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Almaz

Böhm

Afrika ist für mich ein Thema, seit ich während der Grundschulzeit mit den Klebebildchen aus Bernhard Grzimeks Film “Die Serengeti darf nicht sterben” einen regen Tauschhandel betrieben habe. So ist es auch während meiner Arbeit als Speditionskauffrau bei Gesprächen mit Mitarbeitern der damaligen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), die sich mit Brunnenbau in Afrika aktiv beschäftigten, geblieben. Nun ist letztendlich ein kurzes Interview mit Almaz Böhm entstanden, die sich zusammen mit ihrem Mann Karlheinz Böhm seit seiner legendären Wette für Menschen in Äthiopien einsetzt, als Beispiel und Anreiz dafür, was man bewirken kann.

Fragen von Brigitte Bachmann an Almaz Böhm, Stiftung Menschen für Menschen: Brigitte Bachmann: Welche Ergebnisse zählen Sie zu den wertvollsten Ihres Engagements in Äthiopien? Almaz Böhm: Gemeinsam mit der Bevölkerung arbeiten wir daran, die größte Not zu lindern. Wir wollen die Menschen in Äthiopien befähigen, ihre Region aus eigener Kraft zu entwickeln, um langfristig von fremder Hilfe unabhängig zu werden – durch Hilfe zur Selbstentwicklung. Dazu verzahnen wir Maßnahmen aus unseren einzelnen Projektbereichen. Nur um ein paar Zahlen zu nennen: wir haben bis heute 310 Schulen, 86 Gesundheitsstationen neu gebaut oder erweitert, mehr als 1.700 Brunnen gebohrt und knapp 119 Millionen Baumsetzlinge gepflanzt. Unsere Mitarbeiter vor Ort vermitteln den ansässigen Bauern verbesserte Anbau- und Viehzuchtmethoden. Des Weiteren sorgen Ausbildungsprogramme und Aufklärungsaktionen für die Besserstellung der Frauen in der Gesellschaft. Brigitte Bachmann: Wie sinnvoll wird Entwicklungshilfe eingesetzt?

Almaz Böhm: Keines unserer Vorhaben wird in Europa am Schreibtisch entwickelt. Jede Projektplanung findet in Äthiopien statt, nach den lokalen Bedürfnissen. Unsere Hilfe ist sozusagen maßgeschneidert. Wenn sich die Menschen damit identifizieren können, führen sie die Maßnahmen auch alleine weiter. Die Äthiopier entwickeln ihr Land und nicht wir. Bis auf lediglich fünf Ausländer sind unsere 750 Mitarbeiter in Äthiopien Einheimische. Sie kennen und verstehen die Kultur, Sprache, Traditionen und Mentalität der Menschen.

Brigitte Bachmann Brigitte Bachmann: Bildung – ein Menschenrecht. Wie steht es in Äthiopien damit? Almaz Böhm: In Äthiopien können 40 Prozent aller Kinder keine Schule besuchen. Kinder müssen oft kilometerlange Schulwege zu Fuß zurücklegen. Die vorhandenen Schulen sind meist baufällige, dunkle Lehmhütten ohne Tische und Bänke. Teilweise werde-n bis zu 100 Schüler in einem Klassenraum unterrichtet. Sie können sich vorstellen, wie schwierig es ist, dort konzentriert zu lernen. Immer noch besuchen viel weniger Mädchen als Jungen die Schule. Ein äthiopisches Mädchen auf dem Land hilft normalerweise schon sehr früh im Haushalt. Fast alle Familien sind auf diese Mithilfe angewiesen. Die schulische Ausbildung von Mädchen wird deshalb vielfach vernachlässigt. Brigitte Bachmann: Das Lebenswerk Ihres Mannes dürfte für Sie eine große Verantwortung sein. Wie gehen Sie damit um?

Almaz Böhm: Die Fortsetzung seiner Arbeit ist eine Herausforderung, der ich mich voller Stolz und Dankbarkeit für das bisher Erreichte stelle. Es gibt noch unendlich viel zu tun, damit sich die nach wie vor schwierige Lage für viele Menschen in meinem Heimatland verbessert. Zusätzlich zu den bereits laufenden Projekten haben wir deshalb in diesem Jahr mit der Arbeit in drei neuen Projektgebieten begonnen, wo rund 380.000 Menschen dringend auf Unterstützung bei der Lösung ihrer vielfältigen Probleme warten. Auch in Zukunft werden wir alles tun, um das Interesse an Äthiopien wachzuhalten und die Spender zu motivieren, damit wir möglichst vielen Menschen den Weg aus der Armut ebnen können. Die Stiftung Menschen für Menschen finden Sie unter: www.menschenfuermenschen.de

v i t a s ausgabe 1 | 2013

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Infomagazin zum Erdchartaweg Amberg-Sulzbach  

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