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Inhaltsverzeichnis 1.Einleitung ................................................................................................................ 2 2.Theoretischer Hintergrund ................................................................................... 3 2.1.Dialekte in Deutschland ......................................................................... 3 2.2. Sprachliche Variet채ten in Hamburg .................................................... 4 2.2.1.Hamburger Platt ................................................................................... 5 2.2.2. Hamburger Missingsch ...................................................................... 5 2.2.3.Geest-Mundart und Marsch-Mundart .............................................. 6 3.Variationslinguistik ................................................................................................ 6 4.Korpus der Arbeit .................................................................................................. 7 4.1. Inhalt des Interviews .............................................................................. 7 4.2. Individuelle Gespr채chsanalyse auf Grundlage der InterviewTranskription .................................................................................................. 8 4.3. Biographie des Sprechers ...................................................................... 9 4.4. Sprache des Interviews .......................................................................... 9 5. Analyse ................................................................................................................... 9 5.1. Phonologische Messung: Konsonantismus ...................................... 10 5.2.Phonologische Messung: Vokalismus ................................................ 18 5.3.Morphosyntaktische Messung ............................................................. 20 5.4.Assimilationserscheinungen ................................................................ 21 6.Zusammenfassung und Befundanalyse ............................................................ 22 7.Literaturverzeichnis ............................................................................................. 24


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1.Einleitung Variation [ist die] Eigenschaft natürlicher Sprachen, unterschiedliche materielle Ausprägungen zu erzeugen. Variation manifestiert die Verschiedenartigkeit in einer Sprache, wobei zwischen Variation des Sprechens und Variation der Sprache zu unterscheiden ist. (Lüdtke / Mattheier1 ) ‚Sprache‘ - ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode, zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen“(Sapir 1961). Daher kann Sprache als ein System von Zeichen definiert werden. Aus meiner Sicht kann Sprache als ein für Menschen allgemeines Kommunikationsmittel benannt werden. Bis heute werden circa 6,912 lebende Sprachen verzeichnet2, wobei man zwischen Sprachen und ihren Varietäten unterscheiden muss. Sprache wird in einem kommunikativen Prozess realisiert. In diesem Prozess gestalten Menschen ihre Gemeinschaft und bringen ihre Persönlichkeit zum Ausdruck. Zu den einzelnen Varietäten der Sprache gehören Dialekte (regionale Mundarten) und Soziolekte (Gruppensprachen). In diesem Sinne sollte Sprache nicht als ein abgeschlossenes System verstanden werden, sondern als historischer Gegenstand, d.h. als eine Weise der Verständigung, die an die Koordinaten einer bestimmten Sprachgemeinschaft gebunden ist. Als Variation (von lat. variatio, „Veränderung“) bezeichnet man in der Linguistik die Möglichkeit unterschiedlicher Realisierungen einer Einheit des Sprachsystems in einer konkreten Äußerung3. Variationen können in allen grammatischen Beschreibungsebenen auftauchen4. Heute geht man von drei grundlegenden Typen der Variation aus: Dialekte und Mundarten sind als Varietäten räumlicher Variation bestimmt. Soziolekte wie Gruppen-, Sonder-, oder Fachsprachen werden als Varietäten soziokultureller Variation definiert. Varietäten stilistischer bzw. situationsbezogener Variation werden dem sogenannten Sprachregister zugerechnet. Das linguistische Hauptseminar 52-182 Sprachvariationen und Sprachdynamik bei Prof. Ingrid Schröder im Sommersemester 2011-2012, in dem Sprachvariationen der Niederdeutschen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wurden und an dem Personen mit verschiedenen zwei- und mehrsprachigen Hintergründen teilnahmen, weckte mein Interesse für dieses Thema. Aus diesem Grund beschäftigte ich mich in dieser Hausarbeit, die Mattheier, Klaus J. / Lüdtke, Jens. 2005. Variation – Varietäten – Standardsprachen. Wege zur Forschung. In: Lenz, Alexandra / Mattheier Klaus J. (eds.): Varietäten: Theorie und Empirie. Frankfurt/Main: Lang. 13-38. [=VarioLingua 23]. 2 Unter www.ethnologue.com kann man die nützliche Informationen über lebende Sprache finden. 3 http://de.wikipedia.org/wiki/Variation_%28Linguistik%29 4 http://de.wikipedia.org/wiki/Variation_(Linguistik) 1


Seite |3 sowohl die Abschlussarbeit als auch den Modullabschluss des Seminars Sprachvariationen und Sprachdynamik darstellt, ebenfalls mit der individuellen Gesprächsanalyse des Hamburgischen und der Analyse der sprachliche Variationen des Hamburger Platt. In Hamburg werden neben der hochdeutschen Sprache noch weitere verschiedene Sprachforme gesprochen, zwischen denen man einige linguistische Überschneidungen, einen Sprachkontakt, erkennen kann. Sprachenkontakt ist im engeren Sinne als der Gebrauch von mehr als einer Sprache am selben Ort zur selben Zeit definiert. Es gibt eine wechselseitige Beeinflussung während des Kontakts dieser zwei oder mehreren Sprachen. Manche sprachlichen Elemente in einer Sprache, wie z.B. Wörter, - können von einer Sprache in die andere Sprache transferiert werden. Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt auf dem Vergleich und der Analyse der Dialekte, bzw. Sprachformen, die in Hamburg gesprochen werden. In dieser Arbeit werden von mir anhand eines Variablenkatalogs, der bestimmte Hamburgische Wörter enthält, sprachliche Varietäten in Hamburg untersucht. In dem theoretischen Teil der Arbeit werde ich mich allgemeinen Grundlagen Hamburger Sprachformen beschäftigen. Neben dem Dialekt ist die Variationslinguistik aus der linguistischen Perspektive ein Bestandteil meiner Arbeit. Danach werde ich die Materialien, die ich in der Arbeit verwende, vorstellen. Im darauf folgenden Kapitel wird der Variablenkatalog, der aus Hamburgischen Wörtern auf der Grundlage von durchgeführten Interviews gebildet wurde, analysiert. Die Analyse wird in einer tabellarischen Form dargestellt, und Befunde der Analyse werden unter den jeweiligen Tabellen dargestellt. Den Schlussteil bildet eine Zusammenfassung aller Befunde.

2.Theoretischer Hintergrund 2.1.Dialekte in Deutschland Innerhalb der Soziolinguistik wurde in den 1970er Jahren erforscht, in welchem Maße Dialektsprecher in der Schule benachteiligt sind. Könnten Kinder mit der Hochsprache zu früh in Berührung kommen und könnte dies Vor- oder Nachteile, in Bezug auf das Lernen der Standartsprache haben? Über Dialekte können Kinder die Varietät einer Sprache erfahren. Was versteht man eigentlich unter einem „Dialekt“? Es wird deutlich werden, dass eine Definition dieses Begriffs nicht so einfach ist, wie man zunächst vermuten könnte. Im Lexikon zur Sprachtherapie (Peuser & Winter, 2000, S. 49 ) findet sich beispielsweise: "Dialekt (Ling.) [engl. dialect]: regionale Varietät, von der Standard → Sprache abweichende, landschaftlich oder örtlich gebundene Form vor allem gesprochener, →Sprache. Syn.: Mundart." Bußman (1990, S.827) definiert Dialekt im Lexikon der Sprachwissenschaft folgendermaßen:


Seite |4 "Dialekt [griech. diálektos (phoné ) >die im Umgang gesprochene Sprache<, lat. dialectus]. Sprachsystem (i.S. von →Langue), das (a) zu anderen Systemen ein hohes Maß an Ähnlichkeit aufweist, so daß eine – zumindest partielle – wechselseitige Verstehbarkeit möglich ist; (b) regional gebunden ist in dem Sinne, daß die regionale Verbreitung dieses Systems nicht das Gebrauchsgebiet eines anderen Systems überlappt; (c) keine Schriftlichkeit bzw. Standardisierung im Sinne offiziell normierter orthographischer und grammatischer Regeln aufweist. [...] Abweichend von dem hier skizzierten Gebrauch wird im anglo-amerikanischen Raum dialect auch als (neutrales) Synonym für →Varietät verwendet" (S. 177f.). Die Definition des Begriffs Varietät lautet: "Varietät. Neutraler Terminus für eine bestimmte kohärente Sprachform, wobei spezifische außersprachliche Kriterien varietätendefinierend eingesetzt werden können: eine geographisch definierte Varietät nennt man →Dialekt, eine im 6 »sozialen Raum« begründete Varietät →Soziolekt, funktionale Varietäten →Fachsprachen bzw. →Sondersprachen, situative Varietäten →Register." Die sprachlichen Varietäten des Deutschen kann man unterscheiden in Standardvarietäten und Nonstandardvarietäten. Zu den Standardvarietäten gehören z. B. Schweizer Hochdeutsch oder Österreichisches Deutsch. Sächsisch oder Kölsch können als Nonstandardvarietäten bezeichnet werden. Folgende Dialekte werden in Deutschland in den einzelnen Bundesländern gesprochen: "In allen Bundesländern Deutschlands werden Dialekte gesprochen, z. B. Ostfränkisch, Alemannisch und Badische Dialekte in Baden-Württemberg, der Bremer Dialekt in Niedersachsen, oder das Hamburger Platt in Hamburg." 2.2. Sprachliche Varietäten in Hamburg Die Freie und Hansestadt Hamburg (niederdeutsch Hamborg [ˈhambɔːχ], ) ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland. In Hamburg werden vier verschiedene Sprachformen in verschiedenen Stadtteilen gesprochen. Diese Sprachformen sind die hochdeutsche Standard-Sprache, Hamburger Missingsch, Geest-Mundart in den nördlichen Randgebieten von Hamburg und Marsch-Mundart5. Die Hochdeutsche Standard-Sprache ist in Hamburg am weitesten verbreitet. Das Hamburgische Missingsch könnte als zwischen Hochdeutsch und Niederdeutsch stehende Sprachform, als niederdeutsch geprägtes Hochdeutsch bezeichnet werden. Die Sprachform Geest-Mundart ist vor allem in den nördlichen Randgebieten von Hamburg vorherrschend. Die Marsch-Mundart hat sich in Hamburg vom Hafen aus verbreitet. Deshalb kann die Marsch-Mundart auch als „Hafen Platt“ bezeichnet werden. In den folgenden Abschnitten werde ich diese vier Sprachformen und ohne weiteren Bezug auf die hochdeutsche StandardSprache näher erläutern. 5

Martens, P (s.260)


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2.2.1.Hamburger Platt „Hamburger Platt “ nennt man die heute in der Hansestadt Hamburg gesprochene Mundart. Im weiteren Sinne werden auch die davon etwas abweichenden Dialekte des Landgebietes dazu gerechnet.6 Diese Dialekte sind ein Teil der in ganz Norddeutschland verbreiteten Mundarten, die als Nordniedersächsisch, Ostniederdeutsch, West- und -Ostfälisch bezeichnet werden. Es ist wichtig zu wissen, dass sich alle Mundarten phonetisch, grammatisch, lexikalisch und syntaktisch von den mittel- und oberdeutschen Dialekten und der hochdeutschen Schrift- und Umgangssprache unterscheiden. Bis weit in das 19. Jahrhundert war Niederdeutsch die allgemeine Umgangssprache in der Stadt. Dann wurde es vom Hochdeutschen, das schon seit dem 16. Jahrhundert zunehmend als Schriftsprache Verwendung fand, immer stärker zurückgedrängt und verschwand um die Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich weitgehend aus dem öffentlichen Gebrauch. Gegen diesen Trend veröffentlichte die Pressestelle der Bürgerschaft 1980 eine plattdeutsche Fassung der Hamburgischen Verfassung7. Trotz des zurückgehenden Alltagsgebrauchs wird das Hamburger Platt aber immer noch von vielen Hamburgern verstanden und gesprochen. Trotz der regionalen Nähe gibt es Unterschiede zwischen den Hamburger Dialekten und dem Bremer Dialekt, oder zum Plattdeutsch anderer norddeutscher Regionen. 2.2.2. Hamburger Missingsch Neben Hochdeutsch und Plattdeutsch kann Hamburger Missingsch als eine dritte Sprache in Hamburg gezählt werden. Hamburger Missingsch ist eine Sprachschicht zwischen Mundart und Hochsprache. Während diese ihre eigenen Formgesetze haben, liegt für den Missingschsprecher das sprachliche Ideal außerhalb seiner eigenen Sprachform, in der Hd. Umgangssprache, soweit er sich überhaupt Gedanken über seine Sprache macht8. Es ist vor allem eine Mischsprache, die dadurch entstand, dass niederdeutsche Muttersprachler Standarddeutsch zu sprechen versuchten. Missingsch wird meist von der Unterschicht in Hamburg oder Kiel gesprochen. Heutzutage sprechen fast nur noch ältere Menschen Mundarten oder Dialekte, während die junge Generation ihre eigene Umgangssprache entwickelt hat. Häufig findet man in Norddeutschland noch den älteren Typ des Sprechers, der sich meistens der Mundart bedient, und nur ausnahmsweise im Verkehr mit Hochdeutschen auch hd. zu sprechen versucht. Diese Menschen sprechen nur mit plattdeutschen Wörtern und Wendungen. Andernfalls gibt es auch Menschen, die oft gar nicht mehr Platt Scheel Käthe HAMBURGISCH 261 http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg#Sprache.2FMundarten 8 SCHEEL, Käthe: Hamburger Missingsch. In: SIMON, Werner/BACHOFER, Wolfgang/DITTMANN, Wolfgang (Hrsg.): Festgabe für Ulrich PRETZEL zum 65. Geburtstag, dargebracht von Freunden und Schülern. Berlin 1963, 381. 6 7


Seite |6 sprechen können, und deren normale Sprachform das Missingsch ist. Bei der Sprache dieser Menschen ist der plattdeutsche Einfluss auf Wortschatz und Grammatik kaum erkennbar. Diese Sprecher bilden wie vor allem in den Städten Deutschlands eine breite Schicht. Man kann Hamburger Missingsch konzeptionell als eine Art von Halbmundart bezeichnen. Sowie man beim Hamburgischen kein festes System erkennen kann, und sich jeder Wortführer mal mehr, mal weniger am Vorbild der norddeutschen Umgangssprache orientiert, so gibt es auch keine feste Grenze beim Missingsch. Der Wortschatz des Hamburger Missingschs ist ein veränderliches Gemisch von Standard- und Plattdeutschen Bestandteilen. Demgegenüber ist die Grenze des Wortschatzes des Niederdeutschen klarer. Ein Sprecher des Hamburger Missingschs kann für seine Mundart viele Wörter aus dem Niederdeutschen Wortschatz entnommen haben. Er wird beim Gespräch auch nicht so häufig auf die Grammatikregeln des Hochdeutschen achten. 2.2.3.Geest-Mundart und Marsch-Mundart Bisher werden Hamburger Platt und Missingsch aus der linguistischen und der historischen Perspektive untersucht. Geest- und Marsch Mundarten sind die anderen Sprachformen, die in Hamburg gesprochen werden, die ihre Ursprünge, wie alle Hamburger Mundarten, im Hamburger Platt haben, welches zunächst einmal sämtliche Formen des in Hamburg gesprochenen Plattdeutschen bezeichnet. Nach Conrad Borchling wird das Plattdeutsche in Hamburg in zwei große Gruppe eingeteilt. Auf der einen Seite stehen die Geest-Dialekte, die vor allem in den nördlicheren Gebieten Hamburgs gesprochen werden. Auf der anderen Seite stehen die Marsch-Dialekte. Marsch bezeichnet die elbnahen Gebiete. Diese Sprachform findet sich häufig in den Gebieten von Finkenwerder, Wilhelmsburg, Vier- und Marschlande, dem Alten Land, Harburg und St. Pauli.

3.Variationslinguistik Der Begriff Varietät (auch: Sprachvarietät) bezeichnet in der Linguistik eine bestimmte Ausprägung einer Einzelsprache, die diese Einzelsprache ergänzt, erweitert oder modifiziert, die jedoch nicht unabhängig von dieser existieren kann. Von Varietät spricht man jedoch nur, wenn die Sprachform einer untersuchten Gruppe eindeutige sprachliche Gemeinsamkeiten aufweist. Teilgebiete der Sprachwissenschaft, die sich mit der Untersuchung von Varietäten beschäftigen, sind die Varietätenlinguistik, die Soziolinguistik und die Dialektologie9. Die Variationslinguistik ist eine Teildisziplin der Soziolinguistik innerhalb der angewandten Linguistik und befasst sich mit 9

http://de.wikipedia.org/wiki/Variet%C3%A4t_(Linguistik)


Seite |7 den vielfältigen Formen beziehungsweise Variationen innerhalb einer natürlichen Sprache. Sie versucht hierbei die unterschiedlichen Varietäten mit außersprachlichen Faktoren wie Alter, Gender oder sozialer Zugehörigkeit in Beziehung zu setzen und betrachtet auch den Wandel des Sprachgebrauchs, beispielsweise die Entstehung einer Dachsprache10. Berruto beschreibt zur Abgrenzung des Begriffs Varietät im Handbuch Soziolinguistik (1987; 263): „der vortheoretisch beobachtenden allgemeinen Erfahrung ist bekannt, dass eine und dieselbe Sprache verschiedenen gesprochenen (und z.T. geschriebenen) wird, in Abhängig von Sprecher, Umstand, Zeit und Ort, oder, allgemeiner, von den spezifischen sozialen Bedingungen, in denen sie verwendet wird. Jede dieser verschiedenen Spielarten, in denen eine historisch-natürliche Sprache in Erscheinung tritt, kann man zweckmäßigerweise mit dem Namen Varietät bezeichnen.“ Von diesem ausgehend, kann man hier sagen, dass sprachliche Variation vielschichtig ist. Unter dem Terminus „Variation“ versteht man vereinfacht die Eigenschaft der natürlichen Sprachen, unterschiedliche materielle Ausprägungen zu erzeugen. Man kann annehmen, dass es ohne Variation keine gelingende Kommunikation und keinen Sprachwandel gäbe. Man sollte sich auf die Frage fokussieren, welcher Art diese Variation ist, wo sie ihren Ort (regionalen Ursprung) hat. Durch sprachliche Variation wird sprachliche Kommunikation realisiert. Was ist Kommunikation in diesem Sinne? Sprechen und Hören sind -ebenso wie Schreiben und Lesen- zwei Seiten -derselben kommunikativen Medaille. Im engeren Sinne definiert man Kommunikation als den Austausch oder die Übertragung von Informationen. Man kann mit Anderen durch Sprechen oder Hören, -ebenso wie auch durch Schreiben und Lesen, kommunizieren.

4.Korpus der Arbeit Als Untersuchungsmethode für diese Arbeit wurde die Gesprächsanalyse eines Interviews mit dem Betreiber einer eigenen Landwirtschaft gewählt. Das Interview wurde sowohl schriftliche protokolliert als auch digital aufgezeichnet und anschließend transkribiert. In dem Untersuchungsteil der Arbeit werde ich zunächst das Interview inhaltlich beschreiben. Danach werden die aus dem Interview ausgewählten Wörter für den Variablenkatalog aufgelistet und untersucht.

4.1. Inhalt des Interviews Hamburg ist eine der größten Städte Deutschlands, in der ca. 1,7 Millionen Menschen leben. Plattdeutsch ist eine gesprochene Mundart in der 10

http://de.wikipedia.org/wiki/Variet%C3%A4tenlinguistik


Seite |8 Hansestadt Hamburg. Im Rahmen des Interviews sollte mit dem Landwirt die Entwicklung des Hamburger Platts diskutiert werden. Der Sprecher beschreibt für sich das Hamburger Platt als eine Familientradition, weil er und seine Familie seit sehr langer Zeit im Hamburger Stadtteil Finkenwerder wohnen und schon immer Platt gesprochen haben. Obwohl sie in der Schule immer Hochdeutsch sprachen, ist die erste Sprache, die sie gelernt haben, das Hamburger Platt. Er konnte damals zwar Hochdeutsch verstehen, sprach es aber selbst niemals außerhalb der Schule. Seiner Meinung nach hat sich das Hamburger Platt in den letzten zehn oder zwanzig Jahren gewandelt. Er definierte Standardsprache als einfachste und bedeutendste Sprache in Deutschland. Er nennt als Beispiel, das wenn die Bewohner aus unterschiedlichen Bundesländern in Deutschland nur ihre eigenen Dialekte miteinander sprechen würden, sie sich gegenseitig nicht gut verstehen könnten. Somit ist das Hochdeutsche die gemeinsame Basis, um sich gut zu verstehen zu können. Der Interviewpartner beschreibt demzufolge Hochdeutsch als Standardsprache des Deutschen. Allerdings gab der Interviewte auch an, dass einen Plattdeutscher ihm in Bezug auf Kommunikation immer lieber als ein Hochdeutscher sei. Der Kulturkreis des Plattdeutschen spielt für ihn eine wichtige Rolle, und jedes Jahr besucht er eine bestimmte Veranstaltung im Januar in Finkenwerder, um nur Platt sprechen zu können. 4.2. Individuelle Gesprächsanalyse auf Grundlage der InterviewTranskription Das vorliegende Analyse-Material ist ein transkribiertes Interview. Transkription wird definiert als eine Verschriftung menschlicher Kommunikation, meist auf der Grundlage von Tonband- oder anderen Aufzeichnungen. Der Interviewer in diesem Gespräch ist Bastian Weeke, Fakultät Deutsche Sprache und Linguistik. Der Interviewpartner ist ein Landwirt, der seine eigene Landwirtschaft in Hamburg-Finkenwerder betreibt. Das Interview dauert circa 58. Minuten und wurde digital aufgezeichnet. Die sprachlichen Tönungen und Betonungen in der Transkription des Gesprächs sind sehr offen. Die Gesprächslautstärke von Interviewer und Interviewpartner in der Aufnahme war für die Transkription ausreichend. Sprechpausen und die Länge dieser Pausen spielen bei der Transkription eines Gesprächs eine wichtige Rolle. In diesem Sinne wird den Sprechpausen der Personen im Gespräch besondere Beachtung geschenkt. Es gibt nicht vollständig ausgesprochene Wörter im Interview. Zwar können Gestik oder Mimik der Gesprächspartner bei der Transkription nicht erfasst werden, dafür können aber paraverbale Äußerungen wie Lachen, Hüsteln oder Stöhnen wahrgenommen und übertragen werden.


Seite |9 4.3. Biographie des Sprechers Wie schon oben bereits erwähnt, betreibt der Sprecher eine eigene Landwirtschaft in Hamburg-Finkenwerder. Er ist ein 55-jähriger Hamburger, dessen Familie seit dem 16. Jahrhundert in Finkenwerder ansässig ist. Er hat die Schule in Finkenwerder besucht und Plattdeutsch als erste Sprache vor der Schule in Finkenwerder gelernt. Aus dem Interview wird ersichtlich, dass er außerhalb der Schule, zu Hause mit seiner Familie ausschließlich Platt gesprochen hat. Plattdeutsch war in der Schule niemals Unterrichtssprache. Aufgrund dessen kann man sagen, dass Plattdeutsch zwar der erste Sprachkontakt für Kinder in diesem Hamburger Gebiet war, dass sie aber aufgrund ihrer schulischen Sozialisation eher mit dem Hochdeutschen aufgewachsen sind. Die Kinder des Sprechers haben zwar auch Platt gelernt und können es gut verstehen allerdings nicht flüssig sprechen. 4.4. Sprache des Interviews Das Untersuchungsmaterial der Arbeit ist ein Interview. Ein Interview11 ('ɪntɐvjuː) ist eine Befragung durch einen Fragesteller (den so-genannten Interviewer) mit dem Ziel, persönliche Informationen oder Sachverhalte zu ermitteln. Für einige Interviewformen ist eine Schulung der Interviewer üblich (etwa wenn die Ergebnisse mehrerer Interviewer vergleichbar sein sollen). Es gibt verschiedene Arten des Interviews, wobei das hier durchgeführte als eine Art vom linguistischen Interview bezeichnet werden kann. Der Sprecher und der Interviewer sprechen im Rahmen des Interviews miteinander Hochdeutsch. Der Sprecher verwendet sehr wenige Wörter aus dem Kontext des Plattdeutschen. Sein sprachlicher Ausdruck ist sehr deutlich und langsam.

5. Analyse Analyseteil „Standarddeutsch-Hamburgisch - Sprachkontakt und Sprachvariation in der Hansestadt Hamburg“ Erhan Kaya, Germanistische Linguistik (Master) Version: 15.01.2013

11

http://de.wikipedia.org/wiki/Interview


S e i t e | 10

5.1. Phonologische Messung: Konsonantismus Wörter: ist, jetzt, nicht, sonst und Wochenmarkt Varianten Nr. Merkmal(Variable)

1

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Konsonantismus Stl. Plosiv [t] im Auslaut Kennwort: nicht

[t]

[-]

nicht > nich

Kenwort: jetzt

[t]

[-]

jetzt > jetz

Kennwort: Wochenmarkt

[t]

[-]

Wochenmarkt > Wochenmaak

Kenwort: ist

[t]

[-]

ist > is

Kennwort: Sonst

[t]

[-]

sonst > sons

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Nach der Messung hat die Gewährperson eine Variation in der Zwischenstufe im ND. Ausfall auslautendes [t] im Hamburger HD Substandard.

Tabelle 1 Phänomen: Wie schon vorher erwähnt, Hamburger Platt ist die heute in der Hansestadt Hamburg gesprochene Mundart. Wichtigstes Kennzeichnen aller niederdeutschen Mundarten ist die Erhaltung der germanischen Verschlusslaute p,t,k, die nicht, wie im Hochdeutschen, verschoben sind zu; pf (f, ff), z (ts) (tz, s, ss), ch ([x] oder [ç]). Manche Wörter (Die Verschlusslaute oder Auslaute mancher Wörter), die in Tabelle 1 dargestellt sind, (-nicht, jetzt, Wochenmarkt, ist, sonst usw.)- werden nicht ausgesprochen. In diesem Zusammenhang enden schwache Verben im 2. Partizip auf „-t“, das aber oft gar nicht ausgesprochen wird. Zum Beispiel: dach(t)= gedacht/ brenn(t)= gebrannt. Wie aus den Beispielen In Tabelle 1 zu erkennen ist, fällt t im Hamburger Platt oft aus, besonders im Auslaut. Regelmäßig fehlt es nach Reibelauten: nax Nacht, fra:x fragt, luf Luft. Im transkribierten Interview sagt der Sprecher is statt ist, nich statt nicht und sons statt sonst.


S e i t e | 11 Wörter: Mutter, Leute, Plattdeutsch und Mittel

Varianten Nr.

Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Zweite Lautverschiebung [d] > [t]

Konsonantismus 2 Stl.Plosiv [t] im Laut zwischen Vokalen Kennwort: Mutter

[tt]

[dd]

Mutter > Mudder

Kennwort:Leute

[t]

[t]

Leute > Leude

Kennwort: Plattdeutsch

[tt]

[dd]

Plattdeutsch > Pladddeutsch

Kennwort: Mittel

Das kommt in der Variationen: Zwischenstufe im HD oder Niederdeutscher Basisdialekt vor.

Mittel > Middel

Phänomen: Hier würde ich sagen, aller niederdeutschen Mundarten wie Hamburger Platt steht den übrigen germanischen Sprachen (Englisch, Niederländisch, Schwedisch usw.) näher als dem Hochdeutschen. Wenn wir hier z.B. „-pp-, -tt- oder –ck-“ in der Mitte haben, also im Wort-Inlaut- dann wird daraus fast eine Art „-bb-, -dd- oder –gg-“: Mutter > Mudder, Puppe > Pubbe, Mittel > Middel. Und der Ausfall des (in- und auslautenden) „-d“ ist im Landgebiet (z.B. Altengamme in den Vierlanden, Finkenwerder) häufig, im Stadtgebiet (dem städtischen Landgebiet) jedoch selten.12

Martens, P (1998). Hamburgisch. Deutsche Dialekte. Inter Nationeles Kultureller Tonnbanddienst. Köln 12


S e i t e | 12 Wörter: Hamburg, Montag, Verlag, fertig usw. Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Konsonantismus 3 Stl.Plosiv [k] im Auslaut/ Silbenlaut Kennwort: Hamburg

[k]

[x] / [ç]

Hamburg > Hambuich

Kennwort:Montag

[k]

[x] / [ç]

Montag> Montach

Kennwort: Verlag

[k]

[x] / [ç]

Verlag > Verlach

Kennwort: fertig

[k]

[x] / [ç]

fertig > fertich

Kenwort: sechzig

[k]

[x] / [ç]

sechzig > sechzich

Kennwort: witzig

[k]

[x] / [ç]

witzig > witzich

Spirantisierung des stl. Plosivlautes [k] im Auslaut / Silbenauslaut zum Frikativ [x] / [ç] im ND und im Lokaldialekt.

Phänomen: Spirantisierung des stl. Plosivlautes [k] im Auslaut / Silbenauslaut zum Frikativ [x] / [ç] im Niederdeutschen und im Lokaldialekt. Durch Auslautverhärtung entstehen im Niederdeutschen Reibelaute, wo das Hochdeutsche Verschlusslaute hat: g wird wie im Hamburger Platt im Auslaut als stimmloser Spirant ausgesprochen: tax Tag, bu:x Bug, kri γ Krieg; entsprechend im Inlaut vor Konsonant: za:x(t) sagt. Witzig > witzich / Sechzig > sechzich / Umzug > Umzuch


S e i t e | 13 Wörter: Schleswig-Holstein, Stuckateur Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Konsonantismus 4 Frikativlaut [ß] im Anlaut + Konsonant [p] oder [t]

Kennwort: Schleswig Holstein Kennwort: Stuckateur

[ß]

[ß]

[s]

[s]

Schleswig Holstein > Schleswich Hol- stein

Realisierung von anlautendem [ß] + Konsonant [p] und [t] als [s] im ND im Hamburger HD. Substandard.

Stuckateur > Stuckateur

Phänomen: Realisierung von anlautendem [ß] + Konsonant [p] und [t] als [s] im ND im Hamburger HD. Substandard. Es sollte hier beachtet werden, dass die für das Hamburger Platt charakteristische Erweichung der inlautenden Tenues auch im Missingsch üblich ist, aber auch in der norddeutschen Umgangssprache, ohne dass sich die Sprecher dessen bewusst sind. Auch nach und vor Konsonanten werden Tenues lenisiert. Z.B: Stok Stock,.


S e i t e | 14 Wörter: Puppe Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Konsonantismus 5 sth.Plosiv [p] im Inlaut nach Kurzvokal

[p]

[b]

Puppe > Pubbe

Kennwort: Siibenundachtzig

Zweite Lautverschiebung : Medienverschiebu ng [b] > [p]: Nichtdurhführung im ND

Wörter: gesagt, gekriegt, kriegt Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Konsonantismus 6 Analoge Erscheinung im Hamburger HD. Substandard.

Stl. Plosiv [k] im Inlaut vor Konsonant Kennwort: gesagt Kennwort: gekriegt Kennwort: kriegt

[k] [k]

[x] / [ç] [x] / [ç]

gesagt > gesacht gekriegt > gekricht kriegt > kriecht

Spirantisierung von stl. Plosiv [k] (sth. Plosiv [g] in der Auslautverhärtung) im Anlaut vor Konsonanten > stl. Spirant [x]/[ç] im ND.


S e i t e | 15 Phänomen für Tabelle 6: Analoge Erscheinung im Hamburger HD. Substandard. Und Spirantisierung von stl. Plosiv [k] (sth. Plosiv [g] in der Auslautverhärtung) im Anlaut vor Konsonanten > stl. Spirant [x]/[ç] im ND. Gelegentlich wird „[-k]“ von stl. Plosiv verhärtet und im Hamburger Platt als „cht“ („[x]/ [ç]“) ausgesprochen. Im Partizip Perfekt fehlt das Prafix „ge-“ im Hamburger Platt.

Wörter: das, was Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Konsonantismus 7 stl. Frikativ [s] im Auslaut [s] Kennwort: das

[t]

das > dat Was >wat

Zweite Lautverschiebung : Tenuesverschiebung [t] > [s] : Nichtdurcführung im ND.

Phänomen: Zweite Lautverschiebung : Tenuesverschiebung [t] > [s] : Nichtdurcführung im ND. Durch Lautverschiebung des [t] wird dat im HD als das ausgesprochen.


S e i t e | 16 Wörter: Wetter Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Konsonantismus 8 stl. Plosiv [t] im Inlaut zwischen Vokalen (2.)

[d]

Wetter > Wedder

Standard HD

Hamburgische Platt

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

0

1

[t]

Kennwort: Wetter

Zweite Lautverschiebung : Tenuesverschiebu ng [d] > [t] : Nichtdurcführung im ND.

Wörter: Gang Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Konsonantismus 9 Nasal im Inlaut vor Konsonant Kennwort: Gang

[ŋ]

[ŋk]

Gang > Gank

Realisierung von [ŋ] im Auslautmit stl. Polisiv [ŋk] im ND.und im Hamburger HD. Substandard.

Phänomen für Tabelle 9: Realisierung von [ŋ] im Auslautmit stl. Polisiv [ŋk] im ND.und im Hamburger HD. Substandard. Das ng [ŋ] wird wie im Hamburger Platt im Auslaut stets mit Verschlusslaut gesprochen. eȠk eng, juȠk jung, ebenso inlautend vor Konsonant: rinȠkba:n Ringbahn oder lanȠsa:m langsam. Nach einem "n" [ŋ] bewahrt das Niederdeutsche den Verschlusslaut "-g" als [k]


S e i t e | 17 Wörter: Wochenmarkt Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Konsonantismus

10 Kurzmonophthong [a] vor Vibrant [r] Kennwort: Wochenmarkt

[a]+[r]

[-]

Wochenmarkt > Wochenmaak

Ausfall von postvokalischem [r] mit Ersatzdehnung des Kurzmonophthon gs [a] > [a:] im ND und im Hamburger HD. Substandard.

Phänomen: Ausfall von postvokalischem [r] mit Ersatzdehnung des Kurzmonophthongs [a] > [a:] im ND und im Hamburger HD. Substandard. Wie es aus diesem Beispiel ersichtlich ist, fällt postvokalischem [r] mit Ersatzdehnung des Kurzmonopthongs im Hamburger Platt aus. Nach Vokal wird r durchweg nicht vokalisiert oder fällt ganz aus. Wenn auf das r ein Konsonant folgt, wird t ausfallen-, z.B. maarkt [ma:k]. In diesem Beispiel fällt t im Hamburger Platt aus, besonders im Auslaut.


S e i t e | 18 5.2.Phonologische Messung: Vokalismus Wörter: bisschen Varianten Nr.

Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Vokalismus 11 Kurzmonophthong [i] [ı]

[ε] / [e:]

Rundung [ı] > [y] im Hamburger HD. bisschen > büschen Substandard.

Kennwort: bisschen

i ist vielfach zu ü geworden. Die Rundung ist meist aus dem Harburger Platt übernommen: sprütsɘ: Spritze, bün: bin, büs(t): bist, zünt: sind; Wie aus dem 12. Beispiel „bischen“ verstanden wird, dass i zu ü geworden ist.


S e i t e | 19 Wörter: da, ach, laut Varianten Nr.

Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

da > doa

Verdumpfung des Langmonophthong s [a:] > [з:] im Hamburger HD. Substandard.

Vokalismus 12 Langmonophthong [a:] > [з:] [a:]

[з:] / NF vor Plosiv :[a]

Kennwort: da und ach

ach > och

Kennwort: laut

[u:]

[uu]

laut > luut

Kennwort: schaf

[a:]

[o:]

schaf > schoop

Nicht diphtongiert zu [ao]

Die langen Vokale ([i:], [u:], [y:]) bleiben im Niederdeutschen erhalten und wurden nicht diphthongiert zu [ae, ao, зǿ]: z.B.: ND: luut= HD: laut Und das alte lange (hintere, dunkle) „a“ erscheint im eigentlichen Stadtgebiet als ein langes „o“ [o:] z.B.: Schoop [∫ o:p] (= Schaf) oder blosen [blo:zn] (=blosen) Die Trennung von da und wo von den zugehörigen Adverbien ist nicht nur im Missingsch, sondern auch im Hamburger Platt und in der Umgangssprache weit verbreitet: z.B.: da kannst auf ab > Hin kommen sie bloß da, wo sie hinwollen.


S e i t e | 20 5.3.Morphosyntaktische Messung Wörter: Dafür, in der, das Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

0 1 Morphosyntaktische Merkmale und Assimilationenserscheinungen 13 Dafür gibt es doch Getrennte Stellung bestimmt auch eins der Bestandteile des Stellung des in Plattdeutsch > Prominalsadverbs Pronominaladverbs Da gibt es doch im Hamburger HD. Dafür [-] bestimmt auch eins Substandard in Kennwort: Dafür in Plattdeutsch für Analoge zum Hamburger HD. 14

Nasalverbindung [nd] > [n] [nd]

[nn]

in der > inner

[s]

[t]

das > dat

Kennwort: in der 15

Relativpronomen das bzw. welches (neutr.) Kennwort: das

Assimilation der Nasalverbindung [nd] > Nasal [n] im Lokaldialekt. Analoges Phänomen im Hamburger HD. Substandard. Häufige Verwendung von was als Relativum im Hamburger HD. Substandard in Analoge zum Hamburger ND.

Phänomen für Tabelle 13: Getrennte Stellung der Bestandteile des Prominalsadverbs im Hamburger HD. Substandard in Analoge zum Hamburger HD. Es gibt keine besondere Verwendung von dafür im Hamburger Platt bei der Gewährperson. Phänomen für Tabelle 14. Enklise des Artikels nach der Präposition ist die Regel: ini: in die, aufi: auf die, mipm mit dem, ints in das. Abweichend von der Hochsprache fehlt, wie im Hamburger Platt, oft der bestimmte Artikel und auch besonders häufig in der präpositionalen Verbindung: auf Straße, vor Tür usw. Und seltener fehlt der unbestimmte Artikel: vor paar Jahr.


S e i t e | 21 Phänomen für Tabelle 15: Als Demonstrativ –Pronomen und als Artikel fungiert dat, das im Standarddeutsch als das ausgesprochen wird, -t ist vielfach zu s geworden. Als Demonstrativ-Pronomen und Artikel dienen im ND im Singular de (=der, die), dat (das), und im Plural de (=die).

5.4.Assimilationserscheinungen Wörter: wollten, konnten Varianten Nr. Merkmal(Variable)

16

17

Standard HD

Hamburgische Platt

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

0 1 Morphosyntaktische Merkmale und Assimilationenserscheinungen Assimilation der Liquidverbindung Liquidverbindung[ld] [ld] > Liquid im Hamburger HD. [lt] [l] Wollten > wulln Substandard. Kennwort: Wollen Erweichung der Liquidverbindung [lt] > [ld] im ND. Nasalverbindung [nt]

[nt]

[n]

Konnten> Kunn

Assimilation der Nasalverbindung [nt] > Nasal [n] im Lokaldialekt

17. Phänomen: Assimilation der Liquidverbindung[ld] > Liquid im Hamburger HD. Substandard. Erweichung der Liquidverbindung [lt] > [ld] im ND. Unbetonte Silben werden noch stärker reduziert als betonte im ND. Allgemein wird die Endung –en an die vorangehenden Konsonanten assimiliert: haben > ham, Blumen < Blum, stimmen > stimm. Assimilationen entstehen oft innerhalb eines Verbs oder Wortes. Wie aus dem 17. Beispiel ersichtlich ist, wird wollen durch die Assimilation als wulln ausgesprochen.


S e i t e | 22 Wörter: unserer Varianten Nr. Merkmal(Variable)

Standard HD

Hamburgische Platt

0

1

Beispiel (Was in der Datei vorgekommen ist)

Phänomen (Bei der Gewährperson)

Morphosyntaktische Merkmale und Assimilationenserscheinungen Kurzmonophthong [e] 18

Ausfall

[-]

Unserer > Unse

Kennwort: Unserer

Ausfall des Flexionssuffix [er] , u.a. bei Pronomina im Hamburger HD. Substandard als Analogie zur ND. Flexionsweise

6.Zusammenfassung und Befundanalyse Am Anfang der Arbeit habe ich Sprache sowohl als ein System von Zeichen zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen definiert. Man kommuniziert nicht nur mit seiner Standard Sprache mit anderen Menschen im Alltagsleben, sondern es werden ebenfalls Dialekte benutzt. Des Weiteren spielen Dialekte eine sehr wichtige Rolle im Hamburger Sprachraum. Hamburg ist eine der größten Städte in Deutschland, und sehr verschiedenartig in Bezug auf die Sprachformen. Als sprachliche Varietäten in Hamburg können Hamburger Platt, Hamburger Missingsch, Geest und Marsch Mundart genannt werden. Diese Dialekte näher in dem soziolinguistischen Bereich meiner Arbeit beschrieben. Untersuchungen zu Dialekten und zu Dialektsprechenden werden seit den 1970 er Jahren durchgeführt. Was genau ist ein Dialekt? Was für Beziehungen gibt es zwischen einem Dialekt und der Standardsprache? Diese Fragen werden von Linguisten beforscht, um eine klare Definition über die sprachlichen Varietäten einer Sprachform vornehmen zu können. In diesem Rahmen habe ich sprachliche Varietäten in Hamburg anhand eines transkribierten Interviews dieser Arbeit analysiert. Als Ergebnisse dieser Studie fasse ich folgende Befunde kurz zusammen: In Hamburg werden vier verschiedene Sprachformen verwendet. Diese Sprachformen sind die hochdeutsche Standard-Sprache, Hamburger Missingsch, Geest-Mundart in den nördlichen Randgebieten von Hamburg und Marsch-Mundart.


S e i t e | 23 Alle diese Dialekte sind ein Teil der in ganz Norddeutschland verbreiteten Mundarten, die als Nordniedersächsisch, Ostniederdeutsch, Westfälisch, und Ostfälisch bezeichnet werden. Hamburger Missingsch kann als eine Sprachschicht zwischen Mundart und Hochsprache in Hamburg verstanden werden. Aus verschiedenen Beobachtungen wird ersichtlich, dass heutzutage fast nur ältere Menschen Mundarten oder Dialekte sprechen, die junge Generation dagegen eine Umgangssprache. Im engeren Sinne würde ich Umgangssprache als die Sprache der Straße bezeichnen, weil es weitestgehend auf der Straße gesprochen wird. Alle Hamburger Mundarten haben ihre Ursprünge im Hamburger Platt, welches sämtliche Formen des in Hamburg gesprochenen Plattdeutschen beinhaltet. Von Varietät spricht man jedoch nur, wenn die Sprachform einer untersuchten Gruppe eindeutige sprachliche Gemeinsamkeiten aufweist. Die Deutsche Sprache ist die in Deutschland, Österreich, der Schweiz, also in den deutschsprachigen Ländern verwendete Sprache und innerhalb dieser Länder hat deutsche Sprache sehr unterschiedliche Varietäten. Somit kann die Varietät einer Sprache als Verschiedenheit von der Standard Sprache definiert werden. Die Variationslinguistik ist eine Teildisziplin der Soziolinguistik innerhalb der angewandten Linguistik, und befasst sich mit den vielfältigen Formen beziehungsweise Variationen innerhalb einer natürlichen Sprache. Unter dem Terminus „Variation“ versteht man die Eigenschaft der natürlichen Sprachen, unterschiedliche materielle Ausprägungen zu erzeugen. In der Schule spricht und lernt man zunächst seine Standard-Sprache (Hochdeutsch). Es ist aber wahrscheinlich, dass die erlernte Standard-Sprache nur selten außerhalb der Schule gesprochen wird. Meiner Meinung nach spielt dabei die Familientradition oder die Umgebung des Sprechers eine sehr zentrale Rolle.


S e i t e | 24

7.Literaturverzeichnis Barbour, Stephen und Stevenson, Patrick (1998). Variation im Deutschen. Soziolinguistische Perspektiven. Übersetzt aus dem Englischen von Konstanze Gebel. Valter de Gruyter. Berlin. New York Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart, Alfred Kröner Verlag,1990, S.827) Dittmar, Norbert (1997). Grundlagen der Soziolinguistik- Ein Arbeitsbuch mit Aufgaben. Max Niemeyer Verlag. Tübingen Hiltner, Andrea: Aphasie und Dialekt: Aphasie und Dialekt – ein unterschätztes Thema Krefeld, Thomas und Pustka, Elissa Varirtätenlinguistik. München und Paris

(2007).

Für

eine

perzeptive

Martens, Peter (1981). Hamburgisch. Deutsche Dialekte. Dialekte der Bundesrepublik Deutschland.Inter Nationeles Kultureller Tonnbanddienst. Köln Mattheier, Klaus J. / Lüdtke, Jens. 2005. Variation – Varietäten – Standardsprachen. Wege zur Forschung. In: Lenz, Alexandra / Mattheier Klaus J. (eds.): Varietäten: Theorie und Empirie. Frankfurt/Main: Lang. 13-38. [=VarioLingua 23]. Peuser, Günter & Winter, Stefan: Lexikon zur Sprachtherapie. Terminologie der Patholinguistik. München, Wilhelm Fink Verlag, 2000. S. 49 ): Scheel, Käthe: Hamburger Missingsch. In: SIMON, Werner/BACHOFER, Wolfgang/Ditmann, Wolfgang (Hrsg.): Festgabe für Ulrich PRETZEL zum 65. Geburtstag, dargebracht von Freunden und Schülern. Berlin 1963, 381. Schafroth, Elmar. Was ist eine Varietät? Empirische Evidenz, theoretische Problematik und linguistische Praxis. Universität Dusseldorf Schröder, Ingrid und Elmantaler, Michael (2009). Sprachvariation in Norddeutschland (SIN). Kiel


S e i t e | 25 Vögeli, Walter (1998): Mundart und Hochdeutsch im Vergleich. In: Sieber, Peter und Sibba, Horst (Hrsg.): Mundart und Hochdeutsch im Unterricht. Orientierungshilfen für Lehrer. Aarau, Frankfurt am Main, Salzburg (Studienbücher Sprachlandschaft 1), S.75-86.

Internet Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Interview http://de.wikipedia.org/wiki/Lambdazismus www.ethnologue.com http://de.wikipedia.org/wiki/Variation_(Linguistik) http://de.wikipedia.org/wiki/Variet%C3%A4t_(Linguistik) http://de.wikipedia.org/wiki/Variet%C3%A4tenlinguistik Ludwig Mayerhofer, ILMES-Internet Lexikon (http://www.istudy.de/f4/Transkribieren.pdf) http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg#Sprache.2FMundarten


Analyse der sprachlichen Variationen des Hamburger Platt