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P.P./Journal CH - 8038 Z端rich

AFRICAN

Geographic Fabrikzeitung Nr. 262, Juni/Juli 2010, 29. Jahrgang


Afrika in den Augen der Chinesen von Bei Ling* Viel hat man hierzulande gehört über die rasante chinesische Wirtschaftspolitik in Afrika. Wie aber nehmen Chinesen Afrika war? Im Reich der Mitte stand der Kontinent einst für Rockmusik, Guerillakrieg und Eisenbahn. Ein exklusiver Einblick vom bekannten chinesischen Exil-Poeten und Dissidenten Bei Ling. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Afrika für Chinesen vor allem sehr weit entfernt. Afrika war ein abstraktes Wort für einen heissen und armen Kontinent, von dem man immerhin wusste, dass es dort reiche Bodenschätze gab. In der Mao-Ära (1949-1976) begann man sich in China näher für Afrika zu interessieren. Afrika war damals für China eine politische Grösse, es war ein Kontinent, der für nationale Befreiung und territoriale Unabhängigkeit von den Mächten des Westlichen Imperialismus kämpfte. Damals «exportierte» China «die Revolution» nach Afrika, in Länder und Regionen wie Kongo, Mozambique, Simbabwe und Äthiopien. Wir förderten maoistische Parteien und deren militärische Bewaffnung; wir zettelten Guerrillakriege und Aufstände an, um die alten dikatorischen Systeme zu stürzen und marxistische Regierungen als Verbündete Chinas zu installieren. In den 1970er Jahren standen jährlich am 1. Oktober, dem Nationalfeiertag der Volksrepublik China, die Präsidenten von Tansania und Sambia, Julius Nyerere und Kenneth Kaunda mit dem Diktator Mao Zedong und seinem «ewigen» Ministerpräsidenten Zhou Enlai über dem Tiananmen-Tor der Verbotenen Stadt, während hunderttausende Pekinger mit lauten Rufen dem (Parteiund Staats-) Vorsitzenden Mao «zehntausend Lebensjahre» wünschten. Diese beiden afrikanischen Länder hatten offenbar immer dieselben Präsidenten, nach dem heutigen Standard waren sie vielleicht auch Alleinherrscher. Der «Tanzania-Zambia Railway» In den 1970er Jahren stellte China unter Mao Zedong 500 Millionen US-Dollar

Für einen «Business-Söldner» wie ihn ist Afrika ein Hort der Möglichkeiten. Und diese packt Len Steffen beim Schopf. Derzeit in einem der abgewirtschaftesten Länder Afrikas: Simbabwe. In der Branche nennt man das «Hands-On»: Reingehen in die Sache, selber Hand anlegen. Genau das ist der Job von Bankenspezialist Len Steffen, Hands-On Führungskraft im Dienste von Investoren. Der 62-Jährige hat Jahrzehnte der Erfahrung in Regionen die für 0815-Banker aus Zürich, Frankfurt und London ziemlich exotisch klingen. Obwohl ständig auf Achse, beziehungsweise in der Luft, fand Len Steffen Zeit für ein 20-minütiges Telefongespräch mit der Fabrikzeitung. Herr Steffen, welches sind die grössten Herausforderungen für Investoren in Entwicklungsländern? Viele Entwicklungsländer tun sich angesichts ihrer Vergangenheit schwer, ihre wirtschaftlichen Ziele für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu definieren. Vor noch nicht allzu langer Zeit war beispielsweise Afrika Spielball des Kalten Krieges. Russland auf der einen Seite und die USA auf der anderen Seite positionierten dort ihre Interessenvertreter und fochten einen Stellvertreterkrieg aus, wobei die afrikanischen Länder aufgrund ihrer Allianzen mit den Ost- oder Westmächten, wenn überhaupt irgendwelche, dann unterschiedliche politische Ziele verfolgten. Heute ist ein pragmatischeres Vorgehen – sowohl der ausländischen Investoren als auch der betroffenen Regierungen – zu beobachten. Nach wie vor verfolgen diese Länder die unterschiedlichsten Entwicklungsziele und es ist den privaten Investoren überlassen, wie Investitionen in diesen Ländern am besten umgesetzt werden. Was unterscheidet Afrika von anderen Entwicklungsregionen? Ich glaube nicht, dass sich die Länder Afrikas systematisch von anderen Entwicklungsländern unterscheiden. Klar, Afrika wurde in der wirtschaftlichen Entwicklung viel weiter zurückgelassen und muss dementsprechend einen grösseren Rückstand aufholen. Andererseits: Blickt man zehn bis 15 Jahre zurück, so ist die Ausgangslage,

eine hübsche Chinesin im Arm hatte, konnte das einen endgültig verrückt machen. Die afrikanischen Studenten brachten auch chinesische Freunde ins Freundschaftshotel oder in die Wohnheime zu den Wochenendparties. Im Halbdunkel der fluoreszierenden Lampen lagen die Bierflaschen zwischen den halbnackten tanzenden jungen Leuten umher. Die Afrikaner konnten wirklich ganz wunderbar tanzen, ihre Bewegungen waren völlig eins mit der Musik, man fühlte sich zuerst wie betäubt in dieser sinnenfrohen Welt, und dann sehr schnell angesteckt. Und man wollte auf jeden Fall wiederkommen. Insgesamt war es eine schockierende Lektion für die Chinesen, die mit kommunistischen Predigten aufgewachsen waren.

Dann gab es auch merkwürdige für den Bau einer Eisenbahnlinie von Viele dieser Studenten waren Söhne Geschichten über die Afrikaner, ihre Dar-es-Salaam in Tansania nach Kapiri von Funktionären, die schon in Afrika sexuelle Begierde sei ungeheuer stark, Mposhi in Sambia zur Verfügung. Die bevorzugt worden waren. Die chinesisie könnten es die ganze Nacht treiben, Strecke ist 1860 Kilometer lang und sche Regierung offerierte ihnen jeden und ihre männlichen Organe seien so wurde als «Tanzania-Zambia Railway» Monat für ihre Lebenshaltungskosten gut ausgebildet, dass ihre chinesischen bekannt. Es war die Errichtung einer 500 bis 1000 Renminbi, das war höher Freundinnen vor Wonne vergehen Hauptverkehrsader von Ostafrika in die als das damalige Gehalt eines Universimüssten. Manche afrikanischen südliche Mitte des Kontinents. Viele tätsprofessors. Studenten gingen oft in den prächtigen Chinesen, die jetzt über 45 sind, waren Einkaufsmeilen Wangfujing und Xidan damals sehr stolz auf dieses grosse Manche dieser Studenten aus Afrika spazieren, um dort hübsche Mädchen Hilfsprojekt. Wenn ich mich richtig wohnten im «Freundschaftshotel» im anzusprechen. Damals waren Jeans erinnere, schickte China insgesamt Westen von Peking, inmitten einer und Daunenjacken, aber auch impor50.000 Techniker nach Tansania und luxuriösen Parkanlage. Grosse Universi- tierte Zigaretten und Spirituosen nur in Sambia, und 66 von ihnen kamen beim täten wie die Peking-Universität, die den «Freundschaftsläden» der inneren Bau dieser Eisenbahnstrecke ums Tongji-Universität und die Fudan-UniStadt, und vor allem nur für Ausländer Leben. Die chinesische Regierung versität in Shanghai, sowie die Sprazu haben. In diesen Läden mussten sie nannte sie «Helden der Afrikahilfe» und chenhochschule in Peking, an der mit einer nur für sie bestimmten begrub sie mit grossen Ehren. ausländische Studenten Chinesisch Währung bezahlen, den Foreign Nun, am Anfang des 21. Jahrhunderts lernen, errichteten schwer bewachte Exchange Certificates (FEC). Wenn ist es für Chinesen eine interessante Wohngebäude für ausländische dich ein ausländischer Student in den Frage, wie es mit der Nutzung dieser Studenten auf dem Campus. Diese Freundschaftsladen mitnahm, und mit Eisenbahnstrecke aussieht. Es gab Wohngebäude waren durchwegs mit seinem Pass oder AuslandsstudentenBerichte in den chinesischen Medien, Doppel- und Einzelzimmern ausgestatausweis und seinen FECs eine in nach denen in den letzten Dutzend tet, auf jedem Stockwerk gab es Badean- Hongkong hergestellte enge Hose oder Jahren nur drei Züge pro Woche auf lagen mit 24 Stunden Heisswasser. Jacke für dich kaufte, von der man dieser Strecke verkehrten. Die Bahnhö- Manche Zimmer hatten Klimaanlage sonst nur träumen konnte, und wenn fe stünden leer, und der Güterverkehr und eigene Kühlschränke. du damit auf der Strasse gingst, habe sich seit den 1980er Jahren von musstest du dich in dieser Aufmaeiner Million Tonnen pro Jahr auf Parties, Rockmusik chung einfach königlich fühlen. 600.000 Tonnen verringert. und Sex Eine Eisenbahnstrecke dieser Länge Aber in den 1980er Jahren kamen auch kann in China zig Millionen Menschen Damals waren fast alle Studenten aus immer mehr europäische und amerikaund zig Millionen Tonnen Güter Afrika junge Männer. Die Chinesen nische Studenten nach China. Die transportieren. Deshalb muss die nannten sie «Lao Hei» [wörtl. «alte(r) Afrikaner wurden allmählich weniger, Erhaltung dieser Strecke sehr kostpielig Schwarze(r)», vgl. «Lao Wai», wörtl. als die Städte immer wohlhabender sein. Natürlich will man daher in China «alte(r) Auslände(r)»]. An jedem aussahen, und die chinesischen Städter wissen, wer für diese Erhaltung Wochenende gab es im Freundschaftsentwickelten ein gewisses Überlegenaufkommt, und ob die chinesische hotel und in den Studentenwohnheiheitsgefühl gegenüber den afrikaniRegierung weiterhin Geld hineinsteckt. men für Ausländer Partys bis in die schen Studenten. Wenn ein westlicher Morgenstunden. Student ein chinesisches Mädchen im Die Luxus Afrikaner Arm hielt, war das gerade noch Diese afrikanischen Studenten, die zu auszuhalten, aber wenn es ein SchwarIn den 1980er Jahren unter Deng Rockmusik sangen und tanzten, waren zer tat, konnte es einen rasend machen, Xiaoping war dieser grosse Mythos von für chinesische Studenten Symbole der eine solche «Plünderung einheimischer der Rolle der Eisenbahn zwischen ersehnten westlichen Welt, sie sexueller Ressourcen» mitansehen zu Tansania und Sambia beim Abschütteln repräsentierten Freiheit und Ausgelasmüssen. So kam es in der zweiten des afrikanischen Kolonialjochs senheit. Untertags spannten sich Hälfte der 1980er Jahre und in den plötzlich verschwunden, diese beiden Levi’s-Jeans um ihre kräftigen Hintern, 1990er Jahren in Shanghai, Beijing, Länder und ihre spezielle Freundschaft in der einen Hand hielten sie einen Nanjing und anderen Städten zu zu China tauchte in den offiziellen japanischen SANYO-Kassettenrekorder Auseinandersetzungen, weil chinesiNachrichten gar nicht mehr auf. mit ohrenbetäubender Rockmusik, in sche Studenten die Afrikaner beschulDafür unterstützte die chinesische Regie- der anderen Hand eine halbleere digten, chinesische Studentinnnen rung ab dem Ende der 1970er Jahre Bierflasche, und so stolzierten sie im sexuell zu belästigen und sie in ihre viele tausend afrikanische Studenten in Takt der Musik durch die Strassen. Wohnheime einzuschmuggeln, um mit China mit grosszügigen Stipendien. Wenn jemand von ihnen dann noch ihnen die Nacht zu verbringen.

in der sich damals Länder wie Vietnam befanden, ähnlich derjenigen, die man heute in verschiedenen Ländern Afrikas beobachtet. Es ist gefährlich, von einem «Afrika» als Ganzes zu sprechen. Die Länder in Afrika unterscheiden sich mindestens so sehr wie die Länder in Europa. Wie gehen Sie mit dem meist hohen Korruptionsniveau in Ländern mit schwachen Institutionen um? Die ADC (African Development Corporation – eine von Steffen beratene Firma, die auf Investitionen in Finanzinstitutionen in Südsahara-Afrika spezialisiert ist; die Red.) beteiligt sich in keinster Weise, weder aktiv noch passiv, an Korruption. Ende letzten Jahres übernahm die ADC zusammen mit einem weiteren internationalen Investor 54 Prozent der Premier Bank in Simbabwe. Der Deal sieht vor, einen Teil davon (nach erfolgter Restrukturierung) innerhalb der nächsten fünf Jahre wieder an lokale Investoren zu verkaufen. Wie schaffen Sie einen nachhaltigen Mehrwert für diese Investoren? Wir wollen die Premier Bank in diesen fünf Jahren mithilfe unserer Managementkompetenzen als eine funktionstüchtige Finanzinstitution, die Gewinne erwirtschaftet, etablieren. Solange wir in dieser Bank Wert schaffen, wird es auch einen Ausstieg für uns geben. Was ist der Mehrwert für die Wirtschaft vor Ort? Meine Aufgabe bei Premier wird es auch sein, das lokale Team zu schulen und darauf vorzubereiten, die Geschäfte mittelfristig alleine zu leiten. Einfach gesagt geht es darum, mit den Leuten in Simbabwe, die – nebenbei bemerkt – durchaus gut ausgebildet sind, zusammenzuarbeiten und meine Erfahrungen zu teilen. Viele von ihnen haben jedoch noch nie in einem internationalen Umfeld gearbeitet und kennen kaum internationale Kontakte. Diese kann ich ihnen bieten. Zudem kenne ich internationale «Best Practices», [etablierte Handlungsweisen; die Red.] an denen sich die lokale Organisation orientieren sollte. Wir bilden Leute zu ihrem eigenen Vorteil und zum Vorteil ihres Landes aus.

Wie reagieren Sie auf die oft geäusserte Kritik, wer Geschäfte in diesen Ländern mache, würde unweigerlich an deren Ausbeutung teilnehmen? Nun, dazu sind immer zwei Seiten notwendig: Einer, der ausbeutet und ein anderer, der bereit ist, sich ausbeuten zu lassen. Man kann Länder wie China, die USA oder auch die Schweiz nicht dafür verurteilen, dass sie versuchen, sich Rohstoffe und andere Inputgüter möglichst günstig zu beschaffen. Ob das dann Ausbeutung ist, hängt davon ab, ob die Länder, aus denen die Rohstoffe stammen, fähig sind, Deals auszuhandeln, von denen auch die Bevölkerung profitiert. Aufgrund der schwachen politischen Position dieser Länder scheint dies tatsächlich nicht immer der Fall zu sein. Oft genug scheitert es aber weniger an der Fähigkeit als vielmehr am Willen der lokalen Regierungen, sich bei diesen Deals ins Interesse der Bevölkerung zu stellen. Nicht nur Afrika, sondern alle ehemaligen Kolonialländer sollten aufhören, Erklärungen dafür zu suchen, warum die Dinge in der Vergangenheit falsch gelaufen sind und stattdessen Lösungen suchen, dank denen die Dinge in der Zukunft richtig laufen können. Im Gespräch mit einem Journalisten sagten Sie, Sie sähen sich als «Geschäftssöldner». Ein Söldner ist für mich jemand, der nicht für die Sache, sondern fürs Geld kämpft. Interpretiere ich da etwas falsch? Mit dieser Bezeichnung sollte ich wohl etwas vorsichtig sein. Aber ich denke, man kann das eine vom anderen nicht trennen. Wenn ich etwas tue, muss ich auch daran glauben. Sonst macht es für mich keinen Sinn. Mit dem Ausdruck «Söldner» meinte ich: Als Berater und Interimsmanager stelle ich mich Investoren zur Verfügung und helfe ihnen dabei vor Ort, den Wert ihrer Investitionen zu sichern. Stellen Sie sich vor, Sie wären nochmals 30: Würden Sie alles nochmal gleich machen? Niemand, ausser Gott trifft immer die richtigen Entscheidungen.

In den 1990er Jahren wurde die chinesische Wirtschaft vollends verkapitalisiert, das ganze Volk trieb Handel, und die Regierung strich die hohen Stipendien für afrikanische Studenten, sodass diese ausländischen «Funktionärssöhne» aus unserem Gesichtsfeld verschwanden. Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts stieg China zur Wirtschaftsgrossmacht und zum Retter des Weltkapitalismus auf. Wer jetzt noch aus Afrika nach China kam, war kein Student, sondern auf der Suche nach Arbeit oder irgendeiner Art des Lebensunterhalts, und niemand von ihnen würde noch mit einem Kassettenrekorder durch die Strassen stolzieren, um die Bienchen anzulocken. Afrika verschwindet vom Bildschirm Abgesehen von einigen wenigen Abbildungen und Geschichten von Nelson Mandela in den Nachrichten hörten die meisten Chinesen immer weniger über Afrika. Amerika, Europa und Japan blieben ihnen viel deutlicher im Bewusstsein. Sie wussten nur irgendwie, Afrika sei wirtschaftlich im Hintertreffen, voller Kriege und Flüchtlinge, versunken in Promiskuität und Aids, und vor allem abhängig von Almosen, die auch China verteile. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der chinesischen Migranten in Afrika stark angestiegen, längst leben mehr als zehnmal so viel Chinesen in Afrika, als je afrikanikanische Studenten in China waren. Überall gibt es China-Restaurants. China tritt heute kaum als Almosenspender und Unterstützer auf, sondern vielmehr als Käufer von Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen, sowie als Waffenhändler. Chinesische Unternehmen, ob sie nun in staatlicher, militärischer oder privater Hand sein mögen, investieren grosse Summen in Afrika und wetteifern mit den früheren Kolonialmächten um die Ausbeutung der Ressourcen. China exportiert heute keineswegs Revolutionen, liefert aber immer noch Waffen. Und im Zuge des Aufkaufens der Bodenschätze und der Ausbreitung der kapitalistischen Wirtschaft verfügt China heute in Afrika auch politisch über mehr Einfluss als je zuvor. Afrikanische Nobelpreisträger

dung der Rassentrennung verband. Sie gab mir ein längeres Interview, in dem sie besonders auf die Zensur und die «innere Emigration» unter dem Apartheidregime einging. Im November 2003, als Frau Gordimer ihren 80. Geburtstag feierte, traf ich sie in Mexico City. Wir assen miteinander und spazierten durch die Stadt, sie zeigte mir auch das Kunstmuseum. Dabei befragte ich sie immer wieder über die Erfahrungen der schwarzen und der weissen Bevölkerung in Südafrika im Zuge der Demokratisierung des Landes. Mit Wole Soyinka hatte ich sogar noch mehr Kontakt, sowohl persönlich, als auch in Korrespondenz. Auch ihn lernte ich in Harvard kennen, im Juni 1995. Er war damals von den Militärmachthabern in Nigeria in Abwesenheit zum Tod verurteilt worden, lebte im Exil und unterrichtete am «Department of African and African American Studies» der Harvard-Universität. Auf der Strasse wurde er stets von Leibwächtern begleitet. In seinem Büro gab er mir ein sehr detailliertes Interview. Wir sprachen über Literatur und Theater, über die Situation in Nigeria und über Verbindungen von Literatur und Politik – damals war Vaclav Havel Präsident der Tschechoslovakei, wir diskutierten darüber, wie sich das auf seine Rolle als Schriftsteller auswirken mochte. Mein Wunsch: Mein eigenes Afrikabild Im Oktober 2002 diskutierten wir beide auf Einladung der University of California in Irvine über Zensur und Literatur in Afrika und China. Im Februar 2003 traf ich ihn auf der internationalen Buchmesse in Taipei wieder, dort sprachen wir tagelang miteinander. Er erzählte mir von den reichen kulturellen Traditionen der verschiedenen Stämme in Nigeria und von der Grausamkeit der Militärherrschaft. Wole Soyinka sorgte sich über Massaker und blutige Konflikte auf der ganzen Welt, besonders auch zwischen Anhängern verschiedener Religionen und zwischen Israelis und Palästinensern. Ich spürte ein sehr starkes Verantwortungsgefühl, gegenüber Nigeria und Afrika, aber auch weit darüber hinaus. Afrika ist in meinen Augen ein sehr reicher Kontinent, reich an Sprachen und Traditionen. Die Schriftsteller in Afrika arbeiten unter schwierigen Bedingungen und engagieren sich für eine Renaissance ihrer Kultur. Vieles, was ich von Afrika erfahre, erinnert mich an China, etwa die Kluft zwischen Arm und Reich, die politische Unfreiheit und die Grausamkeit der Diktatur. Deshalb hoffe ich auch, dass ich Afrika bald besuchen und mir selbst ein Bild machen kann.

Meine persönliche Kenntnis von Afrika verdanke ich der Freundschaft mit den beiden Literatur-Nobelpreisträgern Nadine Gordimer und Wole Soyinka. Im April 1994 lernte ich Gordimer in Harvard kennen, wo sie damals für ein Jahr im Rahmen der Norton Lectures Vorlesungen hielt. Sie erzählte mir von den Nöten der schwarzen Bevölkerung * Übersetzt von Martin Winter in Südafrika, die durch das ApartheidSystem hervorgerufen worden waren. Ich erfuhr auch, wie sie ihre literarische Arbeit in ihrer Heimat mit der Überwin-

«Einer, der ausbeutet und ein anderer, der sich ausbeuten lässt» Len Steffen im Interview mit Lukas Rühli* Len Steffen Der Finanzexperte arbeitete sich vom Trainee bei einer niederländischen Grossbank empor zum COO (Chief Operating Officer, Operativer Geschäftsführer) ihrer Asien-Pazifik-Zone und war lange in Singapur stationiert. 1995 ging er zu einer Konkurrenzfirma, im Jahr 2001 machte er sich selbständig. Als Berater und Interimsmanager stellt er nun Kopf und Hand überall dort zur Verfügung, wo man ihn braucht: In Ländern, wo die Institutionen schwach und Investitionen finanziell erfolgversprechend sind und wo ein Mann mit 25-jähriger, internationaler Banking-Erfahrung etwas bewirken kann. Zwischen 2001 und 2008 fusionierte er drei Banken im mafiageplagten Finanzsektor Kroatiens, hatte Beratungsmandate in Slowenien, Rumänien und Russland, und baute eine Investmentbank im damals frisch geputschten Mauretanien auf. Seit 2009 berät er die African Development Corporation (ADC), eine Firma, die auf Investitionen in Finanzinstitutionen in Südsaha-

ra-Afrika spezialisiert ist. Dort war er seither für «Übernahmen» in Äquatorialguinea, einer Diktatur, und Simbabwe, einem Land mit Rekordinflation und verschwundenen Oppositionellen, verantwortlich. In Äquatorialguinea verwaltet ADC derzeit die Nationalbank des Alleinherrschers, in Simbabwe hält sie seit November 2009 zusammen mit einem weiteren ausländischen Investor dank einer Ausnahmegenehmigung die Mehrheit an der «Premier Bank».

* Der Volkswirtschafter Lukas Rühli ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Avenir Suisse und wurde von der Fabrikzeitung angefragt


Die Afrika Ausgabe

afrika ist projektionsfläche für westliche und afrikanische träume. 53 Staaten teilen sich den Kontinent, 13 Autoren zeigen, was afrika ist und wird. 2 Afrika in den Augen der Chinesen von Bei Ling 2 «Einer, der ausbeutet und ein anderer, der sich ausbeuten lässt» Len Steffen im Interview mit Lukas Rühli 3 Afropolitanismus von Achille Mbembe 4 Zukunftsvision und Massengräber von Lara Garcia 4 Dakar Retour von Tobias Borke 9 Briller et s‘envoler von Astrid S. Klein 9 Helvetia in Subsahara von Philippe Kropf 10 Afrikanische musikblogs Von Georg Milz 10 tiefer und tiefer graben von Joël Vacheron 12 Magie im Afrikanischen Fussball von René Martens 12 Tanz um den Affenfels von Tozim Madzima & Christoph Schneeberger

Afropolitanismus die Verfugung des Hier mit dem AnDERSWO von Achille Mbembe* Afrika wird immer ein Kontinent in Bewegung sein. Daran müsste ein «Afropolitanismus» anknüpfen, der den erstarrten «afrikanischen Nationalismus» überwindet. Und zwar durch die alte Neugier auf das Fremde und eine Offenheit für das Hybride.

Zeit, so scheinen mir zwei Aspekte von besonderer Bedeutung für das kulturelle Leben und die ästhetische wie politische Schöpfungskraft der kommenden Jahre. Zuallererst geht es um die Frage: «Wer ist Afrikaner» – und wer nicht?

Viele betrachten sich ganz und gar als Afrikaner, auch wenn sie woanders noch ein Anderswo in Reserve haben. Afrika ist Bewegung

Aber Afrika war nicht nur lange Zeit das Ziel vieler BevölkerungsbewegunOb in der Literatur, in der Philosophie In den Augen vieler ist afrikanisch, wer gen und Kulturströme, der Kontinent oder in der Kunst – fast ein Jahrhun«schwarz» und folglich «nicht weiss» ist. ist seit Jahrhunderten auch Aufdert lang wurde der afrikanische Gradmesser der Authentizität ist die bruchsort; von hier aus zog man in Diskurs von drei politisch-intellektuel- Intensität der (schwarzen) Hautfarbe. verschiedenste Gegenden der Welt. len Paradigmen beherrscht, die sich im Nun haben aber die verschiedenen Dieser Prozess der mehrere JahrhunderÜbrigen nicht wechselseitig ausschlos- Menschen tatsächlich verschiedenste te währenden «Streuung» (dispersion) sen.Zum einen gab es mehrere Verbindungen zu Afrika oder haben hat im Laufe der Neuzeit drei Routen Spielarten eines antikolonialen zumindest auf verschiedene Weise benutzt: die Sahara, den Atlantik und Nationalismus, die ihrerseits die etwas mit Afrika zu tun – etwas, was sie den Indischen Ozean. Ein Ergebnis Bereiche Kultur, Politik, Wirtschaft und eo ipso ermächtigt, für sich eine dieser Streuung etwa war die EntsteReligion nachhaltig beeinflusst haben. «afrikanische Staatsbürgerschaft» hung der schwarzafrikanischen Zum anderen gab es mehrere Ansätze, einzufordern. Natürlich gibt es jene, die Diaspora in der Neuen Welt, und ein Marx neu zu lesen, was dazu führte, wir «die Schwarzen» (nègres) nennen; wichtiger Beitrag in diesem Prozess der dass verschiedene Spielarten eines sie sind in einem der afrikanischen Streuung war die Sklaverei, die «afrikanischen Sozialismus» entstanden. Staaten geboren, leben dort und sind Afrikaner nicht nur in die westliche, Zum Dritten gab es eine panafrikanidort Staatsbürger. Aber auch wenn sondern auch in die arabisch-asiatische sche Strömung, die zwei Typen von diese Schwarzen die Mehrheit der Welt brachte. Aufgrund dieser «ZirkulaSolidarität beförderte: Die eine Bevölkerung des Kontinents bilden, tion von Welten» sind heutzutage an gründete sich auf die «Rasse» und war sind sie dennoch weder die einzigen fast jedem Fleck der kapitalistischen transnational, die andere gründete sich Bewohner noch die einzigen Kunstund islamischen Welt Spuren Afrikas zu auf dem «Internationalismus» und war und Kulturschaffenden Afrikas. finden. Auf die Zwangsverschleppunantiimperialistisch. gen früherer Zeiten folgten wesentlich Andere Bevölkerungsgruppen – aus durch die Kolonisierung bedingte Bis heute, zu Beginn des 21. JahrhunAsien, den arabischen Staaten oder aus Migrationsbewegungen. Heute leben derts, hat sich diese intellektuelle Europa – haben sich aus verschiedenen Millionen Menschen afrikanischer Landschaft kaum verändert, untergrün- Gründen zu verschiedenen Zeiten in Herkunft als Bürger in den verschiedig jedoch vollziehen sich grosse verschiedenen Gegenden Afrikas densten Ländern der Welt. Wenn es um soziale und kulturelle Umwälzungen. niedergelassen. Manche, wie die Araber die künstlerische Kreativität im Die Kluft zwischen der gesellschaftliund die Europäer, sind als Eroberer, heutigen Afrika geht oder gar um die chen Wirklichkeit einerseits und den Kaufleute oder Glaubenseiferer Frage, wer «Afrikaner» und was geistigen Werkzeugen, mittels deren die gekommen. Andere, wie die Afrikaa«afrikanisch» ist, wird dieses historische Gesellschaften ihre Zukunft anpacken ner/Buren oder die Juden, sind unter Phänomen der «Zirkulation von können andererseits, kann kulturell teils tragischen historischen Umständen Welten» meistens mit Schweigen und mental durchaus gefährlich sein. gekommen, sei es, um Elend und übergangen. Aus der Sicht Afrikas hat Längst haben sich die drei oben Verfolgung zu entrinnen, sei es in der das Phänomen der Zirkulation von genannten Paradigmen institutionalischlichten Hoffnung auf ein friedliches Welten mindestens zwei Gesichter: Das siert und sind derart erstarrt, dass die Leben oder eben schlicht aus Gier nach eine ist die bereits erwähnte Streuung, heutigen Veränderungen mit den Reichtümern. Wieder andere – etwa das andere ist das Eintauchen (immersigenannten Werkzeugen kaum mehr die zumeist als willfährige Arbeitskräfte on). Bei der Streuung der Völker und glaubhaft analysiert werden können. ins südliche Afrika eingewanderten Kulturen ging es historisch gesehen Die institutionellen Träger funktionieMalaien, Inder und Chinesen – haben nicht nur darum, dass es Menschen gab, ren fast ausnahmslos nach den Prinzipi- sich im Rahmen verschiedener die sich, von ausserhalb kommend, bei en der «angestammten Privilegien». Sie Migrationsströme in Afrika eine neue uns angesiedelt haben. Vielmehr waren blockieren sowohl jedwede ErneueHeimat gesucht. In jüngster Zeit sind bereits die präkolonialen afrikanischen rung der Kulturkritik als auch jedwede Libanesen, Syrer, Indopakistaner und Gesellschaften von Anfang an dadurch Erneuerung der künstlerischen wie hier und dort auch ein paar hundert gekennzeichnet, dass die Menschen philosophischen Kreativität, kurz, sie oder tausend Chinesen aufgetaucht. All innerhalb des gesamten Kontinents mindern unsere Fähigkeit, einen Beitrag diese Menschen haben ihre Sprache, permanent in Bewegung waren. Die zur zeitgenössischen Reflexion über ihre Sitten, ihre Essgewohnheiten, ihre Geschichte Afrikas ist eine Geschichte Kultur und Demokratie zu leisten. Kleidermoden und ihre Art, zu beten, von aufeinander prallenden Kulturen, mitgebracht – kurz: ihre Lebensformen geprägt vom Mahlstrom der Kriege, von Wer ist Afrikaner? und Arbeitsweisen. Die Beziehungen Invasionen, Migrationen, Mischehen, dieser verschiedenen Diasporagruppen von Glaubenslehren, die man sich zu Betrachtet man den umfassenden und zu ihrer jeweiligen UrsprungsgesellEigen macht, von Techniken, die man tief greifenden Wandel der jüngsten schaft sind ausserordentlich komplex. austauscht, von Waren, mit denen man

Handel treibt. Die Kulturgeschichte des Kontinents ist ohne das Paradigma des Umherziehens, der Mobilität und der Ortsveränderung kaum zu verstehen. Gerade diese Kultur der Mobilität wurde zur Kolonialzeit durch die moderne Institution der Grenzziehung zum Erstarren gebracht. Die Zirkulation der Welten Wenn man von dieser Geschichte des Umherziehens und der Mobilität spricht, ist immer wieder von «Mischungen», «Amalgamen» und «Überlagerungen» die Rede. Man kann den Fundamentalisten des «Brauchtums» und der «Autochthonie» entgegenhalten, dass es die so genannte Tradition in Wirklichkeit gar nicht gibt. Egal worum es geht: Den Islam, das Christentum, die Art, sich zu kleiden, Geschäfte zu machen, zu reden oder sich zu ernähren – nichts von alledem hat letztlich die Dampfwalze der Hybridisierung und der Trivialisierung unbeschadet überstanden. Dies hatte bereits vor der Kolonisierung stattgefunden. Es gibt eine präkoloniale afrikanische Moderne, die in der zeitgenössischen Kreativität Afrikas bislang nicht wahrgenommen und bewertet worden ist.

Hier – und umgekehrt –, diese Relativierung der ursprünglichen Wurzeln und Zugehörigkeiten, diese Art, absichtsvoll das Fremde, den Fremden und das Ferne anzunehmen, diese Fähigkeit, sein eigenes Gesicht in dem des Fremden wiederzuerkennen, die Spuren des Fernen in der nächsten Umgebung zu würdigen, sich Unvertrautes zu Eigen zu machen und mit dem zu arbeiten, was gemeinhin als Gegensatz erscheint – eine derartige kulturelle, historische und ästhetische Empfindsamkeit ist gemeint, wenn man den Begriff «Afropolitanismus» gebraucht.

Afropolitanismus ist etwas anderes, als es der Panafrikanismus oder die Négritude war. Afropolitanismus ist eine Stilistik, eine Ästhetik und eine gewisse Poetik der Welt: Ein In-derWelt-Sein, das aus Prinzip jegliche Form der Opferidentität ablehnt – auch wenn wir deshalb die Ungerechtigkeiten sowie die Gewalt, die unser Kontinent und seine Menschen durch den von der Weltgeschichte aufgezwungenen Lauf der Zeit erlitten haben, durchaus nicht ignorieren. Afropolitanismus ist ausserdem eine politische und kulturelle Haltung zu Fragen der Nation, der «Rasse» und der Differenz überhaupt. Das andere Gesicht der «Zirkulation von Angesichts der Tatsache, dass unsere Welten» ist, wie erwähnt, das EintauStaaten reine und überdies recht junge chen. Hier geht es um Minderheiten, die, Erfindungen sind, haben sie streng von weit her kommend, in unterschied- genommen nichts an sich, was uns lichem Ausmass auf dem Kontinent Fuss vereinnahmen könnte, einen Kult um fassten. Mit der Zeit hatten sich ihre sie zu errichten – auch wenn wir dem Beziehungen zu den jeweiligen (europä- Schicksal unserer Staaten deswegen ischen oder asiatischen) Ursprungslännicht gleichgültig gegenüberstehen. dern unerhört verkompliziert, und unter dem Einfluss geografischer, klimatischer Was den «afrikanischen Nationalismus» und menschlicher Bedingungen wurden betrifft, so war er ursprünglich eine sie zu kulturellen «Hybriden», egal wie mächtige Utopie, die über eine lautstark gerade die Euroafrikaner – «Ko- grenzenlose emanzipatorische Kraft lonisation verpflichtet» – unablässig auf verfügte – der Versuch, uns selbst zu ihre rassisch begründete Überlegenheit begreifen, vor der Welt zu bestehen pochten und ihre Andersartigkeit, ja ihre und uns in Würde aufzurichten, als Verachtung alles «Afrikanischen» und blosse menschliche Wesen. Aber sobald «Eingeborenen» zum Ausdruck brachten. der Nationalismus zur offiziellen Dies betrifft gerade und insbesonders die Ideologie eines plündernden Staates «Afrikaaner», wie sich im südlichen wurde, verlor er seinen ethischen Kern Afrika die Weissen selbst nannten. Die und verschrieb sich dem Dämon, der gleiche Ambivalenz findet sich bei «die Finsternis durchstreift und das Indern, wie bei Libanesen und Syrern. Tageslicht scheut». Gerade unser Obwohl sie meistens die Lokalsprachen menschliches Angesicht, unser sprechen und die Sitten des Landes Mensch-Sein bleibt bis heute das weitgehend kennen oder sogar praktiHindernis, gegen das Nationalismus zieren, leben sie in relativ geschlossenen, und Nativismus [eine Form von endogamen Gemeinschaften. Ethnozentrismus oder Stammesdenken; d. Red.] ständig anrennen. Auch die Es ist also nicht nur so, dass sich heute vom Panafrikanismus verkündete ein Teil der afrikanischen Geschichte Solidarität der «Rasse» entgeht diesem anderswo, ausserhalb von Afrika, Dilemma nicht. Sobald das heutige befindet, sondern es ist auch so, dass es Afrika sich der eigenen, es konstituieeine Geschichte der übrigen Welt gibt, renden Vielfalt bewusst ist (einschliessdie wir zwangsläufig mitgestalten und lich der Vielfalt der «Rassen»), kann man die sich hier auf unserem Kontinent den gesamten Kontinent nicht länger abspielt. Alles in allem hat unsere Art nur über die schwarzafrikanische des In-der-Welt-Seins, des Selbst-WeltSolidarität definieren. Wie kann man im Seins sowie unsere Art, die Welt zu Übrigen übersehen, dass diese so laut bewohnen, immer unter dem Zeichen, vorgetragene Solidarität sich längst wenn nicht der kulturellen «Hybridisie- selbst ins Unrecht gesetzt hat, weil nach rung», so doch zumindest einer dem Ende der direkten Kolonialherr«Verfugung» der verschiedenen Welten schaft eine andere Gewalt herrscht: die gestanden, in einem langsamen, des Bruders gegen den Bruder ebenso manchmal inkohärenten Tanz, dessen wie die des Bruders gegen die Mutter Ausformungen wir zwar nicht selbst und die Schwestern? haben frei wählen können, die wir jedoch mehr recht als schlecht in den Zur Welt etwas beitragen Griff bekommen haben und uns dienstbar machen konnten. Wir müssen also andere Wege suchen, um das Geistesleben in Afrika wiederAfropolitanismus zubeleben – und damit eine Kunst, eine Philosophie und eine Ästhetik zu Das Wissen um diese Verfugung des ermöglichen, die in der Welt im Hier mit dem Anderswo, das Wissen Allgemeinen etwas Neues und Bedeuum die Gegenwart des Anderswo im tendes beizutragen haben. Heutzutage

leben viele Afrikaner ausserhalb von Afrika. Andere haben sich aus freiem Willen entschieden, auf dem Kontinent zu bleiben, aber sie leben nicht notwendig in dem Land, in dem sie das Licht der Welt erblickten. Mehr noch, viele von ihnen haben das Glück, mehrere Welten kennen gelernt zu haben; sie haben nie wirklich aufgehört, hin und her zu reisen, und haben sich über den Umweg dieser Mobilität (Bewegungsfreiheit) einen ungeheuer geschärften Blick und einen enormen Empfindungsreichtum angeeignet. Fast all diese Menschen sprechen mehr als eine Sprache. Sie sind dabei – vielleicht ohne es zu wissen –, eine neue transnationale Kultur zu schaffen, die ich eine «afropolitane» nennen möchte. Unter ihnen sind viele, die bei dem, was sie täglich tun, nicht nur mit dem benachbarten Dorf, sondern mit der ganzen Welt mithalten müssen. Dieser weltoffene Geist ist besonders ausgeprägt bei Künstlern, Musikern und Komponisten, Schriftstellern, Dichtern und Malern – bei jenen Geistesarbeitern, die in der postkolonialen Finsternis Wache halten. Auf einer anderen Ebene kann man heutzutage bereits einige wenige Metropolen als «afropolitan» bezeichnen. In Westafrika haben Dakar und Abidjan in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts diese Rolle gespielt, wobei die senegalesische Hauptstadt das kulturelle Pendant zu dem geschäftstüchtigen Abidjan darstellte. Doch mittlerweile ist Abidjan bedauerlicherweise vom Krebs des Nativismus zerfressen. In Ostafrika war es Nairobi, Handelszentrum und regionaler Sitz verschiedener internationaler Organisationen. Das Zentrum des Afropolitanismus par excellence ist heutzutage das südafrikanische Johannesburg. In dieser auf den Schleifstein einer gewalttätigen Geschichte gedrückten Stadt entsteht derzeit eine völlig unbekannte, neuartige afrikanische Moderne, die mit dem bis dato Gesehenen kaum etwas gemein hat. Sie speist sich aus einer Vielfalt der Rassen und ihres kulturellen Erbes, einer energievollen Wirtschaft und einer liberalen Demokratie; der Konsum, dem hier gefrönt wird, ist direkt Teil des globalen Warenflusses. Was hier entsteht, ist eine Ethik der Toleranz, die das Zeug haben könnte, die kulturelle Kreativität in Afrika auf ähnliche Weise neu zu beleben, wie es seinerzeit Harlem oder New Orleans in den USA getan haben. © Le Monde diplomatique, Berlin Der Artikel ist ein gekürzter Nachdruck der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von «Le Monde Diplomatique». Dort erschien er im Themenband «Afrika: Stolz und Vorurteile» Aus dem Französischen von Grete Osterwald. * Der Kameruner Achille Mbembe ist einer der bedeutendsten afrikanischen Denker der Gegenwart. Sein Konzept des Afropolitanismus macht die Tür auf für ein neues Zeitalter des afrikanischen Selbstverständnisses.


Portrait in vielen öffentlichen und privaten Räumen. Wie viele andere Tutsis hatte Kagame das Land 1960 aus Angst vor der gewalttätigen Regierung verlassen müssen. Er landete mit seiner Familie im Flüchtlingslager von Gahure in Uganda, wo er seine militärische Karriere begann. Während vieler Jahre versuchten geflüchtete Tutsis, in ihre Heimat zurückzukehren, doch die Einreise wurde ihnen immer wieder verwehrt. Auch die Versuche, sich mit Gewalt Einlass zu verschaffen, blieben erfolglos. Doch als der Genozid im April 1994 begann, marschierte die Front Patriotique Rwandais (FPR) mit Kagame als einflussreichem Mitglied in Ruanda ein. Nach drei Monaten schafften es die Kämpfer, Ruandas Hauptstadt Kigali zu besetzen und das Morden im Land zu beenden.

gibt den Menschen Orientierung. In Ruanda, einem übervölkerten Binnenland, ist die Mehrheit der Erwachsenen Bauern. Bedingt durch die traditionelle Selbstversorgung ist die Landwirtschaft nicht sehr produktiv. Ausserdem mangelt es an alternativen Energiequellen; deshalb werden Waldrodungen vorangetrieben. Mittelfristig soll sich das Land durch die «Vision 2020» von einer «Agrarwirtschaft zu einer wissensbasierten Wirtschaft» entwickeln, langfristig sogar zu einem zentralen Hub für das östliche und zentrale Afrika, mithilfe «einer produktiven Mittelklasse und der Förderung des Unternehmertums». Kagames Strategie zielt also auf die Entwicklung des privaten Sektors durch unterstützende Massnahmen für Unternehmer. Um diese riesigen Versprechungen der «Vision 2020» Das Land, dessen Führung Kagame einzulösen, muss es Ruanda allerdings übernahm, war von Schrecken begelingen, Investoren anzulocken und wohnt. Die Bevölkerung Ruandas stand die Abhängigkeit von internationaler vor einem Scherbenhaufen, der sie zu Hilfe zu vermindern. Statt die wirteiner Auseinandersetzung mit dem schaftliche Entwicklung zu begünstiGeschehenen zwang. Die Opfer riefen gen, unterstützt die Entwicklungshilfe nach Gerechtigkeit. Im November 1994 nämlich vielmehr die Korruption. wurde das Internationale Verbrechertri- Das Programm «Vision 2020» scheint bunal in Arusha errichtet, um die einfach und einleuchtend: «Investiere Hauptschuldigen zu verurteilen. Das in das Land und sei Teil des Traums.» Bedürfnis nach einem öffentlich Teil dieses Traums sind auch die nachvollziehbaren Gerichtsprozess war US-Firmen Costco und Starbucks, zwei gross in diesem Land, dessen Gefängnis- der grössten Abnehmer für Kaffee aus se von mutmasslichen Völkermördern Ruanda. Die grosse Schwierigkeit liegt überquollen. Im Zuge der Aussöhnung aber darin, Ruandas Image des Genonahm die Regierung eine alte Justizpraxis zids durch ein Bild des Wohlstandes – die Gacaca – wieder auf, bei der die abzulösen. Das ist unerlässlich, um das Bevölkerung in lokale Gerichtsprozesse Vertrauen von Investoren zu gewinnen. miteinbezogen wird. Die bete iligten Personen, oft Nachbarn, müssen sich Seit Kagame sein Amt 1994 angetreten dabei gegenübertreten und direkt hat, folgt ihm unablässig ein Schatten anklagen. Das Verfahren ist dadurch sehr von Vorwürfen. Er wirbt international fragil, und es verwundert nicht, dass die mit grossem Eifer für die «Vision 2020», Gacaca-Gerichte immer wieder mit doch viele fragen sich skeptisch, wie Unmut, Skepsis und Missbrauchsvordauerhaft die Stabilität des von Krieg würfen konfrontiert werden. Doch die und Gewalt gezeichneten Landes Prozesse helfen den Ruandern, nicht in letztlich ist. Kagame selbst betont der Vergangenheit hängen zu bleiben – unermüdlich, das Image Ruandas lasse zu überleben, ohne zu vergessen. sich nicht auf den Genozid reduzieren: «Wir werden den Genozid nicht «Rwanda Vision 2020» vergessen, aber wir werden uns ebenso wenig von ihm definieren Während die Gacacas in Ruanda dazu lassen.» Die Vergangenheit mit der beitragen, Vergangenheit und GegenGegenwart in Balance zu bringen, ist Ruanda soll bis 2020 ein wohlhabendes te der Kolonialisierung und der Ruanda eifrig fort, die bereits verzerrwart zu versöhnen, blickt Kagames indes nicht einfach. Die NotwendigLand werden, sagt die «Vision 2020» des aufgezwungenen Bedeutungen. ten Begriffe weiter aufzublähen, bis die Regierung auch in die Zukunft. Im Jahr keit, ein Image des Wohlstandes Präsidenten Kagame. Dabei ist der gedehnten Wörter 1994 schliesslich 2000 rief sie die «Rwanda Vision 2020» aufzubauen, wird oft mit einer Völkermord allgegenwärtig. Ob die Last Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts explodierten. Der Genozid von Tutsis ins Leben, mit einem klaren Hauptziel: Verdunkelung der Vergangenheit dieser Vergangenheit zu schwer sein die Europäer – zuerst Deutsche, dann und das Massaker an moderaten Hutus «Ganz Ruanda soll bis zum Jahr 2020 verwechselt. Unbestreitbar ist jedoch, wird, erscheint Kagame als Imagefrage. Belgier und die Katholische Kirche, die verwüsteten das Land; Angst und in ein Land mit mittleren Einkommen dass Ruanda seit dem Ende der «pères blancs» – nach Ruanda kamen, Schrecken unterjochten die Bevölkeumgewandelt werden. Dafür muss ein Massaker stets auf Suche nach einem «Akababaje umutima gahindura existierten keine Rassenkonflikte rung. Wer überlebte, waren gefangen Pro-Kopf-Verdienst von 900 US$ Weg war, wie Vergangenheit und ímpínga», so lautet ein ruandisches zwischen Hutus, Tutsis und Twas (der im Hier und Jetzt, ohne Aussicht auf (heute: 290 US$), eine Armutsquote Zukunft koexistieren können. Sprichwort: «Die leidenschaftlichen dritten in Ruanda lebenden Volksgrup- ein Entkommen. von 30 Prozent (heute: 64 Prozent) Wünsche des Herzens bringen pe). Erst durch die belgischen Siedler und eine durchschnittliche LebenserMein Körper, menschliches Skelett frühmorgens die Beine in Bewegung.» wurden die Stammesnamen verzerrt, Exil und Rückkehr Kagames wartung von 55 Jahren (heute: 49 Ruandas Geschichte im letzten als seien die Wörter Tutsi und Hutu Jahre) erreicht werden». Diese Vision 1997, drei Jahre nach dem Ende der Jahrhundert war untrennbar daran elastische Behälter. Der Rassenhass war Nach dem Genozid wurde Paul Kagame mag sich anhören wie eine Utopie, Massaker, begann die Regierung geknüpft, wie diese Worte jeweils geboren. Obwohl die Belgier das Land Präsident von Ruanda. Als ich das Land geschaffen für ein Land mit einem Kagames, mit einer Reihe von Exhumieübersetzt wurden: Es ist eine Geschich- 1962 verliessen, fuhren die Medien in 2007 erstmals bereiste, thronte sein grossen Mangel an Hoffnung, doch sie rungen. Massengräber wurden ausgeho-

Zukunftsvision und Massengräber Von Lara Garcia*

Bogen in ein kleines Glas auf dem Tablett mit dem er uns den traditionellen Tee, den alle Männer hier bei jeder sich bietenden Gelegenheit trinken, servierte. «Alles bestens, danke. Und bei Dir?», antwortete ich und nahm das dampfende kleine Glas mit dem duftenden Tee, der unter einer eindrücklichen Schaumkrone versteckt war, entgegen. «Hamdoullah (Gott sei dank!). Mir geht’s immer gut. Keine Sorge. Chez Papis, pas 2 soucis! (Bei Papis keine Sorgen)» Wir lachten und schlürften die süsse Mischung aus knallhart durchgekochtem China Gunpowder-Schwarztee und frischer Minze. Zum Glück war das erst die erste Runde Tee von insgesamt drei pro Kanne.

Dakar Retour von Tobias Borke – und zurück. Er sah mich verständnislos an, rief einem Freund an der Ecke etwas zu, wahrscheinlich «Kannste wechseln?», der schüttelte den Kopf und mein Obstladenkumpel reichte mir die Plastiktüte mit den Worten «Bezahl das einfach morgen.» Der Kindermann

Dakar Beach Style Streetlife on the Westcoast. Der Stuttgarter Rapper und Musiker Tobias Borke, 26, hat vor kurzem zwei Wochen am westlichsten Zipfel Afrikas verbracht. Sein erster Afrikatrip führte ihn in die Millionenstadt Dakar. Nun auch bekannt als Borkes Rapperparadies. Mein täglicher Spaziergang an den Strand von Yoff führte mich durch die Backyards von HLM Grand Yoff, über staubige Strassen mit freundlich grüssenden Menschen bis an die Stadtautobahn die sich hupend und qualmend durch die Stadt wälzt. Nach dem grossen Werbeplakat von Air Maroc – «Vous etes unique» – galt es rechts in die verzweigten Strassen von Yoff einzutauchen. Just dort war immer der freundliche Junge mit seinem Obststand der mich mit Bananen, Keksen und Telefonkarten versorgte. Er bewies mir, dass wir «Toubabs» (Weissen) generell das Vertrauen verlernt haben ... «Morgen, wie geht es dir heute?» «Danke gut. Und dir, Bruder?» «Passt. Gibst du mir bitte ein paar Bananen, ne Packung Schokoplaneten und eine Telefonkarte zu 5000 Francs?» Ich kramte in meinem Geldbeutel und fand nur grosse Scheine. 10000 Francs. Etwa 20 CHF. Dafür kann man mit dem Taxi dreimal quer durch ganz Dakar

Zusammen essen «Kommst du? Essen ist fertig.» Commandant stand mit einem Lächeln in der Tür zum Wohnzimmer, in das ich mich verkrochen hatte um mich an der Wifi-Verbindung des Nachbarns zu laben. «Ich bin sofort da», antwortete ich und klappte meine Mühle zu. Man isst zusammen hier. Das ganze Haus Gegenüber der Eingangstür meines und alle die Freunde und Bekannten Hauses, hatte ein spezieller Mann seinen die in der Nähe sind. Man grüsst sich, Laden. Er verkaufte Süssigkeiten an wäscht sich die Hände und setzt sich Kinder, sein Geschäft war bei den zusammen auf den Teppich, in dessen Kleinen beliebt, schien aber nicht Mitte die grosse Schale mit dem Essen wirklich viel abzuwerfen. An seinen steht. Man teilt und achtet darauf, dass Namen kann ich mich nicht mehr die anderen genug essen, man lacht präzise erinnern, nur daran das die und erzählt vom verlebten Tag. Und anderen amüsiert waren, weil ich ihn wenn mal einer nicht da ist, dann wird ernst nahm. Wenn er mich sah, etwas aufgehoben. begrüsste er mich überschwänglich, einmal segnete er mich sogar. Ich glaube nicht, dass er wirklich verrückt war. Wahrscheinlich war ihm bloss bewusst, dass Kinder ganz aufrichtige Seelen haben und er hatte sich daraufhin entschlossen, in gewisser Weise selbst eines zu bleiben.

Beim Saufen «Geht’s gut?» fragte Papis und goss Ataya in einem grossen schwungvollen

Mein erster Besuch in der NyamataGedenkkirche war 2007. Ich ging zwischen den Bänken die Stufen hinunter bis zur Mitte des Raumes. In der Krypta waren hinter einer gläsernen Vitrine einzelne Gegenstände und ein hölzerner Sarg zu sehen. Von der Krypta hatte ich zum ersten Mal in einem Buch der ivorischen Schriftstellerin Véronique Tadjo gelesen. Die Frau in dem ausgestellten Sarg wurde 1994 auf brutale Weise in Nyamata ermordet. Ihr Name war Mukandori. Nachdem ich sie gesehen hatte, verliess ich die Kirche mit einem aufwühlenden Geräusch in meinen Ohren. 50 Meter von der Nyamata-Kirche entfernt steht eine Schule. Auf einer ihrer Aussenwände ist ein Bild zu sehen, bei dem die Toten den Lebenden begegnen. Die Beschriftung lautet: Mein Körper, menschliches Skelett.

* Lara Garcia (Spanien) lebt zwischen Madrid und London. Die Künstlerin und Forscherin schrieb ihre Doktorarbeit zum Titel «Strategies of representing the Rwandan Genocide. Alfredo Jaar and the insufficient gaze». Zurzeit arbeitet sie für das Projekt «Art images and rewriting narratives in Global Visual Culture» an der Complutense-Universität in Madrid. Lara Garcia dankt Jeanine Munyeshuli Barbé für ihre Ratschläge und Kommentare zu diesem Text.

Tanzen für Touristen

Wer ist geil?

Für mich mit das Traurigste war der Versuch tanzen zu gehen. Dummerweise war John, ein Freund meiner Gastgeber, der Meinung, ausgehen könne man nur in Alamdies, dem Touristenviertel. Nach längerem Herumhängen im «Five» an der Hauptstrasse von Almadies, einem unglaublich hippen Laden, in dem alle, wie überall in derartigen Etablissements, sehr darauf bedacht sind, mehr zu scheinen als sie sind, verschlug es uns nach einem kurzen Abstecher in einen Schuppen, der in einen Hotelkomplex integriert war. Eigentlich hätte mich das schon abschrecken sollen. Alptraum. Babylon ist überall.

«Mir gefällt wie Du handelst», lobt mich Cheikh: «Du hast es letztendlich doch noch gelernt.» «Ja. Besser spät als nie», sage ich. Es ist der Tag meiner Abreise. Ich bin an sich nicht gut drauf, denn ich habe mich eingelebt und will nicht zurück nach Europa, wo die Infrastruktur überragend und das Sozialverhalten der Menschen dürftig ist. Der Markt ist staubig und ein einziges Gewusel. Plötzlich steht ein junger Mann vor mir, gekleidet mit einem selbstbemalten, gelben T-Shirt mit der Aufschrift: «Wer ist geil und hat einen Pinguin auf dem Rücken?». Ich muss lachen und fragte Ihn, ob er weiss, was das auf seinem Shirt bedeutet. «Nein», antwortet er. Gleich darauf weiss er es.

Crossroads Auf einer Verkehrsinsel neben der Stadtautobahn lebte ein Mann. Klar gibt es eine Menge Armut in Dakar, aber er stach heraus. Eigentlich gibt sich niemand in dieser Stadt auf. Mir ist jedenfalls niemand begegnet ausser ihm. Selbst der an Polio erkrankte Bruder eines Bekannten schleppte sich jeden Morgen mit den Worten «Hamdoullah Ca va!» (Gott sei Dank geht es mir gut!) und seiner improvisierten Gehhilfe zur Arbeit. Dieser Mann aber schlief wie eine Mumie eingerollt in einer alte Plane in der prallen Sonne und erwärmte sich alles, was er fand, über einem Lagefeuer. Aus Plastikmüll.

ben, um den verstorbenen eine würdige Bestattung zukommen zu lassen. Die Schauplätze der Massaker – Kirchen und Schulen – wurden zu Gedenkstätten des Genozids: In den geräumten Orten sind heute Knochen und Kleider der Verstorbenen ausgestellt.

Marktwirtschaft «Was kostet das T-Shirt?», fragte ich. «5000 Francs», antwortete mir der Händler. Ich lachte: «Das ist der Toubab-Preis, mein Freund.». «Auf gar keinen Fall, das ist ‚ne unglaublich gute Qualität, hier fass mal an!». Ich griff nach dem T-Shirt und nannte meinen Preis: «Ich gebe dir 1000.». Er lachte: «Bruder, ich muss was essen. Willst du mich ruinieren? Aber ich merke, du bist ein guter Kerl, ich gebe es dir für 3000.». «1500», konterte ich. Er schüttelte den Kopf: «Vergiss es!» «Schade, dann muss ich weiter. Dank dir trotzdem und einen guten Tag.» Ich drehte ab. Er hielt mich auf: «Hopp, gib mir 1500.».


Brand

ein kontinent als p

In many of the back streets of South African townships you will see children playing football in their bare feet on rubble-strewn pavements. Boots For Africa, founded by Sheffield FC – The World’s First Football Club - collect your old football boots and deliver them to the children and adults of Africa.

Mit der Errichtung der «Aid by Trade Foundation» im Jahr 2005 hat Dr. Michael Otto, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, die Verantwortung der Wirtschaft für eine globale nachhaltige Entwicklung unterstrichen. Der ausschließliche und unmittelbare Zweck dieser Stiftung ist die Förderung von nachhaltigem Anbau land- und forstwirtschaftlicher Produkte in

This logo was designed for a church organization going on a trip to Africa. There were no real limitations for the design set by the client, and while searching for inspiration, I thought of how simila Africa looked to a foot. Remarkably, the foot and the continent worked well together and this is the child of the two ideas.

The ‹Boots For Africa› appeal aims to help develop the skills and fitness of disadvantaged children, and provide more children with the opportunity to enjoy the beautiful game. Der VW Touareg ist ein Sport Utility Vehicle des deutschen Automobilherstellers Volkswagen.

Entwicklungsländern. Unter der Voraussetzung, dass die Entwicklungsländer qualitativ hochwertige Produkte besitzen, die bisher auf dem Weltmarkt nur noch nicht ihren Absatz gefunden haben, lautet die Grundphilosophie der Stiftung: «Handel kann zur Armutsbekämpfung beitragen.»

Eine unbekannte Seuche breitet sich in Westafrika aus. Doch den Behörden wird nicht gestattet, in Mali – wo der Ursprung der Krankheit vermutet wird – nach den Ursachen zu forschen. Notgedrungen wenden sich die WHO-Ärzte Eva Rojas und Frank Hopper an die beiden NUMA-Abenteurer Dirk Pitt und Al

Bisher wurden zwei Generationen gebaut: VW Touareg I (erste Generation, 2002– 2010), danach der VW Touareg II (zweite Generation, seit April 2010)

Giordino. Diese wollen nach einem mysteriösen Panzerschiff der Konföderierten Staaten aus dem Sezessionskrieg suchen, das mit einer großen Goldladung in Afrika gestrandet sein soll, und nehmen die Ärzte ein Stück den Niger mit hinauf.

Von einem «Königreich der Gaukler und Paradies der Lebensfreude» sprach der Spiegel in seinem Bericht über AFRIKA! AFRIKA!. Mit dieser Show, hieß es im ZDF, tue «André Heller dem Publikum, den Künstlern und einem ganzen Kontinent etwas Gutes». In seltener Einhelligkeit rezensierten die Kritiker ein Zirkustheater, von dem die FAZ gar meinte, «ein Besuch von AFRIKA! AFRIKA! sollte vom Arzt verschrieben werden können.»

Nach der überaus erfolgreichen Europatournee sind Auftritte in Rußland, Asien und den USA in Planung. Nach den Erfolgen von Afrika Afrika plante die Produktionsfirma Prime Time Entertainment AG ein weiteres Zirkus-Spektakel unter dem Titel «INDIA – a journey to the land of mystery and wonders» Die Produktionsfirma hat am 10. Februar 2010 einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Darmstadt gestellt.

In Zusammenhang mit der Gründung der Rastafari-Bewegung in

The mission of Africa 2020 is to transform, change, improve a paralyze system. Our aim is create a new tangible vision of Africa that is sustainable and beneficial for the new generation of African entrepreneurs. We will spread Knowledge via global networks and internet tools.

Live Aid ist der Name eines Benefizkonzerts, das am 13. Juli 1985 zu Gunsten Afrikas stattfand. Es wurde maßgeblich von dem Musiker Bob Geldof aus Anlass der damals akuten Hungersnot in Äthiopien organisiert. Es war die Fortführung des Band-Aid-Projekts, das Geldof zuvor organisiert hatte. Darauf folgten noch Band-Aid-II (1989) und Band Aid 20

Afri-Cola (von «Afrikanische ColaBohne», Markenschreibweise: «afri-cola») ist eine aus Deutschland stammende Cola-Marke und wurde 1931 von F. Blumhoffer Nachfolger GmbH als Warenzeichen eingetragen.

am 15. Mai 2004 in Zürich. Der Termin des internationalen Fußballturniers wurde am 6. Dezember 2006 ebenfalls in Zürich bekannt gegeben.

«Vision für Afrika» ist eine international tätige Organisation, deren Ziel es ist, armen Kindern in Afrika (derzeit hauptsächlich Uganda) eine Ausbildung zu ermöglichen und ihnen Hoffnung

Jamaika steht Marcus Garvey, der Begründer der Back-to-AfricaBewegung. Garvey sagte in den 1920er Jahren die Krönung eines mächtigen schwarzen Königs in Afrika voraus. Die Krönung Haile Selassies (= «Macht der Dreifaltigkeit») nach einem Putsch zum Kaiser von Äthiopien im Jahr 1930 wurde als Erfüllung dieser Prophezeiung gewertet.

We will gather the rich resources; work hand to hand, together in order to change the Africa Continent. By 2020 Africa we will focus in addressing some key areas of continent, for example Poverty, Aids, Women and men empowerment, children education, literacy, Global warming, and economical justice.

(2004). Live Aid war das bis dahin größte Rockkonzert der Geschichte. Es fand parallel im Londoner Wembley-Stadion (Untertitel „Feed the World“) und im John-F.-Kennedy-Stadion in Philadelphia statt.

The logo is available for purchase on Brandstack.com under the price of 500 US-Dollar. Die Endrunde der 19. Fußball-Weltmeisterschaft wird vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 in Südafrika und damit erstmals auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen. Der Beschluss des Exekutivkomitees des Weltfußballverbands FIFA fiel

Rastafari ist eine in der schwarzen Bevölkerung Jamaikas in den 1930er Jahren entstandene, heute weltweit verbreitete Religion, die aus dem Christentum entstanden ist und viele alttestamentliche Bezüge aufweist. Die Bewegung lehrt die Göttlichkeit Haile Selassies.

für ihre Zukunft zu geben. Durch die Hilfe vieler Spender ist dieser Traum bereits für mehrere tausend Kinder zur Realität geworden.

In den 1930er Jahren betrieb Firmenchef Karl Flach eine Werbekampagne gegen den Marktführer Coca-Cola, die auf verbreitete antisemitische Einstellungen in Deutschland abzielte: Von einer Werksbesichtigung der US-Zentrale

nahm er Kronkorken mit dem Wort «koscher» in hebräischer Schrift mit und präsentierte sie in Deutschland als Beweis dafür, dass Coca-Cola ein jüdischer Konzern sei. Max Keith, Chef von Coca-Cola Deutschland, der ein sehr gutes Verhältnis zum Nazi-Regime hatte, forderte daraufhin erfolglos die Entfernung eines jüdischen Aufsichtsratsmitglieds seines Konzerns.


Africa

projektionsfläche

Africa Kwanzaa Chocolate Lollipop – This is where this chocolate comes from. Good for Fair Trade, good for Kwanzaa. Comes wrapped in 100% biodegradable FDA approved

cellophane and raffia. 1.75oz. (10% of the sales of this product will be donated to Project Hope and Fairness - Helping the African Cocoa Growers.)

Poster made by Faustino Pérez, 1977, for Ospaal, the organization of solidarity of the people of Asia, Africa & Latin America. www.ospaaal.com

Women‘s Land Link Africa (WLLA) Project. Women throughout Africa face systematic and pervasive denial of their housing, land and property rights. The denial of these rights not only undermines women’s empowerment and autonomy, it also often lies at the root of women’s poverty and economic

insecurity. In countries throughout the region, gender-based discrimination and social exclusion combine to ensure that women are less able than their male counterparts to access even the most basic assets needed to improve their lives.

Happy Africa is an artistic lifestyle brand celebrating ideas and dreams in pursuit of happiness. Happy Africa’s vision is simple… build a solid brand for the entire family, selling affordable women, men and kids T-shirts and other brandable merchandise that will be able to raise funds which can be put towards the education and development of under priveledged kids

in Africa. Happy Africa clothing and products will be available online and in select stores across the U.S. Happy Africa will design T-shirts representing each country in Africa but will start with logo tees. Twetnty percent of sales from T-shirt sold will be donated to Kids for Tomorrow.

Tim im Kongo ist ein Comicalbum aus der Reihe Tim und Struppi des belgischen Zeichners Hergé, das zunächst von 1930 bis 1931 in schwarz-weiß erschien. Tim und Struppi reisen gemeinsam nach Belgisch-Kongo. Nach einigen Vorfällen auf der Hinreise erreichen sie ihr Reiseziel, wo sie gemeinsam mit dem einheimischen Jungen Coco in einem Mietwagen auf Jagd gehen. Nach kurzer Zeit wird ihnen der Wagen von einem Weißen entwendet. Ihnen gelingt es den Wagen

Der König der Löwen (Originaltitel: The Lion King) ist der 32. abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios aus dem Jahr 1994. Gemessen an den Kinoeinnahmen ist er der bisher weltweit kommerziell erfolgreichste klassische Zeichentrickfilm.[1] Die Handlung des Films dreht sich um den

Löwenjungen Simba und die beschwerliche Suche nach seinem Platz im Kreislauf des Lebens. 1997 wurde der Film für ein Musical adaptiert.

Ein Blutdiamant oder Konfliktdiamant ist nach Definition des Kimberley-Abkommens ein Diamant, mit dessen Erlös gewaltförmige Konflikte finanziert werden. Sie werden in Konfliktgebieten meist illegal geschürft und verkauft, um Rebellen- oder Invasionstruppen zu finanzieren und tragen so zur Verlängerung des Konfliktes bei.

Um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass es aber auch nach offiziellem Friedensschluss in vielen Abbaugebieten noch zu Menschenrechtsverletzungen kommt, plädieren einige Organisationen für eine Erweiterung der obigen Definition. Als Konfliktdiamanten sollen nach ihnen alle Diamanten bezeichnet werden, die unter Verletzung von Menschenrechten abgebaut werden.

wieder zu bekommen, der Dieb kommt jedoch davon. Hergé wurde wegen der Folge Tim im Kongo rassistische, kolonialistische und gewaltverherrlichende Darstellungen vorgeworfen. Die afrikanischen Einheimischen werden als sehr naiv und kindlich dargestellt. Auch die Gewalt gegenüber Tieren wurde kritisiert, zum Beispiel tötet Tim einen Elefanten, um sich dessen Elfenbein anzueignen.

Society for Women and Aids in Africa (SWAA) Ghana is a branch of SWAA International, a Pan African Women’s organization with its headquarters in Senegal. SWAA International was born out of a conference in Stockholm, Sweden; where a few African women came together and recognized that in Africa, there was a need to focus on the NGO sector and

Safari ist ein Webbrowser des Unternehmens Apple für das hauseigene Betriebssystem Mac OS X und seit dem 11. Juni 2007 auch für Microsoft Windows, zunächst als Betaversion und seit der Versionsnummer 3.1 als stabile Version, erhältlich. Die Zulu Nation ist eine Organisation, die in den 1970er-Jahren von Afrika Bambaataa gegründet wurde. Sie spielte in den ersten Jahren des Hip Hops eine wichtige Rolle: Erstmals versuchten sich die künstlerisch Aktiven zu organisieren und so dem GangWesen etwas entgegenzusetzen. Der New Yorker DJ Afrika Bambaataa kam bereits als Kind auf die Idee, eine Zulu Nation zu gründen. Anlass ist der Film Zulu mit Michael Caine, der die afrikanische Nation der Zulu durch Tapferkeit und Zusammenhalt als Helden darstellt, was in

den 1960er-Jahren noch ungewöhnlich ist. Ferner verbot die Zulu Nation Gewalt sowie den Drogenkonsum jeglicher Art. Wer in die Zulu Nation aufgenommen werden wollte, durfte z. B. nicht rauchen und nicht trinken. In den 1980ern schlossen sich viele Jugendliche aus der Hip-Hop-Szene der Organisation an. Der Gewaltverzicht machte sich hauptsächlich bei den BBoys (Breakdancern) bemerkbar, welche ihre Konflikte ausschließlich auf der Tanzfläche lösten.

Der Begriff Safari (za-fa-ri, vom Arabischen safar, «Reise») ist

Benetton puts the spotlight on entrepreneurial Africa. Its global communication campaign for 2008 promotes the Birima micro-credit programme in Senegal, a co-operative credit

women in the fight against HIV/AIDS. SWAA is committed to reducing the impact of HIV/AIDS on women and children in Africa. SWAA’s vision is to have a world free of HIV/AIDS where African Women can be empowered to claim equal rights and access to health care, education, economic and socio-cultural opportunities.

der gängige Begriff der Swahili-Sprache für eine Reise jeglicher Art. Er fand seit der Kolonialzeit Eingang in die deutsche und englische Sprache der einstmaligen Kolonialherren und wurde dann vor allem zur Bezeichnung einer Jagdreise in Ostafrika verwandt, bei der gewöhnlich Großwild erlegt wurde.

society founded by the Senegalese singer Youssou N‘Dour. The programme will also receive financial support from Benetton Group.


Briller et s‘envoler Astrid S. Klein* über Fashion in Kinshasa Flugzeug Brüssel-Kinshasa Februar 2005

rung als Maschinenschlosser bei weitem nicht das Wasser reichen. Das Paradoxe an der Situation: Die Flug von Brüssel nach Kinshasa. Kurz Musik wird zu der Zeit als Gewerbe der vor Kinshasa bereiten sich die Passagie- Versager und Banditen betrachtet; re auf die Landung vor. Einige Kongo- Begriffe, die im elitären Kolonialregime lesen in ausgefallenen Designeroutfits sicher aufgebauscht wurden, jedoch kümmern sich um ihre Garderobe. Sie gängig waren, um Randgruppen aller sind mir schon längere Zeit aufgefalArt zu bezeichnen (Hanfraucher, len. Ich bin neugierig. Ein junger Mann Analphabeten, Arbeitslose, etc.), was in einem eleganten schwarzen die meisten der Musiker ja auch sind. Ensemble geht im schmalen Gang an Mit siebzehn Jahren kleidete Franco sich meinem Sitz vorbei. Er trägt einen also bereits nach dem neuesten Chic. Tropenhelm aus schwarzem, schimmerndem Satin. Später erzählen mir Zu Beginn der sechziger Jahre konkurLambert, Hubert und Mamie, die riert die Gruppe von Joseph Kabasélé Freunde aus Kinshasa, von den «Grand Kallé», die «African-Jazz Band», «Mikiliste», den Kongolesen, die nach auf der Bühne und dem Plattenmarkt Europa fahren, und ich beginne mich mit Francos Gruppe «O.K. Jazz». Damit für die Sapeure zu interessieren. ist die Rivalität noch nicht beendet, zumal ihr Publikum, beim einen als La masque du anti-héros Intellektuelle und beim anderen als Paris, April 2006 einfaches Volk charakterisiert, ebenfalls Die Maske des Anti-Helden Partei für das jeweilige Lager ergreift. Die Fangemeinden umschwirren diese 1 Achille Ngoye hat zugesagt. Wir treffen herausragenden Bands: «Bana Amida», uns zu einem Gespräch. In Französisch. «Bana Ajès», «Bana La Mode», etc. Sie Ich werde nervös. Falsch verstanden tanzen nonstop, um die Konzerte ihrer oder falsch ausgesprochen, das kann Favoriten anzuheizen, glänzen durch schnell passieren. Sich mit einem ihr «molato» (den Chic ihrer Kleidung Schriftsteller auch noch in einer auf Lingala) ganz so wie sich die Fremdsprache unterhalten. Ein Literat Gläubigen einer Gemeinde für die der den ganzen Tag Wörter dreht und Messe am Sonntagmorgen in Schale wendet. Der sagt, dass er nichts liest, werfen. Die Mitglieder dieser Fanclubs um seine Sprache nicht zu beeinflussen. liefern sich einen erbarmungslosen Der in seinen Kriminalromanen, seinen Konkurrenzkampf: «Romans Noirs», den Anti-Helden eine Stimme gibt. Jenen, deren Lebenswege Sie kaufen jeweils Stoffe nach dem von der Tragödie des Kongos gezeichletzten Schrei und vertrauen sie den net sind. Ein Gespräch mit Ngoye, der besten Schneidern der Stadt an, geboren wurde, als Kongo-Kinshasa noch eine belgische Kolonie war und wobei sie ihnen genaue Anweisungen der einen grossen Teil der kongolesifür den Schnitt geben. Durch diesen schen Musikgeschichte miterlebt hat. Konkurrenzkampf machen sie Mode, die zu einem Muss für jede einfache – Ich würde gern mehr über die Frau in Kinshasa wird. Sapeure erfahren. Ich habe gelesen, dass 1963 findet in der Musikszene mit dem die SAPE unter der Diktatur Mobutus Aufblühen unabhängiger Tanzclubs eine Art Gegenkultur der Jugend war... eine Demokratisierung statt. In diesen Clubs, die unter dem Namen «jeunes – Taratata! Schauen Sie: Als der Gitarrist premiers» auch in Brazzaville florieren, Franco Luamba-Makiadi 1956 die Band schliessen sich Dandys in Schlaghosen «O.K. Jazz» gründet, schlägt er sich und Hemden mit hochgestellten durch sein siebzehntes Lebensjahr und Kragen zusammen, die «nach Biskuit hat ein gutes Auskommen. duften», also parfümiert sind. Als Zeichen für seinen materiellen Wohlstand in einer Zeit, in der die Die Fanclubs lassen ihre Kleidung von Mittelklasse sich gerade mal ein Fahrrad jungen Schneidern wie William leisten kann, fährt er eine Vespa. Mein Nurumbi, Lajos Tail, Le Petit Prince, Vater konnte dem jungen Franco trotz etc. anfertigen. Diese Schneider seines Diploms und seiner Berufserfah- kreieren übrigens im Laufe der

nächsten zehn Jahre einzigartige Bühnenoutfits für die Showmen aus Kinshasa und ihre Gruppen, Tänzer und Tänzerinnen inbegriffen. Ich bezweifle, dass es zu einem Ausdruck der Gegenkultur wurde, sich einheimisch zu kleiden. Ausser vielleicht, dass die Abacost des belgischen Schneiders Arzoni, in denen sich die Barone des Mobutismus aufplusterten und die in Brüssel zu horrenden Preisen verkauft wurden, für sie unerreichbar waren. Der Abacost – das Wort bedeutet «à bas le costume»(«runter mit dem westlichen Anzug») – ist eine Kopie von Maos Jacke, von den Schneidern in Kinshasa perfektioniert! Unter dem Einparteienregime engagierte der Propagandaapparat die populären Bands, um die Massen in die Stadien zu locken. Es war also nicht Mobutu, der das Stadion füllte, sondern es waren diese Bands, die in der Folge ihre Gage erhöhten. Ergebnis: die Partei schuf ihre eigenen «groupes choc d’animation» in afrikanisches Tuch gehüllt, das mit dem Bildnis des «Gründer-Präsidenten» oder seiner Frau bedruckt war. Papa Wemba [Internationaler Star der kongolesischen Musik, der sich als König der SAPE versteht. d. Red.] ist nicht der Gründer der SAPE. Man muss jedoch zugeben, dass er sich darauf beruft und dass er ihr bekanntester Repräsentant ist. In Paris posierten die Sapeure in der ersten Hälfte der 1980er Jahre entweder vor «les Chaînes» («den Ketten»), die das Überqueren der Place de la République ausserhalb der Fussgängerstreifen verhindern sollten, oder in der Gegend der Metro Strasburg-SaintDenis. Die Kehrseite der Medaille: Um sich luxuriöser zu kleiden, als seine Mittel erlaubten, stahl der einfache Sapeur, in der Regel ein junger arbeitsloser Mann oder eine junge arbeitslose Frau, Waren, um sie wiederzuverkaufen und so die erforderliche Summe für den Erwerb des Traumstücks zusammenzubekommen. Nicht gerade ein Ruhmesblatt! – Erfinden die Sapeure mit ihrer Kleidung und ihrem Stil sich selbst? – Es ist nichts Erfinderisches dabei, sich

mit Konfektionskleidung auszustaffieren, wenn es einem die Haare vom Kopf frisst. Kurz gesagt, die Anrainer des Kongos geben viel Geld für Kleider, Schmuck, Schuhe und andere Accessoires aus. Ich glaube, dass es sich da um die Reaktion der Armen handelt, die gleiche Reaktion, aus der heraus ein Monsieur, der mit einem Amt betraut wurde, am Ende oft mit der Kasse verschwindet. Wenn ein Armer auf einen gut gedeckten Tisch stösst, würde er am liebsten gleich alles verschlingen, obwohl ein Stück Brot reichen würde, um ihn satt zu machen. Für mich verdrängen die Leute, die ihren Notgroschen für Protzereien auf den Kopf hauen, ihre bescheidene Herkunft oder drücken damit den Komplex des Armen aus. Es gibt bessere und weniger kostspielige Wege, um zu zeigen, dass man existiert. Papa Wemba brauchte kein «kompliziertes Gewand», ein Supergewand, mit dem sich Jo Balard, der König der SAPE der achtziger Jahre, schmeichelte, um auf der internationalen Bühne Karriere zu machen. Wenn er «Kuru yaka» («Der Reife» Titel einer CD von Papa Wemba d. Red.]) genannt wird, dann aufgrund seines Talents. Und wegen nichts anderem.

exklusive äussere Erscheinung, ihre Rituale und ihre «erfolgreiche» Reise nach Europa aus. Diese Reise nach Europa beschreibt J.-D. Gandoulou als Initiation der jungen Sapeure. Paris, Mekka der internationalen Mode und Paradies, war dabei das Ziel der «Aventuries», der jungen Sapeure, die sich in die Emigration, in das «Abenteuer», begaben.

Um ein strahlender «Parisien» zu werden, musste man sich während seines Abenteuers in Europa eine Kollektion obligatorischer Haute Couture-Kleidung beschaffen. Egal mit welchen Mitteln. Nur damit konnte man als erfolgreicher «Parisien» nach Kinshasa oder Brazzaville zu Besuch fahren und in der Hierarchie aufsteigen. An eine triumphale Rückkehr war erst dann zu denken, sobald die Ausstattung vollständig war und von den wichtigsten Parisiens respektiert wurde. «Les Chaînes» – («die Ketten») am Place de la Republique in Paris – waren ein legendärer Ort für die Sapeure der 1980er Jahren. Hier trafen sich Parisiens und Aventuriers aus dem Kongo regelmässig, um sich in ihrer Kleidung zu messen. In der Nähe, bei Tati um die Ecke, war das Haus der kongolesischen – Achille Ngoye, Herzlichen Dank für Studenten – MEC, die wichtigste das Gespräch. (Aus dem Französischen Anlaufstelle für Neuankömmlinge. Dort von Katarina Grän.) konnte man in Massenlagern unter primitivsten Bedingungen billig wohnen, Freunde treffen, Neuigkeiten Jaune Papaye von zu Hause austauschen und man Paris, April 2006 bekam wichtige Informationen, wie Gelb wie Papaya man sich in Paris durchschlug. Diese Orte waren im Kongo bekannt. Nach meinem Gespräch mit Achille Hatte man die schwierige Reise nach Ngoye recherchiere ich weiter über die Europa geschafft, ging man möglichst kongolesischen Sapeure und die Dandys direkt nach seiner Ankunft in Paris zu des Bakongo. Bewegungen, die ihren «den Ketten». Anfang in den 1970er Jahren in beiden Staaten des Kongos nahmen, der Um nicht als «Null» dazustehen, musste heutigen Demokratische Republik man schon beim ersten Mal entspreKongo (Hauptstadt Kinshasa) und der chend gekleidet dort auftauchen. Am Republik Kongo (Hauptstadt Brazzaville) besten schickten einem Freunde, die und die in den 1980ern vor allem durch schon in Paris waren, gegen Bezahlung Musiker wie Papa Wemba und Jo Balard die passende Kleidung nach Brazzaville international in Erscheinung traten. oder Kinshasa, bevor man seine Reise antrat. So war man für seine Ankunft in Die SAPE bestand fast nur aus jungen Paris und die erste Beurteilung durch kongolesischen Männern. Sie kleideten die Parisiens gewappnet. sich mit exklusiver japanischer und europäischer Designermode, zeigten In Gandoulous Buch zählt ein junger sich nach bestimmten Regeln damit (La Sapeur auf, was die Ausstattung danse des griffes – Der Tanz der Labels) umfassen musste, um ein Parisien und lieferten sich untereinander werden zu können: J.-M. Weston Wettkämpfe. In «Au coeur de la Sape – Schuhe oder Capo Bianco, einen Anzug Moeurs et aventures de Congolais à aus Gabardine, auch l’Huile oder la Paris» («Im Herzen der SAPE – Sitten Gaba genannt, einen Anzug aus Leder, und Abenteuer der Kongolesen in einen Pelzmantel, einen Anzug aus Paris») untersucht der Autor JustinLeinen, einen Anzug aus Daim. Daniel Gandoulou diese Bewegung des Die bevorzugten Marken waren: Dandyismus sehr gründlich. Da die Sapeure ein eigenes Wertesystem ihren Armani, Cavalli, Valentino-Uomo, extravaganten Stil betreffend entwickel- Hechter, Torrente, Yamamoto, Versace, ten, spricht Gandoulou von einer Dolce+Gabana, Yves Saint Laurent. Subkultur. Sie orientierte sich an einem dominanten System materieller Werte, Zum Erscheinungsbild eines Parisien wie es von der Figur des «Grand gehörte sein Teint «jaune papaye» – Monsieur» der kongolesischen Gesell«gelb wie eine Papaya». Dafür bleichte schaft repräsentiert wurde. In einer man die Haut mit schädlichen Chemiübertriebenen Imitation des äusseren kalien. Ebenso war es wichtig, einen Scheins von Erfolg kehrten die Sapeure bestimmten, aktuellen Haarschnitt zu die allgemeine soziale Hierarchie in tragen, glatt rasiert zu sein und sich einer skandalösen Fiktion um, die den teuer zu parfümieren. Die Männer inneren Regeln der SAPE folgte. Ohne sollten einen kleinen Bauch haben, also Ausbildung, Studium oder Vermögen, wohlgenährt sein, wie ältere, gut zeichneten sie sich nur durch ihre situierte Herren der gehobenen

Helvetia in Subsahara strategischer partner südafrika

Von Philippe Kropf Die ganze Welt will Rohstoffe aus Afrika, auch die offizielle Schweiz. Ihr fehlt allerdings eine klare Strategie. Die Schweizer Multis sind hingegen traditionell gut im Geschäft. Subsahara-Afrika oder «Afrika südlich der Sahara» lautet die politisch korrekte Bezeichnung für jenen Teil des afrikanischen Kontinents, der früher kurzerhand Schwarzafrika genannt wurde. Zusammengefasst werden mit dem Ausdruck über 50 Länder. In vielen dieser Länder decken sich die Interessen der politischen Schweiz mit jenen der Schweizer Wirtschaft. Ausländische Märkte sichern Arbeitsplätze in der Schweiz, Schweizer Firmen importieren wichtige Rohstoffe wie Öl aus Angola oder Nigeria und garantieren damit die wirtschaftliche Landesversorgung. Nigerianisches Öl Nigeria ist der viertgrösste Lieferant von Rohöl an die Schweiz und damit wichtiger als Algerien oder Russland. Und Öl, das an der afrikanischen Westküste gefördert wird, braucht keine Pipeline sondern fährt im Tanker nach Europa – ohne Bedrohung durch Piraten. Die globale Wirtschaft interessiert sich für Rohstoffe aus Afrika, zum Beispiel Diamanten, Gold, Platin, Zinn, Nickel, Kobalt, Uran, Kaffee, Kakao, Tee oder

auch Blumen. Subsahara-Afrika gilt aber auch als Markt: Die Schweiz verkaufte 2009 dorthin vor allem Pharma- und Chemieprodukte, Maschinen und Optiken im Wert von über 1,5 Milliarden Franken. Mit Abstand wichtigster Handelspartner ist Südafrika (siehe Kasten). Chinesischer Weckruf Afrika ist Rohstofflieferant und Markt gleichzeitig, das hat China verstanden und mischt seit einigen Jahren die Geschäfte auf: Die rohstoffhungrige chinesische Wirtschaft zahlt hohe Preise, verkauft gleichzeitig eigene Produkte in Afrika und schafft mit Finanzierung und Bau riesiger Infrastrukturprojekte politischen Goodwill. China ist heute der grösste ausländische Investor in Afrika – ohne Fragen nach Menschenrechten zu stellen.

Schweizer Grossfirmen wie Nestlé, Novartis, Roche, SGS oder Barry Callebaut hingegen halten dort starke Positionen, wo sie «Business Opportunities» ausmachen. Aber auch KMU sollen neuerdings Fuss fassen. Das Staatsekretariat für Wirtschaft SECO fördert seit 2008 ein Investitionsprogramm in Ghana und Madagaskar. Afrika in der Schweiz

Die laufende Polemik um Asylbewerber aus Nigeria nach dem Tod des nigerianischen Ausschaffungshäftlings Alex Uzuwulu im Frühjahr 2010 verweist auf die innenpolitische Dimension dieser Weltregion. «Der Migrationsdruck aus Subsahara-Afrika auf die Schweiz ist gross», hält die Regierung im Aussenpolitischen Bericht 2009 fest. Gleichzeitig setzen rechte Parteien im Parlament die Entwicklungszusammenarbeit immer stärker «Das chinesische Engagement hat die unter Druck. Politische Konsequenz postkoloniale Ordnung verändert und wäre Ausschaffungen statt Armutsbedie internationalen Akteure gezwunkämpfung in den afrikanischen gen, sich neu zu positionieren», sagt Ländern.Auch die Piratenangriffe vor Didier Péclard vom Friedensforschungs- Somalia zeigen, dass die politische institut swisspeace. So fehle es der Schweiz beim Handel in Afrika keine politischen Schweiz an einer langfristiklare Linie findet. Die Antwort der EU gen Strategie, trotz ihrer Pionierrolle in auf die Angriffe war die Militäroperatider Entwicklungszusammenarbeit seit on Atalanta, das Schweizer Parlament den 1960er-Jahren. Zu lange habe man wollte von einer Beteiligung aber nichts nur das ländliche Afrika gesehen, wissen. Die Schweiz überlässt es obwohl seit Jahren die Verstädterung anderen Nationen, die Seewege der stark zunehme. «Die Herausforderung eigenen Hochseeflotte am Horn von ist es, sich an diese neuen Bedingungen Afrika zu schützen. anzupassen», sagt Péclard.

Der mit Abstand wichtigste Handelspartner der Schweiz in Subsahara-Afrika ist Südafrika: 2009 haben Schweizer Firmen Waren im Wert von 670 Millionen Franken exportiert. Die starke Schweizer Präsenz hat Tradition – und ist eines der düsteren Kapitel der eidgenössischen Neutralitätspolitik. «Die Schweiz war ein Pfeiler der Apartheid und eine Drehscheibe zur Umgehung der UNO-Sanktionen», sagt der Journalist und Südafrikakenner Jean-Michel Berthoud. Viele grosse Schweizer Firmen unterhielten während der Rassentrennung Filialen am Kap, die drei Schweizer Grossbanken kauften zeitweise über die Hälfte des südafrikanischen Goldes. Schweizer Parlamentarier unterstützten das Apartheid-Regime, Militär und Geheimdienste kooperierten. «Nach dem Ende der Apartheid 1994 hat die Schweizer Wirtschaft abgewartet und dann ihre alten Verbindungen reaktiviert», sagt Berthoud. Aufgearbeitet wurde dieses Kapitel teilweise in einem Nationalfondsprojekt, viele Firmenarchive blieben aber verschlossen. Auch in Südafrika will man lieber in die Zukunft schauen. Der südafrikanische Botschafter George H. Johannes sagte kürzlich im Interview mit swissinfo.ch: «Heute haben Südafrika und die Schweiz sehr gute Beziehungen. Die Schweiz ist unser fünftgrösster Handelspartner».

kongolesischen Gesellschaft. Im städtischen Alltag in Paris suchten sich die Sapeure Gelegenheiten, um ihren Ritualen und ihrem Exhibitionismus nachgehen zu können. Man präsentiert sich und seine extravagante Kleidung in eleganter Umgebung wie den Champs-Elysées oder der Place Vendôme, bei Konzerten wichtiger Bands, die schnell zu «Defis» wurden, in speziellen Nachtclubs und an Orten, die Treffpunkten von Jugendlichen zu Hause ähnlich waren, wie «les Chaînes». Soziale Ereignisse der kongolesischen Gemeinschaft in Paris, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen, dienten ebenso der Selbstinszenierung. Achille F. Ngoye, Schriftsteller und Journalist aus Kongo-Kinshasa, lebt in Paris. Er hat als erster afrikanischer Autor aus einem Land südlich der Sahara in der Série Noire bei Gallimard veröffentlicht. Im Kinshasa der 1960er und 1970er Jahre war er Chronist der kongolesischen Musik und hat als Kulturjournalist das kongolesische Comic-Magazin « jeunes pour jeunes » herausgegeben.

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Buchtitel: Kin-la-Joie Kin-la-Folie, 1993; Agence Black Bafoussa, 1996; Yaba Terminus, 1999; Ballet noir à Château-rouge, 2001. * Auszug aus dem Text «Briller et s‘envoler», von Astrid S. Klein, der die gleichnamige künstlerische Recherche begleitet. Erschienen in «Les Histoires Communes» 2007, Künstlerhaus Stuttgart Astrid S. Klein, Stuttgart/Paris ist Bildende Künstlerin. Im Zentrum ihres langjährigen Kunstprojektes «Briller et s‘envoler», dass sie 2005 zwischen Kinshasa und Paris begonnen hat, untersucht Astrid S. Klein den fliessenden Charakter von Identitäten in der globalisierten Gegenwart und Prozesse der Re-Invention des Selbst in urbanen Kulturen des afrikanischen Kontinents und Europas.


Afrikanische Musikblogs

übersicht Musikblogs

Von Georg Milz* Wer zeitgenössische Sounds vom Schwarzen Kontinent sucht, kann sich im Online-Dschungel verirren. Unzählige aktuelle Musikvideos aus afrikanischen Ländern gibt es im Netz. Blogs helfen bei der Auswahl. Und beim Diebstahl. Der wohl bisher grösste Erfolg eines afrikanischen Club Tracks, der sich über die Blogger-Szene im Netz weltweit verbreiten konnte, ist der Song Township Funk von DJ Mujava. 2008 wurde ein Mitschnitt des Musikvideos auf Youtube, indem Mujava selbst als obdachloser DJ zu sehen war und die verrücktesten Tanzschritte vorführte, von Blog zu Blog weitergereicht. Mit über 500000 Klicks wurde der junge DJ, aus einem der Vororte von Pretoria zum wahren Internethype. Warp Music in London bekam davon Wind und veröffentlichte den Song als Maxisingle. Der Track mit den schrillen Synthiesounds auf dem düstern House Beat schaffte es sogar in die meisten Jahrescharts hiesiger DJs und dürfte manchen noch in den Ohren liegen. In Südafrika, wo der Song bereits zwei Jahre zuvor erschienen war und House die

populärste Musik unter der schwarzen Bevölkerung ist, war der Song allerdings lediglich eine Randerscheinung. Die Blogs machten also erstmals aus einem Undergound-Hit aus Pretoria einem globalen Clubhit. Ob sich hier allerdings ein neuer Königsweg für Künstler aufgetan hat, sich zu promoten, bleibt fraglich. Denn schon an der Grundvoraussetzung für eine Präsenz in Blogs scheiden sich die Geister: Musik kostet hier nichts. Popklau mit Radioclit Ein Jahr nach Mujavas Erfolg begann das Produktions- und DJ-Team Radioclit mit Wahlheimat London ihre Zusammenarbeit mit dem aus Malawi stammenden Sänger Esau Mwamwaya online zu bewerben. Sie stellten den Blogs dafür ein Gratis-Mixtape zur Verfügung, bei dem Esaus Stimme, auf Beats der unterschiedlichsten Produzenten zu hören war. Einer der besten Tracks auf dem Tape war der Song «Wena Ng‘hamba Nawe» vom House-Produzenten DJ Cleo aus Südafrika. Hier hatten Radioclit ein paar Verse mit Esau in seiner Heimatsprache, Chichewa, ergänzend hinzugefügt. Im Unterschied

zu DJ Mujava kennt DJ Cleo in Südafrika jedes Kind. Er ist seit Mitte der 90er Jahren quasi Dauergast in den südafrikanischen Charts und hat eine Fan-Base, die bis hoch nach Ostafrika reicht. Als ich mich mit ihm im Sunnyside Office Park, einem teuren Bürokomplex in Johannesburg, in dem schon Miriam Makeba gemanaged wurde, treffe, reagiert er genervt auf die Engländer: Ihn hatte natürlich niemand gefragt. * Georg Milz hat die CD «Ayobaness! – The Sound of South African House» zusammengestellt und ist Mitbetreiber von Out Here Records. Am 14. Juli erscheint dort zum Thema Migration die Zusammenstellung: «Yes We Can – Songs about leaving Africa».

Reissues

Geheimtipp

Ebenfalls gross im Kommen: Reissues. Fast schon einher mit der Entdeckung neuer Trends geht die Aufarbeitung der Musik aus der goldenen Ära afrikanischer Popmusik, die 60er und 70er Jahre, wo Highlife und Afrobeat eine Hochphase erlebten. Frank Gossner sitzt auf einem Berg von 7inches in der Nähe von Kumasi der Ashanti Hauptstadt in Ghana. Er ist auf ein ganzes Lager von alten Vinyl-Schätzen gestossen, ja sogar 7inch Singles sind mit dabei. Sein ghanaischer Kumpel hatte in einer Tageszeitung in Ghana die «Most wanted»-Plattenliste des deutschen DJs und Musikliebhabers, als Inserat abdrucken lassen. Daraufhin bekam er unzählige Anrufe, und die Ausgrabungen der alten Vinylschätze konnten beginnen. Auf seinem Blog voodoofunk.blogspot.com berichtet er von seinen abenteuerlichen Erlebnissen.

Wer wirklich wissen will, was in Südafrika passiert, verlässt irgendwann die Welt der Blogs und landet auf Rage. co.za. Gemacht wird die Website von Maria McCloy aus Johannesburg, eine renommierte Kennerin der südafrikanischen Sub- und Clubkultur. Sie kommt aus dem Journalismus – das merkt man auch. Die Seite beschäftigt sich seit dem Ende der Apartheid 1994 mit aktueller Jugendkultur, Mode und Musik Südafrikas und ist immer noch eine der wenigen Seiten im Netz, die das Musikgeschehen kompetent vorstellt und intelligent reflektiert. Als ich letztes Jahr in Südafrika war, und mich mit etlichen Houseproduzenten traf, war sie mein Guide durch die Szene. Mit dem Beginn der WM am 11. Juni werde auch ich fleissig über die urbane Musikszene des WM-Gastgeberlands auf unserem Blog posten: Outhere.de

Hipster

Clubsound

Die meisten dieser Blogs kommen immer noch aus Europa oder den USA. Vereinzelt gibt es aber jedoch auch schon Blogger in Südafrika, wie den jungen Musiker und Künstler Spoek Mathambo. Er bezeichnet sich selbst als den «Post-Apartheid, Post-HipHop Posterboi» und bringt neue Impulse aus New Rave und Electro in die überwiegend weisse Indie-Partyszene Südafrikas. Mit seinen Duos Sweat X oder Playdoe ist er weltweit in der stylo-electro Clublandschaft von Paris über Malmö bis nach München unterwegs und hält seine Fans weltweit mit seinem Blog 2faced1. com/blogs/zombo bei Laune. Hier postet er über seine neusten musikalischen Projekte und die weirdesten Kunstobjekte einer südafrikanischen Boheme.

Blogs wie masalacism.com, ghettobassquake.blogspot.com oder generationbass.com stellen Songs und Musikvideos der Clubkultur Afrikas, die oft unter Begriffen wie Ghettotech oder Tropical Bass zusammengefasst wird, der Internet-Community vor. Vor allem hat clubaffine Musik die Aufmerksamkeit der Blogs gewonnen. Nach Favela Funk aus Rio oder Cumbia Digital aus Buenos Aires widmen sich auch immer mehr Blogs den afrikanischen Pendants: Stilen wie Coupé Décalé von der Elfenbeinküste, HipLife aus Ghana, Kuduro aus Angola oder Kwaito-House aus Südafrika, um nur ein paar zu nennen.

masalacism.com ghettobassquake.blogspot.com generationbass.com 2faced1.com/blogs/zombo voodoofunk.blogspot.com rage.co.za outhere.de

zahlreiche epische Erzählungen, über die er, angereichert mit Fotografien und Mixes, gelegentlich auch in seinem hervorragenden Blog berichtete.

Einerseits erweitern die westafrikanischen Spielarten von Jazz, Funk, Soul oder Rock’n’ Roll – diese Übersetzungen afro-amerikanischer Stücke durch westafrikanische Musiker – die stilistiParadoxerweise – aber dennoch schen Genre-Konventionen, die passend zu der momentanen Entmateria- üblicherweise nur aus einem westlichen lisierung von Musik – geschah die Blickwinkel betrachtet werden. Wiederauferstehung all dieser «unaufAndererseits beweisen die Nachahmunfindbaren» Juwelen des afrikanischen gen aus den 1970ern das Sprudeln in Funk via digitale Files, die sich sofort den verschiedenen Regionen. Statt den über die ganze Welt verteilten. Vergliganzen Kontinent durch den romantichen mit den abenteuerlichen Umstänschen Blickwinkel einer idealisierten den des Diggens ist diese Art des Vergangenheit zu sehen, können diese Musikkonsums nicht mit grossen Platten als Zeugen zeitgleicher TransforAnstrengungen verbunden. Sie bietet ein mationen gesehen werden, die in gutes Beispiel für die sinnliche UnterWestliche Sammler auf der Jagd nach brachte ihn dazu, immer tiefer nach den kanische Musik diente hauptsächlich Afrika bis in die späte Moderne Afrikas Musikschätzen. Vom Wühlen im Juwelen zu suchen, die das Genre stattgefunden haben. akademischen Zwecken, auch wenn er scheidung, die Musikliebhaber heute schwarzen Herzen des Pop. umgaben. In den frühen 1970er Jahren in seinem wissenschaftlichen Tätigkeits- qualifiziert: Je stärker der Zugang zu bereiste er Westafrika. Er wollte einen feld ein Aussenseiter war. Sein Vorgehen Musik physisch anstrengend und wortwörtlich schwer ist, desto mehr Es ist zwar nichts Neues, Afrika über Stammbaum der Einflüsse von indigeist typisch für die Ethnomusikwissenseinen immensen Einfluss auf die nen Musikstilen auf den Blues der USA schaft und die Ethnographie. So bewegte wird der Geschmack des Verehrers als aufrichtig gewürdigt. zeitgenössische Populärmusik zu aufzeichnen. Sein Hauptinteresse galt er sich hauptsächlich in Gebieten betrachten. Aufgrund zahlreicher dabei dem «Vorkriegs»-Blues-Stil der traditioneller Lieder, die nie für einen Doch Franks Reise ist mehr als nur Wiederveröffentlichungen von 1920er und 1930er Jahre. Eine Synthese spezifischen Markt vorgesehen waren. Insider-Snobbismus. Tatsächlich geht westlichen Independent-Labels dieser Erkundungen wurde schliesslich In seiner Vorgehensweise und in der sein Projekt über die übliche zwanghafte während der letzten zehn Jahre hat im wegweisenden Album «African Musik, die ihn interessierte, unterscheiSucht eines Crate-Diggers hinaus: Er diese Bewegung heute aber ein neues Journey : A Search for the Roots of the det er sich von den Nachforschungen versucht Produktionen zu retten, die Niveau erreicht: Zamrock in Zambia, Blues Vol. 1 and Vol. 2» (1974) veröffent- zeitgenössischer «Musikschieber». Auch sonst verloren gingen. Die LagerbedinHighlife in Ghana, Jump in Lagos, licht. Es enthält lokale Griot-Gesänge diese interessieren sich zwar für die gungen, der Mangel an Plattenspielern, Echos Hypnotiques in Cotonou – eine aber auch traditionelle Tanzmusik. 1970er Jahre, doch sie suchen nach Hitze und Sand sind nicht günstig für das breite Palette an Namen und Genres ist Stücken, die in eine andere Richtung Vinyl. Seine Loyalität und sein Arbeitszum Vorschein gekommen. Charters lehnte die allgemeine Annahgehen. Zum einen suchen sie nach aufwand sind lobenswert. Jede Platte me ab, nach der der Blues und alle Aufnahmen, die bereits als materielles kostet ihn um die 20 US-Dollar, und er Ein typisches Beispiel für diese wachdarauf folgenden Genres afroamerikani- Artefakt existieren, wie beispielsweise schenkt den ehemaligen Besitzern sende Begeisterung liefert die 1997 scher Musik aus Afrika stammen. Statt Masteraufnahmen oder Vinylpressunimmer eine CD-Kopie. Trotzdem ist es begonnene – und durch Jim Jarmuschs sich auf eine einzige Gesamtheit, ein gen, welche über Compilations schwierig, das Klischee des Weissen zu Film «Broken Flowers» einer breiteren Afrika, zu berufen, zeigte er auf, wie vermarktet werden, für DJ-Zwecke vermeiden, der limitierte und wertvolle Öffentlichkeit bekannte – Reihe «Les bestimmte Zusammenhänge oder benutzt oder einfach in privaten Gegenstände aus Afrika wegnimmt. Das Ethiopiques». Längst vergessene spezifische Ethnien Westafrikas Sammlungen gelagert werden können. Problem wird sogar noch komplizierter, Persönlichkeiten des äthiopischen Jazz einflussreicher waren als andere. Zum anderen richtet sich ihre Suche wenn diese raren Juwelen von afrikaniwie Getatchew Mekurya, Mahmoud In vielerlei Weise manifestieren sich in nach Authentizität hauptsächlich auf schem Groove im Westen als Re-Issues Ahmed oder Mulatu Astatqe erreichten Charters Herangehensweise Eigenwestlichen Genres wie Funk, Jazz, Soul oder Anthologien zu kommerziellen damit zum ersten Mal ein globales schaften, die sich noch heute bei oder Rock’n’roll, die afrikanische Erfolgen werden. Publikum und konnten so ihr Werk vielen zeitgenössischen Diggern oder Musiker in ihrer eigenen Weise deuten neu beleben. Wiederveröffentlichern afrikanischer und weiterentwickeln. Die Regisseurin Leigh Iacobucci folgte Musik finden lassen. Hier zeigen sich Frank Gossner über einen Monat lang, Der Grossteil der bei uns erhältlichen die Umrisse der Entwicklung vieler Der Archivar als um einige Teile seiner Reise filmisch zu Musik aus Afrikas vergangenen JahrMusikliebhaber, die manchmal Brückenbauer dokumentieren. Auch wenn sie zehnten wurde von Musikenthusiasten zwanghaft tiefer und tiefer graben, um einräumt, dass nicht alle Digger immer aus dem Westen ausgegraben, «gediggt», die verborgene Quelle mit den Frank Gossner ist ein DJ, der sich und zugänglich gemacht. Zwei typische reinsten Juwelen ihrer Leidenschaft zu vollständig den verschiedenen Formen aufrichtig seien, ja dass manche beim Kaufen der Platten oder Produzieren der Digger sind Samuel Charters, Urvater entdecken. Dieses Verlangen nach von Vintage-Musik verschrieben hat. der Westafrika-Digger, und Frank Authentizität ist wohl der grösste Seine Leidenschaft trieb ihn schon früh, Compilations sogar absichtlich schummelten, so widerspricht sie dennoch Gossner, der Disco-Priester Westafrikas. gemeinsame Nenner bei der Suche erfolgreich Partys in Berlin und New den genannten Vorurteilen: «Frank ist Auch wenn sie unterschiedliche Ziele nach afrikanischer Musik. York zu organisieren oder verschiedezu verfolgen scheinen, so verkörpern ne Compilations mit alten Stücken wie nicht mein Freund, und diese Erfahrung beide doch Epochen, Methoden und Durch seine Dokumentation versuchte etwa «Vampyros Lesbos» zu veröffentli- war nicht immer einfach. Aber ich kann sagen, dass seine Arbeit durchwegs Wege der Verbreitung von Musik, die so Charters auch, einen handfesten und chen. Schliesslich vertiefte er sich so positiv ist. Er ist sehr respektvoll und etwas wie eine Abstammung erkennen nachvollziehbaren Pfad zu einem stark in den afrikanischen Funk und gibt einigen Musikern die Chance, ihre lassen. Durch ihr jeweiliges Engageverschwindenden Kulturgut zu Afrobeat, dass er sich entschloss, drei Musik einem breiteren Publikum ment, haben diese «Ausgräber» und erhalten, das zuvor nirgends dokumen- Jahre seines Lebens in Westafrika zu zugänglich zu machen. Sobald man «Musikschieber» eine Schlüsselposition tiert worden war. Seine gesamten verbringen. Sein Ziel war es, so viele einige Zeit damit verbracht hat zu im kulturellen Austausch inne. Leistungen sind heute zusammengefasst afrikanische Platten aus den 1960er verstehen, was Frank tatsächlich tut, in den «Samuel and Ann Charters und 1970er Jahren zu finden, wie hört man auf zu werten und ist einfach Das Verlangen nach Archives of Blues and Vernacular möglich. Auf seinen Reisen durch Authentizität African American Musical Culture» am Guinea, Sierra Leone, Ghana und Benin froh, dass jemand diese Arbeit macht. Er ist ein Archivar, der eine WiederverThomas J. Dood Forschungszentrum baute er sich langsam ein festes knüpfung ermöglicht, indem er eine Der Historiker, Schriftsteller, Bluesliebha- der Universität Connecticut. Netzwerk von Musikern und ehemaligrossartige kulturelle Brücke schafft.» ber und Vinylsammler Samuel Charters gen DJs auf, die ihm dabei halfen. Ob wurde bekannt durch sein 1959 Charters Position passt indes nicht Militäraufstände, Freundschaften, Konsequenterweise funktioniert diese veröffentlichtes Buch «The Country wirklich zu den heutigen Entwicklunverblüffende Entdeckungen oder neue Verbindung in beide Richtungen: Blues». Sein Einsatz für dieses Thema gen, denn sein Herangehen an westafri- Rivalitäten, dieser Goldrausch lieferte

Tiefer und tiefer graben von JoËl Vacheron

«Begonnen habe ich mit Musik, die ich einfach auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden finden konnte. Von dort ausgehend fing ich an, tiefer und tiefer zu graben; an immer noch abgelegeneren Orten kam ich dem Kern der Sache immer näher.» Frank Gossner, Voodoo Funk http://voodoofunk.blogspot.com/


afrikanischen Verein einen Hexenmeister», sagt der frühere ghanaische Auswahl-Captain Anthony Baffoe, einst als Profi in Köln, Düsseldorf, Metz und Nizza aktiv und nunmehr beim Fussball-Verband seines Landes für «internationale Beziehungen» zuständig. Und der deutsche Trainer Ernst Middendorp, der bei der Kaizer Chiefs sowie zwei ghanaischen Klubs gearbeitet hat, sagt, wenn er mit seinen Spielern gemeinsam über die Mauer eines Stadions geklettert sei, weil der Eingang als «verzaubert» galt, habe man auf diese Weise «Stärke vor dem Spiel getankt». Er vergleicht Sangomas und andere «Witchdoctors» mit den in Europa verbreiteten Mentaltrainern. Thilo Thielke, der Autor des Buchs «Traumfussball – Geschichten aus Afrika», fragt dagegen: «Hexerei, Motivation oder Rückschritt?» Der Kicker mit spiritueller Power: Eine Journalist, von 2002 bis 2008 KorresEinen Heiler und Wahrsager, der für paar Kräuter und Blätter schwammen, ganze Reihe aktueller Buchveröffentlipondent des «Spiegel» in Nairobi, blickt den «spirituellen Schutz» mancher anschliessend mussten sie zusätzlich chungen beschäftigt sich auf ganz zudem über den Tellerrand des Kaizer-Chiefs-Kicker zuständig ist, hat eine Art magischen Trank zu sich verschiedene Art mit Fussball in Afrika. Becker im Rahmen seiner Arbeit an Fussballs hinaus. Er beruft sich dabei nehmen, der sie von allen schlechten Keines der Bücher kommt dabei am dem Buch «Voodoo im Strafraum. Einflüssen innerlich reinigen sollte.» Das unter anderem auf Valentin Yves Thema Magie vorbei. Mudimbe, einen kongolesischen Fussball und Magie in Afrika» besucht. Ergebnis: Ein Spieler musste ins Philosophen, der in North Carolina an Dieser «Sangoma» (umgangssprachlich Hospital eingeliefert werden, weil ihn In Südafrika nennt man sie die Glamour übersetzt: «Medizinmann») lebt am der Duke University lehrt, sowie den das Gebräu krank gemacht hatte, aber Boys, sie spielen dort eine ähnliche Zürcher Ethnologen und Journalisten Rande eines Dorfes in der Provinz trotz dieses Ausfalls gewann seine Rolle wie in Deutschland Bayern David Signer, der 2004 das Buch «Die Limpopo. Becker, der in verschiedenen Mannschaft das Spiel. München: Die Kaizer Chiefs gehören zu afrikanischen Staaten recherchiert hat, Ökonomie der Hexerei oder Warum es den Spitzenklubs im Lande des WMin Afrika keine Wolkenkratzer gibt» wusste zwar um die grosse Bedeutung, Sämtliche Buchautoren, die sich Gastgebers, drei Spieler aus den Reihen die die «witchcraft» (so nennt man das veröffentlichte. Beide sehen den anlässlich der bevorstehenden Weltdes Johannesburger Klubs – Reneilwe Hexenglauben generell als EntwickPhänomen im englischsprachigen Teil meisterschaft dem afrikanischen Letsholonyan, Siphiwe Tshabalala und des Kontinents) in vielen afrikanischen Fussball widmen, gehen auf das Thema lungshemmnis für Afrika. Thielke hat Itumeleng Khune – werden während zudem mit südafrikanischen Frauen Ländern hat. Aber dass sich die Hexerei und Magie ein (vgl. Kasten). der WM wahrscheinlich im Kader des gesprochen, die von den Bürgern ihrer «Stürmer eines Grossstadtklubs an einen Becker indes hat es als einziger in den Gastgeberlandes stehen. Es ist wenig Dörfer als «Hexen» gebrandmarkt traditionellen Heiler in einer gut 600 Mittelpunkt gestellt. Er setzt auf verwunderlich, dass zum Stab eines wurden, weil sie vermeintlich für Kilometer entfernten Hütte wenden», ungewöhnlich umfangreiche O-Töne solchen Vereins eine sogenannte Brand konnte er sich nur schwer vorstellen von Experten, bis zu sieben Seiten lang Unglücksfälle (Tod einer Verwandten, Managerin gehört. Was Dara Carroll, die Knochenmessage von den Ahnen. sind diese unkommentierten Passagen. Tod durch Blitzschlag) verantwortlich diesen Posten bei den Chiefs ausfüllt, im Indem er seinen Interviewpartnern die oder mitverantwortlich waren. Sie Interview mit dem deutschen Dokuleben nunmehr in Helena, einem so In einem Gespräch mit einem Sangoma Möglichkeit gibt, Rituale (oder auch mentarfilmer und Autor Oliver G. aus dem Swasiland, einem kleinen ihre Kritik daran) en détail zu schildern, genannten Hexendorf, einem ZufluchtsBecker sagt, ist aber durchaus erstaunNachbarstaat Südafrikas, lässt Becker wirkt er einer Sensationalisierung diese ort ohne Wiederkehr. Thielke sagt, lich: «Wir haben eine ganze Reihe wenn Zauberer eine «Mannschaft diesen seine eigene Arbeitsweise Phänomene entgegen. Spieler aus weit entfernten afrikaniaufrichten», habe er damit kein beschreiben: «Das Hauptanliegen, mit schen Staaten und aus den direkten Problem, aber diese Rituale hätten nun dem die Fussballer zu mir kommen, ist, Uneinigkeit über Rolle der Magie Nachbarstaaten Südafrikas unter Vertrag. dass ich als Wahrsager und Magier mal auch eine «dunkle Seite». Der von Ich bin mir absolut sicher, dass die Kontakt aufnehme mit meinen Ahnen Insgesamt lassen sich bei den Buchauto- ihm befragte Theologe Thias Kgatla von allermeisten Spieler unserer Mannschaft und ihnen dann Ratschläge geben kann, ren und den von ihnen befragten der Universität Limpopo spricht von während ihrer gesamten Karriere 1.300 Hexenmorden in der Provinz wie sie ihr nächstes Spiel gewinnen Experten grob drei Sichtweisen Abmachungen mit einem traditionellen können. Ich befrage ein Set von Limpopo im Jahr 2000. Danach, so der unterscheiden: Die erste Fraktion Heiler haben, daran habe ich nicht den der Wissenschaftler, hätten die BehörKnochen, die ich werfe. Die Knochen fordert bei westlichen Beobachtern geringsten Zweifel. Wir überprüfen den lieber aufgehört zu zählen. Auch verraten mir für gewöhnlich, welche Respekt für die afrikanischen Kulturen natürlich regelmässig den Gesundheits- Pflanzen oder Tierteile ich benutzen das ist Teil der Realität in Südafrika, dem ein, sie wirft den Kritikern vor, eine zustand unserer Spieler durch ein ganzes muss, um den Gegner zu schwächen.» in mancherlei Hinsicht so modernen spätkolonialistische Haltung zum Team von hervorragenden Medizinern. Ausserdem wasche er die Trikots der und urbanen WM-Veranstalterland. Ausdruck zu bringen. Wer ein Verbot Aber was die Spieler zusätzlich unterSpieler vorher in einer Lösung, die magischer Praktiken fordere, wolle nehmen, ob und wie sie einen spirituel- verschiedene Heilpflanzen enthalte. Traditionen des afrikanischen Fussballs len Schutz aufbauen, das könnten wir Eine andere Zeremonie beschreibt ein auslöschen, sagt zum Beispiel Frank gar nicht überprüfen.» Journalist, der vor einem Spiel in «Mr. Soccer» Mavhungu, Sportredakteur Simbabwe mit der Mannschaft von bei der Regionalzeitung «Limpopo Swasiland in einem Hotel untergebracht Mirror». Des weiteren findet man war: «Spät in der Nacht wurden nüchtern-pragmatische, entdramatisieplötzlich alle Spieler vom Manager rende Einschätzungen, sie stammen geweckt und nach draussen geschickt. überwiegend von Menschen, die Sie begannen, sich mit einer ziemlich sowohl Afrika als auch Europa kennen: übel riechenden, öligen Flüssigkeit aus «Wie es bei jedem deutschen Verein einem Bottich abzuwaschen, in der ein einen Masseur gibt, gibt es bei jedem

Afrika UND Fussballbücher

Magie im Afrikanischen Fussball

Das westliche Wissen über den afrikanischen Fussball ist lückenhaft. Christian Ewers, Redakteur der deutschen Illustrierten «Stern», und Daniel Künzler, Soziologe der Uni Fribourg (und Fan des FC Zürich), versuchen dies mit zwei Überblicksdarstellungen zu korrigieren: «Ich werde rennen wie ein Schwarzer, um zu leben wie ein Weisser» und «Fussball in Afrika. Hintergründe zu ‹Elefanten›, ‚Leoparden› und ‹Löwen›»

Von René Martens

Unsere investigativen Reporter, der Musiker und Designer Tozim Madzima und der Schriftsteller und Künstler Christoph Schneeberger haben sich die Frage gestellt, ob und warum die afrikanischen Dealer in Zürich keine harten Drogen konsumieren. Eine Zürich-Tour mit Nick* dem Insider. «Kenneth* ist pünktlich, zuverlässig und korrekt.» Nick, unser Führer und Begleiter durch den Zürcher Drogenuntergrund, hatte nichts als Lob übrig für den Dealer aus Ghana, der uns beim Dynamo an der Limmat hätte treffen sollen. Doch Kay, wie er genannt wird, ist nicht aufgetaucht. Stattdessen ist eine attraktive, muskulöse Frau in Polizeiuniform an uns vorbei gejoggt. Neben ihr ist ein spielerischer junger Deutscher Schäferhund gelaufen. In seiner Schnauze hielt er eine dicke blaue Socke, die sehr kompakt ausgestopft war. Unser Begleiter schaute uns an. Drei Stunden später konnten wir endlich Kay treffen und zwar auf dem Kasernenareal. Erstaunt stellte ich fest: Ich kannte ihn bereits. Bloss unter einem anderen Namen. Früher, als ich Fussball spielte auf der Josefswiese mit ihm und seinen Brüdern. Die nannten ihn Daniel. Wir waren alle HobbyFussballer, aber Daniel war die grosse Hoffnung seiner Familie. Er hat nie geraucht und nie Alkohol getrunken weil er professioneller Spieler war. Für mich war es damals unvorstellbar, dass er jemals mit Drogen in Kontakt kommen könnte. Aber die blaue Socke hat tatsächlich ihm gehört. Als ich nachfrage, warum er Drogen verkaufe, antwortet er: «Ich hab‘s nicht in die Top League geschafft, Tozim. You know how it is. Die Familie braucht Unterstützung.». Daniel ist das älteste von neun Geschwistern und trägt die Verantwortung für das Wohlergehen der ganzen Familie. Zwei von seinen fünf Brüdern hat er bereits in die Schweiz mitziehen können. Und Arbeit für sie als Hilfsarbeiter auf Baustellen vermittelt. Seiner Mutter, Schwester und auch den Brüdern in der Nähe von Kumasi schicke er jeden Monat Geld. Er verkaufe hauptsächlich Marihuana. Er habe nur kurzzeitig in einem Schwulenclub Kokain verkauft, die Kundschaft allerdings verloren, als er Hausverbot erhielt. Angeblich weil er nicht schwul sei. Er selber konsumiere keine Drogen aus Liebe zu seinem Traum.

Mein Blick schwenkt auf die Goldringe, die er an drei Fingern der linken Hand trägt, und auf seine LifestyleSonnenbrille die an seinem weissen Hemdkragen baumelt. Die Lederhalbschuhe glänzen immer und sind von einer teuren Marke. Seine Kurzhaarfrisur lässt er sicher all zwei Wochen nachschneiden. Und er geht nicht gerade geizig um mit den Frauen, die ihn umschwärmen. Nick‘s Feature am Affenfels «Eigentlich wollte ich im Vorbeigehen am oberen Letten einen Füfzger ziehen, offensichtlich wurde jedoch die blaue Socke, die alle Portionen für dieses Gebiet enthielt, von einem Drogenspürhund vom Markt genommen. Bleibt nichts anderes als der Catwalk zwischen Bellevue und Chinawiese.» «Jetzt aber Hopplaschorsch, noch nicht mal auf der Höhe des Affenfelsen springt mir so ein luxuriös ausstaffierter Turnschuh-Pimp vor die Nase und will mir partout Marihuana geradezu aufdrängen. Ruft, gestikuliert und läuft mir nach. Diese aufgeputschten Typen kennt man, Secondos, ungebildet, unreif, ihre ganze Persönlichkeit am Lifestyle aufgebaut. Eigener Drogenkonsum, die Turnschuhe und das Chick stellen finanziellen Druck her. Schliesslich ist man mit einem Gangster zusammen, um gratis rauchen und schnupfen zu können. Ab und zu verkaufen die ihre Kackqualität im Windschatten der schwarzen Verkäufer und nutzen meist ziemlich aggressiv die Gunst der Stunde und der hellen Haut. An sicheren Orten spielen sie Langstrasse, die Mammoni.» «Weiter am Seeufer sehen Sie linkerhand den Affenfelsen. Eine rassistische Bezeichnung. Allerhand! Früher, als das Züri-Seeufer für mich von Zofingen aus gesehen noch das Paradies schien, sassen hier die bärtigen und dreadlockigen Jamaicaner, die Jamis, mit Soundsystem (dies allerdings von einem Italiener) und Supergras. Von der Ecke glotzt seit Jahren Hanfueli in den seeseitigen Frieden. Sein Name ist eine abseitige Verunglimpfung. Eigentlich müsste er Alkueli heissen. Die Rastamänner hingegen wurden geräumt und das Soundsystem abgestellt. Law-and-Order-Design hat über die Jahre vielen Bäumen und Büschen

ihren Unterrock gekostet. Gegen getarnte Dealer und campierende Punks ist die Baumschere dem rot-grünen Stadtrat ein Hilfsmittel wie die Machete dem Dschungelpionier, das Agent Orange dem GI. Der Kahlschlag der Hanfläden und Alpenplantagen hat die Kiffer und Koffer voller Geld wieder in die Illegalität befördert. Und die Alpen ins Untergrund-Reduit. Die CVP-Lehrerschaft konnte der gesellschaftlichen Realität nicht ausgesetzt werden. Ein teures potemkinsches Dorf.» «Anyway, ich hoffe mein Gras ist krass und hoffe auf den kleinen Johnny, ein kaum volljähriger Afrikaner. Er hat den letzten Jami auf dieser Strecke verdrängt und andere Afros nachgezogen. Die Jamaicaner übernahmen das Dealen ursprünglich von den Schweizer Hanfläden die schliessen mussten. Die Afrikaner übernahmen von den Jamaicanern in Haft oder Familienpflicht. Nachdem die zurückhaltenden erwachsenen Afrikaner vertrieben wurden, stehen nun beinahe Kinder da und sind mindestens so aggressiv verkaufsorientiert wie der Secondo mit Callcenter-Erfahrung von vorher. Unter all diesen lauten und auffälligen Schluffis suche ich den stillen Johnny und schon tut es mir leid, mit meiner Sucht zu seiner Sklaverei beizutragen. Johnny mit den traurigen Augen und den einfachen Kleidern steht offensichtlich unter Druck. Ältere, fette afrikanische Herren pflegen ihn zu beobachten und Befehle zu bellen. Wie ein unbegabter Sales Agent und seine gierigen Coaches. Er steht bei Regen, im Dunkeln und im Schnee draussen. Die Coaches nicht. Verdammi, soll es wirklich keine anständige Möglichkeit geben, mein Geld illegal auszugeben?» Christoph, Nick und Katia Nick nickt erleichtert. Endlich nimmt Katia für Kay das Telefon ab: «Ja, kannst wieder kommen, am anderen Platz. Danke! Du, beinahe wäre ich bei den aggressiven Jungs eingekehrt. Kommen die eigentlich aus dem Krieg oder was? Katia habe gemeint, nein nein, wirst sehen, Ende Sommer sind die schon ruhiger, die sind nur jung und unter Druck, das ist jede Saison das selbe Spiel. Die alten Dealer bringen denen schon noch Schweizer Manieren bei.».

Künzler, der zeitweilig an der Uni Abomey-Calavi (Benin) gelehrt hat, setzt ein Zeichen und widmet sein zweites Kapitel gleich dem Thema «Fussball und Gender» wobei er auf den im weltweiten Vergleich hohen Anteil afrikanischer Schiedsrichterinnen eingeht. Ewers dagegen beschreibt diverse Facetten einer von ihm im Untertitel so genannten «Tragödie»: Kicker die von «Erlösungsfantasien» getrieben nach Europa migrieren. In den meisten afrikanischen Profiligen reiche das Gehalt nicht für den Lebensunterhalt. Doch auf dem Kontinent, auf dem vermeintlich Milch und Honig fliessen, gerieten die Sportler an zwielichtige Gestalten, die sich als Spielerberater ausgäben und ihre Klienten dann irgendwo in Osteuropa in der 3. Liga unterbrächten – falls die Agenten es nicht vorzögen, mit dem Geld, das ihnen die Spieler vorab für die «Vermittlung» zahlten, aus dem Staub zu machen. Auch Misswirtschaft in Afrika sei eine Ursache für die «Tragödie». Spielertransfers seien oft «Versorgungsprogramme» zum Wohle von Fussballern, die mit Funktionären verwandt sind, sagt Kurt Okratu, der Geschäftsführer der ghanaischen Fussball-Liga, im Gespräch mit Ewers. «Was für euch Europäer Filz bedeutet, bedeutet für viele Afrikaner Fürsorge und Solidarität.». Beispiel: Bei «Asante Kotoko», den berühmtesten Klub Ghanas, bestand der Kader Ende 2009 aus 63 Spielern. Oliver G. Becker: «Voodoo im Strafraum. Fussball und Magie in Afrika» Christian Ewers: «Ich werde rennen wie ein Schwarzer, um zu leben wie ein Weisser. Die Tragödie des afrikanischen Fussballs» Daniel Künzler: «Fussball in Afrika. Hintergründe zu ‹Elefanten›, ‹Leoparden› und ‹Löwen›» Thilo Thielke: «Traumfussball – Geschichten aus Afrika»

Tanz um den Affenfels von Tozim Madzima & Christoph Schneeberger Wir finden Katia an einem Fussballfeld, sie hat an der Brust 5 verschiedene Mobiltelefone von den Jungs auf dem Spielfeld – «wenn sie alle gleichzeitig vibrieren wird die Milch noch sauer», lacht sie – und an der Seite eine halbwüchsige Tochter von einem ehemaligen Dealer aus Gambia. Der dealende Kindsvater stieg aus um den Preis, dass er sich in seiner Heimat kaum mehr zeigen kann, seit der selbstverständlich gewordene Geldfluss versiegte. Katia meint: «Deshalb dealen sie und deshalb konsumieren sie das Harte nicht selbst, sie müssen Geld für Familie, Eltern und Geschwister mit Schulgebühren verdienen.» In Waffen und Bürgerkriege würde das Geld der Ostafrikaner, meist Eriträer und Somali, und der Nordafrikaner fliessen, weiss Katia; die Westafrikaner würden in der Regel die Schlepper abzahlen und auf eigene Kosten weiterarbeiten, beziehungsweise Familienmitglieder unterhalten, die das Geld für die Reise und die Schlepper vorgeschossen haben. Von professioneller Mafia könne man eigentlich nur bei Nigerianern sprechen. Als Asylbewerber gilt Arbeitsverbot, für Fachkräfte von ausserhalb Europas gibt es kaum Arbeitsbewilligungen und als Hilfsarbeiter kommst du nicht einmal hier durch. Dann ist das Spiel aus und Nick kriegt sein Gras. Er wird langsam nüchtern.

Ich kenne den Druck den Kenneth spürt. Ich habe auch meine Geschwister in Harare unterstützt. Als Musiker verfolge ich hier einen Traum durch den ich mir noch keine goldene Nase verdient habe. Alle zwei oder drei Monate werden meine Taschen während Personenkontrollen auf Verdacht hin von der Polizei durchsucht. Wenn ich tanzen gehe, werde ich hin und wieder von Schweizer Teenagern ohne Migrationshintergrund belästigt, die darauf bestehen, von mir Drogen zu kaufen. Dabei verkaufe ich keine Drogen. Ich weiss nicht mal, wie man einen Joint richtig dreht. Aber ich scheine optisch dem Drogendealerprofil der Polizei und meiner potentiellen Kunden zu entsprechen. Die Nachfrage hier ist so gross. Es wäre doch so einfach, mir eine neue Gitarre durch ihre Sucht zu finanzieren. * Alle Namen im Text sind geändert. Die Redaktion

Fabrikzeitung 262 - Die Afrika Ausgabe  

Afrika ist Projektionsfläche für westliche und afrikanische Träume. 53 Staaten teilen sich den Kontinent, 13 Autoren zeigen, was Afrika ist...

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