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kredo Zeitschrift der Evangelisch-reformierten Kirche Westminster Bekenntnisses in Winterthur

Dezember 2010, 5. Ausgabe

Liebe Leserinnen und Leser In der Advents- und Weihnachtszeit werden unzählige Geschichten erzählt. Meistens berichten sie von Frieden und Versöhnung zwischen den Menschen. Tatsächlich ist unser Leben erfüllter, wenn wir anderen Menschen frei begegnen können, und es tut gut, daran erinnert zu werden. Allerdings reicht es nicht, wenn wir diese Haltung bloss an Weihnachten pflegen und an diesem Tag – der schönen Tradition zuliebe – gute Miene zum bösen Spiel machen. So wird der Friede, von dem in jenen Geschichten die Rede ist, wirklich zu einer Illusion, auf die man gerne verzichten kann. Ist der Glaube an Gott ebenfalls eine Illusion, die wir wegen einer sentimentalen Tradition pflegen? Die christlichen Feiertage sollen gerade an die Wirklichkeit des Glaubens erinnern – an Dinge, die tatsächlich passiert sind. Ich wünsche Ihnen, dass sie in dieser Advents- und Weihnachtszeit etwas davon erfahren. Pfarrer Thomas Reiner

«Glauben ist mehr als Wissen; nämlich Wissen, das selbst erfahren wurde.»

Nur eine Illusion? Illusionen täuschen. Sie treiben ein Spiel mit unserer Wahrnehmung. Scheinbar lassen sie Unglaubliches geschehen. Aber wir ahnen bereits, dass nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann. Geschichten, die unseren Horizont sprengen, sind heutzutage besonders beliebt. In Büchern und Filmen wird von fantastischen Welten berichtet. Es tut gut, ein paar Stunden lang unserer gewohnten Umwelt zu entfliehen und den Alltag, der uns entweder überfordert oder langweilt, hinter uns zu lassen. Von solchen Geschichten lassen wir uns gerne verzaubern, weil uns klar ist, dass sie bloss der Fantasie eines Menschen entspringen. Im alltäglichen Leben haben solche Fantastereien nichts zu suchen. Wir sind darauf angewiesen, zwischen Illusion und Wirklichkeit unterscheiden zu können. «Mach dir keine

Illusionen», sagen wir, wenn jemand seine eigene Situation oder sich selbst nicht richtig einzuschätzen weiss. Solche Leute fällen falsche Entscheidungen, weil sie sich selbst überschätzen und Gefahren unterschätzen. Wer seinen falschen Vorstellungen nachträumt, wird früher oder später zu Schaden kommen. Illusionen sind tatsächlich gefährlich. Es ist wichtig, bei klarem Verstand zu sein und nicht von fremden oder eigenen Scheinwelten hinters Licht geführt und getäuscht zu werden. Gott, so urteilen einige Leute, sei eine solche gefährliche Illusion. Wer sich auf diese Vorstellung einlasse,


Gottesdienst Die gemeinsamen Gottesdienste sind immer ein Höhepunkt in der Woche. In der Ruhe des Sonntags kann der Mensch auf den aufmerken, der über ihm steht, und es wird klar, dass vor dem ewigen Gott nicht das zählt, was wir leisten, sondern das, was er für uns geleistet hat. Die Gottesdienste finden jeden Sonntag um 10 Uhr statt. Sie sind herzlich dazu eingeladen.

WinterthurWülflingen

Schlosstalstrasse

nen und mit ihm in Kontakt zu treten. Dasselbe trifft auf Gott zu. Das Wissen um Gott und die Dinge die zum Glauben gehören, haben immer etwas mit uns persönlich zu tun und können nicht bloss theoretisch abgehandelt werden. Haben Sie sich schon darauf eingelassen? Sie werden bald eine Entdeckung machen, wenn Sie bereit sind, Gott zu begegnen: Was mit dem christlichen Glauben in Verbindung gebracht wird, ist oft reine Illusion. Das wird besonders an den christlichen Festtagen deutlich. Viele Bräuche und Traditionen ranken um diese Tage. Die eigentliche Bedeutung der Advents- und Weihnachtszeit wird von einem Meer von billigen Aktionen, beeindruckenden Lichtspielen und überhöhten Erwartungen der Familie zugedeckt. Die eigentliche Bedeutung dieser Tage ist kaum mehr erkennbar. Ist es nicht an der Zeit, ein paar Illusionen und menschliche Vorstellungen wegzuräumen? Wir kommen der Wahrheit erst näher, wenn wir bereit werden, nicht mehr von unseren Festtagen, unseren Geschenken und unseren Traditionen zu reden, und offen und ehrlich den eigentlichen Ursprung christlicher Feiertage suchen. Lassen Sie sich nichts vormachen. Überlassen Sie doch nicht anderen Menschen – Fachleuten? – die Entscheidung, ob es einen Wert hat zu glauben oder nicht. Es ist gefährlich, sich von einer Illusion hinters Licht führen zu lassen. Es gibt einen lebendigen Gott: Begnügen Sie sich nicht damit, Berichte von ihm zu hören, sondern machen Sie sich selbst auf die Suche nach ihm. Der wahrhaftige Gott ruft uns Menschen dazu auf, ihn zu erkennen. Darum werden Sie bei dieser Suche bestimmt wunderbare Entdeckungen machen, und ein ein neues Licht wird in Ihrer Advents- und Weihnachtszeit aufgehen.

Schlachthofstrasse

dem werde die Urteilskraft geraubt. Glaube und Verstand vertragen sich nach dieser Vorstellungen überhaupt nicht. Wie schon Karl Marx halten noch heute einige Leute den Glauben an Gott für ein Rauschmittel: Der Glaube verneble nicht nur die Sinne, sondern mache sogar abhängig. Wer ihm einmal verfallen sei, komme kaum mehr davon los. Um nicht orientierungslos im Leben herumzutappen, sei es nötig, diese gefährliche Illusion zu verlassen. Menschen könnten nur dann ein mündiges Leben führen, wenn sie der Wahrheit ins Auge blickten. Niemand könne irgendeinen Gott für die eigene Situation verantwortlich machen. Jeder Mensch müsse Verantwortung für sein Handeln übernehmen und sein eigenes Glück finden. Die Meinung, Glaube habe nichts mit Wissen zu tun, ist genauso falsch, wie zu meinen, die Bibel berichte vom Christkind, das Geschenke für die Kinder bringe. Wer so vom christlichen Glauben denkt, lässt sich tatsächlich von einer menschlichen Illusion täuschen. In der Bibel wird Glaube ganz anders definiert. Gott ruft die Menschen durch seine Propheten immer wieder dazu auf, ihn richtig zu erkennen und nicht einer falschen, selbst zusammengeschusterten Illusion nachzuträumen. Erkennen ist genau genommen sogar mehr, als nur etwas zu wissen. Erkennen ist Wissen, das man selbst erfahren hat. Sie wollen Gott erkennen? – Seien Sie bereit, sich auf ihn einzulassen und ihm zu begegnen. Gott ist kein toter Gegenstand, den man unbeteiligt erforschen kann: Gott ist ein lebendiges Wesen. Um einen Menschen richtig kennen zu lernen reicht es nicht, wenn ich ihn vermesse und seine äusseren Daten erfasse. Ebenso wenig reicht es, wenn ich mir Berichte von anderen anhöre. Ich muss mir selbst die Zeit nehmen, diesem Menschen begeg-

Bus Linie 7 Station Nägelsee

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Kontakt Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses Winterthur Schlachthofstrasse 19 8404 Winterthur Pfarrer Thomas Reiner 052 222 13 17 thr@reformiert-wb.ch

Internet www.reformiert-wb.ch

Impressum kredo, Ausgabe 2/2010 Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt: Evangelisch-reformierte Kirche Westminster Bekenntnisses Winterthur


kredo 5 - Nur eine Illusion?