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Ein Belvédère (italienisch) ist in der Architekturgeschichte ein Gebäude oder -teil, das einen schönen und weiten Ausblick ermöglicht. Zum Beispiel ein Turm, eine Kuppel oder eine offene Galerie oder Loggia im oberen Bereich eines Gebäudes oder an erhöhter Stelle. Aussichtspavillons in Parks oder dem Ausblick dienende kleine „Belvédèretürmchen“ in Villen gelten auch als Belvédère.

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Ex Libris


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BELVEDERE

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DAVOS

GRAND HOTEL &

ANDREAS AUGUSTIN

DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES ALPINEN ENTERTAINMENTS oder DER STUNDENPLAN DER ZERSTREUUNG

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DIE BERÜHMTESTEN HOTELS DER WELT EDITION RACONTEUR

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Hotel Belvédère, Winter 1878/79 Von Johann A. F. Sommer, aus der Sammlung des Hotels.

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Der Stundenplan der Zerstreuung

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Bericht einer Recherche

Strikte Liegekur im Freien und Eisstockschießen begegneten dem relaxten Baumeln in der Hängematte mit homoerotischen Tagträumen vor dem nachmittäglichen Curling oder Croquet. Bierernst traf Whiskeyhumor im Zigarrendunst. Und doch war man hier vereint im Kampf gegen diese fatale Lungenkrankheit. Faschingsmaske und fancy dress gingen gemeinsam zum Ball der Schwindsucht. Nie tanzte man ausgelassener als vor dem Ende. Und wenn es nicht kam? Aufschub gewährte? Dann suchte man sich weitere Diversifikationen. Noch eine Abfahrt, ein Schlittenrennen, eine Pirouette auf dem Eis. Oder mit dem Kopf voran auf einem Brett, dessen messerscharfe Kufen durch einen Eiskanal ins Tal donnern. Hauptsache, fulminant ins Ziel. So kam der Sport auf die Welt. Höher, weiter, schneller. Dafür stand Davos. Das längste Abfahrtsrennen der Welt, der älteste Eishockeycup der Welt, die ersten Schlittenrennen der Welt. Firsts, Firsts, Firsts. Wir beugen uns über die Wiege des alpinen Entertainments und betrachten ein Hotel, dessen Wurzeln in der originellen Tatsache ruhen, dass es hier in den Schweizer Bergen von einem Deutschen für Engländer gemacht wurde. So wurde es

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zum Zentrum des gemeinsamen gesellschaftlichen Lebens. Zur Heimstätte der unterhaltsamsten Literaten Europas, Ausstellungsort bedeutender Maler. Ort der Erfüllung und der Sehnsucht für alle, die hier Heilung suchten. Oder einfach nur Erholung. Die Ankunft der Intellektuellen der Welt war Ansporn und Bestätigung zugleich. Der Output, den Davos inspirierte und produzierte, stand den kulturellen Zirkeln von Wien, Paris, London oder Berlin in nichts nach.

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nter dem erstaunten Blick der Schweizer Bergler kolonialisierten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts „die Fremden“ den Ort Davos. Im Herzen der Schweizer Alpen prallte das deutsche Prinzip der befohlenen Verordnung auf die britische Maxime der sportlichen Wettkämpfe. Während preußischer Drill den Tagesablauf der einen bestimmte, machten die Großmeister des Zeitvertreibs von jenseits des Ärmelkanals die Pflicht zur lustvollen Auseinandersetzung.

So wurde das Grandhotel Belvédère zu einem roten Faden, der sich nicht nur durch die Geschichte von Davos zieht, sondern an dem auch so manche Geschichte hängt. Das Belvédère ist also Herberge und Visionär, Wegbereiter und Promoter. Danken muss man den Menschen, die es schufen und weitertrugen. Über die letzten 140 Jahre hat das Steigenberger Grand Hotel Belvédère seine Position als das führende Hotel von Davos Jahr für Jahr aufs Neue bestätigt. Es ist und bleibt die Drehscheibe der Gesellschaft, die sich hier trifft. Seine Geschichte liest sich wie das Who’s Who der großen Welt. Standards wurden etabliert, die mit wachsamen Augen verfolgt, bald den ganzen Ort inspirierten. In einer Serie von Momentaufnahmen erlauben wir uns, Bericht zu legen vom Entstehen einer Stadt in den Bergen, die zu globaler Bedeutung gelangte. Ihr Grand Hotel, das dürfen wir behaupten, hat dazu einen gewissen Beitrag geleistet. Andreas und Carola Augustin Sommer 2015

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Noch lange nicht „Grand“, doch schon mal „Hotel Belvédère, erbaut 1875 in bester Aussichtslage als lang gestreckter Giebelbau mit 30 Zimmern für J. C. Coester“, steht fachmännisch im INSA: Inventar der neueren Schweizer Architektur, 1850-1920, Davos, Hanspeter Rebsamen, Werner Stutz


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1875: Belvédère

Ff Coester fühlte sich besser seit er in der frischen Höhenluft des Landwassertales lebte und atmete. Die schlechte kloakenverseuchte Luft von Paris war vergessen, seine Lungen rasselten nicht mehr, er lebte als sei eine schwere Last von ihm gefallen. „Und wie wollen Sie Ihr Hotel nennen, verehrter Herr Coester?“ Coester sah mit ruhigen, jugendlichen Augen auf die Grundmauern seines Hotels. Sein Bart, der schon jetzt länger war als sein Haupthaar, verlieh ihm eine gewisse Autorität, doch seine Augen verrieten, dass er erst 29 Jahre alt war. Dann wanderte sein Blick von der kleinen Anhöhe, auf der er stand, über das Landwassertal und traf auf die Berge. „Belvédère! — Bei diesem Ausblick!“

u Der große Tag war gekommen: 17. Juli 1875. Feierlich eröffnete Carl Coester gemeinsam mit seinem Bruder Hermann sein Hotel. Es war ein Boutique Hotel, würden wir heute sagen. Nur 30 Zimmer. Klein aber

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fein. Die Einrichtung sorgfältig ausgewählt und aus dem Unterland herangekarrt. Beste Betten, gute Matratzen, hübsche Möbel. Auf einer Anhöhe, in klarer Luft. Mit guter Küche. Aber noch keine Rede von einem Grand Hotel. Die MacMorlands und die Bradshaw-Smiths zogen sofort ein. Damit wurde das Hotel als quintessential British eingestuft. Es hatte das ganze Jahr über geöffnet, wurde als Hotel ersten Ranges angepriesen, mit schöner Aussicht über das ganze Tal – Tannenwald in unmittelbarer Nähe! Große Terrassen und Balkone – komfortable Einrichtung – fünf öffentliche Räume (Speisesaal, Musiksalon, Lesesalon, Billiard und Café), vorzügliche Küche, Weine von den besten Jahrgängen, aufmerksame Bedienung – Pensionspreise inklusive Zimmer von Fr 5.– aufwärts. Nachzulesen auf der linken Seite. Elizabeth MacMorland setzt sich in den Lesesalon und arbeitete an einer Publikation über Davos. Sie hatte nicht vor, sich in diesem einsamen Dorf auch nur eine Sekunde zu langweilen. Sie war eine MacMorland und trug nicht nur schottischen Stolz in sich sondern auch jenen Abenteuergeist, der dieses Volk auszeichnete. Sie war hübsch. Ihre Großmutter aus der alten Familie der Lockharts of Lee war von Robert Burns, Schottlands großem Volksdichter, als Phyllis the Fair beschrieben worden.

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oester eröffnete ein Hotel — Die Konkurrenz schlief nicht — Die Engländer mit ihren verspielten Ideen — Das Belvédère wurde zu klein — J. E. Muddock schrieb einen Brief — In Zürich kommt Heidi auf die Welt

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Als er nach Davos kam, war er höchst zufrieden. Sein bester Schüler hatte gerade ein sehr starkes Bild präsentiert (das war Ferdinand Hodler, er hatte „Das mutige Weib“ 1886 gemalt). Johann Andreas Ferdinand Sommer, geboren 1822 in Coburg, war nun Gast im Belvédère. Der Deal war einfach: er malte das Hotel, jetzt ausgebaut, und dafür durfte er hier wohnen. Sommer malte das Hotel mehrmals und von diversen Perspektiven. Links sehen wir ein Werk, das „aus dem Hotel“ gemalt ist. Hodler wurde der berühmteste Maler der Schweiz, Sommer starb 1901 in Luzern. Im Hotel finden sich zwei original Sommer – beide zeigen das Hotel, dieses hier aus dem Südwesten, das zweite aus dem Südosten (siehe Seite 2). Links sehen Sie, wie wir arbeiten. In diesem Fall hat der Archivar der Davoser Dokumentations Bibliothek Dr. Timothy Nelson recherchiert. Wann Sommer das Bild gemalt hat, lässt sich aus der Architekturgeschichte schließen. Wir sagen, es war frühestens 1879.


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1880

Ff In Aschaffenburg im Spessart wurde Ernst Ludwig Kirchner 1880 geboren. In diesem Jahr übernahm Coester die Zweigstelle der Bank für Graubünden. Und in seinem Hotel hängte er in der Bibliothek die Portraits der Sieger des Buol Run Schlittenrennens auf.

u Coester musste sich wieder einmal rechtfertigen: Diesmal, weil er den Hinterbliebenen von verstorbenen Gästen die gesamte Zimmereinrichtung auf die Rechung gesetzt hatte. Schließlich verlangte es die Hygienevernunft, dass man in so einer Situation vom Leintuch bis zum Bettgestell alles verbrannte:

”You will see by this list that since the opening of my hotel, in July, 1875, during a period of seven years, twelve patients have died in the house, and the highest sum reckoned for bedding and bedclothes (the bedstead being never charged for!) is £17, and the lowest £2.0s., and the average of all the payments is £9.19s,...“ und so weiter.

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Symonds zeichnete einen Artikel in The Fortnightly Review, Davos in Winter, in dem er in das selbe Horn stieß wie Elizabeth MacMorland (beide sprachen übrigens gar nicht schlecht Deutsch). Er lobte die weißen Alps in their winterrobe of snow über den grünen Klee. Davos war für Symonds Zufluchtsort. Er hatte bewusst Distanz zu England gesucht. Er publizierte regelmäßig in Londoner Magazinen, aber Anfeindungen wegen seiner homosexuellen Neigung hatten ihm das Leben schwer gemacht. In Davos lebte er mit seiner Frau, genoss die Landschaft und den gelegentlichen Blick auf einen strammen Bauernjungen, der zu erotischen Tagträumen führte, die er in seinen Notizen beschrieb. Symonds hielt Hof im Speisesaal des Belvédère. Er saß mit seiner Familie zu Tisch und überblickte den Raum. Neuankömmlinge wurden gemustert, beurteilt, einsortiert. Ihm verdanken wir auch Belvédère gossip. In der Wintersaison 1880/81 notierte er am 17. November zum Beispiel:

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John Addington Symonds, der viktorianische Poet, der gerade New and Old: A Volume of Verse veröffentlicht hatte und dessen Renaissance in Italy in sieben Ausgaben zwischen 1875 und 1886 erschien, hatte das Belvédère nicht nur wegen seiner Britishness gewählt, sondern vielleicht auch, weil ihn der Name an das vatikanische Belvédère in Rom erinnerte.

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irchner wurde geboren — Ein gewisser Stevenson kam an — Ein Chemiker analysierte Davos — Muddock publizierte die chemischen Werte von Milch und Wasser und schwebte fortan in Lebensgefahr — Symonds schlug in die gleiche Kerbe und wurde ebenfalls angefeindet

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There is a very interesting man – Louis Stevenson – really clever, and curious in matters of style … I find him a great acquisition.

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30 Coester als Bankier. Ganz rechts der zu dieser Zeit übliche Kopf der Gästeliste des Hotels, darunter die Stevensons auf der Gästeliste des Belvédère vom 17. November 1880. Ein Foto von Stevenson kursierte im Dorf, das der Davoser Fotograf Richard Friedel angefertigt hatte. Robert in einer Tweedjacke, schwarzes Hemd, Haar gescheitelt, „almost smiling“ – steht in der Beschreibung. Die Schatzkarte aus der „Schatzinsel“.


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Swiss Pastry

Dinner is served at half past six o’clock, soup, fish occasionally, beef or mutton, one or more entrées, vegetables, the inevitable poulet rôti and salad, with pudding and dessert. On the whole the food is good, … the beef and the mutton of course will not compare with our Scotch and Southdown, and English people who know what good puddings and pies are will scarcely relish Swiss pastry.

u Warum war die berühmte Swiss pastry hier so schwach, wie Muddock es beschrieben hatte? Die Antwort war so einfach wie dramatisch: weil die meisten pastrychefs das Land verlassen hatten! In den Bergen fanden die jungen Männer kein Auslangen. Sie fielen ihren Familien sogar zur Last. Die im Winter vollkommen auf sich gestellten einsamen Hochgebirgstäler verloren dadurch ihre abenteuerlustigsten Burschen, die sich in die europäischen Hafenstädte und zum nächsten Schiff nach Amerika durchschlugen. In dieser Hälfte des 19. Jahrhunderts flüchteten hunderte Davoser vor der Armut im Tale und wurden erfolgreiche Auslandsschweizer: Confiseure in Brüssel, Kaufleute in Amerika, Zuckerbäcker in St. Petersburg, Schokoladefabrikanten in Birmingham, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Zahlen sprachen Bände. Allein in den 1880ern hatten über 82.000 Schweizer – mehr als all die Jahrzehnte zuvor zusammen – ihre

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Habseligkeiten gepackt und die Städte verlassen. Während also ein kleines Grüppchen von Engländern in Davos eine Kolonie samt ihrer für die Einheimischen oft seltsam anmutenden Standards etablierte, kämpften sich vor New York Schweizer Immigranten durch die Einreiseformalitäten von Ellis Island.

u Fanny Stevenson ließ in einem Brief durchklingen, dass sie im Herbst wieder nach Davos kommen würden, denn Roberts Tbc war doch nicht ganz ausgeheilt. Ärgerlich. Er hustete wieder.

u 1881 gründete Hugo Richter das Wochenblatt für die Landschaft Davos als Lokalblatt für Einheimische; eigentlicher Vorläufer der heutigen Davoser Zeitung. Es tratschte über Lokales und bemerkte Internationales. Ein perfektes Divertimento. Von „Endlich sind wir eingeschneit!“ Mitte November bis zu:

Im April reiste die Kurmusik für diese Saison ab. So mancher hatte in den letzten Wochen bei den Musikern schon so eine Art Heimwehstimmung vernommen. Wer möchte es ihnen verdenken?

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Luncheon is served at one o’clock and offers soup, two meats, vegetables and cheese or pudding.

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Am Ende der Saison – die meisten waren abgereist – waren im April 1881 noch 14 Gäste im Hotel, ehe dieses für die Zwischensaison schloss. Stevensons Stiefsohn Samuel Lloyd Osbourne zählte die Franken

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Die Gelegenheit, sich elegant zu kleiden, war den Davoser Kolonisten sehr willkommen. Das wöchentliche Konzert, manchmal gar eine Symphonie, brachte Abwechslung in den Alltag. Bis zu 42 Mann stark war das Kurorchester, das für Unterhaltung sorgte. Die neuesten Werke erreichten notenbündelweise die Bergstadt, damit war man musiktechnisch immer up-to-date.


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1885

Ein treuer Stammgast, Mary Broadbent, stiftete im Andenken an ihren verstorbenen Gatten Percival die Vortreppe. Erhellt wurde das alles ab 1886 durch sehr dekorative elektrische Bogenlampen auf der Promenade. Gasbeleuchtung ade.

u Das Davoser Guidebook von Muddock erschien in weiteren Auflagen und revidierte Schritt für Schritt Aussagen der Erstauflage. Die neue Heizung im Belvédère wurde gelobt (endlich weg von den normalen „deutschen“ Öfen in jedem Zimmer!).

The Belvédère – managed by Messrs. Coester Brothers, the proprietors – must unquestionably take precedence as the leading hotel. It has accommodation for about 200 visitors and the admirable manner in which it is conducted is deserving of all praise. ... Das war ein top rating! Natürlich ging’s auch um die Kanalisation. Doch in der neuesten Ausgabe – sicherlich der einzige Reiseführer, in dem ein Stadtplan auch gleich in Rot das Kanalsystem anzeigte – war ausdrücklich vermerkt, dass alle eingezeichneten Gebäude die

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keinen Anschluss auswiesen, Heustadel waren! Im Hotel wurde – weil wir schon beim Thema sind – das Toilettensystem ganz besonders gelobt. Schließlich war Twyford’s Unitas, das erste, kürzlich (1883) in England erfundene, freistehende Wasserklosett zum Einsatz gekommen (heute noch steht der Name Unitas in Russisch für Toilette). Die englischen und französischen Billardtische, die englische Bibliothek, die Bühne für Amateurtheater, ja, das gab es auch noch alles. In der 1890er Ausgabe wurde der Anbau mit 60 neuen großen luftigen Schlafzimmern – alle nach Süden ausgerichtet – hervorgehoben. Es wäre nicht Muddock, wenn das Bechem und Post Heizungssystem nicht genau erklärt werden würde. Es war eine Luftheizung, innerhalb von einer Stunde wurde die Raumluft einmal komplett ausgetauscht. Eine frühe Form der modernen Klimaanlage. Gut lüftbare Räume waren das A und O der Luftkurorte. Reichlich ausgestattete Badezimmer, hydraulische Aufzüge in alle Etagen und neue Gesellschaftsräume wurden auch gelobt.

u In England las sich der erfolglose Arzt Conan Doyle wieder einmal seine Geschichte durch, ehe er sie dem nächsten Verleger anbot. Bisher nur Ablehnungen. Den Reiseführer über Davos von J. Muddock studierte er mit Interesse. Der Mediziner in ihm speicherte die Assoziation: Tbc = Davos.

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Nun wurde wieder ausgebaut. Jetzt an der Rückseite vergrößert. Zwischen Hotel und Villa Belvédère entstand ab 1885 der Nordflügel. „Wir würden gerne in die Villa ziehen, ein bisschen weg vom Trubel des Hotels.“ sagte MacMorland zu Coester. „Bauen sie doch einen überdachten Übergang.“

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c Die ganz große Vision. Coester hatte sie geträumt und in Auftrag gegeben. Diese Zeichnung des „Grand“ Hotel Belvédère stammt von 1888. Der detaillierte Plan für eine Auffahrtsrampe rechts ebenso. Seit dem Sommer 1874 gab es in Davos die Kurkapelle. In der Hochsaison spielten sogar zwei Orchester, der Kurverein übernahm ab 1900 die Kosten. Das Orchester posiert hier vor dem Konversationssaal des Grand Hotel Belvédère. Die wöchentlichen Symphoniekonzerte waren Pflichttermin der eleganten Davoser Gesellschaft.

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Die Rössli Tram verkehrte zwischen Dorf und Platz. So wie heute der Autobus, doch fast abgasfrei. Arthur Conan Doyles (Sherlock Holmes) Frau leidet an Tbc. Sie wohnen zwei Saisonen im Belvédère. Sein Schwager Ernest William Hornung, der Erfinder des Gentleman Diebes Raffles, verbringt ebenfalls Wochen hier. Fin de Siècle Ansicht vom Belvédère 1891 — in englischen Zeitungen: First class Hotel in the celebrated valley of Davos 5200 feet above the sea-level, particularly recommended to English traveller for its excellent cuisine, comfortable rooms and sanitary arrangements (drainage, heating and ventilation on the most improved principles) combined with moderate charges. Baths and Shower-Baths on each floor. Hydraulic Lifts.


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1891

u Im Jahre 1891 eröffnete Coester einen nahezu sakralen Zubau und verlieh damit dem Belvédère seinen heutigen Gesichtszug. Das Konversationshaus mit der markanten Kuppel von J.C. Stein wurde zum Symbol von Davos, darunter breitete sich das Vestibül von Gaudenz lssler aus. Das Gebäude war tatsächlich ein veritables Theater, mit Bühne und modernster Technik, Schnürboden (in der Kuppel) und Zuschauerraum. Ein Cheftechniker war extra aus Weimar angereist, um den Bau zu überwachen. Denn die Konkurrenz schlief nicht. Allein 15 Vorträge über Goethe und Schiller von Pfarrer J. Hauri fanden diesen Winter im Curhaus statt.

u Die Reisezeit London – Davos hatte sich wesentlich reduziert. Man fuhr nun durchgehend mit dem Zug, und zwar von 11.00 Uhr vormittags bis um 17.00 Uhr am nächsten Tag. Das waren 30 Stunden. Heute fährt man von St. Pancras nach Davos Platz 15 1/4 Stunden. Nette Fußnote: ein Engländer wollte in Davos

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einen Brief nach Indien und einen nach Australien aufgeben, doch der Postbeamte konnte das Porto nicht errechnen: er hatte von beiden Ländern noch nie gehört.

u Die neue englische Wochenzeitung The Davos Courier war in den führenden Buchhandlungen Europas, sogar in den USA und Canada erhältlich.

u Am 15. Juni 1891 wurden die Verträge unterschrieben: die Grand Hotel Belvédère AG entstand mit einem Stammkapital von 1,1 Millionen Franken.

u Elektrisches Licht erleuchtete große Teile der Davoser Haushalte. Nun, nicht immer: „Die Unzuverlässigkeit des elektrischen Lichts hat uns die letzten Nächte auf Trab gehalten.“ beschwerte sich ein Zeitungsleser in einem Leserbrief.

u 1891 hatte man sich darauf geeinigt, in der ganzen Schweiz am 1. August den Nationalfeiertag zu feiern. Das — so meinten die Schweizer — könnte schon mal ein Feuerwerk rechtfertigen.

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eilten die Briten aus der Heimstätte des Eskapismus in die Heilstätte der Schwindsucht. Und Davos vergab Symonds endgültig. Schließlich hatte er hier die meisten seiner Bücher geschrieben: Biographien von Shelley, Philip Sidney, Ben Jonson und Michelangelo, verschiedene Ausgaben von Gedichten und Essays und eine Übersetzung der Autobiographie von Benvenuto Cellini.

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Zu dieser Zeit saß der Architekt Rudolf Preiswerk in Basel über den Plänen für den tiefen Wandelgang, der sich an der neuen Südfront des Belvédère entlangziehen würde. Er zeichnete in Tusche feinste

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Zieleinlauf in Klosters Die Damen standen im Bobrennen den Herren in nichts nach. Diese drei Ladies werden von einem Herren unterstützt, der sich ganz hinten in die Kurve wirft. Man sieht ganz klar, hier geht es um Sekunden, das Rennen Davos–Klosters wird gerade entschieden. Im Bild links hingegen (von Carlo Pellegrini) dreht sich alles eher um die Ewigkeit. Sie könnte dem Galan noch unendlich lange zusehen, wie er die beiden Schlitten verknüpft. Bewundert sie sein Können oder ist das eine spöttische Mine? Beiden Gesichtern meint man entnehmen zu können, dass sie einen Plan haben. Gott Amor steht wohl hinter den Bäumen und spannt den Bogen.


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Die Romantik des Sports

u Ernest William Hornung, der Mann von Touies Schwester, kam nach. Der Autor versorgte britische Blätter mit ausgesuchten Gerüchten wie

Dr. Conan Doyle hat, nachdem er Sherlock Holmes in den Tod geschickt hatte, es für ratsam gehalten, sich für die Saison aus England zurückzuziehen. Er grübelt, so hoffen wir, schuldbewusst in Davos Platz über sein Verbrechen nach. Oder: Es freut uns zu hören, dass Frau Conan Doyle, die in Davos weilt, sich viel besser fühlt. Dr. Conan Doyle erzählte mir, dass sie exzellente Fortschritte macht in der ausgezeichneten Bergluft dieses bevorzugten Erholungsortes.

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Doyle las das alles in Davos, wo die wichtigen Zeitungen mit gebotener Verspätung von 24 Stunden eintrafen. Dann musste er weg, verriet er in einem kurzen Eintrag ins Tagebuch: „Der Gong ertönt und ruft zur Mahlzeit.“

u Hornung trug sich schon länger mit dem Gedanken, einen eleganten Charakter zu entwickeln, der sich entgegen diesem Sherlock Holmes seines Schwagers als Verbrecher betätigte. Die kleine geschlossene Welt des Grand Hotels inspirierte ihn vielleicht. Er würde mit Raffles, dem Gentlemandieb, in die Literaturgeschichte eingehen. Mit David Niven und Olivia de Havilland kam der Stoff in die Kinos, bis in unsere Zeit gab es TV-Adaptionen. Sonst ist Raffles (als Dieb) in Vergessenheit geraten. Da die Schlittschuhbahn unter einer tiefen Schneedecke lag, übte sich Doyle im Skifahren. Sehr kompliziert, dieses Hinaufklettern und erst recht dieses Umsteigen zum Richtungswechsel. Aber der perfekte Ausgleich zum Schreiben. Er hatte gute Lehrer, die Brüder Branger unterrichteten ihn und ihr Schüler stellte sich

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Auch die britische Literaturzeitschrift The Bookman zeigte sich überraschend gut informiert:

Dr. Conan Doyle, der noch immer im Grand

Hotel Belvédère in Davos ist, hat das Manuskript eines neuen Textes praktisch fertig, der – so meinen einige die es schon gesehen haben – ähnliche Chancen hat wie die bereits berühmte Sherlock Holmes Serie, obwohl es eine ganz andere Sache ist.

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großen internationalen Eislauf-Wettkämpfe gegründet. Nur, die Eisfläche, meinten einige Engländer, sei etwas zu klein. Also gut, dann wurde sie eben vergrößert. Die Damen und Herren hatten nämlich das Eistanzen als zuverlässige Methode des vertraulichen Miteinanders unter erschwerten Bedingungen entdeckt. Auf glattem Terrain, eine feste Hand, ein sicherer Griff, alles unter dem Deckmäntelchen „Sport“. Muss ich Ihnen mehr erzählen?

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Eistänzer auf der Englischen Eisbahn von Carlo Pellegrini

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Die „Tailing Parties“ waren immer ein echter Erfolg. Bis zu drei Dutzend Menschen hielten sich fest wenn der Kutscher vorne mit der Zunge schnalzte, das Seil sich spannte und der Schnee unter den Kufen zu knirschen begann. Es ging über Waldwege in die Berge um Davos, wo die Luft des Tannenwaldes tief in die Lungen drang. Conan Doyle bei einem der zahlreichen Hausbälle, hier einmal als Wikinger verkleidet. Woran denkt er so ernst? Vielleicht, dass es ihn grämt, dass er nie Robert Louis Stevenson kennen gelernt hatte. Er hatte ihm so viel zu verdanken, rein technisch, und natürlich wusste er, dass Stevenson hier ein Jahrzehnt zuvor gewohnt hatte. Dieser Brief wurde von Doyle auf dem Hotelbriefpapier geschrieben. Das Hotel war seine offizielle Postanschrift.


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Fasching im Belvédère

Die Davoser Blätter vermerkten erstaunt:

…es wurden auch verschiedene Systeme von Skis benutzt und es zeigte sich, dass man mit den Skis recht wohl auch größere Steigungen überwinden kann. Dem Hoteldirektor Hans Moser verriet Conan Doyle im März ’94: „Ich habe schon 100.000 Wörter gemacht und sicher ebenso viele Schwünge.“ Am 29. März 1894 verließen die Doyles Davos. Vorerst. Im Dezember 1894 fanden wir im Strand Magazine London einen Artikel, in dem Conan Doyle seine Abenteuer auf den Davoser Skipisten beschrieb. Ganz England schwor sich auf Davos ein, wo der Schnee „hart genug ist“ um derartiges zu tun.

u Das sonnige, milde, alpine Klima im Winter war in der Tat verlockend. Stunden verbrachten die Gäste des Belvédère in den Liegestühlen auf der Terrasse, ehe sie vom Gong zum Mittagessen geholt wurden. So kurte auch Ferdinand Graf von Zeppelin hier in Davos. Er war vier Jahre davor im Alter von 52 Jahren frühzeitig aus dem Armeedienst ausgeschieden. Seit damals brütete er über seiner Idee eines Luftschiffs. Wenn er so in den Himmel über Davos blickte, konnte er sich schon vorstellen, wie es majestätisch über das Tal glitt.

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Im Dezember 1894 verkündete Conan Doyle nach anstrengender Lesetour durch Amerika, er habe viel interessantes und uninteressantes gesehen, „doch jetzt, koste es was es wolle, wird unsere Adresse bis Mai Hotel Belvédère, Davos sein.“ Gesagt getan: die Doyles zogen mit ihren Kindern Mary Louise Conan und Arthur Alleyne Kingsley und ihrer Nanny nach Davos.

u Am 14. Januar 1895 fand wieder mal einer der großen monatlichen Faschingsbälle im Belvédère statt – Conan Doyle erschien als Wikinger. Tags darauf nachmittags Maskenfest mit über 50 Kindern. Die auffälligsten (und nach heutigem Standpunkt politisch nicht immer korrekten) Verkleidungen waren laut The Davos Courier: Master Buol, Page; Miss Conan Doyle, Fairy; Master Willey, Nigger. Vater Arthur trat bei einem Billard Turnier im Hotel Belvédère an (chancenlos), spielte als Verteidiger in der Davoser Bandy Mannschaft, einem Vorläufer von Eishockey und fuhr beim Schlittenrennen Belvédère gegen Buol von Davos nach Klosters (Siebenter). Auch die Davos Literary Society spannte den großen Autor immer wieder ein. So las Doyle in der prall gefüllten Hotelhalle des Belvédère aus seinen Werken, erzählte wie er Sherlock Holmes erfunden hatte und erklärte die Rolle von Dr. Watson in seinen Geschichten. Da wären wir doch alle gerne dabei gewesen.

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gar nicht so schlecht an. Am Karfreitag 1894 gingen die Branger Brüder mit Doyle über die Maienfelder Furka nach Arosa.

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… my wife is doing well but it will take at least two more winters to set her right. What an infernal microbe it is! Surely science will find some way of destroying it. Arthur Conan Doyle, Davos;

Oben: Arthur beim Umsteigen, das galt als „Schwung“. Rechts oben Mrs. Doyle. Rechts Doyles Schwester war auch mit von der Partie. Links ihr Eheman Ernst William Hornung.


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Doyle

u Doyle trat am 16. März 1895 mit einem der Branger Brüder eine Expedition in das Engadin bis nach St. Moritz an, wo es Gott sei Dank schon das Hotel Kulm gab, in dem sie die Nacht verbrachten. Doyle hatte seinen Running Wolf – einen besonderen Schlitten in Form eines Hundeschlittens, aber ohne Hunde, dabei. Im April schieb er aus Davos nach England: „Wir werden wohl hier bleiben. Es ist der perfekte Platz für die Gesundheit meiner Frau. Ich fürchte, wir werden nie wieder in England leben können.“ Dann kam das Frühjahr. Sowie der Schnee geschmolzen war und Doyle grüne Wiesen sah, erwachte in ihm der echte Schotte. Früh morgens verließ er das Belvédère und marschierte in Richtung Dischmatal. Sehr zum Unverständnis der einheimischen Bevölkerung begann er nun eine große Wiesenfläche mit akribischer Genauigkeit abzuschreiten und den Bauern zu erklären, dass er das Gras ganz kurz benötigte. Also dengelte der Landmann seine Sense. Doyle begann, kleine Löcher in die Erde zu bohren und bat den arglosen Grundbesitzer, die Wiese um die Löcher besonders kurz zu mähen. So schickte der Bauer seine Kühe auf diese Weide. Gesagt, getan, fertig war das Green. Etwas holprig noch, aber das würde schon werden. Ein Fähnchen noch in das

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Loch gesteckt, morgen konnte es losgehen. Doch am nächsten Morgen hatten die Kühe das Green zertrampelt und die Fahne gefressen. Am 27. Juni 1885 verließen die Doyles Davos, kamen im September für drei Wochen wieder ins Belvédère und reisten dann nach Ägypten, wo sie im Mena House bei der großen Pyramide von Giza Quartier bezogen. Die galloping consumption der hübschen Louise Touie Doyle war zwar nicht besiegt, aber die Kur in der frischen Luft von Davos hatte sie wieder so stark werden lassen, dass sie noch lange lebte. Sie starb 1906.

u In angesehenen englischen Zeitungen (The Queen, The Record, The Edinburgh Courant, John Bull, The Globe, Pall Mall Gazette, The Field und so weiter) erschienen immer wieder Lobeshymnen auf den wunderschönen Kurort Davos und sein Belvédère. Am 30. September 1885 riet The Times:

The Hotel Belvédère is almost wholly patronised by English visitors ... It is very important, that visitors intending to spend the winter in Davos should, if possible, go there during the summer months to get acclimatised …

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Das ist wirklich mal ein origineller Marketingansatz.

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Wahrscheinlich ahnte niemand, welch entscheidender Schritt das für den Skisport in Davos war.

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1896: Und ein neuerlicher Bühnenerfolg der Tuberkulose: Giacomo Puccini lässt Mimi in seiner Oper La Boheme ihre letzten Atemzüge machen.

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Der Prachtbau, schön in Farbe gesetzt. So ist aus dem Stückwerk doch noch eine eindrucksvolle Komposition geworden, als wäre das gesamte Ensemble aus einem Guss. Damen in luftigen Sommerkleidern wandeln zwischen den Beeten des Parks. Ist die Dichterin Edith Södergran eine der beiden unter den Sonnenschirmen?


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1914 Der Letzte Sommer

Ff Der gelernte Maschinenbauingenieur Emil Meerkämper kam als lungenkranker Patient nach Davos und siedelte sich hier an. Er wurde zu einem der wichtigsten, künstlerisch herausragenden Photographen Graubündens.

Auch in der Schweiz brach die Epoche der Flugpioniere an: 1910 wurden mit einem WrightDoppeldecker erste Flüge über dem gefrorenen St. Moritzer See durchgeführt und im selben Jahr überflog Geo Chavez erstmals die Alpen über den Simplonpass. René Grandjeans fliegerische Pionierleistungen wie die Landung mit einem Flugzeug auf Skiern am Davoser See im Jahr 1912 inspirierten Flieger in ganz Europa.

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Aus dem Jahre 1911 stammte die in die Stützmauer des Grand Hotel Belvédère eingelassene Trafostation der Elektrizitätswerke Davos AG. Geschichte zum Angreifen. Man kann hingehen. In diesem Jahr wurde der gesetzlose Zustand betreffend der Zulassung des Automobiles im Kanton Graubünden endlich geregelt: das Auto wurde verboten. Ausnahmegenehmigungen für das Militär und auf Antrag.

1911/12 weilte die 1892 in St. Petersburg geborene Schriftstellerin Edith Södergran in Davos. Hier traf die vom französischen Symbolismus, dem deutschen Expressionismus und dem russischen Futurismus beeinflusste, sechssprachige, zarte Frau die weitreichende Entscheidung, in Hinkunft auf Schwedisch zu dichten. Dass sie damit den finnisch-schwedischen Modernismus begründete, war ihr wohl ebenso wenig klar wie dass sie nach ihrem Tode 1923 zur bedeutendsten Dichterin der schwedischen modernen Lyrik werden würde.

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Der deutsche Maler Philipp Bauknecht tauschte krankheitsbedingt

die Stuttgarter Luft gegen die Höhenluft von Davos. Hier fand er Berge, Dörfer, Eislaufen, Wandern, bäuerliches Leben – reichlich Themen für seine Arbeit. Oft saß er vor dem Tennisplatz vom Belvédère und beobachtete ein Match. Er hinterließ uns eine Skizze.

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as Jahrzehnt der letzten Sommerfrische der unschuldigen Beschütztheit — Das sinnlose Sterben auf den Schlachtfeldern Europas — Davos sammelte weiter die großen Talente der Zeit — Auftritt Bauknecht, Södergran, Klabund, Kirchner, Werfel — Katia Mann attestierte man Tbc

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René Grandjean über dem Davoser See

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Die Schnitter und Melker steigen mit ruhigem Schritt der Hütte zu, in der Mitte der Brunnen, das Vieh, die Alm, rechts wütet die Sonne hinter den spitzen Bergen hervor, eine Magd in blauem Kleid mit gelbem Strohhut schreitet entschlossen ebenfalls dem mittleren Bild zu. Ungerahmt, das braune grobe Leinen steht rundum hervor, hängt Kirchner diesen hochalpinen Knaller ins Belvédère. Er nützt den Raum geschickt, in dem er durch das Aufstellen von Kuben die Hängefläche vervielfacht.

Ernst Ludwig Kirchner Alpleben (Triptychon), 1917 – 1919 Öl auf Leinwand Gesamtgrösse: 83 x 224.5 x 4.5 cm © Kirchner Museum Davos, Geschenk aus einer Berner Privatsammlung


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Kirchner im Belvédère

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1918 im November war der „große Krieg“ vorbei. So hieß er jetzt mal. Erst Jahrzehnte später begann man die Weltkriege zu nummerieren. Die Achsenmächte Deutschland und Österreich-Ungarn mit den ehemaligen Bündnispartnern lieferten mit über 150 Millionen Europäern besonders viele mentally displaced people. Wie sollte das wohl weitergehen ohne Übervater Kaiser? Das Jahrzehnt des herumirrenden exilierten und entmachteten Adels und seiner Künstler begann. Es spricht Bände, dass der Erfinder des Nansen Passes, ein Pass für staatenlose Flüchtlinge und Emigranten, Fridtjof Nansen, dafür den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Viele der Herumirrenden zog es in die Schweiz. Der stabile Anker im Herzen des Kontinents. Hier war, so fühlte man, alles noch beim Alten. So „in Ordnung“.

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Den Malerstar Kirchner, der vor dem Krieg noch so großartige Berliner Straßenszenen vom Potsdamer Platz eingefangen hatte, drängte es ebenfalls in das mondäne Belvédère. Hier war er der Welt, der er so gerne entflohen war, wieder nahe. Vor allem: hier war die Klientel die der Künstler benötigte. 1920 sandte der große Ernst Ludwig Kirchner dem Direktor des Grand Hotel Belvédère eine Tuschezeichnung mit einem „Gestaltungsvorschlag für die Ausstellung der Kunstgesellschaft Davos im Belvédère“, auf der er genau eingezeichnet hatte, wie er wo welche Bilder gehängt haben wollte. Es sollte eine ganz große Ausstellung werden, etwas, das in Berlin oder Paris hätte hängen können. Neben Kirchner waren unter anderen auch Cuno Amiet, Wiegers und Bauknecht vertreten.

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Die Briten hatten den Krieg gewonnen, aber Davos verloren. Die englische Kolonie wurde kleiner, die Deutschen eroberten sich die Alpenstadt. Alte Stammgäste kamen wieder. Ernst Siemens, der Enkel des Firmengründers, trug sich in das Gästebuch ein. Im Belvédère wurden im Jahr 1920 neue Bäder von Koch & Seiler (St. Moritz und Davos) eingebaut. Außerdem eine Dampfkesselanlage im Mittelbau und eine Dampfheizung im Konversationshaus, geliefert von Oberrauch & Milentz.

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er „große Krieg“ war vorbei — Die große Kirchner Schau im Belvédère — Fortsetzung „Die Graubündner und das Automobil“ — Die Reichen fahren nach Davos sagte Werfel (oder Kafka) — Schlittenverfolgungsrennen als Höhepunkt im alpinen Blockbuster — Hochschulkurse mit Einstein, Sauerbruch und den großen Philosophen

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Die Davoser Blätter riefen eindringlich auf, die Ausstellung zu besuchen, denn die wahren

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Eine Nacht im Grand Hotel Carola Neher Klabund Der Aga Khan

Philipp Bauknecht (1884-1933) „Maskenball im Belvédère, Davos mit Aga Khan und Carola Neher“ 1926, Oel 109 x 99 cm Bilddaten: Galerie Iris Wazzau, Davos


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Buntes Eifersuchtsdrama

u Wöchentlich rauschende Bälle im Belvédère, der Swinging Grand Old Lady, Feste der Reichen und Schönen. Heile Welt des Klischees. Mit Akribie vorbereitet und in der Presse bei gebotener Diskretion in allen Einzelheiten wiedergegeben. Das las sich dann so:

Am 16. Februar 1926 war Bal du Carneval MahJong — Bal du Costume au Belvédère. Der große Saal war mit dem sicheren Geschmack der Dame des Hauses reizvoll ausgestattet, in bunten Farben leuchteten die für den Laien so rätselhaften Zeichen des alten chinesischen Spiels, ein riesiger Schirm überschattete die Tanzpaare. In einer prachtvollen chinesischen Barke schiffte die von Temperament und Humor überquellende Belvédèremusik dahin, und mit entzückenden, chinesischen Kleinigkeiten beschenkte Gäste gerieten in fröhlichste Stimmung. Eine von den Gästen durch Abstimmung vorgenommene Prämierung zeichnete die zum Teil sehr schönen Masken aus.

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u Den Vergnügungen der High Society setzten die Davoser Bodenständiges entgegen. Nicht weniger spektakulär. Im Ballsaal des Grand Hotel Belvédère fand zum Beispiel regelmäßig der Familienabend des Schweizer Alpenklubs statt.

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Der Maler Philipp Bauknecht hinterließ uns nach seiner Tennisplatzskizze ein weiteres Zeitdokument, eben diesen Maskenball im Belvédère, mit dem Aga Khan als Harlekin und einer maskierten Carola

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Neher, ein buntes Eifersuchtsdrama in Öl, von 1926. Seine Beschreibung des Balles lässt tiefergehende Interpretationen zu. Es war an diesem Abend immerhin ein mächtiger Mann im Saale. Dass es im Leben nicht nur um Geld geht, ist eine Sache. Doch der Sex-Appeal eines wirklich einflussreichen Mannes ist ungebrochen. So wirft in dem schönen Gemälde von Bauknecht dieser große Mann ein unübersehbares Auge auf die Schöne mit der schwarzen Maske. Ein Clown, noch halb sichtbar, spitzt seine geschminkten Lippen — so wie das nun bei Clowns so ist, man weiß nicht ob sie weinen oder lachen. Die andere Gesellschaft ist Hintergrund. Bauknecht beobachtete Sultan Mohamed Shah Aga Khan III, den mächtigen Imam der Ismailiten, wie er sein Monokel auf die schöne lebenslustige Carola Neher richtete, die aber mit dem schüchternen und extrem eifersüchtigen Dichter Klabund, dem Clown, zum Ball gekommen war. Wie die Geschichte ausging? À la longue verließ die Neher Klabund.

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Mittendrin gründete 1925 der Exilrusse Jules Ferdmann die Davoser Revue. Von ihm sollte der Satz über Davos kommen: „An keinem Ort der Welt ist von kranken Menschen so viel gesunde Arbeit geleistet worden wie im Davos der Kranken.“

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Darüber berichten die Davoser Blätter:

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Es war unstreitig der beste Abend der letzten Saison. Der Zirkus Sac bot dem Publikum erstaunliche Attraktionen: 8 reizende Davoser Mädchen

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Die I. Hochschulkurse 1928: Im Gruppenbild rechts von der Mitte Albert Einstein. Die II. Hochschulkurse 1929 wurden im Belvédère vom Schweizer Bundesrat Giuseppe Motta eröffnet. Rechts Martin Heidegger vor dem Skifahren im Gespräch mit Joachim Ritter, rechts mit Ernst Cassirer, vor dem Skikeller des Hotels. Unten: der Bundesrat.


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Davoser Hochschulkurse

Im Folgejahr war das Belvédère Bühne der Geisteswissenschaft. Vom 17. März bis 6. April 1929 brachten die II. Davoser Hochschulkurse über 100 Stipendiaten und internationale Größen aus Wissenschaft und Forschung vieler europäischer Länder in die Bergstadt. Der weltberühmte Berliner Chirurg Ferdinand Sauerbruch hielt die Eröffnungsrede zum Generalthema: Zusammenhang von Philosophie und Geisteswissenschaften.

Wo ginge das besser als in Davos, wo eine große Gruppe Tbc-kranker Studenten als Zuhörerschaft vor Ort nach geistiger Nahrunge lechzten? Präsident des Komitees war Gottfried Salomon, den Festvortrag hielt Albert Einstein (und er spielte zu Werbezwecken für die gute Sache Geige).

Die schillerndsten Persönlichkeiten waren gewiss der Shootingstar der Szene, der Philosoph Martin Heidegger und sein Kontrahent, der jüdische Humanist und große Denker des 20. Jahrhunderts, Ernst Cassirer. Ihrem Streitgespräch, Der Mensch – ein endliches oder unendliches Wesen, im vollgepackten Konversationssaal des Grand Hotel Belvédère – heute als Weggabelung der Philosophie des 20. Jahrhunderts gesehen – folgten über 200 Zuhörer. Oder zumindest versuchten sie es. Einigkeit zwischen den beiden, das verstanden alle, wurde nicht erzielt.

Der Basler Dominik Müller schrieb in der satirischen Davoser Zeitschrift Der ZauberZwerg:

Ein Einstein kam – ein Stein der Weisen, (nebst Levy-Bruehl, Drisch, Salomon), Das Relative uns zu preisen, Als absolute Sensation.

Dennoch unterhielten sie sich offensichtlich recht nett miteinander, wollen zumindest die Fotos dokumentieren. Sie alle wohnten dieses Jahr im Belvédère. Welch Glanz im Hotel zur schönen Aussicht.

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Bis 1931 wurden die Kurse abgehalten.

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Im Grand Hotel Curhaus fanden von 18. März bis 14. April 1928 die I. Davoser Hochschulkurse zum Thema Die problematische Lage der Wissenschaft der Gegenwart statt. Versöhnender Zweck war die Völkerverständigung, namentlich zwischen Frankreich und Deutschland und Österreich (die Wissenschaftler der Besiegten aus dem I. Weltkrieg waren von allen internationalen intellektuellen Auftritten ausgeschlossen).

Erich Maria Remarques Freund Emmerich Haas, ein begnadeter Künstler, Absolvent der Akademie in Wien, porträtierte Einstein, als er für die Festgäste Geige spielte. Hier Einstein, ruhig und bescheiden, und da Haas, der stille Star der Davoser Künstlerkolonie.

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Einstein spielte 1928 in Davos Geige. Haas zeichnete ihn.

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Die Swinging Years brachten den Jazz nach Davos. Auch den Zeppelin. Und Erich Maria Remarque, hier auf der Promenade, immer elegant, meist in charmanter Begleitung. So sah das Belvédère aus der Luft aus.


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1929

Ff Nach der olympischen Medienpräsenz von St. Moritz war es an der Zeit, die Presse wieder mal nach Davos zu bitten. 1929 schrieb der Journalist Harry Nitsch im Magazin HOTEL eine seiner Kosmopolitischen Wanderungen durch schöne Hotels:

Sie wollen wissen, was Sie in Davos erwartet? Es wartet Ihnen mit tausenderlei Herrlichkeiten auf, und außerdem noch mit einem Hotel-Heim, das – ich wette – noch viel behaglicher, wohnlicher und gepflegter ist als Ihr eigenes schönes und trautes Heim. Und Ihr Heim ist doch reizend, entzückend. „Wie“ muss es da erst im Grand Hotel und Belvédère sich wohnen lassen, wo jedes Zimmer entweder mit Privatbad oder mit fließendem Wasser, mit schallgedämpften Doppeltüren und Haustelephon ausgestattet ist. Sie finden hier also ein Haus, in dem nicht nur ganz nach biblischer Weise Milch und Honig fließt – köstliche Alpenmilch und der berühmte schweizerische Frühstückshonig – sondern auch Wasser! … Wenn Sie müde vom Genießen

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sind, so stehen 200 Betten zur Verfügung. Eines davon ist bestimmt für Sie reserviert, wenn Sie vor Abfahrt Ihres Zuges folgendes Telegramm aufgeben: „Belvédère Davos Reserviert best Alba Bat Stop Sera”. Das ist nicht etwa Hinterindisch sondern gutes Hoteltelegraphendeutsch nach dem internationalen Telegraphenschlüssel und heißt: Reserviert bestes Zimmer mit einem Bett und Privatbad für mehrere Tage. Ankunft zwischen Mittag und 7 Uhr Abend.

u Majestätisch schwebte am 28. September 1929 gegen 15.00 Uhr der silberne Koloss über dem Belvédère. Die Menschen stürzten hinaus um einen Blick auf das „Monster“ zu werfen. „Sie jubelten und riefen begeistert, Zeppelin, Zeppelin…. Dr. Eckener, der seit vielen Jahren (1896) ein gern gesehener Gast in Davos war, stand leider nicht selbst in der Führergondel.“ berichtete uns die satirische Zeitschrift der ZauberZwerg.

u Auch der Schweizer Schriftsteller und Lyriker Hermann schwebte im siebten Himmel, als er seine Reiseschilderungen über Davos mit den enthusiastischen Worten schloss: „Das nennt man Kurlandschaft, das nennt man Kurort — Weltkurort, Weltsportplatz!“

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er Zeppelin – endlich! — Der „Ni-Sturm“ begeisterte die Davoser Eishockeyfans — Das Belvédère als Bühne für den König von Siam und mondäner Background für die Aktion „Mann-Stigma weg, Kästner her“ — Hitler begann den Weltkrieg — Cariget malte und zeichnete

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Aus dem Gästebuch der Chesa Grischuna, Klosters

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Cariget

Der Baron war stehengeblieben und schaute hinterdrein. ‘So viele schöne Frauen!’ sagte er begeistert. ‘Es war eine gute Idee, hierherzufahren.’ So schrieb Erich Kästner 1936 für die Davoser die Novelle Der Zauberlehrling. Kästners Romanhelden lebten in und rund um das Grand Hotel Belvédère, dort ließ er auch den französischen Chansonier Maurice Chevalier, der seit Wochen hier wohnte, auftreten. Das Handlungsskelett war einfach: Auf der Reise in das Davos der dreißiger Jahre begegnet dem jungen Kunstgelehrten Mintzlaff Zeus persönlich. Inkognito. Überall lässt Zeus seine Götterkräfte spielen. Eine ironische Paraphrase auf Thomas Manns Zauberberg. Doch der Roman bleibt ein Fragment, zu viele Ereignisse überstürzten sich in der realen Welt. Heute ist er als Der Zauberlehrling erhältlich. Wirkungsvoll publiziert wurde er leider nie.

u Mit 35 Jahren war Alois Cariget (1902–1985), der geniale Grafiker und Maler, am ersten Höhepunkt seiner Karriere. In Zürich hatte er das Kabaret „Cornichon“ mitbegründet, sein Bruder Zarli war Schauspieler. Mit der Schellen-Ursli gelang ihm ein Kinderbuch gelingen. Bis dahin aber entwarf er Augenschmaus-Werbesujets für das Belvédère: von bleibendem

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Eindruck sind sein „Hummer am Kontrabass“ und sein „Kaminfeger“ für das Neujahrssujet, das viele Silvester bewarb. Das Deckengemälde Vier Jahreszeiten hinterließ er in der heutigen Cariget Bar, die Zeichnung Franz von Assisi an der Wand des Restaurants.

u Technische Fakten zum Hotel aus dieser Zeit: 1936– 1937 Umbau des Speisesaales, Halle und Korridor von Hermann Schneider. Kurz darauf wird der Tanzsaal renoviert. Der Palm Beach Roofgarden, ein Casino, die Bar und Ferme, das Grill Restaurant entstehen. Ein kleiner Brand im Dachgeschoss des Hotels versetzte zwar alle in leichte Panik, aber es gab keine Verletzten. Das Personal warf rasch alle brennbaren Textilien aus den Fenstern, Matratzen inklusive, und alle kamen mit dem Schrecken davon.

u Die Nationalsozialisten in Deutschland steckten offiziell ihren Kunsthorizont ab. Bei der Aktion „Entartete Kunst“ 1937 wurden 639 Arbeiten von Ernst Ludwig Kirchner beschlagnahmt oder zerstört. Für Kirchner war es nicht nur die Zerstörung seines Werkes, sondern zugleich die seines Lebens. Geschwächt durch seine Drogensucht, entmutigt durch die Trostlosigkeit der Situation in Deutschland, wählte er in Davos den Freitod.

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daher. Mit Peitschenknall, fröhlich klingenden Glöckchen und schnaubenden Rössern.

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Cariget Signatur im Speisesaal. Entstanden 1939, restauriert 1978.

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Belvédère@WEF für Beginner Um die enormen Anforderungen des alljährlichen WEF, dem in Davos abgehaltenen World Economic Forum, gerecht zu werden, zeigt die Davoser Spitzenhotellerie was sie kann. Das Belvédère zum Beispiel baut an die 1.500m2 an nutzbarer Fläche dazu. Der Personalstand wird verdreifacht (von ±90 auf ±300). Das funktioniert so: Das Gebäude wird flächentechnisch maximiert. Jede Nische wird durch Stoffbahnen oder solidere Konstruktionen abgetrennt und in ein Büro oder einen Meetingroom umgewandelt. Vor dem Hotel werden zusätzlich Pavillons mit eleganten Räumen und großen Fenster errichtet. Sie beherbergen in zahlreichen Büros die internationale Presse und diverse Konzerne. Der Quadratmeterpreis errechnet sich nach bösen Zungen aus der Meereshöhe und der Jahreszahl. Er steigt also jedes Jahr. Dann kommen sehr exquisite Möbel und Accessoires, unter anderem von Collani, dem Einrichter von der Promenade.

Der Pavillon beherbergt auch die Garderobe, die allein eine logistische Meisterleistung erfüllen muss. Bis zu 3.000 Besucher geben hier täglich Wintermäntel und Zubehör ab. Gastpersonal wird gemietet, Teams von anderen Steigenberger Hotels sowie „Externe“. Alle Personalzimmer werden mit Zusatzbetten und Matratzen in campartige Behausungen umgebaut, so werden Einzelzimmer zu Dreiund Vierbettzimmern. Der Hoteldirektor übersiedelt mit dem Führungsteam in die Villa Belvédère hinter dem Hotel, die Dependance.

Die WEF Woche ist so anstrengend, dass sich das Team von 300 Leuten in eine Arbeitstrance steigert, die nur durch wenige Ruhestunden, die teilweise in Schichten konsumiert werden, unterbrochen wird. 300 Veranstaltungen werden im Belvédère in fünf Tagen absolviert, 23.000 Gäste besuchen das Hotel in dieser kurzen Zeitspanne. Auf dem Konto der Schweiz steht eine lokale Wertschöpfung für Davos von 45 Millionen Franken. Das ganze Land freut sich über 70 Millionen.


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Da zieht sich der Chronist zurück ... 133

Wo so viel Freude und Enthusiasmus auf mediales Interesse treffen, sind wichtige Menschen im Spiel. Die Fußball WM in Südafrika 2010 warf ihre Schatten voraus. Nelson Mandela traf 2006 auf FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Die Presse war rundum begeistert, das Kap war guter Hoffnung.

Solche Fotos epochaler Augenblicke stammen vom großen Fotografen Marcel Giger aus Davos. Da zieht sich der Chronist zurück und verabschiedet sich: sehen Sie selbst, diese Bilder sagen doch mehr als tausend Worte. Lauschen Sie mit den Augen.

Lichtkunst von Gerry Hofstetter; Blue Moon by AA


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c Tina Heide mit Fürst Albert II von Monaco Harvey Keitel (Schauspieler USA) Hans Escher (Concierge) mit Bill und Melinda Gates (US-amerikanischer Unternehmer)

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Tina Heide und Generaldirektor Thomas Kleber (beide Steigenberger Grandhotel Belvédère) begrüßen Königin Máxima, Prinzessin der Niederlande.


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139 Klaus Schwab (Gründer des WEF), Sharon Stone (Schauspielerin USA) und Hubert Burda (deutscher Verleger) Königin Raina von Jordanien

Bill Clinton (USA)

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Udo Jürgens (österreichischer Sänger und Entertainer) mit Hubert Burda (deutscher Verleger) — Recep Tayyip Erdogan (Präsident Türkei)

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GRAND HOTEL BELVÉDÈRE DAVOS DIE UNGLAUBLICHE ERFINDUNG DES ALPINEN ENTERTAINMENTS oder DER STUNDENPLAN DER ZERSTREUUNG Andreas Augustin Dies ist der erste Bericht der Recherchearbeit zur Geschichte des Steigenberger Grandhotel Belvédère Davos, produziert im Jahre 2015. Der Schwerpunkt ruht auf der „Frühgeschichte“ des Hauses. Der nächste Bericht wird 2016 publiziert. Material und feedback bitte an aa@famoushotels.org

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ISBN 978-3-900692-51-3

Besonderer Dank gebührt:

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General Manager Thomas Kleber, Resident Manager Tina Heide, Katharina Kiepfer, Marisa Schweiger, Gernot Bischofberger und Maik Baatsch, Femi Beluli und dem gesamten Team im Steigenberger Grandhotel Belvédère. und: Timothy Nelson und Walter Reiss (Dokumentations Bibliothek Davos), Thorsten Sadowsky und dem Kirchner Museum, Marcel Giger, Reto Meerkämper, Iris Wazzau, Klaus Bergamin, Toni Morosani IV und Toni Morosani V, Familie Guler und der Chesa Grischuna in Klosters, William Lee, Familie Schubert, Brigitte Spinas sowie allen früheren Mitarbeitern des Hauses*. Photos: Famous Hotels Main Archive, Marcel Giger, Dokumentations Bibliothek Davos, Steigenberger Hotel Group, Archiv des Grandhotel Bevédère Davos, Kirchner Museum, Galerie Wazzau, Familie Schubert, Familie Morosani, Familie Guler, diverse nationale und lokale Sammlungen*. Das erklärte Ziel war es, einen geschichtlich korrekten und möglichst unterhaltsamen Überblick zu vermitteln. Dieses Werk erhebt also keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Historische Fotografien wurden entsprechend restauriert und koloriert und sind daher Gegenstand des Urheberrechtsgesetzes. Jede Verwertung von Teilen dieses Werkes unterliegt der ausdrücklichen schriftlichen Zustimmung von The Most Famous Hotels in the World. All historic data has been carefully selected during research with the objective of providing a general historical overview. This work does not therefore claim to be complete. Historic photographs have been restored and occasionally tinted, and are therefore – together with the entire work – ­subject to copyright. The reproduction and distribution of any part of this work without the explicit written consent of The Most Famous Hotels in the World™ will be prosecuted. Expeditionsleitung: Mag. Carola Augustin Vorkoster: Ralf Bernhart Fee: Lisa Augustin Produktion: Harrison Dolittle, Marcel Dučai © The Most Famous Hotels in the World® / Andreas Augustin | aa@famoushotels.org

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EDITION RACONTEUR by famoushotels 1st edition © 2015

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* Das Literatur- und Interviewverzeichnis findet man unter Grandhotel Belvédère Davos auf famoushotels.org

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GRAND HOTEL BELVÉDÈRE DAVOS, SWITZERLAND  

Seit dem 17. Juli 1875 ist das Steigenberger Grandhotel Belvédère aus dem Bild von Davos nicht mehr wegzudenken. Aus einem eleganten Boutiqu...