Special BIM - Building Information Modeling 2021

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Planung und Ingenieurbau

Strategien zur Optimierung der Zusammenarbeit bei Planung und Ausführung Ein Erfahrungsbericht aus dem Projekt DigitalTWIN Das Planen und Bauen von Bauwerken wird immer komplexer. Einerseits führen die steigende Spezialisierung und die Vielseitigkeit der Anforderungen dazu, dass immer mehr Akteure in den Prozessen involviert sind; andererseits erlaubt es die erhöhte Leistungsfähigkeit von Computern und Programmen, immer komplexer Bauvorhaben zu planen und zu realisieren.1,2 Die realisierte Lösung wird dabei typischerweise in einer Vielzahl von Iterationsschritten erarbeitet. Bauherren, Architekten, Fachplaner, Projektentwickler, Behörden und ausführende Unternehmen detaillieren und konkretisieren in gegenseitigem Austausch sukzessive das Bauwerk. Entscheidungen für eine bestimmte Entwurfsvariante, für ein bestimmtes Material oder ein bestimmtes Produkt basieren deshalb in der Regel auf einer Vielzahl von Gründen und auf der Expertise mehrerer Partner. Aufgrund dieser vielfältigen Einflüsse sind Lösungswege und Prozesse bislang noch stark projektspezifisch geprägt und müssen immer wieder neu erarbeitet werden. (Bilder 1 und 2) Zu dieser Komplexität und hohen Individualität kommt eine weitere Erschwernis hinzu: der Übergang zwischen Planung und Ausführung. Zum Teil ändern sich durch die Vergabe die beteiligten Akteure, viele relevante Informa­ tionen können dabei verloren gehen. Hinzu kommt, dass die Software-Programme für Planung und Fertigung unterschiedlichen Ziele dienen und dementsprechend Datenfor-

Bild 1.  Bau des Tiefbahnhofs Stuttgart 21

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Ernst & Sohn Special 2021 · BIM – Building Information Modeling

mate, Bedienkonzept und Schnittstellen in der Regel anders aufgebaut sind. Ein Datenaustausch ist deshalb oft nicht möglich bzw. mit großem Aufwand verbunden. Auch aus Haftungsgründen ziehen es viele Akteure deshalb vor, alle Informationen in ein neues Modell zu überführen, anstatt vorhandene Modelle zu übernehmen. Damit entstehen viele parallel gepflegte Modelle, deren manueller Abgleich ein Teil des Planungsprozesses wird. Hierunter leiden Qualität, Wirtschaftlichkeit und Präzision.3

–i– Beitrag zur dringend erforderlichen Modernisierung Wie können diese Schwierigkeiten überwunden werden? In anderen Industrien wie z. B. dem Flugzeug- und dem Maschinenbau unterstützen digital basierte Methoden und Technologien schon heute die Durchgängigkeit der Prozesse und des Datenaustausches. Dort ist eine umfassende Vernetzung von Datenquellen bereits im Einsatz, auch dank der inte­ grierten und standardisierten Prozessen. Die hierbei entwickelten Lösungen können dem Bauwesen wichtige Anhaltspunkte für die Modernisierung der gesamten Wertschöpfungskette von der Planung über den Bau und Betrieb bis hin zum Rückbau geben.4 Ziel des Forschungsprojekts Digital­