salonfähig – Aktion · Performance · Ausstellung

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Aktion · Performance · Ausstellung

Florian Adolph ALmut Aue Andrea Blumör CaBri (Carolyn Krüger + Brigitte Kottwitz) Vládmir Combre de Sena Harald Etzemüller Mrs. Velvet G.Oldmine Cornelia F.Ch. Heier Luca Hillen (Akademie Solitude/Gast) Sabine Imhof Karin Rahts Daniel Scheffel Petra Schott Susanna Sitterding

Samstag 02. November 2019

Samedi 2 november 2019

ab 15 h durchgehend bis Sonntag 14 h:

à partir de 15h non-stop jusqu’à

FABRIKculture, 60, rue de Bâle,

dimanche 14 h: FABRIKculture,

F-68220 Hégenheim

60, rue de Bâle, F-68220 Hégenheim

Rahulla Torabi Sabine Voigt SaChriTa (S. Imhof + C. Corves + T. Galler-Vogt) Helmut Werres

Publikation und Werkapparat: Dr. Ana Karaminova, Kunsthistorikerin


Aktion · Performance · Ausstellung

Florian Adolph Almut Aue Andrea Blumör CaBri (Carolyn Krüger + Brigitte Kottwitz) Vládmir Combre de Sena Harald Etzemüller Mrs. Velvet G.Oldmine Cornelia F.Ch. Heier Luca Hillen (Akademie Solitude/Gast) Sabine Imhof Karin Rahts Daniel Scheffel Petra Schott Susanna Sitterding Rahulla Torabi Sabine Voigt SaChriTa (S. Imhof + C. Corves + T. Galler-Vogt) Helmut Werres

Publikation und Werkapparat: Dr. Ana Karaminova, Kunsthistorikerin


Aktion · Performance · Ausstellung

Florian Adolph ALmut Aue Andrea Blumör CaBri (Carolyn Krüger + Brigitte Kottwitz) Vládmir Combre de Sena Harald Etzemüller Mrs. Velvet G.Oldmine Cornelia F.Ch. Heier Luca Hillen (Akademie Solitude/Gast) Sabine Imhof Karin Rahts Daniel Scheffel Petra Schott Susanna Sitterding

Samstag 02. November 2019

Samedi 2 november 2019

ab 15 h durchgehend bis Sonntag 14 h:

à partir de 15h non-stop jusqu’à

FABRIKculture, 60, rue de Bâle,

dimanche 14 h: FABRIKculture,

F-68220 Hégenheim

60, rue de Bâle, F-68220 Hégenheim

Rahulla Torabi Sabine Voigt SaChriTa (S. Imhof + C. Corves + T. Galler-Vogt) Helmut Werres

Publikation und Werkapparat: Dr. Ana Karaminova, Kunsthistorikerin



salonfähig von EULENGASSE für Summe – dem Festival Baseler Projekträume 2019 auf Einladung von FABRIKculture Hégenheim mit freundlichem Dank an kunsthallekleinbasel für die Vermittlung

Was war für Dich die Ausstellung »salonfähig«? Der Versuch, die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und ihr Ausdruck in Material aber auch in »Performance« zusammenzuführen, aber nicht beliebig dahinwabern zu lassen. Der Versuch also auch, die Dinge zusammenzuhalten und ihnen gleichzeitig Offenheit zu gewähren. Es gab viele trashige Momente, Cornelia F.Ch. Heiers Hickelkästchen oder die pädagogische Blindführung von Luca Hillen zum Beispiel. Aber die »Capri Insel« von CaBri hat gleich zu Beginn klargestellt, dass man sich gerne zum Deppen machen kann und möglicherweise nicht alles so ernst ist, wie es erscheint. Herausgekommen ist eine Ausstellung, in der wir erklären, dass auch wir nicht wissen, wie's geht, es aber mal probieren. Und dabei ist es uns gelungen, ehrlich auf die Leute zuzugehen – eigentlich ziemlich cool. Andrea Blumör


salonfähig

Gruppenausstellung Ausstellungsraum EULENGASSE – Frankfurt am Main FABRIKculture – Hégenheim ∑ summe 19 – Basel

Den Begriff Performance interpretieren die Künstler*innen des Frankfurter Kunstvereins EULENGASSE auf vielfältige Weise – so finden sich sowohl Beispiele aus den »Performing Arts« (den Darstellenden Künsten) als auch aus den »Visual Arts« (den Bildenden Künsten). Die drei formalen Bestandteile einer Performance – der Körper (die Künstler*innen und ihre Werke), der Raum (die Ausstellungshalle FABRIKculture in Hégenheim) und die Zeit (die 23 Stunden der Laufzeit der Ausstellung) werden zu einem Ganzen, das den Ausstellungstitel »salonfähig« trägt, zusammengefügt. Zwei Aspekte bestimmten von Beginn an das Ausstellungskonzept: Der Ort – eine ehemalige Textilfabrik mit einer großzügigen Ausstellungsfläche soll Raum geben für den von den Frankfurter Künstler*innen intendierten Dialog mit den Besucher*innen. Die Künstleri*innen möchten sich über Kunst und die Welt unterhalten und den Austausch mit dem Publikum feiern. Die Kommunikation findet über die zwei universellsten Sprachen der Welt statt – über die Körpersprache und über die Kunstsprache. In der multilingualen Umgebung von Basel ist diese Strategie sicherlich erfolgversprechend.


Welche Besucherreaktion wird Dir in Erinnerung bleiben? Generell sehr interessierte Besucher. Im Besonderen ein Paar, dem ich meine Installation erklärte, und dabei auch auf die geschichtlichen Besonderheiten des Elsass hinwies mit der abschließenden Bemerkung »und jetzt sind die Deutschen wieder hier«, worauf beide regelrecht erschraken. Darauf reagierte ich mit »Aber wir sind in friedlicher Absicht da. Wir sind schließlich Künstler.« – worauf das Gelächter groß war. Mrs. Velvet G.Oldmine

Diesen Überlegungen folgend, kamen die Eulengässler*innen schnell zu dem titelgebenden Oberbegriff, der sich aus zwei Bestandteilen zusammensetzt. Bezieht sich der erste Teil – »Salon« – auf den Raum, nämlich einen gesellschaftlichen, so verweist der zweite Zeil – »fähig« – auf eine Eigenschaft, nämlich darauf, den gestellten Aufgaben gewachsen, zu etwas in der Lage zu sein. Im doppelten Sinne werden diese Bedeutungsebenen in der Ausstellung künstlerisch aufgegriffen. Einerseits ist die Nähe zu den historischen Pariser Salons (Salon de Paris) als regelmäßiges, gesellschaftliches Großereignis und Spektakel unverkennbar, andererseits grenzen sich die Künstler*innen zur seiner Rolle als kunstmarktbestimmende Leistungsschau ab. So wachsen in dieser Ausstellung künstlerische Statements zu einem publikumsoffenen, kommunikativen Dialogangebot zusammen, das unmissverständlich die Fähigkeit und Kraft von unkommerziellen und experimentellen, aber auch klassischen Kunstformen hervorhebt. Es wird live getanzt, gezeichnet, gestrickt, geschauspielert, gerochen, berührt, gesungen, erzählt, gewebt, gespielt. Aber auch Skulpturen, Installationen, Malerei, Digitaldrucke und Videos werden präsentiert, um als Gesprächsthema dienen zu können. Denn die Künstler*innen sind selbstverständlich anwesend und suchen stets den Kontakt zu den Gästen des repräsentativen Empfangsraums – dem verehrten Publikum.


Florian

Adolph

arbeitet sowohl digital als auch analog und erforscht mit den Mitteln der Malerei sowie der interdisziplinären Kunst die Wahrnehmung und ihre Rezeption. Adolphs digital erzeugte grafische Motive wirken vertraut und fremd zugleich, gegenständlich und abstrakt. Ein weiteres zentrales Thema im Schaffen des Künstlers ist die Hinterfragung des Originalwerks und die alleinige Autorschaft des Künstlers.

Wie würdest Du die Atmosphäre vor Ort mit einem Satz beschreiben? Die FabrikCulture in Hégenheim und der Leiter Clément Stéhlin waren eine Überraschung für uns:

Florian Adolph absolviert seine künstlerische Ausbildung an der Städelschule – Staatliche Hochschule für Bildende Künste, Frankfurt am Main.

Die Atmosphäre, großzügige Möglichkeiten der Installation, und die große Hilfsbereitschaft auch der dort anwesenden Relief Nr. 8, 2019, Digitalprint auf Hahnemühlepapier, 160 × 120 cm

Künstler in den Ateliers vor Ort.

Dieser hochsensible Druck wurde einmal in Deutschland klassisch gerahmt und staubfrei hinter besonderem Glas an der Wand hängend ausgestellt. Für die Ausstellung »salonfähig« in FARBRIKculture in Hégenheim lässt der Künstler das empfindliche Werk unverpackt von Deutschland in die Schweiz transportieren. Die Arbeit ist während des Transportes und der Ausstellungsdauer Berührungen und anderen Prozessen menschlichen Handelns ausgesetzt. In der Halle wird der Print ähnlich wie ein Salonteppich auf dem Boden ohne Schutz ausgerollt, sodass die Kontaktspuren mit Menschen und Gegenständen sichtbar und als Teil der Arbeit präsentiert werden können. Der performative Akt des Künstlers besteht somit im Teilen der Autorschaft mit dem Umfeld.

CaBri


Almut

Aue

Kopf 1 bis Kopf 9, 2012, Bleistift, Tuschestift, Buntstift auf getöntem Papier, Blindzeichnung, je 38 x 55 cm Die neun Blindzeichnungen zeigen Porträtdarstellungen der besonderen Art – dynamisch geführte Linien, die sich überlagern und dadurch unerwartete Tiefe erreichen. Das Zusammenspiel von Fläche und Linie wird durch formale wie auch farbliche Kontraste betont. Der inhaltliche Bezug der blindgezeichneten Portraits zum Thema salonfähig ist zweideutig: Einerseits ist es durchaus salonfähig, Menschen zu porträtieren. Dies wurde über Jahrhunderte praktiziert und ist auch heute noch allgegenwärtig. Andererseits ist die Art und Weise, wie die Menschen von Aue porträtiert sind, gerade nicht salonfähig: In den meisten Fällen hat die Künstlerin die Portraits vor dem Fernseher sitzend gezeichnet. Sie schaut ihr Gegenüber zwar an, jedoch nicht auf dem Bildträger. Das Ergebnis ist eine schräge Art von Verhunzung, eine Entstellung des Gesichtes, das absurd verzeichnet erscheint. Die Künstlerin weicht in ihrer künstlerischen Praxis von der Norm der Porträtsitzungen ab. Sie entwickelt eine Konvention, die »sich nicht schickt« und deshalb als nicht salonfähig zu bezeichnen ist.

Im Mittelpunkt der Arbeit von A. Aue steht die Auseinandersetzung mit Farbe, Form und Linie. Sie experimentiert zeichnerisch und malerisch und überlässt dabei die Endform dem Zufall. Almut Aue untersucht künstlerisch das Gegenwärtige und erweitert mit ihren Zeichnungen und Collagen unsere Alltagswahrnehmung. Nicht die bloße Abbildung des Sichtbaren, sondern das für die Augen Unsichtbare wird dargestellt. Die Künstlerin arbeitet reduziert und regt somit die Fantasie des/ der Betrachters*in an. Er oder sie soll und kann sich selbst ein Bild machen. Almut Aue studierte Malerei an der Städelschule Frankfurt am Main und Kulturwissenschaften an der Universität Frankfurt am Main.


Andrea

Blumör

interessiert sich für Geschichten einzelner Personen, aber auch für größere historische Zusammenhänge. Diese überträgt die Künstlerin in zwei Werkserien: In der ersten dienen Zettelchen, die Blumör erhalten oder gefunden hat, als Motiv für großformatige Gemälde. Sie erzählen Alltägliches. Es handelt sich dabei um To-Do-Listen, Wegbeschreibungen, Notizen. Die Themen für die zweite Werkserie zieht die Künstlerin aus ihrer Lektüre zu historischen Ereignissen. Besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei Geschichten über die weibliche Lohnarbeit und die Erforschung der Anfänge des modernen Kapitalismus. Diese zweite Serie besteht aus Malerei, Zeichnung, Objekten und Video. Andrea Blumör absolvierte ihre künstlerische Ausbildung der Malerei und Fotografie an der Freien Akademie der bildenden Künste AG, Essen.

Wie würdest Du die Atmosphäre vor Ort mit einem Satz beschreiben? Je t'embrasse, je pense à toi, 2011, Installation und Audiodatei, 1 Kopfhörer, 1 Sessel, 1 kleiner Tisch, 1 leerer Bilderrahmen, Leuchte, Teppich, Leinwand

Eine wunderbare großzügige

o.T., 2012, Tempera und Öl auf Leinwand, 200 cm x 200 cm

Kunst atmen kann.

Die Künstlerin hat eine Wohnzimmersituation arrangiert. Die Besucher*innen sind einzeln aufgefordert, sich in den Sessel zu setzen und per Kopfhörer den Auszügen »Je t'embrasse, je pense à toi« zu lauschen. Zu hören ist die Stimme der Künstlerin, die in deutscher und englischer Sprache Auszüge aus privaten Briefen vorliest. Die Auszüge stammen aus realen Briefen, die die Künstlerin erhalten oder selbst verschickt hat.

Petra Schott

Die Atmosphäre des Privaten wird durch die Leinwand verstärkt, die so hängt, dass sie nicht frontal von dem Hörer/der Hörerin gesehen werden kann. Auf der malerischen Arbeit der Künstlerin (die für die Installation in der Ausstellungshalle FABRIKculture Teil der Installation geworden ist) ist eine ToDo-Liste wiedergegeben, welche die Künstlerin gefunden, in ihr Bildformat übertragen hat und deren Inhalt nun gelesen werden kann (do yoga, have sex etc.).

Ausstellungsfläche, in der die


CaBri

Carolyn Krüger + Brigitte Kottwitz

Capri Insel, 2015-2019, Installation und Happening Mit der Partizipation an diesem Kunstwerk nimmt das Publikum die Einladung an, vertraute Verhältnisse zu verlassen – sich zu verkleiden und damit in eine Rolle zu schlüpfen, in die farbenfrohe Kulisse der Installation einzutauchen, ein sehnsuchtserfülltes Lied aus alten Zeiten mitzusingen. Die Installation und das Happening »Capri Insel« ist eine Reminiszenz an die Zusammenarbeit der beiden Künstlerinnen unter dem Namen CaBri. Ähnlich der phonetischen Ähnlichkeit zwischen Gruppennamen und Insel, die den Unterschied zwischen beiden dennoch bestehen lässt, so sind auch alle Elemente der Arbeit nicht ganz stimmig. Beispielsweise haben die Künstlerinnen die Insel nie besucht, die erklingende Klaviermusik folgt nicht den Originalnoten, zur Entstehungszeit des berühmten Liedes »Capri Fischer« (1949) gab es noch kein Karaoke. CaBri beziehen sich auf das Klischee eines Ortes und einer längst vergangenen Zeit. Das Lied spricht eine Sehnsucht aus, die nicht erfüllt werden kann. Der Wunsch und die Vorstellung sind dichter und realer als die Wirklichkeit. JedeR Teilnehmende an diesem Happening kann die Gelegenheit ergreifen, das eigene Ich einzubringen.

Zu den künstlerischen Mitteln und Techniken von Carolyn Krüger gehören experimentelle Einzelbildfilme in der Tradition der 1960er Jahre, experimentelle Computermusik, Bild-Sound-Programmierung und unterschiedliche Formen der Bildanalyse. Die Filme verwenden Bilder der Alltagswelt und bringen sie in neue visuelle Zusammenhänge. Die Klangarbeit bildet eine Entsprechung und Ergänzung zum Bild. Sowohl die Filme als auch die Musik entstehen intuitiv aus der Arbeit mit dem Material. Brigitte Kottwitz verfolgt in ihrer Kunst die Intention, in den Alltag der Menschen einzuwirken, sei es in Form von Aktionen mit Wortspielen, mit keramischen Serien oder Installationen. Wichtiges Mittel dabei ist das Lachen, mit Hilfe dessen Tabus hinterfragt werden. B. Kottwitz und C. Krüger schaffen gemeinsame Filme, Ausstellungen, Kunstinstallationen und Performances unter dem Namen CaBri. Krüger ist Absolventin der Städelschule Frankfurt am Main, Kottwitz hat die Abendschule der Städelschule Frankfurt am Main absolviert.


Vládmir

Combre de Sena

realisiert Installationen, Videokunst, Filme, Performances und Aktionen. Übergeordnetes Thema ist die Männlichkeit, also die Auseinandersetzung mit Männern zugeschriebenen Eigenschaften, die kulturellen und sozialen Normen unterliegen. Der Künstler interessiert sich für die im westlichen Kulturkreis dem »Männlichen« unausgesprochen oder ausgesprochen zugeschriebenen Stereotype, für ihre Ausdrucksformen und gesellschaftlichen Wirkungen. Dabei steht die menschliche Kommunikation im Zentrum des künstlerischen Interesses. Vládmir Combre de Sena studierte Kunsterziehung mit Schwerpunkt Bühne in Recife/Brasilien und absolvierte ein Aufbaustudium Kulturmanagement in Ludwigsburg. Er ist Gründungsmitglied von EULENGASSE e.V.

Ehrenmänner, 2010, Video-Performance, von/mit Vládmir Combre de Sena und mit Rahulla Torabi, HD 8'43'' Im Film stehen sich zwei Männer gegenüber, die sich, einem Duellablauf ähnlich, voneinander weg und aufeinander zu bewegen. Während der Bewegungsachse entwickeln sich Spielregeln und Codes, welche die Kommunikation der beiden Protagonisten bestimmen. Das Werk regt Gedanken über die Verteidigung der Ehre, einer sich selbst lächerlich machenden Behauptung der eigenen Männlichkeit an: Ob die beiden Ehrenmänner im Film sich nun in Frankfurt, Basel oder Hégenheim gegenüber stehen, spielt dabei keine Rolle. salonfähige Praxis, 2019, Action, ca. 15' Vládmir Combre de Sena lädt die Besucher*innen der Ausstellungshalle zu einem von ihm angeleiteten Spiel ein. Es geht dabei um das Berührungsempfinden, um mechanisierte Formen des Gehens und Sich-Bewegens, um das Fühlen und Entdecken von Strukturen und Arten körperlichen Ausdrucks im Leben; letztendlich um das Externalisieren von Emotionen, das als eine »salonfähige« Praxis gedeutet werden kann.

Wie würdest Du die Atmosphäre vor Ort mit einem Satz beschreiben? Eine vielfältige Entdeckungsreise durch kreative Welten an einem selbst sehr weltoffenen und emphatischen Ort. Sabine Imhof


Harald

Etzemüller

Was war für Dich die Ausstellung »salonfähig«? Die Gesamtheit der Werke. Ihr Zusammenspiel. Die Kuratierung. Haralds Motivation und das gemeinsame Pizza-Essen! Der Prozess. Der Versuch, eine liebevolle Gemeinschaft zu werden. Das periodische Scheitern. Die fließenden Momente (der Kommunikation). Luca Hillen

Digital Spaces, 2018, Inkjetplot auf Papier, Wandcollage ca. 60 x 160 cm »Digital Spaces« ist Teil eines Doppelprojekts zu den Hauptthemen Territorium und Transit, in dem Harald Etzemüller verschiedene Situationen in unserer städtischen Umgebung und in konstruierten architektonischen Räumen untersucht. In dieser Arbeit unterzieht der Künstler nicht realisierten Architekturprojekten eine Re-Vision, indem er die entstandenen 3D-Modelle in verschiedenen isometrischen und perspektivischen Darstellungen untersucht. Die Wireframes lassen Raumkontinua spürbar werden, ohne dass das Publikum sie in Gänze zu recodieren vermag. Überlagerungen verstören zusätzlich gewohnte Empfindungen. Etzemüller schafft durch seine an die Außenwand von der Ausstellungshalle FABRIKculture tapezierten Arbeit eine räumliche Intervention, sodass die/der Betrachter*in irritierend »um die Ecke gebracht« wird. Dabei wird eine Replik zu den Wandbespannungen in einem Salon erzeugt, allerdings nur als Zitat.

beschäftigt sich in seinen Fotografien, Zeichnungen und Architekturkonstruktionen (CAD) mit räumlichen Reflexionen und Irritationen. Der euklidische dreidimensionale physische Raum, seine Translation und Juxtaposition und die Auswirkungen dessen auf die Betrachter*innen, sind zentrale Themen seiner Arbeiten. Dabei stellt er folgende Fragen: Was ist wahr und was ist illusionistisch? Wie weit breitet sich der reale Wahrnehmungsraum aus? Wo beginnt unser idealer Vorstellungsraum? Die Antworten kann sich das Publikum inmitten eines geometrischen Geflechts aus digital manipulierten Drahtgitter-Architekturzeichnungen erarbeiten. Harald Etzemüller absolvierte sein Architekturstudium in Frankfurt am Main und in Lyon. Er ist Gründungsmitglied von EULENGASSE e.V.


Mrs. Velvet

G.Oldmine

arbeitet vorwiegend mit textilen Materialien, Alltagsgegenständen und Fundstücken. Sie bevorzugt umweltverträgliche Materialien, die sie in einen zuvor nicht existenten Kontext setzt. Dadurch treten diese Materialien und Gegenstände in einen Dialog, werden miteinander verwoben und somit neu interpretiert. Ihre Installationen, Performances, Objekte und Videos beziehen sich auf aktuelle Themen und werden meist aus einem weiblichen Blickwinkel heraus betrachtet. Mrs. Velvet G.Oldmine hegt eine Affinität zu Dadaismus, Fluxus und Surrealismus. Mit ihren in FABRIKculture gezeigten Werken und ihren Performances möchte die Künstlerin in einen positiven Austausch mit dem Publikum treten und die feministische Sichtweise »salonfähig« machen. Nach Stationen in London und Jamaika lebt und arbeitet Mrs. Velvet G.Oldmine überwiegend in Frankfurt am Main.

Was war für Dich die Ausstellung »salonfähig«? 4:33 Was geschieht wenn nichts geschieht, 2012 - 2019, Strickperformance vor Ort an einem sich stets weiter entwickelnden Objekt, 20' bis 120'

Ein Abenteuer, ein Experiment,

Projektionsfläche, 2018, Textil, Betttuch, 140 cm x 220 m

eine absolute runde, gelungene

State of the He(Art), 2017, Textil, Häkelobjekt

Ausstellung.

Mrs. Velvet G.Oldmine nimmt Bezug auf die Geschichte der Ausstellungshalle FABRIKculture, in der früher eine Textilfabrik untergebracht war. Die Künstlerin zeigt mit dem Betttuch aus den Restbeständen der Baumwollspinnerei Plauen, einer Kreisstadt im heutigen Sachsen, ehemals DDR ein Readymade. Die Geschichte dieser deutschen Spinnerei erstreckt sich von einer Arbeitsstätte für hunderte von Frauen, über ein Konzentrationslager für Frauen bis hin zur aktuellen Nutzung als Einkaufszentrum. Diese Wandlungen werden über das Betttuch in der ehemaligen Schweizer Textilfabrik vergegenwärtigt. Es fungiert im Ausstellungsraum als hängende Projektionsfläche, worauf nicht zuletzt der gleichnamige Schriftzug als schwarze Stickerei in einer der Ecken des Tuches verweist. Die Künstlerin lädt das Publikum ein, eigene Gedanken, Vorstellungen, vielleicht sogar Bilder aus dem kollektiven Bewusstsein auf die leere Fläche zu »projizieren«. Parallel dazu agieren Künstlerin und Publikum mit dem gehäkelten Objekt, das den Titel »State of the He(Art)« trägt und Teil einer Serie von durchbrochenen Herzen ist, welche die Künstlerin aus unterschiedlichen Materialien und in diversen Größen geschaffen hat. Mit ihren textilen Arbeiten greift Mrs. Velvet G.Oldmine uralte, weiblich konnotierte Techniken auf und verweist damit auf den feministischen Ansatz in ihren Arbeiten.

Sabine Imhof

Freiraum für neue Erfahrungen –


Hickelhäuschen, Himmel und Hölle, 2019, Kunststoffnetz, Wachskreide, 160 x 470 cm

Was war für Dich die Ausstellung »salonfähig«? Eine positive Überraschung, die meine Erwartungen übertroffen hat. Mrs. Velvet G.Oldmine

Auch ohne den Werktitel zu lesen, ist das nahezu überall auf der Welt bekannte Hüpfspiel sofort erkennbar. Im deutschsprachigen Raum hauptsächlich als »Himmel und Hölle« bekannt, kann das Spiel mit beliebig vielen Teilnehmer*innen, aber auch nur mit einer Person, durchgeführt werden. Benötigt werden lediglich eine Kreide, mit der man die Hüpfkästchen auf den Boden zeichnet, und ein Stein zum Werfen auf die Zahlfelder. Das Spiel erschließt sich ohne große Erklärungen, ohne die Beherrschung von Fremdsprachen. Der Mensch (ganz gleich ob klein oder groß) steht hier im Mittelpunkt. Der Mensch und sein uralter Instinkt sich fortzubewegen. Das Objekt von Cornelia F. Ch. Heier weckt nicht nur Kindheitserinnerungen, sondern aktiviert körperliche Impulse. Zwischen dem Himmel und der Erde sind alle Menschen angesiedelt und durchaus in der Lage in eine Interaktion und Kommunikation zu treten, um unsere Umgebung, unsere Handlungsräume, unsere Hüpfkästchen bewusster wahrzunehmen. Qué Será…, 2019, Papierobjekte, Bodengelege (Schwarmaufbau), 140 x 320 cm Ein Schwarm aus Papierschiffchen durchquert langsam den Raum, der »höheren Macht« von Menschenbewegungen und den Bedingungen in der Ausstellungshalle ausgeliefert. Cornelia F. Ch. Heier wählt als Titel ihrer Bodeninstallation »Qué Será Será (Whatever Will Be, Will Be)« – und damit den Titel eines berühmten Popsongs, der wiederum auf einem Kinderlied basiert. Im Text fragt ein kleines Mädchen ihre Mutter, was denn die Zukunft bringen wird. Die Antwort wiederholt sich immer wieder »Qué será será«, »Was sein wird, wird sein«. Das Schicksaal der Schiffe scheint vorherbestimmt zu sein, sie sind dem Untergang geweiht. Die Einzelobjekte haben verschiedene Größen und Papierqualität. Eines vereint sie jedoch alle – ihre Instabilität. Weitere Assoziationen werden dem Publikum überlassen. Die Künstlerin sagt dazu: »Wer flieht, hat einen Grund dazu. Wenn die Mittel zur Flucht, die mit Hoffnung auf Überleben, auf eine bessere Zukunft, überhaupt auf ein Dasein verbunden sind, von vornherein dem ‹Untergang› geweiht sind – ist die Zerbrechlichkeit des Seins eventuell nicht mehr reversibel.«

Cornelia

F.Ch. Heier

bedient sich unterschiedlichen künstlerischen Materialien und Techniken, um neue Wahrnehmungen von Räumen und Objekten zu schaffen. Dabei entstehen Bilder, Skulpturen, Installationen und akustische Werke, die auf das Unsichtbare im menschlichen Alltag verweisen und Existenzfragen aufwerfen. Die Kunstobjekte von Heier regen das Publikum zum Handeln an. In diesem Mitwirkungsprozess werden die gewohnten Wahrnehmungen umgedacht. Cornelia F. Ch. Heier erhielt ihre Ausbildung zur Künstlerin an der Hochschule für Bildende Künste Dresden in der Fachklasse »Skulptur und Raumkonzepte- interdisziplinärer Kunst« bei Eberhart Bosslet.




Luca

Hillen

arbeitet performativ, wobei der Körper und seine fünf Körpersinne, das zentrale Thema seiner Arbeit darstellen. Er lädt das Publikum ein mitzuwirken und in die körperliche Welt der Sinneseindrücke einzutauchen. Der Künstler selbst bezeichnet diesen Prozess als »eine Reise abseits von geistigen Kategorisierungen und Urteilen wie richtig und falsch, gut und schlecht«. »salonfähig« ist für Hillen das Ergebnis einer Bewertung – die kritische Betrachtung einer Sache, die je nach eingeschätzter Qualität entweder als hochwertig, d.h. »salonfähig«, oder eben als »nicht salonfähig« eingestuft wird. Durch die Thematisierung der Körpersinne und das damit einhergehende Ausschalten des inneren Kritikers erhofft sich der Künstler, dass wir uns darüber bewusst werden, wie sehr wir uns in unserem jetzigen Zustand (Be-)wertungen, welche selbstverständlich unterbewusst ablaufen, abhängig machen. Abhängigkeit setzt Hillen mit Unfreiheit gleich, und der Weg sich davon frei zu machen, liege in dem Bewusstmachen der Einschränkungen im Laufe des Performances.

Eyes and Mouth Wide Shut, Performance, ca. 40'. In dieser Performance wird das Publikum durch das Ausstellungsgelände geführt, gemäß dem Motto »Augen und Mund zu und durch«. Dabei sorgt der Künstler für überraschende Wahrnehmungen, die an dieser Stelle nicht verraten werden können. Zum Thema dieser Vorstellung gehören Vertrauen, Achtsamkeit und zwischenmenschlicher Kontakt. Robin Food, Performance, ca. 25' Am Sonntag Morgen werden die Teilnehmer*innen der Performance von Luca Hillen gebeten, gemeinsam in Stille zu frühstücken. Der Künstler leitet die Gäste an auf alle Kleinigkeiten zu achten: auf die Beschaffenheit des Bestecks und des Essens, auf die Temperatur des Messers, auf den Geruch der Nahrung, ihren Geschmack und ihr Aussehen. Der künstlerischen Intention liegt der Wunsch zugrunde alles bewusst wahrzunehmen und während dieser besonderen Gruppenerfahrung nicht nur die Körpersinne neu zu entdecken, sondern sich auch Empfindungen wie Scham und Vertrauen nachdenklich zuzuwenden.

Luca Hillen studierte Fotografie und Kunst an der Gerrit Rietveld Academy, sowie Pantomime an der Theater School Amsterdam. Er ist derzeit Stiependiat für Darstellende Kunst an der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart.


Sabine

Welches Gefühl, welche besondere

Imhof

Erinnerung verbindest Du mit der Aktion in Basel? Drei Länder, drei Grenzen, eine Gedanke: »Kunst« – inspiriert durch Reisende aus Südafrika bis nach Holland über Brasilien und Germanistan in Frankreich mit super Gastfreundschaft der Schweizer. Rahulla Torabi

VielRaumSeinAllein – EinRaumSeinGemein, 2015, RaumTanzPerformance in 4 Akten, s/w, Full HD, 18'33''. Regie, Kamera, Schnitt: Sabine Imhof Gesamtkonzeption, Bewegungskonzept: Tanja Galler-Vogt Tänzerinnen: Jasmin Hörning, Stefanie Kaufmann, Lisa Wengler, Tanja Galler-Vogt, Pia Krowas Musik: gALLERwiLLpÖTSCH Im Film »VielRaumSeinAllein – EinRaumSeinGemein« erkunden fünf Frauen tanzend einen Raum. Sie tasten sich darin ab, stoßen an Wände, an den Boden, an Treppen – also an die Raumgrenzen. Sie werden im Film zunächst einzeln gezeigt. Erst als sie beginnen, zusammen im Raum zu agieren, sind sie in der Lage sich zurecht zu finden. Dabei wird deutlich, dass die Umgebung den Tanz formt, dass das Umfeld unser Handeln bestimmt. Es sei denn, die Menschen sind bereit auszubrechen, die Isolation aufzugeben. Gemeinsam wächst Anderes heran und heraus.

friert Momente mit den Mitteln der Fotografie ein und erzählt Geschichten mit dem Filmmedium. Auch tanzt sie performativ, um Räume neu zu erkunden. Die Künstlerin interessiert sich dabei für eine abstrakte Raumebene und hält eher Empfindungen und Atmosphäre und weniger Konkretes, Gegenständliches fest. Sie arbeitet mit Kontrasten, gern in Schwarzweiß, um den Fokus auf das Wesentliche zu schärfen. Den Titel der Ausstellung »salonfähig« aufnehmend, möchte die Künstlerin mit ihren Beiträgen – ähnlich wie in einem Salon – das Publikum dazu anregen, eigene Ideen zu entwickeln, Beziehungsräume zu schaffen und Atmosphäre zu kreieren. »salonfähig« bedeutet für Sabine Imhof austauschbereit. Sie stellt mit ihrer Performance und dem Film eine Kommunikation zwischen ihr, ihren virtuellen Tanzpartnerinnen und der real anwesenden Zuschauer*innen her. Sabine Imhof studierte Filmwissenschaft, Philosophie und Ethnologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und absolvierte eine Ausbildung zur Fotografin in Frankfurt am Main.


Karin

Rahts

versteht ihre Kunst als Werkzeug, um die Welt zu erforschen, zu enthüllen und in Bildern zu formulieren. Sich künstlerisch auszudrücken, ist für sie wie Tagebuch schreiben, aber ohne Worte, sondern in Bildern. Verschiedene Materialien und Techniken durchqueren das künstlerische Schaffen von Karin Rahts: Malerei, Zeichnung und Collage, in jüngster Zeit auch Objektkunst, Installation und Kunstaktionen. Karin Rahts absolvierte ihre künstlerische Ausbildung der freien Malerei an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule Frankfurt am Main, bei Prof. J.G. Geyger.

Poesie der Handzeichnung, 1997, Ölkreide, Kohle, Graphit, Bleistift, Tusche/Feder, Gouache auf Zeichenpapier, je 15 x 10,5 cm und 21,4 x 19,8 cm Karin Rahts präsentiert in der Ausstellung eine geschlossene Serie von Handzeichnungen. Die Nutzung verschiedener Zeichenmaterialien treten plastisch hervor und wirken im Vergleich zu weit verbreiteten virtuellen Ausdrucksweisen und Digitaldrucken natürlich. Die Bildkompositionen sind so angeordnet, dass der Bildraum eine zentrale Bedeutung erfährt.


Daniel

Scheffel

arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und Techniken. Dabei widmet er sich inhaltlichen Grenzbereichen, die lediglich vage Assoziationen hervorrufen und dadurch uneindeutig bleiben. So bewegen sich seine Werke zwischen Polen wie beispielsweise real und fiktiv, historisch und zeitgenössisch oder dekorativer Banalität und politischem Statement.

Welches Gefühl, welche besondere Erinnerung verbindest Du mit der Aktion in Basel? Ganz besonders ist mir der frühe Sonntagmorgen in Erinnerung, nach dem ein Teil unserer Gruppe in der Ausstellungshalle übernachtet hatte: ich bin sehr früh aufgestanden, habe mir Robert Fripps »Chromatic Fantasy in C-Minor« über Kopfhörer angehört und bin – zur und die Musik zeichnend – langsam durch die Ausstellung gegangen. Das war schön... Helmut Werres

Stapel, 2014, Stop-Motion-Film, 85'36'' Der Film »Stapel« von Daniel Scheffel thematisiert das Prinzip der Wiederholung: Ein Papierstapel baut sich stetig auf und ab. Diese Bewegungsabfolge bildet eine grundlegende Ordnung. Die Ordnung setzt sich im Bildhintergrund durch eine gleichförmige Rasterung fort. Strukturen wiederholen sich. Monotonie deutet sich an. Gäbe es keine Indizien, die ein Eigenleben suggerieren, wüchse nicht eine Erwartung, die Unerwartetes verhieße.


Petra

Schott

Geheimnisvoll und rätselhaft sind die von Petra Schott gemalten Gesichter und Körper. Mit den Mitteln der Schichtmalerei gewinnen ihre räumlichen Bildkompositionen an Tiefe. Die Acryl- und Ölfarben dienen der intuitiven Verarbeitung von Eindrücken, die Linie formiert sich gelegentlich zu Worten. Diese Sprachelemente tauchen in den Bildern als graphische Komponente auf, als Anklang an den Alltag, an Abstraktion, als eine Möglichkeit, gedankliche Assoziationen in die Malerei einzuflechten. Der Begriff »salonfähig« hat für Petra Schott etwas Leichtes und Spielerisches, das mit dem Austesten von Grenzen der Verständlichkeit von Kunst zu tun habe. Über ihre Bilder sagt die Künstlerin, dass sie Schlaglichter mit verschwimmenden Rändern seien und als Versuch gelten, einen Teil der Innen- und Außenwelt auf Papier zu bannen. Petra Schott studierte freie Kunst an der Kunsthochschule Kassel, Deutschland.

Welche Besucherreaktion wird Dir in Erinnerung bleiben? Lebensfolien VI, 2019, Kreide und Ölstift, Buntstifte, Acrylfarbe auf Papier, 105 x 75 cm Eingehend auf den Schwerpunkt des Festivals »Summe«, präsentiert Petra Schott ihre Arbeiten als eine Art Folie, vor der sich Interaktion und Performance in der Ausstellungshalle abspielen. Mit ihren Arbeiten möchte die Künstlerin bestimmte Aspekte des Themas »Performance« zum Ausdruck bringen: und zwar Momente der Selbstvergewisserung, des Allein- und Erschöpftseins, des Zweifelns. Petra Schott malt Assoziationen zum Thema Bewegung, Tanz und Begegnung und interpretiert Performance auf eine abstrakte Weise auf Papier. Ihre Figuren sind einmal groß und einmal klein, einmal statisch, einsam wirkend und abgegrenzt in ihrer Ausführung, und dann zu zweit, sich schützend in großen, expressiven Körpergesten und dynamischen Bewegungen.

Die herunterkullernden Tränen einer Teilnehmerin, als sie das Windspiel am Ende des Rundgangs hörte. Luca Hillen


Susanna

Sitterding

Endlosschleife Global Weaving, seit 2012 fortdauernd, Kettfaden, Jeansstoff und Plastiktaschen, 45 x ca. 600 cm Die Künstlerin sammelt Stoffstreifen alter Jeans und von karierten Plastiktaschen, die ihr Menschen gegeben haben oder die sie in unterschiedlichen Teilen der Erde gefunden hat. Die Stoffstreifen stammen oft aus ehemaliger Kleidung oder aus dem Haushalt, teilweise aus früheren Generationen. Durch eine der ältesten Kulturtechniken - dem Weben – werden sie nun von der Künstlerin miteinander verbunden. Aber nicht nur die Stoffe, sondern die ihnen eingeschriebenen menschlichen Geschichten treten hier in einen – weltweiten – Dialog. Die relativ gleichbleibende Grundstruktur des Stoffes zeigt ein Raster. Der vertikale Kettfaden (Jeansstoff und Plastiktaschen) steht für Kontinuität, für andauernde und (zeitlich) übergreifende Aspekte des Lebens; der horizontale Schussfaden (die überlassenen Stoffe) für Veränderung und individuelle Aspekte.

nutzt in ihrer künstlerischen Arbeit elementare Objekte als Ausgangspunkt. Die Auswahl dieser Objekte geschieht vor dem Hintergrund 'universelle Repräsentanten' zu finden, die sie der täglichen Vielfalt und Komplexität gegenüberstellt. Oft ist es eine zufällige Begegnung mit dem Objekt, sodann die Begeisterung für die Form und die Überzeugung, dass das jeweilige Objekt einen 'überzeitlichen und überkulturellen' Stellenwert inne hat. Die Objekte werden malend und zeichnend befragt und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, bis sich der Wesenskern herauskristallisiert hat. Durch das Vertraut-Werden der Form und das wiederholte Darstellen setzt die Künstlerin eine Verwandlung und Entwicklung in Gang – einen Dialog zwischen dem Objekt und der Künstlerin mit offenem Ausgang. Getragen von meist kräftigen bis grellen Farben, entwickeln sich teilweise abgewandelte Gestalten und neue Formen. Susanna Sitterding studierte an der Städelabendschule sowie an der Sommerakademie der Städel Schule in Frankfurt am Main.


Rahulla

Torabi

floh in seinem 17. Lebensjahr aus seinem Geburtsland Afghanistan nach Deutschland. Überlegungen über und Beobachtungen aus der zurückgelassenen und neuen Heimat hält Torabi in diversen Kunstformen wie etwa Malerei, Fotografie, Skulptur oder Collagen fest. Zentrale Themen im Werk des Künstlers sind die Poesie, die Harmonie und die Magie im Leben.

RHAM, 2019, Skulptur, Vierkantprofilholz in der Stärke 4 cm x 4 cm, schwarzmatt, 90 x 90 cm Schwarzbemalte Holzbalken sind zu einem kantigen Schriftzeichen zusammengefügt. Die arabisch sprechenden Betrachter*innen erkennen in der kaligrafischen Skulptur das Wort Rham, dass gleichzeitig Güte und Kraft bedeutet. Die Objektform ähnelt gleichzeitig einem Thron und wirft somit philosophische Fragen über den Ausgleich oder das Gleichgewicht zwischen Güte und Kraft eines Herrschers, eines Regierenden auf.

Was war für Dich die Ausstellung »salonfähig«?

In Erinnerung an…, 2005 – 2019, Film-DV, 360'55''31'''

Eine wundervolle gemeinschaftliche

Der Film zeigt Ausschnitte aus einem vierwöchigen Aufenthalt des Künstlers in seinem Geburtsort nahe Kabul, den er vor 24 Jahren kriegsbedingt verlassen musste. Der Film beginnt mit dem Flug von Frankfurt, der neuen Wahlheimatsstadt von Rahulla Torabi, und endet mit dem Rückflug. Dazwischen sind Szenen eingespielt, die Landschaften und Alltagsszenen aus dem Leben seiner Großfamilie zeigen. Der Künstler zeigt Räume, in denen er als Kind gewohnt hat, und Menschen, die heute nicht mehr leben. Torabi vergewissert sich durch die Linse seiner Kamera, dass seine Erinnerungen an diese Orte und Menschen kein Hirngespenst sind. Er hält diesmal alles mit bewegten Bilder fest, bevor er wieder abreist.

Aktion, intensiv, herausfordernd,

Das Publikum wird durch einen langen Läufer zum Verweilen vor der Filmprojektion in Überlänge eingeladen. Erzählperformance, Dauer variiert Während der Künstler dem Publikum eine Geschichte erzählt, werden Teile davon durch digitale Visualisierungen zeitlich parallel an die Wand projiziert. Rahulla Torabi stammt aus einem Kulturkreis, in dem mündliche Überlieferungen die Lebensart prägen. Diese Erzählkunst wird vom Raum bestimmt, in der sie stattfindet. Eine zusätzliche räumliche Dimension erfährt die Geschichte durch das Gezeichnete.

inspirierend. Wir sollten auf dem Weg unbedingt weitermachen! Helmut Werres


Sabine

Voigt

Aus der Serie Tupel, 2014 - 2016: o.T., Diptychon, 201516/2016, Acryl auf Leinwand / Tusche, Acryl, Gouache, Graphit auf Karton, 30 x 30 cm / 30 x 40 cm

Welches Gefühl, welche besondere Erinnerung verbindest Du mit der Aktion in Basel? Ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, Zeit miteinander verbringen, Austausch. Petra Schott

Aus der Serie Tupel, 2014 - 2016: o.T., Diptychon, 2016, Tusche, Acryl, Graphit auf Karton / Tusche, Acryl, Gouache, Graphit auf Karton, 30 x 40 cm / 30 x 30 cm Die Künstlerin greift in dieser Arbeit auf eine Reihe von Landschaften auf Buchbinderkarton zurück, bei denen sie das Gefühl hatte, diese seien nicht vollständig, noch nicht salonfähig. So entschied sie, für jedes der Blätter ein passendes Gegenüber, eine Ergänzung bzw. eine Fortführung zu schaffen. Wie in einer Performance ließ sich Sabine Voigt intensiv auf jedes der vorhandenen Bilder ein, um den jeweiligen Bildraum neu zu erkunden und zu erfühlen, wie das Gegenüber aussehen könnte, um salonfähig zu werden. So sind Bildpaare entstanden, die dem Werktitel gerecht werden, denn der Begriff »Tupel« bedeutet die geordnete Folge eines Dualsystems.

arbeitet mit allen grafischen Materialien und Techniken. Rost, Asche, chinesische Reibetusche, Graphit, Seidenpapier, Zeichenkohle, Frottage oder Collage – sie werden von der Künstlerin in Werkgruppen komponiert und zusammengefügt. Zeichenhafte Figuren und Landschaften bestimmen den Bildaufbau. Sabine Vogt zieht ihre Anregungen für die Bildmotive aus den Medien wie bspw. soziale Themen über Armut, Krieg und Flucht, ökologische Themen, Zerstörung und Ungerechtigkeit. Künstlerisch übersetzt mit den Mitteln der Reduktion auf wenige Linien wirken die Bildergebnisse spontan und leicht aufgetragen. Dies gibt dem/der Betrachter*in viel Raum für eigene Assoziationen und Interpretationen. Die Druckwerkstatt von Walter Hanusch und das achtjährige Studium an der Städel Abendschule Frankfurt am Main haben den künstlerischen Werdegang von Sabine Voigt stark geprägt.


SaChriTa Sabine Imhof Christiane Corves Tanja Galler-Vogt

Was war für Dich die Ausstellung »salonfähig«? Wirtschaftswissenschaftler sagen, Erfolg sei planbar. Nun, was Konzeption, Vorbereitung und Aufbau anging, kann ich das bestätigen. Doch das Geheimnis des Künstlerischen, der Zauber ergibt sich erst im Moment, im Zusammenspiel der Künstler*innen, mit den Besuchern. Die Halle als Bühne, die Kunst als gemeinsamer Körper. Harald Etzemüller

Gegen-Über-Tragen, 2019, Performation Tanz und Videoinstallation, ca. 20' Sabine Imhof bildet gemeinsam mit Christiane Corves und Tanja Galler-Vogt die Künstlerinnengruppe SaChriTa. Dabei geht es den drei Tänzerinnen darum, sich improvisierend Räumen, Orten, Situationen hinzugeben und diese zu erforschen. Sie spielen mit inneren Räumen, Zwischenräumen und der Interaktion mit dem konkreten Raum selbst. Die Raumerkundung in »Gegen-Über-Tragen« findet nicht vorwiegend vor Ort in Hégenheim, auch nicht vorwiegend im Frankfurter Proberaum statt, sondern liegt in dem Versuch, zwischen präsenter Gegenwart und virtueller Konserve eine Beziehung herzustellen. Es findet eine digital-analoge Übertragung und Gegenübertragung statt. Sabine Imhof hat den Ort zum Erforschen digital von der Schweiz nach Deutschland gebracht und nimmt ihre beiden Mittänzerinnen Christiane Corves und Tanja Galler-Vogt in Form einer Videoinstallation, die sie wiederum improvisatorisch-tänzerisch live bespielt, in die Ausstellungshalle nach Hégenheim. Dort wird die Aktion wiederum aufgenommen, um sie als Ganzes nach Frankfurt zurückzubringen.


Helmut

Werres

Welches Gefühl, welche besondere Erinnerung verbindest Du mit der Aktion in Basel?

Ambulante Zeichnungen, Zeichenperformance

Ich erinnere mich sehr intensiv

Mit dem Publikum in Interaktion zu treten ist die Intention von Helmut Werres in seiner Zeichenperformance. Der Künstler erweitert den Begriff der Zeichnung, indem er all seine Sinne aktiviert und ähnlich wie ein Seismograph die Veränderungen in der Ausstellungsatmosphäre wie auch auf den Gesichtern im Publikum zeichnerisch auf das Papier überträgt. Dabei steht sowohl die Zeichnung als fertiges Produkt im Zentrum des künstlerischen Interesse als auch der Prozess des zeichnerischen Kennenlernens, verstanden als ein Verhältnis zwischen Körper und Zeichenakt. Es ist ein Vorhaben mit offenem Ergebnis...

an das Singen der Kinder in Rahulla Torabis Film. Dieses Bestreben der Kinder alles richtig zu machen, und wenn der Ton daneben ist, sich für den falschen nicht zu schämen. Andrea Blumör

zeichnet im Laufe der Ausstellung das Geschehen um ihn herum auf, und zwar zeichnerisch (auf-zeichnen). Die Blätter füllen sich ohne den korrigierenden Blick auf das Papier. Der Künstler strebt kein Abbild seiner Umgebung, sondern vielmehr die zeichnerische Reaktion auf Wahrnehmungen, Empfindungen und Klänge an. Diese Herangehensweise wendet Werres oft an und nennt das Ergebnis »ambulante Zeichnungen«. Sie entstehen unterwegs, auf Konzerten, beim Fahren und Gehen sowie in Ausstellungsräumen. Helmut Werres studierte freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf und an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst Braunschweig.


Ana

Karaminova

Nach dem Studium der Kunstgeschichte an der HumboldtUniversität zu Berlin promovierte Ana Karaminova an der FriedrichSchiller-Universität Jena und ließ sich an der Universität der Künste Berlin zur Kuratorin weiterbilden. Sie ist Dozentin für Kunstgeschichte an der Academy of Visual Arts Frankfurt am Main.

Dr. Ana Karaminova geht in ihrer kunsthistorischen Arbeit den Fragen nach den Verbindungen zwischen Kunstwerken und aktuellen gesellschaftlichen Diskursen nach. Auf theoretischer Ebene verfasst sie Kunstanalysen in Katalogen, Zeitschriften und Sachbüchern; auf praktischer Ebene kuratiert sie Ausstellungen, organisiert und spricht als Gast auf »Art Talks« über aktuelle Kunstthemen. Sie moderiert Podiumsdiskussionen und hält auf Einladung Vorträge über zeitgenössische Kunst. Den Bezug zwischen Kunst und (Zeit-)Geschichte stellt Karaminova als Kunstvermittlerin im Rahmen von Museums- und Ausstellungsführungen her. Sie gründete zusammen mit Katja Vedder die Kunstinitiative ART OBJECTIVE (www.art-objective. com) mit Sitz in Hamburg und Frankfurt am Main, die sich als Vermittlungsstation zwischen Künstler*innen und Kulturinstitutionen sowie Ausstellungshäusern versteht.


IMPRESSUM Erschienen anlässlich der Aktion · Performance · Ausstellung salonfähig von EULENGASSE für ∑ summe – dem Festival Baseler Projekträume 2019 Preview: 11. 25. 26. 27. Okt. 2019 Ausstellungsraum EULENGASSE, Frankfurt am Main Kunstfestival ∑ summe 19 Basel: 2.-3. Nov. 2019 Ausstellungshalle FABRIKculture, Hégenheim /F. Kuratierung und Orgateam Andrea Blumör, Vládmir Combre de Sena, Harald Etzemüller, Cornelia F.Ch. Heier, Sabine Imhof Publikation und Werkapparat Text: Dr. Ana Karaminova, Kunsthistorikerin Gestaltung: Vládmir Combre de Sena, zukunftssysteme gbr FOTOGRAFIE © Harald Etzemüller, © Vládmir Combre de Sena, © Paul Valentin Munch, © Sabine Imhof, © CaBri, © Mrs. Velvet G.Oldmine, © Petra Schott Herausgeber EULENGASSE Verein zur Förderung zeitgenössischer Kunst und Kultur e.V. Seckbacher Landstraße 16 60389 Frankfurt am Main · Germany www.eulengasse.de

Förderung Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main Ministerium für Wissenschaft und Kunst Hessen Dank Antagon Theater, Frankfurt am Main Autozentrum Schäfer, Maintal Film- und Kinobüro Hessen Clément Stehlin, FABRIKculture Jasmin Glaab, kunsthallekleinbasel für die Vermittlung und unseren Übernachtungsgebern Ina und Bernd Die Verwendung oder Vervielfältigung der Texte und Bilder in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche Zustimmung nicht gestattet. © für die abgebildeten Werke und Texte bei den Künstler*innen © 2019 Dr. Ana Karaminova, Frankfurt am Main © 2020 EULENGASSE e.V., Frankfurt am Main


Fotos © Harald Etzemüller

EULENGASSE ist ein Kunstverein in

EULENGASSE est une association

Frankfurt am Main, der Künstlern und

d’art contemporain en Francfort-sur-

Interessierten an zeitgenössischer Kunst

le-Main, qui offre aux artistes et à tous

und Kultur eine Plattform bietet und

ceux qui s’intéressent à l’art et à la

sich der Vermittlung zeitgenössischer

culture contemporaine, une plate-

Kunst widmet.

forme pour s’exprimer, et se dédie à la

Der 2003 von Künstlern gegründete

médiation de l’art en train de se faire.

Verein betreibt einen Ausstellungsraum

L’association, fondée en 2003 par un

im Stadtteil Bornheim und unterhält

collectif d’artistes, gère un centre d’art

Arbeitsräume für Mitglieder.

à Francfort, et mets à la disposition de

EULENGASSE ist darauf ausgerichtet,

ses membres des espaces de travail.

einen diskursiven Freiraum zu eröffnen,

EULENGASSE ouvre un espace de

unabhängig vom Kunstmarkt, als

réflexion et d’échange, indépendant

Schaufenster in die Öffentlichkeit

du marché de l’art, et a vocation à être

gerichtet.

une vitrine pour le public.

salonfähig von EULENGASSE für Summe – dem Festival Baseler Projekträume 2019 auf Einladung von FABRIKculture mit freundlichem Dank an kunsthallekleinbasel für die Vermittlung


Fotos © Harald Etzemüller

EULENGASSE ist ein Kunstverein in

EULENGASSE est une association

Frankfurt am Main, der Künstlern und

d’art contemporain en Francfort-sur-

Interessierten an zeitgenössischer Kunst

le-Main, qui offre aux artistes et à tous

und Kultur eine Plattform bietet und

ceux qui s’intéressent à l’art et à la

sich der Vermittlung zeitgenössischer

culture contemporaine, une plate-

Kunst widmet.

forme pour s’exprimer, et se dédie à la

Der 2003 von Künstlern gegründete

médiation de l’art en train de se faire.

Verein betreibt einen Ausstellungsraum

L’association, fondée en 2003 par un

im Stadtteil Bornheim und unterhält

collectif d’artistes, gère un centre d’art

Arbeitsräume für Mitglieder.

à Francfort, et mets à la disposition de

EULENGASSE ist darauf ausgerichtet,

ses membres des espaces de travail.

einen diskursiven Freiraum zu eröffnen,

EULENGASSE ouvre un espace de

unabhängig vom Kunstmarkt, als

réflexion et d’échange, indépendant

Schaufenster in die Öffentlichkeit

du marché de l’art, et a vocation à être

gerichtet.

une vitrine pour le public.

salonfähig von EULENGASSE für Summe – dem Festival Baseler Projekträume 2019 auf Einladung von FABRIKculture mit freundlichem Dank an kunsthallekleinbasel für die Vermittlung