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schiedene Massnahmen festgelegt, um Menschen mit Behinderungen zu unterstützen und ihnen zu helfen, sich in der Gemeinschaft wieder einzugliedern – als erstes hat die Selbsthilfegruppe, die während der letzten Jahre nur dem Namen nach existierte, sich selber wiederbelebt.» Zurückgewiesen und allein Im Februar dieses Jahres haben die

Forscher der Studie Behinderte und Eltern von Behinderten getroffen, so auch die Mutter des taubstummen Enzo, die 32-jährige Sylvie. Sie erzählte: «Wenn ich meinen kleinen Jungen sehe, wie er sich zurückgewiesen und allein fühlt, weil er sich nicht ausdrücken kann, er nicht einmal weinen oder schreien kann, wenn die anderen Kinder ihn schlagen – es ist, als ob er gar nicht dazu gehörte, weit weg von allen anderen Kindern

wäre, das bringt mich zum Weinen.» Dieser erste Schritt, so wie Mutter Sylvie das Leid zu formulieren, ist wichtig, sagt Valérie Simonet: «So können die Betroffenen ihre Probleme teilen und ihre Wünsche formulieren, wie man ihre Situation verbessern könnte.» Anfangs seien die Menschen mit Behinderungen überfordert gewesen damit, sich zu organisieren: «Sie dachten einfach, dass man sowieso nichts ändern kann,

Santé Bankim Bankim gehört zu den ärmsten Distrikten Kameruns. Zwischen unzähligen Armen des Mapeflusses nur schwer zugänglich, ist die Bevölkerung häufig von der Gesundheits­ ver­sorgung abgeschnitten. Mit dem FAIRMED-Projekt wird insbeson­ dere Menschen mit Behinderungen, aber auch Müttern und Kindern der Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung eröffnet. Budget 2014 – 17 (CHF): 804 841 Erreichte Menschen: 90 000 Drei Projektpartner: Nationales Gesundheitsministerium Swiss Tropen- und Public HealthInstitut Stop Buruli Consortium

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PROJEKTPORTRAIT

Elisabeth, seit ihrer Kindheit behindert, ist dank Prothesen und Dreirad wieder mobil und vollständig integriert in der Gemeinschaft.

weil es schon immer so war.» Das hat sich nun aber stark verändert, erläutert Valérie Simonet: «Nach Abschluss der Studie haben wir eine Sitzung mit Gesundheitsmitarbeitern und Behördenvertretern einberufen und dabei die Menschen mit Behinderungen ins Zentrum der Versammlung, um einen Tisch ganz in der Mitte, gesetzt. Das war für alle ganz neu und ungewohnt, und ein starkes Signal, dass man nichts für Menschen mit Behinderungen machen kann, wenn man sie nicht einbezieht.» Mitspracherecht und Selbst­ bewusstsein Alle Beteiligten haben nun gemeinsam Massnahmen aufgelistet, die im Rahmen des FAIRMED-Pilotprojekts im nächsten Jahr umgesetzt werden sollen: Am Distriktspital wird ein Physiotherapeut für die Rehabilitation im Einsatz sein und die Behörden wollen einen Fond bereitstellen, aus dem die Gesundheitsbehandlungen für Behinderte finanziert werden. Ausserdem sollen Menschen dabei unterstützt werden, wie sie sich selber helfen und in Zukunft in allen wichtigen Versammlungen vertreten sein können. «Das kommt in einer so ländlichen Gegend wie Bankim, wo nicht alle Menschen wissen, was eine Prothese ist, beinahe einer kleinen Revolution gleich», freut sich Valérie Simonet: «Wir sind einen grossen Schritt weiter!»

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Profile for FAIRMED

FAIRMED vor Ort  

Dezember 2014 Deutsch

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