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EVANGELISCHE STIFTUNG

PFLEGE SCHÖNAU

Die Matthäuskirche in Mannheim-Neckarau Innenrenovierung 2005-2006

www.esp-schoenau.de 


EVANGELISCHE STIFTUNG PFLEGE SCHÖNAU Innenrenovierung Matthäuskirche Mannheim-Neckarau 2005-2006

Impressum: Herausgeber: Evangelische Stiftung Pflege Schönau 69115 Heidelberg Erscheinungsjahr: 2006 Gestaltung: gdw-design 69117 Heidelberg Fotografie: Thomas Ott 64367 Mühltal Ansgar Lamott Hans Reichert Christine Flicker Auflage: 1.500 Stück






Kraft-Raum-Kirche Wer an die Kirche seiner oder ihrer Kindheit und Jugend denkt, sich der vielfältigen Gefühle erinnert, die das eigene Erleben wichtiger Momente prägten, wird schnell merken, an welchen Eindrücken er oder sie besonders hängt. Die Stimme des Pfarrers, sein Aussehen... - daraus ergab sich das Erscheinungsbild eines „richtigen Pfarrers“; die Form des Kreuzes, ein bestimmter Lichteinfall im Altarrraum, ein an der Wand stehender Grabstein aus uralter Zeit, Bänke, in denen man ruhig sitzen musste, damit sie nicht knarrten... – so musste eine „richtige Kirche“ sein. Aber der Versuch, in diese Eindrücke zurückzukehren, ist meist zum Scheitern verurteilt. Nicht nur, weil an die Stelle des damaligen Pfarrers jemand anderes getreten ist, sondern vor allem, weil dieses Haus mit der Gemeinde lebt, die sich darin versammelt. So wie wir uns mit der Zeit verändert haben, trägt der Raum Spuren des Lebens in sich und davon. Mit der Zeit schmutzig und durch Gebrauch schäbig geworden sehnt er sich – ja schreit er - nach Beachtung, danach, ins rechte Licht gerückt zu werden. So war es eigentlich nicht erstaunlich, dass eine neue Lichtkonzeption zu den ersten Wünschen der Gemeinde gehörte, als es ans Renovieren ging. Die den Raum dominierenden farbigen Fenster, die nach den Entwürfen von Klaus Arnold 1967 eingebaut worden waren, überforderten die nur wenig ältere Beleuchtungsanlage, so dass der Raum gelegentlich farbenfrohes Sonnenlicht weitergab, ansonsten jedoch im entweder gemütlichen oder düsteren Halbdunkel lag. Nun ergeben hell geputzte Wände und Deckenbereiche zusammen mit den neuen Leuchten einen hellen und freundlichen Raum, in dem auch die Fenster zu ihrer Wirkung kommen. In ihrer Farbigkeit geben sie das bunte Leben einer Gemeinde wider, in der Kleinkinder und Schulkinder, jugendliche genauso wie erwachsene und schließlich alte Menschen Raum brauchen - ob sie sich nun zum engeren Gemeindekern zugehörig fühlen, diesen Raum im Sturm der verpflichteten SchülerInnen erobern oder ihn eher mit Zurückhaltung, vielleicht sogar Scheu betreten. Der Anlass muss gar nicht unbedingt ein Gottesdienst sein – vielleicht ist es ein neugieriges Hineinspickeln, weil die Tür gerade offen steht, vielleicht ist es ein Konzert mit der jeweiligen Lieblingsmusik oder die Möglichkeit, an diesem Ort andere zu treffen, die die eigenen Sorgen und Fragen teilen oder Antworten gefunden haben. 

Der Raum ist anders als andere Räume und lässt deshalb andere Gedanken zu, als die, die den Alltag bestimmen. Er lädt zum Da-sein ein. Allein oder mit anderen, in geordneter Reihe, großer oder kleiner Runde, im Altarraum, auf der Empore oder darunter, vor einem Fenster, einer Kerze oder bei einer Tasse Kaffee. Der Raum braucht keine Schwellen, um besonders zu sein. Und auch die Schwellen in unseren Herzen und Köpfen sind überholt. Nach über 50 Jahren diakonischer Gemeindearbeit sollte das nach dem Wunsch der Gemeinde nicht nur durch einen ebenen Boden in der Kirche, sondern schon vor der Kirche sichtbar werden: dass Menschen im Rollstuhl, mit Kinderwagen oder Gehwagen in unsere Mitte gehören, dass die Abstufungen zwischen behindert und nichtbehindert überflüssig sind, weil alle Menschen im Leben Unterstützung und Hilfe brauchen; und weil alle Menschen anderen zum Segen werden können - gerade dann, wenn sie schwach und hilflos sind. Dafür steht das Zeichen des Gekreuzigten im Raum. Schon durch die Lamellen der Eingangstür sichtbar, fordert es zur Auseinandersetzung mit seiner Botschaft auf und heraus. Sie erschließt sich im gemeinsamen Lesen der Bibel, im wechselseitigen Zuhören und Interpretieren, füreinander Spielen und Darstellen, miteinander Singen und Beten, beim Trauern, Trösten und Feiern. Die neue Lautsprecheranlage soll dafür sorgen, dass sich laute und leise Töne dabei gut mischen. Auch Zwischenund Untertöne müssen hörbar sein, denn nur so können Altersweisheit und jugendlicher Leichtsinn, Elternsorgen und Kinderglaube mitschwingen, wenn es darum geht, sich über das Leben zu freuen und Gott als den Grund und das Ziel unseres Lebens zu loben. Dass es möglich war, diesen Raum so zu gestalten, lässt uns gegenüber denen, die dabei mitgearbeitet und mitfinanziert haben, zutiefst dankbar sein. In ihrem Willen, Ideen zu verwirklichen, der Bereitschaft, Pläne gegebenenfalls zu ändern, ihrer Geduld miteinander und ihrem Humor spüren wir etwas von der Kraft, die selbst schwere Dinge möglich macht und die Hoffnung auf weitere Verbesserungen lebendig hält. Ich wünsche diesem Raum, dass er viele Menschen anspricht und diese Kraft weitergibt. Almut Hundhausen-Hübsch Pfarrerin der Matthäusgemeinde




Die Matthäuskirche leuchtet von innen! Mit einer neuen, hellen und freundlichen Atmosphäre und einer heiteren, gelassenen Ruhe erwartet die frisch renovierte Matthäuskirche ihre Besucher. Und wir, die Evangelische Stiftung Pflege Schönau, freuen uns, unseren Teil dazu beigetragen zu haben.

In vielen Kirchengemeinden ist das Geld knapp, es reicht gerade aus, die eigentlichen seelsorgerischen Aufgaben zu erfüllen. Steht eine Renovierung der Kirche oder des Pfarrhauses an, sieht sich die Kirchengemeinde oft nicht in der Lage, eine solche Aufgabe alleine zu schultern. In dieser finanziellen Lücke kommt unser Stiftungszweck zum Tragen. Das Wissen um die Notwendigkeit des sehr kostspieligen Bauunterhaltes war bereits vor über 400 Jahren der Grund dafür, dass aus dem Vermögen des von Kurfürst Friedrich III. aufgelösten Zisterzienserklosters in Schönau bei Heidelberg ein Fonds, d.h. eine Stiftung gegründet wurde. Dieser Fonds hatte vor allem die bauliche Unterhaltung der ehemals zum Kloster gehörenden Kirchen und Pfarrhäuser zur Aufgabe. Auch heute noch ist die Bauunterhaltung an insgesamt 85 Kirchen und 44 Pfarrhäusern im Gebiet der Evangelischen Landeskirche in Baden unser vorrangiger Stiftungszweck. Die Anforderungen an eine Kirche wandeln sich mit der Zeit. Technische Modernisierung, Veränderungen im Gemeindeverständnis und der Gemeinde, aber auch zusätzliche Nutzungswünsche für Konzertveranstaltungen etc. wirken in den Kirchenraum hinein und drücken sich in neuen Gestaltungskonzepten aus. In Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde, den Architekten und nicht zuletzt der Denkmalpflege versuchen wir auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Gemeinde einzugehen und damit das lebendige Miteinander in ihrer Kirche zu unterstützen. Wir wünschen der Matthäusgemeinde und allen, die ihre Kirche besuchen, alles Gute und Gottes Segen. Ingo Strugalla Vorstand Evangelische Stiftung Pflege Schönau Heidelberg






Gedanken zum Raumkonzept: den Raum homogen machen „...die Kunst, die Leben in sich hat, restauriert die Werke der Vergangenheit nicht, sondern setzt sie fort... „ August Rodin

Gedanken zum Grundriss

Licht-Konzept

Grundlage der neuen Raumgestaltung ist die Reduktion sämtlicher Elemente und Materialien auf einen einfachen und klaren Ausdruck im Raum, in dem die vorhandenen Strukturen wieder lesbar sind: Stützen, Apsis, Fenster, Eingang usw. Das Raumkonzept für den Gottesdienst stärkt die in der alten Kirche nur noch vage erkennbaren Schwerpunkte: Mittelschiff und Altar Die Materialwahl soll diese Differenzierung des Raumes lesbar und die Ausrichtung auf den Altarraum deutlicher machen: • Im Mittelschiff führt ein Sandsteinbelag wie ein Teppich vom Eingang in den Altarraum. • In den Seitenschiffen verbindet heller, kalksandsteinfarbener Terrazzoestrich den Kirchenraum mit dem Vorraum. • Eine in den Kirchenraum vorgezogene, flachere Stufenanlage verbindet den Altarraum mit dem Kirchenschiff; der Kerzenhalter mit der Osterkerze und die neue Predigerkanzel markieren den Altarraum. • Sämtliche neuen Möbel sind aus hellem, einfachem Weißtannenholz. • Die Rückwand über die ganze Gebäudebreite als rhythmisch feingegliederte Holzverkleidung aus Weißtannenstäben enthält Schränke für Stühle, Utensilien etc., sowie besonders bearbeitete Auslagen für Gesangbücher und einen ausfahrbaren Stehtresen fürs Kirchcafé. • Der Eingang wird Durchgang mit vorbereitenden Blickmöglichkeiten in den Kirchenraum.

Veränderbare Modulation des Lichts über die Reflektoren der Wände und Decken. • Schwerpunkt des neuen Lichtkonzepts ist die Möglichkeit, durch gezielte Steuerung einzelner Lichtquellen, unterschiedliche Raumstimmungen zu erzeugen. • Das Lichtkonzept stützt dabei einerseits die Wahrung des vorhandenen Raumeindrucks und ermöglicht andererseits eine helle Raumstimmung mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten. • Die Wirkung der farbigen Kirchenfenster wird nicht gestört, sondern akzentuiert. • Sämtliche Lichtquellen sind versenkt eingebaut, große Teile der Lichtinstallation sind unsichtbar. Ausnahmen bilden die Pendelleuchten im Mittelschiff, die einen Schwerpunkt über der Gemeinde markieren.

Die neuen Oberflächen: helle Raumschalen Entscheidend für die Raumstimmung sind die neuen, fein abgestuften Materialien aller Oberflächen: heller Naturputz, heller Sandstein, sowie farblich abgestimmte Terrazzoestriche in Naturfarbton und Tannenholzflächen. Die Materialwechsel und -übergänge sind als Stahlkanten klar lesbar ausgebildet. Die neuen Decken sind Abschluss der Raumschale aus hell verputzten, eingehängten Leichtelementen mit integrierten Leuchten. Zur Verbesserung des Klangbildes der Kirche wurden Teile der Decke akustisch wirksam ausgebildet.



Möblierung • Die kurzen Kirchenbänke aus Weißtanne ermöglichen eine ruhige Raumstimmung bei großer Flexibilität in der Nutzung. Die Füsse aus Edelstahl verstärken die leichte, schwebende Raumwirkung. • Der Altar ist besonderer Raumschwerpunkt aus massiver, roher Weißtanne mit skulpturalem Charakater. • Kanzel und Osterkerzenständer sind leichte, filigrane Stahlkonstruktionen und Markierung des liturgischen Ortes im Kirchenraum. Prof. Ansgar Lamott Lamott Architekten BDA Stuttgart




Lichtkonzept Matthäuskirche Mannheim Ziel der neuen Lichtkonzeption ist es, dem vormals unübersichtlichen und düsteren Kirchenraum eine helle, einladende und wandelbare Gesamtatmosphäre zu geben. Gottesdienste am Tage, aber auch feierliche Abendandachten sollen ebenso mit einem adäquaten Licht unterstützt werden wie unterschiedlichste Gemeindeaktivitäten und Konzertveranstaltungen. Um die Homogenität und Leichtigkeit der neuen Raumgestaltung zu unterstützen, geht die Grundbeleuchtung des Raumes von einer großen ruhigen Lichtfläche aus: Die gesamte Decke des Mittelschiffes wird über begleitende Vouten stimmungsvoll ausgeleuchtet und unterstützt so die Wirkung des hohen, hellen Raumes. In Korrespondenz zu dieser indirekten Komponente hellen direktstrahlende Pendelleuchten die Längsachse des Mittelschiffes auch im Bodenbereich auf. In die Decke der Seitenschiffe sind Tiefstrahler eingelassen. Sie können bei Bedarf zugesteuert werden und bewirken dann eine optische Aufweitung des Raumes. Lichtfugen im Boden entlang der Wände bieten mit einem warmen Streiflicht eine zusätzliche atmosphärische Komponente. Der Chor erhält eine flächige Anstrahlung der Wände aus einem Rücksprung im Bodenbereich.

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Durch die Beleuchtungsrichtung von unten und durch Nuancierung der Lichtfarbe hebt sich der Chor atmosphärisch vom Hauptschiff ab. Der Altarbereich kann dabei mit tiefstrahlenden Leuchten aus der Decke heraus betont werden. Auf der Empore ist eine Lichtinsel zusteuerbar, die auch große Chorkonzerte mit dem nötigen Licht versorgt. Für Konzertveranstaltungen im Hauptraum können temporäre Beleuchtungsbrücken nach Bedarf bestückt werden. Die neu gestaltete Eingangshalle, sowie die hinterleuchteten Glasfenster über dem Hauptportal bereiten den Besuchern bereits bei der Ankunft einen einladenden Empfang. Neben den gestalterischen Aspekten liegt die besondere Qualität des Lichtkonzeptes in der Variabilität der Beleuchtung. Durch die vorgesehene Steuerung können alle Komponenten unabhängig voneinander geregelt werden. Lichtstimmung und Raumatmosphäre lassen sich so beliebig den verschiedenen Erfordernissen anpassen. Durch unterschiedliche Gewichtung der Komponenten wird eine zentrale Ausrichtung zum Altar hin ebenso unterstützt wie auch eine Zonierung einzelner Bereiche oder die Nutzung des gesamten Raumes. Sowohl am Tage als auch in den Abendstunden ist dabei immer eine adäquate Lichtstimmung wählbar. Matthias Friedrich Luna. Lichtarchitektur Karlsruhe

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Grußwort zur Wiedereinweihung der Matthäuskirche in Mannheim-Neckarau Selbstverständlich, die evangelische Gemeinde in Neckarau gab es als lebendige Gemeinde auch schon vor Pfarrer Kühn. Der schöne Bau der Matthäuskirche zeugt auch nach den Verwüstungen des 2. Weltkrieges noch heute davon. Aber das ganz Besondere an der Gemeinde, den „Neckarauer Dreiklang“, den gibt es eben erst seit Pfarrer Kühn. Ihm und seinen MitstreiterInnen verdanken wir Existenz und Zusammenwirken von Gemeinde, Bachgymnasium und dem Neckarauer Liebeswerk, heute: Verein für Gemeindediakonie und Rehabilitation. Welches evangelische Kirchengebäude wird fast täglich für Andachten und Gottesdienste benutzt? In welcher Kirche finden sich so regelmäßig und in so großer Zahl Menschen mit Behinderungen mit der übrigen Gemeinde zum Gottesdienst zusammen? Und welche Gemeinde kann von sich behaupten, dass der Kirchenraum häufig und mit großem Erfolg auch für Rock- und Popkonzerte erfolgreich genutzt wird?

Kirchenschiff und Altarraum vor der Renovierung

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Vor diesem Hintergrund haben wir allen Grund dem Ältestenkreis der Matthäusgemeinde für seine Initiative zur Innenrenovierung der Kirche dankbar zu sein. Frau Pfarrerin Hundhausen-Hübsch hat ebenfalls neben allen ihren anderen Verpflichtungen in der Gemeinde die Belastung der umfänglichen Renovierung nicht gescheut. Besonders dankbar sind wir der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau für ihr finanzielles Engagement im großen Stil. Der Kirchengemeinde wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt diese finanzielle Last zu groß gewesen. Aber auch das Engagement der Bauabteilung des Kirchenverwaltungsamts und der finanzielle Beitrag der Gesamtkirchengemeinde sowie der Gemeinde an der Matthäuskirche waren erheblich. Dank auch an die Bauabteilung des Oberkirchenrats.

Ein Kirchengebäude ist steinerner Ausdruck des Gotteslobs und es ist ein Ort des Zuspruchs der Liebe Gottes an die Gemeinde. Manche unserer Mannheimer Kirchen werden nur schwach genutzt und müssen dennoch mit hohen Kosten erhalten werden. In Neckarau versammelt sich eine vielseitig lebendige Gemeinde im Gotteshaus. Und deshalb macht die Generalüberholung Sinn. Nun liegt es an allen Beteiligten des „Neckarauer Dreiklang“, das bisherige Zusammenwirken neu zu beleben, damit auch das renovierte Bauwerk intensiv genutzt wird. Dieses Zusammenwirken darf sich nicht in Programmatik erschöpfen, sondern muss jede Woche neu gestaltet werden. Vordergründig mag es bequemer erscheinen, wenn jeder Teil des Dreiklangs sich nur um die eigenen Angelegenheiten kümmert. Langfristig allerdings würde niemand verborgen bleiben, dass das Leben „eintönig“ wird und dabei seinen Glanz, der aus dem Zusammenspiel resultiert, verliert. Allen, die sich künftig in der schönen Matthäuskirche versammeln, wünsche ich von Herzen Gottes Segen Ihr Günter Eitenmüller, Dekan Mannheim

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Blickrichtung Ein normaler Wochentag in Mannheim-Neckarau. Wie an jedem Wochentag ertönen die Glocken der Matthäuskirche um 7:45 Uhr. Innerhalb von 5 Minuten füllt sich die Kirche bis auf den letzten Platz. Durchschnittsalter weit unter 20. Morgenandacht des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums. Einige Schüler tuscheln oder sprechen mit den Banknachbarn. Ein Lehrer betritt den Altarraum, die letzten Gespräche verstummen. „Wir feiern diese Morgenandacht im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.“ Die katholischen Schülerinnen und Schüler schlagen das Zeichen des Kreuzes. Nach der kleinen Liturgie flimmert das Licht des OH-Projektors auf. Das Bild eines gigantischen Gebäudes wird von der Leinwand zurückgeworfen. Nach den Auskünften des Lehrers ist es das höchste Gebäude der Welt. Superlativ des Architektonischen! Bewunderung der technischen Spitzenleistung, ein Festival der Baustoffhersteller, der Ingenieure und Konstrukteure! Dazu tönen die Worte des 8. Psalms: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? ... Du hast ihn wenig niedriger gemacht denn Gott...“. Dies zeigen die himmelwärts ausgreifenden Monumente, mit denen sich Menschen ein Denkmal setzen, Gebäude der Anbetung der menschlichen Vernunft, Kathedralen der Selbstanbetung. Vielleicht richtet sich nun der Blick der jugendlichen Betrachter auf den Innenraum der Matthäuskirche. Hier singen, hören, beten täglich 300 bis 400 Schülerinnen des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums. Die Jüngeren haben vielleicht schon vergessen, warum die Schule im Schatten der Matthäuskirche steht. Vor 50 Jahren gründete der Neckarauer Gemeindepfarrer Erich Kühn dieses Gymnasium. Kaum ein Verantwortlicher im Oberkirchenrat, der nicht skeptisch vor der Schulgründung warnte. Schule unter dem Wort nannte der Gründer das Programm der privaten evangelischen Schule. Schon damals versammelte sich die Schulgemeinde im Gebäude der Matthäuskirche. Tägliche Morgenandachten, in denen Pfarrer Erich Kühn den Schülerinnen und Schülern das Evangelium auslegte und manchmal mit kräftiger Stimme die Leviten las.

Einmalig war vor 50 Jahren die enge Verflechtung von Gemeinde, Schule und Diakonie. Die diakonischen Einrichtungen wurden ebenso wie die Schule von Pfarrer Erich Kühn in unmittelbarer Nähe der Kirche gegründet. Bis heute ist diese besondere Gemeinschaft von Schule, Gemeinde und Diakonie einmalig. „Neckarauer Dreiklang“, das ist bis heute die Metapher für die besondere Zusammenarbeit, die engen Bindungen zwischen Schule, Gemeinde und Diakonie. Niemand verwundert, dass fast zeitgleich Schule und Gemeinde ihre Bau-, Umbau- und Sanierungsvorhaben realisieren. Die Schule und die Gemeinde der Matthäuskirche gestalten ihre Räume neu. Die Schule schafft Raum für neue Anforderungen: Eine neue Mensa, eine Cafeteria, die in den Pausen zum Verweilen einlädt, neue Räume für Musik, Tanz, Theater und bildende Kunst. Die Gemeinde schafft mit der Neugestaltung der Matthäuskirche Raum für die vielfältigen Nutzungen auch durch die Schule. Wir freuen uns auf die Konzerte im Raum der Kirche, die feierlichen Gottesdienste. Für die Schülerinnen und Schüler beginnt die Schullaufbahn in der Matthäuskirche. Die unvergessliche Aufregung der Sextaner, die mit einer kleinen Erinnerungsgabe an ihrem ersten Schultag ihre Laufbahn am „Bach“ beginnen. Viele von ihnen haben diese Erinnerungsgabe dabei, wenn sie ihre Schullaufbahn in der Matthäuskirche beenden mit Gottesdienst und feierlicher Aushändigung der Abiturzeugnisse. Einige behalten über die Schulzeit hinaus die enge Verbindung zur Matthäuskirche. Sie heiraten hier, lassen hier ihre Kinder taufen. Wenn sie später an die Gottesdienste und die gelebte Frömmigkeit denken, die sie am meisten geprägt haben, dann fällt ihnen sofort die Schulgemeinde der Matthäuskirche ein. Die nunmehr neu gestaltete Matthäuskirche ist für unsere Schulgemeinde Leben orientierender Raum: Mit dem eindrücklichen Bild des Lichterspiels über dem hellen Stein, des fühlbaren Körpers des Altars, der Härte des Kreuzes werden sich Andachten, Hochzeiten, Festtage und Alltägliches verbinden. Hier wird es weiterhin um Menschen gehen, die mit ihrem Denken und Tun, ihrem Zweifel und ihrer Hoffnung Gott die Ehre geben. Ihre Lieder werden das Lob Gottes mehren, das zurückstrahlt in eine Wirklichkeit, in der Schüler des Bach-Gymnasiums Verantwortung nach dem Maß der Gerechtigkeit Gottes lernen und leben mögen. Dr. Matthias Raden Schulleiter des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums

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Gemeinde und Diakonie Als Fischer- und Bauerndorf lange vor der Stadt Mannheim gegründet, ist Neckarau heute einer der größten Stadtteile Mannheims, geprägt durch ein hohes Maß an Bürgersinn, Zusammengehörigkeitsgefühl und Geschichtsbewusstsein der dort lebenden Menschen. Fährt man durch die Rheingoldstraße, fallen im Zentrum nicht nur die Kirchen der beiden Konfessionen ins Auge, sondern auch die Gebäude der Neckarauer Diakonie, wie zum Beispiel das Pflegeheim Wichernhaus und die Wohnhäuser für behinderte Menschen. Die Verwaltung des Vereins für Gemeindediakonie und Rehabilitation e.V. befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Gemeindehauses direkt neben der Matthäuskirche. Diese räumliche Situation weist schon auf die enge Verbundenheit zwischen Gemeinde und Diakonie hin. Diakonisches Handeln hat in der Matthäusgemeinde eine lange Tradition; so wurde bereits im Jahr 1855 der erste Kindergarten gegründet und um 1880 entstand der Krankenpflegeverein. Den Grundstein für die heute sehr umfänglichen diakonischen Aktivitäten legte Pfarrer Erich Kühn (1902 – 1979), der über vier Jahrzehnte als Gemeindepfarrer in Neckarau wirkte. Ein besonders wichtiges Anliegen war ihm, dass christliche Gemeinde immer zugleich auch diakonische Gemeinde zu sein hat und dass alte, kranke, schwache und behinderte Menschen ihren Platz mitten in der Gemeinde haben sollen. So gab die Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg den Anstoß, diakonische Einrichtungen zu schaffen, die auch nach mehr als fünf Jahrzehnten noch in der Weiterentwicklung und im Wachsen begriffen sind. Der Träger dieser diakonischen Arbeit, der Verein für Gemeindediakonie und Rehabilitation e. V., ist in besonderer Weise, sowohl was die Arbeit in den Leitungsgremien als auch was die praktische Zusammenarbeit angeht, mit der Matthäusgemeinde eng verbunden. Die diakonische Arbeit ist Teil der Gemeinde und gehört zu ihrem Profil. In den Einrichtungen und Diensten des Vereins stehen in Mannheim und Umgebung heute mehr als 1150 Plätze für junge, alte und behinderte Menschen zur Verfügung; ca. 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden beschäftigt. Seinen Mittelpunkt hat der Verein in der Matthäusgemeinde Mannheim-Neckarau. In enger Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, dem Verein, der Gesamtkirchengemeinde, der Stadt und anderen ist in Neckarau ein Beispiel gemeindenaher Diakonie entstanden, das weit über Mannheim hinaus Beachtung findet. 16

Ein vielfältiges Netz von Beziehungen verbindet Gemeinde und Diakonie miteinander. So nehmen Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnhäuser für behinderte Menschen am gottesdienstlichen Leben und an Veranstaltungen – bis hin zur Teilnahme an Freizeitmaßnahmen – teil. Zum gut besuchten Kindergottesdienst gehört immer auch eine große Zahl geistig, körperlich und mehrfach behinderter Kinder und Jugendlicher aus dem nahe zur Matthäuskirche gelegenen Margarete-Blarer-Haus. Gemeindeglieder engagieren sich ehrenamtlich in den Häusern der Diakonie und Mitarbeiter der Diakonie übernehmen Aufgaben in der Gemeinde. Eine Darstellung der Verbindungen zwischen Gemeinde und Diakonie wäre nicht vollständig, würde man nicht auf das ebenfalls aus der Gemeinde entstandene Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium hinweisen. So gehört zum pädagogischen Konzept der Schule, den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit zu geben, die diakonischen Arbeitsfelder kennen zu lernen, eigene Erfahrungen in der Begegnung mit hilfebedürftigen Menschen zu sammeln und sich mit wichtigen Fragen unseres gesellschaftlichen Lebens zu beschäftigen. Die Matthäuskirche ist für die gesamte Gemeinde der zentrale Ort. Es ist schön, dass sie nach der Neugestaltung heller, freundlicher und einladender geworden ist und noch mehr auf die Belange behinderter Menschen eingegangen wird. Manfred Froese, Diakon Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins für Gemeindediakonie und Rehabilitation e.V.

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Die Kirchenfenster der Matthäuskirche Am 9. August 1943, wenige Tage, nachdem die Gemeinde ihr 50jähriges Jubiläum gefeiert hatte, wurde die 1891-93 im Ortskern des heutigen Stadtteils Neckarau von Karl Behaghel erbaute neugotische Matthäuskirche, der vierten einer bis ins 9. Jh. zurückgehenden Reihe von Kirchenbauten, durch einen Fliegerangriff zerstört. In vereinfachter Form stellte man sie 1949 wieder her, ohne ragende Turmspitze und ohne seitliche Emporen, deren Entfernung auch Einfluss hatte auf die Form der Fenster: Nur noch im Eingangsjoch, unter der Westempore, hat sich die ursprüngliche Aufteilung in je zwei übereinander angeordnete Fenster erhalten. Auch das Maßwerk wurde nicht wiederhergestellt, eiserne Stützen ließen den Charakter einer Hallenkirche entstehen. Diese wurden später, aus Gründen des Feuerschutzes, mit Beton umkleidet, den der Heidelberger Bildhauer Edzard Hobbing (1909 - 1974) mit verschlungenem und netzförmigem Ornamentwerk belebte. Die beiden vorderen Stützen wurden im unteren Bereich figürlich gestaltet, rechts mit dem „sprechenden“ Neckarauer Wappen (Wellen = Neckar, Blumen = Au), links mit Kreuz, Buch und zwei Köpfen , beides zusammen vermutlich eine symbolhafte Gegenüberstellung politischer und kirchlicher Gemeinde. Der in Neckarau geborene Bildhauer Gustav Seitz (19061969) stiftete 1968 Altar und Kanzel, klar proportionierte skulpturale Gestaltungen aus Stein, die als die letzten Arbeiten des ansonsten figürlich und vorwiegend in Bronze arbeitenden Künstlers Beachtung verdienen. Bei der jüngsten Renovierung der Kirche wurden sie entfernt, sollen aber im Gartengelände des Kirchenbereichs wieder aufgestellt werden. Aus Anlass der Renovierung wurden die 1967 von Klaus Arnold geschaffenen Fenster gereinigt und erstrahlen nun als wertvollster Schmuck des Raumes in erneuerter Schönheit. Der 1928 geborene Künstler, seit 1960 Professor an der Kunstakademie Karlsruhe und zeitweilig deren Rektor, hat sich ebenso als Maler wie als Gestalter im architektonischen Bereich einen Namen gemacht. Neben Reliefs aus Natur- und Backsteinmauerwerk schuf er insbesondere bemerkenswerte Glasfenster. Die Fenster der Matthäuskirche sind in traditioneller Bleiruten-Technik ausgeführt. Dabei entstehen graphische Strukturen, die ein dynamisches Spannungsverhältnis zu den Farbfeldern der Glasgestaltung entwickeln. 18

Der beherrschende Eindruck wird zunächst vom Spiel der Farben bestimmt, das sich, je nach Wetter und Licht, auf den gesamten Raum erstreckt. Gold-, Rot-, Blau-, Grün-, Braun und Silbertöne konzertieren in vielfältiger Abstufung. Hinweise zum inhaltlichen Verständnis des in Zusammenarbeit mit Pfarrer Erich Kühn entwickelten Bild-Programms sind gewiss hilfreich. Manche Szenen sind zwar unschwer zu identifizieren, andere jedoch erst bei genauerer Betrachtung. Arnolds Vorgehensweise ist intuitiv und subjektiv, in jedem Fall geht es mehr um ein ganzheitliches Erfassen des Dargestellten als um literarische Beschreibung. Man lasse also die Fenster auf sich wirken – sie erschließen sich der meditierenden Betrachtung im Zusammenklang der Farben und Formen, des eindeutig Erkennbaren und dessen, was die assoziierende Phantasie mit Leben erfüllt. Das Programm ist nach alter Tradition typologisch angelegt, d.h. Darstellungen des Alten Bundes (rechts) stehen solchen des Neuen gegenüber. So beginnt die Reihe der Langschiff-Fenster rechts beim Altar mit der Schöpfung, gegenüber befindet sich der Stammbaum Jesu. Das zweite Fensterpaar konfrontiert Opfer und Tod Abels mit der Kreuzigung Christi, das dritte thematisiert die Macht Gottes durch Gottesgericht am Sinai und Auferstehung. Die Reihe der Bildpaare endet mit der Gegenüberstellung von Turmbau zu Babel und Pfingstwunder: Durch die Hybris der Menschen entsteht die „Babylonische Sprachverwirrung“, der Geist hingegen bewirkt, dass alle einander verstehen, obwohl sie in unterschiedlichen Sprachen reden. Im einzelnen, jeweils vom Chor aus – rechte Seite (AT): Die Schöpfung (1. Mose 1): Das erste Fenster weist im oberen, lichterfüllten Drittel eine starke, von oben nach unten gerichtete Dynamik auf. Sie verbildlicht die Schöpferkraft Gottes. Nicht nur in diesem Fenster ersetzt die Komposition das nicht mehr vorhandene Maßwerk. Der goldene Kreis verweist auf Gottes Anwesenheit, im mittleren Teil erscheinen im Blau des Himmels Gestirne, der untere ist in Erdtönen gehalten. Einsprengsel in Blau deuten auf Leben spendendes Wasser, vielfältig geformtes pflanzliches und tierisches Leben umgibt das durch einen goldenen Baldachin hervorgehobene und doch in das Ganze von Natur und Kosmos eingebundene Menschenpaar.

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Kain und Abel (1. Mose 4, 1-16): Das dramatische Geschehen ist in dunklen, komplementären Farbtönen gehalten. Die Komposition verteilt sich auf die drei Bahnen des Fensters. Unter dem mächtigen Auge Gottes steigt links der Rauch von Abels Opfer zum Himmel. Er geht aus von dem geschlachteten Lamm, das auf einem gemauerten Opferaltar liegt. Rechts unten sind die Feldfrüchte zu erkennen, die Kain, der Bauer, opfert – ihr Rauch schwelt düster am Boden dahin. Gott nimmt Abels Opfer an, nicht aber das des Kain, der darüber so sehr in Wut und Enttäuschung gerät, dass er den Bruder erschlägt: in der mittleren Bahn krümmt sich Abels kleine, weiße Gestalt unter der des finster aufragenden Bruders, dessen Tat im Rot von Zorn und Blut auflodert. Das Gottesgericht am Berge Sinai (2. Mose 20, 18-22): Das Erscheinen Gottes in Donner und Blitz deutet sich in machtvollen Zeichen an, deren Hintergrund das sandige Graubraun der Wüste bildet. Im Zenit des Fensterbogens verweist das einem Kreis einbeschriebene Dreieck auf Gottes unberührbare Ferne. Der Turmbau zu Babel (1. Mose 11, 1-9): Unter dem machtvollen Auge Gottes stürzt der Turm des menschlichen Hochmuts in sich zusammen, „erdhaft und in prächtigen Farben“, wie der Künstler anmerkt. Linke Seite (NT): Der Stammbaum Jesu (Matthäus 1,1-17): Jesu interessanterweise nicht auf Maria, sondern auf Joseph bezogener Stammbaum, wie ihn Matthäus geschildert und die Kunstgeschichte als „Wurzel Jesse“ unzählige Male verbildlicht hat, ist unmittelbar ablesbar. Er dokumentiert die Verwurzelung Jesu in der menschlichen Geschichte. Im Zenith verweisen Davids Stern und Krone auf Jesu Königtum. Die Kreuzigung: Blutrot über düsterem Blau erhebt sich das Zeichen des Kreuzes. Die Gestalt des Gemarterten ist wie in Auflösung angedeutet, darunter zeichenhaft der Lebensbaum und die Gestalten der Trauernden (Maria und Johannes). Die Auferstehung: Im Dunkel die schlafenden Wächter, die das Geschehen der Osternacht nicht wahrnehmen. Die leuchtende Gestalt des Christus erscheint unter dem Symbol göttlichen Lichtes.

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Pfingsten: Das Fenster ist ganz in Rot gehalten, der Farbe des Geistes, der Liebe und des Feuers. Blaue Flammen fallen vom Himmel und entzünden die Wesen der Tiefe. Unter der Orgelempore sind – als Appell, sich nicht unnötig Sorgen zu machen und statt dessen auf Gottes Hilfe zu vertrauen – „die Lilien des Feldes“ und „die Vögel des Himmels“ einander gegenübergestellt, auf der Empore hingegen wird – mit konkreter Bezugnahme auf Gebäude der Neckarauer „Liebeswerke“ – auf Taten der Barmherzigkeit verwiesen (Verlorener Sohn und Barmherziger Samariter). In der Hauptachse entsprechen Abendmahl, Himmlisches Jerusalem und das Lamm der Apokalypse in den drei Chorfenstern dem leeren Thron des wiederkommenden Christus über der Orgelempore, der sich als Zeichen der Vollendung mit dem Regenbogen der Versöhnung verbindet und über Sintflut und Arche erhebt: Gottes Herrlichkeit überstrahlt Katastrophen und Untergang, wie sie in den Rußspuren des Fensters konkret auch auf die Brandnacht Bezug nehmen, der nicht nur diese Kirche zum Opfer fiel. Prof. Hans Gercke Kunstverein Heidelberg

Bauunterhaltung als Stiftungszweck: Evangelische Stiftung Pflege Schönau Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau ist sicherlich vielen ein Begriff. Weniger bekannt dagegen sind die Geschichte und die Aufgabenstellung dieser Einrichtung: Der ursprüngliche Name „Pflege Schönau“ geht auf das Zisterzienserkloster in Schönau bei Heidelberg zurück. Kurfürst Friedrich III. löste im Jahr 1560 alle Klöster und Stifte endgültig auf. Um aber den Bauunterhalt an vielen Kirchen der Region, der bis dahin aus den Einkünften des Klosters finanziert wurde, fortführen zu können, wurde aus dem Vermögen des Klosters Schönau der „Unterländer Evangelischer Kirchenfonds“ gebildet. Die Verwaltung des Fonds, die „Pflege Schönau“, erhielt ihren Sitz in Heidelberg. Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau verwaltet seit dem 01.07.2003 als Rechtsnachfolgerin das stiftungsgebundene Vermögen des bis dahin existierenden Unterländer Evangelischer Kirchenfonds ( „Pflege Schönau“).

Zusätzlich verwaltet und vertritt sie die Evangelische Pfarrpfründestiftung Baden, in der alle 475 früher rechtlich selbständigen Pfarrpfründe in Baden zusammengefasst sind. Die Aufgabe dieser Stiftung liegt in der Finanzierung von jährlich 40-45 Pfarrstellen. Das Vermögen der beiden Stiftungen besteht aus insgesamt ca. 14.000 ha Grundbesitz, der über ganz Baden verteilt liegt und größtenteils und land- und forstwirtschaftlich genutzt wird. Der Wald (ca. 7.600 ha) wird als eigenständiger Forstbetrieb mit kirchlichen Förstern und Waldarbeitern bewirtschaftet; die landwirtschaftlichen Flächen sind verpachtet. Außerdem werden etwa 14.000 Erbbaurechte verwaltet und 150 Wohngebäude mit ca. 1.200 Mietverhältnissen bewirtschaftet. Am Hauptsitz in Heidelberg und den beiden Standorten in Freiburg und Mosbach verwalten ca. 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Vermögen. Der Stiftungszweck der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau ist vorrangig die Unterhaltung von 85 Kirchen und 44 Pfarrhäusern, die über ganz Baden (von Boxberg bis nach Lahr) verstreut sind. Die Vielzahl der in jedem Jahr anstehenden Renovierungen macht es immer wieder notwendig, die Dringlichkeit einzelner Maßnahmen zu gewichten. Mit der baulichen Unterhaltung der Gebäude sind nicht nur Mitarbeiter der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau, sondern auch Mitarbeiter des Evang. Kirchenbauamtes in Karlsruhe befasst. Da alle Kirchen unter Denkmalschutz stehen, erfordert die Renovierung einen erhöhten Abstimmungsbedarf mit den Vertretern der Denkmalpflege. Allein im Jahr 2004 wurden von der Evangelischen Stiftung Pflege Schönau 2,8 Mio. € für die Renovierung und Unterhaltung von Kirchen und Pfarrhäusern ausgegeben. Mit den Einnahmen aus dem Vermögen der beiden Stiftungen werden nicht nur die jeweiligen Stiftungszwecke erfüllt, sondern auch alle Unterhaltungs- und Personalkosten erwirtschaftet. Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau ist somit die einzige Einrichtung innerhalb der Landeskirche, die keine Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln bekommt, sondern ihrerseits Zuweisungen an die Landeskirche leistet. 21


Am Bau beteiligte Firmen

Wir danken den folgenden Firmen für ihre finanzielle Unterstützung bei der Erstellung der Broschüre

Alwert Chemie + Bautenschutz GmbH (Bautenschutz) 75031 Eppingen

Holzwerkstätte Kerner (Schreinereiarbeiten) Hauptstr. 50 76848 Schwanheim Fon: 06392-3398 Fax: 06392-993868 Kerner-Holzwerkstaette@ t-online.de

Bobran Ingenieure (Akustik + Bauphysik) 70190 Stuttgart

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