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Eine bewegende Geschichte

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ÃœBER JAHRE AUTOMOBILLOGISTIK MOSOLF

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ÂťEine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist.ÂŤ (Johann Wolfgang von Goethe)


INHALTSVERZEICHNIS

1 BEWEGUNG IM BLUT

DIE WURZELN DER FAMILIE MOSOLF Seite 12

2 HORST UND MARIANNE MOSOLF STARTEN DURCH FIRMENGRÜNDUNG IN KIRCHHEIM UNTER TECK Seite 26

3 HÖHER, SCHNELLER, WEITER MOSOLF AUF EXPANSIONSKURS Seite 40

4 NEUE NIEDERLASSUNGEN UND SCHRITT NACH SÜDEUROPA MOSOLF VERGRÖSSERT SEIN NETZWERK Seite 56

5 AUFBRUCH IN DEN OSTEN

MOSOLF ERSCHLIESST NEUE MÄRKTE Seite 82

6 FÜR EINE WELT IN BEWEGUNG

MOSOLF OPTIMIERT SEINE INTERNATIONALEN LOGISTIKSTRÖME Seite 104

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MOSOLF & MOBILITÄT

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Mosolf steht für Mobilität. Der aus dem brandenburgischen Wittstock an der Dosse stammenden Fami­lie liegt die Bewegung einfach im Blut. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzten die Mosolfs auf Motorkraft. Als dann in den Wirtschaftswunderjahren der Traum vom eigenen Auto für immer mehr Deutsche wahr wurde, erkannte der Visionär Horst Mosolf die Zeichen der Zeit und gründete gemeinsam mit seiner Frau Marian­ne 1955 im schwäbischen Kirchheim unter Teck das Unternehmen »Horst Mosolf Spe­dition und Transporte« für die Beförderung von Fahrzeugen und für technische Dienstleistungen.

Dies war der Auftakt einer inzwischen über 60-jährigen Erfolgsstory, in der sich die deutsche Nachkriegsgeschichte von Flucht und Teilung bis zu Mauerfall und Wiedervereinigung ebenso widerspiegelt wie das Zusammenwachsen Europas und die Globalisierung der Wirtschaft. Was damals mit einem gebrauchten Lastkraftwagen begann, umfasst heute eine Flotte von rund 850 Spezialtransportern, 500 Autotransportwaggons sowie zwei Binnenschiffen. Dabei wandelte sich das Unternehmen von einem reinen Spediteur zu einem technisch-logistischen Systemdienstleister für die Automobilindustrie, für Händler und Flottenbetreiber mit einem europaweiten Netzwerk von über 30 Standorten mit mehr als 2.000 Mitarbeitern.

Doch bei allem Wandel ist Mosolf sich stets treu geblieben und hat damit bewiesen, dass Tradition und Innovation zusammengehören wie Reifen und Felge: Absolute Zuverlässigkeit, höchste Qualität und konsequente Kundenorientierung bestimmten damals wie heute das Denken und Handeln im Hause Mosolf. Verbunden mit Mut und Risikobereitschaft brachte dieses Wertesystem das Unternehmen an die Spitze. Doch mit der Pole­ position gibt man sich nicht zufrieden. Und so haben Unternehmer­ familie, Führung und Mitarbeiter im Hause Mosolf bei allem Stolz auf das bisher Erreichte immer auch die Zukunft mit ihren Chancen und Herausforderungen im Blick. Denn auch der Beste kann noch besser werden.


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GRUSSWORT

Oberbürgermeisterin der Stadt Kirchheim unter Teck Sehr geehrte Familie Mosolf,

und damit eine sichere Existenz möglich gemacht. Nach-

sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

wuchskräfte finden hier attraktive Entwicklungsmöglichkeiten, da das Unternehmen in die Ausbildung investiert und

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in unserer Stadtgeschichte gibt es eine Reihe von Persönlich-

mit Bildungseinrichtungen wie der Deutschen Außenhan-

keiten, die als Unternehmer besondere Anerkennung erwor-

dels- und Verkehrs-Akademie (DAV) oder der ECG Academy

ben haben. Dazu gehört auch der Begründer Ihres Unterneh-

zusammenarbeitet. Auch an das soziale Engagement soll er-

mens. Wenn von erfolgreichen Unternehmen in Kirchheim

innert werden. Stets hat die Horst Mosolf GmbH & Co. KG

unter Teck gesprochen wird, fällt immer auch der Name

Sportvereine und lokale und soziale Projekte für Kinder und

Horst Mosolf GmbH & Co. KG.

Jugendliche unterstützt.

Zum 60-jährigen Firmenjubiläum durfte ich der Familie

Unternehmerischer Mut, innovatives Denken und Handeln,

Mosolf und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits

Kundenorientierung und eine nie nachlassende Orientierung

herzlich gratulieren. Bis jetzt ist das Unternehmen in Fami­

am Fortschritt und technischen Wandel – das zeichnet die

lienbesitz geblieben. Nachdem Herr Horst Mosolf im August

Mosolf-Unternehmensgruppe ganz besonders aus. Die Horst

2015 verstarb, führt Herr Dr. Jörg Mosolf, der bereits seit 2002

Mosolf GmbH & Co. KG ist führender Anbieter für Logistik-

in der Unternehmensführung ist, das Unternehmen aktiv

und Technikdienstleistung rund um das Automobil. Ich freue

und erfolgreich im Sinne seines Begründers weiter.

mich, dass diese Innovationskraft auch auf unsere Stadt ausstrahlt, und wünsche Ihrem Unternehmen weiterhin wirt-

Aktivitäten, die über mehrere Generationen von einer Fa-

schaftlichen Erfolg und eine positive Zukunft.

milie getragen werden, prägen ein Unternehmen in ganz besonderer Weise. Trotz der internationalen Ausrichtung mit 30 Standorten in Europa und mehr als 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, hat Ihr Unternehmen seit 1955 seinen Firmensitz in Kirchheim unter Teck. Eine solche Treue zum Gründungsstandort und der anhaltende unternehmerische Erfolg sind in Zeiten des globalen Wettbe­ werbes nicht selbstverständlich. Die Mosolfs und das Unternehmen sind Teil unserer Stadt. Sie haben sich als Wegbegleiter unseres Gemeinwesens bewiesen. Dabei hat Ihr Unternehmen nicht nur Arbeitsplätze

Angelika Matt-Heidecker


GRUSSWORT

Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Sehr geehrte Familie Mosolf,

Für die Zukunft wünsche ich Ihnen, liebe Familie

sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

Mosolf, und der gesamten Belegschaft Gottes reichen Segen, eine Fortschreibung der Erfolgsgeschichte und

Mit Ihrem Entschluss, sich im Jahr 1955 am Fuße der

die Sou­veränität, die zukünftigen Herausforderungen

schwäbischen Alb anzusiedeln, haben Sie eine voraus-

ebenso zu meistern wie Sie es in der Vergangenheit

schauende Wahl getroffen. Ihre Entscheidung fiel auf

stets getan haben.

eine Region, deren stärkste Antriebsfeder das Automobil ist und alles was mit dem Automobil zusammenhängt. So gingen preußische Disziplin und schwäbischer Fleiß eine fruchtbare Symbiose ein. Vom klassischen Auto­

Dorothee Bär, MdB

transporteur hat sich die Firma Mosolf in sechzig Jahren zu einem innovativen Dienstleister der Automobilin­ dustrie entwickelt. Deutschland steht wie kein anderes Land der Welt für erfolgreiches mittelständisches Unternehmertum. Die zumeist familiengeführten Unternehmen bilden das Rückgrat unserer Wirtschaft. Familienunternehmen denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen, die in ihrer Standhaftigkeit auch unruhige und stürmische Zeiten überdauern. Familienunternehmen beweisen täglich, dass Tradition und Innovation keine Gegensätze sind und zeigen in der Verbundenheit mit ihren Heimatstandorten und ihren Mitarbeitern ein hohes Maß an sozialer Verantwortung. Selbstverständlich stehen auch die erfolgreichsten Unter­ nehmen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Unternehmerfamilien müssen sich heute in der Globalisierung, der Digitalisierung, im demographischen Wandel und auf immer dynamischeren Märkten beweisen.

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VORWORT

Dr. Jörg Mosolf und Peter Mosolf

Sehr geehrte Kunden und Geschäftspartner,

Oft haben wir uns Gedanken gemacht, wie unser Unterneh-

liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

men auch in Zukunft erfolgreich bleibt. Selbstverständlich liegt uns allen unser Geschäft am Herzen. Man kann ebenso

der Titel unserer Firmenhistorie lautet „Eine bewegende Ge-

sagen, wir haben Benzin oder besser, wir haben Diesel im Blut.

schichte“ und trifft in unseren Augen in jeder Hinsicht auf

Jedes Jahrzehnt bringt jedoch auch neue große Herausforde-

unsere Familie zu. Bei der Lektüre unserer Firmenhistorie

rungen, wie beispielsweise Globalisierung oder aktuell das

werden Sie in vielen Passagen feststellen können, dass insbe-

große Thema Digitalisierung, denen wir uns stellen und die

sondere der Lebensweg unserer Eltern viele aufregende Fa-

wir gemeinsam mit unseren Mit­arbeitern meistern werden.

cetten und Veränderungen aufweist. Andererseits ist unser Kerngeschäft der Service rund ums Automobil, vom Trans-

Unsere Erfolgsgeschichte ist gleichzeitig die Erfolgsgeschichte

port bis zum Recycling, was gleichfalls Bewe­gung bedeutet.

unserer geschätzten Mitarbeiter. Wer sich im Unternehmen wohlfühlt und damit identifiziert, ist motiviert und leistet

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Der entscheidende Antrieb für unsere Eltern war der Wille

mehr. Es liegt im Umgang mitein­ander, Ideen und Vorschläge

etwas zu schaffen, das Bestand hat. Nach den unruhigen

werden geprüft und wenn möglich umgesetzt.

Zeiten der Flucht und dem Neuanfang in der Fremde stand der Wunsch nach Sicherheit für Familie und Kinder verstärkt

Liebe Leser, wir wünschen Ihnen eine spannende und inter-

im Vordergrund. Mit den Jahren umso mehr, da unsere Fami-

essante Lektüre. Begeben Sie sich mit uns auf eine kleine

lie eng mit unserem Unternehmen verbunden ist, nicht nur

Zeitreise.

finanziell sondern in erster Linie auch emotional. Herzlichst Ihre Nach dem Tod unseres Vaters im August 2015 steht nun die zweite Generation aktiv in der Pflicht, das Unternehmen Mosolf erfolgreich fortzuführen. Dieses Unternehmen ist uns auf Zeit anvertraut und dies bedeutet Verantwortung für die

Dr. Jörg Mosolf

Familie, die Mitarbeiter und das erarbeitete Eigentum. Zudem

Geschäftsführender Gesellschafter (CEO)

müssen die Weichen für die Nachfolgegeneration gestellt werden. Unternehmertum besteht unserer Ansicht nach aus Freiheit und Eigentum, Wettbewerb und Verantwortung, Risiko und Haftung. Diese Grundsätze sind die Basis eines verant-

Peter Mosolf

wortlichen und erfolgreichen Wirtschaftens. An diese Werte

(Gesellschafter)

muss jede neue Generation behutsam herangeführt werden.


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1 BEWEGUNG IM BLUT DIE WURZELN DER FAMILIE MOSOLF

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»Nur wer seine Wurzeln kennt, kann wachsen.« (Anselm Grün)

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Immer in Bewegung: Richard Mosolf sen. vor seinem Hippodrom.

1871

1876

1880

1886

1900

1903

1906

Gründung des Deutschen Kaiserreichs

Alexander Graham Bell erhält das Patent für das Telefon

Thomas Alva Edison erhält das Patent für die Glühlampe

Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach bauen die ersten vier­ rädrigen Kraftwagen

Jungfernfahrt des ersten Zeppelin-Luftschiffs am Bodensee

Erster Motorflug der Brüder Wright in den USA

Weltausstellung in Mailand zum Thema Verkehr


FASZINATION FORTSCHRITT

über der »Benzinkutsche« zu zerstreuen. Dank der äußerst positiven Presseberichterstattung stiegen die Verkaufszahlen schon bald stark

Im Jahr 1900 bestaunten fast 50 Millionen

an. Der Siegeszug des Auto­mobils begann. Es

Menschen die zahlreichen technischen Inno­

sollte zu dem Fortbewegungsmittel des 20. Jahr-

vationen der Pariser Weltausstellung. Die Welt

hunderts werden und Mobilität zum Marken­

veränderte ihr Gesicht. Hand in Hand sorgten

zeich­en des modernen Lebens machen.

wissenschaftliche Forschung und genialer Tüftlergeist für immer neue Erfindungen. Zu diesen

Nachdem 1897 in Berlin die erste Internationa-

zählte neben dem Tonfilm und der Rolltreppe

le Automobilausstellung (IAA) stattgefunden

auch der Dieselmotor. Mit seiner Konstruktion

hatte, entwickelte sich die Stadt mit rasanter

hatte Rudolf Diesel eine Alternative zum ben-

Geschwindigkeit zu einer der autobegeistert­

zinbetriebenen Ottomotor von Nicolaus Otto

sten Metropolen Europas. Bald schon tauchten

entwickelt. Bereits 1886 hatten Carl Benz und

neben privaten Automobilen auch die ersten

Gottlieb Daimler unabhängig voneinander ei-

»Motordroschken« auf, die den angestammten

nen benzinbetriebenen Motorwagen gebaut –

Pferdedroschken Konkurrenz machten. 1923

ein Meilenstein in der Verkehrsgeschichte. Doch

überstieg die Zahl der Automobile im Deut-

zunächst blieb der Verkaufserfolg aus. Zu der

schen Reich erstmals die Marke von 100.000.

Faszination für das neuartige Fahrzeug gesellte

Ein Jahr später präsentierten Benz, Daimler

sich eine gehörige Portion Skepsis hinsichtlich

und MAN auf der IAA die ersten Lastkraftwa-

seiner Alltagstauglichkeit. »Ich glaube an das

gen mit Dieselmotor, wodurch der Kraftstoff-

Pferd. Das Automo­bil ist nur eine vorüberge-

verbrauch deutlich verringert werden konnte.

hende Erscheinung«, äußerte der deutsche

Schon 1928 waren auf deutschen Straßen fast

Kaiser Wilhelm II. Selten lag eine Prognose so

500.000 Kraft­fahrzeuge unterwegs.

daneben. Eine der erfolgreichsten Marketing­ aktionen aller Zeiten verhalf dem Automobil in Deutschland zum Durchbruch: 1888 unterDas Fortbewegungs­mittel der Zukunft: Bertha Benz und Ehemann Carl Benz im Model Benz-Viktoria, 1894.

nahm Benz‘ Ehefrau Bertha – ohne Wissen ihres Mannes – die erste Überland­fahrt von Mannheim nach Pforzheim, um die Bedenken gegen-

1910

1913

1914 – 1918

1918

1923

Erstes Kraftfahr­tgesetz im Deutschen Reich: Für Fahrzeuge gilt innerorts ein Tempolimit von 15 km/h

Henry Ford führt in seiner Fabrik die Fließ­ band­produktion ein

Erster Weltkrieg

Gründung der Weimarer Republik

Hyperinflation im Deutschen Reich: Ein Kilo Brot kostet über 400 Milliarden Reichsmark

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MOSOLF SETZT AUF MOTORKRAFT Die wachsende Mobilität konzentrierte sich nicht nur auf Großstädte. Auch in ländlich geprägten Regionen erkannten findige Unternehmer die Zeichen der Zeit. So auch Fuhrunternehmer Richard Mosolf in Wittstock an der Dosse, einer von Landwirtschaft, Wäldern und Heide umgebenen Kleinstadt im Nordwesten Brandenburgs. Dank seiner Lage wird Wittstock auch »Tor zur Mecklenburgischen Seenplatte« genannt, einer damals wie heute beliebten Ausflugsregion. Der Familie Mosolf lag die Bewegung

Potsdamer Platz, Berlin, um 1930.

im Blut. So betrieb Richard Mosolfs Vater in Wittstock ein Hippodrom, eine Art Zirkus, in dem Kinder und Erwachsene von Pferden durch

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die Manege getragen wurden. Hatte sein Vater noch tierische Muskelkraft zur Fortbewegung genutzt, so setzte Richard schon früh auf Motorkraft. Da der junge Unternehmer ein äußerst sparsamer Mann war, dem Schulden ein Gräuel waren, kam er auf die Idee, mit einem Omnibus sowohl Möbeltransporte als auch Ausflüge ins Grüne anzubieten. »Der erste Omnibus meines Vaters war ein Universal-Lkw. Am Samstag und Sonntag brachte er damit Wochenendausflügler ins Seebad Warnemünde, nach Havelberg zum Pferdemarkt oder nach Werder zum Baumblütenfest. Unter der Woche entfernte er dann die

Berliner Automobilfabrik, 1927.

1925

1926

Im Deutschen Reich gilt innerorts ein Tempolimit von 30 km/h

In Stuttgart entsteht die Daimler-Benz AG


Weimarer Republik zu bringen. Doch in vielen Familien herrschte damals die blanke Not. 1932 stieg die Massenarbeitslosigkeit in Deutschland auf über 5 Millionen an – ein ergiebiger Nährboden für die Propaganda der Nationalsozialisten, die nach den Reichstagswahlen 1933 die Macht übernahmen. Schon bald begann das NS-Regime mit der Aufrüstung der Wehrmacht. Auch Wittstock an der Dosse wandelte sich zu einer Garnisonsstadt. Ab 1938 wurde der örtliche Segelflugplatz zu einem Militärflughafen ausgebaut, auf Geschäftstüchtig: Familie Mosolf vor ihrem Omnibus, um 1937.

dem unter anderem Fallschirmjäger ausgebildet wurden. Für die nach Wittstock abkommandierten Luftwaffenoffiziere und ihre Familien wurde Sitze und legte Matten hinein, so dass der Om­

Bananen anbot. Auch für diesen Geschäftszweig

eigens eine Siedlung errichtet. Hunderte von

nibus als Möbeltransporter genutzt werden

nutzte die Familie Mosolf ihre Lastkraftwagen:

Soldaten wollten versorgt werden und so belebte

konnte. Sein Werbeslogan lautete: ‚Ihr lieben

Da Spargel aus Beetz oder Beelitz schon damals

die Garnison die lokale Wirtschaft. Auch Richard

Leute lasst Euch sagen, beim Umzug braucht

eine Delikatesse war, die in Berlins betuchten

Mosolf arbeitete für die Luftwaffe. Mit seinen

Ihr Euch nicht plagen. Mosolf lädt ein, Mosolf

Kreisen geschätzt wurde, transportierten die

Omnibussen beförderte er nicht nur die am

lädt aus, im Nu seid Ihr im neuen Haus!‘«, erin-

Mosolfs das edle Gemüse aus dem brandenbur-

Wittstocker Bahnhof eintreffenden Soldaten zu

nerte sich Horst Mosolf anlässlich seines 60-jäh-

gischen Umland in die gut 100 Kilometer ent-

ihren Unterkünften. Er lieferte auch Ausrüstung

rigen Firmenjubiläums. Da das Unternehmen

fernte Hauptstadt. »Auf der Rückfahrt waren

und Verpflegung in den Fliegerhorst. Doch nach

florierte, konnte Richard Mosolf schon bald wei-

die Wagen dann mit Obst und Gemüse beladen,

Beginn des Zweiten Weltkriegs wendete sich

tere Trans­porter kaufen. Neben Modellen von

mit dem unsere Familie Geschäfte in Branden-

das Blatt. Als Adolf Hitler am ersten September

Hansa-Lloyd und Saurer besaß er bereits 1928

burg und Mecklenburg belieferte«, wusste Horst

1939 den Angriff auf Polen befahl, erging es den

einen Mercedes-Benz-Lkw.

Mosolf zu erzählen.

Mosolfs bald wie vielen anderen Firmen aus der Transportbranche: Das Militär beschlagnahmte

Richard Mosolfs Frau Margarete betrieb in Witt-

Mit viel Fleiß und Geschäftssinn schafften es

ihre Fahrzeuge, um sie für Kriegszwecke einzu-

stock an der Dosse ein Obst- und Gemüsege-

die Mosolfs, ihr Unternehmen durch die von

setzen. Richard Mosolf wurde enteignet. Es sollte

schäft, in dem sie auch exotische Früchte wie

Inflation und Weltwirtschaftskrise gebeutelte

nicht das letzte Mal sein …

25.10.1929

1932

30.01.1933

28.02.1933

1937

Am »Schwarzen Freitag« löst der Zusammenbruch der New Yorker Börse eine Weltwirt­schaftskrise aus

Im Deutschen Reich gibt es über 5,6 Millionen Arbeitslose. Die Industrieproduktion sinkt bis 1932 um 40 Prozent

Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler

Verordnung »Zum Schutz von Volk und Staat« setzt die Grundrechte außer Kraft

Am Kleinen Stern in Berlin wird Deutschlands erste Fußgängerampel errichtet

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Impressionen aus Wittstock an der Dosse

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Luftbild von Wittstock an der Dosse (oben), Rathaus (unten), St. Marien-Kirche (rechts).


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Amtsturm (oben links), Post mit GlintzstraĂ&#x;e (Mitte links), Stadtimpression (unten links), alte Stadtmauer (oben rechts), Marktplatz (unten rechts).


EINE JUGEND IM KRIEG

Die renommierte Berliner Möbelspedition Franz­kowiak & Co. hatte ihren Sitz in un­ mittel­barer Nähe des Kurfürstendamms und

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Die Enteignung war ein herber Schlag für die

war auf Transporte nach Übersee spezialisiert.

siebenköpfige Familie von Margarete und

»Die Firma organisierte viele Umzüge für aus-

Richard Mosolf. Ihr zweitältester Sohn Horst,

ländische Botschaften. Dort lief alles sehr pro-

der am 25. Januar 1928 in Wittstock zur Welt ge-

fessionell ab«, resümierte Horst Mosolf. Doch

kommen war, gehörte zu jenen Jahrgängen, die

der junge Mann konnte seine Lehre nicht be-

noch kurz vor Kriegsende für den Volkssturm

enden, sondern musste eine Notprüfung ma-

rekrutiert wurden. Nach der Schule hatte sich

chen, weil er zum Reichsarbeitsdienst eingezo-

Horst Mosolf 1942 zu einer Ausbildung als Spe-

gen wurde. Dieser hatte ab Mitte 1944 die mili-

ditionskaufmann entschlossen. »Ein Onkel von

tärische Grundausbildung der künftigen Sol-

mir war in leitender Stellung bei der Berliner

daten übernommen. Als 17-Jähriger wurde

Umzugsfirma Franzkowiak & Co. beschäftigt. Da

Horst Mosolf dann im Frühjahr 1945 zum

er ein vorausdenkender und sehr aktiver Mann

Volkssturm rekrutiert und geriet am Kriegsen-

war, wurde er mein Vorbild, dem ich nach­eiferte.

de in der Schlacht um Berlin in sowjetische

Er vermittelte mir auch meine Lehrstelle«, erin-

Gefangenschaft. Zuerst kam er in das Lager

nerte sich Horst Mosolf.

Ketschendorf (heute zu Fürstenwalde/Spree gehörend), einem von zehn Speziallagern des sowjetischen Geheimdienstes, in dem bis Februar 1947 teilweise bis zu 18.000 Zivilisten und Kriegsgefangene interniert waren. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen im Lager starben über 4.600 Inhaftierte, die meisten an Unterernährung und Tuberku­lose. Horst Mosolf hatte Glück im Unglück: Er überlebte Ketschendorf, kam aber nach dessen Auf­ lösung in ein weiteres Speziallager in Fünf­ eichen am Stadtrand von Neubrandenburg,

Entschlossener Blick: Horst Mosolf als Kind, um 1931.

wo er nochmals eineinhalb Jahre verbrachte,

1938

01.09.1939

22.06.1941

In Deutschland sind 1,2 Millionen Pkw, 1,6 Millionen Motorräder und 400.000 Lkw zugelassen

Beginn des Zweiten Weltkriegs

Deutscher Überfall auf die Sowjetunion


ohne seiner Familie auch nur ein einziges Lebenszeichen schicken zu dürfen. »Als ich schließlich entlassen wurde, war ich so ausgehungert, dass ich nur noch 53 Kilo wog«, erinnerte er sich. Auch zu Hause stand es nicht zum Besten. Wie der junge Mann bei seiner Rückkehr erfuhr, hatten die sowjetischen Besatzer im Zuge der Demontage auch die Lastkraftwagen seines Vaters beschlagnahmt, so dass die Familie erneut bei null anfangen musste. Doch einer wie Horst Mosolf ließ sich nicht so leicht unterkriegen. Trotz der harten Lagerjahre war sein Elan un­gebrochen. Mit dem ihm eigenen Optimismus blickte er entschlossen nach vorn und nahm sein Leben wieder in die eigenen Hände. Da seine Notprüfung aus Kriegszeiten nicht anerkannt wurde, musste er mit 20 Jahren nochmals in die Lehre gehen. Als Horst Mosolf bei seiner alten Berliner Firma nachfragte, nahm diese ihn ohne zu zögern sofort wieder. Und so konnte er 1951 endlich seine Prüfung als Speditionskaufmann ablegen. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung in der Tasche konnte er nun beginnen, sich eine Zukunft aufzubauen.

Zum Volkssturm rekrutiert: Horst Mosolf als junger Soldat.

07/09.05.1945

03.04.1948

Kapitulation der Wehrmacht

Inkrafttreten des Marshall-Plans: Bis 1952 fließen 1,5 Milliarden US-Dollar nach Westdeutschland

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EINE FRAU MIT FINANZVERSTAND

Angehörige ihrer Generation – jene schweren

der Erfolg blieb nicht aus: Sie legte ein ausge-

Jahre mit ihrer Mutter allein meistern. Kurz

zeichnetes Examen ab.

nach der Rückkehr ihres Vaters schloss Mari-

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Dies tat er nicht mehr für sich allein, hatte er

anne Mosolf die Schule ab. Da ihre Eltern gro-

Horst Mosolf arbeitete inzwischen für die

doch nach seiner Rückkehr aus der Gefangen-

ßen Wert darauf legten, dass ihre Tochter eine

West-Berliner Spedition Mützlitz, als er eines

schaft das Herz einer jungen Frau namens Mari-

gute Ausbildung erhielt, schickten sie sie nach

Tages einen Anruf von seinem Vater erhielt.

anne Ahrens gewinnen können. Und das war gar

Berlin auf die Lette-Schule. Diese renommierte,

»Du musst sofort nach Hause kommen!«, for­

nicht so leicht gewesen, wie die heutige Marian-

am Viktoria-Luise-Platz in Berlin-Schöneberg

derte dieser ihn auf. »Wir müssen den Betrieb

ne Mosolf sich erinnert: »Wir haben uns in ei-

gelegene, private Mädchenschule bot jungen

aufteilen, sonst werden sie uns enteignen, weil

nem kleinen Tanz-Café kennengelernt. Mein

Frauen eine Reihe moderner Lehrberufe an.

wir zu groß geworden sind.« So kündigte Horst

Mann hatte ein Auge auf mich geworfen und so

Da Marianne Mosolf ein Händchen für Zahlen

Mosolf seine Anstellung und ging zurück nach

forderte er mich zum Tanz auf. Ich habe schon

hatte, entschied sie sich für eine kaufmänni-

Wittstock. Dort teilte sein Vater die Lastkraft­

immer sehr gern getanzt, aber seine Stärke war

sche Ausbildung – eine ausgezeichnete Investi-

wagen des familieneigenen Fuhrunternehmens

es nicht. Doch er ließ nicht locker und wollte

tion in die Zukunft, wie sich schon bald zeigen

unter sich und seinen beiden ältesten Söhnen

mich unbedingt für sich gewinnen. Nach einer

sollte. »Als ich nach Berlin kam, war die Stadt

auf. Doch damit konnte er den Lauf der Ereignis-

Weile war ich schließlich einverstanden und wir

noch ein Trümmerhaufen«, erinnert sie sich.

se nicht aufhalten: Kurze Zeit später drohte

wurden ein Paar.«

»Es fehlte an allem! Und dann noch die Ber-

Richard Mosolf neben der erneuten Enteignung

lin-Blockade. Ohne die Luftbrücke der Ameri-

sogar die Verhaftung!

Auch Marianne Mosolf stammt aus einer Witt-

kaner, die die West-Berliner mit dem Notwen-

stocker Unternehmerfamilie. Als einziges Kind

digsten wie Kohle, Kartoffeln oder Mehl ver-

von Erika und Werner Ahrens kam sie 1933 dort

sorgten, wären viele Menschen verhungert und

zur Welt. Ihr Vater war Kraftfahrzeugmeister

erfroren.« Rund 1,5 Millionen Tonnen lebens-

und betrieb ein Motorradgeschäft mit ange-

wichtiger Güter brachten die von den Berlinern

schlossener Reparaturwerkstatt. »Meine Eltern

»Rosinenbomber« genannten Versorgungsflug-

waren beide sehr tüchtig und wussten, dass

zeuge von Juni 1948 bis Mai 1949 in die ein­

man als Unternehmer immer auf die Wünsche

geschlossene Stadt. Nach zwei Jahren machte

der Kunden eingehen muss. Leider wurde mein

Marianne Mosolf im Sommer 1951 ihre Ab-

Vater 1939 sofort eingezogen und kehrte erst

schlussprüfung. »Ich bin immer sehr gerne zur

1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurück«, er-

Schule gegangen und habe auch stets mit viel

zählt Marianne Mosolf. So musste sie – wie viele

Freude gelernt«, erzählt sie rückblickend. Und

20. 06.1948

Juni 1948-Mai 1949

23.05.1949

15.09.1949

Währungsreform in Westdeutschland: Einführung der Deutschen Mark (DM)

Berlin-Blockade als erster Höhepunkt des »Kalten Krieges«

Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD). Das Grund­g esetz tritt in Kraft

Konrad Adenauer (CDU) wird erster Bundes­kanzler


Eine Musterschülerin: Mari­anne Mosolfs Abschluss­­zeug­nis, 1951.

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Ausgezeichnete Ausbildung: Lehrlinge der Lette-Schule, 1941.


FLUCHT IN DEN WESTEN

kannten namens Johannes Kaul, eines ehema­ ligen Wehrmachtsoffiziers, der inzwischen als Oberbuchhalter bei den städtischen Betriebs-

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Der »Kalte Krieg« zwischen den Westmächten

werken arbeitete. Der Inhalt des Briefes war

unter Führung Amerikas und dem Ostblock

höchst brisant! Kaul berichtete Richard Mosolf,

unter Kontrolle der Sowjetunion war in vollem

dass er am 20. Dezember an einer Sitzung mit

Gang. Während beide Blöcke sich auf politisch-

dem SED-Kreissekretär, den Leitern der Kreis-

militärischer Ebene ein atomares Wettrüsten

und Kriminalpolizei sowie dem Direktor des

lieferten, hieß es auf wirtschaftlicher Ebene

Finanzamtes teilgenommen habe. Dort habe er

Marktwirtschaft versus Planwirtschaft. Hinter

»die traurige Aufgabe« erhalten, nach Weihnach-

dem »Eisernen Vorhang« trieb die Sowjetunion

ten »in noch privaten Transportunternehmen

in ihrem Machtbereich die Abschaffung des Pri-

eine Wirtschaftsprüfung mit dem Ziele der Ver-

vateigentums konsequent voran. Für die sowje-

haftung des Unternehmers« durchzuführen,

tische Besatzungszone beziehungsweise spätere

»um eine schnellere Gewähr zur Liquidierung

DDR war das Vorgehen der UdSSR besonders

des Privatunternehmertums zu erreichen.« Zu

hart, weil es dort gleich zwei Formen der Enteig-

den zu verhaftenden Unternehmern zählten so-

nung gab. Einerseits demontierte die Sowjet­

wohl Richard Mosolf als auch Werner Ahrens,

union im Rahmen der bei Kriegsende vereinbar-

Marianne Mosolfs Vater. Alle Anwesenden seien

ten Reparationszahlungen bis 1952 fast 3.500

unter Androhung von Untersuchungshaft »auf

Betriebe – knapp ein Drittel der industriellen

strengste Verschwiegenheit hingewiesen« wor-

Kapazität von 1944 – und brachte diese techni-

den. Um sich dieser Aufgabe und wohl auch der

schen Güter in die UdSSR. Andererseits führte

eigenen Verhaftung zu entziehen, war Kaul nur

sie gleichzeitig in großem Maßstab die Zwangs-

wenige Tage darauf mit seiner Familie in den

verstaatlichung von Privatunternehmen durch.

Westen geflohen.

Auch in Wittstock forcierte die SED-Zentrale 1952 die endgültige Abschaffung des Privatei-

Kaum hatte Richard Mosolf die letzte Zeile gele-

gentums. In dieser Situation hatte die Unterneh-

sen, war ihm klar, dass die Uhr bereits tickte. Er

merfamilie Mosolf Glück im Unglück: Unmittel-

musste sofort handeln! Wenn er seine Freiheit

bar nach Weihnachten erreichte Richard Mosolf

retten wollte, musste auch er die Flucht in den

am 27. Dezember 1952 ein Brief eines guten Be-

Westen wagen. Dabei war äußerste Vorsicht

07.10.1949

11.10.1949

20.-24.07.1950

Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)

Wilhelm Pieck wird erster Präsident der DDR

Die SED beschließt in einem Fünfjahresplan den Aufbau des »planmäßigen Sozialismus«


Neue Lebensfreude: West-Berlin in den 1950er Jahren.

geboten, damit niemand von seinem Vorhaben

beiden jüngsten Kindern nach. Die drei erwach-

das kleine Appartement behalten, in dem ich

erfuhr. Unverzüglich informierte er Werner

senen Söhne flohen ebenfalls einzeln. Die dra-

während meiner Ausbildung gewohnt hatte.

Ahrens und beriet sich mit seiner Familie be-

matischste Flucht unternahm zweifellos der

So hatten wir wenigstens eine Unterkunft und

züglich der besten Vorgehensweise. Man be-

25-jährige Horst Mosolf: Mitten in der Nacht

mussten nicht ins Flüchtlingslager. Und das war

schloss, dass Richard Mosolf als erster allein

durchbrach er mit seinem Saurer-Lkw einen

sehr viel wert.« Auch der Familie ihres Verlobten

fliehen sollte. Nur mit einer Aktentasche mit

Ostberliner Schlagbaum. »Die Grenzer haben

blieb dies erspart. Die Mosolfs fanden bei einem

den wichtigsten Papieren, ein paar belegten Bro-

sofort geschossen, mich aber – Gott sei Dank! –

alleinstehenden Onkel von Margarete Mosolf

ten sowie Unterwäsche für eine Nacht machte

nicht getroffen. Dann war ich in Westberlin.

einen ersten Unterschlupf. Ihre Freiheit hatten

er sich auf den Weg. Im Fall einer Kontrolle

Ich hatte ja keine Ahnung vom Westen, aber

sie gerettet, aber ihre Firma und ihre Heimat

wollte er angeben, dass er zwecks Abrechnung

ich dachte mir: ‚Mit dem Lkw hast du wenigs-

hatten sie verloren. Das SED-Regime setzte sei-

mit einem Kunden auf dem Weg nach Falkensee

tens einen Anfang‘«, erinnerte er sich. Auch

nen Plan in die Tat um und verstaatlichte das

sei. In Falkensee angekommen schaffte Richard

Marianne Mosolf und ihren Eltern glückte die

familiäre Fuhrunternehmen samt Grundstück.

Mosolf es über Potsdam nach Westberlin. Seine

Flucht. »Es war eine verrückte Zeit!«, sagt sie

So hieß es für die Familie Mosolf: Ärmel hoch­

Frau Margarete folgte ihm kurz darauf mit den

rückblickend. »Zum Glück hatte mein Vater

krempeln und von vorn anfangen!

15.12.1952

24.04.1953

17.06.1953

Die DDR beschränkt die Reisefreiheit von Einzelpersonen auf einen Umkreis von 100 km

Die Preise für rationierte Lebensmittel in der DDR steigen

Volksaufstand in der DDR: Rund eine Millionen Menschen protestieren gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse

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2 HORST UND MARIANNE MOSOLF STARTEN DURCH FIRMENGRÃœNDUNG IN KIRCHHEIM UNTER TECK

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»Wer nichts wagt, der darf nicht hoffen.« (Friedrich Schiller)

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Neue mobile Freiheit: Mosolf lädt eine Borgward Isabella ab.

04.01.1954

04.07.1954

Mitte der 1950er Jahre

In Duisburg werden die ersten Parkuhren der BRD aufgestellt

Das »Wunder von Bern«: Die deutsche Fuß­ ball­nationalmannschaft wird Weltmeister

Bill Haley und Elvis Presley verhelfen dem Rock’n’Roll zum Durchbruch


WIRTSCHAFTSWUNDERZEIT ­

In einer deutschen Stadt waren dieser Mobili­-

Die Firma gefiel ihm und so schickte er seiner

tät allerdings im wahrsten Sinne des Wortes

Verlobten ein Telegramm mit den Worten: »Wir

Grenzen gesetzt: in Berlin. Durch seine Insellage

können heiraten! Ich habe einen Job!« Dies sah

In den 1950er Jahren ging es in der Bundesre­

in­mitten der DDR war die Bewegungsfreiheit

sein künftiger Schwiegervater jedoch anders.

publik Deutschland endlich wieder bergauf.

dort stark eingeschränkt. Horst Mosolf erkannte

»Als ich meinem Vater erzählte, dass Horst und

1955 wuchs die Wirtschaft um 10,5 Prozent, die

rasch, dass die Stadt ein denkbar ungünstiger

ich heiraten wollten, sagte er: ‚Von wegen! Der

Reallöhne stiegen im selben Jahr um 10 Prozent

Standort für ein Transportgewerbe war. Daher

muss mir jetzt erst einmal beweisen, dass er

und 1957 herrschte Vollbeschäftigung. Ludwig

folgte er 1954 seiner Verlobten und deren Eltern

etwas kann!‘«, erzählt Marianne Mosolf. »Ich

Erhards Konzept »Wohlstand für Alle« schien

nach Meldorf, einer Kleinstadt in Schleswig-

erwiderte: ‚Da mache ich nicht mit! Ich gehe

aufzugehen. Nach den Kriegs- und Hungerjahren

Holstein, in der die Familie Ahrens Verwandte

mit ihm! Wir heiraten schnell!‘« Und sie setzte

wollten die Menschen nun vor allem eins: das

hatte. Dort arbeitete Horst Mosolf ein halbes Jahr

sich durch. »Es war eine kleine Trauung in der

Leben genießen. Gute Butter, Sahnetorten und

lang als Nähmaschinenvertreter, aber den Spe­

Wohnung meiner Eltern. Meine Schwiegereltern

Suppen mit Fettaugen wurden aufgetischt und

ditionskaufmann zog es zurück ins Transportge-

reisten aus Westberlin an. Geld für ein weißes

der »Wohlstandsbauch« galt als Zeichen von Er-

schäft. Er kündigte, gab ein Stellengesuch auf

Hochzeitskleid hatten wir nicht. Der Pfarrer

folg. Auch der Traum vom eigenen Auto ging für

und hatte Glück: Es meldeten sich gleich mehre-

kam ins Haus, traute uns und am nächsten Tag

immer mehr Deutsche in Erfüllung. Schon bald

re Speditionen, die angesichts des Arbeitskräfte-

saßen wir schon im Zug in Richtung Süden.«

wurde der VW-Käfer mit Heckmotor und Brezel-

mangels in den Wirtschaftswunderjahren Perso-

Kirchheim unter Teck mit seinem schönen his-

fenster zu dem Symbol des deutschen Wirt-

nal suchten. So reiste Horst Mosolf per Anhalter

torischen Zentrum gefiel Marianne Mosolf so-

schaftswunders. Als vergoldetes Sondermodell

durch die Bundesrepublik, arbeitete kurze Zeit

fort. Um in ihrer neuen Heimat richtig anzu-

rollte im Wolfsburger VW Werk 1955 das milli-

in Hamburg, Dortmund und Wiesbaden, ohne

kommen, musste sie jedoch zunächst eine Her-

onste Exemplar vom Band.

jedoch das richtige Unternehmen für einen auf-

ausforderung meistern: »Ich habe ein Jahr ge-

strebenden jungen Mann gefunden zu haben.

braucht, bis ich Schwäbisch verstanden habe«,

Zwischen 1950 und 1960 konnte die deutsche

Eines Tages erhielt er ein Angebot von der Spe­

erzählt sie schmunzelnd. »Damals waren die

Fahrzeugindustrie ihre Produktion verfünffa-

dition Bez in Kirchheim unter Teck, die einen

Leute noch nicht so offen gegenüber Fremden,

chen. Auch andere Modelle wie der Lloyd Alex­

Disponenten suchte. »Da mein ältester Bruder

wie es heute der Fall ist, wo man die ganze Welt

ander oder die Borgward Isabella schenkten den

damals in Stuttgart tätig war, dachte ich mir:

bereist und andere Kulturen kennenlernt.« Wer

Menschen eine neue mobile Freiheit und weck-

‚Dort fahr ich jetzt auch noch hin!‘ Nachdem

Marianne Mosolf kennt, weiß, dass sie mit Fleiß

ten ihre Reiselust. So wurde mit der Zeit aus

ich 56 DM im Fußball-Lotto gewonnen hatte,

und Ehrgeiz schafft, was sie sich vornimmt. Er-

dem Wochenendausflug ins Grüne eine richtige

konnte ich mir dieses Mal für 53 DM einen Zug-

folgreich nahm sie auch diese Hürde.

Urlaubsreise an die Adria.

fahrschein kaufen«, erinnerte sich Horst Mosolf.

1955

Mitte der 1950er Jahre

01.05.1956

Der millionste Käfer läuft im Wolfsburger Volkswagenwerk vom Band

»Bella Italia« wird zum Traumziel der deutschen Urlauber

In Westberlin demonstrieren 100.000 Menschen für die Wieder­ vereinigung Deutschlands

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Verliebt, verlobt, verheiratet: Marianne und Horst Mosolf gaben sich 1954 in Meldorf (Schleswig-Holstein) das Ja-Wort.

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MIT EINEM LKW FING ALLES AN

men eines Arbeitnehmers seinerzeit bei rund

migkeiten bei der Abrechnung. Bei dem Versuch

4.500 DM lag. Also machte Horst Mosolf sich

einer Klärung hieß es auf einmal: »Was wollen

auf die Suche nach einem guten gebrauchten

Sie als Flüchtling eigentlich? Sie können hier

Ehrgeiz und Schaffenskraft zeichneten auch

Wagen. Er fand einen gebrauchten Mercedes-

im Schwabenland sowieso nichts werden!« Das

Horst Mosolf aus, dem Stillstand ein Gräuel war.

Benz L 6600 samt Dreiachser-Anhänger, den er

ging zu weit! Entschlossen, seinen Weg zu ge-

Mit wachsamen Augen und offenen Ohren, im-

bei den Kässbohrer Fahrzeugwerken in Ulm zu

hen, nahm Horst Mosolf den ihm hingeworfenen

mer am Puls der Zeit, besaß er ein ausgezeich-

einem vollverkleideten Autotransporter umbau-

Handschuh auf. Aus einer Unternehmerfamilie

netes Gespür für neue Geschäftsmöglichkeiten.

en ließ. Damit war der erste Schritt zur Realisie-

kommend, reizte es ihn ohnehin, wieder auf ei-

Die Spedition Bez transportierte damals Karos-

rung seiner Geschäftsidee getan. Mit seinem

genen Füßen zu stehen. Als er zu Hause eintraf,

seriepressteile der Allgaier Werke aus Uhingen

Chef wurde Horst Mosolf auch rasch einig: Ge-

fragte er seine Frau: »Machst du mit, wenn wir

zu den Borgward-Automobilwerken nach Bre-

gen eine Umsatzbeteiligung lief der Autotrans-

uns selbständig machen?« »Selbstverständlich!

men. Als Horst Mosolf bemerkte, wie zeit- und

porter zunächst bei der Spedition Bez mit. Die-

Sofort!«, antwortete Marianne Mosolf. So wagte

kostenaufwendig es für Autofahrer war, ihre

ses Arrangement war jedoch nicht von Dauer.

das junge Paar den Schritt in die Selbständig­-

Neuwagen in Bremen abholen zu müssen, kam

Als Horst Mosolf sich kurz darauf zu einer Kur

keit und gründete nach dem Erhalt der ersten

ihm eine Idee: »Die Selbstabholer mussten ja

in Bad Wörishofen aufhielt, kam es zu Unstim-

Fernfahrerkonzession am 15. März 1955 das

nicht nur Urlaub nehmen, um mit dem Zug nach Bremen zu fahren, sie mussten sich auch

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ein rotes Nummernschild besorgen und auf der Rückfahrt nach 400 Kilometern eine Inspektion machen lassen, sonst verloren sie die Garantie. Da dachte ich mir: ‚Mit einem Autotransporter kann ich das viel günstiger machen!‘« Gesagt, getan. Sofort machte Horst Mosolf sich auf die Suche nach einem geeigneten Transportfahrzeug. Seine Wahl fiel auf einen Mercedes-Benz L 6600, der es mit seinem 145 PS starken Dieselmotor auf eine Leistung von rund 200.000 Kilo-

Spezialtransporter: 1959 bekam Mosolf einen Büssing LU77 mit innovativem Aufbau für den Pkw-Transport.

metern brachte. Doch Qualität hatte ihren Preis. Ein neuer L 6600 kostete 1955 etwa 35.000 DM, während das durchschnittliche Jahreseinkom-

01.10.1956

25.03.1957

15.09.1957

Das Deutsche Fernsehen beginnt mit der täglichen Ausstrahlung der »Tagesschau«

Gründung der Europäischen Wirt­ schaftsunion (EWG) als Vorläufer der Europäischen Union (EU)

Mit dem Wahlslogan »Keine Experimente!« erreicht die CDU/CSU unter Konrad Adenauer mit 50,2 Prozent die absolute Mehrheit


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Die Nummer eins: Horst Mosolfs erster Mercedes-Benz-Autotransporter von 1954.


Unternehmen »Horst Mosolf Spedition und Transporte« für Fahrzeugtransporte und technische Dienstleistungen. Wenig später kauften Horst und Marianne Mosolf noch einen Mercedes-Benz LPS 322, ebenfalls mit einem von Kässbohrer aufgebauten Auflieger. Horst Mosolf legte nicht nur von Anfang an Wert auf höchste Qualität und modernste Technik, er hatte auch hinsichtlich innovativer Lösungen oft die Nase vorn. Um die Ladekapazität zu erhöhen, bekam das Unternehmen 1959 einen weiteren Spezialtransporter, wie es ihn bis dahin in Deutschland noch nicht gab. Es handelte sich um einen zweiachsigen Büssing LU 77 mit einem Aufbau, bei dem an den Spriegeln (Bügeln für das Wagenverdeck) der Ladefläche auf halber Höhe Querholme angebracht waren, auf denen eine Art Zwischen­ boden eingezogen werden konnte. Dadurch konnten in Doppelstockweise vier Fahrzeuge gleichzeitig transportiert werden. Ein passender Anhänger bot zusätzlich Platz für weitere vier Wagen. Jeder neue Transporter bedeutete für das junge Unternehmerpaar eine gewaltige Investition. »In den Anfangsjahren hatten wir Schulden wie ein Major«, erinnert sich Marianne Mosolf. »Aber wir hatten auch den festen Willen, es zu schaffen.«

Mosolf setzt auf den Stern: Ein Mercedes-Benz LPS 322 gehörte auch zum Fuhrpark.

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04.10.1957

01.09.1959

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Mit dem Start des Satelliten »Sputnik1« eröffnet die UdSSR die Ära der Raumfahrt

US-Präsident Dwight D. Eisenhower besucht die BRD und bekräftigt den Schutz Berlins

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gen und Untertürkheim gen Norden. Anlässlich seines 60. Firmenjubiläums ließ er die Anfänge dieser inzwischen über ein halbes Jahrhundert andauernden Kooperation Revue passieren: »Zunächst stellte Daimler uns auf die Probe. Es war nämlich so, dass wir die Neuwagen bis morgens um sieben Uhr vom Werkshof abgeholt haben mussten. Sonst wurde die Ladung fremdvergeben. Doch wir waren ohne Ausnahme immer pünktlich zur Stelle. Daimler war sehr zufrieden und teilte uns immer mehr Niederlassungen zu.« Wie sich rasch zeigte, war das junge Unternehmerpaar ein ideales Gespann: Während Horst

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Mosolf sich um neue Aufträge, Kundenbetreu-

Ein ideales Gespann: Marianne und Horst Mosolf vereinten Finanz­verstand und visi­onäre Weitsicht.

ung und Logistik kümmerte, behielt seine Frau die Finanzen im Auge. Und nicht nur das: »Ich war Telefonistin, Sekretärin, Buchhalterin und Finanzchefin in einem«, erinnert sich Marianne Und sie schafften es! Der Visionär Horst Mosolf

Gütesiegel. Zur Freude von Marianne und Horst

Mosolf. »Dabei kam mir meine kaufmännische

hatte die Zeichen der Zeit erkannt und stieß mit

Mosolf waren ihre Auftragsbücher stets prall ge-

Ausbildung sehr zugute. Mein Vater sagte gern

seinen Autotransporten in eine Marktlücke mit

füllt. In den ersten Jahren fuhr die Firma vor al-

augenzwinkernd zu meinem Mann: ‚Eigentlich

enormem Wachstumspotential. Die Automobil-

lem für die Borgward-Automobilwerke in Bre-

müsste ich Mariannes Ausbildungskosten ja von

industrie entwickelte sich zu dem Zugpferd des

men. Während sie auf dem Hinweg Karosserie-

dir zurückkriegen, weil du ihretwegen keine

deutschen Wirtschaftswunders. Jahr für Jahr

pressteile oder auch Ersatzteile nach Norden

fremden Angestellten bezahlen musst.‘« Mit ih-

stiegen die Produktionszahlen weiter an. Und

transportierten, brachten sie auf dem Rückweg

rem hohen Arbeitspensum in der Firma war es

dabei stand die Bundesrepublik 1960 mit rund

Borgward- und Lloyd-Fahrzeuge wie die Isabella

für Marianne Mosolf jedoch noch nicht getan.

4 Millionen Fahrzeugen erst am Beginn des Auto-

oder die Arabella ins Schwabenland. Daneben

Inzwischen waren die drei Söhne Peter, Jörg und

booms. Auch der Export florierte. »Made in Ger-

beförderte Horst Mosolf von Anfang an auch Wa-

Michael geboren worden, so dass sie auch als

many« wurde zu einem weltweit geschätzten

gen aus den Mercedes-Benz-Werken in Sindelfin-

Mutter noch alle Hände voll zu tun hatte.

31.03.1960

13.08.1961

27.10.1961

In Franfurt am Main eröffnet das erste Autokino der BRD

Bewaffnete Volkspolizisten und Soldaten riegeln Ost-Berlin ab. Der Mauerbau beginnt

Am Berliner Sektorenübergang »Checkpoint Charlie« stehen sich erstmals amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber


Das Unternehmerpaar war nicht nur hinsichtlich seiner geschäftlichen Fähigkeiten ein Traum­paar, beide ergänzten sich auch charakterlich in hervorragender Weise: Während Horst Mosolf als temperamentvoller Vollblutunter­ nehmer ein klassischer Macher war, der am liebsten jede neue Idee augenblicklich in die Tat umgesetzt hätte, verfügte Marianne Mosolf mit ihrer wohlüberlegten Art über die notwendige Ruhe, um das Für und Wider einer anstehenden Entscheidung mit Bedacht abzuwägen. »Mein Mann hatte die Angewohnheit, mir neue Ideen abends im Bett zu erzählen. Er erwartete dann sofort einen Kommentar, aber ich musste immer erst darüber nachdenken. Während er einschlief, verbrachte ich eine schlaflose Nacht und überlegte hin und her, ob die Idee gut war und – vor allem – wie wir sie finanzieren konnten. Am nächsten Morgen fragte mein Mann mich dann: ‚Was sagst du jetzt?‘ Ich antwortete: ‚Die ganze Nacht habe ich kein Auge zugetan! Aber die Idee ist gut! Und ich weiß auch, wie wir sie umsetzen können.‘ So haben wir uns eben ergänzt«, erzählt Marianne Mosolf.

Familienurlaub auf Sylt.

22.01.1963

01.04.1963

23.-26.06.1963

Konrad Adenauer und Charles de Gaulle unterzeichnen den Élysée-Vertrag über eine umfassende Zusammenarbeit beider Länder

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) geht auf Sendung

Präsident John F. Kennedy besucht die BRD und beendet seine Rede in West-Berlin mit den Worten »Ich bin ein Berliner«

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EINE GROSSE FAMILIE Wie heißt es so treffend: Ein Geschäft zu eröffnen, ist leicht. Schwer ist, es geöffnet zu halten. Dafür benötigt man neben einem überzeugenden Konzept vor allem exzellente Mitarbeiter. So verwundert es nicht, dass die Lkw-Fahrer von Anfang an eine der tragenden Säulen des Erfolgs der Firma Mosolf waren. Den Anfang machte Horst Mosolfs jüngerer Bruder Wolfgang, von dem der Unternehmer auch 60 Jahre später noch in den höchsten Tönen schwärmte: »Der Wolfgang war der Beste! In einer Woche ist der drei Mal nach Bremen und wieder zurück gefahren.« 36

Zu seinen Fahrern hatte Horst Mosolf stets eine ganz besondere Beziehung. Einerseits stellte er hohe Ansprüche: »Ein Mosolf-Fahrer muss ehrlich, fleißig und zuverlässig sein, sich mit seiner Arbeit identifizieren und zur Firma stehen.« Seine Botschaft kam an. So erinnert sich Horst Gajowy, einer der ersten Fahrer, der bis zur Rente rund 50 Jahre bei Mosolf beschäftigt war: »Bei uns blieb keine Tour stehen! Das gab es nicht! Darauf legte der Chef größten Wert. Auf Mosolf konnten sich die Kunden verlassen. Zuverlässigkeit und Qualität waren von Anfang an unser Markenzeichen.« Andererseits hatte Horst Mosolf auch immer ein offenes Ohr für Ein alter Mercdes-Benz-Autotransporter und ein neuer LPS 322. 16.10.1963

22.11.1963

14.10.1964

Ludwig Erhard (CDU) wird Bundeskanzler

Präsident John F. Kennedy wird erschossen

Der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita Chruschtschow wird aller Ämter enthoben. Neuer Parteichef wird Leonid Breschnew


die Sorgen und Wünsche seiner Fahrer. Der ehe-

hört Sätze wie: »Ein Mann, ein Wort!«, »Direkt

malige Vertriebsleiter Konrad Lehner erzählte:

und nie nachtragend!«, »Der war ein Vorbild!«.

»Freitags saß der Seniorchef immer im Aufent-

Kein Zweifel, die Chemie zwischen »dem Chef«

haltsraum neben der Werkstatt und wartete auf

und seinen »Kilometermillionären« stimmte

seine Fahrer. Mit jedem schwätzte er und erkun-

hundertprozentig. So überrascht es auch nicht,

digte sich, wie es gelaufen war. Wehe einer sag-

dass die meisten ihr gesamtes Arbeitsleben lang

te: ‚Das war Mist! Die von der Disposition haben

im Unternehmen blieben: einmal Mosolf-Fahrer,

mich verkehrtherum geschickt.‘ Dann ging der

immer Mosolf-Fahrer. Ernst Stümpfle, der in 43

Chef gleich am Montagmorgen in die Dispositi-

Jahren für die Firma Mosolf rund 6.000.000 Kilo-

on, um denen die Leviten zu lesen. Seine Fahrer

meter mit dem Autotransporter zurücklegte,

waren für ihn ganz, ganz wichtig. Und er hatte

brachte es auf den Punkt: »Wir waren eine große

bei ihnen auch einen Stein im Brett.«

Familie. Einer stand für den anderen ein. Und dabei kam ich nur durch Zufall zu Mosolf. Kaum

Der persönliche Kontakt und die familiäre At-

war ich da, hieß es auch schon: ‚Auf! Da steht’s

mosphäre waren Horst Mosolf ausgesprochen

Dreierzügle. Los geht’s!‘ Mir hat’s immer Spaß

wichtig. Dabei durfte neben der Arbeit auch der

gemacht. So war ich von 1967 bis 2010 dabei.

Spaß nicht zu kurz kommen, wie Holger Schal-

Wie das Schicksal so spielt.«

lock, ebenfalls einer der ersten Lkw-Fahrer zu

»Kilometermillionär«: Daimler gratuliert dem Mosolf-Fahrer Horst Schallock zum 1.000.000. Kilometer.

erzählen weiß: »Wenn wir samstags unsere

Und das Schicksal meinte es gut mit der Spedi­

Wagen gewaschen hatten und im Waschraum

tion Mosolf. Der Fuhrpark wie auch die Zahl der

saßen, kam der Chef immer vorbei und spielte

Mitarbeiter wuchsen beständig. Doch das war

mit uns Karten. Sein Lieblingsspiel war ‚20 ab‘.

für Horst Mosolf kein Grund, sich auszuruhen.

Wir spielten ja bloß um Pfennige. Aber die hat

Im Gegenteil! Nach dem Grundsatz »Stillstand

er immer kassiert! ‚Das Geld muss in der Firma

ist Rückschritt« hatte der aufstrebende Unter-

bleiben‘, pflegte er zu sagen. Oft schickte er

nehmer schon wieder jede Menge neuer Ideen

dann nachmittags einen los, um in der Gaststät-

im Kopf, um auf die weiter wachsende Mobilität

te seines Schwiegervaters für die ganze Truppe

und die daraus resultierenden Wünsche seiner

Brathähnchen holen zu lassen. Auf seine Kos-

Kunden zu reagieren. Kaum gab seine »Finanz-

ten! Da ließ er sich nicht lumpen.« Wer sich mit

chefin« grünes Licht, legte er auch schon los und

ehemaligen Fahrern der Firma Mosolf unterhält,

wagte 1963 den Schritt über die Grenze.

27.01.1965

1966

23.06.1966

Der Bundestag verabschiedet ein Gesetz über Hilfsmaßnahmen für Flüchtlinge aus der DDR

Beginn der »Kulturrevolution« in China unter Mao Tse-tung

Die britsiche Rockgruppe »The Beatles« startet ihre erste Tournee durch Deutschland

37


38

Einmal Mosolf-Fahrer … Der »Chef« und seine Fahrer Mitte der 1970er Jahre.


39

‌ immer Mosolf-Fahrer. Horst Mosolf und einige Fahrer der ersten Stunde im Jahr 2015.

#### ####


40

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3 HÖHER, SCHNELLER, WEITER MOSOLF AUF EXPANSIONSKURS

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»Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.« (Franz Kafka)

42

Expansion: Dr. Jörg Mosolf (Mitte) beim Bau der Niederlassung in Saarlouis, 1978.

21.06.1969

21.10.1969

1971

Der amerikanische Astronaut Neil Armstrong betritt als erster Mensch den Mond

Willy Brandt (SPD) wird Bundeskanzler

In den USA wird die erste E-Mail verschickt


Kurfürsten­damm, Berlin, 1966.

43

MOBILISIERTE GESELLSCHAFT

Dollar, das aus dem Verkauf seines VW-Busses

wagen auf deutschen Straßen. 1978 gab es in

stammte. In der Bundesrepublik ermöglichten

62 Prozent aller deutschen Haushalte ein Auto.

steigende Prosperität und zunehmende Frei-

Damit war die Bundesrepublik zu einer weitge-

Wachsender Wohlstand und neue Technologien

zeit – seit 1965 galt die 40-Stunden-Woche –

hend automatisierten Gesellschaft geworden.

veränderten in den 1960er und 1970er Jahren

es den Menschen, noch mehr Geld für den Kon-

Und die PKW-Zahl stieg weiter, denn schon bald

den Lebensstil. 1967 begann in der Bundesrepu-

sum aus­zugeben. Die »Freiheit auf vier Rädern«

wurden in mehr und mehr Haushalten Zweit-

blik die Ära des Farbfernsehens. 1969 betrat der

stand dabei für viele Deutsche ganz oben auf

wagen angeschafft. Auch in puncto Export blieb

erste Mensch den Mond. 1971 wurde in den USA

der Wunschliste, so dass die Zahl der zugelasse-

die Automobilindustrie weiterhin eines der Zug-

die erste E-Mail verschickt. 1975 gründete Bill

nen Personenkraftwagen stark zunahm. Waren

pferde der deutschen Wirtschaft.

Gates Microsoft und 1976 startete Steve Jobs

es 1960 noch gut vier Millionen gewesen, fuhren

Apple mit einem Anfangskapital von 1.500 US-

1970 bereits knapp 14 Millionen Personenkraft-

01.03.1971

31.03.1971

03.05.1971

In der BRD tritt ein neue, an international gültige Vorschriften angepasste Straßen­ verkehrsordnung in Kraft

Der seit 1952 unterbrochene Telefonverkehr zwischen Ost- und West-Berlin wird wieder aufgenommen

Erich Honecker wird Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED


ANTWERPEN

Bis heute ist die Niederlassung in Antwerpen mit dem Namen von Fritz Luz verbunden,

Die Zeichen der Zeit erkennend stieg auch

der sich immer wieder gern an seine Zeit bei

Horst Mosolf ins Exportgeschäft ein: 1963 grün-

Mosolf erinnerte: »Wenn man bei Mosolf ehr-

dete er in der belgischen Hafenstadt Antwerpen

lich und strebsam war, konnte man immer auf

seine erste Niederlassung, um von dort Fahr-

Verständnis und Unterstützung zählen. Mit

zeuge deutscher Produktion nach Übersee zu

Horst Mosolf hatte ich auf dieser Basis viele

verschiffen. Marianne Mosolf lässt die Anfänge

Jahre ein gutes, ja kameradschaftliches Ver-

in Antwerpen Revue passieren: »Unser erster

hältnis. Dennoch durfte ein Spruch bei all sei-

Niederlassungsleiter war Fritz Luz, ein sehr

nen Besuchen nie fehlen: ‚Wir müssen sparen,

tüchtiger Mann, der zuvor schon als Fahrer für

damit wir anstehende neue Projekte finanzie-

uns gearbeitet hatte. Er war bereit, mit seiner

ren können!‘ Meine Antwort war immer: ‚Wir

Familie ins Ausland zu gehen, was damals noch

sind schon an der Grenze der Sparsamkeit,

alles andere als selbstverständlich war. Herr

mehr sparen als wir es schon tun, kann man

Luz leistete die schwierige Aufbauarbeit. Wir

nicht. ‘ Darauf Herr Mosolf: ‚Dann ist jut!‘«

konnten uns stets hundertprozentig auf ihn 44

verlassen. Los ging es mit Ford-Traktoren aus

Rückblickend kann die Antwerpener Nieder-

England, die unser Unternehmen entladen und

lassung als einer der Meilensteine in der Er-

in ganz Süddeutschland verteilt hat.« Dank der

folgsgeschichte des Unternehmens bezeichnet

Entwicklung absenkbarer Ladeflächen Mitte der

werden, mit dem Mosolf die ersten Transport-

1960er Jahre fiel das zeitaufwendige Rangieren

und Logistikketten für den Im- und Export ab

an den Rampen weg. Von nun an konnten die

den Häfen und den belgischen Opel- und

Fahrer ihre Ladung mitten auf dem Lagerplatz

Fordwerken für Deutschland und die Schweiz

auf- beziehungsweise entladen.

gestaltete.

Ein Meilenstein: Mit seiner Niederlassung in Antwerpen stieg Mosolf ins Exportgeschäft ein.

27.08.1971

03.09.1971

Auf dem Messegelände in West-Berlin wird die erste Internationale Funk­ aus­stellung eröffnet

Vertreter der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der UdSSR unterzeichnen das Viermächteabkommen über Berlin


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Gut bestĂźckt: Ein Mosolf-Transporter mit Ford-Traktoren aus GroĂ&#x;britannien, 1971.


ILLINGEN Das Transportgeschäft lief auf vollen Touren, so dass die Fahrzeugflotte des Unternehmens 1970 bereits auf rund 50 Autotransporter angewachsen war. Doch damit gab sich ein Visionär wie Horst Mosolf nicht zufrieden. Schon immer hatte er sich als Problemlöser für seine Kunden verstanden. Mit der Fähigkeit ausgestattet, sich in deren Lage zu versetzen und so deren Bedürfnisse zu erkennen, sah er angesichts der ständig steigenden Produktionszahlen ein Problem auf die Automobilhersteller zukommen: Wo sollten die Neuwagen bis zur Auslieferung an die Händler zwischengelagert werden? Die Automobilhersteller selbst konnten dies nicht leisten. Aber Horst Mosolf konnte es! Und so eröffnete er

46

1972 in Illingen bei Vaihingen an der Enz sein erstes Auslieferungszentrum für die Region Stuttgart mit einer Fläche von mehreren zehntausend Quadratmetern und eigenem Bahnanschluss. »Der entscheidende Punkt für Illingen war die Unterstützung durch die Gemeinde und den damaligen Bürgermeister Ewald Veigel. So entschloss ich mich, dort Gelände zu kaufen und zu bauen«, erinnerte sich Horst Mosolf später. Alles war gut geplant und solide finanziert, doch die ökonomische Entwicklung machte ihm einen Strich durch die Rechnung: »Als wir die Baufinanzierung abschlossen, lag der Zinssatz

10.12.1971

10.05.1972

Bundeskanzler Willy Brandt wird für seine Ostpolitik mit dem Friedens­ nobelpreis ausgezeichnet

Der Bundestag verabschiedet ein Abfallbeseitigungsgesetz, in dem die Wieder­ verwertung von Altstoffen betont wird

Eigener Bahn­ anschluss: Die MosolfNiederlassung in Illingen.


schied Horst Mosolf: ‚Wir machen das!‘ Gesagt, getan. Als die Ford-Wagen eintrafen, war der Zement noch nicht ganz trocken, so dass die Autos nach dem Abladen von der Rampe ziemlich schmutzig waren. Kurzerhand mieteten wir das Vereinshaus eines gegenüberliegenden Hasenzuchtvereins an, das über einen Wasseranschluss verfügte. Wagen für Wagen wuschen wir vor dem Aufladen. Eine Mordsarbeit. Doch wir hatten den Auftrag ordentlich erledigt und der Kunde war zufrieden. Das war bei Mosolf immer oberstes Gebot.« Illingen: Mosolfs erstes Aus­lieferungs­ zentrum für die Region Stuttgart.

Außer der Zwischenlagerung bot Mosolf in Illingen von Anfang an noch eine weitere Serviceleistung an, mit der das Unternehmen auf die bei 7,5 Prozent. Plötzlich stieg er auf 14 Prozent!

Es war einfach zu kalt. Das kam denkbar unge-

Bedürfnisse der Händler reagierte: die Entkon-

Wie sollten wir das bezahlen? So fuhr ich mit

legen, denn ein Ford-Auftrag für die Schweiz

servierung. Die Automobilhersteller versahen

Bürgermeister Veigel nach Stuttgart, um mit der

stand an. Zu meiner Überraschung rief mich ein

ihre Neuwagen mit einer Werkskonservierung,

Bank zu sprechen. Umsonst. Es war nichts zu

Ford-Mitarbeiter an und erkundigte sich nach

einer Art Transportschutzschicht aus Wachs.

machen. Schöne Bescherung! Und meine Frau

dem Stand der Dinge. Ein Mitbewerber hatte

Wenn ein neues Fahrzeug beim Händler zum

jammerte. Aber irgendwie haben wir es dann

Luftbilder von dem Areal machen lassen, die

Verkauf angeboten wurde, musste diese zuvor

doch geschafft.«

zeigten, dass dort noch Schotter war. Was nun?

mit heißem Wasser und einem Lösungsmittel

So konnten wir die Autos nicht auf den Platz

abgewaschen werden. Marianne Mosolf erzählt:

Als das Auslieferungszentrum so gut wie fertig

stellen. Die einzige Möglichkeit bestand darin,

»Wir hatten damals in Süddeutschland die erste

war, trat die nächste Herausforderung auf. Kon-

das ganze Gelände zu pflügen, Zement darüber

vollautomatische Entkonservierungsanlage, bei

rad Lehner, der damals als Prokurist bei Mosolf

zu streuen und es anschließend wieder zu glät-

der das Wasser wie auch das Wachs in großen

beschäftigt war, erinnerte sich: »Kurz vor Vollen-

ten. Die Kosten dafür betrugen über 100.000

Tanks aufgefangen und wiederverwertet wur-

dung der Baumaßnahmen gab es durch den

Mark. Eine enorme Menge Geld! Aber wir woll-

den. Das Wachs nutzen wir für die Heizung. Mit

Winter eine Verzögerung mit der Asphaltierung.

ten den Auftrag keinesfalls verlieren. So ent-

dieser Dienstleistung gewannen wir auch wieder

15.06.1972

01.09.1972

13.12.1972

In Ost-Berlin beginnen erste Gespräche über einen deutschdeutschen Grundlagenvertrag

An der »Staatsgrenze West« der DDR werden Schutzstreifen und Sperrzonen festgelegt

Mit Annemarie Renger wird erstmals eine Frau Bundestags­präsidentin

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neue Kunden.« Für die Händler war dieser Service in der Tat äußerst vorteilhaft, standen die Fahrzeuge doch teilweise sehr lange in der Zwischenlagerung und waren durch Wind und Wetter entsprechend verschmutzt. Dagegen war jeder Wagen, der von Mosolf kam, sauber und somit sofort zum Verkauf bereit. Einer der ersten Händler, für die das Unternehmen Mosolf seinerzeit Fahrzeuge in großer Zahl zwischenlagerte, war die in Stuttgart ansässige Schwabengarage. Das Unternehmen – damals einer der größten Ford-Händler Europas – war als Groß- und Einzelhändler aller Marken der Ford Motor Company aktiv. Auch 50 Jahre später erinnerte Horst Mosolf sich noch gut an seinen ersten Kontakt mit Lothar Pulvermüller, dem

48

langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Schwabengarage: »Ich hatte damals einen Termin mit Herrn Pulvermüller, konnte aber auf seinem Hof keinen Platz für meinem Wagen finden. Nachdem wir uns begrüßt hatten, fragte er mich: ‚Na, wie gefällt Ihnen denn unser Betrieb hier?‘ Ich antwortete: ‚Herr Pulvermüller, eins muss ich Ihnen sagen: Wenn ich hier Kunde wäre, käme ich nie wieder! Wissen Sie auch, warum? Ich habe gar keinen Parkplatz gefunden. Schließlich

Stolze Leistung: Horst Mosolf bei seiner Ansprache anläss­ lich des 15-millionsten per Bahn nach Illingen transpor­ tierten Volkswagens.

habe ich meinen Wagen beim Pförtner abgegeben und gesagt: ‚Machen Sie damit, was Sie wollen. Ich muss jetzt zu Direktor Pulvermüller.‘

03.07.1973

18.09.1973

17.10.1973

Eröffnung der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki

Die BRD und die DDR werden in die Vereinten Nationen (UNO) aufgenommen

Erste Anzeichen einer Ölkrise: Erdöl­ex­ portierende arabische Staaten erhöhen die Rohölpreise um 17 Prozent


Daraufhin sagte Herr Pulvermüller: ‚Dann kön-

fristig ein wenig aufzuräumen«, aber Galm

Illingen lief bald so gut, dass viele Verhandlun-

nen wir uns ja gleich einmal unterhalten. Wie

machte seine Sache so gut, dass daraus 27 Jahre

gen über neue Geschäfte und Standorte von

viel Platz hätten Sie mir denn anzubieten?‘ So

wurden. Sein Erfolgsrezept? »Ich habe immer

dort aus geführt wurden. »Es war, als wenn

kamen wir miteinander ins Geschäft.« Es sollte

alles selbst gemacht. Es gab nichts, wofür ich

man einen Stein ins Wasser wirft, der Kreise

eine lange und erfolgreiche Partnerschaft wer-

mir zu schade war. Ich habe mich weder ge-

zieht«, erinnert sich Bertram Galm. »Dabei

den. Lothar Pulvermüller blieb bis zu seinem

scheut, in der Entkonservierungsanlage mal

machte es mir in den Anfangsjahren unheim-

Ruhestand einer der wichtigsten Geschäftspart-

selbst mit Hand anzulegen noch Fahrzeuge

lich viel Spaß, Illingen mit Horst Mosolf zu-

ner der Firma Mosolf. Es war eine Geschäftsbe-

von den Lkw abzuladen«, erzählt Galm. So

sammen zu führen. Er schaute mindestens

ziehung, die von gegenseitiger Sympathie, Fair-

kannte er nicht nur sämtliche Abläufe, son­dern

einmal in der Woche vorbei. Horst Mosolf war

ness und Zuverlässigkeit getragen wurde. So

blieb auch in engem Kontakt zu seinem rund

ein guter Lehrmeister, von dem ich vor allem

muss der heute 87-jährige Lothar Pulvermüller

100-köpfigen Team in den Bereichen Transport,

gelernt habe, wie man bei Leuten etwas er-

nicht lange nachdenken, wenn er nach der Zu-

Technik und Fleet-Business. Morgens kam er

reicht. Wenn er wollte, konnte er nämlich sehr

sammenarbeit mit Horst Mosolf befragt wird:

als Erster, abends ging er als Letzter. »Ohne vol-

charmant sein.« Dabei war Horst Mosolf keiner,

»Ein Mann, ein Wort. Man konnte sich auf ihn

les Engagement geht es nicht«, stellt er rück­

der seine Mitarbeiter ständig kontrollierte. Im

verlassen. Das war das Entscheidende! Wir ha-

blickend fest. »Es ist ein hartes, vielfältiges und

Gegenteil: »Sein Grundsatz war: ‚Du kannst

ben nicht viel geredet. Es funktionierte auch so.

interessantes Geschäft. Da muss man seine

schalten und walten, wie du willst. Wichtig ist,

Horst Mosolf war nichts zu viel. Ein ‚Nein‘ habe

Augen überall haben. Jeder Tag ist anders.

dass der Laden läuft und das Ergebnis passt!‘

ich nie von ihm gehört. Es hieß immer: ‚Was

Täglich muss man neue Herausforderungen

So hatte ich immer viel Gestaltungsfreiraum«,

wollen Sie? Machen wir!‘ Nie gab es Probleme,

meistern, kreative Lösungen für unerwartet

erzählt Bertram Galm.

nie Diskussionen über Preise. Dabei ging es

auftretende Probleme finden.« Doch genau das

bei unserem ständigen Neuwagenlager von

hat Bertram Galm immer gereizt – er wollte

Bei all der Arbeit durfte eines bei Horst Mosolf

2.500-5.000 Autos um große Beträge. Er hat

etwas bewegen, aufbauen, schaffen. »Wir waren

nie zu kurz kommen: das Essen. Bertram Galm

es wirklich weit gebracht. Tolle Leistung!«

sehr erfolgreich unterwegs, haben unter ande-

erinnert sich: »Er aß für sein Leben gern. Wenn

rem für BMW, Audi und auch über 15 Jahre lang

er bei uns in Illingen war, fuhr er mit mir gern

Wenn im Hause Mosolf über Illingen gesproch­-

für VW lackiert. Dabei haben wir auf Abruf mit

in ein Restaurant im Nachbarort, um dort

en wird, darf ein Name nicht fehlen: Bertram

dem Werk gearbeitet, also die lackierten Autot­

Schlachtplatte zu essen. Das war sein Leibge-

Galm. Drei Jahrzehnte lang bestimmte der ge-

eile im drei Tage Rhythmus direkt ans Produk­

richt. Da er auf sein Gewicht achten musste,

lernte Kfz-Meister als Niederlassungsleiter die

tionsband geliefert. So etwas funktioniert nur,

hatte ich aber irgendwann seiner Frau ver­

Geschicke der Filiale. Horst Mosolf persönlich

wenn sich jeder im Team hundertprozentig

sprochen, nicht mehr mit ihm dorthin zu fah-

holte ihn 1987 nach Illingen, um dort »mal kurz-

einbringt!«

ren. Und ich war gewillt, mein Wort zu halten.

14.03.1974

22.03.1974

24.04.1974

Die BRD und die DDR beschließen die Errichtung Ständiger Vertretungen

In der BRD wird die Volljährigkeit von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt

Günter Guillaume, persönlicher Referent von Bundeskanzler Brandt, wird unter dem Verdacht der Spionage für die DDR festgenommen

49


Zwei Niederlassungen im Saarland: Saarlouis (links) und Überherrn (rechts).

50

Doch so schnell gab Horst Mosolf sich nicht

stück. Es bestand ein großes gegenseitiges Ver-

leistung hinaus und legte damit den Grundstein

geschlagen. Als ich ihn an mein Versprechen

trauen. Eine solche Partnerschaft findet man

für die Entwicklung zum technisch-logistischen

erinnerte, schaute er mich verschmitzt an und

nicht so leicht wieder.«

Systemdienstleister.

Gewiss kann die Illinger Niederlassung, die

Angesichts ständig steigender Produktions­

heute mit einer Größe von gut 200.000 Quadrat-

zahlen der Automobilindustrie waren Lager­

Hat es einen so dynamischen Mann wie Bertram

metern der Fläche von 28 Fußballfeldern ent-

plätze in jenen Jahren Gold wert. Und so folg­te

Galm nie gereizt, woanders noch einmal etwas

spricht und eine Lagerkapazität für 5.000 Fahr-

schon 1976 der Aufbau der saarländischen

aufzubauen? Ohne zu zögern, antwortet er:

zeuge besitzt, als ein weiterer Meilenstein in

Standorte in Saarlouis und Überherrn, letzter

»Angebote hatte ich. Aber da war diese besonde-

der Unternehmensgeschichte bezeichnet wer-

nun bereits mit einer Fläche von 450.000 Qua­

re Bindung zu Horst Mosolf. All die Jahre unse-

den. Mit seinem Angebotsspektrum ging Mosolf

dratmetern und einer Lagerkapazität für 14.000

rer Zusammenarbeit gab es nicht ein Schrift-

dort zum ersten Mal über die reine Transport-

Fahrzeuge.

sagte: ‚Dann lassen wir die Schlachtplatte eben kommen!‘«

02.05.1974

06.05.1974

16.05.1974

Die jeweiligen Ständigen Vertretungen beider deutscher Staaten nehmen in Bonn und Ost-Berlin die Arbeit auf

Bundeskanzler Willy Brandt tritt wegen der Agentenaffäre um den DDR-Spion Günter Guillaume zurück

Helmut Schmidt (SPD) wird Bundeskanzler


Los geht's: Dr. Jรถrg Mosolf erรถffnet den Bahnanschluss in รœberherrn, 2003.

51


INVESTITION IN DIE ZUKUNFT

mir in die Lehre als Speditionskaufmann!‘ Ich

lang! Nach bestandener Prüfung musste ich zur

blieb dennoch bei meinem Entschluss, half aber

Bundeswehr. Bei meiner Rückkehr sagte Horst

weiter ab und zu nachmittags bei Mosolf aus.

Mosolf zu mir: ‚Junge, kannst du mal 14 Tage

Mit der räumlichen Expansion war in den 1970er

Die Arbeit machte mir Spaß und eigenes Geld zu

lang die Disposition machen?‘ Damit kannte ich

Jahren auch der Moment gekommen, durch die

haben, gefiel mir auch. Während Horst Mosolf

mich aus, hatte ich dort doch den größten Teil

Ausbildung von Nachwuchskräften in die Zu-

mich weiter bearbeitete, lief es in der Schule

meiner Lehrzeit verbracht. Aus 14 Tagen wurden

kunft des Unternehmens zu investieren. Es

nicht so wie erwartet. Also verkündete ich ihm

acht Jahre und ich bekam bereits als recht jun-

kommt nicht oft vor, dass der erste Auszubilden-

nach einer Weile: ‚Es geht los! Ich mache die

ger Mann Prokura.«

de nach 45 Jahren noch immer in der Firma tätig

Ausbildung!‘ Mit meinem Berichtsheft nahm ich

ist. Bei Mosolf ist dies der Fall: Georg Mekle, heu-

es damals nicht so genau. Als Marianne Mosolf

Fordern und fördern – nach diesem Grundsatz

te Geschäftsführer der Mosolf GmbH, war 1971

das mitbekam, holte sie mich in ihr Büro. Dort

behandelte das Unternehmerpaar seine Nach-

der erste Lehrling. Dabei hatte er eigentlich ganz

musste ich dann einen Bericht nach dem ande-

wuchskräfte. So erlebte es auch Heinz Burk, der

andere Pläne: »Zwischen zwei Schulabschnitten

ren schreiben und ihr vorlegen. Sechs Wochen

1978 direkt nach dem Studium als Personalleiter

suchte ich mit 16 Jahren einen Job. ‚Geh doch mal zum Mosolf! Der sucht bestimmt jemanden zum Autowaschen‘, schlug mein Vater vor. Ich 52

folgte seinem Vorschlag und konnte tatsächlich sofort anfangen. Meine Arbeit bestand darin, mit einem Dampfstrahler Autos zu entkonservieren. Doch das Beste kam danach, wenn ich die fertigen Autos aus der Garage auf den Platz fahren durfte. Das Autofahren hat mich nämlich schon immer gereizt. Mit Horst Mosolf habe ich mich des Öfteren heftig gestritten. Rotzfrech wie ich als Teenager war, ließ ich mir auch von einem gestandenen Unternehmer nichts gefallen. Zum Glück war er nicht nachtragend. Und was sollte

Fast 40 Jahre bei Mosolf: Heinz Burk schätzt die Gestal­ tungsfreiheit im Unternehmen.

mir schon passieren? Schließlich wollte ich ja im Herbst aufhören. Als ich Horst Mosolf davon erzählte, sagte er: ‚Mach das nicht! Komm zu

07.07.1974

09.08.1974

01.08.1975

Die Fussballnationalmannschaft der BRD wird durch einen 2:1 Sieg über die Niederlande Weltmeister

Der US-Präsident Richard Nixon tritt wegen der »Watergate-Affäre« zurück

Die Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) wird unterzeichnet


zu Mosolf kam: »Als ich mich hier vorstellte, hatte ich schon einen Arbeitsvertrag bei einem großen Automobilhersteller in der Tasche. Doch der Seniorchef sagte zu mir: ‚Junge, dort bist du nur eine Nummer. Bei mir bist du gleich vom ersten Tag an wer und kannst was werden!‘ Das reizte mich. Und es war tatsächlich so. Bei Mosolf hatte ich die Freiheit zu gestalten. Es gab kurze Entscheidungswege und immer wieder neue Herausforderungen, bei denen ich mein Können unter Beweis stellen konnte.« Vor allem Marianne Mosolf legte neben guten Leistungen auch großen Wert auf die äußere Erscheinung und gute Umgangsformen. Wolfgang Göbel, der 1979 als Auszubildender ins Unternehmen kam und heute Geschäftsführer und

53

Erster Auszubildender der Firma: Georg Mekle, Geschäftsführer der Mosolf GmbH, ist seit 45 Jahren bei Mosolf.

Chief Sales Officer der Mosolf-Gruppe ist, erinnert sich: »Frau Mosolf kümmerte sich sehr um die Auszubildenden. Sie war eine beeindruckende Persönlichkeit, vor der jeder Respekt hatte. Wenn es jemandem an guter Kinderstube mangelte, holte sie das hier nach. Für mich war es

Inzwischen umfasst die Liste ehemaliger Lehr-

normal, aufzustehen und Meldung zu machen,

linge in der Firma Mosolf rund 1.500 Namen!

wenn Frau Mosolf ins Zimmer kam. Doch nicht

Aus vielen Auszubildenden wurden langjährige

alle waren so erzogen. So hörte ich sie einmal

Mitarbeiter, die nicht selten bereits ihr 25. oder

sagen: ‚Sie können ruhig aufstehen, wenn Sie

30. Jubiläum im Unternehmen feierten. Dies gilt

mit mir reden.‘ Auch wenn jemand in kurzen

auch für die Führungskräfte des Hauses, womit

Hosen herumlief, fand sie klare Worte. Alte

die vorausschauende Perspektive des Unterneh-

Schule eben.«

merpaares in vollem Umfang bestätigt wird.

Schätzt die alte Schule: Wolfgang Göbel, Geschäftsführer und Chief Sales Officer der Mosolf-Gruppe.

07.10.1975

28.10-02.11.1975

15.-17.11.1975

Der 26. Gründungstag der DDR wird erst­mals als Nationalfeiertag begangen

Helmut Schmidt besucht als erster Bundeskanzler die Volksrepublik China

In Frankreich findet der erste Weltwirtschaftsgipfel statt


BITS UND BYTES

Burk, der seinerzeit die Federführung dieses am-

und Improvisationstalent gefragt. Organisation

bitionierten Projektes innehatte, erzählt: »Sechs

und Konzeption beruhten auf eigener Entwick-

Nicht nur bei ihrer Personalpolitik hatten Mari-

Wochen nachdem ich als Personalleiter bei Mo-

lung und wurden mit dem eigenen Mitarbeiter-

anne und Horst Mosolf die Zukunft im Blick,

solf angefangen hatte, kam eines Morgens der

stamm aufgebaut.«

auch bei der Einführung elektronischer Daten-

Seniorchef zu mir. Da er wusste, dass ich mich

verarbeitung hatte das Unternehmen die Nase

in meinem betriebs- und verkehrswirtschaftli-

Nach zwei Jahren hatte Burk mit seinem Team

vorn. Während viele deutsche Firmen erst im

chen Studium auch vier Semester lang mit EDV

die organisatorischen Abläufe der Zentrale wie

Verlauf der 1980er Jahre auf digitale Datenerfas-

beschäftigt hatte, sagte er zu mir: ‚Mach mal

die Finanzbuchhaltung oder die Frachtabteilung

sung umstiegen, geschah dies im Hause Mosolf

EDV!‘ Am Nachmittag schaute er erneut vorbei

umgestellt. Nun kamen die Niederlassungen an

bereits 1978. Dieser Kompetenzvorsprung er-

und fragte: ‚Wie weit ist es denn nun mit der

die Reihe. Und wie so oft im Geschäftsleben war

möglichte nicht nur eine beachtliche Effizienz-

EDV?‘ Was für eine Ungeduld! Aber so war er

es ein Wettlauf gegen die Uhr: »Unsere Aufträge

steigerung, er eröffnete auch eine vollkommen

eben. Damals gab es noch keine Standardsoft-

kamen immer schneller und die Volumen stie-

neue Dimension vernetzten Arbeitens. Heinz

ware wie die von SAP. Also waren Kreativität

gen immens an, so dass wir mit der Entwicklung kaum hinterherkamen. In Illingen hatten wir beispielsweise nur sechs Monate Entwicklungszeit. Dann machten wir einen kompletten Cut und stellten von einer Woche auf die andere die

54

Abläufe und Prozesse auf EDV um. Das war ein Wagnis, aber mit dem nötigen Engagement und Ehrgeiz ging alles glatt. Auch war Mosolf das erste Unternehmen in der Branche, das ein Platzverwaltungssystem implementierte. Von Seiten der Konkurrenz hieß es damals: ‚Das funktioniert im Leben nicht!‘ Hat es aber sehr wohl!« Bald waren alle wichtigen Niederlassungen miteinander verbunden, so dass die Mitarbei­ter nun Daten austauschen, Arbeitsabläufe effizienter Die Nase vorn: Mosolf stieg schon 1978 auf EDV um.

gestalten und nicht zuletzt in einem Netzwerk miteinander kommunizieren konnten. Des Wei-

01.01.1976

18.05.1976

01.07.1976

In der BRD wird die Gurtpflicht auf Vordersitzen eingeführt

Erich Honecker wird General­ sekretär der SED

Gemäß dem neuen Namensrecht der BRD können Ehepaare künftig den Familiennamen des Mannes, der Frau oder einen Doppelnamen annehmen


teren wurde die Kommunikation in Form von so

seiner Gründung doch nicht nur beständig ge-

des »Kalten Krieges« immer rascher fortschrei-

genannten DFÜ-Verbindungen mit dem Kunden

wachsen, sondern hatte sein Leistungsspektrum

tenden Globalisierung boten die 1980er Jahre

aufgebaut. Ein solcher Schritt wäre ohne Unter-

auch deutlich erweitert. Mosolf hatte sich vom

neue Möglichkeiten, stellten Unternehmer aber

nehmungsgeist und Risikobereitschaft nicht

klassischen Spediteur zu einem Automobil-

auch vor beträchtliche Herausforderungen. Die-

möglich gewesen. Denn für eine konsequente

dienstleister mit vielfältigen Serviceleistungen

sen mussten Marianne und Horst Mosolf nun

Digitalisierung sämtlicher Arbeitsabläufe waren

gewandelt – und war sich dabei stets treu geblie-

nicht mehr allein begegnen, denn inzwischen

beachtliche Investitionen notwendig. Heinz Burk

ben: Von Anfang an stand die Marke Mosolf für

waren auch ihre drei Söhne Peter, Jörg und Mi-

erinnert sich: »Die ersten notwendigen EDV-Ins-

absolute Zuverlässigkeit, höchste Qualität, kon-

chael aktiv ins Geschäft eingestiegen. Mit der

tallationen umfassten damals einen siebenstel-

sequente Kundenorientierung und innovative

zweiten Generation an Bord setzte Mosolf seinen

ligen Investitionsbedarf. Ich traute mich kaum,

Lösungen. Fest verwurzelt in diesem Wertesys-

visionären Weg fort, um durch die Erschließung

mit diesem Angebot zum Seniorchef zu gehen.

tem standen die Kirchheimer an der Schwelle zu

neuer Märkte und das Angebot neuer Dienstleis-

Aber er unterschrieb, ohne mit der Wimper zu

einem neuen Jahrzehnt. Mit dem Mauerfall, der

tungen sein internationales Netzwerk weiter

zucken, und sagte nur: ‚Mach mal!‘ Für Innova­

Wiedervereinigung sowie einer nach dem Ende

auszubauen.

tionen war Horst Mosolf immer zu haben.« Die Innovationsfreude im Hause Mosolf sprach sich bald in der Branche herum und so war die

55

Firma oft erster Ansprechpartner für Pilotprojekte der Automobilhersteller. Gern holten diese das Kirchheimer Unternehmen sogar schon in der Konzeptionsphase mit an Bord, um dessen Know-how zu nutzen. »Seinerzeit kam sogar Daimler auf uns zu, weil man in Bremerhaven auch ein Platzsystem einrichten und auf unseren Erfahrungen aufbauen wollte«, erzählt Heinz Burk stolz. In der Tat hatten Marianne und Horst Mosolf Effizienz­steigerung: Vernetztes Arbeiten im Hause Mosolf.

und ihre Mitarbeiter Grund, auf das bisher Erreichte stolz zu sein. War das Unternehmen seit

15.11.1976

06.01.1977

19.01.1978

Die Deutsche Bundespost stellt die ersten Tastentelefone vor

In Brüssel nimmt die Europäische Kommission als Organ der Europä­i­schen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ihre Arbeit auf

Der letzte in der BRD gefertigte VW-Käfer läuft in Emden vom Band


56

#### ####


4 NEUE NIEDERLASSUNGEN UND SCHRITT NACH SÜDEUROPA MOSOLF VERGRÖSSERT SEIN NETZWERK

57

#### ####


»Die jüngere Generation ist der Pfeil, die ältere der Bogen.« (John Steinbeck)

58

Schwungvoll: Marianne und Horst Mosolf auf der Feier anläss­­­lich des 25. Firmen­jubi­­ läums, 1980.

30.04.1980

1981

01.10.1982

In der BRD gilt erstmals die Mitteleuropäische Sommerzeit

Microsoft-Gründer Bill Gates entwickelt das Betriebssystem MS-DOS

Helmut Kohl (CDU) wird Bundeskanzler


WIEDERVEREINIGUNG UND WANDEL

auf den europäischen Markt. Dabei war der Wunsch der Deutschen nach mobiler Freiheit auf vier Rädern ungebrochen, so dass die Pkw-

Nicht nur für Deutschland waren die 1980er

Zahl weiterhin kontinuierlich zunahm: Hatte

Jahre von epochaler Bedeutung. Fundamentale

deren Zahl 1970 noch knapp 14 Millionen betra-

Veränderungen auf verschiedenen Ebenen ga-

gen, so fuhren 1980 bereits gut 23 Millionen Pkw

ben der ganzen Welt ein neues Gesicht. Die fort-

auf deutschen Straßen. Bis zum Ende des Jahr-

schreitende Computertechnologie bewirkte den

zehnts sollte ihre Zahl auf gut 30 Millionen an-

Übergang vom Industrie- zum Informations­

steigen, was mehr als eine Verdoppelung inner-

zeitalter. In den Firmenbüros hielt der Personal

halb von 20 Jahren bedeutete.

Computer (PC) von IBM mit dem Microsoft-Betriebssystem MS-DOS Einzug. In den eigenen

Auf politischer Ebene wiederum vollzog sich in

vier Wänden lösten Heimcomputer wie der

den 1980er Jahren ein epochaler Wandel, der

Commodore 64 (C64) Begeisterung für die digitale

Deutschland schließlich die Wiedervereinigung

Welt aus und sorgten damit gleichzeitig für eine

und der Welt das Ende des »Kalten Krieges« be-

Popularisierung der Informationstechnologie.

scherte. Nachdem Michail Gorbatschow 1985 zum Generalsekretär der Kommunistischen

Auch klassische Branchen wie die Automobilin-

Partei der Sowjetunion ernannt worden war,

dustrie brachten seit den 1980er Jahren verstärkt

konnten auch die Menschen im Westen bald

neue Technologien zum Einsatz. So kamen 1985

zwei Worte Russisch: Glasnost und Perestroika –

als Reaktion auf das gewachsene Umweltbe-

Offenheit und Umbau. Denn Gorbatschow war

wusstsein die ersten Wagen mit geregeltem Ka-

angetreten, das schwerfällige und rückständige

talysator auf den deutschen Markt. Außerdem

zentralistische System der Sowjetunion zu refor-

ermöglichten computerberechnete Karosserien

mieren. Bei der DDR-Führung stießen seine Re-

Spitzenwerte in der Aerodynamik, wodurch der

formbemühungen allerdings auf taube Ohren.

Kraftstoffverbrauch gesenkt werden konnte.

Während Erich Honecker am 7. Oktober 1989

Nachdem Mercedes-Benz seine S-Klasse W116

das 40-jährige Bestehen der DDR mit einer gro-

bereits mit Antiblockiersystem (ABS) anbot,

ßen Militärparade feierte, demonstrierten nur

brachte Ford mit seinem Scorpio 1985 den ers-

wenige Straßen entfernt DDR-Bürger gegen die

ten serienmäßig mit ABS ausgestatteten Pkw

Verhältnisse in ihrem Land. Mit dem Ruf »Wir

59

14.02.1983

06.03.1983

06.06.1983

In Dresden demonstrieren 100.000 Menschen für den Frieden

Erstmals zieht die Partei »Die Grünen« mit 5,6 Prozent in den Bundestag ein

Die Tagebücher Adolf Hitlers werden als Fälschung entlarvt


60

sind das Volk« protestierten Woche für Woche

schließlich nach und öffneten die Absperrun-

zum 25. Mal. Wer Horst Mosolf kannte, weiß,

Hunderttausende gegen die SED-Herrschaft.

gen. Ihre Kollegen an den anderen Absperrungs-

dass er nicht nur ein unermüdlicher Unterneh-

Am 23. Oktober 1989 erreichten die Massende-

posten taten es ihnen gleich, so dass kurz nach

mer, sondern auch ein großzügiger und galanter

monstrationen mit über 300.000 Teilnehmern

Mitternacht sämtliche Grenzübergänge offen

Gastgeber war. Nach dem Motto »Wer feste ar-

in Leipzig ihren Höhepunkt. Der Druck auf die

waren. 28 Jahre nach dem Bau der Mauer betra-

beitet, soll auch Feste feiern« ließen er und seine

DDR-Führung wuchs. Am Abend des 9. Novem-

ten Zehntausende DDR-Bürger erstmals wieder

Familie es sich nicht nehmen, das Jubiläum im

ber verkündete Politbüro-Mitglied Günter Scha-

den Westteil der Stadt. »Jetzt wächst zusammen,

Hotel zum Fuchsen mit einer großen Festver­

bowski vor laufenden Kameras: »Ständige Aus-

was zusammengehört«, kommentierte der ehe-

anstaltung und Gaumenfreuden wie »Gespick-

reisen können über alle Grenzübergangsstellen

malige Bundeskanzler Willy Brandt damals die-

tem Rinderbraten Esterhazy« oder »Pfirsich-Eis-

der DDR zur BRD beziehungsweise zu Westber-

sen historischen Moment. Die friedliche Revolu-

Canapé« ausgiebig zu begehen. Die berühmte

lin erfolgen.« Nun gab es kein Halten mehr. Eine

tion hatte gesiegt! Nach 40 Jahren erzwungener

schwäbische Sparsamkeit spielte an diesem

beständig wachsende Menschenmenge versam-

Trennung wahrlich ein Grund zum Feiern.

Abend keine Rolle.

ße und verlangte die Öffnung der Grenze. Als

Diesen gab es im Hause Mosolf bereits zu Be­-

1982 stellte sich die Firma Mosolf dann einer

die Situation sich mehr und mehr zuspitzte, ga-

ginn des Jahrzehnts. Denn am 15. März 1980

ganz besonderen Herausforderung, zu der nicht

ben die völlig überforderten Grenzsoldaten

jährte sich die Gründung des Unternehmens

zuletzt eine gehörige Portion Abenteuerlust ge-

melte sich am Grenzübergang Bornholmer Stra-

01.09.1983

05.10.1983

07.11.1983

Die Bundepost beginnt mit der bundesweiten Einführung von Bildschirmtext (Btx)

Erich Honecker, Staats- und Parteichef der DDR, kündigt den Abbau der Selbstschuss­ anlagen an der innerdeutschen Grenze an

In München gibt es die erste öffentliche Zapfsäule für bleifreies Benzin


Ein Grund zum Feiern: 25 Jahre Mosolf

hörte: Nach der Devise »So weit die Räder rol-

Familie Mosolf nahm Michael Mosolf auch an

erinnert sich: »Diese Tour war für uns Fahrer

len« hieß das Ziel der Reise Afrika. Unter Leitung

der Pressekonferenz teil. Von München führte

wie auch die Transporter eine echte Herausfor-

des langjährigen Mosolf-Fahrers Horst Gajowy

die Route zunächst durch Frankreich und Spa-

derung! Unterwegs gab es alles: große Hitze

machte sich ein mit dem neuen BMW-5er-Mo-

nien bis nach Gibraltar, wo das Team mit seinen

von über 40 Grad auf dem Großteil der Strecke,

dell beladener Konvoi aus sechs Transportern

Transportern die Fähre nach Tanger nahm, um

extreme Sandstürme mit sehr schlechten Sicht-

auf den Weg nach Marokko. »Dort sollte das

anschließend die Fahrt über Casablanca bis

verhältnissen und nicht zuletzt die Überque-

neue BMW-Modell der Presse präsentiert wer-

nach Marrakesch am Fuße des Atlas-Gebirges

rung des Atlas-Gebirges. Doch dank unserer Er-

den. Für dieses Event ließ BMW die Journalisten

fortzusetzen. Dort begann der abenteuerlichste

fahrung und der zuverlässigen Mercedes-Benz-

eigens nach Marokko einfliegen«, erinnert sich

Teil der Tour, denn an jenem Gebirge, das für

Transporter bestanden wir dieses Abenteuer

Georg Mekle, der beim Aufladen der Wagen in

den griechischen Dichter Homer noch das west-

und kehrten mit rund 13.000 Kilometern mehr

München dabei war. Michael Mosolf begleitete

liche Ende der Welt markiert hatte, war für die

auf dem Tacho gut einen Monat später gesund

den Konvoi auf der gesamten Reise. Mit seinen

Mosolf-Fahrer noch lange nicht Schluss. Auf

und munter nach Kirchheim zurück.«

Französischkenntnissen konnte er die Fahrer bei

kurvenreichen Gebirgsstraßen setzten sie ihre

der Zollabwicklung tatkräftig unterstützen und

Fahrt durch karge Landschaften fort bis nach

ihnen auch anschließend während der Fahrt

Ouarzazate, einer rund 1.500 Meter hoch gele-

durch Marokko behilflich sein. Als Vertreter der

genen Stadt im Süden Marokkos. Horst Gajowy

01.01.1984

24.01.1984

23.02.1984

Das erste Kabelfernsehprojekt der BRD nimmt in Ludwigshafen seinen Betrieb auf

In die Ständige Vertretung der BRD in Ost-Berlin geflüchtete DDR-Bürger dürfen ausreisen

Das VW-Werk in Wolfsburg präsentiert der Öffentlichkeit eine vollautomatische Fertigungsstrecke für die Golfproduktion

61


So weit die Räder rollen: Mosolf in Marokko

62


63


KIPPENHEIM Eine Fläche von rund 140 Fußballfeldern, Platz für 30.000 Wagen, eine Umschlagkapazität von 500.000 Fahrzeugen pro Jahr – kein Zweifel, »der größte Parkplatz der Ortenau«, wie die MosolfNiederlassung im badischen Kippenheim auch genannt wird, ist ein Ort der Superlative. Das riesige Areal verfügt sogar über einen eigenen Gleisanschluss mit fünf Doppelstockrampen zum Be- und Entladen. Sieben ganze Güterzüge können auf dem Gelände untergebracht werden! Im Durchschnitt treffen hier täglich zwei bis drei Kippenheimer Serviceleistung: Umbau von Spezialfahrzeugen für Behörden.

mit Neufahrzeugen von Fiat, Alfa Romeo oder Lancia beladene Züge aus Italien ein. Das ist kein Zufall: Denn die Geschichte des MosolfTechnik und Logistikzentrums in Kippenheim ist eng mit dem Turiner Autobauer Fiat verbunden. Dieser errichtete 1971 hier sein Auslieferungszentrum für den deutschen Markt. Zu jener Zeit war Mosolf als Transportunternehmen für Fiat tätig. Anfang der 1980er Jahre änderte Fiat seine Firmenpolitik und unterbreitete dem Kirchheimer Unternehmen 1983 ein überraschendes Angebot: »Eines Tages besuchte der technische Direktor von Fiat-Deutschland uns in Illingen, um sich unsere Niederlassung anzuschauen«, erinnerte sich der damalige Prokurist Konrad Lehner. »Als er fertig war, schlug er mir vor, doch gemeinsam essen zu gehen. Während wir so bei-

Arbeit an einer der sechs Lackier­ungs­ anlagen in Kippenheim.

26.06.1984

01.08.1984

Die Ständige Vertretung der BRD in Ost-Berlin stellt den öffentlichen Besucherverkehr wegen Überlastung vorübergehend ein

In der BRD wird das Anlegen von Sicherheitsgurten auf Pkw-Rücksitzen Pflicht


einander saßen, fragte er mich plötzlich: ‚Kön-

»Mit dieser Entscheidung ging Horst Mosolf ein

nen Sie sich vorstellen, Kippenheim operativ zu

hohes unternehmerisches Risiko ein. Das hätte

übernehmen?‘ Damit hatte ich nicht gerechnet!

auch danebengehen können. Doch dank seiner

Als ich heimkam, informierte ich Horst Mosolf

Vision, die er mit klarem Gestaltungswillen und

sofort über das unerwartete Angebot. Aber er

enormer Energie unbeirrbar verfolgte, wurde es

sagte nur: ‚In Ordnung. Machen wir!‘ Also sagte

ein großer Erfolg.« Hancke wurde von Horst Mo-

ich zu. Dann drückte Fiat gehörig aufs Tempo,

solf persönlich gewissermaßen direkt aus dem

so dass wir von einer Woche auf die nächste die

Hörsaal ins Unternehmen geholt, um bei der

Übernahme bewerkstelligen mussten. Nun war

Fahrzeugtransport und Übernahme (FTÜ) GmbH

Improvisationstalent gefragt, hatten wir doch in

in Kippenheim die Position des Betriebsleiters zu

Kippenheim nicht einmal ein Büro. Zum Glück

übernehmen. »Das war damals eine originelle

fiel mir eine Kollegin ein, die in der Nähe wohn-

Geschichte«, sagt er schmunzelnd. »Nachdem

te und einen Wohnwagen besaß. Schon hatten

ich 1991 als Trainee einige Abteilungen des Hau-

wir ein provisorisches Büro. Später übernahmen

ses kennengelernt hatte, fragte mich der dama-

wir ja auch noch den Technikbereich mit über

lige Personalleiter, ob ich ihm bei der Erstellung

300 Mitarbeitern. Das war eine beachtliche Ver-

einer Excel-Statistik behilflich sein könnte. ‚Kein

antwortung.« »Und all das zu einer Zeit, als die

Problem. Ich komme am Wochenende vorbei‘,

Wirtschaft gerade kriselte«, ergänzt sein Kollege

antwortete ich. Als ich sein Büro betrat, saß dort

Heinz Burk. »Aus betriebswirtschaftlicher Sicht

auch ein sehr dynamisch wirkender Herr von

hätte man eigentlich die Finger davon lassen

Anfang 60. ‚Das ist Herr Horst Mosolf‘, sagte der

müssen. Aber unser Seniorchef folgte wieder

Personalleiter. Kaum hatten wir uns miteinan-

einmal seinem unternehmerischen Instinkt.«

der bekanntgemacht, fragte dieser mich auch

Und wieder einmal sollte er Recht behalten.

schon: ‚Was machen Sie eigentlich nach dem

Aus dem Hörsaal zu Mosolf geholt: Gregory Hancke, Geschäftsführer und Chief Operating Officer der MosolfGruppe.

Ein Ort der Superlative: Kippenheim verfügt über einen Gleisanschluss mit fünf Doppelstockrampen.

Studium?‘ Völlig überrascht, zuckte ich mit den 1994 sollte das Kippenheimer Areal dann kom-

Schultern und antwortete: ‚Keine Ahnung.‘ ‚Ich

plett in den Besitz der Firma Mosolf übergehen.

habe da einen Job für Sie als Betriebsleiter‘, fuhr

»Kippenheim war mit Sicherheit einer der Mei-

Horst Mosolf fort und erklärte mir in groben Zü-

lensteine in der Geschichte des Unternehmens«,

gen, worum es sich handelte. Ich traute meinen

konstatiert Gregory Hancke, Geschäftsführer

Ohren kaum! Ich war ja gerade einmal im zwei-

und Chief Operating Officer der Mosolf-Gruppe.

ten Praxissemester. Und nun sollte ich direkt

18.09.1984

04.10.1984

16.10.1984

Das Bundeskabinett beschließt, dass Neuwagen ab 1989 mit Katalysatoren auszurüsten sind

Die Botschaft der BRD in Prag, in der sich über 150 ausreisewillige Ostdeutsche aufhalten, wird wegen Überfüllung vorüber­g ehend geschlossen

Laut Waldschadenserhebung 1984 ist jeder zweite Baum in der BRD krank

65


66

Die Steilwandkurve der Test­strecke in Kippenheim.

30.11.1984

1985

11.03.1985

Die DDR baut die letzten Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze ab

Die ersten Wagen mit geregeltem Katalysator kommen in Serie auf den deutschen Markt

Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der KPdSU


nach dem Examen eine Leitungsposition mit

für die Betreuung von Flotten- und Leasingfahr-

140 Mitarbeitern übernehmen?! Das war schon

zeugen entwickelt. Je nach Vorgaben der Auf-

eine große Nummer. Aber ich stellte mich der

traggeber bereiten die Mosolf-Mitarbeiter die

Herausforderung und fing genau einen Tag

Wagen für die Rückkehr auf den Markt vor. Da-

nach meinem Examen in Kippenheim an. Horst

bei erstreckt sich das angebotene Leistungsspek-

Mosolf war mit Sicherheit der schwäbischste

trum von der Fahrzeugreinigung über das Ent-

Preuße oder preußischste Schwabe, den ich je

fernen von Firmensignets oder die Lackierung

getroffen habe. Da Schwaben und Preußen die

bis hin zur umfassenden Begutachtung. Nach

gleichen Grundwerte haben, passte er perfekt

bewährtem Motto setzt man dabei auf moderns-

hier in die Region. Fleiß, Disziplin, Sparsam­keit,

te Technik: So gibt es auf dem Gelände zehn

Traditionsbewusstsein und gleichzeitig Neugier

variabel einsetzbare Produktionsbänder, sieben

und Offenheit – das waren seine Werte. Als

automatische Waschbänder sowie sechs Lackie-

mein Lehrherr hat er auch mich in dieser Hin-

rungsanlagen.

sicht geprägt.« Mit einem ebenso ganzheitlichen wie nach­ Im Verlauf der Jahre entwickelte sich die Kip-

haltigen Konzept ging Mosolf in Kippenheim

penheimer Niederlassung mit ihren rund 400

noch einen Schritt weiter: Wer ein Fahrzeug

Mitarbeitern zu einem Dienstleistungszentrum

während seines gesamten Lebenszyklus‘ be-

für den fachgerechten Umbau von Spezialfahr-

gleiten will, muss neben der Betreuung von

zeugen für Behörden wie die Polizei, die Feuer-

Neu- und Gebrauchtwagen auch einen Service

wehr oder das Technische Hilfswerk sowie für

für Altwagen anbieten. Zu diesem Zweck ent-

Handwerker mit Sonderwünschen. Auch im

wickelte das Unternehmen die umgekehrte

Segment Sonderfahrzeugbau funktionierte

Logistik in Form eines umfassenden Recy-

wieder die bewährte Kooperation mit Merce-

clings. Heute verfügt die dafür zuständige

des-Benz: So wurden beispielsweise sämtliche

Mosolf-Tochter Resotec über eine Verschrot-

Daimler-Sprinter der Bundespolizei in Kippen-

tungskapazität von 15.000 Fahrzeugen pro

heim ausgestattet.

Jahr, wobei zum angebotenen Portfolio neben dem Materialrecycling auch der Vertrieb ge-

Außerdem hat sich die Kippenheimer Niederlas-

brauchter Ersatzteile und der Verkauf von

sung bundesweit zu einem der größten Anbieter

Fahrzeugteilpaketen gehören.

11.06.1985

15.01.1986

An der Glienicker Brücke findet der größte Agentaustausch seit 1945 statt

Michail Gorbatschow schlägt den Abbau aller Atomwaffen bis zum Jahr 2000 vor

67


Blick in die Kippenheimer Werkstätten

68


69


70


71


SÜDEUROPA

72

in Spa. Denn mir war klar, dass ich in Frank-

wichtig ein vereintes Europa ist. Für junge Leu-

reich nur dann eine Chance haben würde,

te ist es ja heute selbstverständlich, die ganze

Nicht nur innerhalb Deutschlands wuchs die

wenn ich in der Lage wäre, direkt mit den Per-

Welt zu bereisen. In meiner Generation war

Zahl der Mosolf Technik- und Logistikzentren

sonen zu sprechen, die die Entscheidungen

das noch nicht der Fall. Daher bin ich dankbar,

in den 1980er Jahren, mit dem Schritt nach Sü-

treffen. Auf Menschen zuzugehen, zu kommu-

dass ich diese Möglichkeit hatte.«

deuropa setzte das Unternehmen auch die In-

nizieren, auch hin und wieder miteinander

ternationalisierung seines Netzwerks fort. Die

Essen zu gehen, ist enorm wichtig. Indem ich

Initiative, die Geschäftsaktivitäten des Hauses

mir ausreichend Zeit für den persönlichen

auf die vielversprechenden Wachstumsmärkte

Kontakt nahm, konnte ich Beziehungen auf-

Frankreich, Italien, Portugal und Spanien aus-

bauen, die mir wiederum Türen öffneten. So

zuweiten, ging von Dr. Jörg Mosolf aus, dem ge-

ergaben sich dann Gespräche, in denen man

schäftsführenden Gesellschafter und Chief

gemeinsame Ziele definieren und mit ein biss-

Executive Officer der Mosolf-Gruppe. Im Ver-

chen Glück auch Aufträge abschließen konnte.

lauf dieses Prozesses wurden in Südeuropa

Das war das Erfolgsgeheimnis. Letztlich musst

nicht nur Niederlassungen und Stützpunkte

du selbstverständlich auch nachweisen, dass

aufgebaut, mit der Tramosa- Gruppe gründete

du in der Lage bist, optimale Qualität zu lie-

das Unternehmen auch ein Joint Venture mit

fern. Die Bilanz muss stimmen. Aber ohne per-

dem spanischen Transportunternehmen Tradi-

sönliches Engagement, Respekt und Offenheit

sa. »Das war seinerzeit echte Pionierarbeit. Ich

für andere Kulturen geht es nicht. Und daran

ging ja in junge Märkte hinein und so musste

hat sich auch bis heute nichts geändert.«

ich bei null anfangen. In dieser Situation war es natürlich wichtig, zunächst eine Vorstellung

Und sein Bruder Peter Mosolf, Geschäftsführer

von den dortigen Chancen und Risiken zu ent-

der Auto-Service-Center GmbH in Überherrn,

wickeln. Doch das Entscheidende bei dieser Ar-

verweist auf den persönlichen Gewinn interna­

beit war eine von Offenheit, Verständnis für

tionaler Erfahrungen: »Wenn ich so bedenke,

andere Kulturen und gegenseitigem Respekt

wo ich überall gewesen bin und was ich alles

geprägte Haltung. Als wir damals nach Frank-

erleben durfte, ist das schon toll! Dabei habe

reich gingen, habe ich zunächst einmal zehn

ich auch schnell begriffen, dass es im Gegen-

Wochen lang Tag für Tag einen Intensivkurs

satz zu manchen Vorurteilen überall Fleißige

Französisch besucht in der belgischen Wallonie

und Faule gibt. Und mir ist klar geworden, wie

20.01.1986

25.02.1986

26.04.1986

Frankreichs Staatschef Mitterand und die britische Premierministerin Thatcher kündigen den Bau eines Eisenbahntunnels unter dem Ärmelkanal an

Auf dem 27. Parteitag der KPdSU kündigt Parteichef Michail Gorbatschow »radikale Reformen« in der Wirtschaft an

Im Kernkraftwerk von Tschernobyl schmilzt der Reaktorkern und verursacht eine Atomkatastrophe


73


74


UMZUG IN DIE DETTINGER STRASSE Angesichts anhaltenden Wachstums und damit auch steigender Mitarbeiterzahlen war 1986 der Zeitpunkt gekommen, an dem die auf mehrere Gebäude verteilten Räumlichkeiten der Zentrale im Faberweg nicht mehr ausreichten. So beschloss Mosolf, in der nahegelegenen Dettinger Straße einen geräumigen Neubau errichten zu lassen. Das neue Gebäude zeichnete sich nicht nur durch seine hellen, aktuellen Arbeitsabläufen entsprechenden und mit neuester Computertechnologie ausgestatteten Räumlichkeiten aus. Die Weltzeituhren in der Empfangshalle wiesen Mitarbeiter wie Besucher sofort beim Betreten des Hauses auf die internationale Ausrichtung des Unternehmens hin. Im November 1987 fand dann der Umzug statt. Wie man es von einem Logistikunternehmen erwarten darf, gab es einen präzise geplanten Ablaufplan, so dass der Umzug – mit tatkräftiger Unterstützung der Mitarbeiter – innerhalb von nur einer Woche bewerkstelligt werden konnte.

03.06.1986

01.07.1986

Bundeskanzler Helmut Kohl gibt die Einrichtung eines Bundesumweltministeriums bekannt

In der BRD müssen Autoinsassen 40,- DM Bußgeld zahlen, wenn sie auf dem Rücksitz keinen Sicherheitsgurt angelegt haben

75


Feier in der Firma

76

Die Mitarbeiter gratulieren Marianne und Horst Mosolf zum 55. bzw. 60. Geburtstag, 1988.


77


Feier im Stuttgarter SI-Centrum

Horst und Marianne Mosolf feiern mit Familie und Freunden.

78


79


EIN NEUES LOGO

sowohl Lob als auch Kritik. Daher beschlossen wir, noch eine Expertenmeinung einzuholen.

Wie ein Gebäude in seiner Architektur das

Ich nahm Kontakt zu einem der renommierten

Selbstbild eines Unternehmens widerspiegelt,

Designer von Mercedes-Benz auf und verein­

so sendet auch das Corporate Design eine be-

barte einen Termin, um ihm unseren Muster-

stimmte Botschaft aus. Dabei besitzt vor allem

Transporter vorzustellen. Zusammen mit der

das Logo eine Schlüsselwirkung – sowohl nach

Familie Mosolf machte ich mich auf den Weg

außen für Kunden und Partner als auch nach

nach Sindelfingen. Als der Designer unseren

innen für die Mitarbeiter. Wieder einmal war es

neuen Transporter erblickte, entfuhr ihm ein

der vielseitige Georg Mekle, der 1986 die Initiati-

begeistertes ‚Wow‘. Er fand den Blauton frisch

ve ergriff, für Mosolf ein ebenso modernes wie

und auffallend, aber nicht aufdringlich. Sein

markantes Erkennungsmerkmal kreieren zu las-

Urteil war durch und durch positiv. Damit war

sen. Auch hier gingen Tradition und Innovation

die Entscheidung gefallen!«

Hand in Hand. Georg Mekle erzählt: »Als ich er-

80

fuhr, dass unser damaliger Hauptkonkurrent

Inzwischen sind türkis, blau und rot seit fast

dabei war, seine Farbgebung zu modernisieren,

30 Jahren die Hausfarben der Firma Mosolf, wel-

dachte ich mir: ‚Das können wir auch! Und zwar

che nicht nur die Transporter, sondern sämtliche

schneller!‘ Also machte ich mich ans Werk und

Produkte des Hauses zieren. Die drei markanten

beauftragte einen Designer. Die Vorgaben laute-

Streifen rechts und links des Namenszugs ha-

ten, dass der bewährte Blauton unserer Mosolf-

ben sich als langfristig tragfähiges Erkennungs-

Transporter und die drei Streifen, auf die der

merkmal mit unverwechselbarem Charakter er-

Seniorchef großen Wert legte, erhalten bleiben

wiesen. Und auch nach innen hat die gewünsch-

sollten. Der Designer legte mir sieben Entwürfe

te Identifikation stattgefunden, sprechen die

vor, aus denen wir schließlich das neue Logo mit

Mitarbeiter doch stets von »unseren Streifen«.

dem markanten, türkisähnlichen Lagunenblau

Modern und markant: Entwürfe für das neue Mosolf-Logo.

entwickelten. Nun wollte ich gern einen Muster-

Als Mosolf 1988 seinen 500. Transporter mit ei-

Transporter in dem neuen Design gestalten las-

nem Spezialaufbau der Firma Kässbohrer aus

sen. Als ich Horst Mosolf davon erzählte, sagte

Ulm übernahm, trug dieser selbstverständlich

dieser sofort: ‚Das machen wir!‘ Wie meist,

auch das neue Logo. Jener Jubiläumstransporter

wenn etwas Neues eingeführt wird, gab es

war das erste Fahrzeug mit einer innovativen

12.06.1987

01.02.1988

In seiner Rede anlässlich der 750-Jahr-Feier in West-Berlin fordert US-Präsident Ronald Reagan Parteichef Gorbatschow auf, die Mauer niederzureißen

An bundesdeutschen Tankstellen darf kein verbleites Normalbenzin mehr angeboten werden


Verladetechnik, bei der sämtliche Pkw in der un-

MORE

schuf – gerade in Zeiten beschleunigten Wandels ein zentraler Aspekt für die Identifikation der

teren Verladeebene flach aufgefahren und mit einer hydraulischen Stapeleinrichtung in die ge-

»Nutzen Sie diese Hauszeitschrift und schreiben

Mitarbeiter mit dem Unternehmen.

wünschte Position gebracht werden konnten. Auf

Sie uns Ihre Anliegen, Verbesserungsvorschläge

Das Epochenjahr 1989 sollte insbesondere für

diese Weise wurde das Risiko eines Transport-

oder Bestätigungen, Meinungen (positiv und ne-

das Gründerehepaar Marianne und Horst Mosolf,

schadens erheblich verringert. Ganz im Sinne

gativ) über alle Bereiche des Hauses.« So lautete

die einst vor den Repressalien des DDR-Regimes

einer konsequenten Kundenorientierung hatte

der Aufruf in der ersten Ausgabe von MORE

geflohen waren, noch eine besondere Genugtu-

Mosolf seinen Service damit erneut optimiert.

(MOSOLF REPORT), dem Magazin für Mitarbeiter,

ung bereithalten: den Fall der Mauer. Wie die

das 1989 an den Start ging. Damit machte das

meisten Menschen in Ost und West verfolgte

Ebenfalls 1988 hatte das Unternehmen einen

Unternehmen von Anfang an deutlich, dass

auch die Familie Mosolf gespannt den Gang des

hollywoodreifen Auftritt: Bei einem in Süd­

MORE kein Sprachrohr der Geschäftsleitung sein

Geschehens. Doch Horst Mosolf wäre nicht Horst

spanien gedrehten BMW-Werbefilm spielte ein

sollte, sondern ein Medium, das darauf abzielte,

Mosolf gewesen, wenn er nicht sofort zur Tat ge-

Mosolf-Transporter eine der Hauptrollen, wobei

die Arbeitswirklichkeit der Mitarbeiter in all ih-

schritten wäre. »Kaum war die Mauer offen, rief

das Drehbuch den Fahrern einiges Können ab-

ren Facetten authentisch und ungefiltert darzu-

er mich auch schon an und sagte: ‚Das muss

verlangte. Doch auch diesen besonderen »Fahr-

stellen. Die Beschäftigten sollten nicht nur Ziel-

gefeiert werden! Kauf Sekt! Alle bekommen ein

test« meisterten die Mosolf-Fahrer mit Bravour.

gruppe, sondern gleichzeitig auch Themengeber,

Glas Sekt!‘«, erinnert sich Bertram Galm. »Ich

Interviewpartner und Autoren sein. Angesichts

wollte seinem Wunsch gern nachkommen, aber

Schließlich wurde im selben Jahr Unterneh-

einer ständig steigenden Zahl von Mitarbeitern,

so viele Gläser Sekt hatten wir gar nicht im Hau-

mensgründer Horst Mosolf persönlich noch eine

die über viele, teilweise weit von der Zentrale

se. Also zogen wir erst einmal los, um zusätz­

außergewöhnliche Ehrung zuteil: Für seine be-

entfernte Niederlassungen verteilt waren, hatte

liche Gläser und natürlich auch eine entspre-

sonderen Verdienste um die baden-württem­

die Unternehmensleitung mit der Einführung

chende Menge Sekt zu kaufen. Die Freude in

bergische Wirtschaft erhielt er die Wirtschafts-

von MORE einen wichtigen Schritt zur Optimie-

Horst Mosolfs Stimme war groß. Endlich konnte

medaille des Landes.

rung der internen Kommunikation wie auch zur

er wieder in seine alte Heimat.« Und das tat

Förderung einer offenen Unternehmenskultur

Horst Mosolf! Mit dem Fall der Mauer erfüllte

getan. Denn mit MORE schuf sie eine gemein­

sich für ihn ein Herzenswunsch: Fast vier Jahr-

same Wissensbasis, die nicht nur neueste bran-

zehnte nach seiner Flucht konnte er mit 61 Jah-

chenrelevante Informationen enthielt, sondern

ren nun auch in seiner brandenburgischen Hei-

schwarz auf weiß auch Entscheidungen der Ge-

mat als Unternehmer tätig werden. Und so

schäftsführung transparent machte und damit

machten er und seine Söhne sich auf den Weg in

gleichzeitig ein Verständnis für Veränderungen

Richtung Osten.

1989

09.11.1989

Der Informatiker Tim Berners-Lee erfindet das World Wide Web (WWW)

Fall der Mauer und Öffnung der DDR-Grenze

MORE: Titelseite der ersten Ausgabe von 1989.

81


82

#### ####


5 AUFBRUCH IN DEN OSTEN MOSOLF ERSCHLIESST NEUE MÄRKTE

83

#### ####


»Warte nicht auf den Wind, nimm das Ruder selbst in die Hand.« (Charles Lindbergh)

84

Auf’s Wasser: 2014 nimmt Mosolf mit der »Terra2« sein zweites Binnenschiff in Betrieb.

03.10.1990

11.01.1991

15.02.1991

Wiedervereinigung Deutschlands

Das erste Gesamtberliner Abge­ ordnetenhaus konstituiert sich

Im Werk der Volkswagen Sachsen GmbH bei Zwickau beginnt die Fertigung des VW-Golfs


GLOBALISIERUNG UND VERNETZUNGSVIELFALT

schritt der Prozess der Globalisierung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts gerade auch im ökonomischen Bereich weiter voran. Sogar

Am 3. Oktober 1990 vollendete der Einigungs-

im Weltraum war die Zeit des »Kaltes Krieges«

vertrag die deutsche Wiedervereinigung. Für

endgültig vorüber, als 1994 der erste russische

viele Deutsche ging damit ein lang gehegter

Kosmonaut an Bord der amerikanischen Raum-

Wunsch in Erfüllung. Doch die staatliche Ein-

fähre Discovery ins All startete.

heit stellte das Land auch vor enorme Herausforderungen. Dabei erwiesen sich vor allem die

Auf der Erde schritt die Digitalisierung nahezu

Umstrukturierung der ostdeutschen Wirtschaft

sämtlicher Lebensbereiche weiter fort. Eine

mit ihren vielen maroden volkseigenen Betrie-

digitale Innovation folgte der nächsten, wobei

ben sowie die Modernisierung des Straßen-,

vor allem die Entwicklung des Internets mit sei-

Schienen- und Telefonnetzes als wahre Her­

nen weitreichenden Auswirkungen auf alle Le-

kulesaufgaben. Und auch die in zwei unter-

bensbereiche mit der Erfindung des Buchdrucks

schiedlichen Systemen sozialisierten Menschen

gleichgesetzt werden kann. Das Internet führte

in Ost und West mussten über die »Mauern in

nicht nur zu einem tiefgreifenden Wandel un-

den Köpfen« hinweg erst zueinander finden.

seres Kommunikations- und Medienverhaltens,

Passend zum Autoland Deutschland hatte die

mit dem E-Commerce entstand sogar ein voll-

Wiedervereinigung auch bald ihr fahrendes

kommen neuer Wirtschaftszweig mit hohen

Symbol: den »Trabi« (Trabant). Dieser kleine ost-

Wachstumsraten. Immer vielfältigere elektroni-

deutsche Wagen, in der DDR augenzwinkernd

sche Vernetzungen machten die Welt zu einem

»Plastebomber« oder »Rennpappe« genannt,

»globalen Dorf«, in dem die Menschen – ohne

knatterte nach der Wende unüberhörbar durch

ihren Standort zu ändern – weltweit miteinan-

die Republik.

der in Kontakt treten konnten. Mobiltelefone fanden im privaten wie beruflichen Bereich

Auf europäischer Ebene wiederum bedeutete

Verbreitung und die Kommunikation per Short

die Einführung des Euro als gemeinsame Wäh-

Message Service (SMS) kam in Mode. Seit Mitte

rung – 1999 für die Banken und 2002 als Bar-

der 1990er Jahre verdrängte die E-Mail zuneh-

zahlungsmittel – einen wichtigen Schritt in

mend das Fax und leise Tintenstrahldrucker

Richtung auf ein vereintes Europa. Parallel dazu

lösten die lauten Nadeldrucker ab. Nachdem

04.03.1991

10.04.1991

Als letzter Vertragspartner ratifiziert die UdSSR Zwei-plus-Vier-Abkommen über die volle Souveränität Deutschlands

Im Automobilwerk Eisenach rollt der letzte Pkw der Marke Wartburg vom Band

Fahren mit Funk­ navigation: Das »Navi« berechnet die Route.

Gemeinsame Währung für ein vereintes Europa: der Euro.

85


die Compact Disc (CD) bereits die Diskette er-

Nach der Wende wollten viele Ostdeutsche ihren

setzt hatte, kam 1996 die Digital Versatile Disc

»Trabi« gern durch einen westdeutschen Wagen

(DVD) auf den Markt. Und nur zwei Jahre später

ersetzen. So entstand in den neuen Bundeslän-

tauchte mit dem kleinen, leichten und äußerst

dern eine große Nachfrage nach Gebraucht- und

robusten USB-Stick ein mobiler Datenträger

bald auch nach Neuwagen. Und wieder einmal

auf, mit dem künftig in Windeseile große Da-

hatte Mosolf in jenen Jahren des Wandels die

tenmengen von Rechner zu Rechner übertragen

Nase vorn: Vorausblickend hatte die Führung

werden konnten.

dort nämlich bereits im Frühjahr 1989, als der

Erlebte die 1990er Jahre als spannende Zeit: Volker Neth, Bereichs­geschäfts­ leiter Vertrieb & Marketing, Mosolf Service Factory.

»Eiserne Vorhang« durch den Abbau der ungari-

86

Auch in der Automobilbranche kam mehr und

schen Grenzanlagen ein erstes Loch bekam, an-

mehr Elektronik zum Einsatz: Satellitengestütz-

gefangen, über die Erschließung neuer Märkte

te Navigationssysteme machten in den 1990er

in Osteuropa nachzudenken. Und nicht nur das!

Jahren das Studieren von Straßenkarten über-

Noch 1989 errichtete das Unternehmen ein

so mancher Mitarbeiter der Firma Mosolf viel

flüssig. Gleichzeitig hatte der Dieselmotor

Technik- und Logistikzentrum im sächsischen

Zeit im Auto verbrachte. »Als die Grenze auf-

Hochkonjunktur, konnte aufgrund neuer Tech-

Glauchau. »Natürlich kam der Mauerfall auch

ging, ar­beitete ich gerade als erster Assistent

niken der Kraftstoffverbrauch doch stark re­

für uns überraschend«, sagt Dr. Jörg Mosolf rück-

der Geschäftsführung für Dr. Mosolf. Wir waren

duziert werden. Während sich einerseits fami­

blickend. »Dennoch hatten wir uns bereits nach

damals permanent in den neuen Bundeslän-

lienfreundliche Vans wachsender Beliebtheit

den Ereignissen in Ungarn mit dem Thema Ost-

dern unterwegs, schauten uns Anlagen und

erfreuten, wurden andererseits auch Kleinwa-

europa beschäftigt. Mangels verfügbarer Daten

Gelände an oder trafen uns mit Vertretern von

gen zu einem immer wichtigeren Segment auf

konnten wir zwar keine konkrete Marktanalyse

Städten und Gemeinden. Anschließend saßen

dem weltweiten Automarkt. Die deutsche Auto-

durchführen, aber wir stellten erste Überlegun-

wir nebeneinander im Auto und tauschten

mobilindustrie konnte ihren weltweiten Markt-

gen an und waren bereit, aktiv zu werden. Mit

uns über unsere Eindrücke aus. Es hat mich

anteil 1999 mit 9,2 Millionen Kraftfahrzeugen

der nötigen Risikobereitschaft haben wir den

sehr gefreut, dass ich überall dabei sein durfte.

auf 17 Prozent steigern. Auch in der Heimat war

Schritt dann einfach gewagt. Und da wir dank

Für mich war das eine ungemein spannende

die Liebe der Deutschen zum Automobil unge-

rascher Entscheidungsprozesse schnell in der

Zeit, in der ich viel von Dr. Mosolf gelernt habe.

brochen: Der eigene Wagen blieb das wichtigste

Umsetzung waren, haben wir heute einen sehr

Dabei herrschte stets ein offener und unge-

Fortbewegungsmittel. Im wiedervereinigten

hohen Marktanteil in Ostdeutschland.«

zwungener Umgangston, den ich als sehr ange-

Deutschland wuchs die Zahl der Pkw von gut

nehm empfand«, erzählt Volker Neth, Bereichs-

30 Millionen im Jahr 1990 auf knapp 43 Millio-

Die 1990er Dekade war im wahrsten Sinne

geschäftsleiter Vertrieb & Marketing, Mosolf

nen im Jahr 2000.

des Wortes ein bewegtes Jahrzehnt, in dem

Service Factory.

30.04.1991

14.05.1991

20.06.1991

In Zwickau läuft der letzte »Trabi« vom Band

Der Deutsche Bundestag beschließt den Solidaritätszuschlag für die neuen Bundesländer

Mit 338 gegen 320 Stimmen entscheidet sich der Bundestag für Berlin als künftigen Regierungssitz


Die Nase vorn: 1991 gründete Mosolf die SAT in Zwickau.

Mit seiner Niederlassung in Glauchau siedelte

Gründung der Mosolf Grundstücksgesellschaft

stehenbleiben, sondern muss versuchen, diesen

sich Mosolf auf automobilgeschichtlich gepräg-

GmbH und Co. KG. Dabei musste die Familie

irgendwie zu überwinden. Für mich war es sehr

tem Terrain an, wurde doch in unmittelbarer

Mosolf zu jener Zeit erfahren, dass Freud und

beeindruckend, wie die Familie damals mit gro-

Nähe im VEB Sachsenring Automobilwerke

Leid manchmal nah beieinander liegen. Als das

ßer Disziplin weitermachte. Diese Einstellung

Zwickau von 1959 bis 1991 der Trabant produ-

Unternehmen mit dem Aufbruch in den Osten

habe ich auch für mein Leben übernommen«,

ziert. Im Herbst 1990 wurde dort das Volks­

gerade dabei war, seine Erfolgsgeschichte fort­

erzählt Rose Nägele, die seit 1978 im Hause Mo-

wagenwerk Zwickau eröffnet, für das Mosolf

zuschreiben, traf die Familie ein schwerer

solf tätig ist.

seit 1991 sowohl logistische als auch technische

Schicksalsschlag: Der jüngste Sohn Michael,

Leistungen durchführt. Inzwischen ist das Un-

der von seiner Mutter die Leitung des Finanz­

Und so setzte die Familie Mosolf ihren Weg

ternehmen mit drei Niederlassungen in Sachsen

bereichs übernehmen sollte, starb im Alter von

fort. Auf der Suche nach einem geeigneten Ge-

und Thüringen vertreten und dort außerdem

30 Jahren. Mit Disziplin und Stärke setzte die

lände für die flächendeckende Bedienung der

für die Automobilhersteller Daimler, BMW und

Familie in jenen Monaten trotz ihrer Trauer die

neuen Bundesländer zog es Horst Mosolf dabei

Porsche tätig.

Arbeit fort und wurde damit für viele Mitarbei-

in seine brandenburgische Heimat: »In dem

ter zum Vorbild: »Das Besondere, was ich für

Moment, als die Mauer fiel, sagte ich zu unseren

Mit dem bevorstehenden Generationenwechsel

mich persönlich hier im Unternehmen gelernt

Mitarbeitern: ‚Wir gehen jetzt in mein Heimat-

erfolgte 1990 die Umstellung der bisher als

habe, ist, dass man immer weitermacht, egal

land! Da müssen wir hin! Wir müssen unsere

Einzelunternehmen firmierenden Gesellschaft

was auch passiert. Selbst wenn man von einem

Ideen dorthin tragen, denn der Weg geht Rich-

zur Horst Mosolf GmbH und Co. KG sowie die

Schicksalsschlag getroffen wird, darf man nicht

tung Osten.‘«

24.08.1991

06.09.1991

19.09.1991

Der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow tritt als Generalsekretär der KPdSU zurück

Die Sowjetunion erkennt die Unabhängigkeit der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen an

Im Ötztal wird die mumifizierte Leiche eines Mannes aus der Bronzezeit gefunden (»Ötzi«)

87


Aktiv in Brandenburg: Mosolf errichtet ein Technik- und Logistik­ zentrum in Etzin.

88

#### ####


ETZIN

Berlin entfernt. Zweitens musste es an einer

statt – ein Standort der Superlative: Auf einem

leistungsfähigen Eisenbahnstrecke liegen, in

Areal von über 1.000.000 Quadratmetern war

»Noch eine halbe Meile bis nach Etzin… Seine

unserem Fall die Schnellfahrstrecke Hannover-

eine Niederlassung von beeindruckender Größe

schindelgedeckte Kirchturmspitze liegt schon

Berlin. Drittens musste es einen Verschiebe-

mit einem facettenreichen Leistungsangebot

wie greifbar vor uns … und noch ehe der Vorrat

bahnhof geben, von denen es hier in der Um­

entstanden: Bei einer Lagerkapazität von 30.000

unserer Wanderlieder dreimal durchgesungen,

gebung sogar zwei gibt. Und viertens – die wich-

Fahrzeugen können dort rund 250.000 Fahrzeu-

marschieren wir fröhlich und guter Dinge in das

tigste Bedingung – das Areal musste sich sowohl

ge pro Jahr umgeschlagen werden. Falls ein Kun-

alte malerische Dorf hinein. Alles verrät Wohl-

in der Nähe einer Autobahn als auch einer Stra-

de es wünscht, ist Mosolf damit in Etzin auch in

habenheit, aber zugleich jenen bescheidenen

ße nach Berlin befinden. Östlich der Gemeinde

der Lage, große Automengen einzulagern, auf

Sinn, der sich in Treue und Anhänglichkeit an

verläuft die A10 und die B5 führt direkt nach

die jeder Zeit zugegriffen werden kann. Der

das Überlieferte äußert.« Mit diesen Worten be-

Berlin hinein. Damit erfüllte Etzin sämtliche

Platz verfügt über vier Bahngleise mit Entlade­

schrieb der Schriftsteller Theodor Fontane 1873

Konditionen. Und dann gab es auch noch aus­

rampen für die Wagen, die zunächst auf der

in seinen berühmten »Wanderungen durch die

reichend verfügbares Gelände.«

Schnellfahrstrecke Hannover-Berlin bis zum

Mark Brandenburg« Etzin war damals noch ein

Bahnhof Wustermark und anschließend von

beschauliches Dorf im Havelland. Heute ist Et-

Da das Vorhaben aus dem Hause Mosolf, mit

der Havelländischen Eisenbahn nach Etzin

zin ein Ortsteil von Ketzin, einer zwischen Pots-

dem die Schaffung von mehreren hundert Ar-

transportiert werden. Zusätzlich sind rund 70

dam und Brandenburg an der Havel inmitten ei-

beitsplätzen verbunden war, auch bei der Politik

Lkw-Plätze zum Be- und Entladen vorhanden.

ner ausgedehnten Seenlandschaft gelegenen

auf großes Interesse stieß, erwarb das Unter-

Darüber hinaus werden auf einer Produktions-

Kleinstadt. Aus dem beschaulichen Dorf von

nehmen schließlich ein zusammenhängendes

fläche von 20.000 Quadratmetern sowohl um-

einst ist eine moderne Landgemeinde geworden,

Gelände von rund 2.000.000 Quadratmetern für

fangreiche technische Arbeiten als auch zahlrei-

die neben der Landwirtschaft auch ihr touristi-

seine neue Niederlassung. »Was die Fläche be-

che Serviceleistungen ausgeführt. Dem Wunsch

sches Potential nutzt. Warum entschied sich

trifft, waren wir damals der drittgrößte Investor

von Horst Mosolf folgend erhielt die Niederlas-

Mosolf, gerade hier sein neues Technik- und Lo-

im Land Brandenburg«, sagt Wolfgang Pfandke.

sung im Land Brandenburg auch eine märkische

gistikzentrum anzusiedeln? »Bei der Suche nach

Am 27. Mai 1993 erfolgte die Grundsteinlegung,

Architektur. Mit einer Gesamtinvestition von

einem geeigneten Gelände gab es vier Prämis-

bei der Marianne und Horst Mosolf als Symbol

46,9 Millionen Euro wurde ein Betrieb mit mo-

sen, die erfüllt sein mussten«, erklärt Wolfgang

der Stärke und der Verantwortung des Unter-

dernsten Werkhallen mit Lackieranlagen, Hebe-

Pfandke, ehemaliger Generalbevollmächtigter

nehmens für seine Mitarbeiter eine Eiche pflanz-

bühnen und Waschstraßen errichtet. Dabei flos-

und Standortkoordinator des Projekts. »Erstens

ten. Am 1. Juni 1994 fand dann die feierliche Ein-

sen auch rund 3,5 Millionen Euro in vorsorgliche

musste das Gelände westlich von Berlin liegen.

weihung und Inbetriebnahme des neuen Tech-

Umweltschutzmaßnahmen zum Schutz der

Etzin liegt rund 20 Autominuten westlich von

nik- und Logistikzentrums Berlin-Brandenburg

sensiblen Wasserwirtschaft im Havelland.

14.11.1991

25.01.1993

09.05.1994

Der Bundestag verabschiedet das Stasi-Unterlagengesetz

In Köln nimmt der private Fernsehkanal VOX seinen Sendebetrieb auf

Nelson Mandela wird zum ersten schwarzen Präsdidenten Südafrikas gewählt

89


Mit dieser enormen Investition ging Mosolf erneut ein hohes unternehmerisches Risiko ein, gab es in jenen Jahren unmittelbar nach der Wiedervereinigung und der Öffnung Osteuropas doch noch manche Unwägbarkeit hinsichtlich der weiteren Entwicklung. Doch auch dieses Mal sollten Mut und Unternehmungsgeist belohnt werden, denn das Technik- und Logistikcenter Berlin-Brandenburg erwarb sich rasch einen ausgezeichneten Ruf als leistungsfähiger Partner weit über die Region hinaus. Und so äußerte sich der damalige Ministerpräsident Matthias Platzeck anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Niederlassung 2004 mit folgenden Worten: »Als Sie vor über zehn Jahren die Entscheidung trafen, im brandenburgischen Etzin einen weiteren Standort zu errichten, war sie nicht nur stra-

90

tegisch motiviert, sie kam auch von Herzen. … Ihre unternehmerische Weitsicht wurde belohnt. Sie haben in den vergangenen zehn Jahren im besten Sinne Aufbauarbeit geleistet: Im Laufe der Jahre schufen Sie rund 350 Arbeitsplätze und trugen zum guten Ruf der Region als Wirtschaftsstandort bei!« Ein Jahr später wurde Mosolf für die kontinuierliche wirtschaftliche Entwicklung mit dem Wirtschaftsförderpreis Äußerst erfolg­reich: Die Hambacher Niederlassung begleitet die SmartProduktion als verlängerte Werkbank.

des Landkreises Havelland ausgezeichnet. Die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern besaß im Familienunternehmen Mosolf seit

07.-09.05.1995 In ganz Europa wird an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 50 Jahren erinnert


Gründung des Unternehmens stets einen hohen

bracht, Privatkunden können auch ihre Fahr­

gründete Mosolf dann die MLT (Mosolf Centre

Stellenwert. Auf der anderen Seite resultierte

zeuge abholen, wobei sie als besondere Service-

Logistique et Technique) und MCT (Mosolf Cent-

daraus auch eine enge Bindung der Mitarbeiter

leistung von geschulten Mosolf-Mitarbeitern

re Technique) im französischen Hambach, wo

an »ihr« Unternehmen. So ist es auch in Etzin:

eine Bedienungseinführung erhalten. Außerdem

das Unternehmen die Produktion des Smart als

»Nach 22 Jahren ist schon sehr viel Herzblut da-

stehen für Produktpräsentationen oder gesell-

verlängerte Werkbank seit seiner Markteinfüh-

bei«, sagt Ines Beyersdorf, die seit 2013 Ge-

schaftliche Anlässe modernste multifunktionale

rung äußerst erfolgreich begleitet. Im selben

schäftsführerin der Mosolf Fahrzeugtechnik ist.

Veranstaltungsräume zur Verfügung. So wurde

Jahr wurden auch die MAL (Mosolf Automobil­

»Ebenso wie ich sind viele andere Mitarbeiter

dort am 26. April 2014 mit rund 400 Gästen auch

logistik) im tschechischen Dobrovice rund 60

der ersten Stunde heute noch bei uns. Sie ka-

das 20-jährige Jubiläum der Etziner Niederlas-

Kilometer nordöstlich von Prag und die MOSTVA

men damals zumeist aus der Landwirtschaft,

sung begangen. Zu den Geladenen gehörte auch

im polnischen Mszczonów gut 40 Kilometer süd-

wurden von Mosolf geschult und gefördert und

Wolfgang Pfandke, der heute noch für Mosolf als

westlich von Warschau gegründet. Letztere ver-

identifizieren sich mit der Firma. Mosolf war von

Berater tätig ist. Denkt er mit knapp 80 Jahren

fügt mit einer Größe von 450.000 Quadratme-

Anfang an einer der größten Arbeitgeber hier im

noch nicht ans Aufhören? »Ich fühle mich in

tern über eine Lagerkapazität von 12.500 sowie

Landkreis Havelland. Dabei hat sich der Stand-

Vielem bei Mosolf zu Hause. In meinem Leben

eine Umschlagskapazität von rund 150.000

ort ganz im Sinne von Horst Mosolf auch immer

hatte ich beruflich nie so viele Freiheiten wie

Fahr­zeugen pro Jahr. Im Unterschied zu manch

für die Nachwuchsförderung stark gemacht. Wir

hier. Dabei konnte ich den Großteil meiner Vor-

anderen Firmen gelang es Mosolf, sich langfris-

bieten Ausbildungsplätze in den Berufen Mecha-

stellungen realisieren. Und im Verlauf der Jahre

tig auf dem osteuropäischen Markt zu etablie-

troniker, Lackierer, EDV- und Bürokaufleute an.

ist mir die Niederlassung so ans Herz gewach-

ren. Nach den Gründen für diesen Erfolg gefragt,

Die meisten Lehrlinge übernehmen wir nach

sen, als hätte ich jeden Nagel persönlich ein­

sagt Wolfgang Göbel, Bereichsgeschäftsleiter für

Abschluss ihrer Ausbildung. Für uns hat das den

geschlagen«, erklärt Wolfgang Pfandke.

Vertrieb/Marketing & Logistik: »Dieser liegt si-

Vorteil, dass sie den Betrieb bereits kennen, und

cherlich auch darin begründet, dass wir immer

für die jungen Leute ist die Aussicht auf einen

Parallel zu seinen Aktivitäten in Ostdeutschland

offen und fair waren und nicht kurzfristig Geld

festen Arbeitsplatz natürlich sehr attraktiv. Für

erweiterte Mosolf in den 1990er Jahren sein

machen, sondern dauerhaft etwas aufbauen

unsere gute Arbeit auf diesem Gebiet haben wir

Netz­werk in West- und Zentraleuropa. So erfolg-

wollten. Das haben unsere einheimischen Ver-

vom Land sogar den ‚Brandenburgischen Ausbil-

te 1995 die Gründung des Carcenters im belgi-

handlungspartner honoriert. Außerdem hatten

dungspreis‘ erhalten.«

schen Seebrügge (Zeebrugge). Damit verfügte

wir eine klare Idee und waren schon immer

das Unternehmen über einen weiteren Standort

Qualitätsanbieter.«

Im Jahr 2008 erhielt die Niederlassung am Ein-

an einem bedeutenden Seehafen, der von der

gang des Firmengeländes noch eine Multifunk­

Automobilindustrie bis heute intensiv für den

tionshalle. Dort sind nicht nur Büros unterge-

Umschlag von Neuwagen genutzt wird. 1998

26.-27.06.1995

11.08.1995

17.08.1995

Auf dem Gipfeltreffen der EU wird der Übergang zur einer einheitlichen Währung zum 01.01.1999 beschlossen

US-Präsident Bill Clinton gibt die Einstellung aller US-amerikanischen Atomwaffentests bekannt

Die Volksrepublik China zündet ihren zweiten Atombombentest in diesem Jahr

91


Mosolf feiert: 20 Jahre Technikund Logistikzentrum Berlin-Brandenburg

92


93


94

#### Autos so weit das Auge reicht: Die MOSTVA verfügt über eine Umschlagskapazität von 150.000 Fahrzeugen pro Jahr.

####


95

#### ####


96


HIGH & HEAVY

den Jahren stellte ich den Bereich mit meinem

unsere Fahrer zum Beispiel Maschinen nach

Team komplett neu auf, so dass heute die gro-

Bulgarien, laden auf dem Rückweg neue Fracht

Im Verlauf der 1990er Jahre entwickelte sich

ßen Hersteller von Landmaschinen wie auch

in Kroatien, die sie dann wiederum nach Spanien

auch der Transport von Land- und Baumaschi-

Nutzfahrzeugen zu unseren Kunden zählen.«

transportieren. Da kommen schnell 5.000 Kilo-

nen sowie Nutz- und Sonderfahrzeugen zu ei-

meter zusammen. Infolge der Globalisierung

nem beständig wachsenden Geschäftszweig des

Und nicht nur das: Dadurch, dass Mosolf dank

herrschen andere Bedingungen. Der Wettbewerb

Unternehmens. Gabelstapler, Kleinbusse, Last-

seines Netzwerks europaweit agieren kann, ist

ist härter geworden. Und dieser Herausforderung

kraftwagen, Mähdrescher, Radlader, Traktoren…

das Unternehmen in der Lage, rasch und flexibel

müssen wir uns Tag für Tag stellen.«

Mit seinem leistungsstarken Fuhrpark von rund

auf die jeweiligen Bedürfnisse der verschiedenen

100 Spezialfahrzeugen verschiedener Bauart ist

nationalen Märkte zu reagieren. »Im Laufe mei-

Dabei hat sich Mosolf in den letzten Jahren im

Mosolf in der Lage, europaweit anspruchsvolle

nes Berufslebens haben sich die Distanzen sehr

Bereich High & Heavy auf individuelle Transpor-

Sondertransporte durchzuführen. »Diese Maschi-

vergrößert«, stellt Geisinger fest. »Heute liefern

te von Komplettladungen und Einzelfahrzeugen

nen sind teilweise bis zu 25 Tonnen schwer! Das sind schon beeindruckende Dimensionen«, erklärt Michael Geisinger, der seit rund 20 Jahren den Bereich High & Heavy im Hause Mosolf leitet. Wie viele seiner Kollegen auf der Führungse-

97

bene kam auch Geisinger 1977 als Auszubildender ins Unternehmen und sammelte Erfahrungen in verschiedenen Tätigkeitsfeldern, bevor er die Leitung der Abteilung High & Heavy übernahm. »Eigentlich war ich zuvor immer im Pkw-Bereich aktiv«, erzählt Geisinger. »Als wir dann Mitte der 90er Jahre eines unserer Strategietreffen mit Dr. Mosolf hatten, war gerade die Leitung des Bereichs High & Heavy vakant. Dr. Mosolf schaute in meine Richtung und sagte: ‚Das wäre doch etwas für dich! Du bist doch sehr vielseitig.‘ Das war zwar Neuland für mich, aber ich nahm die Herausforderung an. In den folgen-

21.03.1996

13.06.1996

30.06.1996

In den deutschen Kinos läuft der erste komplett am Computer entstandene Spielfilm »Toy Story« an

Als letztes Land der EU schafft Belgien die Todesstrafe ab

Die deutsche Fußballnationalmannschaft wird nach einem 2:1 Sieg über die Mannschaft der Tschechischen Republik Europameister


98

MaĂ&#x;arbeit: Mosolf-Mitarbeiter beladen einen Spezialtransporter.

#### ####


für Firmen und Privatkunden sowie für Messen

Und die Zukunft? Der blickt Michael Geisinger

anforderungen. »Bei uns war nachhaltiges Arbei-

und Präsentationen spezialisiert. Auch das Un-

trotz des ständig härter werdenden Wettbe-

ten auf höchstem Qualitätsniveau schon immer

ternehmen selbst zeigt sich und sein Leistungs-

werbs gelassen entgegen: »Was die Landtechnik

fest in der Unternehmenskultur verankert«, sagt

portfolio auf der Agritechnica, der alle zwei Jah-

betrifft, so handelt es sich definitiv um einen

Geschäftsführer und Chief Operating Officer

re in Hannover stattfindenden weltgrößten Mes-

Zukunftsmarkt. Alle Prognosen sagen voraus,

Gregory Hancke. »Auf diesem Gebiet waren wir

se für Landtechnik. »Dort haben wir auch schon

dass die Weltbevölkerung auch in den kommen-

von Anfang an weit vorn. Dabei haben wir die

viele Prototypen vorgestellt. Einmal handelte es

den Jahrzehnten weiter wachsen wird. Also wird

hohen deutschen Standards auch für unsere

sich um den ersten Großtraktor mit Raupen,

man sogar noch größere Erträge brauchen, um

ausländischen Standorte übernommen. Auch

der an Stelle von Rädern vier Raupen hatte.

die gestiegene Zahl an Menschen ernähren zu

beim Thema Grüne Logistik, also die Schaffung

Ein imposantes Fahrzeug! Als unser Fahrer auf

können. Wir bei Mosolf sind auf jeden Fall gut

umweltgerechter und ressourceneffizienter

dem Weg zur Messe an einem Rastplatz anhielt,

darauf vorbereitet, auch in Zukunft schnell und

Logistikprozesse, waren wir Vorreiter.« Entspre-

machten dort auch gerade zwei Omnibusse mit

effizient auf die individuellen Wünsche unserer

chend seiner ambitionierten Zielsetzung imple-

japanischen Touristen Pause. Klick, klick, klick –

Kunden zu reagieren.«

mentierte Mosolf an allen Technik- und Logistik-

schon war der große Traktor von einer Traube

zentren Qualitätsmanagement-Systeme, in die

Japaner umringt, die begeistert Fotos machten.«

auch Lieferanten und Vertragspartner eingebun-

NACHHALTIGKEIT

den sind. So können durch ständige Optimierungen von Prozessen und Strukturen immer höhe-

Doch es gibt auch einheimische Fans, wie Michael Geisinger zu erzählen weiß: »Als ich wie-

Auf Kundenseite wiederum spielten bei der Ent-

re Qualitätsniveaus erreicht werden – getreu

der einmal auf der Agritechnica war, tauchte

scheidung für ein Unternehmen in den 1990er

dem Motto des Unternehmensgründers Horst

plötzlich ein älterer Herr mit einem Fotoalbum

Jahren die Aspekte Umweltschutz und Quali-

Mosolf: »Wir wollen nicht die Größten, aber wir

an unserem Stand auf. Stolz öffnete er sein Al-

tätsmanagement eine zunehmend wichtigere

müssen die Besten sein.«

bum und blätterte Seite für Seite mit mir durch.

Rolle. Die Tatsache, dass Mosolf bereits 1994

Ich traute meinen Augen kaum! Ein ganzes

erstmals das Zertifikat nach der europäischen

Album voller Mosolf-Transporter! Wie sich he­

Norm DIN ISO 9001 erhielt, belegt den außerge-

rausstellte, war der Herr ein Rentner aus dem

wöhnlich hohen Qualitätsstandard des Unter-

Schwarzwald, der sich seit über zehn Jahren an

nehmens. Durch die Zertifizierung verpflichtete

die Autobahn stellte, um dort unsere Wagen zu

sich das Unternehmen, fortan sämtliche Ar-

fotografieren. ‚Ich freue mich jedes Mal, wenn

beitsabläufe kontinuierlich zu dokumentieren.

ein Mosolf-Transporter kommt‘, erzählte er be-

Seitdem überprüfen externe Auditoren jährlich

geistert. Ein treuer Mosolf-Fan.«

die Einhaltung der vorgeschriebenen Qualitäts-

28.07.1996

29.07.1996

01.11.1996

In München nimmt das Digitalfernsehen DF1 den Sendebetrieb auf

China verkündet als letzte offizielle Atommacht den Verzicht auf weitere Atomtests

In Deutschland werden die Laden­ öffnungszeiten montags bis freitags auf 6 bis 20 Uhr ausgedehnt

99


AUF‘S WASSER

port dar. Da die Kapazitäten des Daimler-Großauftrags auf Dauer nicht mit einem Schiff be-

100

Seinem Konzept einer integrierten umwelt-

dient werden konnten, haben wir unser Binnen-

freundlichen Logistik folgend unternahm Mosolf

schiffkonzept entsprechend angepasst«, erläu-

1999 einen weiteren Schritt zur Nutzung neuer

tert Dr. Jörg Mosolf. Den Ansprüchen des Unter-

Wege: Das Unternehmen eröffnete am Düssel-

nehmens hinsichtlich modernster Technik ent-

dorfer Hafen, einem wichtigen Umschlagplatz

sprechend, verfügt die »Terra2« über einen inno-

für Autotransporte, ein multimodales Technik-

vativen Hybridantrieb, mit dem Mosolf auch auf

und Logistikcenter, um künftig Fahrzeuge in

dem Wasser wieder um eine Kiellänge voraus ist.

großen Stückzahlen rheinabwärts in die Nord-

Und nicht zuletzt stellte dieser Schritt wieder

seehäfen wie auch von dort nach Übersee ver-

einmal die visionäre Weitsicht des Unterneh-

schiffen zu können. Damit hatte das schwäbi-

mensgründers unter Beweis, wie sich die lang-

sche Familienunternehmen eine ökologisch wie

jährige Mitarbeiterin Rose Nägele erinnert: »Als

ökonomisch vorteilhafte Erweiterung seiner Ka-

ich im Dezember 1978 bei Mosolf anfing, hörte

pazitäten vollzogen. Denn die Nutzung der Bin-

ich kurz darauf von der Idee, ein Schiff zum

nenwasserstraße als Alternative zum Straßen-

Autotransport einzusetzen. Das war ein Traum

transport bedeutete nicht nur eine Reduzierung

von Horst Mosolf. Autos mit dem Schiff trans­

des CO2-Emissionen, sie ermöglichte auch eine

portieren?! Das schien mir damals doch ein

Kostenoptimierung, weil der Wasserweg auch

bisschen weit hergeholt. Aber dann wurde es

an Sonn- und Feiertagen genutzt werden konn-

tatsächlich gemacht! ‚Siehst du‘, sagte ich mir,

te. Für seine Aktivitäten auf dem Wasser hatte

‚wenn man davon überzeugt ist, dass etwas mög­

Mosolf bei der niederländischen Reederei Elbert

das Unternehmen für den Autohersteller im

lich ist, dann schafft man es auch. Man darf nur

das RoRo-Schiff (Roll-on/Roll-off) »Terra« ge­

Düsseldorfer Mercedes-Benz-Werk produzierte

nicht locker lassen, sondern muss beharrlich

chartert, auf dem bis zu 650 Fahrzeuge – etwa

Sprinter nach Rotterdam und Antwerpen beför-

dran bleiben, bis man sein Ziel erreicht hat.‘«

80 Lkw-Ladungen – transportiert werden konn-

derte. Die neue Niederlassung bewährte sich

ten. Außerdem besaß dieser Schiffstyp gegen-

nicht nur, im Jahr 2014 sollte Mosolf seine Flotte

Mit dem Weg auf’s Wasser war die Diversifika­

über klassischen Containerschiffen den Vorteil

aufgrund eines weiteren Daimler-Großauftrags

tion der Transportwege im Hause Mosolf noch

deutlich kürzerer Be- und Entladezeiten. Auch

sogar um ein weiteres RoRo-Schiff erweitern.

nicht beendet. Im neuen Jahrtausend sollte das

an diesem Standort setzten Mosolf und Daimler

»Das Binnenschiff stellt eine effiziente und um-

Unternehmen seinen Blick verstärkt auf einen

ihre jahrzehntelange Kooperation fort, indem

weltschonende Alternative zum Straßentrans-

weiteren Verkehrsträger richten: die Eisenbahn.

05.01.1998

27.10.1998

20.11.1998

Der Star der Automobilschau in Detroit / USA ist der »New Beetle« von Volkswagen, der Nachfolger des VW-Käfers

Gerhard Schröder (SPD) wird Bundeskanzler

Beginn des Aufbaus der ersten Inter­nationalen Raumstation


101

#### ####


Auch auf dem Wasser erfolgreich: Schiffstaufe der »Terra2«, 2014.

102


103


104

#### ####


6 FÜR EINE WELT IN BEWEGUNG MOSOLF OPTIMIERT SEINE INTERNATIONALEN LOGISTIKSTRÖME

105

#### ####


»Das Leben besteht in der Bewegung.« (Aristoteles)

106

Blick auf ein Lebenswerk: 50 Jahre Mosolf, 2005.

01.01.1999

26.03.2000

19.05.2000

Die Europäische Währungsunion tritt in Kraft

Wladimir Putin siegt bei den russischen Präsidentschaftswahlen

Die US-Raumfähre Atlantis nimmt Kurs auf die Inter­na­ tionale Raumstation


VIRTUELLE WELTEN UND REALE RÄUME

Bürgschaften und anderen Maßnahmen, versuchte die Europäische Union, die betroffenen Mitgliedsländer vor der Zahlungsunfähigkeit

Alles ging gut. Das weltweit befürchtete Com-

zu bewahren und finanzielle Stabilität im Eu-

puter-Chaos beim Datumswechsel von der Sil-

ro-Währungsgebiet zu sichern. Gleichzeitig zo-

vesternacht 1999 zu Neujahr 2000 blieb aus.

gen im neuen Jahrtausend immer mehr Staa-

Dennoch begann das neue Jahrtausend ausge-

ten ins europäische Haus ein. Mit der Aufnah-

sprochen turbulent. Zunächst kletterten die

me zehn neuer Länder, überwiegend aus dem

Aktienkurse an den neuen Technologiebörsen

ehemaligen Ostblock, wuchs die Europäische

in schwindelerregende Höhen, um dann ins

Union zunächst auf 25, später auf aktuell 28

Bodenlose zu stürzen. Als die Spekulationsbla-

Mitglieder an. Die Bundesrepublik Deutschland

se im März 2000 platzte, brach die New Eco-

bekam 2005 mit Angela Merkel zum ersten Mal

nomy in vielen Industrieländern zusammen.

in ihrer Geschichte eine Bundeskanzlerin.

Kurze Zeit später ließen die Terroranschläge auf das World Trade Center die Aktien- und Fi-

Durch und durch digital – so zeigt sich das

nanzmärkte erneut einbrechen. Danach platz-

neue Jahrtausend. Egal ob bei der Arbeit oder

te Ende 2007 als Folge globaler Geldspekulatio-

in der Freizeit, Computer sind aus dem tägli-

nen in den USA eine Immobilienblase, woraus

chen Leben nicht mehr wegzudenken. Für viele

sich eine weltweite Banken- und Finanzkrise

Digital Natives, in die digitale Welt hineingebo-

entwickelte. Während der Amtszeit des ersten

rene Kinder, ist der Mausklick inzwischen übli-

afroamerikanischen Präsidenten Barack Oba-

cher als das Schreiben mit der Hand. Auch das

ma kämpften die USA mit der schwersten

Internet spielt im Alltag eine immer wichtigere

Wirtschaftskrise seit 1945. Auch Europas Wirt-

Rolle. 2001 wurde die Online-Enzyklopädie Wi-

schaft war angeschlagen. Bei Anbruch des

kipedia gegründet. Soziale Netzwerke wie Face-

zweiten Jahrzehnts trat im Euroraum eine ver-

book oder Twitter erlangten vor allem bei jun-

schärfte Staatsschuldenkrise auf. Länder wie

gen Leuten rasch große Popularität, ihre Nut-

Griechenland, Italien oder Spanien rangen mit

zer sprengten die Milliardengrenze und ihre

schwerwiegenden Haushaltsdefiziten und ho-

Gründer wurden Milliardäre. 2015 belief sich

her Arbeitslosigkeit. Mit so genannten Ret-

der Umsatz von Facebook auf knapp 18 Milliar-

tungsschirmen, einem Bündel aus Krediten,

den US-Dollar. Allein in Deutschland nutzten

31.05.2000

01.06.2000

In Wolfsburg eröffnet das Volkswagen­werk die »Autostadt«, den weltweit größten Erleb­ nispark zum Thema Mobilität

In Hannover beginnt die EXPO 2000, die erste Weltausstellung in Deutschland, unter dem Motto »Mensch-Natur-Technik«

107


Anfang 2016 rund 27 Millionen Menschen das

Zukunft steht die deutsche Automobilindustrie

Händlern im Nordosten Brasiliens zuständig

soziale Netzwerk. Das Handy verwandelte sich

vor neuen Herausforderungen: Gründete ihr

ist. »Was das Thema Internationalisierung be-

innerhalb weniger Jahre in ein Smartphone mit

Erfolg bisher auf der Technologie der Verbren-

trifft, sind wir schon sehr weit. Es ist Teil unserer

Farbdisplay, Touchscreen – und vor allem Inter-

nungsmotoren, dürfte demnächst die Entwick-

Unternehmenskultur, uns bereits heute mit den

netzugang. Flachbildschirme und DVD-Rekor-

lung von Elektrofahrzeugen an Bedeutung ge-

Themen von morgen zu beschäftigen«, stellt

der hielten Einzug ins Wohnzimmer und das

winnen. Zumindest lautet das ambitionierte Ziel

Dr. Jörg Mosolf fest. »Dadurch, dass wir zunächst

digitale Fernsehzeitalter begann. Mit WLAN,

der deutschen Bundesregierung, dass bis 2020

vieles erprobt haben, waren wir anschließend in

dem drahtlosen lokalen Funk-Netzwerk, hatte

eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen

der Lage, aus den gemachten Erfahrungen ein

das Kabelwirrwarr der vielen elektronischen

Straßen fahren sollen.

klares Konzept für die nächsten Jahre zu ent­

Geräte ein Ende. Immer mehr Menschen sind

108

wickeln.« Zu Brasilien hat das schwäbische Fa-

inzwischen ständig online und wechseln zwi-

Ambitionierte Ziele hatte man sich im Hause

milienunternehmen eine ganz besondere Bezie-

schen virtuellen Welten und realen Räumen

Mosolf schon immer gesetzt. Das neue Jahrtau-

hung, stammt Dr. Mosolfs Frau Cristina doch

hin und her.

send war noch jung, als das Unternehmen für

aus dem größten Land Südamerikas. Wie ihr

sein Engagement wieder einmal ausgezeichnet

Mann hat auch Cristina Mosolf eine Ausbildung

Im realen Raum bewegten sich die Deutschen

wurde: Für die Entwicklung eines Systems zur

zur Speditionskauffrau absolviert. »Dieser Beruf

auch im neuen Jahrtausend am liebsten auf vier

kontinuierlichen Bewertung der Logistikdienst-

ist sehr abwechslungsreich, weil die Logistik ein

Rädern fort. Dabei stieg die Zahl der Pkw auf

leistungen erhielt Mosolf 2001 den ersten Preis

ungemein vielfältiges Gebiet ist«, sagt sie. »Alle

deutschen Straßen von knapp 43 Millionen im

beim European Carrier Award (ECA), den Daim-

Schritte müssen genau geplant und exakt auf­

Jahr 2000 auf gut 45 Millionen zu Beginn des

ler jährlich an seine Partner vergibt.

einander abgestimmt sein, damit die Ware

Jahres 2016. Gemessen am Umsatz ist die Auto-

selbst über große Entfernungen hinweg pünkt-

mobilindustrie nach wie vor der mit Abstand be-

lich beim Kunden eintrifft. Einmal hatte ich die

deutendste Industriezweig des Landes. Deutsch-

BRASILIEN

land ist nach China und den USA der drittgrößte

Gelegenheit, einen unserer Fahrer zu begleiten und so seinen Arbeitsalltag mit allen Anforde-

Pkw-Produzent der Welt mit einer traditionell

2002 unternahm Mosolf einen weiteren wich­

rungen live mitzuerleben. Das war eine sehr in-

starken Exportorientierung. 2012 trug weltweit

tigen Schritt zur Ausweitung seines globalen

teressante Erfahrung. Überhaupt finde ich die

fast jeder fünfte hergestellte Pkw das Marken-

Netzwerks: Um seine internationalen Logistik-

Nähe der Familie zu den Mitarbeitern hier bei

zeichen eines deutschen Herstellers. 2014 wur-

ströme zu optimieren, gründete das Unterneh-

Mosolf sehr schön. Die Familie Mosolf ist trotz

den in den Forschungsabteilungen von Automo-

men im brasilianischen São Paolo die BMS so­-

des Erfolgs bodenständig geblieben und hat ein

bil- und Zulieferindustrie täglich durchschnitt-

wie die Motoliner Amazonas Ltda., die Verteiler-

offenes Ohr für die Belange der Mitarbeiter. Das

lich zehn Patente angemeldet. Mit Blick auf die

zentren betreibt und für die Transporte zu den

ist schon etwas Besonderes.«

13.02.2001

08.05.2001

11.09.2001

Eine Weltraumsonde der NASA landet auf dem 316 Mio. Kilometer entfernten Asteroiden Eros

Der Benzinpreis erreicht Rekordhöhe: 2,23 DM für einen Liter Superbenzin, 1,69 DM für einen Liter Diesel

Ein beispielloser Terrorakt auf das World Trade Center und das Pentagon erschüttert die Welt. Über 3.000 Menschen verlieren ihr Leben


109

International erfolgreich: Die Mosolf-Niederlassung in Brasilien.


Eine Erfolgsgeschichte: 50 Jahre Mosolf

110


111


112


50 JAHRE MOSOLF

mal Revue passieren. Dabei stellte Horst Mosolf

sondern immer von Menschen erbracht wird.

rückblickend fest: »Ein wesentlicher Erfolgsfak-

Kunden fühlen sich einfach wohl mit Menschen,

tor sind unsere Mitarbeiter, denen ich von gan-

die alles tun, um ein Versprechen zu halten.«

2005 war ein ganz besonderer Meilenstein in der

zem Herzen danke. Es war mir immer wichtig,

Dies tat die Familie Mosolf auch an diesem

Geschichte des schwäbischen Familienunter-

den persönlichen Kontakt zu pflegen und eine

Abend, indem sie ihrem Ruf, großzügige Gastge-

nehmens: Mosolf feierte sein 50-jähriges Jubi­

familiäre Atmosphäre zu schaffen.« Und sein

ber zu sein, mit einer gelungenen Mischung aus

läum. Rund 300 Gäste – darunter auch viele Ver-

Sohn, Dr. Jörg Mosolf, bekräftigte mit Blick auf

kulinarischen und künstlerischen Leckerbissen

treter aus Politik und Wirtschaft – folgten der

die Zukunft: »Eine der wichtigsten Säulen für

wieder einmal gerecht wurde.

Einladung der Familie Mosolf zu einem Gala­

den Erfolg des Hauses Mosolf war der Glaube an

abend in der Alten Reithalle des Hotels Maritim.

eine kompromisslose Qualitätsführerschaft. In

Zwei Jahre später wurde Horst Mosolf dann

Im erlesenen Ambiente des Stahl-Glas-Bauwerks

der Zukunft kann man die Dinge immer besser

wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag eine

im Stil der italienischen Renaissance ließen die

machen. Wir wollen für die Automobilindustrie

ganz besondere Ehre zuteil: Für seine heraus­

Festredner die durch Qualitätsdenken, Fleiß, Zu-

der beste Dienstleistungspartner in Europa sein.

ragenden Verdienste um das Land und seine

verlässigkeit und Innovationsfreude geprägte

Dabei waren wir bei Mosolf schon immer der

Menschen überreichte ihm Dr. Hans Freuden-

Erfolgsgeschichte des Unternehmens noch ein-

Auffassung, dass Dienstleistung nie anonym ist,

berg, Ministerialdirektor im Wirtschaftsminis­ terium, am 3. September 2007 das Bundes­ verdienstkreuz (Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland). Dabei hob Dr. Freudenberg auch das besondere Engagement des Unternehmens in der brandenburgischen Heimat von Horst Mosolf hervor: »Sie haben damit im besten Sinne ‚Aufbauarbeit‘ geleistet und in vorbildlicher Weise ein Signal gesetzt, dass die Schaffung einheit­ licher Lebensverhältnisse in Deutschland nicht ausschließlich eine staatliche Aufgabe sein kann und darf.«

Ehrung für herausragende Leistungen: Horst Mosolf erhält das Bundesverdienst­ kreuz, 2007. ####

22.11.2005

####

Angela Merkel (CDU) wird erste Bundeskanzlerin der BRD.

113


TRANSPORT PER SCHIENE

Wolfgang Göbel, Geschäftsführer und Chief Sales Officer der Mosolf-Gruppe. »Mit einer eigenen Waggonflotte können wir die Transportvolu-

114

Auto und Eisenbahn? In den Köpfen so mancher

men nicht nur besser steuern, wir können unse-

Logistikunternehmer passen diese beiden Trans-

ren Kunden auch eine optimale Transportkette

portmittel bis heute nicht zusammen. Nicht so

anbieten.« Um einen störungsfreien Schienen-

im Hause Mosolf: Mit dem Ziel, ein schlagkräf­

transport der Fahrzeuge zu garantieren, über-

tiges multimodales Gesamtangebot zu schaffen,

nimmt MAR sogar die Instandhaltung und regel-

beschloss das Unternehmen, seine Bahnaktivitä-

mäßige Inspektion der Waggons. »Somit können

ten auszuweiten und künftig in Eigenregie auch

wir unseren Kunden stets hochwertige und zu-

Transporte per Schiene durchzuführen. Zu die-

verlässige Dienstleistungen anbieten. Darüber

sem Zweck wurde 2007 eine eigene Gesellschaft,

hinaus sind wir in der Lage, Verbesserungsmög-

die MAR (Mosolf Automotive Railway), gegrün-

Jahren Verkehre von der Straße auf die Schiene.

lichkeiten an den Wagen in kürzester Zeit um-

det. Die Doppelstockwagen des Unternehmens

Nun zeigen wir erneut, wie die Schiene durch in-

setzen«, erläutert Göbel. Auf der Straße, auf dem

sind auf den Transport von Pkw und Nutzfahr-

telligente Prozesse wettbewerbsfähiger gemacht

Wasser und per Schiene – mit seiner zukunftso-

zeugen ausgelegt. Dabei fasst ein Ganzzug mit

wird. Denn letztlich sorgen Qualität, Preis und

rientierten Diversifikation der Transportwege,

20 Waggons bis zu 320 Automobile. Die Waggons

Zeit dafür, dass sich das umweltfreundliche Ver-

die in ein ressourceneffizientes und nachhalti-

werden im gesamten europäischen Verkehrsnetz

kehrsmittel Bahn gegen andere Verkehrsträger

ges Gesamtkonzept eingebettet ist, ist das Un-

der Mosolf-Gruppe eingesetzt, das seine Gren-

durchsetzt. Wirtschaftlicher Erfolg hilft hier der

ternehmen bestens für den globalisierten Wett-

zen nur in Ländern mit abweichender Spurweite

Umwelt und sichert die Arbeitsplätze aller Betei-

bewerb gewappnet.

wie etwa Spanien findet. Vor allem in Osteuropa

ligten«, stellte Dr. Jörg Mosolf anlässlich des Be-

ist Mosolf für viele Automobilhersteller in gro-

ginns der Zusammenarbeit fest.

ßem Umfang mit der Bahn tätig. So transpor-

Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends klang im Hause Mosolf wieder mit einer Aus-

tiert beispielsweise die PKP Cargo, das größte

2015 ergänzte das Unternehmen seine Waggon-

zeichnung aus: 2010 wurde das Unternehmen

polnische Eisenbahnverkehrsunternehmen, seit

flotte um 100 offene Spezialwagen, wodurch der

von Daimler zum Gewinner des European

2011 im Auftrag von Mosolf rund sechs Ganzzü-

Wagenpark der MAR inzwischen rund 500 Dop-

Carrier Award in der Kategorie Pkw gekürt. Da-

ge pro Woche auf der rund 400 Kilometer langen

pelstockwaggons umfasst. »Da wir im Schienen-

mit war es dem Familienunternehmen inner-

Strecke zwischen dem Fiat-Produktionsstandort

verkehr weiteres Potential sehen, wollen wir in

halb nur eines Jahrzehnt gelungen, diesen re-

in Tychy bei Kattowitz und dem brandenburgi-

den kommenden Jahren unseren unterneh-

nommierten Preis nach 2001, 2003, 2006 und

schen Wustermark. »Wir bringen schon seit

menseigenen Wagenpark noch erweitern«, sagt

2007 bereits zum fünften Mal zu gewinnen.

18.01.2007

01.05.2008

20.01.2009

Das Orkantief Kyrill rast mit Spitzen­g eschwindigkeiten von 220 km/h über Europa

In China wird die mit 36 Kilometern längste Seebrücke der Welt zwischen Shanghai und Ningbo eröffnet

Barack Obama wird der erste afro­amerikanische Präsident der USA


E-MOBILITÄT

Unternehmensgründer Horst Mosolf widerfuhr

auf eine Zeitreise zu den wichtigsten Etappen

mit 86 Jahren eine ganz besondere Auszeich-

der Unternehmensgeschichte begaben. Dabei

Dass Ökologie und Ökonomie im 21. Jahrhun-

nung für eine Partnerschaft, die bereits über

flossen – wie es zum Hause Mosolf passt – auch

dert zwei eng miteinander verknüpfte Themen

ein halbes Jahrhundert äußert erfolgreich ge-

die Stimmen langjähriger Führungskräfte und

sein werden, hatte man im Hause Mosolf

lebt wird: Er erhielt beim Daimler European

Fahrer der »ersten Stunde« mit ein. Darüber

schon frühzeitig erkannt – und entsprechend

Carrier Award im Dezember 2014 den Sonder-

hinaus erhielten die Mitarbeiter pünktlich zum

gehandelt. Durch die Erweiterung seines Leis-

preis für sein Lebenswerk. »Ich bin sehr stolz,

alljährlichen großen Sommerfest des Unterneh-

tungsportfolios auf die Anforderungen der

diesen Preis zu erhalten. Daimler als Kunde

mens eine Jubiläums-Mitarbeiterzeitschrift. Und

Elektromobilität erschloss sich das Unterneh-

und Mercedes-Benz als Marke haben mich in

nicht zuletzt ging das Unternehmen auch noch

men gezielt einen neuen Wachstumsmarkt.

all den Jahren eng begleitet und liegen mir be-

mit einem neuen Webauftritt an den Start. Auch

Neben der notwendigen technischen Ausstat-

sonders am Herzen«, erklärte Horst Mosolf.

bei diesem Medium folgte Mosolf seiner konse-

tung waren dafür auch umfangreiche Mitar­

Fast könnte man sagen, im Hause Mosolf reih-

quenten Kundenorientierung: Durch ein respon-

beiterschulungen notwendig, um ein Team von

te sich ein Grund zu feiern an den nächsten,

sives Webdesign werden die Inhalte nicht nur

Spezialisten für den Umrüstungsprozess der

denn schon im März 2015 stand erneut ein

auf dem PC, sondern auch auf anderen Geräten

Fahrzeuge zu qualifizieren. Diese überzeugten

großes Ereignis an: das 60-jährige Unterneh-

wie einem Smartphone oder einem Tablet opti-

mit ihrem Know-how beispielsweise 2011 beim

mensjubiläum.

mal dargestellt. Und ein auf das Wesentliche

Umbau von 200 fabrikneuen Fiat 500 zu Elek­

fokussiertes Konzept ermöglicht dem Nutzer,

trofahrzeugen für die Firma Karabag. Ein Jahr

sich rasch zu orientieren und für jedes Thema

später wurde diese Zukunftstechnologie dann auch im hauseigenen Fuhrpark erprobt. »Wir

60 JAHRE MOSOLF

einen Ansprechpartner zu finden – ein wichtiges Plus in der zunehmend unüberschaubaren Welt

beschäftigen uns intensiv mit Mobilitätskon-

des Internets.

zepten und entsprechend maßgeschneiderten

Mit vielen verschiedenen Aktivitäten beging die

Technik- und Logistikleistungen. Wenn wir

Familie Mosolf diesen Jahrestag, der in unseren

Zurzeit hat das Unternehmen einen Beirat, der

aber nachhaltig an solchen Wachstumsmärk-

wirtschaftlich unsicheren Zeiten, in denen nicht

sich aus Dr. Walter Jaeger, Vorsitzender (oben),

ten partizipieren wollen, müssen wir selbstver-

wenige Unternehmen schon ein paar Jahre nach

Dr. Martin Sorg (Mitte) und Prof. Dr. Michael

ständlich auch Erfahrungen im eigenen Haus

der Gründung wieder vom Markt verschwunden

Wackenhuth (unten) zusammensetzt.

sammeln. Außerdem setzen wir mit der Elek­

sind, wahrlich ein Anlass zur Freude und zum

trifizierung eines Teils unseres Fuhrparks ein

Stolz auf die Beständigkeit des Erfolgs ist. So

starkes Zeichen für den Umweltschutz«, erläu-

entstand etwa eigens zum Jubiläum ein Film, in

tert Dr. Jörg Mosolf.

dem sich Horst und Dr. Jörg Mosolf gemeinsam

03.03.2010

11.03.2011

30.06.2011

Griechenlandkrise: Die EU beschließt, Griechenland mit Krediten der EU und des Internationalen Währungsfonds zu unterstützen

Nuklearkatastrophe von Fukushima

Deutschland beschließt als erste Industrienation den Atomausstieg bis 2022

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Mit ungebrochenem Elan stellte der 87-jährige

Obwohl die Arbeit sein Leben war, war Horst

hin zum umweltgerechten Recycling abzude­-

Unternehmensgründer Horst Mosolf anlässlich

Mosolf doch auch durch und durch Familien-

ck­en. Doch in einer durch raschen Wandel ge-

des Jubiläums fest: »Ich habe noch Ideen für

mensch. »Die Familie kam bei ihm immer an

prägten Welt darf sich auch ein Marktführer

20 Jahre! Leider werde ich sie nicht mehr alle

erster Stelle«, sagt seine langjährige Sekretärin

keine Pause gönnen. Vielmehr gilt es, sich in be-

umsetzen können. Aber die Arbeit macht mir

Hilde Sigel. »Wenn ich einmal während der Ar-

währter Mosolf-Tradition mit Mut und Markt-

nach wie vor großen Spaß.« Horst Mosolf und

beitszeit eine dringende familiäre Angelegenheit

verständnis heute schon mit den Themen von

Ruhestand – das passte einfach nicht zueinan-

zu erledigen hatte, hieß es sofort: ‚Gehen Sie!

morgen aus­einanderzusetzen – und zwar aus

der. Doch auch im Jubiläumsjahr sollten Freud

Die Familie hat Priorität!‘ Horst Mosolf war wirk-

der Perspek­tive des Kunden: »Als Dienstleister

und Leid in dem schwäbischen Familienunter-

lich eine beeindruckende Persönlichkeit. Mit sei-

entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden

nehmen nah beieinander liegen: Am 14. August

nem Tod ist eine Ära zu Ende gegangen.«

Vorstellungen über den Markt von morgen, um

2015 verstarb der Vollblutunternehmer, der mit

116

auf dieser Basis zukunftsträchtige Konzepte er-

seinem Lebenswerk auch ein Stück deutscher

Doch die Spuren, die Horst Mosolf hinterlässt,

stellen zu können. Dabei ist es nicht unsere Art,

Nachkriegsgeschichte geschrieben hat. »Horst

reichen weit über sein Unternehmen hinaus. So

alles nur abzunicken. Die Zusammenarbeit mit

Mosolf war seiner Zeit – und auch seiner Kon-

wurde Horst Mosolf posthum 2016 als »Pionier

Mosolf ist für unsere Kunden auch herausfor-

kurrenz – stets weit voraus«, erinnert sich Peter

der Fahrzeuglogistik« in die »Logistics Hall of

dernd. Doch genau das erwarten sie von uns!

Brunner, langjähriger Leiter der Finanzabteilung.

Fame» gewählt, zu deren Mitgliedern auch Gott-

Letztlich muss die Arbeit mit Mosolf für die

»Kaum hatte er eine Idee umgesetzt, beschäf­

lieb Daimler gehört.

Kunden wertvoll sein. Und Spaß machen soll

tigte er sich schon wieder mit der nächsten.«

sie natürlich auch!« erläutert Dr. Jörg Mosolf. Im Sinne ihres Vaters führen Jörg und Peter Mosolf das Familiennehmen fort. Heutzutage ist

Wer Mosolf kennt, hat keinen Zweifel daran,

die Marke Mosolf fest in den Köpfen von Auto-

dass das Familienunternehmen auch in der

mobilherstellern, Produzenten von Land- und

Zukunft an seinem Wertesystem aus absoluter

Baumaschinen wie auch Autovermiet- und Flot-

Zuverlässigkeit, höchster Qualität und ausge-

tenunternehmen verankert. Mit seinem vielfäl­

prägter Innovationsfreudigkeit festhalten und

tigen Leistungsspektrum ist der schwäbische

gleichzeitig offen und neugierig mit neuen He­

Systemdienstleister mit internationalem Netz-

rausforderungen umgehen wird. Denn wie heißt

werk in der Lage, die gesamte technisch-logisti-

es so treffend: »Alle Dinge sind bereit, wenn das

sche Kette von der Produktion eines Fahrzeugs

Denken für sie bereit ist.«

und seiner kundenspezifischen Individualisierung über die Auslieferung an den Handel bis Horst Mosolf: »Wenn man im Leben eine Vision hat, nach der man strebt, dann ist dies auch die Motivation, sie mit allen Kräften zu verwirklichen.«

06.08.2012

13.07.2014

23.06.2016

Der NASA-Roboter Curiosity landet auf dem Mars

Die deutsche Fußballnationalmannschaft besiegt im Endspiel Argentinien mit 1:0 und wird zum vierten Mal Weltmeister

In einem Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU entscheiden sich 51,9 Prozent der Briten für ein Ausscheiden


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Mosolf macht's möglich: die Mitarbeiter

Kirchheim unter Teck

Düsseldorf

Etzin

Emden

Germersheim

Glauchau

Gößnitz

Hambach

Illingen

118


Kippenheim

Rackwitz

Saarlouis

119

รœberherrn

Wolfsburg

Brasilien

Mszczonรณw / Polen

Tschechien

Zeebrugge


IMPRESSUM HERAUSGEBER Horst Mosolf GmbH & Co. KG, Internationale Spedition, Kirchheim unter Teck PROJEKTKOORDINATION Monika Hommel KONZEPTION, RECHERCHE, TEXT UND REDAKTION Dr. Elke Jahnke, LEBENSLINIEN, Stuttgart GRAFISCHE GESTALTUNG UND SATZ Jutta Herden, Design, Concepts, Art, Stuttgart BILDREDAKTION Dr. Elke Jahnke, LEBENSLINIEN, Stuttgart

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BILDNACHWEISE S. 15: Bertha Benz und Ehemann Carl Benz © Wikimedia Commons; Seite 16: Potsdamer Platz © ullstein bild – Imagno; Autoindustrie © ullstein bild - ullstein bild; S. 18, 19: Markus Hennen, Archiv Bruckbauer & Hennen GmbH; S. 23: Lette-Verein © timeline classics/Timeline Images; S. 24: Brandenburger Tor © leicar6/Timeline Images; S. 25: Berlin, Kurfürstendamm © Suedberlin/Timeline Images; Berlin, Jazzlokal Badewanne © Suedberlin/Timeline Images; S. 29: Berlin, VW Käfer © Juergen/ Timeline Images; Ludwig Erhard © Bundesarchiv, Adrian, Doris; S. 43: Berlin, Verkehr © Juergen/Timeline Images; S. 59: Brandenburger Tor © Bundesregierung, Lehnartz, Klaus; Chip © MEV; Computer © Shutterstock, Fer Gregory; S. 85: Navigationsgerät © Bäckersjunge – Fotolia; Euro © Claudio Divizia – Fotolia; S. 105 rechtes Foto, S. 106: Benno Leinen; S. 107: Digitale Welt © Victoria – Fotolia; Digitale Welt © sdecoret – Fotolia; S. 110, 111, 112: Benno Leinen. Alle übrigen Abbildungen: Horst Mosolf GmbH & Co. KG. DRUCK Offizin Scheufele Druck und Medien GmbH & Co. KG, Stuttgart


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ÜBER JAHRE AUTOMOBILLOGISTIK MOSOLF 121


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Über 60 Jahre Automobillogistik MOSOLF  

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