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Österreichs Migranten wollen mehr Lebensmittel aus ihrer alten Heimat, doch das Angebot ist knapp. Ausgerechnet Zielpunkt, früher das große Sorgenkind der Branche, nutzt nun die Kaufkraft der Zuwanderer. häufig nicht einmal drei Meter lang sind, bietet Zielpunkt mehr als das Doppelte. Dem Unternehmen dürfte das nun sogar dabei helfen, nach verlustreichen Geschäftsjahren heuer wieder die Gewinnzone zu erreichen.

ABSATZSTARK. 700 Mio. Euro werden in Österreich mit EthnoFood umgesetzt, sehr beliebt ist etwa Rauchfleisch nach bosnischer Rezeptur.

Lieber Italien. Die beiden heimischen Marktführer Billa und Spar nehmen das vorerst kampflos hin. „Der Anteil an EthnoFood-Artikeln macht bei uns nur einen geringen Prozentsatz des Sortiments aus“, sagt Rewe-International-Sprecherin Karin Nakhai offen. Allerdings würde das Thema auch dort an Bedeutung gewinnen. „Die Produkte werden bei uns gebündelt angeboten und sind nicht einzelnen Warengruppen zuzuordnen.“ Bei anderen Handelsketten verhält es sich nicht anders: Reisnudeln aus China oder Vietnam finden sich nicht bei den Teigwaren, sondern im asiatischen Regal. Nachholbedarf hat auch Spar. Das Salzburger Handelsunternehmen setzt derzeit vor allem auf italienische Kost. Allerdings weniger, weil es hier so viele Migranten aus Italien gibt – es sind nur 29.000 –, sondern weil Italo-Marken bei den Österreichern gut ankommen. Inklusive der vielen italienischen Brands gibt es bei Spar rund hundert verschiedene Ethno-Artikel. Da ist es kein Wunder, dass Supermärkte wie Aycan und Etsan enormen Zulauf haben. Ein Spaziergang am Wiener Naschmarkt zeigt, dass es Menschen in Scharen in die teils heruntergekommenen asiatischen, türkischen und jugoslawischen Läden zieht (siehe unten). Gusto auf die Heimat hat eben jeder. – SILVIA JELINCIC

Hunderte Märkte in Österreich. Weil das Angebot an Ethno-Food bei großen Handelsketten wie Billa und Spar gering ist, haben von Zuwanderern betriebene Märkte regen Zulauf (im Bild: türkischer, italienischer, jugoslawischer, arabischer und chinesischer Laden am Wiener Naschmarkt). Allein in der Bundeshauptstadt gibt es fast 300 solcher Märkte, Expertenschätzungen zufolge ist das Potenzial aber gut dreimal so hoch. Rund siebzig Prozent der Märkte werden von Türken betrieben, der Rest von Menschen aus dem früheren Jugoslawien und von Asiaten, darunter viele Chinesen.

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10.08.2011 16:04:56 Uhr

GUSTO AUF HANDEL (Taste for trade)  

In the austrian magazin FORMAT it is pointed out, how important the purchasing power of the focus group "migrants" is in Austria.

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