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No. 4 2011

oktober 2011 11. Jg. Issn 1860-2827

Digitale selbstvermarktung f端r Journalisten ein Praxisbericht f端r einsteiger "Innovation Journalism ist die Politikberichterstattung der Zukunft" interview mit David nordfors

Crossmedial in die Zukunft? Auswirkungen der digitalen entwicklungen auf den Journalismus

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02 inHALT Fachjournalist No .4 2011

mailchimp

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Twitter

„innOVATiOn JOUrnALism isT Die POLiTikbericHTersTATTUnG Der ZUkUnfT“ Andreas Schümchen, Jennifer Schwanenberg und Katharina Seuser im Gespräch mit David Nordfors 09

DiGiTALe seLbsTVermArkTUnG für JOUrnALisTen Ein Praxisbericht für Einsteiger Moritz "Mo." Sauer

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onlInEJournalIsmus Grundlagen digitaler selbstvermarktung

flickr

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PODcAsT Der unterschätzte Social-Media-Kanal Brigitte Hagedorn

crOssmeDiAL in Die ZUkUnfT? Auswirkungen der digitalen Entwicklungen auf den Journalismus Eva Hakes

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fUssbALL­rePOrTerinnen Hohe Akzeptanz bei niedrigen Bekanntheitswerten Michael Schaffrath

WordPress

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brennPUnkT DOPinG Worauf es beim investigativen TV-Sportjournalismus ankommt Christoph G. Grimmer

onlInEJournalIsmus Podcasts: Wie es geht und was es bringt

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fAcHJOUrnALismUs im GesPräcH Siegfried Quandt im Gespräch mit Wolfgang Maaß, Geschäftsführer des Hessischen Zeitungsverleger-Verbandes

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DfJV inTern

27 sPortJournalIsmus Zur Akzeptanz von fußball-kommentatorinnen

20 onlInEJournalIsmus Zukunft crossmedia-Journalismus?

02 inHALT 03 eDiTOriAL 35 imPressUm

EDITORIAL 03 Fachjournalist No .4 2011

Liebe Leserin, liebeR Leser, in den 1970er-Jahren moderierte mit CARMEN THOMAS erstmals eine Frau "das aktuelle sportstudio". Und darüber wurde nicht nur in der Medienbranche vielfach debattiert. Inzwischen sind Frauen in der ehemaligen Männerdomäne „Sportjournalismus“ keine Seltenheit mehr. Ob ULRIKE VON DER GROEBEN, KRISTIN OTTO oder KATRIN MÜLLER-HOHENSTEIN – es gibt sie, die festen weiblichen Größen in der Sportbe-

richterstattung. Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland war Anlass genug, eine letzte von Männern beherrschte Sportjournalismus-Bastion zu erobern: CLAUDIA NEUMANN kommentierte als erste Frau überhaupt ein Fußball-Weltmeisterschafts-Spiel

im deutschen Fernsehen. Auf welche Akzeptanz dies gestoßen ist, wurde in einer unter der Leitung von Prof. Dr. MICHAEL SCHAFFRATH an der TECHNISCHEN UNIVERSITÄT MÜNCHEN durchgeführten Umfrage untersucht (Seite 27).

Der Begriff „Crossmedia“ ist mittlerweile fester Bestandteil im journalistischen Sprachgebrauch und Alltagsgeschäft. Distributionskanäle greifen immer stärker ineinander: technisch, produktiv, ökonomisch, inhaltlich und funktional. Neue Kanäle sind zu integrieren. Dies verlangt nach innovativen Darstellungsformen. Die Anforderungen an Journalisten, die sich hier profilieren wollen, wandeln sich. Welches Potenzial hat Crossmedia? Welche Möglichkeiten eröffnen sich für Journalisten? Wie erlangt man das notwendige Know-how? Antworten von EVA HAKES und erfolgreichen CrossmediaJournalisten lesen Sie ab Seite 20. Nicht nur die Frage, wie sich journalistische Darstellungsformen ändern, ist von zentraler Bedeutung, sondern auch, wie Journalismus in Zukunft finanziert werden kann. Am 25. Oktober 2011 widmet sich der DFJV mit seinem neuen Veranstaltungsformat dfjv:konnekt dem Thema „Crowdfunding – Finanzierungsmodell für freie Journalisten und Fotografen (-netzwerke)?“. Crowdfunding, die Finanzierung kreativer Projekte durch eine Vielzahl interessierter Einzelpersonen, dürfte für viele Journalisten noch Neuland sein. SEBASTIAN DRESEL, Beauftragter für Kultur- und Kreativwirtschaft in Mannheim, prognostizierte im April dieses Jahres: „Wir befinden uns mit dem Thema Crowdfunding hinsichtlich der Wahrnehmung dort, wo Social Networks 2007 waren.“ Wie genau Crowdfunding funktioniert und ob dieses Konzept tatsächlich eine Finanzierungsmöglichkeit für freie Journalisten und Fotojournalisten sein kann, möchten wir zusammen mit Ihnen diskutieren. Die Veranstaltung wird live im Internet gestreamt, mehr dazu ab Seite 34. Eine lohnende Lektüre wünscht Ihnen IHR LARS VON HUGO (Chefredakteur)

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„Innovation Journalism ist die Politikbericht­ erstattung der Zukunft“ Andreas Schümchen, Jennifer Schwanenberg und Katharina Seuser im Gespräch mit David Nordfors, Mitbegründer und Direktor des Centers for Innovation and Communication an der kalifornischen Stanford-Universität

Foto: Jennifer Schwanenberg

Der schwedische Wissenschaftler DAVID NORDFORS hat das Konzept des

„Innovation Journalism“ an der Universität Stanford entwickelt. Seine Idee: Innovationen verändern die Gesellschaft und Journalisten haben großen Anteil daran, ob Innovationen erfolgreich sind. Herr NORDFORS, welche gute Innovation-JournalismStory haben Sie zuletzt gelesen? Da war eine sehr gute über die Sony-Hacker-Attacke: Jemand ist in das Sony-Netzwerk eingedrungen und hat die persönlichen Daten von 75 Millionen Menschen gestohlen. Das war etwas Großes für die Gesellschaft. Ich poste Geschichten, die ich mag, in der Regel in sozialen Netzwerken. Eine andere Story, an die ich mich erinnere: Venture Beat1 hat eine Geschichte über die Tötung von Osama bin Laden gemacht. Darin wurden all die Technologien erklärt, die während der Operation genutzt wurden. Das eröffnete eine komplett neue Sicht darauf, wie solche Operationen funktionieren. Können Sie uns erklären, was Innovation Journalism für Sie bedeutet? Am Beispiel der genannten Artikel sehen Sie schon, dass Politik und Technik zusammenwirken. Guter Innovation Journalism bildet ab, wie Innovationen entstehen, wer daran beteiligt ist und wie die Rahmenbedingungen sind. Es gibt sehr einfache Regeln dafür. Sie müssen vier Fragen mit Ja beantworten können: 1) Gibt es einen Technologie-Trend? 2) Gibt es einen Wirtschaftstrend?

DAVID NORDFORS: „Es ist nicht einfach, zu verstehen und in einer Geschichte zusam­menzubringen, wie sich Technik, Wirtschaft und Politik gegenseitig beeinflussen.“

3)  Gibt es einen politischen oder gesellschaftlichen Trend? 4) Gibt es eine Interaktion zwischen diesen dreien? Wenn eine Geschichte alle vier Kriterien erfüllt, ist es Innovation Journalism. Natürlich kann man auch andere Arten von Geschichten über Innovationen schreiben. Es hört sich leicht an, das ist es aber nicht. Wenn ich mit Journalisten zusammensitze und wir versuchen, Geschichten zu entwickeln, oder wenn wir fertige Storys lesen und uns fragen, warum etwas Innovation Journalism ist, kann ich eines ganz klar feststellen: Ein Journalist, der sonst beispielsweise über Politik schreibt, wird einen Politiktrend in den Mittelpunkt stellen, der mit einer technischen Entwicklung verbunden ist. Dabei wird er aber höchstens den Namen der Technologie oder einen Unternehmensnamen, aber nicht den eigentlichen Trend nennen. Es ist nicht einfach, zu verstehen und in einer Geschichte zusammenzubringen, wie sich Technik, Wirtschaft und Politik gegenseitig beeinflussen.

»„Die Macht verschiebt sich von den Parlamenten in die Vorstandsetagen.“« Welchen Nutzen besitzt Innovation Journalism für die Gesellschaft? Einen großen! Innovation Journalism ist die Politik-

Innovation Journalism 05 Fachjournalist No .4 2011

berichterstattung der Zukunft. So bedeutend wie Politikberichterstattung bis jetzt war, so wichtig wird Innovation Journalism in der Zukunft sein. Ich erkläre Ihnen, warum: Wenn Sie sich unser Leben ansehen – wie anders wird mein Leben in zwei bis drei Jahren sein? Gehen wir zurück in die 1980er- oder 1970erJahre: Da wurde diese Frage maßgeblich von der Politik beantwortet. Veränderungen in der Gesellschaft wurden von der Politik angestoßen. Es gab zwar auch technische Innovationen, aber nicht in einem solchen Tempo.

und Bildung. Derzeit sind das alles unterschiedliche Geschichten. Verschiedene Journalisten schreiben über diese Sachen, aber sie verbinden sie nicht miteinander. Für die Gesellschaft müssen sie aber in Beziehung zueinander gesetzt werden. Die Gesellschaft betreffen alle diese Dinge. ( →Abb. 1) Wie muss sich denn der Journalismus in der Innovationsgesellschaft verändern? Ich kann Ihnen den Unterschied zwischen der „Immer-Gleich“- und der Innovationsgesellschaft auch anders erklären: Redaktionen funktionieren parallel und vertikal in Ressorts. Die Produktion eines Mediums verläuft ebenso vertikal wie Ministerien funktionieren. Dadurch verlaufen auch die Machtstrukturen derzeit vertikal. Aber in der Innovationsgesellschaft liegt das Potenzial im Horizontalen, nämlich in der Verbindung der einzelnen Stränge. Und es ist schwierig, über die Dinge im Horizontalen zu reden, wenn Politik und Journalismus vertikal funktionieren und parallel aneinander vorbeilaufen.

Heute wird die Veränderung in meinem Leben von Technikinnovationen beeinflusst. Nehmen Sie Apples iPhone. Das nächste Modell wird Features haben, die es vorher nicht gab, die mein Leben aber mehr beeinflussen werden als die meisten politischen Entscheidungen in der Zeit zwischen den iPhone-Modellen. Die Macht verschiebt sich von den Parlamenten in die Vorstandsetagen von Unternehmen. Ist es ein Vorteil für Technologieunternehmen, schon während des Innovationsprozesses kritisch von Journalisten beobachtet zu werden?

Und wie schafft man es dann, die Dinge zusammenzubringen?

Eine gute Innovationsgesellschaft, die eine funktionierende Wirtschaft und gute Jobs bietet, benötigt eine Kombination aus gut funktionierender Industrie, guter Politik und guter Bildung. Die Zukunft der Musikbranche liegt in der Hand der Musikindustrie; die Zukunft der Privatsphäre wird von der Industrie beeinflusst, weil die Politiker nicht verstehen, was passiert. Die Politiker laufen weg, sie sind kein Teil des Entscheidungsprozesses. Eine solche Gesellschaft ist aber nicht wettbewerbsfähig: Die Industrie braucht gute Politik, um wettbewerbsfähig zu sein. Guter Innovation Journalism ist darum gut für jeden – und für wettbewerbsfähige Demokratien in der Zukunft ist er absolut notwendig. Wir sehen es am Beispiel der Wirt­­schaft: Früher waren Strategien für Wirtschaftswachstum immer gleich. Man hat versucht, sich an „best practices“ zu orientieren. Diese „Immer-Gleich“-Wirtschaft funktionierte nach bestimmten Regeln. In der Innovationswirtschaft schaffen wir nicht mehr Werte, indem wir das immer Gleiche tun, sondern indem wir Neuheiten implementieren. Die Macht liegt in der disruptiven Innovation. Das ist heute die treibende Kraft in unserem Leben. Wir müssen Technik, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vernetzen, wir brauchen Regeln, Innovation

Wir brauchen Geschichten, die jeder versteht, die hori­ zontal verlaufen und die Zusammenhänge aufzeigen. Die vertikalen Geschichten müssen in horizontalen Geschichten aufgefangen werden, dann helfen wir ihnen, sich weiterzuentwickeln. Wenn Innovation Journalism sein Mandat vom Publikum hat und nicht von den Unternehmen – wie die Public Relations –, dann wird er zur politischen Macht und wird am Agenda

Innovation Journalism Mit einer Innovation entsteht ein neuartiger Nutzen für den Markt. Dieses Neue muss, um erfolgreich zu werden, einen Namen haben und die potenziellen Kunden müssen eine Vorstellung vom Nutzen bekommen. DAVID NORDFORS Ansatz ist es, diesen Prozess durch „Innovation Journalism“ zu unterstützen. Der zentrale Gedanke dabei ist, die Geschichte der jeweiligen Innovation zu erzählen. Der „Innovation Journalist“ soll aber kein Erklärstück zu einer Novität verfassen, sondern den Innovationsprozess als Ganzes, mit allen beteiligten Faktoren und Menschen sowie allen Chancen und Risiken. Das kann nur horizontal, über die traditionellen Ressorts hinweg, geschehen, da einzelne Ressorts stets nur Fragmente des Prozesses beschreiben.

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06 Innovation Journalism Fachjournalist No .4 2011

Setting teilhaben. So kann er auch den gewählten Politikern einen Impuls geben, um zu zeigen, wie das Horizontale funktioniert. Und er wird die Gesellschaft anregen, selbst innovativ zu sein und Neues zu tun. Heute machen Politiker das nicht, weil sie keine einfachen Geschichten haben, auf denen sie aufbauen könnten. Und selbst wenn sie solche hätten, gäbe es kein Publikum, um sie zu diskutieren. Es gibt kein Publikum, weil Journalisten die Diskussion nicht ankurbeln. Das bedeutet, dass Innovationen in der Politik in erster Linie durch Lobbyarbeit entstehen. Heute gibt es viel mehr Lobbyarbeit als gesellschaftliche Diskussion. Gibt es andere Felder für Innovationen als Technologie und Politik? Innovation ist überall. Innovation ist die Einführung von neuen Werten; Werten, die vorher nicht existierten. Innovation ist eine Änderung des Verhaltens, ein neues Verhalten. Innovation ist die Einführung einer neuen Geschichte, also etwas Narratives. Aber sind diese Geschichten wirklich wichtig für Innovationen? Oder für die Gesellschaft? In den 80ern dachten wir, technische Entwicklungen seien Innovationen. Wenn wir die Innovation unter-

»„Innovation ist die Einführung von neuen Werten, die vorher nicht existierten.“« stützen wollten, steckten wir Geld in die Technikentwicklung. Heute reden wir mehr über Innovationen und erkennen, dass es eher um ein Geschäftsmodell geht. Wenn die Gesellschaft heute Innovationen unterstützen will, gibt die Politik das Geld an Technologieinkubatoren, die Unternehmen für neue Technologien gründen. Aber heutzutage findet so viel Innovation statt , dass es nicht mehr reicht, eine Technologie und ein Geschäftsmodell zu haben: Man braucht eine Geschichte, die die Menschen interessiert und die von ihnen verstanden und eingeordnet wird. In der Wirtschaftssprache würde man „Marketing“ dazu sagen. Jede Innovation braucht einen Namen, damit man sie benennen kann, und sie braucht eine Geschichte, damit man sie einordnen kann. Für Journalisten ist es gar nicht so einfach, eine Geschichte zu schreiben, die noch nie da war – das wäre auch eine Innovation. Und jede Innovation ist eine Geschichte. Dass die Journalisten sich damit so schwer tun, ist meiner Meinung nach ein Problem für die Innovationen. Sie sehen Journalisten als Teil der Innovation. Wie können Journalisten objektiv und unparteiisch in ihrer Berichterstattung bleiben? Auf der einen Seite stehen Unternehmen, auf der anderen die Gesellschaft und

ABB.1: INNOVATION JOURNALISM

Feuilleton

Gesellschaft

Wirtschaft

Politik

Wissenschaft

Vertikale Ressorts

INNOVATION IN NO

VA

TI

Vgl. Nordfors, David (2009): Innovation Journalism, Attention Work and the Innovation Economy

Horizontales Thema

ON

Veröffentlichte Fragmente

Innovation Journalism 07 Fachjournalist No .4 2011

die Politik – der Journalist steht dazwischen. Wie kann er seinen Job gut machen? Der Journalist sollte loyal zu seinem Publikum stehen und in dessen Interesse handeln. Heute haben wir kaum noch Objektivität im Journalismus. Der Präsident der USA entscheidet selbst, mit welchen Journalisten er reden möchte, Steve Jobs entscheidet selbst, mit welchen Journalisten er reden möchte – und seien wir ehrlich: Es werden nicht diejenigen eingeladen, die negativ berichtet haben. Meine Empfehlung ist, sich abzugucken, wie Journalisten in der Politikberichterstattung heute schon arbeiten. Denn dort existiert das Problem bereits. Sie sollten niemals versuchen, die Interessen ihres Publikums zu verraten, um an eine Nachricht zu kommen.

»„Ein richtiger Innovation Journalist sieht […], dass eine Innovation die Gesellschaft beeinflusst.“« Denken Sie, dass Innovation Journalism eine neue Fachjournalistik ist und Journalisten sich damit identifizieren? Oder ist es vielmehr eine akademische Bezeichnung, die bei der Analyse hilft?

Ein richtiger Innovation Journalist sieht sein Themengebiet aber als eigene Sparte, und er sieht sich selbst nicht als Technikjournalist, Wirtschaftsjournalist oder Politikjournalist. Er sieht, dass eine Innovation die Gesellschaft beeinflusst und nimmt die verschiedenen Komponenten in seine Geschichte hinein – eine Geschichte über den Wandel, darüber also, wie neue Verhaltensweisen in der Gesellschaft angenommen werden.

Ja, das denke ich. Sagen wir so: Da sind drei Ebenen des Journalismus: Zum einen der vertikale Journalismus, der nur über ein bestimmtes Ressort berichtet. An­ ge­ nommen, Sie sind Politikberichterstatter. Sie schreiben über ein politisches Ereignis und darin kommt Facebook vor. Sie verwenden nur den Namen „Face­book“ und sagen nichts zur Technologie, denn Sie wissen nichts darüber – es ist nicht ihre Sparte. Sie berichten über nichts, was nicht in ihr Ressort fällt. Stufe 2 ist Innovation Journalism als Denkweise: Sie berichten über Politik, erlauben aber, dass auch andere Dinge vorkommen. Wenn Sie also eine Politikgeschichte haben, die etwas mit Technik oder Wirtschaft zu tun hat, erklären Sie diese Dinge, auch wenn der Fokus auf Politik bleibt. Das ist angewandter Innovation Journalism als Denkweise in der Politikberichterstattung. Stufe 3 ist dann ein eigenständiges horizontales Ressort. Sie sagen nicht mehr, dass Sie Politikberichterstatter sind. Sie sehen eine große Veränderung und erkennen beispielsweise, dass die Politik an dieser Stelle gar nicht so wichtig ist. Darum erklären Sie mehr zur Technik und zur Wirtschaft. Ein anderes Mal ist die Technologie nicht so wichtig, sondern vielmehr die neue, interessante Nutzungsart.

Foto: Jennifer Schwanenberg

Innovation Journalism kann für einen Journalisten zwei Dinge darstellen: eine Denkweise oder eine Sparte. Als Sparte ist es horizontal. Es ist nicht Technik oder Politik oder Wirtschaft, sondern Technik und Politik und Wirtschaft. Es kann aber auch eine Denkweise für, beispielsweise, einen Wirtschaftsjournalisten sein: Er berichtet über Wirtschaft. Wenn er aber etwas mehr Technik und Politik in seine Berichterstattung hineinbringt, kann seine Wirtschaftsgeschichte auch etwas über Innovationen erzählen.

Was verstehen Sie unter der Denkweise? Denken Sie, ein Politikjournalist oder Technikjournalist kann durch diese Denkweise seine Arbeit verbessern?

Wallenberg Hall an der Stanford University: Sitz des Center for Innovation and Communication

08 Innovation Journalism Fachjournalist No .4 2011

Ich sehe derzeit eine Entwicklung im Journalismus zu Stufe 2, aber ich denke, dass es irgendwann auch zu Stufe 3 kommen wird. Auch andere Arbeitsweisen begünstigen den Schritt zu Stufe 3, zur ganz und gar horizontalen Stufe; zum Beispiel mehr im Team zu arbeiten und so die Kompetenzen, die eine Geschichte braucht, besser zusammenzubringen. Es ist trotzdem auch für einen Journalisten machbar, über das System Innovation zu berichten und alle Einflüsse zu berücksichtigen: Sie suchen sich etwas, von dem Sie bereits viel wissen. Wenn Sie an Musik interessiert sind, lernen Sie etwas über Copyright, über die Technologien und die Stakeholder und wie sie Einfluss nehmen. Das funktioniert bereits. Wenn Sie sich für Social Media interessieren, müssen sie etwas über arabische Regierungen lernen. Der traditionelle Technikjournalist würde nichts über den arabischen Frühling schreiben. Er würde schreiben, dass Facebook eine neue Art „Like-Button“ geschaffen hat, der etwas Neues verursacht.

Endnoten: 1 http://venturebeat.com/2011/05/06/osama-bin-ladens-death-reveals-the-valueof-state-of-the-art-technology/.

DAVID NORDFORS ist Mitbegründer und Direktor des

­Centers for Innovation and Communication an der­ kalifornischen Stanford-Universität. Er ist ursprüng­ lich Physiker und wurde bei Nobelpreisgewinner Kai Siegbahn an der Universität Uppsala in Quanten­­physik promoviert. Nordfors entwickelte das Konzept des Innovation Journalism im Jahr 2003.

Der Autor Prof. Dr. Andreas Schümchen ist seit 2000

Professor für Journalistik im Studiengang Technikjournalismus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin. Er ist unter anderem zusammen mit dem Deutschen-Fachjournalisten-Verband Herausgeber des

Sie promoten Innovation Journalism in Stanford seit 2004 mit ihrem Innovation-Journalism-Programm im Stanford Center for Innovation and Communication. Können Sie uns das Programm erklären?

Fachbuchs „Technikjournalismus“.

Die Autorin Diplom-Journalistin (FH) Jennifer Schwa­

Wir arbeiten mit Praktikern und Akademikern. Wir arbeiten mit Journalisten aus der ganzen Welt und Redaktionen hier im Silicon Valley sowie den gesamten USA zusammen. Journalisten, die daran interessiert sind, wie über Innovation berichtet wird, können zu uns kommen. Wir stellen ihnen vor, was Innovation für uns hier in Stanford bedeutet. Dann schicken wir sie in Redaktionen, in denen sie praktisch über Innovation berichten. Einmal im Jahr haben wir dann eine gemeinsame Konferenz hier.

nenberg ist Absolventin des Studiengangs Technikjour-

nalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Seit ihrem Abschluss 2009 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Die Autorin Prof. Dr. KATHARINA SEUSER ist seit 2009

Professorin für Journalistik und Medienproduktion im

Zum anderen kommen Wissenschaftler aus der ganzen Welt hierher, um über Innovation Journalism zu forschen. Was ist Innovation Journalism, wie funktioniert Innovation Journalism im System der Innovationen? Im Stanford Center for Innovation and Communication sehen wir uns beide Seiten an: Journalismus und Kommunikation. Sie sind beide Stakeholder im Innovationssystem. Die Interaktion der beiden ist entscheidend, wenn es darum geht, Geschichten über Innovationen zu entwickeln. Herr Nordfors, vielen Dank für das Interview. //

Studiengang Technikjournalismus der Hochschule BonnRhein-Sieg in Sankt Augustin.

onlinejournalismus 09 Fachjournalist No .4 2011

Digitale Selbstvermarktung für Journalisten ein Praxisbericht für Einsteiger Twitter

Mailchimp

von Moritz „mo.“ Sauer

YouTube Flickr

Das Internet ist ein großer Schaukasten. Jeder kann im Netz seine „Produkte“ und sein Know-how darstellen. Oftmals kostet die Nutzung der bestehenden Präsentationsflächen nichts außer Zeit und Engagement, zudem sind diese meist in bereits vorhandene und gewachsene Strukturen eingebettet. Mit dem nötigen Wissen, Strategie und Mut baut man sich auch im Internet ein hilfreiches Netzwerk auf, das einen mit Kollegen, Rezipienten und (potenziellen) Kunden verbindet.

WordPress

Dieser Praxisbericht will Ihnen dafür einige Tipps an die Hand geben. Journalisten liegen die Grundlagen der Selbstvermarktung im Blut. Es ist ihr Job, Inhalte aufzubrechen, verständlich zu erklären, einzuordnen und in Form zu bringen, also fach-, medien- und zielgruppengerecht aufzubereiten und anzubieten. Aus der Recherche ergeben sich dabei oft interessante „Nebenprodukte“ der journalistischen Arbeit, die keinen Eingang in das finale Werk finden. Nicht selten liegt der Grund hierfür nicht in der Belanglosigkeit der Informationen. Vielmehr fehlt entweder der Platz, das Material lässt sich nicht schlüssig einfügen oder spannt ein eigenes Thema auf, welches eine intensivere Auseinandersetzung erfordern würde.

Das ärgert den Journalisten, denn sicherlich hätte der Leser, Zuschauer oder -hörer gerne auch diesen Teil der Geschichte erfahren. Auch Fotos, Zitate, Filmaus­ schnitte der Interviewmitschnitte bieten oftmals Anknüp­ fungspunkte für „eigene“ Veröffentlichungen ( →Abb. 1). An diesem Punkt nutzen im Social Web aktive Journalisten das eigene Blog, Twitter, den eigenen Podcast oder YOUTUBE für eine Veröffentlichung. Bevor Sie aber Inhalte über Kanäle wie diese publizieren, lohnt es sich, zunächst grundlegende Fragen zu klären. Denn mit einer eigenen Marketingstrategie erzielen Sie einen ungemein stärkeren und nachhaltigeren Effekt.

10 OnlineJournalismus Fachjournalist No .4 2011

ABB.1: Dienste und Netzwerke für die digitale Selbstvermarktung Typ

Kurznachrichten

Artikel

Newsletter

Bilder

Bilder

Audio

Video

Präsentationen

Dienst

Twitter

WordPress

Mailchimp

WordPress

Flickr

Soundcloud

YouTube /

Slideshare

Blog

Fotoblog

Vimeo Video

Folien

Text

Text

Fotos

Fotos

Audio-

Fotos

Fotos

Illustrationen

Illustrationen

beiträge

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Illustra­tionen

Illustrationen

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Grafiken

Musik

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Grafiken

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1-10 Nachrichten

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1 Newsletter

1-20 Fotos

1-20 Fotos

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1-5 Videos

1-5 Präsentatio-

veröffent­lichten

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Experimente

Experimente

Portfolio

Netzwerk

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Recherche

Informationen

Erläuterung: Die Sternchenanzahl gibt die Eignung des jeweiligen Dienstes nach Einschätzung des Autors an (*** = besonders geeignet).

Branding & Corporate Identity: der Journalist als Marke Um sich clever und nachhaltig zu vermarkten – und das gilt nicht nur für das Internet – sollten Sie sich zuallererst grundlegende Gedanken zum eigenen Leistungsportfolio sowie zur eigenen Markenidentität machen. Erst danach sind Entscheidungen über die richtige Vermarktungsstrategie und die Wahl der richtigen Kanäle zu treffen. Für Journalisten sind unter anderem folgende Fragen relevant:

• Was sind meine Kernthemen? • Welche Zielgruppe visiere ich an? • Wo möchte ich meine Inhalte veröffentlichen? • Wie lauten meine Hauptschlagworte, die mein „Produkt“ und mich beschreiben?

Wenn Sie mithilfe dieser Fragen die eigene Marke entwickeln, hat dies gleich mehrere positive Effekte. Auf diese Weise verfügen Sie selbst über eine klare Vorstellung ihres Angebots. Dies wiederum hat zur Folge, dass Ihr Profil auch für andere klar erkennbar wird, beispielsweise für (potenzielle) Kunden. Und das unterstützt Ihre Positionierung im Markt.

Mit der Beantwortung der Fragen ergeben sich die ersten Grundlagen (Anhaltspunkte, Hinweise) für Ihre „Corporate Identity“. Diese CI beschreibt dabei Ihre individuelle Identität, Ihr Auftreten sowie die Charakteristika Ihres „Unternehmens“, das „Corporate Design“ (CD) - als Teil Ihrer CI – stellt Ihr Erscheinungsbild dar. Die CI setzt sich in der Regel aus folgenden wesentlichen Kernelementen zusammen:

• Kurzbeschreibung; • Slogan; • Schlagworte; • Farben; • Schriftart (Typografie); • Logo; • Sound (-signatur).

Insbesondere ein festgelegtes Farbschema und eine konsequent genutzte Schriftart unterstützen ihre individuelle Identität und erzeugen ein einheitliches Bild.

Der digitale Werkzeugkasten Haben Sie die Pfeiler Ihrer eigenen Marke definiert und Entschlüsse zum Design gefasst, erstellen Sie als nächstes einen Ordner „Digitaler Werkzeugkasten“. In diesem

onlinejournalismus 11 Fachjournalist No .4 2011

Ordner legen Sie, in Unterordnern sortiert, die „Bestandteile“ ihrer Marke ab, um Sie jederzeit griffbereit zu haben. In den digitalen Werkzeugkasten gehören eine Kurzbeschreibung mit maximal 160 Zeichen, eine längere Beschreibung mit etwa 500 Zeichen sowie eine ausführliche Beschreibung. Darüber hinaus Schlagworte zu Ihren Kernthemen, die Schrift (-familie), die Farben in Form von Farbwerten für die Wiederwendung auf Websites, ein Logo, Organisatorisches wie Kontoverbindungen, etc. und … … Fotos! Fotos gehören zu den wichtigsten Werkzeugen für die Selbstvermarktung. Portraitfotos brauchen Sie im Web immer und immer wieder: Ob als kleines Avatarbildchen bei TWITTER, XING oder für die „Über mich“-Webseite des eigenen Blogs. Schnappen Sie sich einen netten Menschen, der Sie fotografiert. Lassen Sie zahlreiche Fotos schießen –  am besten mit wenigen Details im Hintergrund –  und suchen Sie anschließend fünf gelungene

heraus. Diese Fotos benötigen Sie in Zukunft nicht nur für das Web. Sie werden froh sein, wenn ein gelungenes Bild auch Ihren Artikel ziert, wie beispielsweise hier im Fachjournalist. Neben den Bestandteilen Ihrer Marke empfehle ich, in einem separaten Ordner Ihre fertigen Produktionen, die Kontaktdatenbank und Sicherheitskopien abzuspeichern.

Zeitaufwand versus Nutzen Journalisten arbeiten sowohl in als auch für verschiedene Institutionen sowie mit verschiedenen Formaten. Dazu gehören Texte, Bilder, Audio, Videos und Präsentationen. Bei diesen unterschiedlichen Darstellungsformen bieten sich verschiedene Kanäle und Techniken für die Verbreitung im Internet an. Eine der wichtigsten Fragen auf der Suche nach dem effektivsten Marketingkanal lautet dabei: Wie viel Zeit wollen und können Sie für die Selbstvermarktung „opfern“? Gleichzeitig stellt sich die nächste Frage: Welcher Informationskanal eignet sich für

Quelle: http://www.facebook.com/mrcsbsch

ABB.2: Der Journalist Marcus Bösch verknüpft auf seiner FACEBOOK-Fanseite zahlreiche Webservices

12 onlinejournalismus Fachjournalist No .4 2011

die eigene Selbstvermarktung? Nutzen Sie besser TWITTER, ein Blog, Podcasting oder vielleicht FACEBOOK? Oder eine Kombination?

ABB.3: ÜBER EINEN EMBEDDED CODE FREI IMPLEMENTIERBAR: DER FACHJOURNALIST AUF ISSUU.COM

Richtwerte zu Aufwand und Einsatzzweck relevanter Dienste im Internet finden Sie in der Tabelle „Dienste & Netzwerke zur digitalen Selbstvermarktung“ (→Abb. 1). Jeder Kanal hat seine Vor- und Nachteile bzw. erfordert unterschiedlichen Zeitaufwand. So ist beispielsweise TWITTER unter anderem so beliebt, weil dieser Kanal nicht unbedingt viel Zeit pro Tag erfordert. Ein Blog benötigt dagegen mehr Pflege, bietet aber auch größere Nachhaltigkeit. Zudem kommt es bei der Wahl des geeigneten Informationskanals auch auf die Intention an. Während der Upload von Präsentationen zu Vorträgen oder Schulungen die eigene Quelle: http://www.issuu.com/fachjournalist/docs/fj_juli_2011_gesamtausgabe Expertise unterstreicht, darf in einem Blog oder auf der Website der Foto-Community gerne kasten haben Sie schnell zum Beispiel einen TWITTERauch experimentiert werden. Je nachdem, wie offen Sie Kanal für sich „gebrandet“. Ihre Kanäle gestalten, können auch Diskussionen über die Kommentarfunktion entstehen. Dieser Rückkanal Embedding: Inhalte auf Reisen kann wertvolle Dialoge initiieren und ist zudem ein nicht zu unterschätzendes Werkzeug für die Recherche. Das Internet hat die Medienindustrie in den letzten Jahren auf den Kopf gestellt. Mit der exponentiell wachsenden Die verschiedenen Werkzeuge unterstützen Sie je nach Digitalisierung von Informationen und der immer schnelWahl mal mehr, mal weniger bei der Vernetzung. Wäh- ler werdenden Datenautobahn lösen sich die Inhalte konrend ein Newsletter-Werkzeug sich beispielsweise hervor- tinuierlich von festen Datenträgern. Zunehmend ordern ragend für Abonnements und die Verbreitung gebündelter wir Informationen aus der Datenwolke, Stichwort „Cloud Informationen eignet, bietet es im Unterschied zu Blogs Computing“. Von welchem Rechner etwa das gerade lauund TWITTER kaum Möglichkeiten der direkten Vernet- fende YOUTUBE-Video stammt, ist egal. Wichtig ist, dass zung. es sowohl auf dem iPad als auch auf dem Mobiltelefon flüssig läuft. So entsteht eine „Multi-Content-Welt“ mit einem „Multi-Channeling-Management“. Inhalte empfängt Die Profileinstellungen der Rezipient nicht an einem Ort, sondern dort, wo er Haben Sie sich für einen oder mehrere Dienste entschie- will: auf dem Tablet, Mobiltelefon, auf FACEBOOK oder den, widmen Sie sich als Allererstes den Einstellungen TWITTER, im RSS-Reader oder auf dem eigenen Fernseher des Profils samt visuellem Erscheinungsbild. Mithilfe des mit WLAN-Anschluss. Erscheinungsbildes heben Sie sich von anderen Profilen ab und unterstützen das eigene Branding. An dieser Stelle Um auf so vielen Plattformen wie möglich präsent zu sein, kommt der eigene digitale Werkzeugkasten voll zum Tra- sollten Sie spezialisierte Dienste nutzen. Ein wichtiges gen. Denn die Webdienste bieten in der Regel grundlegen- Merkmal dieser Dienste ist, dass Sie die Inhalte auf andede Gestaltungsmöglichkeiten an. Dazu gehören oftmals ren Plattformen und Websites einbauen können: das sogeName, Kurzbeschreibung, Schlagworte, Farben, Slogan, nannte „embedden“. So erlaubt beispielsweise der Dienst Avatarbild, Hintergrundbild sowie ein Verweis auf die ei- von Slideshare (http://www.slideshare.net/), dass Sie gene Website. Mit den Bausteinen aus Ihrem Werkzeug- hochgeladene Präsentationen nicht nur auf der eigenen

OnLineJOUrnALismUs 13 Fachjournalist No .4 2011

Website einbauen, sondern dort auch direkt als Download anbieten können. Gleichzeitig stellt SLIDESHARE sicher, dass Ihre Präsentationen auch auf anderen Geräten verfügbar sind. Wenn Sie einen Dienst auswählen, achten Sie darauf, dass dieser auch von anderen Plattformen unterstützt wird. So können etwa Audiodateien von SOUNDcLOUD (http://soundcloud.com/) direkt auf WORDPRESS.cOM und auf FAcEBOOK eingebaut werden. Nutzer hören so Ihren Beitrag direkt auf der jeweiligen Plattform.

eine WebsiTe ALs eiGenes HAUPTqUArTier Ganz gleich, welche Dienste Sie nutzen, eines sollten Sie immer besitzen: eine eigene Internetseite mit einer Adresse, die Ihnen gehört. Im Vergleich zu fremden Plattformen sind Sie so nicht an deren Geschäftsbedingungen gebunden. Obendrein können selbst riesige Plattformen wie MYSPAcE (http://de.myspace.com/) nach ein paar Jahren wieder samt ihrer Profile in der Belanglosigkeit versinken.

ein eigenes Blog zu betreiben. Mit nur wenigen Klicks sichern Sie sich heute eine eigene Domain samt installiertem Blog. Der kommerzielle Anbieter WORDPRESS.cOM bietet bspw. neben kostenlosen Internetadressen im Stile von http://ihrname.wordpress.com gegen einen geringen Aufpreis die Sicherung der eigenen .net-, .org- oder .comAdresse (z.  B. http://ihrname.com) an. Der Anbieter übernimmt zudem die Wartung Ihres Blogs. Dieser wird automatisch mit neuen Funktionen freigeschaltet, etwa einer Website-Version für mobile Endgeräte, Sicherungsdateien werden automatisch angelegt.

aBB.4: Die neWsLeTTer­sTATisTiken VOn mAiLcHimP HeLfen bei Der eVALUie­ rUnG Des eiGenen mArkeTinGs.

Konzentrieren Sie sich also darauf, dass die eigene Website immer der Dreh- und Angelpunkt Ihres Handelns ist. Das wirkt professionell und unabhängig. Externe Inhalte „embedden“ Sie einfach. Für den Betrieb einer eigenen Website empfehle ich das frei verfügbare Blog-System WORDPRESS. gehört heutzutage zu den weltweit am weitesten verbreiteten Redaktionssystemen. Ursprünglich als reines Blog-System konzipiert, nutzen heute Internetmagazine, Lehreinrichtungen oder auch Firmen das wendige content Management System (cMS) für die eigene dynamische Internetpräsenz. Schließlich darf sich jeder den Quellcode des Systems kostenlos herunterladen und auf einer eigenen Domain unentgeltlich installieren und nutzen. Man muss weder ein Internetspezialist, noch ein Webdesigner sein, um

Quelle: www.mailchimp.com

WORDPRESS

14 onlinejournalismus Fachjournalist No .4 2011

Wer bereits eine eigene Domain besitzt, kann diese per Domain Mapping gegen geringe Gebühren auf ein WordPress-Blog umleiten. Dafür sind jedoch ein wenig technisches Geschick und ein Webhoster nötig, der Domain Mapping ermöglicht. Einen nicht unerheblichen Nachteil hat jedoch auch eine Installation über WordPress.com: Sie müssen die Geschäftsbedingungen der Betreiber akzeptieren und dürfen zum Beispiel in der kostenlosen Version keine eigene Werbung auf Ihrem Blog implementieren. Sie haben jedoch jederzeit die Möglichkeit, sämtliche Artikel zu exportieren und auf eine eigene, nicht über Wordpress. com durchgeführte Installation der OpenSource-Software umzusteigen. Denn das Redaktionssystem WordPress darf frei heruntergeladen und genutzt werden, auch für kommerzielle Zwecke.

Pieppiep, ich mach auch mit!

Ein empfehlenswertes Programm ist Mailchimp (http://mailchimp.com). Es muss nicht installiert werden, sondern wird über den Browser gesteuert. Wie die meisten anderen Webdienste bietet auch Mailchimp ein attraktives kostenloses Einsteigerangebot an. Die Verwaltung von bis zu 2.000 Abonnenten und der Versand von 12.000 E-Mails pro Monat sind kostenlos. Das Unternehmen stockte diese Zahlen in den letzten Jahren kontinuierlich auf. Mailchimp ist damit ein mächtiges Werkzeug, über

das Sie Newsletter im Browser zusammenklicken und versenden können. Zwar erfordert die Anwendung ein wenig Einarbeitungszeit, doch zu sämtlichen Funktionen bietet Mailchimp kurze Video- und ausführliche PDF-Anleitungen. Zudem müssen Sie auch kein Designer sein, um gut aussehende Newsletter zu verschicken. Der Newsletter-Spezialist bietet Ihnen eine große Auswahl an vorgefertigten Layouts, die in jedem E-Mail-Programm gut aussehen.

TWITTER gehört unter Medienmachern zu den beliebtes-

ten Werkzeugen, da es Marketing, Netzworking und Recherche hervorragend verbindet. Einerseits erlaubt TWITTER die schnelle und unkomplizierte Konversation mit Kollegen und Lesern, andererseits können Sie hiermit ein eigenes Netzwerk aufbauen, das Sie mit relevanten Informationen versorgt.

Über ein HTML-Formular, das Sie auf Ihrer oder einer anderen Website einbauen können, erfassen Sie neue EMail-Adressen; alternativ können Sie diese manuell in das System eingeben. Die Verwaltung der Abonnenten steuert das Newsletter-Redaktionssystem somit auf Wunsch automatisch.

TWITTER eignet sich exzellent, um Nachrichten abzuset-

Mailchimp liefert zahlreiche Statistiken und beantwortet unter anderem Fragen wie: Wie viele Abonnenten lesen meinen Newsletter wirklich? Wer genau öffnet den Newsletter? Welche Links klicken meine Empfänger an? Welche meiner Themen erhalten die meisten Klicks? (→Abb. 4)

zen. Der Zeitaufwand ist minimal. Der Nachteil liegt auf der Hand: Bei derzeit 350 Milliarden TWITTER-Nachrichten täg­lich verschwinden Ihre Kurznachrichten schnell im reißenden Nachrichtenstrom. Nachrichten werden nur dann vor dem Untergehen gerettet, wenn Ihre Leser die Nachrichten „weiterzwitschern“ und diese so am Leben erhalten. TWITTER kann ungemeine Schneeballeffekte auslösen,

abhängig davon, wie wichtig und interessant die Informationen sind. Die Selbstvermarktung mittels TWITTER funktioniert nur bei reger und aktiver Nutzung. Erst der konstante Strom hinterlässt Wirkung und hilft Ihnen, neue Abonnenten zu gewinnen.

E-Mail-Marketing mit MAILCHIMP Newsletter gibt es, seit es das E-Mail-Format gibt. Newsletter werden zwar regelmäßig verschickt, doch im hektischen Web 2.0-Zeitalter bilden sie eher einen Ruhepol. Ein wesentlicher Pluspunkt von Newslettern ist, dass Sie als Versender heute präzise erfahren können, wer wann wo Ihren Newsletter öffnet, welche Inhalte angeklickt und welche Informationen ignoriert werden.

Der einzige Wermutstropfen bei Mailchimp: Sämtliche Anleitungen finden sich nur in englischer Sprache. Wen das nicht stört, der kann auf das zurzeit professionellste kostenlose Newsletter-Werkzeug zurückgreifen.

Video: Der lizenzfreie Privatsender Video gehört zu den großen anhaltenden Webtrends. Das Potenzial wird sich in den kommenden Jahren dank immer schnellerer Datenleitungen noch weiter steigern. 2015 sollen laut Cisco Systems, dem weltweit führenden Unternehmen für Netzwerktechnologie, 90  Prozent des IP-(Internet)-Verkehrs normaler Konsumenten aus Videos bestehen.1 Gerade beginnt auch YOUTUE (http://www.youtube.com) mit Live Streamings, nachdem bereits seit geraumer Zeit Plattformen wie JUSTIN.TV, USTREAM.TV oder

onlinejournalismus 15 Fachjournalist No .4 2011

Livestream.com diesen Service anbieten. Was liegt also näher, als Videos für die Selbstvermarktung zu nutzen? Schließlich erreichen Sie Konsumenten so überall, da Videoplattformen den Einbau von Videos auf Blogs und sozialen Plattformen erlauben und tatkräftig unterstützen. Die Kosten für das Streaming übernehmen die Plattformen gleich mit. So senden Sie nach einer fünfminütigen Registrierung bereits live oder laden Ihre eigenen Produktionen auf eine der zahlreichen Videoplattformen hoch. Die Inhalte müssen nicht auf Hochglanz poliert werden, wichtiger sind Authentizität und die Information selbst. Journalisten empfehle ich YOUTUBE und Vimeo. Während kein anderer Dienst an die technischen Qualitäten von YOUTUBE und die mögliche Masse an Konsumenten heranreicht, hat sich Vimeo auf kreative Videos zwischen Dokumentationen, Interviews und Kurzfilmen spezialisiert. Die Nutzerschar ist lange nicht so groß, wie auf YOUTUBE – dafür aber spezialisierter.

– für verschiedene Plattformen aufbereitet. Zusätzlich versieht Slideshare die Präsentationen – und auch alle anderen möglichen PDF-Daten – mit Funktionen zum Teilen in sozialen Netzwerken. So präsentieren Sie optimal eigene Powerpoint- oder Keynote-Präsentationen online.

Soundcloud: Audiobeiträge aus der Wolke

Machen Sie sich mit den Funktionen der verschiedenen Dienste vertraut und experimentieren Sie. Sie werden Neues lernen, neue Wege entdecken und neue „Kunden“ oder „Mitstreiter“ finden. Denn eines ist gewiss: Dialoge bringen neue Erkenntnisse und Möglichkeiten und nicht

Wenn Sie Audiobeiträge im Internet veröffentlichen oder vielleicht sogar einen eigenen Podcast starten wollen, ist Soundcloud (http://www.soundcloud.com) das Werkzeug der Wahl. Der Service hat sich auf den Vertrieb und die Übertragung von Audio spezialisiert. Neben zahlreichen verschiedenen Audioplayern, die auf sämtlichen relevanten Plattformen laufen, ermöglicht Soundcloud das Kommentieren von Audiodateien. Registrierte Soundcloud-Nutzer können exakt den Zeitpunkt in einer Audiodatei markieren, zu dem sie einen Kommentar schreiben wollen. Auch hier können Sie anderen Nutzern folgen, mit ihnen kommunizieren und netzwerken. Soundcloud unterstützt die Funktionalität mit hilfreichen Anleitungen und erweitert konstant die Möglichkeiten, Audio auszustrahlen.

Und jetzt!?! Die Möglichkeiten der Selbstvermarktung im Internet überfordern einen zu Anfang oft. Doch Journalisten produzieren von Hause aus Inhalte, die man verlinken kann und womöglich in seinen eigenen Kanälen digital zweitverwerten darf. Außerdem fallen bei der Produktion der eigenen Werke oft interessante „Nebenprodukte“ und „Schnipsel“ an, die Impuls für weitere Veröffentlichungen sein können. Darum: Trauen Sie sich! Öffnen Sie einen ersten Kanal für die Selbstvermarktung und erweitern Sie Ihr Netzwerk.

zuletzt oft auch einen neuen Auftrag. //

Endnoten: 1 http://www.cisco.com/en/US/solutions/collateral/ns341/ns525/ns537/ ns705/ns827/white_paper_c11-481360_ns827_Networking_Solutions_White_ Paper.html.

Der Autor Moritz „mo.“ Sauer ist Journalist, Dozent, Buch-

autor und Webdesigner. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Internet, Kommunikation, (Online-) Journalismus, Marketing, Musik und Netzkultur. Als Buchautor blickt er auf drei erfolgreiche Buchtitel zurück,

Präsentieren mit Slidehare

die im Computerbuchverlag O’Reilly erschienen: „Websites für Musiker, DJs und Netlabels“, „Weblogs, Podcasting

Der Fachjournalist macht es vor: Alle seit dem Re­ launch des Magazins im Juli 2010 erschienenen Aus­ gaben können Sie nicht nur als gedrucktes Maga­ zin, sondern auch im Browser, auf dem Tablet oder auf mo­ bilen Geräten lesen. Und dies nicht nur als PDF ( →Abb. 3). Möglich macht das der Dienst issuu (http://www.issuu.com/). Ein vergleichbarer Anbieter ist Slideshare (http://www.slideshare.net/). Während issuu sich auf das Format Magazin konzentriert, stehen bei Slideshare Präsentationen im Vordergrund. Präsentationen werden als PDF-Datei hochgeladen, vom System konvertiert und – wie bei anderen Diensten auch

& Online-Journalismus“ und die mittlerweile zweite Auflage von „Blogs, Video & Online-Journalismus“. Als Webdesigner und Herausgeber veröffentlicht „mo.“ das deutschsprachige Musik- und Netzkultur-Magazin Phlow (http://www.phlow.de).

16 onlinejournalismus Fachjournalist No .4 2011

Podcast der unterschätzte Social-Media-Kanal von Brigitte Hagedorn

Twitter, Facebook und

Blogs sind in aller Munde – und Podcasts? Ein Podcast ist mehr als nur eine Audio- oder Videodatei im Internet. Nur leider wissen dies die Wenigsten. Wie Sie Podcasts zu interessanten Themen finden, diese abonnieren und welche Potenziale der Kanal für die eigene journalistische Arbeit und das eigene Profil bietet, zeigt der folgende Beitrag. Auf dem Laufenden bleiben – Podcasts abonnieren Jeder Podcast ist mit einem sogenannten RSS-Feed verbunden. Diese Technologie macht es möglich, einen Podcast zu abonnieren. Wie bei einem Zeitungsabonnement bekommen Sie regelmäßig die aktuelle Ausgabe geliefert, Sie bleiben auf dem Laufenden und können den Podcast zeit- und ortsunabhängig nutzen. Podcasts landen jedoch nicht in Ihrem Briefkasten, sondern auf Ihrem Endgerät und sind in der Regel kostenlos. Das ist der besondere Vorteil eines Podcasts auf Nutzerseite. Die Macher, also die Podcaster, nutzen dieses Medium, um auf sich aufmerksam zu machen, um ihr Know-how zu teilen und um ihre Zielgruppe persönlich anzusprechen – um mitzureden auf dem großen Marktplatz im Internet.

Podcasts suchen und finden Interessante Podcasts findet man am einfachsten in den Podcast-Verzeichnissen. Hier sollte jeder Podcast angemeldet und nach Kategorien oder Stichworten eingeordnet sein.

Podcast.de1 ist ein großes deutschsprachiges Verzeich-

nis, in dem Sie mehr als 1,7 Millionen Dateien zum Herunterladen, online Abspielen und Abonnieren finden. Alternativen zu Podcast.de sind beispielsweise podster. de2, phonostar.de3 oder der iTunes-Store4. Selbstverständlich können Sie bei der Suche nach einem Podcast auch eine Suchmaschine Ihrer Wahl bemühen, die Suche in einem Podcast-Verzeichnis bringt Sie allerdings schneller ans Ziel. Bei podcast.de haben Sie auf der Startseite unter „Entdecken“ die Möglichkeit, eine Suche nach unterschiedlichen Suchkriterien (Kategorien, Stichworte oder Charts) durchzuführen. Unter anderem finden sich in dieser Liste auch Episoden des Fachjournalist-Podcasts5, einem Projekt des DFJV zur Förderung junger Journalisten, die sich mit dem Thema beschäftigen. Übrigens können Sie in dieser und in anderen Listendarstellungen eine Vorauswahl treffen, ob Sie einen Audio- oder Video-Podcast suchen.

onlinejournalismus 17 Fachjournalist No .4 2011

Wenn Sie auf den Titel einer Episode klicken, gelangen Sie auf die eigentliche Seite des Angebotes. Auf dieser können Sie den Podcast auch abonnieren, exportieren und weiterempfehlen – alles mit wenigen Klicks (→Abb. 1).

ABB.2: BROWSER KOMFORTABEL EINSTELLEN. AM BEISPIEL FIRERFOX.

ABB.1: DER FACHJOURNALIST-PODCAST AUF PODCAST.de

Sie anhand eines kleinen Buttons, dass eine Podcast-Episode heruntergeladen wird (→Abb. 3). Quelle: http://www.podcast.de/podcast/10406/Fachjournalist-Podcast

Podcasts abonnieren und komfortabel verwalten mit iTunes Damit das Abonnieren und Verwalten Ihrer Podcasts nicht komplizierter wird, als eine Zeitschrift zu abonnieren, nutzen Sie am besten einen Podcatcher. Juice6 und gPodder7 sind nur zwei einer ganzen Reihe kostenloser Angebote. Komfortabel ist iTunes, das unter Windows und auch unter Mac OS läuft. 1. Laden Sie zuerst iTunes von www.apple.com8 herunter und installieren Sie es auf Ihrem Rechner. 2. Prüfen Sie anschließend noch die Einstellungen in Ihrem Browser. Unter Windows finden Sie diese beispielsweise im Firefox unter Extras, auf einem MACINTOSH unter Firefox. Unter Anwendungen wählen Sie Podcast aus, in der rechten Spalte iTunes verwenden (→Abb. 2). Wird iTunes hier nicht angegeben, wählen Sie unter Andere Anwendung iTunes aus. 3. Gehen Sie nun auf die Seite eines Podcasters, zum Beispiel auf den Blog vom Fachjournalist-Podcast9. Hier haben Sie in der rechten Spalte die Möglichkeit, den Podcast zu abonnieren. In ähnlicher Form ist diese Option auf anderen Podcast-Seiten ausgewiesen. Wenn Ihr Browser richtig eingestellt ist, öffnet sich jetzt direkt iTunes und der Podcast wird „abonniert“. In der Mediathek von iTunes und auch in der Übersicht sehen

Das funktioniert so nicht? Dann gibt es eine zweite Möglichkeit, einen Podcast mit iTunes zu abonnieren: Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf den RSSButton auf dem Podcast-Blog; wählen Sie Linkadresse kopieren. Öffnen Sie iTunes und gehen Sie in der Menüleiste unter Erweitert auf Podcast abonnieren. Es ��ffnet sich ein Feld, in das Sie den Podcast-Feed kopieren. Jetzt noch auf OK klicken und der Podcast ist abonniert (→Abb. 4). Wann immer Sie nun iTunes öffnen, wird automatisch geprüft, ob es neue Episoden gibt, und diese werden dann ABB.3: Aktuelle Podcast-Episoden werden in iTunes geladen

18 onlinejournalismus Fachjournalist No .4 2011

gelmäßig über und aus der Wunderbaren Welt der

ABB.4: Podcast manuell in iTunes abonnieren

Wissenschaft11, Arvid Leyh sendet Auf der Frequenz von Geist und Gehirn. Seinen Braincast

fand man lange auf seinem eigenen Blog12, mittlerweile podcastet er unter dem Dach von Scilogs13, einem BlogPortal der Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft.

Podcast in Zahlen

heruntergeladen. Jetzt verpassen Sie keine neue Folge mehr. Außerdem können Sie Ihre Podcasts auch dann hören, wenn Sie nicht online sind: Besitzen Sie einen MP3Player, dann kopieren Sie die Episoden dorthin – so sind Sie sogar unabhängig von Ihrem PC.

Was gibt‘s zu hören und zu sehen? podcast.de verzeichnet etwa 9.500 Podcasts. Eine große

Anzahl entfällt dabei auf Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Eine Vielzahl an Hörfunksendungen wird mit einem gewissen zeitlichen Abstand als Podcast angeboten. Fernsehsendungen, wie etwa Quarks & Co. oder die Tagesschau werden ebenfalls für den zeit- und ortsunabhängigen Konsum bereitgestellt. Mit dem Podcast Sozusagen! – Bemerkungen zur deutschen Sprache von Bayern 2 können Sie Ihr Deutsch von "Worthülsen" und "Sprechblasen" befreien oder mit 6 Minute English von der BBC Ihr Englisch auf­frischen. Verlage bieten Sprach­kurse an, Universitäten ganze Vorlesungen und Berater, Trainer und Coaches präsentieren regelmäßig ihr Know-how als Podcast. Die Hörer können so ihre Motivation stärken oder ihr Zeitmanagement verbessern. Eine Reihe von Podcasts dieser Art finden sich auf dem Portal Das Abenteuer Leben10. Und auch Journalisten podcasten: Thomas Wanhoff berichtet reABB.5: Podcast IN ZAHLEN

Abruf von Audiodateien insgesamt

2006

2007

2008

2009

2010

44

44

43

51

52

8

4

6

4

Audio-Podcasts 7 Abruf von Videodateien insgesamt

28

45

55

62

65

Video-Podcasts

3

4

7

6

3

Angaben in Prozent. Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland, ab 2010 deutschsprachige Onlinenutzer ab 14 Jahren, Quelle: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=264

Zahlen über die Podcast-Nutzung sind rar. Die letzte ARD/ZDF-Onlinestudie14 ergab, dass der Abruf von Audio- und Videodateien im Internet insgesamt gestiegen ist (→Abb. 5). 2006 riefen 44 Prozent der über 14-jährigen InternetNutzer Audiodateien ab. Deren Anteil stieg bis 2010 auf 52 Prozent. Der Anteil von Nutzern, die Videodateien im Internet abriefen, stieg in diesem Zeitraum sogar um 37 Prozentpunkte von 28 Prozent auf 65 Prozent. Die gestiegene Nachfrage nach Videodateien ist sicherlich der besseren Versorgung mit Breitbandanschlüssen und leistungsfähigeren Mobilgeräten mit größeren Displays geschuldet. Auch das bekannte Videoportal YouTube15 trägt zu dieser Entwicklung bei.16 Eine ähnliche Alternative für Audiodateien ist das wenig bekannte Portal SoundCloud17. Die Nutzung von Audio-Podcasts durch über 14-jährige Internet-Nutzer ist in den Jahren 2006 bis 2010 von sieben auf vier Prozent gesunken. Jedoch nicht zugunsten der Video-Podcasts, wie man meinen könnte. Diese sahen 2006 drei Prozent, ihre Hochzeit hatten Video-Podcasts 2008 mit sieben Prozent, danach fiel die Nutzung dann wieder auf drei Prozent zurück. Die Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie zeigen, dass Multimediaangebote zunehmend intensiver genutzt werden. Dass die Podcast-Nutzung dabei abnimmt, ist möglicherweise auch auf eine verbreitete Unkenntnis über die einfache und komfortable Nutzung eines Podcatchers zurückzuführen. Ältere Studien, die jeweils die PodcastHörer im Visier hatten, zeigten bereits, dass vorwiegend technikaffine Männer und Frauen dieses Medium nutzen. Auch die große Anzahl techniklastiger Sendungen ist dafür ein Indiz. Vielleicht nimmt die Nutzung aber auch ab, weil das Wort „abonnieren“ tendenziell eher negativ besetzt ist und mehr an „Drückerkolonnen“ erinnert als an eine individuelle Mediennutzung. In den USA stellte eine Studie von Edison Research18 allerdings einen Zuwachs bei der Verbreitung von Pod-

onlinejournalismus 19 Fachjournalist No .4 2011

casts fest. 27 Prozent der Befragten sagen dort, dass sie schon einmal Podcasts gehört haben. Auch in den USA sind Audio-Podcasts beliebter als Video-Podcasts. Fabio Bacigalupo hat auf der Fachkonferenz niche1119 ebenfalls „Zahlen, Daten, Fakten zur Podosphä-

re 2010/2011“20 zusammengetragen und gezeigt, dass deutsche Podcast-Nutzer diese Vorliebe teilen. Die Studie von BlueSky Media und podcast.de von 200921 zeigt – wie bereits ältere Studien zuvor –, dass Podcast-Nutzer intensive Internetnutzer sind, die von den klassischen Medien wie Hörfunk oder Fernsehen kaum erreicht werden. Sie nutzen Podcasts, um sich zu informieren, sich weiterzubilden und zur Unterhaltung. Entsprechend wird vor allem auf Angebote zugegriffen, die sich inhaltlich mit Technik, Wissenssendungen und Unterhaltung / Hörspielen beschäftigen.

Podcast wird nur derjenige abonnieren, dessen Interessengebiet Sie treffen. Außerdem sind Podcasts gute Multiplikatoren: Sie können auf Ihre Homepage hinweisen sowie auf weitere Projekte und Beiträge. Ein Podcast bietet wertvollen Content, der lange im Netz verfügbar ist und auf den Sie – über andere Social-Media-Kanäle – immer wieder aufmerksam machen können. Und zu guter Letzt: Produktion und Verbreitung eines Audio-Podcasts sind kein Hexenwerk. Wer erst einmal klein anfangen möchte, ist herzlich eingeladen, sich der Redaktion des Fachjournalist-Podcasts anzuschließen. Hier hören Sie aktuell übrigens mehr zum Thema „Podcast – der unterschätzte Social-Media-Kanal“. // endnoten: http://www.podcast.de. http://podster.de/. 3 http://www.phonostar.de/radiomagazin/podcasts/. 4 http://www.apple.com/de/itunes/whats-on/. 5 http://www.fachjournalist-podcast.de/. 6 http://juicereceiver.sourceforge.net/. 7 http://gpodder.org/. 8 http://www.apple.com/de/itunes/download/. 9 http://www.fachjournalist-podcast.de/. 10 http://www.dasabenteuerleben.de/index.php. 11 http://wissenschaft.wanhoff.de/. 12 http://braincast1.blogspot.com/. 13 http://www.scilogs.de/. 14 http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=264. 15 http://www.youtube.com/?gl=DE&hl=de. 16 Bei der Erhebung der Nutzungsfrequenz von Web-2.0-Angeboten folgen Videoportale in der Beliebtheit auf private Netzwerke und Communities. Diese werden täglich von neun Prozent der deutschsprachigen Onlinenutzer ab 14 Jahren genutzt. Podcast findet hier keine Erwähnung, Weblogs werden lediglich von zwei Prozent wöchentlich genutzt. 17 http://soundcloud.com/. 18 http://www.edisonresearch.com/2010%20Edison%20Podcast%20Study%20 Data%20Graphs%20Only.pdf. 19 http://www.niche11.de/. 20 http://blog.podcast.de/artikel/671/zahlen-daten-fakten-aus-der-podosphaere. 21 http://blog.podcast.de/files/Podcaststudie-2009_podcastDe_BlueSkyMedia. pdf. 1 2

Podcast als Rechercheinstrument Podcasts eignen sich, wie Twitter, Blogs oder Facebook, für die Recherche. Nur anders. Podcasts liefern einem nicht mit griffigen Headlines oder in 140 Zeichen Neuigkeiten oder Informationen. Einen Podcast kann man nicht querlesen und die Verweise auf andere Links sind nicht schnell und einfach erreichbar. Sie dienen eher der fundierten Hintergrundinformation, dem regelmäßigen Input zu einem Thema und sind hilfreich bei der Expertensuche für ein Interview: Kennt man den Podcast eines möglichen Interviewpartners, kann man schon recht gut beurteilen, wie dieser „tickt“ und wie es um die fachliche Kompetenz und Eloquenz bestellt ist. Und dieses Wissen ist besonders für Livesendungen hilfreich. Kann man einen bekannten Podcaster für ein Interview gewinnen, so wird dieser wiederum über seine Social-Media-Kanäle auf das Interview hinweisen und die Leser- oder Hörerzahl steigern. Andersherum kann das Namedropping bereits im Vorfeld für Aufmerksamkeit sorgen.

Die Autorin Brigitte Hagedorn ist Hörfunk-Journalistin

Die eigene Marke und die Reputation stärken

und hat unter anderem für die Deutsche Welle, Deutschlandradio Kultur und den rbb gearbeitet. Mit ihrer

Selbstvermarktung bedeutet immer, sich klar zu positionieren und ein erkennbares Profil zu zeigen. Das ist im Internet so und außerhalb. Mit dem eigenen Podcast können Sie sich als Experte in Ihrem Fachgebiet präsentieren und Ihr Profil schärfen. Die persönliche Ansprache in einem Podcast stärkt die Marke, in diesem Fall die Marke „Ich“. Podcast ist ein Kind des Web 2.0. Das heißt, der Dialog mit Ihren Hörern kann Ihnen wichtigen Input liefern und die Kundenbindung unterstützen. Zudem erreichen Sie mit dem Medium zielgerichtet Ihr Publikum, denn einen

Werkstatt für audio:beiträge (www.audiobeitraege.de) produziert sie seit 2003 Hörbeiträge, Audio-Slideshows und Podcasts für Freiberufler, Unternehmen und Organisationen. Sie ist als Beraterin tätig und leitet PodcastSchulungen, unter anderem betreut sie den Fachjournalist-Podcast (www.fachjournalist-podcast.de).

20 OnLineJOUrnALismUs Fachjournalist No .4 2011

crOssmeDiAL in Die ZUkUnfT? AUsWirkUnGen Der DiGiTALen enTWickLUnGen AUf Den JOUrnALismUs

von Eva Hakes

Als Konsequenz der digitalen Entwicklungen verteilen Medien ihre Botschaften heute über mehrere Kanäle, aufbereitet für eine Vielzahl möglicher Endgeräte und Nutzungssituationen. Damit ändert sich auch das Anforderungsprofil an Journalisten, die in Zukunft immer öfter medienübergreifend werden planen und produzieren müssen. Diese Entwicklung hin zu einer crossmedialen Arbeitsweise führt nicht nur zu veränderten Arbeitsabläufen, sondern auch zur Entstehung neuer journalistischer Darstellungsformen. Für Journalisten birgt dieser Prozess eine Vielzahl neuer Herausforderungen und beruflicher Möglichkeiten.

„crossmedia“ ist ein gern und oft benutztes Schlagwort, wenn es um neue Entwicklungen in den Medien und deren Konsequenzen für den Journalismus geht. Wie der Begriff schon nahelegt, geht es bei „cross“-„media“ um medienübergreifende Produktionen. Während die einen damit innovativen, vielschichtigen Journalismus assoziieren, der in seinen Ausdrucksmöglichkeiten nicht mehr durch die einschränkenden Rahmenbedingungen eines einzelnen Mediums begrenzt wird, sehen andere die Gefahr eines Qualitätsverlustes journalistischer Inhalte: Für sie ist der crossmedia-Journalist einer, der bei einem Termin den überwiegenden Anteil seiner Konzentration zeitgleichen Manövern an diversen Aufzeichnungsgeräten widmet, wobei er vergisst, was er vor Ort eigentlich wollte. Darunter müsse die Qualität der Inhalte leiden, die sich nun allerdings in fünf Me-

dien gleichzeitig abbilden ließen, lautet das credo vieler Skeptiker. An den realen Anforderungen des crossmediaJournalismus argumentieren sie damit jedoch vorbei. Wer crossmedial arbeiten will, „sollte die spezifischen Eigenschaften und Darstellungsmöglichkeiten der verschiedenen Medien kennen und richtig einschätzen können“, stellte der Journalist und Dozent cHRISTIAN JAKUBETZ schon 2008 in seinem Buch „crossmedia“ fest. Dass ein

onlinejournalismus 21 Fachjournalist No .4 2011

»Die Zukunft des Journalismus gehört nicht einzelnen (neuen) Medien oder Darstellungsformen, sie gehört den Inhalten.« Journalist gleichzeitig auf Video, Foto, Ton und Text spezialisiert sein sollte, ist bislang aber noch von keiner Stelle ernsthaft vertreten worden. Diejenigen, die im Moment auf professionellem Niveau über die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter, über cross- oder multimediales Arbeiten und die Bedeutung von Social Media sprechen, sind sich in einem Punkt alle einig: Die Zukunft des Journalismus gehört nicht einzelnen (neuen) Medien oder Darstellungsformen, sie gehört den Inhalten.

Der Inhalt bestimmt die Form Christian Lindner, Printjournalist mit 30-jähriger Erfahrung, Chefredakteur der Rhein-Zeitung und professioneller Nutzer des Web 2.0 mit über 6.000 Followern bei Twitter, hat es jüngst in einem Interview im Zuge der Fachkonferenz „Journalism Reloaded“1 folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Der Journalist der Zukunft weiß, dass content king sein sollte. Er hält nicht einen bestimmten Vertriebsweg für besonders verteidigenswert oder besonders sexy, sondern sein wesentliches Bestreben ist es, unikablen content zu generieren, für den er dann den besten Distributionsweg wählt“ (vgl. Leipzig School of Media 2011). Auch wenn der Begriff „Crossmedia“ von Lindner hier nicht explizit benutzt wird, impliziert seine Beschreibung eine crossmediale Arbeitsweise: Die Art des Inhalts bestimmt die Form seiner medialen Darstellung. In einer crossmedialen Arbeitswelt werden nicht mehr die Inhalte für die verschiedenen Medien „passend gemacht“, sondern die Medien gemäß dem Charakter der Inhalte ausgewählt.

Crossmedia – ein Begriff und seine Bedeutungen

als reine „Sender“ zugunsten einer neuen Konzeption aufgeben mussten: Im Web 2.0 werden Medien Sender, die in Netzwerkstrukturen eingebunden sind und deshalb auch als Empfänger von Nachrichten auf das Feedback ihrer Rezipienten reagieren.

Konsequenzen für den Journalismus Für Journalisten bedeutet dies, dass sie in Zukunft noch mehr am Schnittpunkt zwischen technologischen, wirtschaftlichen und nutzerorientierten Anforderungen werden arbeiten müssen, stellt die freie Journalistin Alexandra Stark (vgl. Stark, A. 2011) in ihrer Master Thesis „Journalism Reloaded – Kompetent in die Zukunft“ fest. Auf einer technischen Ebene werden sie nicht nur die neuen Recherche-, Kommunikations- und Produktionstools im Griff, sondern auch technologische Entwicklungen im Medienbereich und die sich daraus ergebenden Chancen (und Risiken) im Blick haben müssen. Wirtschaftliche Entwicklungen und die daraus resultierenden Sachzwänge werden weiterhin auf das Arbeitsleben des Journalisten einwirken. Diesen Sachverhalt vor Augen zu haben und konsequent unternehmerisch zu denken und zu handeln, wird ebenfalls Teil des Kanons journalistischer Kompetenzen sein. Nicht zuletzt werden Journalisten nicht nur um die Bedürfnisse und Wünsche ihres Zielpublikums wissen müssen, sie sollten auch stets up to date sein über die Entwicklungen des Nutzerverhaltens und die sich hierdurch verändernden Bedingungen der Medienlandschaft.

»„In naher Zukunft wird die professionelle ­Produktion für zwei Kanäle zu den Standard­ anforderungen an einen Journalisten gehören und die Verlage werden auch Grundkenntnisse in der Arbeitsweise aller anderen Medien erwarten.“« Natürlich bleibt es dabei, dass Journalisten vor allem neugierig, recherchefreudig und kritisch sein sollten. Wer klug ist, setzt diese Tugenden jedoch nicht nur zur Erarbeitung journalistischer Inhalte ein, sondern auch zur Reflexion und Erweiterung der eigenen Medienkompetenz. Wer für zwei Kanäle produzieren kann, beispielsweise als Schreiber und Fotograf oder Fotograf und Videoreporter, steigert bereits heute seine Chancen auf beruflichen Erfolg enorm. „In naher Zukunft wird die professionelle Produktion für zwei Kanäle zu den Standardanforde-

An der Leipzig School of Media, die eigens den Masterstudiengang Crossmedia Publishing anbietet, definiert man den Begriff auf zwei Ebenen, die analytisch voneinander zu trennen sind: Auf einer ersten Ebene beschreibt Crossmedia hier die Tatsache, dass Medien ihre Botschaften in Zukunft zeitunabhängig über mehrere Kanäle, für eine Vielzahl möglicher Endgeräte und für jede denkbare Form der Nutzersituation aufbereitet verbreiten werden, so Michael Geffken, Direktor und Geschäftsführer der Leipzig Im Beitrag genannte Best Practice Beispiele im Crossmedia Journalismus, School of Media. Auf einer zweiInspirationen und Infor­ma­tionen mit kurzen Einführungen von ten Ebene sei unter Crossmedia auch Eva Hakes finden Sie hier: die durch das Web 2.0 angestoßene http://evahakes.linkarena.com/folder/crossmedia-fachjournalist Entwicklung zu verstehen, innerhalb derer Medien ihr Selbstverständnis

i

22 OnLineJOUrnALismUs Fachjournalist No .4 2011

rungen an einen Journalisten gehören und die Verlage werden auch Grundkenntnisse in der Arbeitsweise aller anderen Medien erwarten“, prophezeit nicht nur MIcHAEL GEFFKEN. Kernkompetenz ist und bleibt jedoch das Verständnis für die unterschiedlichen Funktionsweisen und Fähigkeiten der einzelnen Medien. Sie ermöglicht es, dem Inhalt zu seiner optimalen Form zu verhelfen. Dies gilt ebenso für einen Freiberufler, der gegebenenfalls mit einem Kollegen, der andere Kanäle bedienen kann, kooperieren sollte, wie für die Mitarbeiter eines Verlages mit Newsroom-orientierten Workflows2, die entsprechendes Material unter Umständen einfach an einen Kollegen aus einem anderen Medienbereich weitergeben. Medien im Internet sind dabei etwas Besonderes, da „sie die Möglichkeiten der klassischen Medien verbinden und reproduzieren können. Hierdurch entstehen neue, originäre journalistische Darstellungsformen im Web, die sich in den klassischen Medien nicht reproduzieren lassen“, so eine Kernthese zum Thema crossmedia von cHRISTIAN JAKUBETZ (2008).

Die Etablierung solcher neuen journalistischen Services hat kürzlich den bekannten Medienblogger und Journalismus-Professor JEFF JARVIS dazu veranlasst, einen längeren Blogpost der Frage zu widmen, ob der Zeitungsartikel inzwischen nicht eher ein Luxus- bzw. Nebenprodukt als eine journalistische Notwendigkeit sei, womit er eine lebhafte internationale Diskussion auslöste (vgl. Jarvis, J. 2011). Auch wenn man geneigt ist, Hintergrundinformation, Analyse und Storytelling weiterhin als relevante journalistische Werte zu betrachten, bleibt festzuhalten, dass in Bezug auf die Möglichkeiten der Echtzeitkommunikation sich kein anderes Medium mit dem Internet messen kann.

mULTimeDiA im neTZ »In Zeiten, in denen jeder im Internet publizieren kann, sollte journalistische Arbeit sich durch professionelle Qualität auszeichnen – und diese setzt ganz klar Medienkompetenz voraus.«

ecHTZeiTkOmmUnikATiOn im neTZ Der Journalismus ist schneller geworden. Im Netz können Nachrichten in Echtzeit kommuniziert werden, sei es in der schon fast klassisch anmutenden Form per Newsticker, über TWITTER oder als Live-Blog. Immer öfter werden Breaking-News zunächst über TWITTER verbreitet. Der Tod OSAMA BIN LADENS, über den per Hashtag #OBL sekündlich neue Nachrichten und Kommentare zu lesen waren, bevor auch nur eines der klassischen Medien reagiert hatte, ist dafür nur ein Beispiel. Oft sind Augenzeugen und damit private Nutzer die ersten, die solche Meldungen im Netz verbreiten. TWITTER bietet jedoch auch Journalisten Möglichkeiten der Berichterstattung, die noch vor einigen Jahren undenkbar waren. So textete TIMES-Reporter BRIAN STELTER im Mai 2011 in Echtzeit via TWITTER über die Folgen des Tornados in Joplin. Andere Formen der Berichterstattung waren in diesem Moment mangels Konnektivität und Zeit nicht möglich. Eine weitere, relativ junge Form digitalen Informierens ist das Live-Blogging, wie es derzeit zum Beispiel bei der NEW YORK TIMES oder beim GUARDIAN praktiziert wird. Als „echtzeitaktuellen Kurationsjournalismus“ bezeichnet der Professor STEFAN HEIJNK in seinem Blog „Texten fürs Web“ das Live-Blogging und verdeutlicht mit dieser Namensgebung auch gleich, was gutes Live-Blogging ausmacht: Aus der Fülle der im Web kursierenden Informationen wird das Relevante herausgefiltert und zu einem in Minutenabständen aktualisierten Fließtext kuratiert, der unterschiedlichste Quellen in sich vereinigen kann: von TWITTER-Tweets über Webkommentare und eingehende E-Mails bis zu Audiofiles oder Videos.

Doch das Web kann bekanntlich mehr. In seiner Anlage von Beginn an multimedial, ist es heute dank steigender Geschwindigkeit der Datenübertragung und immer erschwinglicher werdendem Equipment für Audio- und Videoaufnahmen ein Raum, in dem potenziell jeder multimediale Inhalte nicht nur empfangen, sondern auch senden kann. Zwar haben nach den Ergebnissen der ARD / ZDF-Onlinestudie 2011 nur vier Prozent der Internet-Nutzer bereits selbst einmal ein Video bei einem Videoportal eingestellt. Tatsache ist jedoch, dass die Zugänge zur Produktion multimedialer Inhalte immer niedrigschwelliger werden. So ist beispielsweise eine moderne Fotokamera heute in der Lage, Videos in High Definition-Qualität aufzunehmen, die selbst auf einer Kinoleinwand eine gute Figur machen könnten. Diejenigen, die nicht zwingend professionelle Qualität für ihre multimedialen Werke anstreben, bemühen einfach ihr Smartphone oder ähnliche mobile Endgeräte, die als multimediale Alleskönner nicht nur den Empfang, sondern auch den Upload von Dateien unterschiedlichster Formate ermöglichen. Für Journalisten ergeben sich aus diesen Entwicklungen folgende Konsequenzen: In Zeiten, in denen jeder im Internet publizieren kann, sollte journalistische Arbeit sich durch professionelle Qualität auszeichnen – und diese setzt ganz klar Medienkompetenz voraus. Um es mit den Worten der freien Medien- und Marketingjournalistin ULRIKE LANGER zu sagen: „Journalisten können und sollten sich der nutzergenerierten Informationsflut nicht entgegenstellen, sondern sich mitten hinein begeben [...], das Beste herausfiltern, den Wahrheitsgehalt überprüfen, und

OnLineJOUrnALismUs 23 Fachjournalist No .4 2011

die Inhalte für andere Nutzer verständlich aufbereiten“ (vgl. Langer, U. 2011/a). Die beschleunigte Generierung und Verbreitung von Information sowie die Dialogizität des Mediums führen weiterhin dazu, dass es immer weniger „fertige journalistische Produkte“ im ursprünglichen Sinne geben wird. Journalismus wird zu einem „work in progress“, reagiert zeitnah auf neue Ereignisse und die Stimmen der Nutzer. Ein weiterer Punkt, über den sich viele Experten einig sind: Journalistische Markenbildung wird immer wichtiger. Je mehr Inhalte produziert werden und im Netz kursieren, umso wichtiger wird für den Journalisten ein ganz eigener Blickwinkel oder unverwechselbarer Stil, mit dem er sich aus der Masse heraushebt und Reputation erwirbt, die er gegebenenfalls auch beim Wechsel zu einem anderen Medium mitnehmen kann.3 Nicht zuletzt tun Journalisten gut daran, in Bezug auf ihre technischen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht ihren dreizehnjährigen Töchtern hinterherzuhinken, die bereits selbst gedrehte Videos auf dem iPhone bearbeiten und von dort auch gleich bei VIMEO hochladen.

mULTimeDiALe JOUrnALisTiscHe DArsTeLLUnGsfOrmen Eine Zunahme an Informationsgeschwindigkeit und -masse ist jedoch offensichtlich nicht die einzige Konsequenz der digitalen Entwicklungen. Das Internet hat auch neue originäre Darstellungsformen hervorgebracht, deren Erzählweise an Direktheit und persönlicher Nähe durch keines der klassischen Medien zu überbieten ist. Paradebeispiel hierfür ist die Multimedia-Reportage oder Audio-Slideshow, bestehend aus einer Abfolge von Fotos und einer Tonspur, gegebenenfalls kombiniert mit einigen Videosequenzen, die inzwischen auch in Deutschland die Internetauftritte diverser Zeitschriften und Zeitungen schmückt. Gut gemachte Audio-Slideshows erreichen mit relativ wenig Mitteln eine hohe emotionale Wirkung und erzeugen ein Gefühl von Nähe und Direktheit, wie sie in Video, Text oder Radiogeschichten kaum zu erreichen sind. Ihre Kernelemente sind eine starke, emotionale Geschichte mit einer Entwicklung oder einem Konflikt, ein besonderer Blickwinkel (z. B. erzählt der Protagonist selbst), professionelle Fotos, die zu den technisch einwandfreien O-Tönen passen, dramaturgische Stilmittel (Bildbewegung, Texteinblendung etc.) und ein der Geschichte angemessenes Erzähltempo (vgl. Kremer, S. 2011). Die Audio-Slideshow ist eine stark narrativ geprägte Darstellungsform und eignet sich folglich besonders gut für Reportagen und Porträts. Doch auch wenn es um die Darstellung sachlicher Inhalte geht, haben diejenigen, die multimediale Inhalte liefern können, klare Wettbewerbsvorteile. Wer beispielsweise den Ablauf eines technischen Prozesses nicht nur in Worten, sondern auch in aussage-

kräftigen Bildern festhalten kann, hat weit bessere chancen, seinen Beitrag unterzubringen, als ein „monomedial“ arbeitender Kollege mit gleicher fachlicher Qualifikation.

crOssmeDiALe WeiTerbiLDUnG Wer lernen möchte, crossmedial zu arbeiten, kann auf ein breit gefächertes Weiterbildungsangebot zurückgreifen, das von eintägigen Seminaren bis zu viersemestrigen Masterstudiengängen reicht. Da es von Seiten der Verlage derzeit noch keinen klar definierten Anforderungskanon für journalistische crossmedia-Kompetenz gibt, sind die Weiterbildungsanagebote extrem heterogen in Bezug auf Umfang und Inhalte. Tagesseminare sind geeignet, um einen Überblick über die neuen Anforderungen zu vermitteln und ein Bewusstsein für die Qualitäten und Einsatzmöglichkeiten unterschiedlicher Medien zu wecken. Um praktisch anwendbares, technisches Wissen zu vermitteln, beispielsweise Grundlagen der Audio- und Videoproduktion, liegt die minimale Seminarlänge bei fünf Tagen, so die Erfahrung renommierter Weiterbildungsanbieter in diesem Bereich. Masterstudiengänge im Bereich crossmedia sind hingegen multiperspektivisch ausgerichtet und beleuchten neben den Spezifika von Print-, Audiound Videoproduktion auch Aspekte wie contentaufbereitung, Medienmanagement und Multimediarecht. Welches Angebot für wen am besten geeignet ist, hängt folglich im Wesentlichen davon ab, welches Aufgabenspektrum der Journalist in einem Verlag zu erfüllen hat oder zu erfüllen anstrebt. Doch auch im Internet selbst finden sich viele qualitativ hochwertige Informationen, Anleitungen und Tutorials zu unterschiedlichen Aspekten des multi- und crossmedialen Arbeitens. Insofern kann ein erster Schritt in Richtung crossmedia auch zunächst einmal im Schauen und Probieren bestehen, um auf diese Art überhaupt ein Gespür für die unterschiedlichen Potenziale der verschiedenen medialen Kanäle zu entwickeln. Eine genaue Kenntnis der unterschiedlichen Möglichkeiten, Inhalte medial in Szene zu setzen, ist wiederum Grundvoraussetzung, um sinnvoll entscheiden zu können, ob man einen Beitrag alleine produzieren kann, oder ob es sich lohnt, mit einem anderweitig spezialisierten Kollegen zu kooperieren. Vernetzung ist im digitalen Zeitalter auch auf dieser Ebene unerlässlich. Die Freude am Experimentieren und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, sehen wie die folgenden Interviews zeigen auch Experten als Grundvoraussetzung an, um „fit für crossmedia“ zu werden.

24 onlinejournalismus Fachjournalist No .4 2011

Beispiele aus der Praxis Wie kann das in der Praxis aussehen? Als wir „Die gleichzeitige Stadt“ gemacht haben, lautete die Grundidee „Die Altstadt von Damaskus wandelt sich; und der Wandel in diesem Mikrokosmos spiegelt Veränderungen wider, die gerade in der gesamten syrischen Gesellschaft vor sich gehen.“ Wir wollten zeigen, dass diese Veränderungen auf vielen unterschiedlichen Ebenen und an unterschiedlichen Orten stattfinden, und dass sie zusammen ein Mosaik ergeben, das Bild eines größeren Ganzen. Deshalb besteht „Die gleichzeitige Stadt“ aus vielen unterschiedlichen Elementen, die verbunden sind durch ihre räumliche Situation. Der anklickbare Stadtplan repräsentiert diese räumliche Einheit. Auch die Formate der einzelnen Geschichten haben wir konsequent nach der Art der Inhalte ausgewählt, die wir darstellen wollten. Beim Porträt des letzten Geschichtenerzählers von Damaskus haben wir uns zum Beispiel für das Videoformat entschieden. Wir wollten ihn mit seiner Mimik und Gestik in Aktion zeigen, den Ausdruck seiner Bewegungen einfangen. Beim letzten Schwertmacher von Damaskus haben wir uns dagegen für die AudioSlideshow entschieden, da wir die einzelnen Arbeitsschritte präzise dokumentieren und ihn selbst seine Arbeit erläutern lassen wollten. Die Form folgt also dem Inhalt.

Simon Kremer Mehrfach ausgezeichnet für seine multimedialen Reportagen: Der Journalist Simon Kremer

Simon Kremer, Jahrgang 1985, ist derzeit Volontär beim Norddeutschen Rundfunk und Autor verschiedener Fachartikel über multimediale Darstellungsformen. Für seine innovativen multimedialen Reportagen wurde er unter anderem mit dem Axel-Springer-Preis und dem Grimme Online Award prämiert. Sein bisher meistgelobtes Stück ist eine gemeinsam mit Marc Röhlig produzierte multimediale Reportage über die Altstadt von Damaskus. „Die gleichzeitige Stadt“ lautet der Titel einer Sammlung von Geschichten, die mal als Video, mal als Audio-Slideshow und mal als Text mit Fotogalerie daherkommen. (→Abb. 1) Erreichbar sind diese Geschichten über eine interaktive Landkarte; der Leser erkundet sie und entscheidet, welche Orte er besuchen möchte. Wie gehen Sie vor, wenn Sie eine multimediale Reportage produzieren?

Was empfehlen Sie Journalisten, die lernen möchten, multimedial zu arbeiten?

ABB.1: Die multimediale Reportage "Die gleichzeitige Stadt"

Schauen Sie sich die Arbeiten der Profis im Netz an und überlegen Sie, was Sie daraus lernen können. Nutzen Sie die vielen Tutorials, die es online gibt. Aber vor allem: Seien Sie mutig! Probieren Sie Dinge aus! Man braucht am Anfang kein teures Equipment; wichtiger ist die Bereitschaft, auch einmal zu scheitern. Und man sollte nicht versuchen, sich als Einzelkämpfer durchzuschlagen. Wichtig sind Kooperationen mit Kollegen, die andere Dinge können als man selbst. Quelle: www.soukmagazin.de

Bei einer Reportage geht es immer zuallererst um die Geschichte. Ich gehe also nie mit der Vorstellung an eine Multimedia-Reportage heran, dass ich diese oder jene Form verwenden müsste. Ich schaue mir die Geschichte an, die ich erzählen möchte, und dann überlege ich, wie ich sie am besten umsetzen kann.

onlinejournalismus 25 Fachjournalist No .4 2011

2470media Daniel Nauck, Geschäftsführer der auf Webreportagen spezialisierten 2470media

Das Produktionsstudio 2470media4 zählt in Deutschland zu den Pionieren auf dem Gebiet der Webreportagen und ist gleichzeitig ein Musterbeispiel für crossmediales Denken und Arbeiten: Von Beginn an hat man hier darauf geachtet, Geschichten so zu produzieren, dass sie medienübergreifend einsetzbar sind. Gleichzeitig werden Text, Bild und Ton von Reportagen als eine Einheit gedacht, die mehr ist als die Summe ihrer Teile. Daniel Nauck, Mitbegründer und einer der Geschäftsführer von 2470media, gibt Einblicke in die Produktion von Webreportagen. Herr Nauck, gibt es so etwas wie die typische 2470 media-Webreportage?

hingegen sehr viel Zeit und Freiraum zum intensiven Betrachten und „Lesen“ der Bilder. Durch das Zusammenspiel zweier Medien, die auch getrennt voneinander funktionieren können, eröffnen sich neue Bedeutungshorizonte und häufig kommt es zu interessanten assoziativen Verknüpfungen. Wann setzen Sie Videosequenzen in Ihren Webreportagen ein? Das Video ist in unseren bisherigen Produktionen der Fotografie unterstützend beigeordnet. Wir setzen Videos möglichst dann ein, wenn sich ein Ereignis nicht auf seinem Höhepunkt fotografieren lässt, sondern der Prozess von Bedeutung ist. Videosequenzen eignen sich auch, um visuelle Metaphern zu schaffen. In einer unserer Geschichten, in der es um einen „Fahrraddoktor“ ging, symbolisiert zum Beispiel ein sich drehendes Rad, dass auch die Zeit weiterläuft. Wie sieht die Zusammenarbeit bei der Erstellung einer solchen Webreportage aus?

Es gibt sicher den 2470media-Stil und auch die In der Regel arbeiten an so einer Reportage zwei Au2470media-Webreportage. Die Kernelemente unserer toren. Einer kümmert sich um den Text bzw. den OFilmgeschichten sind Fotografien und O-Töne, die wir Ton, der andere ist zuständig für die Bildsprache. Die dann mit Bewegtbildern, Musik et cetera kombinieren. beiden setzen sich dann zusammen und tauschen sich So entsteht eine hochkomprimierte Darstellungsform, über ihre unterschiedlichen Blickwinkel aus. Dadurch bei der die Erzählung durch die Tonspur getragen gewinnen die Reportagen an Tiefe. Das setzt natürlich wird. Dennoch sind beide Elemente – Bild und Text – voraus, dass jeder der Redakteure auch Einblick in das gleichermaßen wichtig: Die Fotos berühren uns auf eiFachgebiet des anderen hat. Unsere Mitarbeiter haben ner emotionalen Ebene, der Text verhilft uns zu einem fast alle mindestens zwei Kernkompetenzen, zum BeiVerständnis der Zusammenhänge und Hintergründe spiel Text und Ton oder Foto und Video. Aber wir sind der Geschichte. Das ist die Form, wie wir sie zum Beikeine Alleskönner. Die Breite und Professionalität spiel in den „Berlinfolgen“ (→Abb. 2) benutzen, die unseres Angebots wird möglich durch die Vernetzung wir für die taz produzieren. Mittlerweile entwickeln unterschiedlichster Experten. wir ausgehend von diesem Format weitere Prototypen, das heißt, die ABB.2: Berlinfolgen – Die Präparatorin

Was ist der Vorteil einer solchen Webreportage gegenüber einem Video? In einem Video ist die Tonspur meist an das bewegte Bild gebunden. In einer Webreportage mit Standbildern hat der Rezipient

Quelle: http://berlinfolgen.2470media.eu

„2470media-Webreportage“ erweitert sich. Bestes Beispiel dafür ist das Dokumentarstück über die afghanischen Frauenfußballerinnen von Lela Ahmadzai, zu sehen auf unserer Seite.

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Wie sieht es bei den Zeitschriftenverlagen aus? Da gilt ganz Ähnliches: Manche Zeitschriftenverlage sind sehr experimentierfreudig und zukunftsorientiert. Andere scheinen sich den digitalen Medien und ihren neuen Anforderungen komplett zu verweigern. Wieder andere zeigen zwar durchaus Ansätze zur Integration von Print und Online, haben aber keine konsequente gemeinsame Linie für ihre verschiedenen Blätter.

michael geffken Michael Geffken, Direktor und Geschäftsführer der Leipzig School of Media

Michael Geffken ist Direktor und Geschäftsführer der Leipzig School of Media, die berufsbegleitende Masterstudiengänge, Kurse und Schulungen für Medienschaffende aller Branchen anbietet. Im Juli 2011 richtete die LSoM die Fachkonferenz „Journalism Reloaded“ aus, auf der renommierte Wissenschaftler und Berufspraktiker die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter diskutierten. Viele der dort zur Sprache gekommenen Thesen haben Eingang in diesen Beitrag gefunden.

Als Direktor der LSoM sind Sie mitverantwortlich für das Design von Studiengängen, die Journalisten und Medienmenschen fit für die mediale Zukunft machen sollen. Was müssen Journalisten Ihrer Meinung nach in Zukunft können? Journalisten sollten heute Grundkenntnisse in mehreren, möglichst in allen Medien haben, das heißt sie sollten die spezifischen Stärken und Schwächen der verschiedenen Kanäle beurteilen können. Selbstverständlich ist nach wie vor eine Spezialisierung auf einen Kanal wichtig, bei einem zweiten sollte man aber auch über mehr als Grundkenntnisse verfügen. Für Fachjournalisten ist es zum Beispiel wichtig, mit Foto- und Videokamera umgehen zu können. Gerade junge Fachjournalisten sollten sich eine möglichst breite Grundlage erarbeiten. Sie sind dadurch flexibler einsetzbar und für Auftraggeber attraktiver. //

Wie ist der Status quo des crossmedialen journalistischen Arbeitens in Deutschland? Das muss man sehr differenziert betrachten. In den letzten Jahren ist das Thema ja unter Schlagworten wie „Newsroom-Orientierung“ und „Online first!“ sehr stark in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Bekannte Vorreiter auf diesem Gebiet sind die DPA und Die Welt. Andere stehen hier noch ganz am Anfang, da ist von einer Integration von Print und Online praktisch noch keine Rede.

Literatur:

EndnoteN:

ARD & ZDF (2011): ARD / ZDF-Onlinestudie, http://www.ard-zdf-onlinestu-­ die.de/index.php?id=271.

1

Heijnk, S. (2011): Jeff Jarvis erklärt den Nachrichten-Artikel zum Luxusprodukt – eine Gegenrede, in texten-fuers-web.de, 09.06.2011, http://www.textenfuers-web.de/2011/06/kritik-jeff-jarvis-erklart-den-journalistischen-artikelzum-luxusprodukt/. Jakubetz, C. (2008): Crossmedia, Konstanz. Jarvis, J. (2011): The article as luxury or byproduct. In: buzzmachine.com, 28.05.2011, http://www.buzzmachine.com/2011/05/28/the-article-as-luxuryor-byproduct.

Auf der Fachkonferenz „Journalism Reloaded – Was Journalisten in Zukunft können müssen“, an der viele bekannte Medienexperten teilnahmen, waren Crossmedia, Social Media und journalistische Markenbildung zentrale Themen: http://www.leipzigschoolofmedia.de/fileadmin/media/veranstaltungen/journalismreloaded/Flyer_Journalism_Reloaded.pdf. 2 Es gibt verschiedene Newsroom- bzw. Newsdesk-Modelle. Im Kern geht es immer um ressort- und plattformübergreifende Strukturen und Workflows. 3 Tipps hierzu: Langer, U. 2011/b. 4 http://www.2470media.eu/index.82.html.

Langer, U. (2011a): 5 Thesen zum Digitalen Urknall. In: medialdigital.de, 09.05.2011, http://medialdigital.de/2011/05/09/digitaler-urknall-5-thesenzur-zukunft-des-journalismus/. Langer, U. (2011b): 5 Stufen zur digitalen Selbstvermarktung. In: medialdigital, 03.07.2011, http://medialdigital.de/2011/07/03/5-stufen-zur-digitalen-selbstvermarktung/.

Die Autorin Eva Hakes, geb. 1976, studierte Romanistik

Leipzig School of Media (2011): Print goes Twitter. 3 Fragen an Christian Lindner. Interview vom 04.07.2011, http://www.leipzigschoolofmedia.de/ multimedia/?L=krtqmebeh.

mehrjährigen Auslandsaufenthaltes war sie zunächst in der

Kremer, S. (2011): Die Multimedia-Reportage / Audio-Slideshow,. In: Journalisten-Werkstatt "Die Multimedia-Reportage". In: Medium Magazin, Jg. 26. Stark, A. (2011): Thesenartige Zusammenfassung der LsoM Masterarbeit Journa­-­ lism Reloaded –Kompetent in die Zukunft, http://www.leipzigschoolofmedia. de/multimedia/?L=krtqmebeh.

und Medienwissenschaften in Düsseldorf. Während eines

Fremdsprachenvermittlung tätig, seit 2007 ist sie freie Journalistin mit den Schwerpunktthemen Bildung und Lernen sowie Beruf und Karriere.

Sportjournalismus 27 Fachjournalist No .4 2011

von Michael Schaffrath

Bei der Frauen-Fußball-WM wurde TV-Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal durfte mit Claudia Neumann eine Frau WM-Spiele live im Fernsehen kommentieren. Welche Meinung das Publikum zum Thema „Frauen und Fußballberichterstattung“ hat, wurde im Rahmen einer am Lehrstuhl für Sport, Medien und Kommunikation der TU München durchgeführten Studie erhoben. Die explorative Befragung von 301 Personen zeigt: Die gesellschaftliche Akzeptanz für Fußball-Kommentatorinnen ist viel größer als vielleicht manchem männlichen Fachjournalisten lieb. Bekanntheitsgradwerte und Wiedererkennungseffekte bleiben aber bei Reporterinnen genau wie bei Reportern auf sehr geringem Niveau. „Bayern München hat mir zwar einen Blumenstrauß geschickt, aber acht Zuschauer haben geschrieben, dass das doch ein ziemlicher Unfug wäre, dass jetzt auch hier eine Dame auftrete.“ Mit diesen Worten begrüßte Carmen Thomas am 3.  Februar 1973 die Zuschauer des aktuellen sportstudios. Mit Skepsis wurde der ersten Frau, die im deutschen Fernsehen überhaupt eine Sportsendung moderieren durfte, in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung begegnet. Was in den 1970erJahren eine echte „Pionierleistung“ darstellte, ist längst zur Selbstverständlichkeit geworden: Frauen moderieren TV-Sportformate. Umso überraschender ist, dass es bis zum 22. Mai 2010 gedauert hat, bis endlich eine Frau ein Fußballspiel live kommentieren durfte. Es war wieder das ZDF, das seiner Mitarbeiterin Claudia Neumann die Kommentierung vom Frauen-Länderspiel USA gegen Deutschland zutraute. Das Risiko für die Programmmacher war überschaubar, weil die Partie erst nach Mitternacht deutscher Zeit übertragen wurde und so fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Nach bestandener Generalprobe schrieb Claudia Neumann bei der Frauen-WM 2011 als erste WM-Kommentatorin nochmals TV-Geschichte. Gleich bei sieben Begegnungen wurde sie eingesetzt, und stets vor einem Millionenpublikum. Ihre erste WMKommentierung, Kolumbien vs. Schweden, verfolgten 2,5 Mio. Zuschauer, beim Viertelfinale zwischen England und Frankreich waren es sogar 6,9 Mio. Damit wurde die letzte Männerdomäne im deutschen Sportjournalismus gebrochen, Frauen haben sich im Me-

»Dass Frauen im Sportjournalismus und besonders in der Fußballkommentierung unterrepräsentiert sind, hängt unter anderem mit der Skepsis männlicher Kollegen und Redaktionsleiter zusammen.« diensport emanzipiert. Aber gleichberechtigt sind sie deshalb noch lange nicht, auch wenn die Frauenquote in den Sportredaktionen sukzessive steigt. Betrug der Frauenanteil im Jahr 1993 rund 7,3 Prozent (vgl. Görner, F. 1996, S. 133), so erhöhte er sich bis 2004 auf 11,3 Prozent (vgl. Ehl, L., Fey, A. 2004, S. 41). Die Quote an organisierten Sportjournalistinnen im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) stieg von 8,9 Prozent im Jahr 2007 auf 9,7 Prozent in 2011 (vgl. Angaben der VDS-Geschäftsstelle per Mail vom 18. Juli 2011 an den Verfasser). Bezogen auf den Fernseh-Sportjournalismus im Speziellen weisen einzelne Fallstudien Frauenanteile von 12,5 Prozent im Jahr 2002 (vgl. Thielemann, M. 2008, S. 107) und 14,9 Prozent im Jahr 2009 (vgl. Schaffrath, M. 2010, S. 257) aus. Trotz des Anstiegs bleibt die Frauenquote im Sportressort deutlich unter dem Durchschnitt des Frauenanteils im deutschen Journalismus allgemein, der rund 37 Prozent beträgt (vgl. Weischenberg, S. et al. 2006, S. 45). Dass Frauen im Sportjournalismus und besonders in der Fußballkommentierung unterrepräsentiert sind, hängt unter anderem mit der Skepsis männlicher Kollegen und Redaktionsleiter zusammen (vgl. Schaffrath, M. 2008a, S. 12). Dagegen sind die Vorbehalte des Publikums viel geringer, wie eine Studie zeigt, die am Lehrstuhl für Sport, Medien und Kommunikation der TU München zum Ende der Frauen-WM durchgeführt wurde.

Abbildung: F. Aumüller

FuSSball-Reporterinnen hohe Akzeptanz bei niedrigen Bekanntheitswerten

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Untersuchungsdesign Die Untersuchung mit dem Titel „Akzeptanz von Frauenfußball und Fußballberichterstattern“ wurde als Fallstudie konzipiert, die keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt. Dennoch liefert sie einige bemerkenswerte Ergebnisse. Mittels einer Passantenbefragung in München wurden 301 Personen interviewt. Die Stichprobenziehung erfolgte mit dem Quotaverfahren nach Geschlecht und Alter. 50,5 Prozent der Befragten waren Männer, 49,5 Prozent Frauen. Die Altersverteilung lag zwischen 14 und 79 Jahren. Es wurden nur Personen befragt, die mindestens ein WM-Spiel im Fernsehen gesehen hatten. 82,1 Prozent der Befragten hatten 1 bis 5 Spiele verfolgt, 14,0 Prozent 6 bis 10 Spiele und 3,9 Prozent sogar 11 bis 30 Spiele. Der Durchschnittswert der rezipierten Partien lag bei 4,2. Der Fragebogen umfasste 21 Fragen. Die Befragungsdauer lag zwischen 10 und 13 Minuten.

Klares Votum für Kommentatorinnen »Mehr als 60 Prozent aller Befragten halten es für „längst überfällig“, dass auch Reporterinnen Fußballspiele im TV live moderieren.« Die gesellschaftliche Akzeptanz für Fußball-Kommentatorinnen kann als recht hoch eingestuft werden. (→Abb. 1) Mehr als 60 Prozent aller Befragten halten es für „längst überfällig“, dass auch Reporterinnen Fußballspiele im TV live moderieren. Etwa einem Drittel ist das „gleichgültig“. Nur noch sieben Prozent findet das „absolut unnötig“. Weitere geschlechtsspezifische Auswertungen zeigen, dass sich weibliche Befragte etwas häufiger als männliche für Kommentatorinnen aussprechen. Bemerkenswerter erscheint aber, dass mittlerweile mehr als die Hälfte aller interviewten Männer Kommentatorinnen begrüßt und nur noch jeder zehnte Mann eine Frau am Reportermikrofon beim Fußball kategorisch ablehnt. ABB. 1 : Antworten auf die Frage: „Was halten Sie ganz grundsätzlich davon, dass nun auch Frauen Fussball­ spiele im TV live kommentieren?“ Das ist ...

alle Befragten

Männer

Frauen

"längst überfällig"

60,5

55,3

65,8

"mir gleichgültig"

32,9

32,9

32,9

"absolut unnötig"

6,6

11,8

1,3

Gesamt

100,0

100,0

100,0

Angaben in Prozent (n = 301; 152 Männer, 149 Frauen)

Bislang durfte mit Claudia Neumann nur eine einzige Frau Fußballspiele live kommentieren, und dies auch nur, wenn Frauen kickten. Nach dem Willen des Publikums könnte sich das ändern. Denn eine klare Mehrheit plädiert dafür, Reporterinnen ebenso bei Herren-Wettbewerben einzusetzen. ( →Abb. 2) Mehr als 60 Prozent befürworten Kommentatorinnen bei WM- bzw. EM-Spielen und in der 1. Fußball-Bundesliga. Knapp 55 Prozent können sich Reporterinnen auch noch bei der Champions League der Herren vorstellen. Der direkte Geschlechtervergleich zeigt nur bei der Bundesliga erwähnenswerte Unterschiede von ca. 10 Prozent zwischen männlichen und weiblichen Befragten. ABB. 2 : ANTWORTEN AUF DIE FRAGE: „Bei welchen Fuss­ ballspielen von Männern würden Sie auch Kommenta­ torinnen befürworten?“ Wettbewerb ...

alle Befragten

Männer

Frauen

WM / EM-Spiele der Männer

60,5

59,2

61,7

1. Fußball-Bun­des­liga der Männer

60,1

55,9

64,4

Champions-LeagueSpiele der Männer

54,8

54,6

55,0

Anzahl der Befürworter in Prozent (n = 301; 152 Männer, 149 Frauen)

Geringer Bekanntheitsgrad und niedrige Erinnerungswerte »Selbst eine regelmäßige Bildschirmpräsenz führt noch nicht zu einem hohen Bekanntheitsgrad.« Von den 301 Befragten haben rund 108 und damit 35,9 Prozent WM-Spiele gesehen, die von „einer Frau“ kommentiert worden sind. Allerdings waren auf die offene Nachfrage nach dem Namen dieser „Frau“ nur vier Personen und damit 3,7 Prozent in der Lage, „Claudia Neumann“ zu nennen. Derart dürftige Erinnerungswerte sind weder kommentatorinnenspezifisch noch personenabhängig. Dies zeigen nicht nur Vorgängerstudien (vgl. Schaffrath, M. 2008b; Schaffrath, M. 2009), sondern auch weitere Ergebnisse der aktuellen Untersuchung. Es besteht eine große Relativität von Popularität im TV-Sportjournalismus. Selbst wenn man Befragten Porträtfotos im DIN-A5-Format vorlegt und nach dem Namen der abgebildeten Person fragt, ist der Wiedererkennungseffekt minimal. Bei den WM-Kommentatoren schneidet Claudia Neumann noch am besten ab. 8 von 301 Befragten und damit 2,7 Prozent erkannten die ZDF-Reporterin korrekt

Sportjournalismus 29 Fachjournalist No .4 2011

wieder. Es folgen Tom Bartels von der ARD mit fünf richtigen Nennungen (1,7 Prozent) sowie Norbert Galeske (ZDF) und Bernd Schmelzer (ARD), an die sich jeweils nur eine einzige Person (0,3 Prozent) erinnerte. Das heißt: Selbst eine regelmäßige Bildschirmpräsenz führt noch nicht zu einem hohen Bekanntheitsgrad. Das Einblenden des Reporternamens inklusive Standfoto zu Beginn jeder Spielhälfte hat die Kommentatoren nicht aus dem Abseits öffentlicher Aufmerksamkeit herausholen können. Kein Kompetenzvorsprung für Kommentatorin Die 108 Befragten, die Spiele mit Claudia Neumann rezipiert hatten, wurden um ihre Einschätzung der Kommentierungsqualität der ZDF-Reporterin im Vergleich zu den sonst üblichen Reporterleistungen männlicher Kollegen gebeten. Fast die Hälfte empfand die Kommentare der WM-Debütantin als „gleich gut“, rund neun Prozent sogar als „besser“. Aber fast ein Drittel stufte die Reporterfähigkeiten von Neumann als „schlechter“ ein, was drei Gründe haben kann:

Fazit Dass der Livekick im Fernsehen keine reine Männersache bleiben muss, hat die Umfrage gezeigt. Die gesellschaftliche Akzeptanz für Fußball-Reporterinnen ist vorhanden. Fraglich ist, ob Ressortleiter und Programmverantwortliche Kommentatorinnen künftig eine reelle Chance einräumen werden. Ein erster Versuch könnte gemacht werden, wenn die Planspiele der ARD, über die FrauenBundesliga intensiver berichten zu wollen, tatsächlich umgesetzt werden. Immerhin sind 35,9 Prozent aller in dieser Studie befragten Personen daran „sehr stark“ bzw. „stark“ interessiert. Ob sich ein vermeintliches Interesse in tatsächlichen Einschaltquoten niederschlägt, bleibt abzuwarten. Aber vorurteilsdeterminierte Zuschaueranrufe wie noch vor 40 Jahren bei Carmen Thomas scheint Mann bzw. Frau nicht unbedingt befürchten zu müssen. // Literatur: Ehl, F., Fey, A. (2004): Das Berufsprofil „Sportjournalist 2004“. Eine repräsentative Befragung der Sportjournalisten in Deutschland, Köln (unveröffentlichte Diplomarbeit).



Görner, F. (1995): Vom Außenseiter zum Aufsteiger. Ergebnisse der ersten repräsentativen Befragung von Sportjournalisten in Deutschland, Berlin.

1. Claudia Neumann war tatsächlich weniger kompetent als männliche Kommentatoren sonst. Dies könnte aber nur über eine Inhaltsanalyse diverser Spielübertragungen ermittelt werden, die nicht vorliegt. 2. Viele Befragte erinnerten sich vor allem an eine der bemerkenswertesten Szenen der WM, bei der Claudia Neumann tatsächlich nicht souverän wirkte. Als beim Spiel Australien gegen Äquatorial-Guinea die afrikanische Spielerin Bruna den vom Torpfosten abprallenden Ball im eigenen Strafraum für drei Sekunden in die Hand nahm, übersah dies nicht nur das Schiedsrichtergespann, sondern auch die ZDF-Reporterin. Für sie war der klare Regelverstoß eine „nicht ganz übersichtliche Situation“. Erst nach 34 Sekunden erkannte Neumann beim Betrachten der Zeitlupenbilder ebenfalls: „Ja, Handspiel!“ Diese Szene wurde im Fernsehen und im Internet zum Teil mit Originalkommentar mehrfach wiederholt. Auf YouTube wurde das Kurzvideo immerhin 24.000 Mal aufgerufen.

Schaffrath, M. (2008a): Frauen stehen längst ihren Mann. In: Fachjournalist, 1, S. 11-15. Schaffrath, M. (2008b): Phantome der Fußball-Oper. Fallstudie belegt am Beispiel der EURO 2008 die Relativität von Popularität im TV-Sportjournalismus. In: Fachjournalist, 4, S. 8-14. Schaffrath, M. (2009): Mit dem Ersten sieht man (doch) besser. Umfrage zur Vierschanzentournee zeigt aber auch die geringe Bekanntheit von TVBerichterstattern. In: Fachjournalist, 3, S. 4-10. Schaffrath, M. (2010): Vermittler, Vermarkter und Verkäufer. Empirische Studie zum beruflichen Selbstverständnis von TV-Sportjournalisten. In: Medien & Kommunikationswissenschaft, 2, S. 247-267. Thielemann, M. (2008): Kommunikatorforschung: Das Selbstverständnis im Sportjournalismus. Eine empirische und exemplarische Untersuchung deutscher Fernseh-Sportjournalisten, Berlin. Weischenberg, S., Malik, M., Scholl, A. (2006): Die Souffleure der Medien-­ gesellschaft. Report über die Journalisten in Deutschland, Konstanz.

Der Autor Prof. Dr. Michael Schaffrath, M. A., ist Professor für Sport, Medien und Kommunikation an der Technischen Universität München. Vorherige wissenschaftliche Stationen: Deutsche Sporthochschule Köln, TU Dresden sowie die Universitäten in Lüneburg, Gießen, Koblenz-Landau. Sportjournalistische Stationen: WDR, RTL, Radio Antenne Münster, Sport-Informations-Dienst, Aachener Nachrichten.

3. Denkbar ist schließlich auch noch, dass sich gewisse Ressentiments gegenüber Reporterinnen bei manch männlichem Befragten hartnäckig halten. Indiz für diese Interpretation ist, dass rund doppelt so viele Männer wie Frauen Claudia Neumann als „schlechter“ bewerteten.

Schaffrath ist Herausgeber der Schriftenreihe „Sportpublizistik“ sowie der Sammelbände „Traumberuf Sportjournalismus“ und „Sport-PR und PR im Sport“. Außerdem ist er Autor zahlreicher Bücher, Fachaufsätze und Vorträge zu diversen Themen der Sportkommunikation.

Kontakt: michael.schaffrath@tum.de

30 Sportjournalismus Fachjournalist No .4 2011

Brennpunkt Doping: worauf es beim investigativen TV-Sportjour­nalismus ankommt von Christoph G. Grimmer

Wenn ARD und ZDF ab 2012 bei der Tour de France Berichterstattung aus

dem Sattel steigen, soll in den ÖffentlichRechtlichen verstärkt das Thema „Doping“ auf dem Bildschirm erscheinen. Der für seine Rechercheergebnisse mehrfach preisgekrönte Sportjournalist und ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt erklärt seinen Anspruch

an journalistische Qualität, gewährt Einblick in das mauschelnde Sportsystem und benennt die Kompetenzanforderungen für Journalisten von (heute und) morgen. Hajo Seppelt, Sportjournalist des Jahres 2007, hält eine intensive Beschäftigung mit ökonomischen, sportethischen, medizinischen und juristischen Fragen schon während der sportjournalistischen Ausbildung für notwendig.

Die renommierte Rad-Rundfahrt Tour de France hat ausgestrampelt – zumindest im deutschen Fernsehen. Von 2012 an werden die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF auf eine Liveberichterstattung vom berühmtesten Drahtesel-Klassiker verzichten. Dies vermeldeten die übertragenden Sender bereits im Februar. Nachdem sich infolge der Doping­skandale schon zahlreiche Sportinteressierte vom Radsport abgewandt hatten, folgt nun der folgerichtige Medienboykott. „Das bedeutendste Radrennen der Welt findet bei den deutschen Fernsehzuschauern nur noch eine geringe Akzeptanz, die lange Live-Sendestrecken nicht mehr rechtfertigt“, heißt es in der offiziellen ARD-Pressemeldung. Dem Informationsauftrag tun die Öffentlich-Rechtlichen fortan in ihren Sport-Regelsendungen genüge. „Im Fokus steht darüber hinaus das Thema Doping, das für die Zuschauer kritisch begleitet und verständlich aufbereitet wird“ – mit diesen Worten schließt die Mitteilung.

Contadors Enttarnung Zum Team der Dopingexperten im Journalisten-Pool der ARD zählt auch Hajo Seppelt. Auf dessen Recherchen hin musste der Internationale Radsportverband UCI im

»„Der Radsport ist ein Kartell der Vertuscher, der Verschweiger – und leider auch der Lügner“« vergangenen Jahr einen positiven Dopingtest des Tour de France-Siegers Alberto Contador eingestehen. Den Clenbuterol-Befund beim Spanier während der Rundfahrt im Sommer 2010 hatte die UCI zuvor geheim gehalten. „Der Radsport ist ein Kartell der Vertuscher, der Verschweiger – und leider auch der Lügner“, zürnt Seppelt. „Es ist irrealistisch zu glauben, Sport allgemein jemals dopingfrei zu bekommen. Diese romantische Vorstellung vom Spitzensport geht davon aus, dass da nur ein paar schwarze Schafe unterwegs sind. Der Hochleistungsund Profisport ist aber von den Prinzipien des kapitalistischen Wirtschaftssystems in besonderer Weise geprägt und hat mit dem althergebrachten Begriff des 'Kulturguts Sport' nichts mehr zu tun.“ Soweit der desillusionierende Befund eines wirklichen Insiders. Seit 1985 ist Seppelt nunmehr Sportreporter der ARD, zunächst beim Sender Freies Berlin (SFB), ab 2003 beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Seit 2006 arbeitet der 47-Jährige als freier Journalist für die ARD und ist bekannt für seine Dopingdokumentationen. „Der primäre Maßstab ist, dem Zuschauer ungewöhnliche Einblicke in den Spitzensport mit den Mitteln des Fernsehens zu verschaffen.

Sportjournalismus 31 Fachjournalist No .4 2011

»„Welche medizinischen, ökonomischen und nicht selten kriminellen Hintergründe bei sportlichen Leistungen eine Rolle spielen, das wollen viele Sportlobbyisten lieber nicht im Fernsehen sehen.“« Ungewöhnlich ist vor allem der intensive Blick hinter die Kulissen des Spitzensports, der dem Fernsehzuschauer bei Liveübertragungen verborgen bleibt“, erklärt Seppelt. „Welche medizinischen, ökonomischen und nicht selten kriminellen Hintergründe bei sportlichen Leistungen eine Rolle spielen, das wollen viele Sportlobbyisten lieber nicht im Fernsehen sehen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir darüber berichten.“

Aus professioneller Distanz Der Sportjournalist des Jahres 2007 gibt sich mit bloßer Ergebnisberichterstattung nicht zufrieden: „Das wäre mir, ehrlich gesagt, zu langweilig.“ Zu gering und limitiert sei für ihn der journalistische Erkenntnisgewinn bei einem 1:0. Seppelt missfällt die vielerorts unheilvolle Nähe der Berichterstatter zum jeweiligen Berichterstattungsgegenstand, das räumt er offen ein. Jedoch bezweifelt der Journalist, der 2006 mit dem Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen vom Netzwerk Recherche ausgezeichnet wurde, dass diese Nähe in anderen Sparten des Journalismus nicht existiert. „Im Sport wird sie aber so offen zur Schau getragen wie in keinem anderen Bereich, gerade im TV-Sport.“

Er selbst hat diese Nähe längst verloren: Als Zwölfjähriger noch drückte er Hertha BSC die Daumen, „Anfang der 1980er-Jahre war das aber auch schon wieder vorbei“. Das Argument, durch persönliche Nähe an exklusive Informationen zu gelangen, überzeugt ihn nicht. „Oder haben Sie bemerkt, dass die Protagonisten dieser Haltung, die etwa das Duzen oft geradezu zelebrieren, regelmäßig substanzielle News produzieren? Gerade bei kritischen Sujets? Kaum. Sportjournalisten – insbesondere im TV – definieren sich allzu häufig als Presenter, als Verkäufer der Ware Sport“, kritisiert Seppelt. „Begeisterung soll vermittelt werden, eine Freude am Sujet, die sie häufig selbst verspüren. Ich befürchte allerdings, dass ein Übermaß an Begeisterung den klaren Blick auf das Geschehen trübt.“ Dass davon nur der Sportjournalismus betroffen ist, glaubt der frühere Schwimm-Kommentator nicht. Auch in anderen Sparten wie Politik-, Kultur- oder Wirtschaftsjournalismus fehle es an professioneller Distanz, beobachtet SEPPELT: „Mit welcher Emphase etwa manche Wirtschaftsjournalisten die täglichen Börsenkurse verkünden, lässt bei mir manchmal den Verdacht aufkeimen, da sind wahre Sportreporter am Werk.“

Recherche und Aufbereitung: zwei anspruchsvolle Schritte

Foto: F. Roth

Die Recherche und die mediale Aufbereitung der belastbaren Fakten sind die größten Herausforderungen für Seppelt und seine Kollegen im Dopingjournalismus. „Hinweisgeber sind im Milieu des Sportbetrugs natürlich besonders selten. Im Business ,Spitzensport‘ profitieren alle Beteiligten in ökonomischer Hinsicht, wenn das Dopingthema totgeschwiegen wird: Gute – möglicherweise auch unerkannt manipulierte – Leistungen werten das Sportereignis auf, das bringt höhere Einschaltquoten, mehr Sponsoren, mehr Geld für Verbände, lukrative Verträge für Sportler, gute Geschäfte für Manager; die Trainer und nicht zuletzt Mediziner werden aufgewertet durch erfolgreiche Leistungen der von ihnen betreuten Athleten“, betont Seppelt. Daher gelingt es in diesem Umfeld oft nicht, interessante Hinweise mit Indizien oder belastbaren Fakten zu erhärten. Die inhaltliche Substanz in den Reportagen und Dokumentationen jedoch ist nach SEPPELTs Maßgabe Ausgestrampelt: Ab 2012 verzichten ARD und ZDF auf eine Übertragung der Tour de France das unabdingbare A und O – dabei

32 Sportjournalismus Fachjournalist No .4 2011

spricht er vom „Erkenntnisgewinn für den Konsumenten“, sprich den Zuschauer. Im zweiten Schritt folgt dann die handwerkliche Aufbereitung der recherchierten Inhalte. „Die fernsehgerechte Umsetzung erweist sich in der Tat als weitere Hürde, weil die Anwesenheit einer Fernsehkamera offenbar in vielen Situationen abschreckend ist, Informanten nur anonymisiert oder häufig gar nicht zu einem TV-Interview bereit sind“, erklärt Seppelt. Es sei für Journalisten, die auf Bewegtbilder nicht angewiesen sind, ungleich einfacher. „Gelingt es dann aber doch mal, eindrucksvolle und ungewöhnliche Bilder und Interviews zu bekommen, ist die Authentizität und die Kraft der Bilder nach meiner Auffassung ein unschlagbares Argument für die Aufbereitung solcher Themen gerade im Fernsehen.“

Mittel zum Zweck Eine seiner bekanntesten Dokumentationen ist die zu den Olympischen Sommerspielen von Peking 2008 ausgestrahlte Reportage „Olympia im Reich der Mittel: Doping in China“ (mit Co-Autor Jo Goll). Der 45-minütige Beitrag befasste sich unter anderem mit in der Volksrepublik angebotenen Anabolika-Substanzen zu Dumpingpreisen. „150 Euro haben wir bezahlt, die offizielle Referenzsubstanz in Deutschland würde bis zu 40.000 Euro kosten“, erzählt Seppelt. Beim internationalen Sportfilm-Festival Liberec 2009 wurde der Beitrag mit dem Hauptpreis ausgezeichnet und bei den New York Festivals erhielt er die World Gold Medal in der Kategorie „best investigative report long form“. „Ich freue mich, wenn unsere Arbeit wahrgenommen und anerkannt wird“, sagt Seppelt. „Da wir auch immer wieder genug Gegenwind bekommen, vor allem aus Kreisen des organisierten Sports, ist die Unterstützung hilfreich.“

viele.“ Die konsequente und logische Rechnung: „Deshalb liegt es in ihrem Interesse, dass so viel Leistung wie möglich aus diesem Individuum herausgeholt wird. Der Sportler ist das ‚Nutztier‘ der Interessen seines Umfeldes, zugleich das letzte, wenn auch wichtigste Glied in der Verwertungskette des Hochleistungssports.“

Breitere Ausbildung empfohlen Nicht zuletzt wegen dieser Interessengemeinschaft mit Netzwerkstruktur sollten bei Journalisten schon rechtzeitig die Sinne geschärft werden, fordert Seppelt: „Notwendig ist aus meiner Sicht eine intensivere Beschäftigung mit allen Facetten des Hochleistungssports schon in der sportjournalistischen Ausbildung, seien es ökonomische, sportethische, medizinische oder juristische Fragen.“ Die Bemerkung jedoch, dass er zu den wenigen herausragenden Sportjournalisten zähle, die mit ihren Reportagen und Dokumentationen für Glanzlichter am deutschen Fernsehsporthimmel sorgten, lässt der Berliner nicht gelten. „Neben zahlreichen langjährigen Kollegen gibt es auch eine ganze Reihe guter und hoffnungsvoller Journalisten, auch im Fernsehen, die viel Engagement mitbringen sowie viel Mühe und Zeit in Recherchen investieren.“ Für diese erfreuliche Entwicklung ist nicht zuletzt bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF in den Sommermonaten Juni und Juli ab 2012 mit dem Verzicht auf die Liveberichterstattung von der Tour de France wieder viel Sendeplatz freigeworden. //

Der Autor Dipl.-Sportwiss. Christoph G. Grimmer promoviert an der Universität Hamburg im Bereich Journalistik, Kommunikationswissenschaft & PR und erhält dafür ein

»„Der Sportler ist das ‚Nutztier‘ der Interessen seines Umfeldes, zugleich das letzte, wenn auch wichtigste Glied in der Verwertungskette des Hochleistungssports.“«

Stipendium der Hamburger Wissenschaftsförderung. Seit 2010 ist er Dozent für Recherche und Sportgeschichte des Studiengangs Journalistik an der privaten Medienhochschule MHMK, bereits seit 2007 arbeitet er als freier Mitarbeiter für die Nachrichtenagentur dpa. Medienpraktische Berufser-

Doch trotz der wohl systemimmanenten Versuchung, sich auf welche Art und Weise auch immer einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen, sieht Seppelt den Sportler nicht als Alleintäter. Vielmehr vergleicht er diesen mit einem Dukatenesel, der für sein Team die Ernte einholt: „Wenn der Sportler ,funktioniert‘, wenn er Leistung bringt, erfolgreich ist, Medaillen gewinnt oder Rekorde erzielt, dann profitieren alle Player des Spitzensports davon: die Sportverbände, die Sponsoren, die TV-Anstalten, die Manager, Trainer, Ärzte usw. Vom individuellen Erfolg des Sportlers profitieren also

fahrungen sammelte der frühere Stipendiat der FriedrichNaumann-Stiftung für die Freiheit zudem in diversen Praktika (u. a. kicker, Sport Bild, Hamburger Abendblatt, NDR Fernsehen, Sky Fernsehen, Sport 1).

Kontakt: christophgrimmer@yahoo.de

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Fachjournalismus im Gespräch Brauchen Lokalzeitungen Fachjournalismus? Siegfried Quandt im Gespräch mit Wolfgang Maaß Geschäftsführer, Chefredakteur und Vorsitzender des Hessischen Zeitungsverleger-Verbandes

Im Gießener Anzeiger gibt es Journalisten, die sich vor allem mit Wirtschaft oder mit regionalen Hochschulen beschäftigen. Inwieweit brauchen Lokalzeitungen Fachjournalismus? Wir haben in der Regel Allrounder. Aber sie haben unterschiedliche Schwerpunkte, zum Beispiel im Bereich Wirtschaft oder Hochschulen.

Aber wir halten es durchaus für notwendig, dass sich die freien Journalisten in größeren Themenfeldern auskennen beziehungsweise sich darin aktuelles Wissen aneignen. Herr Maaß, vielen Dank für das Gespräch. //

WOLFGANG MAAß, Jahrgang 1955, studierte Rechts- und

Auch bei Lokalzeitungen wird heute von der Leserschaft erwartet, dass sie über die großen aktuellen Fragen wie Finanzkrise oder Gesundheitsreform fundierte Aussagen machen. Inwieweit schaffen das Ihre Lokaljournalisten?

Wirtschaftswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Nach Assistenzzeit mit Promotion zum Dr. iur. und Tätigkeit bei der Deutschen Bank in Frankfurt trat er 1987 in die Geschäftsleitung der Gießener Anzeiger Verlagsgruppe ein, wo er 1990 zusätzlich die Chefredaktion übernahm. Ehrenamtlich engagiert er sich u. a. als Vorsit-

Natürlich haben wir den Anspruch, auch allgemeinere Fragen zu behandeln und auf das Lokale herunterzubrechen. Das müssen unsere Leute schaffen, auch mithilfe von Experten von außen. Ein System von fachjournalistischen Spezialisten für die großen Themenfelder können sich Lokalzeitungen nicht leisten.

zender des Verbandes Hessischer Zeitungsverleger e. V. und als Präsident der IHK Gießen-Friedberg.

Prof. Dr. Siegfried Quandt hat den Gießener Studiengang

Fachjournalistik mit historisch-politischem Schwerpunkt

Welche zusätzlichen Personen- oder Kompetenzressourcen nutzen Sie über Ihre eigene Mannschaft hinaus?

gegründet und zwanzig Jahre lang geführt. Er ist Leiter des Gießener TransMIT-Zentrums für Kommunikation, Medien und Marketing und Präsident des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes.

Wir haben zum Beispiel einen Korrespondenten für Finanzfragen in Frankfurt am Main, der regelmäßig (auch) für uns berichtet. Außerdem verfügen wir über ein breites Netz von politischen Korrespondenten in wichtigen Ländern, politischen Fachjournalisten also. Im Übrigen gibt es freie Journalisten mit besonderer Themenkompetenz, mit denen wir zusammenarbeiten. Kümmern sich die Verleger um die Aus- oder Fortbildung der Freien, die für Sie arbeiten? Die Freien setzen ihre Schwerpunkte selbst und organisieren sich ganz selbstständig. Auch um deren Fortbildung kümmern sich die Zeitungsverleger nicht.

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25. Oktober 2011: Crowdfunding – Finanzierungs­ modell für freie Journalisten und Fotografen (-netzwerke)? Am 25. Oktober 2011 ist es soweit: dfjv:konnekt feiert Premiere, zu der wir Sie herzlich einladen. Mit dem neuen Veranstaltungsformat des DFJV möchten wir allen Mitgliedern die Möglichkeit geben, an Diskussionen zu aktuellen journalistischen Themen teilzunehmen.

Was ist neu? dfjv:konnekt widmet sich pro Veranstaltung jeweils →  nur einem aktuellen Thema: mehr Tiefe, statt nur an der Oberfläche zu kratzen.  → dfjv:konnekt steht jedem Interessierten offen – per Livestream im Internet. → dfjv:konnekt ist interaktiv: Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme an der Diskussion per Twitter vor, während und nach der Veranstaltung sowie live vor Ort in Berlin.

→ Was ist und wie funktioniert Crowdfunding überhaupt? → Welche Plattformen gibt es derzeit? Mit welchem thematischen Bezug? Ist Crowdfunding als Finanzierungsform auch für →  (freie) journalistische Projekte geeignet? → Gibt es erfolgreiche Beispiele? Wo liegen Chancen und Grenzen? → Wie gelingt die Mobilisierung der „Crowd“ und letztlich die Finanzierung? → Hat das Konzept für den Journalismus eine Zukunft in Deutschland? Für die Auftaktveranstaltung haben wir profilierte Experten und Praktiker als Podiumsgäste gewinnen können. Es erwarten Sie als Moderator

Das Thema der Auftaktveranstaltung lautet:

„Crowdfunding – Finanzierungsmodell für freie Journalisten und Fotografen (-netzwerke)?“

→ D r. Leonard Novy (stiftung neue verantwortung, Projektleiter der aktuellen Umfrage „Journalismus 2020“)

Der Begriff „Crowdfunding“ ist mittlerweile einer breite- sowie die Podiumsteilnehmer ren Netz-Öffentlichkeit vertraut. Es gibt Beispiele für erfolgreich crowdfinanzierte Projekte aus dem Bereich der → K arsten Wenzlaff (Geschäftsführer ikosom), Film- und Musikbranche, auch gemeinnützige Ideen und → N. N. (Geschäftsführer eines Plattformbetreibers), Buchprojekte konnten bereits realisiert werden. Neue → N icole Walter (Chefredakteurin des Blogs „bier Crowdfundingplattformen, teils mit einem spitzen themastatt blumen“), tischen Fokus, belegen den Trend. Veranstaltung: dfjv:konnekt Aber kann Crowdfunding auch ein Thema: Crowdfunding – Finanzierungsmodell für freie Erfolg versprechendes FinanzieJournalisten und Fotografen (-netzwerke)? rungsmodell für freie Journalisten Datum: 25. Oktober 2011 bzw. journalistische Projekte sein? Anmeldeschluss: 16. Oktober 2011 Ort: Berlin, Radialsystem V und im Livestream auf Folgenden Kernfragen will sich die http://conference.make.tv/dfjv-konnekt Diskussion am 25. Ok­ to­ ber 2011 Uhrzeit: 18:30 Uhr u. a. widmen:

i

DfJV inTern 35 Fachjournalist No .4 2011

→ fLoriAn siebecK (Redakteur und Mitgründer Herznote Verlag), → dr. AndreA KAmPhuis (freie Publizistin / Buchautorin). Wir freuen uns darauf, das Thema gemeinsam mit Ihnen am 25. Oktober 2011 aus journalistischer Perspektive näher beleuchten zu können. mehr informationen zum veranstaltungsformat erhalten sie auf www.dfjv-konnekt.de. hier finden sie auch ein fact-sheet mit informationen und weiterführenden Links zum thema „crowdfunding“ sowie eine vorstellung der Podiumsteilnehmer. den Livestream zur veranstaltung und den twitterfeed erreichen sie über http://conference.make.tv/dfjv-konnekt. mit redaktionsschluss bestand noch die möglichkeit, sich für die veranstaltung am 25. oktober 2011 in berlin über den Link http://www.amiando.com/dfjvkonnekt.html anzumelden. Anmeldeschluss ist der 16. oktober 2011, registrierungen werden in der reihenfolge ihres eingangs angenommen. bitte beachten sie, dass die maximale teilnehmerzahl für die veranstaltung bei 80 Personen liegt. über den aktuellen status informieren wir sie auch per e-mail und auf www.dfjv.de. //

Fachjournalist Fa ch j o u r n a l i s m u s , Fa ch - P R & Fa ch m e d i e n

imPressUm Herausgeber Prof. Dr. Siegfried Quandt (Präsident des DFJV) DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband AG verlag DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband AG Hegelplatz 1, 10117 Berlin Telefon 030 / 81 00 36 88 0 Fax 030 / 81 00 36 88 9 Chefredaktion Lars von Hugo (V.i.S.d.P.) fachjournalist@dfjv.de redaktionsbeirat gabriele bartelt-Kircher, Leiterin der Journalistenschule-Ruhr  markus becker, Leiter des Ressorts Wissenschaft bei Spiegel-Online  Prof. dr. udo branahl, Institut für Journalistik an der Universität Dortmund  Prof. dr. ulrike buchholz, Fachbereich Informations- und Kommunikationswesen an der Fachhochschule Hannover Prof. dr. rainer burchardt, Lehrbeauftragter für Media Management an der Fachhochschule Kiel  Prof. dr. giso deussen, ehem. Leiter des Studiengangs Technikjournalismus an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg walter engstle, Geschäftsführer der UVK Verlagsgesellschaft, ›Reihe Praktischer Journalismus‹  Prof. dr. christoph fasel, Professur für Medien- und Kommunikationsmanagement, SRH Hochschule calw  dr. med. christoph fischer, Facharzt und Lehrbeauftragter an der Hamburg Media School wolfgang goede, M. A., Wissenschaftsredakteur der Zeitschrift P. M.  dr. gabriele hooffacker, Leiterin der Journalistenakademie München  Prof. dr. guntram Platter, Professur für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH)  A. o. Prof. dr. dr. benno signitzer, Fachbereich Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg  werner starz, M. A., Direktor Marketing und Kommunikation bei Eurosport  Prof. (em.) dr. Jan tonnemacher, Lehrstuhl für Journalistik II an der Katholischen Universität Eichstätt eva wiese, Technology communications, Daimler chrysler titelillustration Esther Schaarhüls Druck Messedruck Leipzig GmbH anzeigen anzeigen@dfjv.de Die aktuellen Mediadaten des Fachjournalist erhalten Sie auf www.fachjournalist.de autoren dieser ausgabe christoph G. Grimmer · Brigitte Hagedorn · Eva Hakes Moritz "Mo." Sauer · Michael Schaffrath · Jennifer Schwanenberg Andreas Schümchen · Katharina Seuser · Siegfried Quandt leserbriefe wie Statements, Anregungen, Lob und Kritik bitte an: leserbriefe@dfjv.de Erscheinungstermine: Der Fachjournalist erscheint quartalsweise. Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes erhalten den Fachjournalist kostenfrei. rechtliches Der Inhalt namentlich gekennzeichneter Beiträge spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider. Bei Einsendung von Manuskripten wird das Verständnis zur vollen oder auszugsweisen Veröffentlichung (Print und Online) vorausgesetzt. Hinweise für Autoren erhalten Sie unter www.fachjournalist.de. Issn 1860-2827

Angeschlossen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW)

UVK:Neue Impulse für Journalisten

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Heiko Lenz Suchmaschinenoptimiert schreiben 2011, 198 Seiten 60 s/w Abb., broschiert ISBN 978-3-86764-284-2 € (D) 24,90 / € (A) 25,60 / freier Preis SFr 35,90 Praktischer Journalismus 90

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Fachjournalist - Oktober 2011