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Ausgabe 3/2017

»Ich wünsche mir mehr Mut zur Einführung einer Kindergru

Zum zehnjährigen Jubiläum von famos: Nürnbergs Sozialreferent Reiner Prölß spricht über Entwicklungen für Familien in den vergangene

Das weite Feld der Familien kennt kaum jemand so gut wie Reiner Prölß (Jahrgang 1953), der seit 2005 Referent für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg ist. Der studierte Sozialpädagoge und Diplom-Pädagoge ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Der SPD-Politiker war 2000 an der Gründung des bundesweit ersten Bündnisses für Familie in Nürnberg Herr Prölß, seit zehn Jahren verfolgt das famos-Magazin die Situation von Familien aufmerksam. Nürnberg wollte damals zu einer Kinder- und Familienstadt werden. Wie weit sind wir in zehn Jahren seitdem gekommen? Prölß: Ich glaube, wir befinden uns in einem dynamischen

Prozess und es ist unendlich viel passiert. Nicht nur in Nürnberg, sondern insgesamt hat sich das gesellschaftliche Verständnis von Familie und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den letzten zehn, 15 Jahren radikal verändert. Und in Nürnberg hat sich viel getan, was den Ausbau von Kindergarten-, Krippen- und Hortplätzen, aber auch die frühen Hilfen betrifft. Aber wie das mit Visionen ist – auch der einer Kinder- und Familienstadt: Es ist das Licht des Horizonts, auf das man sich zubewegt, wie Willy Brandt einmal sagte, das man aber am Ende des Tages nicht erreicht, weil man immer weiter gehen und besser werden muss, um noch mehr zu erreichen. Wir wollen eine Plus-Minus-Liste mit Blick auf die letzten zehn Jahre aufstellen. Was steht auf der Plus-Seite? Prölß: Dort steht auf jeden Fall der quantitative und qualita-

tive Ausbau der Kindertageseinrichtungen. Ebenso, daß wir in der Kinder- und Jugendarbeit weiter gebaut und weiterentwickelt haben. Sicherlich auch, dass wir sehr frühzeitig die

beteiligt. Vor zehn Jahren gehörte er auch zu den Gründervätern des Vereins für Familien in Nürnberg, der das Magazin famos herausgibt. Wir sprachen mit ihm darüber, was in den vergangenen zehn Jahren gut und weniger gut gelaufen ist und was sich in den nächsten zehn Jahren verändern sollte. Ein weites Feld, wie man sich vorstellen kann, und natürlich auch über „famos“.

Familienbildung ausgebaut haben und dass wir eine der ersten waren, die in der Beschäftigungspolitik die enge Zusammenarbeit von Kinder- und Jugendhilfe und dem Jobcenter erprobt haben, soweit die rechtlichen Rahmenbedingungen und Förderrichtlinien dies zuließen. Was steht auf der Minus-Liste? Prölß: Dass es nicht gelungen ist, die Kinderarmut signifi-

kant zu reduzieren, obwohl seit 2008 viele Möglichkeiten zur kulturellen und sozialen Teilhabe entstanden sind. Dass die Verankerung von Interessen von Familien in vielen Politikbereichen noch nicht gelungen ist. Und aktuell: umfassende und ineinandergreifende Strategien zur Integration Geflüchteter zu entwickeln. Das Familienmagazin famos wurde als Sprachrohr für Familien und das Bündnis für Familie entwickelt. Wie wichtig ist das Bündnis in Ihren Augen? Prölß: Wir haben damit ein Label und eine Marke, die be-

kannt ist. Leider stellen sich nicht alle darunter in Sachen Familienfreundlichkeit, das könnten viele noch stärker nutzen. Das Offene Forum als Form des Meinungsaustauschs ist als Angebot der Zeit voraus gewesen – z.B. in Fragen der Stadtentwicklung oder veränderten Zeitstrukturen für Familien.

Wo hat sich in den zehn Jahren am meisten geändert? Prölß: Bei der Wirtschaft fand ein grundlegender Verständ-

niswandel statt: Haben wir damals versucht, die Belange von Familien anzusprechen, war die Resonanz sehr gering. Heute ist das ganz anders. Das ist das Verdienst von Renate Schmidt. In vielen Dingen liegen wir in Nürnberg im vorderen Bereich, was moderne Familienpolitik im Rahmen der Gesetzgebung betrifft. Wie sehen Sie die Entwicklung der Familienpolitik? Prölß: Da sich das klassische Familienbild aufgelöst hat,

brauchte man neue Rezepte. Vor 20 Jahren haben wir ideologisch über Kinderkrippen diskutiert, nun ist der Ausbau rasant erfolgt. Die Triebfeder dafür war der ökonomische Druck, dass insbesondere gut ausgebildete Frauen wieder arbeiten wollen – und die emanzipatorische Bewegung war auch eine zentrale Triebfeder. Wo sind die aktuellen Herausforderungen mit Blick auf die Demograie in Deutschland, wo die Zahl der Älteren immer mehr wird? Prölß: Im Vergleich zum Jahr 2000 haben wir heute mit rund

5500 Geburten im Jahr fast 1300 Geburten mehr. Das ist erst mal schön, stellt uns aber vor neue Herausforderungen bei der Infrastruktur. Es ist ein differenzierter Blick nötig, allein

Famos 3 2017  

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