Page 20

s Reise

Erster Auftritt auf dem Laufsteg. Trockenen Fußes durchs Hochmoor in Estlands Sumpflandschaft Sooma

wildwest-gefühl pur. In Sumpfschuhen durchs Biberland. In Soomaa gehen die Uhren leicht anders als im Rest der Welt. Der Nationalpark im Südwesten von Estland ist bekannt für seine fünfte Jahreszeit. „Land unter“ könnte man sie nennen. Aivar ist Ranger und lehrt Kinder die Besonderheiten dieses riesigen Sumpfgebiets. „Er sieht aus wie ein richtiger WildwestRanger“, schmunzelt meine Frau. „Wer seine eigenen Kinder für ihre Umwelt begeistern kann, der kann auch Stadtkinder zu Natur-Detektiven ausbilden“, erzählt der Mann mit dem roten Rauschebart. Der Hit für die kleinen Besucher ist die Biber-Pirsch mit dem Kanu in der Dämmerung. „Die Biber am Werk zu sehen, ist natürlich das Highlight, aber fast genauso spannend ist es für die Kids, die Geräusche und Gerüche der hereinbrechenden Nacht zu erleben. Das kennen die meisten in dieser Form ja gar nicht.“ Wasser ist allgegenwärtig in Soomaa und fester Boden unter den Füßen ist die Ausnahme.

die ranger sind pragmatiker: Schneeschuhe eignen sich hervorragend zum Sumpfwandern. Mit „Sumpfschuhen“ unter den Füßen geht es in den Nationalpark. „Hier läuft man ja wie auf Wackelpudding“, schreit entzückt ein kleiner Pimpf. Gekicher allenthalben. Still wird es immer dann, wenn Aivars fleißige Helfer auftauchen. Die zeitgenössischen Sumpftrolle von Soomaa berichten von den vielen kleinen Wundern, die es rechts und links des Wegrandes zu entdecken gilt. Am Abend gibt es allerhand Neues zu verdauen. Nicht nur die leckeren Würstchen und das Stockbrot, die im Lagerfeuer rösten. tief im dschungel. „Früher haben wir das Land als Bauern bearbeitet, heute pflegen wir es als Schutzgebiet.“ So viel Stolz auf die Naturschätze von Santa Lucia im Nordwesten Ecuadors musste hart gelernt werden. Es sind ehemalige Jäger und Holzfäller, die heute Besucher durch den Nebelwald führen. Der Umdenkprozess begann, als immer mehr

www.soomaa.com

wildwest auf der streichelranch. „Halt den Nuckel gut fest, die sind gierig“, sagt Heinz, als er unserem Junior die Milchflasche in die Hand drückt. Der Kleine steht etwas hilflos mit der Nuckelflasche vor den jungen Schafen. „Schau!“, erklärt Heinz. „Du drückst es hier ganz lieb um den Hals, und wenn du die Flasche vor seinen Mund hältst …“ Schwupp. Der Nuckel ist im Maul, die Flasche am Boden, und Florian ist beleidigt. Auf Trotz folgt Ehrgeiz und wenige Versuche später strahlen zwei Kinderaugen beim routinierten Abfüttern der Lämmer. Nach getaner „Arbeit“ im Stall wartet auf der Koppel das nächste Abenteuer. Auf dem Nachmittagsprogramm steht Ponyreiten. Wir schmunzeln. Die Tiere reichen uns kaum bis zur Hüfte. „Für uns Erwachsene sieht das nur wie Minipferde aus, aber für die Kinder stimmt der Maßstab. Ein richtiger Hengst ist schon beängstigend groß für die Kleinen.“ Zwei Stunden später hat sich Florian in einen Cowboy par excellence verwandelt.

18 complete magazin 1/2012

16_Kinderreisen_C_A*_LA_L1_GIK.indd 18

18.02.2012 19:48:42 Uhr

Complete 1/12  

Blumenkinder, Reise, Style