Page 18

reizthema

famos

|

Ausgabe 3/2017

»Man muss seine Prioritäten setzen« Kerstin und Markus Sonntag nutzen bewusst das vor zehn Jahren eingeführte Elterngeld zum Wohl ihrer drei Kinder

Vor zehn Jahren wurde in Deutschland das Elterngeld eingeführt, das allen Paaren die Möglichkeit bietet, sich ein Jahr um den neugeborenen Nachwuchs zu kümmern und dabei inanziell abgesichert zu sein. Im Gegensatz zu früher konnten Mütter und Väter auch gleichzeitig eine Elternpause einlegen, was auch zu Kontroversen geführt hat.

Kerstin und Markus Sonntag arbeiten momentan nicht Vollzeit in ihrem Job, sondern nehmen Elternzeit in Anspruch, damit sie sich um die dreijährige Anna, die fünfeinhalbjährige Julia und den eineinhalbjährigen Theo kümmern können

W

enn die Kinder der Sonntag morgens das Haus verlassen, dann werden sie entweder von Mama oder Papa begleitet. Ein klassisches „Vater in der Arbeit, Mutter daheim“-Szenario gibt es bei der Familie Sonntag aus dem Nürnberger Westen bis heute nicht. Obwohl Kerstin und Markus studierte Informatiker sind, arbeiten sie derzeit nicht Vollzeit in ihrem Job, denn da sind die dreijährige Anna, die fünfeinhalbjährige Julia und der eineinhalbjährige Theo. Beide sind in Elternzeit und konnten von der Einführung des Elterngeldes profitieren, das echte Auszeiten auch im ersten Lebensjahr der Kinder möglich gemacht hat. Es war ein echter Coup, den die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) landete, als sie 2007 das Elterngeld einführte. Es steht Eltern im ersten Jahr nach der Geburt zu, wenn sie ihr Kind zu Hause betreuen. Es ersetzt das letzte Nettogehalt vor der Geburt zu 65 Prozent, bei niedrigen Einkommen unter 1000 Euro bis zu 100 Prozent. Die Einführung sollte mehr Men-

schen dafür gewinnen, sich für Kinder zu entscheiden und den Geburtenrückgang in Deutschland bremsen. Zeitgleich wurde der Ausbau von Krippen vorangetrieben. Mit dem Ergebnis, dass Mütter früher wieder in ihren Beruf zurückkehren können, weil die Betreuung der Kinder auch unter drei Jahren für immer mehr Kinder gesichert ist.

Alternative zum klassischen Modell gewählt Die Sonntags gehören zu den Familien, die diese Möglichkeit gerne in Anspruch nehmen. Auch wenn sie dadurch finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. „Man muss seine Prioritäten setzen“, sagt der 39-jährige Familienvater. Da die Kinder so klein sind, sei das die wichtigste Zeit, betont er. Kerstin Sonntag blieb bei Anna 16 Monate zuhause, er ein ganzes Jahr, bei Julia pausierte sie 15 Monate, er zwei Monate, und bei Theo blieb Kerstin Sonntag zwei Jahre zuhause – er zog sich zwei Monate aus dem Berufsleben zurück. Das war in den ersten zwölf bis 14

Lebensmonaten der Kinder zum Teil ein Rechenspiel, wer von beiden wann zuhause bleibt. Sie sind aber froh über die Einführung des Elterngeldes, auch wenn dieses keine Rolle bei der Entscheidung gespielt habe, ein zweites oder auch drittes Kind zu bekommen. „Es ist vielmehr so, dass man doch eher das traditionelle Modell wählt, wenn es kein Elterngeld gäbe. Aber so war es eben viel besser möglich, dass ich auch daheim bleiben konnte“, sagt er. Dennoch: Das Elterngeld war für die Sonntags nicht der ausschlaggebende Grund, ein anderes als das klassische Modell zu wählen. „Es ist einfach eine Zeit, die nie wieder kommt“, findet Markus Sonntag, der gut ins Bild eines modernen Vaters passt: Denn Väter nehmen verstärkt Elternzeit – wenngleich es nach wie vor die Mütter sind, die hauptsächlich vom Beruf aussetzen. Zwar nimmt laut Familienministerium mittlerweile ein Drittel aller Väter Elternzeitmonate. Der größte Teil von ihnen nimmt aber nur die zwei Bonusmonate mit, die das Gesetz Paaren gewährt, bei denen beide Partner in Elternzeit gehen. Wenn beide gehen, können sie 14 Monate unter

Famos 3 2017  

famos feiert 10. Geburtstag Familienfreundlichkeit im Pflegeberuf »Engagement für die Zukunft unserer Gesellschaft« „Hallo Luther“ statt Hel...

Advertisement