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epochtimes.de

Yvonne - Eine Geschichte über die Freiheit Seite 2

17. August - 6. September 2011 / Nr. 288 / 7. Jahrgang / Preis Deutschland 1,80 €

Senioren als Wirtschaftsfaktor Seite 4

Im Wettlauf mit der Liebe Seite 9

Philip Oprong Spenner Der Hamburger aus Nairobi

Seite 12

Austrittsbewegung aus der KP Chinas Seit sieben Jahren hat sich in China eine friedliche Bewegung entwickelt, die Chinesen ermutigt, alle Verbindungen mit der KP abzubrechen. 100 Millionen haben es bereits getan. mehr auf Seite 6

Nelson Mandela Der Internationale Nelson Mandela-Tag ist ein Anlass sich zu überlegen, welches sein wirkliches Vermächtnis ist.

mehr auf Seite 7

Runges farbige Lichtromantik „Zum rasend werden, toll und schön zugleich“, fand ein zeitgenössischer Fan die Werke des deutschen Malers Philipp Otto Runge. mehr auf Seite 8

F O T O : J O E R N P O L L E X / B O N G A R T S /G E T T Y I M AG E S

Von der Minderheitszur Mehrheitsmeinung Wie viele Gleichgesinnte benötigt es, um eine allgemein gesellschaftlich anerkannte Meinung zu etablieren? Die Antwort ist erstaunlich. mehr auf Seite 10

Wenn auch die Stabhochspringer nicht an die Symbolik ihrer Sprünge gedacht haben mögen, als sie am 12. August teilnahmen an „Berlin fliegt“, einer Veranstaltung mit Weitsprung sowie Stabhochsprung vor dem Brandenburger Tor, die Symbolik drängt sich auf. Zu einer Zeit, in der niemand genau weiß, ob wir mit einigen Höhenflügen auch weich landen werden, zeigt sie den köstlichen Moment des Aufschwungs und das Mutes. „Innovative und inspirierende Konzepte“ verspricht man sich von der Idee, aus den Stadien in die Städte zu gehen, denn dort ist „das Volk“.

Stuttgart 21 oder die Beratungsresistenz von Politikern

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poch Times: Es gibt immer wieder neue Nachrichten über die Situation rund um Stuttgart 21. Richtet sich Ihr Engagement wieder auf K21, nachdem jetzt die Kombilösung von Geissler vehement abgelehnt wird? Brigitte Dahlbender: Der Kopfbahnhof, genannt K21, bleibt unverändert als unser Grundanliegen bestehen. Wir haben immer nur betont, dass wir auch alle anderen Vorschläge anschauen, aber K21 bleibt bestehen. Wir machen das als BUND erstens wegen der Umweltbelange, wegen des Erhalts des Mineralwassers und des Vermeidens von Eingriffen in das Grundwasser; dann wollen wir die Frischluftschneise und die Nichtbebauung des Stuttgarter Talkessels erreichen, da geht es um die Gesundheit der Bürger und außerdem: der Tiefbahnhof ist ein Energiefresser und

wird das immer sein, während ein sanierter Kopfbahnhof als Solarbahnhof eine wesentlich günstigere CO2-Bilanz hat, sodass das dann auch ein massiver Beitrag zum Klimaschutz sein kann. Wir gehen zweitens beim Gedanken an die Nachhaltigkeit von einer großen Steigerung des Schienenverkehrs in Zukunft aus und sagen, wenn man jetzt für so viele Milliarden baut, dann muss das auch in Zukunft reichen. Das kann S 21 nicht, die Planer sind mit 49 Zügen am Ende der Fahnenstange, mehr wird nicht gehen, während ein modernisierter Kopfbahnhof mit modernisierten und erweiterten Zuund Abwegen weiterhin ausbaufähig bleibt. So ein Projekt muss einen richtigen Kosten-Nutzen-Faktor haben, den hat es aber nicht. Für uns gehört das zur Nachhaltigkeit – S 21 hat sie nicht, aber K21. Das ist auch der Grund, warum der BUND sich so intensiv engagiert. Epoch Times: Wird der Volksentscheid über Stuttgart 21 wirklich kommen? Dahlbender: Das wird davon abhängen, wie der Streit über die Verfassungsmäßigkeit ausgeht. Aber selbst wenn es diesen Streit gibt, wird der wohl erst nach dem Volksentscheid entschieden, sodass ich davon ausgehe, dass der Volksentscheid etwa Ende November dieses Jahres kommt. Epoch Times: Geht die Ablehnung von S 21 quer durch alle Parteien? Dahlbender: Es geht quer durch die Parteien: Bei den Grünen bis auf Einzelpersonen ganz; bei der SPD an der Basis sehr viele; auch

bei der CDU gibt es welche, die S 21 ablehnen. Epoch Times: Weshalb sollen Bürger aus ganz Baden-Württemberg an der Volksabstimmung teilnehmen und nicht nur die Stuttgarter?

Dahlbender: Worüber man überhaupt abstimmen kann in dem Volksentscheid, ist der Landesanteil an der Finanzierung für S 21; und diese muss ja von allen Bürgern getragen werden.

Fortsetzung auf Seite 3

Ein Gutachten verachtet S 21

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uszug aus dem im Interview zu S 21 mit Dr. B. Dahlbender erwähnten Gutachten von 2010. Ausbaukonzeption für einen leistungsfähigen Schienengüterverkehr in Deutschland von Michael Holzhey, KCW GmbH, Berlin.

Seite 153

Ein „einfacher“ Tunnelkilometer ist heutzutage kaum unter 60 Mio. Euro zu bauen. Bedenkt man, dass das schwäbische Karstgebirge mit hohem Anhydritanteil zu den schwierigsten Baugründen der Welt zählt, ist mit noch höheren Kosten zwischen 80 und 100 Mio. je km Tunnel zu rechnen.

Seite 153

F O T O : T H O M A S N I E D E R M U E L L E R /G E T T Y I M AG E S

Die Sprecherin des Aktionsbündnisses für den Kopfbahnhof, K21, Dr. Brigitte Dahlbender, gab uns in einem Gespräch eine Einschätzung der augenblicklichen Situation in Stuttgart.

Montagsdemo in Stuttgart für den Kopfbahnhof K21.

Himmelsbeben Rätselhafte Erschütterungen der Luft Die erste Aufzeichnung eines Himmelsbebens stammt aus dem Jahr 1829. mehr auf Seite 11

Am schwersten wiegt die Kritik, dass die NBS de facto für den Güterverkehr nutzlos ist bzw. ihm sogar schadet. Aufgrund der Steigung bis zu 31 Promille können nur leichte, 160 km/h schnelle Güterzüge mit einem Gewicht von maximal 1.000 Tonnen und maximal 500 m Länge die Strecke nutzen, überdies müssen sie mit besonderen Scheibenbremsen ausgerüstet werden. Dessen ungeachtet läuft die betriebliche Praxis der Planungstheorie zuwider. Die NBS Nürnberg-Ingolstadt, die nur 20 Promille Steigung auf 1,6 km aufweist, wird bis dato von keinem einzigen Güterzug befahren, obwohl einst 90 Güterzüge prognostiziert wurden. DB Netz weigert sich, nachts die Strecke für den Güterverkehr zu öffnen.

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Schließlich ist die Begründung nicht plausibel, der heutige Kopfbahnhof sei betrieblich nicht leistungsfähig, weshalb er durch einen Durchgangsbahnhof ersetzt werden müsse. Nach Meinung der meisten Experten ist das Gegenteil der Fall. S 21 beseitigt kein Nadelöhr, sondern schafft neue und vor allem mehr Zwangspunkte („Fahrstraßenausschlüsse“) als heute. Ursächlich sind die 8 Bahnsteiggleise (statt derzeit 17), die wegfallenden Nutzungsmöglichkeiten der S-Bahn-Gleise, vor allem aus Richtung Norden, die zahlreichen eingleisigen und niveaugleichen Verbindungskurven (Flughafen, Rohr, Wendlinger Kurve) und die erheblich stärkere Vermaschung mit S-Bahn-Verkehren. Folge wird sein, dass der SPNV-Fahrplan keinerlei Freiheitsgrade hat und jede geringfügige Verspätung das gesamte System an den Rand des Kollapses bringen kann. Presseerklärung des UBA-Präsidenten Jochen Flasbarth vom 12.08.2010: „Die Position des Gutachters macht sich das Umweltbundesamt jedoch nicht zu eigen. Wir haben die Studie aus eigener Initiative in Auftrag gegeben. Wir wollten generell untersuchen lassen, ob die Vorschläge des UBA für einen umweltverträglichen Güterverkehr mit der bestehenden Schieneninfrastruktur in Einklang stehen oder ob Engpässe zu befürchten sind.“ (rls) Kostenloser Download: http://www. uba.de/uba-info-medien/4005.html


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Deutschland

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

Yvonne – Eine Geschichte über die Freiheit D

ie Krisenzeit in Europa sucht sich neue Helden und Heldinnen. Es ist ein Herzensbedürfnis der Menschen, sich solche Helden zu suchen: unschuldig, harmlos, vom Tode bedroht und doch tapfer, mutig und intelligent – mit einem Wort: YVONNE!

Heldin für einen Sommer

Sie ist sechs Jahre alt, 600 Kilogramm schwer und überzeugte Vegetarierin. Und – sie ist auf der Flucht. Am 24. Mai ist die Kuh Yvonne einem Bauern aus Aschau am Inn entkommen, weil der sie mästen und schlachten lassen wollte. Seither sind alle Bemühungen, Yvonne einzufangen oder abzuschießen gescheitert. Yvonne ist die meistgesuchte Kuh Deutschlands, die Stecknadel im Heuhaufen. Mittlerweile ist Yvonne berühmt für ihre Intelligenz, gar mancher meint, wenn sie ein Mensch wäre, hätte sie mit dieser Aktion schon mehrfach das Abitur bestanden. Und sie hält wirklich alle in Atem. Seit Wochen führt sie ihre Jäger im Kreis Mühldorf an der Nase herum. Es gibt sogar eine Abschussgenehmigung für Yvonne, denn eine ihrer ersten Begegnungen in Freiheit galt einem Polizeiauto auf einer Landstraße – sie blieb einfach davor stehen, wie Kühe das hin und wieder gerne mal tun. Mittlerweile werden die Straßen mit Zäunen abgetrennt und es gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer, damit Autofahrer rechtzeitig bremsen können. Nicht alle Autos hierzulande sind Elchtest-geprüft – und so eine Kuh … nun, bisher zeigt Yvonne kein weiteres Interesse an Polizei- und sonstigen Autos, sondern hält sich bevorzugt im Wald auf.

Gnade fürs Hornvieh

Mittlerweile hat die Kuh neue Besitzer. Der Gnadenhof Gut Aiderbichl hat die Ausreißerin in Abwesenheit dem Bauern abgekauft und eine Schonfrist bewirkt, solange die abenteuerlustige Kuh im Wald bleibt. Nur wenigen ist es bisher gelungen, das entlaufene Tier zu sichten. Das Tier sei eben blitzgescheit, meinte Gutsbesitzer Hans Wintersteller dazu im österreichischen RFÖ. Die Kuh ruhe am Tag, fresse in der Nacht und vergewissere sich beim Überqueren der Straßen inzwischen vorbildlich, ob ein Auto kommt. Der Experte meint, Yvonne sei schon fast drei Monate in diesen Wäldern und inzwischen so scheu wie ein Reh. Sie verhalte sich wie ein Wildtier, sehr scheu und zurückgezogen und kenne den Wald natürlich in- und auswendig. Freiwillige Jäger wurden angeheuert, die seither die Wälder mit Betäubungsgewehren durchstreifen, allein und in Gruppen, und dennoch nicht fündig werden. Nur Trittspuren der Paarhuferin und angetrocknete Hinterlassenschaften – Kuhfladen – künden von ihrer Anwesenheit. Gerüchte wie vom Yeti gehen um. Bloß gut, dass jeder weiß: Dies ist keine Geister-Kuh, dies ist Yvonne! Natürlich will man die Kuh auch locken. Menschliche Überlegungen in Sachen, dass die Kuh nicht gern alleine sei, führten dazu, dass man ihre Schwester und ihr Kälbchen in den Wald brachte und dort zusammen mit leckerem Heu anband. Und richtig: Yvonne kam mal eben vorbei, um zu schauen. Aber bevor man sie hatte, war sie auch schon wieder weg. In vielen solchen Situationen löst sich die intelligente Kuh wie in Nichts auf – als wolle sie die Menschen foppen. Nein, bisher will sie nur nicht in die Falle gehen. Und alle fragen sich: „Kann eine Kuh die Freiheit genießen? Weiß sie überhaupt, was das ist? Woher? Gibt es – außer uns – intelligentes Leben im All?“

Yvonne statt Nessie

Im Gegensatz zu Nessie, dem Phantom vom schottischen Loch Ness, das in der Vergangenheit im journalistischen Sommerloch öfter mal die Zeitungen füllen musste, ist Yvonne real – eine Kuh mit Haut und Huf. Das macht Yvonne durchaus noch interessanter für Zeitung, Radio und TV im In- und Ausland. Da gibt es was zu sehen, da kochen die Gerüchte, da schwappen Gefühle hoch. Da lässt sich in Reminiszenz an das unrühmliche Ende von Problembär Bruno der interessierten Öffentlichkeit eine Problemkuh oder gar die „Akte Yvonne“ präsentieren, verkaufen und ausschlachten. Sie kommen von überallher, Journalisten, Reporter, Fotografen, Kameraleute. Keine Zeitung lässt sie aus, auch im Fernsehen sitzt sie in der ersten Reihe der ÖffentlichRechtlichen, bei RTL und Pro7 und all den anderen Infosendern. Es fehlt nur noch die Live-Berichterstattung für eine Treibjagd oder die Sache mit dem Ernst.

und ihn erhört oder ob sie es vorzieht, eine kleine, einsame, tapfere wilde Waldkuh zu bleiben bis der Herbst kommt. Denn dann kommen andere Verlockungen infrage, wie windgeschützte Scheunen und regelmäßiges Futter. Und für den Ernst des Lebens hat Yvonne dann immer noch Zeit.

Facebook und Youtube

Yvonnes Ruhm aber bleibt unbenommen. So hat die Freiheitskuh inzwischen eine eigene Facebook-Seite mit täglich wachsender Fan-Gemeinde, statt „Free Willy“ heißt die Parole „Free Yvonne“. Auf Twitter ist sie beliebter als Politik, nur der Fußball ist ernstzunehmende Konkurrenz. Auf Youtube gibt es Yvonne als Video. Aber es gibt auch einen Song, der hitverdächtig ist. Auf die allseits beliebte Melodie von „O Susanna“ besingt Joe Heinrich vom SchottenTV in drei Strophen die schlaue Kuh im Widerstand, die nicht als Fleischklops enden will und verbreitet die Vegetarier-Parole: „Go Veggie! Schlachten ist Mordt!“

Oh Yvonne, du bist eine tolle Kuh!

Die Sache mit Ernst

Ernst ist ein stattliches Mannsbild von einem Rindviech. Auf ihn soll Yvonne reinfallen, wenn sie wie alle Kühe alle paar Wochen stierig wird, so heißt das bei der Kuh, wenn die Hormone spinnen und die Natur dafür sorgen will, dass es Nachwuchs gibt. So weit, so gut – oder doch nicht? Ernst kann keinen Nachwuchs mehr zeugen, er ist ein Ochse. Damit er kein wilder Stier mehr ist, sondern leichter zu handhaben mit freundlichem Wesen, wurde er kastriert. Das ist das eine. Das andere ist, dass sich Yvonne bisher auch nicht um ihre regelmäßigen hormonellen Anwandlungen geschert hat, sie blieb im Wald und ungebändigt. Nun soll sich in den nächsten Tagen zeigen, ob Yvonne ihren hormonellen Bedürfnissen nachgeben wird und auf Ernst zugeht

Dein Popo ist ein Meter breit, Dein Busen hängt am Bauch, Dein Atem riecht nach Buttermilch, Große Ohren hast du auch. Du hast noch eine Mail geschrieben, Dann bist du fortgerannt. Da stand: „A Hamburger wui i net werrn, dös Schlachtn is a Schand.“

F o t o : S c r eensh o ts v o n Yo u t u be 2 0110 813 _ J o e H e i n r i c h

Sonja Flesch-Reiss

Refrain: Oh Yvonne, mit deinem Veggie-Leib, Oh Yvonne, bist du ein Super-Weib. Oh Yvonne, ich jubel dir laut zu, Oh Yvonne, du bist eine tolle Kuh! … Joe Heinrichs Schotten-TV auf Youtube von der Konzertagentur Friedrich / Artmedia Production

Auf dem Prüfstand: Unterricht zum Glücklichsein Hat das Schulfach „Glück“, wie es in Heidelberg gelehrt wird, tatsächlich einen Einfluss auf das subjektive Wohlbefinden von Schülern? Erste Ergebnisse belegen eine positive Wirkung.

F o t o : G e o r ges B o tt/ P i x e l i o. de

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„Glückliches Kind“ nannte der Fotograf diese Aufnahme.

ie wahren Lebenskünstler sind bereits glücklich, wenn „ sie nicht unglücklich sind“, sagte der Schriftsteller Jean Anouilh, aber das Jugendalter ist eine Zeit, in der man auch in dieser Hinsicht noch viel lernen muss. Wissenschaftler jedenfalls haben herausgefunden, dass Depressionen bei Schülern in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Also müssen die Kinder wieder lernen, glücklich zu sein, wozu ist die Schule sonst da? Mehrere Schulen in Heidelberg führten im Jahr 2007 das Schulfach „Glück“ ein, um Schülerinnen und Schülern beizubringen, wie sie „ihr Wohlbefinden steigern und sich Herausforderungen im Leben besser stellen können“, um es pathetisch zu sagen. Prof. Dr. Alex Bertrams, Juniorprofessor für Pädagogische Psycho-

logie an der Universität Mannheim, erforscht nun, ob das Schulfach tatsächlich wissenschaftlich belegbare Effekte hat. Sonst wäre es ja vergebliche Liebesmüh. Im benachbarten Heidelberg unterrichtet seit 2007 der DiplomVolkswirt Ernst Fritz-Schubert das Fach Glück als Wahlfach; und es schließen sich immer mehr Schulen in Deutschland und im deutschsprachigen Raum diesem neuen Trend an. Fritz-Schubert ist Schulleiter, Gründer des Faches Glück und Autor des Buches „Glück kann man lernen“. Wir berichteten darüber.

Die Wissenschaft will’s wissen

Für seine Studie zu diesem Thema hat Bertrams 106 Schülerinnen und Schüler an zwei Berufsschulen, an denen das Schulfach unterrichtet wird, zu Beginn und Ende des Schuljahres 2010/2011 befragt. Eine Gruppe der Schüler hat das Schulfach belegt, die andere nicht. „Sofern diejenigen mit dem Schulfach Glück eine höhere Ausprägung von Wohlbefinden am Ende des Schuljahres haben, haben wir einen guten Hinweis darauf, dass es am Schulfach Glück liegt“, erklärt der Mannheimer Wissenschaftler seine Methode.

Die Schüler sollten angeben, wie viele positive und negative Gefühle sie in der letzten Zeit empfunden haben, wie zufrieden und optimistisch sie in ihrem Leben allgemein sind und wie gut sie ihrer Meinung nach mit schwierigen Herausforderungen umgehen können. Denn dies sind Punkte, die das Schulfach Glück positiv beeinflussen soll. Da es auch noch andere Faktoren gibt, die das Wohlbefinden beeinflussen können, erfasste die Befragung auch die allgemeine Persönlichkeit. Vor allem die emotionale Stabilität der Schüler ist für den Forscher eines der wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale, weil diese sich direkt auf das Wohlbefinden auswirkt. Der Juniorprofessor hat außerdem die Offenheit für Erfahrungen, die Extra- oder Introvertiertheit der Schüler und die Integration in die Klassengemeinschaft erfragt, weil viele der Übungen des Fachs im Klassenverband stattfinden. Ernst Fritz-Schubert sagt dazu: „Was beim Menschen eigentlich das körperliche und das seelische Wohlbefinden verursacht, ist mehr als nur zu wissen, wann Amerika entdeckt wurde. Es kommt darauf an, dass wir Erkenntnisse haben. Es gibt eine kreative Intelligenz, dass

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man etwas Neues entdeckt, es gibt eine analytische, damit man weiß, wie es sich zusammensetzt, es gibt eine praktische, damit man weiß, wie man es umsetzt und es gibt eine soziale, damit man fragt, ob das Ganze auch nützt.“ Offensichtlich nützt dieser Unterricht. Die ersten Ergebnisse von Bertrams belegen: Das Schulfach „Glück“ hat einen positiven Effekt auf das subjektive Wohlbefinden der Schüler. Aber, so deutet es sich an, dieser ist nicht bei allen gleich. Das Schulfach hat demnach einen stärkeren positiven Effekt auf diejenigen, die von vornherein emotional stabiler sind. Nicht verwunderlich.

Lebenskompetenz erwerben

Trotz der unterschiedlichen Wirksamkeit hält Bertrams die Einführung des Fachs prinzipiell für sinnvoll: „Im Endeffekt geht es bei dem Schulfach Glück ja darum, dass Schüler lernen, sich mit ihrer emotionalen Seite auseinanderzusetzen und in gewisser Weise Lebenskompetenz zu erwerben. Das halte ich für genauso wichtig wie Mathematik.“ Weitere Ergebnisse der Studie werden in den nächsten Wochen erwartet. (rls / idw)


DEUTSCHLAND

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

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Stuttgart 21 oder die Beratungsresistenz von Politikern Jeden Montag gibt es in Stuttgart eine friedliche Demonstration für den modernisierten Kopfbahnhof.

F O T O : WA LT H E R K R I C K L / T H E E P O C H T I M E S

Epoch Times: Wie bewerten Sie die neuesten Umfrageergebnisse von Infratest Politikforschung über die Frage nach dem Weiterbau von S 21, in denen sich über die Hälfte der wahlberechtigten Baden-Württemberger für einen Weiterbau ausgesprochen hat? Dahlbender: Umfragen sind natürlich immer eine Momentaufnahme. Ich halte diese Umfrage für schwierig, weil sie mit keinem Wort abfragt, wie die Bürger zu K21 stehen als Alternative, sondern es geht hierbei nur um S 21. Ich hab mich auch sehr gewundert, dass dort schon als unverrückbar und klar die maximalen Kosten mit 4,1 Milliarden Euro angegeben werden; ich halte das für eine ziemlich fragwürdige Beeinflussung in dieser Frage, denn die Kosten stehen eben noch gar nicht fest. Epoch Times: Halten Sie die Kombilösung, die Geissler vorgeschlagen hat, noch immer für eine verhandelbare Kompromissmöglichkeit? Dahlbender: Was ich fordere ist, dass man sich damit wirklich auseinandersetzt. Vernünftig. Die Leute, die das jetzt so vom Tisch wischen, reagieren sehr starr. Man suggeriert ja immer, dass S 21 komplett genehmigt sei, das ist es aber nicht. Das Trog-Planungsfeststellungsverfahren ist genehmigt, obwohl da jetzt noch ein Verfahren zum Grundwassermanagement läuft. Der Fildertunnel ist noch nicht genehmigt, obwohl man da jetzt anfangen will zu buddeln, ohne zu wissen, ob der Fildertunnel genehmigt wird. Auch der Abstellbahnhof Untertürkheim ist noch nicht wirklich genehmigt und die Planfeststellung zum FlughafenFernbahnhof, die ist noch nicht einmal offengelegt, das wird noch fünf bis sechs Jahre dauern, bis diese überhaupt genehmig wird. Das heißt, sie wollen den Trog buddeln, ohne zu wissen, wie es oben aussehen wird und ob die

Anschlüsse überhaupt genehmigt werden. Das wird dann noch viel mehr kosten. Epoch Times: Seit August 2010 liegt ein vernichtendes Gutachten, beauftragt durch das Umweltbundesamt (UBA), gegen S 21 im Rahmen des Planungsstandes des deutschen Schienennetzes vor, das die sofortige Einstellung nahelegte. Es ist beim UBA unter „Verkehr“ einsehbar und als Download für jedermann verfügbar. Das ist offen zugänglich, wird aber wie ein Geheimdokument behandelt. Wie kommt das? Dahlbender: Ich weiß es auch nicht, es wird blockiert, es wird auch von der Presse blockiert, ich sage schon die ganze Zeit, schaut euch doch mal die Gesamtsituation an, die Kosten und was das Umweltbundesamt dazu sagt – und das wird völlig ignoriert. Da rennen wir gegen Mauern an. Ich glaube, es ist mittlerweile eine reine Machtdemonstration. Epoch Times: Und wie schätzen Sie das ein, glauben Sie, dass Bürger immer gleich alles zu Fall bringen könnten? Dahlbender: Ach was, natürlich nicht. Es gibt ja genügend Beispiele dafür, wenn man sich an einen Tisch setzt und gemeinsam berät, dass man dann auch Projekte umgesetzt bekommt. Man hat übrigens in unserem Land seit Jahren zum zivilgesellschaftlichen Engagement aufgerufen, von dem auch unsere Gesellschaft insgesamt sehr profitiert. Nur möchte man natürlich am liebsten das dienende gesellschaftliche Engagement haben, aber nicht das kritische. Epoch Times: Was erwarten Sie jetzt von Ihrem neuen Ministerpräsidenten, wenn Sie ihn auffordern, zu reagieren? Dahlbender: Ich finde, er agiert im Moment sehr schwach, er gibt dem Druck des Vertragspartners und des Koalitionspartners, der SPD, sehr stark nach. Er sorgt nicht dafür, dass man sich an einen Tisch setzt, die Bahn hat ja auch der

FOTO: BUND -WERNER KUHNLE

Fortsetzung von Seite 1

Dr. Brigitte Dahlbender, Sprecherin des Aktionsbündnisses für K21.

neuen Landesregierung gegenüber immer noch nicht die wirklichen Kosten offengelegt. Das ist ein Unding, da verstehe ich auch die SPD nicht, dass sie als Volkspartei nicht die Offenlegung der Finanzen und die Klärung der verfassungsrechtlichen Frage einfordert. Epoch Times: Wie bewerten Sie die Steuerprüfung, die dem BUND mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit droht? Dahlbender: Das ist natürlich völliger Unsinn, denn wir sind ein umweltpolitischer Verband. Das steht auch so in unserer Satzung, dass wir den Auftrag haben, Teil der politischen Willensbildung zu sein. Wenn man dieser Argumentation folgen würde, dann dürften wir uns nicht gegen Atomkraft einsetzen, nicht gegen Gentechnik, eigentlich gegen gar nichts. Hier will man versuchen, eine starke außerparlamentarische Opposition mundtot zu machen.

Epoch Times: Der BUND war immer ein Atomkraftgegner und Sie arbeiten dort schon jahrelang mit, verleiht Ihnen der erfolgte Durchbruch in diesem Jahr Flügel für andere Engagements? Dahlbender: Das verleiht mir zumindest Kraft, weil ich sehe, dass jahrelanges Dranbleiben und Durchhalten sich dann letzten Endes lohnen und auszahlen. Ich bin der Überzeugung, wenn der BUND nicht mit seiner Mobilisierungskraft gewesen wäre, und wir es nicht geschafft hätten, schon vor Fukushima und nach Fukushima so viele Menschen auf die Straße zu bringen, dann hätten wir noch immer keine Energiewende. Epoch Times: Sie bleiben bei Ihrer Marschroute: Friedfertigkeit und Sachargumente. Was gibt Ihnen die Kraft, solch einen täglichen persönlichen Stresstest durchzuhalten?

Dahlbender: Ich bin eine leidenschaftliche Demokratin und begeisterte Mitstreiterin für zivilgesellschaftliches Engagement und mehr Mitbestimmung der Bürger. Da gibt es für uns nur den Weg, mit Sachargumenten zu agieren und dies mit friedlichen Demonstrationen zu unterstreichen. Kreativ und kraftvoll durch vielerlei Aktivitäten. Epoch Times: Was tut Ihnen am meisten weh von dem, was die Politiker machen? Dahlbender: Was mir seit Jahren am meisten weh tut, ist, dass sie sich so völlig beratungsresistent und informationsresistent einkasteln. Ich sehe mit einer gewissen

Beunruhigung diese Tendenz jetzt auch bei der neuen grün-roten Landesregierung. Die Landesregierung hat nun gesagt, sie wollten sich Ende August alle noch einmal an einen Tisch setzen, um einen Konsens zu finden, nur haben sie dabei vergessen, das Aktionsbündnis mit einzubeziehen. Wir sind völlig außen vor. Epoch Times: Und wer ist eingeladen? Dahlbender: Die Bahn, die Stadt, die Region, das Land, aber nicht das Aktionsbündnis. Das finde ich dann schon sehr bedenklich. Das Interview führte Renate Lilge-Stodieck

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Wirtschaft

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

Senioren als Wirtschaftsfaktor Heute werden neben den Risiken der alternden Gesellschaft zunehmend die Chancen und Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft thematisiert.

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F o t o : J o e K l a m a r /A F P/G ett y I m ages

ie alten Menschen in Deutschland werden immer mehr und immer älter: Mit dem demografischen Wandel steigt die Zahl der über 60-Jährigen in Deutschland von 20 Millionen im Jahr 2001 auf voraussichtlich 28 Millionen bis zum Jahr 2030 an – jeder dritte Bundesbürger zählt dann dazu. Die Zahl der Hochbetagten über 80 wird in diesem Zeitraum um 2,5 Millionen zunehmen und sich bis 2050 nahezu verdreifachen.

Wer sagt, dass das Alter freudlos werden muss?

Atomausstieg: Gewinne gleichen die Verluste aus Viele haben es befürchtet und Horrorszenarien heraufbeschworen, die Krise in der Krise aber kam nicht.

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er deutsche Atomausstieg hat nicht zu einer Wertvernichtung größeren Ausmaßes in der deutschen Volkswirtschaft geführt. Die Energiewende bewirkte eine Art Vermögenstransfer von Atomkonzernen zu Unternehmen der erneuerbaren Energien. Die Kursgewinne in der Branche der erneuerbaren Energien konnten die Verluste der Atomkonzerne fast ausgleichen. Das zeigt eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA). Hauptprofiteure der deutschen Energiewende im benachbarten Ausland sind nach der Bonner Studie die österreichischen Energiekonzerne. Nach Fukushima gingen die Kurse der Energiekonzerne in die Knie. In den ersten 20 Handelstagen nach der Katastrophe sanken

die um die allgemeinen Bewegungen des Marktes korrigierten Kurse der großen Energiekonzerne um 3,5 Prozent. In der gleichen Zeit stiegen die Kurse der börsennotierten Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien um eine marktbereinigte Kursteigerung von rund 18 Prozent. Durch die wesentlich höhere Marktkapitalisierung der Atomkonzerne fiel der Wertverlust insgesamt dennoch höher aus, als der resultierende Zugewinn bei den erneuerbaren Energien. In den europäischen Nachbarländern entwickelten sich die Kurse laut der Analyse so, dass die Märkte die österreichischen Stromkonzerne zum Gewinner des deutschen Atomausstiegs machen. Die österreichische Regulierungsbehörde hatte bereits im Vorfeld steigende Preise, eine höhere Kapazitätsauslastung und verbesserte Gewinnaussichten ihrer Energieversorger erwartet. Die Kurse dieser Unternehmen stiegen in den ersten 20 Handelstagen nach der Atomkatastrophe in Japan marktbereinigt um mehr als 15 Prozent. In Frankreich sah es anders aus.

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Obwohl Staatspräsident Sarkozy zukünftig größere Atomstromexporte nach Deutschland angekündigt hatte, bestätigten die Märkte die französischen Hoffnungen nicht. Bei den französischen Energiekonzernen wurden keine nennenswerten Kurseffekte beobachtet. Die Hoffnung, dass der deutsche Atomausstieg ohne wesentliche Wertvernichtung auch für andere Länder zum Vorbild werden könnte, wird von der Bonner Studie in diesem Punkt nicht bestätigt. „In Deutschland ist der Sektor der erneuerbaren Energien seit Jahren gut aufgestellt, nicht zuletzt dank erheblicher finanzieller Unterstützung. Unser Land war auf die Energiewende deshalb vergleichsweise gut vorbereitet“, sagt IZA-Experte Ulf Rinne. (sfr / Fallak-IZA)

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Lange Zeit standen die finanziellen Belastungen, die das Altern der Gesellschaft für Wirtschaft und Sozialkassen nach sich zieht, im Vordergrund. „Heute werden neben den Risiken zunehmend die Chancen und Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft thematisiert“, berichtet PD Dr. Josef Hilbert, Direktor des Instituts Arbeit und Technik (IAT / FH Gelsenkirchen).

Demografie als Herausforderung für die Wirtschaft

Zusammengefasst wird diese Diskussion im soeben erschienenen Jahrbuch „Seniorenwirtschaft 2011“. Der Band aus dem Nomos-Verlag bietet in 14 Beiträgen auf 150 Seiten eine Bestandsaufnahme der aktuellen Entwicklungstrends in der Seniorenwirtschaft. Sowohl nationale und internationale Veränderungen der sozial- und wirt-

schaftspolitischen Rahmenbedingungen werden analysiert als auch neue Konsum- und Markttrends eingeordnet und erörtert. Diese Impulse bilden die Ausgangslage für neue Strategien in der sozialen und ökonomischen Gestaltung des demografischen Wandels. Sowohl Wissenschaftler wie auch Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen und Einrichtungen der Seniorenwirtschaft finden in den Beiträgen eine Fülle von Informationen und Anregungen.

Seniorenwirtschaft 2011 – aus dem Inhalt:

Einkommensentwicklung und Konsumverhalten älterer Menschen in Deutschland sind ein Thema, wie sie von der Last zur Chance werden können: Das Altern der Gesellschaft im Paradigmenwechsel, Seniorenwirtschaft – Konturen eines Wachstumsmarktes.

Die Bundesinitiative „Wirtschaftskraft Alter“ wird vorgestellt mit: Kommunale Seniorenpolitik und Altenhilfe, Netzwerke und Serviceverbünde, Gestaltung der Wohnumwelt älterer Menschen, Mobile Angebote in Bildung, Kunst und Kultur. Und ein Blick über den Zaun: Die alternde Gesellschaft im Nachbarland Schweiz und die Türkei auf dem Weg zur Pflegeversicherung, seniorenwirtschaftliche Initiativen und Aktivitäten in Europa sowie die Zukunftsaussichten der Seniorenwirtschaft. (sfr / Braczko-IAT)

i Jahrbuch Seniorenwirtschaft 2011 Herausgegeben von Fretschner, Hilbert, Maelicke 2011, 150 S., Broschiert, ISBN 978-3-8329-6140-4 29 €

3,5 Millionen weniger Arbeitskräfte bis 2025 Bis 2025 wird die Anzahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt potenziell zur Verfügung stehen, um fast 3,5 Millionen sinken. Bildungsanstrengungen könnten helfen.

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elbst wenn die Erwerbsquote von Frauen und älteren Menschen steigen würde und man eine Nettozuwanderung von 100.000 Personen jährlich den Berechnungen zugrunde legt, wird die Zahl möglicher Arbeitskräfte von heute 44,8 auf 41,3 Millionen zurückgehen und dann nur noch knapp über der Zahl der heute Erwerbstätigen von 40,8 Millionen liegen. Dies sind die Ergebnisse der neuesten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Bis 2050 nimmt das sogenannte Erwerbspersonenpotenzial möglicherweise sogar um insgesamt zwölf Millionen ab, geht aus der IAB-Studie hervor. Die Nürnberger Arbeitsmarktforscher haben dabei wiederum die steigenden Erwerbsquoten der Frauen und Älteren sowie eine

jährliche Nettozuwanderung von 100.000 Personen berücksichtigt. Diese Größenordnung sei – gemessen an den Vergangenheitswerten – plausibel, erklärt das IAB. Seit 1965 seien im Durchschnitt jährlich rund 200.000 Personen mehr zugewandert als weggezogen. Die Annahme eines Wanderungssaldos von jährlich 100.000 Personen trage der niedrigen Nettozuwanderung der jüngeren Vergangenheit Rechnung. In einem Alternativszenario mit einer jährlichen Nettozuwanderung von 200.000 Personen sinkt das Erwerbspersonenpotential bis 2025 um gut zwei auf 42,5 Millionen und bis 2050 um gut acht auf 36,5 Millionen. Diese Variante berücksichtigt, dass die Nettozuwanderung zeitweise durchaus deutlich höher sein könnte, weil ab Mai 2011 die Freizügigkeitsbeschränkung der Arbeitnehmer in der EU in Deutschland weggefallen ist.

Schrumpfende Bevölkerung

„Selbst wenn es gelingt, dass sich mehr ältere Personen, Frauen, Ausländer und Ausländerinnen am Erwerbsleben beteiligen, muss man sich längerfristig auf eine deutlich kleinere Bevölkerung und ein viel geringeres Arbeitskräftepotenzial

einstellen“, halten die Autoren der IAB-Studie fest. Auch die Zuwanderung könne dem rückläufigen Trend nur in einem begrenzten Maße entgegenwirken. „Wirtschafts- und gesellschaftspolitische Maßnahmen sollten deshalb vor allem auf eine positive Gestaltung des Übergangsprozesses gerichtet sein“, erklären die Arbeitsmarktforscher. „Der Rückgang des Arbeitskräfteangebots führt nicht zwangsläufig zu einem Fachkräftemangel im Sinne eines dauerhaften Nachfrageüberschusses gegenüber dem Angebot“, schreiben die Autoren der IAB-Studie. Zum einen passe sich der Fachkräftebedarf an die Gegebenheiten an, zum anderen können entsprechende Bildungsanstrengungen die Qualifikation des Erwerbspersonenpotenzials verbessern. „Die hohe Arbeitslosigkeit von gering qualifizierten Arbeitskräften zeigt, dass ein Teil des an sich vorhandenen Potenzials bisher kaum genutzt wird. Insofern tragen Bildungsanstrengungen längerfristig dazu bei, die Konsequenzen des sinkenden Erwerbspersonenpotenzials für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt zu mildern“, betont das IAB. (sfr / Braun-IAB)

Produktivitätsfaktor Mitbestimmung

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itbestimmung als zentrales Instrument der „ Gewerkschaften ist ja als Bremse für die freie Entscheidung eines Unternehmens verschrieen. Ich argumentiere genau anders herum: Sie ist ein Produktivitätsfaktor“, erklärt Prof. Dr. Birger P. Priddat seine Erfahrung. Und schrieb dazu ein ganzes erhellendes Buch: „Leistungsfähigkeit der Sozialpartnerschaft in der sozialen Marktwirtschaft“. „Die deutsche Wirtschaft lebt von Qualitätsprodukten. Und Qualitätsarbeit, die diese Produkte herstellt, bekommt man nicht von unzufriedenen und missachteten Arbeitnehmern. Darum ist Mitbestimmung ein wesentlicher Faktor für das Wirtschaftswachstum und nicht gegen sie“, erläutert er seine Position. Loyale, motivierte und

qualifizierte Mitarbeiter schätzen vertrauensvolle kooperative Arbeitsbeziehungen, schreibt Priddat in seinem Buch. „In der Krise, wenn Firmen sich neu erfinden müssen, hilft Mitbestimmung, den sozialen Frieden zu sichern. Die Unternehmen klagen in der Phase gerne über die Unbeweglichkeit, die ihnen die Mitbestimmung aufzwingt. Aber wenn so ein Prozess der Umstrukturierung dann abgeschlossen ist, fließt die Dividende: Zufriedenere und loyalere Mitarbeiter sind einfach die besseren Voraussetzungen für einen Neuanfang.“ Das Sozialkapital eines Unternehmens, die gelungene Kooperation von Management und Arbeitnehmern ist ein Vermögen, dessen Wert noch unterschätzt wird. (sfr / GroppUniversität Witten/Herdecke)

Birger P. Priddat: Leistungsfähigkeit der Sozialpartnerschaft in der Sozialen Marktwirtschaft, Mitbestimmung und Kooperation, Metropolis 2011 ISBN 978-3-89518-862-6


INNOVATION

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Teststrecke in Boxberg. Gefahren wurde meist auf der inneren Spur der Rundstrecke mit einer Länge von 2,945 Kilometern. In zweistündigen Schichten drehten die Fahrer ihre Runden, begleitet von einem Verfolgerfahrzeug, das die Fahrt mit einer Kamera aufzeichnete und technisch überwachte. So konnte der Rekordversuch lückenlos dokumentiert werden. Der Versuch wurde vom TÜV SÜD überwacht und die Fahrt offiziell bestätigt. Mit diesem Rekord knüpft das Team an die erfolgreiche Teilnahme an der South African Solar Challenge 2010 an, bei der 626,6 Kilometer erreicht wurden. Damals fuhr der „Schluckspecht“ auf öffentlichen Straßen weiter als jedes andere Fahrzeug zuvor. Der Rekord ist das Resultat einer langjährigen vorausschauenden Konzeption. Der „Schluckspecht“ wurde von Anfang an als Batteriefahrzeug konzipiert und aufbauend auf einer Designerstudie von Frau Sunmin Lee von der Hochschule Pforzheim entwickelt. Die Form der Karosserie ist besonders windschlüpfrig, da kein Platz für Motor und Getriebe benötigt wird: das

Am Anfang August ist das Niedrigenergiefahrzeug „Schluckspecht E“ der Hochschule Offenburg auf der Teststrecke der Firma Bosch einen neuen Weltrekord gefahren: 1.631,5 Kilometer mit nur einer Batterieladung.

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rotz Wind und Regen fuhren vier Fahrerinnen und Fahrer in insgesamt 36 Stunden diesen neuen Streckenrekord und übertrafen damit den bisherigen Weltrekord des Japan Electric Vehicle Clubs von 1.003 Kilometern um über 600 Kilometer. Eine wahre Rekordleistung, denn die Batteriekapazität der 14 handelsüblichen Lithium-Cobalt-Batterien des „Schluckspechts“ von 23 kWh liegt weit unter der des japanischen Teams (50kWh). „Die Fahrbahn der Teststrecke war in hervorragendem Zustand“, lobte Professor Dr. Ulrich Hochberg, Leiter des Schluckspecht-Teams die

Fahrzeug hat zwei Radnabenmotoren, die vollständig in die Räder integriert sind. Das Chassis ist neu: es wurde in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut EMI speziell für Batteriefahrzeuge konzipiert – eine im Fahrzeugbereich neuartige Tragstruktur ermöglicht eine deutliche Gewichtsreduktion. Mit dem an der Hochschule Offenburg entwickelten Batteriemanagementsystem wurde die Last optimal auf die Batterieblöcke verteilt. „Dieser Erfolg ist ein Zeichen des hohen Niveaus, auf dem sich Lehre, Forschung und Entwicklung an der Hochschule Offenburg befindet“, erklärt Professor Dr. Ulrich Hochberg stolz. Seit 14 Jahren entwickelt die Hochschule Offenburg mit ihrem „Schluckspecht“ Modelle für sparsame Fahrzeuge und nutzt dabei ihre Freiräume für Forschung und Entwicklung, um schon weit vor dem Marktbedarf neue Konzepte konsequent zu durchdenken und Zukunftsmodelle für Niedrigenergiefahrzeuge zu erproben. Ob Maschinenbau, Elektro- und Verfahrenstechnik, Werkstofftechnik,

Der „Schluckspecht“ der Hochschule Offenburg fährt einen neuen Streckenrekord: 1.631,5 Kilometer mit nur einer Batterieladung.

Mechatronik oder Informatik, Studierende und Professoren aller Fakultäten bringen Ideen für die Weiterentwicklung ein. Diese werden dann in den Werkstätten und Laboren der Hochschule umgesetzt. Da die Arbeiten nicht kurzfristig wirtschaftlichen Erfolg zeigen müssen, können diese Konzepte auch vollkommen neuartig und zunächst auch wirtschaftlich (noch) wenig interessant sein. Vor nunmehr fünf Jahren hat die Hochschule einen Radnabenmotor mit integrierter Leistungselektronik

vorgestellt, wohl wissend, dass für derartige Motoren zur damaligen Zeit kein Markt war. Heute entwickeln mehrere Firmen parallel einen derartigen Motor zur Serienreife, darunter auch die Hochschule Offenburg in Zusammenarbeit mit der Firma EVOMOTIV. So ist ein optimaler Wissenstransfer in Sachen Elektromobiliät garantiert. Für den Radnabenmotor wurde der „Schluckspecht“ 2006 mit dem Innovationspreis des Shell-Eco-marathons ausgezeichnet.

An diesen Erfolg knüpfte das Schluckspecht-Team dieses Jahr mit dem Innovationspreis des South West Research Instituts (San Antonio, Texas) für das neue Rahmenkonzept BSS (BowStringStructure) an. Dieser Kombination aus Forschungsleistung, technischem Können und studentischem Engagement und Begeisterungsfähigkeit ist der Weltrekord des „Schluckspechts“ zu verdanken. (Carola Bruhier / Hochschule Offenburg)

Das Geschäft mit der Sonne: besser, schneller, billiger D ie Energiewende ist beschlossen, Solarzellen sind ein Renner, Deutschland braucht mehr grüne Energie. Nun scharren alle mit den Füßen, um die neuesten Solarzellen auf den Markt zu bringen. Zu ihnen gehören auch die Forscher der Fraunhofer-Gesellschaften.

Aachen den Hauptvorteil. So lassen sich bessere Solarzellen kostengünstiger produzieren.

Laserverfahren hoch im Kurs

Ein Beispiel ist das Hochrate-LaserBohren, welches sehr präzise und schnell kleine Löcher in Solarzellen erzeugt. Wozu man das braucht? Eine klassische Solarzelle erzeugt Strom durch den photoelektrischen Effekt. Sie besteht aus mehreren leitenden und halbleitenden Schichten. Fällt Licht auf die Solarzelle, werden negative Ladungsträger aus ihrer Bindung gelöst und es fließt elektrischer Strom. Bisher befinden

Messe in Hamburg im September

schnell aufeinanderfolgende Laserpulse gezielt ab und sind so in der Lage, sehr schnell große Flächen zu bearbeiten. „Das ist eine vielversprechende Technologie, die für viele Laserprozesse eingesetzt werden kann“, so Schulz-Ruhtenberg.

Produktion: genau und schonend fürs Material

Neben der Geschwindigkeit spielt auch die schonende Arbeitsweise der Laser eine große Rolle in der Solartechnik, denn die Zellen und Wafer, also die Grundelemente der Solarzellen, sind empfindlich. Laserstrahlen sind aber so fein dosier- und

Die Solar-Photovoltaik-Anlage in Glastonbury ist das größte private Strom erzeugende System in Großbritannien und erzeugt genug Strom, um den Jahresbedarf von 40 durchschnittlichen Haushalten decken.

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In Hamburg dreht sich vom 5. bis 9. September alles um unseren größten Energielieferanten, die Sonne. Fraunhofer-Forscher stellen auf der EU PVSEC, der European Photovoltaic Solar Energy Conference, in Halle B4G, Stand C12, neue Methoden vor, mit denen man Solarzellen billiger und effizienter machen kann. Auf vielen Hausdächern, besonders in Süddeutschland, glänzen inzwischen die schwarzen Platten der Solarzellen. Oft sind es Solarkollektoren, die für Heißwasser sorgen, immer öfter auch PhotovoltaikAnlagen, die das Sonnenlicht direkt in Strom umwandeln. Aber bisher kommen nur etwa zwei Prozent des Stroms in Deutschland aus Solarenergie, denn noch sind Solarzellen vor allem in der Produktion teuer und aufwendig. Um das zu ändern, entwickeln Wissenschaftler der FraunhoferGesellschaft innovative Herstellungsverfahren. Vor allem Laser eröffnen in der Fertigung von Solarzellen ganz neue Möglichkeiten. „Die Lasertechnik ermöglicht kontaktloses, präzises und schnelles Bearbeiten“, erklärt Dr. Malte Schulz-Ruhtenberg vom Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in

sich auf Vorder- und Rückseite der Solarzellen die Kontakte, um den so erzeugten Strom abzutransportieren. Wenn alle Kontakte an der Rückseite verlegt werden können, wo sie keine Schatten werfen, steigt der Energiegewinn. Die Löcher in den Solarzellen schaffen die Voraussetzungen für diesen Ansatz, der als „Emitter-Wrap-Through“, kurz EWT, bezeichnet wird. Um noch höhere Geschwindigkeiten und damit höheren Durchsatz zu erzielen, können spezielle Polygon-Scanner eingesetzt werden. Bei diesen Laser-Scannern lenken rotierende Polygon-Spiegel extrem

Die Firma Bosch hat eine neue kristalline Solarzellen Produktionsanlage in Arnstadt bei Erfurt eröffnet mit einer Kapazität von 90 Millionen Solarzellen pro Jahr.

kontrollierbar, dass die Zellen kaum belastet werden. Deshalb nutzten die Fraunhofer-Forscher sie für fast alles: um zu bohren, zu schmelzen, zu schneiden oder auch zu löten. Zum Beispiel werden Ultrakurzpuls-Laser eingesetzt, um Vorder- und Rückseite der Solarzellen voneinander zu isolieren. Sie arbeiten schonender als andere Methoden und das ist wichtig, denn ein großer Anteil der Kosten von Solarzellen geht auf Schäden und Bruch in der Produktion zurück.

Roboter im Test

Schäden verursachen häufig auch die Handhabungsroboter, die in unterschiedlichen Varianten von allen Herstellern eingesetzt werden. Sie sollen möglichst schnell und genau arbeiten, aber ohne die empfindlichen Teile zu beschädigen − das senkt die Kosten. Am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart arbeiten Forscher daran, die automatisierte Handhabung von Wafern und Solarzellen zu verbessern. „In unserem Test- und Demonstrationszentrum versuchen wir, die Handhabung und Automatisierung in der Photovoltaik nachzustellen und so zu optimieren“, erklärt Roland Wertz, der Verantwortliche beim IPA. Es dient dabei als Schnittstelle zwischen industrieller Fertigung und Forschungsdienstleistung im Bereich Automatisierungslösungen. So werden unter möglichst realen Bedingungen alle Einflüsse und Parameter registriert, die sich zum Beispiel auf die Genauigkeit und Geschwindigkeit verschiedener Greifsysteme auswirken. Dabei hilft der Roboter ABB IRP 360, auch FlexPicker genannt, der auch am Fraunhofer-Stand ausgestellt wird. Er wird als Manipulator zusammen mit dem eigentlichen Greifer für Experimente genutzt. So analysieren und bewerten die Wissenschaftler Produkte unterschiedlicher Hersteller und mit verschiedenen Wirkprinzipien. Denn jede konkrete Anwendung hat eigene Anforderungen und verlangt damit nach eigener optimierter Handhabung.

Weniger ist mehr

Aber nicht nur in der Produktion wird gespart und optimiert, sondern

auch beim Material. Nicht mehr als unbedingt nötig − das ist das Prinzip von Dünnschicht-Solarzellen. Sie bestehen meist aus einem preiswerten Träger, auf den das elektrisch aktive Material als ultradünne Schicht aufgebracht wird. Um Dünnschicht-Solarzellen qualitativ hochwertig und dabei kostengünstig herstellen zu können, hat das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Braunschweig verschiedene Verfahren für jeden einzelnen Produktionsschritt entwickelt. Die Halbleiterschichten, das Herz der Zelle, werden zum Beispiel mit dem Hot-Wire-CVD-Verfahren hergestellt. „Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Verfahren ist die schonende Form der Schichtherstellung“, erklärt Dr. Volker Sittinger vom IST. Bei herkömmlichen plasmaaktivierten CVD-Verfahren ist das Material während der Beschichtung dem Beschuss mit hochenergetischen Teilchen ausgesetzt. Anders bei der Hot-Wire-CVD: Dort werden die schichtbildenden Gase nicht in Plasma, sondern an heißen Drähten angeregt. So entstehen auf schonende Weise hochwertige Schichten. Außerdem lässt sich das für die Herstellung nötige Silangas besser nutzen. „Wir wandeln bei der Hot-Wire-CVD bis zu 90 Prozent der eingesetzten Gase in Schichtmaterial um und erreichen dadurch auch höhere Beschichtungsraten als bei herkömmlichen Prozessen“, sagt Sittinger. Für die Kontaktschichten auf Front- und Rückseite gibt es seit Kurzem die C²-Beschichtungstechnologie (Cylindrical Magnetron Co-Sputtering). Sie ermöglicht es, die Materialzusammensetzung während der Beschichtung der Solarzelle zu variieren. Und es soll noch dünner gehen. Mit einem neuen Typ dreidimensional aufgebauter Solarzellen könnten wenige Nanometer dünne Schichten möglich sein. Das geht nur mit konturgenauer Abscheidung der Schichten, aber auch dafür gibt es eine Methode: ALD, das steht für Atomlagenabscheidung, aus dem Bereich der Nanotechnologie. Solarzellen müssen also nicht mehr so teuer sein. Denn neue Technologien könnten die Solarenergie einen großen Schritt nach vorne bringen. (rls/idw)

FOTO: HOCHSCHULE OFFENBURG

Niedrigenergiefahrzeug „Schluckspecht“ fährt Weltrekord


INTERNATIONALES

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The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

Austrittsbewegung aus der KP Chinas Helena Zhu

F O T O : E D WA R D D A I / T H E E P O C H T I M E S

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in Meilenstein ist in China erreicht worden, aber nicht einer, den die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) feiern wird. In den vergangenen sieben Jahren hat sich dort eine friedliche Bewegung sehr stetig entwickelt - eine Bewegung, die Chinesen ermutigt, alle Verbindungen mit der Kommunistischen Partei abzubrechen. Jetzt hat die Bewegung die Marke von 100 Millionen Austritten erreicht. „Die 100 Millionen Chinesen, die aus der Kommunistischen Partei Chinas und den ihr angegliederten Organisationen ausgetreten sind, haben einen Grund zum Feiern und einen historischen Meilenstein in der chinesischen Geschichte errichtet,“ sagte Yi Rong, die Vorsitzende des in New York ansässigen „Global Service Center for Quitting the Chinese Communist Party“, auf einer Pressekonferenz. „Es ist sowohl für Chinas Gegenwart, als auch für seine Zukunft bedeutungsvoll. Denn Chinas Übergang in die Zukunft kann damit frei von dem Terror werden, den die Kommunistische Partei dem Land aufgezwungen hat“, sagte sie. Bekannt als „Tuidang“, übersetzt „Parteiaustritt“, begann die Bewegung Ende 2004, sich zu entwickeln. Das geschah nach der Veröffentlichung der „Neun Kommentare über die Kommunistische Partei“, herausgegeben von The Epoch Times. Die Neun Kommentare sind eine Serie von Artikeln, die die Geschichte und Menschenrechtsbilanz der KPCh ausführlich beschreiben, sowie deren Terror-Episoden ‒ die Kulturrevolution, den „Großen Sprung nach vorn“, das Tiananmen-Massaker und die Verfolgung der spirituellen Praxis Falun Gong-Bewegung. Alles Themen,

100 Millionen Austritten aus der Kommunistischen Partei Chinas und ihren angegliederten Organisationen. Demonstration im Juli in Washington D.C. die unter dem Zensur- und Propagandasystem der KPCh entweder ignoriert werden oder über die gezielt falsch berichtet wird. Die Neun Kommentare wurden nach China per Fax, E-Mail und Post verbreitet. Das führte zu einem überwältigenden Ansturm von Briefen, die an die chinesische Ausgabe der Epoch Times geschrieben wurden. Sie kamen von Lesern, die sich von ihren Verbindungen mit der KPCh und den ihr angegliederten Organisationen, wie der Kommunistischen Jugendliga

„Ich denke, dass die 100 Millionen Menschen... einen Schneeball-Effekt erzeugen werden.“

und den Jungen Pionieren, trennen wollten. Schätzungen zufolge sind mehr als 700 Millionen Chinesen einmal in ihrem Leben mindestens einer dieser drei Gruppen beigetreten. „Die 100 Millionen Menschen, die bisher ausgetreten sind, gehören zu allen sozialen Schichten, von Militärs und Regierungsbeamten bis hin zu den unteren politischen Schichten, wie Dorfbewohnern und Studenten, alle Gesellschaftsschichten machen mit“, sagte Yi Rong. Li Yumei, eine Bewohnerin der

nordöstlichen Provinz Liaoning in China, schwor ihren Verbindungen mit der Jugendliga und den Jungen Pionieren am 4. August ab: „Nachdem ich die Neun Kommentare über die Kommunistische Partei gelesen hatte, schien es mir, als ob ich aus einer Illusion aufgewacht bin. In den sechs Jahrzehnten ihrer Herrschaft hat sie [die KPCh] die Menschen immer als Sklaven betrachtet, die zu jeder Zeit und auf jegliche Weise benutzt werden konnten. Die Partei hat listige Worte verwendet, damit wir in unserer

Kindheit in die Parteiorganisationen, wie die Jugendliga und die Jungen Pioniere, eintreten ‒ etwas, das ich äußerst bedauere. Um jegliche Verbindung mit den Lügen, der Gehirnwäsche und der geistigen Kontrolle der bösartigen Partei abzubrechen und im Namen von Freiheit und Demokratie für Menschen, die ihre eigenen Entscheidungen treffen wollen, trenne ich mich von der Jugendliga und den Jungen Pionieren.“ Der US-amerikanische Senat hat einen entscheidenden Schritt in der Anerkennung der TuidangBewegung gemacht. Im Juli dieses Jahres hat er eine parteiübergreifende Resolution zur Anerkennung der Bewegung eingebracht. Li sagte, dass diese Resolution eine Anerkennung der internationalen Gemeinschaft für Tuidang darstellt. Obwohl die Tuidang-Bewegung einen Regimewechsel in China unterstützt, ist es nicht ihr Ziel, die KPCh zu ersetzen. Sowohl ihre Aktivisten als auch andere Beteiligte verstehen, dass es ein spirituelles und ethisches Erwachen ist anstatt einer politischen Revolution. Die Bewegung plädiert nicht für den Sturz der Kommunistischen Partei Chinas, fordert die Chinesen aber auf, eine innerliche Trennung zwischen Chinas Zukunft und der KPCh zu errichten. Viele Chinesen, die die Lügen und Gewalt der KPCh-Herrschaft ablehnen, sind bereit, die Nachrichten über die Bewegung weiterzuleiten, selbst angesichts der durch das Regime drohenden Gefahren. „Ich denke, dass die 100 Millionen Menschen, die bereits aus der KPCh ausgetreten sind, weiterhin einen Schneeball-Effekt erzeugen werden“, sagte Yi. „Ich denke, dass China in naher Zukunft eine sehr große soziale Veränderung erleben wird, die von guten Menschen in aller Welt unterstützt werden wird.“

Neun Kommentare über die Kommunistische Partei Chinas

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Das Buch „Die Neun Kommentare“ trägt zur Auflösung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) bei und verändert China. Die preisgekrönte Epoch Times-Serie beschreibt die wahre Geschichte und das Wesen der KPCh. Sie erscheint hier als Serie.

Kommentar Zwei Fortsetzung

2.2.2 Die erste Allianz zwischen Kuomintang (KMT) und KPCh – Ein Parasit dringt bis zum Kern vor und sabotiert den Nordfeldzug14

Die KPCh erzählt der Bevölkerung seit jeher, dass Tschiang Kai-shek die Nationale Revolution15 verraten habe und die Kommunistisch Partei dazu gezwungen gewesen sei, sich in einem bewaffneten Aufstand zu erheben. In Wirklichkeit ist die KPCh ihre erste Allianz mit der Kuomintang eingegangen, um sich der Nationalen Revolution anzuschließen und dadurch sich selbst zu entwickeln. Außerdem war die KPCh begierig darauf, schnell die Macht zu ergreifen und eine Revolution nach sowjetischem Vorbild zu beginnen. Es war ihre Gier nach Macht, die in Wirklichkeit die Nationale Revolution verriet und zerstörte.

Auf der zweiten Vertreterversammlung der KPCh im Juli 1922 waren diejenigen, die gegen eine Allianz mit der KMT waren, in der Überzahl, da die Mitglieder der Konferenz darauf drängten, die Macht zu ergreifen. Jedoch kontrollierte die Komintern die Ereignisse im Hintergrund und annullierte die Resolution, die in der Konferenz verabschiedet wurde; so wurde der KPCh befohlen, sich der KMT anzuschließen. Während der ersten Allianz zwischen KMT und KPCh hielt die KPCh ihre vierte Vertreterversammlung im Januar 1925 in Schanghai ab und warf schon vor dem Tod von Sun Yat-sen16 am 12. März 1925 die Frage der Führerschaft in China auf. Wäre Sun nicht gestorben, so wäre er und nicht Tschiang Kai-shek in das Zielfeld der Machtbestrebungen der KPC geraten. Mit der Sowjetunion im Rücken konnte die KPCh während der Allianz die politische Macht innerhalb der KMT rücksichtslos an sich reißen: Tan Pingshan wurde der Minister des Zentralen Personalbüros der KMT. Feng Jupo, Se-

BRIEFE AN DIE REDAKTION

kretär des Arbeitsministers, erhielt die Vollmacht, alle mit Arbeit in Verbindung stehenden Angelegenheiten zu behandeln. Lin Zuhan war der Minister für ländliche Angelegenheiten, während Peng Pai sein Sekretär war. Mao Tse-tung übernahm die Position des ausführenden Propaganda-Ministers der KMT. Die Militärakademien und die Führerschaft des Militärs waren schon immer im Fokus der KPCh: Tschou En-lai hatte die Position des Leiters der Politikabteilung der Huangpu-Militärakademie inne und Zhang Shenfu war sein Stellvertreter. Tschou En-lai war auch Direktor der Abteilung für Militärrecht der KMT und brachte russische Militärratgeber in die entsprechenden wichtigen Positionen. Viele der Kommunisten hatten die Stellung von politischen Lehrern oder Leitern in den Militärakademien der KMT. Kommunisten dienten auch als Partei-Vertreter der KMT auf den unterschiedlichen Ebenen der Nationalen Revolutionsarmee.17 Es wurde festgelegt, dass ohne die Unterschrift eines Parteivertreters ein Befehl keine Gültigkeit habe.

Diese parasitäre Infiltrierung der Nationale Revolution führte zu einem Anwachsen der Mitglieder der KPCh von weniger als 1.000 im Jahre 1925 auf 30.000 im Jahre 1928. Der Nordfeldzug begann im Februar 1926. Vom Oktober 1926 bis März 1927 stachelte die KPCh drei bewaffnete Aufstände in Shanghai an. Schließlich versuchte die KPCh, das Hauptquartier der Nordfeldzugsarmee zu besetzen, was ihr jedoch misslang und ihre Entwaffnung zur Folge hatte. Die Anstifter eines Generalstreiks in der Provinz Guangdong beteiligten sich täglich an gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Derartige Aufstände verursachten eine Säuberung der Kuomintang von den Mitgliedern der KPCh am 12. April 1927.18 Im August 1927 initiierten die Mitglieder der KPCh innerhalb der KMT-Revolutionsarmee die Nanchang-Rebellion, die innerhalb kurzer Zeit niedergeschlagen wurde. Im September rief die KPCh zum „Herbsternte-Aufstand“ auf, um Changsha anzugreifen, auch dieser Aufstand wurde zerschla-

gen. Die KPCh begann damit, in der Armee ein Netzwerk der Kontrolle aufzubauen, indem sie Parteiabteilungen auf Bataillonsebene einrichtete. Gleichzeitig floh die Partei zurück in die Gegend von Jinggangshan und errichtete dort ihre Herrschaft auf dem Lande.

_______ Der Nordfeldzug war eine von Tschiang Kai-shek im Jahr 1927 angeführte militärische Kampagne, um China unter der Herrschaft der Kuomintang zu vereinen und die Herrschaft der lokalen Kriegsherren zu beenden. Sie hatte große Siege zu verzeichnen. Während der nördlichen Expedition war die KPCh mit der Kuomintang alliiert. 14

15 Die Revolutionsbewegung während der KPChKMT-Allianz, gekennzeichnet vom Nordfeldzug. 16 Sun Yat-sen (1866 - 1925), Begründer des modernen China.

Die von der KMT kontrollierte „Nationale Revolutionsarmee“ war die Nationale Armee der Republik China. In der Zeit der KPCh-KMT-Allianz gab es in ihr auch KPCh-Mitglieder, die der Allianz beigetreten waren. 17

Am 12. April 1927 startete die KMT unter Tschiang Kai-shek eine Militäroperation gegen die KPCh in Shanghai und andern Städten. Über 5.000 bis 6.000 Mitglieder der KPCh wurden gefangengenommen und bis Ende 1927 wurden viele von ihnen in Shanghai getötet. 18

Bitte senden Sie die Briefe an leserbriefe@epochtimes.de Epoch Times Europe GmbH, Kurfürstenstraße 79, 10787 Berlin Tel.: +49(0)30/26395312/13, Fax: +49(0)30/31999684

100.326.329 MENSCHEN

haben mit dem Stichtag 13. August 2011 ihre Austrittserklärung auf der Webseite http://quitccp.org veröffentlicht.

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m 18. November 2004 veröffentlichte „The Epoch Times“ erstmals die Neun Kommentare über die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Darin werden die Geschichte und das Wesen der KPCh dokumentiert und analysiert. Seitdem erklären täglich rund 25.000 Chinesen ihren Austritt aus der KPCh, dem Kommunistischen Jugendverband und den Jungen Pionieren. Die per Telefon, Fax oder E-Mail erklärten Austritte werden von drei „Tuidang“ (Austritts-) Centern gesammelt und im Internet auf http://quitccp.org veröffentlicht.


Internationales

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Welche Geschichte über Nelson Mandelas Leben wird sich durchsetzen? Danny Schechter

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it 93 ist Nelson Mandela noch ziemlich rüstig und inspirierte am 18. Juli in seinem Namen einen internationalen Tag des Ehrenamtes. Dies scheint eine Idee zu sein, die Barack Obama für ähnliche Veranstaltungen in den Vereinigten Staaten übernahm. Während Aktivisten, Athleten und Entertainer ihn ehren, indem sie auf seine Forderung nach Engagement eingehen, durchkämmen Journalisten in den Todesanzeigen-Abteilungen der weltweiten Nachrichtensender heimlich ihre Archive nach Aufnahmen und Ehrungen, die sie ausstrahlen werden, wenn er diese Welt verlässt. Sie sind immer darauf vorbereitet und scheinen zu glauben, dies werde eher früher als später geschehen. Ich habe schon einen Beitrag mit einem Nachruf gesehen, das ein großer Sender zur Ausstrahlung vorbereitet hat. Wenn es nicht gerade zu größeren Katastrophen zur gleichen Zeit kommt, könnte Mandelas Tod mehr Beachtung finden als die Leistungen, die er in seinem langen Leben vollbracht hat. Die Frage ist: wird man Mandela ein Denkmal setzen? Wird er der Führer sein, der eine Bewegung und eine militärische Organisation aufbaute, um Unrecht zu bekämpfen, oder ein Mann mit Eingebung und einem großen Lächeln, den wir wegen der vielen Jahre, die er hinter Gittern verbrachte, bewundern?

Eine „vermenschlichte“ Version

Nachdem ich viele Jahre lang für Fernsehnachrichten zuständig war, weiß ich: Die TV-Branche neigt dazu, die Gefallenen zu „vermenschlichen“, indem sie ihre symbolische Bedeutung hervorhebt. Er ist ein Symbol für das Bekenntnis, seinen Feinden zu vergeben und die Versöhnung zu fördern; er ist ein Mann, der von seiner Familie getrennt wurde, eine Bilderbuch-Liebesgeschichte mit Winnie Mandela hatte, dann von ihr getrennt wurde und jahrelange schmerzhafte Inhaftierung erleiden musste. Diese Einstellung führt auch dazu, dass eine Person des politischen Lebens sanfter wahrgenommen wird, dass sie gefeiert und entpolitisiert wird. Er machte den berühmten Ausspruch: „Der Kampf ist mein Leben“. So wird jemand vorgestellt, mit dem sich jeder identifizieren kann, ein großer Name, den man bewundern kann, von dem man aber nicht unbedingt lernen oder ein ausgewogenes Bild haben muss. Die Idee besteht darin, Mandela sympathisch erscheinen zu lassen, wenn er wie jeder andere dargestellt wird, aber nicht in seiner Person als Führer, wodurch er sich von anderen Menschen abhebt. In den Vereinigten Staaten wurde die Bürgerrechtsikone Martin Luther King in den populären Medien auf vier Worte reduziert: „Ich habe einen Traum“, als ob dies sein ganzes Denken und das Ausmaß seiner Mitwirkung wäre. Fragen

Sie ein Schulkind über ihn, werden Sie eine Aufzählung dieser berühmten vier Worte ohne Zusammenhang oder weitere Erklärung zu hören bekommen.

teresses. Bald gab es Lieder, Konzerte, TV-Dokumentationen und Märsche. Er wurde der bekannteste Gefangene der ganzen Welt.

Ein Halbgott

Führer der Befreiungsbewegung

In Südafrika wurde Mandela zu einem Halbgott. Er wird als der Mann angesehen, der das Land eigenhändig befreite und praktisch auf dem Wasser laufen kann. Er wird mehr wie ein heroischer Mythos behandelt als wie ein Mann, der sich einer enormen Herausforderung stellte. Er ist sicherlich nicht nur ein Politiker. Seine Leistungen oder Fehlleistungen im Amt sind nicht bekannt, während die Geschichte, wie Südafrika die Apartheid beendete, auf das Schwingen seines Zauberstabs reduziert wird. Es war auf die Buren und nicht auf die Banken zurückzuführen, dass in den Medien viel darüber berichtet wurde. Wir hörten von den öffentlichen Forderungen Buthelezis, des Vorsitzenden der Zulu-Partei Inkatha Freedom Party (IFP), aber nicht davon, dass im Hintergrund Druck vom IWF und der Weltbank ausgeübt wurden, die von Washington beeinflusst werden. Wenig beachtet wurde, wie er sich selbst als Organisationsperson sah, als „loyales und diszipliniertes“ Mitglied des African National Congress, der Bewegungen, die er inspirierte. In Fernsehsendungen werden immer Veränderungen von oben nach unten durch den Großartigen und Guten hervorgehoben, aber nicht solche, die durch den Druck von unten nach oben zustande kommen. Denn Freiheitskämpfer machten das Land auf kommunaler Ebene mithilfe von bewaffneten Kämpfern im Exil unregierbar. Außerdem zeigten UN-Resolutionen, wirtschaftliche und kulturelle Sanktionen sowie Einflüsse von Anti-ApartheidAktivisten auf der ganzen Welt ihre Wirkung und die starke kubanische Armee besiegte die Südafrikaner in Angola. Die Medien personalisieren die Geschichte gerne, aber ihre Komplexität wird nur selten erwähnt oder erzählt.

Laufbahn voller Gegensätze

Mandelas eigene Laufbahn, die voller Gegensätze war, wird auch nicht vollständig erfasst. Er wurde in einer königlichen Familie in einer Stammeskultur geboren und war in seinen frühen Jahren ein für südafrikanische Verhältnisse unpolitischer Aristokrat, der nur allmählich zum Führer einer Massenbewegung wurde. Er zog in die Stadt, um ein erfolgreicher Anwalt zu werden. Er gehörte ursprünglich einer Elite an und war ein Nationalist, der Radikalen in einer nicht-gewalttätigen Organisation misstraute. Er war auch als Frauenheld bekannt, der in seiner Richtung unsicher war. Aber die Ereignisse und neue Freunde halfen ihm, sich zu verändern; aus ihm wurde ein Mann der Straße. Sein Kanzleipartner Oliver Tambo und der sanftmütige ANC-Kollege Walter Sisulu beeinflussten sein Denken. Die Verwüstungen und die Gewalt der Apartheid gegenüber dem Leben der Menschen in Afrika ließen ihn radikal werden. Als Mitglied der ANC-Jugendliga stellte er den Konservativismus der Organisation infrage und forderte ihre Massenbasis heraus, denn er erkannte nach dem Massaker an seinem Volk, dass es sich wehren musste.

F o t o : E d wa r d D ai / T h e E p o c h T imes

Der Internationale Nelson-Mandela-Tag ist ein Anlass sich zu überlegen, welches sein wirkliches Vermächtnis ist.

Im hohen Alter immer noch voller Tatendrang: Nelson Mandela im Jahr 2007.

Er schuf bewusst Allianzen über rassische, politische und Stammesgrenzen hinweg. Er wurde innerhalb seiner Partei der Anführer einer Gruppe, die sich dem bewaffneten Kampf verschrieb, und reiste in andere afrikanische Staaten, um sich militärisch ausbilden zu lassen. Er wurde als Terrorist verurteilt, war aber umsichtig und stellte sicher, dass die von seinen Kameraden gelegten Bomben keine Zivilisten töteten. Kurz gesagt, er wurde ein Guerilla-Kämpfer, den die Südafrikaner zusammen mit der CIA jagten. Es waren dann auch die Amerikaner, die der Polizei einen Tipp gaben, wo man ihn festnehmen konnte. Es gab damals noch keinen Julian Assange, der vor einer verdeckten Überwachung hätte warnen können. Dies ist ein Teil seiner Geschichte, den die Medienunternehmen nicht mögen, weil sie fürchten, es könnte Schule machen. Die Unternehmen und Stiftungen, die seine Stiftung finanzieren, behandeln ihn lieber wie ein Symbol, das jeder liebt, aber nicht wie einen Unruhestifter, den das Establishment hasste.

Jahrelang im Gefängnis

Seine Jahre im Gefängnis verwandelten ihn in eine Unperson. Er durfte in Südafrika nicht erwähnt und sein Bild nicht gezeigt werden. Die Südafrikaner inhaftierten ihn nicht nur in ihrem entlegensten und brutalsten Verlies, sondern sie sorgten auch dafür, dass er aus der Öffentlichkeit verschwand. Trotz der Isolation wurde er

Die TV-Branche neigt dazu, die Gefallenen zu „vermenschlichen“, indem sie ihre symbolische Bedeutung hervorhebt.

nicht vergessen. Er schuf aus den Männern um sich herum eine Widerstandszelle und erzog jüngere Gefangene politisch in der sogenannten Mandela University. Er und seine Kameraden sowie die wachsende Zahl ihrer Mitgefangenen ließen sich nicht entmutigen. Sie legten Wert auf Disziplin, um ihre Verzweiflung zu bekämpfen. Wie mir ein ehemaliger Häftling auf „The Island“ sagte: „Wir wurden zu Gefangenen der Hoffnung.“ Wie sie dies taten, wie er sich mit Gefängniswärtern anfreundete und sie auf seine Seite zog, indem er ihre Sprache sprach und etwas über ihre Familien erfuhr, schwächte ihre Feindseligkeit und Gewalt. Er dachte stets sehr strategisch. Er lernte, seinen Zorn zu kontrollieren und nicht dem Hass zu erliegen, um sein Überleben zu sichern. Sicher war er einsam, aber wer ist das im Gefängnis nicht? Er war so erfolgreich, dass einer der Gefängnischefs ihn einmal fragte: „Herr Mandela, kann ich mein Gefängnis zurückhaben?“ Wenn er einen langwierigen persönlichen Kampf führte, ging er in sich und versteckte oft seine persönlichen Gefühle und Schwachstellen. Er erkannte, dass er ein Vorbild war und verhielt sich auch so. Seine Kameraden beschlossen, ihn zu einem Aushängeschild zu machen und ihn als Symbol ihres Kampfes darzustellen. Die Forderung „Freiheit für alle politischen Häftlinge“ wurde durch die Forderung „Freiheit für Mandela“ ersetzt. So fiel es leichter, aus ihm einem Markenartikel zu machen und er rückte in den Medien schnell in den Mittelpunkt des In-

Als die Welt seinen Mut entdeckte, musste Südafrika ihn mehr ernst nehmen, denn die Regierung wurde von Menschen aus aller Welt und allen Gesellschaftsschichten mit Forderungen nach seiner Freilassung überschüttet. Er war bereit, Risiken auf sich zu nehmen und schwor, er sei „bereit zu sterben“. Seine Anwälte rieten ihm dringend davon ab, mit seinen Feinden zu sprechen. In seiner persönlichen Vorverhandlungs-Initiative umging er sogar seine Organisation und verärgerte viele ihrer Mitglieder. Er hatte gleich viel Mut wie Charme. Sein Gleichmut und seine Geduld waren legendär. Er handelte überlegt und nutzte seine Weitsicht, um seinen Kameraden zu helfen, vor ihm entlassen zu werden. Er verlor nie seine politischen Schwerpunkte. Alle seine Äußerungen schienen den wachsenden Reihen seiner Anhänger gut durchdacht zu sein, auch wenn sie es nicht waren. Er fuhr fort, mit Apartheidführern Geschäfte zu machen, seinen Verhandlungspartner F.W. DeKlerk scharf zu kritisieren und dann zu umarmen. Er half bei der Organisation der ersten demokratischen Wahl des Landes und nahm nicht nur daran teil. Alle Parteien wurden eingeladen. Er baute bewusst Allianzen über rassische, politische und Stammesgrenzen hinweg auf. Er machte bei seinen eigenen Prinzipien Kompromisse, um einen blutigen Bürgerkrieg zu vermeiden und die Wirtschaft wiederzubeleben. Er trat nach einer Amtszeit zurück, was in Afrika eine Seltenheit ist. Anders als einige seiner Kollegen erkannte er die Geißel von AIDS schon ziemlich früh. Dies war sein Talent. Es ist eine Geschichte von Jahrzehnten voller Leidenschaft und Beharrlichkeit. Es ist die Geschichte hinter seinem „Langen Marsch in die Freiheit.“ Sein Liebesleben, die Probleme mit seiner Frau, seinen Kindern und Enkeln gehen uns vielleicht zu Herzen, aber sie sind nicht so wichtig wie die epischen Schlachten, die er gegen die Ungerechtigkeit und für die Freiheit führte. Nach seinem Tod verdient es dieser Kampf für Freiheit, der die Welt inspirierte, erzählt zu werden, aber welche Geschichte, denken Sie, werden die Nachrichtensender erzählen? Präsentieren sie ihn als Opfer oder Sieger, als fehlerhafte Person, wie er sich selbst sieht, oder als einen Heiligen, der gereinigt und für den Massenkonsum neu verpackt wurde? Werden sie uns das eindimensionale Hollywood-Bild des weichen und liebenswerten sanften Riesen zeigen, das ihn in einen großväterlichen Kuschelbär verwandelt, oder die wahre Saga eines Befreiungsführers, der kaum Chancen hatte und trotzdem gewann? Welche Geschichte wird sich durchsetzen? Der Medienkritiker Danny Schechter produzierte die weltweit verkaufte TV-Serie „Südafrika Heute“ drei Jahre lang und wurde dann Regisseur von sechs Filmen, die sich mit Nelson Mandela beschäftigten. Er kam während einer Anti-Apartheid-Mission im Jahr 1967 zum ersten Mal nach Südafrika.


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feuilleton

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Runges farbige Lichtromantik ihre Widerspiegelung fand. Das Spannendste ist jedoch, dass es Runge gelingt, für sichtbare wie unsichbare Lebensstadien Bilder zu finden, sodass der Betrachter diesen schöpferischen Prozess der Entfaltung in mehreren Dimensionen sehen kann. Witzig ist, dass er dabei keine Unterschiede zwischen Engelskindern und Blumen macht und sogar seine eigenen Kinder als Engelchen portraitierte.

„Zum rasend werden, toll und schön zugleich“, empfand ein zeitgenössischer Fan die Werke des deutschen Malers Philipp Otto Runge.

Rosemarie Frühauf

Zwei Ebenen und zwei Blumen

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s war kein Geringerer als Goethe, der so begeistert urteilte: Er hatte sich Runges Grafikzyklus „Die Zeiten“ gekauft und damit sein Musikzimmer geschmückt. Die Bilder, welche die Tageszeiten symbolisierten, waren 1805 der künstlerische Durchbruch des jungen Malers. Und das war „nur“ eine Linienzeichnung. Was hätte Goethe erst zum Gemälde „Der Morgen“ gesagt? „Der Morgen“ (1808) ist eine Symphonie aus Farbe und Licht, technisch virtuos umgesetzt und in seiner scheinbar oberflächlichen Süße ein einzigartiges Werk. Die Genialität des jungen Malers konzentriert sich darin ebenso mystisch wie frühlingsfrisch. Leider starb Runge 1810 mit nur 33 Jahren an Lungentuberkulose und es wurde nicht mehr „Mittag“ und „Abend“ für ihn.

Er kopiert nicht, er zitiert

Die Komposition strahlt strikt symmetrisch eine Ordnung aus, die den Betrachter zuerst glauben macht, er habe es mit sakraler Kunst zu tun. Dass da ein Baby genau vorne in der Mitte liegt, erinnert schon sehr ans Christuskind. Es stellt jedoch den neugeborenen Tag dar, der von den umstehenden – viel mehr ihn umfliegenden – anderen Kindern, begrüßt wird. Mehrfach zitiert Runge in diesem Bild die europäische Kunst- und Kulturgeschichte. Dass es ihm gelang, bekannte Symbole und Bildfindungen auf ungewöhnliche Weise neu

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Philipp Otto Runge (1777 - 1810) war neben Caspar David Friedrich der wichtigste Vertreter der deutschen Frühromantik. Bestrebt, eine tiefgründige, neue Kunst zu schaffen, begriff er Kunst als umfassenden Bestandteil des Lebens und unterschied nicht zwischen Kunst und Kunsthandwerk. Noch populärer als sein malerisches Wirken wurde jedoch ein Volksmärchen, dass er „nebenbei“ in Niederdeutsch aufschrieb, um es den Gebrüdern Grimm für ihre Sammlung zur Verfügung zu stellen: Die Geschichte „Von dem Fischer un syner Fru “.

zu nutzen, macht die esoterische Aura des Gemäldes aus. Die Frau in der Mitte ist Aurora, die Göttin der Morgenröte, aber eigentlich eine Verkörperung des weiblichen Schöpfungsprinzips. Runge bezeichnete sie selbst an mehreren Stellen als „Venus-Maria“. Und ähnlich wie Botticellis Venus hat sie welliges, blondes Haar, das im Wind weht. Runge verschleiert ihre Körperformen elegant mit Unschärfe, damit sie nicht zu viele Blicke auf sich zieht. Denn viel entscheidender ist, was sie in der Hand hält: Sie steht auf einer entfernten Wolkenbank und hält eine riesige Lilienblüte in die Höhe. Jedes Blütenblatt scheint beseelt zu

Philipp Otto Runges „Der Morgen“ (1808) hängt als Mittelpunkt der zentralen Rotunde der Hamburger Kunsthalle wie im „Allerheiligsten“.

sein, denn auf jedem sitzt ein Kindchen. Alles in allem sind es ihrer sechse, genauso viele wie Blütenblätter. Sie halten sich fröhlich an den Händen. Auch die übrigen Engelchen schweben aus zart angedeuteten Lilienknospen.

Die göttliche Natur

Der eigentliche Inhalt des Bildes ist eine Darstellung des Lebens auf verschiedenen Daseinsebenen. Eine ständige Interaktion in kosmischer Harmonie, die sich als schöpferische Kraft entfaltet. Der allseits beseelte Kosmos und die Allgegenwart des Göttlichen in der Natur war eine der Hauptideen der Romantik, die auch in Goethes Werken

Runges Farbenkugel Runges Farbentheorie basierte auf dem Gedanken, dass die Farben Spielarten des Lichtes sind und sich aus verschiedenartiger Mischung von Licht und Dunkelheit ergeben. Das Ergebnis seiner Überlegungen präsentierte er als eine Art Globus. Diese Farbenkugel war das erste dreidimensionale Farbsystem, ein abstrakt gedachtes Modell der subtraktiven Farbmischung, welches die ComputerFarbdiagramme unserer Tage vorweg zu nehmen scheint. Der Maler versuchte damit, die Beziehung aller möglichen Farben

F o t o : © H a m b u r g e r K u nstha l l e , K u p fe r st i c hka b i nett/ b p k Ph o t o : Ch r i st o p h I r r g an g

Runge war Vater von vier Kindern und setzte seine Sprösslinge – und manchmal auch die der Nachbarn – mehrfach ins Bild. Er war vom Wesen der Kinder, ihrer Arglosigkeit und unschuldigen Ausstrahlung so beeindruckt, dass er sie zu den Hauptpersonen seines „Morgens“ machte. Der Tagesanbruch ist darin zugleich Symbol für das sich ständig erneuernde Leben und den göttlichen Funken, der allem innewohnt. Die kunsthistorische Meinung ist, Runge habe hier eine Art Privat-Mystik verwirklicht, die schwer zu decodieren war und deshalb auch in seiner Zeit einzigartig blieb. Seine Idee von einer „Landschafterey“, die das „tiefste der Religion“ auszudrücken vermochte, war als künstlerischer Weg nicht nachahmbar. Er und seine Inspiration blieben, neben den Landschaften des abstrakt-spirituellen Caspar David Friedrich, ein Ausnahmefall. Doch strahlt dieses Bild in seiner realen Anwesenheit eine Heiterkeit und Tiefe aus, die über alle Erklärungsversuche erhaben ist. Selbst Betrachter des 21. Jahrhunderts, deren Sehnerven bei so viel klaren Farben für gewöhnlich Kitsch-Alarm schlagen, beginnen von Runges Mikrokosmos fasziniert zu sein.

F o t o : © H a m b u r g e r K u nstha l l e / b p k Ph o t o : E l ke Wa l f o r d

Das Geheimnis des Lebens

Vier Ansichten sollten Runges Farbenkugel erklären.

Der Mittelteil des Bildes ist eine Leinwand, der hölzerne Rahmen darum herum ist jedoch genauso bemalt und unverzichtbarer Bestandteil des Bildes. Darauf versucht er uns zu zeigen, was seiner Ansicht nach unter der Erde geschieht. Ein neues Leben, symbolisiert in den kleinen Engeln, beginnt in den Wurzeln einer Pflanze und bahnt sich seinen Weg hinauf durch Stiel und Blüte. Auch die Sonne, auf der Leinwand realistisch hinter dem Horizont angenommen, begegnet uns im Rahmen, unter der Erde wieder – unsichtbar, hinter einer dunklen Scheibe verborgen. Die kleinen Engel scheinen von dort zu kommen. Hilfsbereit halten sie sich an den Händen, wie um ihre Geschwister mit nach oben zu ziehen. Die Idee verblüfft, weil der Künstler hier die Sonne, eben noch Quelle allen irdischen Lebens, mit einer göttlichen Lebensquelle hinter den Dingen gleichsetzt. Und weil der Mensch diesen Daseinsursprung nicht erkennen kann, muss er verdeckt sein ... Die Lilie als Symbol der Reinheit und Ursprünglichkeit erscheint in der Mitte des Bildes genauso wie im Rahmen. Allerdings gibt es hier noch eine andere Blume: Die rote Amaryllis symbolisiert eine irdische Ebene des Wachstums und darüber gibt es noch eine weiße Lilie. Die Engel schlüpfen zuerst durch die rote, dann durch die weiße Blume hindurch. Ganz oben angelangt, halten sie in dem Moment wo sie herauskommen, die Ärmchen in einer beschützenden und demutsvollen Geste um sich.

Der Kosmos lächelt

Über ihnen befindet sich ganz oben im Rahmen noch etwas Bemerkenswertes: Ein Firmament, das von unzähligen kleinen Engelsgesichtern geformt wird – eine Bildfindung, die in der Renaissance verwendet wurde, und besonders von Raffael in lebensgroßem Format eingesetzt wurde. Sie ist hier klein und fein eingearbeitet, als endgültige Überhöhung des Geschehens. Weiße Lichtstrahlen, wieder aus unsichtbarer Quelle, bilden ein Echo zur verdeckten Sonnenscheibe unten. In der Hauptfläche des Bildes tanzen Engelsköpfchen an passender Stelle einen Reigen um den Morgenstern. Runge zeigt uns einen streng komponierten, doch vollkommenen Mikrokosmos, der sich auszudehnen und in sich zu schweben scheint. Dies liegt an den außergewöhnlich reinen Farben, die er nach altmeisterlicher Manier in sehr feinen, transparenten Schichten aufgetragen hat. Besonders sein Übergang zwischen Gelb und Blau am Himmel ist einer der spektakulärsten, die je gemalt wurden. Ein äußert zarter und durchsichtiger Raum, in dem alles aus strahlendem Licht besteht.

verständlich zu machen, sogar unter der Bedingung, dass damals einige Farben in ihrer Reinform nur gedacht werden konnten: Sie existierten weder als Naturpigmente noch waren sie technisch herstellbar. Goethe hatte sich zur gleichen Zeit intensiv mit der wissenschaftlichen Erforschung der Farben und ihrer Wahrnehmung beschäftigt. Er befand sich in regem Briefwechsel mit Runge, dessen Farbenkugel folgenden Aufbau hatte: Den Nordpol der Farbenkugel stellte Runge sich weiß vor, den Südpol schwarz und den Mittelpunkt grau. Die reinen Farben setzte er am Äquator in Segmenten an. In den Breitenund Längengraden entstehen

nun Segmente, deren Farben nach oben immer weißer und nach unten immer schwärzer werden. Zur Mitte hin wird die Farbmaterie immer grauer, weil in der gedachten Mittelachse des Farbglobus reines Schwarz und reines Weiß aufeinander zulaufen. Runge stellte mit einem berühmt gewordenen, kolorierten Kupferstich (heute im Besitz der Kunsthalle Hamburg) die vier wichtigsten Ansichten der Farbenkugel dar: Den weißen und den schwarzen Pol, den Querschnitt durch den Äquator mit den außenliegenden Ursprungsfarben sowie den Querschnitt durch die graue Mittelachse.


FEUILLETON

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Der Kaiser Yao

Weisheiten aus David Wu dem alten China Der Kaiser Yao (2356 - 2255 v. Chr.) war ein später Nachfahre des Gelben Kaisers. Eine bekannte Geschichte über ihn erzählt das Folgende: Einmal reiste Kaiser Yao mit seinen Ministern umher, um zu sehen, wie es den Menschen seines Landes ergeht. Auf der Reise besuchten sie auch eine kleine Stadt. Auf dem Weg dorthin fanden sie einen Mann am Straßenrand, der von der Polizei

F O T O : WA R N E R B R O S . P I C T U R E S

angebunden worden war, um anderen ein

Auf der Suche nach der großen Liebe: In der Liebeskomödie „Crazy, Stupid, Love“ trifft Frauenheld Jacob (Ryan Gosling) auf Hannah (Emma Stone).

abschreckendes Beispiel zu geben. Der Kaiser fragte: „Was hat der Mann angestellt?“ Die Polizei antwortete, dass er Essen gestohlen habe. Kaiser Yao fragte den Dieb, warum er Lebensmittel gestohlen habe. Da antwortete der Dieb: „Wegen der Dürre, wir haben nichts zu essen.“ Als der Kaiser dies hörte,

Im Wettlauf mit der Liebe Die romantische Komödie kommt ab 18. August ins Kino. Helena Chao

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teve Carell hat es immer noch drauf. Er ist wie eine Flasche Bordeaux, die mit jedem Jahr besser wird. In seinem Debütfilm „Crazy, Stupid, Love“ ist Carell’s Leistung die perfekte, kraftvolle Kombination aus Humor, Ehrlichkeit und Selbstbeobachtung. „Crazy, Stupid, Love“ ist eine Tragikomödie voller unerwarteter Wendungen. Die meisten Filme dieser Tage sind enttäuschend vorhersehbar – hier ist es ein Genuss anzusehen, wie sich jede Szene ohne jede Erwartung dessen, was als nächstes folgt, ergibt. In der ersten Szene wird der Protagonist Cal Weaver (Carell) von seiner Frau Emily (Julianne Moore) niedergemacht. Sie er-

zählt ihm, dass sie die Scheidung will und gesteht, dass sie ihn mit ihrem Kollegen David Lindhagen (gespielt von niemand anderem als dem allgegenwärtigen Kevin Bacon) betrogen hat. Nach 25 Jahren Ehe ist Cal am Ende. Sein scheinbar perfektes Leben wird plötzlich verwüstet, als er sein Zuhause verliert und zur Ehelosigkeit gezwungen wird. Inzwischen ist sein 13-jähriger Sohn Robbie ein Teenager geworden und erfährt die erste Liebe zu seiner 17-jährigen Babysitterin, Jessica. Die Geschichte wird zunehmend interessanter – Jessica wirft ein Auge auf Cal. Zwar gibt es unzählige Filme über Liebe und ihre Tücken, aber dieser ist erfrischend originell und schafft es, für alle Altersklassen ansprechend zu sein. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen greifbare Themen, in denen sich jeder wiederfinden kann. Ryan Gosling als Jacob, der als einer der jungen Sterne am Himmel Hollywoods leuchtet, stiehlt Steve Carell fast die Schau. Er

Es gibt zwar unzählige Filme über Liebe und ihre Tücken, aber dieser ist erfrischend originell.

verkörpert einen wunderschönen oberflächlichen Schauspieler … bis Hannah dabei hilft ihn zu öffnen, wodurch man eine ganz andere Seite von Jacob sieht. Gosling und Carell gemeinsam im Film zu sehen, macht sehr viel Spaß. Die entzückende Marisa Tomei spielt auch eine kleine Rolle als eine der ersten Eroberungen Cals. Man wird lachen, weinen und sich niedergeschlagen fühlen. Aber letztlich ist es eine schön geschriebene Geschichte mit einer sehr starken Besetzung einiger aktuell talentiertesten Schauspieler und Schauspielerinnen. Die unterschwellige Botschaft über die Bedeutung der Liebe und deren Zerbrechlichkeit hinterlässt ein warmes Gefühl im Herzen, wenn man aus dem Kino geht und man wünscht sich mehr solcher Filme.

sagte er dem Polizisten, dass er selbst dafür verantwortlich zu machen sei, dass der Mann stehlen müsste. Yao verlangte, dass der Mann losgebunden werde. Die Polizei und die Minister des Kaisers knieten vor ihm nieder und ein Minister sagte zum Kaiser: „Das Verbrechen wurde aufgrund der Dürre begangen, dass hat nichts mit Eurer Majestät zu tun.“ Da antwortete Kaiser Yao: „Es war meine Aufgabe, den Menschen zu helfen auf Katastrophen vorbereitet zu sein; es war auch meine Aufgabe, den Menschen beizubringen, dass sie nicht stehlen sollen, wenn sie nichts zu essen haben. Wie kannst du behaupten, dass diese Angelegenheit nichts mit mir zu tun hat?“ Der Kaiser befahl seinen Ministern daraufhin, ihn zu fesseln und er stellte sich neben den Dieb. Die Menschen kamen aus allen Regionen, um ihren gefesselten Kaiser zu sehen. Viele waren zu Tränen gerührt. Mehrere Männer traten vor ihn und knieten nieder, während sie Verbrechen der Vergangenheit gestanden. Sie sagten zum Kaiser, dass sie bereit wären, bestraft zu werden. Auf der Rückkehr zum Palast erklärte

Nur die Stimme zählt Neue Musiksendung ab Herbst: Nena und Xavier Naidoo suchen als Coaches “The Voice of Germany”.

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t’s nothing but the Voice”: In den ersten Sendungen, den „ „Blind Auditions”, können die Talente ausschließlich mit ihrer Stimme glänzen. Anders wie bei den bisherigen Musiksendungen spielt hier das Aussehen keine Rolle: Nena, Xavier Naidoo und zwei weitere Coaches sitzen mit dem Rücken zur Bühne und bewerten die Teilnehmer nur anhand ihres Gesangs. Nena erklärt in einer Pressemitteilung, dass sie aufgeregt ist: „Ich habe einige Folgen aus den USA gesehen und bin absolut be-

geistert von der Show, die endlich den Fokus auf die Musik legt und die Menschen mit Respekt behandelt. Klar bin ich auch aufgeregt, ich weiß ja selbst gar nicht genau, wie sehr ich mich normalerweise von der Optik beeinflussen lasse.” Xavier Naidoo möchte wissen, wie Deutschland klingt: „Ich bin von Natur aus sehr neugierig und daher bin ich sehr gespannt wie junge und frische Stimmen aus Deutschland klingen, die man bisher wenig oder noch nie gehört hat. Wie hört sich Deutschland heute an? Wie klingt Deutschlands Stimme? Ich suche nach Leidenschaft, ausdrucksstarker Mystik und Gesangskunst. Darum bin ich bei ,THE VOICE of Germany’ dabei.” Pro7 und Sat1, die die Sendereihe ausstrahlen werden, sind stolz darauf, die beiden beliebten Musiker gewonnen zu haben.

Das internationale Erfolgsformat stammt von John de Mol und war 2010 als „The Voice of Holland”, mit Marktanteilen von bis zu 54 Prozent (20 - 49 Jahre), die mit Abstand meistgesehene PrimeTime-Show der Niederlande. In den USA suchten Christina Aguilera, Cee Lo Green, Adam Levine und Blake Shelton „The Voice” auf NBC. Mit 11,8 Millionen Zuschauern (18 - 49 Jahre) war die Show der erfolgreichste US-Formatstart seit Februar 2010. Das Finale am 28. Juni 2011 sahen 12,55 Millionen Amerikaner. NBC hat bereits eine neue Staffel für 2012 angekündigt.

Das ist „The Voice of Germany”

In „The Voice of Germany” werden Künstler, mit einzigartigen gesanglichen Fähigkeiten gesucht. In Phase eins, den „Blind Auditions”, können die Talente ausschließlich

Kaiser Yao seinen Ministern: „Ich kann nicht den Naturkatastrophen die Schuld geben, wenn die Menschen Schwierigmit ihrem Gesang glänzen. Bei ihren Auftritten mit Live-Band sitzen vier prominente Coaches mit dem Rücken zur Bühne und bewerten die Teilnehmer nur anhand ihres Gesangs. Erst wenn die Mentoren einen Künstler für ihr Team ausgewählt haben, bekommen sie ihn zu Gesicht. Die Coaches sind erstklassige Künstler mit jahrelangen Erfolgen im Musikgeschäft, die ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen mit den Talenten teilen. In der „Battle Round” singen die Künstler innerhalb ihrer Teams im Eins-gegen-Eins-Duell gegeneinander – einer scheidet jeweils aus. Und schließlich kämpfen die Sänger in den Liveshows um den Sieg. Am Ende bestimmen die Zuschauer wer „The Voice” ist und eine erfolgreiche Musik-Karriere startet. (red) “The Voice of Germany” ab Herbst auf ProSieben

keiten und Mühsal im Leben haben. Man muss nach innen schauen. Ich kann den Menschen nichts vorwerfen, wenn sie die Schwierigkeiten nicht ertragen können. Ich sollte darüber nachdenken, ob ich das Land gut verwalte oder ob ich an einigen Stellen Fehler gemacht habe.“ Da sich Kaiser Yao so um sein Volk sorgte, respektierten ihn die Menschen sehr. Er führte ein einfaches Leben und betrachtete das Wohlergehen des Volkes als die höchste Priorität. Wenn er Schwierigkeiten begegnete, schaute er immer als erstes nach innen. Kaiser Yao war im Volk sehr beliebt und unter seiner Herrschaft wurde das Leben der Menschen immer besser.


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Wissen

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Von der Minderheits- zur Mehrheitsmeinung Wie viele Gleichgesinnte benötigt es, um eine allgemein gesellschaftlich anerkannte Meinung zu etablieren? Die Antwort ist erstaunlich und anscheinend unabhängig von einer Art Struktur wie der eines gesellschaftlichen Netzwerks. Mimi Nguyen Ly

F o t o : gerd alt m ann / pi x eli o

F o t o : L I O N E L B O N AV E N T U R E /A F P/G ett y I m ages

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ediglich zehn Prozent einer Population reichen aus, damit deren Standpunkt zur vorherrschenden Meinung in dieser gesamten Gesellschaft wird, ergab eine Studie, die in den USA durchgeführt wurde. Wissenschaftler am Social Cognitive Networks Academic Research Center (SCNARC) – Akademisches Forschungszentrum für soziale kognitive Netzwerke – am Rensselaer Polytechnischen Institut in New York nutzten computergestützte und analytische Methoden, um genau festzustellen, unter welchen exakten Bedingungen der Glaube einer Minderheit von der Mehrheit der Gesellschaft angenommen wird. „Sind weniger als zehn Prozent aller Meinungsführer von einer Idee überzeugt, gibt es keinen merkbaren Fortschritt bei ihrer Verbreitung“, kommentierte SCNARC-Direktor Boleslaw Szymanski in einer Pressenachricht. „Eine Gruppe dieser geringen Größe würde buchstäblich ewig warten, um die Mehrheit zu erreichen“, fügte er hinzu. „Überschreitet ihr Anteil an der Gesamtheit aber irgendwann die Zehn-Prozent-Marke, verbreitet sich die Idee wie eine Flamme.“ Laut den Modellen bleibt diese Zahl immer bei zehn Prozent, egal woher die Meinung kommt und auf welche Art sie verbreitet wird. „Es gibt einige historische Beispiele für solche Ereignisse, zum Beispiel die Bewegung der Frauenrechtlerinnen im frühen 20. Jahrhundert und der Aufstieg der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, der kurz nachdem die Größe der afroamerikanischen Population die Zehn-Prozent-Marke überschritten hatte, begann“, steht in dem Presseartikel.

Welches innere Gesetz liegt der Zehn-Prozent-Schwelle bei der Bildung von Mehrheitenmeinungen in beliebigen sozialen Netzwerken zugrunde? Die im Frühling stattgefundenen Ereignisse in den arabischen Ländern Ägypten und Tunesien scheinen ebenfalls diesem Prinzip zu folgen. „In diesen Ländern wurden die Diktatoren, die seit Jahrzehnten an der Macht waren, auf einmal gestürzt“, sagte Szymanski. Sogar innerhalb künstlicher mit Computern erzeugter Netzwerke konnte die Gültigkeit dieser Regel gezeigt werden. Selbst wenn die Netzwerke anders aufgebaut waren, blieb das Ergebnis immer dasselbe, sobald die Anzahl der Meinungsführer die Zehn-Prozent-Marke überschritt. So kannten sich zum Beispiel in einem Netzwerk-Modell alle Personen untereinander, während in einem anderen bestimmte Personen

mit sehr vielen Menschen in Verbin- unterstützen, beginnen immer mehr dung standen. Und im dritten Netz- Menschen zu überzeugen … die werk hatte jede Person ungefähr die Menschen beginnen, ihre Ansichten gleiche Anzahl von Beziehungen. zu hinterfragen und übernehmen Bei der Untersuchung wurde dann die neue Ansicht, um sie noch angenommen, dass Menschen un- weiter zu verbreiten“, erklärte Sapopuläre Meinungen nicht mögen. meet Screenivasan, Mitverfasser und In den Modellen „kommunizierten“ Teammitglied bei SCNARC in der die Individuen miteinander. Wenn Veröffentlichung. der Zuhörer (mit einer offenen HalDiese Beobachtungen sind nütztung) der gleichen Ansicht wie der lich, um ein Verständnis darüber Sprecher war, wurde die Ansicht des zu erlangen, wie sich Meinungen Zuhörers verstärkt. Unterschied sich verbreiten. die Ansicht (von der eines engagier„Es gibt sicher Situationen, in ten Meinungsführers), zog der Zu- denen es hilft zu wissen, wie man hörer diese in Betracht und sprach effektiv Meinungen verbreitet oder mit einer anderen Person. Wenn die eine sich entwickelnde Meinung andere Person diesen neuen Stand- unterdrückt“, erwähnte Mitautor punkt auch vertrat, nahm der Zuhö- Gyorgy Korniss, außerordentlicher Professor der Physik, in der der rer ihn ebenfalls an. „Diejenigen, die einen Wandel Pressemitteilung.

„Sind weniger als zehn Prozent aller Meinungsführer von einer Idee überzeugt, gibt es keinen merkbaren Fortschritt bei ihrer Verbreitung.”

„Es könnte zum Beispiel nötig sein, die Bewohner einer Stadt davon zu überzeugen, vor einem Hurrikan zu fliehen oder neue Informationen zu Vermeidung von Krankheiten in ländlichen Gegenden zu verbreiten.“ Das SCNARC-Team möchte jetzt die Modellergebnisse anhand historischer Beispiele testen und auch untersuchen, ob und wie sich der Grenzwert verändert, wenn man als Modell eine polarisierte Gesellschaft hat, zum Beispiel eine, die aus Demokraten und Republikanern besteht. Der Artikel trägt den Titel „Sozialer Konsens durch den Einfluss von engagierten Minderheiten“ und wurde am 22. Juli online im Journal Physical Review E veröffentlicht.

Das Scannen von Gehirnaktivitäten während einer Autofahrt könnte zukünftig die Verkehrssicherheit erhöhen. Eine große Anzahl von Unfällen könnte durch kürzere Reaktionszeiten verhindert werden.

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ie vor kurzem herausgefunden wurde, können Gehirnsignale eines Autofahrers dabei helfen, die Reaktionszeiten beim Bremsen zu verkürzen. Diese Technologie hat das Potential, jedes Jahr Hunderttausende von Autounfällen zu verhindern. Wissenschaftler vom Institut für Technologie in Berlin untersuchten die Umsetzbarkeit dieses Konzepts mit einem Fahrsimulator. Mit einem zugehörigen Gehirnscanner stellten sie fest, dass die Absicht eines Fahrers zu bremsen, im Gehirn 130 Millisekunden vor der Betätigung des Bremspedals entsteht.

Ein Fahrzeug, das mit 100 Kilometern pro Stunde fährt, würde bei einer 130 Millisekunden früheren Bremsreaktion 3,66 Meter früher stoppen. Das ist die volle Länge eines Kompaktwagens und könnte einen Autounfall verhindern. Der Gehirnscanner, der in der Studie zur Anwendung kam, die am 29. Juli im Journal für NeuroEngineering veröffentlicht wurde, beinhaltet einen Elektroenzephalographen (EEG) – eine Methode, die die elektrischen Signale des Gehirns über Elektroden auf der Kopfhaut aufzeichnet. Die Forscher benutzten außerdem Elektromyographie (EMG), um die durch Muskelspannungen verursachte elektrische Aktivität im Unterschenkel zu messen, wodurch die Beinbewegung noch vor dem Treten des Bremspedals gemessen werden konnte. Mit einem simulierten Auto fuhren die 18 Teilnehmer mittels einer konventionellen Fahrzeugsteuerung auf einer verkehrs- und kurvenreichen Straße, die auf einen Bildschirm vor ihnen projiziert wurde.

Anhand der Aufzeichnungen konnten die Gehirnregionen identifiziert werden, die während der Bremsung am aktivsten waren.

Sie wurden angewiesen, im Abstand von 20 Metern hinter dem vorderen Fahrzeug zu bleiben und gleichzeitig eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde beizubehalten. Das vom Computer gesteuerte Fahrzeug vor ihnen stoppte immer mal wieder plötzlich, um eine Notbremsung herbeizuführen. Anhand der Aufzeichnungen des EEGs und EMGs konnten die Gehirnregionen identifiziert werden, die während der Bremsung am aktivsten waren, was die spätere Feineinstellung der Apparatur für die Gehirnscans ermöglichte. Eigenschaften aktuell verfügbarer Notbremsassistenten wurden ebenfalls in die Simulation integriert, wobei externe Laser und Sensoren verwendet wurden. Diese Systeme sind noch immer auf den physischen Kontakt des Bremspedals mit dem Fahrer angewiesen; allerdings könnte ein Gehirnscanner eine weitere nützliche Hilfe sein. Die Untersuchung zeigte, dass EEG und EMG in Kombination mit einem Bremsassistenten in der Lage sind zu bemerken, dass der Fahrer

F o t o : rainer stur m / pi x eli o

Gehirnaktivität unterstützt beim Notbremsen

Das Scannen von Gehirnaktivitäten während einer Autofahrt könnte zukünftig die Verkehrssicherheit erhöhen. bremsen möchte, noch bevor irgendwelche körperlichen Reaktionen beobachtet werden können; dadurch wird die Reaktionszeit verkürzt. „Wir können mit Sicherheit sagen, dass hauptsächlich durch das EEG die schnelle Reaktion erfolgt“, betonte der Hauptautor der Studie Stefan Haufe in einer Pressenachricht. „Wir werden jetzt das

System in einem richtigen Auto testen.“ „Wenn eine solche Technologie jemals in einem kommerziellen Produkt genutzt wird, wird sie jedoch sicher mit anderen Assistenzsystemen kombiniert werden. Damit werden die Konsequenzen von falschem Alarm verhindert, die sowohl störend als auch gefährlich sein könnten“, fügte er hinzu. (mnl)


WISSEN

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Himmelsbeben Foto: joujou/pixelio

Rätselhafte Erschütterungen der Luft

Wie Himmelsbeben entstehen, ist bis heute ungeklärt. Es kommen sicher mit Überschall fliegende Objekte aller Art infrage.

„Höre ich Kanonen im Himmel?“, fragte Frank Edwards in einem seiner berühmten Artikel über paranormale Phänomene. Es gibt noch immer keine Erklärung für jene seltsamen Explosionen, die in der Lage sind, Türen und Fenster zu öffnen. Leonardo Vintiñi

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ine ohrenbetäubende Explosion erschütterte mitten in der Nacht die Luft. Die gewaltigen Schallwellen verursachten Schäden an einigen Gebäuden. Es war jedoch keine einzige Wolke über der Stadt zu sehen, die solch einen kräftigen elektrischen Schlag hätte verursachen können. Ein „Himmelsbeben“ hatte gerade die Region erschüttert. Am 15. Februar 2010 wurde die Stadt Montevideo von einem der seltensten und rätselhaftesten Naturphänomene getroffen, für die die Wissenschaft noch keine Erklärung gefunden hat. „Ich schlief gerade, als ich ein gewaltiges Grollen vernahm“, berichtete ein Einwohner aus Montevideo in Uruguay, der nach dem Vorfall seine Erfahrungen in einem Blog veröffentlichte. „Zuerst dachte ich an ein Gewitter und wartete kurz – aber Fehlanzeige.“ „Heute wachte ich durch den Knall einer Explosion auf!“, schrieb ein anderer. Zuerst hielt ich es für einen sehr, sehr starken Sturm. Ich stand auf, um die Fenster zu schließen, aber es stürmte nicht.“ „Unter meinen Füßen konnte ich ein leichtes Zittern wahrnehmen“, fügte ein Dritter hinzu. Das bis jetzt wenig

untersuchte und als „Himmelsbeben“ bezeichnete Phänomen wird von einer Vibrationswelle begleitet, die anscheinend durch eine kraftvolle Explosion in der Atmosphäre verursacht wurde. Himmelsbeben sind schwierig aufzuzeichnen. Deswegen existieren bis heute keine Bild- oder Tonaufzeichnungen, um erkunden zu können, worum es sich bei diesem Phänomen eigentlich handelt. „Dafür gibt es eine logische Erklärung“, erläuterte Meteorologe Nubel Cisneros, AFP Uruguay. „Sie können weder vorhergesagt noch detektiert werden. Also sind Himmelsbeben bis dato lediglich durch Zeugenaussagen belegt.“ Erdbeben zum Beispiel können viel besser aufgezeichnet und registriert werden, weil es rund um die Welt ein dichtes Netzwerk von Seismografen gibt, die rund um die Uhr nach neuen Beben lauschen. Zumindest im Fall der Himmelsbeben von Montevideo gibt es nicht nur die Zeugenaussagen der Dorfbewohner. Mehrfach wurde von Rissen in Gebäuden und von Hörschäden berichtet. Einwohner mit Kopfschmerzen und Magenbeschwerden wurden in die Krankenhäuser eingeliefert.

Ein bekanntes Phänomen

Die erste Aufzeichnung eines Himmelsbebens stammt aus dem Jahr 1829, als die Siedlergemeinschaft in New South Wales, Australien, das Folgende in ihr Reisetagebuch eintrug: „Um 15:00 Uhr machten Mister Hume und ich unsere Notizen. Das Wetter war überraschend gut, am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen und nicht die kleinste Luftbewegung war zu spüren. Plötzlich hörten wir etwas, das sich wie ein Kanonenschuss in einer Entfernung von ungefähr zehn Kilometern anhörte. Es war zwar ein hohler Klang, wie er von einer Bodenexplosion oder einem fallenden Baum verursacht wird,

„Zuerst hielt ich es für einen sehr, sehr starken Sturm. Ich stand auf, um die Fenster zu schließen, aber es stürmte gar nicht.“

aber gleichzeitig ähnelte er einem Kanonenschusses…z Einer der Männer kletterte auf einen Baum, konnte aber nichts Ungewöhnliches entdecken.“ Während der britischen Besatzung glaubten viele Soldaten in der Gegend um Barisal (im heutigen Bangladesch) ebenfalls, die Kanonen eines Feindes zu hören, der in Wirklichkeit gar nicht existierte. Es wurde berichtet, dass sich die Einheimischen über die Reaktion der Fremden auf den Donnerschlag lustig machten – ein Phänomen, das sie anscheinend bereits kannten. In New England, Ohio, wurden diese Explosionen als „Morhemoodus“ von den dortigen Ureinwohnern bezeichnet. Die heute weltweit verwendete Bezeichnung „Brontidi“ (italienisch: „wie Donner“) stammt von Professor Tito Alippi. Im Grunde genommen sind Himmelsbeben auf jedem Kontinent bekannt. In manchen Regionen tritt das Phänomen zu bestimmten Jahreszeiten vermehrt auf, in anderen, wie in Nordirland, sind die Ereignisse über das ganze Jahr verteilt. Vielleicht gibt es Himmelsbeben schon immer, auch wenn man nie in der Lage war, ihren Ursprung festzustellen.

Naturphänomen oder Hochtechnologie

1956 wurde Sarasota, eine Stadt an der Westküste Floridas, von einer Serie atmosphärischer Explosionen überrascht. Die Störung dauerte von 21:00 bis 23:00 Uhr. Dutzende Zeugenberichte über das Ereignis gingen in den Büros des Times Herald ein. Unter anderem berichtete ein Pilot, dass er zwei Blitze über der Stadt gesehen habe. 1977 wurden die Einwohner eines Dorfes in Connecticut, Canada, durch ein großes Himmelsbeben, das von einer Gruppe mysteriöser Lichter begleitet wurde, verängstigt. Es ist auch bekannt, dass Himmelsbeben in den 70er-Jahren in den USA

zu einem beunruhigenden Thema wurden. Es ging so weit, dass Präsident Jimmy Carter eine offizielle Untersuchung in dieser Angelegenheit anordnete. Was war es, das diese paranormalen Ereignisse hervorrief? Laut den verschiedenen Gerüchten, die sich um die Himmelsbeben ranken, könnten sie durch experimentelle Überschallflugzeuge, Gasblasen von Seeböden, elektrische Anomalien der Atmosphäre, Brandungswellen in Küstenregionen, Meteoriten, UFOs, dem Ionosphäre-Forschungsprogramm „The HAARP“, ja sogar von „Geister-Kanonen vergangener Schlachten“ sowie durch einfache Erdbeben verursacht worden sein. Jede dieser Erklärungen stellt eine wissenschaftliche Herausforderung dar. Manche davon wurden aber bereits verworfen. Zum Beispiel konnten bis jetzt keine mit einem solchen Ereignis verbundenen aufsteigenden Gasblasen beobachtet werden. Auch gibt es Ereignisse, die nicht in Küstennähe beobachtet wurden, wodurch Brandungswellen als Ursache ebenfalls unwahrscheinlich sind. Auffällig ist lediglich, dass viele Experten, die sich darüber im Klaren sein sollten, dass sich die Schallereignisse, die sich wie der Knall eines Überschallflugzeuges anhören, leugnen, dass etwas Derartiges dahinterstecken könnte. Andere Erklärungen, wie die der Geisterkanonen, überfordern vielleicht sogar den offensten Charakter. Obwohl sich viele atmosphärische Beben zweifellos als Himmelsbeben eingrenzen lassen, bleibt ihr mysteriöser Ursprung für manche beängstigend, denn wir wissen immer noch nicht, worum es sich dabei wirklich handelt. Es bleibt uns nur darauf zu warten, bis irgendwo in der Welt ohne jegliche Vorwarnung das nächste Himmelsbeben die Luft erzittern lässt.

Einige berühmte Fälle

Im Jahr 1976 wurde die City von Stockholm von einer Explosion erschüttert, die Gegenstände von Tischen und Schränken fallen ließ. Tage später ereignete sich in den oberen Atmosphärenschichten über Oslo eine ähnliche Explosion. Am 9. Februar 1994 um 20:20 Uhr war in der City von Pittsburgh und Umgebung ein Himmelsbeben zu spüren. Am 12. Januar 2004 wurde Dover, Delaware, von einem Himmelsbeben betroffen. Beamte berichteten, dass ein lokaler Steinbruch die Ursache sei, jedoch registrierten die Seismografen keinerlei Erdbewegungen. Am 26. Oktober 2006 berichteten Menschen aus Cornwall und Devon, dass einige mysteriöse Explosionen an den malerischen Häusern der Region Schäden verursacht hatten.

Vorschau Das Mysterium der Meridiane Seit 2.000 Jahren ist der traditionellen chinesischen Medizin das System der Meridiane bekannt. Nun wurden objektive Beweise für deren physische Existenz mit Lichtmessungen und Injektionen von Tracer-Stoffen in Akupunkturpunkten gefunden.


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MENSCHEN & MEINUNGEN

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

Einst schlug sich Philip Oprong Spenner als verwaistes Straßenkind in Nairobi durch – jeder Tag ein Kampf ums Überleben. Heute arbeitet er als „Fellow“ in einer Hamburger Brennpunktschule. Am 16. September erscheint sein Buch „Move on up“.

E

poch Times: Herr Spenner, mit Ihrem Buch möchten Sie unter anderem junge Menschen ermutigen. Philip Oprong Spenner: Aus den Geschehnissen in meiner Kindheit entwickelte sich die Überzeugung, dass es im Leben immer einen Schritt weiter geht, egal wie aussichtslos die Situation aussieht. Nicht aufgeben, nicht aufgeben! Das ist ein Überlebensinstinkt. Epoch Times: Aber es gibt andere, die geben auf – und nehmen Drogen zum Beispiel. Spenner: Das ist das Problem. Ich habe andere Personen erlebt – auch Leute, die mir sehr nahe waren – die das mit dem Leben bezahlen mussten, dass sie sich irgendwelche Ablenkungen gesucht haben. Ich habe recht früh in meinem Leben gelernt: Ich habe keine Wahl, außer mein Leben in meine Hände zu nehmen und dafür geradezustehen, und mich nicht als Opfer zu betrachten. Epoch Times: Kam diese Idee Ihnen gar nicht? Spenner: Es war die Erfahrung, immer wieder zu merken, dass jeder kleine Schritt, wo man fast aufgegeben hat, wertzuschätzen war. Es waren die kleineren Erfolge, die mich motiviert haben. Epoch Times: Daraus wuchs das Vertrauen an sich selbst? Spenner: Für mich war dieser Glaube eine Kraft, dass eine Macht da oben ist, für die ich nicht egal bin, und die alles so lenkt, dass am Ende doch dabei herauskommt, was geschehen soll. – Unabhängig davon, woran man glaubt. Ich habe sehr viel Unterstützung bekommen: von Muslimen, von Juden, von Hinduisten, von Christen … – Ich lernte das Lesen durch die Bibel. Das hätte auch jedes andere Buch sein können. Aber in unserer Gesellschaft war die Bibel leicht zu bekommen. Die Tante, die mich die ersten Jahre aufnahm, nachdem meine Eltern gestorben waren, hat mich anfangs gezwungen, daraus zu lesen. Doch habe ich sehr bald gemerkt, dass in den Geschichten sehr oft von Hoffnung die Rede war. Geschichten, die zeigten, dass es immer einen Ausweg gibt. Ich sah mich quasi selbst in den Notsituationen; beim kleinen Joseph (Altes Testament), bei David. Solche Fügungen, so war es auch in meinem Leben. Ich hätte es alleine niemals geschafft. Trotz der Tatsache, dass

ich in der Gesellschaft als ganz unten galt, fand ich auf meinem Weg immer wieder Leute, die mir eine Chance gaben, die mir zuhörten oder etwas zu essen gaben oder etwas anderes für mich hatten. Es gab Zeiten, da hätte man weder klauen noch erfolgreich betteln können. Wenn Sie kurz davor sind zu sterben und jemand gibt Ihnen ein Stück Brot, ist das eine Menge. Ohne die Menschen, die sahen, dass mehr in mir ist, als der Schein, ohne die wäre ich jetzt nicht hier. Epoch Times: Für gewöhnlich entscheiden ja die Eltern, wo man lebt und sie sorgen für das notwendige Essen. Sie haben schon als kleiner Junger existentielle Entscheidungen treffen müssen. Spenner: Auch wenn es ohne Eltern ganz, ganz schwierig war, ist es nicht gesagt, dass ich heute eine bessere Situation gehabt hätte, wenn ich mit meinen Eltern aufgewachsen wäre. Epoch Times: Von der mangelnden Fürsorge mal abgesehen: Sie haben sich als Kind Ihre eigene Auffassung vom Leben gebildet. Könnte das besser sein, als eine negative Auffassung vom Leben von den Eltern zu übernehmen? Spenner: Das ist ein Problem, das wir in dieser Gesellschaft haben. Eltern mit verkorksten Lebensbiografien fühlen sich nicht in der Lage, Vorbilder zu sein. Das meiste, was Kindern mit schwierigen Startchancen fehlt – etwa Kindern aus Hartz-IV-Familien – oder aus Emigrantenfamilien –, sind ermutigende Vorbilder, die sie begleiten und Glauben schenken auf ihrem Lebensweg.

Den Glauben an sich selbst stärken

Epoch Times: Heute haben Sie als Fellow und Pädagoge in Hamburg viele Schüler mit solchem Hintergrund. Spenner: Ich versuche meinen Schülern zu vermitteln, ihren Glauben an sich selbst zu stärken. Etwa indem ich meinen Unterricht so gestalte, dass ich nicht derjenige bin, der alles vorgibt. Sei es im Englischunterricht, in den Förderkursen, sei es beim Tanz: Ich versuche Situationen zu schaffen, bei denen sie sich frei fühlen, ihr Können zum Ausdruck zu bringen.

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Jeder kleine Schritt ist wertvoll

Philip Oprong Spenner möchte Schüler mit seiner Lebensgeschichte für die Schule motivieren. Dafür weiche ich auch mal von den Büchern ab und stattdessen erzählen oder schreiben die Kinder auf Englisch, was sie gerade bewegt in ihrem Leben. Etwa, dass der Freund Schluss gemacht hat oder dass die Mutter wieder „einen Neuen“ hat, mit dem der Jugendliche klar kommen muss. Beim Tanzen kommt es mir nicht auf die Perfektion an, sondern darauf, dass das Kind seine eigene Interpretation zeigt. Wenn die Kinder merken, dass sie erfolgreich waren, ist das eine Inspirationsquelle zum weiteren Erwerb anderer Fähigkeiten: Wenn das hier klappt, warum nicht auch in Mathe? Bei mir war es ja nicht anders in dieser drastischen Situation. Jeder Tag, den man lebendig übersteht, ist eine Quelle der Hoffnung. Wenn es heute geklappt hat, warum sollte es morgen nicht klappen? Dass ich eine ganz drastische Vergangenheit hatte, gerade die hat mir sehr viel beigebracht. Daraus habe ich nicht nur Negatives gezogen, sondern vor allem sehr viel Positives. Ich lernte ganz, ganz viel, ganz, ganz früh. Dass es nicht drauf ankam, wie groß der Kampf ist, wie klein der Kämpfer in dem Kampf ist, sondern auf die Größe, die im kleinen Herzen des Kämpfers stehen kann. Epoch Times: Wollen Sie damit sagen, der Kampf findet eigentlich im Inneren statt? Spenner: Der findet im Inneren statt und den kann man nur überwinden, wenn man sich wirklich als Kämpfer betrachtet, als unermüdlicher Kämpfer, der die Hoffnung nicht aufgibt. Aber ich habe viele verloren auf diesem Weg. Viele gab es, die in einer ähnlichen Situation waren wie ich: auf der Straße und im

Kinderheim. Im Kinderheim waren wir ja nichts. Wir waren in der Gesellschaft das Allerletzte. Das wurde uns immer wieder klargemacht. Es war psychische und physische Tortur, sodass sich einige lieber selbst das Leben nahmen oder zurück auf die Straße flüchteten. Ich hatte das Glück, dass die Schule eine große Quelle der Stärkung war. Darum setze ich mich jetzt verstärkt für Entwicklungsprojekte in dieser Ortschaft ein, unter anderem für dieses Kinderheim. Epoch Times: Wie war es, als Sie – als eigentlich schon Erwachsener – adoptiert wurden und nach Deutschland kamen? Spenner: Es gab sehr viele Pannen, teilweise auch einiges zum Lachen. Epoch Times: Verraten Sie uns ein Beispiel? Spenner: Wenn ich satt war, haben meine Eltern mich aus Höflichkeit gefragt, ob ich mir noch etwas nachschenken wollte. In meiner Kultur gilt es als unhöflich, gleich Nein zu sagen, weil es zwischen den Zeilen die Andeutung haben könnte, es hätte mir nicht geschmeckt. Bei uns ist die Höflichkeit die höchste Priorität. Also sagte ich dann: „Vielleicht ein bisschen“, habe dann aber nicht wirklich gegessen. Das haben sie nicht verstanden, bis sie begriffen, in welcher Zwickmühle ich steckte. Und da ich bis jetzt keinen Alkohol trinke, wurde mir dann aus Spaß gedroht, wenn ich diesen Satz noch einmal benutze, bekomme ich ein Bier. Das hat sofort gewirkt. Es gab viel zu lachen.

Etwas weitergeben, und wenn es nur Hoffnung ist

Epoch Times: Sie haben den Verein Kanduyi Children e.V. gegründet, der das Waisenhaus zu 70 Prozent trägt. Spenner: Damit diese Kinder nicht das erleben, was wir erlebt ha-

Es kommt nicht darauf an, wie groß der Kampf oder wie klein der Kämpfer ist, sondern auf die Größe, die im kleinen Herzen des Kämpfers stehen kann.

ben, sondern dass sie bessere Bedingungen erhalten und eine wirkliche, reale zweite Chance bekommen, um wirklich etwas aus sich zu machen. Unabhängig davon, ob sie in der Schule sehr gut sind, wie es bei mir damals der Fall war; einfach so, wie sie sind. Epoch Times: Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? Spenner: Ich habe auf meinem Weg so viel Unterstützung bekommen, von Leuten, die ich gar nicht kannte. Zum Beispiel meine Adoptiveltern. Aber es gab ganz viele auf diesem Weg. Es gibt eine große Dankbarkeit, die ich zeigen kann, indem ich das weitergebe, was sie mir ermöglicht haben. Ich glaube, nur wer weiß, was er hat, und das wertzuschätzen weiß, kann es auch weitergeben. Wenn es aber bei ihm bleibt, dann ist es weniger wert. Das Glücksgefühl, also das, was ich zurückkriege, was nicht mit materiellen Dingen zu messen ist, ist viel mehr wert als das, was ich von mir gegeben habe. Auch bei meinem Buch geht es mir darum, etwas weiterzugeben. Und wenn es Hoffnung heißt und wenn es heißt, dass jemand quasi eine lebenswichtige Entscheidung besser treffen kann oder etwas besser betrachtet, als er das bisher gesehen hat, dann bin ich zufrieden. Epoch Times: Herzlichen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Heike Soleinsky.

i Move on up Philip Oprong Spenner erzählt vom Betteln, Lügen, Hunger haben. Von seiner Adoption durch einen Hamburger Arzt und wie er sein Studium auf Lehramt mit Auszeichnung abschloss. Heute gibt er als Teach-First-Lehrer „Problemkindern“ Halt und Anerkennung. Das Buch erscheint am 16. September im Ullstein-Verlag.

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Zwei Striche, ein Beetle Seite 17

Die Rätsel der chinesischen Schriftzeichen

Gewinner strafen nicht, der Klügere vergibt Seite 14

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den Lough Ree. Viele Meisterschaften wurden hier schon ausgetragen.

A River Runs Trough The River Shannon

Petri Heil, das Fischen ist frei!

Lough Allen, der nördlichste der vier Seen nahe der Quelle gelegen, bietet unter anderem gute Möglichkeiten für Freunde des Angelsports. Wer nicht allein in erholsamer Ruhe nach Hecht und Forelle fischen möchte, der kann für zehn Euro pro Person an einem organisierten Angeltrip teilnehmen. Wer das Know-

F O T O : N A N CY M C D O N N E L L / T H E E P O C H T I M E S

Wer im Urlaub aktiv sein möchte, für den hat Irland mehr zu bieten als nur Guinness und Live-Music.

Auf dem Shannon bei Carrick-on-Shannon. Hier treffen sich Ruderer, Cruiser und Segler in gegenseitiger Rücksichtnahme oder besser gesagt, der Größere hat Vorfahrt.

Irlands größte Wasserstraße bietet eine Vielfalt an Sport- und Erholungsmöglichkeiten.

Nancy McDonnell

W

er kennt sie nicht, Dingle, den Ring of Kerry oder die Cliffs of Moher. Wer in Irland Urlaub macht, ist meist mit dem Bus oder dem Auto unterwegs, lässt sich berieseln vom Anblick sanfter grüner Hügel, verfallener Burgen aus alter Zeit, dem steinreichen Burren, kargen Moorlandschaften und der-

gleichen mehr. Sicher, es besteht eine Artenvielfalt in vielerlei Hinsicht in Irland, die am Tage oder am Abend im Pub nicht unentdeckt bleiben will und doch zögert der ein oder andere bei der Idee, in Irland einen reinen Outdoor-Urlaub zu machen, denn das Wetter ist oft unberechenbar. Wer sich aber durch überraschende Regengüsse nicht abschrecken lässt, der kann bei Westport den Croagh Patrick besteigen, Golf spielen, reiten, Fahrrad fahren, wandern oder sich ganz und gar dem Element Wasser hingeben.

Cruisers beleben den Fluss

Shannon Pot – die Quelle des längsten Flusses Irlands hat eines von Irlands beliebtesten Tourismuszielen erschaffen. Mit einer Länge von 215

So mancher verzichtet heute beim Wasserski auch gern auf Skier oder Wakeboard und benutzt dafür nur die nackten Füße.

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Kilometern erstreckt sich The River Shannon vom Lough Allen in Co. Leitrim nach Süden bis Limerick, wo der Fluss in den Atlantik mündet. Hausboote auf dem Shannon haben lange Tradition vor allem auch bei deutschen Urlaubern, aber alle, die nach mehr Aktivität, Sport, Spaß und Abenteuer suchen, finden an vielen Anlegestellen (Moorings) verschiedenste Wassersportmöglichkeiten. Vier Seen werden im Inland der grünen Insel durch den Shannon verbunden – Lough Allen, Lough Bofin, Lough Ree und Lough Derg.

Wasserski, Jetski und Banana-Boating

Athlone als Beispiel, mit dem nördlich gelegenen Lough Ree, bietet eine Menge an Freizeitspaß und Sportmöglichkeiten. Fährt man von Athlone aus ans Südwestufer des Sees, dann erreicht man die Hodson Bay. Hier bietet „Baysports“ eine große Auswahl an Wasseraktivitäten, für die man Kurse belegen oder sich Boote und Ausrüstung leihen kann, um den See mit seinen unzähligen kleinen Buchten und Inseln auf eigene Faust zu erkunden. Baysports lädt unter anderem

zu Kajak und Kanu fahren, Segeln, Windsurfen, Tretboot fahren und Rudern ein. Wer es noch aufregender möchte, dem werden hier und auch an anderen Flussstationen Möglichkeiten zum Wasserski, Jetski und Banana-Boating gegeben. Beim Banana-Boating sitzt man auf einem bananenförmigen Schlauchboot und wird von einem Motorboot oder Jetski rasant übers Wasser gezogen. Hudson Bay beheimatet außerdem den 1892 gegründeten Athlone Golf Club. Der Platz hat 18 Löcher und bietet dem erfahrenen Golfer einen atemberaubenden Blick über

how noch lernen muss, der kann für 20 Euro einen dreistündigen Angelkurs belegen. Ist man selbst nicht mit dem Boot gekommen, kann man für 30 Euro ein motorenbetriebenes Fischerboot ausleihen. Angeln in irischen Binnengewässern ist lizenz- und gebührenfrei, den Fang wieder ins Wasser zu geben ist erwünscht. Petri Heil! Die hübsche Kleinstadt Carrickon-Shannon liegt etwa 20 Kilometer südlich des Lough Allen und wird mit ihrem idyllischen Hafen auch the cruising capital of Ireland genannt. Viele Motoryachten, Segelyachten und Hausboote haben hier ihr Zuhause oder stehen zur Vermietung bereit. Ein 18 Löcher Golfplatz entlang des Shannon bietet auch hier dem golfspielenden Cruiser Abwechslung auf festem Boden. Eine gute Reisezeit für die grüne Insel ist September. Die dortigen Schulferien sind vorüber und das Wetter ist oft beständiger als in den restlichen Sommermonaten. Jetzt kann man durchaus warme und anhaltend sonnige Tage erleben und für Kurzentschlossene haben Ryanair oder Air Lingus immer noch ein preiswertes Plätzchen frei.

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m 11. September fällt der Startschuss für den Alsterlauf. Doch Achtung, wer sich nicht 100-prozentig fit fühlt, sollte vorher einen Check machen lassen, beim Hausarzt oder im neu eröffneten Culminasceum. Wer mitmachen und gewinnen will, braucht gute Kondition und einen einwandfreien Gesundheitszustand. Das Culminasceum - das neue Zentrum für Präventivmedizin in Hamburg - empfiehlt daher ein medizinisch betreutes Training, denn viele Menschen können ihren Körper und ihre Leistungsfähigkeit nicht richtig einschätzen. Falsches Training kann die Gelenke und Bänder überlasten und zu Herz-Kreislauf-Problemen führen. „Was im Profisport selbstverständlich ist, hält mehr und mehr Einzug im Gesundheits- und Freizeitsport“, erklärt die ärztliche Leitung im Culminasceum Dr. Beke Regenbogen. „Wer gut vorbereitet trainiert, steigert nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern wird auch vitaler und ausgeglichener und widerstandfähiger gegen Infekte.“

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Zentrum für Präventivmedizin Kurze Mühren 1, 20095 Hamburg Telefon 040.3866666.80 Fax 040.3866666.88


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GESUNDHEIT

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

Gewinner strafen nicht, der Klügere vergibt

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orschungsergebnisse zeigen eindeutig: Bestrafungen bringen nichts. Sie gehen stattdessen zu Lasten der Teamatmosphäre, des Gruppenergebnisses und sogar zu Lasten des eigenen Leistungsvermögens. So folgerten Forschungsprojekte der Universität Harvard, dass Vergebung eine gute Sache ist und Rache sowohl der betreffenden Person wie der Gruppe in sozialer Hinsicht schadet. Der Weise vergibt eben. Laut einer Studie, die von Forschern der Harvard University und der Stockholmer Wirtschaftsschule unter der Leitung des Mathematikers und Neurobiologen der Harvard University in Cambridge/USA, Martin Nowak, durchgeführt und in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde, profitieren Menschen, die viel Energie in die Benachteiligung oder Bestrafung anderer investieren, nicht von ihren Bemühungen. Um die individuelle Zusammenarbeit zu untersuchen, führten die Forscher eine abgeänderte Version des bekannten Gefangenendilemmas durch. Dieses Konzept ist das klassische Paradigma für Zusammenarbeit und erlaubt es, die grundlegenden Spannungen zwischen den Interessen der Einzelnen und der Gruppe darzustellen. Die Studie ergab, dass die Bereitschaft zum Einsatz von Strafmaßnahmen stark mit einer verminderten individuellen Ausdrucksfähigkeit korreliert und keinerlei Bereicherung für die Gruppe als Ganzes bringt.

Schlicht gesagt: Gewinner bestrafen nicht

David Rand, einer der Co-Autoren, erklärte, dass, wenn man Rache an einer anderen Person übt, eine Kettenreaktion negativer Ereignisse in Bewegung gesetzt wird. In der Folge müssen alle Gruppenmitglieder leiden. „Schlicht gesagt, Gewinner bestrafen nicht“, sagte Rand vom Harvard-Programm für Entwicklungsdynamik und der Abteilung für Systembiologie. „Bestrafung kann zu einer Abwärtsspirale von Vergeltungshandlungen führen. Dadurch kann es zu verheerenden Folgen für alle Beteiligten kommen. Gruppenmitglieder mit einer guten Ausdrucksfähigkeit verwenden diese Art von Bestrafung nicht.“ ANZEIGE

Menschen, die Rache üben, tun nicht etwas Gutes für sich selbst, sondern schaden sich.

Das Ergebnis: Es gibt eine starke negative Korrelation zwischen dem individuellen Ausdrucksvermögen und der Verwendung kostspieliger bestrafender Maßnahmen. Die fünf Teilnehmer mit den besten Ergebnissen im Rahmen des Zusammenarbeitsprojektes benutzten keinerlei bestrafende Maßnahmen, während die Teilnehmer mit den schlechtesten Leistungen diese Maßnahmen häufig benutzten. Die Gewinner benutzten eine friedlichere Strategie, während die Verlierer teure Bestrafungen verwendeten. Darüber hinaus verringerte die Verwendung dieser Bestrafungen die Gesamtleistung der Gruppe. In der Studie zeigte sich ebenfalls, dass die in der Gruppendynamik erfolgreicheren Mitglieder deutlich seltener Mittel wie Bestrafung oder Rache an anderen Teammitgliedern anwendeten. Diese Entdeckung zeigt uns, dass erfolgreiche Menschen bei Konflikten ihr Temperament unter Kontrolle ha-

F O T O : R A I N E R S T U R M / P I X E L I O. D E

Peter Sanftmann

„Kostspielige Strafe“ nennen Nowak und seine Kollegen diese Art von strafendem Verhalten in ihren Untersuchungen und beziehen sich auf Situationen, in denen der Bestrafende bereit ist, einen Teil seiner Ressourcen zu opfern, um andere zu benachteiligen. Andere Forscher schlugen vor, diese „kostspielige Strafe“ in einem anderen Zusammenhang zu untersuchen, in welchem sich die Einzelnen bei der Zusammenarbeit keine Sorgen um das Ansehen oder die Vergeltung anderer machen müssen. Dieses Szenario fanden Nowak und seine Kollegen unrealistisch. Sie schrieben: „Bei den meisten unserer Interaktionen steht in Wirklichkeit unser Ruf ständig auf dem Spiel.“ „Es gibt viele frühere Arbeiten über den Einsatz von bestrafenden Maßnahmen im Hinblick auf die Zusammenarbeit, doch war der Fokus bisher nicht auf Situationen gerichtet, in denen Einzelpersonen die Strafe im Rahmen der laufenden Aktivitäten nutzen konnten“, sagte Co-Autorin Anna Dreber der Stockholmer Schule für Wirtschaft. „Wir machen die Einstellung realistischer. In unserer Studie werden Themen bearbeitet, die die Einführung kostspieliger bestrafender Maßnahmen als eine der möglichen Optionen für die Teilnehmer offen lässt.“

Wer gewinnen will, muss vergeben lernen – so das Ergebnis von Harvardprofessoren aus den USA. Am besten lernt sich so etwas, wenn man in jungen Jahren damit anfängt ...

ben. Im Gegenteil: Menschen, die Rache üben, tun nicht etwa etwas Gutes für sich selbst, sondern schaden sich selbst genauso wie den anderen Gruppenmitgliedern. „Unser Befund hat eine sehr positive Nachricht: In einem Umfeld, in dem konkurrierende Einstellungen überwiegen, werden diejenigen gewinnen, die der Versuchung widerstehen können, Konflikte eskalieren zu lassen – während diejenigen die Verlierer sein werden, die zu bestrafenden Handlungen gegriffen haben“, schließt Nowak.

Auswirkungen auf die Gesellschaft

In den Auswirkungen unterscheiden sich östliche und westliche Welt nicht, doch in der traditionellen chiANZEIGE

nesischen Kultur gilt die Fähigkeit zu vergeben als eine wertvolle Tugend. Der Kaiser Wu der LiangDynastie war für seine Ehrlichkeit ebenso bekannt wie der US-amerikanische Präsident Abraham Lincoln in der westlichen Welt für seine Weisheit berühmt war. Beide waren ehrlich und stellten ihre eigenen Gefühle wie Dankbarkeit oder Groll in den Hintergrund. Aus diesem Grund befanden sich viele ausgezeichnete Männer in ihrem Umfeld – auch konnten sie deren gute Ratschläge leicht annehmen. Aus einem anderen Blickwinkel heraus gesehen bekommt jeder Mensch in diesem Leben eine schicksalsmäßige Chance, um zu zeigen, wie er sein Leben führen wird. Wenn man andere schlecht be-

handelt, wird das eigene Verhalten zu negativen Auswirkungen in Bezug auf einen selbst wie auf die Gesellschaft führen. Insbesondere, wenn die Mehrheit der Gesellschaft so handeln würde, hätte dies verheerende Folgen für die ganze Gesellschaft. Wenn man stattdessen einen Konflikt leicht nehmen und sogar noch darüber lächeln kann, dann wird das gemäß dem Ergebnis der Studie deutliche Vorteile für einen selbst und die Gruppe bringen. Vermutlich wird es darüber hinaus noch viele andere Menschen geben, die diese Person für ihren breiten Horizont, ihre Geduld und ihren klaren Geist bewundern werden.

F O T O : R O L F VA N M E L I S / P I X E L I O. D E

Wissenschaftler entdecken, warum es eine gute Idee ist, anderen zu vergeben. Menschen, die Rache üben, tun nicht etwa etwas Gutes für sich selbst, sondern schaden sich selbst genauso wie den eigenen Gruppenmitgliedern.


MODE

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

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Anna Fuchs veranstaltet Hamburgs heißesten Sale: Alle Modelle der letzten drei Saisons sind bis zu 70 Prozent günstiger zu haben, im Laden und im Online-Shop. Aber nur bis zum 31. August. Und nur ganz ausnahmsweise.

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um ersten Mal in der elfjährigen Erfolgsgeschichte ihres Labels veranstaltet die eigenwillige Hamburgerin einen Sale. Seit Jahren behauptet sie sich mit Kleidern aus Haute Couture-Stoffen und klaren Formen als eine der wenigen deutschen Avantgarde-Designerinnen – mit radikalem Perfektionismus und einer Fangemeinde im In- und Ausland. Zweimal war sie für den amerikanischen Mode-Oskar „Rising Star Award“ nominiert und auch für den Bunte „New Faces Award“. Von sich selbst sagt die 37-Jährige: „Ich stelle einfach solide Zeitgeist-Produkte her. Das Tolle an einem Kleid ist, dass man in einem Ruck in eine schützende Uniform steigt und seine Anliegen maskulin durchsetzen kann, ohne seine Weiblichkeit zu verleugnen.“ Ihre energiegeladene Mode wird gern „klassisch, schlicht und zeitlos“ genannt. Doch was auf dem Bügel so zurückhaltend aussieht, kann auf die Frauen, die es später anziehen, geradezu magische Effekte ausüben. Eine Sammlung von Dankesbriefen verrät, dass diese Kleider regelmäßig Frauen und Männern den Kopf verdrehen und sogar schon beziehungs- und familienstiftend gewirkt haben.

Sinnliche Abendkleider zu entwerfen, findet Anna Fuchs simpel. Das weitaus Entscheidendere ist für sie, Frauen den ganzen Tag ein fantastisches Aussehen zu schenken. Dazu gehören Tragekomfort, Würde und Bewegungsfreiheit. Diese schafft sie mit fließenden, edel fallenden Stoffen, vorzugsweise Georgettes, Seide und Wolle sowie eleganten Jerseys. Weil in ihren Kreationen enorme Handund Kopfarbeit steckt und ihre Preise schon immer möglichst moderat angesetzt waren, hatte Anna Fuchs sich stets dagegen verwahrt, jedwelche Sales zu betreiben. Ihre historische Entscheidung für den Lagerverkauf ist wohlüberlegt und verheißt Gutes: Die Designerin braucht Platz für eine neue Kollektion und ihr neues Zweitlabel. Neben der exklusiven Premiumlinie gibt es in Zukunft preisgünstigere Stücke mit gleichbleibendem Kultfaktor – damit noch mehr Frauen das Leben in Anna-FuchsKleidern genießen können. Außerdem wird sie erstmals mit Handtaschen auch passende Accessoires anbieten, denn: „Taschen sind eine praktische Notwendigkeit und wenn sie ein ausgereiftes Design von hochwertigster Verarbeitung haben, erklären sie die Edgyness der Kollektion noch besser.“ Aktuell verkauft sie Modelle der letzten drei Saisons um 20 bis 70 Prozent günstiger, was heißt, zu Preisen zwischen 59 Euro und 400 Euro. Es gibt Tages-, Abend- und Cocktailkleider, Kostüme, Mäntel und hochaktuelle Jumpsuits. Vom stylishen Winterkleid oder Kostüm bis zu Sommerträumen mit immer aktuellen Polkadots, Colourblocks oder Paisleymustern. Denn, so Anna Fuchs: „Im Sommer muss es schon mal Farbe sein.“ Dieser Sonderverkauf bietet echte It-Pieces für die restlichen noch anfallenden Sommerhochzeiten, Businessoutfits, die jeder Konjunkturschwankung trotzen, Partykleider für Weihnachts- und andere Feste. Oder eben fürs nächste Jahr, denn der nächste Sommer kommt bestimmt. Nur bis zum 31. August. Aber Vorsicht, bald sind die besten Teile weg!

Einmal EdelHippiequeen, bitte! Seidenoverall „Great Gatsby“ (statt 498, jetzt 349 Euro) mit Neckholder und Marlene-Beinen. Daneben perfekte Reduktion: StewardessEtuikleid in Schwarz und Flieder aus Crêpe Georgette (einst 429, jetzt 299 Euro).

Das herzige Modell „Miss Sunshine“, aus Crêpe de Chine mit reichlich Rüschen, empfiehlt Anna Fuchs für Hochzeiten und alle anderen wilden Tanzveranstaltungen. (vorher 429, jetzt 299 Euro).

i Anna Fuchs Karolinenstrasse 27, 20357 Hamburg Mo-Fr: 10 - 18 Uhr, Sa:10 - 17 Uhr Tel. 040 / 401 85 408 · www.annafuchs.de Der Onlineshop ist Teil der Aktion. Hier können Teile auch zurückgeschickt werden, wenn sie nicht passen sollten.

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Stil kontra Fashion – was ist entspannter? Sogar Umzugsunternehmen können eine Stilikone von einem Fashion-Victim unterscheiden, findet unsere Stilexpertin. Sie empfiehlt Klasse statt Masse.

Katharina Starlay

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mzugsunternehmen können eine Stilikone von einem Fashion-Victim unterscheiden – wetten? Während die erste eine überschaubare Garderobe hat und entsprechend wenig Umzugskartons packen musste, konnte sich die zweite schon im Laden nicht entscheiden und hat vorsichtshalber gleich drei angesagte Farben vom selben Artikel gekauft (die sie seitdem nicht getragen hat). Da ihr das bei so ziemlich jedem „Must have“ der Saison so geht, hat sie über die Jahre eine Garderobe aufgebaut, die ganze Schulklassen von Mädchenaugen zum Leuchten bringen würde. Nur jetzt, beim Umzug, kommt sie ins Grübeln. Sechs (oder acht oder zehn) Hängekartons, zwölf Kisten Liegeware und fünf Kartons mit Schuhen (ohne die Schuhkartons, versteht sich)? Da schnauft sogar der Umzugshelfer.

Zu viel im Schrank, aber nichts zum Anziehen?

Das Dumme an umfangreichen Garderoben ist: Meistens ist, was man an genau diesem Abend gerne anziehen würde – diese einzigartige Kombi, die einen unvergesslichen Abend verspricht – ohnehin nicht dabei! Weil ein Teil nicht zum nächsten passt. Weil die Farben nicht kombinierbar sind. Weil Teile der Garderobe Trends abbilden, die sich genau datieren lassen – und wer möchte schon die IT-Bag der vorletzten Saison ausführen? (Nur wegwerfen geht eben auch nicht – dafür war sie zu teuer!) Hinzu kommt, dass sich die Persönlichkeit immer weiter entwickelt und dass damit zu rechnen ist, dass Kleidungsstücke, die vor zwei Jahren zum Typ passten, heute auf einmal ihre Wirkung verfehlen.

Strategisch shoppen hilft!

Wer ein großes Budget hat, um die Garderobe, die Umzugshelfer und höhere Mietzahlungen für die vielen Kubikmeter Schrank zu finanzieren,

kann sich im Modemarkt weiterhin austoben. Wer das nicht will, wird schon aus praktischen Überlegungen von der Fashionista zur Stilexpertin in eigener Sache. Dazu gehört, dass man Garderobenmanagement betreibt, die Garderobe also so übersichtlich hält, dass man noch weiß, was man besitzt. Da hat jeder sein eigenes System: Der eine sortiert nach Ober-/Unterteilen, der Nächste nach Warengruppen (Shirts, Blusen, Pullover getrennt) und wieder der Nächste hängt sich die Kombinationen passend zusammen. Die wichtigen Kleidungsstücke mit der größten Fläche, zum Beispiel Mäntel, Anzüge, Jacken sollten sehr gut in der Qualität sein, perfekt passen und in Stil und Farbe zum Typ passen. Das tun sie dann, wenn sie die Linie des Körpers wieder aufnehmen und den Charakter der eigenen Farben (Haut, Haare, Augen) reflektieren. Wenn Sie dann noch darauf achten, dass die Stoffe miteinander kombinierbar sind, ist die Garderobe schon viel variabler als bei einem Medley faszinierender

Einzelteile. Die nämlich – und das ist wichtig! – sollten nicht die Basis, sondern die Highlights im Kleiderschrank ausmachen.

„Mode ist vergänglich – Stil niemals“

Wer überlegt einkauft, hat kleine Stoffabschnitte der eigenen Grundgarderobe (Sie haben bestimmt Änderungen machen lassen, damit sie toll sitzt!) zum Material- und Farbvergleich bei sich. Eine so funktionsfähig gewordene Garberobe lässt sich dann mit extravaganten Einzelteilen ergänzen, die aber nicht zwingend Trendstücke sein müssen. Die finden Sie manchmal an anderen Orten, idealerweise da, wo Kleidung nicht in Serie, sondern einzeln verkauft wird. So werden Sie immer sicherer, dass Ihre Garderobe keine Sammlung von Moden ist (die für einen Massenmarkt, nicht aber für SIE kreiert werden), sondern Spiegel Ihrer einzigartigen Persönlichkeit. Ganz nach Coco Chanel: „Mode ist vergänglich – Stil niemals“.

i Mehr über die Frankfurter Modedesignerin und Imageberaterin Katharina Starlay gibt´s im Internet auf www.starlay.de und www.stilclub.de.


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REISE DRIVE & STYLE

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

Auf einen Sprung nach Hinterzarten

FOTO: ©HOTEL ADLER

Seit 565 Jahren ist das Parkhotel Adler, Hinterzarten, in Familienbesitz. Nun, nach umfangreicher Renovierung erhebt das Traditionshaus Anspruch auf einen Spitzenplatz in der europäischen Luxushotellerie. Zu Recht: Das Boutique-Resort bietet zum exklusiven Ambiente auch ein exklusives Wellnessangebot.

Der Adler war ein Hofgut mit 80 Hektar Wald und Wiesen sowie einer Bauernschänke. Er stand neben der alten Kirche der Maria in der Zarten.

Andreas Burkert

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uch wenn die in den 1920erJahren erbaute Kirchwaldschanze und die berühmte Adlerschanze den Ort sichtlich prägen: Durch seine geografische Lage oberhalb des Höllentals und als wichtiger Verbindungsweg vom Rheintal in den östlichen Schwarzwald war Hinterzarten schon immer auch für Reisende bedeutungsvoll. Schon im 13. Jahrhundert kamen Erholungssuchende in die Region, um an den heilkräftigen Schwefelquellen zu genesen – „auch wenn Hinterzarten erst 1964 zum heilklimatischen Kurort ernannt wurde“, ergänzt Katja Trescher. Die geschäftsführende Gesellschafterin des Parkhotels Adler knüpft mit weiteren Anekdoten aus dem Ort an und welche Rolle ihr Hotel im Laufe der Jahrhunderte spielte. Immerhin führt sie das Familienhotel in der 16. Generation. Viele ihrer Erzählungen lassen sich belegen. Etwa, dass Marie Louise, Kaiserin von Frankreich und Tochter von Kaiser Franz II., Gast in der Poststation vom Adler war. Es war zu der Zeit, als Napoleon,

mit dem sie gegen ihren Willen vermählt worden war, gestürzt wurde und sie den Weg von Paris nach Wien durch das Höllental nahm.

Traditionshaus im Stil eines Grandhotels

Ob hingegen ein halbes Jahrhundert zuvor schon Marie Antoinette, Königin von Frankreich, in der Poststation übernachtet hatte, ist nicht sicher zu belegen, auch wenn für ihre Reise von Wien nach Paris die Höllentalstraße gebaut wurde. Überliefert ist aber, so haben es Historiker in alten vergilbten Schriften gelesen, dass der Besitzer des Anwesens, Hans Bilstein, erstmals in der Steuerkodel vom Jahre 1446 erwähnt wird: „Hans Bilstein gibt 8 Schilling 3 Pfennig von seinem Sessgut; 9 Schilling von einem Gut, das heißt das Schwäbling Gut, 9 Pfennig von seinem Zins von einem Stückle, womit er den Zartenhof erwarb.“ Wer sich heute im Parkhotel umschaut, entdeckt nur noch an wenigen Stellen dessen bewegte Vergangenheit. Im Dreißigjährigen Krieg brannte das Hotel bis auf die Grundmauern ab. Das 1638 neu errichtete Schwarzwaldhaus gibt es aber heute noch. Dort sind Restaurants sowie die typischen urigen

Schwarzwaldzimmer und Suiten untergebracht. Und auch das alte Wirtshausschild hängt als Zeitzeuge dort und weist darauf hin, dass das Hotel – wie auch Hinterzarten – bis 1870 in österreichischem Besitz war. Heute ist das Traditionshaus ein Grandhotel – gelistet unter „The Leading Small Hotels of the World“. Und nach umfangreichen Umbauten lockt es nun mit historischem, aber dennoch modernem Ambiente. Mit der Komplettrenovierung des im Jahr 1890 im feudalen Belle-ÉpocheStil erbauten Haupthauses setzt die Hausherrin bei den Zimmern auf ein zeitgemäßes, kreatives Edeldesign.

Boutique-Resort

Im Zuge der Sanierung wurden auch einige Räume zusammengelegt und sind damit um bis zu 25 ProFOT

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Reisen mit den Kleinen

FOTO: © MA XI- COSI

Katja Trescher führt in der 16. Generation das Parkhotel Adler – erfolgreich. Im Jahr 2004 erhielt sie die Auszeichnung „Hotelier des Jahres“. „Wir beherbergen Erholungsuchende ebenso wie Aktivurlauber und Familien.“

Schicken Sie das schönste Foto von Ihrer Urlaubsfahrt an redaktion@driveand-style.com Auf www.drive-andstyle.de veröffentlichen wir jede Woche die schönsten Bilder. Unter allen Einsendungen verlosen wir einen Spielkoffer von Selecta und zwei Bücher „Für Hasen nicht bremsen: Was Frau am Steuer wissen sollte“.

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zent größer. Heute stehen den Gästen über 35 Einzel- und Doppelzimmer, 13 Juniorsuiten, fünf Familiensuiten (50 m²), zwei Suiten sowie eine Präsidentensuite zur Auswahl. Darunter befinden sich auch für Allergiker geeignete Zimmer. Polierte Messingschilder an den Zimmertüren erinnern im Übrigen an die berühmtesten Besucher des Hotels. Mit Engagement will Trescher das Hotel an die Spitze der europäischen Luxushotellerie führen. Ihr zur Seite stehen ihr Mann Jimmy Newman, ein amerikanischer Musiker, und Olaf Galaburda, der seit drei Jahren das Haus als Direktor führt. Unter seiner Leitung kümmern sich etwa 80 Angestellte um die Gäste und um das umfangreiche Kultur- und Kulinarikprogramm, mit dem Katja Trescher in der Region Akzente setzen will. Auch ist es ihr ein persönliches Anliegen, den hauseigenen Golfplatz bis zum kommenden Jahr auf 18-Loch zu erweitern. Unter ihrer Regie entstand auch der Wellnesspavillon mit Angeboten

klassischer Beauty-Behandlungen, Ayurveda oder Chakren-Balancierung. Wem das nicht genügt, der kann sich im Hotel auch einer individuellen Faltenbehandlung unterziehen. Seit Juli bietet dort nämlich Prof. Dr. med. Jörg Borges von der Erich-Lexer-Klinik in Freiburg – einer Privatklinik für ästhetisch-plastische Chirurgie – den medizinischen Service an. Damit lohnt sich ein längerer Aufenthalt. Auch deshalb, weil es ab zwei Übernachtungen die Hochschwarzwald-Card gibt, mit der unentgeltlich über 50 Freizeiterlebnisse in der Region genutzt werden können. Darunter sind unter anderem viele Skiangebote – ausgenommen die Sprungschanzen.

Wäre nur die Anreise nicht so quälend lang, der Urlaub mit dem eigenen Auto wäre noch beliebter. Der Horror: kilometerlange Staus und nörgelnde Kinder. Wie also stelle ich bei langen Urlaubsfahrten die Kinder ruhig, behalte die Nerven und wie sieht ein Reise-Notfallplan aus?

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iele Eltern holen am letzten Schultag ihre Kinder direkt von der Schule ab und starten gleich von dort aus mit dem Auto in den Urlaub. Das ist eine schreckliche Vorstellung, denn im Hinblick auf die „schönsten Wochen des Jahres“ sollte die Anreise mit Kindern im Auto gut entspannt beginnen. Und sie sollte gut vorbereitet werden. Zudem sollte die Reiseroute im Detail mit den Kindern geplant werden. So lassen sich Besonderheiten entlang der Route, wie etwa alte Burgen oder spannende Orte, einzeichnen. Damit steigt die Vorfreude auf den Urlaub und die Kleinen wissen, was auf sie zukommt. Die Urlaubsfahrt an die Nordsee wird zur Bildungsreise mit Unterhaltungswert.

Dass Kinder diese Art der gemeinsamen Unterhaltung mehr mögen als das Gameboy-Spiel, zeigt eine Befragung von AutoScout24. Im Auftrag der Online-Autobörse hat das Marktforschungsinstitut Innofact mehr als tausend Autofahrer befragt, wie sie ihre Kinder während der Fahrt unterhalten. Bei Familien stehen dabei weiterhin Spieleklassiker wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder Sprachspiele à la „Teekesselchen“ hoch im Kurs. Elektronische Unterhaltungsmedien wie portable Spielgeräte und DVD-Player spielen aktuell eine untergeordnete Rolle. Mit einem Hörbuch oder Musik unterhält jeder dritte Elternteil seine Kinder. Ein Kinderbuch oder Comic-Hefte wie Micky Maus legen 28 Prozent für die Kleinen bereit.

Baby an Bord?

Was, wenn Babys mitfahren? Kinderärzte beruhigen. Die Kleinsten verhalten sich auf längeren Autofahrten meistens ruhig und schlafen viel, sobald der Motor gestartet wird. Dennoch empfiehlt es sich, nach jeweils 1 ½ Stunden eine Rast einzulegen und die Sitzhaltung des Kindes zu verändern. Auch muss darauf geachtet werden, dass es vor der prallen Sonne geschützt wird. Im Übrigen sollten Sie Folgendes nicht unterschätzen: Das heiß geliebte Kuscheltier oder die Kuscheldecke schenken Ihrem Kind während der Fahrt Geborgenheit. Weitere Tipps haben wir für Sie auf www. drive-and-style.de Zusammengestellt (ab).


AUTO DRIVE & STYLE

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

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Zwei Striche, ein Beetle Das wohl bekannteste Autodesign der Welt geht in die dritte Runde. Der neue Beetle kommt im Oktober auf den Markt. Es sei „das neue Original“, sagt Volkswagens Chefdesigner. Vor allem aber ist er maskuliner und sportlicher. Und ein Einstiegspreis ab knapp unter 17.000 Euro macht ihn noch attraktiver.

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Nur der Neue ist das Original

Eine zufriedenstellende Antwort darauf ist den Verantwortlichen nicht zu entlocken. Vielleicht wollte man sich beim neuen Modell ganz sicher sein. Immerhin galt es, ein Design neu zu erfinden, das wie kein anderes derart bekannt und eigenständig ist. Und es gab keinen Zeitdruck. Denn, wem außer Volkswagen würde man es zutrauen, ein Auto zu bauen, das an den Käfer erinnert, das bekannteste Auto-Design der Welt. So ähnelt der Neue dem alten Original mehr als der New Beetle. „Wenn man den ersten und den neuen Beetle in einen Raum stellt, nur Licht auf das Dach fallen lässt und die Silhouetten betrachtet, sieht man im hinteren Bereich eine nahezu identische Linie“, erklärt de Silva. Sonst aber wurden völlig neue Proportionen verteilt. Durch das Plus an Länge konnte sich das Dach weiter spannen und die Windschutzscheibe nach hinten wandern. Das Platzangebot im Wagen reicht somit aus, dass sich vier Erwachsene getrost auf eine lange Reise begeben können – mit Gepäck. Der Kofferraum schluckt etwas mehr als 300 Liter; werden die Rücksitze umgeklappt, sind es 900 Liter. Übrigens: Als eine weitere Reminiszenz an vergangene Tage des Ur-Käfers finden sich nette Details im Innenraum. Dazu gehören unter anderem das zusätzliche aus alten Zeiten bekannte „Käferfach“, dessen Deckel nach oben aufklappt, und die Schlaufen an der B-Säule, die auch als Ausstiegshilfe dienen. Sonst aber wurde der Innenraum modern und mit vielen lackierten

B E I D E F O T O S : © V O L K S WAG E N

alter de Silva ist ein begnadeter Beobachter. Ihm gelingt es, nahezu jedes Fahrzeug mit nur wenigen Pinselstrichen zu charakterisieren. Ein Auto allerdings mit nur zwei Strichen anzudeuten, ist eine Kunst, wie man sie nur von einem Meister der Kalligrafie erwartet. Der neue Beetle von Volkswagen ist ein Auto, dessen Eigenschaften de Silva mit nur zwei geschwungenen Linien auf den Punkt gebracht hat. Wenn der Wagen in wenigen Wochen auf den Markt kommt, dann zeigt er sich dynamischer und maskuliner als der Vorgänger, weil flacher und erheblich breiter. Walter de Silva ist aber auch Chefdesigner bei Volkswagen und in dieser Funktion hat er seinem Designteam für den neuen Beetle unmissverständliche Vorgaben erteilt: „Entwerft ein neues Original!“ Zu enttäuschend waren nämlich die Reaktionen des Marktes auf den New Beetle, der 1998 die zweite Käfer-Revolution einläuten sollte. Von den mehr als 22 Millionen verkauften Fahrzeugen dieser Baureihe tragen nur knapp eine Mil-

lion das Emblem des New Beetle. Warum aber ließ sich Volkswagen für das neue Modell mehr als zehn Jahre Zeit?

Im hochwertig gestalteten Innenraum befindet sich auch das aus alten Zeiten bekannte Käferfach.

Der Überkäfer: Der Beetle der Generation 21. Jahrhundert soll stärker an das Original erinnern als der New Beetle.

Flächen gestaltet. Über ein kleines Rändelrad, links neben dem Lenkrad, kann nach Belieben die Ambientebeleuchtung zwischen Weiß, Blau und Rot gewählt werden.

Der schnellste Serienkäfer

Rot für all jene, die es sportlich mögen. Wie schnell sich der Wunsch umsetzen lässt, zeigt sich beim Gas geben. Der 200 PS starke TSI-Motor der Top-Motorisierung bringt den Wagen in nur knapp über sieben Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde. Das ist ein Verdienst der 280 Newtonmeter Drehmomente, die bereits ab 1.800 Umdrehungen pro Minute anliegen. Mit dieser Kraft schafft es der Beetle 2.0 TSI auf maximal 225 Kilometer pro Stunde – dann aber wird er elektronisch abgeregelt. Beim Handling ist der Wagen typisch Volkswagen – straffes Fahrwerk, präziser Lenkeinschlag. Für das Fahrwerklayout haben die Ingenieure vorn auf eine Federbeinachse mit Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern und hinten auf eine neu entwickelte Vierlenker-Achse in Leichtbauweise gesetzt. Stabilität verleiht überdies der Heckspoiler, den es allerdings

Als eine weitere Reminiszenz an vergangene Tage des Ur-Käfers finden sich im Innenraum nette Details wie das aus alten Zeiten bekannte „Käferfach“, dessen Deckel nach oben aufklappt.

erst ab der Motorleistung von 160 PS gibt. Insgesamt bietet Volkswagen für den deutschen Markt fünf Motoren an – im Leistungsspektrum zwischen 105 PS und 200 PS. Darunter sind drei Benziner und zwei Diesel-Motoren. Hierbei benötigt der sparsamste Motor, der 1.6 TDI mit 105 PS, laut Hersteller nur 4,3 Liter auf 100 Kilometer. Diese Verbrauchswerte lassen sich übrigens nicht nur in der Version mit dem 6-Gang-Schaltgetriebe, sondern auch mit dem optionalen 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe erreichen.

Und er trägt viele Namen

Die beiden Einstiegsmotoren mit 105 PS gibt es nur in Verbindung mit den Ausstattungslinien „Beetle“ (Grundversion) und „Design“ (mittlere Linie). Die 140 PS starken TDI- beziehungsweise die 160 PS starken TSI-Motoren hingegen sind für alle Ausstattungslinien bestimmt. Nur in der Topversion „Sport“ wird der Top-TSI-Motor mit 200 PS eingebaut. Dafür stehen dann bereits mindestens 27.100 Euro auf der Rechnung. Die Freude an der Auswahl fängt damit allerdings erst an. Denn es

gibt eine berauschend hohe Anzahl an Möglichkeiten der Individualisierung: Angefangen beim Panorama-Aufstell-Schiebedach für 1.190 Euro, über das FenderSoundsystem für 650 Euro bis zu den abgedunkelten Scheiben für 215 Euro. Dies alles und noch viel mehr lässt sich zu den Ausstattungslinien hinzubuchen. Dass damit der Basispreis von 16.950 Euro leicht um mehrere Tausend Euro nach oben katapultiert wird, versteht sich von selbst. Schade, dass der Parkpilot, der akustisch auf Hindernisse im Front- und Heckbereich hinweist, mit 545 Euro zu Buche schlägt. Ohne ihn lässt es sich nur schwer überblicken, was beim Rückwärtsfahren passiert. Für 49 Euro gibt es hingegen einen individuellen Schriftzug auf der Heckklappe. Weil der Käfer weltweit Generationen geprägt hat und jedes Land ihm einen Spitznamen gab, darf sich jeder seinen Schriftzug aussuchen: So ist ein Käfer ein Beetle, ein Vocho, ein Coccinelle, Fusca oder Maggiolino. Die Bezeichnung für den asiatischen Markt „甲壳虫“ ersparen wir uns, weil wir sie nicht aussprechen können (ab).

Kfz-Teilehandel handelt sozial

Große Leserumfrage: Müssen Autos hässlich sein?

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it 200.000 Euro unterstützt die Carat-Unternehmensgruppe die Peter Maffay-Stiftung. Der Musiker engagiert sich unter anderem für Kinder mit sozialen Problemen oder mit schweren chronischen Krankheiten oder Behinderungen. Betreut werden die Kinder schwerpunktmäßig auf Mallorca – weitere Häuser finden sich in Tutzing am Starnberger See sowie im rumänischen Radeln. Das Unternehmen Carat ist im KfzTeilehandel aktiv und betreibt unter anderem das Werkstattsystem „ad Autodienst“. Darüber hinaus wurde zusammen mit dem Schirmherrn Günter Netzer im Jahr 2006 die Aktion „1.000 Lehrstellen für Deutschland“ ins Leben gerufen.

Walter de Silva zeichnete Autos für Volkswagen. Im Laufe seiner Karriere erhielt er dafür mehrere Design-Auszeichnungen, unter anderem den „Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2010“ für das Design des Audi A5. Soeben aber bekam der VW-Chefdesigner auch den ADI „Compasso d‘Oro“ (Goldener Zirkel), einen der renommiertesten italienischen Design-Preise. Die Fachjury bezeichnete Walter de Silva als „unangefochtenen Protagonisten des italienischen Designs“.

Doch wie sehen Sie die Design-Bemühungen der internationalen Autobranche? Bei welchem Wagen bekommen Sie Herzklopfen? Schreiben Sie uns: redaktion@drive-and-style.com. Unter allen Einsendungen verlosen wir

ein funkferngesteuertes Modellauto von Carrera RC, originalgetreu im Maßstab 1:12. Informationen über Mode und Auto finden Sie auf www.drive-and-style.de, über den VW Touareg sowie über weitere Modelle von Carrera RC unter www.carrera-rc.com. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Die Seiten 16+17 wurden erstellt in Kooperation mit Drive & Style, dem Magazin für eine werteorientierte Mobilität. www.drive-and-style.de


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Kulinarisches

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

Kochen mit der Outdoorküche „Das Kochen im Freien hat in Neuseeland eine lange Tradition, Julie Biuso hat in diesem Buch ihre besten Rezepte für ein Sommergefühl rund ums Jahr zusammengestellt.“

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n der frischen Luft schmeckt alles gleich doppelt so gut. Da tuts ein Campingkocher unter dem Sternenhimmel und ein Stockbrot. Die Idee vom Leben im Freien ist nicht neu. Grillen ist nicht neu. Beides übt seit langem ihren Reiz auf Menschen aus, ob sie nun in der Stadt oder auf dem Land leben. Daraus hat sich ein Lebensart-Trend entwickelt. Das Leben verlagert sich von drinnen nach draußen. Die entsprechende Ausstattung hat längst ihren Weg in die Geschäfte und in die Gärten gefunden, Gartenmöbel müssen wetterfest, robust und haltbar sein. Dieser Trend setzt sich konsequenterweise beim Essen fort. Outdoorküchen ersetzen den Grill oder Steinofen im Garten als „archetypischen“ Versammlungsort der Hausbewohner, Gäste und dem „Herrscher über Feuer und Steaks“ also der Mann mit der Grillzange. An einer gut ausgestatteten Outdoorküche mit Garraum, ei-

serner Grillplatte, Spieß und Wärmeplatten lässt sich von Kotelett bis zum Spargelröllchen alles zubereiten. Das Kochbuch „Kochen mit der Outdoorküche: Grenzenloser Genuss im Freien!“ gibt viele frische Impulse und Ideen mit über 100 Rezepten aus einigen der besten Esskulturen der Welt, wie aus dem mediterranen und asiatischen Raum. Und der Küche des angelsächsischen Raums samt obligaten Frühstückspfannkuchen. Dazu kommt ein Teil der sich dem Möbel Outdoorküche widmet und Tipps zur Auswahl und dem gelungenen Kochen damit gibt. Schummeln gilt! Diese Rezepte lassen sich auch in der Küche zubereiten. Die Rezepte sind übersichtlich, praxisnah und obwohl meist simpel, versprechen sie kulinarische Höhepunkte für den nächsten lauen Abend im Garten. (red)

Rosmarinspiesse mit Seeteufel und Jakobsmuscheln Seeteufel passt toll zu Jakobsmuscheln, weil er ebenso zart ist. Falls Sie keinen Seeteufel bekommen, können Sie auf andere weißfleischige Fischfilets zurückgreifen.

Zubereitung

F o t o : © 2 011 „ Ko c h en m i t de r O u td o o r k ü c h e “ UM S CH A U / A a r o n M c L ean

i

Zutaten für 12 Spieße Vorbereitungszeit: 30 Minuten Garzeit: 30 Minuten • • Kochen mit der Outdoorküche Von Julie Biuso Umschau Buchverlag ISBN: 9 78-3865 287175

• • •

24 Jakobsmuscheln (etwa 400 g) 600 g Seeteufelfilet, gehäutet und entgrätet 700 g neue Kartoffeln 200 g grüne Bohnen, Enden abgeschnitten Salz

Zitronenvinaigrette • • • • • • •

6 EL Natives Olivenöl extra 2 ½ EL Zitronensaft ¾ TL Salz ½ EL fein gehackter Rosmarin 2 Knoblauchzehen, geschält und gehackt 1 EL cremiger Dijonsenf 12 lange Rosmarinzweige

1. Rosmarinzweige in 22 Zentimeter lange Stücke schneiden. Den Großteil der Blätter abstreifen, in einen verschließbaren Plastikbeutel geben und für andere Gelegenheiten im Kühlschrank aufbewahren. 2. Muscheln gegebenenfalls von schwarzen Darmresten befreien. Muscheln und Fisch abspülen und mit Küchenpapier trocken tupfen. Fisch in etwa gleich große Stücke wie die Muscheln teilen und abwechselnd auf die Zweige stecken. Leichter geht es, wenn die Stücke zuvor schon mit einem Metallspieß durchstochen wurden. Fertige Spieße in einen flachen Behälter legen, abdecken und bis etwa 15 Minuten vor dem Grillen in den Kühlschrank stellen. 3. Die Kartoffeln gründlich waschen, Kartoffeln mit dicker Schale schälen. In einem Dämpfkorb mit Salz weich dämpfen oder in schwach kochendem Salzwasser weich kochen. Abtropfen und abkühlen lassen, bis sie sich anfassen lassen. Heiße Kartoffeln in Scheiben schneiden und auf einer Servierplatte oder Tellern anrichten, kleine Kartoffeln ganz lassen. 4. Für die Vinaigrette alle Zutaten in einer kleinen Schüssel mit dem Schneebesen verrühren. Die Hälfte der Vinaigrette über die heißen Kartoffeln löffeln. 5. Bohnen in einem Topf mit schwach kochendem Salzwasser in 3–5 Minuten weich kochen. Abtropfen lassen, mit kaltem Wasser abschrecken, gründlich abtropfen lassen und mit mit Küchenpapier trocken tupfen. Dann zu den Kartoffeln geben und vorsichtig mischen. Kartoffeln und Bohnen gelegentlich in der Vinaigrette wenden. 6. Fischspieße auf Zimmertemperatur bringen. Die Hälfte der restlichen Vinaigrette darüberlöffeln und die Spieße auf einem Grillrost über mittlerer Hitze grillen, dabei vorsichtig wenden. Alternativ auf einer geölten Grillplatte über mittlerer Hitze oder in einer Grillpfanne braten. Vorsicht die Blätter an den Zweigen dürfen nicht mit offenem Feuer in Berührung kommen, sonst fangen sie an zu brennen. Fertige Spieße auf die Teller oder die Servierplatte mit den Kartoffeln und Bohnen legen und mit der restlichen Vinaigrette beträufeln. Sofort servieren.

Wettkampf am Wok F o t o : p h i l i p p e l o p e z /g ett y i m ag es

Vorgeschmack auf den Internationalen Chinesischen Kochwettbewerb

D

er Fernsehsender New Tang Dynasty (NTD) veranstaltet 2011 im Rahmen seiner Wettbewerbsreihe, die unter anderem auch Kampfkunst und klassischen, chinesischen Tanz umfasst, zum 4. Mal den Internationalen Chinesischen Kochwettbewerb.

F o t o : Hen r y L a m / T h e E p o c h T i m es

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Authentische Kochkunst…

F o t o : Hen r y L a m / T h e E p o c h T i m es

In Taipeis World Trade Center Hall traten 71 Meisterköche gegeneinander an und zeigten ihr Geschick mit Messer und Wok. Für

satoren. Das ist es, was mich bewegt und warum ich an dem Wettbewerb teilnehme,“ so ein Finalist der Nordost-Küche, Zhong Tong-hai.

Prisma der chinesischen Kulinarik

Die Moderatorin der Vorentscheidung in Taiwan, Zhou Yiyi, sagte „Als wir tiefer gingen und weiter recherchierten, sahen wir, dass China beides ist: groß und tiefgehend. Die ethnischen Kulturen und die Produkte verschiedener Orte unterscheiden sich alle und das beeinflusst direkt ihre Küche.“ Fünf verschiedene Fächer der chinesischen Küche sind zugelassen: Szechuan, Shandong, Kantonesisch, Huaiyang und der Nordosten. Gerichte werden aus-

schließlich aus naturbelassenen Zutaten zubereitet, ohne Zusätze und Geschmacksverstärker. Herr Tsai, ein Tourist in Taiwan, durfte naschen, „Ich habe einige Gerichte probiert. Gerichte wie Kartoffel-

Vor dem weltweiten Treffen der Meisterköche…

Ei Pfannkuchen scheinen gewöhnlich zu sein, aber man sieht das Herz der Köche. Als sie die Gerichte zuberei-

teten, wurde die Essenz der Zutaten zum Genuss gebracht. Ich denke dieser Anlass ist sehr bedeutend.“

Flammende Woks auf dem New Yorker Times Square

Im September werden die 14 taiwanischen Finalisten mit Meisterköchen aus aller Welt an NTDs Internationalem Chinesischen Kochwettbewerb in New York teilnehmen. Der sino-amerikanische Starkoch Martin Yan, „Es geht nicht nur um das Erlernen eines Gerichts. Vom Kochen und der Kochkunst kann man ein Land und eine Nationalität verstehen.“ Nun schärfen die 14 Finalisten ihre Messer für die große Herausforderung am 22. September in New York. (AW)

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… braucht kein Glutamat…

Hier wird noch mit Liebe und Frischen Zutaten von Hand gekocht Die Spezialität unseres Meisterkochs aus HongKong sind die Dim Sum

F o t o : Hen r y L a m / T h e E p o c h T i m es

viele ist es mehr als die Zurschaustellung ihres Könnens. „Die chinesische Cuisine der Welt zu bringen, ist die größte Leistung der Organi-

… aber puren Enthusiasmus.

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reise

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Grüne Welle im Schwarzwald

Grüner durch den Schwarzwald geht’s nicht

Wer sich entspannt im Sitz zurücklehnt, um die fabrikneuen Elektround Gasfahrzeuge der Zukunft zu testen, wird nur den Fahrtwind, aber keinen Motorenlärm hören. Naturschonend und klimaneutral kann die abwechslungsreiche Umgebung erkundet werden. Und auch wenn man nicht topfit ist, ermöglicht einem ein E-Rad, auf leisen Rädern durch die saftig grüne sommerliche Landschaft zu gleiten, um Fahrradtouren über die Schwarzwälder Berge zu unternehmen. Die Urlaubsorte der Bergwelt des Südschwarzwalds (Region um Todtnau und Schönau) stellen spezielle Elektroautos, sogenannte „E-Mobiles“ bereit, die mit Strom aus regeANZEIGE

E-Ferien: Urlaub der Zukunft schon heute.

Auch die „Öffentlichen“ stehen auf Grün

Urlauber, die in der Ferienregion übernachten, haben mit der KonusGästekarte freie Fahrt mit Bus und Bahn in allen neuen Verkehrsverbünden im Schwarzwald zwischen Rhein und Neckar und den Städten Pforzheim und Waldshut. So sind Ausflugsziele gut zu erreichen und Gäste genießen ein Höchstmaß

Innovativ: Auftanken in der Naturidylle mit E- Rad.

an Flexibilität. Mit dem Ticket können sie sich kostenlos innerhalb der 11.000 Quadratkilometer großen Region bewegen. Vergünstigter Eintritt in vielen Freizeiteinrichtungen, Bädern und Museen ist in der KonusKarte enthalten.

Das gute Gewissen fährt mit

Die Auswirkungen des Klimawandels stellen neue Anforderungen an den Tourismus. Das Projekt „Zukunftsmobilität in der Ferienregion Schwarzwald“ (ZUMO Schwarzwald) begegnet diesen. Das gemeinsame Projekt des Steinbeis-Beratungszentrums Innovation & Energie in Trossingen, der Schwarzwald Tourismus GmbH in Freiburg und der Industrieund Handelskammern im Schwarzwald ist einer der zehn Gewinner des Ideenwettbewerbes zum Themenjahr Automobilsommer 2011 in BadenWürttemberg. Der klimaschonende Urlaub ist ein in Deutschland einzigartiges Modellprojekt. So kann man Urlaub machen, wie es wohl erst in zehn Jahren üblich sein wird. Diese Reise soll Experimentierfreude wecken, das Umweltbewusstsein schärfen und den Schwarzwald zu einem neuen Erlebnis machen, so Schwarzwald Tourismus. (red) Weitere Infos: www.schwarzwald-tourismus.info, www.zukunftsmobilitaet.info, www.zumo-schwarzwald. de, Schwarzwald Tourismus GmbH, Tel.: 0761/89646-0. www.konus-schwarzwald.info

Foto: © STG

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usflugsziele ansteuern, die saubere Luft genießen und in umweltfreundlichen Unterkünften übernachten, ohne dabei auf Freizeitspaß und Aktivitäten zu verzichten: Dank dem Modellprojekt „Zukunftsmobilität in der Ferienregion Schwarzwald“ ist die Ferienregion im Sommer 2011 um eine Attraktion reicher geworden. Gäste können ihre Ausflüge mit neuen Elektromobilen und Erdgas-Fahrzeugen machen.

nerativen Energiequellen gespeist werden. Im Ferienland Schwarzwald, das ist der Mittlere Schwarzwald um Triberg, Schonach und Furtwangen, werden Biogasfahrzeuge angeboten. Eine Orientierungskarte zeigt an, wo sich Tankstellen und Attraktionen mit Ladestationen befinden.

F o t o : © T o u r i st i k B ad W i l dbad

Entschleunigt und grün mit E-Autos, Segways und E-Bikes die Natur entdecken.

Die Brücke zwischen Tradition und naturschonender e-Mobility.


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LERNEN

The Epoch Times Deutschland / 17. August - 6. September 2011 / Nr. 288

Die Rätsel der chinesischen Schriftzeichen Viele chinesische Schriftzeichen haben tiefgehende historische und philosophische Hintergründe. Einige ihrer Rätsel werden hier entziffert.

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Das chinesissche SchriftIn vielen Religionen ist Barmzeichen 善 (Shan) setzt herzigkeit eines der Hauptgesich aus den Ideobote, so auch im Buddhismus. grammen 羊 (yang) und Die Barmherzigkeit ist dort 言 (Yan) zusammen, woals das Mitgefühl für seibei 羊 Schaf bedeutet und ne Nächsten zu verstehen. mit 言 das Gesprochene Ein Buddhist sieht die Leioder auch das Wort gemeint den seiner Mitmenschen, die ist. Das Schaf gehörte im alsie durch das Leben erfahten China zu jedem guten ren haben, und verHaushalt dazu. Als Haussucht ihnen zu tier war es aufgrund helfen. Dabei seiner Gehorsamsoll er zuerst an keit besonders andere denken, beliebt. Zudem denn im Budblökt das Schaf dhismus sind die Leiden der anderen immer gleich, egal ob es gut oder schlecht bewichtiger als die eigenen. handelt wird. Diese Eigenschaft, Wobei allein die Existenz in der gutherzig zu reagieren, egal ob Menschenwelt Leiden bedeutet: man gut oder schlecht behandelt zunächst ist ein Mensch im Körper gefangen und muss wird, umschrieben die Chi善 (Shan) – barmherzig, gutherzig, mildtätig. zudem Alter, Krankheit nesen mit 善.

und Tod erleiden. Indem man sich ständig verbessert und sich der Barmherzigkeit angleicht soll im Buddhismus dem menschlichen Leiden ein Ende bereitet werden, indem man zur Erleuchtung kommt und zum Ursprung des Lebens zurückkehrt. Das Gegenteil von 善 bildet das Zeichen 恶 (E), Bosheit. 恶 besteht aus den beiden Ideogrammen, 心 (Xin), Herz, und 亚 (Ya), Schwäche. 心亚 bedeutet somit das schwache Herz. Demnach betrachteten die Chinesen früher die Bosheit als eine Art Schwäche, die vom Herzen kommt. Im Gegensatz dazu beweist derjenige wahre innere Stärke, der trotz Beschimpfungen oder Erniedrigungen immer noch Barmherzigkeit zu seinem Gegenüber verspürt. (red)

FOTOS: THE EPOCH TIMES

善 (Shan) barmherzig, gutherzig, mildtätig

德 (De) Tugend, Moral, Sittlichkeit

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ie linke Hälfte des Schrift- te 十目一心 versinnbildlicht somit zeichens für Tugend, Moral den „Blick der Gottheiten auf das und Sittlickeit 德 (De) bil- menschliche Herz“. det das Ideogramm „ㄔ“, ein über Das zusammengesetzte Zeichen, die Jahrtausende abgewandeltes 德, bedeutet somit, dass die HandSymbol für Bein und Fuß, das den lung eines Menschen dem Gebot der aufrechten Gang, den Schritt oder Gottheiten entsprechen, also tugendauch die Handlung symbolisiert. Die voll sein rechte Hälfte bilden die vier Zeichen soll. 十目一心 (Shi mu yi xin). Das mittlere Schriftzeichen, 一 (Yi), bedeutet die Zahl eins und spiegelt die Entstehung des Universums durch Trennung von Yin und Yang wieder. 十 (Shi) ist das chinesische Zeichen für die Zahl Zehn und bedeutet das Vollkommene und Perfekte, wobei vollkommen und perfekt nur Gottheiten sind. 目(Mu) steht im Chinesischen für das Auge und mit 心 (Xin) ist das menschliche Herz 德 (De) – Tugend, Moral, Sittlichkeit. gemeint. Die rechte Hälf-

Oft sprachen die Leute im alten China von „Tugenden sammeln“. Denn der Besitz von vielen Tugenden sowie ein starkes Bewusstsein für Moral und Sittlichkeit versprachen eine gute Wiedergeburt nach dem Tod. Wie sich das nächste Leben nach der Wiedergeburt gestaltete, wurde nach den buddhistischen Weisheiten mit dem Sammeln von Tugend 德 festgelegt, also dadurch, wie viel Gutes oder wie wenig Schlechtes der Mensch in seinem vorangangenen Leben getan hatte. Das Schriftzeichen 德 beweist, wie tief die chinesische Kultur einst von den Religionen des Buddhismus und Taoismus geprägt war. Die heutigen Chinesen dagegen finden ihre Schriftzeichen ofmals als „zu kompliziert“. (red)

BILD DER WOCHE

„Berlin fliegt!“ hieß die Werbeveranstaltung für die LeichtathletikEuropameisterschaften 2018 in Berlin. Renaud Lavillenie aus Frankreich beim Stabhochsprung am 12. August vor dem Brandenburger Tor. Einen Tag vor dem 50. Jahrestag des Mauerbaus.

F O T O : J O E R N P O L L E X / B O N G A R T S /G E T T Y I M AG E S

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The Epoch Times Deutschland 17-08-2011  

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