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I M G E SP RÄC H

IN BEWEGUNG


ACG Das Sta dt zent r u m 2 0 1 4


TM November 2 0 1 2 16

handel �� Porträt

Gründungshaus in der Bremer Wachtstraße

Firmengründer Heinrich Ristedt

145 Jahre Modehaus Ristedt Seit 145 Jahren in der Hand derselben Familie: Das Bremer Modehaus ristedt gehört zu den im Modehandel rar gewordenen unabhängigen Unternehmen, deren Chronik mit all ihren Höhen, tiefen und Häutungen die Geschichte der ganzen Branche spiegelt.

text Kornelia Scholz // Fotos Ristedt

Wird Philip Heinrich Ristedt, der sich im zarten Alter von eindreiviertel Jahren bereits im Mode-Zeichnen übt, dereinst in die Fußstapfen der Ahnen treten und das Modehaus in der sechsten Generation übernehmen? Papa Jens lässt es ihm offen: Wenn er später mal Spaß daran haben sollte, gerne. Aber: „Ich sehe das gar nicht verbissen, mein Sohn soll sich frei entfalten!”

„Ich freue mich, dass dieses inhabergeführte,

In seiner Eröffnungsrede unterstrich Günthner

familienbasierte Unternehmen der Stadt Bre-

die herausragende rolle, die ein Unternehmen

men immer treu geblieben ist”, meinte der Bre-

mit so langer Geschichte einnehme – selbst an

mer Wirtschaftssenator Martin Günthner, als er

einem traditionellen Wirtschafts- und Handels-

kürzlich im rahmen einer kleinen Feierstunde

standort wie Bremen, der ja an sich schon ein

im Modehaus ristedt mit Kunden, Gästen und

tummelplatz für Unternehmensformate und

lokaler Presse eine große Geburtstagstorte

an Anekdoten und Histörchen nicht arm sei.

anschnitt. Der Anlass: Das Modehaus ristedt

Zudem betonte er, Jens ristedts Engagement

in Bremen feierte seinen 145. Geburtstag.

für die Entwicklung der Bremer Innenstadt wei-

145 Jahre Modeladen – eine Zeitspanne, die in

ter unterstützen zu wollen – was diesen beson-

unserer turbogetriebenen Zeit die Vorstellungs-

ders gefreut haben dürfte: Jens ristedt, der das

kraft vieler übersteigen dürfte ...

Modehaus in der fünften Generation leitet,


Porträt �� handel

Torte im Anschnitt: Jens Ristedt und Senator Martin Günthner zerlegen die Geburtstagstorte. Der Erlös der verkauften Kuchenstücke kam ‚Trauerland‘, Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche e.V., zugute.

kämpft seit Jahren als engagierter Vertreter des inhaberge-

hof Gbr und als Geschäftsführender Vorstand der City Ini-

führten mittelständischen Einzelhandels für eine Stärkung

tiative Bremen Werbung e.V. tätig und als Mitbegründer des

der Innenstadt gegenüber den Anbietern und Einkaufszentren

BID – Ansgari außerdem in der Standortgemeinschaft aktiv.

in der Peripherie sowie für eine bessere Einbindung des Ans-

Überregional gehört ristedt dem Präsidium des Bundesver-

gari Quartiers in die rundläufe der City und Haupteinkaufs-

bands des Deutschen textileinzelhandel e.V. (BtE) in Köln an.

straßen. Dieses Ansgari Quartier mit traditioneller innerstäd-

Anlässlich des Jubiläums meinte er: „ok, der ganz runde

tischer Struktur und einem schönen historischen Platz, an

Geburtstag steht erst in fünf Jahren an. Ich denke aber, in

dem das Modehaus liegt, wurde im rahmen des Wiederauf-

diesen schnelllebigen Zeiten – und in unserer wechselhaften

baus nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine unglückliche

Branche – sind auch 145 Jahre Familienunternehmen schon

Stadtplanung von den großen Kundenströmen und Wege-

ein Grund, das herauszustellen und zu feiern.” Für das Jubi-

beziehungen leider etwas abgekoppelt.

läum in fünf Jahren versprach er, tief in sein Archiv zu grei-

Jens ristedt leitet also nicht nur sein Modehaus. Der han-

fen. Dort würden noch etliche Perlen aus der Geschichte des

seatische Kaufmann ist ‚nebenher’ als Geschäftsführender

Familienunternehmens auf Bergung warten. Wir freuen uns

Gesellschafter in der Interessengemeinschaft Ansgarikirch-

darauf, Herr ristedt!

Modehaus Ristedt – Stationen einer 145-jährigen Geschichte:

Aus der Großkonfektion (Wollmäntel, Cocktail- und Hochzeitskleider

1867 gründete Heinrich ristedt das ‚tuch- und Manufacturwaaren-

ein Spezialgeschäft für anspruchsvolle Damenoberbekleidung.

Geschäft‘, das Wäsche, Stoffe und in der eigenen Werkstatt hergestellte

Inhaber Jens ristedt leitete im Jahr 2000 erneut eine – inzwischen not-

‚Kleidung auf Vorrat‘ anbot und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun-

wendig gewordene – Umgestaltung des Modehauses sowie die „Entrüm-

derts bis weit ins ländliche Gebiet um Bremen bekannt war. In den Blüte-

pelung” und Neuausrichtung des bisherigen Sortiments ein. Die Schlie-

jahren vor dem Ersten Weltkrieg gewann die Konfektion eine immer grö-

ßung zahlreicher traditioneller textilfachgeschäfte in der Bremer City vor

ßere Bedeutung, sodass das Unternehmen nunmehr unter ‚Mäntelhaus

Augen, darunter Hirte, Bauermann, Dyckhoff, Boecker, röben, Leffers,

ristedt‘ firmierte. Die Kriege machten verschiedene Umzüge und Sor-

Scheer oder H. W. Meyer, arbeitet ristedt permanent daran, das Profil

timentsverlagerungen erforderlich. Der aus dem Krieg zurückgekehrte

mit hochwertigen Produkten und Marken wie Marc Cain, Closed, Drykorn,

Inhaber Johannes ristedt konzentrierte sich erst einmal auf die Wieder-

Cinque, Liebeskind, Airfield, Luisa Cerano, Cambio, Backstage, van Laack,

herstellung getragener Kleidung, bevor nach der Währungsreform 1948

Basler u.v.a. zu schärfen. Besonderen Wert legt er außerdem auf die

erneut die Damenfertigbekleidung zur eigentlichen Domäne des Unter-

Schaffung eines persönlichen Einkaufserlebnisses sowie auf regelmä-

nehmens werden konnte.

ßige Hausmodenschauen und Fashion-Events. „Sich ständig neu erfin-

Gründer-Urenkel Klaus ristedt baute seit den 1960er Jahren das Unter-

den” und keinen Stillstand aufkommen lassen, so das Erfolgsrezept des

nehmen in mehreren Phasen zum heutigen ristedt City Modehaus um.

Modehauses ristedt.

sowie trauerkleidung) mit eigener Hutmacherei auf drei Etagen wurde

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ig en

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, 14 Uhr g

e O p en B ar !

der Pause ffee

ung: 14 Uhr

nseren regionalen 36 (ggf. zzgl. e AboCard buchbar.

sche Calarasi. 2500 Kilometer die Donau hinunter in nur zweieinhalb Monaten. Eine beachtliche Leistung. „Wir fahren seit über 40 Jahren gemeinsam Kanu, da stellt sich eine gewisse Routine und Ausdauer ein“, sagt Werner Born. Langsam aber sicher würden die beiden aber doch merken, wie das Alter sich bemerkbar mache. „Wir haben uns vor drei Jahren vom Wildwasser verabschiedet“, erzählt Brigitte Born. „Dazu haben wir einfach nicht mehr die nötige Schnellkraft.“ In Zukunft wollen sie zudem darauf achten, dass sie

vergangenen Sommer auf der Donau, nicht länger als fünf Stunden am Stück im Boot sitzen. „Wir brauchen inzwischen längere Erholungszeiten“, sagt Werner Born. Trotz der Einschränkungen lassen beide ihre Boote noch mindestens einmal pro Woche zu Wasser. „Von April bis Juli sind wir sicherlich auch viermal die Woche im Boot“, sagt Brigitte Born. Dabei führen die beiden meist nicht gemeinsam in einem Kajak für zwei Personen, sondern jeder für sich allein. „Nach 48 Jahren Ehe hat man sich schon eine ganze Menge erzählt“, sagt

EINBLICK – LEUTE IN BREMEN

Modegeburtstag und Hundertwasser V O N S I G R I D S CH U E R

G

eburtstagsfeier im Modehaus „Ristedt“ in der Ansgaritorstraße. Anfang der Woche war Wirtschaftssenator Martin Günthner bei „Ristedt“ zu Gast, um zum 145-jährigen Bestehen des traditionsreichen Geschäftes zu gratulieren. Gemeinsam mit Jens Ristedt, der das Modehaus seit zehn Jahren führt, schnitt er die große, rote Geburtstagstorte an, die stückweise zugunsten der Aktion Trauerland, dem Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche, verkauft wurde. 1867 gründete Heinrich Ristedt in Bremen ein Tuch- und Manufakturengeschäft. „Damals wurde die Ware noch per Kutsche von der Wachtstraße durch die Stadt zu den Kunden gefahren“, erzählte Jens Ristedt. „145 Jahre sind eine stolze Zahl. Ich freue mich, dass dieses inhabergeführte, familienbasierte Unternehmen Bremen immer treu geblieben ist“, gratulierte Martin Günthner. Der Senator hob hervor, dass Ristedts Engagement für die Entwicklung der Innenstadt „unbedingt weiter unterstützt werden muss. Denn inhabergeführte Geschäfte, die gute Beratung bieten, haben es gerade in Zeiten, in denen immer mehr per Internet gekauft wird, zunehmend schwerer“. Jens Ristedt ist Geschäftsführender Gesellschafter in der Interessengemeinschaft Ansgarikirchhof und Geschäftsführender Vorstand des Vereins „City Initiative Bremen Werbung“. Günthner betonte die Notwendigkeit, „das Thema Ansgarikirchhof mit Nachdruck voranzutreiben. Im politischen Raum wird zu wenig auf die lange Sicht gesetzt. Wir brauchen aber langfristige Entwicklungen. Deshalb will der Senat den Lloydhof ankaufen“. Firmen-Senior Klaus Ristedt vernahm das mit dem kleinen Enkelsohn Philipp mit Freude.

Denn es sieht ganz so aus, als stünde die sechste Generation der Familie demnächst schon in den Startlöchern, um das Modehaus „Ristedt“ weiterzuführen. Nun hat das Warten endlich ein Ende. Bei der Voreröffnung der großen Sonderausstellung „Friedensreich Hundertwasser: Gegen den Strich. Werke 1949 bis 1970“, lüftete Kunsthallen-Direktor Christoph Grunenberg am Donnerstagabend das Geheimnis der ersten, von ihm kuratierten Ausstellung. Besonders gespannt waren auch Karin und Uwe Hollweg, ohne deren großzügiges finanzielles Engagement die Ausstellung so nicht realisierbar gewesen wäre. Das betonten Christoph Grunenberg und Georg Abegg, der Vorsitzende des Kunstvereins. Abegg hob in seiner Ansprache das generelle „vorbildliche bürgerschaftliche Engagement in Bremen“ hervor. „Wir sind stolz darauf, dass wir binnen eines Jahres nach der Wiedereröffnung der Kunsthalle 1761 neue Mitglieder gewinnen konnten. Damit hat der Kunstverein jetzt 8270 Mitglieder. Kunst ist das Pri-

Jens Ristedt und Senator Martin Günthner schneiden die Geburtstagstorte an. FOTO: LENK


zen Tag nebeneinander her und schweigen“, ergänzt sie ihr Mann. Erst am Abend, wenn das Nachtlager aufgeschlagen ist und man gemütlich beim Lagerfeuer sitze, berichteten sich die beiden davon, wie sie den Tag erlebt hätten. So wird der Kanusport die Borns auch in Zukunft kaum loslassen. Ob sie sich vorstellen könnten, noch einmal die Tapeten zu wechseln und vom Meer in die Berge zu ziehen? „Nur, wenn direkt vor dem Haus ein Bergsee ist, auf dem wir fahren können“, sagt Brigitte Born und lächelt.

r-Eröffnung mat unseres Handelns, unabhängig von der Politik“, sagte Abegg. Ralph Scheide, Botschafter von Österreich, betonte in seiner Rede, „dass diese Ausstellung ein entscheidender Beitrag zur Neubewertung von Hundertwassers Werk ist. Der unbequeme Ökoprophet und Malerfürst war ein Vordenker einer neuen, visionären Kunstform“. Kultursenator und Bürgermeister Jens Böhrnsen würdigte die Kunsthalle „als kulturellen Leuchtturm“. Unter den Gästen der Voreröffnung waren auch Professor Thomas Albert, Intendant des Musikfests Bremen, Christian Kötter-Lixfeld, Intendant der Bremer Philharmoniker und Ulrich Hackmack, Vorstandsvorsitzender der Bremer Tageszeitungen AG, sowie Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz. Und auch die Museumsdirektorinnen Professor Wiebke Ahrndt (Übersee-Museum), Frauke von der Haar (Focke-Museum) und Beate Manske (Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung) erwiesen Grunenberg ihre Reverenz. Sie alle erlebten einen Hundertwasser, wie man ihn so wohl noch nie gesehen hat.

Christoph Grunenberg, Uwe und Karin Hollweg sowie Ralph Scheide (von links). FOTO: BLINDOW


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GROSSE JUBILÄUMSFEIER Ristedt feiert 145 jähriges Jubiläum Traditions-Modehaus in der fünften Generation Das Modehaus Ristedt ist in der Bremer City einzigartig. Im Jahre 1867 wurde das Unternehmen in der Wachstraße als „Tuchund Manufacturwaaren-Geschäft“ durch Heinrich Ristedt gegründet. Vom Spezialisten für Großkonfektion und Cocktail- sowie Hochzeitskleidern hin zum modernen, trendbewussten Modehaus war es ein Weg der stetigen Erneuerung und Anpassung. Inzwischen wird es von Jens Ristedt in der fünften Familiengeneration in der Ansgaritorstraße 22 geführt. Auf 750 m² Verkaufsfläche im Erd- und Obergeschoß präsentiert Ristedt heute eine

Das Gründungshaus in der Wachtstraße im Jahre 1867

Die heutigen Geschäftsräume in der Ansgaritorstraße. Der Marc Cain-Shop ist eines der Highlights im Modehaus Ristedt.

exklusive und top-modische Mixtur ausgewählter Fashion-Labels. Flächen- sowie Shop in Shop- Konzepte der Firmen Marc Cain, Closed, Drykorn, Seven for all Mankind, Cinque, Liebeskind, Cambio, Airfield, Creenstone, Luisa Cerano, Backstage, van Laack oder Basler bilden den Rahmen für das eigene, anspruchsvolle Sortimentskon-


R IM MODEHAUS RISTEDT! ++ AB 15.10.2012 ++ zept des Modehauses Ristedt. Individualität und Kreativität bei der Zusammenstellung der Kollektionen bestimmen das heutige, moderne Erscheinungsbild. Die positive Resonanz, auch bei den regelmäßig stattfindenden Haus++ A B 1 5 . O K T O B E R

modeschauen und Fashion-Events, bestätigt den Erfolg dieses Konzeptes. Dass man sich bei allen Veränderungen immer noch gut am Markt behaupten kann, liegt an erster Stelle an den treuen Kundinnen und den motivier-

ten und engagierten Modeberaterinnen. Anlässlich des 145-jährigen Bestehens findet vom 15. Oktober bis zum 4. November 2012 ein großer Jubiläumsverkauf statt. Jubiläumsangebote sind bis zu 50% reduziert.

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Jul

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DAX 30

5639,58 + 1,10 %

Dividende 29.09. Tages(° auch im Euro Stoxx 50) Schluss Hoch Tief Adidas Allianz SE ° BASF ° Bayer ° Beiersdorf BMW St ° Commerzbank Daimler ° Deutsche Bank ° Deutsche Post Deutsche Telekom ° Dt. Börse z. Umt. ° E.ON ° Fresenius Med. Care Fresenius SE&Co HeidelbergCement Henkel Vz Infineon K+S Linde Lufthansa MAN SE Merck Metro Münchner Rück ° RWE ° SAP ° Siemens ° ThyssenKrupp Volkswagen Vz °

0,80 4,50 2,20 1,50 0,70 1,30 1,85 0,75 0,65 0,70 2,10 1,50 0,65 0,86 0,25 0,72 0,10 1,00 2,20 0,60 2,00 1,25 1,35 6,25 3,50 0,60 2,70 0,45 2,26

46,24 48,32 45,99 72,50 72,95 68,70 47,24 47,54 46,03 42,00 42,77 41,50 40,22 40,70 39,95 52,75 54,21 52,23 2,01 2,06 1,91 34,83 35,40 33,92 28,25 28,68 26,88 9,86 9,97 9,63 8,84 8,93 8,62 38,10 39,34 37,85 16,71 16,86 16,05 50,26 52,00 49,94 67,03 69,35 66,28 28,66 28,72 27,34 40,21 40,42 39,42 5,80 6,00 5,76 41,66 42,57 41,40 103,45 104,75 102,45 10,11 10,25 9,79 61,74 62,54 60,54 61,62 62,58 61,36 33,35 33,49 31,84 93,63 94,08 91,38 28,38 28,54 27,20 38,53 38,94 37,95 69,65 70,32 67,95 19,42 19,72 18,93 106,30 108,40 105,05

Veränd. in % -4,11 +4,02 +1,56 +0,45 -1,28 -0,94 +4,69 +1,16 +3,86 +1,74 +1,91 -2,91 +2,77 -2,07 -3,18 +3,54 +0,27 -2,39 -3,00 -0,19 +2,54 +0,90 +3,64 +1,99 +2,86 +0,55 +1,18 +1,01 -0,79

EURO STOXX 50

WWWWWWWWW 57,62 WWWWWWWWW 108,85 WWWW 70,22 W 59,44 WWW 49,36 WW 73,85 WWWWWWWWWW 5,31 WWW 59,09 WWWWWWWW 48,70 WWWW 14,02 WWWW 11,38 WWWWWW 62,48 WWWWWW 25,54 WWWWW 55,77 WWWWWWW 76,65 WWWWWWWW 54,00 W 50,15 WWWWW 8,32 WWWWWWW 58,85 W 127,80 WWWWWW 17,93 WW 100,80 0 78,94 WWWWWWWW 58,71 WWWW 126,00 WWWWWW 55,88 WW 46,15 WWW 99,39 WWW 36,20 WW 152,20

42,41 56,16 42,19 35,36 38,26 47,82 1,47 30,93 20,79 8,90 7,88 37,03 12,50 40,83 57,40 24,71 36,52 4,89 38,55 94,63 8,93 50,78 55,92 26,78 77,80 21,22 32,88 62,13 17,81 81,80

2212,44 + 1,64 %

Dividende 29.09. Tages(ohne Deutsche Werte) Schluss Hoch Tief Air Liquide Anh.-Busch Inbev ArcelorMittal Ass. Generali AXA Banco Santander BBVA BNP Paribas Carrefour CRH Danone Enel ENI France Télécom GDF Suez Iberdrola Inditex ING Groep Intesa Sanpaolo L’Oréal LVMH Nokia Philips Elec. Repsol YPF Sanofi S.A. Schneider Electr. Soc. Générale St. Gobain Telecom Italia Telefónica

12 Monats Hoch Tief

2,35 0,80 0,75 0,45 0,69 0,63 0,40 2,11 1,08 0,63 1,30 0,28 1,00 1,40 1,50 0,03 1,60 0,08 1,80 2,10 0,40 0,75 1,05 2,51 1,60 1,78 1,15 0,06 1,52

88,68 88,68 86,29 39,65 39,78 39,49 12,29 12,34 11,90 11,97 11,97 11,86 10,27 10,60 9,87 6,18 6,22 5,99 6,27 6,31 6,04 31,01 31,81 29,22 16,95 17,19 16,47 11,47 11,47 11,47 45,63 45,63 44,91 3,35 3,37 3,26 13,20 13,31 12,96 12,22 12,31 12,00 22,84 23,06 22,16 5,15 5,16 5,06 65,83 65,83 64,14 5,69 5,76 5,30 1,21 1,23 1,16 73,00 73,37 73,00 103,09 108,16 102,00 4,24 4,28 4,10 14,06 14,12 13,35 19,89 19,89 19,88 49,61 50,30 49,20 40,00 40,00 39,29 20,83 21,51 19,58 29,39 29,39 28,34 0,84 0,84 0,80 14,40 14,49 14,00

Veränd. in % +1,93 +0,05 +2,38 +2,92 +4,02 +0,42 +3,62 +4,82 +2,73 -0,35 +0,56 +3,55 +1,46 +1,92 +2,06 +0,92 +0,57 +6,26 +5,13 -2,77 -5,56 +2,17 +4,42 +0,40 +0,38 +2,12 +4,73 +2,56 +2,33 +1,73

12 Monats Hoch Tief

WWWW 100,48 W 46,22 WWWWW 29,61 WWWWWW 17,05 WWWWWWWWW 16,15 W 9,80 WWWWWWWW 9,66 WWWWWWWWWW 59,51 WWWWWW 36,83 W 17,14 WW 52,94 WWWWWWWW 4,85 WWW 18,62 WWWW 17,48 WWWWW 30,01 WW 6,49 WW 66,15 WWWWWWWWWW® 9,46 WWWWWWWWWW® 2,49 WWWWWW 91,10 WWWWWWWWWW®132,32 WWWWW 8,47 WWWWWWWWW 25,46 W 24,85 W 56,75 WWWWW 61,64 WWWWWWWWWW 52,63 WWWWWW 47,60 WWWWW 1,15 WWWW 19,69

81,78 34,41 10,50 10,55 7,89 5,20 5,09 22,78 14,71 10,49 41,90 2,85 11,88 11,12 18,50 4,32 51,00 4,23 0,86 69,00 97,72 3,35 12,02 17,46 42,82 36,03 14,40 26,40 0,71 12,51

Bremen. Jens Ristedt weiß, dass fünf Generationen Familientradition im Zweifel für nichts garantieren. Sein Haus für Damenmoden im Ansgari-Quartier ist eines der letzten selbstständigen und inhabergeführten Bekleidungsgeschäfte in Bremen. Der Trend geht weiter zu Großbetrieben und Ketten, wie überall in Deutschland. „Gegenüber dieser Konkurrenz kann man sich heute nur noch profilieren, wenn man sich als Unternehmer persönliche Dinge einfallen lässt“, sagt der 42-Jährige. „Und die Kundschaft auf diese Weise direkt anspricht.“ Dazu gehören Hausmodenschauen im Laden. Gerade erst wieder konnten Kundinnen bei Ristedt an sechs Terminen Anregungen für ihre Herbst-Garderobe finden. Der Chef stellt die Kombinationen mit seinen Mitarbeiterinnen selbst zusammen, Ristedts Angestellte entwerfen ihren jeweils ganz persönlichen Look. Eine Mitarbeiterin modelt sogar selbst mit, die anderen Models werden von einer Agentur vermittelt. Die Modenschauen fänden immer mit Voranmeldung statt, damit sich die Kundinnen auf bestuhlten Plätzen in Ruhe ein Bild machen könnten, sagt Ristedt. Bis zu 250 Besucher hätten sich diesmal dafür interessiert. Die Altersgruppe? „Querbeet“, sagt Ristedt, „die Frauen bringen auch zunehmend ihre Ehegatten oder Freunde mit.“ Neben Modeschauen mit Schwerpunkt auf bestimmte Labels, die Ristedt vertreibt, ist das sogenannte Cross-Selling Teil seines Konzepts, mit dem er wirtschaftlich erfolgreich und unabhängig bleiben will. „Wir stellen unser Sortiment einzelteiliger und altersunabhängiger zusammen und decken damit schnelllebige, modische Trends ab.“ Auf der Modenschau tragen die Models dann eben eine Hose vom Hersteller X und ein Oberteil vom Hersteller Y, dazu ein Accessoire vom Designer Z. „In der Tat kaufen viele Kundinnen nach der Modenschau genau eine der vorgestellten Kombinationen“, so Jens Ristedt. Der gelernte Werbe-Kaufmann führt die Tradition seines Vaters fort, der bereits mit Modenschauen, damals im Parkhotel, gearbeitet hat. Aber das waren andere Zeiten.

Lufthansa bestellt zwölf Flugzeuge


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TM M ai 20 11

Handel // Store Konzepte

Heldinnen-Galerie Im Modehaus Heikorn in Singen wurde eine Heldinnen-Galerie eingerichtet: Die etwa 40 m² große Fläche beherbergt Mode von Frank Walder und Taifun. Der insgesamt über 1000 m² große Womenswear-Bereich bei Heikorn mit umfangreichem Sortiment von Cecil bis Gerry Weber wurde vor wenigen Wochen neu gestaltet, nachdem der Umbau der Young Fashion in 2007 und der Herrenabteilung in 2009 nach dem ‚Fünf-Zimmer-Küche-Bad'-Prinzip erfolgt war. Die Grundlage des Raum-Konzepts basiert auf der speziellen Architektur des Gebäudes: Verschiedene Räume von jeweils 30 bis 50 m² Fläche, die das zentrale Foyer mit den Treppen ins Ober- und Untergeschoss umgeben, wurden zu Themen-Zimmern ernannt und entsprechend unterschiedlich gestaltet. So reihen sich in der Damenmode der ‚Rote Salon‘ und der ‚Blaue Salon‘, das ‚Büro‘ und der ‚Turnraum‘ an die Heldinnen-Galerie – die einzelnen Leitmotive wurden sogar in den jeweiligen Umkleidekabinen wieder aufgegriffen. Entwurf: Atelier 522, Markdorf Ladenbau (inkl. Sonderanfertigungen): Gerhard König GmbH, Mengen

194 // TM Mai 2011


Store Konzepte // Handel

Store-Konzepte

Helden im Handel Optimismus, Know-how, Engagement und Kreativität sind die Werkzeuge, mit denen Unternehmer-Persönlichkeiten ihre Visionen wahr machen. Neue StoreFormate regen den Stoffwechsel unifomer Innenstadt-Gefüge an. Die Anlieger und Geschäftsleute sind stolz auf ihr Projekt ‚Ansgari-Quartier‘, dessen erfolgreiche Modernisierung am 15. April endlich gefeiert werden konnte: Mit neuen tiefroten Sonnenschirmen als optischer Klammer, mit Buchsbäumen in Kübeln und einer hölzernen Bühne für Musik- und Kulturdarbietungen zeigt sich der Platz am Ansgarikirchhof in Bremen nun aufgewertet und freundlich. „Das schafft Identifikation mit unserem Quartier und stärkt das Zusammenhörigkeitsgefühl der Anlieger“, meint Peter Schöler, Sprecher vom Lenkungskreis BID Ansgari und einer der Handvoll Anlieger, die die Verschönerungsmaßnahme des Business Improvement Districts Ansgari (www.ansgari-bid.de) initiierten und mitfinanzierten. Zuvor war der traditionsreiche Platz am einen Ende der Bremer Fußgängerzone dem freien Spiel der von InvestorenInteressen geprägten Standort-Entwicklung in der Bremer City preisgegeben – mit den entsprechenden Folgeerscheinungen: Ausgeblichene Schirme mit nicht-lokaler Brauereiwerbung, unruhiges Erscheinungsbild, vernachlässigter, ungemütlicher Gesamtauftritt. „Eine tolle Geschichte, die unser Quartier erheblich attraktiver macht, zum Bummeln und Verweilen einlädt. Darauf sind die Anlieger sehr stolz“, freut sich Jens Ristedt, Inhaber des Modehaus Ristedt und einer der tatkräftigen Anlieger. Standorte sind eben nicht per Zufall ‚gut‘ oder ‚schlecht‘, sondern werden ‚geformt‘. Store-Unikate auch. Zwar ähneln sich viele Haupteinkaufsmeilen durch ihren deckungsgleichen Store-Besatz nach wie vor bis zur Austauschbarkeit. Und starre Marken-Strategien wie die von Hollister, die den absolut identischen Auftritt an allen Standorten

anstreben und damit großräumig expandieren, betonieren diesen Zustand eher, als dass sie ihn ändern würden. Doch es gab schon eintönigere, investitionsärmere Zeiten im Handel. Viele Zeichen sprechen für zunehmende Diversifizierung: Einige große Player weichen von ihrer Einheitsdenke ab und setzen ihre Architekten darauf an, neue lokale Erlebnisräume zu schaffen. s.Oliver zum Beispiel verwandelt nicht nur seine Flagship-Stores in einzigartige Fantasie-Welten, sondern kreiert in ausgegliederten Mini-Stores zauberhaft heimelige Schmuckkästchen für die Accessoires-Linien. Auch die Supermarkt-Betreiber testen neuerdings kleinere, wendige Geschäftstypen, in denen sie mit begrenzten Sortiments-Ausschnitten konkrete Kundengruppen ansprechen, anstatt die Allesfür-alle-Strategie weiter auszubauen. In vielen Orten, auch in Klein- und Mittelzentren, bilden sich neue städtische Oasen, Muse-Plätze für Shopping und soziale Interaktion um einzelne zugkräftige Stores – oder auf Initiative lokaler mittelständischer Unternehmer wie bei Ristedt. Eine örtliche Identität, das Einkaufen 'vor der Haustür' beim lokalen Händler, gewinnt an Zuspruch. Überhaupt scheint bewusstes, aktives und strategisches Konsumieren als echter Ausdruck der Zeit deutlichere Gestalt anzunehmen. Die wachsende Bedeutung karitativer, fairer oder anderswie ethisch-moralisch basierter Aspekte in den Einzelhandel ist nicht mehr von der Hand zu weisen. TM zeigt auf den folgenden Seiten aktuelle Beispiele eindrucksvoller Handelskonzepte, die von starken Unternehmer-Persönlichkeiten initiiert und gesteuert werden.

TM Mai 2011 // 195


Tex t il Wi r tsc h a ft 50 /2 0 1 0

BUSINESS

Im Mittelpunkt des Umbaus stand die Einrichtung Shop-in-Shops von Marc Cain im Eingangsbereich. Neu dabei sind auch Marken wie Basler, Airfield und Luisa Cerano.

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enn es um die Werbung für sein Modehaus und seinen Standorts geht, schreckt Jens Ristedt vor fast nichts zurück. So engagierte der geschäftsführende Gesellschafter des Bremer DOB-Geschäfts Ristedt beispielsweise vor sechs Jahren einen Kettensägenkünstler, der auf dem Ansgarikirchhof zwei Wochen lang aus einem Holzstamm eine Kopie des Bremer Wahrzeichens Roland fräste und schnitzte. „Ich bin nicht nur Modehändler, sondern gleichzeitig auch Entertainer“, erklärt Ristedt, der regelmäßig Kunden-Events wie Modenschauen, Weinproben, Shopping-Nächte und „Verwöhntage“ veranstaltet.

In diesem Jahr ließ der gelernte Werbekaufmann wieder Maschinen anschmeißen. Anlass war diesmal der komplette Umbau des 750 m2 großen Geschäfts in der Bremer Innenstadt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Laden präsentiert sich jetzt hell, modern und großzügig. So wurden etwa der Fußboden in moderner Betonoptik gestaltet, große Pendelleuchten angebracht und ein Kassenblock aus Soliddekor geschaffen. Die neu errichtete lilafarbene Treppe verbindet die beiden Stockwerke und bietet Nischen für die Präsentation von Accessoires. Mit dem Umbau ging auch eine Sortimentsveränderung einher. Neu dabei sind unter anderem Airfield, Backstage, Basler, Cinque, Creenstone, Gaastra, Luisa Cerano, Milestone, Nice Connection, Oakwood und Riani. Zudem präsentiert sich jetzt Marc Cain mit einem eigenen 60 m2 großen Shop. Dieser wird von der neuen Ristedt-Einkaufsleiterin Birgit Neu32

TextilWirtschaft 50 _ 2010

Der Entertainer von der Weser Local Business: Der DOB-Händler Ristedt will nicht nur verkaufen, sondern auch unterhalten

Jens Ristedt ist seit 2001 alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer des Modehauses Ristedt

barth betreut. Die 42-Jährige führte zuvor die Geschäfte des Bremerhavener Geschäfts Milani Mode. „Wir haben uns von Labels getrennt, in denen wir nicht genügend Differenzierungspotenzial sehen und konzentrieren uns verstärkt auf Marken, die in der Stadt noch nicht so stark gestreut sind“, erklärt Ristedt, der an der Hochschule Bremen das internationale Studium „Management im Handel“ absolvierte und seit 2002 im Präsidium des BTE sitzt.

Die Kunst bestehe darin, sich „in einer Nische interessant und spannend zu machen und sich zu unterscheiden.“ Die besagte Nische besteht bei Ristedt aus Premium- und Sportswear-Kollektionen für Frauen ab 35 Jahren. Damit hat er einen wichtigen Schritt in Richtung Neupositionierung gemacht, die er bereits vor Jahren angestoßen und schrittweise verfeinern will. Zur Erinnerung: Das Modehaus Ristedt galt früher als Experte für Klassik, Großkonfektion und Trauermoden. Nach dem Umbau sieht sich der 42-Jährige, der das 1867 gegründete Familienunternehmen seit 2002 in fünfter Generation führt, „gut und zukunftsorientiert aufgestellt“. Die aktuellen Zahlen geben ihm Recht. Das Geschäftsjahr 2009 hatte Ristedt wegen der schwierigen Konjunktur und dem Wegfall wichtiger Lieferanten wie Delmod noch mit einem Pari abgeschlossen. 2010 kann er sich über einen „tollen Zuwachs im zweistelligen Bereich“ freuen. „Das zeigt, dass die Richtung stimmt“, sagt der waschechte Bremer. : BERT RÖSCH


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Handel // Interview

Interview mit Jens Ristedt

Biotop Bremensis Jens Ristedt hat einen Cut gemacht. Das Bremer Traditions-Modehaus Ristedt pr채sentiert sich nach Umbau als hochmodische, hochkar채tige Womenswear-Adresse. Die Kunst sei, so der Inhaber, Neues voran zu treiben ohne seine Tradition 체ber Bord zu werfen.

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Interview // Handel

« Die ganze Branche ist im Umbruch. Schwierige Zeiten sind gute Zeiten für neue Wege. Stillstand ist dagegen Rückstand. »

Dem Modehaus Ristedt dürften die typischen Klischees und Pauschalurteile anhängen. Stehen die „Altlasten“ der Neustrukturierung nicht im Weg? Mein Großvater betrieb hier ein Haus für „Mäntel, Kleider, Hüte und Trauermode“. Die Last dieser Vorgeschichte hatten meine Eltern zu tragen, als sie das Geschäft in ein damals zeitgemäßes Modehaus verwandelten. Einen ähnlichen Bruch erfährt die Geschichte des Hauses jetzt wieder. Nun ist es in meiner Verantwortung, das Konzept zu modernisieren, ohne die Vergangenheit zu ignorieren. Mancher mag in der Tradition ein Hindernis sehen, für mich ist sie ein Wert. Einen ganz neuen Laden zu eröffnen ist der vermeintlich einfachere Weg, aber eben ein ganz anderer. Die Kunst bzw. die Herausforderung liegt darin, die eigenen Vorstellungen zu realisieren und dabei das Bestehende zu respektieren und weiterzuführen.

inhabergeführter Modehandel differenzieren zu müssen. Der Prozess wurde beschleunigt durch Insolvenzen bzw. den Wegfall von Stamm-Lieferanten wie z.B. Delmod.

Kurze Zeit nach der Neueröffnung: Gibt es selbstkritische Anmerkungen? Wir sind mit unserer Neueröffnung sehr zufrieden. Unser neues Konzept findet großen Zuspruch. Wir werden das Sortiment weiter verfeinern. Mit z.B. Closed und weiteren spannenden Marken starten wir zur nächsten Saison. Bei kleineren Labels wollen wir darauf achten, dass sie im Sortiment nicht untergehen. Sie müssen schließlich richtig zur Geltung gebracht werden: Es ist ein bisschen wie zuhause aufräumen – Wenn Sie einmal angefangen haben, fallen Ihnen immer weitere Details auf, die noch zu tun sind, ein dynamischer, kreativer Prozess setzt sich in Gang.

Haben Sie keine Bedenken, Ihre alten treuen Kunden vor den Kopf zu stoßen? Die ganze Branche ist im Umbruch. Zum einen durch den Wegfall vieler Betriebe, der offenen Frage zur Zukunft der Warenhäuser und Fachgeschäfte. Aber auch die Menschen und Zielgruppen verändern sich stark. Ab einem gewissen Alter hat man der Frau bisher gewohnheitsgemäß die Produktgruppe der „Coordinates“ zugedacht. Das funktioniert heute nicht mehr so einfach. Die Menschen kaufen einzelteiliger, individueller und vor allem altersunabhängiger. Die Kundin kombiniert nach Lust und Laune, ist gut informiert und ziemlich professionell. Deshalb müssen die Sortimente heute aufgebrochen werden. Eine starre Flächenaufteilung nach Shops und Lieferanten entspricht diesem Kaufverhalten nicht mehr. Das „Cross Selling“ nimmt massiv zu, dem wollten wir Rechnung tragen.

Was war Auslöser für die Umstrukturierung? Die grundlegenden Veränderungen in unseren Stamm-Bereichen, das Erkennen neuer Wachstumsthemen und der Anspruch, sich als

Der Markt lässt klassische Sortimente ins Wanken geraten … Das Segment der Klassik hat im Laufe der Jahre stark nachgelassen. Die alleinige Ausrichtung auf dieses Spektrum ist für ein Modehaus unserer Größe nicht mehr zeitgemäß. Bei der „gestandenen Frau“, die einen Teil unserer früheren Kundschaft ausmachte, haben neue, schnelllebige Trends einfach nicht die Bedeutung. Sie lässt sich von neuen Impulsen nicht so schnell zu einem Kauf verführen, während die modisch-aufgeschlossenere Kundin eine viel größere Bereitschaft für neue Looks und FashionTrends mitbringt.

Jens Ristedt – die Person Nach Ausbildung zum Werbekaufmann, Auslandsaufenthalten in Schweiz, England, USA und Handelsmanagement-Studium kehrte Jens Ristedt im Jahr 2000 zurück in seine Heimatstadt Bremen und übernahm das elterliche Modehaus 2002 als geschäftsführender Inhaber – in der fünften Ristedt-Generation. Mit der Umstrukturierung seines Hauses befasst sich Ristedt seit Jahren. Mit dem aktuellen Umbau gibt er der Sportswear- und Premium-Kompetenz des Hauses einen neuen passenden Rahmen. Gemeinsam mit anderen Anliegern am Ansgarikirchhof initiierte er das erste „BID“ (Business Improvement District) der Freien Hansestadt Bremen, um die Attraktivität des Ansgari-Quartiers weiter zu steigern: Mit mehr Grün, neuer Beleuchtung, einheitlichen Sonnenschirmen im ersten Step. Das privatwirtschaftliche Engagement hat dazu geführt, dass die Stadtverantwortlichen ihren Fokus wieder stärker auf die Bremer Innenstadt und der qualitativen Weiterentwicklung legen. Zusätzlich ist Ristedt Mitglied im Präsidium des BTE, Köln.

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Früher hatten Sie viele Shop-Flächen klassischer DamenmodeAnbieter unter Ihrem Dach, heute stellen Sie ein handverlesenes individuelles Premium-Sortiment zusammen – quasi Neuland für Sie. Wie gehen Sie vor? Mit Birgit Neubarth haben wir eine neue Mitarbeiterin und versierte Fachkraft gewonnen. Sie bringt langjährige Erfahrung aus dem höherwertigen, sportiven Genre mit. Bei der Order fotografieren und besprechen wir jedes einzelne Teil, um Sicherheit zu erlangen, ob wir die Warengruppen und Themen ausgewogen berücksichtigt haben und wo ggf. Lücken auftauchen. Auch der Feinschliff und die weitere Beurteilung auf der Fläche sind allein nicht zu machen, da ist ein Austausch extrem wichtig. Gerade bei der Vielzahl der Kollektionen ist der individuelle, auf den Punkt gebrachte Einkauf schon eine Riesenaufgabe – aber eben auch die Stärke unserer Zukunft. Bei manchem neuen Lieferanten gab es sicherlich Vorbehalte. Wie gewinnt man neue Lieferanten für eine derartige Sortimentsumwandlung? Die unabhängigen, inhabergeführten Einzelhändler sind doch die Biotope in den Innenstädten, umrahmt von Konzernen, Filialisten und Einkaufszentren. Zu deren Erhaltung und Weiterentwicklung sollten wir die Lieferanten stärker partnerschaftlich mit ins Boot holen. Man muss seine Gedanken, Ziele und Visionen auf sie übertragen. Ziel ist, den Gesprächspartner vom Konzept zu überzeugen, so dass er Vertrauen aufbaut, an ein Konzept glaubt und dabei sein will. Und wie gut ist Ihnen das gelungen? Zum Glück gut! Viele Lieferanten zeigten sich sehr aufgeschlossen und waren von Beginn an dabei, andere zögern noch ein wenig und warten erst mal ab. Für mich war wichtig, zunächst einzelne starke Partner zu finden. Dann setzt ein Domino-Effekt ein, der die Entwicklung beschleunigt und voranbringt.

Wer ist Ihr erster starker Partner geworden? Marc Cain hat mit einem Original-Shop sein Vertrauen ausgesprochen, und wir hatten auf Anhieb einen erfolgreichen Start. Aber auch andere Partner wie z.B. Luisa Cerano, Airfield oder Basler haben uns toll unterstützt. Vom klassischen Damenmode-Haus zum sehr modischen FashionAnbieter – wie gelingt es Ihnen intern, die Hebel umzulegen? Am PoS müssen wir natürlich personell anders aufgestellt sein und anders agieren als zuvor mit unserer Flächen-Konzentration. Der Beratungsservice gut geschulter Mitarbeiter steht wieder stärker im Mittelpunkt. Diese Umstellungen anzupacken ist eine aktuelle Herausforderung. Im letzten Jahr konkretisierten sich Ihre Pläne zu Umbau und Modernisierung, im vergangenen Juli und August wurde sechs Wochen lang umgebaut. Welche emotionalen Phasen haben Sie in der Zeit durchlebt? Das Ganze war ein spannendes Wechselbad der Gefühle. Viele Dinge müssen gleichzeitig angeschoben werden. Einige gehen nicht schnell genug, bei anderen muss man die Entwicklung drosseln. Mir kam unglücklicherweise ein Achillessehnennriss in die Quere. Und schlaflose Nächte während der sechswöchigen Umbauzeit bei laufendem Geschäftsbetrieb. Schließlich muss auch ein Umbau vom Umsatz und Ablauf her gut geplant werden, und bei einem Bestandsgebäude muss man immer mit Überraschungen rechnen. Wir hatten zeitweilig den Haupteingang geschlossen, so dass die Kunden den seitlichen Nebeneingang benutzen mussten. Und, taten sie’s? Zur Ermutigung der Kollegen, die einen aufwändigen Umbau vorhaben, kann ich sagen: Der Kunde ist bei Räumungsverkäufen zu großen Kompromissen bereit. Er geht klaglos durch BaustellenHindernisse und akzeptiert Staub, Schmutz und Lärm. Natürlich

Ristedt im Wandel der Zeiten: Gründung im Jahr 1867, in den 60ern mit Edelholz-Fassade. Rechts: Marc Cain-Premiere zur Neueröffnung im August 2010

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Interview // Handel

haben wir ordentliche Rabattaktionen durchgeführt, um Anreize zu bieten.

väter haben erkannt, dass die Zukunft einer gesunden Einkaufsstadt mehr denn je in einer lebendigen City liegt.

Viele Modefachhändler tragen sich mit dem Gedanken, ihr Geschäftskonzept zu modernisieren. Was raten Sie den Kollegen? Wichtig ist die Vision. Man darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Je weiter man ist, umso klarer werden die Konturen.

Und Sie wollen die Attraktivität des Platzes zurückholen? Perspektivisch wird sich im Ansgari-Quartier viel abspielen: Im Rahmen eines „BID“ steht es im Fokus der städtischen Weiterentwicklung. In diesem „Business Improvement District“ (zu Deutsch: Standortgemeinschaft) haben sich anliegende Grundstückseigentümer zusammengeschlossen, um Maßnahmen zur Verbesserung und Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Raumes zu ergreifen und zu finanzieren. Als Mittelständler ist man verwurzelt und identifiziert sich mit seinem Standort – anders als „nomadierende Filialisten“ oder „anonyme Immobilien-Fonds“. Leider ist man dabei oft auch Einzelkämpfer. Wenn man etwas bewegen will, sollte man jedoch die Mannschaftssportart wählen, sich also mit anderen Gleichgesinnten zusammenschließen.

Weitere Erfahrungen, die Mut machen, einen Umbau anzupacken? Eine positive Erfahrung war sicherlich die Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro PPM – Planung und Projektmanagement aus Dormagen. Nach Briefing, Vorarbeit und Gedankenaustausch zusammen mit der TUB Unternehmensberatung, Köln entwickelte das Unternehmen vor etwa einem Jahr bereits ein digitales 3D-Modell der neuen Innenarchitektur, das sehr genau dem heutigen Laden entspricht. Ohne allzu großen Aufwand kann ein Ladenbauer so heute seine Vorstellungen und Entwürfe vermitteln, das gibt Planungssicherheit. Das Modehaus Ristedt liegt an einem hübschen Platz am einen, dem weniger belebten Ende der innerstädtischen Einkaufszone. Warum glauben Sie, dass Bremen den neuen Ristedt braucht? In Bremen ist der innerstädtische Flächenbesatz hochwertiger Anbieter unterdurchschnittlich. Außerdem fehlt derzeit ein zweites Stadtzentrum. Historisch war der Ansgarikirchhof – der Platz, an dem unser Modehaus heute steht – ein solcher zentraler Punkt mit anspruchsvollen innerstädtischem Flair. Seit dem zweiten Weltkrieg geriet das Gefüge der Stadt leider etwas aus dem Gleichgewicht. In den letzten Jahren litten Kaufkraft und Zentralität der Stadt unter den wachsenden Angeboten der Peripherie – Weserpark, Waterfront, Outlet-Center Stuhr und Dodenhof im Grünen. Durch eine Studie zur Perspektive des Einzelhandels der Bremer Innenstadt wurde deutlich, dass man dieser Entwicklung entgegentreten muß: Die Stadt-

Sind Sie mit der Neustrukturierung Ihres Hauses nicht ausgelastet? Als selbstständiger Mittelständler engagiert man sich gerne für seine Stadt. Mit den Stadtverantwortlichen Kontakt aufzunehmen, sich auszutauschen und dort Gehör zu finden, ist wichtig. Die Städte selber können die anfallenden infrastrukturellen Veränderungen heutzutage kaum noch alleine stemmen. Ich denke, für uns Unternehmer ist es Aufgabe und Chance zugleich, mit Fingerspitzengefühl die Zukunft mit zu gestalten. Als Mitglied des BTE-Präsidiums engagieren Sie sich auch überregional für die Branche: Wie sehen Sie die Zukunft der Zunft? Grundsätzlich sehe ich die Zukunft des kreativen, spannenden Modehandels positiv. Die Schere klafft jedoch immer weiter auseinander. Man muß die Zukunft aktiv angehen. Unsere Branche ist im Umbruch. Schwierige Zeiten sind gute Zeiten für neue Wege. Stillstand ist dagegen Rückstand. // Interview: Kornelia Scholz

Ristedt – Mode erleben! – der Store Größe: 750 m² auf zwei Etagen Mitarbeiter: ca. 18 Sortiment – EG: Der 60qm große Marc Cain/ Marc Cain-Sports-Shop bildet den Sortimentskern, außerdem Labels wie Jagger &  Evans, Oakwood, Gaastra, L’Argentina, Cambio, Cinque, Rosemunde, Sportalm und modische Accessoires von z.B. Liebeskind, Abro, Reptile's House OG: Luisa Cerano, Airfield, Riani, Basler, Backstage, Nice Connection, Creenstone

Obergeschoss mit neuer Premium-Abteilung

Blick ins Schaufenster

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MÄRKTE & MACHER SEITE 1 7

„Wir sind eine echte Bremensie“ Jens Ristedt hat sein seit 140 Jahren bestehendes Modehaus verjüngt und ihm ein neues Image verpasst Von unserem Redakteur Heinz Holtgrefe BREMEN. Jens Ristedt ist in der Freizeit Mannschaftssportler, spielt Basketball und segelt auf hoher See. Auf Teamwork setzt er auch im Beruf: Gemeinsam mit 20 Mitarbeiterinnen im Verkauf und einem Boten steuert er das Dickschiff „Ristedt City Modehaus GmbH“ seit 2002 als Kapitän, sprich als geschäftsführender Inhaber. Damit hat die fünfte Generation das Ruder im 140 Jahre alten Bremer Traditionsunternehmen übernommen. Der 39-Jährige will selbst gar nicht so recht zu dem Image passen, das Ristedt in Bremen hat. Oder besser hatte. „Damenhaft, klassisch, konservativ“, so wurde das Modehaus an der Ansgaritorstraße angesehen, als seine Eltern Klaus und Renate Ristedt sich zur Ruhe setzten. Der Sohn hat in den zurückliegenden Jahren das Haus strategisch neu ausgerichtet, präsentiert es jünger und moderner. Was übrigens nicht der erste Strategiewechsel im Laufe der Jahrzehnte war. 1867 in der Wachtstraße gegründet, war Ristedt die erste Adresse Bremens für Trauerbekleidung. Die Ware wurde damals mit Pferd und Wagen ausgeliefert. In den 1920er Jahren mauserte sich Ristedt zum Mantelhaus und warb zu dieser Zeit mit dem Slogan „Das Haus der großen Weiten“. Nach verschiedenen Stationen am Ostertorsteinweg und in der Sögestraße baute die Familie 1963 ihr neues Textilhaus in der Ansgaritorstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zur Handwerkskammer. Das Holz der alten schweren Tür des historischen Gebäudes wurde vom Architekten des Neubaus aufgegriffen, die Fassade des Ristedt-Hauses wurde mit Teakpanelen vertikal gegliedert. In den Anfangsjahren nutzten die Ristedts das gesamte Haus vom Keller bis zur obersten Etage. Damals gab es noch ein großes Atelier, ja sogar eine eigene Hutmacherei. Lebt von und für die Mode: Jens Ristedt, Inhaber des Modehauses Ristedt in der Bremer Innenstadt. FOTO: FRANK THOMAS KOCH Ein paar hölzerne Modellköpfe aus jener Zeit hat Jens Ristedt kürzlich noch im Keller gefunden. schild auch lieber gewesen, aber die Ware Köpfe der Leute bringen, ihnen sagen, dass Verkauf mit zu Messen und in die regionaHeute sind zwei Ebenen im 2. und 3. Ober- ist sehr teuer mit hochwertigen Zutaten ver- wir nur eine Minute Fußweg entfernt von len Modezentren. Die Damen von der „Vergeschoss an senatorische Dienststellen ver- arbeitet.“ Von diesem Modell gab es je ein der Sögestraße liegen.“ kaufsfront“ wissen am besten, was bei der mietet, Ristedt selbst nutzt das Erdgeschoss Stück in den gängigen Größen, die meisten Die etwas schwierige Situation am Rande Ristedt-Kundschaft besonders gut ankomund das 1. Obergeschoss für die Präsenta- davon sind inzwischen verkauft. des Ansgarikirchhofs teilt Ristedt mit ande- men könnte. Ristedt hat es sich zum Prinzip tion seiner Ware, im Keller befindet sich das Marken spielen in der Mode eine große ren Einzelhändlern. Gemeinsam will man gemacht, die einzelnen Teile nicht sofort Lager. Komplettiert wird das Modehaus Rolle. Ristedt setzt auf etwa zehn Hauptmar- stärker werden, das Vehikel dazu ist die Ar- fest zu ordern, sondern er setzt sich gemeindurch ein Änderungsatelier, denn: „Service ken in seinem Angebot, die es nicht an jeder beitsgemeinschaft Ansgarikirchhof, die sich sam mit seinen Mitarbeiterinnen zunächst ist wichtig und eine unserer Stärken“, so Ecke der Stadt zu kaufen gibt. Und Ristedt immer wieder Werbeaktionen einfallen mit der Ware auseinander. Anhand von FoJens Ristedt. will mit seinem Modehaus selbst eine lässt. „Wir können hier nicht weglaufen“, tos werden die Produkte besprochen, die Mit vollem Namen heißt seine Firma Ri- Marke sein. Wie man Marken macht, das sagt Ristedt und hofft inständig, Einkaufsliste zusammengestellt. stedt City Modehaus GmbH. Auf 750 Qua- hat der Chef des Modehauses in seiner Aus- dass das neue „Brillissimo“ eiErst nach dem Feinschliff geht Trauerkleidung die feste Bestellung an den Liefedratmetern Verkaufsfläche wird ausschließ- bildung gelernt. nen Schub für die Hutfilterlich Damenoberbekleidung angeboten. JahZunächst bildete die Wächter Werbeagen- straße und für das gesamte Umranten raus. Große Weiten resumsatz? Diese Zahl möchte der Inhaber tur ihn zum Werbekaufmann aus, dann stu- feld des Standorts bringen wird, Wobei die Zeiten von nur zwei gern für sich behalten. Ristedt sieht sein dierte Ristedt an der Hochschule Bremen das Niveau insgesamt anhebt. Orderterminen für Frühjahr/ Hutmacherei Haus als „soliden Spezialisten im Umfeld Management im Handel und arbeitete in 140 Jahre Ristedt – das ModeSommer und Herbst/Winter der Generalisten“. Will heißen: Gegen die den Semesterferien als Trainee bei der Wini- haus ist eines der wenigen Gelängst vorbei sind. Die KollektiModern Woman onslaufzeiten der Hersteller werModeriesen in der näheren und weiteren ker Mode AG in der Schweiz, dann bei der schäfte dieser Branche, die sich Umgebung kann und will der geWerbeagentur Lintas in London wie H.W. Meyer oder Stiesing den kürzer, immer wieder ZwiModern Classic schenthemen eingeschoben. lernte Werbekaufmann nicht anund schließlich bei Steilmann als private Textilisten gehalten »Service ist treten. Er sucht sein Heil in verStores Inc. in New York. Sein haben. Jens Ristedt kann deutDas macht die Lagerhaltung schiedenen Nischen. Studium schloss er 1997 als Di- lich mehr Namen aufzählen, die Slogans und Schwer- nicht einfacher. punkte im Wandel wichtig und Für das Erdgeschoss beplom-Kaufmann (FH) ab. Das aus der Handelslandschaft BreAuch wenn der Einkauf noch schreibt Ristedt sein Angebot Thema der Diplomarbeit zieht mens verschwunden sind, zum so gut vorbereitet wird, Jens Rieine unserer mit „Modern Woman“, was für sich auch heute noch wie ein Ro- Beispiel Röben, Hinrichs & Bollweg, Bauer- stedt und seine Fachfrauen sich in der Aussportive Mode für die jüngere ter Faden durch sein kaufmänni- mann, Hirte, Böker, Leffers oder Dyckhoff. wahl einig sind – es gibt immer mal wieder ganz großen Dame steht. Im 1. Obergeschoss sches Handeln: „Positionie„Meine Eltern handelten mit Textilien Ladenhüter. Die werden rigoros der Preis relautet die Devise „Modern Clasrungsstrategien im Bekleidungs- noch als Gebrauchsartikel. Nach dem Krieg duziert, vom Abhängen wird Mode nun mal Stärken« sic“ und soll mit klassisch-moeinzelhandel.“ und weit in die siebziger Jahre hinein war nicht besser. Manchmal springen die Herderner Mode eine gepflegte, gut Der überzeugte Bremer Jens das ein Nachfragemarkt. Heute muss man steller ihren Handelskunden auch zur Seite, situierte Kundschaft anspreRistedt schaut gern über den Tel- mit Engelszungen reden, um zu verkaufen“, indem sie Kollektionen durchtauschen. In Jens Ristedt, chen. Marken wie Basler, DelInhaber der Ristedt lerrand hinaus, pflegt seine Kon- beschreibt Ristedt die veränderten Marktge- Fachkreisen wird dies wenig schmeichelMod, Jette, Wellensteyn, Air- City Modehaus GmbH takte ins Ausland. Er holt sich gebenheiten. Er wehrt sich mit Händen und haft „Penner gegen Renner“ genannt. field und Luisa Cerano sind mit Ideen auf Messen und spürt da- Füßen dagegen, dass das inhabergeführte Und wie hält es Jens Ristedt selbst mit der Teilen ihrer Kollektionen vertreten, Ristedt bei Trends auf. Überregional ist er Mitglied Fachgeschäft zum Auslaufmodell wird. Sein Mode? In seinem Unternehmen gibt es beschreibt die preisliche Positionierung sei- im BTE-Präsidium, dem Fachverband des Modehaus gehört zu den wenigen Anbie- nichts für ihn. Er kauft gern im Bremer Fachnes Sortiments mit „Mittelsegment bis unte- deutschen Textil-Einzelhandels und im Bei- tern, die mehrmals im Jahr eigene Mode- handel, aber auch auf Geschäftsreisen ein. rer Premium-Markt“. rat der Gesellschaft für Internationale Mode- schauen ausrichten – mit Jens Ristedt als Mo- „Ich habe keinen Personal-Shopper“, sagt Wobei besonders edle Teile sofort ins messen, Igedo Company, in Düsseldorf. derator und Entertainer. Der Chef: „Das er, gern unterstützt ihn seine Freundin bei Auge springen. Zum Beispiel eine sportive Vom Standort seines Modehauses in der sind kreative und sehr persönliche Veran- der Auswahl des Outfits. Da ist vom dunklen weiße Jacke von Airfield mit Swarovski-Kris- Bremer Innenstadt ist Jens Ristedt über- staltungen.“ Anzug bis zu edlen Jeans alles dabei, am tallen und auffälligen Knöpfen für 469 Euro. zeugt, auch wenn sich die familieneigene Der geschäftliche Erfolg hängt ganz we- liebsten läuft er allerdings ohne Krawatte heRistedts Erklärungsversuch für den Preis: Immobilie nicht in 1a-Lauflage befindet. Ri- sentlich vom richtigen Einkauf ab. Ristedt rum, doch die ist im Geschäftsleben oftmals „Mir wäre eine drei vorn auf dem Preis- stedt: „Man muss diese hintere Lage in die nimmt deshalb seine Fachkräfte aus dem unverzichtbar.


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TITELGESCHICHTE

FORTGEFÜHRT: IN DER FAMILIE Wie lässt sich die Unternehmensnachfolge regeln? „Wirtschaft in Bremen“ stellt am Beispiel von fünf Unternehmen drei Modelle vor: die traditionelle Familiennachfolge, das Management-Buy-Out und die Gründung einer Stiftung. Lesen Sie in dieser Ausgabe den Teil 1: Wenn die Kinder das Unternehmen übernehmen

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ahr für Jahr stellt sich in rund 71.000 deutschen Unternehmen die Frage der Unternehmensnachfolge. Der Wechsel von einer Generation zur nächsten ist in vielen Fällen ein schwieriger Prozess: Er bedeutet Abschied nehmen und Loslassen können auf der einen Seite, auf der anderen verlangt er die Fähigkeit, ein Unternehmen in die Zukunft zu führen. Wie lässt sich dieser Prozess gestalten? „Wirtschaft in Bremen“ stellt fünf Unternehmen vor, die dies auf unterschiedliche Weise tun – traditionell in der Familie, mit einem Management-Buy-Out und mit einer Stiftung. Den Anfang macht die Familiennachfolge. Wenn die Kinder das Unternehmen übernehmen – Das Beispiel Ristedt – Von wegen „gemachtes Nest“ Als Jens Ristedt im Jahr 2000 beginnt, das Modegeschäft seiner Eltern in der Bremer Innenstadt nach seinen Vorstellungen umzugestalten, erntet er zunächst nicht nur Anerkennung, sondern auch Kritik. Schließlich hatte doch sein Vater seine ganze Kraft in das Unternehmen gesteckt und das Modehaus am Ansgarikirchhof über Jahrzehnte erfolgreich geführt. Und nun sollte alles anders werden? Ab mit den alten Zöpfen. „Mäntel, Kleider, Hüte – das war einmal“, sagt Jens Ristedt; für seine unternehmerische Zukunft hatte er darin keine Perspektive gesehen. Vor fünf Jahren beginnt er daher, gründlich zu „entrümpeln“; analysiert den Markt sorgfältig und richtet das Sortiment streng nach den Erfolgschancen der Warengruppen aus. Das Gebäude wird umgebaut, die Ladenfläche als Shop-System neu organisiert und strukturiert. Der Diplom-Kaufmann entwickelt eine Marketingkonzeption mit einem nach innen und außen völlig neuen Erscheinungsbild. Seine Ausbildung in der Werbeagentur Wächter & Wächter, sein international ausgerichtetes Studium Management im Handel an der Hochschule Bremen und erste Berufsjahre in der Schweiz, in London und den USA stehen dabei Pate.

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Einfach war diese Zeit, in der sein Vater zunächst noch der Geschäftsinhaber war, nicht. „Da wandelt man menschlich manchmal auf einem sehr schmalen Grad“, sagt der 38-Jährige, persönliche Konflikte aber schildert er nicht. Wie sehr konträre Vorstellungen zweier Generationen aber aufeinander prallen können, wie emotional diese Beziehung zwischen Vater und Sohn ist und wie schwer es sein kann, vor diesem Hintergrund ein persönliches Profil zu entwickeln, das lässt sich erahnen. Trotzdem: „Ich bin natürlich auch dankbar! Für den Rat und die Erfahrung, mit der mein Vater mich immer unterstützt hat.“ Erleichtert ist Jens Ristedt, der das Unternehmen seit vier Jahren in der 5. Generation führt, heute darüber, dass seine Pläne sich als richtige und erfolgreiche Weichenstellungen herausgestellt haben. Schließlich ging es dabei um seine unternehmerische Existenz. Er setzt mit einem gepflegten Fachgeschäft inmitten einer von Ladenketten dominierten Damenmode-Einkaufslandschaft auf Individualität, Service und Qualität. Dabei spiele die Produktauswahl und Zusammenstellung seiner hochwertigen Markenware eine entscheidende Rolle. Als Vorteil sieht der „Kreative“, der neuen Ideen am liebsten selbst mit der Kamera nachspürt, auch die Größe seines Unternehmens: „Als kleineres, inhabergeführtes Unternehmen können Sie schnell reagieren, konsequenter Nischen besetzen und sich sehr flexibel auf ihre Kunden einstellen.“ Eine persönliche Kundenbeziehung und Einkaufsatmosphäre hält er auch heute für einen großen Pluspunkt. So wie bei Ristedt sind im vergangenen Jahr nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn rund 31.000 Unternehmen innerhalb der Familie weitergegeben worden. Das ist mit 43,8 Prozent die weitaus größte Gruppe der Familienunternehmen, die einen Inhaberwechsel vollzogen haben. Sie wird gefolgt von Unternehmensverkäufen (21,1 Prozent), der Weitergabe an externe Führungskräfte (16,5 Prozent) und an Mitarbeiter (10,2 Prozent).

Foto Ristedt

VON SILKE SACKMANN


Jens Ristedt f체hrt das Einzelhandelsgesch채ft Ristedt seit vier Jahren in der 5. Generation.

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