Issuu on Google+

P.b.b. Verlagspostamt 1010 Wien Zulassungsnummer: GZ 04Z035691 M

NR. 2 2014

weltnachrichten I n f o r m at i o n e n d e r Ă– s t e r r e i c h i s c h e n E n t w i c k l u n g s z u s a m m e n a r b e i t


Eine lebenswerte Zukunft für alle

Liebe Leserinnen, liebe Leser, vor zehn Jahren wurde die Austrian Development Agency (ADA) als Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammen­ arbeit gegründet. Das war eine der besten Entscheidungen überhaupt, so die einhellige Meinung vieler entwicklungs­ politischer ExpertInnen. Was aber ist seither passiert? Welche Heraus­forderungen galt es zu meistern? Und vor allem: Zu welchen Erfolgen in den Partnerländern konnte die Arbeit der ADA beitragen? All das erfahren Sie in der vorliegenden 70. Ausgabe der Weltnachrichten! Eine anregende Lektüre wünscht die Redaktion

P.S.: Der Leitartikel des Heftes ist auch in der Leicht Lesen-Version abgedruckt und ebenso auf www.entwicklung.at abrufbar. P.P.S: Ihre Meinung ist uns wichtig. Wir freuen uns über Zuschriften via: oeza.info@ada.gv.at OsterreichischeEntwicklungszusammenarbeit @entwicklungat

Zehn Jahre ADA – ein Grund zum Feiern? 10 Jahre ADA – ist das ein Grund zum Feiern? Herzlichen Glückwunsch „ADA-gio“ – im Konzert der internationalen Geber  Die ADA als Agentur des Bundes Ke nako Afrika – Afrika jetzt! Unsere Auslandsbüros Von Bussen und Budgets Bhutan: mehr Wirtschaft, weniger Hilfe Entwicklungssprung im äthiopischen Hochland  Westafrika in Richtung Energiewende Kap Verde – Inselwelt im Aufwind Hochschule für kulturelle Vielfalt Ein guter Rahmen für Entwicklung Wasserschutzgebiet oder Acker? Zehn Jahre Wirtschafts­partnerschaften Wenn Arbeit an Grenzen stößt

3 5 10 12 14 15 16 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27

■ Service Personalia, Impressum

28

Weltnachrichten | NR. 2 2014

I

ch gratuliere meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich zu zehn Jahren Austrian Development Agency (ADA), zu zehn Jahren Wirtschaftspartnerschaften und zur 70. Ausgabe der Weltnachrichten! Ich selbst leite seit knapp einem Jahr die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und tue dies mit großer Freude. Ich schätze es, mit einem professionellen Team zusammenzuarbeiten, und danke an dieser Stelle allen Kolleginnen und Kollegen in Österreich und unseren Schwerpunktländern für ihr großes Engagement und ihren Einsatz. Anerkennung und Wertschätzung hier und dort gebühren aber auch den zivilgesellschaftlichen Organisationen und unseren PartnerInnen aus der Wirtschaft und Wissenschaft. Die Austrian Development Agency garantiert, dass öffentliche Gelder dort ankommen, wo sie dringend gebraucht werden. Das gelingt mit ExpertInnen, die die Prozesse kompetent begleiten. Außerdem trägt dazu wesentlich bei, dass wir uns dort engagieren, wo wir über ausgewiesenes Know-how verfügen – etwa in den Bereichen Wasser und Siedlungshygiene, erneuerbare Energien oder (Berufs)Bildung.

inhalt

2

© ADA

editorial

Die ADA gilt als Kompetenzzentrum der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und wickelt Programme und Projekte in gutem Einvernehmen mit dem Außenministerium und teilweise auch anderen Ressorts ab. Wir arbeiten daran, die ADA noch stärker als bisher als Agentur des Bundes zu positionieren. Denn wir haben die Expertise und Erfahrung, um die öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen (ODA) Österreichs wirkungsvoll einzusetzen und so zu einer abgestimmten und einheitlichen Entwicklungspolitik unseres Landes beizutragen. Auf europäischer Ebene haben wir bereits unter Beweis gestellt, dass wir Mittel anderer sinnvoll umsetzen können. Die ADA hat sich bereits 2008 als eine der ersten Entwicklungsagenturen dafür qualifiziert, Projekte für die EU abzuwickeln. Zurzeit leiten wir sieben Programme für die Europäische Kommission mit einem Gesamtvolumen von rund 60 Millionen Euro. Was unser Budget betrifft, bin ich trotz der geplanten Kürzungen zuversichtlich, dass dieses letztlich auch 2015 auf dem Niveau von heuer gehalten werden kann. Trotzdem ist es wichtig, dass wir auch weiterhin auf die Abwicklung sogenannter Drittmittel setzen und engagierte Unternehmen als Partner für unsere Anliegen gewinnen. Denn wenn es uns auch künftig gelingt, die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Kräfte mit ins Boot zu holen, können wir gemeinsam noch viel mehr zusammenbringen. ■

Martin Ledolter Geschäftsführer der Austrian Development Agency


© xxx © ADA/Elisabeth Schimpfössl

Zehn Jahre ADA – ein Grund zum Feiern? 3.000 Projekte mit 900 Millionen Euro abgewickelt – die Austrian Development Agency (ADA) hat bereits viel geleistet. Ein Blick auf die positiven Effekte ihrer Arbeit und die budgetären Herausforderungen.

D

ie Gründung der Austrian Development Agency (ADA), der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, war eine großartige Idee. Davon sind viele entwicklungspolitische ExpertInnen überzeugt. „Es war ein Glücksfall, dass Österreich im Gesetz für Entwicklungszusammenarbeit 2003 die Gründung der ADA festgeschrieben hat. Schon damals hatte Entwicklungszusammenarbeit in der österreichischen Politik nicht oberste Priorität“, betont etwa der Schweizer Unternehmens­ berater und Entwicklungsexperte Bernhard Wenger.

Die Aufbauphase „Die ersten sechs Jahre waren eine intensive Auf- und Ausbauphase“, erinnert sich Robert Zeiner, Leiter der Abteilung Programme und Projekte International der Austrian Development Agency. „Es war Knochenarbeit, die administrativen Rahmenbedingungen für effiziente Entwicklungszusammenarbeit zu schaffen“, erzählt Zeiner. ExpertInnen für Bereiche wie Menschenrechte oder Friedenssicherung wurden an Bord geholt, die Verwaltung der Auslandsbüros und die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen eingegliedert und ein eigener Bereich für das Thema „Wirtschaft und Entwicklung“ eingerichtet. „Wir haben so in der ADA umfassende Expertise gebündelt, gepflegt und ausgebaut“, berichtet Zeiner. Auch das Budget stieg in den ersten Jahren. Dann aber kam die Wirtschaftskrise. „Was danach passiert ist, ist ein Trauerspiel“, bedauert der Schweizer Entwicklungsexperte Bernhard Wenger. Statt der ADA 200 bis 300 Millionen Euro für Projekte und Programme zu geben, wurden die Mittel gekürzt.

Viel erreicht Trotzdem hat die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit in den vergangenen zehn Jahren viel erreicht: Zum Beispiel wurde die Wasserversorgung von mehreren 100.000 Menschen in Uganda sichergestellt, die Berufsausbildung in Burkina Faso wesentlich verbessert und Bhutan beim Ausbau der Stromversorgung unterstützt. „Jährlich wickeln wir rund 550 Projekte und Programme ab und jedes einzelne liegt mir am Herzen“, betont ADA-Geschäftsführer Martin Ledolter. „Die Lebensbedingungen der

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

3


Menschen in unseren Partnerländern zu verbessern ist unser erklärtes Ziel. Das gelingt uns durch unsere Expertise und die gute Zusammenarbeit mit den lokalen Regierungen, aber auch mit der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft“, führt Ledolter aus.

Mehr Programme Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit förderte bisher rund 3.000 Projekte und Programme mit knapp 900 Millionen Euro. „Wir achten natürlich darauf, uns laufend weiterzuentwickeln, und führen daher regelmäßig Evaluierungen durch. Die Ergebnisse nehmen wir sehr ernst und setzen alle Verbesserungsvorschläge um. Einer davon war die Bündelung der Mittel: Wir bauen nun stärker auf Programme anstelle kleinteiliger Einzelprojekte. Von ehemals 56 geografischen und thematischen Programmbereichen haben wir heute nur noch 28. Das verringert den administrativen Aufwand und steigert die Wirksamkeit“, erklärt Robert Zeiner.

Geografische Konzentration Gemäß den Vorgaben der EU hat die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit die Anzahl ihrer Schwerpunktländer reduziert. Von ehemals 17 blieben elf: Burkina Faso, Äthiopien, Uganda, Mosambik, Bhutan, der Kosovo, Albanien, Moldau, die Palästinensischen Gebiete, Armenien und Georgien. Das war auch aus Budgetgründen notwendig. „Wenn man sich nach Jahren der Kooperation aus einem Land zurückzieht, muss das gut geplant und organisiert sein. Das braucht viel Kraft“, berichtet Robert Zeiner. „Gemeinsam mit der Budgetunsicherheit hat das unseren Handlungsspielraum eingeschränkt. Eine Agentur braucht allerdings Luft für kreative Entwicklung. Wir wollen für Partner und Geber attraktiv sein“, erläutert Zeiner. Dass 85 Prozent der öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen (ODA) vom Finanzministerium und anderen Ressorts getragen werden, gebe der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zusätzlich zu denken. „Mittel auch anderer öffentlicher Einrichtungen umzusetzen und damit die ADA als Agentur des Bundes zu etablieren würde deren Stellenwert heben und wäre ein schönes Ziel“, sagt Robert Zeiner.

4

Weltnachrichten | NR. 2 2014

ADA als Agentur des Bundes Immer häufiger wird in den letzten Jahren betont, dass Entwicklungszusammenarbeit Aufgabe der gesamten Bundesregierung sei. Gegen die Idee, die ADA als Agentur des Bundes zu etablieren, scheint wenig zu sprechen. „Wir wickeln ja jetzt schon Mittel anderer Ministerien ab und bemühen uns auch um Gelder anderer Geber – etwa von der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit oder der Europäischen Union“, sagt Zeiner. In Moldau und Uganda zum Beispiel werden große Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsprogramme von der Europäischen Kommission kofinanziert und von der ADA geleitet. Rund 60 Millionen Euro verwaltet die österreichische Entwicklungsagentur zurzeit für die Europäische Kommission. „Drittmittel sind für uns zu einem wichtigen Standbein geworden“, betont Robert Zeiner. Das liege durchaus im Trend, sagt Bernhard Wenger: „Entwicklungsagenturen wie die ADA müssen sich unabhängig von den Steuergeldern zunehmend auf dem Markt bewähren.“ Dass die ADA eine eher kleine Agentur ist, komme ihr dabei durchaus zugute. „Durch unsere relative Kleinheit sind wir gegenüber anderen Gebern sehr flexibel und können rasch reagieren. Trotzdem muss sich die ADA auch administrativ an die neuen Herausforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit anpassen, etwa an die stärkere Orientierung an Resultaten“, ist Margit Scherb, Leiterin des Referates Qualitätssicherung und Wissensmanagement in der ADA, überzeugt.

Ausblick Für die nächsten zehn Jahre wünscht Scherb der ADA mehr Mut, Selbstkritik und Risikobereitschaft. „Die ADA darf internationale Entwicklungen nicht versäumen und muss sich der Frage stellen, wie lange und in welcher Weise Entwicklungszusammenarbeit sinnvoll ist“, sagt Scherb. Ihre Zukunft hänge jedenfalls davon ab, ob Österreich – die Regierung und die Bevölkerung – Entwicklungszusammenarbeit als wichtig erachtet oder nicht. ■ Manuela Gutenbrunner Information und Öffentlichkeitsarbeit in der ADA


capito ist Spezialist für barrierefreie Information. Das capito Gütesiegel kennzeichnet, dass dieser Text gut lesbar und verständlich ist. Wer leichter eine größere Schrift lesen kann, findet diesen Text auch auf dieser Internet-Seite: www.entwicklung.at/publikationen/weltnachrichten/ Dort ist der Text auch barrierefrei für sehbehinderte und blinde Menschen zugänglich.

10 Jahre ADA – ist das ein Grund zum Feiern? In diesem Bericht steht, wie sich die ADA in den letzen 10 Jahren weiterentwickelt hat. In diesem Bericht steht auch, was die Arbeit der ADA Gutes bewirkt hat. In diesem Bericht steht aber auch, wie schwierig die finanzielle Lage ist. Es war eine sehr gute Idee, dass Österreich die ADA gegründet hat. Davon sind viele Expertinnen und Experten überzeugt, die für die Unterstützung von ärmeren Ländern arbeiten. Zum Beispiel hat der Schweizer Experte Bernhard Wenger gesagt: „Es war ein Glücksfall, dass Österreich ein Gesetz gemacht hat, das die Gründung der ADA festgeschrieben hat.

Schon damals war nämlich die Unterstützung von ärmeren Ländern für die österreichischen Politikerinnen und Politiker nicht das Wichtigste.“ Der Aufbau der ADA In den ersten 6 Jahren hat es sehr viel Arbeit gegeben. Zuerst ist die ADA gegründet und aufgebaut worden. Im Laufe der Zeit ist sie dann immer mehr ausgebaut worden. Man hat erst die Möglichkeiten schaffen müssen, damit die ADA gut mit anderen Ländern zusammenarbeiten kann. Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen sind für die Arbeit bei der ADA gewonnen worden. Zum Beispiel Expertinnen und Experten für Menschenrechte oder für die Sicherstellung von Frieden. Weltnachrichten, Nummer 2 im Jahr 2014, Seite 5


Früher hat eine andere Firma die Auslandsbüros betreut. Das macht jetzt die ADA. Die ADA macht jetzt auch die Zusammenarbeit mit Organisationen, die nicht von der Regierung geleitet werden. Von Anfang an dabei war Robert Zeiner. Robert Zeiner ist der Leiter einer Abteilung der ADA. Diese Abteilung entwickelt und betreut Programme und Projekte für ärmere Länder auf der ganzen Welt. Er berichtet: „Wir haben in der ADA Menschen mit sehr viel Wissen und Erfahrung zusammengebracht. In den ersten Jahren haben wir auch immer mehr Geld bekommen. Aber dann ist die Wirtschafts-Krise gekommen.“ Während der Wirtschafts-Krise hat der Staat Österreich in vielen Bereichen gespart. Auch die ADA hat leider weniger Geld bekommen. Die ADA hat viel erreicht Obwohl die ADA weniger Geld bekommen hat, hat sie in den letzten 10 Jahren viel erreichen können. Zum Beispiel: n Im afrikanischen Land Uganda ist die Wasser-Versorgung für mehrere 100.000 Menschen sichergestellt worden

Weltnachrichten, Nummer 2 im Jahr 2014, Seite 6

n I m afrikanischen Land Burkina Faso ist die Berufs-Ausbildung für die Menschen wesentlich verbessert worden n Das asiatische Land Bhutan ist dabei unterstützt worden, dass die Strom-Versorgung ausgebaut wird Insgesamt macht die ADA ungefähr 550 Projekte und Programme pro Jahr für ärmere Länder auf der ganzen Welt. Martin Ledolter ist Geschäftsführer der ADA. Ihm ist jedes einzelne dieser 550 Projekte und Programme wichtig. Er sagt: „Unser Ziel ist es, dass wir die Lebens­bedingungen der Menschen verbessern. Das gelingt uns, weil wir viel Wissen und Erfahrung haben. Wir arbeiten auch gut mit den Regierungen der Länder zusammen, für die wir uns einsetzen. Aber wir arbeiten auch gut mit der Bevölkerung dieser Länder zusammen. Und auch mit der Wirtschaft.“ Größere Programme der ADA Bisher hat Österreich für die Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern ungefähr 3.000 Projekte und Programme unterstützt. Dafür hat es knapp 900 Millionen Euro Förderungen gegeben.


Die ADA achtet darauf, dass sie immer besser arbeitet. Deshalb lässt die ADA immer wieder überprüfen, welche Erfolge ihre Arbeit hat. Die ADA nimmt die Ergebnisse dieser Überprüfungen sehr ernst und setzt alle Verbesserungs-Vorschläge um. Ein Verbesserungs-Vorschlag war, dass man das Geld anders verwendet. Man soll es nicht für viele verschiedene Länder und viele verschiedene Themen verwenden. Man soll Geld besser auf weniger Länder und weniger Themen aufteilen. Dann macht man zwar weniger Projekte, aber für die hat man mehr Geld. Deshalb gibt es nicht mehr so viele kleine Projekte, sondern größere Programme. Früher hat es 56 Bereiche gegeben, in denen die ADA gearbeitet hat. Jetzt gibt es nur mehr 28. Dadurch hat die ADA weniger Aufwand und die Programme werden wirkungsvoller.

Nach diesen Bestimmungen macht Österreich wichtige Programme und Projekte jetzt in weniger Ländern. Das war auch deshalb notwendig, weil es weniger Geld für die Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern gibt. Früher waren es 17 Länder. Jetzt sind es noch 11: n n n n n n n n n n n

B  urkina Faso Äthiopien Uganda Mosambik Bhutan Kosovo Albanien Moldau P  alästinensische Gebiete Armenien Georgien

Wenn man viele Jahre lang mit einem Land zusammenarbeitet, kann man sich nicht einfach von heute auf morgen zurückziehen. Wenn man die Zusammenarbeit beendet, muss das gut geplant werden. Das bedeutet viel Kraft und Aufwand.

Die ADA arbeitet in Zukunft mit weniger Ländern zusammen Es gibt Bestimmungen, wie die Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern durchgeführt werden soll. Diese Bestimmungen kommen von der EU.

Die ADA hat die Zusammenarbeit mit mehreren Ländern beenden müssen. Außerdem war nicht klar, wie viel Geld der ADA für Programme und Projekte zur Verfügung steht.

Weltnachrichten, Nummer 2 im Jahr 2014, Seite 7


Dadurch hat die ADA weniger machen können. Aber eine Agentur wie die ADA muss genug Geld und Möglichkeiten haben, damit sie gut arbeiten kann.

Außerdem bemüht sich die ADA auch um Geld von anderen Geld-Gebern. Zum Beispiel um Geld von der Schweizer Entwicklungs-Zusammenarbeit. Oder um Geld von der EU.

„Wir wollen von unseren Partnern und anderen Geldgebern geschätzt werden“, sagt Robert Zeiner.

Es gibt zum Beispiel große Programme zur Wasser-Versorgung in den Ländern Uganda und Moldau. Zu diesen Programmen zahlt die EU Geld dazu. Aber die ADA leitet diese Programme.

Das meiste Geld für die Unterstützung von ärmeren Ländern kommt vom Finanz-Ministerium und anderen Ministerien. Das ist aber nicht die beste Lösung.

Die ADA arbeitet zurzeit mit ungefähr 60 Millionen Euro, die von der EU kommen.

Die ADA sollte auch Geld von anderen Einrichtungen des Staates bekommen. Sie wäre dann eine Agentur, die für alle Einrichtungen des Staates Österreich arbeiten würde. Das wäre ein schönes Ziel.

Es ist für die ADA inzwischen sehr wichtig, dass sie nicht nur vom österreichischen Staat Geld bekommt, sondern auch von anderen Geld-Gebern.

Die ADA als Agentur des Staates Österreich

Das ist in vielen Ländern durchaus üblich. Agenturen wie die ADA dürfen nicht nur von Steuergeld abhängig sein.

In den letzten Jahren sagen immer mehr Menschen, dass die Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern die Aufgabe der gesamten österreichischen Regierung ist. Die ADA arbeitet ja auch jetzt schon mit Geld von anderen Ministerien. Nicht ausschließlich mit Geld vom Außen-Ministerium.

Weltnachrichten, Nummer 2 im Jahr 2014, Seite 8

Die ADA ist eher eine kleine Agentur. Aber das ist durchaus ein Vorteil. Weil die ADA eher klein ist, kann sie sich schnell an das anpassen, was ein Geld-Geber erwartet. Aber bei der Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern gibt es immer neue Herausforderungen. Die Ziele der Arbeit müssen genauer geplant werden. Die Ergebnisse der Arbeit müssen besser dargestellt werden.


Das ist für die Länder wichtig, mit denen die ADA zusammenarbeitet. Und es ist auch für die Geld-Geber wichtig. Dem muss sich die ADA anpassen. Wie wird die ADA weiterarbeiten? Die ADA muss in den nächsten 10 Jahren mehr Mut haben und auch Selbstkritik zeigen. Die ADA muss mehr Risiko eingehen. Die ADA muss darauf achten, wie sich die Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern weltweit entwickelt oder verändert.

Die ADA muss sich auch fragen, wie lange die Zusammenarbeit mit einem anderen Land sinnvoll ist. Und die ADA muss sich auch fragen, auf welche Art sie mit einem ärmeren Land zusammenarbeitet. Wie es mit der ADA weitergeht, hängt davon ab, ob für Österreich die Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern wichtig ist oder nicht. Damit sind die Regierung und auch die Bevölkerung gemeint.

Wörterbuch ADA

Gesetz

ADA ist eine Abkürzung für einen englischen Begriff. Er heißt Austrian Development Agency. Das spricht man so aus: Ostriän Divelopment Edschensi. Auf Deutsch heißt das: Österreichische Agentur für Entwicklungs-Zusammenarbeit. Die ADA ist in Österreich für die Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern zuständig.

Gesetze sind Regeln, die ein Staat macht. Alle Menschen, die sich in diesem Staat aufhalten, müssen sich an diese Regeln halten. Zum Beispiel gelten die österreichischen Gesetze für alle Menschen, die sich in Österreich aufhalten. Wenn man die Gesetze nicht befolgt, kann man bestraft werden.

EU

Ein Ministerium ist eine Behörde. Das ist eine Einrichtung des Staates. Ministerien sind dafür zuständig, dass bestimmte Aufgaben des Staates für die Bürgerinnen und Bürger erledigt werden. Es gibt verschiedene Ministerien: Das Finanz-Ministerium ist für die Geld-Angelegenheiten des Staates zuständig.

EU ist die Abkürzung für Europäische Union. Union bedeutet Vereinigung. In der EU haben sich viele europäische Länder verpflichtet eng zusammenzuarbeiten. Zum Beispiel arbeiten die EU-Staaten zusammen n beim Verkehr in Europa n bei der Landwirtschaft n bei der Schulbildung und vielen anderen Aufgaben.

Ministerium, Ministerien

Weltnachrichten, Nummer 2 im Jahr 2014, Seite 9


© Felicitas Matern/feelimage.at

© PERTRAMER

© ADA

Herzlichen h c s n u w k c Glü

F

ür viele Österreicherinnen und Österreicher ist die Erinnerung an die internationale Solidarität in der Nachkriegszeit noch lebendig. Heute haben wir die Möglichkeit, uns solidarisch zu zeigen und in Entwicklungsländern die Lebens­ bedingungen zu verbessern. Die Austrian Development Agency hat dazu in den letzten zehn Jahren wesentlich beigetragen. Ich gratuliere sehr herzlich.

D

D

Sebastian Kurz, Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres

Ahmed Shide, Staatssekretär für Finanzen und wirtschaftliche Entwicklung, Demokratische Bundesrepublik Äthiopien

© Roland Schmidt

as Team der ADA hat ein umfassendes Expertenwissen und leistet einen entscheidenden Beitrag für die Entwicklungszusammenarbeit. Das wird in Österreich und international sehr geschätzt – und darauf können wir stolz sein. Ich gratuliere sehr herzlich zum 10. Geburtstag und hoffe, dass wir auch in den kommenden Jahren viel gemeinsam zusammenbringen werden.

ie von der ADA bereitgestellten Mittel helfen Äthiopien dabei, die Millenniums-Entwicklungsziele zu erreichen. Die nachhaltige Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern lässt sich an den vielen Abkommen, die im vergangenen Jahrzehnt geschlossen wurden, ablesen. Ich gratuliere der ADA zu ihrem runden Geburtstag und freue mich auf eine frucht­bare Zusammenarbeit in den kommenden zehn Jahren.

D

as Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte begleitet die ADA seit Jahren in ihrem Bemühen, den Menschenrechten einen gebührenden Stellenwert in der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zu sichern. Das ist mitunter ein schwieriges Unterfangen, aber eine für beide Seiten spannende Kooperation mit konkreten Ergebnissen. Manfred Nowak, wissenschaftlicher Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte

10

© Ministerium

Heinz Fischer Bundespräsident

Weltnachrichten | NR. 2 2014

M

it Unterstützung Österreichs konnte Georgien konkrete Schritte in Richtung nachhaltiges Forst­management setzen. Dass die ADA hier Wissenstransfer als wesentliches Instrument einsetzt, ist unserem Reform­prozess äußerst dienlich. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit unseren österreichischen Partnern und glauben fest an eine erfolgreiche Reform der georgischen Forstwirtschaft. Khatuna Gogaladze, Ministerin für Umwelt und den Schutz der natürlichen Ressourcen, Georgien


D

© Ulrich Eigner

© MEF

Lucien Marie Noël Bembamba, Minister für Wirtschaft und Finanzen, Burkina Faso

© SÜDWIND

er Austrian Development Agency gelang es, den österreichischen Einsatzbereichen in Burkina Faso eine echte und innovative Dynamik zu geben. Und sie konnte zur Selbstverwirklichung benachteiligter Bevölkerungsgruppen beitragen. Für die kontinuierliche und relevante Unterstützung möchte ich mich bei der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit bedanken und das Führungsteam der ADA zu seiner guten Arbeit beglückwünschen. Ne y taabo! (Das ist Mooré und bedeutet auf Deutsch so viel wie: Alles Gute zum Geburtstag! Anm. der Redaktion)

H lles Gute zum 10. Geburtstag! Im letzten Jahrzehnt sind wir gemeinsam gewachsen und haben für die Rechte von Menschen mit Behinderungen vieles erreicht. Unser Wunsch für die Zukunft: Die ADA bleibt – trotz schwieriger Rahmenbedingungen – ein verlässlicher Partner.

appy Birthday! Die Südwind Agentur setzt sich seit 35 Jahren für eine gerechte globale Entwicklung ein. Seit zehn Jahren sind wir mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Bildung aktiv, publizieren das Südwind-Magazin und informieren Öffentlichkeit und Medien. Wir wünschen der ADA ein gutes Fortschreiten und freuen uns auf eine weitere Stärkung der entwicklungspolitischen Kommunikation und Bildung in Österreich!

Rupert Roniger, Geschäftsführer von Licht für die Welt

Elfriede Schachner, Geschäftsführerin von Südwind Agentur

S

eit sieben Jahren unterstützt die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit das CARE-Programm zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen in Norduganda. Um nachhaltige Entwicklung zu bewirken, bedarf es langjähriger, aufeinander abgestimmter Zusammenarbeit. Die ADA ist ein verlässlicher Partner und sichert unsere kontinuierliche Arbeit. Das hat bemerkenswerte Fortschritte im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt ermöglicht.

© Foto Wilke/AUSSENWIRTSCHAFT

© CARE

A

Z

ehn Jahre Austrian Development Agency stehen auch für zehn Jahre Wirtschaft und Entwicklung. Wir gratulieren der ADA zu ihrem anhaltenden Engagement zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und zur Stärkung des Privatsektors in den Partnerländern. Durch die Einbeziehung österreichischer Unternehmen werden innovative Projekte realisiert und gewinnbringende Partnerschaften aufgebaut. Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Austria, Wirtschaftskammer Österreich

James Bot, Landesdirektor, CARE Uganda

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

11


© UN Photo/Paulo Filgueiras

„ADA-gio“ – im Konzert der internationalen Geber Über die Rolle der Austrian Development Agency (ADA) in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Eine Analyse von Michael Obrovsky, Leiter des Bereichs Wissenschaft & Forschung der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE).

D

ie Austrian Development Agency (ADA) ist eine relativ junge und kleine Entwicklungsagentur. Ihre Rolle und ihr Handlungsspielraum im Konzert der internationalen Entwicklungszusammenarbeit werden von der nationalen Außen- und Entwicklungspolitik bestimmt und können als eher ruhig, aber bestimmt definiert werden. Für ein „allegro“ fehlen der ADA die Budgetmittel.

Vereinten Nationen (UN) nicht nur politisch, sondern auch finanziell zu unterstützen. Die Einrichtung einer Entwicklungsagentur nach europäischem Muster, die flexibel und professionell die zusätzlich bereitgestellten Budgetmittel verwaltet, kann als Neustart der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit vor allem innerhalb der EU-Entwicklungspolitik interpretiert werden.

ADA als entwicklungspolitischer Neustart

Im Fahrwasser internationaler Aufbruchsstimmung

Die Gründung der ADA war eine Antwort auf den Beschluss des Europäischen Rates von Barcelona, bis zum Jahr 2006 die öffentlichen Entwicklungshilfeleistungen (ODA) auf mindestens 0,33 Prozent des Bruttonationaleinkommens zu erhöhen. Die personelle und institutionelle Stärkung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit folgte der politischen Logik, die gemeinsame EU-Entwicklungspolitik umzusetzen, sowie der Verpflichtung der Mitgliedsländer zum finanziellen Lastenausgleich. Damit gab die österreichische Bundesregierung ein deutliches Bekenntnis ab, die Erreichung der im Jahr 2000 beschlossenen Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) der

Die internationale Aufbruchsstimmung, die Probleme der Welt im neuen Millennium gemeinsam anzugehen, wurde mit dem Beschluss der MDGs eingeläutet. Anschließend folgten die UN-Konferenz zur Finanzierung der Entwicklung in Monterrey (2002), der Umsetzungsplan des Weltgipfeltreffens zur nachhaltigen Entwicklung in Johannesburg (2002) sowie die Erklärung von Rom (2003) zur Harmonisierung der Geberpolitiken und Verfahren. Österreich gab bei allen Gipfeltreffen und internationalen Konferenzen ein Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit ab. Mit der ADA wurde eine Institution geschaffen, mit der die internationalen politischen Zielsetzungen besser realisiert werden sollten.

12

Weltnachrichten | NR. 2 2014


Herausforderung „Neue Entwicklungsarchitektur“ Die Herausforderungen der sogenannten „Neuen Entwicklungsarchitektur“ starteten mit der Pariser Erklärung zur Steigerung der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 2005. Sie betreffen die ADA unmittelbar, da es dabei sowohl um Optimierungsprozesse bei der praktischen Durchführung der Programme und Projekte als auch um die Messung der Erfolge mithilfe von Indikatoren geht. Daneben stehen Fragen der gegenseitigen Rechenschaftspflicht im Zentrum, die vor allem bei den beiden internationalen High Level Meetings zur Überprüfung der Fortschritte der Umsetzung der Pariser Erklärung in Accra (2008) und Busan (2011) diskutiert wurden. Der Post-2015-Diskurs, der sich mit der Zusammenführung der 2015 auslaufenden MDGs und der neu formulierten Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) in der Zeit nach 2015 beschäftigt, ist bereits angelaufen. Er wird vor allem von den entwicklungspolitischen Denkfabriken und Ministerien der führenden Geberländer im Rahmen der UN und von der EU-Kommission vorbereitet.

Zwischen internationalen und nationalen Zielen Für eine im europäischen Vergleich kleine Agentur wie die ADA bestehen wesentliche Herausforderungen darin, mit dem internationalen entwicklungspolitischen Diskurs sowohl seitens der Geber als auch vor Ort Schritt zu halten. Die ADA muss außerdem die Relevanz der Diskussionen für die österreichische Entwicklungspolitik realistisch einschätzen und mit den widersprüchlichen Vorgaben anderer Politikbereiche in Einklang bringen.

Nationale politische Interessen wie etwa die Sichtbarkeit Österreichs in der Welt, die Verknüpfung von Entwicklungs­ zusammenarbeit mit Wirtschaftsförderung oder die Abwicklung der Projekte über österreichische Firmen und Nichtregierungsorganisationen stehen vielfach in Widerspruch zu internationalen politischen Zielsetzungen wie der Stärkung von Budgethilfe oder der Beauftragung lokaler Firmen.

Kosten-Nutzen-Rechnung Die Debatte um die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit darf dabei den Blick auf die politischen Dimensionen und Ursachen von Entwicklung nicht verstellen, die Kosten der Geberharmonisierung dürfen nicht übersehen werden. Die Suppe darf also nicht mehr als das Fleisch kosten. Oder anders formuliert: Die Kosten für die Vorbereitung, Durchführung und Messung des Erfolgs eines Projektes dürfen nicht höher sein, als die Mittel die dafür im Sinne der Armutsminderung eingesetzt werden. Vor dem Hintergrund der Diskussion über Effektivität und Effizienz muss daher auch die Frage gestellt werden, ab welchem verfügbaren Budget eine nationale Entwicklungsagentur sinnvoll ist oder ob nicht als Fortsetzung eines Gemeinsamen Auswärtigen Dienstes eine europäische Entwicklungsagentur mit österreichischer Beteiligung wirkungsvoller wäre. Möchte die Bundesregierung eine größere außen- und entwicklungspolitische Rolle oder „più mosso“ spielen – um beim musikalischen Vergleich zu bleiben –, bedarf es vor allem eines entwicklungspolitischen „fortissimo“ beim Budget für die ADA, um deren internationalen Handlungsspielraum und die Sichtbarkeit Österreichs im globalen Süden zu stärken. ■

© ADA

Sorgen für Aufschwung in der globalen Partnerschaft: (v.l.n.r.) Robert Zeiner (ADA, Österreich), Martin Dahinden (DEZA, Schweiz), Joe Costello (Minister für Handel und Entwicklung, Irland), Eneas Comiche (Parlamentsabgeordneter, Mosambik), Henrique Banze (Vizeaußenminister, Mosambik), Ruairi de Burca (Botschafter Irlands in Mosambik)

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

13


Die ADA als Agentur des Bundes Projekte und Programme im Auftrag anderer Ministerien und PartnerInnen durchzuführen, auch das zählt zu den Aufgaben der Austrian Development Agency (ADA). Damit trägt die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit dazu bei, dass die österreichischen Entwicklungshilfeleistungen (ODA) abgestimmt umgesetzt werden.

Projekte sinnvoll ergänzen „Umweltprobleme treffen die arme Bevölkerung in Entwicklungsländern besonders hart. Umgekehrt tragen Umwelt- und Klimaschutz zu besseren Lebensbedingungen bei und schaffen Arbeitsplätze“, erklärt Elfriede More, Abteilungsleiterin für internationale Umweltangelegenheiten des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich. „Wir arbeiten seit Jahren erfolgreich mit der ADA zusammen und schätzen, dass diese bei der Auswahl der Projekte auf ihre langjährige Erfahrung zurückgreifen kann“, betont More. Außerdem bemüht sich die ADA, Projekte zu identifizieren, die die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit in den jeweiligen Ländern hervorragend ergänzen. In Moldau etwa unterstützt sie das Land gemeinsam mit dem Ministerium für ein lebenswertes Österreich dabei, Strategien für den Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels zu finden und dafür notwendige Wetter- und Klimadaten zu erheben. Die Ergebnisse sind auch für die Planung der Wasserversorgung des Landes wichtig, die ebenfalls von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt wird.

Umweltschutzprojekte der ADA werden zum Teil vom Ministerium für ein lebenswertes Österreich finanziert.

14

Weltnachrichten | NR. 2 2014

Wirksamkeit erhöhen „Solche Synergien erhöhen die Wirksamkeit der einge­­setzten Mittel und werden nicht nur vom moldauischen Umweltministerium geschätzt“, führt ADA-Geschäftsführer Martin Ledolter aus. „Die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für ein lebenswertes Österreich ist nur ein Beispiel für unsere Bemühungen, Mittel anderer Ressorts abzuwickeln“, sagt Ledolter. Das Finanzministerium etwa wird von der ADA seit 2006 bei der Abwicklung von jährlich 1,8 Millionen Euro für internationale landwirtschaftliche Forschung unterstützt. Österreich ist Mitglied der Consultative Group on International Agricultural Research und will eine sozial inklusive und ökologisch nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklung fördern. „Die Forschungsergebnisse sollen für die Bäuerinnen und Bauern unmittelbar nutzbar sein“, berichtet Ledolter. Weitere Beispiele sind die Kooperation mit dem Bundes­ ministerium für Landesverteidigung und Sport in der Friedenssicherung und die Zusammenarbeit der ADA mit der Oesterreichischen Entwicklungsbank, dem Bundesministerium für Wissen­schaft, Forschung und Wirtschaft und der Wirtschaftskammer Österreich im Bereich „Wirtschaft und Entwicklung“. ■

Sandra Wibmer Expertin für Umwelt und natürliche Ressourcen in der ADA

© UN Moldova

A

bholzungen in Uganda zu stoppen, BäuerInnen in Burkina Faso dabei zu unterstützen, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen, oder mitzuhelfen, die Klimapolitik des Kosovo zu planen – all das sind Ziele von Projekten und Programmen, die im Rahmen der internationalen Klimafinanzierung durch­ geführt werden. Dafür wurde die Austrian Development Agency 2013 vom damaligen Lebensministerium mit der Abwicklung von knapp 7,7 Millionen Euro betraut.


© Steffi Dittrich

Ke nako Afrika – Afrika jetzt! Geht es um Afrika, haben noch immer viele Menschen Stereotypen im Kopf. Ein vielfältiges Bild von Afrika zu zeichnen, darum ging es bei „Ke Nako Afrika – Afrika jetzt!“, einer Initiative, die 2010 mit dem Staatspreis für PR ausgezeichnet wurde.

H

euer steht Brasilien im Zentrum der Aufmerksamkeit der Fußballwelt. Vor vier Jahren war es Südafrika. Damals wie heute nutzt die österreichische Zivilgesellschaft die Begeisterung und das Medieninteresse rund um die wichtigste Nebensache der Welt dafür, einen kritischen Blick hinter die jubelnde Menge zu werfen. Dieses Jahr unter dem Motto „Nosso Jogo – unser Spiel“; 2010 konnte die Initiative „Ke Nako Afrika – Afrika jetzt!“ beeindruckende Erfolge verbuchen: Fast 200.000 Menschen besuchten in ganz Österreich 300 Ke Nako-Veranstaltungen, die von 400 MusikerInnen und KünstlerInnen bespielt wurden. Die gemeinsame Imagekampagne der Austrian Development Agency, des Wiener Instituts für internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC) und der damals neu gegründeten Afrika Vernetzungsplattform (AVP) funktionierte und wurde mit dem Staatspreis für Public Relations ausgezeichnet.

Nie über mich ohne mich „Wer etwas für mich ohne mich tut, ist gegen mich!“ Frei nach diesem Motto verfolgte Ke Nako Afrika das Ziel, unter Einbeziehung der afrikanischen Communities in Österreich Vorurteile abzubauen. „Unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen kamen in teils kontroversiell geführten Dialogen zu Wort, wobei im Rahmen der Aktionen stets Sensibilität im Umgang mit Menschen aus verschiede-

nen Kulturkreisen im Vordergrund stand“, begründete die Jury die Vergabe des Staatspreises an die Initiative. Das Medienecho war angesichts der gesteigerten Aufmerksamkeit durch die Fußball-WM in Südafrika überwältigend. So konnten Menschen erreicht werden, die sich sonst wenig für Afrika interessieren.

Kampagne mit Folgewirkung Eine weitere Besonderheit der Initiative war, dass afrikanische Organisationen durch die AVP in ihrer Arbeit bestärkt wurden und das Vertrauen von Projektpartnern gewinnen konnten. Der Dialog zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Institutionen der Mehrheitsgesellschaft und den afrikanischen Communities hat sich intensiviert. Zentrale Themen sind die Lebenssituationen von Menschen afrikanischer Herkunft in Österreich und der Kontinent Afrika in einem vollständigeren Bild. MeinungsbildnerInnen wird das Potenzial der vielfältigen Initiativen von AfrikanerInnen in Österreich nähergebracht und die Öffentlichkeit über deren Lebenswirklichkeit informiert.

Der Weg ist noch lang Auch wenn keine Fußball-WM hilft, den Blick auf Afrika zu lenken, gelingt es der Afrikanischen Vernetzungsplattform, Aufmerksamkeit zu bekommen. Im Herbst 2013 fand etwa bundesweit die Aktion „24 Stunden in Afrika“ statt. In Kooperation mit anderen Organisationen bemüht sich die AVP, mit Diskussionen und anderen Veranstaltungen die Integration des Engagements der afrikanischen Diaspora in die österreichische Entwicklungspolitik zu fördern. Das Wissen und Können der in Österreich lebenden AfrikanerInnen ist eine enorme Ressource, die nicht vernachlässigt werden sollte. ■ Alexis Neuberg Obmann der Afrika Vernetzungsplattform (AVP)

www.afrikaplattform.at, www.vidc.org, www.entwicklung.at

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

15


Team in Mo ld

Team in Serbien

Team im

Kosovo

Unsere Auslandsbüros 62 MitarbeiterInnen in elf Büros engagieren sich in unseren Partnerländern für die Österreichische Entwicklungs­ zusammenarbeit. Das Team in Serbien wickelt ausschließlich Mittel der EU ab.

Team in Albanien

Team in Burkina Faso

16

Weltnachrichten | NR. 2 2014

Team in Uganda

au


Team in

Georgie

n

Team in

B h u ta n

n in de sischen m a e n T e stin Palä ten ie Geb

Team in

Team in Mosa mbik

Äthiopie

n

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

17


Von Bussen und Budgets Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu fördern, dazu hat sich auch Albanien verpflichtet. Aber wie sieht Geschlechtergerechtigkeit in der Praxis aus und was haben öffentliche Budgets damit zu tun? Eine Analyse von Dolly Wittberger, Gender-Expertin im Auslandsbüro der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Tirana.

Erfolgreiche Überzeugungsarbeit Viele VertreterInnen des Gemeinderates sahen die geschlechtergerechte Budgetvergabe anfangs kritisch. Nach dem Pilotprojekt, das von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert wurde, erkennen sie jedoch den Mehrwert für die gesamte Gemeinde. Das Verständnis für Frauenfragen und Geschlechtergerechtigkeit hat sich definitiv verbessert. Die Interaktion zwischen politischen VetreterInnen und BürgerInnen ebenso.

Genderbudgeting auf Landesebene Aber nicht nur auf lokaler, sondern auch auf nationaler Ebene hat geschlechtergerechte Budgetierung wichtige gesellschafts- und entwicklungspolitische Auswirkungen. 2012 lernten albanische RegierungsvertreterInnen auf einer Studienreise die in Österreich angewandte gendergerechte Budgetierung kennen und initiierten anschließend mit Begeisterung erste Schritte zur Umsetzung in Albanien. Mimoza Dhembi, Leiterin der Budget­abteilung im Finanzministerium, ist stolz auf die neue Gestaltung des Budget­prozesses: „Wir haben den geschlechtergerechten Ansatz in zwei Ministerien getestet und sehr gute Ergebnisse erzielt. Heuer werden sechs weitere Ministerien entsprechende

18

Weltnachrichten | NR. 2 2014

Budgetanalysen durchführen“, berichtet sie. Österreich unterstützt Albanien auf diesem Weg mit Know-how und Trainings, um Gender-Expertise in den Institutionen aufzubauen.

Nur Geld macht’s möglich „Was nicht im Budget steht, passiert auch nicht. Das gilt ganz besonders für die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Daher ist geschlechtergerechtes Budgetieren ein effektives Instrument, um internationale Konventionen zur Gleich­­stellung einhalten zu können“, bringt Astrid Wein, Leiterin des Auslandsbüros der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Tirana, die Wichtigkeit von Genderbudgeting auf den Punkt. ■

MitarbeiterInnen der Organisation Change Centre machen in der Stadt Vlora auf die Bedeutung von Gleichberechtigung aufmerksam. © Change Centre Vlora

I

n der Hafenstadt Vlora im Süden Albaniens haben BürgerInnen aktiv an der Erstellung des Budgets für 2014 teilgenommen. Ziel war, die Vergabe der Mittel für Männer und Frauen gleichermaßen gerecht zu gestalten. Die Analyse des öffentlichen Verkehrsnetzes brachte die Erkenntnis, dass Männer mit dem Auto fahren und Frauen auf Busse angewiesen sind. Wenn das Bus-System unkoordiniert ist und manche Stadtteile gar keine Anbindung haben, bleibt den Frauen nur die Alternative, zu Fuß zu gehen. Um diese Benachteiligung zu beseitigen, entschloss sich die Stadtverwaltung nach der geschlechtergerechten Analyse des Budgets, das öffentliche Verkehrssystem zu verbessern. Frauen sparen Zeit, fühlen sich auf ihrem Heimweg sicherer und entschließen sich eher, einen Job anzunehmen, wenn sie eine Transportmöglichkeit haben. Gerade die finanzielle Unabhängigkeit, die sie dadurch erreichen, leistet einen wichtigen Beitrag zu ihrer Gleichstellung in der albanischen Gesellschaft.


© Royal Media Office

Österreich stärkt ein unabhängiges Justizwesen in Bhutan: Vor Kurzem wurde der neue Gerichtshof im Bezirk Trongsa in Anwesenheit der Königin Jetsun Pema Wangchuck eingeweiht.

Bhutan: mehr Wirtschaft, weniger Hilfe Bhutan und Österreich feiern heuer 25 Jahre diplomatische Beziehungen und bilaterale Entwicklungszusammenarbeit. Der bhutanische Journalist Needrup Zangpo spricht für die Weltnachrichten mit Dasho Sonam Tshering, Staatssekretär im bhutanischen Wirtschaftsministerium, über Erfolge und Herausforderungen der Zusammenarbeit. Weltnachrichten: Was konnte die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit mit Bhutan zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Königreich beitragen? Dasho Sonam Tshering: Ich kann mit Sicherheit behaupten, dass wir mit Unterstützung Österreichs ein gutes Stück vorangekommen sind – in wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch was die Armutsminderung betrifft. Das zeigt sich am besten am Ausbau der Wasserkraft: Das Kraftwerk Rangjung wurde Mitte der 1990er-Jahre zur Gänze mit österreichischer Förderung errichtet. Der erfolgreiche Bau der Oberstufe von Basochhu konnte bereits mit einer Kombination aus Förderungen und zinslosen Darlehen bewältigt werden, die Unter­ stufe des Kraftwerks war bereits zu 100 Prozent mit einem günstigen österreichischen Darlehen finanziert und die Finanzierung des derzeit laufenden Kraftwerksprojekts in Dagachhu ist komplett kommerziell aufgestellt. Wenn heute Besucher kommen, die unsere Wasserkraftwerke ansehen wollen, schicke ich sie noch immer nach Basochhu. Das ist wirklich moderne Technologie aus Österreich! Der Wissenstransfer an unsere lokalen Ingenieure war enorm. So sollten Entwicklungspartnerschaften funktionieren: Vom Krabbeln über Gehversuche zum sicheren Stand auf eigenen Füßen. Weltnachrichten: Abgesehen vom Energiesektor – wo ist die Zusammenarbeit des Landes mit Österreich noch sichtbar?

© Needrup Zangpo

Staatssekretär Dasho Sonam Tshering schätzt die lang­ jährige Zusammenarbeit mit Österreich sehr.

Dasho Sonam Tshering: Neben der Energieversorgung ist die österreichische Unterstützung im Tourismussektor sehr sichtbar. Eine unserer größten Herausforderungen ist die mangelnde Diversifizierung unserer Wirtschaft. Da bietet der Tourismus vielfältige Chancen und Einkommensmöglichkeiten: zum Beispiel für Reiseveranstalter, für Produzenten von Kunsthandwerk, für die Hotelindustrie, den Transportsektor und dergleichen mehr. Im Tourismusbereich folgen wir mit österreichischem Know-how unserer eigenen Philosophie: hohe Qualität gepaart mit Sozial- und Umweltverträglichkeit und im Einklang mit den Werten des Bruttonationalglücks. Weltnachrichten: Bhutan will bis 2020 ein Land mittleren Einkommens werden. Welche Herausforderungen auf diesem Weg sind am größten? Dasho Sonam Tshering: Wir haben in den vergangenen 60 Jahren große Fortschritte gemacht. Heute können wir mit den erwirtschafteten Einnahmen die laufenden Ausgaben der Regierung decken. Diesen Entwicklungsstand gilt es jedenfalls aufrechtzuerhalten. Und wir müssen dafür sorgen, dass unsere weitere Entwicklung sozial ausgewogen ist und alle erreicht. Inklusives Wachstum ist also die größte Herausforderung. In der nächsten Phase müssen wir von geberfinanziertem zu privatwirtschaftlich finanziertem Wachstum übergehen. Dafür muss etwa eine adäquate Infrastruktur vorhanden sein, erst dann sind privatwirtschaftliche Investitionen möglich. ■

AUSTRIA – BHUTAN

YEARS OF PARTNERSHIP

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

19


Entwicklungssprung im äthiopischen Hochland Das Landwirtschaftsprogramm in Nord-Gondar in Äthiopien hat echte Fortschritte gemacht. Wie der Walia Ibex, ein Steinbock der Region, hat es sich im Lauf der Jahre an Land und Leute angepasst und sich mit ihnen und für sie weiterentwickelt.

D

ie Luft im äthiopischen Hochland ist dünn. Dass auf über 3.000 Metern Seehöhe auch die landwirtschaftlichen Flächen knapp werden, ist eine zusätzliche Herausforderung für die KleinbäuerInnen der Region. Immer mehr Junge bleiben ohne Land und Einkommen. Alternativen werden gesucht, Bayleyegn Asmamawe hat eine gefunden. „Ich habe mit ein paar Bienenstöcken angefangen. Heute habe ich 70 und ernte mit meiner Frau rund 300 Kilo Honig im Jahr. Das bringt uns 850 Euro“, berichtet der landlose Bauernsohn stolz. Geschafft hat er das durch ein Training, das im Programm für ländliche Entwicklung der regionalen Behörde in Nord-Gondar angeboten und von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt wird. Mittlerweile hält er auf Einladung der lokalen Landwirtschaftsbehörde selbst immer wieder Imker-Kurse ab.

„Das Überleben der ländlichen Bevölkerung hängt von der nachhaltigen Nutzung und vom Erhalt der natürlichen Ressourcen ab“, erklärt Tekeba Tebabal, ehemaliger Leiter der Landwirtschaftsbehörde von Nord-Gondar. Das hätten die BäuerInnen mittlerweile auch begriffen und dazu leiste die österreichische Unterstützung einen wesentlichen Beitrag, sagt Tekeba. Außerdem sei der Naturschutz wichtig, um die Artenvielfalt und damit die Attraktion des Nationalparks zu erhalten. Rund 17.000 Trekkingtouristen aus aller Welt kamen im Vorjahr in die Semien Moutains, um die beeindruckende Bergwelt zu genießen, die berühmten Gelada-Paviane zu sehen und einen Blick auf den Walia Ibex, einen nur hier lebenden Steinbock, zu erhaschen.

Tiere züchten

Auch wenn in Nord-Gondar noch viel zu tun ist, gibt es Hoffnung, dass die Zeiten akuter Not für die meisten BäuerInnen vorbei sind.

Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit begann in den späten 1990er-Jahren, einzelne KleinbäuerInnen in Nord-Gondar zu unterstützen und für den Erhalt des Nationalparks Semien Mountains zu sorgen. Über die praktische Arbeit in der Viehzucht, Tiermedizin und Landwirtschaft wurde Vertrauen zu den BäuerInnen aufgebaut und das Projekt weiterentwickelt. Mittlerweile leitet die regionale Landwirtschaftsbehörde das Programm für die ländliche Entwicklung der Region selbst. Bisher konnten rund 250.000 Menschen unterstützt werden. Rund 20 Millionen Euro wurden investiert, um die Viehzucht zu verbessern, die Milchproduktion zu stärken, neue Einkommensquellen wie etwa die Imkerei oder den Obstanbau zu f��rdern und die Infrastruktur und das Management des Nationalparks auszubauen.

Dereje Kebede Referent für ländliche Entwicklung im Auslandsbüro der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Addis Abeba

Bayleyegn Asmamawe, Imker aus Nord-Gondar, hat durch den Verkauf von Honig ein sicheres Einkommen.

Landschaft schützen

20

Weltnachrichten | NR. 2 2014

© ADA/Kebede Dereje

Der Lebensraum im Hochland Äthiopiens ist gegenüber äußeren Einflüssen sehr anfällig. Trockenperioden, aber auch Überbewirtschaftung führen zu Erosion. Aufforstung, die Stilllegung von Nutzflächen und ähnliche Maßnahmen sollen hier entgegenwirken.


Westafrika in Richtung Energiewende Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) hat viel vor: 300 Millionen Ein­ wohnerInnen der Region sollen Zugang zu sauberer Energie erhalten. Wie das gehen soll? Durch die Nutzung vorhandener Potenziale und die Steigerung der Energieeffizienz.

Energie als Entwicklungsmotor Für 300 Millionen WestafrikanerInnen soll sich das nun ändern. Denn der Zugang zu Energie erleichtert nicht nur den Alltag, sondern ist auch ein kräftiger Entwicklungsmotor. Moderne Kochmöglichkeiten, Energie für Bildungseinrichtungen, Handel oder Telekommunikation bringen mehr Lebensqualität in die Dörfer und vermindern Migration in die Städte.

Ambitionierte Ziele Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) hat sich der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien verschrieben. Dafür gibt es in der Region enormes Potenzial. Bis 2030 soll der Anteil an Strom aus erneuerbaren Quellen auf 48 Prozent gesteigert werden. Eine große Herausforderung, denn bis dahin wird sich die Bevölkerung Westafrikas verdoppelt haben. Derzeit gehen durch Übertragungsverluste bis zu 40 Prozent der Energie im Stromnetz verloren. Außerdem werden die Leitungen häufig illegal angezapft. Auch die Energieeffizienz soll daher gesteigert werden.

Kap Verde, das mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und anderer Geber 2010 seinen Betrieb aufnahm. ECREEE hilft den Energieministerien und anderen Akteuren der 15 ECOWAS-Staaten etwa bei der Entwicklung von Politiken, beim Aufbau von Kompetenzen, bei Bewusstseinsbildung und der Entwicklung von Projekten zur Verbreitung erneuerbarer Energien wie zum Beispiel Kleinwasserkraft. „ECREEE hat sich zu einem Kompetenzzentrum entwickelt, das auch außerhalb unserer Region anerkannt ist. Darauf können wir stolz sein“, freut sich ECOWAS-Kommissionspräsident Kadré Désiré Ouédraogo. Der Erfolg gibt ihm Recht: Seit 2010 konnten zahlreiche Projekte umgesetzt werden. Als Meilenstein gilt der Beschluss regionaler Politiken zur Nutzung erneuerbarer Energien und für höhere Energieeffizienz 2013 durch alle westafrikanischen Staatsoberhäupter. Als Folge davon sollen noch heuer Aktionspläne für alle Länder Westafrikas entwickelt werden. Damit ist das Fundament für eine nachhaltigere Energieversorgung der Region gelegt. Nun bauen auch die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) und die Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC) ähnliche Zentren auf. Österreich und die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) unterstützen die Staaten dabei. Profitieren werden davon die EinwohnerInnen von 34 afrikanischen Ländern. ■ Hannes Bauer wurde von der ADA als Energieexperte in das Zentrum für erneuerbare Energie und Energieeffizienz (ECREEE) mit Sitz in Praia, Kap Verde, entsandt.

Verbrauch fossiler Energie (% der Gesamtenergie) 90 %

80 %

70 %

Österreich

60 % Senegal 50 % Benin

40 %

Ghana

30 %

20 %

Zentrum mit Modellcharakter Vorangetrieben wird die Energiewende in Westafrika vom Regionalzentrum für erneuerbare Energie und Energieeffizienz (ECREEE) auf

Quelle: Weltbank 2014

W

enn es Abend wird in Westafrika, legt sich beharrliche Dunkelheit über weite Landstriche der Region. Mancherorts haben gut 80 Prozent der Bevölkerung keinen Strom. Um kochen zu können, müssen die meisten Menschen Sammelholz, Dung oder Holzkohle verwenden. Das wirkt sich gleichermaßen dramatisch auf Gesundheit und Umwelt aus. Vor allem Frauen und Kinder leiden unter den Rauchgasen. Wälder werden gerodet, die Folge ist Erosion.

Nigeria Togo

10 %

0%

1970

1975

1980

1985

1990

1995

2000

2005

2010

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

21


© ADA/Heidi Liedler-Frank

Praia, Hauptstadt von Kap Verde: Raumplanung sichert Lebensqualität in einer rasch wachsenden Stadt.

Kap Verde – Inselwelt im Aufwind Planung ist das halbe Leben, so ließe sich in Anlehnung an ein Sprichwort die Bedeutung von Raumordnung und Flächenwidmung für nachhaltige Entwicklung auf den Punkt bringen. Auf Kap Verde leistete die Österreichische Entwicklungs­ zusammenarbeit dazu einen beachtlichen Beitrag.

A

ls Kap Verde im Jahr 2010 den Schritt von einem Entwicklungsland zu einem Land mittleren Einkommens schaffte, verfügte der Inselstaat über ein modernes Raumordnungsgesetz, eine flächendeckende Widmungsplanung und Institutionen mit der fachlichen Kompetenz, die Raumordnung selbstständig zu gestalten. Das war nicht immer so: Anfang der 1990er-Jahre wurde Kap Verde durch die Rückflüsse der MigrantInnen und die Integration in den globalen Immobilien- und Tourismusmarkt zum Schauplatz eines dynamischen Umbaus. Flughäfen und Straßen wurden errichtet, riesige Hotelkomplexe entstanden und die Urbanisierung setzte ein. Das zeigte sich nicht nur im unkontrollierten Wachstum der Städte, sondern auch in einem erhöhten Verkehrsaufkommen.

den Planungsbüros aufgebaut, anschließend Entwicklungsund Flächenwidmungspläne erarbeitet. Parallel dazu machte man sich an die Festlegung gesetzlicher Standards und betrieb Planungsaufgaben auf nationaler Ebene, zum Beispiel die Ausweisung von Naturschutzgebieten. „Der gesamte Prozess war für uns enorm wichtig. Denn Raumplanung erlaubt die demokratische und nachhaltige Nutzung des Landes und sichert den Bürgerinnen und Bürgern grundlegende Rechte wie das Recht auf Siedlungsnutzung und eine intakte Umwelt”, unterstreicht Jeiza Barbosa Tavares, Direktorin für Städtebau und Raumordnung im kapverdischen Planungsministerium, die Bedeutung von geregelter Raumplanung für Land und Leute.

Wildwuchs stoppen

Interessen vereinen

Dass diesem Wildwuchs nur mit vorausschauender Planung beizukommen war, lag auf der Hand. Wo dürfen welche Gebäude errichtet werden? Wo befinden sich Siedlungsräume? Wo gibt es Ackerland, wo Naturschutzgebiete? Die Antworten auf solche Fragen sind für ein sicheres Zusammenleben enorm wichtig, der Generaldirektion für Raumordnung fehlten dafür jedoch die Kompetenzen.

Eine zentrale Herausforderung bestand darin, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Die Ausarbeitung der Pläne wurde daher von einem Diskussionsprozess begleitet. Bedürfnisse, Meinungen und Wünsche der zuständigen Institutionen und der Bevölkerung wurden erhoben, die Pläne entsprechend angepasst. Im Lauf dieses Prozesses entstand ein neues Regelwerk für Raumordnung, das letztlich vom Parlament verabschiedet wurde. Heute ist Raumordnung auf Kap Verde fester Bestandteil der täglichen Praxis. Und das ist gut so: Denn der Druck auf die Siedlungsräume und das Ökosystem ist weiterhin groß. ■

Weitsichtig planen Die politischen EntscheidungsträgerInnen erkannten dieses Defizit und gingen daran, Abhilfe zu schaffen: Mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit wurden gemeinsam mit einzelnen Gemeinden der Hauptinsel Santiago sowie mit der Generaldirektion für Raumordnung Methoden der Planung entwickelt, die der eigenwilligen territorialen Realität des Inselstaates gerecht werden sollten. Zunächst wurden in den Gemein-

22

Weltnachrichten | NR. 2 2014

Der Architekt Johannes Fiedler koordinierte für die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit von 2003 bis 2011 die Raumplanungsprojekte auf Kap Verde.


Hochschule für kulturelle Vielfalt Mehr als 20 Jahre unterstützte die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit die Universität der Autonomen Karibikregionen Nicaraguas (URACCAN). Mit Erfolg: Die multi-ethnische Uni genießt weithin einen guten Ruf und ist heute eine etablierte und staatlich anerkannte akademische Einrichtung.

W

enn Robert Zeiner, Leiter der Abteilung Programme und Projekte International der Austrian Development Agency, von URACCAN spricht, gerät er ins Schwärmen. „Mit der Uni ist eine einzigartige Pionierleistung gelungen, und es wurde ein starker Motor für die eigenständige Entwicklung der Karibikregionen Nicaraguas in Gang gesetzt“, zeigt er sich sichtlich erfreut.

Uni kommt zur Bevölkerung Dort, wo es vor 25 Jahren vielerorts noch keine Volksschule gab, können die Menschen nun ein Hochschulstudium oder eine Berufsausbildung absolvieren. Ohne die Region zu verlassen. Denn die Universität hat vier größere Standorte und fünf kleinere Zweigstellen. „Wir wollten die Universität näher zur Bevölkerung bringen, denn die meisten Studierenden kommen aus abgelegenen, schwer erreichbaren Gebieten“, erklärt Albert St. Clair H., Vizerektor des Standortes im Küstenort Bilwi.

Kulturelle Identität stärken Eine weitere Besonderheit an URACCAN ist das Bildungsangebot. Gemäß der Ursprungsidee, Hochschulbildung müsse zur Stärkung der kulturellen Identität und Rechte aller Volksgruppen beitragen, verfolgt die Uni einen multikulturellen und mehrsprachigen Ansatz.

Studiert wird in den Muttersprachen. Die Themen orientieren sich am tatsächlichen Bedarf. Zur Auswahl steht eine Sekundarschulbildung für alle, die dazu noch keine Möglichkeit hatten. Außerdem Diplomkurse zu indigenen Rechten, Gender, traditioneller Medizin oder Agro-Forstwirtschaft. Kurse über Geschichte und die kulturelle Identität der Karibikregionen stärken das Selbstbewusstsein der Gemeinschaften.

Bedarfsorientiertes Bildungsangebot Durch die Anpassung von Forschung und Lehre an die lokalen Erfordernisse und die Verschränkung von Theorie und Praxis trägt die Uni spürbar zur Entwicklung der abgelegenen Regionen bei. „Eine maßgebliche Errungenschaft ist etwa das Gesetz 445, das den Gemeindebesitz und die Landnutzungsrechte regelt“, berichtet St. Clair. Zur Verbesserung der Ernährungssituation kooperiert man mit der bäuerlichen Bevölkerung. Außerdem wurden akademische Räume geschaffen, in denen die Weisen der Gemeinschaften ihren Erfahrungsschatz an die Studierenden weitergeben können.

Gut gerüstet für Entwicklung Nach Abschluss des Studiums hat die überwiegende Mehrheit der AbsolventInnen einen Job in ihrer Heimatregion. Die meisten arbeiten bei lokalen Stellen staat­licher Institutionen, in Einrichtungen der Regionalregierung, bei Nichtregierungsorganisationen oder in der allmählich wachsenden Privatwirtschaft. Als heimische Fachkräfte stärken sie den Autonomieprozess und treiben die eigenständige regionale Entwicklung voran. Mittlerweile wirkt URACCAN weit über die Karibikregionen hinaus. „URACCAN ist in Lateinamerika zu einem Referenzmodell für die Stärkung indigener Volksgruppen geworden, damit diese die Probleme selbst lösen können, die ihnen wirklich am Herzen liegen“, erzählt St. Clair. ■ Christina Hörnicke betreute für die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit als Sektorreferentin für Soziales den Aufbau der Universität URACCAN mit.

© HORIZONT3000

Die AbsolventInnen der URACCAN sind als Fachkräfte sehr gefragt.

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

23


Ein guter Rahmen für Entwicklung Mit der Förderung von zivilgesellschaftlichen Organisationen über mehrjährige Rahmenprogramme trägt die Austrian Development Agency (ADA) aktuellen Trends in der Entwicklungszusammenarbeit Rechnung. Über Vorteile des Instruments herrscht Übereinstimmung. Andrea Schmid, Referatsleiterin NRO-Kooperation International, ADA: Rahmenprogramme sind Vorzeigemodelle für verlässliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Im Zentrum steht der inhalt­ liche und strukturierte Austausch zwischen Organisationen in Österreich, Partnern in den Entwicklungsländern und anderen entwicklungspolitischen AkteurInnen. Dadurch wird ein großer Erfahrungsschatz erfasst und Wissen geteilt. Es werden Synergien genutzt, die die Wirksamkeit der Maßnahmen erhöhen. Elisabeth Mackner, Programm-Managerin, Öko Himal: Rahmenprogramme ermöglichen, in größeren Zusammenhängen zu arbeiten. Wir unterstützen Frauen in nepalesischen Dörfern, die Frauengruppen und Selbsthilfefonds für Notfälle leiten. Mithilfe eines Radioprogramms und anwaltschaftlicher Arbeit werden die Interessen der Frauen auch auf nationaler Ebene wahrgenommen. So können Regierungsprogramme verbessert und in ländlichen Regionen eine zuverlässige Gesundheitsversorgung aufgebaut werden. Dagmar Lassmann, Programm-Managerin, Diakonie Austria: Um Inklusion zu verwirklichen, müssen Menschen mit Behinderungen für sich selbst sprechen können und Barrieren in den Köpfen fallen. Das benötigt Zeit und Gestaltungsspielraum. Das Rahmenprogramm er­möglicht, dass sich AkteurInnen inhaltlich austauschen und Menschen mit Behinderungen aktiv mitgestalten. Daniel Seller, Programm-Manager, CARE: Das Rahmenprogramm soll bis 2015 die Lebenssituation von rund 40.000 Frauen und 15.000 Männern in Äthiopien, Nepal und Uganda verbessern und zu Geschlechtergleichstellung beitragen. Wir bauen auf Erfahrungen früherer Programme auf, die die Gewalt an Frauen messbar reduziert haben. Frauen aus ehemaligen Kriegsgebieten können in internationalen politischen Foren auftreten und sich vernetzen. Auch Männer werden einbezogen. Auch sie müssen sich mit Gewalt an Frauen und Arbeitsteilung im Haushalt auseinandersetzen. Kathrin Pauschenwein, Programm-Verantwortliche, SOS Kinderdorf: Für SOS Kinderdorf bedeutet das Rahmenprogramm Gestaltungsfreiheit bei der Förderung von Familienstärkungs-Programmen, dem Aufbau sozialer Netzwerke zur Unterstützung von besonders verletzlichen Kindern und den Ausbau der Anwaltschaft. Und es unterstützt den Lernprozess in unserer Organisation. So können wir die praktische Arbeit verbessern und uns noch gezielter auf die Bedürfnisse von Kindern und deren Umfeld konzentrieren.  ■

Rahmenprogramme der ADA Facts & Figures – Partner: HORIZONT3000, CARE, Caritas, Diakonie Austria, ICEP, Jugend Eine Welt, Licht für die Welt, Öko Himal, Österreichisches Rotes Kreuz, SOS Kinderdorf, Volkshilfe Solidarität – F  inanzielle Unterstützung: insgesamt rund 20 Millionen Euro für 2013–2015 Thematische Schwerpunkte: Ernährungssicherheit, ländliche Entwicklung, Schaffung von Einkommen, Bildung, Familienstärkung, Gesundheit, Stärkung von Frauen, Inklusion von Menschen mit Behinderungen, Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Katastrophen und Krisensituationen

24

www.entwicklung.at/foerderungen/foerderungen-zivilgesellschaft/nro-kooperation-international/

Weltnachrichten | NR. 2 2014


Wasserschutzgebiet oder Acker? Nahrung oder nachhaltige Wassernutzung? In diesem Spannungsfeld steht der Schutz der Sumpflandschaften in Uganda. Wie beides gelingen kann, berichtet Erwin Künzi, Wasser-Experte im Auslandsbüro der Österreichischen Entwicklungs­ zusammenarbeit in Kampala.

D

ie Sumpfgebiete in Uganda sind nicht nur landschaftlich beeindruckend, sie sind auch notwendig für die Wasserversorgung des Landes. Die Sümpfe dienen als Wasserspeicher und verhindern, dass Wasserläufe in den trockenen Monaten versiegen oder in der Regenzeit über die Ufer treten. Die Auswirkungen des Klimawandels machen die regulierende Funktion der Sümpfe noch wichtiger. Uganda hat sie daher unter Naturschutz gestellt.

Feuchtgebiete unter Schutz

Trockengelegte Sümpfe eignen sich gut für den Anbau von Gemüse. Heute stehen Feuchtgebiete in Uganda unter Schutz.

In der Praxis gestaltet sich der Schutz allerdings schwierig. Denn die Menschen brauchen fruchtbares Land. „Die Hänge, die die Bauern und Bäuerinnen seit Jahrhunderten landwirtschaftlich nutzen, geben nicht mehr viel her. Man kann es ihnen nicht verdenken, dass sie in die Sümpfe drängen“, erklärt Richard Musota, Leiter des Büros der Wassermanagement-Zone Viktoriasee in Mbarara im Südwesten Ugandas. Neben dem Büro in Mbarara gibt es drei weitere Management-Zonen des Wasser- und Umweltministeriums, wodurch die nachhaltige Nutzung der Wasserressourcen in Uganda sichergestellt werden soll. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt die ugandische Regierung gemeinsam mit der dänischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Weltbank bei diesem Vorhaben.

© ADA/Erwin Künzi (2)

Bevölkerung plant mit

Wenn Feuchtgebiete nicht zu Ackerland werden sollen, brauchen die BäuerInnen Alternativen.

Sie setzt dabei auf Dialog und Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und Verwaltung. Für kritische Wassereinzugsgebiete werden gemeinsam ManagementPläne ausgearbeitet. In den letzten 40 Jahren wanderten zum Beispiel am Oberlauf des Rwizi-Flusses, der auch durch Mbarara fließt, die Hirse-, Mais- und KochbananenFelder immer weiter in den Sumpf. Die BäuerInnen legten eine beachtliche Fläche des Feuchtgebiets trocken und gruben so den Menschen am Unterlauf des Rwizi das Wasser ab. Nun zeigen sich erste Erfolge: Fred Tumusiime, einer der älteren Bauern im Dorf, bestätigt das: „Seit Richard mit uns zusammenarbeitet, haben wir Verständnis für den Schutz des Feuchtgebiets und haben Felder aufgelassen. Wir brauchen allerdings Beratung und Geld für Alternativen, damit wir eine Zukunft haben.“

Für Krisenzeiten vorsorgen Das Zonen-Büro Viktoriasee stellt sich dieser Herausforderung und die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt es dabei, indem sie den Auf- und Ausbau der Zonen-Büros finanziert und die Bevölkerung für Krisenzeiten wie Dürrephasen oder Überschwemmungen stärkt. Letzteres durch Informationsarbeit, die Abgrenzung von Schutz­zonen und durch Beratung der lokalen Verwaltung zu Themen wie Aufforstung oder Erosionsschutz. Gefördert werden diese Maßnahmen vom österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. „Die Arbeit der Wassermanagement-Zonen kommt nur langsam in Schwung. Ohne Österreich wären wir allerdings nicht da, wo wir jetzt stehen“, sagt Richard Musota. ■

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

25


Wetterstationen helfen den BäuerInnen bei der Planung ihrer Arbeit.

© Pessl Instruments

Zehn Jahre Wirtschafts­ partnerschaften Die Bilanz von zehn Jahren Wirtschaftspartnerschaften: 120 Kooperationen in 37 Ländern mit 23 Millionen Euro Förderung. Ein Beispiel? Systeme zur Wetter­ beobachtung für landwirtschaftliche Betriebe in Moldau.

E

s war auf einer Urlaubsreise, als der Unternehmer Gottfried Pessl das landwirtschaftliche Potenzial Moldaus erkannte. „Moldau macht von seiner Fläche her nur ein Drittel Österreichs aus, die landwirtschaftliche Nutzfläche ist aber doppelt so groß“, erklärt der steirische Experte für Wetterbeobachtungssysteme. „Das moldauische Landwirtschaftsministerium wurde auf meine Produkte aufmerksam und lud mich ein, landesweit Überwachungssysteme für den Weinbau anzubieten. Mit Wetterstationen und Messgeräten für den Wasserstand und die Bodenfeuchte können Frost und Hitze vorhergesagt werden. So können die Bäuerinnen und Bauern die Bewässerung und Düngung optimal planen, ihre Ernte steigern und die Umwelt schonen“, berichtet Pessl.

Nachhaltige Investitionen Die Pessl Instruments GmbH wurde bei ihrem Vorhaben in Moldau von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt. Durch die Wirtschaftspartnerschaft profitieren mehr als 250.000 BäuerInnen. Die Ausbildung von TrainerInnen und Servicepersonal für den landesweiten Einsatz der Überwachungssysteme garantieren den nachhaltigen Betrieb. „Natürlich investieren wir in Moldau, um Geschäfte zu machen. Wir wollen den Landwirten aber auch die Möglichkeit geben, das Potenzial ihres Landes zu nutzen“, so Pessl. Die Messgeräte stehen auch landwirtschaftlichen Schulen und Universitäten zur Verfügung.

Finanzielle Zuschüsse und kompetente Beratung Wirtschaftspartnerschaften wie jene mit Pessl Instruments fördert die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit seit zehn Jahren mit bis zu 500.000 Euro. Insgesamt wurden bereits 120 Projekte mit 23 Millionen Euro unterstützt. „Wirtschaftspartnerschaften mindern

26

Weltnachrichten | NR. 2 2014

unser Unternehmensrisiko durch finanzielle Zuschüsse. Außerdem ist die Austrian Development Agency ein kompetenter Berater, der die Märkte kennt und gut mit lokalen EntscheidungsträgerInnen vernetzt ist. Für uns ist das eine Eintrittskarte in neue Märkte“, so Pessl über die Vorteile des Förderprogramms.

Ein Gewinn für beide Seiten Damit ein Projekt überhaupt gefördert wird, muss es einen entwicklungspolitischen Nutzen für die Menschen im Partnerland geben. Dieser kann in Fort- oder Ausbildungsmöglichkeiten, neuen Arbeitsplätzen oder in einem Beitrag zum Umweltschutz bestehen. Der wirtschaftliche Nutzen ist der Anreiz für das Unternehmen, eigene Mittel in das Projekt zu investieren und das Projekt nach Auslaufen der Förderung weiterzuführen. Gottfried Pessl war schon vor zehn Jahren ein Fördernehmer. „Damals haben wir Bäuerinnen und Bauern in Indien geholfen, Pflanzenkrankheiten rechtzeitig zu erkennen“, erinnert sich Pessl. Die Bandbreite der 120 Wirtschaftspartnerschaften der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist groß. Damit in Zukunft noch mehr UnternehmerInnen mit guten Ideen in Partnerländern investieren, unterstützt seit 2012 auch die Oesterreichische Entwicklungsbank das Programm mit 1 Million Euro pro Jahr.  ■ Nikolaus Weissel Büro für Wirtschaftspartnerschaften in der ADA

www.entwicklung.at/wirtschaft


Wenn Arbeit an Grenzen stößt Für Telefonate braucht es keine Anträge, E-Mails müssen keine Checkpoints passieren. Darüber ist Riham Kharroub, Programmreferentin der Austrian Development Agency (ADA), froh. Sie wickelt für die Österreichische Entwicklungs­ zusammenarbeit Projekte in den Palästinensischen Gebieten ab.

D

as grüne Auto seiner Mitarbeiterin nennt Leo Moll, Leiter des Auslandsbüros der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Ramallah, scherzhaft „Chadra“. Das ist Arabisch und bedeutet „Grün“, aber auch „Gemüse“. „Das habe ich davon, dass mein Chef meine Sprache lernt“, sagt Riham Kharroub. Sie ist mit ihrer Kollegin Amani Manassra, die für die Visa-Abwicklung zuständig ist, meist die Erste im Büro. Die Raumpflegerin Em Yazan kocht für die beiden türkischen Kaffee, und sobald Leo Moll mit Fahrer Jeries Zaarour eintrifft, beginnt ein lebhafter Austausch auf Englisch, Arabisch, Deutsch und Tirolerisch. Die Männer brauchen für die Anfahrt aus Jerusalem meist länger. Schuld sind die Besatzung der Israelis und die Checkpoints. „Ich habe dieses Problem gelöst, indem ich nach Ramallah gezogen bin. So muss ich mich nicht täglich sorgen, zu spät ins Büro zu kommen“, erzählt Kharroub.

politische Zusammenarbeit verantwortlich. „Ich bin für die Projekte im West­ jordanland zuständig und kümmere mich um Wasserversorgungsprogramme, Gesundheitsprojekte oder humanitäre Hilfe“, zählt Riham Kharroub auf.

Virtuelle Meetings Die eingeschränkte Reisefreiheit und andere Restriktionen für PalästinenserInnen machen eine Außenstelle in Gaza notwendig. Die Projekte und Programme im Gazastreifen betreut Hashim Al-Hussaini. Jeden Montagvormittag ist er mit den KollegInnen über eine Telefonkonferenz verbunden. Das Team bespricht den aktuellen Stand der Projekte und die politische Situation in den Palästinensischen Gebieten. Will Hashim Al-Hussaini nach Ramallah fahren, muss er einen Antrag stellen. Leo Moll hat es leichter. Er kann sich als Österreicher meist problemlos bewegen. Immer wieder fährt er in den Gazastreifen, um Projektpartner zu treffen. Außerdem stehen für das Team regelmäßig Termine mit PolitikerInnen und VertreterInnen der Europäischen Union auf der Tagesordnung. „Wenn die Zeit zum Mittagessen knapp wird, kocht Em Yazan ‚Shakshooka’ für alle. Das ist ein lokales Gericht aus Tomaten und Eiern, das wir alle lieben“, schwärmt Riham Kharroub. ■  Teambesprechung im Österreichischen Vertretungsbüro in Ramallah. © ADA/Christoph Sternat

Zusammenarbeit groß geschrieben „Wir haben ein angenehmes Arbeitsklima“, erzählt die Palästinenserin. Auch wenn die MitarbeiterInnen eigene Arbeitsbereiche haben, helfen alle zusammen, wenn es stressig wird. „Egal ob wir einen Besuch von Außenminister Sebastian Kurz in Ramallah vorbereiten oder dringende Anfragen aus der Zentrale in Wien beantworten müssen. Wir unterstützen einander“, berichtet Riham Kharroub.

Von Gesundheitsversorgung bis zu Visa-Anträgen Neben der Abwicklung von Projekten und Programmen der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit ist das Team auch für konsularische Angelegenheiten und die

NR. 2 2014 | Weltnachrichten

27


Service

Riham Kharroub ist seit 2012 im Österreichischen Vertretungsbüro in Ramallah tätig und für humanitäre Hilfsmaßnahmen sowie Wasserund Gesundheitsprogramme der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Westjordanland verantwortlich. Praktische Erfahrungen sammelte sie nach Abschluss ihres Studiums Öffentliche Verwaltung und Entwicklungsforschung bei lokalen und internationalen Entwicklungsorganisationen in den Palästinensischen Gebieten. Amani Manassra ist nicht nur die administrative Leiterin des Büros in Ramallah, sondern auch für konsularische Fragen zuständig. Als Eventmanagerin arbeitete sie früher in Deutschland und Belgien bei der Organisation internationaler Konferenzen mit. Ab 2007 war Manassra in verschiedenen Organisationen und Institutionen in den Palästinensischen Gebieten tätig und eignete sich profunde Kenntnisse in Betriebsführung und Personalentwicklung an. Unter anderem arbeitete sie für die Französische Entwicklungsagentur und das palästinensische Gesundheitsministerium.

Hashim Al-Hussaini betreut seit 1999 im Gazastreifen Programme für Entwicklung, humanitäre Hilfe, Nothilfe und Wiederaufbau. Für die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit managt er in Gaza seit Juli 2013 die Projekte für Wasser und Siedlungshygiene, steht für Konsularfragen zur Verfügung und koordiniert politische Termine.

© ADA (5)

Personalia

Leonhard Moll leitet das Österreichische Vertretungsbüro in Ramallah. Seit 1996 war er abwechselnd für die Koordination der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Äthiopien und den Palästinensischen Gebieten zuständig. Davor setzte er für verschiedene Entwicklungsorganisationen und Beratungsunternehmen über viele Jahre Landwirtschafts- und Wasserprogramme um. Jeries Zaarour arbeitet seit 2006 als Fahrer und Logistik-Assistent im Österreichischen Vertretungsbüro in Ramallah. Mittlerweile unterstützt er Amani Manassra auch in der Verwaltung und im Konsularbereich.

Impressum Medieninhaber, Herausgeber und Verleger: Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, Zelinkagasse 2, 1010 Wien, Österreich, oeza.info@ada.gv.at, www.entwicklung.at, facebook.com/ÖsterreichischeEntwicklungszusammenarbeit, twitter.com/entwicklungat, DVR 0000060. Konzept, Gestaltung und Produktion: Grayling Austria GmbH. Redaktion: Doris Gebru-Zeilermayr (f.d.I.v.), Claudia Gruber, Manuela Gutenbrunner, Sabine Krings. Titelfoto: ADA/Frank Helmrich, Fotos Seite 4: © Marap, Miguel Dieterich (2), shutterstock/fritz16, ADA, Brigitte Pilz, Heidi Liedler-Frank, Stefan Pleger (2), istockphoto/ JackF, UN Photo/Milton Grant, ADA. Layout: design:ag, Alice Gutlederer. Druck: AV+Astoria, 1030 Wien. Verlagsort: 1010 Wien. Juni 2014. Die Weltnachrichten sind kostenlos. Bestellung: oeza.info@ada.gv.at oder www.entwicklung.at (Newsletter abonnieren).

Die einzelnen Artikel spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung des Herausgebers wider. Für den Inhalt der Beiträge sind die jeweils genannten AutorInnen verantwortlich.

28

Weltnachrichten | NR. 2 2014


10 Jahre ADA