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Hintergrundpapier

Internationaler Währungsfonds: Überschuldungsgefährdete Staaten mit niedrigem Einkommen nach den letzten Tragfähigkeitsanalysen des IWF

© Bui Viet Hung, Shutterstock.com


Hintergrund – Internationaler Währungsfonds: Überschuldungsgefährdete Staaten mit niedrigem Einkommen nach den letzten Tragfähigkeitsanalysen des IWF Erschienen: 15.02.2013 erlassjahr.de - Entwicklung braucht Entschuldung Carl-Mosterts-Platz 1 40477 Düsseldorf Tel.: +49 (0) 211 - 46 93 - 196 Fax: +49 (0) 211 - 46 93 – 197 E-Mail: buero@erlassjahr.de Website: www.erlassjahr.de Autor: Jürgen Kaiser V.i.S.d.P Sebastian Bonse Öffentlichkeitsarbeit Tel.: +49 (0) 211 - 46 93 - 211 E-Mail: s.bonse@erlassjahr.de Bild: © Bui Viet Hung, Shutterstock.com


Mit Datum vom 6. Dezember hat der IWF zuletzt eine kleine Länderübersicht aktualisiert, in der er die Überschuldungsrisiken von Ländern mit niedrigem Einkommen zusammenstellt.1 Die Listen sind nichts anderes als ein Überblick über Beurteilungen, die IWF und IDA regelmäßig in den Schuldentragfähigkeitsanalysen für Niedrigeinkommensländer anstellen. Die Daten aus den einzelnen Dokumenten zu holen, ist sehr aufwändig. Deswegen ist die Veröffentlichung der Übersicht durch den Fonds ein willkommener Service. Die Einschätzung, ob eine Land überschuldungsgefährdet ist oder nicht – oder vielleicht ein bisschen – ist für Freund wie Feind schwer zu treffen. Wir haben im Schuldenreport eine eigene Einschätzung von Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen vorgenommen.2 Dabei sind wir teilweise von anderen – nämlich von der Weltbank stammenden – Daten ausgegangen als der Fonds. Der IWF baut seine Analyse auf seine eigenen Vorhersagen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklungen und unter Berücksichtigung möglicher Schock-Szenarien auf. Dabei gilt ein Risiko als niedrig, wenn im so genannten "Basis-Szenario", welches der IWF für die wahrscheinlichste Entwicklung hält, keiner der kritischen Grenzwerte überschritten wird. 3 Mittel ist das Risiko, wenn im Basis-Szenario die Werte im tragfähigen Rahmen blieben, unter Schock-Bedingungen aber überschritten werden. Hoch zeigt, dass selbst die wahrscheinliche Entwicklung der jeweiligen Volkswirtschaft ein Überschreiten der Grenzwerte im Vorhersagezeitraum (meistens bis 2030) erwarten lässt. Untersucht wird die Schuldentragfähigkeit in 72 Ländern mit niedrigem Einkommen. Von diesen •

sind 4 Länder im Zahlungsverzug ("In Debt Distress")

haben 13 Länder ein hohes Überschuldungsrisiko, davon sechs, die gerade erst unter HIPC/MDRI entschuldet worden sind,

27 Länder ein mittleres, und

25 Länder ein niedriges.

Für 3 Länder liegen keine ausreichenden Daten vor.

In der Summe ist das ist eine leicht verbesserte Situation gegenüber dem Juni 2012. In der untenstehenden Tabelle sind Länder, deren Kategorisierung sich verbessert hat, grün und Länder mit einer Verschlechterung rot dargestellt. Länder, die in der HIPC-Initiative seit dem letzten Update entschuldet worden sind, sind unterstrichen. Überschuldungsrisiko in Ländern mit Niedrigem Einkommen nach IWF Dezember 2012 Entschuldetes HIPC Im Zahlungsverzug hohes Risiko

Komoren, Sudan Afghanistan, Burundi, Gambia, Haiti, DR Kongo, Sao Tomé & Principe,

1

http://www.imf.org/external/pubs/ft/dsa/dsalist.pdf

2

Schuldenreport 2012, S.3-11

3

Pre-DP & Interim-HIPC

Non-HIPC Myanmar, Simbabwe, Dschibuti, Grenada, Jemen, Kiribati, , Malediven, Tadschikistan, Tonga,

Es handelt sich dabei um jeweils länderspezifische Grenzwerte für Gruppen von Ländern. Die Grenzwerte sind umso niedriger je schwächer der IWF und IDA die wirtschaftlichen und staatlichen Strukturen des betreffenden Landes einschätzen. Eine genauere Beschreibung findet sich in: erlassjahr.de: Schulden müssen tragbar sein. Ein Handbuch; die aktuellen Grenzwerte finden sich in: IMF/World Bank: Revisiting the Debt Sustainability th Framework for Low Income Countries; January 12 2012.


mittleres Risiko

Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana, Guinea Guinea-Bissau, Guayana, Malawi, Mali, Mauretanien, Nikaragua, Niger, Ruanda, Sierra Leone, Togo, Zentralafrikanische Republik,

niedriges Risiko

Äthiopien, Benin, Bolivien, Honduras, Kamerun, Rep. Kongo, Liberia, Madagaskar, Mosambik, Sambia, Senegal, Tansania, Uganda,

keine ausreichenden Daten

Kirgisistan, Tschad,

Bhutan, Dominika, Georgien, Laos, Lesotho, Nepal, Papua Neuguinea, Salomonen, Samoa, St. Lucia, St.Vincent & the Grenadines,

Armenien, Bangladesh, Osttimor, Kambodscha, KapVerde, Kenia, Moldawien, Mongolei, Nigeria, Vanuatu, Vietnam, Eritrea, Somalia

Usbekistan

Von den Verbesserungen sind die der Elfenbeinküste und Guineas einfach auf die inzwischen erfolgte Entlastung unter HIPC/MDRI zurückzuführen. Lediglich im Fall Burkina Fasos hat eine verbesserte wirtschaftliche Perspektive ohne weitere Entschuldungen dazu geführt, dass das Land vom hohen zum moderaten Risiko besser eingestuft wurde. Der Grund dafür sind Goldfunde und eine etwas bessere Performance des Landes zum Ende 2011.4 Von den beiden Verschlechterungsfällen ist Myanmar nicht wirklich eine Verschlechterung. Unter der Herrschaft des Militärs stand es unter „keine ausreichenden Daten“. Durch die vorsichtige Demokratisierung gibt es diese nun. Im Dezember war Myanmar noch im Zahlungsrückstand; dieser ist durch die Januar-Regelung mit dem Pariser Club zumindest in einem Rahmenabkommen geregelt5, so dass in Wirklichkeit wahrscheinlich schon eine niedrige oder mittlere Einstufung angebracht wäre. Samoa ist dagegen ein echter Verschlechterungsfall.

4

IMF Country Report No. 12/159. Damit ist Burkina Faso eines der wenigen Länder, denen das gelungen ist, worauf die Griechen unter dem Druck der Troika vergeblich hoffen mussten: Öl in der Ägäis, gigantische Privatisierungserlöse...

5

http://www.clubdeparis.org/sections/actualites/myanmar-20130128/viewLanguage/en


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