUGS EINÖDE Christopher Boyes Michael Hedges Michael Semanick Tony Johnson INSIDE LLEWYN DAVIS Skip Lievsay Greg Orloff Peter F. Kurland LONE SURVIVOR Andy Koyama Beau Borders David Brownlow BESTER TONSCHNITT ALL IS LOST Steve Boeddeker Richard Hymns CAPTAIN PHILLIPS Oliver Tarney GRAVITY Glenn Freemantle DER HOBBIT – SMAUGS EINÖDE Brent Burge LONE SURVIVOR Wylie Stateman BESTE VISUELLE EFFEKTE GRAVITY Tim Webber Chris Lawrence Dave Shirk Neil Corbould DER HOBBIT – SMAUGS EINÖDE Joe Letteri Eric Saindon David Clayton Eric Reynolds IRON MAN 3 Christopher Townsend Guy Williams Erik Nash Daniel Sudick LONE RANGER Tim Alexander Gary Brozenich Edson Williams John Frazier STAR TREK INTO DARKNESS Roger Guyett Patrick Tubach Burt Dalton Ben Grossmann

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STATISTIK Filme mit mehr als einer Nominierung: AMERICAN HUSTLE 10x GRAVITY 10x 12 YEARS A SLAVE 9x CAPTAIN PHILLIPS 6x DALLAS BUYERS CLUB 6x NEBRASKA 6x HER 5x THE WOLF OF WALL STREET 5x PHILOMENA 4x BLUE JASMINE 3x DER HOBBIT – SMAUGS EINÖDE 3x IM AUGUST IN OSAGE COUNTY 2x ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 2 2x DIE EISKÖNIGIN – VÖLLIG UNVERFROREN 2x THE GRANDMASTER 2x DER GROSSE GATSBY 2x INSIDE LLEWYN DAVIS 2x LONE RANGER 2x LONE SURVIVOR 2x

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Die Preisverleihung findet am 02. M채rz 2014 statt und wird in der Nacht von Sonntag auf Montag live auf ProSieben 체bertragen. 82


HERAUSGEBER & REDAKTION Hella Wittenberg & David Streit FARBENSPORTLICH c/o Streit Wittenberg Horstweg 32 14059 Berlin KONTAKT hallo@farbensportlich.de GESTALTUNG David Streit, davidstreit.de COVER-ILLUSTRATION Hella Wittenberg ALLE RECHTE VORBEHALTEN Dieses Werk bzw. Inhalt ist unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz zug채nglich. COPYRIGHT creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de 83


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