Page 1

No. 2 2011

April 2011 11. Jg. ISSN 1860-2827

Technikjournalismus heute Acht Beobachtungen zur Entwicklung und aktuellen Situation Daten rücken in den Fokus Wie Fachjournalisten davon profitieren können

Mehr Mut zur Fachkompetenz Zwischen Fachjournalisten und Redaktionen könnte es fruchtbarer zugehen - ein Annäherungsversuch


0 INHALT Fachjournalist No .2 2011

04

Daten rücken in den Fokus Wie Fachjournalisten davon profitieren können Ulrike Langer

07

„Wünschenswert sind Grundkenntnisse statistischer Zusammenhänge“ Ulrike Langer im Gespräch mit Christiane Schulzki-Haddouti

10

Mehr Mut zur Fachkompetenz Zwischen Fachjournalisten und Redaktionen könnte es fruchtbarer zugehen – ein Annäherungsversuch Silke Liebig-Braunholz

04 datenJOURNALISMUS Potenziale für Fachjournalisten

16

Technikjournalismus heute Acht Beobachtungen zur Entwicklung und aktuellen Situation Andreas Schümchen, Jennifer Schwanenberg

21

Der Technikjournalist – das unbekannte Wesen Christian Preiser, Georg Küffner

23

Eldorado am Dienstag Seit 25 Jahren leistet sich die F.A.Z. ein eigenes „Technik und Motor“-Ressort Christian Preiser, Georg Küffner

16 TechnikJOURNALISMUS Status Quo & Entwicklung

26

Der Medien-Doktor Bei Journalisten zur Visite Marcus Anhäuser

30

Gesundheitskommunikation Klare Positionen in Zeiten des Wandels Sabine Seifert

32 26 MEDIZINJOURNALISMUS Der Medien-Doktor: Bei Journalisten zur Visite

Rezension Blogs, Video & Online-Journalismus

33

DFJV Intern

10

02 INHALT 03 EDITORIAL 25 IMPRESSUM

Fachjournalismus Mehr Mut zur Fachkompetenz


EDITORIAL 0 Fachjournalist No .2 2011

Liebe Leserin, liebeR Leser,

der Schwerpunkt dieser Ausgabe ist dem Technikjournalismus gewidmet. ANDREAS SCHÜMCHEN und JENNIFER SCHWANENBERG gehen der Frage nach, wie sich dieser

zehn Jahre nach dem Start des ersten reinen Technikjournalis­musstudiengangs in Deutschland entwickelt hat – das Ergebnis lesen Sie ab Seite 16. Ihrer Erkenntnis, dass eine fundierte Berichterstattung über Technik gerade auch aus gesellschaftlicher und ökonomischer Perspektive essenziell ist, schließen sich CHRISTIAN PREISER und Georg Küffner an. Sie formulieren in ihren Beiträgen Anforderungen an den „idealen

Technikjournalisten“ (Seite 21) und gewähren uns einen Blick hinter die Kulissen des „Technik und Motor“-Ressorts der F.A.Z. „Mehr Mut zur Fachkompetenz“, so lautet das Plädoyer von SILKE LIEBIG-BRAUNHOLZ. Denn in einem sind sich die von ihr interviewten Fachjournalisten einig: Fachliche Spezialisierung ist sinnvoll. Eine Position, die der DFJV seit jeher vertritt. Mitnichten ist es jedoch so, dass freie Fachjournalisten überall offene Türen einrennen. Das weit verbreitete Unterhaltungspostulat, die Angst der Publikumspresse, dem Rezipienten zu viel Fachkompetenz zuzumuten, eine Scheu vor allzu kritischen (Anzeigenkunden verprellenden) Beiträgen, eine auf Besitzstandswahrung fußende Sorge vor zu viel „freier“ Kompetenz – alles behindernde Faktoren, die von den Interviewpartnern ins Feld geführt werden. Und dennoch: Es kann „fruchtbarer“ zugehen, wenn Journalisten lernen, sich sach-, zielgruppen- und mediengerecht zu vermarkten und Redaktionen die Chancen einer Profilierung über Fachkompetenz realisieren und zulassen. Standpunkte dazu ab Seite 10. Chancen zur Profilierung bietet aktuell auch der sogenannte „Datenjournalismus“ – gerade für Fachjournalisten. Denn einer steigenden Anzahl aufzubereitender Datensätze stehen noch wenige Fachjournalisten gegenüber, die sich auf die systematische Aufbereitung und Nutzung von Daten in journalistischer Form spezialisiert haben. Potenziale, Anforderungen und Best-Practice-Beispiele werden ab Seite 4 von ULRIKE LANGER dargelegt.

Wie das Projekt „Medien-Doktor“ versucht, ein Bewusstsein für Qualitätsstandards im Medizinjournalismus zu schaffen und wie erfolgreiche Healthcare-Kommunikation aus Agentursicht verstanden wird, erfahren Sie zudem ab Seite 26 bzw. Seite 30. Eine lohnende Lektüre wünscht Ihnen

IHR LARS VON HUGO (Chefredakteur)


0 datenjourNALISMUS Fachjournalist No .2 2011

Daten rücken in den Fokus Wie Fachjournalisten davon profitieren können von Ulrike Langer

Fachjournalisten müssen nicht unbedingt programmieren können. Aber sie sollten wissen, wie interaktive Datenaufbereitung den Sportjournalismus, den Wirtschaftsjournalismus oder andere Fachjournalismen bereichern kann. Noch wird Datenjournalismus nicht systematisch gelehrt. Das verschafft Pionieren auf diesem Gebiet Wettbewerbsvorteile. Ein Journalist, der ohne Computer- und Internetkennt­ nisse arbeitet? Unvorstellbar im Jahr 2011. Genauso vorgestrig werden in einigen Jahren Journalisten wirken, die sich dem Umgang mit Excel-Tabellen verweigern, glaubt SIMON ROGERS, Datenchef des GUARDIAN. Die britische Tageszeitung gehört zusammen mit der NEW YORK TIMES zur Speerspitze des Datenjournalismus. Dazu gehört mehr, als bloß Infografiken zu drucken oder ins Netz zu stellen: Datenjournalisten werten Datensätze systematisch aus, visualisieren sie in interaktiven Grafiken1, rücken Daten in den Mittelpunkt einer Geschichte, machen Originärquellen transparent und stellen Datensätze der Allgemeinheit zur Verfügung.

teilweise stehen sie kostenlos im Netz zur Verfügung. Das Informationsfreiheitsgesetz, die „Open Data“-Bewegung, die sich für frei zugängliche, öffentliche Daten einsetzt, und Whistleblower-Plattformen wie WIKILEAKS haben riesige Datenberge erzeugt. Gleichzeitig hat die Bericht­ erstattung über WIKILEAKS weitere Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt. Auch SASCHA VENOHR, Ent-­­ wicklungsredakteur bei ZEIT ONLINE sieht im Daten­ journalismus einen wichtigen Trend: „Gerade im angel­ sächsischen Raum haben Gesetzesinitiativen, die vom Gedanken des Open Government geprägt sind, neue spannende Quellen mit maschinenlesbaren Daten geöff­ net.“3

Der GUARDIAN machte schon vor zwei Jahren von sich reden, als er fast eine halbe Million Dokumente zum Spesenskandal der Unterhausabgeordneten über eine offene Schnittstelle ins Netz stellte und seine Nutzer bat: „Können Sie uns mit der Überprüfung dieser Daten helfen?“. Die Resonanz war überwältigend und machte die weitere umfassende Berichterstattung der Zeitung ­ zum Thema erst möglich.2 Seitdem haben die Londoner einen Datablog und einen Datastore eingerichtet. Letzte­ res ist eine Serviceabteilung, die sich um das Aggregieren, Gewichten und Auswerten von Daten für redaktionelle Beiträge kümmert. Mehrfach wurde der GUARDIAN für seine Aufbereitung der WIKILEAKS-Dokumente gelobt, ­ die nicht nur in herkömmliche und multimedial aufbereitete Berichte mündete, sondern auch in eine von Nutzern recherchierbare Daten­ bank. TOOLS

Für VENOHR und ZEIT ONLINE ist Datenjournalismus „ein wichtiger Baustein in den Darstellungsformen, die uns zur Verfügung stehen – keine Modeerscheinung.“ Im September 2010 veröffentlichte ZEIT ONLINE ein Dossier über die Todesopfer rechter Gewalt.4 Die Bei­träge sind in erster Linie das Ergebnis einer auf­wendi­gen investigativen Recherche – den 47 offiziell dokumen­ tierten Fällen von Mord oder Totschlag von 1990 bis 2010 stehen frappierende 137 von ZEIT ONLINE belegte Fälle gegenüber. Eine interaktive Karte mit einer Zeit­ leiste, in der sich die markierten Orte der Übergriffe suk­ zessive anhäufen, zeigt, dass rechtsradikale Gewalt we­ der zeitlich noch räumlich ein punktuelles, sondern ein manifestiertes gesamtdeutsches Phänomen ist. ( →Abb. 1) Alle recherchierten Detailinformationen zu den 137

Tools werden preiswert, Datenberge wachsen Mehrere Faktoren haben den Da­ tenjournalismus jüngst aus seinem „nerdigen“ Nischendasein geholt. Die Tools, um Daten aufzuberei­-­ ten, sind preiswert geworden,

Data-Scraping: Liste mit Werkzeugen zum Auslesen ("Scrapen") von Daten → http://www.opendataday.org/wiki/Tools International Open Data Hackathon: Linkliste zu frei zugänglichen Tools → http://www.opendataday.org/wiki/Tools Periodensystem der Datenvisualisierungs-Methoden: → http://www.visual-literacy.org/periodic_table/periodic_table.html Zehn hervorragende freie Tools zum Erstellen von Infografiken: → http://www.makeuseof.com/tag/awesome-free-tools-infographics/


datenJOURNALISMUS 0 Fachjournalist No .2 2011

ABB. 1: „Todesopfer rechter Gewalt 1990 – 2010“

Quelle: ZEIT ONLINE (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/todesopfer-rechter-gewalt)

Fällen stehen als frei zugängliche Onlinetabelle zur Verfügung – auch als Basis für künftige Beiträge anderer Medien. Bei dieser aufwendigen Recherche eignete sich das Team Fähigkeiten im Umgang mit Datensätzen an, die künftig immer wieder, wenn es sinnvoll erscheint, eingesetzt werden sollen. Interessante Entwicklungen beim Trend­thema Datenjournalismus begleiten sowohl ZEIT ONLINE als auch die Berliner TAGESZEITUNG in eigenen Blogs zum Thema.5

Noch keine systematische Ausbildung Noch wird Datenjournalismus in Deutschland nicht syste­ matisch gelehrt. Doch auch in den USA gibt es bisher nur punktuelle Ausbildungsschwerpunkte. In New York hat im Herbst 2010 die COLUMBIA JOURNALISM SCHOOL damit begonnen, erstmals 15 Journalistikstudenten in einem neuen Studiengang zu Datenjournalisten an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Informatik auszubilden. In Deutschland beschäftigen sich bisher nur rund ein Dutzend Journalisten und Programmierer intensiv mit dem Thema. Worauf es dabei ankommt, sind sich die Pioniere allerdings weitgehend einig. „Datenjournalismus ist, sich nicht mit selektiv vorge­ fertigten Daten zufriedenzugeben, sondern alle Rohdaten auszuwerten und diese auch zur Verfügung zu stellen“, betont SEBASTIAN MONDIAL (Langer, U. 2011, S. 41). Er ist Redakteur beim STERN im Team „Investigative

Recherche“ sowie Trainer an der HENRI-NANNENSCHULE, an welcher er in diesem Jahr den neuen Lehr­ bereich Datenjournalismus mit Seminaren für Schü­ler sowie Schulungen für Redakteure der Verlage GRUNER + JAHR, ZEIT und SPIEGEL aufbaut. Für LORENZ MATZAT, freischaffender Berliner Journalist und Medientrainer,6 liegt Datenjournalismus im Schnittfeld zwischen Info­ grafiken, interaktivem Storytelling und investigativer Recherche. Das sehen auch andere Experten so. Und alle sind sich einig, dass spezielle Programmierkenntnisse weitaus unwichtiger sind als der richtige Umgang mit ­ dem Tabellenkalkulationsprogramm EXCEL oder Grund­ kenntnisse beim Arbeiten mit GOOGLE Tools oder dem Programm MANY EYES. Die meisten datenjournalistischen Beispiele, die zumeist mit frei zugänglichen Tools aufbereitet werden, entdeckt man im Lokalen. Wenn sich in Datensätzen lokale Auffälligkeiten finden, springen Regionalzeitungen gerne auf ein Thema an. Oft lassen sich Geodaten auf einer interaktiven Karte verorten. So stellte die TAZ die wahrscheinlichen lokalen Lärmauswirkungen des geplan­ten Großflughafens BERLIN BRANDENBURG INTERNATIO­ NAL in einer interaktiven Anwendung dar. Doch auch in einigen Fachressorts spielt Datenjournalismus eine immer größere Rolle. Überall dort, wo immer schon Daten gesammelt und in Form von Tabellen und Kurven dargestellt wurden – im Wirtschafts- und Politikjour­


0 datenJOURNALISMUS Fachjournalist No .2 2011

nalismus, in der Börsenberichterstattung oder im Sport­­journalismus – entwickeln Experten innerhalb und außer­ halb der Medien neue Methoden, um Daten auszuwerten und interaktiv darzustellen.

Geschichten ergeben sich erst durch Daten Die NEW YORK TIMES schuf unmittelbar nach den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver ein inter­aktives Klangbild, um darzustellen, wie minimal die Zeitunterschiede zwischen einem siegreichen und einem hinteren Platz im Spitzensport sind.7 Der Effekt ist verblüffend und würde mit einer herkömmlichen Tabelle oder Grafik sicher nicht erreicht. Die Berliner Agentur ABB. 2: „Offener Haushalt“

Quelle: http://bund.offenerhaushalt.de/

TACTICAL TOOLS visualisierte die Haushaltsposten des

Bundes in einer sogenannten „Tree Map“ (verschachtelte Rechtecke mit maßstabgetreuer Größe). ( →Abb. 2) Ihr Projekt „Offener Haushalt“8 will mehr Transparenz schaffen, wie der Staat Steuermittel verwendet, und ist das einprägsamere deutsche Pendant zur britischen Webseite „Where does my money go?“. Wer auf einen Posten klickt, gelangt auf Unterbereiche mit feineren Aufschlüsselungen. Insgesamt wurden 7.000 Posten (plus ein Vielfaches an Unterposten) dargestellt. Jeder Haushaltsposten hat eine eigene Internetadresse (URL). So können Online­ berichte illustriert und mit zusätzlichen Informationen ergänzt werden. Fortsetzung folgt auf Seite 8 >>


datenJOURNALISMUS 0 Fachjournalist No .2 2011

„Wünschenswert sind Grundkenntnisse statistischer Zusammenhänge“ ULRIKE LANGER im Gespräch mit CHRISTIANE SCHULZKI-HADDOUTI über die

Bedeutung von Datenjournalismus im Fachjournalismus

Bei vielen datenjournalistischen Anwendungen stehen lokale Themen im Vordergrund. Profitiert auch der Fachjournalismus vom Trend Datenjournalismus? Ich glaube, dass der Fachjour­nalismus extrem vom Datenjournalismus profitieren kann, weil viele Sta­ tistiken oder Daten aus Behörden sehr spezialisiert sind, wie zum Beispiel Umweltdaten. GREGOR AISCH hat jüngst Energiedaten der EU visualisiert. Das ist ein sehr umfassendes Thema, das man für viele Facetten datenjournalistisch aufbereiten kann: Kernenergie, Fusionsforschung, erneuerbare Energien. Dort lassen sich sicher plakative Vergleiche anstellen, die man wiederum in journalistische Beiträge umsetzen kann.

Gehört dazu auch, die Rohdaten zur Verfügung zu stellen? Grundsätzlich ist das wünschenswert, aber es bietet nur dann einen Mehrwert, wenn die Leser damit arbeiten können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Rohdaten aufgearbeitet und redigiert werden müssen, weil die Formate oftmals nicht zueinanderpassen und Doppelungen enthalten sind. Die Daten müssen im­ mer bereinigt werden. Aber dann sollten sie durchaus einsehbar sein, auch wenn sie ohne Visualisierung nicht wirklich greifbar sind. Was sollte man als Fachjournalist beherrschen, um Datenjournalismus sinnvoll einsetzen zu können?

Sind das auch Ihre eigenen Erfahrungen? Ich habe selbst den Bundeshaushalt nach Daten zu Energiequellen und Finanzierung durchforstet. Gerade bei der Kernfusionsforschung stößt man ziemlich rasch an Grenzen, wenn es darum geht, wie viele In­ stitute wie viel Geld bekommen. Wenn man das ver­tieft, erkennt man bald, wo gemauert wird und wo es anfängt politisch zu werden. Dort muss man traditio­ nell wei­terrecherchieren und kann zu politischen Fra­ ge­stellungen gelangen, die man vorher nicht gesehen hat. Datenjournalismus muss gar nicht unbedingt zu Visualisierungen führen. Allein schon der Re­ cher­cheweg über die Zahlen kann zu interessanten und manchmal auch ernüchternden Erkenntnissen führen. Können interaktive Datenvisualisierungen komplexe wirtschaftliche oder wissenschaftliche Sachverhalte besser illustrieren als herkömmliche Grafiken und Schaubilder? Ja, auf jeden Fall. Man kann die Grafiken entsprechend den eigenen Interessen individuell erforschen und aufbereiten. Es ist auch sinnvoll, Daten kommentierbar zu machen, weil dann über das Feedback zusätzliche Details und Zusammenhänge erfasst werden können. Das lohnt sich natürlich nur bei sehr komplexen und umfangreichen Datensätzen.

Die Mindestvoraussetzung ist: Keine Angst vor Zahlen haben. Wünschenswert sind Grundkenntnisse statistischer Zusammenhänge und dass man Daten­ material auf seine Verwertbarkeit hin zuverlässig be­ urteilen kann. Dafür sollte man mindestens mit einem Tabellenkalkulationsprogramm umgehen können, sonst wird es sehr schwierig, wenn nicht gar unmög­ lich. Man muss mit Excel wirklich spielen können. Muss man auch programmieren können? Nein, aber man muss mit Programmierern einen vernünftigen Dialog führen können und deren Möglichkeiten kennen. Noch wird Datenjournalismus in Deutschland erst in Ansätzen institutionalisiert gelehrt. Öffnet sich hier gerade ein Zeitfenster für Fachjournalisten, um sich als Pionier mit gefragten Zusatzkenntnissen zu profilieren? Auf jeden Fall, weil es in Deutschland zu wenig da­ ten­journalistische Angebote und in den Redaktionen zu wenig Ansätze dafür gibt. Es ist zu erwarten, dass Journalisten künftig immer mehr Daten zur Verfügung stehen werden, auch dank der Informationsfreiheits­ gesetze. Wenn man mit diesen Daten umgehen kann, ist das auf jeden Fall ein Wettbewerbsvorteil.


0 datenJOURNALISMUS Fachjournalist No .2 2011

ABB. 3: „Parteispenden in Deutschland“

Quelle: Gregor Aisch, http://www. vis4.net

Auf ganz ähnliche Weise verglich die Münchner Agen­ tur WEBEVANGELISTEN die Haushaltsausgaben eines Durch­­schnittshaushalts mit einem typischen Hartz-IVEmpfänger-Haushalt.9 Datenvisualist GREGOR AISCH,10 beteiligt an der Umsetzung von „Offener Haushalt“, visu­alisierte auch Parteispenden in Deutschland ( →Abb. 3), Neben­einkommen deutscher Bundestagsabgeordneter,11 inter­nationale Hilfen zwischen Staaten12 oder die Ab­hän­ gig­keit von Energieimporten im europäischen Ver­gleich. Er sieht den entscheidenden Unter­schied zwischen her­ kömmlichen Infografiken, die es im Jour­na­lismus seit Jahrzehnten gibt, und Datenvisualisierungen neueren Typs in der Interaktivität. Bisweilen ergäben sich Ge­ schichten auch erst durch die Analyse und Visualiserung von Daten, so AISCH im lab-Blog der DEUTSCHEN WELLE: „Wenn ich klassisch Daten analysiere, finde ich Extreme. Ich filtere die Top 10 raus, gucke mir den Besten und den Schlechtesten an, aber die Muster, die sich im uninteressanten Mittelfeld ergeben, die finde ich durch eine Analyse von Tabellen eher selten.“13

Nicht jede Statistik bietet Mehrwert Allerdings sieht der Experte derzeit auch Tendenzen, jede neue Visualisierung zu feiern, nur weil das Thema gerade "en vogue" ist. Das findet auch der Sportjournalist JENS WEINREICH übertrieben. „Im Sport liegt es schon in der Natur der Sache, dass sich alles messen und summieren und analysieren lässt“, so WEINREICH.14 Nur sei das Sammeln von Daten und Präsentieren von Statistiken noch kein Journalismus, sondern erfülle zumeist nur eine Unterhaltungsfunktion. Beim Thema Korruption im Sport, Schwerpunkt des mehrfach preisgekrönten investigativen Journalisten, seien Fähigkeiten in der Aufbereitung von Daten weniger gefragt als die Kunst, an Dokumente zu kommen, die von interessierter Seite lieber geheim gehalten würden. „Wenn es zum Beispiel darum geht, Bestechungen bei der jüngsten Vergabe der FußballWeltmeisterschaften 2018/2022 nachzuweisen, nützt mir erstmal auch keine Excel-Datei“, so WEINREICH.15 Konkrete Beispiele, wie echte Investigativleistungen im


datenJOURNALISMUS 0 Fachjournalist No .2 2011

Sportbusiness mit Tools des Datenjournalismus erreicht worden sind, kennt der Sportjournalist nicht. Zwei Beispiele für Sportjournalismus, der letztlich nur noch aus Daten besteht, stammen aus den USA. Die Smart­phone-App GAMECHANGER soll Trainern, Vereinsmit­-­ glie­dern und Fans erleichtern, Spielverläufe und Ergeb­nis­se im Blick zu behalten. Gleichzeitig sollen lokale Medien auf die von Nutzern erhobenen Daten zugreifen können. Eine weitere Software namens STATMONKEY wurde von Studenten an der NORTHWESTERN UNIVER­ SITY in der Nähe von Chicago entwickelt. Hier setzt ein Algorithmus ganz ohne Journalisten komplette Spiel­ berichte aus Phrasen und Textbausteinen zusammen. Noch handelt es sich allerdings nur um eine Projekt­ studie.

Chancen für Pioniere Doch Projekte wie STATMONKEY oder real existierende Contentfabriken wie DEMANDMEDIA, in denen ein Al­ gorithmus vorgibt, über welche Stichworte geschrieben werden soll, weil sich dort über die GOOGLE-Such­ ergebnisse lukrative Werbung schalten lässt, sind nur ein Vorgeschmack. Viele Routineaufgaben im Sport- oder Wirtschaftsjournalismus könnten künftig von Software statt Journalisten übernommen werden. Im Gegenzug können sich Fachjournalisten die Datenfülle als zukunfts­trächtiges Feld nutzbar machen. Sie können lernen, Informationen und Erkenntnisse optimal aus Datensät­ zen herauszuholen, und – ob in einer Redaktion oder freischaffend – ihre Expertise zu einem Alleinstellungs­ merkmal auszubauen. Pioniere auf diesem Gebiet können über Projektmangel nicht klagen. Denn eines zeichnet sich ab: Große Datensätze, die es zu durchsuchen und aufzubereiten lohnt, wird es künftig immer häufiger geben.//

Endnoten: Zum Beispiel: BP Oil Spill, http://www.nytimes.com/interactive/2010/05/01/ us/20100501-oil-spill-tracker.html 2 „MPs' expenses: all the revelations, as a spreadsheet”, http://www.guardian. co.uk/news/datablog/2009/may/13/mps-expenses-houseofcommons 3 „Thema Datenjournalismus: Das Beispiel ,Zeit online‘ “, Interview von Ulrike Langer mit Sascha Venohr, http://www.mediummagazin.de/magazin-plus/ thema-datenjournalismus-das-beispiel-zeit-online/ 4 http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/todesopfer-rechter-gewalt 5 http://blog.zeit.de/open-data/, http://blogs.taz.de/open-data/ 6 http://www.datenjournalist.de/ 7 „Fractions of a Second: An Olympic Musical “: http://www.nytimes.com/ interactive/2010/02/26/sports/olympics/20100226-olysymphony.html. 8 http://bund.offenerhaushalt.de/ 9 „Durchschnittliche Haushaltsausgaben in Deutschland“, http:// webevangelisten.de/verbraucherpreise/ 10 http://vis4.net/blog/de 11 http://www.nebeneinkuenfte-bundestag.de 12 Zum Beispiel EU-Agrarsubventionen: http://www.farmsubsidy.org/ 13 Gregor Aisch im Interview mit Steffen Leidel und Marcus Bösch, lab, http://training.dw-world.de/ausbildung/blogs/lab/?p=1955 14 Antworten von Jens Weinreich auf Fragen von Ulrike Langer per E-Mail 15 Antworten von Jens Weinreich auf Fragen von Ulrike Langer per E-Mail 1

Die Autorin Ulrike Langer arbeitet seit 1995 als freie

Medienjournalistin in Köln und hat sich vor allem auf Themen rund um den digitalen Medien- und Journalismuswandel spezialisiert. Sie schreibt Fachbeiträge, gibt Seminare, hält Vorträge, moderiert und diskutiert auf Kongressen. Ulrike Langer betreibt das Medienfachblog medialdigital.de und ist seit 2011 Mitglied der Nominierungskommission des Grimme Online Award.

Christiane Schulzki-Haddouti ist freie Wissenschaftsjour­

nalistin in Bonn. Sie betreibt das Fachblog Kooptech und beschäftigt sich mit Datenjournalismus.

Literaturempfehlungen & Quellen für Datensätze Eurostat Datenbank: → http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/statistics/search_database Langer, U. (2011): Schaubild statt Klickstrecke, in: Mediummagazin 01/02 2011, S. 41. Open Knowledge Foundation: CKAN, → http://www.ckan.net/ Pro Publica: Scraping for Journalism: A Guide for Collecting Data, → http://www.propublica.org/nerds/item/doc-dollars-guides-collecting-the-data Stanford University: Journalism in the Age of Data, → http://datajournalism.stanford.edu/ Statistisches Bundesamt: Genesis Online Datenbank, → https://www-genesis.destatis.de/genesis/online Stray, J.: A computational journalism reading list, → http://jonathanstray.com/a-computational-journalism-reading-list


10 Fachjournalist No .2 2011

mehr mut zur fachkompetenz

Zwischen Fachjournalisten und Redaktionen könnte es fruchtbarer zugehen – ein Annäherungsversuch von Silke Liebig-Braunholz

In der medialen Wahrnehmung hat die seichte Unterhaltung längst die hintergründigen Formate verdrängt. Die Gewichtung scheint aus den Fugen zu geraten wenn Einschaltquoten und Auflagenzahlen die Inhalte bestimmen. Für Fachjournalisten ist es schwierig, ihre Kompetenzen zu vermarkten – denn sie treffen gerade in der Publikumspresse auf Redakteure, die sich exakt diesen Vorgaben unterwerfen müssen. Doch es gibt sie, die Fachmedien, die Spezialisten für qualifizierte Beiträge suchen. Die Publikumspresse scheint indes ebenfalls nach ihnen zu suchen, wenn Fachjournalisten in der Lage sind, ihre Kompetenz für ein breites Publikum herunterzubrechen.


fachjournalismus 11 Fachjournalist No .2 2011

„Wir suchen freie Autoren, die aus Österreich, dem Sau­ erland und den neuen Bundesländern berichten. Leider gibt es für unsere Thematik aber nur wenige Fach­jour­ nalisten“, sagt DIETER BIERNATH, Chefredakteur und Herausgeber der Fachzeitschriften FORSTMASCHINENPROFI und ENERGIE PFLANZEN. Beide Zeitschriften erscheinen im Forstfachverlag in Scheeßel (Niedersach­sen). FORSTMASCHINEN-PROFI befasst sich mit den Themen Forsttechnik, Holztransport und Rundholzlogis­ tik. ENERGIE PFLANZEN deckt die Themen nachwachs­ ende Rohstoffe und erneuerbare Energien ab. Der Fachkollege FERDINAND OBERER fühlt sich in diesem Verlag gut aufgehoben. „Hier darf ich ausführlich und kritisch berichten“, sagt er. Als Diplomforstund Diplombetriebswirt könne er in diesem Verlag beispielsweise darüber schreiben, wie größere Konzerne die Entwicklungen auf dem Markt der erneuerbaren Energien torpedieren. „Ich sehe mich als freier Journalist verpflichtet, kritische Dinge anzusprechen, und habe mich nicht zuletzt aus diesem Grund dem Journalismus zugewandt“, erzählt er. Für DIETER BIERNATH ist dies nicht ungewöhnlich, dennoch brachten kritische Berich­ te dem Verlag bereits Ärger ein: „Wenn es erforderlich ist, berichten wir über alle Themen kritisch, wobei wir niemals krampfhaft kritisch sind“, sagt er.

»„Aufgrund des Zeitdrucks finden bestimmte Themen nicht statt.“« FERDINAND OBERER beobachtet indes, dass es nicht

viele Medien gibt, die sich offen kritisch über die Branche äußern, über die sie berichten. „Manchmal findet Kritik statt, aber dann vielleicht auf der Seite 2“, beobachtet auch CARSTEN HENNIG. Der Hamburger Journalist ist ein erfahrener Mann innerhalb der Hotellerie- und Touris­musbranche. Sein Schwerpunkt liegt im Onlinejournalis­ mus mit eigenem Video-TV-Format sowie in der Unterneh­ menskommunikation. Er weiß, dass beispielsweise die Thematik Lebensmittelzusätze in Convenience-Produk­ ten (Fertiggerichte bzw. vorgefertigte Food-Komponen­ ten) eine hohe Aktualität und Relevanz besitzt, diese aber in den Fachmedien kaum diskutiert wird, weil die Anzeigenkunden dann nicht gehalten werden können. Das INTERNATIONAL FOOD INGREDIENTS-Magazin hingegen sei ihm positiv aufgefallen, jedoch habe dieses Magazin Biologen und Chemiker als Zielgruppe – nicht die Lebensmittelindustrie. „Es gibt Fachmedien, die sich nicht scheuen, innerhalb der Branche den Zorn auf sich zu ziehen. Vor Jahren habe ich beobachtet, wie ein Verle­ger viel wegstecken musste, weil ein Kritiker seines Blat­ tes ein Hotel verrissen hat und der Hotelier daraufhin in­ nerhalb der Branche Wirbel verbreitete“, sagt HEN­NIG.

Enges Netzwerk unabdingbar Gerade weil eine fachlich fundierte Berichterstattung ohne den kritischen Ansatz jedoch nicht auskommen kann, wünscht sich CARSTEN HENNIG mehr Mut in den Redaktionen. „Wir sollten wieder spitzer pointieren und formulieren. Ich wünsche mir noch viel mehr Hintergrundinformationen in den Medien und sehe hier eine Chance für die Fachjournalisten“, beschreibt er. Denn HENNIG beobachtet auch, dass Themen, die etwa unter den Topmanagern der Hotellerie diskutiert werden, das Haus überhaupt nicht verlassen. „Als Journalist bekomme ich die Information erst am Ende, es sei denn, ich habe ein enges Netzwerk“, sagt der Journalist. Fachjournalisten sollten sich deshalb auf die außer­ gewöhnlichsten Themen stürzen und diese als Multipli­ katoren verbreiten. HENNIG: „Aufgrund des Zeit­drucks finden bestimmte Themen in den Redaktionen nicht statt. Hier können die Fachjournalisten ihre Joker ausspielen.“ Wenn ein Thema nicht kopierbar ist, weil besonders fachspezifisch, müsse es lediglich für den Le­ser zugänglich gemacht werden. Ein Fakt, für den auch der F.A.Z.-Redakteur GEORG KÜFFNER plädiert. „Egal für welches Medium ein Fachjournalist schreibt: Generell gilt, dass komplizierte Sachverhalte verständlich dargestellt werden müssen“, sagt er. Liegt es etwa an der Komplexität, dass einige Themen nicht aufgegriffen werden? KÜFFNER hat erlebt, dass ihm bei Presseterminen Fachartikel von Kollegen in die Hand gedrückt wurden. „Ich sollte mir das durchlesen und habe es überhaupt nicht verstanden“, erklärt er. Für ihn sprech­en Fachjournalisten leider meist die Sprache der eigenen Zielgruppe und nicht die des allgemeinen Publikums. Hier sieht er Potenziale, sofern sich die Kolle­ gen die Mühe machen, auch für die Leserschaft außer­ halb des eigenen Fachgebietes verständlich zu schreiben. Um die hohe Komplexität technischer Entwicklungen für die breite Öffentlichkeit verständlicher darzustellen, hat KÜFFNER das FORUM TECHNIKJOURNALISMUS (www.forum-technikjournalismus.de) gegründet. Die Ini­ tiatoren bieten Journalisten-Workshops an: High-TechSpe­zialisten aus Unternehmen bringen ihre ThemenExper­tise ein und der F.A.Z.-Redakteur GEORG KÜFFNER gibt Tipps für die praxisorientierte Umsetzung. So wird das Forum auf der Website beworben. Fachjournalisten und Unternehmen sind nun gut beraten, sich einzubringen.

Sind Fachwissen und Unterhaltung nicht vereinbar? Denn auch GEORG KÜFFNER hat festgestellt, dass es einerseits viele Fachleute gibt, die in der Lage sind,


12 fachJOURNALISMUS Fachjournalist No .2 2011

Sachverhalte sauber darzustellen. Andererseits werde in vielen Medien die Ansicht vertreten, Fachwissen inte­ ressiere die Allgemeinheit nicht; also werden Themen in Standards kurz gefasst. Hinzu komme der hohe Stel­ lenwert der Unterhaltung, der unter anderem auch die Sportberichterstattung stark beeinflusst. „Ich wünsche mir das Comeback eines hintergründigen Sportmagazins im Fernsehen, wie etwa des SPORTSPIEGELS beim ZDF oder SPORT UNTER DER LUPE vom SWR. Dieses Magazin sollte wöchentlich oder mindestens 14-tägig erscheinen und Fehlentwicklungen im Sport rechtzeitig antizipie­ ren und dann adäquat kritisieren“, sagt Prof. Dr. phil. MICHAEL SCHAFFRATH. Der kommissarische Leiter des Lehrstuhls für Sport, Medien und Kommunikation an der TECHNISCHEN UNI­ VERSITÄT MÜNCHEN und Herausgeber der Schriftenreihe SPORTPUBLIZISTIK plädiert zudem seit Langem dafür,

dass ARD und ZDF sich nicht in diesem ökonomisch un­ vernünftigen Maße um Fußballrechte bemühen sollten. Vielmehr sollten sie aufgrund der Gebühreneinnahmen ihre Möglichkeiten nutzen, das Sportangebot deutlich vielfältiger zu gestalten, als das bisher und seit Jahren ge­schieht. „Die Öffentlich-Rechtlichen müssen natürlich auch auf Quoten zur Legitimierung ihrer Programme achten. Keine Frage! Aber sie besitzen darüber hinaus auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag – der eben­ falls für die Sportberichterstattung gilt. Da ist in den ver­gangenen zehn bis fünfzehn Jahren vieles aus einer ver­ nünftigen Programm-Balance zugunsten des Fußballs und verschiedener Wintersportarten geraten. Was ist beispiels­ weise mit Basketball, Volleyball, Eishockey, Tennis etc., die früher noch regelmäßig bei ARD und ZDF zu sehen waren und auch ihr Publikum hatten?“, fragt er.


fachjournalismus 13 Fachjournalist No .2 2011

»Ein journalistisches Stück ist keine wissenschaftliche Abhandlung.« Auch der Mediziner Dr. med. CHRIS­TOPH FISCHER kann für den Medizin­journalismus nicht immer eine ausge­wo­ gene Berichterstattung in den Medien erkennen. „Wenn man bedenkt, wie lange sich die ‚Phytopharmaplaudertasche’ HA­DEMAR BANKHOFER oder der Bruder vom Sänger GRÖNEMEYER in den Medien, zumal in den ‚öffentlich-recht­lichen’, unkritisch beäugt halten können, sind hier erhebliche Zweifel angebracht. Ich per­sönlich habe in den letzten Jahren meines journalistischen Be­rufs­ lebens als Ressortchef Medizin der Bundesausgabe der BILD-Zeitung die Erfahrung eines kontinuierlich sinken­den Einflusses meiner ärztli­chen und medizinjournalis­ tischen Kompetenz verspürt und daraus die Konsequenz – Kündigung – gezogen“, beschreibt er. Die Krux: Gerade Medizinjournalisten bringen aus seiner Erfahrung heraus für die journalistische und redaktionelle Arbeit, wie etwa Themenfindung und Relevanzüberprüfung, nur ungenügendes Verständnis auf. FISCHER hat beobachtet, dass es große Diskrepanzen gibt: „Ein journalistisches Stück ist keine wissenschaftliche Abhandlung“, sagt er und plädiert für eine solide journa­listische Bildung mit fachlichem Hintergrund. Der Luftfahrtjournalist ANDREAS SPAETH kommt mit dem Spagat zwischen Fachkenntnis und journalistischem Gespür seit Jahren gut zurecht. „Zum Glück gibt es in Deutschland fast niemanden, der genau das macht, was ich mache. Daher kommen glücklicherweise viele Re­ daktionen auf mich zu. Bei anderen bin ich seit langem Stamm­autor und sie warten geradezu auf meine Themen­ vor­schläge“, erklärt er. Für ihn ist es eine Selbstverständ­ lich­keit, Themen herunterzubrechen. „Generell ist mir eine gute Verständlichkeit sehr wichtig“, betont der Jour­ nalist mit eigenem Pressebüro in Hamburg.

Kein fachliches Feigenblatt Auch mit kritischen Themen hat er keinerlei Probleme, da er sich in seiner Kolumne SPAETHFOLGEN auf dem Branchenportal airliners.de ausleben darf. „Ich arbeite auch für Kundenmagazine wie das LUFTHANSA-Bord­ magazin. Da darf ich überhaupt nicht kritisch sein. Rich­tig 'reinhauen' kann ich in den SPAETHFOLGEN, die übrigens in der Branche gut ankommen. Auf jeden Fall ist fundierte Kritik entscheidend, nicht blindes Drauf­ schlagen der Schlagzeile wegen. Das wollen viele feste Redaktionskollegen gern und versuchen, mich als fach­ liches Feigenblatt zu nutzen. Das lehne ich entschieden ab“, beschreibt er.

Diesen Luxus können sich jedoch längst nicht alle Fach­ journalisten leisten. Schon gar nicht, wenn der Markt über­sät und das Themengebiet in den Sendeformaten nicht flexibel gestaltbar ist. Beispiel Sportberichterstat­ tung: Hier verschweigen die Medien den Rezipienten eine im­mense Bandbreite an interessanten Sportarten: „Mehr als 240 Sportarten und Bewegungsmuster werden in Deutschland betrieben (vgl. Digel, H., Burk, V. 2001, S. 18). 60 Spitzensportverbände sind unter dem Dach des DEUTSCHEN OLYMPISCHEN SPORTBUNDES (DOSB) organisiert, in denen mehr als 25 Millionen Menschen vereinsmäßig ihrer Lieblingssportart regelmäßig nach­ gehen. Dieser großen Vielfalt im Sport steht eine ziem­ liche Einfalt im Sportjournalismus gegenüber“, erklärt MICHAEL SCHAFFRATH. „Sportrealität und Sportmedienrealität fal­len immer wei­ t­er auseinander. Das liegt primär daran, dass sich die me­diale Auswahl an Sportereignissen mehr an ökono­ misch­en Postulaten und weni­ger an publizistischen Prä­ missen orientiert. Unter der Regie von ‚Programmdirek­ tor Ein­schaltquote’, ‚Chefredakteur Auflagen­zahl’ so­wie ‚Contentmanager Pageimpressions’ wird entschie­den, was berichterstattenswert ist und sich „verkaufen“ lässt. Ver­schiedene Inhaltsanalysen dokumentieren die große Do­mi­nanz weniger Sportarten. Mit drastischem Abstand rangiert vor allen anderen der Fußball. Es folgen Motorsport, Boxen, Biathlon, Langlauf, Ski Alpin und mit Abstrichen je nach Medium noch Handball, Tennis oder Radsport (vgl. Hackforth, J. 2004; Rühle, A. 2003; Wernecken, J. 2000; Loosen, W. 1998; Schaffrath, M. 1996; Scholz, R. 1993)“, gibt SCHAFFRATH zu beden­ ken. Dennoch sei das Interesse der Studenten an einer fach­ spezifischen Qualifikation in Randsportarten sehr groß, wobei ihm an seiner Universität die Zeit und die Mittel fehlen, diesem Interesse adäquat nachzukommen. Neben einer grundlegenden und auch vom sportjournalisti­schen Berufsmarkt erwarteten Basiskompetenz in Sachen Fußball versucht der Lehrstuhl, in praktisch-orientierten Seminaren die Berichterstattung über Randsportarten angemessen zu akzentuieren und einzubringen. In seinem Buch „Traumberuf Sportjournalismus“ konstatieren 22 Sportchefs und Sportredakteure aus allen Medienberei­ chen übereinstimmend, dass festangestellte oder auch freie Sportjournalisten eine Basiskompetenz in Sachen Fußball besitzen müssen. Daneben plädieren die meisten dafür, dass man sich in ein oder zwei Randsportarten fit machen muss, um in diesem Ressort seine Nische zu finden und reüssieren zu können.


14 fachJOURNALISMUS Fachjournalist No .2 2011

»Mediale Auswahl orientiert sich an ökonomischen Postulaten« Fachmedien sind hochspezialisiert Letztendlich ergab die Recherche bei allen frei­en Fach­­jour­nalisten, dass die fach­liche Spezialisierung sinnvoll ist. CARS­TEN HENNIG: „Nahezu alle Fachmedien sind heute hochspe­ zialisiert in ihrer Branche. Da­rü­ber hinaus haben wir in Deutsch­ land ein sehr breites Angebot an Fachtiteln“, sagt er. Im Unterschied zwischen der Fach- und Publikums­ presse könne man die Fach­presse immer noch als einen fundierten Lie­feranten von Hinter­ grund­informationen be­zeich­­nen. Die Fach­ presse sei sehr speziell und viel profes­sioneller newsaktuellAd_210x148_JPetersen:news_aktuell_Anzeigen_210x148mm geworden, beo­bachtet er und

gibt den Fachkolle­gen den Rat, sich genau zu überlegen, welcher Redaktion sie ein Thema an­bieten. Er selbst werde von Zeit zu Zeit von Redaktionen ange­rufen, die auf The­ mensuche sind. Er schreibe diese Themen nicht selbst, gebe aber Hinweise.

»Wir müssen schauen, dass unser Gedankengut geschützt bleibt.« Das Problem „Themenklau“ kennt auch er, weshalb HEN­­NIG bei eigenen Themenvorschlägen nur mit einer passwortge­schütz­ten PDF-Datei an die Redaktionen heran­tritt. „Wir müssen schauen, dass unser Gedanken­ gut geschützt bleibt“, erklärt er, wohl wissend, dass es im Alltag nicht immer leicht ist für jeden einzelnen Fachkollegen. FER­DINAND OBERER spricht auch von „Futterneid“. Er habe erlebt, dass ihn Redakteure demütigten. „Es gibt angestellte Journalisten, die Themen von fachlich fundierten freien Kollegen nicht annehmen, weil sie Angst haben, dass diese besser sind als sie selbst“, sagt er. Die Hamburger Juristin MONJA MALBURG hat kei­nen Erfolg gehabt, bei anderen Zeitungen als ihrem „Brötchengeber“ aufwendig recherchierte Rechtsthemen 30.04.2009 13:45 Uhr verändert anzubieten. „IchSeite den­­ke,1 dass die Zeitungen

„Presseportal.de ist das wichtigste Gate zu aktuellen Unternehmensinfos. Deshalb fliegen alle Journalisten Deutschlands darauf.“ Jens Petersen, Leiter Unternehmenskommunikation bei news aktuell

www.newsaktuell.de


fachjournalismus 15 Fachjournalist No .2 2011

und Zeitschriften lieber auf be­währte freie Journalisten zurückgreifen.“ Sie glaubt je­doch, dass dem Leser zu wenig zugetraut wird: „Denn wenn der Leser betroffen ist, wird er auch fachspezifische­re Themen ver­ste­ hen“, merkt sie an. Auch die Osteuropa-Expertin Dr. BIRGIT WETZEL er­klärt, dass nur einige Redaktionen ihre Themen auf­nehmen. Generell arbeitet sie mit etwa acht Auftragge­bern zusammen – nicht alle schauen jedoch richtig auf ihre Angebote, weil sie zu sehr an den Agenturmeldun­gen hängen. „Ich habe durch meine vielen Reisen einen großen Informationsvorsprung. Wenn ich mit den Redak­tionen darüber ins Gespräch kommen möchte, erkennen diese meist die Bedeutung von Er­eignissen nicht in ihrer Tragweite“, beklagt sie. Sie beobachte, dass die Redaktionen dünn besetzt sind, nicht immer auf die richtigen Fachkollegen zurückgreifen und an einigen Themen vorbeigingen. „Wir sind nicht brisant genug! Es wird zu 'mainstreamig' berichtet“, sagt sie. Seit Jahren plädiert sie dafür, dass es eine Datei geben müsste, die die freien Journalisten mit ihrer Fachkenntnis auflis­tet und die Redaktionen verpflichtet, darauf zurück­ zugreifen. Manchmal sehe sie – wie im Beispiel des Russ­land-Georgien-Krieges – ein kleines Ereignis, das ein großes auslösen kann, und werde in Deutschland in den Redak­tionen damit nicht ernst genommen. Sie sagt des­halb: „Die Presse kastriert sich um fachkundige Bei­ träge“.

Gelenkte Informationen haben Einfluss Eine gefährliche Entwicklung, wenn man bedenkt, wie leicht es dadurch PR-Meldungen haben. Dr. FISCHER be­ obachtet gerade im Medizinjournalismus den zunehmend unreflektierten Einfluss gelenkter Informationen. Das ist zum Teil mit der konsequenten Ausdünnung entsprechen­ der Redaktionen seitens der Verlage oder Medienun­ ternehmen erklärbar. Zum anderen wird die Lobby- und PR-Arbeit entsprechender Interessentengruppen immer subtiler und effektiver.

sie­rung zunehmend sinnvoller, da diese sich enorm weiter entwickelt haben und Fachjournalisten su­chen. Neben ihrer Fachkompetenz sollten diese das journa­ listische Handwerk be­ herrschen. Für die Pub­ likumspresse sowie in TV und Radio müssen sie ihr Wissen für die Allge­meinheit herunter­ brechen können.// Die in diesem Beitrag zitierten Personen wurden von der Auto­rin telefonisch bzw. per E-Mail interviewt. Die Autorin dankt allen Interviewpartnern für Ihre freund­liche Mit­hilfe und die sehr aufschlussreichen Informa­ tionen.

Literatur: Digel, H., Burk, V. (2001): Sport und Medien. Entwicklungstendenzen und Probleme einer lukrativen Beziehung, in: Roters, G., Klingler, W., Gerhards, M. (Hrsg.): Sport und Sportrezeption, Baden-Baden. Hackforth, J. (2004): Sport und Kommunikation – Interesse, Akzeptanz und aktueller Status, in: Hackforth, J. (Hrsg.): Handbuch der Sportkommunikation 2004, Remagen, S. 11-17. Loosen, W. (1998): Die Medienrealität des Sports. Evaluation und Analyse der Printberichterstattung, Hamburg. Rühle, A. (2003): Sportprofile deutscher Fernsehsender 2002, in: Media Perspektiven Nr. 5, S.216-230. Schaffrath, M. (1996): Sport On Air. Studie zur Sportberichterstattung öffentlichrechtlicher und privater Radiosender in Deutschland, Berlin. Schaffrath, M. (2009): Traumberuf Sportjournalismus. Ausbildungswege und Anforderungsprofile in der Sportmedienbranche, Münster 2009, 3. Auflage. Scholz, R. (1993): Konvergenz im TV-Sport. Eine komparative Studie des „Dualen Fernsehsystems“, Berlin. Wernecken, J. (2000): Wir und die anderen. Nationale Stereotypen im Kontext des Mediensports, Berlin, Beiträge des Instituts für Sportpublizistik. 6.

Silke Liebig-Braunholz studierte Publizistik- und

Kommunikationswissenschaft, ist staatlich geprüfte Kommunikationswirtin und Fachjournalistin (DFJS). Nach ihrer Tätigkeit im Lokaljournalismus hat sie am 01. Juli 2002 ihr Redaktionsbüro gegründet. Mit diesem ist sie auf die Themenschwerpunkte Gastronomie, Hotellerie und Tourismus spezialisiert. Sie berichtet

Fazit: Unser tägliches Medienangebot hat Defizite, die teilweise darin begründet sind, dass Medien auch unter-­ halten müssen. Für Fachjournalisten ist es daher nicht immer einfach, ihre Kompetenzen zu verkaufen. Sie soll­ ten und müssen sich zudem genau überlegen, wem sie ihr spezialisiertes Wissen anbieten und zwischen den Anforderungen für die Fach- und die Publikumspresse unterscheiden. In den Fachmedien wird eine Speziali­

vornehmlich in Fachpublikationen und betreibt ihr Blog „Narrare“ (http://www.liebig-braunholz.de/blog).


16 technikjournalismus Fachjournalist No .2 2011

Technikjournalismus heute: Acht Beobachtungen zur Entwicklung und aktuellen Situation von Andreas Schümchen und Jennifer Schwanenberg

Vor gut zehn Jahren startete der erste reine TechnikjournalismusStudiengang und damit die systematische Technikjournalistenaus­ bildung in Deutschland. Wie hat sich die Technikberichterstattung in diesem Jahrzehnt verändert? Acht Beobachtungen zur Entwicklung und aktuellen Situation des Technikjournalismus.


technikjournalismus 17 Fachjournalist No .2 2011

1

T echnik findet in den Medien immer mehr Aufmerksamkeit

Kaum eine Woche vergeht mitt­ler­ weile ohne ein Technikthema in den Schlagzeilen. Zehn Jahre WIKIPEDIA, Laufzeitver­länge­ rung von Atomkraftwerken, Unfall auf der Öl­plattform DEEPWATER HORIZON – nur drei Beispiele für aktuellen Tech­nikjournalismus. Technik ist so allgegenwärtig und be­trifft so viele Aspekte des Lebens, dass die Berichterstattung kaum noch in ein festes Ressort zu schieben ist. Der Sieg des Supercomputers WAT­SON in der US-Spielsendung JEO­ PARDY beispielsweise fand in den ver­ schiedensten Ressorts Platz: In der Wirt­schaft (TAGESSPIEGEL), im Pa­ norama (NORDWEST ZEITUNG), im Feuilleton (F.A.Z.), aber auch in den Kommentaren des Politikressorts (wie etwa in der FRANKFURTER RUNDSCHAU).

»Eine sachliche Haltung zwischen Hysterie und Euphorie zu finden ist offenbar schwierig, wenn es um Technik geht.« Am Beispiel WATSON lässt sich erkennen, wie wichtig es ist, mit fundiertem technischem Know-how an ein Thema heranzugehen. Denn was ist passiert? Nüchtern betrachtet hat ein Computer zwei Menschen in einer Quizshow besiegt. Doch das Schlagwort „Künstliche Intelligenz“ wirkt auf viele Menschen bedrohlich. Hier ist Technikjournalismus gefragt, der Hintergründe erklärt und unbegründete Ängste abbaut. Aber auch eine allzu positive Technikbetrachtung kommt vor: Im Medienhype um APPLEs Tablet-PC iPad im vergangenen Jahr beispielsweise wäre mehr Neutralität wünschenswert gewesen.1 Eine sachliche Haltung zwischen Hys­terie und Euphorie zu finden ist offenbar schwierig, wenn es um Tech­nik geht.

2

T echnikjournalismus in Fachmedien wird immer professioneller

Ein großer Teil des Technikjourna­lismus spielt sich in den mehr als 3.800 deutschen Fachzeitschriften ab

(DEUTSCHE FACHPRESSE 2010, S. 10).2 Fast die Hälfte der 100 auflagenstärks­ten Fachzeitschriftentitel be­ schäf­­tigen sich mit technischen The­men (vgl. MEDIA SPECTRUM 2009). Fachmedien waren lange Zeit dadurch geprägt, von Fach­leuten auf dem jeweiligen Themengebiet produziert zu werden. Noch Ende der 1990er-Jahre wurden Berufs­einsteiger – etwa bei der Ausschreibung von Volontaria­ ten – bevorzugt, die eine technische Ausbildung besaßen, beispielsweise ein Elektrotechnik- oder Maschinen­bau­ studium abgeschlossen hatten. In Gesprächen mit Redaktionen lässt sich seitdem vielerorts ein Umdenken erkennen: Die journalistischen Qualifikationen von Bewerberinnen und Bewerbern rücken mehr in den Vordergrund. Es wurde offenbar er­ kannt, dass angesichts des Wettbewerbs der Fachmedien untereinander professionelle Vermittlungsfähigkeiten ein wesentlicher Erfolgsfaktor sind – immer mehr Fachme­ dien müssen sich sowohl hinsichtlich der journalistischen Aufbereitung ihrer Themen als auch hinsichtlich ihrer Gestaltung längst nicht mehr hinter Publikumsmedien verstecken.

3

 ie Zahl der Qualifizierungsangebote im D Technikjournalismus ist gestiegen

Die Grundfrage der Technikberichterstattung lautete jahrzehntelang: Lassen sich Ingenieure und Natur­ wissenschaftler zu Journalisten weiterbilden oder ist es möglich, professionelle Journalisten für die kompetente Berichterstattung über komplexe technische Themen weiterzuqualifizieren? Seit dem Ende der 1990er-Jahre gibt es auf diese Frage neue Antworten. Nachdem bereits 1997 an der HOCHSCHULE BREMEN mit dem „Internationalen Studiengang Fachjournalistik“ erstmals eine Hochschuljournalistenausbildung auch technische Sachkompetenz (neben dem Gebiet Wirt­ schaft) in ihrem Curriculum vorsah, startete im Oktober 1999 an der HOCHSCHULE BONN-RHEIN-SIEG in Sankt Augustin der bundesweit erste Studiengang, der den Begriff „Technikjournalismus“ im Namen trug.3 Der erste Jahrgang bestand aus 27 Studentinnen und Stu­denten, die ihr Studium in einer interdisziplinären Fa­kul­tät zusammen mit Elektrotechnik- und Maschi­nenbauStudierenden aufnahmen. Die Resonanz auf den Studien­ gang war von Anfang an gut: Bis zu 200 Interes­sierte aus dem gesamten Bundesgebiet bewarben sich auf die (ab 2001) 60 Studienplätze, und Redaktionen ebenso wie


18 technikjournalismus Fachjournalist No .2 2011

Industrieunternehmen kamen von Beginn an unauf­ gefordert mit Stellenangeboten auf die Hochschule zu. Dennoch dauerte es zehn Jahre, bis ein weiterer ver­ gleich­barer grundständiger Studiengang startete: 2009 nahmen die ersten Studierenden ihr Studium im Fach Technikjournalismus an der GEORG-SIMON-OHMHOCH­SCHULE in Nürnberg auf. Ebenfalls im Jahr 2009 begann an der HOCHSCHULE WÜRZBURG-SCHWEIN­ FURT ein Technikjournalismus-Studiengang mit einem anderen Konzept: Der Master-Studiengang „Fachjour­ nalismus mit Schwerpunkt Technik“ setzt (unter an­ derem)4 ein Erststudium in einer technischen oder natur­ wissenschaftlichen Disziplin voraus und vermittelt in drei Semestern die journalistische Qualifikation.5 Inzwischen stehen an den drei Hochschulen in Nürnberg, Sankt Augustin und Würzburg-Schweinfurt insgesamt rund 250 Studienplätze pro Jahr zur Verfügung – damit hat sich das Angebot seit 1999 fast verzehnfacht.

»Die Identifikation mit dem Begriff „Technikjournalist“ ist weiterhin eher gering.«

4

 ur wenige Journalisten identifizieren sich N bisher mit dem Begriff Technikjournalist

Mit großer Selbstverständlichkeit bezeichnen sich Menschen als Sportjournalisten, Wirtschaftsjournalisten

oder Kulturjournalisten. Im Business-Netzwerk XING geben beispielsweise 242 Personen die Berufsbezeich­ nung „Sportjournalist“ an – lediglich 26 bezeichnen sich als Technikjournalisten. Die Identifikation mit dem Begriff „Technikjournalist“ ist weiterhin eher gering. Journalisten, die über Technik berichten, identifizieren sich viel stärker mit ihrem enge­ ren Themengebiet, sei es Energie, Umwelt, Auto oder Com­puter. Zusätzlich zu den 26 Technikjournalisten fin­­den sich bei XING beispielsweise noch 53 IT-Journalisten. „Technikjournalismus“ ist also weiterhin eher ein all­gemeinerer Oberbegriff. In einer im Jahr 2006 durchgeführ­ ten Onlinebefragung (Anczikowski, K. in: Schümchen, A., DFJV 2008, S. 17 ff.) wurden die Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes gebeten, einen „Fragebogen für Technikjournalisten“ auszufüllen. Immerhin 238 Per­sonen fühlten sich angesprochen und nahmen an der Befragung teil; sie fühlten sich also offenbar dem Oberbe­ griff „Technikjournalismus“ zugehörig, auch wenn sie sich selbst wahrscheinlich nicht als „Technikjournalisten“ bezeichnen.

5

T echnikjournalismus findet vermehrt in Blogs statt

Technikjournalismus spielt sich in einem Maße wie kaum ein anderer Fachjournalismus in professionellen

Technikmedien: Professionelle journalistische Vermittlungsfähigkeiten sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor, Foto: Ramona Plaspohl, Marko Neumann


technikjournalismus 19 Fachjournalist No .2 2011

und semiprofessionellen Blogs ab. In den USA ist diese Entwicklung besonders deutlich zu erkennen: Die Suchmaschine TECHNOCRATI rankt US-amerikanische Blogs nach ihrer Bedeutung in der Bloggerwelt. Direkt hinter dem Nachrichtenblog HUFFINGTON POST sind TECHCRUNCH, MASHABLE und zwei weitere Technikblogs unter den Top 5.6 In Deutschland sieht die Entwicklung ähnlich aus. Blogs wie BASICTHINKING oder NETZWERTIG spielen hierzulande neben Blogs zum Thema Einkaufen und Geldsparen die größte Rolle. Blogs wie ENGADGET und GIZMODO wurden aus den USA adaptiert. Diese Entwicklung hat viel mit der Situation von Technikjournalisten zu tun: Viele von ihnen sind freioder nebenberuflich tätig, die Blogs sind als Hobby entstanden, oft dann aber zum Beruf oder zumindest zum Nebenverdienst geworden. Charakteristisch für solche Technikblogs ist, dass es immer um persönliche Sichtweisen geht, zudem aber ein Qualitätsanspruch erkennbar ist: Auch wenn die persönliche Meinung immer eine Rolle spielt, wollen die Blogger präzise und möglichst neutral berichten. Wie bedeutend Blogs werden können, zeigt das Beispiel von TECHCRUNCH7: Der amerikanische Blog berichtet über Web-2.0-Start-Ups und entscheidet nicht selten über deren Erfolg und Misserfolg.

»Die Diskussion um die Vereinbarkeit von Jour­na­lismus und PR muss gerade auf dem Gebiet des Technikjournalismus noch intensiver geführt werden.«

6

 er PR-Einfluss auf den Technikjournalismus D nimmt weiter zu

medien könnte ohne eine solche „Unterstützung“ gar nicht existieren. Mittlerweile haben selbst kleinere Tech­­ nikunternehmen, die ausschließlich auf B2B8-Ebene arbeiten, Ansprechpartner für die Presse und betreiben professionelle PR-Arbeit. Eine Gefahr liegt darin, dass viele Technikjournalisten frei- oder nebenberuflich tätig und mit Technikunterneh­ men mehr oder weniger eng verbunden sind. Eine solche (für das Publikum zudem meist noch intransparente) Verzahnung von Journalismus und PR lässt die Unabhängigkeit weiter Teile des Technikjournalismus fraglich erscheinen. Die Diskussion um die Vereinbarkeit von Journalismus und PR, nicht zuletzt durch die Netz­ werk-Recherche-Forderung „Journalisten machen keine PR“, muss gerade auf dem Gebiet des Technikjournalismus noch intensiver geführt werden, um Fehlverhalten vor­ zubeugen.

»Technik wird erst in ihrer Wirkung auf den Menschen zu einem interessanten und relevanten Thema.«

7

 uter Technikjournalismus handelt von G Menschen

Ein früher technikjournalistischer Artikel erschien am 16. Juni 1816 in der KÖLNISCHEN RUNDSCHAU. Erstmals befuhren damals Raddampfer den Rhein, und die Zeitung stellte die neue Technik vor. Dabei wurde der Mensch nicht außen vor gelassen: Die Gegner der Dampfer kamen zu Wort und erklärten ihre Sicht der Dinge; sie wiesen auf die Gefahren der neuen Technik für ihre Branche und somit auch für ihre Existenz hin (vgl. Weise, M. in Schümchen, A., DFJV 2008, S. 47 ff.). JOSEF STUMMVOLL forderte es schon 1935, EMIL

Als APPLE im vergangenen Jahr seinen Tablet-PC iPad vorstellte, berichteten sogar die TAGESTHEMEN über das neue Gerät – doch so recht erklären, was es ist, konnten die Publikumsmedien kaum. Offensichtlich war aber stets die Botschaft, dass das iPad etwas Gutes ist. Erfolgreiche Public Relations – schlechter Journalismus.

DOVIFAT 1967: Technikberichterstattung müsse immer

Im Technikjournalismus ist der Einfluss der PR besonders groß. Technische Innovationen und neue Produkte sind entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg von Unter­ nehmen (Hübner, H. 2002) – so verwundert es nicht, dass Unternehmen viel Geld und Aufwand in ihre Pressearbeit stecken. Pressereisen, geschenkte Testgeräte und die Übernahme von Reisekosten sind keine Seltenheiten; eine Vielzahl von Fach- und Special-Interest-Technik­

Das geschieht heute bereits häufiger, und nicht nur in den Publikumsmedien, für die ohnehin neben der Erklärung technischer Sachverhalte stets auch die „Helden“ der Technik wie Erfinder und Wissenschaftler als Protagonisten attraktiv sind. Auch in Fachmedien ist das „Storytelling“ angekommen: Geschichten über Entwickler und Anwender beispielsweise ermöglichen es, den Umgang mit Technik und ihrem Nutzen in den

den Einfluss auf den Menschen miteinbeziehen. Technik wird erst in ihrer Wirkung auf den Menschen zu einem interessanten und relevanten Thema. Es ist darum Aufgabe von Technikjournalisten, den Bezug zwischen Menschen und Technik herzustellen.


20 technikjournalismus Fachjournalist No .2 2011

Vordergrund zu stellen und so auch Nicht-Technikern technische Entwicklungen praxisnah und verständlich zu vermitteln.

8

 Eine ganzheitliche Technikbericht­erstattung fehlt noch immer

Noch immer wird unter Technikjournalismus meist die verständliche Erklärung technischer Zusammenhänge verstanden. Technik zu verstehen ist für Journalisten wie Rezipienten allerdings nur der erste Schritt, um Technik zu beurteilen: Welche Chancen bietet sie, welche Risiken birgt sie? Ist sie nützlich oder schädlich? Ist sie für mein eigenes Leben heute oder in Zukunft relevant?

LITERATUR Anczikowski, K. (2008): Berufsrolle und Selbstverständnis von Technik­ journalisten, in: Schümchen, A., DFJV (Hrsg.): Technikjournalismus, Konstanz , S. 17-28. Deutsche Fachpresse (2010): Fachpresse-Statistik 2009, Frankfurt am Main. Dovifat, E. (1967): Zeitungslehre II. Redaktion, Die Sparten, Verlag und Vertrieb, Wirtschaft und Technik, Sicherung der öffentlichen Aufgabe, 5. Aufl., Berlin. Media Spectrum (2009): Top 100 Fachzeitschriften 2009. Wiesbaden. Nordfors, D. (2004): The Role of Journalism in Innovation Systems, in: Innovation Journalism Vol. 1, No. 7, S. 3-18. Hübner, H. (2002): Integratives Innovationsmanagement, Berlin. Schümchen, A., DFJV (Hrsg.) (2008): Technikjournalismus, Konstanz. Stummvoll, J. (1935): Tagespresse und Technik, Leipzig. Weise, M. (2008): Technikjournalismus – alles schon mal dagewesen?, in: Schümchen, A., DFJV (Hrsg.): Technikjournalismus, Konstanz , S. 47-66.

Endnoten: Kaum ein Medium berichtete nicht über den von Springer-Chef Matthias Döpfner gepriesenen „Heilsbringer“. Für den Verbraucher war das teilweise unverständlich, wie eine später vom NDR-Medienmagazin Zapp und dem Kommunikationswissenschaftler Stephan Ruß-Mohl in der österreichischen Wochenzeitung "Die Furche" ausgelöste Diskussion zeigt. 2 Im Jahr 2009 existierten in Deutschland 3.852 Fachzeitschriftentitel. 3 Der (inzwischen nicht mehr in dieser Form angebotene) Studiengang „Journalismus und Technik-Kommunikation“ an der Fachhochschule Gelsenkirchen wurde ein Jahr später, im Jahr 2000, eingeführt. 4 Studierende mit einem nicht-technischen Erststudium müssen naturwissenschaftlich-technische Fächer während des Master-Studiums nachholen. 5 Ab Sommersemester 2011 heißt der Studiengang „Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation“ und bietet neben der Studienrichtung Technik auch den Zweig Wirtschaft an. 6 Auf http://technorati.com/blogs/top100 werden monatlich die Top-100US-Blogs veröffentlicht. Das Ranking ist in den USA allgemein anerkannt, während sich in Deutschland mehrere Rankings auf dem Markt bewegen, von denen sich bislang keines durchsetzen konnte. 7 Mittlerweile gehört der Blog techcrunch.com zu AOL. 8 B2B: Business-to-Business. 9 „,Innovation Journalism’ covers the technical, business, legal and political aspects of innovations and innovation systems.“ 1

Ein Technikjournalismus, der den Namen verdient, darf des­halb nicht allein eine naturwissenschaftlich-techni­ sche Sichtweise besitzen. Er muss auch wirtschaftliche, soziale und politische Aspekte technischer Entwicklun­ gen in seine Analysen und Bewertungen einbeziehen. Nur eine entsprechend ganzheitliche Betrachtung des Gegenstandsgebiets ist tatsächlich eine journalistische. DAVID NORDFORS, Gründer und Leiter des CENTER FOR INNOVATION AND COMMUNICATION an der Uni­ ver­sität Stanford, hat für eine vergleichbare kritisch-

analytische Berichterstattung über Innovationen den Be-­ griff des „Innovation Journalism“ geprägt (Nordfors, D. 2004, S. 3). 9 Da meist technische Innovationen und Novi-­ täten Gegenstand von Technikberichterstattung sind, kann NORDFORS’ Begriff und Ansatz als Vorbild für ei­ nen ganzheitlichen, nicht allein eine Erklär- und Bildungs­ funktion erfüllenden Technikjournalismus dienen. Ein solcher Technikjournalismus wäre ausgesprochen wün­ schenswert. Denn analog zu NORDFORS’ InnovationJournalism-Konzept kann auch hinsichtlich der Medienberichterstattung über Technik begründet vermutet werden, dass sie nicht nur zur Aufklärung der Technik­ nutzer beiträgt, sondern zugleich auch den Wett­bewerb um gesellschaftliche Akzeptanz und wirtschaftlichen Er­ folg technischer Entwicklungen durch ihre öffentliche Diskussion beeinflusst: „Competitiveness in innovation systems depends on the quality of interaction and shared knowledge between involved individuals and organizations. [...] The media represent major sources of shared knowledge, setting a standard for public discus­ sion, influencing the agenda profoundly“ (Nordfors, D. 2004, S. 3).//

Der Autor Prof. Dr. Andreas Schümchen ist seit

2000 Professor für Journalistik im Studiengang Technikjournalismus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin. Er ist unter anderem zusammen mit dem Deutschen Fachjournalisten-Verband Herausgeber des Fachbuchs „Technikjournalismus“.

Die Autorin Diplom-Journalistin (FH) Jennifer Schwanenberg

ist Absolventin des Studiengangs Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Seit ihrem Abschluss 2009 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus.


21 Fachjournalist No .2 2011

Der Technikjournalist – das unbekannte Wesen von Christian Preiser und Georg Küffner

Dank Rudi Völler wissen wir, was Sportreporter tun: Sie trinken Weizenbier und interviewen Bundestrainer. Und auch die Aufgabenfelder der meisten anderen journalistischen Ressorts sind hinlänglich bekannt: Politikredakteure etwa versuchen – mal vergnüglich, mal vergeblich –, der Regierung und ihrer Opposition rhetorische Nullbotschaften zu entlocken. Reisejournalisten wiederum fahren durch die Weltgeschichte und schreiben über Länder und Leute, von deren Existenz wir zuvor nichts ahnten. Aber auch auf der Landkarte der journalistischen Berufsbilder gibt es eine Terra incognita: Den Technikjournalismus. Technikjournalisten sind die unbekannten Wesen der Medienzunft.

Foto: E. Breisacher


22 technikjournalismus Fachjournalist No .2 2011

Das ist erstaunlich. Denn Deutschland ist ein HighTech-Land. Wo andere Nationen ihren Wohlstand auf Ressourcenreichtum gründen, proklamieren wir für uns den „Vorsprung durch Technik“. Technik ist fester Bestandteil unseres Alltags und Wirtschaftstreiber Nummer eins. Etliche der großen deutschen Konzerne verdienen ihr Geld mit der Entwicklung und dem Ver­kauf von Technik: Bosch etwa, oder Daimler oder Siemens. Die drängenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit – Wirtschaftswachstum, Klimawandel, Ökologie und Energieversorgung – sind eng verknüpft mit der Frage nach der Verfügbarkeit und der Einsetzbarkeit von Technologien. Kurzum: Ob Solarenergie oder Smartphone, ob „green building“ oder Elektromobilität – Technik ist heute allgegenwärtig.

nik ist nämlich nicht per se gut oder schlecht. Entscheidend ist vielmehr, was man daraus macht. Der Tech­ nikjournalist muss daher mit Argusaugen darü­ber wachen, wohin die technischen Trends und Tenden­zen gehen. Mit der investigativen Schärfe des SPIEGELs in seinen besten Tagen muss er techno­logische Fehl­entwicklungen aufspüren und deren Gefah­ren­poten­zial öffentlich anprangern. Zugleich muss der Technikjourna­ list die Ideologen, Demagogen und Lobby­isten, die aus (partei- oder wirtschafts-) politischem Interesse eine Technik hochjubeln oder verdammen, demaskieren und in die Schranken weisen. Der Wutbürger ist die Nagelpro­ be für die Qualität technikjournalistischer Arbeit: Kocht die Volksseele aus schierem Unwissen hoch, hat der Technikjournalist seinen Job nicht gut gemacht.

Dabei sind die vermeintlichen Segnungen des zivilisato­ rischen Fortschritts keineswegs unumstritten (von allge­ mein akzeptierten Heilsbringern wie Waschmaschinen und Bügeleisen einmal abgesehen). Bei so manchem Bür­ ger verursacht die immer stärkere Technisierung sei­ner Lebensbereiche ein diffuses Gefühl der Unsicherheit: Was kann der technische Fortschritt leisten? Wo liegen die Chancen der modernen Technologie, wo ihre Risiken? Ist etwa die Nanotechnologie Fluch oder Segen? Und was soll künftig aus meiner Steckdose fließen: Atomkraft oder Kohlestrom?

Freilich verrichtet der Technikjournalismus sein Tagwerk nicht im luftleeren Raum. Im Gegenteil, er bewegt sich in einem Spannungsfeld unterschiedlichster Interessen und Lager: Profilierungssüchtige Politiker aller Couleur buhlen um seine Aufmerksamkeit. Forschungsinstitute mit wissenschaftlichem Anspruch und wirtschaftlichem Interesse versuchen, sich mit seiner Hilfe in der Öffent­ lichkeit zu legitimieren. Industrie und Wirtschaft nutzen ihre Kapitalkraft, um – mal mehr und mal weniger subtil – ihre PR-Botschaften zu lancieren. Von gekauften Artikeln ganz zu schweigen. All diesen Verlockungen muss der Technikjournalist widerstehen. Allen Drohgebärden muss er kühn die Stirn bieten. Dauerhaft wird sich der Technikjournalismus allerdings nur dann behaupten und seine Unabhängigkeit sichern können, wenn er sich diese Souveränität auch leisten kann – intellektuell wie ökonomisch.

Will er den (wirtschafts-) politischen Diskussionen folgen, sieht sich Otto Normalverbraucher immer öfter mit immer komplexeren High-Tech-Produkten und -Prozessen kon­ frontiert. Um deren Sinn und Zweck zu beurteilen, fehlt ihm jedoch häufig das Wissen. Also wird er nicht selten zum Opfer von gezielt gestreuter PR-Propaganda oder unreflektiertem Vorurteil. Hier kommen nun die Medien und die Technikjournalis­ ten ins Spiel: Bei der Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz von technischen Innovationen kommt ihnen eine wichtige Rolle als Informationsvermittler zu. Ihre Aufgabe wird zunehmend darin bestehen, komplexe tech­ nische Zusammenhänge einer nur laienhaft vorgebilde­ten Öffentlichkeit zu kommunizieren – allgemein verständlich und unterhaltsam, kompetent und kritisch. Mit einem Satz: Der Technikjournalist ist vielfältig gefor­ dert. Er muss seiner journalistischen Chronistenpflicht genügen und aus der Welt der Technik berichten, was be­richtenswert ist. Aber er muss darüber hinaus auch Auf­ klärer sein und für seinen Leser, Zuschauer oder Zuhörer – ebenso nüchtern wie neutral – das Für und Wider von Technologien herausarbeiten und bis ins Detail erläutern. Last, but not least muss er als Moderator wirken: Tech­-

Der „ideale Technikjournalist“ weiß genau, wovon er spricht und worüber er schreibt. Er beherrscht das klas-­ sische Instrumentarium des journalistischen „Kunst­ handwerks“ (möglicherweise hat er „Technikjournalis­ mus“ sogar studiert). Seine Passion hat er zur Profession gemacht – ohne über die Lust am Formulieren seine fachliche Qualifizierung zu vergessen. Ingenieur und Journalist sind für ihn ein „sowohl als auch“ und kein „entweder – oder“. Er versteht den „Slang“ der „Techies“ und kann ihn – gekürzt aufs Wesentliche, aber nicht verfälscht – in die Alltagssprache seiner Leser übersetzen. Seinen Themen nähert sich der „ideale Technikjournalist“ mit Neugierde und prinzipieller Offenheit. Er fragt nach bis ins Detail, recherchiert systematisch und bleibt dabei auf kritischer Distanz. Soweit die Theorie. Die Praxis zeigt: Noch ist dieses Ideal eines Technikjournalisten vielerorts Utopie. Denn um die Schlüsselrolle als Mittler und Übersetzer zwischen


technikjournalismus 23 Fachjournalist No .2 2011

Technikexperten einerseits und der Öffentlichkeit ande­ rerseits wirklich ausfüllen zu können, bedarf es einer soliden ökonomischen Fundierung. Doch wie so häufig im Journalismus: Das Geld ist knapp. Also knapsen die Verlage, wo es nur geht. Die redaktionellen Umfänge wer­ den zurückgefahren, Ressorts zusammengelegt, Stellen abgebaut. Freie Mitarbeiter werden mit Zeilenhonoraren unterhalb der Armuts- und Anstandsgrenze abgespeist. Recherche verkommt so zum Freizeitvergnügen mit Lux­uscharakter. Dabei wäre es längst ein verlegerisches Gebot der Stunde, im Technikjournalismus auch sein

ökonomisches Potenzial zu erkennen. Je mehr die Gesell­ schaft von Technikthemen bestimmt wird, umso wichti­ ger wird die fundierte journalistische Berichterstattung da­rüber. Als vielbeschworene „vierte Gewalt“ haben die Medien immerhin einen gesellschaftlichen Auftrag. Alle rufen nach dem mündigen Bürger – aber offenbar will niemand ihn sich leisten. Daher müssen Redaktionen und Verlage endlich den Stellenwert erkennen, den Technik im Alltagsleben ihrer Leser spielt, und einer seriösen und fundierten Berichterstattung über Technikthemen den Platz einräumen, der ihr gebührt.//

Foto: Christian Preiser

Eldorado am Dienstag Seit 25 Jahren leistet sich die F.A.Z. ein eigenes „Technik und Motor“-Ressort von Christian Preiser und Georg Küffner Alldonnerstäglich um halb zwei beginnt der Jour fixe der klugen Köpfe. Dann nämlich versammelt sich die siebenköpfige „Technik und Motor“-Redaktion der F.A.Z. zu ihrer Ressortsitzung. Die Atmosphäre ist höflich entspannt: Man achtet und respektiert einander. Kein Wunder – manche in diesem Kreis von einer Frau und sechs Männern arbeiten schon seit mehr als zwei Jahrzehnten zusammen.

Dem journalistischen Produkt sieht man die gemeinsam abgeleisteten Dienstjahre seiner Redakteure nicht (unbe­ dingt) an. 1988 emanzipierte die F.A.Z. ihre „Motor“-Seite zu einem eigenen Buch namens „Technik und Mo­tor“, kurz: TuM. Seitdem hat sich viel getan: Die Bandbreite der Themen, die sich in TuM wiederfinden, wuchs beständig. Einige Klassiker sind freilich geblieben: Noch immer (und auch in Zukunft) nehmen Artikel über die


24 technikjournalismus Fachjournalist No .2 2011

motorisierte Mobilität gut die Hälfte des Gesamtumfangs ein. Wo immer sich im Bereich der Automobile Entscheidendes tut – „Technik und Motor“ berichtet darüber. Bei der eingeschworenen Fange­ meinde der „Technik und Motor“Leser Kultstatus erlangt haben die „Großen Fahrt­berichte“. Jede Woche widmet TuM einem einzigen Auto auf einer halben Seite seine ganze Aufmerksamkeit. Bei diesen Tests geht es nicht allein um Drehmoment und Straßenlage. Auch scheinbare Nebensächlichkeiten wer­­den während der zwei Wochen „Rezen­ sionsfahrerei“ geprüft und bei Bedarf moniert: Sind die Kopfstützstan­gen zu kurz für Chauffeure über 1,90 Me­ ter? Bedarf es akrobatischer Fitness, um den Mittelplatz auf der Rückbank zu besetzen? Die Penibilität der F.A.Z.-Auto-Experten reicht bis ins Ökonomische: Ist etwa, wie bei so manchem deutschen Hersteller, die Liste der Sonder­ausstattungen dazu angetan, den Grundpreis des Auto­ modells auf doppelte Höhe zu trei­-­ ben, führt dies in der Gesamtbewer­ tung zu einem fetten Malus.

Ú Î ß Ò Õ Ú Ë ÎÌÛ Î ß Ô Ô Ù Û Ó Û ×Ò Û Æ Û ×Ì Ë ÒÙ

Ì¿¾´»¬­ «²¼ µ»·² Û²¼» Ò»«»­ Õ®<º¬»³»­­»²æ Ú´¿½¸½±³ó °«¬»® «²¼ ³»¸® ¿«º ¼»® Ó±¾·´ó º«²µ³»­­» Þ¿®½»´±²¿ Í»·¬» î

Ì»½¸²·µ «²¼ Ó±¬±® Ó¿A¹»­½¸²»·¼»®¬ º$® Ú¿³·´·»² ì ª»®­½¸·»¼»²» Ó·²·ª¿²óÓ±¼»´´» ¾·»¬»¬ Ú±®¼ò Ú¿¸®¬¾»®·½¸¬ ¦«³ Ù®¿²¼ ÝóÓ¿¨ îòð ÌÜÝ·ò Í»·¬» í

Ü·» Ù«²­¬ ¼»­ ß«¹»²¾´·½µ­ Ù«½µ¬ ©·» »·² ß«¬± ª±² ÞÓÉæ Õ ïêððô »®­¬»­ Í»½¸­¦§´·²¼»®ó Ó±¬±®®¿¼ ¼»® Ó¿®µ» Í»·¬» ì

É»²² »­ ·³ Ì«²²»´ ¾®»²²¬ Ó·¬ ­»¸® º»·² ª»®¬»·´¬»² É¿­­»®ó ¬®*°º½¸»² ©·´´ ³¿² ¼±®¬ ¿«º¬®»ó ¬»²¼» Ú»«»® ¾»µ<³°º»²ò Í»·¬» ë

Ò Îò ì ì i Í Û × ÌÛ Ì ï Ü× Û Ò Í ÌßÙ ô î î ò Ú Û Þ ÎËß Î î ð ï ï

ÜÖóЮ±¹®¿³³» ß´´»­ ­½¸*² ¿¾¹»³·­½¸¬ô ¹»´«²¹»ó ²» D¾»®¹<²¹»æ ͱº¬ó «²¼ Ø¿®¼ó ©¿®» º$® ¼»² Ü·­½±óÜÖ Í»·¬» ê

Ê»®²«²º¬óƱ²»

Ü·» Æ«µ«²º¬ ¿«­ ¼»® ͬ»½µ¼±­»

·» ͽ¸©»·¦»® Þ«²¼»­®<¬·² ܱ®·­ Ü Ô»«¬¸¿®¼ ¸¿¬ ¼¿­ ª±² ·¸®»³ ʱ®ó ¹<²¹»® ²¿½¸ ¼»«¬­½¸»³ ʱ®¾·´¼ ª±®¾»ó

®»·¬»¬» Ю±¶»µ¬ ª±² ˳©»´¬¦±²»² ·² ¼»® ͽ¸©»·¦ ¹»­¬®·½¸»²ò ß«­ ¼»® Í·½¸¬«²¹ ¼»® íéðð »·²¹»¹¿²¹»²»² ß²¸*®«²¹­ó ¿²¬©±®¬»² ¹·²¹ ¸»®ª±®ô ¼¿­­ ˳©»´¬¦±ó ²»² ª±® ¿´´»³ »·² »³±¬·±²¿´»­ô ¸»·A»­ Ü·­µ«­­·±²­¬¸»³¿ ·² ¼»® Þ»ª*´µ»®«²¹ ­·²¼ò ”Ô·²µ­¹®$²» Õ®»·­» ­·²¼ ¼¿®$¾»® »³°*®¬ › ©·» »­ ­·½¸ ¹»¸*®¬ô ©»²² »¬ó ©¿­ ²·½¸¬ ²¿½¸ ·¸®»³ Í·²² ª»®´<«º¬ò Ü»²² ­·» ¿´´»·² ©·­­»² ¾»µ¿²²¬´·½¸ô ©¿­ ¼»³ Ô¿²¼» º®±³³¬ «²¼ ·¸³ ¹«¬ó ¬«¬“ô ­½¸®»·¾¬ ¼·» ͽ¸©»·¦»® ”ß«¬±³±ó ¾·´ 몫»“ò Ü·» ·³ ß«­´¿²¼ › ­·»¸» Ü»«¬­½¸´¿²¼ › ³·¬ »·²»³ Ú¿¸®ª»®¾±¬ »®ó ®»·½¸¬»² ͽ¸¿¼­¬±ºº®»¼«µ¬·±²»² ¾»©»¹ó ¬»² ­·½¸ ·³ Ò¿²±¾»®»·½¸ò Ì¿¬­<½¸´·½¸ ­·²¼ ­·» ª·»´»®±®¬­ ²·½¸¬ ²¿½¸©»·­¾¿®ô ­±²¼»®² ¾»¼»«¬»² ²«® »·²» ©»·¬»®» ͽ¸·µ¿²» ¹»¹»² ¼¿­ ß«¬±ò ”Æ«¼»³ ¸<¬ó ¬»² ¼·» Û·²º$¸®«²¹ «²¼ ¼·» Õ±²¬®±´´» ª±² ˳©»´¬¦±²»² ·² µ»·²»³ Ê»®¸<´¬ó ²·­ ¦«³ ß«º©¿²¼ ¹»­¬¿²¼»²ô ¼»² ­·» »®ó º±®¼»®¬ ¸<¬¬»²ò ͽ¸*²ô ¼¿­­ ¼»­¸¿´¾ ¿³ Û²¼» ¼»® ¹»­«²¼» Ó»²­½¸»²ª»®­¬¿²¼ «²¼ ¼·» Ê»®²«²º¬ ­·»¹¬»²ò ˲¼ ¼¿­ ´<­­¬ ¸±ºº»²“ô ®»­$³·»®¬ ¼¿­ ©*½¸»²¬´·½¸» ß«¬±¾´¿¬¬ò ß«­¹»­°®±½¸»² ©$²­½¸»²­ó ©»®¬ ©<®»ô ¿«½¸ ·² ¼·» ¼»«¬­½¸» б´·¬·µ ¦*¹»² ¦«³ ̸»³¿ ß«¬± ©·»¼»® ³»¸® ¹»­«²¼»® Ó»²­½¸»²ª»®­¬¿²¼ «²¼ Ê»®ó ²«²º¬ »·²¦·»¸»²ò ײ ³¿²½¸»² б´·¬·µ»®ó µ®»·­»² ¹·´¬ ´»·¼»® ²±½¸ ·³³»® ©·» »·²­¬ ·² ¼»® ÜÜÎæ Ô¿­­¬ »«½¸ ²·½¸¬ ¼«®½¸ ¼·» λ¿´·¬<¬ ¬<«­½¸»²ÿ ½¾ò

Ü¿­ Û´»µ¬®±¿«¬± º<¸®¬ ¸»®¿²ò ß¾»® ©·»á ˲¼ ©¿­ ©·®¼ ¿«­ ¼»³ Ê»®¾®»²²«²¹­³±¬±®á Æ©»· Ñ®¬­¾»­«½¸» ¾»· λ²¿«´¬ «²¼ Ü¿·³´»®ò ʱ² ر´¹»® ß°°»´

ïêð Õ·´±³»¬»® λ·½¸©»·¬»ô º$²º Í·¬¦°´<¬¦»ô ±®¼»²¬´·½¸»® Õ±ºº»®®¿«³ô ͬ»½µ¼±­» ¿³ Þ«¹ô ¼·» ßµµ«³«´¿¬±®»² ·³ ¼±°°»´¬»² Þ±¼»² › «²¼ ¼¿­ ²»«» Ó¿®µ»²¹»­·½¸¬ ¬®<¹¬ »® ¿«½¸æ λ²¿«´¬ ¾¿«¬ ­»·²» Æ«µ«²º¬ ¿«º ¼»² Ʊ7ò Ú±¬±­ λ²¿«´¬

Ü¿·³´»® ·­¬ ª±³ µ$²º¬·¹ ¾®»·¬»®»² «²¼ ½±±´»®»² ͳ¿®¬ »´»µ¬®·­·»®¬ò ײ »·²»³ Ö¿¸® ­±´´ ¿«­ ¼»® ͬ«¼·» »·² º»®¬·¹»­ ß«¬± ©»®¼»² «²¼ ¼·» ͬ¿¼¬ ¿«º³·­½¸»²ò Ú$® ¼»² Ù®·ºº ²¿½¸ ¼»² ͬ»®²»² ¾´»·¾»² ¿¾»® ¿²¼»®» ·³ Ø¿«­ ¦«­¬<²¼·¹ò Ú±¬±­ Ü¿·³´»®

»¦»³¾»® ïççëæ ”Û·² Õ±²­±®¬·«³ ¿«­ íë ­½¸©»¼·­½¸»² *ºº»²¬´·ó ½¸»² Þ»¬®·»¾»² ¸¿¬ ª±² ¼»³ º®¿²ó ¦*­·­½¸»² Ø»®­¬»´´»® λ²¿«´¬ îð Ú¿¸®¦»«¹» ³·¬ Û´»µ¬®±¿²¬®·»¾ ¹»µ¿«º¬ò Ú$® ©»·¬»®» ïíð Ú¿¸®¦»«¹» ¼»­ ̧°­ Ý´·± ©«®ó ¼» »·²» Ñ°¬·±² ¿¾¹»­½¸´±­­»²ô ¼»®»² ß«­ó $¾«²¹ ·³ Ô¿«º» ¼»­ µ±³³»²¼»² Ö¿¸®»­ ¿´­ ­»¸® ©¿¸®­½¸»·²´·½¸ ¹·´¬ò ͱº»®² ­<³¬´·ó ½¸» ïëð Û´»µ¬®±¿«¬±­ ¹»µ¿«º¬ ©»®¼»²ô ¸¿¬ ¼·»­»® ß«º¬®¿¹ »·²»² Ù»­¿³¬©»®¬ ª±² íí Ó·´´·±²»² ­½¸©»¼·­½¸»² Õ®±²»²ô «³¹»ó ®»½¸²»¬ ®«²¼ éôî Ó·´´·±²»² ÜÓò Ü»® Õ¿«ºó °®»·­ ª±² ìè ððð ÜÓ ¶» Ú¿¸®¦»«¹ ©·®¼ ª±² ¼»³ Õ±²­±®¬·«³ ¿«º¹»¾®¿½¸¬ò Ø·²¦« µ±³ó ³»² ïê ððð ÜÓ º$® ¼·» Þ¿¬¬»®·»ô ¼·» ïðð Õ·´±³»¬»® λ·½¸©»·¬» ­·½¸»®­¬»´´»² ­±´´ò Ü»® Ю±¶»µ¬´»·¬»® ¼»­ º®¿²¦*­·­½¸»² Ø»®­¬»´´»®­ ­¿¹¬»ô λ²¿«´¬ ¸¿¾» ­·½¸ ¦«³ Æ·»´ ¹»­»¬¦¬ô ¾·­ ¦«³ Ö¿¸® îððð ®«²¼ ïðð ððð Û´»µ¬®±³±¾·´» ¦« °®±¼«¦·»®»² «²¼ ¼»² Ю»·­ ¿«º ¼¿­ Ò·ª»¿« »·²»­ ¹«¬ ¿«­ó ¹»­¬¿¬¬»¬»² Ú¿¸®¦»«¹­ ¼»® ¹´»·½¸»² Õ´¿­­» ¦« ­»²µ»²ò“ ͱ ­¬¿²¼ »­ ïççë ·² ¼·»­»® Æ»·¬«²¹ò ß«­ ¼»³ »¸®¹»·¦·¹»² д¿² ·­¬ ¾»µ¿²²¬´·½¸ ²·½¸¬­ ¹»©±®¼»²ô λ²¿«´¬ ¸¿¬ $¾»® ¼·» ²¿½¸ ͽ¸©»¼»² ¹»´·»º»®¬»² Ý´·± ²·» ©·»ó ¼»® »·² ɱ®¬ ª»®´±®»²ò Æ« ­½¸©»®ô ¦« ¬»«ó »®ô ¹»®·²¹» λ·½¸©»·¬»ô µ»·² Õ±ºº»®®¿«³ › ­½¸´·½¸¬ «²¬¿«¹´·½¸ º$® ¼»² °®·ª¿¬»² Ù»ó ¾®¿«½¸ ©¿®»² ¼·» ß«¬±­ò Ö»¬¦¬ ­±´´ ¿´´»­ ¿²ó ¼»®­ ©»®¼»²ô ¼·» Ú®¿²¦±­»² ²»¸³»²ô ¿²ó ¹»¬®·»¾»² ª±² ·¸®»³ ª±´´ ¿«º ¼¿­ Û´»µ¬®±ó ¿«¬± ­»¬¦»²¼»² ʱ®­¬¿²¼­ª±®­·¬¦»²¼»² Ý¿®´±­ Ù¸±­²ô »·²»² ²»«»² ß²´¿«ºò É·® ¸¿¬¬»² Ù»´»¹»²¸»·¬ô ¼»² Ю±¬±¬§° ¼»­ Ʊ7ô ¼»® ¼»² Õ»®² ¼»® Û´»µ¬®±¿«¬±­¬®¿¬»ó ¹·» ª±² λ²¿«´¬ ¾·´¼»¬ô ¦« ø»®ó÷º¿¸®»²ò Í»·¬ ¼»³ ¾»¬®$¾´·½¸»² Ê»®­«½¸ ³·¬ ¼»³ Ý´·± ¸¿¬ ­·½¸ ª·»´ ¹»¬¿²ò Ü¿³¿´­ ­¬»´´¬» ¼·» Ò·½µ»´óÝ¿¼³·«³óÞ¿¬¬»®·» ïïôì µÉ¸ ¦«® Ê»®º$¹«²¹ô ¼»® Ô·¬¸·«³ó×±²»²óßµµ« ·³ Ʊ7 ¾·»¬»¬ îî µÉ¸ô ©»·¬¹»¸»²¼ ±¸²» Ó»ó ³±®§óÛºº»µ¬ ¾»·³ ß«º´¿¼»²ò Ü»® Ó±¬±®

Ü

¼»­ Ý´·± ´·»º»®¬» ³¿¨·³¿´ îï µÉ øîç ÐÍ÷ô ¼»® Ʊ7 µ±³³¬ ¿«º êð µÉ øèî ÐÍ÷ò Ó·¬ ­»·ó ²»³ ³¿¨·³¿´»² Ü®»¸³±³»²¬ ª±² îîî Ò³ ¬®·¬¬ ¼»® ìôïð Ó»¬»® ´¿²¹» Ʊ7 º±®­½¸ ¿²ô ­½¸¿ºº¬ »·²» Ø*½¸­¬¹»­½¸©·²¼·¹ó µ»·¬ ª±² ïíë µ³ñ¸ «²¼ ª»®­°®·½¸¬ › «²¬»® ¹«¬»² Þ»¼·²¹«²¹»² › »·²» λ·½¸©»·¬» ª±² ïêð Õ·´±³»¬»®ò Ó$­­»² Ø»·¦«²¹ ±¼»® Õ´·ó ³¿¿²´¿¹» »·²¹®»·º»²ô ·­¬ º®$¸»® ͽ¸´«­­ò

ïççë ¹·²¹ ¼»® Ê»®­«½¸ ­½¸±² »·²³¿´ ­½¸·»ºò ß¾»® Ù»­½¸·½¸¬» ­±´´ ­·½¸ ²·½¸¬ ©·»¼»®¸±´»²ò λ²¿«´¬ ¸¿¬ ª·»® Û´»µ¬®±º¿¸®¦»«¹» ¿³ ͬ¿®¬ «²¼ ¹®±A» д<²»ò Ü¿­ ­½¸®»½µ¬ ¼·» λ²¿«´¬óÔ»«¬» ²·½¸¬ô èé Ю±¦»²¬ ¼»® Û«®±°<»® ´»¹¬»² ©»²·¹»® ¿´­ êð Õ·´±³»¬»® ¿³ Ì¿¹ ¦«®$½µô ¸¿¾»² ­·» »®³·¬¬»´¬ò ß«º¹»´¿¼»² ©·®¼ ¼»® Ʊ7 ¾·²²»² ¿½¸¬ ͬ«²¼»² ¿² »·²»® º$® Ù´»·½¸­¬®±³ ³±¼·º·ó ¦·»®¬»² Ø¿«­¸¿´¬­­¬»½µ¼±­»ô ¼·» λ²¿«´¬ É¿´´¾±¨ ²»²²¬ô ±¼»® ¿² »·²»® ìððóʱ´¬ó Ù´»·½¸­¬®±³¼±­» ·²²»®¸¿´¾ ª±² ¼®»·A·¹ Ó·²«¬»²ò Ѿ ¼¿­ º«²µ¬·±²·»®¬ô µ±²²¬»² ©·® ²·½¸¬ $¾»®°®$º»²ò ß´­ ¼®·¬¬» Ó*¹´·½¸ó µ»·¬ ­±´´ ¼»® ¿«¬±³¿¬·­½¸» ß«­¬¿«­½¸ ¼»® Þ¿¬¬»®·» ¿² É»½¸­»´­¬¿¬·±²»² ø»¬©¿ Ì¿²µó ­¬»´´»²ô ·²²»®¸¿´¾ ª±² ¼®»· Ó·²«¬»²÷ ¿²¹»ó ¾±¬»² ©»®¼»² «²¼ ¼¿³·¬ ¼¿­ Ю±¾´»³ ¼»® º»¸´»²¼»² Ô¿²¹­¬®»½µ»²¬¿«¹´·½¸µ»·¬ ´*ó ­»²ò ß³ ß«º¾¿« ¼·»­»® ײº®¿­¬®«µ¬«® ¸»ó ¹»² »·²·¹» Þ»±¾¿½¸¬»® »®¸»¾´·½¸» Æ©»·º»´ò Ü¿­ ß«¬±ô ¼¿­ ·² ­»·²»³ Û®­½¸»·²«²¹­ó ¾·´¼ ¦« çð Ю±¦»²¬ ¼»® Ó·¬¬» îðïî ¿«º ¼»² Ó¿®µ¬ µ±³³»²¼»² Í»®·»²ª»®­·±² »²¬ó ­°®·½¸¬ «²¼ ¼·» Ú®±²¬ ¿´´»® µ$²º¬·¹»² Î»ó ²¿«´¬óÓ±¼»´´» ¬®<¹¬ô ¾®·²¹¬ ïíçî Õ·´±ó ¹®¿³³ ¿«º ¼·» É¿¿¹»ô ¸¿¬ ª·»® Ì$®»² «²¼

º$²º Í·¬¦»ò Ó·¬ ¼»³ µ$²º¬·¹»² Ý´·± ¸¿¬ ¼»® Ʊ7 ¿«A»® ¼»® Ù®*A» ²·½¸¬ ­± ª·»´ ¹»ó ³»·²ô ©·» ¾·­¸»® ¿²¹»²±³³»²ò Û­ ©»®¼» ¦©»· ±°¬·­½¸ »·¹»²­¬<²¼·¹» ß«¬±­ ¹»¾»²ô ª»®­·½¸»®¬ λ²¿«´¬ò Ü»® Ʊ7 ·­¬ ª±³ Ю±ó ¶»µ¬­¬¿®¬ Û²¼» îððè ¿² ¿´­ ®»·² ¾¿¬¬»®·»ó »´»µ¬®·­½¸»­ Ú¿¸®¦»«¹ »²¬©·½µ»´¬ ©±®¼»²ô ©»­¸¿´¾ »® Û·²­½¸®<²µ«²¹»² ¬»½¸²·­½¸»® ©·» ±°¬·­½¸»® ß®¬ô ³·¬ ¼»²»² »¬©¿ ¼·» »¸»® ¾»¸<¾·¹ ¼¿¸»®µ±³³»²¼» Ô·³±«­·²» λ²¿«´¬ Ú´«»²½» ´»¾»² ³«­­ô ²·½¸¬ ¸¿¬ò ׳ô ©·» ©·® º·²¼»²ô ­½¸·½µ»² Ʊ7 ´·»¹»² ¼·» ßµµ«³«´¿¬±®»² ·³ ¼±°°»´¬»² É¿¹»²ó ¾±¼»²ò Ú¿¸®»® «²¼ п­­¿¹·»®» ­·¬¦»² ®»½¸¬ ¸±½¸ô ¸·²¬»² ¾»®$¸®»² л®­±²»² ¿¾ ïôèð Ó»¬»® Õ*®°»®¹®*A» ³·¬ ¼»³ Õ±°º ¼¿­ Ü¿½¸ò Ü¿­ ­»· ¼»® Þ»­¬«¸´«²¹ ¼»­ Ю±¬±¬§ó °»² ¹»­½¸«´¼»¬ «²¼ ©»®¼» ­·½¸ ¾·­ ¦«® Í»ó ®·»²»·²º$¸®«²¹ <²¼»®²ô ª»®­°®·½¸¬ Î»ó ²¿«´¬ò Û­ ¹·¾¬ »·²»² ±®¼»²¬´·½¸»² Õ±ºº»®ó ®¿«³ ³·¬ îçî Ô·¬»® ʱ´«³»²ò Þ·­ íð µ³ñ¸ ©·®¼ »®ô ©·» ¿´´» Ûóß«¬±­ ª±² λ²¿«´¬ô ¦«³ ͽ¸«¬¦» ª±² Ú«A¹<²¹»®² «²¼ ο¼º¿¸ó ®»®² »·² ­·³«´·»®¬»­ Ù»®<«­½¸ ª±² ­·½¸ ¹»ó ¾»²ò É·» ­·½¸ ¼¿­ ¿²¸*®»² ­±´´ô ©·®¼ «²¬»® ¼»² ͱ«²¼¬»½¸²·µ»®² ²±½¸ ¼·­µ«¬·»®¬ò Õ±­¬»² ­±´´ ¼»® Ʊ7 ±¸²» ­¬¿¿¬´·½¸» Í«¾ó ª»²¬·±² »¬©¿ îð ððð Û«®±ô ©¿­ ¿´­ ­»²­¿ó ¬·±²»´´ ¹»´¬»² ¼¿®ºò É»¬¬¾»©»®¾»® ©·» Ò·­ó ­¿² Ô»¿º ±¼»® Ó·¬­«¾·­¸· ·óÓ·»ª ­·²¼ ïð ððð ¾·­ ïë ððð Û«®± ¬»«®»®ò ß´´»®¼·²¹­ µ±³³¬ ·³ Ʊ7 ¼·» Þ¿¬¬»®·» ¸·²¦«ô ¼·» ³¿² ³·¬ ¦«­<¬¦´·½¸»² îð ððð Û«®± ª»®¿²ó ­½¸´¿¹»² ³$­­¬»ò Í·» ©·®¼ ¼»³ Õ«²¼»² ¿¾»® ¿«­­½¸´·»A´·½¸ ª»®³·»¬»¬ò ïë ððð Õ·ó ´±³»¬»® ¶» Ö¿¸® «²¼ ª·»® Ö¿¸®» Ô¿«º¦»·¬ ¹»´ó ¬»² ¿´­ Þ¿­·­ò Ü¿²² ­±´´ ¼·» Ó·»¬» »¬©¿ éð Û«®± ·³ Ó±²¿¬ ¾»¬®¿¹»²ò λ²¿«´¬ ¸¿¬ Ù®±A»­ ª±®ô ª·»® »´»µ¬®·­½¸» Ú¿¸®¦»«¹» ­¬»¸»² ¿³ ͬ¿®¬ò Û²¼» îðïï ­±´´ ¼»® Õ´»·²´·»º»®©¿¹»² Õ¿²¹±± »·²¹»ó º$¸®¬ ©»®¼»²ò ß²º¿²¹ îðïî ­±´´ ¼¿­ ͬ«º»²ó ¸»½µ³±¼»´´ Ú´«»²½» º±´¹»²ò Ú$® Ó·¬¬» îðïî ·­¬ ¼»® ¦©»·­·¬¦·¹»ô »·²»³ α´´»® <¸²ó ´·½¸» Ì©·¦§ ¹»°´¿²¬ô ¼»® ³·¬ ­»·²»² ïë µÉ

øîð ÐÍ÷ éë µ³ñ¸ ­½¸²»´´ ­»·²ô ïðð Õ·´±³»ó ¬»® λ·½¸©»·¬» ¸¿¾»² «²¼ êððð ¾·­ éððð Û«®± µ±­¬»² ­±´´ò Û¾»²º¿´´­ Ó·¬¬» îðïî ·­¬ ¼·» Û·²º$¸®«²¹ ¼»­ Ʊ7 ¹»°´¿²¬ò Þ·­ îðîð ­±´´»² ¹´±¾¿´ ¦»¸² Ю±¦»²¬ ¼»® Ê»®µ<«º» ª±² λ²¿«´¬ Ú¿¸®¦»«¹» ³·¬ ®»·²»³ Û´»µó ¬®±¿²¬®·»¾ ­»·²ò Þ·­ ¼¿¸·² ©»®¼»²ô ©»²² ¼»® д¿² ¿«º¹»¸¬ô ¦«¼»³ »·² µ´»·²»®»­ ß«¬± ·² Ù®*A» ¼»­ Ì©·²¹±ô »·² Ó·¬¬»´µ´¿­ó ­»¿«¬± «²¼ »·² ®¿­­·¹»®ô ¦©»·­·¬¦·¹»® Í°·ó ¼»® ¿«­ ¼»³ »¸»³¿´·¹»² ß´°·²»óÉ»®µ ·² Ü·»°°» »´»µ¬®·­½¸ ¿«º ¼·» ͬ®¿A» ®±´´»²ò ײ ¼»² «²¬»®»² Õ´¿­­»² µ±³³¬ Ü¿·³´»® ·²­ Í°·»´ò Ü·» ͬ«¬¬¹¿®¬»® µ±±°»®·»®»² ³·¬ λ²¿«´¬ ¾»·³ Þ¿« ¼»­ ª·»®­·¬¦·¹»² ͳ¿®¬ øÌ©·²¹±÷ «²¼ »·²»­ Ó»®½»¼»­óÞ»²¦óͬ¿¼¬ó ´·»º»®©¿¹»²­ øÕ¿²¹±±÷ô ¼·» ¦«²<½¸­¬ µ±²ó ª»²¬·±²»´´ ¿²¹»¬®·»¾»² ©»®¼»²ò ʱ³ ¦©»·ó ­·¬¦·¹»² ͳ¿®¬ ©·®¼ λ²¿«´¬ ª·»´´»·½¸¬ ¿«½¸ »·²»­ Ì¿¹»­ °®±º·¬·»®»²ô ¼±½¸ ¦«»®­¬ ©·´´ Ü¿·³´»® ­»·²»² Õ´»·²­¬©¿¹»² ³·¬ Û´»µ¬®±¿²¬®·»¾ Ó·¬¬» îðïî ·²­ λ²²»² ­½¸·ó ½µ»²ò íð µÉ øìï ÐÍ÷ô ïîð µ³ñ¸ Ø*½¸­¬¹»ó ­½¸©·²¼·¹µ»·¬ «²¼ ïíë Õ·´±³»¬»® λ·½¸ó ©»·¬» ´¿«¬»² ¼·» Û½µ¼¿¬»²ò Ü»² ²¿¸»¦« «²ó ¹»¦$¹»´¬»² Ñ°¬·³·­³«­ ¼»® Ú®¿²¦±­»² ¬»·´¬ Ü¿·³´»®óÛ²¬©·½µ´«²¹­ª±®­¬¿²¼ ̸±ó ³¿­ É»¾»® ¦©¿® ²·½¸¬ô ­°®·½¸¬ ¿¾»® ¼¿ª±²ô ¼¿­­ ¼®¿³¿¬·­½¸» Ê»®<²¼»®«²¹»² ¾»ª±®ó ­¬$²¼»² «²¼ ¼·» Æ«µ«²º¬ ¼»­ ß«¬±³±¾·´­ ”¦«²»¸³»²¼ »´»µ¬®·­½¸ ­»·² ©·®¼“ò Ü¿³·¬ ³»·²¬ »® Ò¿ª·¹¿¬·±²­ó ±¼»® Í·½¸»®¸»·¬­­§­ó ¬»³»ô ¿¾»® »¾»² ¿«½¸ ¼»² ß²¬®·»¾ò Ì»«®»ó ®»­ J´ «²¼ °±´·¬·­½¸»® Ü®«½µô »¬©¿ $¾»® Î»ó ¹»´² º$® ¼·» Û·²º¿¸®¬ ·² ײ²»²­¬<¼¬»ô ¾»»·²ó º´«­­¬»² ¼·» ¬»½¸²·­½¸» Û²¬©·½µ´«²¹ ­¬¿®µò Ü¿·³´»® ¸¿¾» ¼·» Ê·­·±² ª±³ «²º¿´´º®»·»² «²¼ ª±³ »³·­­·±²­º®»·»² Ú¿¸®»²ô ²«® ¹»¾» »­ Æ©»·º»´ô ±¾ ¼¿­ Û´»µ¬®±¿«¬± ³·¬¬»´ó º®·­¬·¹ ¼¿­ ß´´¸»·´³·¬¬»´ ­»·ò Ü¿·³´»® ª»®ó º±´¹¬ ¼®»· É»¹»æ Ñ°¬·³·»®«²¹ ¼»® Ê»®¾®»²ó ²«²¹­³±¬±®»²å ا¾®·¼¿²¬®·»¾ º$® ¹®±A» ß«¬±­ô ·² ¼»²»² ¼»® Õ«²¼» ¿®¾»·¬»²ô ëð ððð Õ·´±³»¬»® ·³ Ö¿¸® ¦«®$½µ´»¹»² «²¼ êðð ¾·­ èðð Õ·´±³»¬»® λ·½¸©»·¬» ¸¿¾»²

©·´´å «²¼ º$® $¾»®©·»¹»²¼ ·² «®¾¿²»² Ù»ó ¾·»¬»² ¹»²«¬¦¬» Õ±³°¿µ¬ó «²¼ Ó·¬¬»´µ´¿­ó ­»º¿¸®¦»«¹» Û´»µ¬®±¿²¬®·»¾ô »·²­½¸´·»Aó ´·½¸ Þ®»²²­¬±ºº¦»´´»ò Ü·» ͽ¸©¿¾»² ¦»·ó ¹»²ô ©¿­ ¬»½¸²·­½¸ ­½¸±² ³*¹´·½¸ ·­¬ò Í·» º»®¬·¹»²ô ©»²² ¿«½¸ ·² ¹»®·²¹»® ͬ$½µ¦¿¸´ô »·²» ¾¿¬¬»®·»ó»´»µ¬®·­½¸»ô ¿´´¬¿¹­¬¿«¹´·½¸» ßóÕ´¿­­»ô ¼·» ³·¬ ·¸®»² íêóµÉ¸óÞ¿¬¬»®·»² ·³ Ò±®³¦§µ´«­ îëð Õ·´±³»¬»® λ·½¸©»·¬» ­½¸¿ºº¬ «²¼ ²«® ¼«®½¸ ¼¿­ »·²»® ͬ®¿A»²ó ¾¿¸² <¸²´·½¸» Í«®®»² ¿«ºº<´´¬ò ß´´»®¼·²¹­ ©·®¼ ¼·»­» ß®¬ ¼»® Ú±®¬¾»©»¹«²¹ ¬»«»® »®ó µ¿«º¬ò Ì®¿²­°±®¬»®ô ¼·» ª±² ת»½± «²¼ ²«² ¿«½¸ ª±² Ó»®½»¼»­ ¿²¹»¾±¬»² ©»®¼»²ô µ±³³»² ­±¹¿® ¿«º ¾·­ ¦« ïðð ððð Û«®±ò ß´´»·² ¼·» Þ¿¬¬»®·» ª»®­½¸´·²¹¬ ˲­«³ó ³»²ò ײ »·² °¿¿® Ö¿¸®»² ­±´´ ¼»® Ю»·­ «²ó ¬»® îëð Û«®± ¶» µÉ¸ º¿´´»²ô ¸»«¬» ´·»¹¬ »® ³·²¼»­¬»²­ ¾»·³ Ü®»·º¿½¸»²ò ”Û­ ¹·¾¬ ¼»®ó ¦»·¬ µ»·²» ­±´·¼» Ó±¼»´´®»½¸²«²¹ô ©·» ¼·» Û´»µ¬®±³±¾·´·¬<¬ ¹$²­¬·¹»® ©»®¼»² µ¿²² ¿´­ ¼»® Ê»®¾®»²²«²¹­³±¬±®“ô «®¬»·´¬ É»ó ¾»®ò É»® ¾»¸¿«°¬»¬ô ¼»® Ê»®¾®»²²«²¹­³±ó

”ײ ¼»® ÍóÕ´¿­­» ©·®¼ »·² Ê»®¾®¿«½¸ «²¬»® ª·»® Ô·¬»® ¿«º ïðð Õ·´±³»¬»® ³*¹´·½¸ ­»·²ò Ò·½¸¬ ·®¹»²¼©¿²²ò ײ ¼»® ²<½¸­¬»² Ù»²»®¿¬·±²ò“

Ù»¹»²­¬·³³» »«´·½¸ ­¿A »·²» µ´»·²»ô ¿«º¹»µ®¿¬¦ó Ò ¬» Ù»­»´´­½¸¿º¬ ¾»·­¿³³»² «²¼ ­°®¿½¸ $¾»® É»®¬» «²¼ É»®¬»ª»®º¿´´

¼»® ©»­¬´·½¸»² É»´¬ô «²¼ ­± ¹·²¹ »­ ¾¿´¼ «³­ Ù»´¼ò ß´´» ®$¸³¬»² ­·½¸ ·¸®»® µ´«¹ ¹»©<¸´¬»²ô ¹$²­¬·¹»² Ì¿®·º» º$® ͬ®±³ô É¿­­»®ô Ì»´»º±²ô ײ¬»®²»¬ «²¼ Õ®¿²µ»²µ¿­­»ò Ó·¬ ¼»³ ²»«»² Ù¿­ª»®ó ­±®¹»® ­°¿®» ·½¸ ïî Û«®± ·³ Ó±²¿¬ò Þ»· ¼·»­»® Õ®¿²µ»²µ¿­­» ´±¸²¬ »­ ­·½¸ ©·®µó ´·½¸ô µ®¿²µ ¦« ©»®¼»²ò Ò«® »·²»® ·² ¼»® Ϋ²¼»ô ²·½¸¬ ¼»® Ö$²¹­¬»ô ®<«­°»®¬» ­·½¸ ª»®´»¹»²ô ¾»ª±® »® ©·¼»®­°®¿½¸ò Û¸®´·½¸ô Ô»«¬»ô ·½¸ ¸¿­­» ¼·» »©·¹ ­·²ó µ»²¼»² Ì»´»º±²¹»¾$¸®»²ô ¼·» ²·»¼®·¹»² ͬ®±³ó «²¼ É¿­­»®°®»·­»ô ¼·» ­¿¹»²ó ¸¿º¬ ¹$²­¬·¹»² Ú´«¹¬·½µ»¬­ô ¼·» µ±²µ«®ó ®»²¦´±­ ¾·´´·¹»² ײ¬»®²»¬¦«¹<²¹» «²¼ $¾»®¸¿«°¬ ¼·» ¹¿²¦» ͽ¸²<°°½¸»²µ«´ó ¬«®ò ˲¼ ©¿®«³á É»·´ ·½¸ ²·½¸¬ ©*ó ½¸»²¬´·½¸ô ¶¿ ¬<¹´·½¸ ¿´´ ¼·» Ì¿®·º»ô Î¿ó ¾¿¬¬»ô Ú´¿¬®¿¬»­ «²¼ Þ±²«­°«²µ¬­§­¬»ó ³» ª»®¹´»·½¸»² ©·´´ò Ó»·² Ø¿²¼§ª»®ó ¬®¿¹ ´<«º¬ ­½¸±² º$²º Ö¿¸®»å ³»·² ͬ®±³ó ¿²¾·»¬»® ·­¬ ²±½¸ ¼»®­»´¾» ©·» ïççðò ׳ Æ»·¬¿´¬»® ¼»­ ¹¿´±°°·»®»²¼»² É¿²¼»´­ º<´´¬ ³¿² ¼¿ ©»·¬ ¦«®$½µô ¹»©·­­ô ¿¾»® ³¿² º$¸´¬ ­·½¸ ²·½¸¬ ¼¿«»®²¼ ¸»®«³¹»ó ¸»¬¦¬ò É·» ¹«¬ ¸¿¾»² »­ ¼·» 벬²»® «²¼ ß®¾»·¬­´±­»²ô ©»®¼»² ­·» ¼±½¸ ²·½¸¬ ¼«®½¸ ß®¾»·¬ ª±² ¼»® »©·¹»² Í«ó ½¸» ²¿½¸ ¼»³ ¾»­¬»² ß²¹»¾±¬ ¿¾¹»¸¿´ó ¬»²ò Ü¿­ ©¿®»² ²±½¸ Æ»·¬»²ô ¿´­ »·² Ñ®¬­¹»­°®<½¸ ïè к»²²·¹ µ±­¬»¬»ò Ö»¼»® ©«­­¬»ô ©±®¿² »® ©¿®ò Ü·» λ¹·»®«²¹»² ®»¹·»®¬»² «²¿«ºº<´´·¹ ª±® ­·½¸ ¸·² «²¼ ¸»½µ¬»² ²·½¸¬ ¶»¼» ɱ½¸» ²»«» Ù»­»¬ó ¦» ¿«­ô «³ ¼·» Þ$®±µ®¿¬·» ¿«º¦«¾´<¸»²ò ×¼§´´·­½¸» Ö¿¸®» ¼»­ ͬ·´´­¬¿²¼­ò Ö¿¸®» ¼»® Í·½¸»®¸»·¬ÿ Ò·»³¿²¼ ©«®¼» ³·¬ ¼»³ Ø·²©»·­ ª»®«²­·½¸»®¬ô ²»¾»²¿² ­»· ¼¿­ Ì»´»º±²¹»­°®<½¸ ¦©»· к»²²·¹ ¾·´´·ó ¹»®ò Ü»® Ó»²­½¸ ¸¿¬ ¼±½¸ Þ»­­»®»­ ¦« ¬«²ô ¿´­ Ю»·­» ¦« ª»®¹´»·½¸»²ô ­¿¹¬» ¼»® ͱ²¼»®´·²¹ò ˲¼ ¼¿­ ©<®»áô º®¿¹¬»² ¿´´» ª±´´»® Ò»«¹·»®ò ¼ªò

ð õ ðôë ã ðôí »¸² Ö¿¸®» ²¿½¸ ¼»³ Þ»­½¸´«­­ º$® Æ ¼¿­ Í»²µ»² ¼»® ß´µ±¸±´óЮ±³·´´»ó ¹®»²¦» ª±² ðôè ¿«º ðôë ¸¿¬ ¶»¬¦¬ ¼·» Ù»ó

©»®µ­½¸¿º¬ ¼»® б´·¦»· øÙ¼Ð÷ »·² ²±½¸ ­¬®»²¹»®»­ ß´µ±¸±´ª»®¾±¬ ·³ ͬ®¿A»²ó ª»®µ»¸® ¹»º±®¼»®¬ò Ü·» Ù»©»®µ­½¸¿º¬»® ª»®­°®»½¸»² ­·½¸ ¼¿ª±² ©»²·¹»® ˲º<´ó ´»ô ©»²·¹»® Ê»®´»¬¦¬» «²¼ ©»²·¹»® ̱¬»ò Ü»­¸¿´¾ ­»· »·² ©»·¬»®»® ͽ¸®·¬¬ ·² η½¸ó ¬«²¹ ¿«º »·²» ðôðóÙ®»²¦» ­·²²ª±´´ò Þ«²ó ¼»­ª»®µ»¸®­³·²·­¬»® 묻® ο³­¿«»® øÝÍË÷ ­°®¿½¸ ­·½¸ ­±º±®¬ ¹»¹»² »·²» \²ó ¼»®«²¹ ¿«­ò Ü·» Æ¿¸´ ¼»® ß´µ±¸±´«²º<´ó ´»ô ¾»· ¼»²»² Ó»²­½¸»² ¦« ͽ¸¿¼»² ¹»ó µ±³³»² ­»·»²ô ­»· ¿«º¹®«²¼ ª±² ðôë ­½¸±² «³ ìð Ю±¦»²¬ ¹»­«²µ»²ò Ü¿¦« µ±³³» ¼¿­ ß´µ±¸±´ª»®¾±¬ º$® Ú¿¸®¿²ó º<²¹»® ¾·­ îï Ö¿¸®»ò Õ«®¦ô »® ­·»¸¬ µ»·ó ²»² Ø¿²¼´«²¹­¾»¼¿®ºò Ü»²²±½¸ ­±´´¬» ³¿² ¼·» Ú±®¼»®«²¹ ²·½¸¬ »·²º¿½¸ ª±³ Ì·­½¸ ©·­½¸»²ò Æ©¿® ·­¬ »·²» Ò«´´óЮ±ó ³·´´»óÙ®»²¦» ·² «²­»®»® Õ«´¬«® µ¿«³ ¼«®½¸¦«­»¬¦»² › ¼¿­ Ù´¿­ Í»µ¬ ¦«³ ß¾ó ­½¸·»¼ ¼»® Õ±´´»¹·² ­±´´¬» ­½¸±² ²±½¸ »®´¿«¾¬ ­»·² ›ô ¼±½¸ ©¿­ ­°®·½¸¬ ¹»¹»² »·²» ¹»²»®»´´» Ù®»²¦» ª±² ðôí Ю±³·´ó ´»á ʱ² ¼·»­»³ É»®¬ ¿² ³$­­»² ß«¬±ó º¿¸®»® ­½¸±² ­»·¬ ïçêï ¾»· ¿´µ±¸±´¾»ó ¼·²¹¬»² ß«­º¿´´»®­½¸»·²«²¹»² ±¼»® ²¿½¸ ˲º<´´»² «³ ·¸®»² Ú$¸®»®­½¸»·² ¾¿²¹»²ò Û­ ©<®» ²«® µ±²­»¯«»²¬ô ­¬¿¬¬ ¦©»·»® ®±¬»® Ô·²·»² øðôí «²¼ ðôë÷ ²«® »·²» ¦« ¦·»¸»²ò Ü·» Ê»®µ»¸®­­·½¸»®¸»·¬ ­±´´¬» «²­ ¼·» Ê»®­½¸<®º«²¹ ¼»® λ¹»´ ©»®¬ ­»·²ò º¾­ò

Über die Jahre haben sich freilich auch andere technik­journalistische Themen den Weg ins Blatt gebahnt: Nutz­wertiges etwa, wie Tests von Fahrrädern, Küchengeräten oder Ka­ Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ressortseite „Technik und Motor“ meras. Aktuelles, wie Berichte über neue Handys oder Internetsoftware. Oder Hintergründi­- dakteure wurden entlassen und die Seitenumfänge ha­ben ges, wie Arti­kel zu Brennwertkesseln oder Abfallentsor­ sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu hal­biert. gung. Und schließlich gibt es exotische Abseitigkeiten: Doch der Charakter des Blatts ist erhalten geblieben. Kaum eine andere Print-Publikation – von der NZZ und Bislang hat sich die TuM-Redaktion – darunter übrigens dem SPIEGEL einmal abgesehen – wagt es heutzutage nur ein einziger Diplomingenieur! – ihr technikjournalis­ noch, ihren Lesern ganzseitige Exkurse über Staudämme tisches „Eldorado am Dienstag“ mit der Kraft des ge­schrie­im chinesischen Hinterland, computergesteuerte Bein­- benen Wortes bewahren können. Geholfen haben dabei prothesen oder den Variantenreichtum der Bleistift­ die schützende Hand des zuständigen Herausgebers spitztechnik vorzusetzen. HOLGER STELTZNER sowie professionelle Grundtugen­ den: Neugierde und Experimentierfreudigkeit bei der Dass sich diese technikjournalistische Kreativität für den Themenauswahl, Solidität und Qualität bei der Recher­-­ F.A.Z.-Verlag monetär rechnet, darf bezweifelt werden. che, Akkuratesse und Präzision beim Schreiben sowie Schließlich hat die Medien- und Zeitungskrise auch im last, but not least, das journalistische Korrektiv des Ge­ „Technik und Motor“-Ressort Schneisen geschlagen: Re­ gen­lesens. ̸±³¿­ É»¾»®ô Ü¿·³´»®

¬±® ­»· ¬±¬ô »®¦<¸´» ˲­·²²ò ˲¼ ¼¿²² ´·»ó º»®¬ »® »·² ß®¹«³»²¬ô ¼¿­ ¼·» Õ±´´»¹»² ª±² λ²¿«´¬ ¦«³ ß²¬·óͬ®»­­óÜ«º¬­°»²ó ¼»® ·³ Ʊ7 ¹®»·º»² ´<­­¬æ ”ײ ¼»® Ó»®½»¼»­ Þ»²¦ ÍóÕ´¿­­» ©·®¼ ³·¬ ا¾®·¼¿²¬®·»¾ »·² Ò±®³ª»®¾®¿«½¸ «²¬»® ª·»® Ô·¬»® ¿«º ïðð Õ·´±³»¬»® ³*¹´·½¸ ­»·²ò Ò·½¸¬ ·®¹»²¼ó ©¿²²ô ­±²¼»®² ·² ¼»® ²<½¸­¬»² Ù»²»®¿¬·ó ±²ò“ Ü·» µ±³³¬ô ©»²² ²·½¸¬ ¿´´»­ ¬<«­½¸¬ô ·² ¦©»· ¾·­ ¼®»· Ö¿¸®»²ò


25 Fachjournalist No .3 2010

Hinzu kommt eine über die Jahrzehnte gewachsene Nähe zum Publikum: Nicht selten beruht die Idee zu einem Artikel auf dem Anruf eines geneigten Lesers oder dem kritischen Hinweis aus einem „Brief an die Redaktion“. Welch publizistische Macht die Leserschaft entfalten kann, bekam die F.A.Z.-Verlagsleitung vor zwei Jahren zu spüren. Damals wurde der Erscheinungstag der „Technik und Motor“-Beilage von Dienstag auf Samstag verlegt. Offizielle Begründung: An Wochenenden sei der Leser noch stärker für technische Themen zu begeistern. Da­ raufhin brach ein Sturm der Entrüstung los. Hunderte von Lesern fühlten sich um ihre liebgewonnene Werktagslektüre gebracht und drohten mit der Kündi­ gung ihres Abos. Als der Protest auch nach Wochen nicht abebbte, lenkte die Geschäftsführung schließlich ein. Seither erscheint „Technik und Motor“, wie schon in den 23 Jahren zuvor, wieder dienstags.//

Der Autor Christian Preiser hat nach seinem geisteswis­

senschaftlichen Studium ein Tageszeitungsvolontariat absolviert und lange Zeit als Journalist gearbeitet, unter anderem bei der F.A.Z. Seit Anfang 2010 leitet er bei der Kommunikationsberatung IFOK das Geschäftsfeld „Technik & Kommunikation“. In dieser Funktion verantwortet er das „Forum Technikjournalismus“, das

Fachjournalist Fa ch j o u r n a l i s m u s , Fa ch - P R & Fa ch m e d i e n

IMPRESSUM Herausgeber Prof. Dr. Siegfried Quandt (Präsident des DFJV) DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband AG Verlag DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband AG Hegelplatz 1, 10117 Berlin Telefon 030 / 81 00 36 88 0 Fax 030 / 81 00 36 88 9 Chefredaktion Lars von Hugo (V.i.S.d.P.) fachjournalist@dfjv.de Redaktionsbeirat Gabriele Bartelt-Kircher, Leiterin der Journalistenschule-Ruhr . Markus Becker, Leiter des Ressorts Wissenschaft bei Spiegel-Online . Prof. Dr. Udo Branahl, Institut für Journalistik an der Universität Dortmund . Prof. Dr. Ulrike Buchholz, Fachbereich Informations- und Kommunikationswesen an der Fachhochschule Hannover Prof. Dr. Rainer Burchardt, Lehrbeauftragter für Media Management an der Fachhochschule Kiel . Prof. Dr. Giso Deussen, ehem. Leiter des Studiengangs Technikjournalismus an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg Walter Engstle, Geschäftsführer der UVK Verlagsgesellschaft, ›Reihe Praktischer Journalismus‹ . Prof. Dr. Christoph Fasel, Professur für Medien- und Kommunikationsmanagement, SRH Hochschule Calw . Dr. med. Christoph Fischer, Facharzt und Lehrbeauftragter an der Hamburg Media School Wolfgang Goede, M. A., Wissenschaftsredakteur der Zeitschrift P. M. . Dr. Gabriele Hooffacker, Leiterin der Journalistenakademie München . Prof. Dr. Guntram Platter, Professur für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH) . A. o. Prof. Dr. Dr. Benno Signitzer, Fachbereich Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg . Werner Starz, M. A., Direktor Marketing und Kommunikation bei Eurosport . Prof. (em.) Dr. Jan Tonnemacher, Lehrstuhl für Journalistik II an der Katholischen Universität Eichstätt Eva Wiese, Technology Communications, Daimler Chrysler

IFOK gemeinsam mit der F.A.Z. ins Leben gerufen hat. Nähere Infos unter www.forum-technikjournalismus.de.

Illustrationen Esther Schaarhüls Druck Messedruck Leipzig GmbH

Der Autor Georg Küffner ist Redakteur im Ressort

"Technik und Motor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und des Maschinenbaus trat er 1984 in die Wirtschaftsredaktion der F.A.Z. ein und schrieb zunächst

Anzeigen anzeigen@dfjv.de Die aktuellen Mediadaten des Fachjournalist erhalten Sie auf www.fachjournalist.de Autoren dieser Ausgabe Marcus Anhäuser · Georg Küffner · Ulrike Langer · Silke Liebig-Braunholz Charlotte Brigitte Looß · Christian Preiser · Andreas Schümchen Jennifer Schwanenberg · Sabine Seifert

für den Spezialdienst "Blick durch die Wirtschaft". 1988 wechselte Küffner zu "Technik und Motor", wo er sich

Leserbriefe wie Statements, Anregungen, Lob und Kritik bitte an: leserbriefe@dfjv.de

mit den unterschiedlichsten Themen aus dem gesamten Gebiet der Technik befasst; Schwerpunkte sind die Umwelt-, Energie- und Bautechnik.

Erscheinungstermine: Der Fachjournalist erscheint quartalsweise. Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes erhalten den Fachjournalist kostenfrei. Rechtliches Der Inhalt namentlich gekennzeichneter Beiträge spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider. Bei Einsendung von Manuskripten wird das Verständnis zur vollen oder auszugsweisen Veröffentlichung (Print und Online) vorausgesetzt. Hinweise für Autoren erhalten Sie unter www.fachjournalist.de. ISSN 1860-2827

Angeschlossen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW)


26 medizinjournalismus Fachjournalist No .2 2011

Der Medien-Doktor: Bei Journalisten zur Visite von Marcus Anhäuser

Der Medien-Doktor bewertet medizinjournalistische Beiträge aus allen Medien nach einem definierten Kriterienkatalog und veröffentlicht die Gutachten auf seiner Webseite www.medien-doktor.de. Das Team aus erfahrenen Journalisten um HOLGER WORMER und MARCUS ANHÄUSER von der TECHNISCHEN UNIVERSITÄT DORTMUND hofft damit,

ein Bewusstsein für Qualitätsstandards im Medizinjournalismus zu wecken. Neben Lob und Kritik wollen sie den Kollegen helfen, ihre Leser, Zuhörer und Zuschauer besser über Therapien, Tests und Medikamente zu informieren. Quelle: http:// www.medien-doktor.de

Fast jeder von uns hat sie wohl schon gelesen, gehört oder gesehen – und sich geärgert: Diese Meldungen, die einen „Durchbruch“ bei der Bekämpfung einer schweren Krankheit verkünden oder eine einfache Lösung für ein gesundheitliches Problem, das Millionen von Menschen plagt. Sie füllen die Seiten der Tageszeitungen und Wochenmagazine, Internetpostillen oder TV-Rubriken: „Neun Walnüsse am Tag senken Bluthochdruck“, „Vitamin B könnte gegen Alzheimer helfen“, „Erfolg im Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs“… Wer ausgewogenen und kritischen Medizinjournalismus erwartet, wird dabei nicht immer, aber immer wieder enttäuscht. Der Nutzen der Therapie wird maßlos übertrieben, auf Risiken und Nebenwirkungen geht der Text nicht ein, an der Studie war nur eine Handvoll Probanden beteiligt, die Presse­ mitteilung war die einzige Quelle. Es gibt viele ausgezeichnete Artikel und Sendungen über Gesundheitsthemen – differenziert, einordnend, mit

journalistischer Distanz und gesunder Skepsis. Doch es gibt eben auch diese übertriebenen, unnötigen und des­ informierenden Beiträge, die leider nicht nur journalis­­t­ische wie medizinische Profis ärgern und unbedarfte Leser und Zuschauer falsch informieren, sondern auch Patienten und ihren Angehörigen unbegründete Hoff­ nungen oder Sorgen bereiten. Die Gründe für solche Texte und Sendungen sind viel­ fältig: Sie reichen von den immer schlechter werdenden Bedingungen im Journalismus, Zeitdruck und Platzman­ gel über Unkenntnis und Unvermögen bis hin zu Faul­heit und „Wurschtigkeit“. Ausbaden müssen es am Ende Leser, Zuhörer und Zuschauer. Seit einigen Jahren gibt es in mehreren Ländern Projekte, die sich nicht mehr damit abfinden wollen. Sie überprü­ fen medizinjournalistische Beiträge auf Herz und Nieren, bewerten sie und veröffentlichen ihr Lob und ihre Kritik


medizinjournalismus 27 Fachjournalist No .2 2011

im Internet. „Behind the Headlines“1, „Media Doctor“ oder „HealthNewsReview“2 heißen sie. Die einen ver­folgen einen eher deskriptiven Ansatz wie „Behind the Headlines“, die anderen gehen nach einem festgelegten Kriterienkatalog vor. Im deutschsprachigen Raum sind es bisher vor allem Blogs, die zumeist Kritik über schlechten Gesundheits­ journalismus äußern – Lob für gute Stücke findet sich in Blogs (naturgemäß?) eher selten. Seit November 2010 gibt es nun aber auch im deutschsprachigen Raum ein professionelles Monitoring-Projekt, das die Qualität im hiesigen Medizinjournalismus untersucht, gleichermaßen lobt wie kritisiert, auf Fallstricke in der Berichterstattung hinweist und Hilfestellung geben will: Der Medien-Dok­ tor.3 Angesiedelt ist das Projekt an der TECHNISCHEN UNIVERSITÄT DORTMUND, am Lehrstuhl Wissenschafts­ journalismus4 von HOLGER WORMER. Unterstützt wird es vor allem von der Initiative Wissenschaftsjour­ nalismus5 (mit den Trägern ROBERT BOSCH STIFTUNG,

ABB. 1 : Medizinjournalistische und allgemein­

journalistische Bewertungskriterien des MedienDoktors

1

NUTZEN

2

RISIKEN

3

BELEGE

4

EXPERTEN

5

PRESSEMITTEILUNG

6

NEUHEIT

7

ALTERNATIVEN

STIFTERVERBAND FÜR DIE DEUTSCHE WISSENSCHAFT

8

VERFÜGBARKEIT

und BASF) und dem Fachverband WPK – die Wissen­ schaftsjournalisten.

9 KOSTEN

Welche Informationen benötigen Leser, Zuhörer und Zuschauer? Regelmäßig bewertet ein Gutachterteam aus erfahrenen Medizin- und Wissenschaftsjournalisten eine ganz be­ stimmte Kategorie medizinjournalistischer Beiträge: Artikel und Sendungen, in denen über den Nutzen oder die Sicherheit von (neuen) Therapien, Wirkstoffen, Nah­rungsergänzungsmitteln oder auch diagnostischen Tests berichtet wird. Der Medien-Doktor folgt dabei ein­ em Kriterienkatalog, der von den Vorgängerprojekten in Aus­tralien, Kanada, Hongkong (Media Doctor) und den USA (HealthNewsReview) aufgestellt wurde und noch immer angewendet wird. Gemeinsam ist diesen Kriterien die starke Rezipientensicht, die Orientierung an dem, was Leser und Zuschauer, Patienten und ihre Angehörigen an Informationen benötigen, um sich ein voll­ständiges Bild machen zu können. ( →Abb. 1) Dazu gehört zum Beispiel dass der Nutzen einer Therapie nicht übertrieben dargestellt wird – wieder einmal also nur die Senkung des relativen Risikos für eine Erkrankung Erwähnung findet. So zum Beispiel wenn es heißt, ein Mittel senke die Zahl der Herzinfarkte um „sensationelle 50 Prozent“, absolut betrachtet aber die Anzahl der Herzinfarkte von weniger spektakulären zwei je hundert auf einen je hundert Behandelten sinkt. Zu einem voll­ ständigen Bild gehört auch, dass Nebenwirkungen, Kos­ ten und Alternativen thematisiert werden, dass es eine Einschätzung gibt, wie neu ein Ansatz wirklich ist, dass klar wird, wann und für wen ein Mittel verfügbar ist oder

10 KRANKHEITSERFINDUNGEN 1

THEMENAUSWAHL

2

VERMITTLUNG

3

FAKTENTREUE

Quelle: http:// www.medien-doktor.de

wie gut die Evidenz der Studien ist. Wichtig für das Ur­ teil eines Lesers oder Zu­schauers ist auch die Einschät­ zung von Medizinern, die nicht an der vorgestellten Studie beteiligt sind, oder auch die Information, welche Interessenkonflikte bestehen.

Qualität erforschen Die Ansiedlung des ganzen Projekts an der Dortmunder Universität hat – abgesehen von der Unabhängigkeit – weitere Vorteile. Im Laufe der Zeit erhalten wir durch die regelmäßige Begutachtung einen einmaligen Daten­ schatz. Diesen können wir nutzen, um Erkenntnisse über die Qualität in einem bestimmten Bereich des Medizin­journalismus in Deutschland zu gewinnen. Im Hin­blick auf welche Kriterien informieren Journalisten die Kon­ sumenten besonders gut, wo haben sie besondere Proble­ me? Gibt es Unterschiede zwischen Lokalredaktionen und den Redaktionen der überregionalen Blätter? Zwi­schen Spezialisten und Allroundern? Zwischen Print und


28 medizinjournalismus Fachjournalist No .2 2011

TV? Wir können diese Erkenntnisse dann gezielt an die Journalisten zurückgeben – in Form von maßgeschnei­ derten Seminaren oder einer medizinjournalistischen „Blattkritik“, die der Lehrstuhl im Rahmen des Dritt­ mittelprojekts „Initiative Wissenschaftsjournalismus“ den Redaktionen schon jetzt anbietet. Schließlich fließen die Ergebnisse auch in Lehre und Ausbildung der jungen Kollegen und Studierenden. Diese haben schon in der Vorbereitungsphase in einem Seminar zur Qualität im Medizinjournalismus unter Lei­ tung des Lehrstuhlinhabers HOLGER WORMER an den Kriterien mitgearbeitet, sie erweitert und getestet, was letztlich in weiteren Entwicklungsschritten mit unseren journalistischen Gutachtern zu dem nun verwendeten Set der „Allgemeinjournalistischen Kriterien“ führte. Und die Entwicklung geht weiter: Wie etwa lässt sich das Konzept des Kriterienkatalogs auf andere Bereiche des Medizin- und Wissenschaftsjournalismus übertra­gen? Welche Kriterien könnte man zum Beispiel für die Um­ welt­berichterstattung, den Technikjournalismus oder die Behandlung von Physik- und Chemiethemen überneh­men? Welche müsste man neu definieren? Könnte man sogar Qualitätskriterien für (medizinische) Pressemit­ teilungen entwickeln? Risiken und Nebenwirkungen gibt es auch in anderen Bereichen.

Öffentlichkeit gehört zum Konzept Die Gutachten werden ganz ähnlich dem wissenschaft­li­ chen „peer review“-Verfahren von jeweils zwei Journalis­­ ten unabhängig voneinander erstellt und dann zu einem Gutachten zusammengeführt. Das Endergebnis präsen­

tieren wir, der Medien-Doktor, schließlich auf unserer Webseite www.medien-doktor.de. Für jedes Kriterium begründen wir, warum wir es als „erfüllt“ oder als „nicht erfüllt“ betrachten. Aus dem Verhältnis von „erfüllten“ zu „nicht erfüllten“ Krite­rien errechnet sich die Gesamtwertung, im besten Fall fünf, im schlechtesten Fall null Ster­ne. ( →Abb. 2) Dass wir die Gutachten veröffent­lichen, gehört dabei zum Konzept des Projektes, genau wie bei unse­ren internationalen Schwesterpro­jekten6, die zum Teil schon seit 2004 medizinjournalistische Beiträge be­wer­ten. Mit jedem einzelnen Gut­achten – ob im Ergebnis gut oder schlecht – haben wir die Chance, am konkreten Beispiel zu diskutieren, was ein medizinjournalistischer Bei­trag benötigt, damit Leser, Zuhörer und Zuschauer unserer Meinung nach gut und richtig informiert wer­den. Damit bieten wir gerade auch den besonders guten und bemer­ kenswerten Beiträgen eine Plattform und helfen damit vielleicht anderen, am guten Beispiel zu lernen. Letztlich erhoffen wir uns durch die Präsentation auf der Webseite Lerneffekte, die womöglich nachhaltiger sind als so manches Zwei-Tage-Seminar.

Tipps und Kniffe für Medizinjournalisten Aber wir wollen nicht nur loben, kritisieren und ein Bewusstsein für bestimmte Kriterien im Medizinjour­ nalismus wecken. Wir betrachten die Website auch als eine zentrale Plattform für unsere Zunft, auf denen Journalisten Ressourcen finden, die ihnen bei ihrem nicht immer einfachen Job helfen (sollen). So verweisen wir im Bereich „Tools für Journalisten“ (der noch im Aufbau ist) auf Artikel und Webressourcen, die weiterhelfen, etwa

ABB. 2 : Begutachtungsprozess des Medien-Doktors

Auswahl der Beiträge durch Redaktion

Gutachter 1

Gutachter 2

Redakteur

Zusammenfassung und Präsentation auf der Webseite Quelle: http://www.medien-doktor.de/uber-uns/wie-wir-bewerten/

Gutachter 3


medizinjournalismus 29 Fachjournalist No .2 2011

bei den Fragen, wie man gute von schlechten Studien unterscheidet, wie man mit Statistiken umgeht oder wo man schnell verlässliche Quellen für die Recherche findet. Im neu gestarteten Blog „Sprechstunde“ bieten wir regelmäßig Linktipps rund um den Medizinjournalis­ mus an oder widmen uns in ausführlichen Artikeln einem ganz spezifischen Problem unserer Zunft. Eines wollen wir mit unserem Projekt aber auf keinen Fall: Journalisten an den Pranger stellen. Wir hoffen, unsere Kritik wird als konstruktiv empfunden. Uns geht es auch nicht um den einzelnen Kollegen. Ein Beitrag ist oft genug ein Gemeinschaftswerk, an dem auch Redakteure, Layouter, Grafiker oder Kameraleute beteiligt sind. In den Gutachten nennen wir nie den Namen eines Autors. Es muss sich also niemand sorgen, dass eine schlechte Bewertung in der GOOGLE-Liste seines Namens auf­ taucht. Für erste Ergebnisse ist es naturgemäß noch viel zu früh, wir haben gerade die ersten 25 Gutachten veröffentlicht. Wir haben Fünf-Sterne-Artikel gesehen, wir haben auch null Sterne vergeben. Der Nutzen wird selten verständlich erklärt oder quantifiziert, Risiken und Nebenwirkungen fallen oft unter den Tisch, auch bei Leitmedien. Zu oft war die Pressemitteilung die einzige Quelle. Im Regionalbe­ reich fällt zum Teil eine Art Hofberichterstattung auf: Der leitende Arzt einer Klinik darf sich und seine OPMethode im besten Licht präsentieren, kritische Anmer­ kungen fehlen völlig. Ein erstes Muster, das sich aber erst noch bestätigen muss.

gut und richtig informiert zu werden – im Wochenmagazin genauso wie auf der Lokalseite. Wäre das nicht eine absurde Vorstellung, wenn wir vom Leser oder Zuschauer erwarteten, er müsse die Bedingungen im Journalismus mit in seine Überlegungen einbeziehen? Frei nach dem Motto: „Hier hätte mich noch die Einschätzung eines unabhängigen Mediziners interessiert, aber wahrschein­ lich hat der Autor zu wenig Honorar bekommen. Schade, eigentlich.“ Dass wir mit unserer Bewertung tatsächlich Hilfestellung geben können, zeigt, wie ich finde, die professionelle Reaktion einer Autorin. Nach dem ersten Schreck und einigen Erklärungen unsererseits schrieb sie uns zurück: „Ich habe jedenfalls für mich beschlossen, in Anlehnung an die beim Medien-Doktor verwendeten Kriterien […] meine eigene kleine Beurteilungsliste aufzustellen und meine künftigen Texte vor Abgabe daran zu messen. Das ist mein Beitrag zur Verbesserung.“ Wenn das mit der Zeit immer mehr Kollegen machen, dann haben wir mit dem Medien-Doktor tatsächlich etwas erreicht.// LITERATUR Wormer, H. Wormer, H. (2011): Improving Health Care Journalism, in: Gigerenzer, G., Gray, J.A.M. (ed.): Better Doctors, Better Patients, Better Decisions: Envisioning Health Care 2020, Strüngmann Forum Report, Vol. 6, Cambridge, MA. Endnoten: http://www.nhs.uk/news/Pages/NewsIndex.aspx http://www.healthnewsreview.org/ 3 http://www.medien-doktor.de 4 http://www.wissenschaftsjournalismus.org/ 5 http://www.initiative-wissenschaftsjournalismus.de/ 6 Media Doctor Australien: http://www.mediadoctor.org.au/; Media Doctor Kanada: http://www.mediadoctor.ca/; Media Doctor Hongkong: http://www. mediadoctor.hk/; Media Doctor Japan: http://mediadoctor.jp/ 1 2

Feedback der Autoren Und was sagen die Autoren? Wir haben auch erste Feed­ backs bekommen. Vor allem, wenn das Sterneergebnis mager ausfiel, sind der erste Schreck und auch ein Funke Empörung in mancher E-Mail zu spüren. „Warum haben Sie ausgerechnet meinen kleinen Artikel ausgesucht?“, „Das ist doch unfair, Texte aus einer Lokalredaktion mit denen einer großen Wochenzeitung zu vergleichen!“ Selbst Rufschädigung wurde schon deklamiert. Und überhaupt: „Was erwarten Sie denn, bei dem Honorar, so wenig Platz und Zeit?“

Der Autor Marcus Anhäuser ist Leitender Redakteur des

Medien-Doktor-Projektes und der Website www.medien-doktor.de. Er arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Wissenschafts- und Medizinjournalist, darunter mehrere Jahre als Nachrichtenredakteur verschiedener Gesundheitsplattformen. Als freier Autor hat Marcus Anhäuser v.a. für überregionale Zeitungen

Das sind natürlich verständliche Reaktionen, aber sie sind auch symptomatisch, denn es wird fast immer aus der Perspektive des Journalisten heraus argumentiert: „Die Bedingungen sind so, was sollen wir denn machen?“ Richtig, die Bedingungen sind so, wir vom MedienDoktor wissen das alle nur zu gut. Aber wir bewerten die Beiträge vor allem aus der Sicht der Rezipienten. Die lesen den Artikel oder sehen den Bericht und erwarten,

und Magazine geschrieben (z. B. Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt, National Geographic Deutschland). Er ist wissenschaftlicher Angestellter am Lehrstuhl Wissen­schaftsjournalismus der TU Dortmund. Abseits der etablierten Medien schreibt er in seinem Weblog „Plazeboalarm“ zu Themen wie Wissenschaft und Medizin (www.scienceblogs.de/plazeboalarm).


30 gesundheitskommunikation Fachjournalist No .2 2011

Gesundheitskommunikation: Klare Positionen in Zeiten des Wandels Die Bedingungen für Healthcare-Kommunikation haben sich stark verändert. Erfolg hat nur, wer der steigenden Komplexität mit klaren Positionen und Authentizität begegnet. Das gilt für die Akteure der Gesundheitswirtschaft wie für die beauftragten Agenturen. von Sabine Seifert Die Automobilbranche tut es, Banken und Versicherun­ gen tun es, die Hersteller von Unterhaltungselektronik auch – nur die Pharmahersteller dürfen es nicht: Für ihre Produkte werben. Die Healthcare-Kommunikation in Deutschland unterliegt strengen Regeln. Das Heilmittel­ werbegesetz (HWG) untersagt Unternehmen, über die Packungsbeilagen ihrer rezeptpflichtigen Arzneimittel hinaus Produktinformationen an Patienten oder Publi­ kumsmedien zu kommunizieren. Obwohl es seitens der Patienten einen großen Bedarf an entsprechenden Infor­ mationen gibt. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit erschwert die Kommunikation – und treibt mitunter schwarze Schafe auf den Plan. In den USA stehen Pharmaunternehmen derzeit in der Kritik, weil in Internetblogs mutmaßlich frei erfundene Patienten von ihren – natürlich positiven – Erfahrungen mit verschie­ denen Medikamenten berichten. Die Kommunikationsab­ teilungen der Unternehmen, beziehungsweise von ihnen beauftragte PR-Agenturen, versuchten so, gezielt Werbung für bestimmte Produkte zu machen. Der Aufschrei war groß: „Fälschung“, „Betrug“ und „Täuschung“ titelten die unterschiedlichsten Medien – ein kommunikativer GAU, der mit den Codices seriöser Agenturen nicht zu verein­ baren ist.

Healthcare-Kommunikation ist heute einfacher und schwieriger zugleich Seit Jahren gibt es Diskussionen auf europäischer Ebene, ob die HWG-Richtlinien gelockert werden sollen – bislang allerdings ist der Verlauf offen. Derweil kommuniziert die Branche entlang des Regeldickichts, um dem gesteigerten Interesse der Verbraucher an Gesundheitsthemen gerecht zu werden. ( →Abb. 1) Noch nie war das Interesse an Gesundheit so groß wie heute. Das hat die Kommunikation für den HealthcareMarkt in den vergangenen Jahren eigentlich einfacher gemacht. Das gilt sowohl für die Kommunikation zu konkreten Indikationen als auch für Themen, die darüber hinausgehen. Reformen in der Gesundheitspolitik, die Gesundheitswirtschaft als bedeutender Wirtschaftsfaktor am Standort Deutschland, zunehmender Wettbewerb

und neue Vertriebssysteme – das sind wichtige Themen für die Gesundheitskommunikation. Und all diese Themen werden in zunehmendem Maße in den Medien behandelt. Zugleich adressiert Gesundheitskommunikation nicht nur ein immer breiteres, und mit Blick auf bestimmte Zielgruppen auch stärker ausdifferenziertes Publikum; mit steigendem Interesse wächst auch dessen Informa­ tionsstand. Dem großen Gesprächsbedarf müssen die Unternehmen der Gesundheitsbranche gerecht werden. Die Healthcare-Kommunikation ist gleichzeitig auch schwieriger geworden: Mit dem Interesse an Gesund­ heitsthemen steigt die schiere Menge an Material. Und viele Stakeholder kämpfen um die Aufmerksamkeit der Journalisten. Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass der Markt für Gesundheitswirtschaft sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert hat. Die Player bewegen sich in einem wesentlich komplexeren Marktumfeld, bilden neue Allianzen – und erhalten damit neue Ansprechpartner, mit denen es zu kommunizieren gilt. In den durch die neue Gesundheitsreform forcierten Modellen, wie bei­ spielsweise der integrierten Versorgung, wird multilateral verhandelt: Ärzte, Krankenhausmanager, Vertreter von Krankenversicherungen und Pharmavertreter sitzen zu­ sammen am Tisch. Dabei werden Preisverhandlungen geführt, Qualitätsmaßstäbe festgelegt, der Informations­ austausch verpflichtend geregelt. Für alle Beteiligten ist derartige Kommunikation Neuland.

Mut zur klaren Position Für die Pharmaunternehmen ist diese Herausforderung besonders groß, denn die Kommunikation war bislang vorrangig auf die verordnenden Ärzte fokussiert. Und erschwerend kommt hinzu: Das Image der Branche ist schlecht – in Umfragen rangiert sie direkt hinter der Rüstungs- und der Atomindustrie. Die Kommunikation der Pharmahersteller war stark durch äußeren Druck gesteuert und eher passiv. Kaum ein Akteur der Pharma­ branche hat bislang beispielsweise das im Thema Social Media steckende Potenzial für sich genutzt. Gerade ein­-


gesundheitskommunikation 31 Fachjournalist No .2 2011

ABB. 1: dialog mit den interessengruppen - "welche kommunikation spielt ihrer ansicht nach die wichtigste rolle bei der markteinfühurung eines produkts?"

42 %

55 %

50 %

Strategische Kommunikation mit Stakeholdern

8 %

0 %

3 %

Politische Kommunikation

Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel

33 %

36 %

35 %

Fachkommunikation

17 %

9 %

12 %

Publikumskommunikation

Verschreibungspflichtige Arzneimittel

Gesamt

Quelle: Market Access-Umfrage 2009; Befragt wurden 83 Market-Access-Experten von Pharmaunternehmen; fischerAppelt, relations in Zusammenarbeit mit Kienbaum

mal eine Handvoll Unternehmen (wie zum Beispiel ROCHE oder BOEHRINGER INGELHEIM) kommunizie­ ren in Deutsch­land über FACEBOOK, TWITTER und Co. Vorsicht domi­niert aber auch hier die Kommunikations­ strategien; zu groß ist die Angst vor Imageschädigung, Kontrollverlust und Konkurrenzattacken. Die Kommu­ nikation und der Umgang im Social Web müssen gelernt werden – genauso wie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Unter­nehmensprofil. Die Unternehmen müssen Gesicht zeigen. Das Unternehmen als Marke ist in der Kommunikation mindestens so wichtig wie die Produkte selbst. Genauer: Das eine funktioniert heute nicht (mehr) ohne das andere. Die Devise lautet „Schärfen statt glätten“. Zunehmende Komplexität gepaart mit starker Popularisierung verlangt nach klaren und pointierten Aussagen. Ähnliches gilt für Krankenkassen. In Relation zu ihrer Bedeutung, aber auch zu ihrer Macht, verlief die Kommunikation in der Vergangenheit vergleichsweise „untertourig“. Aktuell scheint in vielen Fällen die öffentliche Diskussion über schwindende Serviceleistungen, undurchschaubare Fu­ sionspläne und finanzielle Schieflagen über die meisten davon hinwegzulaufen. Demgegenüber muss die Kom­ munikation der Krankenkassen in Richtung einer klaren Positionierung sowie zur Dialogbereitschaft auf Augen­ höhe verlaufen.

Ein guter Ruf ist entscheidend für langfristigen Erfolg

Gesundheitskommunikation eine Conditio sine qua non. Wer Tatsachen verfälscht, irreführende Wirkversprechen gibt oder Nebenwirkungen herunterspielt, verliert über kurz oder lang das Vertrauen der Öffentlichkeit. Und das ist enorm geschäftsschädigend – für die Unternehmen, aber auch für die beauftragten PR-Agenturen. Den Unternehmen geht es darum, von der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen zu werden. Dieser Weg führt vor allem über die Medien. Journalisten sind in den meisten Fällen gut über den Ruf einzelner Agenturen informiert, aber die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit haben sich verändert: Mehr Zeilen in immer kürzerer Zeit, lautet das Credo aus den Verlagsspitzen. Vertrauenswürdige Quellen sind unter diesen Bedingungen wichtiger denn je. Hierbei kann seriöse, ethischen Grundsätzen verpflichtete PRArbeit helfen. Gute Agenturen kennen die Spielregeln und halten sie ein. Durch ihre Nähe zu den Entscheidern in der Gesundheitswirtschaft haben sie Zugriff auf exklusive Informationen, können entsprechende Themenangebote machen und interessante Interviewpartner vermitteln. So funktioniert erfolgreiche Healthcare-Kommunikation – auch unter strengen gesetzlichen Auflagen. Es entstehen „Win-win-win-Situationen“ – für die Unternehmen, für die Journalisten, aber auch für die Leser und Patienten.//

Die Autorin Sabine Seifert ist Geschäftsführerin von fischerAppelt, relations. Die PR-Agentur ist Teil der fischerAppelt AG, der Föderation der Ideen. Seit mehr

Bei der Kommunikation für Pharmabranche und Kran­­­­ kenkassen, mehr noch, für alle Branchen in der Gesund­ heitswirtschaft, darf eines nie vergessen werden: Ge­ sundheit und die damit zusammenhängenden Produkte und Dienstleistungen sind hochsensible Themen. Am deutlichsten wird das bei Arzneimitteln. Ehrlichkeit, Seriosität und Glaubwürdigkeit sind deshalb bei der

als zehn Jahren beraten Seifert und ihre HealthcareTeams Pharmaunternehmen und Institutionen des Gesundheitswesens in allen kommunikativen Belangen. Kunden sind unter anderen GlaxoSmithKline, Pfizer, Novartis und die Knappschaft. Die Agentur beschäftigt PRExperten an den Standorten Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart und München.


32 rezension Fachjournalist No .2 2011

Rezension: „Blogs, Video & Online-Journalismus“ Autor: Moritz „mo.“ Sauer Rezensentin: Jenny Sturm Preis: EUR 24,90, Paperback , 432 Seiten Erscheinungsjahr: 2. Auflage 2010 Verlag: O’Reilly ISBN: 978-3-89721-973-1

Das Buch beschäftigt sich mit den verschiedenen Möglichkeiten des Onlinejournalismus. Es bietet Informationen zur technischen Erstellung sowie Einbindung von Blogs, Bildern und Videoclips, zur zielgruppenorientierten Anwendung von TWITTER und Suchmaschinen als auch zur juristisch sicheren Anwendung aller Dienste. Groß und dick liegt der Wälzer beruhigend auf dem Schreibtisch. Gut 400 Seiten, die aktuelle Fragestellungen zum richtigen Einsatz von Blogs, Video und Online­jour­ nalismus behandeln sollen. Ein großer Fisch blubbert auf dem Cover vorbei und es ist nicht ganz klar, was er da soll: Dekorativ nach Aufmerksamkeit fischen? Zeigen, wie man ein dicker Fisch im Netz wird? Oder soll er an die „Phishing“-Problematik im Internet erinnern? Diese, für ein Computerhandbuch ungewöhnliche Gestaltung, regt jedenfalls schon auf den ersten Blick die Phantasie an und verspricht eine interessante Lektüre. Gemäß dem Klappentext kann nach der Medienrevolu­tion „heute jeder zum Sender werden“, und der Leser bekommt durch die Lektüre auch gleich das „nötige journalistische und technische Know-how an die Hand“. Damit richtet sich das Anwenderhandbuch in 18 übersichtlich ge­glie­ derten Kapiteln an jeden, der Informationen schnell und ziel­gruppenorientiert im Internet verbreiten möchte. Denn nirgends, so macht das Handbuch deutlich, sind die Möglichkeiten zum (kostengünstigen!) Austausch so groß wie im World Wide Web, wo jeder seine Meinung über Foren, Blogs, Gästebücher, Chats oder Newsgroups in Sekundenschnelle einem breiten Publikum mitteilen kann und die der anderen erfährt. Der Autor MORITZ „MO.“ SAUER erklärt in diesem Grund­ lagenwerk umfangreich und mit einfachen Worten, wie heute jeder, auch ohne Programmierkenntnisse, in weni­gen Stunden eine eigene Plattform im Internet für sich gestalten kann. Er nutzt zum Einstieg Wordpress, den einfachsten Weg zum eigenen Weblog, und zeigt weiter, wie zum eigenen Text auch Videos, Bilder und Verlin­ kungen zu sozialen Netzwerken wie TWITTER und

FACEBOOK eingebunden werden können. Um dem Titel

„Online-Journalismus“ auch fachlich-inhaltlich gerecht zu werden, ist ein eigenes Kapitel dem jour­nalistischen Schreiben eines Onlineartikels gewidmet sowie ein weiteres Kapitel der Onlinerecherche. Wo die Grenzen der freien Meinungsäußerung im Netz liegen und an wel­ chen juristischen Grundlagen niemand vorbeikommt, der eigene Inhalte auf Seiten im Internet anbietet, wird im vierten Teil umfassend unter „Rechtliche Grundlagen“ von LAURA DIERKING und CHRISTOPH GOLLA besprochen. Für Laien (und Ängstliche) auf dem Gebiet der Online­ anwendungen ist die lebendige und anwenderorientierte Sprache ein Grund zur Entspannung. Selbst längere tech­ nische Anweisungen werden angenehm lesbar. Sie werden das Gefühl haben, als stünde jemand hinter Ihnen, der Ihnen die einzelnen Handgriffe mit freundlichen Worten geduldig erklärt: „Klicken Sie auf das Icon links des ABCIcons, erscheint unterhalb des Cursors eine gepunktete hell­graue Linie. Mit dieser Funktion unterteilen Sie Artikel und erstellen einen Anreißer […].“ Egal, an welcher Stelle der Leser das Buch aufschlägt, er findet zu allen Themen gut strukturierte Überschriften, Bilder und Screenshots, die die beschriebenen Schritte und Anwendungen auch visuell nachvollziehbar machen. Typische Begriffe aus der Fachterminologie wie zum Bei­ spiel „Widgets“, „Permalinks“ und „Trackbacks“ werden so ein­fach wie möglich anhand von praktischen Beispielen er­ klärt. Hilfreich sind die Tipps, durch die der Leser er­fährt, welche Fallen bei den möglichen Installationen lauern und wann es sein kann, dass er zwar alles richtig gemacht hat, der Anbieter jedoch aus verschiedenen Gründen die­ sen Service gerade nicht durchführen kann.


dfjv intern 33 Fachjournalist No .2 2011

Fazit Das Buch ist ein hervorragender technischer Werk­zeug­-­ kasten für alle, die Informationen möglichst ziel­grup­pen-­ sicher und juristisch korrekt im Netz verbreiten möchten. Durch die gelungene Gliederung ist es sehr an­wender­ freundlich – auch für Fortgeschrittene auf dem Gebiet der Webkommunikation, die ihrer Plattform noch den letzten Schliff geben möchten. Das journalistische Hand­ werkszeug für die Recherche und das Schreiben sind allerdings Qualifikationen, die eine langjährige fundierte Ausbildung und Erfahrung auf dem Gebiet erfordern; die kann selbst dieses praktische Buch nicht ersetzen – und das wäre auch zu viel verlangt.//

Nähere Informationen zum Buch sowie ein PDF des Kapitels 7 „Suchmaschinenoptimierung“ finden Sie über folgende Adresse: → http://phlow.de/seite/blogs-video-online-journalismus

Die Rezensentin und Kunsthistorikerin Jenny Sturm,

geboren 1978 in Freiburg im Breisgau, ist Referentin der Pressestelle im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und als Rednerin für verschiedene KünstlerInnen und Galerien tätig.

Deutsches Journalistenkolleg: DFJV launcht neue Weiterbildungsplattform Der DFJV bündelt sein Weiterbildungs­angebot seit März dieses Jahres unter einem neuen Dach: DFJV DEUTSCHES JOURNALISTENKOLLEG GmbH. Auf www.journalisten­kolleg.de bieten wir Ihnen ein viel­fäl­ tiges Programm aus Praxiswork­shops und fachspezifi­ schen Semina­ren an – abgestimmt auf die aktuellen Anforderungen an die Pro­fession. Alle Angebote stehen Mitgliedern des DFJV zu vergünstigten Kondi­tionen offen. Ziel ist es, die Weiter­bildungsangebote des DEUTSCHEN JOURNALIS­TEN­KOLLEGS sukzessive in allen deutschen Ballungs­räumen anzubieten. Wir werden Sie hierüber stets aktuell informieren.

Nicht nur die Onlinepräsenz ist neu, son­dern auch das Angebotsspektrum: Die Fach­seminare „Phänomen Think Tanks – For­­schung, Beratung oder Lobbying?“ in Zusam­ men­ar­beit mit Dr. DIETER PLEHWE, Wissenschaftler am WISSEN­SCHAFTSZEN­TRUM BERLIN FÜR SOZIAL­ FORSCHUNG (WZB) und Vorstandsmitglied von LOBBY­ CONTROL e. V. am 06. Mai 2011 und „Die Gesetzliche Krankenversiche­rung (GKV) in Deutschland“ am 15. April 2011, veranstaltet in Kooperation mit dem AOK BUNDESVERBAND, bilden den Auftakt für eine Reihe weiterer fach­spezifischer Weiterbildungsangebote des DEUTSCHEN JOURNA­LIS­TEn­KOLLEGS.

Seminartitel

Datum

Veranstaltungsort

Erfolgreich frei: Selbstmarketing für Journalisten

01.04.2011

Berlin

Bloggen & die journalistische Selbstvermarktung im Netz (Teil I)

08.04.2011 Köln

Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland

15.04.2011

Berlin

Presserecht für Journalisten

06.05–07.05.2011

Hamburg

Recherche 2.0: So funktioniert der Fakten-Check im Social Web

06.05.2011

Hamburg

Phänomen „Think Tanks“ – Forschung, Beratung oder Lobbying?

13.05.2011

Berlin

Bloggen & die journalistische Selbstvermarktung im Netz (Teil II)

13.05.2011 Köln


34 dfjv intern Fachjournalist No .2 2011

Institut für WissenschaftsWissenschafts- und Technikforschung (IWT)

Petra Pansegrau, Niels Taubert, Peter Weingart (unter Mitarbeit von Susanne Förster)

Wissenschaftskommunikation in Deutschland

Der Weg aus dem Elfenbeinturm: Wissenschaft kommunizieren Studie „Wissenschaftskommunikation in Deutsch­land“ untersucht Motive und Aktivitäten von Wissenschaftlern sowie deren Hindernisse

Wissenschaft wird einer­­seits abstrak­ter, anderer­ seits aber immer häufiger zur Lösung gesellschaft­ licher Pro­bleme heran­ gezogen. Das heißt, Wis­ Quelle: www.wk-studie.de sen­schaft muss – viel­leicht mehr denn je – erklären, kommunizieren, sich legitimie­ ren. Und das gegenüber verschiedenen Ziel­gruppen: Einer breiten Öffentlichkeit, Fachkollegen, potenziellen Dritt­mittelgebern oder dem Nachwuchs. Ergebnisse einer Onlinebefragung

Eine Untersuchung im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes (DFJV)

Kommunikation sind vor allem die Sozialwissenschaft­ ler überrepräsentiert, unterrepräsentiert hingegen Naturund Geisteswissenschaftler. Natur- und Ingenieurwissen­ schaftler zeigen wiederum eine höhere Aktivität bei Präsenzveranstaltungen.

Berlin, Januar 2011

Eine vom DFJV finanzierte Studie des INSTITUTS FÜR WISSENSCHAFTS- UND TECHNIKFORSCHUNG (IWT)

der UNIVERSITÄT BIELEFELD hat untersucht, welche Einstellungen, Motive und Hindernisse bei deutschen Wis­senschaftlern gegenüber einer externen Wissenschafts­ kommunikation bestehen, welche Kommunikationsfor­ men in welchem Umfang genutzt und welche Zielgrup­pen adressiert werden.

Studiendesign Mittels Onlinebefragung wurden 7.460 Wissenschaftler aus den übergeordneten Wissenschaftsbereichen Natur-, Lebens-, Ingenieur-, Geistes- und Sozialwissenschaften angeschrieben. Die Ausschöpfungsquote betrug 18,42 Prozent. Professoren waren in der Stichprobe mit 89,2 Prozent (Grundgesamtheit 20,9 Prozent) deutlich über­ repräsentiert.

„Klassische“ Kommunikationsformen dominieren Häufigste Form der externen Wissenschaftskommuni­ kation ist die Beantwortung von Journalistenanfragen. 60 Prozent der Befragten bestätigen solche Aktivitäten für die vergangenen 24 Monate. Immerhin fast die Hälfte der Befragten hat in dieser Periode mindestens eine Pressemitteilung herausgegeben, knapp ein Drittel hat im Wissenschaftsteil oder Feuilleton einer Zeitung publiziert. Bei der Vermittlung von Wissen gegenüber einer nicht-fachlichen Öffentlichkeit im Rahmen von Präsenzveranstaltungen dominiert der Vortrag – mehr als 80 Prozent der befragten Wissenschaftler waren hier mindestens einmal aktiv. Interessant: Die Studienergeb­ nisse deuten darauf hin, dass ein starkes wissenschafts­ kommunikatives Engagement vor allem in biografisch späteren Phasen stattfindet. Bei der massenmedialen

Kommunikationsmotive: moralische Verpflichtung und Unterstützung für das eigene Fach 62,5 Prozent sehen es als ihre moralische Verpflichtung an, die Öffentlichkeit über wichtige Themen aufzuklären, 61,7 Prozent nennen „öffentliche Unterstützung für das eigene Fachgebiet“ als wesentlichen Grund für die eigene Kommunikation. Die seit einigen Jahren von Politik und Medien geforderte öffentliche Präsenz (Berichtspflicht) der Wissenschaft scheint damit handlungsleitend, ebenso der Kampf um knappe Ressourcen und Aufmerksamkeit.

Arbeitsbelastung ist Kommunikationshindernis Als Grund für fehlendes kommunikatives Engagement wird in allen Fächergruppen zu mindestens 50 Prozent Zeitmangel angegeben, gefolgt von einem Mangel an Gelegenheiten. Es überrascht, dass dieser Grund insbe­sondere von Naturwissenschaftlern besonders häufig genannt wird (70 Prozent), obwohl von dieser Fächer­ gruppe gleichermaßen Großveranstaltungen am stärksten wahrgenommen werden.

Fachkollegen sind immer noch wichtigste Adressatengruppe Für alle befragten Wissenschaften stellen Fachkollegen die wichtigste Adressatengruppe dar, was insofern nicht unbedingt zu erwarten war, als diese Zielgruppe über andere Kanäle noch präziser adressiert werden könnte. An zweiter Stelle rangiert der potenzielle Nachwuchs, erwartungsgemäß besonders im Fokus bei Natur- (83,5 Prozent) und Ingenieurwissenschaften (90,0 Prozent), wo ein offenkundiger Nachwuchsmangel besteht.

Fazit Die Studie zeigt, dass Wissenschaftler den verschieden­ en Formen der Wissenschaftskommunikation positiver ge­­gen­überstehen, als es das traditionelle Bild sugge­ rieren mag. Wissenschaftskommunikation im Sinne von Berichtspflicht und im Interesse des Fachs (Ressour­ cenbeschaffung und Nachwuchsrekrutierung) setzt sich sukzessive durch. Allerdings bedient sich bislang ledig­


dfjv intern 35 Fachjournalist No .2 2011

lich eine Minderheit regelmäßig der breiten Palette an Kommunikationsformaten. Welche Potenziale vor allem auch das Web 2.0 für die Wissenschaftskommunikation bietet, müssen zukünftige Studien erfassen. Es bleibt zu hoffen, dass die Bereitschaft zur Kommunikation an eine

nicht-fachliche Öffentlichkeit an Intensität und Varianz nach und nach zunimmt. Die Studie kann als PDF-Dokument kostenlos über www.wk-studie.de heruntergeladen werden.

Komplexes verständlich erklären DFJV-Stammtisch in Frankfurt diskutiert über die Rolle von Fachjournalisten von Charlotte Brigitte Looß Mal ehrlich, finden Sie Ihr Fachgebiet in den allgemeinen Medien nicht häufig viel zu oberflächlich dargestellt? Am 28. Januar 2011 diskutierte der DFJV-Stammtisch in Frankfurt über die Rolle von Fachjournalisten bei der Aufbereitung von Spezialthemen für die Massen­ medien. Zur Einführung referierte Professor BERNDPETER ARNOLD, langjähriger Nachrichten-Chef des HESSISCHEN RUNDFUNKS sowie Gründer und Leiter der Landeswellen HR 4 und HR INFO darüber, dass gerade die im Hörfunk beschäftigten generalistischen Journalisten auf die Einbeziehung von Experten in ihre Beiträge angewiesen sind. Sie kommen folglich nicht umhin, sich ein Netzwerk von Spezialisten aufzubauen. Hier liegt die Chance für Fachjournalisten, sich über ihr jeweiliges Gebiet zu profilieren – Erfahrungen mit den spezifischen Anforderungen des Hörfunks vorausgesetzt. Alternativ greifen Generalisten bei erläuterungsbedürftigen Themen auf Wissenschaftler zurück. Diesen fehlt mitunter die Erfahrung, komplexe Themen allgemein­ verständlich zu erklären. Es besteht in Deutschland offensichtlich die Tendenz, eine Fragestellung in allen ihren Einzelheiten abhandeln zu wollen. Gerade Wissen­schaftler stellen aus Angst vor Kollegenkritik oft ihr ge­balltes Fachwissen dar. Dabei verliert man leicht die Bedürfnisse eines unkundigen Publikums aus dem Blick. Schuld daran sind auch die Strukturen im Wissen­ schaftsbetrieb, in dem sich eine allzu deutliche Medien­ affinität negativ auf die weitere Karriere auswirken kann. Die Konzentration auf Einzelaspekte in einem ganzen Erklärungskosmos will geübt sein. Interviewer wie Inter­ viewter benötigen ein klares Konzept. Der Interviewer sollte seinem Gesprächspartner die ihm zugedachte Rolle klarmachen und begründen, warum gerade er als Spezia­ list und Interviewpartner ausgewählt wurde. Auf dieser Basis wird der Interviewte bei der Ausarbeitung seines eigenen Konzeptes unterstützt.

Wie macht ein Fachjournalist seine Sachverständigkeit publik, sodass er als Interviewpartner überhaupt erkannt wird? Neben einem guten Netzwerk lassen sich dazu hervorragend die modernen Kommunikationsplattfor­ men nutzen. Beispielsweise über die Veröffentlichung von Fachartikeln in suchmaschinenoptimierten Newslettern – dafür sollte es sogar ein Honorar geben. Oder über den Eintrag in speziellen Journalistendatenbanken. Der Er­ folg eines Eintrags bei beruflichen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn scheint dagegen nicht unbedingt gegeben zu sein. Übrigens, und dies stellt nun eine Ergänzung zur Diskussion beim Frankfurter Stammtisch dar, ist auch für PR-Kollegen die Positionierung ihrer Kunden über deren Fachkompetenz eine Erfolg versprechende Strategie. Anstatt immer nur über neue Produkte und wirtschaftliche oder politische Erfolge zu berichten, erhält der Kunde noch mehr Aufmerksamkeit, wenn er auch hin und wieder sein tiefes Wissen darlegt. Große Unternehmen halten sich aus diesem Grund ganze Stäbe an Journalisten, die sich um die Publikation von Fachartikeln kümmern. Wer eine Kostprobe erleben möchte, dem sei die jährliche Pressekonferenz der DATEV empfohlen. Diese zieht regelmäßig Scharen von Fachund Tagesjournalisten an. Nicht jeder kommt, weil er so interessiert an den Ergebnissen einer Berufsgenossen­schaft von Steuerberatern wäre. Sondern vielmehr, weil dort mit Sicherheit allerhand kompetente, allgemein­verständliche Kommentare zur aktuellen Steuergesetz­ gebung zu erwarten sind.//

Die Autorin Dr. Charlotte Brigitte Looß besitzt über 10

Jahre Erfahrungen im Bereich Finanzkommunikation, vornehmlich im DAX und TecDAX. Nach einigen Jahren als freie Journalistin ist sie heute als Investor Relations Managerin bei der Pfeiffer VacuumTechnology AG tätig.


36 Fachjournalist No .3 2010

Profile for DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband

Fachjournalist - April 2011  

Das Onlinemagazin „Fachjournalist“ wird vom Deutschen Fachjournalisten-Verband (DFJV) herausgegeben. Auf www.fachjournalist.de publizieren w...

Fachjournalist - April 2011  

Das Onlinemagazin „Fachjournalist“ wird vom Deutschen Fachjournalisten-Verband (DFJV) herausgegeben. Auf www.fachjournalist.de publizieren w...