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Smart City

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ANALYSE

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In einer Smart City wird Urbanität neu definiert digitalisierung Für den jährlich ermittelten Smart City Index haben Experten von Bitkom Research mehr als 11.000 Datenpunkte aller 81 Städte in Deutschland mit mindestens 100.000 Einwohnern in den fünf Themenbereichen Verwaltung, IT- und Telekommunikations-Infrastruktur, Energie und Umwelt, Mobilität und Gesellschaft ermittelt. „Das beginnt bei Online-Bürger-Services und Sharing-Angeboten für Mobilität und geht hin zu intelligenten Mülltonnen und Breitbandverfügbarkeit“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Text: Katja Deutsch Foto: Presse/Bitkom, Alexander Bagno/unsplash

Bürgerbeteiligungsplattform digital informieren und mitreden, ebenso lassen sich Debatten der Hamburger Bürgerschaft live per Stream verfolgen. „Die Corona-Krise hat gezeigt, was plötzlich alles geht, wenn es nur muss. Was zuvor kaum möglich schien, wurde von heute auf morgen Wirklichkeit. Den digitalen Schalter umzulegen, hat nicht immer reibungslos funktioniert, aber die Erkenntnis war überall gleich: Die Digitalisierung ist weder Spielerei noch Luxus, sondern ein Pflichtprogramm für den gesamten öffentlichen Sektor.“ Denn während des öffentlichen Lebens in vielen Bereichen brachliegt, können Kommunen handlungsfähig bleiben. Diejenigen, die schon vor Corona in die Digitalisierung investiert haben, sind weitaus besser durch die Krise gekommen als diejenigen, die das Thema nicht entschlossen angepackt haben. In smarten Städten sind

Achim Berg, Bitkom-Präsident

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as Ziel einer smarten City ist, das Leben in digitalen Städten bequem, effizient, bürgernah und umweltfreundlich zu machen. Stadtentwicklung und intelligente, digitale Vernetzung werden dabei zusammengedacht, wobei die Bedürfnisse der Menschen vor Ort genauso wichtig wie der Einsatz von Technologien zur Unterstützung einer nachhaltigen Stadtentwicklung sind. Um auf dem Weg

zur Smart City voranzukommen, ist eine Organisationsstruktur wichtig, in der Digitalisierungskompetenzen gebündelt sind. Beim Smart City Index belegt Hamburg zum zweiten Mal in Folge den ersten Platz: Die Hansestadt beschäftigt einen eigenen Chief Digital Officer und ist führend in den Bereichen Mobilität und Gesellschaft. Die Einwohner können sich besonders gut auf einer

Smart Buildings ein wichtiges Bindeglied, um Wind- und Sonnenstrom möglichst effizient und kostengünstig für Elektroautos und zum Heizen von Gebäuden einzusetzen. Die Bundesregierung hat deshalb im neuen Förderprogramm für private Ladestationen die Steuerbarkeit des Ladevorgangs zur Förderbedingung gemacht. Elektroautos sollen somit nicht nur in das Energiemanagement von Gebäuden eingebunden werden können, sondern in das gesamte System der Stromversorgung. „Diese intelligente Mobilität wird in smarten Quartieren eine zunehmend wichtige Rolle spielen, etwa indem Nutzern in Echtzeit Informationen über den schnellsten Verkehrsträger-Mix bereitgestellt werden“, so Achim Berg. Denn die Zukunft unserer Mobilität ist digital und vernetzt, in den Fokus rücken innovative, auf Vernetzung ausgelegte Verkehrskonzepte, in denen Stadt und Umland zusammengedacht werden.

Die Corona-Krise hat gezeigt, was plötzlich alles geht, wenn es nur muss.

Hamburg ist in puncto Smart City eine Vorzeigestadt.

Smart Citys müssen auch vor Cyberangriffen geschützt werden.

Vernetzte Städte, sichere Städte? smart connectivity Digitale Technologien machen Städte smart, aber auch anfällig für Cyberangriffe. Auch im Umgang mit gesammelten Daten besteht noch Luft nach oben. Text: Kirsten Schwieger Foto: Presse

Mirko de Paoli, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Smart City e.V. und Vertreter der Zivilgesellschaft im Dialogkomitee für Cyber-Sicherheit des BSI

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weiß Mirko de Paoli, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Smart City e.V.. Einfallstore sind laut dem

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dabei Software-Schwachstellen – bei Implementierung und Konfiguration, im Design sowie menschliche Fehler. „Wir sehen einen Trend weg von proprietärer Software hin zu Software mit offenem Quellcode, denn nur Open-Source-Software bietet Unternehmen die Möglichkeit, sich selbst von der Sicherheit eingesetzter Fremdsoftware zu überzeugen“, konstatiert dann auch Paoli, der seit über 25 Jahren als IT-Dienstleister Unternehmen betreut. Deutsche Rechenzentren und Clouddienste stehen in puncto Sicherheit dagegen ziemlich gut da, versichert der IT-Experte: „Wir haben in Deutschland sehr hohe Standards und können feststellen, dass die Ausgaben für Cybersicherheit steigen, denn es ist den Unternehmen bewusst, dass Betriebsunterbrechungen, Datenpannen und Reputationsschäden sehr teuer werden können.“

erkehr, Verwaltung, Strom,

Wasser und Kommunikation – die Netzwerkarchitektur einer Smart City ist virtualisiert und verknüpft. Digitale Technologien wie Cloud Computing, Künstliche Intelligenz (KI) und das Internet der Dinge (IoT) machen die Infrastruktur smarter Städte agil und effizient – aber auch anfällig für Angriffe aus dem Netz. Insbesondere IoT-Lösungen aber auch die Cloud und sämtliche Lieferketten gehören zu bevorzugten Zielen von Hackern. Nicht nur die Industrie, sondern auch Städte und Kommunen sowie deren Bürger werden vermehrt Opfer von Cyberattacken. Zu den wichtigsten Zielen der mittlerweile organisierten Cyberkriminalität gehören laut Branchenverband Bitkom die IT- und Telekommunikation von Banken, Netzbetreibern, Energieversorgern und Behörden. Während große Metropolen ihre digitalen Sicherheitskonzepte zunehmend anpassen, haben kleinere Smart Citys und Kommunen noch Nachholbedarf. „Es gibt zwar entsprechende Richtlinien und Standards, allerdings fehlen insbesondere Kommunen oft die finanziellen Mittel und Kompetenzen, um diese umzusetzen und IT-Systeme zu modernisieren“,

Das klingt beruhigend, immerhin

ist die Cloud in der öffentlichen Verwaltung der effizienteste Weg zum E-Government bei welchem Bürger Behördengänge online erledigen können. Für digitale Bundestagswahlen reichen die Sicherheitsstandards allerdings heute noch nicht. Auch bei der seit Januar 2021 möglichen elektronischen Patientenakte (ePA) läuft noch nicht alles rund. So wird mit einer abgespeckten Version gestartet, deren Authentifizierungsverfahren in den Augen des Bundesbeauftragten für Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Ulrich Kelber, „aus Datenschutzsicht nicht ausreichend sicher“ sind. Auch Paoli würde derzeit eher das Risiko einer schlechteren Behandlungsqualität in Kauf nehmen, als seine sensiblen Daten einem System anzuvertrauen, welches nicht den allerhöchsten Sicherheitsstandards entspricht. Als wäre das noch nicht genug, identifiziert er gleich noch eine weitere Schwachstelle smarter Städte: „Auch der unzureichend regulierte Algorithmen-Einsatz des maschinellen Lernens, welcher menschliches Verhalten klassifiziert und beurteilt, ist ein kaum abschätzbares Risiko.“ Bis wir uns in smarten Städten rundum sicher fühlen können, muss offenbar noch einiges passieren.

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Analyse#70 – Klimaintelligenter Wandel  

Distributed with Die Welt on 03rd of April 2021.

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