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Der S 4000-1 und seine Modelle Dieses Buch beschreibt die Entwicklung, Produktion und den Lkw S 4000-1 heute. Erstmalig werden seine Modelle im Maßstab 1:87 dargestellt. Das Fahrzeug zählt zu bekanntesten Lastkraftwagen der DDR. Der Zweiachser in Haubenbauform hatte eine Nutzlast von vier Tonnen. Im Juli 1967 verließ der letzte das Werk in Werdau – nach nur sieben Jahren Bauzeit. Doch er ist nicht in Vergessenheit geraden, auch wenn die Ostfahrzeuge Anfang der 1990er Jahre zunächst in den Hintergrund rückten. Es dauerte nicht lange und man besann sich auf die gute, alte Technik. Der S 4000-1 erlebte in den letzten Jahren eine Renaissance. Vor allem als Oldtimer, weniger als Nutzfahrzeug im herkömmlichen Sinn. Viele Unternehmen und Privatpersonen haben sich wieder einen S 4000-1 zugelegt. Sie restaurieren und pflegen diese Schätzchen, wie die Teilnehmerzahlen bei den Oldtimertreffen beweisen. Eine ähnliche Geschichte wie das große Vorbild haben auch die Modelle im Maßstab 1:87. Sie spiegeln die Geschichte der Fahrzeuge im Miniaturformat wider. Das erste Plastmodell des S 4000-1 erschien 1963 in der DDR und wurde in zahlreichen Varianten gebaut. Im März 2000 kam ein neues Modell auf den Markt, welches heute noch in mehreren Varianten erhältlich ist. Weniger bekannt ist der Kartonmodellbau. Zu den Nutzfahrzeugmodellen aus Karton gehört auch der S 4000-1. Diese Modelle sind heute, teils in Neuauflage oder als Neukonstruktion, weiter im Angebot. Dieser Band soll ein Rückblick sein, aber auch zeigen, was fünfzig Jahre nach der Produktionseinstellung aus dem S 4000-1 geworden ist. Erstmalig werden hier in Buchform die S 4000-1-Modelle auch im Bild vorgestellt.

ISBN 978-3-9815130-6-6

Günther Wappler · Der S 4000-1 und seine Modelle

Günther Wappler

Der S 4000-1 und seine Modelle

IFA-Lkw bleibt auch 50 Jahre nach Produktionsende populär


Der S 4000-1 und seine Modelle

Günther Wappler

Der S 4000-1 und seine Modelle IFA-LKW BLEIBT AUCH 50 JAHRE NACH PRODUKTIONSENDE POPULÄR RENAISSANCE BEI OLDTIMERTREFFEN UND EN MINIATURE


Der Autor · Jahrgang 1950, in Königswalde bei Werdau in Westsachsen aufgewachsen · 1965 Lehre zum Agrotechniker, er kennt die Landtechnik der 1960er und 1970er Jahre · 1969 Armeezeit als Kraftfahrer · 1972 bis 1988 Busfahrer beim Städtischen Nahverkehr Zwickau, Ausbildung auf fast allen Ikarus-Bustypen · 1988 bis 1992 Kraftfahrer im Stadtbaubetrieb Zwickau · 1998 bis zum Vorruhestand 2010 Anlagenfahrer in einem Chemieunternehmen in Zwickau · Autor mehrerer Veröffentlichungen zu den Themen Nutzfahrzeuge der DDR und Modellautos

■ Impressum

■ Inhaltsverzeichnis Seite

4

1.1. Der Lkw H 3

Seite

4

1.2. Der Lkw H 3 A und der Bus H 3 B

Seite 15

1.3. Der Lkw S 4000 – eine Zwischenentwicklung

Seite 31

Herausgeber ©Agentur ERZ.art GmbH Wettinerstraße 54, D-08280 Aue Telefon 03771 291733 info@erz-art.de www.mediengruppe-erzgebirge.de

1.4. Der Lkw S 4000-1 – Produktion in Zwickau

Seite 33

1. Auflage 2017

2.

Seite 39

Redaktion/Lektorat Günther Wappler, Olaf Seifert

1.

Wie alles in Zwickau begann – Entwicklung und Produktion in Zwickau

Produktion im VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube” Werdau

2.1. Produktionsverlagerung, Fertigung, Einsatzgebiete und Export

Seite 39

2.2. Das Ende der Lkw-Fertigung in Werdau

Seite 53

3.

4.

Gestaltung Gerrit Burkhardt Druck

Der S 4000-1 heute Einsatz in der Praxis, der Lkw bei Oldtimertreffen und in Museen

Seite 62

Der S 4000-1 als Modell im Maßstab 1:87

Seite 80

4.1. Das DDR-Modell und seine Geschichte

Seite 81

4.2. Das BREKINA-Modell ab 2000

Seite 95

4.3. Kleinserienmodelle

Seite 114

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers. Alle Rechte vorbehalten.

4.4. Der Lkw im Kartonmodellbau

Seite 120

ISBN 978-3-9815130-6-6

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Der S 4000-1 und seine Modelle

Vorwort ■ Der Lastkraftwagen S 4000-1 ist eines der bekanntesten Nutzfahrzeuge aus DDR-Zeiten. Der zweiachsige Lkw in Haubenbauform hat eine Nutzlast von vier Tonnen bei einer Motorleistung von 90 PS. Das Fahrzeug zeichnet sich durch seine Robustheit aus. Es wurde in Werdau über 21.400-mal in 20 Grundvarianten, unter anderem mit Rechtssteuerung, gebaut. Immerhin wurde der Lkw in 16 Länder exportiert. Mit der Weiterentwicklung zum späteren Typ W 50 war nicht nur das Ende des Modells S 4000-1 besiegelt, es endete auch der LkwBau in Werdau. Im Juli 1967 verließ der letzte Lkw das Werk, also vor 50 Jahren. Der Nachfolger W 50 aus Ludwigsfelde sollte eigentlich das Nutzfahrzeugproblem in der DDR lösen. Das gelang aber nur bedingt. Aufgrund von Fahrzeugmangel und somit Transportproblemen in der DDR sowie seiner Einfachheit und Robustheit rollten die S 4000-1-Fahrzeuge noch viele Jahre im aktiven Dienst. Der S 4000-1 blieb vor allem als Feuerwehrfahrzeug lange im Einsatz. Aber auch in der Industrie und bei manchem privaten Fuhrunternehmer versah er zuverlässig seinen Dienst. Mit der politischen Wende in der DDR stellte ein Betrieb nach dem anderen seine Fertigung ein. Der gesamte DDR-Fahrzeugbau stand vor dem Aus. Die Produktion des W 50 endete im Dezember 1990. Nun könnte man denken, der S 4000-1 sei heute endgültig verschwunden. Doch weit gefehlt. In den 1990er Jahren waren West-Nutzfahrzeuge gefragt. Diese Lastkraftwagen waren auf den neuesten Stand der

Technik und es gab sie nun in ausreichender Stückzahl für jeden Verwendungszweck. Jeder konnte jetzt kaufen, was er wollte, ohne staatliche Reglementierung. Aber es dauerte nicht lange und mancher besann sich auf alte DDR-Technik. Viele erkannten, dass nicht al-

les Gold ist, was glänzt. Die erwähnte Robustheit und Einfachheit sowie die Kostenfrage lösten eine Nachfrage nach DDR-Fahrzeugen aus. Viele wurden aus Militärbeständen ausgegliedert oder aus Ersatzteillagern gewonnen. Das betraf vor allem die bis zur Wende gebauten Nutzfahrzeuge. Sogar der Lkw S 4000-1 erlebte in den folgenden Jahren eine Renaissance. Vor allem allerdings als Oldtimer- und weniger als Nutzfahrzeug im herkömmlichen Sinne. Unternehmen und Privatpersonen legten sich wieder einen S 40001 zu, wie das die Teilnehmerzahlen bei Oldtimertreffen beweisen. Doch es gibt bis heute auch erstaunlich aktive S 4000-1, meist sind es Feuerwehrfahrzeuge. Eine ähnliche Geschichte wie das große Vorbild hat auch das Modell des S 4000-1 im

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Maßstab 1:87. Das Plastmodell erschien 1963 in der DDR, wurde in verschiedenen Varianten gebaut und ist heute bei Sammlern sehr begehrt. Im März 2000 erschien dann ein neues Modell des Lastkraftwagens, welches heute noch in zahlreichen Varianten erhältlich ist. Manchmal werden Modellautos im Maßstab 1:87 aus Plaste immer noch als Spielzeug abgetan. Das ist längst vorbei. Heute sind sie Sammlerstücke, die ganz nebenbei Technikgeschichte dokumentieren. Weniger bekannt ist der Kartonmodellbau. Ausschneidebögen aus Papier und Karton gibt es schon seit Langem. Flugzeuge, Schiffe, Fahrzeuge und Gebäude in den verschiedensten Maßstäben waren schon zu DDR-Zeiten beliebt. Aber auch Landmaschinen und Nutzfahrzeuge sowie Pkw gab es zum Basteln. So auch den Lkw S 4000-1. Nach der Wende setzte man diese Tradition fort, es wurden viele neue Ausschneidebögen entwickelt, sodass jetzt eine umfangreiche Fahrzeugpalette zur Verfügung steht. Auch das ist Technikgeschichte. Dieses Heft soll einen Rückblick bieten, aber ebenso zeigen, was aus dem S 4000-1 geworden ist – fünfzig Jahre nach der Produktionseinstellung. Dabei wird versucht, so viele unbekannte Bilder wie möglich zu zeigen. Die ausführliche Geschichte des Fahrzeuges und der Produktionsstätten wurde bereits ausführlich in Bücher beschrieben. Hinweise dazu finden Sie auf der letzten Seite. Günther Wappler, Zwickau


Kapitel 1. Wie alles in Zwickau begann – Entwicklung und Produktion 1.1. Der Lkw H 3 ■ Der Lastkraftwagen S 4000-1 ist eine Weiterentwicklung. Die Produktion wurde 1959 vom VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau in den VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube” Werdau verlagert. Daher stammen auch die Bezeichnungen „S” für Sachsenring und „4000” für 4.000 Kilogramm Nutzlast sowie die „1” für Weiterentwicklung. Hieraus resultiert, dass es auch Vorgängermodelle gibt. Der Urvater des S 4000-1 ist der Lkw H 3. Dieses Fahrzeug war der erste Lastwagen, der in der Sowjetischen Besatzungszone gebaut wurde. Seine Geschichte beginnt bereits 1945 im Werk Horch in Zwickau; es war in jenem Jahr ebenso wie das Werk Audi durch die Sowjetunion beschlagnahmt worden. Eine dem Autor vorliegende Kopie einer Aktennotiz vom 4. August 1945, signiert mit Auto Union A-G Werk Horch und handschriftlichen Unterschriften, beinhaltete folgende Fakten: Nach dem Einmarsch der Amerikaner am 17. April 1945 wurde das Werk Horch vollständig stillgelegt. Vom 23. April bis 1. Mai war es Plünderungen ausgesetzt, da die Amerikaner mehrmals den Wachschutz verhafteten. Ab 2. Mai wurde das Werk von Amerikanern und dem einheimischen Wachschutz bewacht. Vom 10.

Mai bis 4. Juni wurde das Hauptwerk von den Amerikanern mit etwa 4.000 deutschen Kriegsgefangenen belegt, wobei die Einrichtungen erneut schweren Schaden durch Plünderungen erlitten. Ab 5. Juni stand das Werk wieder ohne amerikanische Bewachung zur Verfügung. Der Vorschlag, dort einen Lastwagen unter weitgehender Verwendung von Teilen der bisherigen Kriegsfertigung (MaybachMotore, Zugkraftwagen) zu fertigen, wurde angenommen und die Fertigung am 14. Juni von der Alliierten Militärregierung gestattet. Dieser Lastwagen sollte später durch eine Neukonstruktion abgelöst werden. Vom Wechsel der Besatzung am 1. Juli 1945 wurden diese Planungen durchkreuzt. Das Werk Horch wurde am 3. Juli von einer sowjetischen Kommission besichtigt und angeordnet, dass nichts hinein- und herausgebracht werden dürfe. Einige Tage später wurde das Werk von einer russischen Kommission besetzt. Anschließend erfolgte die Demontage der beider Werke, deren Hallen durch Bomben stark beschädigt waren. Keine idealen Voraussetzungen für einen Neuanfang des Automobilbaus in Zwickau. Dennoch begann man bald wieder mit der Produktion. Aus Restbeständen entstanden Gegenstände für den täg-

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lich notwendigen Bedarf. Am 1. Januar 1946 übernahm die 1945 entstandene Sächsische Aufbau-Werk G.m.b.H. das Werk Horch, danach wurde dieses in die Industrieverwaltung 19 eingegliedert. Die Sächsische Aufbau-Werk G.m.b.H. (SAW) wurde im August 1948 gelöscht. Auch erste Aufträge für Fahrzeugreparaturen konnte man ausführen. Im August 1946 wurde durch die Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) die Genehmigung zum Bau eines Lastwagens mit drei Tonnen Nutzlast erteilt. Gebaut werden sollte ein Fahrzeug mit drei bis vier Tonnen Nutzlast. Warum die erste Bezeichnung L 3 hieß, ist nicht genau bekannt; wahrscheinlich Lastwagen 3 Tonnen. Verwendet wurden weitgehend vorhandene beziehungsweise zu beschaffende Teile. Laut Aktennotiz sprach man im Juni 1945 schon von einem Lkw mit einer Nutzlast von fünf bis sechs Tonnen und luftgekühltem Dieselmotor. Im Juli 1946 sollte die Fertigung anlaufen, aber es kam anders. Vorerst wurde der Lkw H 3 gefertigt. Als Motor war zuerst ein Horch-V-Otto-Motor mit acht Zylindern und 3.833 Kubikzentimeter Hubraum vorgesehen. Dieser Motor hatte beim Einheits-Pkw der Wehrmacht Verwendung


Der S 4000-1 und seine Modelle

Der Maybach Motor des Lkw H 3.

Aktennotizen vom 23. Juni 1945 mit Vorschlägen aus dem SAW-Werk Horch fßr die Nachkriegsfertigung.

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KAPITEL | 1


gefunden. Er durfte freilich auf Weisung der Sowjetischen Militäradministration nicht genutzt werden, sondern war für andere Zwecke reserviert. Der Motor brachte aber auch nicht die notwendige Leistung für den Lkw. So blieb nur der Motor HL 42. Dieser Maybach-Motor trug die Bezeichnung HL (für Hochleistungsmotor) und 42 (circa 4,2 Liter Hubraum). Es war ein TRKM-Motor: mit Trockensumpfschmierung, Kupplungsgehäuse und Schnapper-Magnetzünder. Im Krieg hatte er den mittleren Schützenpanzerwagen Sd.Kfz. 251 (Sonderkraftfahrzeug 251) angetrieben, der unter anderem im Werk Horch der Auto-Union produziert worden war. Noch weitere aus Kriegszeiten vorhandene Konstruktionen und Teile wurden bei Entwicklung und Fertigung des H 3 verwendet. Es stand der von der Auto Union in den Wanderer-Werken 1941 entwickelte und gebaute Lkw AU 1500 Pate. Von diesem Fahrzeug sollen fünf Versuchs- beziehungsweise Vorführfahrzeuge 1942 der Öffentlichkeit präsentiert worden sein. Es wurde auch in einer Allrad-Ausführung erprobt. Der AU 1500 besaß ein Kurzhauben-Frontlenker-Fahrerhaus, das seiner Zeit voraus war. Die Sicht für den Fahrer war dadurch gut. Die meisten Lkw hatten damals mehr oder weniger große Motorhauben. Dieses Fahrzeug aber zeichnete sich durch einen extrem kurzen Überhang vorn und hinten aus. Der kurze Radstand von nur 2,80 Meter verlieh ihm eine gute Wendigkeit.

Aktennotiz vom 29. August 1946 über eine Fabrikationssitzung im SAW-Werk Horch Zwickau, in der die Erlaubnis zum Wiederanlauf des Baus von Dreitonnen-Lkw dokumentiert ist.

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