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„Sieht sich nämlich ein Staat gezwungen, seine Zahlungsunfähigkeit anzumelden, so ist, wie im privaten Geschäftsleben, ein ehrlich und offen zugestandener Bankrott für den Schuldner oft weniger entehrend und schadet dem Gläubiger selbst am wenigsten. Ganz sicher wahrt der Staat dann nicht sein Ansehen, wenn er, um der Schande eines echten Bankrotts zu entgehen, auf Gaunertricks zurückgreift, die nur allzu leicht zu durchschauen sind und zugleich höchst verheerende Folgen haben.“ Adam Smith - Der Wohlstand der Nationen

erlassjahr.de Newsletter März 2013


erlassjahr.de Newsletter 03/2013

Wir wir 60 Jahre London gefeiert haben Vergangene Woche haben wir zusammen mit unseren Mitträgern ein rundes Jubiläum gefeiert – 60 Jahre sind seit Zustandekommen des Londoner Schuldenabkommens und der Entschuldung Deutschlands durch die damals zahlreichen Gläubiger vergangen. Mitträger und internationale Partner waren aktiv und haben auf verschiedenste Arten an das Schuldenabkommen erinnert. In Irland, Großbritannien und Norwegen wurden Gastkommentare zum Londoner Schuldenabkommen veröffentlicht, die international koordiniert eingereicht wurden. Selbstverständlich hat auch erlassjahr.de diese Kommentare unterzeichnet. Interessierte können sich eine deutsche Übersetzung des Kommentars in unserem Blog online anschauen. Auf nationaler Ebene besuchte unsere Regionalkoordination in München insgesamt drei Botschaften ehemaliger Gläubiger, um auch mal persönlich „Danke!“ zu sagen und die von uns vorgefertigten Urkunden zu überreichen. In den Münchner Konsulaten von Großbritannien, Griechenland und Bosnien und Herzegowina zeigten sich die jeweiligen Konsuln von der Initiative positiv überrascht und nahmen die eigens erstellten Dankesurkunden gerne entgegen. Eva-Maria Heerde-Hinojosa von der Arbeitsstelle Misereor Bayern fasste bei den anschließenden Gesprächen zusammen: „Leider ist das Abkommen in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten. Wir hoffen, dass das Jubiläum dazu genutzt wird sich an diese fairen und zielführenden Verhandlungen zu erinnern, daraus für die heutige Verschuldungssituation weltweit zu lernen und ein internationales Staatsinsolvenzrecht zu schaffen.“ Selbstverständlich waren unsere Unterstützer nicht nur in München fleißig. Die Christkönig Gemeinde Eschborn zum Beispiel beteiligte sich an einer Mahnwache am Marshallbrunnen in Frankfurt, um öffentlich an den großzügigen Schuldenerlass zu erinnern. Unsere Mitträger Germanwatch, das Bistum Mainz und das Bistum Trier in Pressemitteilungen zum Jubiläum des Londoner Schuldenabkommens deutlich gemacht, dass Staatsschuldenkrisen keine Einzelfälle sind und es eines (deutschen) Impulses auf internationaler Ebene für den Umgang mit Ländern in einer Schuldenkrise bedarf. Ein großer Erfolg waren die Berichte über das Jubiläum des Abkommens am 27 Februar von der Deutschen Welle. Nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch, Chinesisch und vielen weiteren Sprachen wurden die Zuhörer über das Jubiläum informiert. Eine besondere Aktion hat das Evang.-Luth. Dekanat Nürnberg auf den Weg gebracht. Anlässlich des Jahrestags des Londoner Schuldenabkommens spendete das Dekanat 2.000 Euro für die ärztliche Betreuung von Kindern in der griechischen Partnerstadt Kavala. Gabriele Sörgel, die Vorstandssprecherin der Stadtmission äußerte sich bei der Übergabe des Schecks wie folgt: „Leider ist das Londoner Abkommen kaum im Bewusstsein. So möchten wir mit der kleinen Spende daran erinnern und hoffen, dass für Griechenland und alle anderen verschuldeten Länder, ob in Europa oder in anderen Kontinenten, ähnlich konstruktive, faire und hilfreiche Lösungen gefunden werden wie 1953 für Deutschland.“ Wenn Sie nun auch Lust bekommen haben, sich zu engagieren: Botschaftsbesuche sind für das ganze Jahr geplant und wir versorgen Sie auf Anfrage mit den gewünschten Urkunden. Weitere Informationen finden Sie auch auf http://www.erlassjahr.de/london.


Schuldenreport 2013 Am 27. Februar gab es noch ein weiteres Jubiläum zu feiern: erlassjahr.de und die Kindernothilfe haben gemeinsam die fünfte Ausgabe des Schuldenreports vorgestellt. Neben dem thematischen Schwerpunkt zu 60 Jahren Londoner Schuldenabkommen, gibt der Schuldenreport unter anderem eine Übersicht zum Überschuldungsrisiko der Staaten weltweit, nimmt Deutschlands Rolle als Schuldner und Gläubiger näher unter die Lupe und bietet Hintergründe zum wachsenden Problem der „Geierfonds“ im Zusammenhang des argentinischen Schiffes Libertad und der damit verbundenen Forderungen eines sogennanten „Geierfonds“ an Argentinien. In detaillierten Länderberichten zu Ecuador und Pakistan berichten wir im Schuldenreport auch von den Auswirkungen von Entschuldung auf die Menschenrechte, insbesondere von Kindern.Im Schuldenreport ziehen wir daneben auch Bilanz zur Entschuldungspolitik der aktuellen schwarz-gelben Bundesregierung und zeigen auch auf, wo die Politik ihren eigenen Versprechen immer noch nachläuft. Die online-Version des Schuldenreports steht ab sofort zum Download bereit - Sie finden die Publikation auf unserer Internetseite. Falls Sie sich die gedruckte Version des Reports sichern wollen, bestellen Sie ihn am besten direkt im erlassjahr.de-Shop. Weitere Neuerscheinungen In einem neuen erlassjahr.de-Hintergrundpapier „Schulden auf der G20-Agenda“ berichten wir von einer guten und einer schlechten Nachricht zum G20-Gipfel in Russland. Die gute Nachricht zuerst: Schulden wurde als Thema erstmals auf der Agenda des Finanzministertreffens behandelt. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass sich die nun angestoßene Diskussion sich in Annäherung an eine Lösung noch immer an denjenigen Institutionen orientiert, die Teil des Problems sind. Im Hintergrundpapier „IWF: Überschuldungsgefährdete Staaten mit niedrigem Einkommen nach den letzten Tragfähigkeitsanalysen des IWF“ stellen wir die wichtigsten Aktualisierungen zum Überschuldunsrisiko der Länder mit niedrigem Einkommen zusammen. In unserer neuen Fachinformation 39 - „Griechenland: Der IWF plädiert für einen Schuldenerlass“ nehmen wir den aktuellen Zwischenbericht des Internationalen Währungsfonds zu seinem laufenden Griechenland-Programm unter die Lupe. Bemerkenswert ist der Bericht vor allem deshalb, da der IWF in ungewohnter Deutlichkeit weitere Schuldenerleichterungen von seinen europäischen Mitgliedern zugunsten der Griechen gefordert hat. Vor wenigen Tagen ist in dem Journal „Südzeit“ des Dachverbandes Entwicklungspolitik Baden-Württemberg ein Artikel erschienen, in dem die Autorin Linde Janke die Arbeit von erlassjahr.de näher vorstellt. Die Zeitschrift ist ab sofort beim Dachverband und in vielen Weltläden in Baden-Württemberg erhältlich. Termine

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4. - 11. März (Mo - Mo) Ausstellung „Geschichten Schuldenkrise“  in der Evangelischen Gemeinde Pegnitz. Begleitveranstaltung: 06. März (Mi) 19.00 Uhr: Vortrag „Von Mexico bis Griechenland — alte Rezepte und keine Lösung?“ mit Dr. Jürgen Bergmann. -------------------10. März  (So) Gottesdienst zur Erinnerung an die Entschuldung Deutschlands im Londoner Abkommen. 10.30 Uhr in der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Rellinghausen, Oberstr. 55. Weitere Informationen erhalten Sie auch auf der Internetseite der Kirchengemeinde.  -------------------19.  - 26. März  (Di - Di) Ausstellung „Geschichten Schuldenkrise“ im Gemeindezentrum Christ-König, Eschborn. Ausstellungseröffnung am 19.03.2013, um 15.00 Uhr, im Gemeindezentrum der Pfarrei Christ-König, Hauptstraße 52, Eschborn, unter Beteiligung von Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst im Rahmen seiner Visitation sowie Jürgen Kaiser, erlassjahr.de.

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Im neuen erlassjahr.de Newsletter März 2013 werfen wir vor allem einen Blick zurück auf den 27.02.2013 - Jubiläum des Londoner Schuldenabkom...

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