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ERFOLG COMEDIAN MIRJA BOES SPRICHT IM INTERVIEW ÜBER KARRIERE UND ERFOLG

magazin

3 / 2017

DAS LESEN ERFOLGREICHE

TIM WIESE KARRIERE

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TRAINER

Mark Zuckerberg Sein Erfolgsgeheimnis

Torben Platzer

Das MillionenImperium

BILDER: MANFRED ESSER, ANDRÉ KOWALSKI, FRANK EIDEL BILDER: HEKS ONE, PRIVAT, FACEBOOK

BACKHAUS VERLAG

5 EUR


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Bild: Ismail Gök

Editorial

Julien Backhaus Verleger und Herausgeber

Wie man tatsächlich sein Leben verändert Das erste Halbjahr des neuen Jahres ist rum. Spätestens jetzt haben Sie gemerkt, dass Sie viele Ihrer Vorhaben bzw. guten Vorsätze nicht umgesetzt haben. Es kann natürlich sein, dass es einfach das falsche Ziel war – oder ein unrealistisches. Was aber viel wahrscheinlicher ist: Sie haben keine Disziplin. Und eine mangelnde Disziplin führt nicht nur dazu, dass Dinge nicht erledigt werden. Sondern in der Folge beschädigt es auch ganz gehörig Ihr Selbstvertrauen. Sie merken wortwörtlich, dass Sie sich selbst nicht vertrauen können. Manche Leute behaupten, Disziplin ähnelt einem Zwang und man fühlt sich dadurch eingeengt. Aber denken Sie da mal genauer drüber nach. Ein banales Beispiel: Ich habe vor kurzem mit einem sehr bekannten Sänger telefoniert, der mir erzählte, er habe ein starkes Alkohol- und Drogenproblem. Und jedes Mal, wenn er in eine Bar geht, verleitet ihn das Umfeld zum Drogenmissbrauch. Zu Deutsch: Er ist ein Spielball seiner Umwelt. Er ist ein Blatt im Wind – fremdbestimmt. Aber nur, weil er es zulässt. Zwingen tut ihn schließlich keiner. Er könnte sich auch für die Disziplin entscheiden. Natürlich, das ist um einiges härter. Vielleicht resultieren sogar Entzugserscheinungen daraus. Schweiß, Zittern, Kopfschmerzen. Gesellschaftlicher Druck würde ihn ausgrenzen, weil er nicht mehr dazu gehört. Das große Aber kommt jetzt: Er wäre selbstbestimmt. Er sagt in seinem Leben, wo es lang geht. Er bestimmt seine Zukunft, nicht die Umwelt. Disziplin ist die reinste Form der Selbstbestimmung. Als ich mich damals im zarten Alter von 18 selbstständig machte, war ich nicht besonders davon überzeugt, dass ich etwas Großes zustande bringe. Mir fehlten schlicht die Beweise. Bis zu dem Zeitpunkt war ich ein sehr durchschnittlicher Schüler und hatte auch sonst keine

Anhaltspunkte, dass ich außergewöhnlich erfolgreich sein könnte. Ich hörte in einem Seminar von jemandem, der eine ähnliche Problematik hatte. Er löste es auf schlaue Weise: Er nahm Kleinigkeiten des Alltags und disziplinierte sich, von nun an auf die zu verzichten. Dazu zählten Alkohol und Zucker. Sie wollen mehr Das klang nach einer Herausforderung, die ich annehmen wollte. Von da an habe ich sofort auf Alkohol, Zucker, Zigaretten und Fast-Food-ReAusgabe 04/2017 staurants verzichtet. Mich hatte offensichtlich der erscheint Ehrgeiz gepackt. Ich wusste, das wird hart. Aber am 28. Sept. 2017 ich wusste auch, dass es wahrscheinlich so außergewöhnlich wäre, das alles durchzuhalten, dass es meinem Selbstvertrauen sehr dienlich wäre. Um es kurz zu machen. Ich halte es bis heute durch, ohne einen einzigen Ausrutscher. Ich bin jetzt 30. Und der Plan ging auf: Die Disziplin gab mir ein immenses Sicherheitsgefühl. Es formt auch tatsächlich den Charakter und man traut sich immer größere Dinge zu. Ich gründete mehrere Unternehmen und alle sind bis heute erfolgreich. Disziplin sorgt im täglichen Leben für Glücksgefühl. Dinge werden erledigt. Und man fühlt sich selbstbestimmt. Ich habe mir viele tägliche Gewohnheiten angeeignet, darunter jeden Tag Bücher zu lesen. Jeden. 365 Tage im Jahr. So konnte ich rund tausend Bücher lesen. Ehrlich gesagt fühlt man sich auch etwas erhaben, weil die Masse ständig an sich selbst scheitert. Man gehört zu einer kleinen Elite, die sich selbst im Griff hat.

Erfolg?

Versuchen Sie es mal, es wird Ihr Leben für immer verändern. Ihr Julien Backhaus

Impressum Erfolg Magazin ISSN 25057342 Redaktion/Verlag Backhaus Verlag EMail: info@backhausverlag.de Chefredakteur (V.i.S.d.P.) Julien D. Backhaus Redakteurin und Satz Martina Schäfer Projektmanagerin EvaMaria Backhaus EMail: info@backhausverlag.de Herausgeber, Verleger Julien D. Backhaus Bremer Straße 24, D31608 Marklohe Anschrift: Waffensener Dorfstr. 54, 27356 Rotenburg Telefon (0 42 68) 9 53 04 91 EMail info@backhausverlag.de Internet: www.backhausverlag.de

Folgen Sie uns auch auf Druck BerlinDruck GmbH + Co KG Oskar-Schulze-Str. 12, 28832 Achim Telefon: (04 21) 4 38 710 Telefax: (04 21) 4 38 7133 EMail: info@berlindruck.de Vertrieb DPV Vertriebsservice GmbH Sandtorkai 74, 20457 Hamburg Telefon +49 (40) 3 78 45-27 39 Telefax +49 (40) 3 78 45-9-27 39 www.dpv-vertriebsservice.de

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Erfolg magazin . Ausgabe 03/2017 . www.erfolg-magazin.de

Autoren (Verantwortliche i.S.d.P) Die Autoren der Artikel und Kommentare im Erfolg Magazin sind im Sinne des Presserechts selbst verantwortlich. Die Meinung des Autoren spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider. Trotz sorgfältiger ­Prüfung durch die Redaktion wird in keiner Weise Haftung für Richtigkeit geschweige denn für Empfehlungen übernommen. Für den Inhalt der Anzeigen sind die Unter­nehmen verantwortlich. Vervielfäligung oder Verbreitung nicht ohne Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten.




Inhalt 3/2017 Erfolg

Einstellung 

Die 100 besten Erfolgstrainer ...................... 6

Erfolg beginnt im Kopf................................19 Markus Czerner: Wie reden Sie mit sich selbst?.....................34 Ardeshyr Hagmaier: Change Fuck!..............36 Bernhard Moestl: Shaolin - Der Erfolg liegt in dir!...................38 Tim Wiese: Ich bin nicht zu schlagen...........40 Jürgen Höller: Sprenge deine Grenzen........42 Donald Trump: Think like a champion.........44 Ralf Moeller: Scheitern? Gibt‘s für mich nicht...................................48 Biyon Kattilathu: Glück auf indisch..............50 Dr. Dr. Rainer Zitelmann: Handeln...............57

Der Clooney-Faktor...................................... 8 Der Kennedy-Effekt.....................................10 Mark Zuckerberg: Jüngster Milliardär aller Zeiten.....................12

Story Mirja Boes: Überholspur..............................16 Alexander Leipold: Wer nicht kämpft hat schon verloren..........20 Freshtorge: Alles Quatsch!..........................22 Henry Maske: Souveränität.........................24 Flieshardt & Parge: Verarsch uns nicht.........26 Bono: Wie er zum Milliardär wurde.............28 Wolfgang Bosbach: Nicht nur Meinung, sondern Ahnung haben..............................30 Torben Platzer: Eine Million jährlich, bitte....32 Best of Web: Lerne von Sully/ Richard Branson Dyslexie.............................47 Dr. Dr. Rainer Zitelmann: Wenn du nicht mehr brennst, starte neu....................70

Leben Bushido: Wenn ich mal sterbe.....................52 Michael Hausenblas: Staubsaugervertreter „Deluxe“...................54 Die Erfolgsformeln der Stars: The BossHoss, Mousse T und Alexandra Maria Lara.......... 60

Mirja Boes Bilder: Depositphotos/popularImages, Laion, Flickr/Maurizio Pesce, Platzer privat, Jonny Wen, Jessica Wilkens

Überholspur

16 George Clooney

Sympathie-Code



8 www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 03/2017 . Erfolg magazin


Partnerevents Partnerevents: Die Erfolgsdenker/ Thorsten Havener........................................62

Wissen  Bestform-Killer Alkohol...............................63 Matthias Niggehoff: Schlagfertig.................64 Sven Hannawald: ...Und durch!..................66

Torben Platzer Eine Million bitte.

32

Felix Maria Arnett: Scheitern nicht vorgesehen.........................68

Mark Zuckerberg

Jüngster Milliardär aller Zeiten

12

Tim Wiese Ich bin nicht zu schlagen

40 Freshtorge

Alles Quatsch!

22 Erfolg magazin . Ausgabe 03/2017 . www.erfolg-magazin.de




Erfolg

Die 100 besten Erfolgstrainer

Bilder: JürgenHöllerAcademy, Schäfer, Loehr, Scherer, Lindau

Das Erfolg Magazin hat die Top 100 Liste der besten ­Erfolgstrainer in Deutschland und Österreich erstellt.

Im deutschsprachigen Raum tummeln sich Tausende Trainer, die anderen den Erfolg beibringen wollen. Doch nur wenige davon haben damit selbst Erfolg. Für die Redaktion von ERFOLG Magazin war es daher eine Aufgabe, die 100 besten Erfolgstrainer aus Deutschland und Österreich zu identifizieren. Die Auswahlkriterien ließen sich – insbesondere bei der Platzierung – nicht immer eindeutig anwenden. Eingeflossen in die Entscheidung sind unter anderem die Anzahl öffentlicher Liveauftritte, Medienpräsenz, Anzahl in Verlagen veröffentlichter Bücher und Followerzahlen in den Sozialen Medien. Leute, die anderen sagen wollten, wie man Erfolg hat, gibt es seit je her. Wichtig war allerdings immer zu schauen, wer von diesen Menschen selbst großen Erfolg hat. Tennis lernt man schließlich auch nicht von einem unterlegenen Spieler. So will man bei der Wahl eines Erfolgstrainers auch dessen eigenen Erfolgsgrad abschätzen können. Einen Trainer aus der vorliegenden Top 100 Liste zu wählen, kann somit eine weise Entscheidung sein. Das ungefährliche bei Trainern ist in der Regel, dass sie keinen direkten Einfluss auf uns nehmen. Wenn sie also von der Bühne zum Publikum sprechen oder wir ein Buch



Jürgen Höller

von ihnen lesen, erlaubt der Abstand noch immer, selektiv zu entscheiden, welche Informationen wir annehmen und welche nicht zu uns passen. Auch bei der Wissensvermittlung nehmen es viele Trainer nicht so ernst mit den Fakten. Zitate werden verfälscht oder gar einer Quelle zugeordnet, die sich schlussendlich als falsch herausstellt. Auch Zahlen werden gerne einmal als Fakten verkauft, die aber eher Schätzungen sind. Somit sind auch Erfolgstrainer nicht völlig unkritisch zu betrachten. Trotzdem genügt der Abstand in der Regel, nicht dem direkten Einfluss „zum Opfer“ zu fallen. Schwieriger wird es da bei den sog. Coaches. Sie sprechen nicht nur auf Bühnen, sondern arbeiten auch persönlich mit Klienten. Und haben so einen direkteren Einfluss auf die Person. Einem Coach soll dann ungefiltert vertraut werden. Er begleitet die Person auf ihrem Erfolgsweg. In diesem Fall ist es besonders wichtig, auch die Erfolge des Coaches selbst zu schauen. Für all die offenen Fragen soll die Top 100 Liste des Erfolg Magazins eine Richtschnur sein. Von nun an werden wir jedes Jahr eine aktualisierte Liste der Top 100 veröffentlichen, um den Lesern des Erfolg Magazins eine Bewertungsgrundlage zu geben.

www.erfolg-magazin.de . Ausgabe 03/2017 . Erfolg magazin


Erfolg

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Jürgen Höller Nikolaus B. Enkelmann Hermann Scherer Bodo Schäfer Jörg Löhr Julian Zietlow Veit Lindau Detlef D! Soost Christian Bischoff Gerald Hörhan Reiner Calmund Daniela A. Ben Said Kris Stelljes Biyon Kattilathu Marc M. Galal Claudia Enkelmann Dirk Kreuter Paul Misar Stefan Verra Martin Limbeck Alexander M. Faßbender Tobias Beck Maxim Mankevich Joey Kelly Thorsten Havener Steffen Kirchner Jack Nasher Christian Lindemann Thaddaeus Koroma Alex Fischer Steve Kroeger Frank Wilde Alexander Hartmann Daniel Weinstock Michael Bandt Rolf Schmiel René Borbonus Stefan Frädrich Leo Martin Alexander Christiani Sabine Asgodom Gereon Jörn Edgar Geffroy Michael Strachowitz Boris Grundl Lothar Seiwert Stéphane Etrillard Harald Psaridis Ilja Grzeskowitz Patricia Staniek Claudio Catrini

52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100

Klaus Kobjoll Mike Dierssen Michael Langheinrich Antje Heimsoeth Samer Mohamad Gabriel Schandl Karl Pilsl Karl Michael Pilsl Oliver Geisselhart Cordula Nussbaum Katja Porsch Hans-Uwe L. Köhler Isabel Garcia Carsten K. Rath Holger Bröer Petra Polk Andreas Buhr Ernst Crameri Siegfried Haider Petra Bock Matthias Niggehoff Michael Ehlers Frank Dunker Cristián Gálvez Cemal Osmanovic Martin Klapheck Peter Brandl Suzanne Grieger-Langer Karl Werner Schmitz Alexander S. Kaufmann Arno Fischbacher Steffen Ritter Marcus Lauk Michael Jagersbacher Volker Kitz Martin Laschkolnig Ardeschyr Hagmaier Vanessa Weber Thomas Schlechter Zach Davis Roger Rankel Janine Katharina Pötsch Gabriele Eckert Joachim Rumohr Alexander Groth Felix Maria Arnet Rabih A. Karim Christoph Teege Andreas Enrico Brell

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Bodo Schäfer

Hermann Scherer

Jörg Löhr

Veit Lindau




Erfolg

Der Clooney-Trick Sympathisch wie George Clooney

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n meinen Profilbildungscoachings stelle ich zu Beginn oft die Frage, wen meine Klienten im Bereich Sympathie und als Personenmarke gut finden. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen taucht der Name George Clooney immer wieder in den Top 3 der genannten Personen auf. Sympathie mag einen subjektiven Bereich haben, doch durch diese Mehrfachnennung erkennen wir, dass sehr wohl auch objektive Bereiche existieren müssen. Das Schöne dabei ist, dass objektive Bereiche – sofern man in sozialen und kommunikativen Kontexten davon reden kann – Handlungsspielräume eröffnen, die wir bei rein subjektiven Anteilen nicht zur Verfügung hätten. Doch zurück zu George Clooney! Wie schafft es dieser Herr, in den letzten Jahren große Sympathiepluspunkte beim Großteil der Bevölkerung zu sammeln? Was macht ihn besonders? Gut, er ist Schauspieler und sogar Oscar-Gewinner. Er ist darüber hinaus seit vielen Jahren DAS Werbegesicht von Nespresso. Doch er ist nicht deshalb beliebt, weil er Kaffee vom – umstrittenen – Nestlé-Konzern trinkt. Im Gegenteil: Der Kaffee dürfte sich gut verkaufen, weil George ihn charmant und sympathisch präsentiert. Doch Erfolg alleine macht noch nicht sympathisch. Sympathie funktioniert entweder über Ähnlichkeit oder über den individuellen „Bedrohlichkeitsfaktor“.



Die Schöne und der Frauenschwarm: George Clooney und seine Frau Amal

bung zurechtfinden. Es ging wortwörtlich ums „nackte Überleben“. Bruchteile von Sekunden konnten über Leben oder Tod entscheiden. Ist dieses Tier gefährlich oder nicht? Wegrennen oder stehenbleiben? Sozialer Status Dieses Verhalten hat bis in die heutige Zeit in unserem Hirn überdauert. Wenn Sie eine Person kennenlernen, dann entscheidet Ihr Hirn innerhalb weniger Momente, ob diese eine Gefahr darstellt oder nicht. Heutzutage geht es – glücklicherweise – nicht oft um Leben und Tod, doch eine Einschätzung des Gefahrenpotenzials erfolgt dennoch. Zum Schutz unseres Selbst. Die Beurteilung unseres Gegenübers er-

Bild: privat

Ähnlichkeit und Bedrohung Nehmen wir uns den ersten Punkt vor: „Ähnlichkeit“. Dies wird bei George Clooney relativ schwer. Wer würde schon von sich behaupten, dem Schauspieler „ähnlich“ zu sein? Schließlich kennen wir nur die öffentliche Person und nicht ihn als Privatperson. Dies macht es schwer, Ähnlichkeiten mit uns selbst zu identifizieren. Bleibt noch der zweite Punkt: der „Bedrohlichkeitsfaktor“. Was bedeutet das überhaupt? Versetzen Sie sich in die Zeit unserer menschlichen Vorfahren. Diese mussten sich in einer feindlichen Umge-

folgt über den visuellen Auftritt und die Persönlichkeitspositionierung. Ein hoher sozialer Status kann uns sehr schnell einschüchtern, weil wir uns unterlegen fühlen. Deshalb macht Erfolg nicht automatisch sympathisch.

Michael Jagersbacher ist Verhaltenstrainer, Unternehmer und Buchautor. Auf seinem Blog MichaelJagersbacher.at gibt er Tipps, wie man sympathischer wird.

Mach dich „klein“ Eine Möglichkeit ist es, den eigenen Status „nach unten“ zu schrauben. Wie das bei George Clooney funktioniert? Sehr einfach. Er nimmt sich selbst nicht allzu ernst, beziehungsweise stellt sich so dar, als wäre dies der Fall. George setzt eine selbstironische Strategie ein, um dies zu schaffen. Schließlich verkörpert er über seine Erfolge und seine Vita einen äußerst hohen sozialen Status. Er schafft es dadurch seinen „Bedrohlichkeitsfaktor“ massiv zu senken, was ihn wiederum sympathischer macht. Nicht für jeden, doch für viele Menschen. Georges Sympathie-Code Diese Art der selbstironischen Inszenierung seiner Person finden wir auch in seinen Nespresso-Spots.In einem dieser Werbungen finden wir folgenden Dialog von John Malkovich und George Clooney, wie Sie – nach George´s Pianounfall – genüsslich in den Wolken einen Kaffee schlürfen. George: „I am gonna miss shooting movies. Do they do films up in here?“ John: „No….there are no producers here!“ George: „Oh, of course it is heaven. No studios, no agents, no managers. I like this place a lot“ Der eigene Kakao/Kaffee schmeckt am besten In diesen wenigen Zeilen erkennen wir die Struktur von Georges Sympathie-Code. Weshalb? Haben Sie gewusst, dass George Clooney ebenfalls Produzent von vielen Filmen ist? Falls nicht, dann verstehen Sie nun den selbstironischen Teil dieser Aussage. In Wahrheit zieht er den gesamten Bereich der Schauspielerei – von welchem er selbstverständlich sehr profitiert hat –

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Erfolg

George Clooney, der Name allein ist Garant für den Kinoerfolg eines ­ ollywoodstreifens. H

durch den Kakao, Verzeihung! Durch den Kaffee… Das kommt sowohl bei Mann als auch bei Frau gut an. Gefahrlos sympathisch Das Tolle an selbstironischem Vorgehen ist, dass Sie keine Bedrohung für das Gegenüber darstellen. Sie positionieren sich aus der Sicht des sozialen Status „unter“ Ihr Gegenüber. Doch Achtung! Machen Sie zu viel Witze auf eigene Kosten, geht der Schuss sehr schnell nach hinten los. Positionieren Sie sich statustechnisch zu weit „unter“ Ihrem Gegenüber, dann nimmt man Sie nicht mehr ernst. Das bedeutet: Ein Witz auf eigene Kosten geht in Ordnung – vor allem am Anfang einer Konversation. Je mehr Witze Sie über sich machen, desto „lachhafter“ wird die Wahrnehmung Ihrer Persönlichkeit. Dies wollen Sie nur in Ausnahmefällen – beispielsweise, wenn Sie den Clown auf einer Geburtstagsparty mimen.

Bilder: Depositphotos/Bossmoss/popularImages

Der Kaffeesatz Wenn es Ihnen gelingt, Ihre Persönlichkeitspositionierung in einem Gespräch in einem Spannungsfeld zwischen Ernsthaftigkeit und selbstironischen Witzen zu platzieren, dann haben Sie gute Chancen, sympathisch wahrgenommen zu werden. Das wiederum heißt, Sie müssen kommunikative Brüche überspringen, indem Sie einerseits Ihre Kompetenzen darstellen (und würdigen), jedoch in einem angenehmen Maß. Ebenso verhält es sich mit den Witzen auf eigene Kosten: Bitte gern, aber nicht zu viel. George Clooney schafft erfolgreich den Spagat zwischen Lockerheit und Kompetenz, welches ihn sowohl für Frauen als auch für Männer attraktiv und sympathisch erscheinen lässt.

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Erfolg

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Erfolg

Der Kennedy-Effekt

Mit Charisma zu Macht und Einfluss

Bild links: Depositphotos/pepeemilio, Enkelmann: Fotogalerie Hofer, Cover: Redline Verlag

Buchauszug aus „Der Kennedyeffekt“

Das Image von Kennedy wirkt noch heute. Der Mythos Kennedy hat bis heute nichts von seiner Wirkung verloren. So natürlich Kennedy erschien, war er dennoch ein absoluter Profi auf seinem Gebiet. Er war ein Verführer, ein Bezauberer, ein Überzeuger, der seine Persönlichkeit voll für die Erreichung seiner Ziele einsetzte. Als „Idealist ohne Illusionen“ hat er sich einmal bezeichnet. Er konnte die Herzen seiner Mitmenschen erreichen und konnte im richtigen Augenblick, seine Landsleute mobilisieren, weil er ihnen den Traum von einer besseren Welt vermittelte. Kennedys Ausstrahlung kam nicht von ungefähr - er hat an sich gearbeitet, hat sein Potential entfaltet und seine Persönlichkeit zum Strahlen gebracht. Immer wieder hört man, dass seine Präsenz so gewaltig war, dass die Menschen in seiner Gegenwart wie elektrisiert waren. Wahre Verführer sprechen das Innere der Menschen an, appellieren an verlorene Ideale, überwinden Trennendes. Was wir brauchen, sind Persönlichkeiten. Und zwar auf jedem Sektor und auf jeder Ebene: in der Politik ebenso wie in der Wirtschaft. Wir benötigen Menschen, die Mut machen, die erstrebenswerte Ziele vorgeben und in der Lage sind, Menschen zu motivieren. Das sind kraftvolle Menschen, die ihre Macht und ihren Einfluss nutzen, um etwas zu bewegen. So wie es Kennedy gelungen ist, den Amerikanern ihren Traum zu geben. Aber er hat nicht nur einen Traum kreiert, er konnte auch die Energie mobilisieren, die nötig ist, um daraus Realität zu machen. Kennedy könnte zu Ihrem Vorbild werden, von dem Sie viel lernen können. In Ihnen steckt nämlich viel mehr als Sie vielleicht ahnen. Ich zeige Ihnen Möglichkeiten und Beispiele, wie Sie sich selbst entdecken und Ihre Persönlichkeit entfalten können. Als ich vor 25 Jahren in meinen Seminaren sagte, man könne aus seinen Fehlern nichts lernen, waren viele Teilnehmer mehr als erstaunt. Es wurde unendlich lange diskutiert und immer wieder wurde die

 »Was ein ­ erfolgreicher Mensch braucht, sind erfolgreiche Vorbilder.«

Nikolaus B. Enkelmann

studierte Psychologie und Soziologie und blickt auf über 50 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet des Persönlichkeitstrainings zurück.

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Meinung vertreten, der Mensch könne aus Fehlern oder Schicksalsschlägen etwas lernen. Wenn ich dann die rhetorische Frage stellte, aus welchem Fehler haben Sie persönlich am meisten gelernt, was machen Sie seitdem besser, konnten viele nicht antworten. Natürlich, lieber Leser, kann man aus seinen Fehlern etwas lernen, aber dieser Weg ist schmerzlich und sehr lang. Lernen, wirklich etwas fürs Leben lernen, können wir nur von Menschen, die besser sind als wir. Aus diesem Grunde vertreten wir in unserem System die Erkenntnis, was ein erfolgreicher Mensch braucht, sind erfolgreiche Vorbilder. Das wollte zunächst einmal die Eitelkeit vieler nicht akzeptieren, denn sie wollten immer die Besten sein, und waren nicht einmal gut. Die neurolinguistische Programmierung führt dann einige Jahre später das Modell des „Modeling“ ein. Man sollte seine Vorbilder kopieren und erzielt damit die gleichen Ergebnisse, die auch die Vorbilder erzielt hatten. Marketingspezialisten hatten mit „Modeling“ einen neuen Begriff geprägt. Seit zwei Jahren lesen wir immer wieder, wir sollten von den Besten lernen. Alles richtig, denn viele, denen ich erklärt habe, wie wichtig die Macht des Vorbildes ist, erkannten unbewusst, aber schlagartig, wer keine Vorbilder hat, kann auch nicht zum Vorbild werden. Aber führen durch das Vorbild ist der sicherste Weg. Und da Erfolg eine Frage des Verhaltens ist, analysieren Sie einmal, durch welche Eigenschaften und Fähigkeiten wurden Ihre Vorbilder so brillant so genial, so erfolgreich. Automatisch können Sie jetzt vergleichen, wie verhalte ich mich, und was fehlt mir um genauso erfolgreich zu werden wie meine Vorbilder. Vorbilder weisen uns den Weg. Vorbilder zeigen uns, wie es sein wird, wenn wir am Ziel sind.

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Mark Zuckerberg Der jßngste Milliardär aller Zeiten

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Bild: Brian Tracy, Backhaus

Wissen Erfolg


Erfolg

Gross  genug denken D

Von Dr. Dr. Rainer Zitelmann ie Geschichte von Facebook, heute das mit großem Abstand erfolgreichste soziale Netzwerk der Welt, begann in der amerikanischen Elite-Universität Harvard. Der Name Facebook kommt von den sogenannten Facebooks, die die Studenten an manchen amerikanischen Universitäten zur Orientierung auf dem Campus erhalten. In diesen Facebooks sind andere Kommilitonen abgebildet. Harvard hatte allerdings kein einheitliches Facebook, wohl aber gab es Facebooks für die unterschiedlichen Häuser auf dem Campus. Wie gut sehen die Kommilitoninnen aus? Mark Zuckerberg studierte in Harvard Psychologie. Eher durch einen Zufall entdeckte er, wie attraktiv soziale Netzwerke sind und wie rasch sie sich ausbreiten können. Ende Oktober 2003 loggte er sich illegal in die Computer von Harvard ein, um die dort verzeichneten und abgebildeten Kommilitonen herunterzuladen. Eigentlich war es nur ein Spaß, denn er hatte ursprünglich nur die Idee, die Attraktivität der Harvard-Studentinnen von anderen Studenten vergleichen zu lassen. Er nannte diese Seite Facemash.com und mailte den Link dazu einigen Freunden. Als er nach einem Seminar auf sein Zimmer zurückkam, stellte er fest, dass sich sein Laptop aufgehängt hatte und nun als Server für Facemash.com diente. Zu seiner Überraschung hatte sich Facemash in rasender Geschwindigkeit verbreitet. Jemand hatte seine Mail an das Institut für Politik weitergeleitet, zudem erhielten Frauenorganisationen wie die Latina women’s issues

organization oder die Association of Black Women an Harvard die Mail mit dem Link, die das Ganze überhaupt nicht lustig und politisch absolut unkorrekt fanden. Mit ihrer Aufregung trugen sie allerdings ungewollt dazu bei, dass noch mehr Stu-

Binnen weniger als zwei Stunden­ hatte die Website ­bereits ­zweiundzwanzigtausend ­Stimmen verzeichnet. denten neugierig auf die Seite wurden. Facemash war auf einmal überall: „eine Website, auf der man jeweils zwei Bilder von Studentinnen vergleichen und darüber abstimmen konnte, welche von ihnen schärfer war. Anschließend konnte man zusehen, wie komplexe Algorithmen die schärfsten Bräute der Uni errechneten.

Man konnte zusehen, wie komplexe Algorithmen die schärfsten Bräute der Uni errechneten.

Bild links: Facebook, Cover: Redline Verlag

sh bedeutete. Er hatte nicht einfach Bilder von einigen hübschen Mädchen auf eine Website gestellt – von diesen Websites gab es Unzählige -, sondern Facemash hatte Bilder von Mädchen von Harvard auf die Seite gestellt, die die Studenten oft vom Sehen her oder sogar persönlich gut kannten. Zuckerberg entwickelte in den folgenden Monaten die Idee, mit einer Website bestehende soziale Netzwerke abzubilden; und zwar nicht nur mit Bildern, sondern auch mit Profilen und verschiedenen Applikationen. Jeder Benutzer sollte über eine Profil­ seite verfügen, auf der er sich vorstellen und Fotos oder Videos hochladen konnte. Auf der Pinnwand sollten Besucher öffentlich sichtbare Nachrichten hinterlassen oder Notizen bzw. Blogs veröffentlichen. Durch eine Beobachtungsliste sollte man über Neuigkeiten, z.B. neue Pinnwandeinträge auf den Profilseiten von Freunden, informiert werden. Zuckerberg nannte sein Projekt Facebook. Er erzählte seinem Freund Eduardo Saverin von der Idee, der gleich begeistert war. Da Zuckerberg 1000 Dollar für das Projekt brauchte, die er selbst nicht hatte, beteiligte er Eduardo mit 30 Prozent an dem Projekt. Kurz darauf kamen noch zwei weitere

Facemash hatte den Campus viral erobert. Binnen weniger als zwei Stunden hatte die Website bereits zweiundzwanzigtausend Stimmen verzeichnet. Allein in der letzten halben Stunde hatten vierhundert Studenten die Seite besucht“, heißt es in dem Buch Milliardär per Zufall. 30 Prozent Facebook für 1000 Dollar! Für viele andere Studenten wäre es bei diesem Computer-Streich geblieben, aber Zuckerberg begann darüber nachzudenken, was die rasante Ausbreitung von Facema-

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Auszug aus dem Buch „Setze dir größere Ziele“

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Bild links: Flickr/United States public domain, rechts: Flickr/Maurizio Pesce, Zitelmann: privat

Erfolg

Der ehemalige Außen­minister John Kerry lässt sich von Mark Zuckerberg das Unternehmen zeigen.

Studenten hinzu, Dustin Moskovitz und Chris Huges. Die erste Seite von Facebook begrüßte die Nutzer mit den Worten: „TheFacebook ist ein Online-Verzeichnis, das ein soziales Netzwerk zwischen Studierenden schafft. Wir stellen TheFacebook allen Studierenden der Harvard University zur freien Verfügung. Mit TheFacebook kannst du: Leute an deiner Uni finden – Andere Kursteilnehmer finden – Die Freunde deiner Freunde kennenlernen – Ein visuelles Abbild deines sozialen Netzwerks ansehen.“

denten beschwerten sich bei dem Direktor der Harvard-Universität, der jedoch den Standpunkt vertrat, die Studenten müssten diesen Streit unter sich erledigen. 2004, im Jahr der Facebook-Gründung, verklagten

Deutsch, Spanisch und Französisch angeboten, viele weitere Sprachen folgten kurz darauf. Bereits im Sommer 2010 wurde die magische Marke von 500 Millionen Facebooknutzern überschritten, und 2013 überschritt die Mitgliederzahl die Milliardengrenze. Allein in Deutschland hat Facebook inzwischen 30 Millionen Mitglieder. Zuckerberg betonte oft, dass er noch über kein fertiges Geschäftsmodell verfüge. Dies hatte er mit den Google-Gründern gemein. Zuckerberg war ebenso wie Larry Page und Sergej Brin der Meinung, genug Möglichkeiten zum Geldverdienen würden sich schon ergeben, wenn es erst einmal genügend Nutzer gäbe und man eine dominierende Marktstellung einnähme. Dieses Kalkül ging dann auch auf.

Zuckerberg betonte oft, dass er noch über kein fertiges Geschäftsmodell verfüge.

Streit um die Urheberschaft Die Domain von Thefacebook wurde am 12. Januar 2004 registriert. Doch kurz darauf bekam Zuckerberg Ärger, weil andere Studenten behaupteten, er habe ihnen die Idee gestohlen. Nach seinem FacemashStreich waren sie auf ihn zugekommen und hatten ihn gebeten, ihnen bei der Programmierung einer eigenen Website zu helfen. Sie hatten ihm dafür einen Quellcode zur Verfügung gestellt und behaupteten später, dies sei der eigentliche Ursprung für Facebook gewesen und Zuckerberg habe einen – allerdings nur mündlich geschlossenen – Vertrag gebrochen. Die Stu-

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die Studenten im Namen ihres Unternehmens ConnectU Zuckerberg wegen des vermeintlichen Diebstahls ihrer Ideen. Facebook teilte der Öffentlichkeit mit, man habe sich mit den Klägern geeinigt und dafür 65 Millionen Dollar gezahlt. Trotz dieser Streitigkeiten breitete sich Facebook rasant aus. Während zunächst nur Harvard-Studenten zugelassen wurden, gab man die Website bald auch für andere Studenten in den Vereinigten Staaten frei. Schließlich wurden auch Highschools und Unternehmen zugelassen. Im September 2006 konnten sich dann auch Studenten an ausländischen Hochschulen anmelden, und schließlich wurde die Seite für beliebige Nutzer freigegeben. Im Frühjahr 2008 wurde die Website auch in den Sprachen

Heute ist Facebook über 300 Milliarden Euro wert Dass mit Facebook irgendwann auch sehr viel Geld verdient werden könnte, davon konnte Zuckerberg schon frühzeitig zahlreiche Finanzierer überzeugen, obwohl erst 2009 die Einnahmen erstmals die Ausgaben überstiegen. 2004 begann es mit der bescheidenen Summe von 18.000 Dollar, die sein Freund Eduardo Saverin beisteu-

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Erfolg

erte Als Facebook im Mai 2012 an die Börse ging, erzielte das Unternehmen damit Einnahmen von rund 16 Milliarden Dollar und realisierte damit zugleich den bislang größten Börsengang eines Internet-Unternehmens. Auf Basis des Ausgabekurses von 38 Dollar je Aktie ergab sich ein Gesamtwert des Unternehmens von rund 104 Milliarden Dollar. Allerdings verlor die Aktie in den folgenden Wochen zunächst stark an Wert und im August 2012 hatte sich der Aktienkurs auf 19 Dollar halbiert. In der Folge erholte sich die Aktie jedoch wieder deutlich und heute liegt der Marktwert des Unternehmens bei 314 Milliarden Euro. Wie Larry Page und Sergej Brin gehört Zuckerberg zu einer neuen Gründer-Generation. Schon vom Outfit her will er sich bewusst vom etablierten Business absetzen. Am liebsten trägt er Badelatschen zu Jeans, grauem T-Shirt und Fleecepulli. Bei der VentureCapital-Firma Sequoia ist er sogar mal im Pyjama aufgetreten. Zuckerberg dazu: „Ich bin keine Ausnahme. Steve Jobs von Apple ist bei denen sogar ganz ohne Schuhe reinmarschiert.“ Die Facebook-Geschichte zeigt die Macht der Ideen, die sich heute dank des Internets in rasender Geschwindigkeit ausbreiten. Es genügt jedoch nicht alleine, eine richtige Idee zu haben, man muss auch groß genug denken, um damit wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Bei der Gründung von Facebook gab es schon viele soziale Netzwerke, aber Zuckerberg hatte erstens einige besondere Ideen, die die anderen nicht hatten, zweitens hatte er sich einen einprägsamen Namen für sein Projekt ausgedacht, und drittens gelang es ihm, in kurzer Zeit die Investoren zu finden, die bereit waren, ein Projekt ohne jeden Businessplan mit Hunderten Millionen Dollar zu unterstützen.

Am liebsten trägt er Bade­ latschen zu Jeans, grauem T-Shirt und Fleecepulli.

Bilder: Depositphotos, S. Bukley, CBS

Auf der jährlichen Facebook F8 ­Konferenz motiviert der Chef gerne persönlich seine Mitarbeiter.

Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist ein erfolgreicher Immobilieninvestor und mehrfacher Buchautor.

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Story

Mirja Boes Überholspur

Irgendwann trifft man sich am Rastplatz wieder

D

u scheinst schon als Schülerin gewusst zu haben, was du einmal machen würdest. Schauspiel hast du dann ja auch studiert. Bist du eine typische Künstlerin? Ne, ich sehe mich eher als eine Art Metzgerin in diesem Gewerbe. Ich weiß nicht so genau, was ist denn so eine typische Künstlerin? So ein bisschen verschroben, Geld ist egal und nicht von dieser Welt… Nein, das bin ich nicht. Ich bin ­relativ normal, so fröhlich normal.

Dann kann man auch viele Dinge machen, die nicht zwingend viel Geld abwerfen müssen. Man kann somit stark nach einem Spaß-Prinzip arbeiten, was auch viele Künstler tun. In meinem Fall ist es super, denn wenn du Spaß machst, solltest du auch Spaß haben und kannst am besten Spaß vermitteln.

kann und es mir ermöglicht wird, viel Abwechslung zu haben. Wenn ich ausschließlich für das Fernsehen drehen würde, dann wäre mir das irgendwann zu viel. Nur auf Tour zu sein ist auch sehr einseitig. Ich mag so ein schönes Gemisch. Dein aktuelles Programm heißt ja sogar „Für Geld tun wir alles.“ Tun viele Menschen etwas, das sie eigentlich gar nicht gerne tun? Ich glaube schon, da der Mensch so unaufmerksam mit sich selber umgeht. Ich sage immer, dass man mir kein Schmerzensgeld bezahlen kann, weil das sonst viel zu hoch, eine Phantasiesumme, wäre. Für mich gibt es das nicht, dass ich etwas nur wegen des Geldes mache, sondern ich arbeite nach dem Lust-Prinzip. Entweder mache ich es oder nicht. Da ist mir die Sache wichtiger als das Geld.

»Wenn du Spaß machst, solltest du auch Spaß haben und kannst am besten Spaß vermitteln.«

Geld verdienen die meisten Künstler mit ihrem Wirken nicht. Du hast damals recht schnell Anschluss gefunden. War dir das auch wichtig? Es ist angenehm, wenn das funktioniert.

Du bist ja Schauspielerin, Comedian, Sängerin. Was machst du denn am liebsten? Alles in dieser Reihenfolge. Ich bin froh, dass ich viele verschiedene Sachen machen

Bild: Jessica Wilkens

Hast du dir Erfolg immer so vorgestellt, wie du ihn heute erlebst? Den habe ich mir gar nicht vorgestellt. Ich mache mir schon immer wenig Gedanken darum, wenn ich Prominente sehe. Ich finde es immer noch total aufregend. Und wenn die Prominenten zu mir kommen, dann stalke ich die schon fast heimlich und sage: „Ich finde übrigens deine Sendung total super.“ Dann fällt mir erst wieder auf, dass ich eigentlich das gleiche beruflich mache.

Mirja Boes und Verleger Julien Backhaus im Gespräch.

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Was willst du unbedingt noch machen oder erleben? Super wäre, wenn es mit der Musik noch mehr knallen könnte, das mache ich jetzt auch erst seit zwei Jahren. Wenn ich mit der Musik nochmal einen Hit landen könnte, wäre das cool. Wenn ich singen kann, macht mir das wahnsinnig viel Spaß. Andererseits ist es auch schön, so wie es

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Derzeit ist Mirja Boes mit dem Stand-Up und Gesangs-­Programm „Für Geld tun wir Alles!“ auf Tour.

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Bild: Nadine Targiel

Bild: Ismail Gök

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jetzt ist. Wenn ich die Tour noch über ein paar Jahre genauso weiterfahren kann, dann ist das gut. Ist denn die Musik eine neu gewonnene Liebe? Die Musik war sogar meine ursprüngliche Tätigkeit. Ich habe Musical studiert und komme aus der Musik. Im Prinzip ist das für mich gerade total super, dass ich das zusammenfassen kann. Was ich jetzt mache ist die logische Konsequenz, da sich beides wiedertrifft.

immer, ich sei nerdartig authentisch. Im Bühnenprogramm ist es mir total wichtig und darin liegt auch mein größter Erfolg, dass ich einfach ich bin. Ich weiß, dass ich am besten bin, wenn ich meine eigenen Geschichten erzähle. Wenn ich eine Rolle spiele oder etwas drehe, dann ist es eine andere Hausnummer. Man sieht ja im Fernsehen heutzutage nur das Endprodukt von den Leuten, die erfolgreich sind und nicht die Rückschläge, mit denen sie zu tun hatten. Hattest du

sehr viele Nominierungen und mein Vater hat irgendwann mal gesagt: „Du bist jetzt seit 2002 durchnominiert und es ist total super und eine konstante Leistung, immer eine von den Dreien zu sein.“ Es gibt viele, die an mir vorbeiziehen, abbiegen oder den Blinker setzen und Hallen mit 6000 Menschen füllen. Ich schwimme da in einem gesunden Mittelmaß für mich. Die anderen beneide ich auch nicht, wenn die den Blinker setzen und an mir vorbeischießen. Dann tuckere ich weiter mit meiner Ente auf der Autobahn, aber irgendwann trifft man sich am Rastplatz wieder.

»Ich bin einfach ich. Darin liegt mein ­größter Erfolg.«

Warum stehst du denn überhaupt auf der Bühne? Weil es Spaß macht. In der jetzigen Zeit bin ich sehr dankbar dafür, dass ich die Leute zum Lachen bringen kann. Ich bin auch stolz darauf, dass ich es schaffen kann, zwei Stunden lang die Menschen vom Elend ablenken zu können. Was natürlich nicht heißt, dass es danach nicht mehr da ist. Aber es ist auch mal ganz schön, vom Stress eine Auszeit zu haben und einfach mal ganz entspannt zu genießen. Das klingt so, als wärst du abseits der Bühne ein ernsthafter Mensch. Trifft es dich, was da draußen los ist? Es trifft einen natürlich schon, aber ich bin nicht jemand, der die Tageschau noch stundenlang mit sich rumschleppt. Ich hake die dann irgendwann ab. Die Dinge, die ich bewirken kann, tue ich. Wo ich nichts ändern kann, verzweifle ich auch nicht darüber. Es bringt nichts.

Bild: Nadine Targiel

Hast du eine persönliche Erfolgs­ philosophie? Bei meinem Bühnenprogramm ist die Philosophie die, das ich darüber spreche, was ich automatisch verfolge. Mein Autor sagt

sowas? Rückschläge, wo du dich gefragt hast, warum du das eigentlich machst? Nein, ich glaube nicht. Ich sage immer, wenn es die Erfolgsleiter gibt, dann sehe ich mich da in einer angenehmen Höhe. Ich kann alles überblicken, aber sie bricht mir nicht das Rückgrat, wenn ich stürze. Das ist auch immer so geblieben. Es gibt einige Kollegen, die viele Comedypreise haben. Ich habe sehr wenige, aber dafür

Es klingt so, als ob du kein krankhaft ehrgeiziger, sondern ein genügsamer Mensch bist. Ja, das bin ich auch. Natürlich wäre es schön, mit dem Song irgendwas zu landen. Aber das ist das Tolle, wenn man nicht ganz durch die Decke geknallt ist: Man hat immer viel Platz zum Träumen und Überlegen, was noch kommt oder was passiert. Es gibt keinen konkreten Plan, aber dadurch hat man noch viele Türen offen, durch die ich noch gehen könnte. Das größte Gut, dass man an die Kinder vermitteln kann, ist die Leichtigkeit am Leben. Das Glas ist halb voll und nicht halb leer. Das Witzige daran ist, dass mein größerer Sohn eher ein bisschen der Grübler ist, bei dem man dann als Mutter loslassen und sagen muss: „Der hat seinen Platz, der wird das schon irgendwie machen. Er ist halt anders als du.“ Und witzigerweise war ich in der Kindheit ähnlich. Auch ein bisschen zwanghaft in manchen Dingen und ich hatte immer bestimmte Rituale. Aber der kleinere, der springt durch die Gegend und tritt gegen Schienbeine, wenn ihm irgendwas nicht passt.

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Einstellung

Erfolg ­beginnt im Kopf

Das Geheimnis erfolgreicher Frauen

Seien Sie mutig wie Cathy O`Dowd, Extremsportlerin und Schriftstellerin. Sie bestieg 1999 als weltweit erste Frau den Mount Everest sowohl von der Nord- als auch von der Südseite. Sie bewies nach zwei Fehlversuchen mit ihrer Erstbesteigung Mut, Durchhaltevermögen und ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Denn ihr ursprünglich achtköpfiges Team zerfiel schon vor dem Aufstieg. O`Dowd hielt durch – und motivierte ihr

Seien Sie entschlossen wie Liz Elting, Mitgründerin und Geschäftsführerin von TransPerfect, eines der größten Übersetzungsunternehmen der Welt. Als Elting mit Mitte 20 feststellt, dass sie in ihrem Job als Frau keine Perspektiven zur Weiterentwicklung hat, entschließt sie sich zur Selbstständigkeit als Übersetzerin. Schnell expandiert ihr Unternehmen, heute beschäftigt sie mehr als 2.000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Ihr erster Job hatte sie eine wichtige Lektion gelehrt: Verantwortung fürs eigene Schicksal übernehmen. Elting: „Wir alle haben das Potential, Großes zu erreichen, doch das alles bekommt man nicht durch Zufall — es geschieht durch Mumm und Entschlossenheit, und dadurch, dass

Antje Heimsoeth

ist Mental und Business Coach, Speakerin und Bestsellerautorin.

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man seine Komfortzone verlässt.“ Elting vertraute auf ihre Fähigkeiten, schätzte sich selbst wert und war bereit, Risiken einzugehen: „Obwohl ich mir dessen nicht immer bewusst war, waren es jene Entscheidungen, mit denen ich mich außerhalb meiner Komfortzone bewegt habe — hinein in diese Herzklopf-Momente, oft begleitet von Unsicherheit und Zweifeln — die letzten Endes meine Karriere, mein Leben und wer ich heute bin, bestimmt haben.“ Seien Sie zielstrebig wie Danièle Nouy, Chefin der Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank. Als sich Nouy Anfang der 70er Jahre für einen Posten in der Generalinspektion einer französischen Großbank bewarb, wurde sie abgewiesen. Begründung: Frauen sind hier nicht zugelassen. Seit 2014 wacht die Französin nun über mehr als 100 Großbanken in Europa. Auf ihrem Karriereweg konnte Nouy stets auf ihr privates Umfeld bauen: Ihr Mann steckte beruflich zurück, als sich Nouy entscheidende Chancen boten. So gab er die operative Geschäftsführung einer Versicherung ab, als seine Frau für den Chefposten der auch für Versicherungen zuständigen Finanzaufsicht ACPR nominiert wurde. Nouy sagt heute: „Ich denke, eine Karriere baut sich auf Chancen und Möglichkeiten auf, und jeder sollte sie nutzen können. Frauen sollten an sich selbst glauben und hart arbeiten. Natürlich besteht da für uns das Problem, dass viele immer noch zwei Jobs haben, die Familie und die Arbeit. Und in diesem Fall ist es vielleicht das Wichtigste, einen Ehemann oder Partner zu haben, der dich und deine Entscheidungen unterstützt.“

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Bild: O‘Dowd

Team, mitzuziehen. Das Team entpuppte sich neben den Naturgewalten als die größte Herausforderung. O`Dowd reagierte flexibel auf äußere Gewalten wie Schnee, Eis, Sturm, Unfälle und Verluste. Nie verlor sie dabei ihr Ziel nicht aus den Augen. Sie hatte sich gut vorbereitet, schätzte Risiken richtig ein, verkraftete Rückschläge und wirtschaftete sorgfältig mit ihren Ressourcen. Diese Aspekte spielen nicht nur am Berg, sondern auch in den Fluren von Unternehmen eine entscheidende Rolle für den Erfolg.

Bild: privat

„G

anz und gar man selbst zu sein, kann schon einigen Mut erfordern“, sagte einst die italienische Schauspielerin Sophia Loren. Das scheint immer noch besonders auf Frauen zuzutreffen, auch außerhalb der Filmindustrie. Einer der weiblichen Stolpersteine auf dem Weg an die Spitze ist der Wunsch, von allen geliebt zu werden und es möglichst vielen recht zu machen. Frau will im Job genauso gut sein wie als Mutter, Geliebte, Ehefrau, Freundin, Tochter oder Schwester. Stets auf der Suche nach Anerkennung, gibt sie alles – und manchmal sich selbst und ihre ursprünglichen Ziele dabei auf. Auch Jahrzehnte nach der aktiven Frauenbewegung braucht es eine Quote, um die Präsenz weiblicher Führungskräfte in Deutschlands Chefetagen zu erhöhen. Lore Maria Peschel-Gutzeit, einst erste weibliche Justizsenatorin in Hamburg und Berlin, sagt deshalb: „Wenn alle Frauen Führungspositionen scheuen, bleibt es die nächsten 3.000 Jahre so.“ Was braucht es also, um als Frau in die erste Reihe zu streben und auch dorthin zu gelangen? Diese Frauen kennen die Antwort:

Cathy O‘Dowd an den Hängen des Mount Everest, den sie als erste Frau sowohl von der Nordals auch von der Südseite bezwang.


Story

Wer nicht kämpft hat schon verloren Alexander, auf der Ringermatte bist du fen, also selbst daran arbeiten, dass etwas ja ein geduldiger Taktiker, der auf sei- passiert. Es heißt ja „je mehr ich trainiene Chance warten kann um dann blitz- re, desto mehr Glück habe ich“. Man muss schnell anzugreifen. Spiegelt das auch den Gegner aus der Reserve locken, einen Täuschungs­angriff machen, sodass er vieldein Leben? Ich bin jemand, der da sehr geduldig auf leicht einen kleinen Fehler macht, der sich seine Chance wareventuell ausnutzen ten kann. Ich bin lässt. »Man muss die guten eher ein Verteidiund günstigen Situationen Wenn du zurückgungsringer, kein selbst hervorrufen.« typischer Angriffsdenkst, wann kam bei ringer. Ich nutze die dir der Entschluss, Angriffe des Gegners zum Gegenangriff. dein Leben dem Ringen zu widmen? Ich bin auch im normalen Leben keiner, Hast du das je bereut? der irgendjemanden verbal oder körper- Mein Vater und mein älterer Bruder sind lich angreifen würde. Ich kann eher auf Ringer. Ich habe auf der Ringermatte schon Provokation reagieren. Man kann aber das Krabbeln und Laufen gelernt. Mit fünf nicht einfach immer nur warten, sondern habe ich dann im Verein angefangen zu seine Aktionen auch vorbereiten. Im Ge- ringen. Als ich mit nicht mal elf auf den schäftsleben ist es ähnlich wie auf der Mat- Deutschen Meisterschaften antreten durfte. Die Kunst besteht darin, die guten und te und prompt Deutscher Meister wurde, günstigen Situationen selbst hervorzuru- wusste ich, das ist genau mein Sport.

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Es ist so ein bisschen wie Schach mit dem eigenen Körper. Schritte vorausplanen, darauf warten, was der Gegner tut, den Gegenangriff starten, in dem Wissen, dass ihm darauf nur drei Varianten zu reagieren bleiben - man muss immer schon weiterrechnen in jeder Variante. Wer da immer einen Tick schneller im Kopf ist und entsprechend in der Reaktion, hat auch Chancen, größere, schwerere, stärkere Ringer zu besiegen. Meine Gegner, auch international, waren deutlich muskulöser und am Ende habe doch ich mit Technik gewonnen. Das macht unheimlich Spaß! Usbekistan 2003. Gerade noch topfit, plötzlich ein Wrack, eingesperrt in einen Körper, der nicht mehr funktioniert, keine Gewissheit, wieviel sich wieder regenerieren wird. Wie schafft man es in einer solchen Situation, den Mut zum wieder aufstehen zu finden?

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Story

Bilder: Links: Nicole Schreck, rechts: BUKO, Cover: Alexander Leipold

In der akuten Situation, wenn man nicht sprechen und sich nicht bewegen kann, ist man nah am Verzweifeln. Ich war klar im Kopf, konnte aber meine Fragen und Antworten nicht formulieren. Der Arzt sagte: „Heben Sie doch mal das Bein“, und es funktionierte nicht. Dabei hatte ich grade noch in Usbekistan bei einem Länderkampf international starke Gegner besiegt. Das war schon sehr deprimierend. Das nächstliegende Ziel war ein normales Leben führen zu können, mich selbst anziehen, waschen, Zähne putzen und selbständig essen zu können. Ich wollte gerne wieder mit meinem Sohn spielen können. So normale Dinge wie Wandern, Radfahren, Tischtennis spielen – für mich ein ganz großes Ziel! Natürlich hatte ich im Hinterkopf, ich will auch wieder Ringer sein. Ich bin schon in früheren Jahren mit Rückschlägen fertig geworden. Das half mir ein bisschen über die Trainingstage zurück zu den Olympischen Spielen, zurück ins Leben. Auf dem Weg zur Wettkampf-Fitness gab es doch garantiert Rückschläge, Zweifel und Leute, die dir zugeredet haben, es gut sein zu lassen. War es schwer, diese Stimmen hinter sich zu lassen? Wie wichtig sind da Meinungen aus dem engsten Kreis? Natürlich hätte ich mit dem Ringen aufhören können. Aber ich habe in der Reha gemerkt, dass es unheimlich schnell aufwärts ging und mein Körper und Geist hatten das Ziel „zurück zum Wettkampf “. Ich habe in meinem Umfeld Menschen, wie etwa meinen Physiotherapeuten, der gesagt hat: „Du kannst es wieder schaffen.“ Auch mit Reittherapie – ich habe einfach mehr gemacht als vielleicht der Ottonormalverbraucher, der nur wieder ins Büro zurück will. Es gab auch Stimmen die warnten. Ich wollte kein Risiko eingehen, ein Pflegefall zu werden. Man spielt mit seinem Leben nicht auf Risiko. Aber nachdem mir die Ärzte gesagt haben, Ringen schade mir nicht und Sport wäre sogar gut, im Prinzip eine Reha-Maßnahme, habe ich gesagt, „in Ordnung, dann werde ich weiter Ringen.“ Ich wollte gegen den Virus, der mir die Entzündung im Kopf eingebracht hat, noch einmal kämpfen und Sieger sein. 2005 habe ich dann nochmal den Weltmeister in meiner Altersklasse gemacht. Aber wie war das davor, bei deinem ersten Wettkampf nach der Krankheit? Mit welchen Gefühlen und Erwartungen geht man da auf die Matte raus? Ich bin direkt vom Rehazentrum zum Wettkampf nach Schifferstadt gefahren, wo ich in der Bundesliga gerungen habe. Dort gab es ein organisiertes Comeback mit den German Tenors, die mir ihr Lied

Alexander Leipold Alexander Leipold holte im Freistil Ringen 21 Deutsche Meisterti­ tel, vier Europameistertitel und gewann zwei Weltmeisterschaften. Er wurde Sieger der Olympischen Spiele 2000 in Sydney.

2003 erkrankte er in Usbekistan an einem Virus, infolge dessen er drei Schlaganfälle in einer Woche erlitt. Halbseitig gelähmt, ohne Sprache begann er den Kampf zurück ins Leben. Knapp zwei Jahre später gewann er den Weltmeister­ titel der ­Masters 2005.

Da waren die Gegner von den „Alex, Alex“ Anfeuerungsrufen wohl auch schon ein bisschen eingeschüchtert. Ich war eben schon einer der besten Deutschen zu meiner Zeit, national beinahe konkurrenzlos. Es hätte auch nichts ausgemacht, wenn ich noch eine Woche länger Pause gemacht hätte. Allerdings sind wir ja auf der Matte sehr fair. Wir kämpfen miteinander, geben uns vorher und nachher die Hand und dann ist es auch gut. Deshalb macht es auch so viel Spaß. Als Referent plädierst du dafür, zu kämpfen und an sich selbst zu glauben. Wieviel Realismus und wieviel Optimismus ist nötig, um ans Ziel zu kommen? Man muss seine Träume in ein Ziel umwandeln und dieses Ziel muss sehr realistisch sein. Es darf nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern. Es demotiviert, sich sagen zu müssen: „Das schaffe ich doch gar nicht“, ob im Alltagsleben, für Firmenmitarbeiter, Führungskräfte, für die Schule oder auch im Sport. Wenn jemand heute anfängt zu joggen und nächste Woche einen Marathon laufen möchte, dann ist das unrealistisch. Wenn ich aber einen Dreijahresplan mache und erst einmal mit fünf Kilometern, dann zehn anfange und dann sehe, wie das weiter läuft, sieht das ganz anders aus. Man sollte also optimistisch sagen: „ich setze mir immer eine realistische Obergrenze, nur knapp über dem Level, das ich schon habe.“

Von 2005 bis 2012 warst du Bundestrainer der Freistilringer. 2014 sah man dich auf dem Tanzparkett. Womit beschäftigst du dich derzeit? Hauptsächlich bin ich Einkäufer und Disponent in einem mittelständischen Unternehmen. Dann bin ich Vater. Mein Großer spielt Tischtennis, mein Kleiner spielt „Glaub an dich“ gewidmet und dort ge- Fußball im Nachwuchsleistungszentrum sungen haben. Es waren auch garantiert bei Victoria Aschaffenburg. Wir sind recht 500 Zuschauer mehr als sonst da, die sich oft wegen Training, Wettkämpfen oder einfach nur gefreut haben, dass ihr Ringer Spielen unterwegs. Das ist mir ganz wichtig. Ein anderes Steckenpferd wieder zurück ins Leben gekommen ist. Mein Bundes- »Man geht nicht ist meine Botschaftertätigkeit für die Deutsche Schlagtrainer, Sven Ottke und ganz verletzt auf die anfallhilfe. Daneben halte viele andere Bekannte waren da, um mich moralisch und Matte, sondern ich Motivationsvorträge zu wie „Wie setze ich mental zu unterstützen. Es nur gesund und Themen Ziele?“, oder „Wie geht man gab Sprechchöre „Alex, Alex“, dann will man mit Rückschlägen um?“. Es da hatte ich schon Tränen in den Augen. natürlich auch gibt ja oft Veränderungen im Leben, mit denen man umNach den ersten 10-20 Sekunden übernimmt der noch gewinnen.« gehen lernen muss. Dann mache ich noch Spiel­ Kämpfer Alex. Weltmeister und Schlaganfall egal, man steht auf der events mit Ringen, auch das Ringercamp Matte und will sein Bestes geben, konzen- Robinson. Da kommen Menschen, die triert und fokussiert auf den Wettstreit. Ich noch nie gerungen haben, denen ich dort habe versucht, den Kampf so gut zu über- diesen fairen Kampfsport vermitteln kann. stehen, wie es unter den Umständen ging, Das ist ja, wie man so schön sagt, „Funcund habe auch eine ganz gute Leistung ab- tional training“, also Training mit dem eigenen Körper. Da ist genug zu tun. geliefert.

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Story

YouTube-Star Freshtorge

Alles Quatsch! Torge, seit 2006 machst du YouTube und seit 2009 hast du deinen aktuellen Kanal Freshtorge. Wie bist du damals dazu gekommen YouTube zu machen? Also eine Erfolgs-Idee hatte ich nicht dahinter. Ich habe auf Partys viel gefilmt und das

Ich habe tatsächlich noch alte Aufnahmen von mir als Kind, als meine Eltern mich filmen mussten. Zum Beispiel habe ich mir da einen komischen Reporter ausgedacht, der aus allen Ländern irgendeinen Quatsch erzählt. In der Grundschule wollte ich auch immer alle Rollen spielen, wenn wir Theater gemacht haben. Auf der weiterführenden Schule war ich dann in der Theater AG. Mit der von mir gegründeten Musical AG haben wir fünfsechs Jahre Musicals gemacht. Ich hatte schon eine Veranlagung dazu.

»Dass man überhaupt mal mit dem Quatsch Geld verdienen und davon leben könnte, hätte ich nie gedacht.« für Freunde hochgeladen. Erst dann habe ich so langsam gecheckt, dass sich das auch andere Leute ansehen können und nicht nur die, denen ich das schicke. Dass YouTube eine weltweite Plattform ist, habe ich später so langsam verstanden. Irgendwann kam die Idee, einen Sketch hochzuladen, weil ich schon als Kind immer viel rumgeblödelt hab. Da fing ich an zu verstehen, was dahinter überhaupt so steckt.

Du hast jetzt auch schon in ein paar Filmen mitgespielt, wie „Er ist wieder da“, hattest bei „Ice Age“ eine Sprechrolle. Wie bist du dazu gekommen? Bei „Er ist wieder da“ hat der Regisseur mich irgendwann angerufen. Den kannte ich vorher gar nicht und wusste auch nicht,

Du hast mittlerweile auf deinem Account etwas mehr als 2 Mio. Abonnenten. Hast du jemals mit sowas gerechnet? Dass man überhaupt mal mit dem Quatsch Geld verdienen und davon leben könnte, hätte ich nie gedacht. Gerade weil ich ja nicht die Idee hatte, damit so erfolgreich zu werden oder dass das mein Beruf wird. Die ersten zwei bis drei Jahre gab es die Youtuber Torge Oelrich im Gespräch mit Jessica Wilkens. Monetarisierung auf YouTube noch gar nicht. Da konntest du mit den Videos wo der meine Nummer her hatte (lach). An noch gar kein Geld verdienen. Dass es jetzt „Ice Age“ bin ich über Otto gekommen, mittlerweile 2 Mio. Abonnenten sind, das der ja schon seit Jahren den Sid spricht. ist schon krass. Für den neuen Film waren ein paar Rollen zu besetzen und Otto hat mich vorgeschlaDu hast ein paar erfolgreiche Figuren in gen. Nach der Testaufnahme in Hamburg die du reinschlüpfst, wie Sanda oder Ron- habe ich noch am selben Tag eine e-Mail ny. Hast du schon immer gerne geschau- bekommen, dass die mich gerne nehmen spielert? Wie kamst du auf diese Figuren? wollen. Später, bei den Aufnahmen in Ber-

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lin, hat es ganz toll geklappt und wahnsinnig viel Spaß gemacht. Mittlerweile hast du auch deinen eigenen Film namens Kartoffelsalat gedreht. Wie kommt man darauf einen eigenen Film drehen zu wollen und wie kamst du auf die Geschichte? Ich kann hier mal klarstellen, es waren nicht die Drogen, ich war komplett nüchtern. Es war tatsächlich mein eigener Kopf. Die Ursprungsidee war, ein ganz langes Video mit nur mit ein paar YouTubern zu machen. Das nahm über die Wochen solche Ausmaße an, dass jemand vorschlug, dass wir ein paar Schauspieler anfragen könnten und die haben dann auch wirklich zugesagt. Martin (Maddin) Schneider beispielsweise, mit sowas habe ich überhaupt nicht gerechnet. Eigentlich war das nur so ein Witz. Es haben immer mehr Leute zugesagt und daraus entstand die Idee, das Ganze ins Kino zu bringen. Auf die Anfrage hin waren die gleich Feuer und Flamme. Es wurde immer größer und ehe wir uns versahen, hatten wir ein Kinofilm am Start. Der Name sollte nicht seriös sein, da es ein QuatschFilm ist und wir kein Kino können. So kamen wir auf „Kartoffelsalat“. Deshalb ist es ein bisschen schade, dass einige das dann so ernst genommen haben. Wir dachten eigentlich, dass wir mit dem Titel alles klargestellt hätten. Das ist auch so typisch deutsch. Sich über Sachen aufzuregen und zu nörgeln. Das ist einfach ein Quatsch-Film, er heißt Kartoffelsalat, was haben die Leute erwartet? (lach) Du hast schon zahlreiche Songparodien gemacht, mittlerweile auch drei eigene Songs. Warst du schon immer sehr musikalisch? Singst du gerne? Ich bin komplett unmusikalisch, was In-

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»Behaltet unbedingt euren alten Freundeskreis und diejenigen, die euch kritisieren.«

strumente angeht. Das finde ich sehr schade. Ich hatte nie die Möglichkeit ein Instrument zu lernen. Aber ich singe total gerne, zwar nicht besonders gut, aber das passt ja auch bei Comedy. Mir macht es auch immer wieder sehr viel Spaß, einfach eine kleine Abwechslung zu den typischen YouTube Videos, die ich mache. Deswegen gibt es bis jetzt auch nur drei Songs. Mit dem einen Song hat es tatsächlich geklappt auf Platz 14 in die Charts zu kommen. Wie auch immer das passiert ist. Du hast dieses Jahr die Goldene Kamera im Bereich Comedy gewonnen. Was war dein erster Gedanke als du gehört hast, dass du nominiert bist? Ich dachte die verarschen mich (lach). Als ich die e-Mail bekam, habe ich sie nur überflogen und dann wieder weg geklickt. Abends habe ich das dann meiner Freundin erzählt, die meinte, dass ich mal darauf antworten soll. Daraufhin habe ich

einfach mal zurückgeschrieben. Bei dem Staraufgebot habe ich mir keine weiteren Gedanken gemacht zu gewinnen. Ein paar Monate später sollte ich nach Berlin zur Show kommen. Dass es dann tatsächlich mit dem Gewinn geklappt hat, war schon echt Wahnsinn, damit habe ich echt nicht gerechnet. Die jungen Leute nehmen sich auch oft ein Beispiel an YouTubern. Was ist dein Rat an die jungen Leute, die auch erfolgreich werden wollen. Ich lerne sehr viele junge Leute kennen, die auch YouTuber werden möchten. Viele

Bilder: Jessica Wilkens

Freshtorge, bürgerlich Torge Oelrich ist ein deutscher Comedy-YouTuber mit rund 2.1 Mio. Abonnenten und 290 Mio. Klicks auf seinen Videos.

habe ich immer noch in meinem Beruf gearbeitet. YouTube ist sehr gefährlich. Du hast keinen richtigen Arbeitgeber. Wenn die von heute auf morgen die Werbung abschalten, dann interessiert die das in Los Angeles nicht. Um da überhaupt was verdienen zu können, braucht man ein paar Tausend, wenn nicht sogar ein paar Millionen Aufrufe im Monat. Viele heben mit dem Erfolg ab und denken, sie wären etwas Besseres. Das ist wirklich schrecklich. Ich kann nur empfehlen: Behaltet unbedingt euren alten Freundeskreis und diejenigen, die euch kritisieren. Das sind die wahren Freunde. Das tut manchmal vielleicht etwas weh aber die sind wenigstens ehrlich. Bei denen, die immer nur sagen wie toll alles ist, was du machst, hebt man dann auch mal ab. Bezug zur Heimat ist vielleicht auch noch ganz wichtig. Nie zu vergessen wo man herkommt. Ich glaube, wenn man das so berücksichtigt, hat man eine ganz gute Chance auch weiterhin auf dem Boden zu bleiben.

»Das ist auch so typisch deutsch, sich über Sachen aufzuregen und zu nörgeln. « überlegen die Schule abzubrechen, um sich darauf zu konzentrieren. Um Gottes willen, macht das nicht! Selbst in den Zeiten, als ich schon 1,6 Mio. Abonnenten hatte,

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Karrierefaktor Souveränität WertVoll entscheiden in Beruf und Alltag

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Bilder: Theo Bergauer

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Karriereexperte Theo Bergauer spricht mit Gentleman­Boxer Henry Maske zu diesem Thema.

H

enry, du hast in Deutschland das Boxen salonfähig gemacht, hast am und im Ring wie kein anderer Souveränität bewiesen. Über viele Jahre hinweg hast du nicht nur generell ein hohes Fitnesslevel gehalten, sondern vor einem Kampf noch einmal alle Kräfte auf dieses Ereignis ausgerichtet, hast trainiert – Stunde um Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche. Ich habe deine Disziplin immer bewundert. Woher nimmst du die Kraft für dein Engagement? Ich denke, bis ans Äußerste seiner Kräfte zu gehen, wie bei ei-nem Boxkampf und schon in der Vorbereitungsphase, u. a. durch hartes und diszipliniertes Training, erfordert eine große Leidenschaft. Diese Leidenschaft verwende ich ebenso außerhalb des Rings. Nicht nur dort kämpfe ich für den Sieg, sondern auch in meiner Stiftung für Jugendliche, als Unternehmer und nicht zuletzt als Mitglied meiner Familie, in der ich natürlich für das Glück meiner Frau und unserer Kinder kämpfe. Wichtig ist, dass du für dich entscheidest, für was es sich lohnt, einen persönlichen Einsatz zu bringen und dann – ohne wenn und aber – dein ganzes Denken und Tun einbringst.

gegenüber Wort gehalten. Auch, wenn es in diesem Moment sehr schwer für mich war. Aber ich hatte noch andere Ziele im Leben. Aber dann kommt irgendwann, Jahre später, immer wieder der Gedanke: „Du hast deine Boxerlaufbahn nicht so beendet, wie du es eigentlich wolltest.“ oder „Wer weiß, vielleicht könntest du es doch noch einmal packen?“ und irgendwann auch der Entschluss „Du kannst Virgil Hill besiegen!“ und dann gab es für mich nur noch ein großes Ziel: Diesen Kampf zu gewinnen – zuerst natürlich gegen mich selbst, denn bei aller guten Fitness bedeutet es natürlich schon noch einmal eine enorme Anstrengung und eiserne Disziplin, mit 42 und nach 10 Jahren Abwesenheit vom Profi-Boxen wieder in den Ring zu steigen.

»Du kannst jedem etwas vormachen, nur dir selbst nicht.«

Das Thema Wort halten ist hier z. B. ein wichtiges Stichwort und ich bin auch heute noch erstaunt, wie sehr du immer wieder zu deinem Wort stehst. Wenn ich eines über mich selbst sagen kann, dann das: Ich stehe zu meinem Wort! Oder habe zumindest den Anspruch, es zu tun. Theo, du kannst vielleicht jedem anderen, der dich nicht so gut kennt, etwas vormachen, nur dir selbst nicht. Ich wollte und will mir selbst nicht wortbrüchig werden. Da musste ich natürlich gerade in meiner Zeit als aktiver Sportler, der im Rampenlicht steht und bei dem das Medieninteresse entsprechend groß ist, aufpassen, dass ich manchmal nicht zu viel hinausposaunt habe.

Und du hast die Sensation geschafft! Und damit wieder einmal bewiesen, dass du den Imagewandel im Boxsport über dein ganzes aktives Boxerleben und darüber hinaus entscheidend geprägt hast. Max Schmeling hat einmal über dich gesagt: „Sein Auftreten, sein Verhalten, nicht zuletzt auch außerhalb des Rings, imponieren mir. Mit ihm kommt der Boxsport zumin-dest gedanklich von St. Pauli weg. … mit ihm hat der deutsche Profiboxsport endlich wieder eine echte Identifikationsfigur.“ Wenn eine Box-Legende wie Max Schmeling einem eine solche Achtung und Wertschätzung entgegenbringt, dann ist das natürlich etwas ganz besonderes und ich bin sehr stolz darauf. Als ich selbst mit sieben Jahren zum Boxsport kam, wurde ich durch ein Umfeld von engen Bezugspersonen geprägt, das mich von Kindheit an in besonderer Weise unterstützte und mir den nötigen Halt für meine Karriere aber auch meine persönliche Entwicklung ermöglichte. Ich betrachte es immer noch als das größte Glück meiner Karriere, durch den Boxsport nicht nur früh das gefunden zu haben, was mich begeisterte, sondern auch die Menschen, die mir halfen, meine Vision zu verwirklichen.

Viele haben ja nicht verstanden, warum du nach 10 Jahren noch einmal in den Ring gestiegen bist, obwohl du zuvor dei-nen endgültigen Abschied verkündet hattest. Bei meinem ersten Kampf gegen Virgil Hill 1996 hatte ich zuvor entschieden, das wird heute mein letzter Kampf und – trotz Niederlage – habe ich mir und meiner Familie

Henry, gibt es ein besonderes Geheimnis deines Erfolgs – im Boxring und darüber hinaus? Es gibt da kein Geheimnis. Es war viel einfacher: Ich habe in all den Jahren mein Ziel nie aus den Augen verloren. Wer ein klares Ziel hat, der kann immer noch stolpern, aber er stolpert nicht so schnell wie andere. Das ist vielleicht die wichtigste Erfahrung,

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die ich in meiner Karriere gemacht habe. Mein Ziel hat mich immer motiviert, und diese Motivation hat ungeheure Energien freigesetzt. Aber ich habe auch gelernt, dass selbst die beste Motivation nichts nützt, wenn der Wille zur Leistung nicht da ist. Wenn du etwas wirklich will und alle Hebel dafür in Bewegung setzt, dann kannst du es auch schaffen. Dann stehst du immer wieder auf, wenn du einmal gefallen bist, und gehst unbeirrt weiter, bis du das Ziel erreicht hast. Vielen Dank für das Gespräch! Theo Bergauer ist Souveränitäts-Experte und ist seit 25 Jahren als Trainer und Coach für persönliche Entwicklung und unternehmerische Prozesse aktiv.

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Verarsch uns nicht! Wie zwei Karrieristen aus der Finanz­ industrie dem Hamsterrad entkamen 26

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Wissen Story

Z

wei Jungs, die sich aus der Fußgängerzone kannten, wollten Karriere in der Finanzindustrie machen. Eine abenteuerliche Reise, die von Missgunst, Selbstzweifeln und Lügen geprägt war. Viele solcher Geschichten enden nicht rosig. Die von Sven Flieshardt und Benjamin Parge nahm eine glückliche Wendung. Aus dem Blaumann in den Anzug Beide sind eigentlich gelernte Handwerker. Flieshardt schraubte im Mercedes-Werk und Parge stieg anderen als Dachdecker aufs Dach. Als Flieshardt in den Finanzvertrieb eingestiegen war, versuchte er, durch Direktansprache Menschen für sein Team zu gewinnen. Er trieb es so weit, dass er wildfremde Menschen in der Fußgängerzone von der Seite ansprach und mit einem knackigen Spruch versuchte, sie für einen Gesprächstermin zu begeistern. Umso erstaunlicher, dass diese Strategie tatsächlich Früchte trug. „Sven hat mich damals genau so angesprochen. Ich fand es arg seltsam, trotzdem machte es mich irgendwie neugierig. Was ich natürlich nicht wusste: Ich war der erste, den er sich getraut hat auf diese Weise anzusprechen. Wenn man sich überlegt, dass aus diesem verrückten Kontakt so ein großes Unternehmen geworden ist…“, erinnert sich Parge.

Bilder: Privat

Auf Kosten der Kunden Für beide war die Anfangszeit in dieser hartumkämpften Branche hart. Was beide zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten: Das sollte sich auch nicht mehr ändern. „Wenn man im Finanzvertrieb beginnt, will man den bereits Erfolgreichen nacheifern. Tolles Auto, toller Lifestyle, teure Partys. Was man nicht weiß, ist, dass alle mehr ausgeben als sie einnehmen. Pervers ist, dass das gewollt ist. Denn wenn die Berater in finanziellen Schwierigkeiten stecken, kann man sie besser lenken. Sie müssen laufen

wie im Hamsterrad, um ihre Provisionen zu verdienen. Oft auf Kosten der Kunden, denn denen werden dann Produkte angedreht, die viel Verdienst abwerfen, statt Sinn für den Klienten zu stiften“, weiß Flieshardt. Heute ist der Finanzprofi ehrlich genug zuzugeben, dass er damals bei McDonald’s einen besseren Stundenlohn hätte einfahren können. Aber für ihn hatte es im Nachhinein auch etwas Gutes. Er hat gelernt, mit großem Druck umzugehen und bescheiden zu bleiben. „Im Finanzvertrieb will jeder jeden verarschen. Für alle steht der eigene Vorteil

ist überrascht: „Was ich mit meinem Unternehmen allein im letzten halben Jahr erreicht habe, ist größer als alles, was ich in den letzten 13 Jahren geschafft hatte. Das Wissen von morgen Doch die beiden Unternehmer sind noch nicht am Ziel. Stillstand darf nicht sein. Die BizNet Class als Investorenzirkel will seinen Mitgliedern vor allem Wissen vermitteln und dabei helfen, ein eigenes Vermögen so aufzubauen, dass es auch Finanzkrisen überstehen kann. Eine Mammutaufgabe in diesen Zeiten.

Bei der Arbeit: Sven Flieshardt (links) und Benjamin Parge

an erster Stelle. Die meisten Leute in dieser Branche sind Blender und haben keine Rücklagen – genau wie ich jahrelang. Schlimmer aber ist, dass wir auch schamlos betrogen wurden von Geschäftspartnern. Zum Glück hatte das nie eine negative Auswirkung auf unsere Kunden. Aber wir haben viel über Menschen gelernt.“

»Im Finanzvertrieb will jeder jeden verarschen. Für alle steht der eigene Vorteil an erster Stelle.«

Die Neuorientierung Dann kam der Zeitpunkt, an dem beide die Nase voll hatten, in eingefahrenen Strukturen für doppelzüngige Führungskräfte zu arbeiten. Sie gründeten mit BizNet Class und IMFX zwei Unternehmen, die den Kunden ein ehrliches und transparentes Finanzmodell anbieten sollen. Parge ließ sich für die Planung von IMFX drei Jahre Zeit. „Eigentlich wollten wir neben unserer Vertriebskarriere erst mal schauen, ob wir mit diesen Unternehmensmodellen überhaupt eine Chance auf dem Finanzmarkt haben. Die Konkurrenz ist groß und wir sind keine klassischen Haifische. Aber die Kunden liebten unser Modell sofort. Wir machen klare Ansagen, zeigen, wo die Risiken liegen und wollen niemanden überzeugen. Die Kunden können sich selbst ein Bild machen“, sagt Flieshardt. Und auch Weggefährte Parge

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„Dieses Angebot trifft aber scheinbar genau den Zahn der Zeit, denn Woche für Woche kommen rund 100 neue Partner an Bord. IMFX bietet dem Kunden ein Vollautomatisches Handelssystem mit dem Know-how der 20 besten Trader der Welt. Das System ist bereits seit 10 Jahren

erfolgreich und man benötigt keine Vorkenntnisse. „Ich mag die Redewendung, Geld im Schlaf zu verdienen, selbst überhaupt nicht. Aber leider ist es die beste Beschreibung für den Service, der weltweit bereits ausgezeichnet funktioniert“, gibt Parge zu. Dreizehn Jahre Finanzindustrie hatten Einfluss auf die beiden Unternehmer, die, auch wenn ihre Unternehmen nicht zusammengehören, eine gute Freundschaft verbindet. Auch wenn die Erfahrungen selbst nicht immer rosig waren, führte der Weg trotzdem in die richtige und vor allem erfolgreiche Richtung.

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Wie Bono zum Milliardär wurde 28

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Der Sänger wurde durch seine Musik zum Millionär, doch seine Investments brachten ihm Milliarden ein

Bilder: 360bb, depositphotos/S_bukley/Jean Nelson

Von Tassia Brems Bono erreichte seinen Reichtum unter anderem durch sein früheres Investments in das soziale Netzwerk Facebook. Er gehört neben Fred Anderson, Bret Pearlman, Roger McNamee und Avie Tevanian zu den fünf Personen, die Elevation Partners führen. Bono hatte mit Elevation Partners für 210 Millionen Dollar Facebook-Aktien gekauft, was einem Anteil von etwa 2,3 Prozent entsprach. Er wurde durch den Börsengang zum Milliardär. Seine Facebook-Aktien sind laut der britischen Zeitung „Mirror“ inzwischen rund 1,3 Milliarden Euro wert. Rund 460 Millionen Dollar investierte Elevation Partners auch in den Handyhersteller Palm, was allerdings weniger erfolgZu der 1976 gegründeten irischen Rockband U2 gehören außer dem Leadsänger Bono der reich war. Als Palm von Hewlett-Packard Gitarrist The Edge, der ­Bassist Adam Clayton und Schlagzeuger Larry Mullen junior. übernommen wurde, erhielt Elevation Partners 485 Millionen und konnte sich so mit einem Plus von der Firma trennen. In den kanadischen Spieleentwickler ­Bioware und die amerikanische Pandemic Studios war Bono überwiegend ebenfalls dabei. von den Industriestaaten die Erhöhung investierte Elevation Partners 300 Milli- Er wurde vielfach geehrt. Im Jahr 2005 ihrer Entwicklungshilfen. onen Dollar. Bono verkauft seine Anteile ernannte ihn das Nachrichtenmagazine Im dem Buch „The Frontman“ rechnet der wieder und verdoppelte damit seinen Ein- „Time“ zur „Person des Jahres“ und 2013 irische Journalist Harry Browne mit Bono wurde er auf die Liste der einflussreichsten ab. Er mutmaßte, dass Bono seine Wohltäsatz. Prominenten gesetzt. tigkeit nur vorgibt, um den Kontakt zu den Schon seit den NeunziDie britische Königin Reichen und den Mächtigen zu pflegen. gerjahren macht Bono schlug ihn zum Ritter Er täusche nur vor, sich für politische und Schlagzeilen als Aktiund Frankreich verlieh soziale Zwecke einzusetzen, um das Leben vist für Bekämpfung der Reichen zu vervollständigen. ihm einen Orden. von Aids in Afrika und für einen SchuldenerDer Weg ganz nach oben Alles nur vorgespielt? lass für Dritte-WeltAber ist sein politisches Bono kam 1960 in einer Vorstadt vor Länder.­ Bono, der beund soziales Engage- ­Dublin unter dem Namen Paul David kennender Christ ist, ment glaubwürdig? Newson auf die Welt. Seinen Künstlernutzt seinen Erfolg für Kritiker ärgern sich da- namen leitet er von seinem Spitznamen politische und soziale rüber, dass zum Beispiel Bono Vox (von lateinisch bona vox für Zwecke und sucht die Bill Gates einen großen „gute Stimme“) ab, der von einem HörNähe zu den Eliten: Er Teil von seinem Ver- geräteladen stammt. In seiner Schulzeit ist befreundet mit Bill mögen spendet, zum suchte einer seiner Mitschüler Mitglieder Gates. Er traf sich mit den früheren US-Prä- Bono hat gut Lachen: Seine Facebook- Beispiel um bei der Be- für eine Rockband. Bono meldet sich dakämpfung von Malaria für. Nach einem schweren Start folgten in sidenten Bill Clinton ­Aktien haben ihn reich gemacht. zu helfen, aber nichts den 80er-Jahren große Erfolge in den USA. und George W. Bush, Bundes­kanzlerin Angela Merkel, Starin- darüber bekannt ist, ob Bono etwas von U2 ist heute eine der erfolgreichsten Bands vestor Warren ­Buffett und Papst Johannes seinem Vermögen gespendet hat. Er ver- auf der Welt. Mit 22 Grammys wurden die Paul II. Mit Bill und Melina Gates grün- steuert einen Teil seines Einkommens Musiker ausgezeichnet. Auf ihren Tourdete Bono 2002 die Stiftung „Debt, Aids, nicht in Irland, sondern in den Nieder- neen haben sie in den letzten zehn Jahren Trade in Africa“. Wenn sich die Mächtigen landen, wo er einen Bruchteil an Steuern laut „Forbes“ fast 500 Millionen Dollar zu einer Geberkonferenz getroffen haben, abführen muss, fordert aber gleichzeitig eingenommen.

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Wolfgang Bosbach

»Nicht nur   Meinung,   sondern auch  Ahnung  haben.«

Podiumsdiskussion auf der ­Deutschen Immobilienmesse mit ­Verleger Julien Backhaus und Helge Norbert Ziegler vom BVFI.

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err Bosbach, Sie sind ja nicht als Politiker geboren. Sie sind ja Einzelhandelskaufmann und haben auch einmal eine Supermarktfiliale geleitet. Sie sind also, im Gegensatz zu vielen Ihrer Kollegen, ein echter Praktiker. Sie haben dann Betriebswirtschaftslehre und Jura studiert. Sie wissen also, wie der wirtschaftliche Hase momentan läuft. Im Vergleich zu den meisten westlichen In du s t r i e n a tionen hat D e ut s c h l a n d eine sehr gute, stabile Konjunktur. Nicht nur, weil das Exportgeschäft boomt, sondern weil die Binnennachfrage nach wie vor gut ist. Wir haben gute Daten auf dem Arbeitsmarkt. Vor allem bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist Deutschland beeindruckend erfolgreich. Aber wir leben in einer Zeit, die sich rasant

ändert mit dem Übergang von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft. Da gibt es viele Bereiche, in denen uns andere Länder nicht nur eingeholt, sondern überholt haben. In den klassischen Industrien wie Maschinenbau, Elektroindustrie, Kfz-Bau sind wir immer noch absolute Weltklasse. Aber von den 100 größten Softwareschmieden auf der Welt nur eine einzige in Deutschland ist, dann müssen wir in Bildung und Forschung schon mehr investieren.

»Man darf nie versuchen, das Publikum zu täuschen«

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Backhaus: Sie selbst haben ja immer versucht, sich weiterzubilden und auf einem sehr hohen Niveau zu qualifizieren. Sind Bildung und Weiterbildung generell Erfolgsgaranten? Ich habe mehrere Schulabschlüsse, Betriebswirtschaft gelernt, zwei juristische Staatexamina und jedes Mal habe ich gedacht: „So, jetzt hat das Lernen ein Ende,

jetzt wird Geld verdient!“ Ich bin jeden Tag eines Besseren belehrt worden. Ich lerne auch heute noch jeden Tag dazu. Ich lese unglaublich viel, weil ich die altmodische Auffassung habe, ich muss nicht nur eine Meinung, sondern auch Ahnung haben von dem was ich sage, wenn ich ins Plenum gehe. Dazu gehört auch, dass ich mir jeden Tag Fakten aneigne, lerne, wie sich die Welt verändert. Backhaus: Es gibt ja einerseits die harten Fakten und andererseits Softskills. Man sagt Ihnen ja nach, dass Sie ein Naturtalent sind, oder versuchen Sie auch in solchen Bereichen bildungstechnisch voranzukommen, also, haben Sie mal einen Rethorikkurs belegt? Ich? Nein! Aber das erinnert mich an meine erste Zeit als Supermarktleiter. Der erste Supermarkt, den ich geleitet habe, war ausgerechnet der, in dem ich Jahre vorher als Lehrling angefangen hatte. Und ich wusste als Chef noch genau, wer zu dem Lehrling

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Ziegler: Wir als Deutschland sind ja das größte Land in Europa, haben eigentlich die Aufgabe, die Führung zu übernehmen und auch die Staaten, die nicht diese Kraft haben, mitzunehmen. Wie können wir Europa wieder nach vorne bringen? Wie können wir die Sympathie der Menschen gewinnen und sie wieder mitnehmen? Was die Stärke Deutschlands ausmacht ist nicht nur unsere wirtschaftliche Stärke. Das wissen die anderen alle. Das heißt, durch unsere Körpersprache sollten wir nicht jedes Mal signalisieren: Achtung, hier kommt die Chefin! Grade Helmut Kohl hat immer Wert darauf gelegt, dass auch die kleineren Mitgliedstaaten auf Augenhöhe mit uns sprechen und verhandeln. Dazu haben wir eine große gesellschaftliche Stabilität. Wir selber sehen ja unser Land sehr kritisch. In 50 Ländern dieser Erde ist 2015 eine Umfrage gemacht worden zum Thema in welchem Land der Erde würden Sie am liebsten leben. Sieger der Umfrage: Deutschland.

möchte, geht das ohne Leidenschaft nicht. Das kann man aber für jeden Beruf gut nachvollziehen. Wenn du etwas machst, was du wirklich gerne machen möchtest oder schon immer machen wolltest, dann guckst du auch nicht auf die Uhr. Sondern dann machst du das den ganzen Tag, solange es geht, und freust dich auf den nächsten Tag. So ist mir das in der Politik auch immer gegangen. Wenn Sie das mit Leidenschaft meinen, dann ja, das braucht man wirklich, wenn man etwas verändern oder gestalten will, wenn man erfolgreich sein will. Ziegler: Herr Bosbach, Sie haben von 60 Stunden-Wochen im Bundestag gespro-

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tive politische Tätigkeit, über die Hälfte davon im deutschen Bundestag, mehr als 60 Stunden pro Woche. Politik war immer ein wichtiger Teil meines Lebens, aber nie mein ganzes Leben. Ich werde sicherlich wieder etwas mehr anwaltlich tätig sein. Armin Laschet hat mir ja das Angebot gemacht, die Regierungkommission mehr Sicherheit für NordrheinWestphalen zu leisten. Ein ehrenvolles Angebot. Man kann auch seinem Staat dienen, ohne, dass man ein Staatsamt innehat. Das heißt, ich strebe nicht mehr nach öffentlichen Ämtern, aber wenn meine Erfahrung gefragt ist, dann helfe ich gerne.

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Bilder: BBG

Bosbach freundlich gewesen war, die waren Wie bekommen wir die Faszination am chen. Wie bringt man das mit dem Prija alle noch da. Und die hatten ein gutes Le- europäischen Gedanken wieder zurück? vatleben in Einklang? ben bei mir. Damals war es der Umgang mit Indem wir Europa einmal so darstellen, Als meine dritte Tochter geboren wurde, Kunden, mit Mitarbeiterinnen und Mitar- wie es eigentlich an den Start gegangen ist. war der Bundestag noch in Bonn. Das beitern. Ich war zwar der Chef, aber der Natürlich als europäische Wirtschaftsge- war die eigentliche Zäsur: Ich habe imzweitjüngste im ganzen Betrieb. Da musst meinschaft. Mit dem gemeinsamen Markt mer viel gearbeitet, als Anwalt war ich du dir dann Respekt erarbeiten und das fing alles an. Wegfall von Schranken, keine auch nie um sechs Uhr zu Hause, aber geht nur durch Leistung. Heute ist es eben nichttarifären Handelshemmnisse mehr, ich war damals Heimschläfer. Ich konnte der Umgang mit Bürdas war der Be- immer nach Hause fahren und morgens gerinnen und Bürginn. Aber ei- mit der Familie frühstücken. Ich habe gern. Also: Softskills gentlich schwebte rege am Familienleben teilgenommen »Man braucht Leidensind wichtig, aber das über Europa der und mit dem Umzug nach Berlin war schaft, wenn man etwas Gedanke: Nie das mit einem Schlag vorbei. Da kam Handwerk musst du auch beherrschen. Krieg! dann etwas, was ich sehr bedauere: Du verändern, gestalten oder wieder Nie wieder Geg- kamst am Wochenende nach Hause, die ­erfolgreich sein will« Backhaus: Sie als Ponerschaft! Im Kinder wollen dir auf einen Schlag alles litiker wollen ja nicht Grunde ist das erzählen und du wolltest nur deine Ruhe immer alles nur beim wichtigste Projekt haben. Dann ist man auch viel samstags Alten belassen, sondern es immer besser Europas Frieden und Freiheit. Grade in und sonntags auf Achse. Da geht dann machen. Wie kämpft man denn eigentlich den Zeiten wie jetzt, in denen wir erleben, sehr viel verloren. Ich habe nie mit meiprofessionell als Politiker gegen Wider- dass die Fliehkräfte Europas wieder stärker nen Kindern einen Drachen gebaut oder stände der Menschen, ihrer Angst vor Ver- werden, die Faszination des Europäischen war auf einem Martinsumzug, weil imänderungen? Gedankens nachlässt, müssen wir wieder mer etwas wichtiger war. Und auch wenn Dass es Widerstände gibt, verwundert mich mehr für ihn werben. man versucht, sich einzureden, das könnicht. Sie wissen ja, was sie jetzt haben, sie ne man nachholen, merkt man mit der wissen aber nicht, was sie bekommen wer- Backhaus: Arbeitnehmer wechseln im Zeit, dass das nicht geht und die Kinder den. Wir können ein Bauprojekt ja nicht Leben ganz häufig nicht nur mehrmals eines Tages das Haus verlassen und ihre erst im Maßstab 1:1 bauen, dann fragen: die Firma, sondern auch die Berufe. Po- eignen Familien haben. „Gefällt Ihnen das? Gut, dann bauen wir litiker dagegen sind ja oft ihr Leben lang das richtig“, sondern es gibt ja nur die Pläne in einer Partei aktiv. Ich unterstelle jetzt Ziegler: Nach 23 Jahren im Bundestag auf dem Papier. Wie man Widerständen be- mal, dass es nicht an der tollen Rente hören Sie jetzt auf. Haben Sie schon Plägegnet? Mit absoluter Transparenz und Of- liegt, sondern dass Politik sehr viel mit ne für die Zeit danach? fenheit. Man darf nie versuchen, das Publi- Leidenschaft zu tun hat, richtig? Der wichtigste Plan ist, nicht mehr so kum zu täuschen. Man darf keine falschen Jedenfalls dann, wenn man Erfolg haben viele Pläne zu machen. Inklusive KomErwartungen wecken. Zweitens, immer will und gerne wiedergewählt werden munkalpolitik sind es jetzt 42 Jahre akdeutlich die Alternativen aufzeichnen. Die gibt es immer, die Frage ist nur, welche ist Wolfgang Bosbach (l.) und Julien Backhaus im Gespräch. die beste. Darüber muss man mit den Bürgern ernsthaft diskutieren und mit guten Argumenten belegen können, warum man sich gerade für diese Alternative entscheidet und nicht für eine andere.


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Eine Million bitte. Aber jährlich. Torben Platzer hat geschafft, wovon viele nur träumen. Er ist Einkommensmillionär, reist um die Welt und baut nebenbei ein Imperium auf.

Torben Platzer bezeichnet sich ungern als Gewinnertyp. „Ich bin ein durchschnittlicher Junge aus Oldenburg“, gibt er öffentlich gern zu Protokoll. Wer sich jedoch die Geschichte des smarten Jungmillionärs mit Baseballkappe genauer ansieht, wird bald einen anderen Eindruck gewinnen. Denn seine Biografie zeichnet das Bild eines Besessenen. So wie es bei vielen SelfmadeMännern wie Richard Branson oder Steve Jobs schon in der Jugend zu beobachten ist, hat sich Platzer immer in die Dinge, von denen er überzeugt war, vollends hineingekniet.

auf Bewegung und Gesundheit achtete, begann er mit dem Basketball. Auch hier zeigten sich Platzers Ambitionen: Ganz oder gar nicht. Er wollte an die Spitze. „Mein Fokus war immer zu 110 Prozent auf das Ziel gerichtet. So funktioniere ich nun mal. Meine Einstellung war immer, dass man Vollgas geben muss, wenn man etwas erreichen will. Da gibt es dann auch keine Balance. Man hat immer Zeiten, in denen man wie ein Laser fokussiert sein muss. Ein Auto funktioniert auch nur, wenn der Motor ordentlich Umdrehungen macht.“

Star der Gaming-Welt Der Teenager Torben war ein Zocker-Nerd. Er begann, professionell Word of Warcraft zu spielen und wurde unter Vertrag genommen. Bei den großen Wettb e werb en räumte er ab – Autos und Jackpots. „Ich war immer schon ein Wettbewerbstyp – das spornt mich an, wenn ich mit anderen in die selbe Richtung laufe“, sagt Platzer. Der Schule widmete er hingegen wenig Au f m e r k s a m keit – die Noten sanken in den Keller. Während des Abiturs fand er weitere Möglichkeiten, im Internet Geld zu verdienen. Weil er bei all der Zeit vor dem Computer zu wenig

Abitur – was nun? Nachdem sich Platzer mit Mühe durch das Abitur geschleppt hatte und es weniger als durchschnittlich bestand, tat er das, was viele orientierungslose Schüler tun. Sie schreiben sich an der Universität in irgendein Fach ein. Bei ihm sollten es Philosophie und Germanistik auf Lehramt sein. „Ich hatte bei all meinen vergangenen Aktivitäten immer die soziale Komponente vermisst. Ich wollte gerne im Leben anderer etwas bewirken und dachte, das wäre als Lehrer machbar.“ Dass der damals 21-jährige bald auf eine ganz andere Schiene kommen würde, ahnte er zu dem Zeitpunkt noch nicht. Immer noch zweifelnd, ob die Lehrerlaufbahn das Richtige sein würde, hielt Platzer die Augen offen nach anderen Möglichkeiten, seine Ambitionen und finanziellen Interessen unter einen Hut zu bringen.

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„Währe da nicht mein Kumpel aus dem Studentenwohnheim gewesen, wäre ich heute wohl tatsächlich Beamter. Der wollte mir etwas von neuartigem Marketing und Onlinevertrieb erzählen. Das klang für mich äußert dubios und ich dachte an Pyramidenspiele und dergleichen. Damit

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Bilder: privat

Torben Platzer betreibt einen sehr aktiven privaten Facebook Account mit Abo-Funktion, sowie seine offiziellen Social Media Kanäle. Unter anderem die Facebook-Seite Torben Platzer ATTITUDE, auf der er täglich motivierende Bilder und Stories über modernes ­Unternehmertum postet.

My Attitude brought me here wollte ich nix am Hut haben.“ Platzer hatte die Rechnung allerdings ohne seinen Freund gemacht. „Der Junge war wirklich hartnäckig. Das schätze ich durchaus. Nachdem ich bestimmt 18 Mal abgelehnt hatte, sind wir gemeinsam zu einer Konferenz gefahren. Es ging wie vermutet um Empfehlungsmarketing. Aber um längen besser, als ich es erwartet hatte. Viel digitaler, automatisierter, größer und seriöser. Auf einmal habe ich mich verliebt in dieses Geschäft. Es hat mich nie wieder losgelassen.“ Das kann man wohl behaupten, denn zwei Jahre später zahlte ihm das Unternehmen bereits 5.000 Euro Provisionen auf seinen Gruppenumsatz – jeden Mo-

nat. Heute, mit gerade einmal 30 Jahren, ist Platzer Einkommensmillionär, gilt als einer der erfolgreichsten Networker Europas und Shooting Star seines Partnerunternehmens Jeunesse Global - bei der er alle Rekorde brach - sowie einer ganzen Branche. 11.000 Vertriebspartner in 50 Ländern zählt sein Team bis dato. Und wieder gilt sein Leitsatz „My Attitude brought me here“. Seine fokussierte Einstellung kommt sogar heute noch mehr zum Vorschein als zuvor. Zürich, London, New York, Dubai. Zuhause ist er selten. „Ich arbeite mehr denn je, aber es macht einfach so viel Sinn. Ich habe erkannt, wie viel Potenzial in diesem Markt noch unerschöpft ist und ich werde mit meinem Team ein enormes Unternehmen aufbauen. Jetzt geht es darum, anderen unter die Arme zu greifen, selbst so erfolgreich zu werden. Ich bin froh, dass ich irgendwann die Kraft eines Mentors verstanden habe. Ich habe einen großartigen Mentor, der mir

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das große Denken in dieser Industrie erst richtig beigebracht hat.“ Menschen bewegen Aber Platzer will sich nicht auf seine Branche beschränken. Durch öffentliche Keynote-Vorträge, Fernsehauftritte und sein kommendes Buch will er besonders jungen Menschen Mut machen. „Du kannst aus dem Durchschnittsleben ausbrechen. Dafür musst du dir aber eine Arbeitseinstellung zulegen. Sonst passiert gar nichts, egal in welchem Bereich deines Lebens. Wenn du das gelernt hast, kannst du eine geile Story aus deinem Leben machen.“

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Einstellung

Muhammad Ali

„Ich bin der Wie reden Sie mit sich selbst?

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am the greatest“ – Das Zitat von Boxlegende Muhammad Ali zählt sicher zu einem der bekanntesten Zitate der Welt. Für viele Menschen mag es übertrieben klingen, andere wiederum halten solche Aussagen vielleicht nur für Show. Für Muhammad Ali selbst war es kein simples Zitat, es war sein Glaubenssatz. Er hat wirklich geglaubt, dass er der Größte ist und zwar lange bevor er tatsächlich der Größte war. Und wie reden Sie so über sich selbst?

Bild: Czerner

„Ich schaffe das nicht“, „Ich bin ein Versager“, „Das ist eine Nummer zu groß für mich“ – Führen Sie solche Selbstgespräche?

Markus Czerner ist ehemaliger Tennisspieler und -Trainer, war Atletenmanager. Seine Erfahrungen aus Sport und Management bringt er in Vorträgen zu den Themen Erfolg und Motivation dem Business-Publikum näher.

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Dann nehmen Sie sich alle Chancen auf Erfolg. Einer der Schlüsselfaktoren für Erfolg ist Selbstvertrauen. Egal ob es sich um Ali handelt oder um andere Spitzensportler: Sie werden keinen Spitzensportler finden, der nicht mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen ausgestattet ist. Das brauchen sie auch, um großer Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Gleichzeitig ist es aber das, was vielen Menschen bei großen Herausforderungen fehlt: Der Glaube an sich selbst. Die meisten Menschen scheitern nicht an mangelndem Talent, sondern an mangelndem Glauben an sich selbst! „Ich kann das nicht“, oder „Das ist eine Nummer zu groß für mich“ Das sind Glaubenssätze, die überhaupt erst dazu führen, dass ein schwaches Selbstvertrauen entstehen kann. Es geht ja auch oftmals die Meinung rum, dass Selbstvertrauen in unseren Genen liegt und wir damit geboren werden. Das ist totaler Quatsch. Auch Spitzensportler werden damit nicht geboren. Sie sind selbstbewusst, weil sie wissen, dass sie gut trainiert haben und alles dafür getan haben erfolgreich zu sein. Sie holen sich ihr Selbstvertrauen im Training. Immer und immer wieder, solange bis sie sich ihrer eigenen Stärke bewusst sind und wissen, dass sie sich darauf verlassen können. Die meisten Menschen hingegen konzentrieren sich immer nur auf ihre Schwächen und darauf, nicht gut genug zu sein. Mit welchen Glaubenssätzen gehen Sie durchs Leben? Seien Sie einmal ganz ehrlich zu sich selbst: An was denken Sie öfter: An ihre

Erfolge oder an die Momente in denen Sie versagt haben? Sollten Sie öfter an die Momente denken in denen Sie versagt haben, zerstören Sie damit Ihr Selbstvertrauen. Wollen Sie Ihr Ego aber aufbauen, müssen Sie Ihre negative Meinung von sich selbst durch eine positive Meinung ersetzen und genau das müssen Sie sich selbst mitteilen und zwar durch positive Selbstbotschaften. „Ich glaube es ist nicht anmaßend, wenn ich sage, dass ich etwas Besonderes bin“ – Eine weitere Aussage von Muhammad Ali. Wie oft sagen Sie so etwas zu sich selbst? Wie oft stehen Sie morgens nach dem Aufstehen vor dem Spiegel, schauen sich selbst in die Augen und sagen zu sich: „Ich bin ein Geschenk für die Welt“! Gar nicht? Fangen Sie damit an! „Ein Geschenk für die Welt“ ist Ihnen etwas zu dick aufgetragen? Dann fangen Sie mit etwas Einfachem an, wie „Ich mag mich“ oder „Ich bin gut so, wie ich bin“. Aber reden Sie positiv mit sich und über sich. Ihr Selbstvertrauen wird es Ihnen langfristig nachhaltig danken! Lösen Sie sich auch von dem, was andere über Sie denken. Ein schwaches Selbstvertrauen ist immer zurückzuführen auf ein geringes Selbstwertgefühl. Zu viele Menschen nehmen sich ein Leben lang das, was andere sagen zu Herzen und fangen an das zu glauben: „Spar Dir lieber die Enttäuschung“ oder „Das ist eine Nummer zu groß für Dich“. Ignorieren Sie das. Selbstbewusst zu sein, bedeutet so wenig wie möglich von der Meinung anderer anhängig zu sein. Wenn Sie glauben, dass Sie etwas schaffen können, dann hören Sie nicht auf die lästigen Nein-Sager in Ihrem Umfeld. Nur weil andere Menschen nicht an das Glauben, was Sie vorhaben, müssen Sie das nicht tun. Denn in dem Augenblick haben nicht Sie über Ihr Selbstwertgefühl entschieden, andere haben das für Sie getan. Muhammad Ali hat sich von keinem anderen Menschen davon abbringen lassen, zu glauben er sei der Größte. Auf diese Weise ist er dann auch tatsächlich der Größte geworden, zumindest in seinem Sport.

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Einstellung

Grösste“

Ronald Reagan scherzt mit Box­legende Cassius Clay, der nach seiner Konvertierung zum Islam als ­Muhammad Ali ­bekannt und berühmt wurde.

Bild: Flickr/Ronald Reagan Library

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CHANGE FUCK! Wenn sich alles verändert und nichts verbessert 36

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ir alle wollen erfolgreich sein. Und die meisten Menschen glauben, Erfolg zu haben, indem sie ständig alles und jedes verändern. Das Problem dabei: Es wird nicht mehr darüber nachgedacht, ob die Veränderung oder der Change überhaupt sinnvoll ist. Der zwanghafte Trend, alles verändern zu wollen, führt dann zu Veränderungen ohne Sinn und Verstand. Die Frage, ob der Change notwendig und zielführend ist, wird nicht mehr gestellt. Doch es gibt Alternativen! Alternative 1: Verändere nichts, wenn es gut läuft Ich habe mich von der Überzeugung, in der Veränderung liege der Stein der Weisen, längst verabschiedet. Denn das, was gut läuft, muss ich nicht verändern. Ich stelle mir dann immer ketzerische Fragen: Stehe ich vor dem Konkurs? Laufen mir die Kunden in Scharen weg? Kämpfe ich um mein berufliches Überleben? Verabscheuen mich meine Mitmenschen? Nein, nein, nein und nochmals nein! Dann muss ich doch in der Vergangenheit irgendetwas richtig gemacht haben. Dann kann das, was ich jeden Tag mache und unternehme, nicht falsch sein.

Alternative 4: „Fuck off, Change!“ Mit meinen Bestseller-Büchern „Ente oder Adler 1 und 2“ werde ich seit Jahren als Speaker von großen und auch kleinen Unternehmen gebucht. Die Verantwortlichen erwarten dann meistens von mir, dass ich bei ihnen einen Veränderungsprozess nach dem anderen durchpeitsche und die Mitarbeiter darauf einstimme, sich ständig

 Der zwanghafte Trend,  alles verändern zu wollen,  führt dann zu Veränderungen  ohne Sinn und Verstand.  verändern müssen. Also ab ins Unternehmen, beraten, alles verändern! Rein ins Coachinggespräch – alte Zöpfe abschneiden, Gewohnheiten über Bord werfen, neue Verhaltensweisen aufbauen, innovative Denkweisen erarbeiten! Ich sage oft: „Langsam, Leute! Veränderungsprojekte stoßen so gut wie immer auf Widerstand und verursachen blockierende Ängste. Denn die meisten eurer Mitarbeiter gehören nun einmal zu den Bewahrern und lieben es, wenn alles so bleibt, wie es ist.“ Um nicht falsch verstanden zu werden: Gewiss gibt es Situationen, in denen eine Veränderung unumgänglich ist. Aber die Veränderungsgurus sind der Meinung, nur der Veränderungswille hätte verhindert, dass wir Menschen noch auf den Bäumen leben. Meine Antwort darauf lautet: „Fuck off, Change – auf „Wiedersehen, Veränderung!“

Bild: Depositphotos/stevanovicigor, Hagmaier

Alternative 2: Verbessern statt verändern Große Dinge passieren häufig dann, wenn wir nicht etwas verändern, sondern verbessern. Bill Gates zum Beispiel hat „seinen“ Personal Computer immer wieder optimiert und verbessert. Wichtige Innovationen treten dann ein, wenn jemand überlegt: „Wie kann ich das Produkt/die Dienstleistung optimieren?“ Ich lasse mir nicht mehr einreden, ständig alles verändern zu müssen, und orientiere mich lieber an dem an, was gut läuft und überlege: „Was muss ich tun, damit ich zu einer Verbesserung gelange?“ Entscheidend ist nicht die Veränderung um jeden Preis, sondern die beste Lösung, die zur Verbesserung führt. Alternative 3: Abreißen und das Neue schaffen Manchmal ist es besser, das Haus abzureißen und von Grund auf neu aufzubauen als es zu restaurieren oder zu verändern. Dies zeigt das traurige Beispiel des Flughafens Berlin-Brandenburg, bei dem es wohl billiger, effektiver und zielführender wäre, ihn abzureißen und auf dem Grundstück etwas vollkommen Neues entstehen zu lassen.

Ardeschyr Hagmaier ist als gelernter Zimmerer der Handwerker unter den Speakern und Coaches. Daneben ist er Bestseller-Autor und Persönlichkeitscoach.

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Alternative 5: An den Erfolgsgewohnheiten anknüpfen Nehmen wir an, Sie müssen Kunden überzeugen. Wofür werden Sie von Ihren Kunden gelobt? In welchen Situationen erhalten Sie Anerkennung? Welche Erfolgsgewohnheiten und Verhaltensweisen tragen dazu bei, dass Ihre Kunden mit Ihnen und Ihrer Leistung mehr als zufrieden sind? Wenn Sie diese Fragen beantworten, verfügen Sie über Punkte, an denen Sie anknüpfen sollten – nicht mit der VeränderungsAbrissbirne, sondern mit Anpassungen, bei denen Sie das Bewährte erhalten und Verbesserungen vornehmen.

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Einstellung

Shaolin Du musst nicht kämpfen, um zu siegen

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ie haben kurzgeschorene Haare, tragen einfärbig orange Gewänder und sammeln weder Reichtümer noch äußerliche Statussymbole. Dennoch sind die Kampfmönche von Shaolin heute weltberühmt. Seit der Gründung des Klosters vor mehr als 1500 Jahren wurde ihnen oft mehr Achtung entgegengebracht als so manchem Kaiser. Aber wie ist so etwas möglich? Als der indische Mönch Bodhidharma im Jahr 495 eine kleine Höhle in Chinas Song Shan Bergen bezog, hätte er wohl kaum gedacht, dass dieser Ort einmal zu Weltruhm gelangen würde. Dabei hatte der erste Patriarch des Klosters Shaolin, der in neunjähriger, unbewegter Meditation zur Erleuchtung gelangt war, höchstpersönlich den Grundstein dafür gelegt. Er lehrte die Mönche, wie sie das zum Schweigen bringen konnten, was er selbst als die größten Hemmnisse für jedweden Erfolg ansah: Den urteilenden Verstand, die Selbstzweifel und die unerfüllten Erwartungen. Lernt, so predigte er seinen Schülern, dass auch das sein kann, was nicht sein darf. Denn vieles

ist verboten oder scheint unmöglich. Dennoch kommt es vor, dass es passiert. So erwartet ein achtsamer Kämpfer von seinem Gegner weder das Schlechteste noch das Beste. Er erwartet vielmehr gar nichts und ist in jedem Augenblick bereit, den anderen so anzunehmen, wie er gerade ist.

10 Shaolin-Tipps Kontrolliere dein Denken. Wo dein Geist ist, dorthin wird dein Körper folgen. Lerne Nachgeben als Verteidigung und Angriff zu nutzen. Werde eins mit deinen Gegnern um ihre wahren Absichten zu verstehen. Begreife, dass Erwartungen und Gier dich kontrollierbar machen. Beachte, dass alle Kraft von innen kommt. Auch jene, die dich zerstört.

Bild: Depositphotos/vfoto • Moestl: OverseaCall/CC BY 4.0

Hinterfrage stets die wahre­ ­Motivation hinter deinen ­Entscheidungen.

Bernhard Moestl „Europäer mit aiatischem Geist“, ist Fotograf, Autor und Herausgeber einer Tourismus-Zeitschrift in Brasov/Rumänien. Daneben betätigt er sich international als Vortragsredner zu den Themen Bewusstsein und Leadership.

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Frage nicht nach dem ob sondern stets nach dem wie. Verstehe, dass Beschleunigung von außen ein Angriff ist. Erkenne, dass nur du deine Wirklichkeit erschaffen und auch verändern kannst.

Alle Kraft, so lehrte er weiter, kommt von innen. Weder gibt es die Möglichkeit, einem anderen Kraft zu geben, noch bist du fähig, ihm welche zu nehmen. Selbst dann nicht, wenn er sich mit ihr schadet. Ob du selbst dich blockierst oder weiterbringst, ob du gewinnst oder verlierst, ob du zweifelst oder überzeugt bist: die Energie, die dich zu dem macht, der du bist, wohnt in dir. Und nur dort kannst du sie auch kontrollieren. Fühlst du dich schwach, so wird auch dein Gegner dich als schwach fühlen. Fühlst du dich aber stark, so wird auch dein Gegner dich als stark fühlen und plötzlich wirst du viele Kämpfe beenden, bevor sie begonnen haben. Nur wer sich selbst genügt, so sagt man in Shaolin, handelt frei von Erwartungen. Denn wer nach Lob giert, der tut alles, nur um der Mitwelt zu gefallen. Er handelt nicht so, wie er selbst es für gut hält, sondern auf jene Art, mit der er den meisten Eindruck zu schinden vermeint. Erwartungslosigkeit bedeutet, etwas zu tun, ohne dafür etwas anderes zu erwarten. Denn einem Gegner Gutes zu tun, in der Hoffnung, selbst Gutes zurück zubekommen, heißt, sich angreifbar zu machen. Was nämlich, wenn unser Gegenüber den Plan durchschaut und unsere Erwartungen bewusst enttäuscht? Dann, so weiß man in Shaolin, bestimmen nicht wir, sondern unser Gegner über unsere Gefühle. Und dieser beeinflusst darüber unser Denken, unser Handeln und am Ende unsere Chance­ auf Erfolg.

Lerne zu scheitern. Auch der ­Unbesiegbare ist besiegbar.

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„Ich bin nicht zu schlagen“

Bilder: Jonny Wen

Tim Wiese

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D

u hast deine zweite Karriere begonnen im Wrestling. Erinnerst du dich noch an den Moment, als du das entschieden hast? Das war ziemlich schnell klar, als ich mit Wrestling angefangen habe. Ich hatte noch einen laufenden Fußballvertrag bis Sommer 2016. Also konnte ich erst danach durchstarten. Meinen ersten Kampf hatte ich dann im November 2016. Es ist natürlich eine Riesensache, hier für ein amerikanisches Unternehmen zu performen. Jetzt müssen wir eben sehen, wie es weitergeht. Es steht zur Diskussion, nach Amerika zu gehen, um dort eine gründliche Ausbildung in Angriff nehmen. Die letzten Details sind noch nicht besprochen worden.

Das hat bei mir geklappt. Ich habe mich immer durchgebissen und deshalb mein Ziel erreicht, Nationaltorwart zu werden.

Der ehemalige Keeper der Nationalelf, nun als muskelbepackter Wrestler im Interview mit Julien Backhaus.

Wenn du das Wort Erfolg hörst, was verstehst du persönlich darunter? Was ist für dich wichtig? Für Erfolg ist in erster Linie Gesundheit sehr, sehr wichtig, auch, dass man viel Geld verdient. Dass man sich vieles leisten kann, wenn man fleißig dafür arbeitet. Das ist Erfolg. Jeder Mensch wünscht sich natürlich Erfolg. Viele Leute haben das Potenzial, schöpfen es aber nicht aus. Einige sind dafür auch zu faul.

Hast du Mut gebraucht, um die Entscheidung zu treffen? Oder war das eher eine logische Konsequenz? Nein, ich bin schon immer glühender Wrestling-Fan gewesen und hätte niemals gedacht, dass ich mal die Chance hätte, in so einem Ring zu stehen und irgendwann für die WWE zu performen. Ich war völlig überrascht. Aber sicherlich, wenn man so eine Chance bekommt, sagt man nicht nein sondern nimmt das in Angriff. Nach welchen Kriterien wirst du entscheiden, ob du in die USA gehst? Meine Familie hat da natürlich ein Mitspracherecht. Ich bin jetzt 35 und alle meine Kontrahenten sind viel jünger, fangen mit 20 – 23 an. Ich wäre schon mit einer der Ältesten. Da müssen wir eine Regelung finden. Um ein wirklich erfolgreicher Sportler zu sein braucht man viel Disziplin und Fokus. Fiel dir das schon immer leicht, auch als Jugendlicher? Auf den Platz zu gehen, während andere Party machen? Daran scheitern viele junge, talentierte Spieler, die ein unheimliches Potenzial haben, denen aber die Einstellung fehlt. Gerade im Alter von 16-17 Jahren ist das hart. Die Freunde gehen aus, es ist Wochenende. Du hast aber am Sonntagmorgen um 11 Uhr ein Spiel. Da kann man am Vorabend nicht weggehen. Man muss auf Vieles verzichten. Die Jungs trai-

Als Profisportler steht man in der Öffentlichkeit. Und man soll einem Standard in Verhalten, sportlicher Leistung, Privatleben gerecht werden. Nervt das irgendwann? Kann man sich daran gewöhnen? Daran gewöhnt man sich schon in jungen Jahren. Aber ich bin mein eigener Herr. Ich sage, was ich denke, und nehme auch kein Blatt vor den Mund. Das kam mir bis jetzt immer zugute und deswegen werde ich daran auch jetzt nichts mehr ändern.

nieren schon viermal die Woche. Sie haben fast jeden Tag Training oder sind im Internat. Man muss sich Gedanken machen, was man will: Erfolgreicher Fußballer werden oder am Ende die Chance wegschmeißen und einfach nur einen normalen Job machen, bei dem man eben vielleicht nur 1800 Euro netto verdient.

Wenn du irgendwann 50, 60 bist. Wie hättest du dein Leben am liebsten? So alt muss man erstmal werden. Man weiß ja nie, was so alles passieren wird. Ich habe meine Eltern auch früh verloren. Ich hoffe, dass ich in dem Alter gesund bin und dass ich mit meiner Familie zusammen ein sorgenfreies Leben habe. So eine Sportlerkarriere hört ja irgendwann auf und dann muss man sich Gedanken machen, wie es weitergeht. Hast du da vielleicht schon Gespräche geführt mit Fußball- und Wrestler-Kollegen und Mentoren, die jetzt 5060 sind, was die heute so machen? Viele der Fußballer gehen als Experten ins Fernsehen. Ich habe dafür auch schon Angebote bekommen. Ich habe sogar Angebote fürs Kino bekommen. Meine eigene Erlebniswelt, „Wieses Welt“ in Duisburg, mache ich am 12. 8. auf. Das wird ein Riesenevent, das ich jetzt in Angriff nehme. Ich habe also vieles für die Zukunft am Start.

„Mit Fußball hab ich nichts mehr am Hut“ War das für dich denn als Kind normal, dass du so ehrgeizig an einem Ziel gearbeitet hast, oder hattest du da auch mal Zweifel? Ich hatte ein Ziel: Fußballprofi zu werden. Natürlich gehört dazu auch Glück, dass du verletzungsfrei durch die Laufbahn gehst, gerade auch durch die Jugendabteilung.

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Danke für deine Zeit, Tim.

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Hemmungslos: Sprenge Deine Grenzen! Glaubenssätze können uns erfolgreich und motiviert machen oder auch einschränken. Beispiel: Bis 1954 galt es in der Leichtathletik als absolut unmöglich, dass ein Mensch jemals die Meile unter vier Minuten laufen könnte. Ja, Wissenschaftler erklärten und bewiesen sogar, dass der erste Mensch, der die Meile unter vier Minuten laufen würde, anschließend sterben müsste, weil der Körper eine solche Belastung nicht verkraften könnte. Roger Bannister jedoch war ein Läufer mit starken Visionen und glaubte nicht an diese Grenze. Und 1954 lief er tatsächlich die Meile unter vier Minuten. Dies alleine wäre vielleicht auch nicht sonderlich verwunderlich, aber wie ist zu erklären, dass in den darauf folgenden drei Jahren 150 weitere Läufer ebenfalls die magische Grenze von vier Minuten durchbrachen (und alle munter weiter lebten…)? Fazit: Glaubenssätze legen den Rahmen fest, innerhalb dessen wir uns bewegen können. Doch wer legt eigentlich diese Grenze fest? Wer bestimmt, was unsere Grenzen sind? Bis heute purzeln jedes Jahr im Sport neue Weltrekorde, werden Dinge erfunden, neue wissenschaftliche Tatsachen festgestellt. So lange der Mensch existiert, hat er niemals aufgehört, sich weiter zu entwickeln. Ein weiteres Beispiel aus einem vollkommen anderen Bereich, dem Musikgeschäft: Wer kennt noch die legendäre Musikgruppe Queen mit ihrem charismatischen Sänger Freddie Mercury? In seiner Biografie wird er mit dem Satz zitiert: „Ich werde kein Star sein, sondern eine Legende. Ich will und werde der Rudolf Nurejew des Rock ´n´ Roll werden.“ Freddie Mercury, in Sansibar geboren und dort in den ersten Lebensjahren aufgewachsen, wusste frühzeitig, was er wollte. Er wollte im Musikgeschäft Fuß fassen und ein absoluter Weltstar werden.

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Doch zur damaligen Zeit hielten ihn alle für verrückt und versuchten, ihn von seinem Vorhaben abzuhalten. Und von Anfang an hatte er eine klare Vision: Er wollte es mit seiner Gruppe Queen ganz bis an die Spitze schaffen. Und seine beiden Bandmitglieder, Brian May und Roger Taylor, hatten genau dieselbe Einstellung. Deshalb fanden sie sich zusammen und bildeten ein perfektes Trio. In seiner Biografie steht, dass sie sich nie und nimmer mit weniger zufrieden gebenwollten, als bis ganz an die Spitze zu kommen. Allerdings waren sie darauf vorbereitet, dass sie möglicherweise zu Beginn hungern müssten – was dann auch der Fall war! Aber sie wollten es einfach tun. Zitat Freddie Mercury:

 „Man muss  an sich selbst glauben,  egal wie lange  es dauert!“  Als sie starteten, waren sie noch niemand, dachten aber, sie sollten zumindest so aussehen, als seien sie jemand. Und deshalb zogen sie von Anfang an andere Kleider an, waren bereit, die Grenzen des Althergebrachten zu sprengen, wollten bewusst provozieren, waren bestrebt, „ver-rückt“ von allen anderen zu sein. Und so war es nach einer Weile des Überlegens an der Zeit, eine Entscheidung, eine unumstößliche Entscheidung, zu treffen und ins kalte Wasser zu springen. Sie sagten sich:

 „Wir machen das jetzt  und konzentrieren  uns  auf nichts  anderes mehr.“ 

Denn eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Entweder macht man es mit 110 Prozent - oder man lässt es. Die drei Queen-Gründungsmitglieder haben es schließlich in Angriff genommen und wurden zu einer der erfolgreichsten Bands weltweit. Das ist unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass sie einen unumstößlichen Glauben an sich selbst und an ihre Vision hatten. Wie steht es mit Dir? Hast Du eine Vision? Hast Du eine neue Vision, etwas, das Dich herausfordert, etwas, dass die Leidenschaft in Dir hervorruft und für unermessliche Energie sorgt. Hast Du noch Glaubenssätze, die sich auf Dich und Deine Vision einschränkendauswirken? Kommt es vor, dass Du ab und zu denkst: • • • • • •

Das ist so. Das kann man nicht ändern. Das geht nicht. So einfach ist das nicht. Ich kann nicht. Das war schon immer so.

Deshalb mein Topp-Tipp für Dich: Lege Dir Deine Grenzen selbst fest und sei bei dem Festlegen „hemmungslos“. Gib nichts darauf, wenn Dir jemand sagt: „Das kannst Du nicht.“ Dann wirst Du demjenigen auch beweisen können, dass Du es kannst. Um selbst in dieses Denken zu kommen, ist es wichtig jede Feststellung zu hinterfragen und so seine Grenzen, die man sich immer wieder selbst setzt zu sprengen und seine Ziele verwirklichen zu können.

Viele Tipps und Hilfe beim Umsetzen erhältst Du in meinem Buch und Nummer 1 Bestseller „Sprenge Deine Grenzen“.

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Einstellung

»Ich werde kein Star sein, sondern eine Legende. «

Bild: Depositphotos/Buurserstraat38, Höller: Jürgen Höller Academy

Freddy Mercury

Jürgen Höller wurde 1999 als erster Mentaltrainer der Bundes­liga unter Trainer Christoph Daum bekannt. 2001 wollte er mit seiner Weiterbildungsfirma an die Börse, was allerdings scheiterte. 2003 wurde Höller u. a. wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach vorzeitiger Entlassung 2004 startete er sein Comeback. Heute ist er so erfolgreich wie nie zuvor.

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Think like a

Bild: Depositphotos/Photonsk, Cover: Plassen

Champion

sdf

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Diese Gedanken hat Donald Trump 2008 zu Papier gebracht. Facetten des mächtigsten Mannes der Welt.

Buchauszug aus Think like a Champion“ (Plassen Verlag)

I

ch habe bereits über Selbstzufriedenheit geredet und wie sie Ihre Chancen auf Erfolg zunichtemachen kann. Das ist das Gleiche wie stets denselben alten Trott beizubehalten. Deswegen gebe ich Menschen gerne den Rat, immer auf dem Sprung zu sein – das ist das Gegenteil von Selbstzufriedenheit und dasselbe wie flexibel zu sein. Haben Sie schon mal bemerkt, dass Ihre Sinne geschärft erscheinen, wenn Sie sich in einer herausfordernden Situation befinden? Das ist wie ein Adrenalinkick, der Ihnen mehr Energie verleiht. Wenn Sie jeden Tag als eine Herausforderung sehen, werden Sie überrascht sein, wie effizient Sie werden und wie viel Sie erreichen können. Menschen sagen oft, dass sie „durchstarten“, was einfach heißt, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben und bereit waren. Eine der offensichtlichsten Lektionen bei „The Apprentice“ ist, dass die Kandidaten lernen müssen, schnell zu denken. Sie haben ein Zeitlimit, innerhalb dessen sie ihre Aufgaben erledigen müssen, und wie wir festgestellt haben, ist es wichtig, einen Plan B zu haben. Wenn Plan A scheitert, sind sie darauf vorbereitet und verlieren nicht viel Zeit. Sie lernen, vorauszudenken, vorbereitet zu sein und alles Wichtige abgedeckt zu haben. Das sind die Grundzutaten für Erfolg in der Geschäftswelt. Als ich damals mit meinen Geschäften anfing, verbrachte ich viel Zeit damit, jedes Detail zu untersuchen, das für den Deal relevant war, den ich gerade abschließen wollte, und das mache ich immer noch. Die Leute sagen mir oft, dass ich sehr schnell vorgehe, und das stimmt auch. Aber der Grund dafür ist: Ich erledige zu-

erst die Arbeit im Hintergrund, die kaum einer sieht. Nur weil man nicht sieht, wie jemand arbeitet, heißt das nicht, dass er nicht in seiner Freizeit gearbeitet hat. Ich bereite mich gründlich vor, und wenn es Zeit ist, den nächsten Schritt zu machen, bin ich bereit zu sprinten. Dinge aus dem Stegreif erledigen zu können ist das Ergebnis von Training und Disziplin. Man kann nicht sprinten, wenn man nicht die Kraft dafür hat. Die nötige Ausdauer zu entwickeln ist Ihre Aufgabe. Das fällt einem nicht in den Schoß, man muss daran arbeiten. Sie müssen sich dieser Aufgabe jeden Tag mit vollem Einsatz widmen. Mit anderen Worten: Setzen Sie sich ein Ziel und arbeiten Sie darauf hin. Athleten wissen, dass ihnen niemand das Training ersparen kann – Geschäftsleute sollten genauso diszipliniert sein. Man muss sich auf sich selbst verlassen können. Haben Sie sich je gesagt: „Ich wünschte, das wäre mir eingefallen!“? Ich habe gehört, wie Menschen das sagten, wenn sie auf etwas besonders Cleveres oder Faszinierendes stießen. Zu lernen, etwas aus

Sie der Reihe nach vor: zuerst laufen, dann rennen, dann sprinten. Thoreau sagte: „Ich kenne nichts, was ermutigender wäre als die Fähigkeit des Menschen, sein Leben durch bewusste An-

Athleten wissen, dass ihnen niemand das Training ersparen kann – Geschäftsleute sollten genauso diszipliniert sein.

strengung auf eine höhere Stufe zu heben.“ Das ist nicht nur eine motivierende Aussage, sie ermutigt einen auch, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Es bedeutet, dass man eine Menge erreichen kann, indem man die Kraft seiner kleinen grauen Zellen einsetzt und dann ein Ziel ins Auge fasst und sich darauf zubewegt. Gedanken ohne Handlungen werden auf lange Sicht keine besonderen Ergebnisse zeitigen. Diese großartigen Ideen, die Sie haben, werden großartige Ideen bleiben, solange Sie nicht aktiv etwas damit anfangen. Warten Sie nicht auf eine Verschlechterung der Situation, um zu sehen, wie schnell Sie darauf reagieren können. Stellen Sie sich täglich selbst auf die Probe. Seien Sie immer wachsam. Wie Napoleon gesagt hat: „Ein Führer darf geschlagen werden, aber er darf nie überrascht werden.“ Sehen Sie sich als Leader – und fangen Sie sofort damit an. Napoleon Bonaparte Das bedeutet, Sie sind selbstständig, verantwortungsvoll und lassen dem Stegreif zu tun, beginnt damit, sich sich nicht so leicht von den Wechselfällen zu fragen, woran Sie in diesem Moment des Lebens überraschen, ob Sie in der Gedenken und ob es das ist, woran Sie den- schäftswelt tätig sind oder nicht. Vorbeken sollten. Wenn Sie so vorgehen, hören reitet zu sein kann gar nicht hoch genug Sie andere Menschen über Sie sagen: „Ich bewertet werden. Wenn Sie richtig durchwünschte, das wäre mir eingefallen – was starten wollen, sollten Sie flexibel und auf für eine tolle Idee!“ Sie werden überrascht alles vorbereitet sein. sein, wie viele gute Ideen Sie haben können, wenn Sie sich die Zeit nehmen, darü- Nach Ganzheitlichkeit streben ber nachzudenken. Nachdenken braucht Haben Sie je den Spruch gehört „Das große Zeit. Es ist die Vorbereitung dafür, schnell Ganze sehen“? Es erstaunt mich, wie Menauf Gegebenheiten scheinbar aus dem schen große Stücke eines Gesamtbildes Stegreif reagieren zu können. Aber gehen einfach weglassen oder ignorieren können

Ein Führer darf geschlagen werden, aber er darf nie überrascht werden.

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Donald Trump, ein Mann der großen Gesten, hier bei einer Rede 2015 in Iowa.

Bild Depositphotos/DJHPhotography

und vorgeben, es würde nichts fehlen. Das ist, als würde man eine Pizza bestellen und eine bekommen, bei der bereits ein paar Stücke fehlen – und trotzdem glauben, sie wäre vollständig. Würden Sie sich nicht fragen, wo die fehlenden Stücke sind? Ich habe Menschen getroffen, die haben sich über gar nichts gewundert. Manchmal frage ich mich, ob sie wohl unter Schock stehen. Vielleicht haben sie Angst, das große Ganze zu sehen oder eine ganze Pizza. Oder sie denken, sie haben keine ganze Pizza verdient. Was auch immer es ist, Sie sollten sich bemühen, nicht zu dieser Sorte Menschen zu gehören. Geben Sie sich nicht zu leicht zufrieden. Das ist schlecht fürs Geschäft auf allen Ebenen, selbst auf der metaphysischen. Wenn nach Ganzheitlichkeit streben bedeutet, die Konkurrenz zu dezimieren, dann war die Konkurrenz sowieso nicht viel wert. Bei vielem im Leben geht es um das Überleben des Stärkeren und um Anpassung, wie Darwin betont hat. Das ist natürlich nicht alles, aber es ist ein Hinweis darauf, wie sich die Welt in historischen Maßstäben entwickelt hat. Wir haben viele Imperien kommen und gehen sehen – das Römische Reich, das Ottomanische Reich und so weiter. Macht kommt in Wellen. Manchmal dauern diese Jahrhunderte. Doch selbst dann gibt es manche, von denen wir noch nie gehört haben. Mit anderen Worten, die Dinge verändern sich.

Und die Zutaten müssen die besten sein. Das sind meine Standards und es ist meine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sie eingehalten werden. Sehen Sie sich selbst als Organisation. Betrachten Sie sorgfältig jeden Aspekt Ihres Lebens. Was ist stark? Was ist schwach? Was fehlt? Was können Sie tun, um das Gesamtbild zu verbessern? Was immer Sie tun, es darf keine Stagnation geben. Werden Sie nicht genügsam. Glauben Sie nicht, 50 Prozent seien genug, egal ob Sie etwas geben oder etwas erhalten. Die Albert Einstein Dinge entwickeln sich heutzutage zu rasant, als dass man sich diese Einstellung erlauben könnte. Als mir klar wurde, wie schnell die Welt sich dreht, beschloss ich, doppelt so hart zu arbeiten. Das war kein großes Opfer, denn ich liebe, was ich tue, und habe schon immer viel gearbeitet. Ich bin jetzt glücklicher und produktiver als je zuvor. Ich behielt meine Geschwindigkeit bei, um mit meiner Umgebung Schritt zu halten. New York ist dafür bekannt, sich schnell zu verändern. Daran kann man sich entweder anpassen oder man fällt zurück. Ich habe mich entschlossen, mich anzupassen. Sie

Wer das Geheimnisvolle nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist sozu­ sagen tot und sein Auge erloschen. Wir müssen mit diesen Veränderungen mithalten und voranschreiten oder unser Stück vom Kuchen ist irgendwann verschimmelt. Während sich The Trump Organization weiterentwickelt hat, betrachtete ich sie mehr oder weniger wie einen lebenden Organismus, der gefüttert und gepflegt werden muss. Sie muss ein Ganzes ergeben, das aus vielen passenden Teilen besteht, die eng zusammenarbeiten. Meine tägliche Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass alle Teile vorhanden sind und zusammenarbeiten, um das bestmögliche Produkt zu schaffen. Es darf nichts fehlen.

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sollten dasselbe tun. Menschen, die sich mit mir messen wollen, müssen es schaffen, dranzubleiben. Es gab mal einen dynamischen, sehr qualifizierten und gebildeten jungen Mann, der für mich arbeiten wollte. Ich weiß noch, dass ich dachte: Der wird sich bestimmt prima schlagen. Da lag ich leider völlig daneben. Er brauchte so lange, irgendetwas zu erklären, dass ich schon jede Unterhaltung fürchtete, wenn ich ihn nur sah. Er war einfach zu langsam. Er war sorgfältig und gewissenhaft, aber er konnte mit dem nötigen Tempo nicht mithalten. Trotz all seiner Qualifikationen gelang es ihm nicht, sich an seine Umgebung anzupassen. Er hatte kein Auge für das große Ganze und seinen Platz darin. Ich war froh, als er ging. Lassen Sie nicht zu, dass Ihnen das passiert. Lernen Sie, sich anzupassen. Lernen Sie, lebenslang zu lernen. Nur wenige von uns sind so etwas wie ein abgeschlossenes Projekt. Es ist ein Prozess. Selbst ein Wunderkind wie Mozart strebte danach, sich weiterzuentwickeln. Wir müssen ständig kleine Teile zusammensetzen, um ein Gesamtbild zu erhalten. Um sich dem großen Ganzen auch nur anzunähern, müssen wir kreativ und leidenschaftlich sein. Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Werden Sie effizient in diesem Spiel. Streben Sie nach Ganzheitlichkeit und bewahren Sie sich Ihre Fähigkeit, zu staunen, dann sind Sie bereit für den großen Wurf.

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Story

 Best of Web 

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Richard Branson

Milliardär trotz Dyslexie

Tom Hanks (links) verkörperte Kapitän Chesley Sullenberger in „Sully“, der Verfilmung des Unglücks.

Unbequeme Entscheidungen

Bild S_Bukley/Jean Nelson/Depositphotos, Keil

Lerne von Sully

Kapitän Sullenberger muss 2009 nach dem Ausfall beider Triebwerke seinen Airbus im Hudson River landen und rettet allen 155 Menschen an Bord das Leben. Wie uns der Kinofilm „Sully“ den Spiegel vorhält. Es sind diese Sekunden nach dem Vogelschlag, die ihn auszeichnen. Nicht die sanfte Wasserlandung. Nicht die reibungslose Evakuierung. Sondern der Moment, als Sully entscheiden muss: „Drehe ich um und lande am Flughafen La Guardia, oder tue ich das Undenkbare?“ Weil er sich nicht sicher ist, ob er es ohne Schub zur rettenden Landebahn schafft, entscheidet er sich für den eiskalten Fluss. Aber was, wenn das schiefgegangen wäre? „War doch klar, dass das nicht funktioniert!“ Ein schmaler Grat zwischen „Depp der Nation“ und „Held des Hudson“!

Der britische Selfmade-Milliardär Richard Branson ist bekannter „Dyslexiker“. Menschen, die eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Lese- und Rechtschreibschwäche können Worte nicht richtig einordnen geschweige denn schreiben. Interessant ist dabei, dass rund 40 Prozent der Selfmade-Millionäre unter dieser Störung leiden. Ein Erfolgskriterium sind die klassischen Schulfähigkeiten also scheinbar nicht. Branson setzt sich öffentlich dafür ein, dass das Schulsystem reformiert wird. Er fordert, dass Schüler in Richtung ihrer Stärken gefördert werden, anstatt an ihren Schwächen zu arbeiten. Branson selbst hatte das Schulsystem damals so über, dass er die Schule frühzeitig abbrach und sich selbstständig machte. Offensichtlich mit Erfolg.

Mein Anti-Crash Tipp: Sully hat Verantwortung für einen Weg weit abseits der Norm getragen. Der „sichere“ Weg ist nicht immer der Richtige. Trauen Sie sich bei unbequemen Entscheidungen mehr zu und überwinden Sie sich, öfter mal zu tun, was Sie für notwendig erachten, anstatt was andere von Ihnen erwarten. Sie sind der Pilot!

Der Autor Philip Keil ist Pilot und überträgt er das „Crew Resource Management“ aus dem Cockpit auf den Alltag von Managern und Mitarbeitern.

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Ralf Moeller ist Bodybuilder und Schauspieler. Er wanderte von Deutschland in die USA aus und ist aus zahlreichen Kinofilmen bekannt.

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Ralf Moeller   48

rfolg bedeutet letztendlich für jeden etwas anderes: Finanzielle Freiheit, ein glückliches Familienleben, das eigene Unternehmen oder viel Freizeit. Manche haben alles davon. Anderen will so gar nichts gelingen. Die Gründe dafür sind ebenso vielfältig. Aber auch wenn es keine einheitliche Definition von Erfolg gibt, so gibt es doch Eigenschaften, die alle erfolgreichen Menschen auszeichnen. Und es gibt Menschen, denen wir Erfolg zusprechen, von denen wir sagen „Der oder die hat es geschafft!“ Wenn dieses Schaffen noch dazu in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten geschieht, ziehen wir den Hut. Ob Heidi Klum, Christoph Waltz, Diana Krüger oder Tokio Hotel – sie alle kommen aus dem deutschsprachigen Raum und sind international erfolgreich. Wie auch Ralf Moeller, der geschafft hat, wovon Viele träumen: Er gehört zu Hollywoods Superstars, ist aber auch seiner Heimat Deutschland verbunden geblieben und versucht Freunde und Karriere auf der ganzen Welt zu vereinen, weil genau das ihm die Power gibt, um seine Ziele zu verfolgen. Bekannt u. a. aus „Gladiator“ und „The Skorpion King“, wusste Moeller schon früh, was er wollte. Seine Mutter erzählt: „Der kleine Ralf war immer auf den Beinen und man könnte meinen, er trainierte schon damals auf die Weltmeisterschaft hin“. Als er als 17-Jähriger seine Leidenschaft für Bodybuilding und Boxsport entdeckte, waren die folgenden Jahre einzig und allein auf ein Ziel gerichtet: die Weltspitze des Bodybuildings zu erreichen. 1984 wurde er Deutscher Meister, im Jahr 1986 folgte der Weltmeistertitel und die Kür zum Mr. Universum. Doch auch das reichte dem Multitalent noch nicht. 1989 gab Moeller das Ende seiner Bodybuildingzeit bekannt, um sich voll und ganz seiner Schauspielkarriere zu widmen. In Hollywood begann seine neue Karriere mit dem Kinofilm „Cyborg“. Bald darauf folgte die Produktion von „Universal Soldiers“ an der Seite von Jean-Claude van Damme. Als erster deutscher Schauspieler erhielt Ralf Moeller 1998 die Hauptrolle in der amerikanischen Fernsehserie „Conan: The Adventurer“, die erfolgreich in über 80 Ländern ausgestrahlt wurde. Darüber, was

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Scheitern? Gibt es für mich nicht! Erfolg ausmacht und wie wichtig Träume, eine Vision und Leidenschaft sind, um erfolgreich zu sein, sprach der Erfolgstrainer und Experte für Verkaufspsychologie Marc M. Galal mit Ralf Moeller. Ich begrüße dich ganz herzlich hier in Berlin, Ralf, und freue mich, dass wir gemeinsam über ein Thema sprechen, das uns beiden am Herzen liegt. Was macht Erfolg wirklich aus und wie können Menschen erfolgreich sein? Also Ralf, was sind deine Erfolgsgeheimnisse? Also mir hat immer geholfen, dass ich schon früh als Junge mit dem Sport begonnen habe. Sport gibt dir eine gewisse Disziplin und du lernst, Schmerzgrenzen zu überwinden. Wichtig ist natürlich auch, dass man ein Ziel hat und sich etwas zutraut – also der Glaube an sich selbst. Weil wenn du schon von vornherein sagst, na ja geht vielleicht doch nicht – dann hat man auch keine große Chance, sein Ziel wirklich zu erreichen. Aber der Sport an sich war sicherlich ein sehr wichtiger Faktor, dass ich da hingekommen bin, wo ich heute stehe. Die Energie, die du im Sport hast, setzt du automatisch auch in anderen Bereichen ein. Da sind Körper und Geist einfach darauf gedrillt. Sport, das ist ein Bereich, der uns beide verbindet und ich kann das nur unterstreichen. Sport ist ein ganz wichtiges Erfolgsgeheimnis. Sport gibt uns in allen Bereichen Kraft und lehrt uns die notwendige Ausdauer. Nicht immer klappt ja alles gleich auf Anhieb. Wenn man zu trainieren beginnt, kann es sein, dass irgendwelche Schwierigkeiten auftauchen. Dann heißt es, dranzubleiben, auch wenn man einmal hinfällt wieder aufzustehen. Wichtig ist es, mutig sein. Wenn man wachsen will, muss man aus sich herausgehen und Dinge machen, die man noch nie gemacht hat. Ja, das stimmt. Man muss bereit sein, immer dazuzulernen. Als ich nach Amerika ging, konnte ich so gut wie kein Englisch und musste feststellen, um Karriere im Filmbusiness zu machen, ist das Wichtigste die

englische Sprache. Also habe ich sie gelernt. Außerdem habe ich mir Vorbilder gesucht, die es schon in ähnlicher Form geschafft haben. Wichtig ist aber, dass jeder seine eigene Persönlichkeit hat. Deshalb gibt es das Wort scheitern für mich nicht. Dieses Misswort sollte man ganz schnell vergessen. Wenn einer bei den Olympischen Spielen Silber holt, dann ist er doch nicht gescheitert, nur weil er kein Gold geholt hat – auch wenn die Medien dann schnell und gerne das Wort scheitern gebrauchen. Das Wichtigste, um erfolgreich zu sein, ist, Negatives erst gar nicht in den Mund zu nehmen und sich lieber mit Leuten zu umgeben, die positiv denken. Das Glas Wasser ist immer halb voll, nie halb leer. Ralf, kannst du uns deine drei wichtigsten persönlichen Erfolgstipps nennen? Klar, teilweise haben wir sie schon genannt. Einmal natürlich der Glaube an sich selbst, dass man es wirklich schafft. Dann wieder aufstehen, auch wenn man mal einen Misserfolg hat. Und der dritte Tipp ist, dass man einen gewissen Instinkt entwickelt. Das passiert über die Jahre hinweg fast automatisch. Instinkt ist besonders wichtig, wenn man in Verhandlungen geht und dort sein Ziel erreichen möchte. Dann heißt es, auch mal auf sein Bauchgefühl zu hören.

Bilder: depositphotos/S_Buckley, Galal: Privat

 Bereit sein,  immer dazuzulernen

Spannend! Wenn du Verhandlungen ansprichst, meinst du, dass Verkaufs- oder breiter Überzeugungsfähigkeiten wichtig sind, um erfolgreich zu sein? Ja, auf jeden Fall. Ich muss beispielsweise, wenn ich einen Film oder ein Script entwickeln lasse, Produzenten finden. Man braucht Geldgeber, das wird ja nicht immer alles von Studios finanziert. Wenn man ein

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Projekt hat, das man gerne selbst machen möchte, sammelt man irgendwo Geld ein. Und dann muss man natürlich sehr überzeugend sein, das heißt, man muss überzeugt sein von dem, was man macht, weil sonst sagt der andere gleich: Moment mal, wenn der selbst nicht einmal daran glaubt,

wieso soll ich dann dafür mein Geld geben. Also alles, was man macht, was für einen wichtig ist, sollte man auf jeden Fall so machen, dass man es immer wieder machen kann und auch so machen würde. Sehr gut, da kann ich nur zustimmen. Denn neben der Ausdauer ist auch mir aufgefallen, dass wirklich erfolgreiche Menschen sich meist als Person gut promoten können. Auf der anderen Seite können sie aber auch ihre Ideen oder eine Meinung richtig gut verkaufen. Also die Fähigkeit, gut zu verkaufen, halte ich für eine ganz wichtige Technik, um erfolgreich zu sein. Und, du hattest es auch schon erwähnt, last-but-not-least der Glaube an sich selbst. Das ist wahrscheinlich das Allerwichtigste: Wenn man an sich glaubt, von etwas voll und ganz überzeugt ist, dann gibt es keinen Berg, der zu hoch, und keine Aufgabe, die zu groß ist, um wirklich gute Ergebnisse zu bekommen. Danke, Ralf, für dieses Gespräch! Marc M. Galal ist Erfolgstrainer, Experte für Verkaufspsychologie und Entwickler der nls-Strategie.

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Erfolg

Glück auf Indisch oder: Die Macht des »Ich bin dankbar für...« 50

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»Du musst nicht glücklich sein, um dankbar zu sein. Du musst dankbar sein, um glücklich zu sein.«

10 (k)inderleichte Tipps zum Glücklichsein Benenne Deinen Wecker in „Ich bin dankbar für…“ um und starte so mit guten Gedanken in den Tag. Schreibe jeden Tag fünf Dinge in ein Glückstagebuch auf, die Dir gut gelungen sind. Fokussiere so das Gute am Tag. Werde Dir Deiner Stärken und Schwächen bewusst. Konzentriere Dich dann mit aller Kraft auf Deine Stärken. Stelle mehr Fragen. „Wer erzählt, lernt nichts Neues.“ Wenn Du Dich über Sätze von ­anderen Menschen ärgerst, frage Dich „Warum hat er/sie das gesagt?“. So gelangst Du zum eigentlichen Kern des Problems. Sei im Moment. Wenn Du Dir z.B. die Zähne putzt, dann tue auch das mit voller Achtsamkeit. Streiche „Wenn…,dann…“-Sätze und genieße den Weg mit all seinen Höhen und Tiefen. Frage Dich zwischendurch: „Wann habe ich das letzte Mal ­etwas zum ersten Mal gemacht?“ Begegne Menschen auf Augenhöhe. „Verurteile niemanden in dessen Schuhen du nicht mindestens einen Tag gelaufen bist.“ Nimm Dich selbst nicht zu ernst. :-)

NI“ („Danke“) und trinkt voller Dankbarkeit das Wasser. In dem Moment wurde mir klar: Es geht nicht um halbvoll oder um halbleer, um Optimismus oder Pessimismus, sondern es geht um Dankbarkeit. Du musst nicht glücklich sein, um dankbar zu sein. Du musst dankbar sein, um glücklich zu sein. Seitdem habe ich Dankbarkeit noch stärker in meinen Alltag integriert. Meinen ­Wecker habe ich zum Beispiel von „Wecker“ in „Ich bin dankbar für . . . “ umbenannt. So habe ich direkt nach dem Aufstehen Menschen oder Dinge im Sinn, die mich positiv in den Tag starten lassen. Das fiel mir nämlich nicht immer leicht. Besessen vom Erfolg habe ich viele Dinge einfach zu ernst genommen. Ich habe mich oft schwarz geärgert . . . also weiß geärgert . . . na ja, ich habe mich zumindest geärgert. Zu oft verknüpfte ich mein Glück mit dem Erreichen eines Ziels. Diese­ typischen „Wenn . . . , dann . . . “-Sätze bestimmten mein Leben. „Wenn ich endlich dieses Auto fahre, dann bin ich ­ happy.“ „Wenn ich so viel Euro Umsatz erziele, dann bin ich zufrieden.“ Rückblickend weiß ich, dass Glück und Freude nicht an jenen Punkten entstehen. Der Weg ist das Ziel. Und der Weg jedes Einzelnen entsteht

Dr. Biyon Kattilathu

ist Wirtschaftsingenieur und Doktor der Motivationspsychologie und doziert an sechs Universitäten. ­Daneben arbeitet der ehemalige deutsche Meister im Taekwondo als Mental-Coach für verschiedene Fußballspieler der 1. Bundesliga.

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dadurch, dass er ihn geht. Den Weg zu genießen, heißt für mich das Jetzt zu genießen. Denn es gibt schließlich nur das Jetzt. Auch wenn wir an ein Ereignis in der Zukunft denken – es wird ebenfalls das Jetzt in der Zukunft sein.

Ich habe den Satz „Was denken die anderen über mich“ gestrichen. Wie ich gelernt habe das Jetzt zu genießen? Indem ich beispielsweise den Satz „Was denken die anderen über mich?“ gestrichen habe. Wenn mein Selbstbewusstsein darauf basieren würde, was andere über mich denken, dann wäre ich verdammt abhängig von deren Meinung. „Selbstbewusstsein“ bedeutet nämlich sich seiner selbst bewusst zu sein, was heißt die eigenen Stärken, aber auch die eigenen Schwächen zu kennen . . . und sich selbst dabei bloß nicht zu ernst zu nehmen. Mein Motto lautet „Glück ist (k)inderleicht.“ Also halte ich es so wie die Kinder: Ich stelle viele Fragen, bleibe neugierig, bleibe verrückt und lache viel. Und ich habe auch noch kein Kind nach dem Hinfallen sagen hören: „Nun ja, dann bleibe ich halt liegen . . . “ Und für alle, die noch den Schlüssel zum Glück suchen: Den gibt es nicht. Die Tür ist die ganze Zeit offen. Durchgehen muss man schon selbst. Nanni.

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Bilder: Depositphotos/BestPhotoStudio, Pixabay/Laura6, Kattilathu Privat

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umbai, Indien, 2010. mitten in den größten Slums von Asien. 38 Grad. Es klopft an das Fenster meines Taxis. Ein kleines Mädchen in zerrissenen Kleidern schaut mich mit seinen großen braunen Rehaugen an und bittet um Wasser. Ich schaue mich um und finde nichts außer einer halbvollen beziehungsweise halbleeren Flasche Wasser. Etwas beschämt gebe ich sie dem Mädchen. Sie nimmt die Flasche, ruft ganz laut „NAN-


Leben

BUSHIDO

»Wenn ich mal sterbe  . . . «

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Leben

Rapper Bushido­ über seine ­Definition von Erfolg, die erste Million­ und was er ­seinen Kindern ­beibringen will. Verleger Julien Backhaus traf sich mit Rapper Bushido im angesagten „The Liberate“ in Berlin-Mitte. Mit Bildern von Hannes Gade

hängt in gewisser Form zusammen. Um sich also vom Rest loszusagen, braucht man schon eine gewisse Aggressivität. In meinem Metier ist das ein völlig gängiges Stilmittel. Sind Musiker eigentlich automatisch auch Entertainer und PR-Profis? Oder muss man das lernen? Du hast das ziemlich gut drauf. Je besser man PR drauf hat, desto besser kann man sein Produkt verkaufen. Viele meiner Kollegen sind schlechte PR-Leute. Die Presse über meine Person hat mir immer in die Karten gespielt. Meine Fans interessiert es nicht, ob die Bild-Zeitung schreibt, dass ich wegen Versicherungsbetrug vorbestraft bin. Ich hatte aber nie wirklich einen Fahrplan. Ich plane nicht im Voraus, eine Postfiliale in einem Tweet zu kritisieren oder die ESC-Teilnehmerin als Null zu bezeichnen. Das ist in dem Moment einfach meine Meinung. Aber

In Interviews und öffentlichen Stellungnahmen wirkst du eher diplomatisch und verständnisvoll. Achtest sehr auf deine

»Irgendwie habe ich ein Händchen dafür, dass aus so einer Lappalie ein Riesentara wird.«

In einer Zeit, in der der deutsche HipHop eher versucht hat, eine heitere Stimmung zu vermitteln, hast du eher einen harten Ton angestimmt. Kannst du dich noch erinnern warum? Das war keine bewusste Entscheidung. Das war einfach meine Interpretation. Keiner aus der Szene damals, der mit Rapp begonnen hat, hat das groß hinterfragt. Wir wollten auch nicht als Künstler wahrgenommen werden. Wir wollten einfach cool sein. Wir haben eh alle Rapp gehört und Graffiti gemalt. Wir wollten Weibern imponieren, sie flach legen, Geld machen und reich werden und teure Autos fahren. Darum habe ich damit angefangen. Natürlich ist es im Nachhinein auch Kunst, die ich geschaffen habe. Es gibt auch Künstler, die kacken auf eine Matratze, wischen das an die Wand und behaupten, das sei Kunst. Ich verlange gar nicht, dass Leute meine Arbeit als Kunst verstehen. Die können das nicht verstehen. Aber ich ärgere mich schon, wenn der Index meine Rapper Bushido im Gespräch Lieder indexiert und sagt, es sei keine mit Verleger Julien Backhaus. Kunst. Damit muss ich leben. Kann Aggressivität auch ein Mittel der Werbung sein? Und ist es im Geschäfts­ leben in gewisser Dosis sogar notwendig? Man muss sich abheben. Weichgespülte Werbung nimmt zum Beispiel kaum einer mehr wahr. Auf der anderen Seite gibt es aggressive Werbung, die auffällt – wobei es verschiedene Ebenen von Aggressivität gibt. Mal ein bisschen mutig vorzupreschen ist auch eine Art von Aggressivität. Wenn Burger King in Belgien fragt „welchen König mögt ihr lieber?“, ist das sicher aggressiv. Kreativität und Aggressivität

lassen es dann bei stumpfen Beleidigungen auf Angela Merkel. Dann soll man auch nicht behaupten, man sei Künstler, wenn man nur stupide Beleidigungen absetzt.

irgendwie habe ich ein Händchen dafür, dass aus so einer Lappalie ein Riesentara wird. Meine Kollegen sagen sogar in Interviews, dass sie neidisch auf mich sind, dass mein Timing immer so gut passt. Die selbst würden mit Plakaten im Wert von 100.000 Euro nicht so viel Aufmerksamkeit erregen, wie ich mit einem Tweet. Oder dass das LKA Niedersachsen ein Foto von mir als Phantombild benutzt. Auf so was habe ich ja keinen Einfluss. Aber die meisten Rapper sind schlechte PR-Leute. Die be-

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Worte. Springst du manchmal zwischen zwei Welten hin und her? Gezwungenermaßen ja. Ich habe ja meine eigene Definition von Rapp, wie ich es feiere und geil finde. Auf meinem neuen Album (Black Friday, Anm. Red.) habe ich einen Song mit meinen Kindern und einen Song für meine verstorbene Mutter gemacht. Aber ich habe dort auch Songs drauf wie Sodom und Gomorra, wo ich singe, dass ich deine Mutter auf der Yogamatte ficke. Daran siehst du, Musik ist so, wie ich sie gern möchte. Wenn ich was für die Masse machen möchte, mache ich das. Wenn nicht, mache ich Songs wie Stress ohne Grund. Wenn ich mit Leuten wie dir zusammensitze, die ein paar Fragen haben, will ich die auch ordentlich und eloquent beantworten. Damit hatte ich noch nie ein Problem. Für mich ist das genauso natürlich, als wenn ich im Studio sitze und irgendwelche Mütter ficke. Keines von beiden ist eine Rolle, die ich spielen muss. Wenn ich jetzt mit einem Magazin wie ERFOLG spreche, lesen das ja Leute, die mit meiner Musik vielleicht gar nicht viel anfangen können. Darum muss ich das in deren Sprache versuchen zu erklären. Das fällt mir nicht schwer, ich bin ich ganz normaler deutscher Junge. Deutsch war im Abitur mein Leistungskurs. Die Sprache hat mich immer interessiert – mehr als bildende Kunst, da war ich immer schlecht. In politischer Weltkunde hatte ich null Punkte in der

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Bilder: Hannes Gade

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ann es sein, dass du vor ziemlich genau 20 Jahren professionell mit dem Rappen begonnen hast? Bevor ich das erste Mal selber gerappt habe, habe ich Beats für andere Leute gemacht. Das dürfte ’98 gewesen sein. Da habe ich auch das erste Demotape produziert und Releases bei anderen Künstlern wie Frauenarzt und Taktlos gehabt. Also könnte ich 2018 mein zwanzigjähriges Jubiläum feiern – wenn ich denn wollte. Ich stehe aber nicht so drauf, Sachen zu feiern.


Leben

Oberstufe. Chemie und Physik gehörten auch zu meinen Lieblingsfächern. Ich bin auch ein Astronomie-Freak. Für Sterne und Planeten begeistere ich mich. Als ich gestern drei Stunden allein zu Hause war, habe ich wieder die ganze Zeit Dokus darüber geschaut. Wenn ich nachts in den Himmel schaue, verspüre ich starke Sehnsucht und möchte das alles erforschen. Würdest du ein Ticket für einen Weltraumflug bei Richard Branson buchen? Nein. Hat meine Frau mich auch schon gefragt. Ich glaube, ich würde Panik bekommen da oben. Ich fliege eh nicht so gerne. Ich fliege zwar viel, weil ich muss. Aber bin immer froh, wenn ich wieder aussteige. Ich interessiere mich sehr für die ganzen Zusammenhänge, warum Sterne kollabieren und wie schwarze Löcher funktionieren. Mit einem Freund, der auch diesen Fetisch hat, will ich mal nach Genf zum CERN und eine Führung mitmachen. Überhaupt war ich an Allgemeinbildung immer interessiert, was mir jetzt zugute kommt, wo wir fünf Kinder zu Hause haben. Wenn die Fragen

haben, kann man ihnen Dinge richtig erklären, die sie sich dann auch merken. Wenn meine Vierjährige, die sehr fix im Kopf ist, dann Dinge richtig wiedergibt, macht mich das stolz und froh. Ich finde es wichtig, dass man sich mit seinen Kindern auf der Wissensebene auseinander setzen kann. Das ist man ihnen schuldig. Da war ich schon immer lieber Spießer. Ich bin ein stolzer, bekennender Spießer, wenn das bedeutet, dass man einen gepflegten Garten mag und die Ruhezeiten in der Nachbarschaft einhält. Bei der richtig erfolgreichen Musik denke ich immer, da passt einfach jeder Beat. Da hat ein Perfektionist dran gesessen. Muss man als Erfolgsproduzent perfektionistisch sein? Bist du es? Gar nicht. Ich bin eher der Typ Künstler, der vieles als Momentaufnahme sieht. Perfekte Musik zu machen ist nicht schwer. Es gibt ein Taktgefüge, ein bisschen so wie Mathematik. Wenn da was nicht stimmt, hört man das. Wer mich kennt, weiß, dass ich früher Baselines mit falschen Tönen gespielt habe. Ich kann keine Noten lesen

und schreiben. Ich habe einen Ton gehört und der hat gepasst. Aber handwerklich war er falsch. Und ich habe heute noch mit den Produzenten Streit. „Das ist die falsche Tonart.“ Ist mir aber egal. Das ist wie meine persönliche Handschrift geworden in den Songs. Ich belasse die Dinge oft als Momentaufnahme oder Perfektion. Shindy ist da ganz anders als ich. Da muss immer alles perfekt passen. Ich hingegen lasse es oft so, wie es ist. Wenn wir alle nur perfekte Dinge machen würden, wären wir auch austauschbar. Wenn wir nur nach Formeln arbeiten würden, braucht mich keiner. Natürlich muss alles einem gewissen Standard entsprechen. Zeigen wird es sich dann aber auf der Bühne. Da kannst du nicht schneiden oder von vorn anfangen. Die Live-Performance ist mir viel wichtiger als der Perfektionismus im Studio. Du bist mit deiner Musik und deinem Label reich geworden. Kannst du dich noch an den Moment der ersten Million erinnern und ob es etwas bei dir verändert hat? 2005 wurde ich Euromillionär und habe meine ganze Gang aus dem Studio zum Essen eingeladen, als ich es dann auf dem Kontoauszug gesehen habe. Das kam aber gar nicht so gut an. Scheinbar war der Futterneid größer als die Bereitschaft, mir auf die Schulter zu klopfen. Aber mich hat es natürlich mit Stolz erfüllt und ich hatte es auch gar nicht erwartet, Millionär zu werden.

»Ich habe meinen eigenen Maßstab für Moral und Gerechtigkeit.«

Das war nicht dein Ziel? Doch klar, wir alle hatten das Ziel. Aber man erreicht ja nicht immer alles, was man sich vornimmt. Zu meinen Anfangszeiten hätte ich mir nicht mal träumen lassen, jemals in die Charts zu kommen. Das war mir fremd. Mittlerweile ist es nicht mehr der Rede wert. Die Million hat mich total gefreut und mir eine Art von Bestätigung gegeben. Und auch Sicherheit, wobei die morgen auch wieder weg sein kann, wenn man aufs falsche Pferd setzt. Und auch mit meinen Gold- und Platinauszeichnungen, EMAs und fünf Echos. Kurz nach dem ich sie gewonnen habe, war ich wieder zurück im normalen Leben. Trotz Preisen und Millionenvermögen geht das Leben weiter. Ist dir Gerechtigkeit besonders wichtig? Ich habe meinen eigenen Maßstab für Moral und Gerechtigkeit. Was für andere ok ist, muss für mich nicht automatisch auch ok sein. Und umgekehrt. Wenn ich singe, in Berlin wirst du in den Arsch gefickt, meine ich das nicht schwulenfeindlich. Auch wenn

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das alle behaupten. In meinem Empfinden ist es nicht so. Und wenn das narzisstisch klingt, dann bin ich es halt. Scheiß drauf. Das stand mir ja nie im Wege. Ich bin kein Epileptiker, der gerne professioneller Videogamer sein will. In meiner Karriere war der Narzissmus nie hinderlich. Dein Job als Musikunternehmer ist es auch, neue Talente zu entdecken. Dazu muss man ja mehr in demjenigen sehen, als andere. Liegst du meistens richtig? Hast du eine Strategie? Das passiert einfach. So war es damals auch, als ich Shindy kennengelernt habe. Ich wusste sofort, den muss ich signen. Ich wusste nicht, was passieren wird. So weise bin ich leider nicht. Aber ich habe etwas bei ihm empfunden und wollte unbedingt mit ihm arbeiten. Es hatte nichts mit dem Äußerlichen zu tun, sondern mit dem Künstlerischen. Es konnte gut gehen oder nicht. Das ist das wirtschaftliche Risiko, das jeder von uns eingeht. Aber ich habe etwas in ihm gesehen, das andere nicht gesehen haben. Am Anfang musste ich Medien erpressen, damit er Interviews geben durfte. Ich musste dann immer mit und auch eines versprechen. Zwei Jahre später ist der Typ durch die Decke gegangen. Das hat mir eine persönliche Bestätigung gegeben und auf wirtschaftlicher Ebene große Umsätze gebracht – und Gewinne! Dass er jetzt seinen Vertrag bei uns verlängert hat, gibt mir auch Recht in der Art und Weise, wie ich mit ihm zusammenarbeite. Und es sind noch andere tolle Künstler bei uns. Ich habe immer nur solche unter Vertrag genommen, die ich auch persönlich gut finde und mit denen ich gut arbeiten kann. Wenn ich mit einem Künstler 100.000 verdienen kann, aber wüsste, dass ich nur Stress mit dem haben werde, verzichte ich lieber auf das Geld. Die Zeit, die wir auf Erden haben, sollte so angenehm wie möglich sein. Wenn ich fünf Monate Arbeit investiere, ist das mehr wert als 100.000. Mit Geld kann man das nicht aufwiegen. Ich will gute Laune bei der Arbeit haben.

»Wenn das narzisstisch klingt, dann bin ich es halt. Scheiß drauf. Das stand mir ja nie im Wege.«

sei der unwissende Künstler, der vom Management aufs Kreuz gelegt wird und nicht wüsste, was abgeht. Am Business hatte ich immer Interesse. Zum Glück konnte ich das illegale von damals schnell hinter mir lassen und bin jetzt seit fast 20 Jahren in der Musik. Ich bin immer sehr kaufmännisch an die Sachen rangegangen. Und habe versucht, die Projekte selbst zu planen und durchzuführen. Deswegen waren die Zeiten bei Universal und Aggro Berlin auch schwierig, weil ich einen Künstlervertrag hatte. Das Label hat dann verschiedene Positionen und jeder quatscht einen voll. Das war mir unangenehm. Seit 2007 bin ich komplett selbstständig. Ich habe nur noch einen Vertrieb, der die CDs von A nach B bringt. Aber das ist auch gut so, weil ich auf Grund der Kinder meine Zeit anders gestalten muss und darauf achte, dass ich viel mit ihnen unterwegs bin. Früher war ich sechs Wochen auf Tour. Heute noch maximal zwei Wochen. Die Tour im Dezember ist auch so gestaltet, dass ich zwischendurch zu Hause bin. Und das ist ein großer Luxus für mich.

»Man muss darauf achten, dass die eigenen Kinder nicht zu arroganten Pissern heranwachsen.«

Wie fühlst du dich als Unternehmer heute? War das schon immer ein Wunsch, Unternehmer zu sein oder hat sich das erst entwickelt? Du bist ja auch selbst Geschäftsführer deines Labels, was selten ist bei Künstlern. Das ist auch bei Gericht immer mein Nachteil. Man kann nie behaupten, ich

Wie gehst du Probleme grundsätzlich an? Schnell abhaken oder besonnen und langfristig? Ich versuche sofort, die Situation zu erfassen und im besten Falle direkt am Telefon das Problem zu lösen. Warum sollte man Probleme unnötig lange schwelen lassen.

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Zum Zahnarzt geht man ja auch am besten schnell, um sich danach wieder den schönen Dingen widmen zu können. Ich frage immer zuerst: Wo ist das Problem? Was kann ich jetzt dagegen tun? Ok, dann mach ich das jetzt. Andere Sachen gehen wiederum nicht so schnell. Ich hatte das Steuerstrafverfahren, das hat vier Jahre gedauert. Für mich war das viel zu lang. Das fickt irgendwann den Kopf. Permanent ist man damit beschäftigt. Am liebsten hätte ich alle Beteiligten an einen Tisch gesetzt und alle der Reihe nach gefragt, was genau sie wollen, hätte es ihnen gegeben, wäre aufgestanden und alle hätten mich am Arsch lecken können. Ich bin da pragmatisch. Auch bei Problemen in der Beziehung. Früher haben meine Frau und ich uns richtig die Köpfe eingehauen. Heute betrachten wir kurz das Problem, fragen uns, ob es einer von uns beiden lösen kann und erledigen es dann. Man muss das nicht in die Länge ziehen und auch nichts nachtragen. Du musst über deinen Schatten springen – gerade in der Familie. Auch die Scheiße aus dem Alltag darf man nicht mit nach Hause nehmen. Plötzlich streitest du dich mit deinen Kindern und deiner Frau, nur weil dir irgendjemand die Vorfahrt genommen hat. Das musst du draußen lassen. Was soll das Wichtigste sein, wenn du irgendwann als uralter Bushido auf dein Leben blickst? Heute ist meine Erfolgsdefinition anders als vor vier Jahren. Wenn ich als alter Sack im Rollstuhl sitze oder auf dem Sterbebett liege, würde ich hoffen, dass ich vernünftige Kinder hinterlasse, die ohne Mutter

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Leben

und Vater durchs Leben schreiten können, die gebildet und fair sind, die gerecht und ohne Angst sind, die sich Herausforderungen stellen, die nach dem Hinfallen auch wieder aufstehen, die ihre Mitmenschen gut behandeln, die sich Partner gesucht haben, die sie nicht ausnutzen. Ich wünsche mir für meine Töchter und Söhne einen Partner, der sie gut behandelt und den sie gut behandeln. Für mich sind das einzig Wichtige meine Kinder. Denn das ist die große Herausforderung, die ich bis ans Lebensende habe. Beruflich wird auch eine Zeit kommen, wo ich keine Musik mehr mache und mich anders finanziere.

Ich habe 2010 in Rüdersdorf 92 Wohneinheiten gekauft. Das ist meine Altersvorsorge. Mein Grundstück in Kleinmachnow ist auch einen zweistelligen Millionenbetrag wert. Das alles soll dazu führen, dass ich irgendwann nicht mehr arbeiten muss. Ich will nicht ewig Musik machen. Ich habe viel verdient, aber auch viel bezahlt. Ich freue mich auch auf die Zeit danach. Dann sind nur noch die Kinder wichtig. Die Sorge um die Kinder begleitet einen eh den ganzen Tag. Aber als alter Mann möchte ich dann Menschen um mein Sterbebett versammelt sehen, die mich auch vermissen werden. Ich weiß noch, als ich mit meinem Bruder,

meiner Frau und engen Freunden bei meiner Mutter am Sterbebett stand und ihre Hand gehalten habe, als sie starb. Da waren Menschen, die ehrlich traurig waren. Das ist das Wertvollste, was du dir erarbeiten kannst, dass dich Menschen vermissen. Das ist wichtiger als Börsenerfolg oder der Numerus Clausus beim Abschluss. Das ist scheißegal. Hauptsache, da sind Menschen, die mich irgendwann vermissen und sich gerne an mich zurück erinnern. Dann hast du als Mensch etwas erreicht. Ich habe einen ganzen Keller voller Auszeichnungen und Preise. Aber die bringen dir überhaupt nichts. In dem Augenblick ist es eine Honorierung deiner Leistungen gewesen – obwohl viele Preise fake sind und schon lange vorher feststeht, wer gewinnt. Wirklich relevant sind die Gold- und Platinauszeichnung, weil die an Verkaufszahlen gekoppelt und durch die Fans getragen sind. Aber auch das ist vergänglich. Mein Bruder und ich sind in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Neukölln aufgewachsen. Meine Kinder wachsen in einem 1.000 Quadratmeter-Haus auf. Die waren letztens bei Freunden aus dem Kindergarten zu Hause und haben gefragt, warum deren Wohnung so klein ist. Meiner Frau war das peinlich, aber sie kennen halt nichts anderes. Man muss darauf achten, dass die eigenen Kinder nicht zu arroganten Pissern heranwachsen. So nach dem Motto: „Ich will in die Disco rein, mein Papa ist Bushido, ich rufe meinen Onkel Arafat an.“ Genau das will ich nicht. Geschäfte machen, Geld verdienen und verlieren, das ist keine große Kunst. Meinen Kindern ist es egal, dass ich ein 200.000 Euro Auto fahre oder teure Schuhe anhabe. Die wollen was mit Mama und Papa unternehmen. Man darf seine Kinder nie aus den Augen verlieren, auch was die Gefühlsebene betrifft. Meine Mutter hat bis an ihr Lebensende für 1.200 Euro in der Bäckerei gearbeitet, ist morgens um zwei Uhr aufgestanden und hatte nie etwas für sich. Aber sie war erfolgreich, denn sie hat zwei coole Jungs in die Welt gesetzt. Mein zehn Jahre jüngerer Bruder ist hoch studiert, hat zwei Kinder und gerade sein Haus gebaut. Ich glaube, das macht meine Mutter erfolgreich. Sie war menschlich erfolgreich. Egal, ob sie für 1.200 Euro netto bei der Bäckerei gearbeitet hat. Diese Definition von Erfolg habe ich aber auch erst, seit dem ich selber Familie habe. 2007 hätte ich dir gesagt „Platin verkauft, mit dem Album drei Millionen gemacht, durch Downloads und Abmahnungen noch mal sechs Millionen Umsatz.“ Aber die Definition hat sich bei mir extrem geändert.

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Bilder: Hannes Gade

»Alle hätten mich am Arsch lecken können. Ich bin da pragmatisch.«


Einstellung

Bei Sorgen und Ängsten nicht nachdenken, sondern

handeln Buchauszug aus: „Worte des Erfolgs“, Rainer Zitelmann

Bild: Depositphotos/graphicphoto, Zitelmann: privat

Sorgen und Ängste sind der größte Energiefresser. Die Energie, die sie uns rauben, fehlt uns dann für die Dinge, für die wir sie wirklich brauchen würden. Jeder Mensch macht sich manchmal Sorgen. Entscheidend ist jedoch, dass es uns gelingt, diese Sorgen zu begrenzen. „Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupte fliegen, das kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Was tun Sie, wenn Sie Probleme haben? Grübeln? Das hilft bestimmt nicht – durch Grübeln hat noch niemand Probleme gelöst. Darüber mit anderen sprechen? Das kann vorübergehend erleichtern, manchmal vielleicht auch ein wenig helfen, aber wenn Sie zu viel über Ihre Probleme sprechen, werden diese eher schlimmer als besser. Was wirklich hilft, ist, dass Sie handeln. Handeln ist die beste Medizin gegen schwere Probleme, weil das Handeln Ihnen begründete Hoffnung gibt, dass sich etwas ändert, und weil das Handeln das destruktive Grübeln am schnellsten vertreibt.

„Wenn wir schwere Probleme haben, bleiben wir so lange im Sumpf stecken, bis wir aktiv werden. Hoffnung ist ein Anfang, aber zur Hoffnung muss die Tat kommen, damit wir siegen … denn

Aktion heilt Angst!“ David J. Schwartz, amerikanischer Erfolgsautor

Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist ein erfolgreicher Immobilieninvestor und mehrfacher Buchautor.

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Leben

Staubsauger? Dieser Vertreter wurde reich damit

W

er ist eigentlich der erfolgreichste Staubsaugerverkäufer Deutschlands? Das dürfte ohne wenn und aber Michael Hausenblas sein. Bekannt wurde der blonde Schwabe durch die TV-Reality-Doku „Staubsaugervertreter Deluxe“ bei RTL2. Durch zahlreiche weitere Medienauftritte verpasste er dem Staubsaugerverkaufen ein Rockstar-Image.

Nicht nur Michael Hausenblas selbst wurde zum Rockstar seiner Branche. In seinem Unternehmen Hyla Germany begannen auch andere, groß Karriere zu machen. Dass ein Staubsaugervertreter heute im Maßanzug mit Porsche und S-Klasse vorfährt, ist längst normal geworden – zumindest bei Hyla. „Wenn man erfolgreich ist, soll man sich auch etwas gönnen. Viel mehr hat es aber damit zu tun, sich nur mit dem Besten zufrieden zu geben. Schließlich ist es mit unserem Produkt dasselbe. Man will ja auch keinen mittelmäßigen Staubsauger“, sagt Hausenblas. Das Beste wollte der smarte Verkäufer auch schon am Beginn seiner Karriere. Zuerst mit edlen Textilien, dann bei Ferrari als Luxusverkäufer. „Es hat einen großen Vorteil, wenn man ein Top-Produkt verkauft: Man muss sich anschließend niemals entschuldigen.“ Vor genau 20 Jahren wurde er dann auf ein einzigartiges Luft- und Raumreinigungssystem namens Hyla aufmerksam, das seinen Unternehmergeist weckte.

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Bilder: Hausenblas

»Ohne Erfolgswillen geht es nicht«

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Leben

Der damals 27-Jährige stieg zunächst als Berater ein, betreute aber schon kurz darauf als Europamanager andere Länder und später weltweite Märkte. Sein Ziel, Unternehmer zu sein, verlor er dabei nicht aus den Augen. Im Gegenteil, die Muttergesellschaft erkannte sein Talent und bot ihm die Partnerschaft als Generalimporteur an. Mit seiner Frau Angelina betrat er nun die ganz große Bühne. Sie halten heute Vertriebsrechte für Deutschland und Österreich und betreuen 1.350 Vertriebspartner. Angelina Martin-Hausenblas kümmert sich mit ihren 20 Angestellten um den kompletten Innendienst. Leicht macht es ihr Mann nicht. „Michael ist Verkäufer durch und durch. Sogar in den Urlaub nimmt er unsere Produkte mit.“ Aber Hausenblas ist nicht nur Verkäufer, sondern auch Unternehmer durch und durch. Am liebsten würde er die Welt mit seinem Hyla-System überziehen. Und so unrealistisch scheint dies gar nicht. „Unser Umsatz wächst um mehr als 20 Prozent jedes Jahr. Ebenso unsere Vertriebspartner. Wir entdecken immer mehr Menschen, die ihre finanziellen und ideellen Ziele bisher anderswo nicht verwirklichen konnten. Denen zeigen wir unser Fünfjahres-Erfolgsmodell. Nach diesem Modell kann ein Vertriebspartner bei entsprechendem Einsatz in unserem Unternehmen zum Millionär werden. Wichtig ist, dass unser System dies zulässt, und das ist auch gut so. Das klingt zwar erst mal

Hyla-Koordinationszentrum: Michael Hausenblas an seinem Schreibtisch

Dream-Team: Michael Hausenblas und Angelina Martin-Hausenblas. Staubsaugervertreter ­„Deluxe“ bei der ­Produkt­Vorführung beim Kunden.

überzogen, ist aber mehrfach bewiesen. Man arbeitet ernsthaft daran und schafft es dann auch. Ohne Erfolgswillen ist das natürlich Quatsch“, so Hausenblas. Dabei vergisst der Unternehmer meist zu erwähnen, dass damit ein Jahreseinkommen von einer Million gemeint ist. Vielleicht auch besser so, denn kaum jemand traut sich derart groß zu denken. Zumindest hat man nichts zu verlieren. Die neuen Vertriebspartner tragen keinerlei Risiko, erhalten Kommissionsware vom Unternehmen sowie ein professionelles Onlinemodul mit Akademie und Rundum-Erfolgspaket. Hausenblas ist überzeugt: „Wir haben mit unserem Luft- und Raumreinigungssystem ein absolutes Nischenprodukt, das sich anschickt, das nächste Hype-Produkt zu werden. Aber wir vergessen nicht, dass wir im Menschen-Geschäft sind. Für unser nächstes Ziel, 100 Millionen Euro Umsatz zu machen, wollen wir noch viele neue Menschen für unser Unternehmen gewinnen, die Lust auf die große Karriere haben. Was mich schon immer dabei fasziniert hat ist, dass die Menschen nicht nur das Unternehmen aufbauen, sondern das Unternehmen auch die Menschen aufbaut. Denn

wenn jemand eine neue Abteilung für uns aufbaut, beteiligen wir ihn fortlaufend am Umsatz. Viele erleben das zum ersten Mal bei uns.“ Die Kandidaten dafür entdecken die Manager meist auf den sogenannten Open Houses, eine Art Roadshow, die in verschiedenen Städten stattfindet und Karriereoptionen vorstellt.

»Es ist ein großer Vorteil, wenn man ein Top-Produkt verkauft: Man muss sich anschließend niemals entschuldigen.«

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Und selbst Michael Hausenblas ist trotz Multimillionen-Firma noch draußen beim Kunden. „Einerseits ist das natürlich meine Leidenschaft. Andererseits weiß ich so immer, was unsere Vertriebspartner und Kunden im Wohnzimmer bewegt. Übrigens ist das Klinkenputzen heute kein Thema mehr. Wir gehen nur auf vereinbarte Termine, alles andere wäre Zeitverschwendung. Deswegen können auch Kandidaten wie Studenten oder Mütter Karriere bei uns machen, ohne ihre Hauptaufgabe zu vernachlässigen“, so Hausenblas. Er, der gerade vom Europäischen Wirtschaftssenat zum Senator ernannt wurde, will sich jedenfalls weiter in die Herzen der Menschen saugen.

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Leben

Die Erfolgsformeln der Stars Für das Wirtschaft TV-Format „Lifestyle“ spricht Moderator und Schauspieler Jo Weil ­regelmäßig mit den Stars über ihre Erfolgsrezepte.

 Mousse T. 

M

ousse T., Du hältst Dich seit vielen, vielen Jahren sehr erfolgreich in Deinem Gebiet, Du hast große Hits produziert, was ist Dein persönliches Erfolgsgeheimnis? Was viele erfolgreiche Menschen gemein haben ist, dass sie tatsächlich hart arbeiten. Viele Menschen denken, man hat gerade was gemacht und dafür hat man vor fünf Minuten angefangen, aber es ist ein langer Weg dahin. Ein bisschen Talent kann nicht schaden. Ein Alleinstellungsmerkmal hilft sehr, weil natürlich heutzutage jeder alles machen kann. Da hilft, sich aus der Masse hervorzuheben.

habe den Sänger zur Verfügung, den Song könnte ich mir so vorstellen, Produktion so und es hat geklappt. Gott sei Dank. Wir haben viel Freude daran. Wir sind ja heute hier auf der Fashion Week. Inwiefern glaubst Du, dass Mode für den beruflichen Erfolg wichtig ist oder sein kann? Mode ist einfach wichtig, weil es sich mit so vielen Sachen kombinieren lässt. Für mich

müssen Musik und Mode zusammengehen, das ist wichtig. Musikkulinarisches, Modekulinarisches, Kunstmode und so weiter und so fort. Das wird mittlerweile, man achte auf das Wortspiel, Mousse Pott, ja, aber es ist tatsächlich ein Pott, in dem all diese tollen Kulturingredienzien zusammenkommen, einmal umgerührt und gut. Du merkst es auch heute, Musik ist ein ganz großer Anteil dieser Show gewesen und deswegen ist Mode wichtig.

Bilder: Jessica Wilkens

Was ist Dein persönliches Alleinstellungsmerkmal? Das kann ich selber schwer beantworten. Natürlich hatte ich Erfolg und habe darauf aufgebaut. Alles, was groovy ist und bei Drei nicht auf dem Baum ist, wird von mir produziert. Und das sehr erfolgreich. Ich denke nur an Horny. Das war ein Hit meiner Jugend und noch heute können alle mitsingen sobald er irgendwo startet. Wie schafft man so einen besonderen Hit? Natürlich gibt es Musik, die man in Auftragsarbeit produziert, wo Du sagst, das ist ein ganz normaler Ablauf. Bei so einem Hit wie Horny, oder auch Sexbomb, habe ich überhaupt nie nachgedacht, da wusste ich nur, dass meine Ingredienzien stimmen. So ein bisschen wie ein Filmregisseur. Ich

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Leben

 Alexandra   Maria Lara 

H

allo Alexandra Maria Lara. Du bist schon seit vielen, vielen Jahren in Deutschland sehr erfolgreich. Was ist dein persönliches Erfolgsgeheimnis? Ich glaube ich persönlich hatte nie den großen Druck, hatte nie den großen Wunsch erfolgreich zu werden. Ich liebe meinen Beruf und habe immer gehofft, dass ich tolle Sachen machen darf. Ich glaube, dass dieses Ungezwungene mich persönlich weit getragen hat. Du weißt was ich meine. Wenn Menschen manchmal so verkrampft rumrennen, einem Wunsch, einem Traum hinterherhängen. Da ist dann einfach zu viel Druck drauf. Wenn es auf die Stirn geschrieben steht „ich möchte, ich möchte“, da fehlt die oft

S

besagte Leichtigkeit. Du bist ja heute hier bei Marc Cain auf der Fashion Week. Inwiefern glaubst du denn, dass Mode oder Modischer Geschmack hilfreich sind für ein erfolgreiches Schauspieler leben? Ich glaube es ist sehr wichtig. Zum einen habe ich in meinem Beruf mit Kostümen zu tun, wenn ich eine Rolle spiele. Da ist es tatsächlich noch wichtiger als in meinem

Privatleben. Da bin ich auch gerne mal lässig unterwegs. Aber gerade ein tolles Kostümbild ist etwas, was mich fasziniert. Und die Fashion Week und diese wunderbaren modischen Outfits sind einfach zu toll um sich das entgehen zu lassen. Hier sind schöne Schnitte zu sehen und schöne Farben um mir vielleicht mal was Neues zu machen.

 Sascha Volmer von The BossHoss 

ascha, Ihr seid unglaublich erfolgreich in Deutschland. Wenn Du den Erfolg auf ein, zwei Eigenschaften runterbrechen müsstest, welche wären das? Es gehört auf jeden Fall sehr viel Willenskraft dazu. Wenn man was will, schafft man es auch, sagt man ja immer, da ist was dran. Aber auch Glück braucht man und muss ganz klassisch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Gerade, was uns betrifft. Wir sind natürlich sehr fleißig, um nicht zu sagen, hard is working bad in show business,

aber wir haben auch ganz klar Glück gehabt. Da sind wir total demütig und dankbar, dass es so ist. Deswegen kann man sagen, es gibt keine „Golden Rule“, um Erfolg zu haben. Einfach nur, wenn man was will, dran beißen und dranbleiben. Merk Dir das! Wie wichtig ist Mode oder die Optik? Ihr seid ja als Typen sehr speziell gestylt, glaubst Du, das macht auch Erfolg aus? Ja, klar, Optik ist sehr wichtig. Gerade Musik und Mode waren schon immer sehr eng verbunden, bis zurück in die 60er-

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Jahre, beispielsweise The Who, mit eigener Mode-kollektion, den Klamotten von den Stones auf der Bühne und so weiter. Und wir ha-ben ja auch einen ganz besonderen Style, wir sind ja die Cowboys. Wenn der Name Boss Hoss fällt, dann kommt auch gleich, ah, die Cowboys mit dem Hut. Outfit und Mode sind sehr wichtig, auch in unserem Bereich. Also wird durch die Mode in Eurem Fall quasi ein Markenzeichen gesetzt. Ja, Markenzeichen Rock‘n‘Roll mit Hut.

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Erfolg Magazin Partnerevents

„Menschen sind wie ­Romane zu lesen…“ Kommunikationsexperte Thorsten Havener verrät beim 16. Stuttgarter Wissensforum am 20. Oktober 2017 in der Porsche-Arena die Geheimnisse der nonverbalen Kommunikation

Reich sein ist kein Wunder, es ist unser ­ Geburtsrecht!

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Herr Havener, man könnte sagen, Sie lesen beruflich Gedanken. Wie reagieren Menschen, die Sie neu kennen lernen, nachdem sie sich vorgestellt haben? Nun, normalerweise nennen sie mir ihren Namen und begrüßen mich.

samkeit. Das bedeutet, wenn wir uns plötzlich auf unsere Ticks und Körperbewegungen konzentrieren, wirken wir erst richtig seltsam. Körpersprache ist unbewusst und das sollte sie auch bleiben. Der Schlüssel zu einem entspannten Auftritt liegt in Ihren Gedanken. Wenn Sie die unter Kontrolle haben, folgt Haben Sie es schon erlebt, der Körper ganz automatisch. dass jemand sich weigert mit Ihnen zu sprechen, aus Angst Worauf lohnt es sich für Laien, davor, von Ihnen durchschaut in einer Konversation besonzu werden? ders zu achten? Ganz im Gegenteil, gewöhnlich Auf die richtige Reihenfolge. kommen sogar sehr viele Leute, Am Anfang steht immer ein

um mir zuzuhören. Und das prak- Gedanke, dann, als zweites, setzt tisch jeden Abend. Ich bin kein die Körpersprache ein und als Mensch, der Angst verbreitet. drittes erst spricht der Mund. Ich nenne das den ‚KörperleSie sagen, jeder kann es ler- ser-Dreisatz’. Den machen wir nen, Gedanken zu lesen. Sind automatisch richtig wenn wir wir Menschen wirklich so nicht darüber nachdenken. Erst durchschaubar? sobald wir über unsere KörperWir Menschen sind nicht so sprache nachdenken, fangen durchschaubar – wir sind ein- wir an, komisch zu wirken. Ich fach nur sehr kommunikative gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn Wesen. Ich habe den Eindruck, sich jemand wirklich freut, sie sehr viele von uns haben das in- zu sehen, dann wird er zuerst zwischen verlernt. Die meisten den Gedanken haben: „Schön, starren lieber in ihr Smartphone diesen Menschen zu sehen.“ Als als sich für ihre Mitmenschen zweites setzt ein Lächeln ein und zu interessieren. dann – als drittes erst – wird diese Person sagen: „Schön, Dich Könnte man umgekehrt auch zu sehen.“. Völlig falsch ist ein trainieren, verräterische Kör- „Schön, Dich zu sehen“ gefolgt persprache zu vermeiden? Oder von einem Lächeln. Wenn wir sind wir zwangsläufig leichte das bei unserem Gegenüber seBeute für geschulte Augen? hen, merken wir intuitiv sofort: Die Energie folgt der Aufmerk- „Da stimmt was nicht.“

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Bilder: Erfolgsdenker, Havener: Jennifer Braun

Am 28. Oktober gastiert Bodo ren und zum Machen anregen. Schäfer in der Siegerlandhalle. Und sie sind überzeugt, dass Gemeinsam mit Tobias Beck, das geht. Die Ironie dabei: Dass Gerald Hörhan und Dr. Ben zwei Sauerländer mit einer Idee Baak wird er den ersten Er- das Siegerland nach vorne brinfolgs- und Querdenkerabend gen wollen – das ist ungefähr so in Siegen gestalten. Und klar ist: verrückt, als würde der DüsSchäfer wie auch die anderen seldorfer dem Kölner erkläRedner werden ren wollen, was die rund 2500 Karneval ist. Z u h öre r i n n e n Trotzdem lassen und Zuhörer, die sich die Schemaximal an der rer-Brüder nicht Ve r ans t a ltu ng davon abbringen teilnehmen könund sind ausgenen, dazu brinsprochen zuver(Bodo Schäfer) gen, mit mancher sichtlich, dass vertrauten und lieb gewon- der Abend ein voller Erfolg nenen Sichtweisen zu brechen. wird. Unter anderem nämlich Dazu gehören ganz praktische deshalb, weil sie von einem der Dinge wie „Mach keine to-do- Grundsätze von Bodo Schäfer Listen“ (spannende Frage … überzeugt sind: Dass man groß denn warum eigentlich nicht?). denken muss – und reich denAber sie räumen auch mit ech- ken. „Ich nehme mir ein Ziel ten Glaubenssätzen auf. Wie und das nehme ich einfach mal dem, das Geld machen wollen zehn“, sagt Bodo Schäfer. Geetwas Schlechtes sei. Bodo Schä- nau das ist die Idee hinter dem fer zum Beispiel vertritt da eine Querdenker-Abend in der SiePosition, die sich im besten Fall gerlandhalle, sagen die beiden als „unkonventionell“ bezeich- Sauerländer. nen lässt – und von der wohl die Das mag philosophisch klinmeisten Deutschen erst einmal gen. Doch für die Scherer-Brünichts wissen wollen. Nämlich: der geht es um ganz Konkretes: Dass man Geld lieben kann. „Fragst Du dich manchmal, warum dem einen Menschen im Leben alles zufällt, und dem anderen einfach nichts gelingen will? Wieso kann jemand besonders gut mit Menschen umgehen und warum ist jemand anderes ein Millionär?“, so Marco Scherer. Und sein Vielleicht sagt Schäfer deshalb Bruder Steffen liefert die Antauch meistens gleich, dass Geld wort gleich mit: „Genau danicht alleine das Wichtigste sei. rum wird es an diesem Abend Die Idee jedenfalls zu der gehen. Bodo Schäfer und auch Querdenker-Premiere im Sie- die anderen Speaker werden gerland hatten zwei Sauerlän- vor allem eines leisten: Sie erder Nachwuchs-Unternehmer: möglichen ein Umdenken. Marco und Steffen Scherer. Die beiden sind die Denker, Planer Sichern Sie sich jetzt Ihre Tickets und Macher hinter dem Er- unter www.erfolgsdenker.net folgs- und Querdenkerabend. und seien Sie Teil dieser exkluSie wollen Menschen inspirie- siven Premiere.


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Bestform-Killer

Alkohol Alkohol vernichtet die Bestform. 1,3 Millionen Deutsche sind alkoholabhängig und mehr als 2 Millionen betreiben Alkoholmissbrauch. Das Feierabendbierchen und der Prosecco, zum Essen ein Glas Wein und in der Mittagspause ein ­ Aperitif? Alkohol schwächt bereits in geringen Mengen die Leistungsfähigkeit und ist ein unterschätztes Zell- und Nervengift, denn bei seinem Abbau entsteht das toxische Acetaldehyd. Dabei gibt es Studien zufolge keine unbedenkliche Dosis für dieses Gift. Alkohol zerstört nahezu alle unsere Organe. Er gelangt durch die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn und verändert die Wahrnehmung, die Reaktions- und Orientierungsfähigkeit. Nicht nur im Straßenverkehr, auch im Büro. Gehirnzellen sterben ab und das wirkt sich auf die Intelligenz und die Persönlichkeit aus. Tückisch daran ist, du erlebst im Moment des Konsums ein Hochgefühl und verdrängst dadurch den schleichenden Prozess der Selbstvernichtung. Alkoholkonsum führt zu Mangelerscheinungen in Bezug auf Nähr- und Vitalstoffe

und verursacht häufig Schlafstörungen. Wer am Abend zu tief ins Glas schaut, darf sich nicht wundern, wenn er morgens gerädert aufwacht. Ohne gesunde Bewegung keine Bestform Ein untrainierter Körper ist nicht nur wenig sexy, er behindert auch deine Lei-

lein durch diese Anstrengung entsteht ein Gefühl der Überlastung. Sport ist der Ersatz für die fehlende körperliche Arbeit in unserer modernen Welt. Die wesentlichen Effekte des Sports: Er fördert die Sauerstoffversorgung im Gehirn, baut Stress ab, lockert die Muskulatur, stärkt Herz und Kreislauf, baut Muskulatur auf und führt zu Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Aber auch schon kleine Bewegungseinheiten helfen deiner Verfassung. Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse hat herausgefunden, dass sich der Cholesterinwert und die Ausdauer bereits bei einem Extra von 3.000 Schritten pro Tag verbessern. Dieses Ziel kann man ganz leicht erreichen. Nimm zum Beispiel statt des Aufzugs einfach die Treppe und erledige mehr Wege zu Fuß als mit dem Auto.

Bilder: Depositphotos/Wavebreakmedia

100 % Bestform im Business wirst du nur erreichen, wenn du konsequent auf Alkohol verzichtest. stungsfähigkeit. Auf den Punkt gebracht: In einem schwachen Körper lebt ein schwacher Geist. Durch Bewegungsmangel verkümmern Muskeln und das HerzKreislauf-System funktioniert nicht mehr uneingeschränkt. Der Körper lagert unverhältnismäßig viel Wohlstandsfett ein. Schon kleine Anstrengungen bedeuten eine große Belastung für die Muskulatur und das Herz-Kreislauf-System, weil viel inaktive Masse bewegt werden muss. Al-

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Thomas Schlechter ist Business-Coach und Autor des Buches „100% Bestform im Business“

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Schlagfertig

So kontern Sie richtig

„N

a, sind Sie auch schon da?“ – „Pünktlichkeit ist ja auch nicht Ihre Stärke!“ – „Ach, meldest du dich auch mal?“ Wer kennt sie nicht, die kleinen alltäglichen Attacken, die Sticheleien, die uns treffen? Ohne Vorwarnung trifft Sie ein unfreundlicher Spruch. Manchmal entsprechen diese Aussagen auch noch der Wahrheit – das macht es umso schlimmer. Das Gefühl der Sprachlosigkeit, wenn man mit derartigen Dingen konfrontiert wird lässt Menschen verunsichern. Nicht mehr sprachlos sein, immer einen Spruch parat haben – dazu müsste man in der Lage sein. Und tatsächlich lässt sich die Fähigkeit erlernen. Letztlich bezeichnet Schlagfertigkeit die Kunst, spontan und geschickt in einer für einen selbst unangenehme Situation zu reagieren und etwas zu entgegnen. Dies hat zum Ziel, verbale Attacken des Angreifenden zu unterbinden und diesem zusätzlich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Mit der Folge, dass dieser bzw. seine verbale Attacke fragwürdig erscheint. Der Andere hingegen wirkt souverän und selbstsicher. Schlagfertige Menschen wirken charismatischer und selbstbewusster auf ihr Umfeld. Die häufigste unterbewusste Reaktion auf einen Spruch ist Flucht. Genau darin liegt die Ursache dafür, dass Sie keine schlagfertige Erwiderung parat haben. Stattdessen versuchen Sie eine vollkommen natürliche Antwort zu geben, die häufig eine emotionale Gegenreaktion darstellt. Zum Beispiel zurück provozieren oder beleidigt flüchten. Es ist jedoch nicht verwunderlich, dass eine clevere oder witzige Reaktion eindrucksvoller und nachhaltiger wirkt. Und wer träumt nicht davon, auf Beleidigungen, ungerechtfertigte Kritik oder Sticheleien spontan und schlagfertig reagieren zu können? „Ist es das erste Mal, dass Sie das machen?“ – Haben Sie diese Worte auch schon mal gehört? Hatten Sie die Möglichkeit, sich zur Wehr zu setzen?

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Oder haben Sie es hingenommen und Ihre Wirkung war eher semi-optimal? Attacken – egal in welcher Ausführung sie vorkommen – sollten entsprechend pariert werden, diese Fähigkeit haben einige Menschen von Natur aus, andere müssen sich diese erst aneignen. Dabei spielt die Berufsgruppe keine Rolle – egal ob eine Führungsposition, eine Verkäuferin, ein Busfahrer oder auch Bedienstete des Staates. Jeder Mensch wird mal provoziert und welche Reaktion erfolgt? Stot-

lernen und dann systematisch anwenden. Folgende Dinge sind wichtig, um überhaupt schlagfertig reagieren zu können: 1. Die Fähigkeit, sich zur Wehr zu setzen. Zeigen Sie Mut zur klaren Reaktion. Sie können es nicht Allen recht machen. Dabei geht es auch primär nicht darum, was Sie sagen, der Inhalt ist vergleichsweise unwichtig, denn es geht eher darum, dass überhaupt eine sofortige Reaktion erfolgt und Sie sofort etwas erwidern. 2. Die eigene Argumentationsfähigkeit. Behalten Sie auch in Stresssituationen einen klaren Kopf und vertreten Sie Ihre eigne Meinung, dies zeugt von einem hohen Maß an persönlicher Integrität. 3. Und letztlich: Humor. Machen Sie sich über den Angriff lustig und nehmen Sie ihn nicht persönlich. Nehmen Sie sich selbst nie zu ernst und zeigen Sie auf diese Weise Ihre Gelassenheit.

Mut zur klaren Reaktion  tern oder eingeschüchtertes Schweigen. Aber das Schlimmste ist – und das kommt recht häufig vor – kurze Zeit nach dieser verbalen Attacke fällt uns eine passende Antwort ein. Eine ironische Antwort, die vor Eleganz nur so strotzt. Aber nie dann, wenn sie auch wirklich gebraucht wird. Der Aggressor hat seinen Aggressionen Luft gemacht, der Empfänger hingegen kaut einen Tag lang auf seiner Antwort herum; grübelt, was er hätte antworten können, um vielleicht nicht ganz so unsicher, auszusehen. Schlagfertigkeit ist nicht (immer) angeboren. Nach einigen Regeln kann man sie er-

Wenn Sie an Ihrer eigenen Schlagfertigkeit arbeiten, können sich nachfolgende Dinge für Sie positiv verändern: 1. Sie haben die Möglichkeit, sich bei Ihren Kollegen und Vorgesetzen Respekt zu verschaffen. 2. Sie steigern Ihre Souveränität. 3. Sie verbessern Ihr Selbstwertgefühl und steigern Ihr Selbstbewusstsein. Die Schlagfertigkeitsformel 1. Köder kennen Fische ködern Sie mit Mais und Würmern. Sie müssen genau wissen, welche Köder den Fischen schmecken und welche nicht. Das ist bei Menschen auch so: Wir alle springen auf bestimmte Köder an. Themen, die uns provozieren. Erstellen Sie eine Liste mit Ihren wunden Punkten und Sie sind vorbereitet, wenn ein Spruch fällt.

Matthias Niggehoff

ist Psychologe und Mimikresonanztrainer, Coach und Mediator in Köln. Er ist einer der erfolgreichsten Podcaster Deutschlands

2. Kontrollmoment nutzen – MoC Der „Moment of Control“ bedeutet kurz für 1 bis 2 Sekunden inne zu halten. Durchatmen, innerlich kurz reflektieren und dann

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Talkmaster wie Jay Leno beherrschen die Schlagfertigkeit par excellence.

3. Reaktionen Es kommt bei einer schlagfertigen Reaktion jedoch nicht nur auf die Auswahl der Worte an, sondern auch auf die Körpersprache. Vermeiden Sie einen verschämten Blick zu Boden, lassen Sie Ihre Schultern nicht herabsinken und ziehen Sie den Kopf nicht ein. Stehen Sie stattdessen gerade, Brust raus, Kopf hoch und schauen Sie der Person gegenüber direkt in die Augen. Durch diese aufrechte Haltung Ihres Körpers und dem direkten Blickkontakt signalisieren Sie Selbstbewusstsein. Zustimmen Der stärkste Konter ist einfach cool zu zustimmen. „Na meldest du dich auch mal wieder?“ – „Genau! Ich rufe gerade an. Wie geht es dir denn?“ – Sie zeigen damit der Person, dass der Köder nicht funktioniert. Das bedarf natürlich einer großen Portion Mut. Garniert mit Humor und Selbstironie nehmen Sie damit jegliche Angriffsfläche. Mit Hilfe von Fragestellungen Zeit ­gewinnen Hierbei handelt es sich um eine einfache aber zugleich effektive Technik, mit deren Hilfe Sie Provokateure in Zugzwang setzten. Versuchen Sie mit Rückfragen zu kontern. Das könnte beispielsweise so aussehen: „Heute sind Sie aber keine besonders große Hilfe.“ Darauf Ihre Antwort: „Das ist ja interessant. Und was führt Sie zu dieser Meinung?“ oder auch „Das ist ja interessant. Wie kommen Sie darauf?“. Antworten Sie auf diese Art und Weise und Sie sind nicht gezwungen sich zu recht-

ist preisabhängig. Auf welche legen Sie wert?“ „Warum haben wir den Wahlkampf verloren?“ Ihre mögliche Antwort: „Die Frage kann man so nicht stellen, wir sollten lieber fragen: Was haben wir erreicht? …“ Die Methode, eine Frage zu stellen statt einer Antwort zu geben, ist besonders dazu geeignet, die Zügel eines Gespräches in die Hand zu nehmen. Warum? Wer die Fragen stellt, leitet das Gespräch.

fertigen. Sie können das Gespräch dann problemlos in andere ahnen lenken. „Das ist vollkommen falsch.“ Ihre Erwiderung: „Könnten Sie mir das näher erklären?“ Sie können auch mit „Was ist der Grund für diese Aussage?“, „Was genau meinen Sie damit?“ antworten.

 Wer die Fragen stellt,   leitet das Gespräch.  Eine derartige Erwiderung passt in (fast) jeder Situation, denn Sie können diese auch anwenden, obwohl sie wissen, was genau Ihr Angreifer mit seiner Aussage meint. Auf diese Weise gewinnen Sie etwas Zeit. Zugleich bringen Sie Ihr Gegenüber in Bedrängnis, seine aufgestellte Behauptung zu beweisen. Es wird sich also in der Folge zeigen, ob diese Behauptung haltbar aufgestellt worden ist. „Warum ist das so teuer? Geht das nicht auch günstiger?“ Ihre Antwort: „Qualität

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Sprichwörter nutzen Angreifer: „Das, was Sie eben gesagt haben, stimmt so nicht.“ Ihre Antwort: „Alle Flüsse fließen ins Meer.“ Das Sprichwort passt doch so gar nicht? Genau darum geht es, denn umso weniger das Sprichwort zu dem Gesagten passt, desto besser und verwirrender ist seine Wirkung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Ihr Gegenüber sich nach dem Sinn der Aussage erkundigen, darauf antworten Sie: „Denken Sie noch etwas darüber nach, es fällt Ihnen bestimmt ein.“ Bei dieser Technik kontern Sie mit einem Angriff mit einer völlig abwegigen Bemerkung oder einem Sprichwort, welches absolut widersinnig ist. „Zu viele Affen verderben den Brei.“ Wie Sie bereits an diesem Beispiel erkennen können, sind bei dieser Technik insbesondere die Sprichwörter oder Zitate geeignet, die irgendwie überall und auch nirgendwo so richtig geeignet sind. Ihre Verwendung hat die Wirkung, dass der Gegenüber nachdenken muss und wahrscheinlich auch etwas irritiert ist. Fazit: Jeder Mensch kann mit etwas Übung schlagfertiger werden. Entscheidend ist die selbstbewusste Haltung und der „Moment of Control“. Charisma, Durchsetzungsvermögen und durchaus auch Sympathie sind mit Schlagfertigkeit verbunden – Für den Beruf und privat ein echter Erfolgsfaktor.

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Bild: Depositphotos/S_Bukley, Niggehoff

erst reagieren. Das ist enorm wichtig. Wenn Sie sofort reagieren, handeln Sie aus einem „Stressmodus“ heraus. Meist entstehen dann keine schlagfertigen Reaktionen und kluge Handlungen. Mit dem „MoC“ kommen Sie automatisch auf bessere Sprüche.


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. . . und durch!  Sven Hannawald  spricht darüber, wie wichtig es ist, sich mit seinen Emotionen auseinander­ zusetzen.

Sven Hannawald ist ein ehemaliger deutscher ­Skispringer und heute TVExperte bei Eurosport sowie Unternehmensberater. Hannawald gewann 2002 als bislang einziger Sportler die Vierschanzentournee mit Siegen in allen vier ­Wettbewerben. Zuvor wurde er 1998 und 2000 zweimal hinter­einander Skiflug-Weltmeister. Bei den nordischen SkiWeltmeisterschaften 1999 und 2001 war er mit vier ­Medaillen erfolgreich.

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W

elche Bedeutung hat das Thema Emotion für Ihr Leben? Wichtig, weil ich es auch schon früher als Profisportler intensiv gelebt habe. Nachdem ich inzwischen das „normale“ Leben lebe, merke ich schon, wie man im Sport sehr verwöhnt ist. Dann kommt einem das Leben „relativ langweilig“ vor. Die natürlichen Reize wie schönes Wetter oder was man sonst im Alltag erlebt, kommen bei Weitem nicht dran, was man im Wettkampf erlebt. Da durfte ich wieder lernen, was die normalen Reize des Lebens sind und wieder sie zu genießen. Was sind die 3 wichtigsten Emotionen, die Sie mögen? Freude, Begeisterung und Traurigkeit. Traurigkeit, ob das jetzt Verlust von Menschen ist oder auch von Tieren, möchte man vermeiden, sie gehört aber zum Ausgleich mit dazu. Das Leben hat zwei Seiten: das Schöne und das nicht so Angenehme. Das gehört alles zum Leben dazu. Was ist eine typische, alltägliche Emotions­blockade in Ihrem Leben? Sich dagegen zu wehren, macht es schlimmer. Zulassen ist wichtig. Durch den Burn out habe ich viel über das Leben gelernt und wie es funktioniert. Heute weiß ich, wenn man verdrängt, kann es später schlimmer kommen. Das bedeutet also, es zuzulassen, es zwar nicht als normal hinzunehmen, aber zu akzeptieren, dass es ist, wie es ist.

Bilder: Staedler, Uth

Wenn Sie in kritische Situationen - Stress, Überforderung, Kritik, Konflikte - kommen, wie schaffen Sie es, sich zu sammeln und zu orientieren? Das lernt man auf jeden Fall im Sport. Da hat man gewisse Situationen, die einem nicht so lieb sind, die aber trotzdem vielleicht so sein müssen. Dementsprechend muss man einfach einen Schritt vorwärts gehen und dann ist sowieso irgendwann mal das Ende absehbar. Das ist ja nicht auf Dauer, sondern einfach eine Situation, deren Ende in den meisten Fällen vorprogrammiert ist. Wenn man sie einmal anfängt, weiß man, dass man dadurch dem Ende näher kommt. Das bedeutet also, es ist auch bald vorbei. Das heißt, Sie sind aus so einer aktuellen Situation in der Lage, einen Blick in die Zukunft zu werfen? Ja, genau das lernt man im Sport. Welche Rolle spielen in so einer Situation dabei Ihre Bedürfnisse?

Ich kann nicht immer machen, was ich möchte. Sprich in einer Situation, wenn mir etwas widerfährt, was ich nicht möchte, kann ich nicht machen, was ich will, sondern da muss ich dann durch. Ich beschäftige mich dann gezielt mit dem Thema, dass ich im Grunde so schnell wie möglich loswerden möchte. Damit ich das unerwünschte Thema schneller hinter mir habe. Wie schaffen Sie es immer wieder, sich selbst in fordernden Situationen ­offen und selbst­kritisch zu begegnen? Die Einsicht, dass man sowohl positive als auch negative Seiten hat. Das ist die schnellste Lösung für alle. Das macht man sicher lieber und schneller im Sport als im „normalen“ Leben. Gerade im Sport, wo Leistung und Ergebnis top sein muss, lernt man relativ schnell, wie man selber gestrickt ist und wie man dann auch besser vorwärts kommt. Denn wenn man das nicht macht, lebt man in seiner eigenen Welt und wundert sich, dass man über all aneckt und nicht vorwärts kommt. Und komischerweise sind dann immer alle anderen daran schuld.

es muss nicht grundsätzlich schlimm sein. Was man auch da wieder vom Sport lernt, ist es, einen Schritt nach dem anderen zu gehen und nicht schon wieder los zu rennen, sondern erst mal ein Gefühl für das Neue zu entwickeln. Wie finden Sie für sich heraus, was machbar ist? Viele Menschen glauben, das alles machbar ist. Aber das Gefühl, was im gesunden Rahmen machbar ist, muss man ausloten. Man muss sich vor allem zurücknehmen. Wichtig ist zu wissen, dass, wenn man seinem eigenen „Instinkt“ nachgeht, zuviel macht und sich überfordert. Auf der anderen Seite ist man mit der Hälfte nicht zufrieden. Also muss man da für sich selbst einen gesunden Weg finden, bei dem man zwar alles gibt, danach dann aber auch Pause macht. Genau das ist der Unterschied für mich zu damals. Da wären die Pausen zwar da gewesen, aber ich habe mich mit der Materie weiter beschäftigt statt Pause zu machen. Heute sieht es so aus, dass ich es eine gewisse Zeit lang durchziehe, dann aber Pause angesagt ist. Das sind so natürliche Dinge, wie dass ich spazieren gehe oder jetzt mit Staedtler das Ausmalen der Mandalas. Dinge, die eigentlich so nahe liegen und die ich genieße. Ich bin kein Handy Liebhaber, der die ganze Zeit drauf schaut. Ich lese natürlich schon was los ist, aber nicht alle 10 Minuten, sondern setze mir Zeiten morgens oder abends und somit habe ich da nicht so viel Input.

Durch den Burn out habe ich viel über das Leben gelernt und wie es funktioniert.

Was unterstützt Sie in Veränderungsprozessen, sich neu auszurichten und neue Perspektiven zu erlangen? Wenn eine neue Orientierung sein muss, ist es ein Zeichen, dass man am alten nicht mehr festhalten kann. Sprich, dass es einem bewusst wird, das man an alten Dingen nicht festhalten kann. Dementsprechend muss das Neue also sein, aber

Wie pflegen Sie Ihre Selbstfürsorge? In dem ich das mache, was ich machen möchte, beziehungsweise ich mich mehr damit beschäftige, worauf ich Lust habe. Familie ist mir wichtig, meine Hobbys sind mir wichtig, das Berufliche und die Gesundheit. Das sind die vier Themen, die für mich ein komplettes Leben sind. Für mich ist nicht nur Familie nur der Beruf oder nur der Sport oder die Hobbys wichtig, sondern das ist ein Paket, dass ich lebe.

Dipl. Oec. Carmen Uth, hier im Interview mit Sven Hannawald. Sie ist Emotionstrainerin und Begründer der 5+ABS® Methode für Umgang mit Emotionsblockaden.

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Fällt Ihnen spontan noch etwas Wichtiges zu diesen Themen ein? Emotionen machen das Leben lebenswert, sind aber nicht in jeder Situation auslebbar. Sie gehören dazu. Was man aber lernen muss sie in gewissen Situationen zu dämmen, Haus zu halten und in einer anderen Situation kann man sie mehr ausleben. Das kommt drauf an.

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Scheitern nicht vorgesehen  Warum uns  Niederlagen  erst recht  erfolgreich  machen können  Scheitern ist tabu. Betrachten wir es jedoch als Chance, so wachsen wir an Niederlagen, entwickeln neue Kräfte für erfolgreiches Handeln. Interessant dabei ist nicht die Niederlage an sich, sondern das, was verhindert, dass sie zur Katastrophe wird. „Scheitern“ – das Wort macht schauern. „Gescheiterte Existenz“, ein vernichtendes Urteil. Einmal gescheitert, immer gescheitert. Entsprechend leugnen wir das Scheitern. „Pech gehabt“, „nicht so gut gelaufen“, „zur falschen Zeit am falschen Ort“. Aber tatsächlich ist Scheitern an der Tagesordnung. Trotzdem ist es das große „Tabu der Moderne“ (Richard Sennett). Nur durch Scheitern lernen wir Könnten Sie laufen, wenn Sie nach dem ersten Sturz auf die Nase von diesem frustrierenden Unterfangen abgelassen hätte?! Misserfolge sind lebenswichtig für uns. Sie lassen uns lernen, viel mehr als unsere Erfolge. Trial-and-error heißt die universelle Fortschrittsmethode schließlich. Was befähigt uns zur Bewältigung von Krisen? Erstens: Akzeptieren Sie, dass Sie allein sind. Freunde, Familie, Kollegen, Geschäftspartner – sie alle sind Partei. Sie sind von Ihrer Krise betroffen, leiden mit. Zweitens: Damit Sie mental und emotional nicht überfordert werden, gilt es rechtzeitig zu reagieren. Schlagen Sie Sicherungshaken ein, sobald Sie auf unsicherem Terrain sind, nicht wenn Sie bereits abrutschen. Sie erledigen nicht nur Probleme und verschaffen sich Luft. Sie generieren aus dem souveränen Umgang mit der Krise Selbstvertrauen. Der Weg aus der Krise ist enorm Kräfte raubend. Sie werden tagelang nicht aus dem Bett kommen, Ihre Zeit mit Daddeln am Computer verbringen oder vor der Glotze.

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Ich nenne das „Bademantel-Depression“. Lassen Sie das gar nicht erst zu. Sie sind ein erfahrener Manager. Managen Sie Ihr größtes Projekt, den Weg aus der Krise. Der Weg aus der Krise Suchen Sie sich einen Co-Piloten. Qualifiziert ist jemand, für den Scheitern kein Tabu ist, geschweige denn Schrecknis. Der Co-Pilot muss in seinem Urteil unbestechlich sein. Er muss positiv und affirmativ sein, ohne Lösungen zu versprechen. Lenken müssen schließlich Sie! In Extremsituationen handeln wir instinktiv. Die phylogenetischen Gehirnzentren, die zu analytischem Denken befähigen, sind weitgehend blockiert. Um Herr der

Radikale Akzeptanz Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder Sie zerbrechen an der Situation oder Sie akzeptieren sie. Nennen Sie das Schreckliche beim Namen, stellen Sie sich. Vergeuden Sie keine Zeit mit Rückschau, das endet in zermürbender Selbstzerfleischung. Fehler sollten erst mit einem gewissen Abstand analysiert werden. Der Helikopterblick Sich einen schnellen und umfassenden Überblick zu schaffen, ist das Wichtigste in der Krise. Nur so bleibt man navigationsfähig. Support leisten kann dabei Ihr Co-Pilot. Er hat den neutralen, realistischen Blick auf die Sachlage, der Ihnen fehlt. Ohne einen bedingungslos vertrau-

Mit Co-Pilot neu durchstarten Lage zu bleiben, muss das Handlungs-Tempo gesenkt und jede „Bauchentscheidung“ ausgeschlossen werden. Es ist ratsam, sich einen Co-Piloten zu suchen, dem Sie sich in dieser Situation anvertrauen können.

Felix Maria Arnet

ist Experte für persönliches Wachstum. Er arbeitet als Executive Coach, Speaker und Autor in Wiesbaden.

enswürdigen Co-Piloten hätte ich meine Krise nie überwinden können. Ballast abwerfen In die Gänge kommen hat Priorität. Reduktion ist das Gebot der Stunde. Auch ein Mittelklassewagen fährt schließlich und es gibt auch schöne kleine Wohnungen. Im Job, z.B. als Selbständiger, helfen Kooperationen in Raum und Angebot, wieder flott zu werden. Auch Schuldfragen dürfen Sie in dieser Situation nicht belasten. Klären Sie diese nach der Krise, wenn Sie sich noch erinnern. Wenn nicht, belastet es Sie nicht beim Neustart. An die eigene Stärke glauben Gedankenhygiene ist angesagt. Raum ist nur für saubere Gedanken und Ihre Stärken. Wer immer über den negativen Ausgang der Situation nachdenkt, tut un-

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bewusst alles dafür, dass es tatsächlich so kommt wie prophezeit. Leben im Hier und Jetzt Wer sich darin übt, achtsam zu leben, wird schnell den Wert der kleinen Dinge und die Kostbarkeiten des kleinen Fortschritts entdecken. Achtsamkeit bedeutet, empfänglich zu sein für den Moment, und nur für den Moment! In einer Krise ist diese Haltung das Schutzschild für Ihr geschundenes Ego. Auch Krisen haben ein Ende Die Chancen, Scheitern zu überwinden, stehen besser, wenn wir Hoffnung auf einen positiven Ausgang haben. Als motivierende Leitbilder können dabei prominente oder von Ihnen geschätzte Persönlichkeiten dienen, die eine Lebenskrise überstanden haben. Selbst wenn im Moment noch kein Licht am Horizont erscheint, hilft der Gedanken an ein gutes Ende.

Bild: Depositphotos/Maxisports, Arnet: Privat, Cover: Gabal

Realistische Ziele entwickeln und Prioritäten setzen Die Bewältigung der Krise schafft ein neues Selbst-Bewusstsein. Das Leben wird entspannter. Superlativen erhalten eine Absage. Wer kleine Ziele nacheinander, step-by-step, angeht, sieht seine Erfolge und kann sich daran aufrichten. So entsteht neue Kraft, man wagt, Hürden zu nehmen, die unüberwindlich schienen. Wenn wir unsere Prioritäten auf die Gegenwart und auf kleine Ziele ausrichten, leben wir befreiter und intensiver. Rückschläge sieht man gelassener, weil sie weniger bedeutungsvoll sind.

Scheitern ist nie angenehm. Wenn es, wie hier, unter den Augen von Tausenden von Menschen geschieht, wird es noch schwerer, damit umzugehen. Hier: David Villa von FC Barcelona während eines Spiels mit real Betis 2011.

Dennoch: Das Thema Scheitern bleibt ein Tabuthema. „Es ist bis heute noch immer nicht selbstverständlich ... Scheitern nach außen zu tragen und sich offen zu bekennen“, so der Soziologe Matthias Junge, der Mechanismen des Scheiterns erforscht. Manche Geschichten des Scheiterns haben ein Happy End, manche nicht, andere sind noch nicht zu Ende erzählt. Immer aber ist unser Scheitern eine Chance zu wachsen, denn im Moment der Niederlage stellt sich die Frage: Wer bin ich?

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Story

Bild: Zitelmann privat, Cover: FBV

Wenn du nicht mehr brennst, starte neu

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Von Julien Backhaus ainer Zitelmann, der mittlerweile zwei Doktortitel verliehen bekam, ist ein Geschichtenerzähler. Im ersten Leben viel veröffentlichter Historiker, im zweiten führender Journalist beim größten Zeitungsverlag der Republik und im dritten Bestsellerautor von Erfolgsratgebern. Und wir sind noch nicht am Ende. Er ist außerdem Forscher und hat Deutschlands erste Reichenstudie über Supervermögende veröffentlicht (was gleichzeitig seine zweite Doktorarbeit war). Dann wäre da noch die größte PR-Agentur für Immobilienunternehmen, die Zitelmann vor 17 Jahren in Berlin gründete. Fehlt noch was? Zwischendurch wurde Zitelmann Multimillionär mit seinen Investments und Unternehmungen. Und nicht

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zu vergessen: Zitelmann ist mit seinen 60 Jahren erfolgreicher Bodybuilder und dient den führenden Sport-Magazinen als Experte. Bei alle dem kommen wir schnell zurück auf den Geschichtenerzähler. Schon immer hat Zitelmann die Geschichten einflussreicher Leute erzählt. In seiner Jugend war es Mao, als Kind pflegte er zuvor bereits eine Brieffreundschaft mit Willy Brandt. Seine erste Doktorarbeit handelte von Adolf Hitler. Später fing er an, die Geschichten und Erfolgsprinzipien großer Unternehmer wie Steve Jobs, Bill Gates und Richard Branson aufzuschreiben und machte daraus Bücher wie „Setze

dir größere Ziele“ und „Reich werden und bleiben“. Diese Werke wurden nicht nur im deutschsprachigen Raum zu Kassenschlagern, auch im Ausland – insbesondere in USA und Asien – wurden die Bücher übersetzt und stiegen zu Top-Titeln auf. Auch in seiner vorliegenden Biographie „Wenn du nicht mehr brennst, starte neu“ kommt das zum Tragen, was er durch seine vorherigen Bücher stets versuchte: Die Erfolgsstrategien der Großen und Mächtigen entschlüsseln und verfügbar zu machen. Zitelmann ist vielleicht nicht groß und mächtig, aber er hat sich ein interessantes Leben aufgebaut – so wie es ihm gefällt. Er lebt ganz und gar nach seinem Gusto. Und das kann und soll nach seinem Empfinden ein Modell für andere sein, es ihm gleich zu tun. Er selbst gibt zu, dass man die Kapitel über sein Leben getrost überspringen und gleich zu Kapitel 15 vorstoßen kann, in dem er seine 12 Lebensregeln erklärt. Seine Lebensgeschichte dient somit mehr der Verifizierung dieser Regeln. Zitelmann ist optimistischer Realist, was sich in seiner Regel Nummer zwei wiederspiegelt: Sieh die Welt, wie sie ist, nicht, wie du sie dir wünschst und nicht wie „man“ sie sehen soll. Vermuten könnte man jedoch, dass Regel Nummer sechs seine wichtigste Regel ist: Es ist nie zu spät, etwas Neues anzufangen.

»Es ist nie zu spät, etwas Neues ­anzufangen.« Rainer Zitelmann ist das Beispiel eines Mannes, der sich die Lebensmodelle anderer Erfolgreicher angesehen hat und sich einige Rosinen für sein eigenes Leben herausgepickt hat. Und wenn du halt nicht mehr brennst für das, was du da gerade tust, dann starte eben neu.

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Erfolg Magazin, Ausgabe 3-2017  

BUSHIDO: Das Interview über Erfolg und Leben GEORGE CLOONEY: Sympathie-Code RALF MOELLER: Im Interview mit Mark Galal TIM WIESE: Karriere SV...

Erfolg Magazin, Ausgabe 3-2017  

BUSHIDO: Das Interview über Erfolg und Leben GEORGE CLOONEY: Sympathie-Code RALF MOELLER: Im Interview mit Mark Galal TIM WIESE: Karriere SV...

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