Page 1

3:09 AUGUST 2009

D A S

V I N E Y A R D

M A G A Z I N

DIE EIGENE STIMME FINDEN M A R L I N WAT L I N G WA R U M W I R E I N E A N B E T U N G S K U LT U R B R A U C H E N A N B E T U N G M I T S U B S TA N Z M A R T Y R E A R D O N


BESTELLUNGEN

TELEFON

S

ORDER

0049 (0)6232 980 118

ON-LINE

w

FUR RIOU US LOV VE 11 NEUE SONGS AUS US-GEMEINDEN, MIT CHRIS LIZOTTE U.A.

¥ 15,95

CHF 29,80

RYAN DELMORE

THE SP PIR RIT T, TH HE WAT TER R, AND THE E BLOO OD E L E M E N T E V O N C O U N T RY, R O C K , G O S P E L U N D FOLK VERSCHMELZEN ZU EINEM ANGENEHMEN HÖRERLEBNIS.

¥ 15,95

CHF 29,80

Hörbeispiele unter...

I DE OUGE VO DE BRÜEDER

UNFAILLING LOVE

I BELONG

A CASA MIA

SIMON FANKHAUSER, SCHÖNE MELODIEN IM ACCUSTIC-STIL UND CH-TEXTEN

MIT DER ANBETUNGSBAND DER TRENT VINEYARD IN NOTTINGHAM

DAS WUNDERBARE ALBUM VON KATHRYN SCOTT

DIE ITALIENISCHE PRODUKTION

¥ 12.95

¥ 15.95

¥ 14.95

CHF 22.00

CHF 29.80

CHF 29.80

¥ 11.95

CHF 24.80

SHERRI CARR – FEARLESS NOW

IN HIS PRESENCE

10 JAHRE ANBETUNG – VINEYARD UK

RADIO EVERYTHING

WUNDERBARE STIMME, WUNDERBARE SONGS

11 SONGS AUS ANAHEIM

ZWEI 5-ER BOXEN, EINMAL LIVE / EINMAL STUDIO

DAS MINIALBUM DER TRENT-VINEYARD

¥ 15,95

¥ 15.95

CHF 29,80

CHF 29.80

Je Box: ¥ 29,95

CHF 29,90

¥ 7,45

CHF 13,90

BEWEGUNG WEGUNG MIT ZUKUNFT

PLAUSCH IM RÄGE

NATÜRLICH ÜRLICH ÜBERNATÜRLICH

FULL ATTENTION

DIE VINEYARD BEWEGUNG IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM

KIDS-PRAISE-CD MIT NEUEN SCHWEIZERDEUTSCHEN SONGS

DIE GESCHICHTE DER VINEYARDBEWEGUNG

KLASSE SONGS VON JEREMY RIDDLE!

¥ 7.00

CHF 11.50

¥ 15.95

Fr o m t h e C h u r c h , f o r t h e C h u r c h

CHF 29.80

¥ 9,95

CHF 18,50

¥ 15.95

CHF 29.80


C : august 2009

3

3:09 Liebe Leserin, lieber Leser! Ich bin zwar kein Musiker, aber ein leidenschaftlicher Anbeter! Ohne es zu wissen, haben meine Eltern das Fundament dazu gelegt, als sie mir die ersten Platten von U2 schenkten. Mann, was sind deren frühe Platten anbetend! Mitten in den besten Teeniejahren habe ich die ersten Vineyard Anbetungskassetten erhalten und konnte manchmal gar nicht mehr mit Singen aufhören. Abends hörte ich so lange mit meinem Walkman (für alle jungen Leser: ein portabler Kassettenspieler) Anbetungslieder und sang sie natürlich mit, dass meine Schwester im Nebenzimmer oft nicht einschlafen konnte. Ich kann mich gut mit Marlin Watling identifizieren, der im Leadartikel schreibt, wie die Songs sein Herz bewegten, die Coolness schmelzen ließen und ihm einen Zugang zu Gott gaben, den er bis dahin nicht kannte. Genau das ist mir immer wieder auch passiert. Die innigen Songs der Vineyard gaben mir eine Stimme, um mich Gott gegenüber sehr persönlich auszudrücken. Diese Begegnungen mit Gott stillten einen Hunger in mir und weckten interessanterweise gleichzeitig einen noch stärkeren Hunger nach der Gegenwart Gottes! Dabei spreche ich nicht einfach von einem Moment intensiver Gefühle. Jede Begegnung war eine Einladung, die nach einer Antwort von meiner Seite schrie: Will ich ihn wirklich in jede Entscheidung meines Lebens einbeziehen? Hat er den ersten Platz in meinem Leben? Ist er der Fokus meiner Anbetung, wie Richard Clinton in den «Leadership Insights» fragt? Kein Anbeter kommt an dieser Entscheidung vorbei. Ich liebe die Begegnung mit Gott. Ich liebe es, ihm mein Herz und meine Liebe auszudrücken. Durch meine Arbeit bei Vineyard Music habe ich über die Jahre Hunderte von Anbetungsliedern kennengelernt. Nicht jeder Song hat mich auf dieselbe Weise berührt und mir dabei geholfen, diesen Zugang zu finden. Gerade wenn ich den 728. Anbetungssong beschreiben musste, war ich manchmal echt herausgefordert. Gleichzeitig hat mich das aber auch begeistert. Ja, es wird unglaublich viel geschrieben. Ja, es erscheint eine kaum zu überblickende Menge an Songs. Ja, nicht jeder Song ist gleich zugänglich, tiefsinnig oder qualitativ hochstehend. Und es stimmt, manchmal scheint die ganze Anbetung sehr kommerzielle Seiten erhalten zu haben. Aber gleichzeitig ist dies auch Ausdruck davon, dass die innige Art der Anbetung in der Christenheit etwas Natürliches geworden ist. Das war eines der Ziele von Vineyard Music: Wir wollten an alle weitergeben, was Gott uns gegeben hat. Dennoch bleibt die Aufgabe unter diesen neuen Vorzeichen die Gleiche: Wir wollen das Verlangen nach der Gegenwart Gottes kultivieren. Dazu müssen wir erneut unsere eigene Stimme finden. Die Entwicklung von vineyardmusic2.0 ist ein begeisternder Schritt in diese Richtung!

4 8 10

feature Warum wir eine Anbetungskultur brauchen M A R L I N WAT L I N G

focus Die eigene Stimme finden M A R L I N WAT L I N G

focus Anbetung mit Substanz MARTIN REARDON

14 16 17 20 21 22

aus den vineyards Singsalabim RAHEL OESTER

word study Anbetung P E T E R D AV I D S

aus den vineyards Gott als Mittelpunkt der Anbetung RICHARD CLINTON

gemeindegründung Give your best away M A R L I N WAT L I N G

training Perspektivwechsel praktisch MARCUS B. HAUSNER

martins tagträume Worship – Innigkeit – Freiheit – Leben! MARTIN BÜHLMANN

Marius Bühlmann

Thema der nächsten Ausgabe, November 2009: Gemeinschaft und Gerechtigkeit

«Equipped» ist das Magazin der Vineyard Bewegung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Artikel geben die Meinungen der Autorinnen und Autoren wieder und müssen sich nicht mit jenen der Vineyard D.A.CH decken. Ausführliche Infos, Bestellung und Kundendatenänderungen unter: www.vineyard-dach.net Herausgeber Vineyard D.A.CH, Zeughausgasse 14, Postfach 5424, CH-3001 Bern, Tel. +41 (0)31 327 11 77, Fax +41 (0)31 333 15 19

Druck / Anzeigen Jordi AG, Belp, +41 31 818 01 25 maya.lanz@jordibelp.ch

Chefredaktion Martin Bühlmann

Banverbindung Schweiz NEU: Vineyard Empowerment IBAN CH59 0630 0016 9803 6830 1 Valiant Bank, 3001 Bern BC: 6300 Postscheck-Nr.: 30-38112-0 Kontonr.: 169.803.683.01

Leitender Redaktor Marius Bühlmann

Mitarbeiter: Richard Clinton, Peter Davids, Michel Fischer, Til Gerber, Marcus Hausner, Gerhard Laqua, Johannes Leuchtmann, Ingrid Moser, Rahel Oester, Marty Reardon, Sara Timothy & Marlin Watling

Bankverbindung Deutschland und EU NEU: Vineyard-DACH-Equipped Kto. 5353793 BLZ: 52060410 BIC / SWIFT: GENODEF1EK1 IBAN: DE34520604100005353793 EKK Kassel

Erscheint viermal jährlich

Aboverwaltung: www.vineyard-dach.net

Gestaltung und Layout fortissimo : think visual www.fortissimo.ch

Auflage 2000 Abonnement CHF 24.–, bzw. ¥ 16.–


4

C :feature

I.

Beten lernen

«Lasst uns anbeten!», spricht Bene Müller in einer Freiburger Konferenzhalle von der Bühne. Die 400 Konferenzteilnehmer erheben sich von ihren Stühlen und warten gespannt. Die Stimme lässt sich klar als aus dem Schweizer Kernland lokalisieren. Das breite Grinsen, der Vollbart und die Halbglatze wirken freundlich und einladend. Die Band und der euphorische Gitarren-Wipp-Schritt erinnern an eine Abi-Band, die gerade einen Plattenvertrag angeboten bekommen hat. Das erste Lied startet mit Energie: Die ganze Stadt wird singen – Du bist König!

WARUM WIR EINE

ANBETUNGSKULTUR BRAUCHEN

Die meisten Anwesenden sind vom ersten Lied an mit dabei. Hände in die Luft und lautstark mitsingen. Fast wie auf einem Bon-Jovi Konzert. Über die nächsten 40 Minuten wird die Musik immer ruhiger und ich merke, wie Gänsehaut mich befällt. «Das ist ja fast wie Trance», sagt später meine Tante, die während der 4 Tage die Hände-indie-Luft-Haltung nicht teilt. Es ist meine erste Konferenz, meine erste Begegnung mit Vineyard und ein Wendepunkt in meinem Leben. Martin Bühlmann betritt nach der Band die Bühne und redet auf eine Art und Weise über Gottes Liebe zu uns, als würde er einen Reisebericht vortragen. Geschichten, Einsichten und Perspektiven vermischen sich zu einem unterhaltsamen und bewegenden Erlebnis. Damals, 1994, trägt er noch ausführliche Locken auf seinem Haupt und fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle. Am Ende des Reiseberichts kommt die Einladung: «Wenn dich das bewegt, komm nach vorne und lass für dich beten.» Ich bin zu jung und zu cool, um so was zu machen. Bestimmt die Hälfte der Teilnehmer hat entweder dieses Problem nicht oder setzt sich darüber hinweg. Vier Tage später reise ich mit dem Zug nach Hause und meine Coolheit ist geschmolzen. «Reinige mein Herz», singe ich vor mich hin, «mach mich rein wie Gold in deinem Feuer». Dieses Lied lernte ich auf der Konferenz kennen. Es brachte mich zu Tränen. Es bewegte mein Herz. Über die nächsten 2 Jahre wird es zu meinem Ohrwurm. Es formte mein Leben. Dieses Lied gab mir eine Vokabel und einen Zugang zu Gott, den ich bis dahin nicht kannte. Als die Jünger ihre 3 Jahre mit Jesus verbrachten, baten sie ihn nur einmal: «Lehre uns». Nur einmal. Und dieses eine Mal ging es ums Gebet. «Herr, lehre uns beten» (Lukas 11,1). Das ist erstaunlich. Von all den Dingen, die Jesus tat, wollten sie Gebet gelehrt bekommen. Nicht Reden, nicht Umgang mit Menschen, nicht Wunderheilen. Gebet! Und sie kannten Jesus hinter den Kulissen, wie er Tag für Tag lebte und was ihn ausmachte. Die Beziehung zu seinem Vater schien sie so beeindruckt zu haben, dass sie darüber mehr wissen wollten.


5

«Als ich Pastor wurde», so Eugene Peterson in seinem Buch The Contemplative Pastor, «hatte ich eine große Begeisterung für Wissensvermittlung. Ich kam in die Gemeinde und sah ihr großes Potenzial als Lernzentrum, so eine Art Mini-Universität, wo ich der lehrende Professor war. Dann kam mir eines Tages eine schockierende Erkenntnis: Diese Leute, mit denen ich jetzt lebte, kamen nicht, um die Fakten der Philister oder Pharisäer zu lernen, sondern zum Beten. Sie hatten Hunger danach, in Christus zu wachsen, nicht um einen Test in Dogmatik zu bestehen. Ich begann, das Naheliegende zu verstehen: Meine zentrale Lehraufgabe als Pastor war es, Menschen das Beten beizubringen.» Die Beziehung zum Vater ist Ziel unseres Wirkens in der Vineyard. Jesus kam, um den Vater zu offenbaren und Menschen zum Vater zu führen.

Das Zweite, das mich an der Bitte der Jünger erstaunt, ist, dass sie offenbar gelehrt werden mussten. «Lehre uns» ist eine Bitte um Anleitung. Es genügt ihnen nicht, Jesus jeden Tag zu beobachten und dann selbst auszuprobieren. So wollten darin geschult werden. Über die Jahrhunderte nutzen Menschen die Psalmen, um beten zu lernen. Geistliche Begleiter halfen Menschen, gute Formen des Gebets zu finden. Sie berieten bei Schwierigkeiten und boten Ratschlag, wenn nötig. Dietrich Bonhoeffer nannte das die ‘Schule des Gebets’ – wie Kinder sprechen lernen, weil ihr Umfeld sie prägt, so lernen wir Gebet durch andere, die den Weg vor uns gegangen sind.


6

C :feature Einige Wochen nach der Freiburger Erfahrung sitze ich mit meiner Oma im Wohnzimmer. Wir teilen uns für ein paar Wochen ihr Haus, und da kommt die Idee, dass wir zusammen beten. Für die Familie, für die Gemeinde, für alles irgendwie. Also sitzen wir zusammen, und ich beginne mit meinen neuen Vineyard-Vokabeln zu beten. Es ist gut und ich fühle mich mit Gott ‘connected’. Als ich meine ersten Gedanken geteilt habe, bin ich ruhig, um der Oma Platz zu lassen für ihr Gebet. Ruhe. Eine Minute. Noch eine. Mir kommen neue Gedanken, ich bete nochmals, bis ich fertig bin. Eigentlich wäre jetzt Oma dran. Stille. Lange Stille. Neue Gedanken, ich bete, wieder Stille. Sehr lange Stille dieses Mal. Irgendwann sage ich ‘Amen’. Damit ist das Gebet erst mal vorbei. Mit einer Mischung aus Verwunderung und Enttäuschung sage ich: «Oma, du kannst ruhig auch laut beten. Dann würde ich auch mitbekommen, was dich bewegt und was du Gott sagst.» Sie antwortet verlegen: «In meiner Generation hat man das nie so gemacht.»

lichen Fragen bauen wir auf Einsatz und Disziplin. Dabei zeichnet die Bibel ein ganz anderes Bild. Der jüdische Theologe Abraham Heschel meint: «Die gesamte Geschichte der Menschheit kann anhand der Bibel in einem Satz zusammengefasst werden: Gott sucht Menschen.» In erster Linie ist es die Initiative Gottes, die Leben und Erlösung bringt. «Als sich Adam und Eva vor Gott versteckten, rief der Herr Wo bist du? (1. Mose 3,9). Dieser Ruf ergeht wieder und wieder. Es ist das Echo dieser Stimme, das durch die Welt hallt.» Gott ist der Aktive. Er ist der Party-Organisator. Er erinnert uns daran, dass das Leben schön ist. Jesus formuliert es so: «Gott sucht Anbeter!» (Johannes 4,24). Die Suche Gottes ist der Anfang unseres Lebens mit ihm. Wir sagen ja zu seiner Einladung und werden zu den Anbetern, die er sucht. Jeden Tag sind wir zu einer Überraschungsparty eingeladen – zusammen mit aller Welt. Oder wie Paulus es sagt: «...in den Wegen zu wandeln, die er vorbereitet hat» (Eph. 2,10).

II Gott sucht Wenn Marianne Berger nach ihrem schönsten Geburtstag gefragt wird, dann kommt es wie aus der Pistole geschossen: «Der Zweiunddreißigste!». Sie strahlt, als wäre der Tag heute. «Das war eigentlich ein mäßiger Tag», sagt sie mit mehr Begeisterung in jedem Wort. «Ich hatte nichts geplant und auch einiges zu tun. Als ich mittags nach Hause kam, waren alle meine Freunde in meiner Wohnung. Alle! Und sie schmissen eine wunderschöne Party. Wir feierten, aßen und hatten eine tolle Zeit zusammen. Ich wusste vorher nichts, gar nichts!» Jesus sprach oft über das Reich Gottes als ein Fest – eine Hochzeit, ein Festmahl, eine Spontanparty.

Als heute Morgen die Sonne aufging, hat sie niemand angekurbelt. Als der letzte Regen fiel und die Erde bewässerte, hatte niemand einen Antrag gestellt. «Es ist so viel DA – neben uns, über und unter uns, in uns und außerhalb von uns. Selbst mit Hilfe der Dichter und Wissenschaftler verstehen wir nur sehr wenig davon», beginnt Eugene Peterson seine Ausführung über Spiritualität in Christ Plays in Ten Thousand Places. «Nach einer Weile gewöhnen wir uns daran und merken es nicht mehr. Wir verengen uns auf das Kleine und versteifen uns. Bis uns etwas unterbricht und aufweckt: die Frage eines Kindes, die subtile Schönheit eines Fuchses, ein stechender Schmerz, eine Predigt, die Vision eines Künstlers, der Geruch einer Blume.»

Partys sind so besonders, weil sie ein Kontrastprogramm zu unserem Alltag darstellen. Inmitten von Terminen, Aufgaben und Zielen lassen sie die Freude des Lebens neu aufleben. In unserem Wunsch, etwas zu bewegen, uns abzusichern und etwas zu sein, setzen wir auf Einsatz und Disziplin. Und ganz schnell überträgt sich diese Ichmuss-das-Leben-vorantreiben-Haltung auf unser Innenleben. Selbst in geist-

Jeden Tag betreten wir eine Welt, die vorbereitet ist. Sie ist von Gott geschaffen. Sie enthält seine Fingerabdrücke. Seine Gegenwart geht uns voraus. Zwischen Emails und Mahlzeiten fehlt uns die Luft, ihn wahrzunehmen. Aufgaben versperren uns die Sicht auf seine Gegenwart, wie die Wolken die Sicht zur Sonne blockieren. Aber dennoch ist er da. König David formulierte es so in Psalm 139, 8.15-16:

PS: 139 8.15-16

Stiege ich zum Himmel hinauf, so bist du da. Bettete ich mich in der Tiefe, siehe, du bist da. Es war dir mein Gebein nicht ve r h o h l e n , d a i c h i m Ve r b o r genen gemacht ward. Deine Augen sahen mich, da i c h n o c h u n b e r e i t e t w a r, u n d w a r e n a l l e Ta g e a u f d e i n Buch geschrieben, die noch werden sollten, u n d d e r s e l b e n k e i n e r d a w a r.


7

Wir wollen dieses Bewusstsein für seine Gegenwart kultivieren. Unsere Vision ist es, im ganzen Leben sensibel für Gottes Gegenwart zu sein. Nicht nur, wenn wir ein Gebäude betreten. «Gott zwischen Töpfen und Pfannen erleben», nannte Theresa von Avila diese Herzenshaltung. Anbetung soll uns zu alltagstauglichen Menschen machen, nicht zu Emotionsjunkies. Anbetung ist eine Haltung, sich in Gottes Gnade zu bewegen. Anbetung ist die Reaktion unseres Lebens auf Gottes Suche.

III neue Erfahrung, neues Lied Eine gute CD mit Anbetungsmusik kann ein Hochgenuss sein und erfreut das Herz, keine Frage. Aber eine CD bezeugt die Vergangenheit. Sie enthält das Talent von Profis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit. Und darin unterscheidet sich die ‘Konserve’ von der Gemeinde – eine Gemeinde lebt; sie ist dynamisch und verändert sich. Wenn das oberste Ziel die Professionalität ist, dann ist eine CD vielleicht die beste Option. In der Anbetung ist Authentizität Trumpf. In der Anbetung bringen wir unser Leben in Kontakt mit Gott. Wenn etwas zur Stimmung einer Gruppe passt, dann ist es zugänglich. Wenn etwas auf die Fragen einer Gruppe eingeht, dann bewegt es. Die Psalmen beeindrucken wegen ihrer treffenden Beschreibung des Lebens. Das gewährt gewöhnlichen Menschen wie uns den Zugang dazu. Gute Lieder verarbeiten die Erfahrungen unseres Lebens. Deshalb ist es so wichtig, eine ‘eigene Stimme’ in der Anbetung zu haben. Eine Kultur, die unseren Erfahrungen gegenüber echt ist. Lieder, die in Worte fassen, was wir erlebt haben. Worte, die beschreiben, was wir bisher nur geahnt oder gefühlt haben. Deshalb braucht es Künstler, die die Substanz von Gottes Wort nehmen und in Kontakt mit unseren Erfahrungen bringen. Es braucht Musiker, die die Erfahrungen einer Gemeinde verarbeiten und

wie gut der Herr ist», ist die Einladung in den Psalmen (Ps 34,9). «Wisst ihr nicht, dass es die Güte Gottes ist, die euch zur Umkehr führt», fragt Paulus (Römer 2,4). Gottes Gegenwart ist unser Weg des Gemeindebaus. Wenn wir von mehr Gemeinden in DACH träumen, dann brauchen wir Menschen, die Erfahrung mit Gottes Gegenwart haben und andere darin anleiten können. Unsere Wohnzimmer müssen zu Orten werden, wo Menschen ihre ersten Erfahrungen mit der Güte Gottes machen und wo die Keimzellen neuer Gemeinden entstehen. Lieder einführen, die den Menschen helfen, Gottes Wesen zu sehen. Beim Songwriting wollen wir nicht clever sein, sondern die besonderen Momente in unseren Gemeinden bezeugen und katalysieren.

IV Wohnzimmer weltweit Der Tisch war an diesem Dienstagabend bereitet mit Tee, Salzstangen und einer Kerze. Nach und nach trudelten Menschen ein, bis das Wohnzimmer gefüllt war. «Oh, ich habe noch eine Freundin eingeladen», meint Michael. Und wie auf Knopfdruck klingelt es an der Tür. «Hm, und sie kennt Jesus noch nicht …» «Hallo?! – bin ich hier richtig?», dringt es aus dem Gang. «Natürlich! Herzlich willkommen!» Und so nimmt der Hauskreis seinen Lauf. Solche Situationen sind typisch in Gemeindegründungen. Freunde werden eingeladen und Besucher werden mit Freude (und etwas Ehrfurcht) willkommen geheißen. Wird es ihr gefallen? Wird er Gottes Gegenwart erleben? Wenn Gottes Gegenwart zu einer Person durchdringt, ändert sich etwas Grundlegendes. «Schmeckt und seht,

Es war auch ein Wohnzimmer, in dem im Jahr 1977 der Grundstein der Vineyard gelegt wurde. Eine Gruppe von jungen Menschen kam zusammen und war hungrig nach Gott. Sie wollten kein Programm, sondern wollten Gott erleben. Und Gott kam. Seine Gegenwart machte den Unterschied. 30 Jahre später sind über 2.000 Gemeinden entstanden. Mehr und mehr Wohnzimmer werden zu Orten seiner Gegenwart. John Wimber war sehr klar in der Bedeutung von Anbetung: «Worship ist die höchste Priorität in der Vineyard!» Er wird gewusst haben, warum. C

M A R L I N WAT L I N G Leiter Vineyard Heidelberg, Leiter der Task Force ‘vineyardmusic2.0’


8

C :focus

in der Mega-Vineyard in Boise mit über 3.000 Gottesdienstbesuchern berufen. Casey schrieb einige weit verbreitete Anbetungssongs wie ‘Better Than’ und ‘Dwell’. Heute wohnt er im sonnigen Texas und überlegt, wie man die Kreativen der Vineyard-Szene fördern kann.

DIE EIGENE STIMME FINDEN Was ist notwendig, um eine Anbetungsbewegung in Gang zu bringen? Wir sprachen mit Leitern anderer Bewegungen über ihre Erfahrungen im Fördern einer Anbetungskultur.

Beziehung, Beziehung, Beziehung... «Hallo, hier ist Casey Corum!» Der «Kreativdirektor» von Vineyard Music USA ist per Skype an der Leitung. Casey hat eine Glatze, ein Muttermal auf der Stirn und einen Gotee-Bart. Er wirkt daher wie eine Mischung aus Gorbatschow und einem Harley-Davidson-Biker. Er wuchs in dem amerikanischen Kartoffelstaat Idaho auf und wurde dort zum Anbetungsleiter

«Wir machen im Prinzip drei Dinge», sagt Casey Corum. «Wir fördern Beziehungen, wir lehren und fördern Songs.» Für die Beziehungen veranstaltet Vineyard Music USA eine jährliche Konferenz. Dort kommen die Anbeter zusammen, sind einfach zusammen und ermutigen sich gegenseitig. Auch in England sind Beziehungen der Weg der Entwicklung. Jeremy Cook leitet die Arbeit von Vineyard Records UK und sagt: «Beziehung, Beziehung, Beziehung. Bring Leute zusammen, schreib Lieder zusammen und schau, was passiert. Bei uns waren das die besseren Anbetungsleiter, die sich gegenseitig ermutigen. Unsere Aufgabe war es dann, das Resultat festzuhalten und CDs zu veröffentlichen.»

Kunst ist kein Selbstzweck «Das Problem bei Künstlern», ergänzt Jeremy, «ist manchmal, dass sie mit der Einstellung antreten, Popstars zu werden. Das müssen wir ihnen immer wieder austreiben.» Kunst in der Gemeinde ist kein Selbstzweck, sondern ein Dienst. Nicht die Karriere steht im Mittelpunkt, sondern die Gegenwart Gottes. «Vineyard Records ist kein Unternehmen, das auf Gewinn aus ist. Bei uns dreht sich alles um die Gegenwart Gottes. Das ist unser Ziel. Seine Gegenwart und unsere Nähe zu ihm.» Casey stimmt aus seinen Erfahrungen in den USA ein: «Werte werden abgeschaut, nicht einfach durch Zuhören übernommen.» Daher ist es wichtig, Personen zu haben, die die Werte der Anbetung verkörpern. Gerade in den USA gab es in den letzten Jahren eine Richtungsänderung. In der Vergangenheit brachte man Alben heraus, die unter dem Namen Vineyard liefen. Zu einer bestimmten Zeit war das vollkommen ausreichend, um sie zu verkaufen. Aber heute gibt es zu viele gute Anbetungsalben und zu wenig Identifikation. Daher entschloss


9

man sich in den USA, auch wieder einzelne Künstler zu fördern. «Wir möchten wieder die Möglichkeit bieten, dass einzelne Personen einen großen Beitrag leisten. Menschen identifizieren sich mit Menschen», meint Casey. «Talentierte Leute wie Jeremy Riddle oder Ryan Delmore haben viel zu bieten und wir wollen Wege schaffen, dass sie die Werte multiplizieren. Das war auch früher schon so: Wenn an einem Ort etwas passiert, dann zieht das Leute an – wie früher in Anaheim oder Langley.» Da gibt es eine Spannung: auf der einen Seite der Dienst und Arbeit in der Gemeinde – auf der anderen Künstlertum, Persönlichkeit und Kreativität. Kevin Prosch meint dazu: «Wenn Anbeter in eine Performance abdriften, wird alles nutzlos. Du stehst nicht auf der Bühne, um Leute zu begeistern oder gefeiert zu werden – du bist da, um Gott anzubeten. Lebe dein Herz und deinen Stil!» Es braucht eine Verankerung in den Werten, die man besingt. Dies wächst nur, indem man selbst Zeit mit Gott verbringt und im eigenen Alltag einen Lebensstil der Anbetung einübt. Andererseits muss eine Bewegung auch die Eigenheit der Leiter fördern. Der deutsche Veteran Lothar Kosse meint dazu: «Ich glaube, dass dringend eine deutschsprachige Lobpreiskultur her muss. Die Menschen in der Gemeinde sind es leid, nur die Hälfte zu verstehen. Sie sehnen sich nach dem Echten, nicht nur nach einer halb guten Übersetzung.»

Was braucht es, um eine solche Kultur zu formen? In England machten sie vor 10 Jahren diese Erfahrung. Brian Doerksen siedelt nach London über mit dem Auftrag, «Worship und einen eigenen Sound zu entwickeln, nicht wie die der Amerikaner». Was tat Brian? Er sammelte 12 Anbeter um sich. Sie trafen sich alle 2-3 Monate. Brian lehrte, sie schrieben Songs zusammen und hatten Spass. Beziehung, Lehre, Songwriting. Das Resultat? Die Alben ‘Come, Now Is The Time’ und ‘Hungry’ sowie eine dynamische Anbetungskultur. «Meines Wissens gibt es in den Gemeinden zu viel Nichtbeachtung des Lobpreises», meint Lothar Kosse. «Ich

finde, von den Leviten können wir noch lernen. Wenn damals der Kunst im Volk viel Platz eingeräumt wurde, dann ging es dem Volk auch gut.» Kevin Prosch stimmt zu: «Es gibt häufig zu wenig Beziehung zwischen Pastor und Lobpreisleiter. Sie brauchen eine gute Beziehung und Gemeinsamkeit. Nur so wird die Individualität gefördert.» Auch in England ist man zu dieser Erkenntnis gekommen: «Anbetung ist häufig so gut wie das Commitment des Pastors. Wo die Pastoren die Werte vermitteln, Personen ermutigen und Songwriting fördern, da passiert was», meint Jeremy Cook.

Erhebt Eure Stimme! Seit April 2009 besteht in Vineyard DACH eine Gruppe, die diese Impulse aufgreift. Unter dem Titel vineyardmusic2.0 treffen sich 12 Anbeter, um Beziehung, Lehre und Songwriting in der Bewegung zu fördern. Neben den Beziehungen in der Kerngruppe etabliert sich ein jährliches Treffen (das erste vom 5. - 8. November 2009. Titel: Psalm 2009), ein Blog (vineyard-anbetung. blogspot.com), eine Anbetungsschule in Dresden und eine Plattform zum Austausch von Liedern sowie Material für die Gemeinde. Im deutschsprachigen Raum stehen wir vor einer ähnlichen Herausforderung. Was ist unsere Stimme? Wie können wir sie verstärken? Die Erfahrungen der anderen Bewegungen helfen uns dabei. «Oh, und noch eins», meint Casey Corum am Ende des gemeinsamen Gesprächs: «Seid mutig. Gott hat euch eine Stimme gegeben. Erhebt sie. Denn jetzt ist es an der Zeit.» C

M A R L I N WAT L I N G Leiter Vineyard Heidelberg, Leiter der Task Force ‘vineyardmusic2.0’

VINEVINEYARD YARD WORSHIP WORSHIP MANIFESTO MANIFESTO VINEYARDMUSIC 2.0 // APRIL 2009 Als Vineyard DACH stehen wir vor der Herausforderung, unseren Grund-Wert der Anbetung an die nächste Generation weiterzugeben. Wir bauen auf ein reiches Erbe an Werten auf: die Gegenwart Gottes und Vertrautheit mit Ihm, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, Leidenschaft, Integrität und Zugänglichkeit, verstanden im Rahmen von Gemeinschaft und Gottes Königreich. Wir wollen dieses Erbe erhalten, weiter entwickeln und in unserem Kontext umsetzen, hin zu einem ganzheitlichen Lebensstil der Anbetung. Darunter verstehen wir, dass Gottes Reich durch unser Handeln sichtbar wird. Anbetung ist untrennbar mit Gerechtigkeit und dem Wirken in einer suchenden Welt verbunden. Wir wollen eine nachhaltige Anbetungskultur prägen, die für unsere und die kommende Generation beständig die Tiefe und Weite der Anbetung weiter entwickelt. Tiefe in der Qualität der Begegnung mit Gott. Weite im Erreichen von Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde. Wir wollen möglichst viele Menschen befähigen, einen Lebensstil der Anbetung zu führen und andere darin anzuleiten, egal ob auf der Bühne, in der Straße oder im Wohnzimmer. Wir wollen beständig neue und inspirierende (deutsche) Songs und kreative Formen der Anbetung fördern. Auch Subkulturen sollen eine Stimme erhalten. Wir fördern Songwriting, Persönlichkeiten und Künste. Die neuen Songs sollen einfach und zeitgemäß verbreitet werden und Gemeinden in der Anbetung bereichern. Persönlichkeiten sollen die Werte der Anbetung verkörpern und multiplizieren. Die Vernetzung der Anbetungsleiter soll wachsen, sie sollen miteinander unterwegs sein und den Standard konstant heben. Beziehungen genießen eine hohe Priorität und sind unser Weg der Entwicklung. C


10

C :focus In welche Richtung entwickelt sich Vineyard Music im Moment? Sie wollen zurück zu dem Leitsatz «aus der Gemeinde, für die Gemeinde». Sie wollen wahrnehmen, was passiert, und es an die anderen Gemeinden verteilen. Um zu feiern, was Gott tut. Funktioniert das? In unserem Fall nicht. Wir singen eigentlich keine Vineyard Lieder. Wir folgen einem liturgischen Ansatz in der Anbetung. Nicht klassisch, aber wir haben ein Flair der Anglikaner bei uns. Uns gingen thematische Predigten auf die Nerven, weil wir nicht mehr nur unsere Lieblingsthemen raussuchen wollten. Also nehmen wir die Texte aus dem Lektionar (liturgisches Buch der Anglikaner), lesen die vier Texte daraus im Gottesdienst und predigen darüber. Daraus hat sich eine Leidenschaft für das Wort Gottes und den historischen Teil der Kirche entwickelt. Und in diesem Kontext haben wir unsere Lieder geschrieben wie Prayer of the Saints und Anima Christi.

ANBETUNG MIT SUBSTANZ Ein Interview mit Atlantas hipster Gemeinde Martin Reardon leitet seit 7 Jahren die Anbetung in der Trinity Vineyard in Atlanta. Die Gemeinde ist während dieser Zeit auf über 1.000 Gottesdienstbesucher angewachsen, hauptsächlich junge Leute. Marty war auf einigen Vineyard-Produktionen vertreten und

veröffentlichte mit Trinity 3 Alben. Mit einem Sound zwischen Coldplay und Indie Rock singen sie Gebete von Franz von Assisi und Thomas von Aquin. Ihr neuestes Projekt – Anima Christi – basiert auf einem Gebet aus dem 14. Jahrhundert.

Unsere Lieder unterscheiden sich von den typischen Top-40-Liedern. Die sind häufig über-romantisch, etwas weichlich. Wir schreiben weniger emotional. Viele Anbetungssongs, die heute gesungen werden, sind in dem Stil gehalten «Jesus ist mein Freund, und wir sind ineinander verliebt». Sie sind weich, vermitteln Emotionen, aber sind theologisch nicht sehr tief. Wir wollten Anbetung nicht nur als den emotionalen Teil unseres Gottesdienstes sehen. Wir wollten Menschen in der Anbetung aufbauen und lehren.


11

Warum leitest du Anbetung? Ich fühle mich dazu berufen. Und es liegt Kraft im gemeinsamen Lied. Das war schon früher so, in der Bibel. Lieder tun etwas, das gesprochene Worte nicht können. Mir ist immer im Bewusstsein, dass Menschen sich in der Regel nur an ganz wenige Details aus einer Predigt erinnern. Aber ein Lied begleitet sie im Alltag. Melodien mit guten Worten füllen – wer Gott ist, wer wir sind – das ist mein Ziel an jedem Sonntag. Warum schreibst du Songs? Ich würde eigentlich gerne nicht schreiben. Aber ich finde nicht genug für die Bedürfnisse meiner Gemeinde. Es ist meine Hoffnung, das irgendwann ändert. Mehr Songwriter, die weniger emotional und touchy schreiben, und stattdessen mehr Erbauung, Ermahnung und Lehre vertonen. Bis das passiert, spüre ich die Herausforderung, für unsere Gemeinde das zu schreiben, was Gott der Gemeinde sagen will. Was ist deine Vision für Songwriting? In den letzten Jahren haben wir unsere Leute in die Tradition der Kirche hineingenommen. Wir haben eine Wertschätzung dafür kultiviert. Unsere Sonntage sind mehr gebetsorientiert. Und jetzt stehen wir an einem Punkt, wo wir die tiefe Theologie mit einer einfachen Kultur des Lobes ausbalancieren wollen. Wie funktioniert die Liturgie? Seit der Gründung der Gemeinde bin ich dabei. Und in einer Pastorenrolle habe ich mehr Wertschätzung für Theologie bekommen. Manche unsrer Lieder sind nicht zum Aufspringen und Mitklatschen. Es braucht etwas, um reinzukommen. Aber wir haben das Vertrauen der Leute und sie sind uns gefolgt. Jetzt wollen wir mehr Lob einbauen. Früher war ich an Anbetungsabenden beteiligt. Und es gab viele Emotionen. Aber es fehlte etwas zum Mitnehmen. Wir suchen also nach der Ausgewogenheit.

Gefühl und Lehre müssen sich nicht ausschließen. Das haben wir aber aus der Liturgie mitgenommen: substanzhaltige Gebete, die den Leuten das Beten beibringen. Welche Gewohnheiten helfen dir dabei, dich auf die Anbetung einzustimmen? Praktisch – vorbereitet zu sein. Den Leuten in der Band die Lieder früh genug zu geben, damit sie sie üben können. Geistlich – gibt es eigentlich keine Routine. Ich will einfach früh genug da sein, damit ich nicht rumrennen muss. Dann kann ich eine ruhige Einstellung haben und innerlich wach sein. Was hindert dich an der Anbetung? Schlafmangel. Dann bin ich einfach nicht fit. Und dann die praktischen Dinge wie Probleme mit dem Sound oder in der Band. Ich erinnere mich dann daran, dass wir etwas Übernatürliches tun – es ist mehr als Musik. Ich versuche nicht zu viel Wert auf einen großen Auftritt zu legen. Wie leitest du, wenn du dich nicht danach fühlst? Früher habe ich viel damit gekämpft. Heute sage ich mir das Gleiche wie der Gemeinde. Auch dort gibt es immer Leute, die sich nicht danach fühlen. Ich lade sie ein: Es gibt so etwas wie ein Lobpreisopfer. Psalm 103 – meine Seele lobe den Herrn. Es gibt Zeiten, da fühlt man sich nicht danach, aber dann bring, was du hast, und lege es vor Gott. Ich sehe mich als Teil der Gemeinde, auf einer Ebene mit ihr. Wir kommen als Gemeinde, um anzubeten. Das ist etwas Schönes und es inspiriert. Selbst wenn es nicht emotional für mich ist. Ich diene der Gemeinde und ich diene Gott. Arbeitest du an deiner Anbetungsleitung? Nicht mehr. Wir haben die letzten Jahre fast jeden Sonntag 5 Gottesdienste gehabt. Da ist man häufig selbst dran. Jetzt lese ich viel – wie war Anbetung in der Geschichte? Im Alten Testament? In der frühen Kirche? Da fehlt mir Wissen und da lese ich viel.

Was weißt du heute über Anbetung, das du vor 5 Jahren noch nicht wusstest? Musik kann eine größere Rolle in der Jüngerschaft spielen. Neben der Lehre ist es der Weg, um Leidenschaft für die Bibel zu entwickeln und die Beziehung mit Gott zu pflegen. Unser Ablauf im Gottesdienst ist jetzt: Bibellese, 3 Lieder, Bibellese, 4. Lied, Bibellese, Ankündigungen. Dann kommt die Predigt, Abendmahl und Ministry-Zeit. Lieder sind nicht mehr das Vorprogramm zur Predigt. Sondern Lieder sind in sich Teil der Botschaft. Hast du einen Rat an junge Anbetungsleiter? Lese viel und lerne Theologie. Angewandte Theologie bewahrt uns davor, reine Musiker zu sein. Dadurch werden wir mehr zu Anbetungs-Pastoren. Übe dein Instrument, übe Techniken und Leitung. Und genauso lese Theologie und studiere die Bibel. Verstehe das WARUM hinter dem WAS. Was ist momentan dein Lieblingssong? Psalm 103. Einer unserer Leiter hat das auf der Grundlage des Psalmes in der Bibel geschrieben. Wir wollen mehr in die Psalmen einsteigen. Immerhin waren sie das Gebetsbuch der Kirche. Das könnte uns gut weiterhelfen. Dieser Psalm hat viele Aspekte, die dem Leben entsprechen. Es ist ein gutes Lied, um aus jeder Lebenssituation zur Anbetung zu kommen. Hast du einen Rat für uns in DACH? Passe Dinge auf dein Umfeld an. Halte nicht am Stil fest, sondern an der Substanz. Die Künstler können den Stil schaffen. Wir müssen die Sprache unsrer Gemeinde sprechen. Gott gibt jeder Gemeinde ihren eigenen Ausdruck. Wir hören manchmal Lieder auf einer CD und wollen, dass sie sich genauso bei uns anhören. Das ist ein Fehler. Nimm die Lieder, aber passe sie auf deinen Kontext an. C


AGENDA

13 Schweiz

Healing on the streets

Vineyard Aarau, Tel.: (062) 822 67 87, info@vineyardaarau.ch

Gottes Kraft auf die Straße bringen

Vineyard Bern, Tel.: (031) 327 11 77, office@vineyard-bern.ch

mit Kathryn und Alan Scott, Mark Marx und Wolfram Kopfermann

Vineyard Netz Bodensee, roger.keller@vineyard.ch

24. bis 27. September 2009

Diese Konferenz wird von von den Hamburger Vineyards und der AnskarKirche Hamburg-Mitte veranstalten. Weitere Infos: www.HealingOnTheStreets.de

Vineyard Bülach, Tel.: (043) 333 43 56, info@vineyard-buelach.ch Vineyard Chur, Tel.: (081) 534 30 15, info@vineyard-chur.ch Vineyard Francophone de Berne, Tel.: (031) 327 11 77, office@vineyard-bern.ch Vineyard Genf, Tel.: (022) 771 02 44, vineyard.ge.fr@abacsell.com Vineyard Grischalife, Tel.: (081) 302 36 73, ricorieder@hin.ch Vineyard Herisau, Tel.: (071) 351 40 19, info@vineyard-herisau.ch Vineyard Langenthal, Tel.: (062) 965 44 32, info@lavine.ch

Jesus neu entdecken

Vineyard Liestal, Tel.: (061) 923 23 55, office@vineyard-liestal.ch

Wie Jesus Leben und Gemeinde prägen will.

Vineyard Luzern, Tel.: (041) 362 13 26, info@vineyard-luzern.ch

mit Alan Hirsch und Leitern aus Vineyard D.A.CH

Vineyard Olten, Tel.: (062) 296 96 00, info@vineyard-olten.ch

Karlsruhe

9. und 10. Oktober 2009

Bei dieser Konferenz geht es um nichts weniger als unsere Überzeugungen zu Nachfolge und Gemeinde Jesu neu prägen zu lassen. Würde es Jesus gefallen – oder wäre er geschockt – was wir aus seiner guten Nachricht gemacht haben? Weitere Infos: www.novavox.org

Vineyard Lugano GGP, Tel.: (091) 970 10 06, office@vineyard-lugano.ch

Vineyard Solothurn, Tel.: (032) 621 33 80, christoph.keller@vineyard-solothurn.ch Vineyard Thun, Tel.: (079) 708 56 14, info@vineyard-thun.ch Regio Vineyard Uster, Tel.: (043) 333 43 56, uster@regiovineyard.ch Vineyard Wasserschloss, Tel.: (056) 288 30 39, info@vineyard-wasserschloss.ch Regio Vineyard Zürich, Tel.: (043) 333 43 56, zuerich@regiovineyard.ch Vineyard Netzwerk Zürich, Tel.: (044) 371 71 51, office@vineyard.ch

Deutschland Vineyard Aachen, Tel.: (024) 15 01 444, leitung@vineyard-aachen.de

Prophetieseminar 101 – Die Kunst Gottes Stimme zu hören mit Georgia Bühlmann

Vineyard Augsburg, Tel.: (0821) 2975334, vineyard.augsburg@gmx.de Vineyard Berlin, Tel.: (030) 640 94 702, info@vineyard-berlin.de Aufatmen-Vineyard Chemnitz, Tel.: (0371) 26 74 895, werner@vineyard-chemnitz.de Vineyard Chiemgau, Tel.: (08681) 47 99 05 Vineyard Dresden, Tel.: (0351) 843 86 81, office@vineyard-dresden.de

Bern

22. bis 24. Oktober 2009

Dieser Kurs bezweckt, dass du besser verstehst, was Gott dir durch seinen Geist im Alltag sagen will. In packenden Lehrteilen werden wir uns Themen stellen wie: Grundlagen des prophetischen Dienstes, Erkennen der Stimme Gottes, wie gebe ich ein Wort weiter, geistliche Autorität, Prophetie und Gemeinde etc. In kurzen praktischen Teilen werden wir erste unkomplizierte Schritte in der Anwendung wagen.

Vineyard Enztal, Tel.: (07042) 96 04 52, ChristlicheGemeinde@Vineyard-Enztal.de Vineyard Filstal, (07161)504310 info@vineyard-filstal.de Vineyard Freudenstadt, Tel.: (07441) 1653, juke@vineyard-freudenstadt.de Vineyard Friedrichshafen, Tel.: (07541) 58 46 69, mail@vineyard-friedrichshafen.de Vineyard Friesenheim, Tel.: (07821) 99 55 79, info@vineyard-friesenheim.de Vineyard Hamburg-Altona, Tel.: (040) 430 922 37, vineyard-altona@gmx.de

Vineyard Hamburg-Bergedorf, Tel.: (040) 724 10 455, gemeinde@vineyard-bergedorf.de Vineyard Hamburg-Harburg, Tel.: (040) 765 68 65, leitung@vineyard-harburg.de

Weitere Infos: www.vineyard-bern.ch

Haustreffen-Hamburg, Tel.: (040) 43190878, info@haustreffen-hamburg.de Vineyard-Projekt Haßberge, Tel.: (09521) 61 84 03, mslechner@wonfurt.net

Seminar ERfüllt mit Reinhard Rehberg, Erich Reber, Gero Herrendorrf

vineyard adressen d.a.ch

Hamburg

Vineyard Basel, Tel.: (061) 681 94 20, vineyard@basileia.ch

Vineyard Heidelberg, Tel.: (0700) 84639273, info@vineyard-heidelberg.de Vineyard Hilden GGP, Tel.: (02103) 60216, uacfm@berghauer.net Vineyard Hof, Tel.: (09281) 47 85 83, vineyard-hof@gmx.de

Immanuel Weinberg Gemeinschaft Amberg, (09621) 91 77 71, vineyardolli@hotmail.com

Langenthal

30. Oktober bis 1. November 2009

Leitvers ist Epheser 3,14-21. Deswegen wollen wir offen sein, dass der Himmel auf die Erde kommt und wir mit der Liebe des Vaters, mit seinem Frieden, seiner Stärke und dem Jubel des Himmels erfüllt werden.

Vineyard Landsberg, Tel.: (08191) 94 31 81, office@vineyard-ll.de Vineyard München, Tel.: (089) 693 495 40, mail@vineyard-muenchen.de Vineyard München West, Tel.: (089) 80 07 09 36, info@vineyard-puchheim.de Vineyard Neunkirchen, Tel.: (06821) 8025, office@vineyard-saar.de Vineyard Nürnberg, Tel.: (0911) 81 58 757, office@vineyard-nuernberg.de

Weitere Infos: erfuellt@lavine.ch oder +41 62 922 50 87

Vineyard Ravensburg-Gemeinschaft Zion, Tel.: (0751) 352 57 01, regina@gemeinschaft-zion.de Vineyard Schwäbisch-Hall, Tel.: (07944) 95 02 00, kontakt@vineyard-sha.de

Vineyard Leiterkonferenz mit Martin Bühlmann, Richard Clinton, Martin & Rahel Dreyer, John Mumford und Mike & Char Turrigiano

Vineyard Soltau, Tel.: (05191) 714 22, vineyard.soltau@gmx.de Vineyard Speyer, Tel.: (06232) 26996, info@vineyard-speyer.de Vineyard Staufen, Tel.: (07633) 82388, info@vineyard-staufen.de Vineyard Stendal, Tel.: (03938) 828 325, info@vineyard-stendal.de Vineyard Stuttgart, Tel.: (07024) 92 99 52, vineyard-stuttgart@gmx.de

Berlin

6. bis 9. Januar 2010

Die Vineyard Leiterkonferenz ist jedes Jahr ein ansteckendes und motivierendes Highlight der Vineyards im D.A.CH, das neu im Hotel Berlin Berlin stattfindet. Dies eröffnet uns viele neue Möglichkeiten: nach der Abendveranstaltung präsentieren sich Nachwuchskünstler aus den Vineyards auf der Bühne in der grossen Bar, Künstler aus den Vineyards stellen im grossen Saal Bilder aus... Wir wollen der Kreativität viel Raum lassen.

Vineyard Freude ACTS 29, Tel.: (07141) 280 704, Thomas.Fode@coachnet.de The Lord’s House, Tel.: (06298) 926 75 54, holyriders@web.de

Österreich und Frankreich Vineyard Graz, Tel.: (0316) 694754, graz@vineyard.at Vineyard Initiative Lavanttal, Tel.: (04352) 36094 77, lavanttal@vineyard.at Vineyard Innsbruck, Tel.: (0660) 300 4777, innsbruck@vineyard.at

Weitere Infos: www.leiterkonferenz.org (ab Ende August online)

Vineyard Projekt Mundolsheim (France), chris.gaupp@wanadoo.fr Vineyard Rheintal, Tel.: (05578) 71 206, vineyard.rheintal@gmx.at Vineyard Wien, Tel.: (01) 350 44 63, kontakt@vineyard-wien.at


14

C :aus den vineyards

ANBETUNG.DACH Bericht von der Worship Task Force Vom 16. - 18. April traf sich in der Jugendherberge in Weinheim die Worship Task Force, um über die Zukunft von Vineyard Anbetung D.A.CH. (Deutschland, Österreich, Schweiz) zu brüten. Wir waren 12 Anbetungsleiter aus den verschiedensten Ecken der Länder. Neben Anbetungszeiten und Kennenlernen haben wir auf die Ratschläge von Kevin Prosch, Nigel Briggs, Noel Richards und Casey Corum gehört, unseren Frust beredet und miteinander geträumt. Das Feeling: von Euphorie zu Arbeit. Letztlich waren wir ziemlich voll mit Aktionen, die wir über die nächsten Monate starten wollen.

Was in diesen Tagen begonnen hat, nennt sich vineyardmusic2.0, und was sich daraus entwickelt, kann man auf unserem Blog verfolgen – www.vineyardanbetung.blogspot.com. Ein erstes Ergebnis ist unser Manifesto. Darin werden unsere Ziele formuliert: Anbetung als Lebensstil, Vernetzung, Songs, soziale Gerechtigkeit. Eine Plattform zum Austausch von Liedern aus den Vineyards ist entstanden, ein Gruppe auf Facebook, und wir erarbeiten Material für Songwriting und Austausch für Anbetungsleiter in Gemeinden. Vom 5. - 8. November steigt

die erste Konferenz für Anbeter der Vineyards DACH (mit Gast Marc James). Letztlich sind das viele Mittel, aber ein Ziel: die Qualität und Quantität der Anbeter im deutschsprachigen Raum zu fördern. Stay tuned! C

M A R L I N WAT L I N G Leiter Vineyard Heidelberg, Leiter der Task Force ‘vineyardmusic2.0’

rem Team entstanden ist. Die Familien sind sehr offen und haben uns fast dazu genötigt, sie wieder einmal einzuladen. Deshalb haben wir sie nach den Sommerferien zu einem Familiengottesdienst mit anschließender Grill-Party eingeladen. Wir wünschen uns, dass für diese Familien Gottes Gegenwart erlebbar ist, sie positive Erfahrung mit christlicher Gemeinschaft machen und die Sehnsucht nach Gott in ihren Herzen zunimmt. C

01

Im vergangenen Oktober haben wir als Vineyard Wasserschloss ein Eltern-KindSingen unter dem Namen Singsalabim gestartet. Kinder von 0 bis 4 Jahren mit einer Bezugsperson kommen jeweils jede zweite Woche morgens in unsere Gemeinderäumlichkeiten, um Fingerversli, Bewegungsspiele und einfache Tänze zu lernen. Beim Singen und Musizieren werden die sprachlichen, intellektuellen, kreativen, sozialen und motorischen Fähigkeiten der Kinder entwickelt. Im Anschluss pflegen wir mit den Teilnehmern bei Kaffee und Kuchen soziale Kontakte.

Zu unserem Erstaunen erschienen mit nur kleinem Werbeaufwand 17 Frauen und ca. 20 Kinder zum ersten Treffen – alles Leute, die wir vorher nicht kannten und die noch nicht zu einer christlichen Gemeinschaft gehören. Offensichtlich haben wir ein Bedürfnis der Menschen in unserer Region getroffen. RAHEL OESTER

Im Mai luden wir als SingsalabimTeam die Familien zu einem Brunch ein. Wir haben gestaunt und uns gefreut, wie viele Väter zusammen mit ihren Familien daran teilnahmen. Der Morgen war stark von der Gegenwart Gottes geprägt. Wir stellten fest, dass ein großes Vertrauen gegenüber unse-

Mutter, Mitglied des Leitungsteams Vineyard Wasserschloss


C :godstories

OFFENE TÜREN IN BASEL:

02

KLEINE DINGE, IN LIEBE GETAN, VERÄNDERN DIE WELT Seit anderthalb Jahren beschäftigt uns die Frage, wie wir unserer Stadt ganz praktisch etwas Gutes tun können. Wie kann unser Glaube praktisch, lebendig und konkret werden? Seit wir uns mit diesen Fragen beschäftigen, kommt immer mehr genau in diesen Bereichen in Bewegung. Hier einige Beispiele:

Basel fragte bei uns an, ob wir mit ihr einen Gottesdienst im Gefängnis gestalten möchten. Was für eine tolle Gelegenheit. Wir konnten mit Worship, Musik und Engagement einen Teil zu einem gut besuchten Gefängnisgottesdienst beitragen.

Kinderbetreuung vom Gericht: Kürzlich erreichte uns ein Anruf eines Gerichtes aus Basel. Sie suchen «neutrale» Räume, wo sich zerstrittene Familien mit ihren Kindern unter Aufsicht treffen können. Aufsicht und Organisation kommt vom Gericht und wir bieten einfach unsere Räume an. Dabei ist es auch kein Problem, Familien mit Kindern von uns mit einzuladen und für die Familien und speziell die Kinder der zerstrittenen Partner ein Gegenüber und ein Kinderprogramm anzubieten.

Stadtreinigung: Als im Frühsommer das Rheinufer ständig mit Abfall übersät wa, und die Medien täglich meldeten, dass die Reinigung nicht nachkomme, boten wir der Stadtreinigung unsere Hilfe an. Unsere Putzaktion hat sich auch bei der Stadtverwaltung herumgesprochen, sodass wir unser eigenes Lager mit Putzmaterial, Zangen und Westen zur Verfügung gestellt bekamen. Bei den kürzlich ausgetragenen UNO-Umwelttagen in Basel wurden wir mit folgendem Wortlaut eingeladen mitzuhelfen: «…Es ist sogar sehr erwünscht, dass Sie als Kirche am internationalen UNO-Tag der Umwelt am Rheinbord einen Putzeinsatz leisten. Gerade dann hat es sehr viele Leute, die unterwegs sind und die nur schon durch Ihren Anblick zum Nachdenken angeregt werden können.» Wir haben eine Gelegenheit gefunden, wie wir unserer Stadt einfach etwas Gutes tun können.

Heiland Sack: Unsere Lebensmittelabgabe hat sich nach einem Jahr stark erweitert. Ohne mit dem Dienst an die Öffentlichkeit zu treten, spricht sich unsere Dienst-am-Nächsten-Arbeit herum. So werden uns inzwischen Menschen von der Caritas, von der Pro Infirmis, von Sozialinstitutionen oder gar von der kantonalen Vormundschaftsbehörde zu uns geschickt.

Gefängniseinsatz: Eines Tages klingelte unser Telefon, und die Gefängnisseelsorgerin eines Gefängnisses in

Spannend erleben wir das Wohlwollen von säkularen Menschen der Aktion gegenüber. Bei mehreren Supermärk-

ten und Warenhausketten in der Region können wir mittlerweile Sammelboxen aufstellen. Ein Direktor eines Warenhauses sagte uns: «Das ist ja spannend … Seit Jahren warte ich auf eine solche Gelegenheit und bin ich am Suchen nach einer solchen Möglichkeit. Und jetzt kommen Sie. Sobald unser Umbau fertig ist, starten wir die Sammelaktion für Ihren Heiland Sack. Dann laden wir gerade Medien, Presse und TV ein und machen ein grosses Startfest…» Und Gott drängt uns noch weiter. Im Moment fragen wir uns besonders und versuchen herauszufinden, wohin uns all diese offenen Türen führen. Auf jeden Fall haben wir Feuer gefangen. Wir wollen weiter dieser Stadt dienen und speziell armen, alten und einsamen Menschen Gutes tun. Und wir wollen unsere Stadt prägen und verändern. Wir wissen: Kleine Dinge, in Liebe getan, verändern die Welt. Just do it! C

MICHEL FISCHER Leitungsteam Vineyard Basel

ES FUNKTIONIERT! ES FUNKTIONIERT!

ES FUNKTIONIERT! ES FUNKTIONIERT!

Auch wenn wir in Olten mit regelmäßigen Heilungsgottesdiensten begonnen haben, war es unter anderem auch der Wunsch unserer Teenager, Heilung auf die Straße zu bringen. Als wir dann zum ersten Mal zwei Stühle in der Altstadt aufstellten, um Passanten einzuladen, sich zu setzen und Gebet zu empfangen, hat es mich beeindruckt zu sehen, wie unsere Teens durchstarteten: Mit Begeisterung verteilten sie schon nach kurzer Zeit selber die Einladezettel und beteten für Schulkame-

radinnen, die vorbeikamen. Auch andere Leute brachten ihre Probleme und ließen sich die Hände auflegen. Innere Heilung schien der Schwerpunkt an diesem Tag zu sein, denn es flossen viele Tränen. Bei unserem zweiten Einsatz erlebten wir zwei sofortige Heilungen: Einer unserer Teenager setzte sich zu Beginn gleich selbst hin und auf der Stelle verließen ihn akute Schulterschmerzen. 24 Stunden später bestätigte er mir,

dass sie nicht zurückgekehrt seien. Ein fremder Teenager, der Probleme mit dem linken Knie hatte, nahm ebenfalls Gebet in Anspruch. Ich hatte an derselben Stelle zuvor einen Stich verspürt; der Heilige Geist wollte uns offenbar ein Zeichen geben, dass er hier Heilung schenken möchte. Es dauerte nicht lange, bis der junge Mann feststellte: «Es funktioniert!» Annette, die ihm die Hände aufgelegt hatte, rannte mit ihm daraufhin die Gassen rauf und runter. Schließlich war sie außer Atem und er gewiss, dass Gott sein Knie vollständig wiederhergestellt hatte. Weiter so, Jesus! C TIL GERBER Vineyard Olten

03

15


16

C :word study In den Evangelien, zum Beispiel in Johannes 4,20-24, können wir lesen, dass die Anbetung von «einem Ort» losgelöst ist. Besonders wird dies jedoch 24-mal in der Offenbarung erwähnt, obwohl in einigen Fällen davon, in Offenbarung 13, die Anbetung dem Gegner Gottes gilt. Wir beobachten in der Offenbarung, dass Anbetung hauptsächlich Gott dargeboten wird und danach Jesus, weil Er der Messias, der König Gottes ist, der die Welt und das Universum regiert.

ANBETUNG

ANBETUNG BETEN

ANBETUNG ANBEUTUNG AUSBEUTUNG

ANGEBETET GEBETEN

GEBEUGT BETEND

Was meinen wir, wenn wir von «Anbetung» sprechen? Oft denken wir an «Lieder singen». Eine Anbetungsgruppe besteht normalerweise aus Musikern. Aber was meint die Bibel, wenn für das Wort Anbetung das griechische Wort proskuneô verwendet wird?

Dieses Wort kommt 60-mal im Neuen Testament vor und bedeutet hauptsächlich «knien vor» und «sich jemandem unterwerfen». In Matthäus 2,2 kommen die Weisen, um sich dem neugeborenen König zu unterwerfen. Und dies ist genau das, was Jesus vor dem Teufel nicht tut (Mt. 4,9-10, Lk. 4,7-8). Nach der Auferstehung unterwarfen sich die Jünger Jesus und drückten ihm so ihre Treue (Mt. 28,9+16, Lk. 24,52) aus. Einem König soll man sich unterwerfen, und Jesus war und ist ein König.

Nicht immer wird diese Unterwerfung in den Evangelien ernst genommen (Mk. 15,19). In Markus 5,6 ist unklar, wer die Handlung vollzieht. Ist es der Mensch, der Hilfe sucht, oder die Dämonen, die sich nicht wirklich Jesus unterordnen wollen? Egal wie man es ansieht, klar ist, dass Anbetung bedeutet, sich Jesus und Seinem Vater, also den Königen, zu unterwerfen. Deshalb gehört Anbetung zu Glauben. Das griechische Wort pisteuô bedeutet glauben, jemandem seine Hingabe schenken, jemandem vertrauen. Der geheilte Blinde schenkt Jesus seine Hingabe und kniet deshalb vor Ihm nieder wie ein Knecht vor einem König (Joh. 9,38). Im Leben eines Menschen gibt es eine erste Unterwerfung, wenn er entdeckt, wer Gott wirklich ist und wer das Universum regiert (1. Kor. 14,25). Auch im Himmel gibt es eine Unterwerfung, wenn die Engel vor dem Sohn niederknien (Heb. 1,6). Wenn jedoch wir über Anbetung reden, dann denken wir hauptsächlich an die sich wiederholende Unterwerfung, welche Menschen, Engel oder andere himmlische Wesen Gott, dem Schöpfer und König (Off. 4,10; 7,11; 11,1; 14,7; 15,3–4; 19,4 und 22,9) oder Jesus, dem Erlöser und König, anbieten (Off. 5,14).

Was heißt dies für uns? Erstens bedeutet Christ zu werden, zu Jesus zu kommen und sich Ihm zu unterwerfen. Ihm unsere Hingabe zu schenken. Ohne diese erste Anbetung ist Anbetung mit Worten (z.B. Anbetungslieder) wertlos. Zweitens ist Anbetung primär eine Haltung des Gehorsams und der Unterwerfung. Wenn wir Anbetungslieder singen oder an der Liturgie teilnehmen, bringen wir dies zum Ausdruck. Ansonsten sind die Lieder und die Liturgie nur Heuchelei. Drittens wäre es gut, sich beim Schreiben von Anbetungsliedern an den Liedern in der Offenbarung zu orientieren, was in vielen Anbetungsliedern zu finden ist. (Natürlich gibt es in der Bibel auch andere Anbetungsausdrücke, die uns inspirieren können.) Dies passt schlussendlich alles zusammen, da wir viertens, wenn wir anbeten, immer wieder unsere Unterwerfung, Hingabe, Loyalität und den Gehorsam erneuern. In der Bibel drückt das Volk Gottes mit der Anbetung aus, dass es zusammen mit seinem König Jesus vor Gott steht und Ihm seine Loyalität darbietet. Vielleicht ist dies genau das, was du möchtest. Diese Haltung drückt eine Absage der Loyalität und Unterwerfung gegenüber der Welt und dem Teufel aus, und sprudelt über mit der Freude, Gott gehorchen zu wollen, zu tun, was er uns aufträgt, auch wenn dies manchmal sehr schwer ist. C

P E T E R D AV I D S Theologe, Professor St. Stephen’s University St. Stephen, Kanada


C :leadership insights

Als Leiter haben wir die Verantwortung, die Anbetung zu leiten. Ich meine damit nicht, dass wir ein Instrument spielen oder singen müssen, aber als Leiter beeinflussen wir die Atmosphäre während Zeiten der Anbetung. Wir definieren und machen klar, was wir unter Anbetung verstehen, sind also auch «Anbetungsleiter». Seit langem bin ich dabei zu lernen, was es bedeutet, ein «Anbeter» zu sein. Die Vineyard Bewegung ist gesegnet mit viel Salbung, guter Lehre und Erfahrung im Bereich Anbetung. Doch trotz all dieser wunderbaren Ressourcen ist es nicht so einfach, ein Anbeter zu sein. Weshalb?

Der Grund dafür liegt in uns selbst. Etwas in mir bewegt sich immer wieder in eine Richtung der Anbetung, die nicht «Gott-zentriert» ist, sondern «Menschen-zentriert». Das kann geschehen, wenn sich meine Anbetung an unseren Bedürfnissen ausrichtet. Ich bete an, damit meine Bedürfnisse gestillt werden, vergleichbar mit einem Auto, das wir zur Tankstelle fahren, um den Tank zu füllen. Kommt dir das bekannt vor? Wenn ich mich enttäuscht oder traurig fühle und ich besorgt bin, bete ich an in der Hoffnung, Auferbauung und Hilfe zu erfahren. Es ist nicht falsch, sich von Gott aufrichten zu lassen, aber das ist nicht die Absicht von Anbetung, sondern nur eines ihrer «Nebenprodukte». Wenn ich nur anbete, damit Gott meine Bedürfnisse stillt, ist meine Anbetung unweigerlich «Menschen-zentriert». Gott liebt es, meine Bedürfnisse zu stillen und niemand kann sie so

GOTT ein Publikum, die Darsteller und die Souffleure bzw. Produzenten oder Regisseure. Kirkegaard schreibt, wir Christen gingen meist mit der gleichen Haltung zu einem Anbetungsgottesdienst, wie wir auch ins Theater gehen, nämlich als Zuschauer. Die Leiter, Sänger und Musiker seien für uns die Darsteller, Gott jedoch nur der Souffleur, der einspringt, wenn jemand seinen Text vergisst. Er ist hinter den Kulissen und hilft, wenn nötig. Das Publikum beobachtet und genießt die Vorstellung.

gut stillen wie er, aber das ist nicht Anbetung. Wie oft schon haben wir nach Zeiten der Anbetung gedacht: «Das hat mich nicht berührt und mir gar nicht geholfen.» Oder: «Diese Lieder haben mir überhaupt nicht gefallen.» Die Frage ist nicht: »Hat die Anbetung meine Bedürfnisse gestillt?”, sondern: «War meine Anbetung komplett auf Gott ausgerichtet und hat sie ihm Ehre erwiesen? Was hatte Er von meiner Anbetung?» Das ist das Ziel von Anbetung! Vor einiger Zeit las ich das Buch «Purity of Heart» («Reinheit des Herzens» aus dem Werk «Erbauliche Reden in verschiedenem Geist», 1847) von Søren Kierkegaard und fühlte mich stark herausgefordert. Kierkegaard beschreibt Probleme bezüglich der Anbetung in der dänischen Kirche. Er vergleicht den Besuch eines Anbetungsgottesdienstes mit einem Besuch im Theater. Beide Anlässe haben seiner Ansicht nach drei Gemeinsamkeiten: Bei beiden gibt es

Weiter schreibt er, dass die Rollenverteilung bei echter Anbetung komplett anders sei: Wir sind die Darsteller. Die Leiter sind die Souffleure und Regisseure. Und wer ist dann das Publikum? Der lebendige Gott! Es geht nur um Gott. Wenn wir zusammen kommen, kommen wir in die Gegenwart des Königs, um ihm unsere Anbetung zu bringen. Wir sind die Darsteller, nicht das Publikum. Kierkegaard geht sogar so weit, dass er sagt, es sei blasphemisch, in der Anbetung «Publikum» zu sein, denn dann nähmen wir Gottes Platz ein. Ich muss zugeben, dass ich Gott allzu oft «Menschen-zentrierte» Anbetung bringe anstatt «Gott-zentrierte» Anbetung. Wie sieht das bei dir aus? Liebe Leiter, lasst uns Leiter sein von «Gottzentrierter» Anbetung. C

RICHARD CLINTON Leiter des «Clinton Leadership Institute»

17


20

C :gemeindegründung

«Es war gar nicht so leicht, uns auf Gemeindegründung einzulassen», meinte ein Gemeindeleiter am Telefon. «Auf einmal wollten 20 von unseren 100 Leuten gehen. Das war schmerzhaft, weil wir die Beziehungen schätzten. Und weil manche Bereiche in der Gemeindearbeit dann nicht ausreichend abgedeckt waren.» Im Frühling 2008 führten wir mit über 50 Pastoren, Leitern und Pionieren Interviews über ihre Erfahrung in der Gründung neuer Gemeinden. Wir waren erstaunt, wie wenig Unterstützung die Gründer bekamen. Es schien, dass die meisten «sendenden» Gemeinden eine Gründung eher tolerierten als unterstützten. Manche waren sogar aktiv gegen eine Gründung. Warum ist das so? Wenn das Samenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Dieses Satz aus dem Johannesevangelium spricht über Loslassen und Unterbrechung vom normalen Gang der Dinge. Im Alltag kämpfen die meisten Gemeinden mit zu wenigen Mitarbeitern und erfahrenen Weggenossen. Gerade wenn die Gemeinde wächst, sind gestandene Mitarbeiter wertvoll. Und Freundschaften mit diesen Mitarbeitern sind mindestens ebenso wertvoll. Und plötzlich hat der aktivste Mitarbeiter die Idee, eine Gemeinde gründen zu wollen. Schmerz. Die Frage ist: Was ist die Alternative? Wenn Gemeinden nicht zu Zentren der Multiplikation werden, dann … Was?

lassen wird und zu einer Ernte führt, die größer ist als dieser Same. Gott zeigt die Grundregeln der Multiplikation in der Beschaffenheit der Erde.

Dann müssen wir warten, dass uns jemand über den Weg läuft, der zufällig Vineyard im Blut hat und von Charakter und Fähigkeiten das Zeug hat, eine Gemeinde zu gründen. Das ist dann Addition: Man fügt einzelne Gründungsprojekte der Bewegung hinzu. Das ist sicher nicht so effektiv wie Multiplikation aus der eigenen Gemeinde heraus. Die Vineyard USA beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Gründungen. Steve Nicholson koordiniert die Aktivitäten. Heute gibt es in den USA über 600 Vineyards. Wo kommen die Leute dafür her? «Aus den gesunden Gemeinden», meint Steve. «Dort, wo Wachstum und Evangelisation stattfindet. Es gibt einige Gemeinden, die schaffen diese Atmosphäre und werden zu Zentren der Multiplikation.»

John Wimber sagte: «Wenn es ein Zeichen für geistliche Reife gibt, dann ist es die Bereitschaft, ein Neuanfänger für Jesus Christus zu werden. Es ist die Bereitschaft, deine Hand in seine zu legen und zu sagen: ‘Ich habe Todesangst. Aber ich bin bereit, mit dir zu gehen. Du bist die Perle von größtem Wert’.» Sind wir bereit, in unserer Gemeinde loszulassen? Wollen wir den Weg der Multiplikation gehen? C

M A R L I N WAT L I N G Leiter Vineyard Heidelberg, Leiter der Task Force ‘vineyardmusic2.0’

Unser Ziel in der Gemeinde ist es nicht, alles richtig zu machen, gute Leute zu haben und uns entspannt zurückzulehnen. Gott beruft Leiter immer wieder zu Neuanfängen und der Bereitschaft, loszulassen und über den eigenen Teller hinaus zu schauen. Die Schönheit von Säen und Ernten zeigt sich darin, dass der beste Same losge-


C :training

Lukas 19,41-42: Als Jesus die Stadt Jerusalem vor sich liegen sah, weinte er über sie: «Wenn du doch nur erkannt hättest, was dir Frieden bringt!»

Über welches Thema kannst du bis spät in die Nacht reden, ohne müde zu werden? Wenn du eine Fernsehansprache im öffentlichen Fernsehsender halten könntest, worüber würdest du sprechen? Diese und viele andere Fragen mehr habe ich auf kleinen gelben Karten stehen. Damit eröffne ich manchmal ein Seminar oder ein Kleingruppentreffen. Solche EisbrecherFragen mobilisieren Menschen, weil sie über etwas sprechen können, was sie wirklich bewegt. Ein wesentlicher Aspekt der Selbstführung sind unsere Emotionen. In diesem Wort befindet sich schon das englische Wort für Bewegung – motion. Emotionen setzen uns in Gang oder blockieren uns völlig. Wenn wir Zugang zu unseren Gefühlen haben, sind wir ihnen nicht ausgeliefert, sondern können bewusst mit ihnen umgehen. Auch das ist Selbstführung. Aufgaben, die überfordern, verursachen Stress; Aufgaben, die uns unterfordern, bringen Langeweile. Aufgaben, die uns fordern, schaffen FLOW – einen positiven Fluss der Gefühle mit dem Wissen: «Das krieg ich hin!». Menschen, die lernen, auf ihre Gefühle zu achten, können mit herausfordernden Situationen anders umgehen. Sie lassen sich nicht von destruktiven Gefühlen bestimmen. Sie finden im Leid Wege ihrer Leidenschaft Raum zu geben. Und sie stellen sich Fragen wie: Was hat Gott in mein Leben hineingelegt? Was sind die unaufgebbaren Überzeugungen, für die ich stehe? Wo will ich unbedingt Veränderung sehen? Solche Menschen sind in der Lage, Situationen oder Aufgaben zu finden, in denen sie ihrer Leidenschaft Ausdruck geben. Sie werden nicht von den Umständen bestimmt, sondern von ihren Überzeugungen. Ein Künstler malt keine Bilder, um Geld zu verdienen,

21

PERSPEKTIVWECHSEL PRAKTISCH

sondern weil er etwas ausdrücken will. Ein Menschenrechtler setzt sich für politisch Unterdrückte ein, nicht weil es ein einfacher Weg ist zu leben, sondern weil er etwas verändern will. Und ein Gemeindegründer zieht mit seiner Familie in eine neue Stadt, um VIPs zu einem jesusmässigen Leben zu inspirieren. FLOW bedeutet zu wissen: Ich bin am richtigen Platz und tue das Richtige. Es bedeutet nicht ein ständiges emotionales Hoch und auch nicht, dass alles leicht von der Hand geht. Es meint das eigenverantwortliche Handeln des Menschen, der es gelernt hat, der Stimme des eigenen Herzens zu folgen und Risiken einzugehen. Vor kurzem fragte mich ein Ehepaar im Coaching: «Könnte es sein, dass Gott mit uns etwas Neues vorhat?» Dies kann bedeuten, Altes zu verlassen, aufzubrechen, Risiken einzugehen, auf dem Wasser zu gehen und zu erkennen, dass Er schon da ist. Welche Aufgaben und Herausforderungen passen in diesem Sinne zu dir? Das können sehr konkret Aufgaben vor Ort sein oder es kann um Lebensentscheidungen gehen. Welche Schritte hast du zu gehen, damit nicht die Umstände dich bestimmen, sondern du im FLOW Gottes bist? Die nebenstehenden Fragen können dir dazu helfen. C

SELBSTFÜHRUNG 2/3

LEIDENSCHAFT, DIE VON INNEN KOMMT

F

Fähigkeiten kennen • Bist du der Aufgabe gewachsen? • Fühlst du dich von der Aktivität weder über- noch unterfordert? • Bringst du ausreichend körperliche, psychische und intellektuelle Ressourcen mit, um das Projekt erfolgreich abzuschließen?

L

Leistungsanforderungen bestimmen • Sind die Ziele und Anforderungen der Aktivität klar definiert? • Weißt du, was du tun musst, um das Ziel zu erreichen? • Findest du die Aktivität sinnvoll?

O

Orientierung erhalten • Erhältst du unmittelbare Rückmeldung auf deine Aktivität? • Wird es dir mitgeteilt, wenn du einen Fehler machst? • Welche Messgrößen sagen dir, wann du erfolgreich sind?

W MARCUS B. HAUSNER Leiter Vineyard Filstal selbstständiger Trainer für Personal- und Organisationsentwicklung

Wirklichkeit gestalten • Hast du die volle Kontrolle über deine Aufgabe? • Kannst du dich voll und ganz auf dein Handeln konzentrieren? • Wie kannst du etwaiger Fremdsteuerung Grenzen setzen?


22

C :martins tagträume

WORSHIP WORSHIP – INNIGKEIT – FREIHEIT – LEBEN! Weinend liege ich auf der Couch und kann mir nicht erklären, was da gerade mit mir passiert. Berührt höre ich die Songs, die eine tiefe Sehnsucht in mir wecken. Was ist nur mit mir los? Bin ich nicht mehr Herr über meine eigenen Gefühle? Nach einer Stunde stelle ich das Kassettengerät ab – ja, Sie haben richtig gehört, das Kassettengerät. Diese Situation wiederholte sich einige Monate lang, als ich vor 30 Jahren Schritt für Schritt von Jesus Christus ergriffen wurde. Die Kassetten hatte ich von jemandem geschenkt bekommen. Ich weiß heute nicht mehr, von wem. Jedes Mal, wenn ich diese Songs hörte, musste ich weinen, und ein riesiges Verlangen nach Gott überkam mich. Vor Jahren verlieh ich diese Kassetten an jemand anderen und bekam sie über 6 Jahre nicht mehr zurück. Heute hüte ich sie wie einen Schatz. Sie erinnern mich an meine ersten Schritte als Nachfolger von Jesus Christus. Sie wecken noch heute in mir diesen überwältigenden Eindruck des ersten Males, als ich innerlich von der Liebe zu Jesus Christus fast zerrissen wurde, ja ein großes Heimweh in mir wuchs und ich mir nichts mehr wünschte, als diesem Jesus mein ganzes Leben vorbehaltlos hinzugeben, um Ihm zu dienen.

Zur Anbetung geschaffen Ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr meine Frau über die Veränderung in meinem Leben verunsichert und schockiert war. Die ganze Aufmerk-

samkeit und Liebe, die ihr gegolten hatte, gehörte plötzlich diesem Mann, der mein Innerstes zu verändern begann. Ich wusste, als ich auf dieser braunen Couch lag, dass mich nie mehr etwas von diesem Jesus Christus trennen würde. Es war wunderbar. Ich möchte heute nicht primär über Worship als Lebensstil schreiben, als viel mehr über Anbetung als Erfahrung der Innigkeit der Beziehung zu Gott, der Freiheit eines Christenmenschen, die Anbetung hervorbringt, und diesem einzigartigen Leben, das wir in der Gegenwart Gottes führen können. Wir wurden für die Anbetung des Schöpfers geschaffen und werden als Nachfolger Jesu Christi Schritt für Schritt in die Anbetung Gottes hineingeführt. Es ist dieses Leben der Anbetung, das in der Gegenwart Gottes staunend zu schweigen beginnt und innerlich zur Ruhe kommt von allen Werken, aller Selbstgerechtigkeit. Es schafft die innere Gewissheit, getragen, geführt, versorgt, verstanden, geliebt, gewollt und wertgeschätzt zu sein. Es ist die Abwesenheit von Werken, die uns zum Wirken befähigt. Anbetung ist die am stärksten erfüllende Erfahrung, die uns von Jesus Christus vermittelt wird.

Gott war mir begegnet Doch zurück zu meinen ersten Erfahrungen mit Anbetung. Die Nähe eines liebenden Vaters, der sich mir durch den Heiligen Geist in Jesus Christus of-

fenbart, war für mich zuerst und vor allem eine Überforderung. Ich konnte mir das alles nicht erklären. Die einzige Erfahrung, die mich im weitesten Sinne an dieses Erleben erinnerte, waren Besuche von Gottesdiensten mit einer Frau in Zürich, die jeweils im Glockenhof predigte. Meine Großmutter hatte mich einige Male zu diesen Vorträgen mitgenommen. Ich war ein Junge von 7 oder 8 Jahren und war jedes Mal erstaunt, dass ich nach der Predigt besser singen konnte als vorher. Heute weiß ich, dass Jesus mir in diesen Gottesdiensten, wo die so genannten Siegeslieder gesungen wurden, begegnet war. Eine Frage, die mich heute stark beschäftigt, ist der musikalische Teil einer Anbetung. In den letzten 20 Jahren wurde die Musik für Anbetungszeiten perfektioniert. Der Unterhaltungswert von Anbetungsmusik ist stark gestiegen. Ist das richtig? Dient das dem Anliegen der Erfahrung von Gottes Gegenwart? Es werden wunderschöne Songs geschrieben, und doch – fördern diese Songs das Erleben der Nähe Gottes, diese Innigkeit, in die wir uns als Menschen einfach hinein verlieren können? Ich nehme es bei vielen Musikern wahr, die sich an und für sich entschieden haben, ein Leben der Anbetung zu führen. Plötzlich ersetzt die Musik dieses Drängen und Verlangen nach Ihm. Anbetungsmusik, Worship kann so auch zu einem kirchlichen Götzen werden. Leben wir bereits in einer Zeit, wo wir mehr diesem Götzen dienen, als die Gegenwart Gottes


23

P zu suchen? Ich mache damit keine Festlegung, sondern möchte einfach die Frage stellen. Das Ziel ist nie die Musik, das Ziel ist immer die staunende Begegnung mit dem liebenden Vater im Himmel, dem König Jesus und seiner Kraft, dem Heiligen Geist.

Türöffner und Vorbilder Wenn ich die letzten 30 Jahre Anbetungsmusik betrachte, fällt mir auf, dass in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts die damalige Jugendbewegung YWAM (Youth with a Mission) ein Türöffner für Anbetungsmusik war. In den 80ern und 90ern war die Vineyard Bewegung führend. Da wurden neue Maßstäbe gesetzt von Songwritern wie Brian Doerksen, Kevin Prosch, Kathryn Scott, Andy Park, Scott Underwood, David Ruis, Terry Butler, Brent Helming, Norm Strauss, Jeremy Riddle, Bene Müller und vielen anderen. Nach dem Jahrhundertwechsel wurde Hillsong prominent, dazu Chris Tomlin und viele andere. Gott hat also immer wieder ein neues Aufbrechen geschenkt. Was aber auffällt, ist, dass erstens die Qualität der Musik wichtiger geworden ist als Inhalt und Texte, und zweitens, dass es weniger um das Anliegen geht, die ganze Gemeinde in die Anbetung miteinzubeziehen, sondern um den Unterhaltungswert. Drittens sind Worshipleiter zu Stars avanciert. Es geht nicht mehr um ein Worshipteam, das eine Gemeinschaft von Jesusnachfolgern in die Gegenwart Gottes begleitet, sondern häufig um die Worshipleader selbst. Ich habe erlebt, in welcher Gefahr begabte Anbetungsleiter stehen und sich wie Primadonnen zu verhalten beginnen. Die Zerbrochenheit und Weichheit des

MARTIN BÜHLMANN Leiter Vineyard Bern Leiter Vineyard Bewegung Deutschland, Österreich, Schweiz

Herzens wird ersetzt durch den Eindruck, über der Gemeinde zu stehen. Ganz gewiss stehen auch Gemeindeleiter, Pastoren, Pfarrer und andere geistliche Leiterinnen und Leiter in der gleichen Gefahr, nur hätte ich es von Anbetungsleitern nie erwartet. Wir stehen offensichtlich an einer Wegscheide. Wohin wird uns die Gegenwart Gottes führen? Oft denke ich an bewährte Worshipleader, Väter und Mütter des Glaubens wie Don Potter, Lilo Keller oder Bene Müller. Das sind Menschen, die in vollständiger Abhängigkeit geblieben sind und so ein gutes Modell für die kommende Generation von Anbetungsleiterinnen und –leitern sind. Gerade diese Menschen haben den Ruf, diese Vater- und Mutterschaft anzunehmen und konsequent zu leben. Ich denke, dass jeder Mensch, der über 50 Jahre ist, sich damit auseinanderzusetzen beginnen sollte, wie er das, was Gott ihm anvertraut hat, weitervermitteln kann. Diese nächste Phase im Leben dieser Menschen ist so erfüllend. Die Seele des leitenden Dieners ist zur Ruhe ge-

kommen. Er muss sich und anderen nichts mehr beweisen und wird so zu einem einzigartigen Vorbild für andere Menschen.

Neu eintauchen Ich sprach von einer Wegscheide. Viele neue Songs klingen nicht mehr nach Inspiration, sondern nach professioneller Arbeit. Wir sind herausgefordert, die Salbung des Heiligen Geistes, wie ich es nennen möchte, zu suchen und weniger das Können. Das eine schließt das andere nicht aus, aber die Reihenfolge muss stimmen. Es gibt so viele Songs, die nach Konservenmusik klingen und wenig bis keine tiefere Ergriffenheit mehr auslösen. Wir brauchen eine innere Umkehr von ganzen Gemeinden und den Wunsch, uns neu in die Gegenwart Gottes einzutauchen. Aus der Ergriffenheit der Nähe zu unserem Herrn Jesus Christus können wir in ganz anderer Weise in dieser Welt die eigentliche Berufung der christlichen Gemeinschaft, die aus der Anbetung kommt, ausleben: nämlich den Armen, Verzweifelten, Schwachen, Ausgegrenzten, Kranken und Suchenden der Gesellschaft in der Kraft des Heiligen Geistes zu dienen und ihnen mit praktischen Zeichen der Liebe Gottes zu begegnen. C


BESTELLUNGEN

TELEFON

S

0049 (0)6232 980 118

NEU

ORDER

ON-LINE

w

CHRIS LIZOTTE SIGNAL HILL REVIVAL Kevin Prosch? Nein! Es ist Chris Lizotte, der hier mit einem rauhen, urwüchsigen Sound aus Gospel und Bluesrock aufwartet. Chris Lizotte surft nicht einfach eine Worship-Welle, sondern drückt in authentischen Texten und einem sehr persönlichen Musikstil aus, was sein Leben ausmacht: Anbetung aus tiefstem Herzen. P R O D U Z E N T: M A R C F O R D ( B E N H A R P E R , T H E B L A C K C R O W E S , RYA N B I N G H A M ) . M I T M A K I N G O F- D V D . PRÄDIKAT: BESONDERS WERTVOLL!

NEU

JEREMY RIDDLE THE NOW AND NOT YET Nach dem Erfolgsalbum Full Attention nun ein weiterer Knaller. Die Texte und die treibenden Grooves – die gesamte Produktion ist erste Sahne. Kein Wunder, zeichnet doch Ron Aniello als Produzent verantwortlich (Lifehouse, Jeremy Camp, Sixpence None the Richer). INNERHALB EINER WOCHE STAND DAS ALBUM IN DEN I-TUNESCHARTS UNTER DEN TOP 50, UND AUF NUMMER 1 IN DER KATEGORIE CHRISTIAN MUSIC.

MISTER WORSHIP PERSÖNLICH MIT SEINEM NEUESTEN ALBUM ROCKIG, VIELFÄLTIG, UNVERWECHSELBAR! 11 Songs, einige neu und einige Klassiker wunderschön neu arrangiert. Klasse! Anspieltipp: Fleece of white.

WONDER WORKING GOD

Fr o m t h e C h u r c h , f o r t h e C h u r c h

Die eigene Stimme finden  

Die eigene Stimme finden

Advertisement