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welt verbrennt


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IRRE GLEISE

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Ich irre über die Geleise, Züge rollen vorbei. Rot brennen die Signale und Schilder klappen herab. Hell leuchtet‘s in den Wagen, Passagiere schaukeln sanft in den Schlaf. Im Bahnhof klopf‘ ich tapfer an Scheiben, doch nichts regt sich im Abteil.

Warum? Niemand sagt, warum. Niemand weiß, warum. Warum müssen alle Blumen sterben? Warum müssen wir Menschen sterben? Ich hab‘ noch nicht genug gesehen! Warum? Niemand sagt, warum. Niemand weiß, warum.

Und so reise ich auf Güterzügen durch das ganze Land. Und besuche lauter Städte, die mir bis dahin unbekannt.

Wir leben an einem schwarzen Teich, aus dem kein Leben entweicht. Nur Tod!

Ich kratze an den Scheiben, getrieben von der Suche nach dir. Wann erreicht mich endlich ein Zeichen, damit ich dich finden kann? Ich hab‘ inzwischen viel gesehen, hier und dort und dann und wann. Glaubst Du, wir haben eine Zukunft? Sag‘ mir bitte, ja, und wenn, dann wann?

Die welken Blätter fallen dort hinein und treiben an uns vorbei, bis sie versinken.

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Und so reisen wir auf Güterzügen durch das ganze Land. Und besuchen lauter Städte, die uns bis dahin unbekannt.

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WARUM?

UNSERE STADT Schwarzer Dunst am Boden der Gassen, die Bewohner tappen langsam in langen Schlangen. Die Mauern sind morsch und der Atem stockt und Feuer brennen auf offener Straße.

WELT VERBRENNT

Am Firmament wühlt es wie ein dunkles Gedärm, die Füße versinken im tiefen Morast. Die Wahrzeichen sind zerbrochen, die Utopien erloschen.

Die Welt verbrennt in Liebe zu Asche, zu Staub, zu Kohle!

Die Lichter brennen Tag und Nacht in dieser Stadt, in unserer Stadt! Die Stadt ist an einem Hang gebaut, der langsam, unaufhörlich in den Fluten versinkt. So ist es, denn du kennst diese Stadt, denn diese Stadt ist auch deine Stadt!


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VEREIST

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TANNHÄUSER TOR (Instrumental)

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WINTERTIME

Die Straße ist vereist, die Häuser sind vereist, der Park ist vereist, alle Bäume sind voll Eis. An den Bänken ist Eis und auch die Haltestelle ist vereist, alle Autos sind voll Eis und auch die Bahn trägt Eis. Und ich geh‘ dahin, durch Eis und Wind, ich geh‘ dahin, wohin du mich bringst, Winter!

It‘s wintertime and I go allein, the snow is falling and my ears are frozen.

Die Geschäfte sind vereist, die Taschen sind vereist, die Laternen sind vereist, meine Füße sind vereist, meine Hände sind vereist, mein Kopf ist vereist, ich bin voll Eis.

Oh wintertime! Snow makes me blind, my heart is cold and my head feels so old.

Und ich geh‘ dahin, durch Eis und Wind, ich geh‘ dahin, wohin du mich bringst, Winter!

So wintertime and I go allein, for all nice things I‘m looking for. Es ist so kalt, so schrecklich kalt und du weißt nicht, wohin du gehst.

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MENSCHEN REDEN Menschen reden, sie schauen an mir vorbei, ich verstehe ihre Worte, doch der Sinn, der liegt mir fern. Hände greifen, befühlen Gegenstände, klammern sich an Dinge, die letztlich wertlos sind. Das alles nennt sich Zukunft, ein Konstrukt für Hirn und Hand. Ich lebe davon abseits, von diesem Glück verbannt. Mein Blick läuft die Gebäude entlang und Regen fällt in mein Gesicht. Ich sehe blau-grün flackerndes Licht...

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ES GIBT KEINEN WEG Es gibt keinen Weg heraus aus meinem Kopf. Was ich auch seh‘, ist alles in meinem Kopf. Ich möchte so gern mit and‘ren Augen seh‘n, die Welt wär‘ dann sicher viel schöner anzuseh‘n. Doch keiner kann aus seinem Leib heraus und so bin auch ich gefangen in meinem Traum, in meinem dunklen Traum, in deinem Traum.

It‘s always cold and I always go allein through this world of madness, so cold, so bad.

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WEG VON DER STADT Du ziehst mich durch die Tür in ein anderes Zimmer, wir fallen auf etwas Weiches und ich spüre deinen Atem. Deine Arme zerren mich empor und tragen mich von hier fort, wir kreisen über der Stadt und stürzen in die Strassen. Was uns zusammen hält, macht uns so leicht, was uns gefangen hält, macht uns so schwach. Die Fenster leuchten gelb und für das Abendessen ist gedeckt. Die Stadt ist voller Lichter und sommerlich schwül. Doch etwas hält uns fest und zieht uns von hier fort, von diesem wunderschönen Bild. Weg von der Stadt, hin zu den Sternen, die am Morgenhimmel langsam vergehen. Weg von der Stadt, hin zu den Sternen, die am Morgenhimmel langsam verglüh‘n. Weg von der Stadt, hin zu den Sternen, die am Morgenhimmel leuchten und dann langsam vergehen.


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EINES MORGENS Eines Morgens, die Stadt war noch nicht wach, glaubte ich zu träumen, etwas erfasste mich sehr rasch. Zwei kräftige Arme zerrten mich empor und zeigten mir ein Leuchten, blitzend durch die Fassaden der Häuser hindurch. Ich fühlte mich getragen, fast eine Ewigkeit, und plötzlich wurd‘ es wärmer, ich hatte nichts zum Anziehen dabei. Man reichte mir ein Weinglas und lud‘ mich ein zum Trank. Kaum, dass ich mich gelabet, da führte man mich schon in das Himmelreich. Hier gab es schöne Klänge, ich war auch nicht allein, ich dacht‘, hier könnt’st du bleiben, doch da war alles schon vorbei.

Texte: Weinecke Musik: Feldmann/Geier/Schaefer DDFM: Bass Thomas Geier: Schlagzeug und Gesang Yoshino: Klangzeug und Gesang Es spielten bei: MENSCHEN REDEN Violoncello: Holger Hahn Trompete: Martin Czastrau Tenor Saxophon: Nils Powilleit Posaune: Martin Damerau WELT VERBRENNT Gitarre: Daniel Düring

Alle Stücke aufgenommen und abgemischt in der Villa Qrella in Berlin von Norman Nitzsche.

Malerei: Fabian Weinecke Fotografie: Sascha Kreklau Gestaltung: ersteliga.de - büro für gestaltung festland.tv - myspace.com/festlandschoenemusik


cd booklet festland  

festland welt verbrennt

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