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4/2012

Vom Gl端ck, mit Tieren zu leben Besuch aus der Ukraine

Damit Tierschutz eine Zukunft hat!

Der Zoo - Gefahr f端r Mensch und Tier? Eine Alternative


Inhalt

Inhalt Seite Seite

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Inhalt Editorial

Seite 28 Mehr Akzeptanz für den Prügelknaben der Nation

Focus Seite

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Umwelt

Vom Glück, mit Tieren zu leben

Seite 26 Seite 28

In eigener Sache Seite 7 Seite 8 Seite 10

Treffen der Tierfreunde auf Hof Wiesenfeld Besuch aus der Ukraine Der ETN-Tierärztepool und seine Kastrationsaktionen

Goodbye, Glühbirne! Mehr Akzeptanz für den Prügelknaben der Nation

Service Seite 31 Seite 32 Seite 34

Hilfe, meine Katze frisst den Weihnachtsbaum! Für Kids - Respektierchen Serie "Giftpflanzen" - Teil 1: Immergrüne Pflanzen Zähneputzen beim Hund Serie "Artgerechte Tierhaltung" - Teil 1: Kaninchen - Allgemeines und Ernährung Zusammen ist man weniger allein

Seite 37 Seite 39 Seite 8 Besuch aus der Ukraine

Seite Seite Seite Seite

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Partner Seite 44

Tierschutzverein "Menschen für Tiere e.V. Nümbrecht" Hunde des Vereins "Menschen für Tiere e.V. Nümbrecht" suchen ein Zuhause Fünfzehn Jahre "Aktive Tierfreunde e.V."

Seite 45

Magazin Seite 14 Seite 18

Seite 42

Animal Hoarding - Ein aktueller Fall Das Schicksal der ukrainischen Straßentiere nach der EM Hunde aus der Ukraine suchen ein Zuhause Eine Welt im Dreiklang - Teil 1 Emil hat ein Zuhause! Der Zoo - Gefahr für Mensch und Tier? Eine Alternative

Seite 46

News Seite 49

News • Hilfstransport nach Rumänien • Protest in Berlin anlässlich der Novellierung des Tierschutzgesetzes • Besuch des Kinderheims "Pauline von Mallinckrodt" auf Hof Huppenhardt

Seite 49 News

Impressum Herausgeber

Redaktion

Europäischer Tier- und Naturschutz e.V. Hof Huppenhardt, D - 53804 Much Tel.: 0 22 45 - 61 90-0 Fax: 0 22 45 - 61 90-11 eMail: info@etn-ev.de VR 2454, Amtsgericht Siegburg Der ETN e.V. ist als gemeinnützig und besonders förderungswürdig annerkannt.

Julia Vasbender eMail: j.vasbender@etn-ev.de Tel.: 0 22 45 - 61 90-0

Mitgliederverwaltung ETN e.V.: Hof Huppenhardt, D - 53804 Much Tel.: 0 22 45 - 61 90-17 Fax: 0 22 45 - 61 90-11 eMail: mitgliederbetreuung@etn-ev.de

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ETN im Internet www.etn-ev.de Layout & Gestaltung Iris Kater Verlag & Medien GmbH Kater-PR • Viersen • www.kater-pr.de

Alle Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt. Für unverlangt eingesandte Beiträge übernehmen Herausgeber und Redaktion keine Gewähr. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen und/oder zu überarbeiten. Der Bezugspreis ist im Mitgliedspreis enthalten. Respektiere ist auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt. Cover - Jörg Beerhorst/pixelio

Druck Hofmann Druck GmbH & Co. KG 90411 Nürnberg

Respektiere


Editorial

Liebe Mitglieder und Freunde des ETN!

Dieter Ernst

Jedes Jahr sagen wir, dass das vergangene Jahr für die Tiere und uns Tierschützer besonders schwer war. 2012 traf dies leider erneut zu!

habe ich selbst in der Ukraine und anderen Ländern Osteuropas nicht gesehen. Hier kämpfen wir noch heute für schätzungsweise eintausend Tiere.

Frau Aigner, unsere Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, hat einen neuen Entwurf zum Tierschutzgesetz vorgelegt, der für jeden empörend ist, der sich wirklich mit Tierschutz beschäftigt. Mit Pressekonferenzen, Offenen Briefen und Demonstrationen kämpfte der ETN e.V. gegen Neuerungen und Versäumnisse in diesem Gesetz, die einmal mehr zeigen, dass Frau Aigner als Ministerin eher die Interessen von Lobbyisten denn die des Tierschutzes vertritt. So soll beispielsweise die betäubungslose Kastration von Ferkeln weitere fünf Jahre erlaubt sein; dies beträfe bis zum Jahr 2017 noch rund zehn Millionen Tiere! Auch tausendfache andere Verstümmelungen von Tieren in Massentierhaltungen werden weiterhin gebilligt. Schon im Sommer hatte die EU Verordnungen im Sinne von Bauernverbänden und der Pharmaindustrie abgeändert, und Frau Aigner möchte nun nachziehen! Obwohl das Thema immer aktueller wird, findet sich im neuen Gesetzentwurf auch kein Verbot der Sodomie. Hierbei handelt es sich sicherlich um eines der größten Versäumnisse der Ministerin.

In vielen Ländern des europäischen Auslands arbeiten Parlamente an der Wiedereinführung von Tötungsgesetzen für Straßentiere, so beispielsweise in Serbien, Bulgarien und der Türkei. Der Schwerpunkt des ETN e.V. ist in allen Ländern vorrangig HILFE VOR ORT. Deshalb haben wir unsere Kastrationsaktionen im Jahr 2012 erheblich ausgeweitet und uns auch stärker als zuvor auf osteuropäische Brennpunkte konzentriert. Praktische Hilfe leisteten wir durch Sachspenden und der Unterstützung von Projekten vor Ort; politische Aufklärungsarbeit leisteten wir zusammen mit unserer ETN-Botschafterin Maja von Hohenzollern. So konnten in einigen Städten der Ukraine wertvolle Verbesserungen erreicht werden.

Versäumnisse von Gesetzgebern und Behörden müssen wir auch immer wieder bei Fällen von Animal Hoarding feststellen. Es gibt fast keinen Amtsveterinärsbezirk in Deutschland, in dem keine Fälle von Animal Hoarding bekannt sind, und leider sieht das Veterinäramt oft hilflos zu. Sie alle kennen sicher unsere ETN-Reportage aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort berichteten wir über einen aktuellen Fall, dem auch in dieser Ausgabe von „Respektiere“ ein Artikel gewidmet ist. Solche Zustände wie bei diesem Animal Hoarder

Respektiere

Auch im nächsten Jahr geht unser Einsatz für die Tiere und die Natur unvermindert weiter. Bis dahin wünsche ich Ihnen frohe und friedliche Weihnachten und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2013. Bitte nehmen Sie sich ein wenig Zeit für unser neu gestaltetes Journal und bleiben Sie dem ETN e.V. verbunden - im Interesse vieler leidender und gequälter Tiere. Mit freundlichen Grüßen Ihr

Dieter Ernst ETN-Präsident

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Focus

Vom Glück, mit Tieren zu leben Als Tierfreund und Halter eines oder mehrerer Haustiere bekommt man von Zeit zu Zeit die Frage gestellt, warum man sich das eigentlich antut.

Bild: Oliver Haja/pixelio

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in Tier verursacht Kosten, und die Pflege ist zeitaufwendig und manchmal auch sehr anstrengend. An Hund, Katze oder Kleintier verdient der Tierhalter nur in selteneren Fällen Geld, und es gibt zudem immer mehr Menschen, die „Nutz“tiere wie Schafe oder Ziegen halten, ohne an ihren Schützlingen zu verdienen. Auch in einem tierfreundlichen Land wie Deutschland erntet man dafür oft nur Kopfschütteln. Doch die Frage nach dem „Warum?“ stellt sich einem Tierfreund, der völlig selbstverständlich seine gesamte Freizeit mit seinen Tieren verbringt, nicht. Beim Blick in die Augen seines Tieres beantwortet sich die Frage von selbst. „Man kann ohne Hunde leben, es lohnt sich nur nicht!“ Dieser Satz, der natürlich nicht nur auf Hunde anwendbar ist, stammt von Heinz Rühmann und bringt die Sache

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auf den Punkt: Ein Tier bereichert das Leben. Es ist dankbar für jede Zuwendung und belohnt seinen menschlichen Gefährten, indem es jeden positiven Zuspruch erwidert. Es gibt kaum etwas Schöneres als die Dankbarkeit eines Tieres, das beispielsweise Jahre seines Lebens in schlechter Haltung verbracht hat und dann bei einem Tierfreund ein neues Zuhause findet. „Mit einem kurzen Schweifwedeln kann ein Hund mehr Gefühl ausdrücken als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.“ (Louis Armstrong)

Mit wenigen Gesten kann uns ein Tier ein Lächeln aufs Gesicht zaubern; Tiere wirken sich einfach positiv auf die Psyche des Menschen aus. Die Anwesenheit eines Haustieres sorgt für eine entspanntere Atmosphäre innerhalb der Familie, und Forscher haben schon

vor einigen Jahren herausgefunden, dass die Präsenz tierischer Gefährten außerdem blutdrucksenkend wirkt. Menschen, die mit Tieren zusammenleben, werden älter und sind im Durchschnitt gesünder. Kinder, die mit Tieren aufwachsen, lernen Verantwortung zu übernehmen und haben weniger Allergien. Dabei kommt es nicht darauf an, welches Tier man zum Gefährten auserkoren hat. Ob Hund, Schaf, Ratte oder Bartagame - ein jedes Tier bereichert das Leben seines Halters auf seine Weise. Nicht umsonst arbeitet man in der tiergestützten Verhaltenstherapie bei Kindern und Erwachsenen auch mit anderen Tieren als mit Delphinen. Und selbst wenn man all diese medizinischen Nebeneffekte einmal außer Acht lässt: Haustiere sind einfach gut für uns und aus dem Leben vieler Menschen kaum noch wegzudenken.

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Focus „Man kann in die Tiere nichts hineinprügeln, aber man kann manches aus ihnen herausstreicheln.“ (Astrid Lindgren)

Tiere wissen genau, wer es gut mit ihnen meint. Hunde haben beispielsweise im Laufe ihrer Domestikation gelernt, menschliche Mimik und menschliches Verhalten zu deuten. Am Max-PlanckInstitut für evolutionäre Anthropologie hat man herausgefunden, dass bereits Welpen in der Lage sind, die Bewegungen eines Menschen zu deuten. Jeder, der ein Haustier - ganz gleich welcher Art - hat, weiß von einem Moment zu berichten, in dem das Tier genau den richtigen Weg gefunden hat, ihn zu trösten, aufzuheitern oder ihm Gesellschaft zu leisten. Tiere bleiben an der Seite ihres Menschen, auch wenn sich dessen menschliche Freunde längst von ihm abgewandt haben. Für einsame und ältere Menschen ist ein Haustier oft der einzige Freund, und das Gefühl, für ein Tier verantwortlich zu sein, gibt ihnen Selbstbewusstsein.

beide, Sammy mit sechzehn und Raudi mit neunzehn Jahren, überraschend verstarben, war die Wohnung sehr leer. Man schaut automatisch immer wieder zur Terassentüre - sie müssten ja gleich wiederkommen - aber es tut sich nichts. Um die plötzliche Leere zu überbrücken, habe ich angefangen, den Hund Rocko meiner Bekannten auszuführen; er saß sehr oft alleine Zuhause. Die Spaziergänge haben mir sehr viel Spaß gemacht, und irgendwann dachte ich, es wäre doch schön, wieder einen eigenen Hund zu haben. Eines Tages erhielt ich dann die Zeitschrift vom ETN und fand darin Linda, einen Hund aus Kiew, der sehr viel Schlechtes erlebt hatte,- diese Augen hatten es mir angetan! Flugs ans Telefon und nachgefragt, ob Linda noch da ist; und wir hatten Glück. Lange Rede, kurzer Sinn: Linda ist jetzt bei uns, und sie ist unser kleiner Sonnenschein. Wir sind alle glücklich,

holen ihn jeden Tag zu einem großen Spaziergang ab. Christiane Olligschläger, ETN-Mitarbeiterin, nimmt vor allem alte Tiere oder Hunde mit Handicap auf: 1557- nur eine Nummer in einem überfüllten polnischen Tierheim... Als ich im Internet Tierheime im In- und Ausland nach Langzeitinsassen, alten Hunden oder solchen mit Handicap durchstöberte, wurde ich auf einen kleinen, blinden Dackel-SchäferhundMischling aufmerksam, den ich Sam taufte. Kürzlich war einer meiner drei Hunde-Veteranen gestorben, und so konnte ich einem anderen Notfall eine Chance geben. Aber gleich ein blinder Hund? Würde mein altes Rudel damit zurechtkommen? Würde sich Sam mit seinem Handicap einleben können? Wäre er nicht besser als Einzelhund

Die Beziehung zum geliebten Haustier ist für die meisten Menschen etwas ganz Besonderes. Im Folgenden berichten einige Tierhalter über die mit ihren Haustieren gemachten Erfahrungen und davon, wie diese Tiere ihr Leben bereichert haben. Bild: sxc

Frau Schulz (Hamburg), ETN-Mitglied, hat einen Hund aus der Ukraine adoptiert: Ich hatte immer gerne Tiere im Haus. Zuletzt einen Hund Bild: BettinaF/pixelio und zwei Katzen. Nachdem mein Hund Lutzi, sie kam auch aus einem Tierheim, mit siebzehn Jahren verstorben war, hatte ich noch meine beiden Katzen Sammy und Raudi. Als

Respektiere

sie zu haben, und die Tage sind wieder ausgefüllt. Meinen Freund Rocko, der mir über die dunkle Zeit hinweggeholfen hat, habe ich nicht vergessen: Wir

in einer Familie aufgehoben? Nein, denn nachdem ich Sams Vermittlungstext gelesen hatte war klar, dass niemand sonst ihn aufnehmen würde. Es war eine der besten Entscheidungen, die ich je in meinem Leben getroffen habe. In ganz kurzer Zeit prägte sich Sam den kompletten Tagesablauf im neuen Zuhause ein. Seine Ohren, ständig aufgestellt, ersetzten hervorragend sein Augenlicht. Die morgendlichen Spaziergänge waren für ihn immer das Größte. Selten wich er mir mehr als ein paar Meter von der Seite. Eines Morgens entdeckte Sam aber eine

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Focus Wildspur und - komplett in Gedanken versunken - bekam ich nicht gleich mit, dass plötzlich nur noch zwei Hunde an meiner Seite waren. Der Schreck saß tief: Mein blinder Hund war alleine unterwegs! Nur die Stimme konnte helfen. Ich rief „Saaaaaaaaaaaam, Saaaaaaaaaaaaaaaaaam!“, und es dauerte nicht lange, und ich sah ihn auf einem Hügel, seine Ohren gingen wie das „Rundsichtradar“ eines Schiffs. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Er ortete meine Rufe sofort und rannte in einem Höllentempo in meine Richtung. Seine kleinen Beinchen flogen regelrecht durch die Luft. Welch blindes Vertrauen dieser kleine Kerl hatte! Bei mir angekommen, warf er sich mir zu Füßen und freute sich irrsinnig. An diesem Morgen wurde mir ganz warm ums Herz, und ich liebte diesen kleinen, blinden Hund noch mehr für sein Wesen.

dem alten, kranken und behinderten Hund zumindest für kurze Zeit ein artgerechtes Leben gegeben habe. Heute denke ich immer noch an Sam - 1557-, nur eine Nummer aus einem polnischen Tierheim.

Doch nach nicht einmal einem Jahr stellte mein Tierarzt einen Lungenfehler fest, und der kleine, blinde Sam verstarb. Aber diese paar Monate waren für ihn einfach alles, und mir ist mal wieder bewusst geworden, dass ich richtig gehandelt hatte, indem ich Bild: Martin Schemm/pixelio

Wenn auch Sie originelle, lustige, spannende oder einfach nur schöne Geschichten von Ihren Tieren zu erzählen haben, dann schreiben Sie uns per Mail an respektiere@etn-ev.de

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oder per Post an Europäischer Tier- und Naturschutz e.V. Hof Huppenhardt / Todtenmann 8 53804 Much

Bitte nutzen Sie das Stichwort „Lesergeschichte“. Ihr Text sollte nicht länger als eine DIN-A4-Seite sein, gerne mit Bildern. Die schönsten Geschichten werden wir dann in den nächsten Heften veröffentlichen.

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In eigener Sache

Treffen der Tierfreunde auf Hof Wiesenfeld

Das Team unseres Tierschutzhofes „Hof Wiesenfeld“ in Bad Karlshafen veranstaltete auch in diesem Sommer unter dem Motto „Tierfreunde-Treffen“ wieder ein Fest, zu dem Interessierte, Freunde und Förderer eingeladen waren. ein neues Zuhause warten, wurden auf dem Agility-Platz vorgestellt und präsentierten sich bei strahlendem Sonnenschein von ihrer Schokoladenseite.

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ie Gäste erschienen zahlreich auf Hof Wiesenfeld; es fanden sich bekannte, aber auch einige neue Gesichter. Besonders freuten sich die Mitarbeiter über ein Wiedersehen mit ehemaligen Schützlingen des Tierschutzhofes und ihren neuen Haltern. Viele Gäste, die selbst über die Aufnahme eines Tieres nachdachten, nutzten den Tag der offenen Tür auch, um die Hunde und Katzen von Hof Wiesenfeld kennenzulernen. Hunde, die schon lange im ETN-Tierheim auf

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Kaffee und Kuchen, Würstchen und Salaten war wieder für jeden etwas dabei, und auch die Tombola-Lose waren bald ausverkauft.

Neben Informationen zu den Tieren von Hof Wiesenfeld erfuhren die Besucher auch allerlei Wissenswertes über das Verhalten und Wesen von Hund und Katze. Im Katzenhaus infor- Auch die Vierbeiner fühlten sich auf Hof Wiesenfeld wohl. mierten ETN-Mitarbeiter über die Abstammung und Geschichte unserer Hauskatze und Das „Tierfreunde-Treffen“ auf Hof Wieden Unterschied von Haus- und Wild- senfeld war eine rundum gelungene katze. Großer Andrang herrschte auch Veranstaltung und weckte sowohl bei bei den Mitarbeitern der Hundeschule den Besuchern als auch bei der Presse Koch, die Informationen zum Jagdver- großes Interesse an der Arbeit und den halten und der Erziehung von Hunden Schützlingen des ETN e.V. mit Jagdtrieb gaben. Bei Kaltgetränken,

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In eigener Sache

Besuch aus der Ukraine Damit Tierschutz eine Zukunft hat - Die Kinder aus Lugansk

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n den letzten Heften berichteten wir schon oft über den Einsatz des ETN e.V. in der Ukraine. Neben unserem Engagement in Kiew arbeiten wir mit der Rinat Akhmetov-Stiftung „Entwicklung der Ukraine“ in Donetsk zusammen, und auch in Lugansk, der östlichsten Großstadt des Landes, engagierte sich der ETN (siehe Heft 2/2012). Besucher aus allen drei Wirkungsorten des ETN waren nun im Sommer dieses Jahres zu Besuch auf unseren beiden Tierschutzhöfen. Bei unserem letzten Besuch in Lugansk lernten wir die Schüler der Schule Nr. 20 kennen. Maja von Hohenzollern und Dieter Ernst besuchten eine Preisverleihung der Schule, bei der verschiedene Kinder für ihre Tier- und Naturschutzprojekte ausgezeichnet wurden. Als Belohnung für ihr Engagement lud die ETN-Botschafterin Prinzessin Maja von Hohenzollern diese Schüler spontan nach Deutschland ein, um ihnen die Tierschutzarbeit vor Ort zu zeigen.

Im Tierpark Sababurg

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Dreizehn Schüler im Alter von zehn bis sechzehn Jahren wurden ausgewählt und reisten mit der Schulleiterin der Schule Nr. 20, Iryna Prykhodko, und einem weiteren Betreuer an. Am ersten Tag des Besuches stand eine Besichtigung des ETN-Gnadenhofes Hof Huppenhardt in Much auf dem Programm. Die Kinder waren verblüfft, wie viel Platz den Tieren hier geboten wird. Die Tatsache, dass auf Hof Huppenhardt vor allem alte und kranke Tiere versorgt werden, ohne dem Verein einen finanziellen Nutzen einzubringen, erstaunte sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen besonders. In der Ukraine ist es nicht üblich, Großtiere zu halten, wenn sie dem Menschen keinen Ertrag mehr einbringen, und so war der Besuch auf Hof Huppenhardt eine lehrreiche Erfahrung für unsere Gäste. Am Abend besuchte die Gruppe den Balsamhof in der Nähe von Engelskirchen. Dort sind neben bedrohten Haustierrassen auch zahlreiche Lamas und Alpakas zuhause. Die Inhaberin des Hofes, Sandra Ost, klärte ausführlich über das Wesen und die artgerechte Haltung dieser Kamelarten auf, und bei der anschließenden Wanderung konnten die Kinder mit den Lamas auf Tuchfühlung gehen. Ein Erlebnis, das sie sicherlich nicht so schnell vergessen werden. Natürlich durfte auch ein Besuch auf Hof Wiesenfeld, dem ETN-Tierheim für Hunde und Katzen, nicht fehlen. In der Ukraine gibt es nur wenige größere

Tierheime, und die Lebensbedingungen der Tiere sind dort oft sehr schlecht. Hof Wiesenfeld vermittelte den Kindern ganz neue Eindrücke davon, wie ein Tierheim aussehen und wie man auch mit wenig Aufwand für das Wohlergehen der Schützlinge sorgen kann. In Zukunft werden die Schüler die Tierheime der Ukraine sicher mit anderen Augen sehen.

Hängebauchschwein Wurzel auf Hof Huppenhardt freut sich über die Streicheleinheiten der Kinder aus Lugansk.

Ein Besuch im Tierpark Sababurg, einem der ältesten Tierparks Europas, rundete das Programm thematisch ab. Auf einem riesigen Areal beherbergt der Tierpark Sababurg in der Nähe von Kassel neben Wildtieren auch verschiedene bedrohte Nutztierrassen. Die Gehege der Tiere sind sehr weitläufig und mit den Zoos, die die Kinder aus der Ukraine kennen, nicht vergleichbar. Die Schüler der Schule Nr. 20 waren von der Tierschutzarbeit, die in Deutschland geleistet wird, vollauf be-

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In eigener Sache geistert und werden sich in ihrer Heimat auch weiterhin für ihre Mitgeschöpfe einsetzen. Der ETN e.V. wird die Schule Nr. 20 auch in Zukunft unterstützen und zusammen mit den Lehrern und der Ökologiebehörde der Region Lugansk ein Projekt ausarbeiten, das den Tierschutz fest in der Bildungsarbeit und dem öffentlichen Leben der Region Lugansk verankern soll. Donetsk Ein nachahmenswertes Projekt Auch in fachlichen Fragen war der ETN e.V. den Tierschützern aus der Ukraine behilflich. Nachdem sich bereits Anfang des Jahres ein ETN-Expertenteam in Donetsk aufhielt, um der AkhmetovStiftung bei der Durchführung ihrer Tierschutzprojekte beratend zur Seite zu stehen, waren jetzt Mitarbeiter der Stiftung zu Gast in Deutschland. Drei Experten aus Donetsk, darunter eine leitende Tierärztin sowie die Leiterin einer Tierklinik und der Leiter für Tierheimbau aus Kiew, kamen nach Deutschland, um sich vor Ort die Bauweise der ETN-Tierschutzhöfe anzusehen. Fachliche Fragen zum Thema Tierheimbau wurden von Ingenieur und ETN-Ehrenpräsident Heinz Wiescher beantwortet. Neben baulichen Fragen konnten die Tierärzte der Delegationen auch praktische Erfahrungen in der tierärztlichen Praxis Gut Bergerhof von Dr.med.vet. Pingen und Navarra in Pulheim sammeln, wo sie Herrn Dr. Navarra bei Operationen über die Schulter schauen konnten. Der erfolgreiche Ausgang beider Besuche zeigt wieder einmal, wie wichtig internationale Zusammenarbeit im Tierschutz ist. Mit Hilfe des ETN e.V. ist es der Akhmetov-Stiftung in Donetsk gelungen, ein wegweisendes Kastrationsprojekt zu starten, und die Kinder von Lugansk werden sich nach dieser positiven Erfahrung sicherlich auch weiterhin im Tierschutz engagieren.

Respektiere

Dieter Ernst (Mitte) mit Schülergruppe aus Lugansk und deren Betreuern vor den Toren von Hof Huppenhardt

Dieter Ernst (2.v.l.), Heinz Wiescher (4.v.r.) und ETN-Übersetzerin Polina Balitser (ganz rechts) mit den Delegationen aus Donetsk und Kiew auf Hof Wiesenfeld

Schulleiterin Irina Prykhodko präsentiert stolz ihren ETN-Tierschutzpreis.

Beim Lamatrekking in Hollenberg

Schülergruppe aus Lugansk beim Lamatrekking

Im Tierpark Sababurg konnten freifliegende Wellensittiche gefüttert werden.

Heinz Wiescher erläutert den Delegationen aus Donetsk und Kiew in Bad Karlshafen das Baukonzept von Hof Wiesenfeld.

Im Katzenhaus von Hof Wiesenfeld

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In eigener Sache

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er ETN e.V. ist besonders stolz auf seinen vereinseigenen Tierärztepool, der seit seinem Bestehen die Kastration von Hunden und Katzen im fünfstelligen Bereich möglich machte. In Zahlen: Von 2004 bis

stellt gewisse Anforderungen an die Situation vor Ort, die vor allem in kleinen Tierheimen manchmal schwer zu erfüllen sind. So ist ein separater Raum, in dem der OP-Bereich steril gehalten werden kann, Grundvoraussetzung für

stellt dabei in manchen osteuropäischen Ländern wie beispielsweise der Ukraine ein Problem dar, da die Qualität des Nahtmaterials oft zu wünschen übrig lässt. Ein Teil der Materialien wird meist von unseren Tierärzten gekauft

Der ETN-Tierärztepool und seine Kastrationsaktionen 2011 wurden in zehn verschiedenen Ländern innerhalb und außerhalb der EU einundsiebzig Kastrationsaktionen durchgeführt. Das Jahr 2010 war mit insgesamt vierzehn erfolgreichen Aktionen der Spitzenreiter in unserer Liste.

ETN-Tierärztin bei der Arbeit

In jenem Jahr war unser Tierärzteteam erstmalig auch in Afrika (Ägypten) tätig. Allein im Jahr 2011 wurden beinahe 3.000 Hunde und Katzen kastriert und medizinisch versorgt. Klingt toll,- ist es auch. Aber man sollte sich dennoch einmal vor Augen führen, welchen organisatorischen Aufwand jede einzelne Aktion erfordert, ganz zu schweigen von den bürokratischen und finanziellen Anforderungen. Hier ein kleiner Einblick: Unsere Tierärzte sind sehr flexibel, aber auch sie können nicht überall arbeiten. Eine Kastrationsaktion

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eine erfolgreiche Aktion. In überfüllten Tierheimen ist es aber manchmal schon ein Problem, überhaupt einen freien Raum zu finden, geschweige denn einen, der ein Minimum an sauberem Arbeiten und zudem Elektrizität und fließendes Wasser gewährleistet. Im Laufe ihrer Einsätze mussten unsere Tierärzte deshalb die eigentümlichsten Orte zu OP-Räumen umfunktionieren. Ställe, Lagerräume, Garagen und Wo h n z i m m e r sind da nur einige Beispiele. Neben dem OP-Raum benötigen die Tiere auch einen Aufwachbereich, der über ein gewisses Maß an Sauberkeit verfügen muss, und in dem man die Tiere gut unter Kontrolle hat. Für eine Kastrationsaktion werden im Durchschnitt zwanzig verschiedene Medikamente benötigt, denn die Tiere werden nicht nur narkotisiert und kastriert, sondern auch geimpft, gegen Parasiten behandelt und bei Bedarf mit Antibiotika und Vitaminpräparaten versorgt. Zusätzlich sind ungefähr dreißig verschiedene Verbandsmaterialien, Nadeln und anderes Zubehör nötig. Besonders die Beschaffung von resorbierbaren Fäden

und zur Kastrationsaktion mitgebracht, falls dies im Land erlaubt und organisatorisch möglich ist. Ansonsten müssen notwendige Materialien vor Ort besorgt werden, und der ETN e.V. ist natürlich dankbar für jedwede Unterstützung seitens der betreffenden Gemeinden. Helfer sind bei jeder Aktion herzlich willkommen, für den Fang von Streunern aber auch zwingend vonnöten. Die ETN-Tierärzte stehen über zwölf Stunden lang am OP-Tisch und haben daher keine Zeit, die Tiere selbst zu fangen und zu transportieren. Außerdem gelingt dies ortskundigen Helfern, die über die Lieblingsplätze der Hunde

Ein zum OP-Saal umfunktioniertes Wohnzimmer

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In eigener Sache und Katzen Bescheid wissen, wesentlich besser. In den vielen verschiedenen Ländern müssen unsere Tierärzte auch mit den unterschiedlichsten Mentalitäten zurechtkommen. Sie müssen versuchen, sich darauf einzustellen und entspannt und geduldig zu erklären, was sie tun, und was sie von den Helfern und Tierhaltern vor Ort erwarten. Rangeleien zwischen wartenden Menschen, die ihr Tier kastrieren lassen wollen, müssen ebenso bewältigt werden wie Tierhalter, die darauf bestehen, dass es für die Heilung einer OP-Wunde gut sei, wenn das Tier daran leckt. Auf all diese großen und kleinen Hindernisse müssen sich die Tierärzte des Ärztepools einstellen, und man merkt schnell, dass die Arbeit vor Ort wenig mit dem Alltag in einer Tierarztpraxis gemein hat.

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Dazu einige kurze Anekdoten aus den Einsätzen unseres ETNTierarztes Dr. Antov: „Bei einem Projekt in Litauen arbeiteten wir unter sehr harten Bedingungen. Wir kastrierten in einem alten Haus ohne fließendes Wasser, nichts war, wie es sein sollte, und wie es abgesprochen worden war. Aber abgesehen von den schweren Arbeitsbedingungen lief alles glatt - bis wir einen sechzig Kilogramm schweren Rottweiler operieren sollten. Alles begann normal, doch irgendwann kurz vor Ende der OP hörten wir ein lautes Knirschen und Scheppern. Wir waren gerade dabei, die letzte Naht anzusetzen, dann der Lärm, und einen Moment später merkten wir, dass zwischen unseren Händen nichts mehr war - kein Patient, kein Tisch, nur unsere dummen Gesichter. Und als wir nach rechts blickten, sahen wir einen unserer Helfer, der mit Schweißperlen auf der Stirn einen betäubten Rottweiler samt Tischkante stemmte. Was war passiert?

Der Fuß des Tisches war unter dem Gewicht des Rottweilers gebrochen, abgesackt und dann zur Seite gekippt. Allein der blitzschnellen Reaktion unseres Helfers war es zu verdanken, dass die Tischplatte nicht mitsamt Rottweiler auf dem Boden gelandet war. Nun stützte der arme Mann mit allen Kräften Tisch und Patient, und wir stellten uns die Frage: Wie sollen wir die OP beenden? Die einzige Möglichkeit bestand darin, die letzte Naht auf dem Boden zu setzen. Also tauschten wir das komplette Besteck aus, platzierten den Rottweiler samt Tischplatte auf dem Boden, setzten uns daneben und beendeten die Operation erfolgreich. Alles verlief glatt, und dem Hund ging es gut. Nur die Besitzerin des Hundes hatte ein derart schlechtes Gewissen, weil ihr Rottweiler den Tisch zerstört hatte, dass sie uns von diesem Moment an jeden Tag mit Schokoladenbonbons versorgte. Das war eine der absurdesten Geschichten, die ich während meiner vielen Einsätze erlebt habe.“

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In eigener Sache „Eine ähnliche Geschichte widerfuhr uns in Belgrad. Dort arbeiteten wir in einer nagelneuen städtischen Tierklinik. Alles war neu, und der Operationssaal sah großartig aus. Das einzige Problem bestand darin, dass die Elektrik in dem Gebäude nicht richtig funktionierte. Es war Winter und sehr kalt. Also erklärte uns der Klinikleiter, dass wir zwischen einem beheizten OP-Saal, dem Licht und einem elektrischen Skalpell wählen müssten. Wenn wir Licht benötigten, konnten wir das Messer und die Heizung nicht nutzen. Wenn wir es warm haben wollten, begannen die Lampen wie in einem Horrorfilm zu blinken, und an den Einsatz des Skalpells war gar nicht mehr zu denken. Es war ein sehr eigenartiges Projekt, und oft geschah es, dass wir keine der drei Optionen mehr zur Ver-

fügung hatten, weil jemand, der die Eigenheiten der Elektrizität nicht kannte, Heizung und Licht gleichzeitig anstellte, und die Stromversorgung völlig zusammenbrach.“ „Ich erinnere mich auch an eine kuriose Geschichte in Bals, Rumänien. Während unserer Arbeit dort versuchten lokale Behörden und Organisationen alles, um die Medien dazu zu bewegen, eine Reportage über unser Projekt und den Tierschutzverein vor Ort zu drehen. Aber kein wichtiger TV-Sender interessierte sich für dieses Thema, obwohl ein Bericht sehr wichtig für die Stadt und die lokale Tierschutzarbeit gewesen wäre. Währenddessen bemerkte ich im Laufe der Kastrationsaktion, dass unsere OP-Bestecke von Tag zu Tag weniger wurden.

Und eines Tages hatten wir gar keine Instrumente mehr und konnten folglich nicht weiterarbeiten. Nachdem wir dem Tierschutzverein, dessen Tiere wir kastrierten, mitgeteilt hatten, dass jemand unser OP-Besteck stehle, hatten wir plötzlich die gesammelte Aufmerksamkeit aller Medien vor Ort. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Interviews gegeben; es ist schon eigenartig, welche Prioritäten die Medien manchmal setzen. Am Ende ging die Geschichte gut aus, denn einige unserer Instrumente tauchten wie von Geisterhand wieder auf, und wir konnten unsere Arbeit beenden.“ „Eine andere seltsame Geschichte erlebten wir mit den städtischen Hundefängern in Rumänien. Diese Hundefänger sollten uns eigentlich beim Fang von

Ein kleiner Patient

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Respektiere


In eigener Sache Straßentieren behilflich sein, waren allerdings alles andere als motiviert. Ich zerbrach mir den Kopf darüber, wie man die Leute dazu bewegen könnte, ihre Arbeit zu tun. Schließlich versprach ich jedem Hundefänger eine Flasche Wein, wenn er es schaffte, mir jeden Tag zwanzig bis dreißig Hunde zu bringen. Dieses Versprechen rettete die gesamte Aktion, und plötzlich konnten wir so viele Hunde behandeln wie nie zuvor. So schafften wir es, nahezu alle Streuner in diesem Gebiet zu kastrieren.“

Manche Patienten bedanken sich auf ihre Weise!

Richtigstellung In der Respektiere-Ausgabe 2/2012 unterlief der Redaktion beim Bericht „Tyler - Neues Leben mit einer neuen Hüfte“ (Seiten 14 - 17) ein Fehler. Abbildung 1 B sollte ein funktionierendes Hüftgelenk darstellen, wurde aber mit einer anderen Abbildung vertauscht. Die richtige Form der Darstellung wäre folgende gewesen:

Ferner zeigten wir das Röntgenbild aus Abbildung 4 in einer falschen Ausrichtung. Wir bitten dies zu entschuldigen. ........... Außerdem befand sich im Vorwort des ETN-Präsidenten Dieter Ernst ein sachlicher Fehler. Im Editorial wurde be-

Abb. 1: A) Komponenten des Hüftgelenkes; B) Funktionierendes Hüftgelenk

Respektiere

hauptet, dass die maximale Transportzeit von Nutztieren vom EU-Parlament auf acht Stunden beschränkt worden war; dies ist nicht richtig. Das Editorial wurde zu einem Zeitpunkt verfasst, als die Aussage von John Dalli, dem für Tiertransporte zuständigen EUKommissar, noch im Raum stand, die Transportzeit entsprechend beschränken zu wollen. Er versicherte Anfang Juni gegenüber Vertretern der ‚8-hoursKampagne‘ und zahlreichen Medien, dass eine Revision der geltenden Transportverordnung nötig sei. Als die Respektiere-Ausgabe 2/2012 bereits gedruckt war, leugnete John Dalli aber seine Aussage. Wenn im Editorial noch ein geringes Vertrauen in die Aussagen von Politikern mitschwang, so ist dieses nunmehr zerstört. Der ETN e.V. wie auch Millionen Tierfreunde waren maßlos enttäuscht über den Widerruf des Herrn Dalli. Nun muss der Kampf für eine zeitliche Beschränkung der Tiertransporte weitergehen.

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Magazin

Animal Hoarding Ein aktueller Fall In den letzten Jahren häufen sich in Deutschland Berichte über Animal Hoarding, der Sucht, Tiere zu sammeln. Animal Hoarder nehmen zwanghaft Tiere auf, lassen deren unkontrollierte Vermehrung zu und können

die große Anzahl an Tieren schnell nicht mehr angemessen versorgen. Die Sucht, Tiere zu horten, basiert auf einer psychischen Erkrankung der Betroffenen, und Animal Hoarder erkennen die Probleme in ihrer

Tierhaltung nicht. Und so steht am Ende das Leid dutzender oder gar hunderter Tiere - wie im Fall von Bauer Klaus, auf den der ETN e.V. im Sommer aufmerksam gemacht wurde:

fauligem Fisch. Mit diesem Abfall füttert Bauer Klaus seine Hühner und die fünfzehn Hunde.

zu zweit in rostigen Drahtzwingern mit heruntergekommenen Hütten. Trotz der sommerlichen Hitze bekommen die Tiere höchstens einmal am Tag Wasser, wenn man die braune, stinkende Brühe, die Klaus in alte Plastikwannen füllt, so nennen darf. Viele Hunde sind verängstigt, abgemagert und laufen

W

ir befinden uns bei Landwirt Klaus, wie er sich selbst gerne nennt, irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Dort, wo andere Menschen Urlaub machen, hält Klaus auf einem über sechzig Hektar großen Areal Nutz- und Haustiere. Nach eigenen Angaben hat Bauer Klaus bis zu eintausend Tiere auf seinem „Hof“, wobei Gänse, Hühner und anderes Federvieh den Großteil ausmachen. Daneben hält er Schafe, Ziegen, ein Pferd und fünfzehn Hunde in kleinen Zwingern. Als wir durch das verrostete Eingangstor auf das Gelände fahren, fallen uns sofort mehrere Schafe auf, die noch nicht geschoren sind. Und das im Juli, mit Temperaturen über 25° C. Die Tiere leiden enorm unter der Hitze, denn sie haben keinen Unterstand; viele hinken und haben Durchfall. Wir können sie nur aus der Ferne ansehen, aber schon auf den ersten Blick fällt auf, dass auch Landwirt Klaus die Tiere wohl nie von Nahem betrachtet. Auf dem Hof selbst schlägt uns ein furchtbarer Gestank entgegen: Kot gemischt mit verwesenden Schlachtabfällen und

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Als er uns auf einen Rundgang über sein Gelände mitnimmt, wird uns das ganze Ausmaß seiner Hundehaltung bewusst. Die Tiere sitzen allein oder

Respektiere


Magazin

permanent in ihrem Zwinger im Kreis. Sie haben in der schrecklichen Situation gravierende Verhaltensstörungen entwickelt. Klaus erzählt uns, dass er mit den Hunden züchtet und seine kleine Rente durch den Verkauf der Tiere aufbessert.

Verwesende Fischabfälle die Reste des „Hundefutters“

Ein Kangalrüde in seinem Zwinger

Der „Landwirt“ gibt bereitwillig Auskunft über sein Leben und erzählt, dass er monatlich mit vierhundert Euro auskommen muss. Dass er davon eintausend Tiere nicht ernähren kann, ist uns sofort klar, aber Klaus sieht darin kein Problem. Er sei zwar auf Essensreste und Schlachtabfälle von Leuten aus der Umgebung angewiesen, aber den Tieren gehe es damit gut. Unser Eindruck ist ein anderer. Für einen Menschen allein ist die Versorgung von nahezu eintausend Tieren finanziell und logistisch gar nicht zu bewältigen; hinzu kommt, dass Bauer Klaus über siebzig Jahre alt ist. Was mit seinen Tieren geschehen wird, sollte ihm einmal etwas zustoßen, darüber hat er sich bisher wenig Gedanken gemacht. Trotzdem erklärt er stolz, dass er weiterzüchten und seinen Tierbestand vergrößern will: Die Logik eines Animal Hoarders. Auf die Frage, wie es mit der tierärztlichen Versorgung stehe, erklärt Klaus unumwunden, dass

keines seiner Tiere je einen Tierarzt gesehen hat. Weder Schaf noch Hund noch Huhn sind geimpft oder werden in Krankheitsfällen behandelt. Er mache das selbst, sagt Bauer Klaus, und die Tiere würden sich meist von allein wieder erholen. Doch dass die Tiere oft nicht von allein gesund werden, sehen wir sehr deutlich, als wir an einem Zwinger nahe des zusammengebrochenen Bauernhauses vorbeigehen. Dort sitzt Beagle Tommi, der zahlreiche alte und frische Wunden am hinteren Teil des Körpers trägt. Er ist abgemagert und drückt sich mit hilfesuchendem Blick an das Gitter seines Zwingers. Durch die vielen Fleischabfälle wimmelt es auf dem Hof von Fliegen, die sich auch in Tommis Wunden setzen. Als wir nach dem Hund fragen, sagt Klaus, es handle sich um Bisswunden, die Tommi schon sehr lange habe. An Heilung ist in dieser Umgebung nicht zu denken. Kurzerhand entschließen wir uns, Tommi freizukaufen. Eigentlich ist das keine Lösung des Problems, aber zumindest für diesen armen Hund bedeutet es Hoffnung. Wie uns örtliche Tierschützer später erzählen, hatten andere Hunde im letzten Winter nicht so viel Glück. Sie erfroren in ihren nicht isolierten Hundehütten, und die Zahl der Tiere, die auf dem Gelände unbemerkt sterben, dürfte wesentlich höher sein. Das Phänomen ist bekannt

Tommis Wunden

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Tommi mit seiner neuen Halterin heute: Er hat neun Kilo zugelegt, und seine Wunden verheilen.

Die geschilderte Situation lässt typische Merkmale eines Animal Hoarding Falles erkennen, wie sie schon vor einigen Jahren durch das „Hoarding of Animals Research Consortium“ (HARC), einer wissenschaftlichen Arbeits-

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Magazin gruppe in den USA, beschrieben wurden. Animal Hoarder halten wesentlich mehr Tiere als es ihre finanzielle und persönliche Situation erlaubt und sind dadurch nicht in der Lage, minimale Versorgungsstandards für die Tiere zu gewährleisten. Die Tiere werden nicht ausreichend mit Nahrung und Wasser versorgt, haben keine oder nur mangelhafte Unterschlupfmöglichkeiten, die hygienischen Zustände sind bedenklich, und die Tiere werden nicht medizinisch versorgt. Typisch für Animal Hoarder ist auch eine gravierende Fehleinschätzung der eigenen Situation, wie wir sie auch bei Landwirt Klaus feststellen konnten. Sätze wie „Den Tieren geht es bei mir gut“ und „Ich kümmere mich ausreichend um die Tiere“ hören Tierschützer von Tiersammlern immer wieder. Bauer Klaus ist davon überzeugt, dass seine Tiere bei ihm bestmöglich versorgt sind und ein gutes und artgerechtes Leben führen. Er lässt seine Tiere nicht kastrieren, was zu einer rapiden Vermehrung führt, und nimmt auch immer wieder Tiere von anderen Menschen auf. Obwohl Bauer Klaus nach eigenen Angaben zumindest darauf achtet, Inzucht zu vermeiden, war bei unserem Besuch nicht zu übersehen, dass ihm die Situation völlig entglitten ist. Wo es früher einen Bauernhof mit Ställen gab, sieht man jetzt abbruchreife Ruinen und Berge von Müll. Körperliche Beeinträchtigungen, Verletzungen und das Leiden der Tiere nimmt Landwirt Klaus nicht wahr. Stattdessen will er immer noch mehr Tiere aufnehmen - ein typisches Merkmal in einem Fall von Tierhortung. Die HARC identifizierte verschiedene Typen von Animal Hoardern: • Der Pfleger-Typ versucht zunächst, sich um die Tiere zu kümmern, doch durch die zunehmende Vermehrung der Tiere ist er bald überfordert. Der Betroffene sieht, dass ein Problem existiert, kann es aber nicht lösen. • Der Befreier-Typ sammelt aktiv Tiere und kann auch kein Tier, das

ihm anvertraut wird, ablehnen. Er denkt, dass es die Tiere nur bei ihm gut haben. • Der Züchter-Typ hingegen hält Tiere mit dem Vorsatz der Zucht. Er will sie verkaufen, verliert aber bald den Überblick über seinen Bestand. Die Tiere vermehren sich unkontrolliert. • Und schließlich kennt man noch den seltener auftretenden Ausbeuter-Typ, der keinerlei Bindung zu den Tieren hat und sie nur als Statussymbol hält. Natürlich gibt es fließende Übergänge zwischen den einzelnen Verhaltensmustern, so sicherlich auch im vorliegenden Fall des Bauern Klaus. Gemeinsam haben aber alle Animal Hoarder, dass sie selbst unter einer psychischen Störung leiden, die furchtbares Tierelend nach sich zieht. Ohne professionelle Hilfe können Animal Hoarder nicht gestoppt werden, das Sammeln von Tieren ist wie eine Sucht.

Die Schafe haben keinen Unterstand, und viele sind selbst im Hochsommer noch nicht geschoren.

Hundefutter

Maßnahmen sind oft nicht effizient Die Rückfallquote eines Tiersammlers liegt bei einhundert Prozent. Das heißt, auch nach Ausspruch eines Tierhaltungsverbots durch das zuständige Veterinäramt beginnt ein typischer Animal Hoarder sogleich wieder mit dem Sammeln von Tieren, wenn er nicht fortwährend kontrolliert wird. Die Kontrolle muss lückenlos sein und ist zweifelsohne sehr zeitaufwendig - ein Aufwand, den viele Behörden nicht leisten können oder wollen.

Ein Teil des Geflügelbestandes von Bauer Klaus

Auch im Falle des Landwirtes Klaus wurde vom zuständigen Veterinäramt nie ein umfassendes Tierhaltungsverbot ausgesprochen. Begründet wird dies mit eben dem Argument, dass der Animal Hoarder danach ohnehin umgehend neue Tiere ansammeln werde. Doch mit dieser „Entschuldigung“ ist keinem Tier geholfen. Der zuständigen Behörde in Mecklenburg-Vorpommern sind die Zustände bei Bauer Klaus schon seit knapp zwanzig Jahren bekannt, aber Der Unterschlupf für die Hühner

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Magazin entfernt] mit dem Aufbau der Schafherde […]. Der Geflügelbestand ist seit Jahren relativ konstant.“

Bauer Klaus auf seinem Hof

immer noch sammelt der „Landwirt“ weiter Tiere. Um aufwendige Kontrollen eines Haltungsverbotes zu umgehen, beschränkten sich die Aktivitäten des Veterinäramtes im Laufe der Jahre darauf, ab und an die Haltung einzelner Tierarten zu verbieten. Mit fraglichem Erfolg, wie ein Zitat aus einem Brief der Veterinärin an den ETN e.V. vom August dieses Jahres zeigt: „Anfang der neunziger Jahre beherrschten ca. 25 freilaufende Schäferhunde auf einem nicht eingezäunten, ca. 60 ha großen Areal das Geschehen. Rinder zogen über die Felder der angrenzenden Landwirte. Mit der […] Einzäunung von 40 ha wurden die Rinder ab- und Schweine angeschafft. Diese bewegten sich frei auf dem Gelände und wuchsen auf einen Bestand von gesamt 80 Tieren an. Aus tierseuchenrechtlichen Gründen wurde Herrn [Name entfernt] die Schweinehaltung 2008 untersagt, die Tiere wurden behördlich fortgenommen und verwertet. Der Bestand an Hunden betrug ca. 60 Tiere. Mit Hilfe von 4 Tierschutzvereinen erfolgte eine Reduzierung auf ca. 25 Tiere. Danach begann Herr [Name

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Diese Schilderung zeigt anschaulich, dass halbherzige Verbote oder Haltungsbeschränkungen kein geeignetes Mittel sind, um Fälle von Animal Hoarding in den Griff zu bekommen. Ohne angemessene Kontrolle und psychologische Hilfe für die betroffene Person sind alle Maßnahmen letztlich wirkungslos. Bauer Klaus wechselte nach jedem Verbot einfach die Tierart. Um bei bestehenden Fällen schnell handeln zu können und um zu verhindern, dass die Zahl an Animal Hoarding-Fällen in Deutschland weiter ansteigt, muss die Problematik endlich auch hierzulande im Bewusstsein von Behörden, Wissenschaft und Öffentlichkeit verankert werden. Es bedarf eines konsequenten Eintretens der Veterinärämter im Sinne des Tierschutzes und einer bundesweiten Vernetzung der Behörden. Denn in Deutschland besteht das Problem, dass Tierhaltungsverbote nicht zentral erfasst werden. Spricht also ein Veterinäramt ein Haltungsverbot aus, kann der Tiersammler in eine andere Region umziehen, wechselt damit den Zuständigkeitsbereich der Behörden und kann am anderen Wohnort von Neuem mit dem Horten von Tieren beginnen. So folgt oft ein jahrelanges

Katz-und-Maus-Spiel, das durch eine bundesweite Abstimmung der Ämter vermieden werden könnte. Außerdem müssten Amtstierärzte bei Verdacht auf Animal Hoarding ein uneingeschränktes Zutrittsrecht zum Grundstück haben. Nur so können Fälle wie der des Landwirts Klaus in Zukunft verhindert werden. Dem ETN e.V. wurde derweil vom zuständigen Veterinäramt zugesichert, die Schafhaltung von Bauer Klaus zu überprüfen und die Anzahl an Hunden auf maximal fünf Tiere zu beschränken. Den Tieren, die am meisten unter den Haltungsbedingungen auf dem Hof leiden, wäre damit geholfen. Und dennoch reiht sich auch diese Maßnahme wieder in die Kette von Haltungsbeschränkungen ein, die letztlich nur einen Tropfen auf den heißen Stein bleiben. Der ETN e.V. wird den Fall des Bauern Klaus auch weiterhin verfolgen und gemeinsam mit dem Veterinäramt versuchen, eine Lösung zu finden.

In diesem Zwinger, übersät von Fleischabfällen und Kot, lebt eine völlig verängstigte Hündin, die ihre Hütte kaum verlässt.

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Das Schicksal der ukrainischen Straßentiere nach der EM

Nachdem die Fußball-Europameisterschaft zu Ende gegangen ist, und das mediale Interesse an der Situation der Straßentiere in der Ukraine nachgelassen hat, stellt sich die Frage, wie das Leben der dortigen Streuner jetzt aussieht. Seit dem Ende der EM gibt es immer wieder Berichte über „Doghunter“, die in Kiew und anderen Städten der Ukraine ihr Unwesen treiben. Bei diesen Doghuntern handelt es sich um Hun-

Todesursache festzustellen. Anschließend wird Anzeige bei der Polizei erstattet. Obwohl dieses Vorgehen nur selten zur Ermittlung des Hundemörders führt, ist allein die Einrichtung einer Not-Hotline schon ein Erfolg. Diese Maßnahme zeigt, dass sich die Kiewer Stadtverwaltung des Problems bewusst ist, und man sich bemüht, Tötungen von Straßentieren zu verhindern. Mithin ist die Aufklärungsund Überzeugungsarbeit des ETN e.V. von ersten Erfolgen gekrönt, erkennen die vormals wenig tierschutzinteressierten Behörden Kiews mit der Einrichtung einer Hotline doch an, dass auch das Ein kleiner Patient der Tierklinik in Kiew. Der Kater wurde ausLeben eines Stragesetzt und dann von einem Auto angefahren. Er musste am ßenhundes etwas Rücken operiert werden, und sein Schwanz wurde amputiert. wert ist.

hunden fort. Oft werden auch verletzte Tiere in die Klinik gebracht, die ebenfalls kostenlos behandelt und versorgt werden. „ Heute mussten wir einen dreibeinigen Kater, einen Kater mit schwerem Rückenbruch, einen Welpen mit zwei gebrochenen Beinen und einen weiteren verletzten Welpen behandeln. Das ist normaler Alltag in der staatlichen Tierklinik. Und das alles geht nur, weil die Stadt und die Klinikleitung die Behandlungen kostenlos ermöglichen. Hier sitzen noch so viele kleine Seelchen, die jeden Tag kämpfen müssen und die Hoffnung auf ein anderes, ein schönes und behütetes Leben, nicht aufgeben“, berichtete kürzlich die ETN-Mitarbeiterin in Kiew, Polina Balitser. Aufgrund der durch den ETN e.V. finanzierten Quarantänestation können in der größten staatlichen Tierklinik in Kiew nun mehr Tiere aufgenommen und behandelt werden als zuvor.

Nun wartet er in Kiew auf ein neues Zuhause.

defänger, die vermutlich auch aus dem Ausland kommen und in der Ukraine immer wieder Straßentiere erschießen oder vergiften. Sicher ist, dass diese Hundefänger nicht von ukrainischen Stadtverwaltungen beauftragt wurden. Das lässt hoffen, erschwert aber gleichzeitig die Bekämpfung dieser Tötungskommandos. Die Stadtverwaltung von Kiew hat dieses Problem erkannt und eine Hotline eingerichtet, bei der Bürger tote oder verletzte Hunde melden können. Wird ein toter Straßenhund gefunden, wird dieser in ein Labor geschickt, um die

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Unser Einsatz war nicht umsonst In der Hauptstadt hält sich der stellvertretende Bürgermeister Oleksandr Mazurchak auch nach der EM an seine Zusage, Straßenhunde und -katzen kostenlos kastrieren zu lassen, und so können freiwillige Helfer in Zusammenarbeit mit städtischen Hundefängern täglich Streuner einfangen und diese zwecks Kastration in die staatliche Klinik verbringen. Volontäre und Klinikleitung der größten staatlichen Tierklinik arbeiten weiterhin Hand in Hand und setzen so die Kastration von Straßen-

Der ETN-Rettungstransporter

Eine Verbesserung ist auch in Lugansk eingetreten, wo die Stadtverwaltung endlich den Bau eines lange benötigten Tierheimes plant. Der ETN e.V. unterstützt die größte Tierschutzorganisation der Stadt namens „Stadt der Freunde“ außerdem bei der Kastration von Hun-

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Lila - Sie kam mit dem ETN-Transporter nach Hof Wiesenfeld und wartet jetzt auf „ihre“ Menschen.

den aus privaten Tierheimen. Da es in Lugansk bisher kein städtisches Tierheim gibt, errichten dort viele Privatleute kleine Auffangstationen, in denen sie verletzten und hilflosen Straßentieren ein Zuhause geben. Damit auch diese Tiere kastriert werden können, arbeitet der ETN e.V. nun wieder mit der Vorsitzenden des Vereins „Stadt der Freunde“ zusammen, die außerdem Leiterin einer privaten Tierklinik ist. Eine erfolgreiche Kooperation mit dieser Klinik gab es bereits im Frühjahr während einer groß angelegten Kastrationsaktion des ETN-Tierärzteteams in Lugansk (wir berichteten in Heft 2/2012). All die geschilderten Erfolge (und leider auch Rückschläge) zeigen,

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was Auslandstierschutz für den ETN bedeutet. Auslandstierschutz kann nur dann langfristig erfolgreich und effizient sein, wenn man bei den Problemen vor Ort ansetzt, das heißt, wenn Straßentiere im Ausland kastriert und örtliche Vereine unterstützt werden, und gleichzeitig eine breite Aufklärung der Bevölkerung stattfindet. Dies alles hat der ETN e.V. in der Ukraine begonnen und wird es auch weiterhin fortsetzen, denn Auslandstierschutz benötigt vor allem eines: Einen langen Atem. Die Fahrt in ein besseres Leben

Alle Tierschützer, die sich im Ausland für Streuner einsetzen, sind sich einig, dass der Transport von Straßentieren nach Deutschland das Problem vor Ort nicht löst. Und dennoch entscheidet sich der ETN e.V. hin und wieder, Tiere aus dem Ausland nach Hof Wiesenfeld in Bad Karlshafen zu holen, weil viele der Hunde und Katzen, die in überfüllten ausländischen Tierheimen teils lebenslänglich einsitzen, in Deutschland spielend leicht ein neues Zuhause finden könnten. So entschieden wir uns in diesem Nach der Ankunft des Rettungstransports Jahr im Rahwerden die Hunde in die men unseres Quarantänestation getragen.

Ukraine-Engagements, vierzig Straßenhunde aus Kiew und Donetsk nach Deutschland zu transportieren. Zwar

Abschied in Kiew - auf die Hunde wartet ein neues Leben.

kann die Rettung einzelner Tiere immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, aber für die wenigen Auserkorenen bedeutet die Fahrt eine Reise in eine bessere Zukunft. Eine scheinbar endlose Zahl von Voruntersuchungen, EU-Einfuhrdokumenten, Veterinärbescheinigungen und Bilderlisten war nötig, ehe der ETNRettungstransporter schließlich Anfang September mit vierzig Hunden an Bord von Kiew nach Bad Karlshafen starten konnte. An der Grenze zu Polen zeigte sich, dass auch die beste Vorbereitung und die penibelste Einhaltung aller EUVorschriften nicht vor Behördenwillkür schützen. Die Engelsgeduld der ETNFahrer wurde bei langen Diskussionen im Grenzgebiet zwischen Polen und der Ukraine hart auf die Probe gestellt, aber auch diese letzte Hürde konnte genommen werden. Die Straßenhunde, die in der Ukraine schon so viel Schlechtes erlebt hatten, kamen schließlich wohlbehalten auf Hof Wiesenfeld an und begrüßten die Tierheim-Mitarbeiter so freudig, dass man denken konnte, sie hätten ihre Chance auf ein neues Leben erkannt. Auf den folgenden Seiten stellen wir Ihnen einige der geretteten Hunde vor.

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Diese Hunde wurden aus der Ukraine gerettet und mit dem ETN-Transporter nach Hof Wiesenfeld gebracht. Dort warten sie nun auf ein neues Zuhause. Elka, zweieinhalb Jahre, wurde von einer Volontärin auf der Straße betreut und war sehr anhänglich. Eines Abends wurde sie von einer Gruppe von Kindern gefangen, geschlagen und an einem Auge verletzt. Das Auge ist seitdem leider verkümmert. Trotz dieser schlimmen Erfahrung ist Elka sehr lieb und schaut auch mit einem Auge hoffnungsvoll in die Zukunft. Sie wartet auf einen Menschen, dem sie ihre ganze Liebe und Treue schenken kann. Donna, zwei Jahre, wurde im Winter in der Nähe von Kiew von Volontären gefunden. Sie hatte neun Welpen, war abgemagert, verletzt und unendlich traurig. Es grenzt schon an ein Wunder, dass sie und ihre Welpen im Schnee überhaupt überlebt haben. Die Welpen wurden nacheinander vermittelt, und Donna kam auf eine Pflegestelle. Volontäre haben erfahren, dass man Donna eigentlich als Rassehund gekauft und später ausgesetzt hat. Sie ist unglaublich lieb, schlau und kontaktfreudig und kann den ganzen Tag lang mit ihren Freunden herumrennen und das Leben genießen. Donna ist sehr liebenswert und sehr menschenbezogen. Mania, dreieinhalb Jahre, lebte in Kiew neben einer Tankstelle und hatte ebenfalls im Winter Welpen. Später hat man versucht, die Hunde zu vergiften, aber die Kleine hat überlebt und wurde von Volontären in die Städtische Klinik gebracht, wo sie dann bleiben durfte. Sie ist sehr lieb und menschenbezogen; man möchte sie am liebsten die ganze Zeit in den Armen halten. Obwohl sie immer ein Straßenhund war, ist Mania gut erzogen. Vor allem großen Hunden gegenüber ist sie ein wenig schüchtern. Dem Menschen öffnet sie aber sofort ihr kleines Herzchen und hofft sehr, endlich eine richtige Familie zu finden, bei der sie für immer bleiben darf. 20

Am Anfang ist sie etwas zurückhaltend, nimmt dann aber schnell Kontakt auf und wird zu einem Freund, wie man ihn sich nur wünschen kann.

Buba, drei Jahre alt, wurde von einer Volontärin gerettet, die ihn blutend auf einer Straße in Kiew fand. Nach einem Autounfall musste sein linkes Vorderbeinchen amputiert werden, und für solche Handicap-Hunde sind die Vermittlungschancen in der Ukraine leider sehr schlecht. Trotz all der Schmerzen, die Buba schon erleiden musste, ist er unglaublich lebensf r o h , und man merkt ihm seine kleine Behinderung fast nicht an. Buba liebt Spiele und Spaziergänge und ist mit anderen Hunden verträglich. Respektiere


Magazin Lisa,

drei Jahre, ist auf der Straße aufgewachsen und hatte eine schlimme Hautkrankheit. Sie wurde von Volontären gerettet und wartete auf einer Pflegestelle, zusammen mit Buba, monatelang auf einen Hundeliebhaber, der ihr ein neues Zuhause geben würde. Leider vergeblich! Lisa ist aktiv, verspielt und kontaktfreudig. Sie ist mit Hunden und Katzen verträglich; liebt es, mit Kindern zu spielen und wird ein toller, unternehmungslustiger und treuer Familienhund sein.

Sirius, drei Jahre,

hatte noch nie ein richtiges Zuhause. Früher lebte er an der Kette und bekam lediglich Haferbrei und trockenes Brot

Marli kam als Welpe mit mehreren Beinbrüchen in die Tierklinik in Kiew, und er benötigte lange Zeit, um sich zu erholen. Während seines Aufenthaltes in der Klinik verschluckte er ein Plastikteil, musste am Magen operiert werden und hat noch immer einige Magenprobleme. Er kam extrem abgemagert nach Hof Wiesenfeld. Der kleine, zweijährige Rüde hat sein ganzes Leben nur in den Zwingern der Tierklinik Kiew verbracht und würde sich über ein liebevolles Zuhause sehr freuen. Er ist ein liebenswerter, fröhlicher Hund, der sich gut mit anderen Hunden verträgt. Sascha, ungefähr drei bis vier Jahre alt, wurde von einem Tierschützer aus Kiew von der Straße aufgelesen und zur Kastration in die Staatliche Tierklinik gebracht. Nach der Kastration wurde sie wieder in ihr altes Revier zurückgesetzt, kam aber zwei Wochen später nach einem Autounfall erneut in die Klinik. Sie hatte mehrere Brüche am linken Hinterbein und am rechten Vorderlauf. Sascha ist sehr tapfer und trotz ihrer schlimmen Erlebnisse ein rundum toller Hund. Sie ist sehr menschenorientiert und verträgt sich gut mit anderen Hunden.

zu fressen. Dann kam er ins Tierheim Sirius bei Kiew. Trotz seiner negativen Erfahrungen ist Sirius sehr menschenbezogen, sucht ständig Kontakt, ist superlieb und versteht alle Anweisungen sofort. Er ist sehr treu und mit anderen Hunden verträglich. Mit Sirius wird es nie langweilig, und das Leben mit ihm macht einfach Spaß.

Gaja ist eine Hündin aus dem Tierheim Sirius in der Nähe von Kiew. Sie hatte einen Autounfall, ist aber trotzdem ein lebenslustiges Mädchen geblieben. Gaja ist drei Jahre alt, ein wenig verfressen und verträgt sich gut mit anderen Hunden.

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Eine Welt im Dreiklang - Teil 1 Das Gleichgewicht zwischen Mensch, Tier und Natur ist aus den Fugen geraten.

Ü

berfettung der Menschen, Qualzuchten, Massentierhaltung, Rinderwahn, Überfischung und Raubbau an der Natur (zum Beispiel durch Massenrodungen) sind Schlagworte, die uns bedauerlicherweise jeden Tag begegnen. Die Werte, die es möglich machen, die Welt in einen Dreiklang zu bringen, sind uns verloren gegangen. Die Fleischindustrie meint, durch Massentierhaltung und ordent-

licher Beigabe von Antibiotika (damit Massenhaltung überhaupt möglich wird) den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden. Die Menschen meinen, jeden Tag Fleisch essen zu müssen. Natürlich viel Fleisch. Da wir ja alle auf dem Billigtrip sind, und Geiz geil ist, natürlich möglichst zum Nulltarif. Darauf hat sich die Industrie längst eingestellt. So lustige Namen wie Formfleisch, Aliud, Imitat und Analogkäse sagen uns längst in den Regalen der Supermärkte „Guten Tag“. Ob sich denn ein Mensch schon Gedanken gemacht hat, was Formfleisch überhaupt ist? Oder wie Formfleisch entsteht? Natürlich nicht,

sonst würde ja kein Mensch diese Produkte kaufen. Aber wer liest schon das Kleingedruckte - und mal ehrlich - wer will es denn überhaupt wissen? Für die, die es wissen wollen - hier die Auflösung vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse): „Zur Herstellung werden die Fleischbrocken zunächst getumbelt, also maschinell gewalkt, wodurch sich der Verbund der Muskelfasern lockert, Muskelabrieb entsteht und an der Oberfläche Eiweiß austritt. Diese Substanz darf in Deutschland

Foto: Thomas Max Müller/pixelio

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nicht mehr als fünf Volumenprozent des Gesamtfleischanteils betragen (bei Geflügel zehn Prozent). Nach dem Tumbeln wird die Masse in Formen gepresst und entweder gefroren oder erhitzt, so dass das ausgetretene Eiweiß gerinnt und die Brocken zu einem Stück verbindet. Je nach Verwendungszweck werden noch Gewürze und Aromastoffe hinzugegeben oder die geformten Teile paniert.“ Lecker! Wem kommen da nicht Gedanken an Chicken-Nuggets? „Formfleisch darf nach den deutschen Leitsätzen nur aus Fleisch, gegebenenfalls noch Salz, Pökelsalz und Gewürzen bestehen. Die Produktionsmethode erlaubt jedoch auch das Strecken mit Zusatzstoffen, was das Produkt verbilligt. So kann der Masse, besonders wenn sie aus sehr kleinen Fleischteilen und -fasern besteht, Eis hinzugefügt werden - das Wasser wird dann gebunden. Verstärken lässt sich die Wasseraufnahme durch die Zugabe von Stärke, Eiweiß (zum Beispiel aus Milch, Blutplasma, Soja oder Weizen) und Geliermitteln. Solche Produkte können bis zu vierzig Prozent zugesetztes Wasser enthalten. Bei auf diese Weise hergestelltem, importiertem Kochschinkenersatz sank der durchschnittliche Fleischanteil beispielsweise von 1993 bis 2008 von dreiundachtzig auf siebenundfünfzig Prozent. Auf diese Weise gestreckte Erzeugnisse haben eine brühwurstähnliche Konsistenz und enthalten nur sehr kleine Fleischstücke.“ Dies alles klingt nicht nur ekelig, es ist auch ekelig. Wird der Verbraucher hier - insbesondere im Restaurant - nicht hinreichend deutlich auf die Inhalts-

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Foto: Udo Böhlefeld/pixelio

stoffe hingewiesen, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit und bei Vorsatz um eine Straftat. Im Handel muss das Produkt unmissverständlich mit dem Wort „Formfleisch“ gekennzeichnet werden. Aber wir gehen davon aus, dass die Versuchslabore in nächster Zeit noch viel lustigere Namen hervorbringen werden. Würden die Menschen doch nur begreifen. Doch was sollen sie begreifen? Die Macht des Konsumenten natürlich. Wenn die Industrie feststellt, dass niemand mehr herzhaft in Stärke, Enzyme wie Transglutaminasen, Blutplasma etc. hineinbeißen will, wird Formfleisch nicht mehr hergestellt. Denn schließlich geht es allein um Profit. Gleiches gilt für östrogenhaltiges Kalbfleisch, antibiotikabelastetes Schweine- oder Rindfleisch. Würde sich der Verbraucher regelmäßig die Tierhaltungen oder gar Schlachtungen anschauen und auch die gesundheitlichen Risiken durch permanente Anreicherung des menschlichen Körpers mit Antibiotika durch den Verzehr von Fleisch vor Augen geführt bekommen, würde sich vermutlich schneller etwas ändern. Sollte man deshalb nicht zwangsläu-

fig zum Vegetarier werden? Eigentlich schon. Aber wie immer gibt es im Leben nicht nur Schwarz und Weiß. Grundsätzlich ist der Mensch ein Allesfresser. Das heißt, er kann sich für oder gegen Fleisch entscheiden. Und egal, wie er sich entscheidet, sollte er wissen, was er isst. Auch oder gerade wenn er sich entscheidet, auf Fleisch nicht zu verzichten. Wenn Tiere in einer natürlichen Umgebung artgerecht gehalten und dann irgendwann am Tage X geschlachtet werden, ist dies sicher kein Freudentag. Aber zumindest kann man als Konsument sicher sein, dass dem Tier Qualzucht und Massentierhaltung erspart wurden. Natürlich gibt es ein solches Stück Fleisch dann nicht mehr zum Billigtarif. Das muss auch nicht sein, und es soll auch gar nicht sein. So bekommt der berühmte Sonntagsbraten aus der guten alten Zeit auch wieder eine besondere Bedeutung. Aber wie gesagt, wir haben es in der Hand. Wir als Verbraucher entscheiden, was wir essen wollen. Jeder Verzicht auf ein regelmäßiges, billiges Stück Fleisch ist ein Schritt gegen Massentierhaltung. (E. Millgramm)

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Emil hat ein Zuhause!

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iege Emil wurde direkt nach der Geburt von der Mutter verstoßen und musste mit der Flasche aufgezogen werden. Emil wuchs in einem Haushalt mit vier Hunden auf und akzeptierte die Hunde als seine „Geschwister“; andere Ziegen kannte er nicht. Mit der Zeit wurde Emil zu groß für die Wohnung, strapazierte mit seinem rabiaten Verhalten die Geduld der Haushunde und schrie entsetzlich, wenn er alleine gelassen wurde. Das Haus war nun nicht mehr der ideale Lebensraum für Emil, und so kam er nach Hof Huppenhardt. Dort wurden durch einen glücklichen Zufall seine heutigen Halter auf ihn aufmerksam: Es begann mit einem ganz harmlosen Sonntagsspaziergang, als mein Mann und ich zufällig an Hof Huppenhardt in Much vorbeikamen. Durch das Eingangstor konnten wir bereits viele Tiere sehen, gingen dann aber in den Innenhof, um uns genauer umzuschauen. Als wir an einem Gehege ankamen, in dem viele alte und kranke Ziegen standen, hörten wir ein lautes Meckern und entdeckten eine kleine Ziege, die recht robust mit ihren Artgenossen - und später auch mit uns - umging. Diese kleine Ziege war Emil. Es war so etwas wie „Liebe auf den ersten Blick“, und ich schaute meinen Mann nur an und sagte: „Der Kleine kann aber niemals sein Leben lang auf einem Gnadenhof

bleiben“ – schließlich war Emil ja erst gut ein halbes Jahr alt... Es folgten viele weitere Besuche auf Hof Huppenhardt, um Emils Vertrauen zu gewinnen. Nach ungefähr vier Wochen wollten wir Emil dann erstmalig für einige Stunden zu uns holen, um zu sehen, was unsere beiden anderen Ziegen Daisy und Daggy zu dem Kleinen sagen würden. Nach Absprache mit dem netten Team von Hof Huppenhardt nahmen wir Emil kurzerhand im Auto mit auf unseren Hof. Autofahren war für ihn gar kein Problem. Ich saß mit Emil im Kofferraum, und mein Mann fuhr die eineinhalb Kilometer bis zu uns nach Hause.

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Emil auf Hof Huppenhardt

Daheim angekommen wurde es dann doch ziemlich turbulent. Eine unserer beiden Ziegen wusste so gar nicht, was sie mit Emil anfangen sollte und trieb ihn erstmal durch das gesamte Gehege. Uns wurde klar, dass unser Vorhaben, den kleinen Kerl zurück nach Hof Huppenhardt zu bringen und am nächsten Tag erneut zu uns zu holen, zu viel Stress für ihn bedeuten würde. Und so hatte sich dieser Plan am Abend erledigt, und wir waren uns einig: Selbst

Emil schläft in seinem neuen Zuhause im Hühnerstall.

wenn wir jetzt eine Nacht mehr im Ziegenstall verbringen müssen - wir lassen Emil hier!

Und es hat sich gelohnt: Schon nach zwei Tagen hatten sich alle Tiere aneinander gewöhnt – einschließlich unserer Hühner und unserem Hahn. Emil ist unser Sonnenschein, und wir würden ihn nie wieder hergeben. Allerdings will Emil seine Nächte nicht zusammen mit den beiden anderen Ziegen verbringen - er geht abends brav zu den Hühnern in den Hühnerstall und schläft dort. (Lucie und Peter Hänscheid)

Emil lernt die Artgenossen im neuen Zuhause kennen.

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Foto: sxc.hu

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Der Zoo - Gefahr für Mensch und Tier? Eine Alternative

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er erschreckende Unfall im Kölner Zoo, bei dem eine Tierpflegerin durch einen Tigerbiss ums Leben kam und die Raubkatze anschließend getötet wurde, facht die Diskussion um das Thema „Brauchen wir wirklich Zoos?“ wieder an. Ich meine - nein. In einer Welt, die immer stärker auf digitalen Erlebnissen aufbaut, ist die Realität oft nicht mehr erwünscht beziehungsweise erforderlich. Warum soll man Lebewesen aus ihrem artgerechten Lebensraum zerren, wenn über den Rechner oder das Fernsehen in 3D-HDI-Qualität gezeigt werden kann, wie es in fernen Ländern aussieht, wie die Tiere dort leben, wie sie aufwachsen, um ihre Nahrung kämpfen, sich bewegen, ihre Umwelt nutzen.

kel. Freut es uns doch alle, wie sich die im Wasser so eleganten Tiere tollpatschig an Land bewegen. Fütterungen von anderen Tieren, beispielsweise Reptilien oder Raubtieren, finden mehr im Geheimen statt. Wer mag schon zuschauen, wie eine Schlange sich ein Küken packt und verschlingt oder die Raubkatzen an rohen Fleischstücken zerren. Aber Nahrungssuche, Fangen, Töten und anschließendes Fressen der Beute gehören zum Leben der Tiere in der Wildnis. Diese teils angeborenen, teils erlernten Verhaltensweisen können sie im Zoo nicht ausleben, denn dort haben sie keine Möglichkeiten zur Jagd. Die Tiere leben im Zoo in einer künstlichen Umwelt und können ihr natürliches Verhalten kaum zeigen. Trotzdem bleiben Tiger und Löwen wilde Tiere, denen man sich nicht bedenkenlos nähern kann. Sonst geschehen

solch bedauerliche Unfälle wie im Kölner Zoo, und am Ende müssen Mensch und Tier dafür büßen. Aber es muss ja nicht erst ein Mensch sterben, um einzusehen, dass Zoos nicht mehr zeitgemäß sind. Die digitale Technik macht es doch nicht nur an unseren Geräten im Wohnzimmer möglich, Tier und Natur hautnah zu erleben. Es braucht kein Aquarium mit hohem Wasser- und Energieverbrauch mehr, um die Unterwasserwelt tropischer Meere darzustellen. Ein Hightech-Bildschirm hinter einer Glaswand könnte denselben Eindruck, wenn einen nicht noch intensiveren vermitteln wie das doch meist zu kleine Wasserbecken. Kein Tier leidet mehr, keine Pflege- und keine Futterkosten. Und das gemeinsame Familienerlebnis kann auch bei einem Ausflug in den Wald oder den nahegelegenen Park stattfinden. Man kann ja zumindest einmal darüber nachdenken. (Götz Bukenberger)

Das Argument, die Menschen würden ohne die Tiere im Zoo bald nicht mehr wissen, wie eine Giraffe oder ein Löwe aussieht, geht daher ins Leere. Professionelle Tierfilmer bringen uns die Wildtiere in hervorragender Bildqualität in unser Wohnzimmer, und das in Situationen, die wir in einem Zoo nie erleben können. Im Zoo sehen wir die Tiere meist träge umherschleichen. Vielleicht haben sie noch Platz, sich in ihrem Element, im Sand oder Gras, im Wasser oder auf Felsen, in Bäumen oder einem eingezäunten Luftraum zu bewegen. Bewegung kommt aber doch allenfalls in die Tiere, wenn sie ihre soziale Distanz einfordern oder die Tierpfleger mit der Nahrung anrücken. Die Seelöwenfütterung ist immer ein SpektaFoto: ThoStZ/Pixelio

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Umwelt

Goodbye, Glühbirne!

Seit September gibt es sie nicht mehr, die gute, alte Glühbirne. Schon im Jahr 2009 wurde langsam mit der Umstellung auf die Energiesparlampe begonnen, und seit September dieses Jahres ist es nun endgültig: Konventionelle Glühbirnen mit Wolframdraht gehören der Vergangenheit an. Seit Beginn der Umstellung wurde viel über Sinn und Unsinn der Maßnahme diskutiert. Doch trotz aller Diskussionen stellen sich viele Menschen immer noch die Frage: Sind Energiesparlampen wirklich so sparsam und sicher wie behauptet?

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ber beginnen wir doch am Anfang der Geschichte, also bei der Frage, was den Verbraucher dazu bewegen sollte, auf Energiesparlampen umzusteigen. In herkömmlichen Glühbirnen wird ein Wolframdraht erhitzt, wodurch ein Großteil der zugeführten Energie als Wärme verloren geht. Energiesparlampen sind demgegenüber wesentlich effizienter. Beim Einschalten der Stromspannung verdampft in der Lampe Quecksilber, und es kommt zu einer sogenannten Gasentladung mit der Aussendung von Licht. Dabei geht nur sehr wenig Energie als Wärme verloren, und somit benötigen Energiesparlampen bei gleicher Helligkeit fünfundsiebzig bis achtzig Prozent weniger Strom. Durch diese Stromerspar-

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nis bei gleicher Leistung und durch ihre lange Lebensdauer (ungefähr zehnmal länger als eine normale Glühbirne) spart ein Haushalt mit dem Umstieg auf Energiesparlampen also langfristig Geld und Energie. Diese Energieersparnis ist auch der Grund für das endgültige Verschwinden konventioneller Glühbirnen aus den Geschäften. Ausgelöst durch den Klimawandel und Diskussionen über die Energiewende will die Europäische Union den Energieverbrauch der Mitgliedsstaaten bis zum Jahr 2020 um zwanzig Prozent senken. Dazu wurde im Jahr 2005 die Ökodesign-Richtlinie verabschiedet, die strenge Energieeffizienzkriterien für Elektrogeräte und

Leuchtkörper vorschreibt. Durch das Verbot der Glühbirne sollen in der gesamten EU circa fünfzehn Millionen Tonnen CO2 eingespart werden und damit die Klimaziele des EU-Parlaments ein wenig realistischer machen. Geht diese Rechnung auf? Aus der Sicht eines Privathaushaltes betrachtet wird auf Dauer viel Energie gespart. Damit hat der Verbraucher ein gutes Gewissen, und der Geldbeutel wird obendrein geschont. Aber um zu beurteilen, ob Energiesparlampen gut fürs Klima sind und den Energieverbrauch in der EU und damit auch den CO2-Ausstoß tatsächlich senken, muss

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Umwelt man sich den Gesamtprozess von der Herstellung bis zur Verwertung der Lampen ansehen. Für die Produktion einer Sparlampe wird die zehnfache Menge an Energie benötigt, die bei der Herstellung einer normalen Glühbirne verbraucht wird. Durch die lange Lebensdauer und den erheblich geringeren Stromverbrauch wird diese Bilanz aber wieder ausgeglichen. Problematisch für die Ökobilanz und die Umweltverträglichkeit der Energiesparlampe scheint vor allem die Entsorgung, denn das in der Lampe enthaltene Quecksilber ist hochgiftig. In neueren, hochwertigen Sparlampen sind zwar nur circa 2 mg Quecksilber enthalten, dennoch dürfen sie nicht über den normalen Hausmüll oder gar den Glascontainer entsorgt werden, denn so kann das Gift in die Umwelt gelangen und einen beträchtlichen Schaden anrichten, wenn man davon ausgeht, dass alle vierzig Millionen Haushalte in Deutschland jetzt auf Energiesparlampen umsteigen.

dem gänzlichen Verbot der Glühbirne immer noch nur ungefähr zwanzig Prozent aller Energiesparlampen ordnungsgemäß entsorgt werden. Die Lampen müssen bei örtlichen Sammelstellen abgegeben werden; die meisten Menschen machen sich diese Mühe nicht oder wissen es schlichtweg gar nicht. Geschäfte nehmen die Lampen, die sie selbst verkauft haben, auch nur in seltenen Fällen zurück. Aber auch wenn die Lampen ordnungsgemäß entsorgt werden, beginnt nach Recherchen des Fernsehsenders NDR oft ein langer Transport zwischen verschiedenen Sammelstellen, in dessen Verlauf viele Leuchten zu Bruch gehen. Die Sortierung der einzelnen Bestandteile im anschließenden Recyclingprozess ist ebenfalls sehr energieaufwendig. Genaue Zahlen über den Energieverbrauch oder die Schadstofffreisetzung während der Entsorgung gibt es nicht, und so bleiben auch Gesamtenergie- und Ökobilanz der Wunderlampe im Dunkeln.

Es bleibt ein fader Beigeschmack Klare Zahlen zum gesamten Energieverbrauch und –gewinn der Sparlampe von der Produktion über die Nutzung bis hin zur Verwertung gibt es also nicht. Trotzdem sind die meisten Energieexperten, Umweltverbände und das Umweltbundesamt sicher, dass durch diese Lampen gegenüber normalen Glühbirnen mehr Energie eingespart werden kann - und wahrscheinlich liegen sie damit auch richtig. Aber ein übler Nachgeschmack bleibt, denn das Quecksilberproblem ist nach wie vor ungelöst. Das Quecksilber aus den Lampen zu gewinnen und wieder zu verwerten ist zu teuer und daher unrentabel, stattdessen wird es größtenteils in Fässern verstaut und in Salzstollen eingelagert.

Bild: w.r.wagner/pixelio Rolf van Melis

Doch leider fehlte es während der letzten Jahre, in denen die Umstellung auf die Energiesparlampe in vollem Gange war, an Aufklärung, so dass auch nach

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Umwelt So ersetzt man ein Problem - Glühbirnen als Energiefresser - durch ein neues: Sparlampen als Giftmüll. Nicht gerade das, was man sich unter einer umweltverträglichen, nachhaltigen Lösung vorstellt. Auch für den Hausgebrauch ist die Energiesparlampe nicht gerade eine Ideallösung. Zerbricht im Haushalt eine Lampe, werden in Sekundenschnelle Quecksilberdämpfe frei, die gesundheitsschädlich wirken können. Deshalb müsste es auf den Verpackungen der Leuchten eigentlich einen Warnhinweis geben, der aber bislang nur selten zu finden ist. Das Fazit aus der neuen EU-Regelung: Der Wille, Energie zu sparen, ist erkennbar und eine Umstellung auf sparsamere Leuchtmittel in punkto Energieeffizienz sicherlich ein wichtiger Schritt. Allerdings hat man im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie andere mögliche Umweltrisiken der Energiesparlampe unbeachtet gelassen, was nicht gerade von Weitsicht zeugt. Für den Verbraucher bleibt festzuhalten, dass im Umgang mit Energiesparlampen und vor allem bei deren Entsorgung Vorsicht geboten ist. Aber auch bei richtigem Umgang kann die Kompaktleuchtstofflampe höchstens eine Übergangslösung hin zu anderen Leuchtmitteln ohne Giftstoffe sein. Und wer schon jetzt seine Wohnung umweltfreundlich und ohne Gifteinsatz beleuchten will, kann auf die bisher zwar noch teuren, dafür aber gesundheitlich unbedenklichen LED-Lampen umsteigen.

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Mehr Akzeptanz für den Prügelknaben der Nation Der Waschbär kommt in Deutschland immer häufiger vor und wird daher von den meisten Menschen als ‚Plage‘ abgestempelt. Damit teilt er sein Schicksal mit vielen anderen Säugetierarten wie beispielsweise dem Mink, verschiedenen Vögeln und Wirbellosen, die vom Menschen nach Europa eingeschleppt wurden und sich hier schnell ausbreiteten. Dieses Problem ist vom Menschen gemacht, und es ist aus Tierschutzsicht bedenklich, eingeschleppte Tierarten einfach als Plage einzustufen und mithin einer tierfreundlichen Lösung aus dem Wege zu gehen. Tierschutz bedeutet immer, Verantwortung für jedes einzelne Tier zu übernehmen, und deshalb lohnt es sich, einen näheren, unvoreingenommenen Blick auf den Waschbären als Individuum zu werfen.

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er Waschbär ist eigentlich in Nordamerika heimisch, wurde aber Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als Pelzlieferant nach Europa gebracht. Er gehört zur Familie der Kleinbären und lebt bevorzugt in gewässerreichen Wäldern. Da Waschbären sehr anpassungsfähig sind, haben sich viele Vertreter dieser Art in den letzten Jahren aber auch im städtischen Bereich angesiedelt. Waschbären haben zudem ein sehr gutes Erinnerungsvermögen, und so vergessen sie eine Stelle, an der es einmal reichlich Futter gab, nicht wieder. Aufgrund dieser Eigenschaften etablierte sich der Waschbär nach seiner Auswilderung schnell in der europäischen Fauna, und einige Jahrzehnte später wurden die ersten Stimmen laut, die den Neuankömmling als Gefahr für die heimische Tierwelt einstuften.

So begann der fortwährende „Kampf“ des Menschen gegen ein Säugetier, dem er selbst einen neuen Lebensraum geschaffen hat. Dabei ist der Waschbär laut Bundesnaturschutzgesetz mittlerweile den heimischen Arten zuzuordnen, da er sich ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen hinweg in freier Wildbahn behaupten konnte. Die Frage, ob der Waschbär nun wirklich eine „Plage“ ist und als invasive Art eine Gefahr für unser heimisches Ökosystem darstellt, lässt sich anhand dreier Kriterien bewerten, die vor allem in den Arbeiten der Biologen und Waschbärenforscher Frank-Uwe Michler und Ulf Hohmann erläutert werden. 1. Übertragen Waschbären Krankheiten oder Parasiten auf heimische Wildtiere? Nein! Der Waschbär spielt in Europa als Überträger von Seuchen und Parasiten kaum eine Rolle. Natürlich können auch Waschbären beispielsweise an Tollwut erkranken oder bestimmte Parasiten tragen, aber ihre Rolle in der Entwicklung von Epidemien ist unerheblich. 2. Verdrängen Waschbären heimische Arten? Nein! Abschließend lässt sich die Frage natürlich noch nicht beantworten,

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aber bisher gibt es keine Beweise, die darauf hindeuten, dass Waschbären heimische Tierarten bedrohen oder verdrängen. Als Allesfresser können sich Waschbären an verschiedene Bedingungen anpassen und verdrängen daher keine spezialisierten Arten, weil es kaum Nahrungskonkurrenz gibt. Es gibt Einzelbeobachtungen von Tieren, die Nester ausrauben, aber dabei handelt es sich lediglich um Gelegenheitsbeute. Eine ernsthafte Bedrohung für das Überleben anderer Arten stellen Waschbären nicht dar. Im Gegenteil - es gibt wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass dem Niederwild durch den Waschbären kein Schaden zugefügt wird. Ein gutes Beispiel für die Koexistenz von Waschbären und verschiedenen Vogel- und Niederwildarten ist der Müritz-Nationalpark, in dem es die höchste Besiedlungsdichte von Waschbären in Deutschland gibt. Gleichzeitig brüten dort aber auch viele Vogelarten, unter anderem der Kranich, in großer Zahl. Man tut dem Waschbären also Unrecht, wenn man ihn für das Verschwinden bestimmter Tierarten verantwortlich macht. 3. Verursachen Waschbären wirtschaftliche Schäden? Ja, aber es gibt einfache Maßnahmen, um dies zu verhindern. Waschbären nutzen Dachböden und Kaminschächte gerne als Schlaf- oder Wurfplätze. Dabei zerstören sie Dachisolierungen oder verursachen Schäden durch Kot, ganz zu schweigen von der Lärmbelästigung.

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Auf das Dach gelangen Waschbären meist über die Regenrinne oder überwachsende Bäume, und verschobene Ziegel oder andere Öffnungen dienen dann als Einstieg in den Dachboden. Um dies zu verhindern, gibt es folgende Möglichkeiten: • Gehölze, die über das Dach wachsen, sollten zurückgeschnitten werden. • Um Bäume und Fallrohre kann man glatte Metallmanschetten anbringen, die den Stamm bzw. das Rohr umschließen und keinerlei Haltemöglichkeiten geben sollten. Die Manschetten sollten mindestens einen Meter hoch sein. Wenn ein Tier versucht, daran hochzuklettern, wird es an dieser Stelle nicht weiterkommen. • Mögliche Schlupflöcher im Dach kann man mit dauerhaftem Baumaterial verschließen (kein Blei und keine Leichtbauplatten). Ansonsten empfiehlt es sich, den Waschbären nicht zusätzlich durch Essensreste in Mülleimern oder auf Komposthaufen

anzulocken. Mülltonnen können beispielsweise mit starken Spanngurten gesichert werden, damit die Tiere den Deckel nicht öffnen können. Fleisch, Milchprodukte, Brot und Obst fressen Waschbären besonders gerne. Deshalb sollte man solche Essensreste nicht auf dem Komposthaufen entsorgen und auch Fallobst am Haus absammeln. Mit diesen Maßnahmen gelingt es gut,

Hier findet sich bestimmt etwas Essbares!

Waschbären vom Haus fernzuhalten, und sollte es doch einmal einem Tier gelingen, in das Haus einzudringen, gibt es Experten, die darauf spezialisiert sind, Waschbären zu vertreiben ohne sie zu schießen.

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Ein Waschbär in der Stadt

Die Bejagung von Waschbären ist auf jeden Fall keine Lösung, denn es handelt sich dabei weder um eine tierschutzgerechte noch um eine sinnvolle Maßnahme. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Waschbären auf eine Dezimierung der Population mit einer erhöhten Fortpflanzungsrate reagieren. Werden immer wieder Tiere geschossen, bewirkt das eine höhere Paarungsbereitschaft auch bei sehr jungen Weibchen, die normalerweise noch nicht an der Fortpflanzung teilnehmen. So führt die Jagd auf Waschbären letztlich dazu, dass deren Gesamtzahl dennoch stabil bleibt oder sogar noch ansteigt.

Leider interessieren sich Mitglieder der Landesjagdverbände genauso wenig für solche Forschungsergebnisse wie für die Erkenntnis, dass der Waschbär nach Betrachtung der drei erwähnten Kriterien keine schädliche, invasive Art ist. Seine Rolle als Überträger von Krankheiten und auch sein ökologischer und ökonomischer Einfluss sind insgesamt eher unbedeutend. All das rechtfertigt keine Hetzjagd auf den Waschbären wie sie im Moment in einigen Regionen Deutschlands stattfindet.

zeigt, dass Bejagung in den meisten Fällen ohnehin völlig sinnlos ist.

Jedem, der den Waschbären auch jetzt noch als Plage empfindet, hilft es vielleicht, sich Folgendes vor Augen zu führen: Der Mensch ist für die Etablierung des Waschbären in Deutschland genauso verantwortlich wie für die Ausbreitung des Kaninchens in Australien, die Einschleppung der Wollhandkrabbe in ganz Europa, die Etablierung der Pazifischen Auster im Wattenmeer, die Verbreitung des Minks in Europa… Diese Tiere können nichts dafür, dass sie als Pelzlieferant, Nahrungsmittel, Jagdtrophäe oder schlicht aus Dummheit eingeschleppt wurden, daher sollte die logische Konsequenz lauten, dass sie nun auch nicht darunter leiden sollten. Zumal das Beispiel des Kaninchens und des Waschbären

Die Privatinitiative „Schutz der Waschbären“: Ursula Laub und ihr Mann haben im Jahr 2004 in Nonnweiler eine Privatinitiative ins Leben gerufen, die sich für die friedliche Koexistenz von Mensch und Waschbären einsetzt. Die Initiative klärt über den Umgang mit Waschbären auf, vermittelt Adressen von Fachleuten und erstattet auch Anzeige bei unrechtmäßiger Bejagung oder illegaler Fallenstellung. Mittlerweile wurde bundesweit ein Netz mit Wildtierauffangstationen und Pflegestellen für verletzte oder verwaiste Waschbären aufgebaut. Bei Fragen zum Thema Waschbären können Sie sich unter der Telefon- und Faxnummer 0 68 73-4 56 an die Privatinitiative wenden.

Ein Zitat der Pionierin der Waschbärenforschung Dr. Walburga Lutz (1981) bringt es auf den Punkt: „Es ist müßig zu fragen, ob die Einbürgerung (des Waschbären) zu begrüßen oder zu verurteilen war, nachdem nahezu das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland besiedelt ist. Die Einbürgerung selbst ist erfolgreich verlaufen und nicht mehr rückgängig zu machen. Wir sollten deshalb mit dem Waschbären leben wollen.“

Fotos: efector/sxc.hu madmaven2/sxc.hu onderc/sxc.hu SL370736

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Hilfe, meine Katze frisst den Weihnachtsbaum! In vielen Haushalten ist es schon so weit: Die Weihnachtsdekoration hat Einzug gehalten. Der Festschmuck ist aus der Advents- und Weihnachtszeit nicht wegzudenken und für unsere Haustiere auch meist völlig unbedenklich. Dennoch spielen sich in unseren Tierarztpraxen alle Jahre wieder die gleichen Szenarien ab.

Bild: BettinaF/pixelio, Sabine Jaunegg/pixelio

Hunde, die die Weihnachtsdekoration zum Fressen gern hatten, Magen-Darm-Beschwerden nach Festmahlsplünderung und Verletzungen nach näherer Bekanntschaft mit der guten, alten Christbaumkugel. Damit solch unfreiwillige Weihnachtsklassiker nicht auch bei Ihnen daheim passieren, sollten Sie einige Dinge beachten.

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n einem unbeobachteten Moment kann ein Hund oder eine Katze schnell einmal auf die Idee kommen, die neue Dekoration genauer unter die Lupe zu nehmen. Dann kann aus dem neugierigen Erkunden scheinbar harmloser Gegenstände schnell ein tierärztlicher Notfall werden. Lassen Sie Ihr Tier deshalb nie unbeaufsichtigt in der

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Nähe von Weihnachtsdekoration oder gar brennenden Kerzen auf Adventskränzen und an Weihnachtsbäumen. Auch den übrigen Christbaumschmuck sollte man dem Erkundungsdrang seiner Tiere anpassen. Während sich viele Haustiere gar nicht an der glitzernden, neuen Zimmerpflanze stören, finden insbesondere junge Katzen und Hundewelpen die bunten Glaskugeln des Baums sehr spannend. Kleine, glitzernde Anhänger könnten verschluckt werden, und Scherben heruntergefallener Glaskugeln können zu Verletzungen der Pfoten führen. Hängen Sie deshalb zerbrechlichen Christbaumschmuck außerhalb der Reichweite Ihres Tieres auf, oder steigen Sie gleich ganz um auf Holzschmuck. Und damit der ganze Baum nicht nach einem Akt des Übermuts Ihres Haustieres plötzlich der Länge nach auf dem Boden liegt, befestigen Sie ihn am besten zusätzlich mit einer Kordel an der Wand. Auch Lametta, Bänder und Ketten werden gerne einmal verschluckt und verheddern sich dann im Magen-DarmTrakt. Sieht man, dass ein Tier Lametta

oder ähnliches verschluckt, sollte man deshalb sofort zum Tierarzt fahren, denn es droht im schlimmsten Fall ein lebensgefährlicher Darmverschluss. Sie sind auf der sicheren Seite, wenn Sie generell alle verschluckbaren Gegenstände vom Boden und aus niedriger Höhe verbannen. Denn auch Dinge wie Krippenfiguren sind nicht erst einmal von Hunden gefressen worden... Schwere Verdauungsprobleme oder Schlimmeres drohen auch, wenn der Hund Schokolade vom Weihnachtstisch stiehlt. Kakao ist für Hunde und Katzen schädlich, und schon zwei Stücke Zartbitterschokolade können für einen Chihuahua tödlich sein. Instruieren Sie deshalb am besten auch Ihre Besucher und deren Kinder, dem Hund keine Leckerlis vom Tisch zu füttern. Das gilt natürlich nicht nur für Süßigkeiten. Besondere Vorsicht ist außerdem geboten bei Mistelzweig und Co., denn Blätter und Stängel der Mistel sind für alle Kleintiere giftig. Auch der klassische Weihnachtsstern kann unter Umständen schädlich sein. Will man also nicht auf diese Pflanzen verzichten, sollte man sie in jedem Fall von seinen Tieren fernhalten. Und nun wünschen wir Ihnen, Ihrer Familie und natürlich Ihren Tieren eine besinnliche Adventszeit und ein entspanntes Weihnachtsfest!

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Draußen wird es kalt ... Während ihr Mützen, Handschuhe und gefütterte Stiefel anziehen müsst, hat die Natur schon lange vorgesorgt. Viele Wildtiere schützen sich auf ganz unterschiedliche Art vor der Kälte.

Fledermäuse findest du in der

kalten Jahreszeit in Höhlen und Kellern. Dort hängen sie kopfüber an den Decken und halten ihren Winterschlaf. Hierzu decken sie sich mit ihrer Flughaut zu und wärmen sich gegenseitig. Wenn es so kalt wird, dass ihre Körpertemperatur auf drei Grad Celsius sinkt, wachen sie auf und suchen sich ein wärmeres Plätzchen. So können sie nicht erfrieren und schlafen an ihrem neuen Platz einfach weiter.

Grasfrösche verbringen den Winter starr vor Kälte am Grund von Seen oder Teichen. Sie fallen hierzu in eine Kältestarre und, wenn nötig, ertragen sie sogar eine kurze Zeit lang Temperaturen unter null Grad Celsius.

Blaumeisen verbringen den Winter in ihrer Heimat und ziehen nicht in den Süden. Damit sie nicht frieren, plustern sie sich förmlich auf. Dabei bilden sich in ihrem Gefieder kleine Hohlräume, die Luft enthalten, und es entsteht ein natürlicher Wintermantel.

Igel rollen sich während ihres Winterschlafs unter Laubhaufen und Hecken ein. Damit Igel den Winter überstehen, haben sie sich bis zum Spätherbst ein Fettpolster angefressen, von dem sie nun zehren. Während des Winterschlafs verringert sich der Herzschlag und die Atmung.

Honigbienen

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Bilder - sxc.hu

ziehen sich, wenn die Temperaturen sinken, in ihren Stock zurück. Hier bilden sie zusammen mit ihrer Königin eine große Gruppe. Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius erzeugen die Heiz-Arbeiterinnen durch die Bewegung ihrer Brustmuskulatur.

Respektiere


Service Findest du die fünf Unterschiede?

,

Weißt du, welches Tier hier abgebildet ist? Übrigens: Auch dieses Tier schützt sich vor der Kälte. Hierzu bildet es eine fast acht Zentimeter dicke Fettschicht, die als Wärmepolster dient.

Lösung: Ein Walross

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Service Foto: Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus, Rosengewächse)

Serie „Giftpflanzen“ Teil 1: Immergrüne Pflanzen

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Service Mit dieser Ausgabe von „Respektiere“ beginnt unsere neue Serie über Giftpflanzen. In den folgenden Ausgaben unseres Heftes werden die wichtigsten giftigen Gewächse, die Ihnen in Gärten, auf Wiesen und in Wäldern begegnen, erwähnt und beschrieben. Viele der vorgestellten Pflanzen sind für Hund und Katze gleichermaßen giftig wie für Pflanzenfresser, und auch für uns Menschen sind die meisten Giftpflanzen nicht ungefährlich. Eibe (Taxus baccata, Eibengewächse) Alle Teile dieser Pflanze, bis auf den leuchtend rot gefärbten Samenmantel, sind hochgiftig für Mensch und Tier. Je nach Standort wächst die Eibe als Strauch oder Baum, freistehende Exemplare sind oft bis zum Boden beastet. Der Stamm trägt eine rotbraune Schuppenborke, die sich nach und nach schuppig ablöst. Die Nadeln des Baumes sind relativ weich, auf der Oberseite glänzend dunkel- und auf der Unterseite hell- bis olivgrün. Verwechslungen mit anderen Nadelbäumen sind auf den ersten Blick möglich. Nach ungefähr fünfzehn Jahren tragen Eiben zum ersten Mal kleine, an Zapfen erinnernde Blüten. Von August bis Oktober erkennt man die Eibe an den leuchtend roten Samenhüllen, die fälschlicherweise oft als Beeren bezeichnet werden. Das Gift der Eibe, das Taxin, ist ein Zytostatikum. Dieser Stoff hemmt das Zellwachstum und die Zellerneuerung und wirkt dadurch schädigend auf den gesamten Organismus. Vergiftungserscheinungen sind Speichel-

fluss, die Tiere haben Schaum vor dem Maul, starke Magen- und Darmentzündungen, Krämpfe, Durchfall oder auch Verstopfung. Sie taumeln und erleiden schließlich einen Kreislaufkollaps. Der Tod tritt durch Atemlähmung und Herzversagen ein. Das Gift ist für Menschen und alle Tiere (außer Rehen und Rotwild) tödlich. Beim Pferd kann schon die Aufnahme von einhundert bis zweihundert Gramm Eibennadeln zum Tod führen. Für Rinder, Schafe und Ziegen liegt die tödliche Dosis bei etwa zehn Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus, Rosengewächse)

Samen der Eibe (Taxus baccata)

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säure. Im Laufe des Verdauungsprozesses entsteht aus Prunasin Blausäure und führt bei Aufnahme von größeren Mengen zu Herz- und Atemstillstand. Bei kleineren Mengen beobachtet man Reizungen der Schleimhäute, MagenDarmstörungen und Atemprobleme. Kirschlorbeer ist giftig für Pferde, Rinder und Kühe, Schweine, Hunde und Katzen, Nager, aber auch für Vögel. Die tödliche Menge für Rinder beträgt fünfhundert bis eintausend Gramm Kirschlorbeer-Blätter. Da Kirschlorbeer immergrüne Blätter trägt, wird er zur

Hecke aus Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus)

Der Kirschlorbeer (oder richtig die Lorbeerkirsche) ist ein immergrüner Strauch oder Baum aus Asien, der oft als Hecke oder Zierpflanze in Gärten zu sehen ist. Insbesondere die Blätter und Samen der Pflanze enthalten das hochgiftige Prunasin, eine Vorstufe der Blau-

Herbst- und Winterzeit mangels anderen frischen Grünfutters gerne von Tieren auf der Weide angefressen. Übrigens finden sich Blausäurevorstufen oder -verbindungen in allen Pflanzenarten der Gattung Prunus, wozu auch viele Obstbäume (z.B. Kirsche, Pflaume und Aprikose) gehören. Das Gift Amygdalin, das in Kombination mit Wasser Blausäure bildet, befindet sich

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Service ger Harnausscheidung auf. Das Gift reichert sich in der Leber an und führt somit zu Leberproblemen. Todesfälle sind nicht bekannt, können aber als Folge der Langzeitschädigungen der Leber auftreten.

So können Sie helfen, Giftpflanzen von ihren und anderen Tieren fernzuhalten: • Füttern Sie Tiere auf keinen Fall mit Pflanzen, von denen Sie nicht genau wissen, dass sie nicht giftig sind. Viele Pflanzen, die allgemeinhin für unbedenklich gehalten werden (z.B. die Tomate), können für Tiere schädlich sein. Bei fremden Tieren gilt generell Fütterungsverbot. • Eliminieren Sie giftige Bäume und Sträucher, die auf Viehweiden wachsen, am besten vollständig. Es reicht oft nicht aus, einen Zaun um das Gewächs zu ziehen, da viele Tiere (vor allem Schafe und Ziegen) trotzdem einen Weg finden, um an das Grün auf der anderen Seite zu gelangen. Eiben und Sadebäume stehen allerdings auf der Roten Liste der bedrohten Pflanzenarten. Sie dürfen diese also nicht ohne weiteres fällen. • Informieren Sie andere Menschen über diese Pflanzen, und machen Sie sie auf giftige Gewächse in ihren Gärten aufmerksam. • Pflanzen Sie keine giftigen Sträucher, Bäume, Stauden oder Kräuter an Zäune oder Grundstücksgrenzen, die neben Weiden liegen. • Entsorgen Sie Schnittabfall dieser Pflanzen so, dass kein Tier davon fressen kann und unbedachte Menschen nicht auf die Idee kommen könnten, die Tiere damit zu füttern. Weitere Infos zu Giftpflanzen, Beschreibungen und Bilder finden Sie auf der Internetseite www.botanikus.de. Dort gibt es auch einen eigenen Bereich zu Giftpflanzen und Tieren.

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Rhododendron (Rhododendron spec.)

in den Kernen. Es kann im Herbst, wenn die Tiere beim Aufnehmen der Früchte den Stein zerbeißen, zu starken Vergiftungen führen. Rhododendron (Rhododendron spec., Heidekrautgewächse) Das Rhododendron, häufig als Zierstrauch oder -baum genutzt, hat lorbeerähnliche Blätter, ist aber mit dem zuvor erwähnten Kirschlorbeer nicht näher verwandt. Die meisten Rhododendrenarten sind immergrün und werden daher wie der Kirschlorbeer in der kalten Jahreszeit von Tieren auf Winterweiden oft angeknabbert. Das Rhododendron ist für alle Großtiere sowie für Nager, Hunde, Katzen und Vögel stark giftig. Die Pflanze enthält das Gift Andromedotoxin, das zu Darmentzündungen, Speichelfluss, Krämpfen, Lähmungen und Atemstillstand führt.

Zur Familie der Zypressengewächse gehört auch der hochgiftige Sadebaum (Juniperus sabina). Er kann auf den ersten Blick mit Lebensbäumen verwechselt werden, ist allerdings näher mit dem Wacholder verwandt. Zu erkennen ist der Sadebaum im Herbst an auffälligen, Sadebaum (Juniperus sabina) blau bereiften Beerenzapfen. Wischt man den blauen Belag ab, tragen die Zapfen eine schwarze Farbe. Wenn man die Pflanze zerreibt, verströmt sie einen starken Geruch, durch den sie gut vom verwandten Wacholder zu unterscheiden ist. (Bildquellen: augenblicke, Rolf Handke/pixelio)

Lebensbaum (Thuja spec., Zypressengewächse) Zu den Lebensbäumen gehören verschiedene Arten, die meist als Strauch und mit mehreren Stämmen auftreten. Die Blätter sind schuppenförmig, immergrün und verströmen beim Zerreiben einen starken Geruch nach ätherischen Ölen. Alle Lebensbaumarten sowie die ähnlich aussehenden Scheinzypressen sind giftig. Die ätherischen Öle (z.B. Thujon) sind vor allem in den Spitzen der Zweige enthalten und sind toxisch für alle Großtiere, Hunde, Katzen, Nager und Vögel. Bei einer Vergiftung treten Magen- und Darmbeschwerden, Krämpfe, Veränderung von Leber und Nieren verbunden mit erhöhtem Harnvolumen, aber gerin-

Lebensbaum (Thuja spec.) an einem Weidezaun ein ungünstiger Standort für eine Giftpflanze.

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Zähneputzen beim Hund Modeerscheinung oder sinnvolle Vorsorge?

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mmer häufiger sprechen Hundebesitzer und auch Tierärzte das Thema „Zähneputzen“ an. Wahrscheinlich fragen sich aber genauso viele Tierfreunde, ob das wirklich sinnvoll ist. Nicht selten hört man die Frage: „Warum soll ich denn Zähne putzen? In der Natur würden sich die Hunde auch nicht die Zähne putzen…“ Das stimmt. Aber in der Natur gilt das Gesetz der natürlichen Auslese. Das würde bedeuten, dass ein Hund mit guten Zähnen länger lebt und sich somit auch öfter fortpflanzt. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Hunde mit der Veranlagung für gute Zähne geboren werden, und Hunde mit schlechten Zähnen „aussterben“. Diese Theorie ist auf unsere Hunde natürlich nicht anwendbar. Sie leben nun einmal nicht frei in der Natur, sondern in der Obhut des Menschen. Ob ein Hund die Veranlagung für gute oder schlechte Zähne hat, kann man im Voraus nicht sagen. Es ist aber auf jeden Fall wichtig, die Maulhöhle und die Zähne regelmäßig zu kontrollieren, um frühzeitig Probleme zu erkennen.

stein kann in mehrerer Hinsicht schädlich für die Gesundheit der Tiere sein. In erster Linie ist natürlich der Zahn selbst betroffen. Probleme wie Gingivitis (Entzündung des Zahnfleisches), Stomatitis (Entzündung der Maulschleimhaut) und Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) können über kurz oder lang zum Zahnverlust führen. Des Weiteren kann Plaque/Zahnstein auch die Ursache schwerer systemischer Erkrankungen sein. Die in Plaque enthaltenen Bakterien werden über die Blutbahn in den Gesamtorganismus abgesiedelt und können sich in bestimmten Organen festsetzen. Dies führt nicht selten zu irreversiblen Herzmuskelschäden, Herzklappen-, Leber- sowie Niereninsuffizienzen. Ist erst einmal Zahnstein beziehungsweise mineralisierte Plaque vorhanden, kann man mit dem Putzen der Zähne nicht mehr viel erreichen. Das Ziel muss also sein, Zahnstein erst gar nicht entstehen zu lassen, indem man bereits die Bildung von Plaques verhindert. Wie putze ich richtig?

hochgradig Zahnstein/Gingivitis

Warum ist Zähneputzen also sinnvoll? Zähneputzen verhindert die Anlagerung von Futterresten und Bakterien und somit die Entstehung von Plaques (Zahnbelägen), die durch spätere Mineralisation Zahnstein entstehen lassen. Der Zahn-

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Natürlich ist es schwierig, Hunde oder auch Katzen davon zu überzeugen, dass sie einmal am Tag die Zähne geputzt bekommen. Am besten erreicht man dies, wenn man bereits im Welpenalter anfängt, sie daran zu gewöhnen, sich am und im Maul anfassen zu lassen. Dies übt man so lange, bis das Tier es nicht mehr als unangenehm empfindet. Geduld ist hier eine der wichtigsten Tugenden. Das Anheben der Lefze und das Öffnen des Mauls sollten ebenfalls geübt werden. Danach kann man beginnen, mit dem Finger hinter der Lefze an der Außenseite der Zähne entlangzustreichen. Es ist meist einfacher, den Hund erst an die Bewegungen im Maul mit den eigenen Fingern zu gewöhnen als direkt mit einem Fremdkörper wie

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Service einer Zahnbürste oder einem sogenannten Fingerling (eine kleine, mit Borsten besetzte Fingerkappe) zu arbeiten. Wenn auch dies vom Hund toleriert wird, kann man mit „echten“ Hilfsmitteln beginnen. Hier ist es sinnvoll, den Vierbeiner erst an

den. Ob das Zähneputzen erfolgreich war, kann man ganz einfach selbst testen: Wenn man mit dem Fingernagel über den Zahn fährt, und Beläge gelöst werden können, war das Zähneputzen nicht gründlich genug. Dies ist auch eine gute Möglichkeit, um zu testen, wie oft man Zähne putzen sollte. Welche Zahnbürste/Zahnpasta ist die Richtige?

die Zahnpasta zu gewöhnen, indem man die Zahnpasta als Leckerli anbietet. Am besten eignet sich zum Zähneputzen eine möglichst weiche Zahnbürste oder ein wie eben erwähnter Fingerling. Da die Gingiva (Zahnfleisch) sehr empfindlich ist, sollten keine harten Zahnbürsten verwendet werden. Die beseitigen zwar effektiver die Plaques, schädigen aber gleichzeitig das Zahnfleisch, so dass Entzündungen oder Verletzungen entstehen können. Anfangs sollte man sich in erster Linie auf die bukkalen Außenflächen der Zähne beschränken, da der Hund hierbei das Maul nicht öffnen muss, und dies meist besser toleriert wird. Auch sollte man mit den Zähnen im Unterkiefer beginnen, damit Hunde, die empfindlich auf Gerüche reagieren, nicht von der Zahncreme abgeschreckt werden. Lässt sich der Hund das Maul öffnen, kann man vorsichtig die Kauflächen und die Innenseiten der Zähne putzen. Bei unseren Vierbeinern gibt es, anders als bei uns Menschen, wenig Zahnzwischenräume. Nur im Incisiven- (Schneidezahn-) sowie im Molaren- (Backenzahn-) bereich des Oberkiefers finden sich breiter werdende Zahnzwischenräume. Diese können bei der Entstehung von Parodontalproblemen von Bedeutung sein und erfordern bei der Zahnpflege besondere Aufmerksamkeit. Auch bei unseren Tieren gilt die Faustregel „von rot nach weiß, immer im Kreis“. Dies ist, wie bereits erwähnt, besonders im oberen Backenzahnbereich sowie im Bereich der Incisiven von Bedeutung. Bei den anderen Zähnen ist eine leichte Rüttelbewegung vorwärts und rückwärts, besonders am Zahnfleischrand, ausreichend. Durch eine Wischbewegung in Richtung Zahnkrone können die vorher durch die Rüttelbewegung gelösten Plaques entfernt wer-

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Mittlerweile gibt es verschiedenste Zahnbürsten und auch Zahnpasten speziell für Tiere. Doppelkopfzahnbürsten sind dabei die effektivsten, da sie die Innen- sowie die Außenflächen der Zähne in einem Arbeitsgang reinigen. Bei den speziellen Zahnpasten hat man den Vorteil, dass diese nicht schäumen; sie dürfen vom Hund abgeschluckt werden und werden aufgrund von Aromen (zum Beispiel Geflügelaroma) von den meisten Tieren sehr gut angenommen. Diese Zahncremes enthalten auch medizinische Zusätze wie beispielsweise Enzyme (zur Bildung antibakterieller Substanzen), Antioxidantien und Chlorhexidin (zur Beseitigung lokaler Entzündungen). Man sollte auf den Gebrauch von humanen Zahncremes verzichten, da sie wegen ihres hohen Fluoridgehalts toxisch wirken können, weil die Hunde ihr Maul nach dem Putzen nicht ausspülen, sondern die Zahncreme abschlucken. Was kann ich sonst tun? Wenn das Zähneputzen trotz aller Bemühungen dennoch nicht oder zu selten durchgeführt werden kann, gibt es mehrere Möglichkeiten, trotzdem etwas für die Zahngesundheit zu tun, zum Beispiel über das Futter. Es gibt Futtermittel (meist Trockenfutter) oder Kauartikel, die aufgrund ihrer Struktur und Größe einen „Bürsteneffekt“ haben und für den nötigen Abrieb von Plaque an den Zähnen sorgen. Grundsätzlich bedeutet dies aber nicht, dass handelsübliches Trockenfutter immer besser ist als Nassfutter. Eine weitere Möglichkeit, um Plaque vorzubeugen, sind tiermedizinische, chlorhexidinhaltige Lösungen für das Trinkwasser, die antibakteriell wirken und somit die Bakterienanzahl in der Mundhöhle verringern. Nach einer professionellen Zahnreinigung hat man

zudem die Möglichkeit, ein sogenanntes Zahnwachs auf den Zahn aufzubringen und somit die Anheftung von Plaques zu verzögern. Auch wenn diese Möglichkeiten sowohl für den Vierbeiner als auch für den Besitzer komfortabler und weniger aufwendig sind, so sind sie doch nur die zweite Wahl. Mit ihnen lässt sich auf keinen Fall die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit des Zähneputzens erreichen. Helfen diese Maßnahmen alle nicht, sollte - je nach Bedarf etwa ein- bis zweimal im

Jahr - eine professionelle Zahnreinigung durch den spezialisierten Tierarzt durchgeführt werden. Diese Behandlung kann oder muss häufig durch professionelle Parodontalbehandlungen (Scaling und Kürettage) ergänzt werden. Fazit: Zähneputzen ist keine Modeerscheinung, sondern eine effektive Möglichkeit, die Zahn- und mithin auch Allgemeingesundheit unserer Vierbeiner längerfristig aufrechtzuerhalten. [Text: Tierärztin Alina Ufer aus dem Zahnzentrum für Kleintiere in Overath] Tiergesundheitszentrum Overath Zahnzentrum für Kleintiere Dr. med. vet. Dietmar Bücheler Fachtierarzt für Zahnheilkunde Kleintiere Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde An den Gärten 11, 51491 Overath Telefon: 0 22 06-8 18 14 www.vet-med-dent.com

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Service

Serie „Artgerechte Tierhaltung“ Teil 1: Kaninchen – Allgemeines und Ernährung Das Kaninchen ist eines der beliebtesten Haustiere Deutschlands und zugleich das Tier, bei dessen Haltung die meisten Fehler gemacht werden. Um genau diese Fehler zu vermeiden, beschäftigt sich Teil 1 unserer Serie „Artgerechte Tierhaltung“ mit den Bedürfnissen dieser Nager und dem richtigen Umgang mit Zwerg- und Stallkaninchen. Denn es sind nicht nur Zwergkaninchen, die in deutschen Kinderzimmern unter schlechten Haltungsbedingungen leiden; auch große Rassen werden von Hobbyzüchtern nicht selten in viel zu engen Käfigen gehalten. Kaninchen sind kein Kinderspielzeug Mit ihrem niedlichen Äußeren erwecken Kaninchen natürlich schnell den Eindruck eines Kuscheltieres, aber als Spielgefährten für Kinder sind sie nicht

geeignet. Kaninchen sind Fluchttiere, die in für sie bedrohlich scheinenden Situationen sofort in ihre Verstecke flüchten. Deshalb bedeutet es für ein Kaninchen enormen Stress, festgehalten, getragen oder von mehreren Menschen bedrängt zu werden. In ruhiger Atmosphäre genießen aber die meisten Kaninchen Streicheleinheiten von Menschen, die sie kennen. Bis es soweit ist, benötigt es allerdings Geduld, die vor allem kleinere Kinder nicht aufbringen können. Natürlich gibt es unter den Langohren auch Ausnahmen. Ganz selten gibt es Kaninchen, die auch dann völlig entspannt reagieren, wenn sie getragen oder festgehalten werden. Solch entspannte Wackelnasen gehören dann meist zu den großen Kaninchenrassen, die viel neugieriger und aufgeschlossener gegenüber Unbekanntem sind als Zwergrassen.

Foto: Alexandra H/pixelio

Alle Jahre wieder beginnt an Weihnachten in vielen deutschen Wohnzimmern für unzählige Kaninchen ein langer Leidensweg: Weil sich die Kinder ein Haustier wünschen, für Hund oder Katze aber weder Platz noch Zeit ist, findet sich als Geschenk ein Kaninchen unter dem Weihnachtsbaum. Oft wurde sich zuvor nicht über die Bedürfnisse des Tieres informiert. Es wird einzeln gehalten, und als Kaninchenunterkunft dient ein kleiner Plastikkäfig aus der Zoohandlung, der dem Tier keinerlei Beschäftigungsmöglichkeiten bietet. Nach einigen Monaten oder Jahren verlieren die Kinder das Interesse an ihrem Kaninchen, und es kommt ins Tierheim oder fristet sein Dasein von nun an völlig unbeachtet in einer Ecke des Kinderzimmers.

Respektiere

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Service Von diesen Ausnahmen abgesehen gilt aber generell: Kaninchen sind als Haustiere für Kinder nur dann sinnvoll, wenn die Kinder bei der Beschäftigung mit den Tieren geduldig und ruhig genug sind. Weiterhin sollten Kaninchen nie alleine für die Kinder angeschafft werden, da diese unter Umständen doch irgendwann das Interesse verlieren oder einfach keine Zeit mehr haben, sich ausreichend um die Tiere zu kümmern. Deshalb muss vor der Anschaffung der neuen Haustiere sichergestellt sein, dass sich auch die Eltern gerne mit den Kaninchen beschäftigen und genügend Zeit haben, sie täglich artgerecht zu versorgen. Bevor die Langohren dann schließlich einziehen, sollte man sich außerdem der Tatsache bewusst sein, dass die Tiere bei artgerechter Haltung durchaus zehn Jahre alt werden können. Der Albtraum vom einsamen Kaninchen Wildkaninchen, die „Ahnen“ unserer Hauskaninchen, leben in Gruppen von zehn und mehr Tieren. Daraus ergibt sich von selbst, dass Kaninchen niemals (!) einzeln gehalten werden dürfen. Auch wenn das Tier engen Kontakt zu seinem Pfleger aufbaut, kann ihm der Mensch nie Ersatz für einen Artge-

Bild: Malena/pixelio

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nossen sein. Auch die oft praktizierte Vergesellschaftung mit einem Meerschweinchen ist nicht artgerecht. Obwohl sich Kaninchen und Meerschweinchen zwar meist akzeptieren, handelt es sich dennoch um zwei verschiedene Tierarten, die nie auf dieselbe Art miteinander kommunizieren können wie sie es mit einem Artgenossen tun. Um ihr arttypisches Verhalten ausleben zu können, sollten Kaninchen ihr Gehege mit zumindest einem Artgenossen teilen, gerne aber auch mit mehreren. Vorausgesetzt, die Tiere verstehen sich untereinander, was nicht immer der Fall ist. Hat man nur Platz für zwei Kaninchen, bietet sich ein Paar an. Bei dieser Konstellation sollte der Bock natürlich kastriert sein. Kleine Rassen werden mit ungefähr vier Monaten geschlechtsreif und können sechs- bis zehnmal im Jahr bis zu zehn Junge werfen. Wie viele Kaninchen dann in kürzester Zeit auf der Suche nach einem neuen, artgerechten Zuhause sind, kann sich jeder selbst ausrechnen… Bei einem gleichgeschlechtlichen Paar ist leider nicht immer Harmonie garantiert. Bei der Haltung zweier Böcke müssen diese zwingend kastriert sein, damit ein Zusammenleben funktioniert; am besten man hält zwei Wurfgeschwister. Zwei weibliche Tiere harmonieren erfahrungsgemäß fast nie miteinander; nicht einmal, wenn es sich um Geschwister handelt. Möchte man eine Kaninchengruppe neu zusammenstellen, sollte man darauf achten, dass die Tiere auch bezüglich des Alters und Charakters zusammenpassen. So sollten in einer Gruppe nur wenige dominante Tiere leben. Vor einer Vergesellschaftung ist es generell ratsam, den Neuzugang einige Zeit in Quarantäne zu setzen und ihn aufmerksam zu beobachten, damit keinerlei Parasiten oder Krankheitserreger in die bestehende Gruppe eingeschleppt werden. Zur Integration von Neuzugängen werden in der Fachliteratur verschiedene Methoden empfohlen. Zwei Tiere in benachbarten Käfigen aneinander zu gewöhnen, funktioniert beispielsweise nicht immer, - oft

schürt diese Methode vorhandene Aggressionen bei den Tieren. Meist lassen sich zwei Kaninchen auf neutralem Boden gut miteinander vergesellschaften. Unter Umständen jagen sich die Tiere dann zwar, und es kann jede Menge Fell fliegen, eingreifen sollte man aber wirklich nur dann, wenn Verletzungen absehbar sind. Wenn Sie ein Tier aus dem Tierheim aufnehmen, werden Ihnen die Mitarbeiter bei der Eingewöhnung des neuen Hausgenossen sicherlich mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die richtige Ernährung Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Pellets, Trockenfutter und Brot benötigt werden, um beim Kaninchen für einen natürlichen Zahnabrieb zu sorgen. Das ist ein fataler Irrtum, denn Trockenfutter kann für Kaninchen sogar sehr schädlich sein. Handelsübliches Trockenfutter oder Pellets enthalten viel Getreide und damit sehr viele Kohlenhydrate, die zu Verdauungsbeschwerden und Verfettung führen können. Finger weg auch von Nagerdrops oder Knabberstangen, die viel zu energiereich sind! Idealerweise sollte sich der Speiseplan ihres Langohrs am Nahrungsspektrum des Wildkaninchens orientieren, das Gräser, Kräuter, Gemüse und selten Obst frisst. Frisches, gut riechendes, staubarmes Heu sollte den ganzen Tag über zur Verfügung stehen, es dient unseren Hauskaninchen als Grundnahrungsmittel. Kaninchen haben einen sogenannten Stopfdarm, das heißt, der Nahrungsbrei wird nicht durch Darmbewegungen, sondern durch nachkommende Nahrung weitergeleitet. Um eine gute Verdauung zu gewährleisten, muss das Kaninchen demnach rund um die Uhr die Möglichkeit haben, Heu zu fressen. Die tägliche Gabe Grünfutter kann man auf (ungedüngten, straßenfernen) Wiesen pflücken. Hierbei aber Vorsicht vor Giftkräutern wie beispielsweise dem Jakobskreuzkraut. Außerdem bietet man den Kaninchen am besten täglich eine Auswahl an frischem Gemüse an, die beispielsweise aus Möhren, Chicorée, Gurken (geschält), Paprika und Tomaten (ohne Grünteile), Sellerie, Brokkoli und Salat bestehen kann.

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Service Mehrmals in der Woche sind auch Kräuter (zum Beispiel Dill, Petersilie und Basilikum) ein Highlight. Um die Tiere zu beschäftigen, kann man Kräutersträuße so aufhängen, dass sich die Kaninchen aufrichten müssen, um an den Leckerbissen zu kommen. Beschäftigung und eine Unterstützung des Zahnabriebes bieten außerdem verschiedene Zweige. Hier unbedingt darauf achten, dass nur ungiftige Bäume und Sträucher wie Apfel, Birne, Haselnuss und Birke verwendet werden. Bei der Fütterung gilt: Kaninchen nur langsam an neues Futter gewöhnen (auch bei einer Umstellung von Trocken- auf Grünfutter), da der empfindliche Verdauungsapparat sonst mit Durchfall reagiert. Wasser wird naturnah in schweren Tontöpfen angeboten, denn handelsübliche Trinkflaschen verlangen den Tieren eine unnatürliche Kopfhaltung ab, sind schwierig zu säubern, und bei Außenhaltung kann die Zunge des Kaninchens im Winter an den Metallteilen festfrieren. In der nächsten Ausgabe von „Respektiere“ beschäftigt sich unsere Reihe „Artgerechte Tierhaltung“ nochmals mit dem Kaninchen, und wir werden Ihnen Informationen zu Kaninchenkrankheiten, deren Vorbeugung und Behandlung geben. Weiterhin wird die Fortsetzung dieses Artikels die artgerechte Unterbringung von Kaninchen zum Thema haben. Weiterführende Informationen, auch für fortgeschrittene Kaninchenfreunde, finden Sie in zahlreichen Büchern und auf diversen Internetseiten, die Wissenswertes und Kreatives zum Thema Kaninchen vermitteln. Hier einige Beispiele: Sonja Tschöpe: „Kaninchen artgerecht halten, pflegen und verstehen“, Cadmos-Verlag, ISBN: 978-384044009-0 In diesem Buch wird auf knapp achtzig Seiten das Wichtigste zum Wesen und zur Haltung von Kaninchen beschrieben. Die Autorin räumt mit alten Vorurteilen zum Thema Kaninchenhaltung auf und begründet ihre Vorschläge anschaulich mit Schilderungen des natürlichen Verhaltens von Kaninchen. Die Beschreibungen zur Gestaltung von Innen- und Außengehegen sind in diesem Buch leider relativ knapp ausgefallen. Grundanforderungen an das Gehege werden geschildert, aber für weiterführende Tipps sollte man das Internet und weitere Fachbücher zu Rate ziehen. Internet: www.sweetrabbits.de Unter „Downloads“ finden Sie hier viele Broschüren zu allen Fragen der Kaninchenhaltung. www.die-kaninchen-info.de Auch auf dieser Webseite gibt es viele Infos rund um das Thema Kaninchen sowie Tipps zum Bau von Gehegen.

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Zusammen ist man weniger allein 42

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Service Ein Haustier zu haben ist eine schöne Sache. Man hat einen Freund fürs Leben, einen Weggefährten, einen Spielkameraden, einen Ansprechpartner oder auch einen Seelentröster. Bevor die Begeisterung aber den Blick für den Alltag trübt, bedenken Sie bitte die folgenden Punkte und klären Sie diese VOR der Anschaffung eines Tieres sorgfältig ab: •

Sind Sie sich darüber bewusst, dass Sie für eine lange Zeit - vielleicht sogar zehn bis fünfzehn Jahre Verantwortung übernehmen für das Leben, die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihres neuen Familienmitglieds?

Sind alle übrigen Familienmitglieder mit dessen Anschaffung einverstanden?

Bestehen eventuell Allergien? Gehen Sie auf Nummer sicher und lassen einen entsprechenden Allergietest machen.

Haben Sie ausreichend Zeit für das Tier?

Wer füttert das neue Haustier, geht Gassi oder zum Tierarzt, wenn Sie selbst einmal krank sind oder in den Urlaub fahren?

Haben Sie sich über die entstehenden Kosten informiert? Beispielsweise für eine Kastration, für Impfungen, Tierarztkosten oder notwendiges Zubehör. Denken Sie auch an eine eventuell nötige Haftpflichtversicherung oder an die Hundesteuer.

Falls Sie in einer Mietwohnung leben, dürfen Sie dort überhaupt Haustiere halten? Dies ist vor allem bei der Anschaffung einer Katze oder eines Hundes sehr wichtig. Sie sollten dies vorher mit dem Vermieter abklären.

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Ferner sollten Sie die folgenden Punkte genau überdenken: •

Haben Sie sich bezüglich der artspezifischen Bedürfnisse (Haltung, Ernährung etc.) Ihres neuen Pfleglings genau erkundigt?

Haben Sie sich über die Charaktereigenschaften des Tieres informiert, und kennen Sie die rassetypischen Verhaltensweisen?

Kurz gesagt, können Sie dem Tier das bieten, was es für eine artgerechte Haltung benötigt?

Bitte informieren Sie sich im Vorfeld sorgfältig über die vorgenannten Punkte. Natürlich wollen wir nicht den warnenden Finger heben und Sie von einem Leben mit einem Tier abhalten. Ganz im Gegenteil; aber es ist in Ihrem und im Interesse des Tieres, wenn Sie nicht unüberlegt oder spontan handeln. Wenn Sie alle diese Fragen ehrlich für sich und mit der Familie beantwortet und geklärt haben, steht dem Besuch eines Tierheims oder Tierschutzhofes nichts mehr im Weg. Dort warten viele Hunde, Katzen und Kleintiere auf liebevolle Menschen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und dem neuen Familienmitglied ein artgerechtes Leben ermöglichen. Viel Freude für Mensch und Tier! (Bildquelle: sxc.hu)

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Partner

Tierschutzverein „Menschen für Tiere e.V. Nümbrecht“ Unsere Herberge für Tiere mit Handicap

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ls wir im Jahr 1995 unseren Tierschutzverein gründeten, ahnten wir nicht, was da auf uns zukommen sollte. Wir nahmen Hunde und Katzen, die ihr Zuhause aus den verschiedensten Gründen verloren hatten, in unsere Obhut und brachten sie in Pflegestellen unter. Allmählich sprach es

Pflegestellen untergebracht werden. Später wurde das komplette Anwesen zwangsversteigert, weil der Eigentümer seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachgekommen war, und wir hatten große Angst, mit unseren Tieren auf der Straße zu stehen. Wie durch ein Wunder meldete sich eine Tierfreundin, die das Objekt, unsere heutige Tierherberge, ersteigerte und an uns vermietete. Im Jahr 2009 erwarben wir das Anwesen und zahlen seitdem monatliche Hypothekenraten, was nur durch die finanzielle Unterstützung des ETN e.V. möglich ist. Es wurden verschiedene bauliche Veränderungen vorgenommen, alles renoviert und Dank einer großzügigen Spende konnten wir unseren ein Katzenhaus eingerichtet, so Hunden (und uns) einen langgehegten Traum erfüllen: dass wir nun auch endlich unsere Auf der gepachteten Wiese gegenüber des Tierheims Samtpfoten bei uns haben. haben wir einen Freilauf sicher eingezäunt, in dem unsere Hunde endlich rennen und toben können.

sich herum, dass es im Raum Köln, genauer gesagt im Oberbergischen Kreis, einen neuen Tierschutzverein gab, und schon bald war unsere Kapazität zur Aufnahme von heimatlosen Tieren erschöpft. Pflegestellen gut und schön, aber lieber wollten wir unsere Schützlinge selbst versorgen. Wir suchten und suchten und konnten einfach kein geeignetes und bezahlbares Anwesen finden, in dem wir unsere Tiere bis zu ihrer Vermittlung versorgen konnten. Dann ergab sich die Möglichkeit, für unsere Hunde Pensionsplätze in einer Hundepension anzumieten,- unsere Katzen mussten vorerst noch in

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Es sprach sich in Tierschutzkreisen bald herum, dass wir uns besonders um Tiere mit Handicap kümmern. Und so kommen sie zu uns: Die alten Tiere, Tiere mit gebrochenen Knochen, amputierten Beinen, blind, taub, mit neurologischen Erkrankungen oder durch schwere Misshandlungen

Unsere ehrenamtlichen Helfer im "kleinen Auslauf" vor dem Haus mit den Hunden Schatzemann und Rita.

traumatisiert. So viele von ihnen mussten und müssen von unseren Tierärzten operiert werden - es gibt wohl kaum ein Handicap, das wir noch nicht kennen. Es ist eine schwere Arbeit, die uns

manchmal an die Grenzen unserer physischen und psychischen Belastbarkeit bringt. Aber es gibt viele Sternstunden, beispielsweise wenn wieder einer unserer Schützlinge, der sich nur unter Schmerzen bewegen konnte, nach der Operation wieder laufen und sein Leben genießen kann. Auch so manchem blinden Tier konnten wir mit Hilfe von Fachärzten sein Augenlicht zurückgeben. Leider werden aber gerade diese ganz besonderen Geschöpfe häufig übersehen und müssen lange auf ihre Menschen warten. Dabei ist doch ein dreibeiniger Hund ein genauso treuer Freund wie ein vierbeiniger, eine taube Katze kuschelt ebenso gerne auf dem Sofa wie eine hörende. Natürlich ist es nicht ganz so einfach, ein behindertes Tier in ein neues Zuhause zu vermitteln, aber bisher haben es alle geschafft,- und das ist es, was zählt. Tierschutzverein Menschen für Tiere e.V. Nümbrecht Tierherberge Köln-Ostheim www.tierheim-nuembrecht.de

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Hunde des Vereins „Menschen für Tiere e.V. Nümbrecht“ suchen ein Zuhause Border Collie-Mix Beau, geboren im Januar 2011 und kastriert, läuft auf drei Beinen durchs Leben. Beau ist ein sehr lieber Hund, der uns Menschen mag und sich mit vielen Artgenossen versteht. Es macht ihm keine Probleme, dass sein rechter Vorderlauf fehlt; er geht dennoch sehr gerne spazieren. Natürlich ist Beau kein Hund, mit dem man sehr lange Wanderungen unternehmen oder joggen kann, aber er dreht bei uns seine großen Runden und läuft und spielt auch sehr gerne im Freilauf. Sein neues Zuhause sollte ebenerdig sein, wobei ihm einige wenige Treppenstufen nichts ausmachen.

Bailey, schätzungsweise drei bis vier Jahre alt und kastriert, wurde in Istanbul von einer türkischen Tierschützerin auf einer Müllkippe gefunden. Bailey humpelte auf der Suche nach Futter über die Müllberge und hatte Glück, dass gerade in diesem Moment ein mitfühlender Mensch vorbeifuhr und die Hündin mit zu sich nach Hause nahm. Ein Tierarzt in Istanbul diagnostizierte eine gebrochene Hüfte, die in Deutschland operiert werden sollte. Unser Tierarzt stellte allerdings fest, dass nicht die Hüfte, sondern der Oberschenkel gebrochen war und operierte Bailey noch am selben Tag. Bailey ist eine freundliche, anhängliche und ruhige Hündin. Sie sucht ein liebevolles Zuhause ohne Artgenossen, denn Bailey hat ihre Menschen gerne für sich allein.

Cara Mia ist eine zweijährige, kastrierte Maremma-

no-Dame, die aus einem italienischen Canile gerettet wurde. In Deutschland musste ihr linkes Auge aufgrund einer Verletzung entfernt werden, was Cara Mia allerdings nicht behindert. Als ob das nicht genug wäre, wurde bei Cara Mia außerdem noch eine Hüft-Luxation festgestellt, die große Schmerzen verursacht. Um der Hündin ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen, wird deshalb in Kürze ein künstliches Hüftgelenk implantiert. Cara Mia ist eine sehr liebe Hündin und mit anderen Hunden verträglich. Sie geht prima an der Leine und sucht nun pfotenringend ein eigenes Zuhause.

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Fünfzehn Jahre „Aktive Tierfreunde e.V.“

= Fünfzehn Jahre „Katzenauffangstation Großheide-Westerende“ Vereinsgeschichte von 1997 bis 2012

gute sind - fehlen den Tierschutzvereinen!

1997 mieteten wir das Nebengebäude der ehemaligen Molkerei in Großheide-Westerende und gründeten den Verein „Aktive Tierfreunde e.V.“. Da das Leben der Hauskatzen im Altkreis Norden oft besonders schlecht aussah, war es unser oberstes Ziel, die Ursache des Elends zu bekämpfen: Die unkontrollierte Fortpflanzung von herrenlosen Hauskatzen. Aber auch an Besitzer von Katzen und Katern appellieren wir seitdem, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Leider ist die Fortpflanzung oft schneller als die Einsicht mancher Katzenhalter, so dass es trotz unserer engagierten Arbeit noch viel zu tun gibt. Immer noch argumentieren Katzenhalter damit, dass sie „gute Abnehmer“ für den Nachwuchs haben. Doch diese „guten Abnehmer“ - wenn es denn tatsächlich

Mit folgenden Argumenten werben wir außerdem für die (rechtzeitige!) Kastration von Katzen und Katern:

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Gründe für die Katzenkastration: • kein unerwünschter Nachwuchs • keine Rolligkeit • geringeres Risiko für hormonell bedingte Erkrankungen und schwere Krankheiten, die während der Paarung übertragen werden (Leukose und „Katzenaids“) • doppelt so hohe Lebenswartung • die „Pille“ ist unsicher, sie wird oft erbrochen oder kann nur unregelmäßig gegeben werden • bessere Vermittlungschancen für bereits vorhandene Katzen

Gründe für die Katerkastration: • keine übel riechenden Markierungen • weniger Aggressionen • weniger Streunen, größere Anhänglichkeit • kleineres Risiko von Verkehrsunfällen, die durch das weiträumige Streunen auf der Suche nach rolligen Katzen passieren • geringeres Risiko von schweren Bissverletzungen, die durch Rivalitätskämpfe entstehen • kein abendliches „Katergeschrei“ während der Paarung und den Paarungskämpfen • größere Akzeptanz der Kater auch bei Nachbarn • doppelt so hohe Lebenserwartung Jährlich nehmen wir durchschnittlich einhundert Katzen und Kater in der Katzenauffang-

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Partner Die verträglichen, geimpften und kastrierten Katzen können gemeinsam im größten Raum leben und haben dort ein einhundert Quadratmeter großes Gartengehege zur Verfügung. Dieses Gehege trägt sehr dazu bei, dass sich die Tiere wohlfühlen und ausgeglichen sind. Sie können sich sonnen und im Gras verstecken, Insekten entdeEin Blick in das Außengehege unserer Auffangstation cken, und bei Bedarf können sie sich auch aus dem Weg gehen. Einige schwer vermitstation in Großheide-Westerentelbare Katzen wohnen dauerhaft in der de auf, die wir dort gesund pflegen, Katzenstation, so beispielsweise der eiimpfen und kastrieren lassen und in ein neues Zuhause vermitteln. Hier können auch scheue Katzen, die eingefangen und kastriert wurden, einige Tage untergebracht werden. Allerdings ist dies nur bei Weibchen nötig; Kater können am Tag nach der Kastration direkt wieder in die Freiheit entlassen werden. Jährlich werden von uns insgesamt über zweihundertfünfzig Katzen- und Katerkastrationen teilweise oder auch ganz finanziert. Die Katzenauffangstation verfügt über mehrere Räume, damit auch Einzelgänger ihren Bedürfnissen entsprechend alleine gehalten werden können.

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Unser Senior Bubi

genwillige Bubi und die ängstliche Jule, beide schon vierzehn Jahre alt. Auch die scheue Biene lässt sich nicht anfassen und findet keine Interessenten. Für diese Tiere soll es bei uns so schön wie möglich sein und sich wie ein „echtes Zuhause“ anfühlen. Die Versorgung der Katzen in der Station übernehmen mehrere ehrenamtliche Tierfreunde, die dreimal täglich die Tiere füttern und bei Bedarf Medikamente eingeben, die Umgebung säubern und die Tiere streicheln. Annegret Klattenberg zieht seit 2002 Katzenwelpen für uns auf. Kleine Katzenkinder, die ohne Mutterkatze gefunden werden oder deren Mutter starb, können aufgrund des großen Zeitaufwands nicht in der Katzenauffangstation aufgezogen werden. Dorthin können die kleinen Katzen frühestens nach der ersten Impfung - wenn sie bis dahin nicht schon vermittelt worden

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Partner

Frau Klattenberg mit einem Katzenbaby

sind. Annegret Klattenberg ist „unsere“ Expertin für kleine Katzen, und ihre Tipps zur Katzenwelpenaufzucht finden Sie auf unserer Homepage: www.arcreativ.de/aktive-tierfreunde. „Unterstützen statt Aufnehmen“ Da wir und auch andere Tierschutzvereine in unserer Umgebung nicht alle gefundenen Katzen oder solche, die aus diversen Gründen abgegeben werden sollen, aufnehmen können, setzen wir uns sehr dafür ein, dass Katzen in ihrer Umgebung bleiben können: Wir helfen mit Kastrationszuschüssen, beim Einfangen mit Lebendfallen, mit notwendigen Transporten zum Tierarzt und - ganz wichtig! - mit Beratung. So haben wir etlichen Menschen, die durch finanzielle Sorgen und eine unkontrollierte Vermehrung ihrer Tiere in große Verzweiflung geraten sind, helfen können, so dass sie ihren nunmehr kastrierten „Bestand“ jetzt artgerecht versorgen können. Scheue Katzen fangen wir grundsätzlich nur ein, um sie kastrieren und bei Bedarf behandeln zu lassen. Anschließend werden sie in ihre Umgebung zurückgesetzt. Weiterhin kümmern wir uns vereinzelt um schwer vermittelbare Hunde und um Hunde, deren Besitzer finanziell oder persönlich überfordert sind. Für einige dieser Hunde und „unsere“ schwer vermittelbaren Katzen suchen wir Paten, die mit einer kleinen monatlichen Spende die Versorgung dieser Tiere unterstützen. Die Paten erhalten für diese Hilfe mehrmals jährlich Post mit Fotos ihres Patentieres. Näheres über die Patentiere Felix, Biene, Jule, Bubi, Benji unter: www.ar-creativ. de/aktive-tierfreunde.

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Patenschaft für Wölfi gesucht: Der inzwischen zwölfjährige Mischling ist vor sieben Jahren in Polen vor der Tötung gerettet und von einer Tierfreundin in Ostfriesland aufgenommen worden. Die Tierfreundin ist inzwischen in eine finanzielle Notlage geraten und kann die Kosten für Wölfis Medikamente nicht mehr aufbringen. Wölfi hat eine gut behandelbare, aber unheilbare Hautkrankheit und braucht diese Medikamente. Wir unterstützen Wölfis Frauchen bei den Medikamentenkosten, denn sie umsorgt ihn liebevoll, und Wölfi lebt noch sehr gerne! Wer hilft uns dabei? Wir finanzieren unsere ehrenamtliche und gemeinnützige Tierschutzarbeit durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Schutzgebühren und Basareinnahmen und mit Hilfe einer regelmäßigen Unterstützung des ETN e.V. Dafür ein herzliches Dankeschön auch im Namen der Tiere! Viele Jahre lang stand uns ein jährlicher Betrag aus einer Erbschaft für tierärztliche Behandlungen zur Verfügung, der 2011 wegen hoher Tierarztkosten vorzeitig verbraucht war. Deshalb baten wir Anfang des Jahres Künstler und Tierfreunde, sich an der Aktion „Kunst für die Katz“ zu beteiligen. Wir ha-

ben dabei eine unglaublich hohe Bereitschaft zur Mithilfe erfahren. Die Aktion hat uns eine schöne Summe an Einnahmen für notwendige Tierarztbehandlungen von Streunern und auch viel Aufmerksamkeit eingebracht.

Wölfi

Aktive Tierfreunde e.V. Norddeicher Straße 144 26506 Norden Katzenauffangstation GroßheideWesterende Westerender Straße 32 26532 Großheide Telefon: 0 49 31-1 23 41 Homepage: www.ar-creativ.de/aktive-tierfreunde e-Mail: lindemann.sonja@googlemail.com

Helferinnen beim Dosenverkauf für die Aktion „Kunst für die Katz“ auf dem Norder Torfmarkt. Alle Dosen konnten verkauft werden.

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News

Protest in Berlin anlässlich der Novellierung des Tierschutzgesetzes Hilfstransport nach Rumänien

Protest in Berlin anlässlich der Novellierung des TierIm Oktober führte der ETN e.V. in Zu- schutzgesetzes sammenarbeit mit der ‚JAS Forwarding GmbH’ und der LKW-Fahrerin Tamara Raab einen Hilfsgütertransport nach Rumänien durch. An Bord des LKWs befanden sich über sechs Tonnen Sachspenden, darunter Hundefutter, Geschirre, Mäntel und Leinen der Firma ‚Trixie’ sowie medizinisches Material (z.B. Handschuhe und Verbandsmaterial). Die Sachspenden wurden in den Städten Timisoara, Lugoj, Baile Herculane, Craiova, Smeura, Pitesti, Bukarest und Brasov an über neunzig Tierschutzorganisationen verteilt. Der ETN e.V. dankt allen Spendern und Helfern, insbesondere der ‚JAS Forwarding GmbH’, die den Transport völlig kostenlos durchführte. Unter http://www.etn-ev.de/ news/meldungen/hilfstransportrumaenien1.html finden Sie einen Reisebericht der LKW-Fahrerin Tamara Raab.

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Anlässlich der Novellierung des Tierschutzgesetzes rief der ETN e.V. in Kooperation mit der ‚Aktion Fair Play’ am 17. Oktober in Berlin zu einer Demonstration auf. ETN-Botschafterin Maja Prinzessin von Hohenzollern nahm gemeinsam mit ETN-Präsident Dieter Ernst am Protestmarsch teil, der vom Alexanderplatz am Brandenburger Tor vorbei bis zum Paul-Löbe-Haus verlief. Die Demonstration wurde von ungefähr einhundertachtzig Menschen besucht, und das öffentliche Interesse am Thema war sehr groß. Während der öffentlichen Debatte über den Gesetzentwurf schickte die Partei ‚Bündnis 90/ Die Grünen’ eine Grußbotschaft an die Demonstranten. In Kooperation mit der ‚Aktion Fair Play’, ‚Ärzte gegen Tierversuche’ und der ‚Albert-Schweitzer Stiftung’ gab der ETN außerdem eine Pressekonferenz. Der Gesetzentwurf von Bundesministerin Ilse Aigner bleibt weit hinter den Erwartungen aller Tierschützer zurück. Noch immer ist Sex mit Tieren legal; ein Verbot der Sodomie findet im Gesetzentwurf keine Erwähnung. Für die Einfuhr von Tieren aus dem Ausland soll eine zusätzliche Erlaubnis benötigt werden, was die ohnehin schon schwierige Rettung gequälter Tiere noch erschwert. Die betäubungslose Kastration von Ferkeln soll weitere fünf Jahre lang erlaubt sein, und auch die Verordnungen zu Tierversuchen bleiben hinter EU-Richtlinien zurück.

Besuch des Kinderheims ‚Pauline von Mallinckrodt’ auf Hof Huppenhardt

Ein Samstag im Oktober wurde für vier Kinder und drei Betreuer des Kinderheims ‚Pauline von Mallinckrodt’ zu einem ganz besonderen Erlebnis: Sie machten einen Ausflug nach Hof Huppenhardt. Schon zu Anfang im Pferdestall kamen die Kinder aus dem Staunen nicht heraus - Pferde zum Anfassen! Bei den Ziegen, Schafen und Eseln tauten die kleinen Besucher richtig auf, denn fast alle Tiere konnten gefüttert und gestreichelt werden. Nach einem Besuch bei den Kühen und Schweinen lockte dann der Geruch von „Oma Annelieses“ Waffeln Kinder und Betreuer zurück zu den Stallungen. Nach dem Verzehr der köstlichen Waffeln und weiteren Streicheleinheiten für die Hoftiere neigte sich Ausflug dem Ende zu, und Mitarbeiter des ETN e.V. sowie die Familie Hänscheid, die den Ausflug im Namen der Firma ‚Siegwerk Druckfarben“ organisierte, übergaben den Kindern Abschiedsgeschenke.

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Unsere Partner

Unsere Einsatzgebiete in Europa Der ETN e.V. setzt zahlreiche Projekte im Tier- und Naturschutzbereich um. Er ist zudem ein zuverlässiger und starker Partner für nahezu einhundert Vereine im Inund Ausland. In Zusammenarbeit mit dem ETN e.V. leisten unsere Partner europaweit anerkennenswerte Tierschutzarbeit. Sie setzen sich unter den schwierigsten Bedingungen für die Tiere vor Ort ein. Ohne diese Tierschutzarbeit an der Basis würden viele Tierheime schlichtweg nicht existieren, blieben Abertausende von Straßentie-

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ren unversorgt und unkastriert. Unzählige Tiere wären dem Tod geweiht. Unsere Partner im In- und Ausland sind genauso wie wir als ETN e.V. immer für die Belange der Tiere da. Sollten Sie, liebe ETN-Freunde, uns oder unsere Partner brauchen, scheuen Sie sich bitte nicht! Nehmen Sie Kontakt auf! Wir helfen! Tel.: 0 22 45-61 90-0 oder e-Mail: info@etn-ev.de. Die Kontaktdaten unserer Partner finden Sie auch unter www.etn-ev.de.

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Kategorie

Mitgliedsausweis Europäischer Tierund Naturschutz e.V. Hof Huppenhardt D-53804 Much

Tel.: 0 22 45-61 90-0 Fax: 0 22 45-61 90-11

e-Mail: info@etn-ev.de · www.etn-ev.de

Wichtig: Bitte heraustrennen! Ihr persönlicher ETN-Mitgliedsausweis im Scheckkartenformat

Damit Tiere eine Zukunft haben! Ich bin Mitglied beim ETN, weil der ETN Tier- und Naturschutz verbindet! Der ETN schützt Tiere und ihren Lebensraum. der ETN nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland aktiv ist! Denn Tierelend kennt keine Grenzen. der ETN sich für alle Tiere gleichermaßen einsetzt: Haus-, Wild- und „Nutz“tiere! So fördert der ETN u.a. Tierheime, Bärenreservate und Projekte zur artgerechten „Nutz“tierhaltung. der ETN nicht nur redet, sondern auch handelt! Der ETN tritt bspw. auf politischer Ebene für ein Verbandsklagerecht ein und hilft u.a. mit über 100.000 kg Futterspenden pro Jahr den Tieren. der ETN ein Garant für vorbildliche Tierschutzarbeit ist! Der ETN und seine Partner sorgen für die optimale Unterbringung und Vermittlung geretteter Tiere, u.a. in den ETN-eigenen Einrichtungen wie dem Tierheim „Hof Wiesenfeld“ und „Hof Huppenhardt“. der ETN mit Herz und Verstand handelt! Um Tierleid zu verhindern und den Tierschutzgedanken zu verbreiten, führt der ETN vor Ort Kastrations- und Aufklärungsprogramme durch. Gleichzeitig rettet er bedrohte Tiere aus den Tötungsstationen.

Wann werden Sie Mitglied beim ETN und helfen uns, den vielen wehrlosen Tieren in Europa eine Zukunft zu geben? Machen Sie mit! Helfen Sie, Tierleid zu mindern und Leben zu retten! Respektiere

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Europäischer Tier- und Naturschutz e. V. als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt Mitgliederservice: D-53804 Much, Hof Huppenhardt, Tel.: 0 22 45-61 90-17, Fax: 0 22 45-61 90-11, e-Mail: Mitgliederbetreuung@etn-ev.de

Bitte helfen Sie

Ja, ich möchte den ETN e.V. mit meiner Mitgliedschaft unterstützen. Ich erhalte automatisch das Mitgliedsmagazin „Respektiere“. Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

durch Ihre Mitgliedschaft oder eine Spende, das Tierelend zu lindern! Mit der beiliegenden Postkarte können Sie unkompliziert Mitglied werden. Einfach heraustrennen, ausfüllen und an den ETN schicken. Hinweis: Ihre Mitgliedschaft kann auch leicht über www.etn-ev.de beantragt werden.

Den Mitglieds­beitrag überweise ich auf das ETN-Konto: Commerzbank, BLZ 370 800 40, Kto. 0 214 243 011

Jährlicher Mitgliedsbeitrag mindestens 36,00 Euro! (nur jährliche Zahlungsweise) Mein Jahresbeitrag beträgt

Euro.

Zahlungsweise:

jährl.

Die Mitgliedschaft ist mit einer Frist von drei Monaten zum Eintrittsdatum kündbar.

1/2-jährl.

Vor- und Zuname:

1/4-jährl.

Straße:

ziehen Sie bitte von meinem Konto ein:

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Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung! Ihre Spende können Sie mit dem vorliegenden Überweisungsträger bei allen Banken, Sparkassen und Postfilialen tätigen. Bei Überweisungen aus dem Ausland bitte folgende Nummern angeben: SWIFT-BIC:DRESDEFF370, IBAN: DE52370800400214243008 Wichtig: Bitte tragen Sie auf dem Quittungsbeleg des Überweisungsträgers Ihre vollständige Adresse ein, und ­ senden Sie den Abschnitt an unser Büro in Much. Ohne Ihre Anschrift ist es uns sonst nicht möglich, Ihnen eine ­ Spendenbescheinigung und unseren Dank zukommen zu lassen! Foto: Thomas Busch

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Der Zahlungsbeleg gilt bis Euro 200,00 als Spendenbescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt. Bei einem Betrag von mehr als Euro 200,00 erhalten Sie von uns unaufgefordert eine Spendenbescheinigung, wenn uns Ihre vollständige Adresse vorliegt.


Wir wünschen allen Mitgliedern, Förderern, Unterstützern und den Tieren dieser Welt ein frohes und gesundes Weihnachtsfest!

ETN e.V. - 04/2012  

Die Ausgabe 04/2012 unseres Magazins RespekTiere.

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