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die bewegung eines stadtteil-viertels von

2007 – 2011


DIE REAKTIVIERUNG EINES VIERTELS. (feinstaub frei) arbeit von MA_RIOT


MANIFEST stand > 2011 die zeit ist reif Das Viertel zwischen Lendplatz und Südtirolerplatz hat in den letzten zehn Jahren eine starke Veränderung durchgemacht. Dabei ist eine spezielle Dynamik entstanden, die den Stadtteil zu einem Ort für interessante Begegnungen, spannende Auseinandersetzungen und fruchtbare Konfrontationen machten. Vor vier Jahren entstanden der Wunsch und die Idee, gemeinsam ein Fest in Verbindung von Musik, Kunst und Diskurs im Viertel zu zelebrieren. Eher unbedarft, mit einer gewissen Leichtigkeit im Sein, wurde der Lendwirbel geboren. Diese gemeinsame Aktion auf den Straßen und Plätzen, an einem sonnigen Maiwochenende im Jahr 2008, hat das Geschehen vor Ort nachhaltig beeinflusst und die bisherige Dynamik weiter verstärkt. Der Lendwirbel wurde zu einem gelebten Zustand, innerhalb dessen unterschiedliche Standpunkte, Sichtweisen und Motivationen aufeinandertreffen, sich in einer lustvollen Art und Weise verdichten und zu einer gegenseitigen Bereicherung führen. Dafür möchten wir uns bei den vielen Beteiligten bedanken! Den Lendwirbel sehen wir als Akt der Öffnung des Stadtraums, der uns gerade in Zeiten einer zunehmenden Reduktion des öffentlichen Raums auf Aspekte der Kommerzialisierung und des Konsums wichtig erscheint. Mit dem Trend zur kommerziellen Privatisierung geht eine selektive Kontrolle des öffentlichen Raums einher: Unerwünschte Verhaltensweisen werden verboten und so bestimmte soziale Gruppen aus unserem Blickfeld, dem Stadtraum und damit aus unserer Gesellschaft, verdrängt. Mit zunehmender Kontrolle gehen steigende Ängste einher, welche die Entwicklung unserer Gesellschaft blockieren. Aber: Viele Menschen verspüren wieder verstärkt den Wunsch und die Lust, ein aktiver Teil unserer gesellschaftlichen Entwicklung zu sein. Eine Möglichkeit zur konkreten Teilhabe bietet der uns direkt umgebende Lebensraum. Hier können wir über Interventionen und Aktionen, klein oder groß, eine Steigerung von Wohlbefinden, Sicherheit, Authentizität und damit Gesundheit und Lebensfreude erreichen. Dies hat wohlgemerkt wenig mit dem Design von städtischen “Benutzeroberflächen” zu tun, sondern mit der feinstofflichen Ebene sozialer Beziehungen. Der „Lendwirbel“ besteht aus einem sich ständig verändernden sozialen Netzwerk von Menschen mit dem gemeinsamen Anliegen, den städtischen Raum zu nutzen und dadurch Teil einer öffentlichen Auseinandersetzung zu sein. Es geht um die Frage: Wie wollen wir in unserer Stadt leben und wie kann das Zusammenleben bestmöglich funktionieren? Das Lendwirbel-Netzwerk ist in den letzten Jahren rasch gewachsen und hat sich zu einer Art sozialen Bewegung formiert. Weil das so nicht geplant war, besteht ein Unterschied zu anderen Initiativen: Im Vordergrund steht kein singuläres Problem, das wir lösen wollen. So gibt es auch keinen eindeutig festgeschriebenen Zweck und es gibt keine statutenhafte Organisationsstruktur. Vielmehr geht es um eine freie, lustvolle und aktive Gestaltung unseres Lebensraums. Dabei glauben wir an die Qualität der Offenheit: Durch die Integration von Unterschiedlichem gewinnen Netzwerke an Substanz. Verschiedene Menschen und Milieus – ausgestattet mit unterschiedlichen Ressourcen der Teilhabe – sollen die Möglichkeit bekommen, Teil dieser Auseinandersetzung im Stadtteil zu sein. Für dieses Zusammenwirken braucht es Schnittstellen, Unterstützung und das Abreißen von bestehenden Barrieren. Dafür steht der Lendwirbel und ruft auf, gemeinsam in diese Richtung wirksam zu sein. Erst so kann jene Kreativität gedeihen, welche heute als so wesentliches Gut unserer Gesellschaft angesehen wird, und über die jeder Mensch verfügt. Nur durch die Schaffung dieser konkreten Handlungs- und Gestaltungsspieloptionen kann unser Stadtraum für alle BewohnerInnen ein lebendiger und lebenswerter Raum sein. Wir freuen uns über die positive Wahrnehmung des Lendwirbels als gutes Beispiel für Stadtentwicklung, Integration und Wirtschaftsentwicklung durch unterschiedliche (öffentliche) Bereiche. Der Zuspruch bringt für uns auch eine gewisse Verantwortung mit sich: Uns geht es um konstruktive, aber auch kritische Kooperation: Jede Initiative ist eingeladen Teil des Lendwirbels zu sein, wenn es ihr um die positive Weiterentwicklung des gesellschaftlichen Zusammenlebens in unserer Stadt geht. Die Definition einer positiven Entwicklung kann jedoch nicht durch eine Instanz festgelegt werden, sondern ist Resultat eines gemeinschaftlichen Aushandlungsprozesses. In diesem Sinne wollen wir im Lendwirbel einen Raum des Diskurses schaffen und verwehren uns auch gegen Vereinnahmungen und die Positionierung von Marken und Labels im öffentlichen Raum. Wir bedanken uns bei den UnterstützerInnen des Lendwirbels für ihr diesbezügliches Verständnis.


Seit März 2011 trägt die Stadt Graz den Titel „City of Design“. Auch der Lend mit seinem Wirbel wurde in der Bewerbung als Argument für die Verleihung des Titels angeführt. Wir möchten deswegen klarstellen: Dieser Titel darf nicht zur Legitimierung einer weiteren Oberflächenbehandlung unserer Stadt im Zuge einer Standortvermarktung genützt werden. Vielmehr wollen wir ihn als Start für einen ernsthaften Auseinandersetzungsprozess sehen: Es empört uns, wenn in unserer Stadt Gesetze erlassen werden, die zur selektiven Verbannung bestimmter sozialer Milieus aus dem gesellschaftlichen Leben führen. Ja es stimmt, Begegnungen im öffentlichen Raum können manchmal zu unangenehmen Konfrontation mit Realitäten führen. Zunehmende Armut ist eine solche problematische Realität, die durch eine Aus-den-Augen-ausdem-Sinn-Politik sicher nicht gelöst wird. Um Zynismus handelt es sich, wenn das Bettelverbot als humanistische Idee zum Schutz der BettlerInnen dargestellt wird. Wir wundern uns über die Kurzsichtigkeit der Stadtpolitik: Gerade die Toleranz in einer Gesellschaft wird als wesentlicher Faktor für die Entwicklungsmöglichkeit von kreativen Milieus an bestimmten Orten angesehen. Die Stadt Graz hat sich im Jahr 2003 von einer offenen und kosmopolitischen Seite gezeigt. Ein nachhaltiger Effekt war sicherlich, dass vor allem junge Menschen nach ihrer Ausbildung das Gefühl hatten in dieser Stadt eine Heimat finden zu können. Wir hoffen, dass sich die Stadt Graz wieder auf diese Qualitäten besinnt, um zu verhindern, dass bestimmte Tendenzen zu einem langsamen Tod der kreativen Milieus, durch Abwanderung von diesem Stand-Ort, unserer Stadt, die wir lieben, führen. Apropos „Kreativwirtschaft“ (ein Label, das uns von Anfang an zugeteilt wurde): Wir finden den Begriff der „Kreativwirschaftsszene“ völlig überstrapaziert. Und wir sehen uns auch nicht als kreative Industrie. Wie wir wissen, ist das Industriezeitalter vorbei. Wir erleben im Moment einen epochalen Wandel, der uns unmittelbar betrifft: Fordistisch gestaltete Produktionsprinzipien nationalstaatlicher Organisationslogik führen zu den Systemkrisen, die täglich in den Zeitungen beschrieben stehen. Wir leben in einer transkulturellen Gesellschaft, in der es darum geht, das Wissen und die kreativen Ressourcen aller Menschen nutzbar zu machen. Wir wollen Teil der Gestaltung unserer post-industriellen, kreativen Gesellschaft sein. Die Möglichkeit der aktiven Teilhabe aller BürgerInnen an gestaltenden Prozessen ist dabei das oberste Prinzip. Der Lendwirbel bemüht sich um das kritische Hinterfragen der eigenen Rolle und um Selbstreflexion. Uns ist die Gefahr bewusst, dass wir möglicherweise Teil einer Entwicklung sind, die zu einer Veränderung des sozialen Gefüges im Stadtteil führen kann. Seit der Lend als Szeneviertel gilt, gibt es Veränderungen der baulichen Substanz, die wiederum unmittelbar die Höhe von Wohnungsmieten betreffen. Das wird als Gentrifizierung bezeichnet. Diese Entwicklung wollen wir beobachten und, wenn geht, dagegen steuern. Bestehende Images von der „schlechten Murseite“ möchten wir in einem kreativen Prozess zerstören. Es muss sich jedoch um einen Prozess handeln, in dem deutlich wird, dass Integration und Miteinander ein lustvolles und bereicherndes Experiment sein können. Für die Zukunft des Zusammenlebens und für die Entwicklung unserer Stadt, brauchen wir gemeinsame kulturgrenzenübergreifende Aktivitäten und Ideen, die bis in den schlichten Alltag unseres Zusammenlebens greifen können. In diesem Sinne wollen wir, dass der Lendwirbel selbst immer wieder einem kreativen Zerstörungsprozess unterlegen ist. So vermeiden wir heute etwas festzuschreiben und Strukturen aufzubauen, die Gefahr laufen, der Schaffung und Erhaltung der Macht von morgen dienlich zu sein. Wir hoffen, dass auch dieses Manifest in einer konstruktiven Herangehensweise künftig von unterschiedlich kreativen Menschen, entsprechend dem Verlauf der Geschichte, hinterfragt und weitergeschrieben wird. Um das zu ermöglichen fordern wir: Offene Räume Einen öffentlichen Raum, der als Basis gelebter Demokratie funktioniert. Die NutzerInnen dieser Räume sollen nicht auf die Rolle von KonsumentInnen reduziert werden, sondern Möglichkeiten haben die selbstbestimmten BürgerInnen entsprechen. Strassen, Plätze und Gassen wollen wir so gestaltet sehen, dass Begegnungen zwischen unterschiedlichen Menschen und Milieus möglich sind und nicht die Gestaltung des Designs im Vordergrund steht. Einen öffentlichen Raum, in dem es Erlaubtes an Stelle von Verbotenem gibt. Konflikte sind dabei nur unvermeidbar. Nur so können wir eine kultivierte Konfliktfähigkeit erlernen und wiedererlangen, die entscheidend für die Zukunft unserer Gesellschaft sein wird!


Offene Tauschsysteme Ein Gesellschaftssystem, wo die Stärken und Ressourcen aller Menschen zur Geltung kommen können. Gegenwärtig werden viele gesellschaftliche Potentiale beschnitten, weil eine eindimensionale Sichtweise auf Grundlage einer bestimmten Marktlogik das Geschehen dominiert. Zur Steigerung unseres eigentlichen Bruttosozialprodukts müssen wir ökonomisch orientierte Handelsbarrieren abreißen und Plattformen schaffen, um den Austausch von Können, Talent und Kreativität zu ermöglichen. So können wir benachteiligte Menschen unterstützen, Identitäten und lokale Ressourcen stärken und die Entwicklung unserer Gesellschaft forcieren. Freiwillige, gemeinwohlorientierte Arbeit und soziales Kapital sind gerade in Zeiten knapper Budgets von immenser Bedeutung und müssen entsprechende Wertschätzung erfahren. Hier liegen lokale Antworten auf steigende Armut und globale Krisenerscheinungen. Offene Entscheidungsstrukturen Politische Ausverhandlungsprozesse auf Grundlage eines offenen und konstruktiven Diskurses mit den BürgerInnen sind für uns eine Notwendigkeit. Es gibt gegenwärtig eine zunehmende Tendenz, politische Diskurse zurückgezogen hinter verschlossenen Türen zu führen und die BürgerInnen mit vollendeten Tatsachen zu konfrontieren. Oder Gesetze zu beschließen, hinter denen die EntscheidungsträgerInnen eine demokratische Mehrheit wähnen und die Rechte von Minderheiten ignorieren. In so einer Gesellschaft wollen wir nicht leben. Deswegen fordern wir Teilhabe für alle innerhalb des gesellschaftlichen Gestaltungsspielraums. Damit meinen wir keine BürgerInnenbefragungen und Projektbeteiligungen als Alibiaktion. Es geht uns um die Schaffung einer neuen Kultur unter Berücksichtigung des veränderten Kommunikations- und Informationsverhalten. Wir glauben an die Intelligenz der Vielen, wenn wir alle Teil eines offenen, gleichberechtigten Diskurses sind. Durch diese gebündelte Kreativität wird es möglich, Lösungen für all die gegenwärtigen dringlichen Fragen und Problemstellungen zu kreieren. Dieser Text wurde in synchroner Zusammenarbeit auf einer Onlineplattform von zahlreichen Beteiligten des Lendwirbels verfasst. Vor 15 Jahren haben wohl die wenigsten von uns gedacht, dass so etwas heute möglich ist. In diesem Sinne wissen wir nicht, wie sich die Zukunft darstellen wird. Aber wir alle sollen die Möglichkeit des Mitwirkens haben und nutzen, wenn es um die Gestaltung unserer gesellschaftlichen Entwicklung geht!


VORLÄUFIGES FÜR 2011 stand > 01.04.2011 erweiterungen > sicher Ein Zustand – Kommunikativ kreative und kritische Aktionen im öffentlichen Raum. Uns geht es um die gemeinsame und lustvolle Gestaltung unseres Lebensraums und um Fragen der Toleranz in unserer Gesellschaft. Im Sinne eines Bewusstseins gegenüber unserem Lebensraum bittet euch der LENDWIRBEL: Konsumiert verantwortungsvoll und nehmt euren Müll wieder mit nachhause oder entsorgt diesen bei den dafür vorgesehen Sammelstellen!

AKTUELLERE INFOS UNTER www.lendwirbel.at www.ilend.at iLend ist ein Werkzeug zur Vernetzung von Wissen und Engagement. Durch den Bezug zum Stadtraum dieser Plattform über eine geographische Darstellung wird es möglich, Diskussion und Information mit unserem unmittelbaren Lebensraum zu verbinden. So kann das bestehende Wissen von BewohnerInnen und BenutzerInnen der Stadt gebündelt werden. Im Zuge des Lendwirbels dient die Plattform für die Koordination von Aktivitäten und zur Schaffung eines raumbezogenen Überblicks über das gesamte Programm.

02.05.2011 Lendwirbel & Streetgallery Eröffnungsfest auf der Straße zwischen Südtirolerplatz und Lendplatz. 02.05.2011 ca. 17:00 Schlagzeugkonzert – die TrommelWirbler (Marktplatz). 02.05.2011 – 07.05.2011 Streetgallery – Interventionen im öffentlichen Raum. 02.05. – 07.05.2011 PermaLend+ Breakfast: Kulinarisch-kommunikative Installationen im öffentlichen Raum. Nachbarschaftsfrühstück: Sa 7.Mai 10 – 14h 02.05. – 07.05.2011 Fit mit Elmar 2000 – Morgendliches Versuchsprogramm. 02.05. – 08.05.2011 Interaktives Pong am Kunsthaus Graz – Interaktives Spiel mit PassantInnen. 03.05.2011 Tag der offenen Tür bei DANAIDA: Informieren, essen, trinken, reden (Marienplatz). 03.05.2011 Tanzender Tisch und lange Tafel mit Essen & Trinken – musikalisch-tänzerische Begleitung mit Swing+Boogie mit Baroness TopS und Tina Kern-Theissl (Marktplatz, Macello).

05.05.2011 ab 18:00 Interkultureller Musikstammtisch FreiluftTermin im Rahmen von „Lendwirbel 2011“ Miniworkshop: improvisation – first steps (Park Andräkirche). 05.05. – 06.05 8.00 – 9.00 Ilse-Puck-Revolution. Yoga am Morgen. Zück´ deine Matte! (Terrasse Lendloft) 05.05. – 07.05.2011 Kunst essen. Kunst isst. Akademie für angewandte Photographie (Mariahilferstraße 11). 05.05. – 07.05.2011 Der erste Grazer Nacktscanner im Probebetrieb – für mehr Sicherheit im öffentlichen Raum. 06.05.2011 Internationales Symposion zum Thema „How to Lokal Hero?“ 06.05.2011 Schlagergarten Gloria im Ein:Klang-Garten. 06.05.2011 ab 15:00 Die Scherbe – Jahresfeier + Interkultureller Straßenmarkt + Musikprogramm. 06.05. – 07.05.2011 the portable hole – das Einquadratmetertheater. Einquadratmeter Tanzboden! 15 Minuten Ruhm! 06.05. – 07.05.2011 (Park Andräkirche) Interkultureller JahrMarkt im Gries – Lend me Gries.

06.05. – 07.05.2011 Latino Live-Musik 07.05.2011 30 – 50 Bands auf den Straßen. Je nach Motivation. Musikprogramm national und international (Detailprogramm: www.lendwirbel.at) 06.05 – 07.05.2011 14.00 – 20.00 Streetsoccer Turnier vom Verein Jukus (Lendplatz Marktplatz).

• Sprachen Sparverein ein partizipatives Teilprojekt zum Forschungsund Kunstprojekt „Sprachenlandschaft Graz“. • Bikepolo Rebikel will coole nachhaltige Radmobilität fördern und das Rad als Verkehrsmittel aufwerten. Dazu gehört auch, dass das Fahrrad in der Freizeit in neuen Kontexten gedacht wird und da bietet sich das rasante Bikepolo an, das für sicherlich ordentlich „Wirbel“ sorgen wird im Lendwirbel!

• Schallplattenbörse in Kooperation mit dem Brücke-Shop.

• Screening, 3 lokale Filme: „Bare Droma“ (Romastraßenmusiker in Graz-Rumänien), „die andere universität“ ( eine Doku über die Megaphon-Uni, 62 min), bunter sand“ (Annenviertel/Kunst des urbanen Handelns)

• Work.Less.Power Theaterstück.

• Heinz Trenczack Kurzfilmreihe bei blendend

• diy-stadtplanung (Hauptbrücke Murgrenzposten). Barcampartige Situation.

• Wo heat da Lend auf? Die TaLendeShow in Gries / wenn temporär die private Wohnung zur Open Stage wird... Im Spannungsfeld zwischen privatem und öffentlichem Raum, und der Frage, wo ein Lebensraum endet und ein anderer beginnt, ö­ ffnen vier junge Leute temporär ihre Wohnungstüre und versammeln bei sich das Beste der Gutenstuben-, Probenkeller und Garagenbandmusik.

NOCH OHNE TERMIN

• Kampfkunst-Workshop im Volksgarten. • Wirbeldating – ist Spaß und Spannung pur, ist Fragen und Antworten, ist in neue Augen schauen, ist flirten auf Teufel komm raus, ist Kaugummiautomatenverlobungsringe anstecken, vielleicht auch nur für eine Nacht. • recycle transformation Installation+Performance im öffentlichen Raum mit SchülerInnen. • Performance von 4elements.

• Zwei, drei hörgeREDE-Performances auf den Straßen und Plätzen, statt in den Hallen der Kulturelite.

• Erstpräsentation des Kunstmagazins „Motzelection“. • Silent Disco mit Kopfhörern oder Handy-Headsets zum Ausklang nach dem Musikprogramm • Rollerdisco Kristian Davidek Wem gehört der öffentliche Raum? Seit 2009 unter anderem mir Kristian Davidek und dem FM4 Parkplatzrave. Warum? Ganz einfach: wir haben 6.000 Watt Boxen in einen alten VW Bus montiert und ein vollwertiges DJ Pult aufs Dach gestellt. Damit ziehen wir durchs Land und in die Städte, machen die Türen des Autos auf, fangen zu spielen an und spenden Disco Freude, wo üblicherweise nur betretenes Schweigen herrscht. 2011 möchte der FM4 Parkplatzrave dem Lendwirbel Publikum ein besonderes Geschenk machen. Wir versuchen den Flair der legendären New Yorker Rollschuh-Disko, die jeden Sonntag im Central Park stattfindet, für einige Stunden nach Graz zu bringen. Skates, Blades, Rollschuhe – was immer auf die Füsse passt, uns ist es recht, wir liefern die Sounds dazu. Keine Rollschuhe? Kein Problem, tanzen funktioniert auch ohne super! und und und

• Nicht-klassische Buchpräsetation „Fredsch“.

IMPRESSUM

DANKSAGUNG

Inhalt und Herausgeber: Interessensvertretung Netzwerk Lendwirbel / www.lendwirbel.at

Wir bedanken uns für die finanzielle Unterstützung in den letzten vier Jahren bei: Bezirksamt Lend, Citymanagement Graz, Club Lend, Creative Industries Styria, Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark, Stadt Graz Kultur, Stadt Graz Wirtschafts- und Tourismusentwicklung, Land Steiermark Kultur, Land Steiermark Landesjugendreferat.

Dank der Unterstützung und Abwicklung durch den Verein Feinkost Royal Mariahilferstraße 28 / 8020 Graz / AUSTRIA Koordination und Lektorat: Netzwerk Lendwirbel > Dank an Mara Verlic Gestaltung, Satz, Layout: Netzwerk Lendwirbel > Dank an Kristina Bartosova Bilddokumentation / 4 Jahre Lendwirbel: Netzwerk Lendwirbel > Dank an Lupi Spuma Weitere Bilder: Günther Kubiza > Fotos: Lend Walks Isabel Espinoza, Daniel Bergmayr > Fotos: Lendposer Andreas Strohriegel > Fotos: Wie wir wohnen wollen. Hier und Anderswo > Netzwerk Lokal Heroes Auflage: 5000 Exemplare Siebdruck Cover (1000 Stk. limitierte Extraauflage): ZERUM / www.zerum.at Druck: www.dierotationsdrucker.at

www.lendwirbel.at / office@lendwirbel.at / www.ilend.at

Für die kooperative Unterstützung bedanken wir uns bei: Berufsfeuerwehr Graz-Lend, Stadt Graz Referat Marktwesen, Stadt Graz Straßenamt, Stadt Graz Wirtschaftsbetriebe, Vizebürgermeisterin Lisa Rücker. Diese Publikation entstand mit finanzieller Unterstützung von: Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark, Land Steiermark Kultur, Österreichische Hochschülerschaft der Uni Graz, Stadt Graz Kultur. Nach besten Wissen und Gewissen hat der LENDWIRBEL versucht diese öffentlichen Mittel und Unterstützung in eine bewusstere gesellschaftliche Entwicklung zu investieren!


Konzept und Durchführung: Karin Lernbeiss, Elisabeth Oswald, Isabel Espinoza, Marie Neugebauer,

Mein ist dein ist unser öffentlicher Raum! Die STREETGALLERY ist eine temporäre Ausstellung für Kunst im öffentlichen Raum, die im Rahmen des Lendwirbels alljährlich KünstlerInnen dazu einlädt, sich mit dem öffentlichen Raum Lend auseinanderzusetzen und diesen künstlerisch mittels Installationen oder Performances zu bespielen. Ging es im ersten Jahr der Streetgallery noch um eine Überblickssschau über die Präsenz und Vielfalt der lokalen Kunstszene, so entstand in den Folgejahren ein immer lauterer Aufruf zur aktiven selbstbestimmten Stadtentwicklung. Innerhalb unterschiedlichster Konzepte wurden Aneignung, Öffentlichkeit und Identität, Fundstücke und Verortungen, Wiedererkennung und Zuordnung etc. Themen der künstlerischen Auseinandersetzung Der öffentliche Raum entwickelte sich während des Zeitraums der Ausstellung zu einem Experimentier- und Präsentationsfeld, zu einem Spielplatz der Ideen, bei dem alltägliche Gewohnheiten und Bilder hinterfragt, Blicke in ungewohnte Richtungen gelenkt werden und Transformationen stattfinden, welche die gewohnte Wahrnehmung aufrütteln und uns den öffentlichen Raum neu betrachen lassen und neu erlebbar machen. In den letzten 3 Jahren Streetgallery wurden 96 Projekte mit über 200 aktiven TeilnehmerInnen umgesetzt und haben Spuren hinterlassen: einige Arbeiten sind noch heute im Stadtviertel vorhanden und fröhliche Zeugen von jener Woche, in der der öffentliche Raum als Ausstellungsraum, Wohnzimmer, Büro, Spielwiese, etc. fungiert. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten und Mitwirkenden!


An der schlüsselförmigen Leuchtreklame der Fa. Guldenbrein wurde ein riesengroßer, mit Heliumballons gefüllter Teddybär befestigt. Es entstand eine Installation, die im Sinne des Scaling-Verfahrens gewohnte Alltagsgegenstände im Größenmaß verändert darstellt und auf diese Weise entfremdet. 2009

Living Room.

Schöner Wohnen.

Lendart Projekt. Installation eines Wohnzimmers aus Recyclingmaterial und Fotoarbeit als Ergebnis einer Interaktion mit PassantInnen. Eberl Marianne / Riquelme Yolanda / Schagerl Karin / Stiegler Marina / 2008

Eine bewegende Installation im öffentlichen Raum. Das Projekt „Schöner Wohnen“ ist eine räumliche Intervention im Außenraum – genauer gesagt, ein schaukelndes Wohnzimmer, in dem man es sich gemütlich machen kann, das zur Kommunikation und zur Interaktion einlädt. Ein Entspannungs- und Rückzugsraum mit Ausblick. Ein Spielzimmer zum Seele baumeln lassen für Groß und Klein. Majda Krivograd / Marina Stiegler / Karin Schagerl / 2010

Please Buy My Art.

Lendposer

Kunst ist kein Spiel. 3 lebensgroße Pappfiguren von bettelnden Künstlern sollen darauf aufmerksam machen, dass die Kunst nicht nur Spiel und Spaß, sondern vor allem ein hartes Geschäft ist, in dem viele auf der Strecke bleiben. 2009

Der Lendposer ist eine Installation, die PassantInnen einlädt, ein augenzwinkerndes Über-Ich zu zeigen. Im Zeitalter von Handykameras, Facebook, sozialen Netzwerken wird man verführt viele Identitäten anzunehmen, die mehr oder weniger der Realität entsprechen und diese medial zu präsentieren. Der Lendposer bietet eine weitere Möglichkeit der eigenen „Coolness“ Ausdruck zu verleihen. Am Samstag gab es die Möglichkeit, im Rahmen des Lendposer Fotoshooting, Poserfotos zu realisieren und als Erinnerungsstück vom Lendwirbel mit nach Hause zu nehmen. Bergmayr Daniel / Espinoza Isabel / Goritschnig Andreas / 2010

In Situ. Ex Situ. Vernakuläre Szenarien. Mit diesem Projekt wurde die urbane vernakuläre Landschaft (Lend), bestehend aus unzähligen „Geschichten“ des alltäglichen Lebens (Mikroerzählungen), den PassantInnen sichtbar gemacht. Geieregger Karin / Grader Alexander / Gratl Andreas / Rampula Astrid / Rampula Iris / Schermann Denise / Wohofsky Johannes 2009

Goldsoundz.4 Comicfiguren. 2010 Studierende der Photoakademie präsentierten ihre Arbeiten. 2008


Najama/Dreamcatching Mittels Fotografie, Film, Animation, Skulptur und unterschiedlichen Sounds wurden Eindrücke, Träume, Ideen und Gedanken der KünstlerInnen mit den wissenschaftlich messbaren Vorgängen im menschlichen Organismus zusammengebracht, um daraus eigene Hirn- und Traumwelten zu generieren. Borowiec Marianne / Jagoditsch Julia / Kanizaj Marija / 2008

Choreographierte Photoperformance 10 / RaumZeitGleich / session 3 Die Eigenschaften des Mediums Fotografie werden in choreographierten Rahmenbedingungen erforscht. Es werden die Kategorien |raum|, |zeit| und |perspektive| der Entstehung von Fotografie gezielt beeinflusst. Idee: Igor Fotografic Petkovic, Fotoperformer: Dalibor Budimski, Seff Mitteregger, Jessy Servenay,Ingrid Burkert, Christoph Steinbauer, Stephen Williams, Fabian Dankl, Daniela Murhammer, Katrin Müller, Norbert Adam, Daniel Ganger; mit herzlichem Dank an den Fotoarsch!

Disco Boy. Disco boy is a media installation to promote people’s interaction with new media in the public space on cultural events. Video loop of a girl and a boy dancing was projected on a white screen. (3 m. x 2, 5 m.). 2009

Fondlebox. Der Bezirk Lend als multikultureller und multiethnischer Bezirk, in dem sich trotz der Vielzahl unterschiedlicher Gruppen, die hier nebeneinander leben und arbeiten, auffallend wenige Berührungsflächen ergeben. Die Fondlebox stellt eine Art Handschuhkasten dar, in welchen sich interessierte Personen begeben, die Hände durch 2 Öffnungen und darin montierte Handschuhe stecken und damit in den öffentlichen Raum greifen, ohne jedoch zu sehen oder dabei gesehen zu werden. Vorbeigehende werden animiert, mit der Person durch Berührung in Interaktion zu treten. Die Installation hilft bei der Überwindung oben genannter Berührungsängste, indem sie diese sichtbar macht, physisch überhöht und damit auf spielerischer Ebene überwindbar macht. Cepin Karin / Kestel Tobias / Puschmann Florian / Reiterer Ulrich A. (Sofa 23) / 2008

Dünne Luft aka Leiter nein! Eine 20 m lange Leiter aus heliumgefüllten Luftballons „steht“ freischwebend am Mariahilferplatz. Sie fordert auf erklommen zu werden. Symbolische Verankerung im Kontext der Himmelsleiter, romantische Anlehnung an die Vorstellung der in den Himmel wachsenden Bohnenranke. 2009

Baustellen-Romantik. Ein Baustellenzaun wurde mit mehreren kleinen Gucklöcher versehen. Dahinter verbargen sich Projektionen der Sehnsucht alter Urlaubsdias. Bergmayr Daniel / Espinoza Isabel / 2008

Erzherzog Jesus Museum Parasitic Projection. Die Cooks of Grind eröffneten das Erzherzog Jesus Museum, eine volks- und heimatkundliche Schausammlung über den Messias vom Lend. Das traditionsbewusste Männerkochkunstkollektiv setzte damit ein Zeichen gegen die zunehmende Gentrifizierung und Urbanisierung des Lendviertels. 2009

Mittels Overhead Projektoren wurden Fassaden leerstehender bzw. öffentlicher Gebäude aktiviert. Bergmayr Daniel / Espinoza Isabel / Goritschnig Andreas / 2008


Urbane Legenden. Das Projekt interpretiert Bilder aus der Werbung wie eine Karte und zeigt in ihnen versteckte Nachrichten und Geschichten. 2009

Lend sucht das Glück! Von Glücksgeschichten, Glücksorten und individuellen Glücksparametern. Menschen suchen das Glück. Menschen sind glücklich. Hin und wieder. Dann ist es wieder vorbei. An jene Momente des Glücks erinnert man sich. 2010

Richtungswechsel. Engelswunsch.

Kreide auf Asphalt / ca. 300 x 300 cm Ein aus Graz stammendes Rispengras in herbarisierter Form diente als Vorlage für ein überdimensional vergrößertes Straßengraffiti. Das richtungswechselnde Rispengras wird zu einem urbanen Icon. 2008

Vom Gasthaus zur Werkstätte zum Hotel. Zuletzt Pension für AsylantInnen. Freigangproduktionen machten sich auf die Suche nach Personen, die Geschichten über dieses Hotel erzählen konnten. Die Ergebnisse dieser Suche wurden auf der Fassade des Hotels mittels einer kurzen Performance präsentiert. 2009

(un)happy end im Lend. Multimedia-Installation eines überdimensionalen bespielbaren Gameboys. Im Spiel hüpft ein Hase durch die Lendgegend und begegnet dabei unterschiedlichsten BewohnerInnen des Viertels. Becker Gudrun / Breitwieser Sigrid / Erhardt Tobias / Fröhlich Tanja / Lamprecht Johanna / Magas Claudia / Polanc Erwin / Slobodenka Martin / Steinkellner Ingo / Trinkhaus Eva / Riedmüller Paul / Markus Loder-Taucher / Markus Jausovec / 2009

Alltagswege. Alltagswege, ein durchzogenes Geflecht von Wegen, wurden von den Personen selbst gefilmt, kommentiert und in Schaufenstern im Lend gezeigt. Pusterhofer Martina, zusammen mit Pilch-Ortega Hernandez Angela und Oswald Elisabeth / 2008

Narrationen.

Satirische Animationen.

Mit Hilfe von Performances wurden biographische Erzählungen von Ansässigen im Bezirk Lend sichtbar und hörbar gemacht. Pusterhofer Martina, zusammen mit Pilch-Ortega Hernandez Angela und Oswald Elisabeth / 2008

Querformat, Breite: 100 cm Die Intention dieser Arbeit ist, die temporäre und lokale Verdichtung charakteristischer Identitätskriterien am Beispiel Bezirk Lend spürbar werden zu lassen. Durch dieses Projekt wurde ein urbanes Kaleidoskop des Bezirkes erfahrbar gemacht. 2008

Kurze Animations Clips, die sich kritisch und vor allem satirisch mit der aktuellen Mediensituation auseinander setzen. Die Clips wurden extra für den Lendwirbel produziert und passen sich in ihrer Ästhetik dem urbanen Viertel an. Barth Dominik / Bruns Wolfgang / Degenhardt Hannah-Leah / Haugeneder Klara / Matzer Laura / Peter Gernot/ Plauder Pamina / Prettenthaler Kerstin / Puschenjak Annika / Rainer Elisabeth / Sehovic Majda / Spitzer Sonja / Steirer Anna / Stoiser Marie / Vidonye Helene / Markus Jausovec / Markus Loder-Taucher / 2009


Roomwirbeln. Der Betrachter begibt sich in einen angedeuteten Raum, an dessen Vorderseite ein Brett mit mehreren Schlüssellöchern und diversen Hebeln, Schaltern, Griffen und Knöpfen angebracht ist. Über dem Brett wird mittels eines Beamers ein Bild generiert. Durch die Selektion eines Schlüssellochs mit einem vorhandenen Schlüssel wird der Zugang zu einem Raum aktiviert, der anschließend auf der Leinwand erscheint. Mit den Schaltknöpfen kann der Betrachter den gewählten Raum nun interaktiv entdecken. So öffnet sich durch das Betätigen einer Türklinke ein verborgenes Fenster oder durch Drücken eines Knopfes erscheint eine Gestalt. Wird der Schlüssel in ein anderes Loch hineingesteckt, so begibt man sich in einen neuen Raum. Harald Bischof / Martina Egger / Friebes Arno / Froehlich Tanja Maria / Hraschan Markus / Koenig Ralph / Maier Andrea / Muehlbacher Andrea / Plankensteiner Christina / Schmid Robert / Schuster Michael Ferdinand / Velchev Ivo / Markus Loder-Taucher / Markus Jausovec 2010

Speed x Distance = Time In dieser Installation behandelt Clemens Hollerer das Zeit-Raumverhältnis am Beispiel von Gasleitungsrohren. Er reagiert mit blauem Tape auf die Verwinkelungen der Rohre und unterbricht optisch den Leitungsfluss bzw. erweitert das Liniensystem. 2009

Transfer. Eine ortsbezogene Installation, die sich mit der Verschiebung einzelner räumlicher Elemente und Strukturen befasst hat. Durch die scheinbare Deplatzierung gegebener architektonischer Formen, entstand beim Betrachter ein verändertes Raumgefühl. Der suchende Blick verlief sich in der Installation. 2008

Kein Trinkwasser! Eine große Qualle aus transparenter Membran wurde durch den Wasserausstoß des Brunnens am Mariahilferplatz zum Tanzen gebracht. Die Qualle unterstrich die „kein Trinkwasser“ Beschilderung des Brunnens und gab dem eher trostlosem „Wasserspeier“ einen verspielten Charakter. Hoffmann Sabine / Raggam Thomas / Recher Judith 2009

Eine Suche nach ethischen und moralischen Abgründen des Überwachungsstaates. 2009

Nineteen eighty-four. Diese Videoarbeit als Teil einer fiktiven Installation, einer Symphonie aus Beton und Stahl beleuchtet die beklemmende Thematik der Medienmanipulation und ihrer Organe und erzeugt als Endlosschleife eine rastlose Vertuschungs- und Täuschungspolitik. 2008

Die Strasse. Die Kunst- und Kulturschaffenden, die mit dem Bezirk Lend in Verbindung stehen, wurden aus ihrem Arbeits- und Lebensraum herausgenommen und portraitiert. Die Künstler sind somit nur als „Menschen/Passanten“ erkennbar. Die Portraits wurden in Bezug zum Standort der KünstlerInnen präsentiert. 2008

Stadtbilder können verschickt werden. Sie tragen Erinnerungen und Gedanken. Sie bringen Bilder von einer Stadt in eine andere. Sie überlagern Orte. Sie kommunizieren und teilen mit. Der abgebildete Ort ist nicht mehr zuordenbar. Die Menschen selbst wählen was sie sehen und erkennen wollen. Oswald Elisabeth / Peschl Carola 2008

MUG_lend.

HT 3000. Jeder kennt sie, sie bevölkern unsere Straßen, Plätze und kleinen städtischen Grünflächen, die Hundstrümmerln. HT 3000 ist eine moderne und zeitgemäße Antwort auf diese Situation, HT 3000 schafft eine realistische Illusion von Hundekot auf unseren Straßen ohne unhygienische Nachteile. Heier Barbara / Jäger Matthias / 2008

Neighbourwatch.

Scheitl Kreis. Waldsimulation. Der Wald in der Stadt. Echtzeitsimulation in Raum, Bild und Zeit mit handelsüblichen Holzscheiteln. In Zusammenarbeit mit itschi tsui. Diese Installation wird in – fit mit elmar integriert. 2010

Der MUG_lend ist ein quadratisches Blatt Papier, das dem Lend ein Gesicht verleihen soll. Durch Falten wird das Bild, der Text des Blattes entziffert. Durch unterschiedliche Faltrichtungen werden verschiedene Bilder und Textinhalte kommuniziert. Zusätzlich entsteht ein Alltagsgegenstand (Becher). 2009


MAIBAUM. arbeit von SABRINA UNTERBERGER


Warum ist die Stadt so…? Walking & Reading Seminar, eine gehende und lesende Entdeckungsreise. Zitate von Friedrich Engels, Karl Marx, Doreen Massey, Michel de Certau, HenriLefebvre, Victor Burgin, Anthony Vidler, Mike Davies, Klaus Ronneberger und Elizabeth Wilson treffen Graz. 2010

Aushang der kleinen Welt. Hinter jedem kleinen Stein und hinter jedem Haus verbirgt sich eine ganz eigene Geschichte. Gefahr im Suppentopf oder die kleinen Menschen über dem Kanal sind in einem Glaskasten konstruierte Geschichten aus Spielzeugfiguren. Kanape Philipp / Mandl Nana / 2009

Erwachsen!? Die Frage nach dem Erwachsen sein, die zugleich eine Aufforderung zum Erwachen und der Auseinandersetzung des einzelnen Individuums mit dem Thema selbst ist, wurde von den Künstlerinnen in den öffentlichen Raum gebracht. Eine Verfolgungsjagd im gleichnamigen Video diente als Anregung und Denkanstoß zu den Fragen rund um die Kindheit und das Erwachsen sein/werden wie: Wo ist meine Kindheit heute? Ist sie gut und präsent in meinem Leben oder vergessen und zurückgelassen? UND: holt sie mich ein? Böhm Daniela / Hiefinger Katrin / Oberegger Katharina / 2008

MTV „Music Televison“ Objektinstallation mit einer elektrische Gitarre (live eingespielt), geloopt, anschließend in den Gitarreständer geparkt und mit 20 Röhrenfernsehern kurzgeschlossen: das Audiosignal wird ins Videosignal geleitet und ergibt pulsierende Bildstörungen. Koppold Chris / Sattler Florian / 2008

Rapunzel. Der Rapunzelzopf wurde während des Lendwirbels auf Reisen geschickt. Im Herzen von Lend fand er einen passenden Turm und eine zauberhafte Besitzerin. Prinzen waren erwünscht, wurden jedoch gebeten, ganz konventionell das Treppenhaus zu benützen. Lernbeiß Karin / Michelitsch Verena / 2008

Blattwerk. SelfmadeSaints. Die SelfmadeSaints kamen nach Graz. Zu sehen waren Portraits von Menschen aus dem Umfeld des Künstlers, die sich mit Hilfe einer einfachen Taschenlampe zu Heiligen erheben: die Demokratisierung des Göttlichen. 2010

Shit Happend!! Fotoarbeit. Das Klo als Beichtstuhl. König Ralph / Kral Andreas / 2009

Eine Betrachtung von „Natur“ im urbanen Kontext – Angelegte Park- und Platzanlagen werden, wenn die Bäume ihre Blätter verlieren, zu Landschaften, in denen das Chaos herrscht. Die KünstlerInnen stellten sich die Frage: Was wäre, wenn auch dieses Phänomen nicht mehr den Naturgesetzten unterliegt und wir den Blättern sagen, wohin sie fallen sollen. Kern Martin / Kettele Georg und Stramer Kerstin 2008


Earth Plug.2008

Maiö Bildet Dir Deine Eigene Meinung. Diese Arbeit versucht BesucherInnen und BewohnerInnen vom Lend die Augen für sozialen Strukturen zu öffnen. Im gesamten Bezirk Lend gibt es Tafeln, die auf Besonderheiten hinweisen. Der Besucher ist Mitautor des Werkes, indem er diese Orte fotografisch mit seiner Digitalkamera oder einer Handykamera festhält und durch das Bereitstellen der Fotos (über die Lendwirbel-Website) die Sammlung erweitert. Borowiec Marianne / Grabner Martin, Hoffmann Sabine / Kanizaj Marija / Karelly Alexander / Raggam Thomas / Schnabl Maria / 2009

Lightscraper. Die sich drehende Uhr, am ersten Grazer Hochhaus, welches sich am Lendplatz befindet, wird von einer überdimensionalen Diskokugel ummantelt. Von 4 Scheinwerfern bestrahlt, erzeugt die Kugel einen konkurrierten künstlichen, von weitem erkennbaren Himmelskörper. Durch die Rotation entsteht ein Lichtspiel, welches den urbanen Raum des Lendviertels abtastet und ankratzt. LightScraper beschäftigt sich mit den Themen Zeit, Raum, Proportion und versucht eine noch nie da gewesene Lichtstimmung im Stadtraum zu erzeugen. Martin Kern / Georg Kettele / Xaver Kettele / 2010

GreifBar Die Prostitution in Graz ist ein Thema mit meist obskuren Auswüchsen. Ma-Riot und Philkan zeigten mit ihrer Aktion Greifbar einen Tausch der Geschlechterrollen und boten so den Freiern einen männlichen Kontrast im Bezirk Lend an. Rampitsch Mario / Kanape Philipp / 2008

Die Reaktivierung Eines Viertels

(Bild Siehe Manifest) Rampitsch Mario / 2010

Eingepackt. Alltägliche, für uns selbstverständliche, öffentliche Objekte, wie z. B. Parkbänke, Müllkübel und Fahrradständer verpacken sich in Luftpolsterfolie, um sich vor BenutzerInnen und PassantInnen zu distanzieren und zu schützen. 2010

Osajanje mesta – Conquering the City/ Die eroberung der Stadt Entwarnung! Kultur- und Kunstverein Ljud aus Ljubljana Vida Cerkvenik-Bren / Jaša Jenull / Nika Gabrovšek / Matevž Pistotnik / Jurij Torker 2010

Fotoarbeit zum Thema Entwarnung, Entwicklung, Aufgeregtheit und Endgültigkeit. 2008

Zwischen den Orten. Mittelformat, Farbpositivfilm, gecrosst Die absolute Reduzierung der Fotografie selbst verzichtet auf alle vermeidbaren Komponenten nur Film und Licht zur Fertigung eines Fotos sind notwendig. Die Kamera ist nur Mittel zur Kontrolle und nicht Bedingung eines Fotos. 2008


Loudly, Death Unties

Über die Strasse wurde eine Wäscheleine durch ein Fenster ins Haus gespannt. Die Arbeit ist eine Schnittstelle zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen. Sie beansprucht den öffentlichen Raum und gibt dabei gleichzeitig etwas ganz Privates preis. Myspace für Waschweiber. 2008

Pye Sheila / Pye Nicholas 2008

Yoga John. Fassadengestaltung über 3 Stockwerke. Ein freundlicher Kamerad aus Dispersion und Lack. Dinstl Georg / Lemmerer Simon / Plank Roman / Toman Oliver / Wurm Josef / 2008

Graz is a very beautiful city located among hills in the southeast of Austria. The citizens there live in harmony with the environment and with each other. They take care of all those little things that make living in a town a sublime experience. Kids grow up healthy and relaxed and no big problems happen in this little but amazing city. However, when the night comes, another kind of neighbours, smaller and naughtier ones, become kings of the underground, controlling the nocturne and hidden activities in the city. They have their own laws and work inside the sewers, evading the security systems and the police controls. They are the rats of Graz and among their activities are illeal games, drug dealing and prostitution. The security of a wonderful lifestyle can never get rid of the nocturnality and the barely legal activities. 2009

Untergrabung der Urbanisierung. Maulwurfhügel zogen sich, dem natürlichen Verhalten entsprechend, durch das Viertel. Die Hügel wurden durch einen kleinen Motor eigenständig und unentwegt in Bewegung gehalten, sodass man glauben konnte, ein Tier versucht sich seinen Weg durch den Asphalt zu schaufeln. 2008

Sound system. 2,5 x 1,5 m Abgeschnittenes T-Shirt mit der Aufschrift THE ONLY GOOD SYSTEM IS A... – Kreide und Aufforderung an alle und jede/n zum Überlegen und Beschriften. 2009

Gratsz: the rats of Graz.

Vollkoffer. eine feministische Installation. 2010

deep down Gossip – wer fürchtet sich vorm… – be aware! Fotoarbeit – Von eLENDlich bis LEbeNDig. Reithofer Martina / Sudy Mario 2009


Sitios 08 ist ein Initialprojekt mit dem Ziel ein internationales Netzwerk an der Schnittstelle von Architektur, Stadtforschung und Kunst aufzubauen. Ein Laboratorium des öffentlichen Raumes wurde initiiert. präsentiert von re:mexico / 2008

WegWerfWerbung. Temporäre Installation im städtischen Außenraum Druck und Folie auf Textilgewebe, 850 x 200 cm 2008

Famebox. Laut Andy Warhol sollte ja jeder für 15 Minuten weltberühmt werden. Die „Famebox“ macht es möglich. Sogar in drei Minuten. Ferzola Christian / Moustakidis Iris / Plank Roman / Schuller Jasmin / 2010

Astronaut.

…und stehle die Frauen Interaktive Tanzperformance Stoppt sexuelle Gewalt Vol. 2. Gegen Sex-Arbeit/ Prostitution im Lend, für Sex-Arbeiterinnen/Prostituierte im Lend. Wir stehlen Frauen von der Straße. Wir bitten sie in ein überdimensionales Bündel, um sie dann im Positiven zu bewegen, durch Tanz und, um sie in ihrer Weiblichkeit zu stärken, mit Röcken. Frauen werden unterstützt durch einen Akt der Frauenfreundschaft. 2009

Josef Fritzl Go Home stoppt sexuelle Gewalt

In Religion und Mythos ist das Jesuskind eine göttliche Gestalt, ein Botschafter himmlischer Weisheit. In der modernen Welt der Wissenschaft gibt es solche Boten nicht, sie werden abgelöst von technischen Erklärungsversuchen und Menschen, die im All danach suchen. Das zum Astronauten transformierte Jesuskind wird durch die temporäre Installation mit Alufolie in die Moderne katapultiert. 2008

Mit Dank an TARA (Beratungsstelle bei sexueller Gewalt gegen Mädchen und Frauen). Installation mit soft sculptures. Eva Stern*** / 2008

Free your mind – break the mold.

Gestaltung der Garagentore der Berufsfeuerwehr am Lendplatz. 2010

Gehärtete Kleidungsstücke Der Mensch bricht aus seiner ihm selbst und von der Gesellschaft auferlegten Hülle aus und flieht vor vorgefertigten, angepassten Sozialstrukturen. Im Kontext dazu steht der Drang nach Individualität und Freiheit, raus aus den kollektiven Grundüberzeugungen, der Depersonalisation und Verhaltenskonformitäten. Auf der Suche nach wahren Werten und von dem Gefühl des Verlust des eigentlichen Ichs getrieben, zerreißt er seine optischen Merkmale, verlässt seine genormte Oberfläche und hinterlässt die leblosen Reste seines Daseins. Eder Gernot / Plank Roman / Schwaiger Sandra / Schuller Jasmin / 2009

The Sweets Theory. Paper, clay and fishing wire, 2003 This work depicts a moment of paradox in which good and bad, real and imaginary are dependent on each other. In fact this comic moment reinstates rules and social order. 2008


SchnitzeljagdPerformanceInte ObjektkunstInstallationMusik SchönheitBotschaftBewusstsei triebeGrausamkeitRegieDramatu würdigRealistischFantastisch menLebenSterbenHinweisenVerb störeVerwirrenIrritierenWegw GehirnwäscheFragenAntwortenV TanzenSchlafenAlkoholErzeugen genFriedeFreudeMenschenKinde tikKulturMurZukunftVergangenh SpitzEngelTonFitnessLiteratur WieseBlumeNachbarnTrinkenEss LänderSittenUnterschiedeLeb barschaftInternetWlanWirArch tigUnprofessionalGenialPerfe leichheitGitarreSchlagzeugBa kratieKampfKrampfGeduldStreb terstützungHilfeFrühstückTie renFühlenSehenSchmeckenGeset spielFreaksWohnenGehenStehen zenKommunikationStromRegenSo pendenGebenWaldMarktAbwesend GrazÖsterreichReichArmKunstV nungOrdnungDesignWarumVielle AlleinGemeinsamVerweigernPlan


eraktionSymposiumVolksgarten kSoundKrachLärmRuheHarmonie inStadtEntwicklungBehördenBe urgieLiebeTräumeRealitätMerk hGalaktischExtraFiktionStim bindenVerknüpfenVerplanenVer weisenRichtungenAlternativen VerblendungTunLassenSpielen nVernichtenDiskutierenÜberle erOmaOpaPapaMamaReligionPoli heitLendGriesGrazMariaKosake rPflanzenGrillenRäderAsphalt senKarateKungfuInternational bendigLiebevollMutGaffaNach hitekturSozialGerechtHalbfer ektSporadischLogischTypischG assKlavierFlöteDiktaturDemo benMöglichkeitenVerwehrungUn ereFrauenMännerBücherLesenHö tzeAnarchieBandsTheaterSchau nSitzenLiegenDrogenGeldGren onneWindHagelSturmFlutwelleS dAnwesendNehmenZeigenHelfen VerstreutViertelPozileiUnord eichtSowiesoDarumNichtJaNein nKonzeptlosGrenzelosAfrikaUsw


The Erdhügel Stories.

Quietsch vergnügtes Lenden wirbeln.

Part I: Erdhügel Country In der Serie “The Erdhügel Stories” wird ein ganzer Mikrokosmos eines durchaus gewöhnlichen Erdhügels abgebildet. 2008

„dieser bezirk ist die lendengegend von graz..“ :[bitsch@itsch]: Installation und humorvolle Interaktion red cube – das Bett als Bühne: Ausgehend von den zahlreichen „Spielplätzen“ käuflicher Liebe im Bezirk, wird deren „Innenleben“ nach Außen gestülpt und künstlerisch überhöht. Ein Spiel an der Grenze von Verund Enthüllung.

Gesichtersuche. Durch die Ergänzung des wichtigsten Kommunikationselementes des Gesichts, der Augen, haben die KünstlerInnen einen Ausdruck der Dinge im Stadtraum für die PassantInnen leicht erkennbar gemacht. Spielerisch wurden im gesamten Bezirk Lend Gesichter gefunden und zum Leben erweckt. Schmelzer Ferdinand / Luccioli Alessandra 2009

Die geretteten Köche. Videoarbeit, 20 min. Nach einem Lustspiel von Alfred Kolleritsch: Steirischer herbst 98. 2008

Flusswinde: Steirischer Herbst 05 Episodenfilm, S/W, 70 min. 2008

LIZ: Video s/w, 20 min. Die Entstehung eines Tanztheaters. 2008

Maibaum. So wie es der Brauch verlangt, wird Anfang Mai im Zuge des Lendspektakels das Maibaumaufstellen vollzogen. Die Besucher der Veranstaltung werden dazu eingeladen, den Baum mit untypischen Schnitzereien zu verzieren. Anstatt eines Kranzes werden fliegende Schweine angebracht. Im Rahmen der Eröffnung der Streetgallery wird er feierlich am Lendplatz aufgestellt. 2009

Die krasse Kressefrau Eine lebensgroße Pappmascheefrau liegt entspannt irgendwo auf einer Liege und sonnt sich. Überall wo auch Frauen Haare haben, hat die Kressefrau natürlich Kresse. 2008

Flüsterlend. Behind the Scenes. Dieses Video entstand in einer kurzen Pause während der Dreharbeiten zum Musikvideo „myTV“ der „Band Fiago“. Bauer Daniel / Techt Richard / 2008

Interaktive akustische Installation, die auf dem Prinzip der Flüsterstrecke („Sonic Mirrors“) basiert: Zwei Parabolspiegel (ø 2,7m) sind in einiger Entfernung zueinander ausgerichtet installiert. Menschen im jeweiligen Brennpunkt der Spiegel können so quer über das Lendwirbel-Areal miteinander in Sprechkontakt treten, ein physikalisch-psychoakustisches Erlebnis! Tobias Kestel / Florian Puschmann 2010

tanzt im Gasthaus „Zum Laserkeks“

Jitter Baby, Jitter! Zinzin Milliner lädt die FreundInnen des sich Bewegens ein, den Standardtänzen Schritt für Schritt die Tanzschuhe auszuziehen, um sich selbst im Rhythmus des Gasthaus „Zum Laserkeks“ aufzulösen.


function follows form - or life fucked up Luis Sullivan äh Dankmar Adler äh Henri Labrouste eine Installation zur Architektur wie sie das Leben spielt Von Raumeinschnitten, die zu beliebten Schlafplätzen werden und Elektrokästen, die als Bar genutzt werden bis hin zur Mülltonne, die als Wohnung fungiert. Pichler Eva / Pichler Gerhard 2008

ohne Titel 2006 Der in the smallest gallery präsentierte Auszug einer größeren Serie spiegelt die grundsätzlichen und essenziellen Aspekte der Marktwirtschaft, die unmittelbare Kommunikation zwischen Menschen, das Handeln, wieder. Tesselaar Milo / 2008

Korrektur. Ein einfaches Graffiti „Fick die Polizei“ wir durch minimalen Einsatz von Ressourcen an den wahren Verursacher gerichtet: Wenn schon öffentliche Anklage, dann richtig: „Fick die Legislative!“ Pichler Eva / Pichler Gerhard / 2009

Neunquerneunhoch (Stiege) Pichler Eva / Pichler Gerhard / 2010

Hörbar. 10 Liegestühle, 10 Telefone, 10 kleine rote Würfel Akustische Installation am Lendplatz. Die PassantInnen wählten eine Nummer und wurden mit dem Theater am Lend verbunden. Zu hören gab es akustische Ausschnitte von verschiedenen Aufführungen, die es zu erkennen galt. 2008

Nur noch 5 Minuten…

Der goldene Schnitt.

...und vielleicht würde doch noch etwas Spannendes passieren, wenn mehr Zeit bliebe. Die PerformerInnen haben nur fünf Minuten, dann geht alles wieder von vorne los. Und bald findet sich die Öffentlichkeit mit einem in sich abgeschlossenen Loop-System konfrontiert. Hätte einen die Alltagshandlung nicht weiter berührt, so trifft einen die Wiederholung völlig unvorbereitet und die detektivische Neugierde ist geweckt. 2009

Zur Freude der Menschheit. Der Regenbogen, der immer Glück bringt. Zwischen den Prinzipien Yin und Yang, das Vermittelnde. Etwas tanzt von Form zu Form, ohne stecken zu bleiben, passt sich an, ohne sich zu verlieren. Tanztechniken aus modern Ballet, Butoh und Flamenco. Eva Stern*** / Monika Schabus / Karin Fleckl / 2010

Showroom for public desires. Quick growing weed turns ground floors into green grassland. From white cube to green site inside.To see behind window glass but not to reach for the people from outside. 50 m2 – the largest green in our street. Pichler Eva / Pichler Gerhard / 2008

Noneventeventmonument Iv. Zweintopf verfolgt Robert Venturis Ansatz des dekorierten Schuppens als gegenläufiges Modell von entzweitem Kern und Bekleidung des Gebäudes und nimmt sich dafür ein banales Objekt des Stadtraumes vor. Wenn man so will ist es ein Schuppen, der seine Bestimmung bisher nicht offen kundtut. Nur Neugierige identifizieren seine vielfältigen Funktionen zwischen Stromkasten, Müllraum und geschützter Pinkelecke. zweintopf setzt zu seiner Dekoration an, operiert aber nicht mit Zeichen aus einem architektonischen Referenzsystem, wie Venturi es in seinen Entwürfen vorgibt. „I AM A MONUMENT“ verwendet vielmehr Venturis Slogan in Reinform: Als Behauptung, die die Wahrnehmung des Gewöhnlichen untersucht, wenn über einen „geläutertem“ Blick auch ein grauer Schuppen ästhetische Formen anzunehmen vermag. Es ist der Versuch über symbolische Zeichen (Schrift) ein ikonisches Zeichen (Monument) zu produzieren, das einzig auf deren formulierter Behauptung fußt. Pichler Eva / Pichler Gerhard / 2010

8 Kosmogramme = kosmische Schriftzeichen Sie können die Heilungbringenden Orte im Raum zwischen den Pyramiden, dem Sinai und Jerusalem unterstützen. Ihnen wohnt die Fähigkeit inne, die vitalenergetisch und geistige Grundlage der Wandlung zu verkörpern, durch die sich die aktuellen Zerstörungswellen in Frieden bringende Impulse transformieren lassen. 2008

Fadenwirbel im Lend.

Don‘t use!

Ein „roter Faden“ – Wirbel repräsentiert ein Gestrüpp von Lösungsmöglichkeiten, verpackt in ein Denkspiel der anderen Art. Durstberger Angela / Gruber Gerlinde / Hagleitner Simon / Kirchner Maria / Pinteritsch Stephanie / Steinkellner Jürgen / 2009

Die Installation möchte auf das Recht zur Nutzung des öffentlichen Raumes aufmerksam machen, der vielerorts durch Privatisierungstendenzen zurückgedrängt wird. „Don‘t use!“ heißt die Devise, die es zu hinterfragen gilt. Stocker Kristina / Wieser Désirée / 2009

o.T. Fliesenkreuzinstallation Die Fuge im Pflaster gibt dort Asyl, wo Meinungen in der Konsumwelt anderswo keinen Raum mehr finden. Die Stimme kehrt dorthin zurück, wo sie unbedingt gehört werden muss. In den öffentlichen Raum! Pichler Eva / Pichler Gerhard / 2009


NONEVENTEVENTMONUMENT. arbeit von ZWEINTOPF


Ein Thema zwischen lokalem Spezialwissen und urbaner Kompetenz So einfach wie man beschreiben kann was ein Superheld ist, so vage ist die Definition eines local hero’s, des lokalen Helden. Doch Captain Future ist eigentlich Curtis Newton und Superman heißt in Wirklichkeit Clark Kent. Eine genauere Beschäftigung mit dem Lokal Hero könnte also vielversprechend sein.


Symposien. Was einen Lokal Hero ausmacht, lässt sich am ehesten daran ablesen, was er sichtbar für seine direkte Umgebung leistet und wie stark er in lokale Netzwerke eingebunden ist. Die Fragestellung ob das Engagement um die Gestaltung des eigenen Umfeldes ein Phänomen individueller und lokaler Verwurzelung ist, oder ob es ein ganz selbstverständlicher Aspekt urbanen Handelns sein kann, steckt das Feld ab, das es mit einer Symposienreihe des Vereins Lokal Heroes 8020 in den vergangenen Jahren in Graz zu untersuchen galt. Dabei konzentrieren sich die Symposien auf den Grazer Stadtteil Lend. Als ehemals „Scherbenviertel“ abgewertet und durch undurchsichtiges Gewerbe für gängige Interessensvertreter unattraktiv, entwickelte sich der Lend abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit zu einem Viertel mit extrem hohem Identifikationspotenzial für seine Bewohner. Im Schatten des Kunsthauses entstand etwas für Grazer noch Unbekanntes, eine aktive und kreative Szene, die den europäischen Vergleich nicht scheuen muss. Der vorliegende Überblick der Fragestellungen und Referentenantworten zeichnet positive Impulse dieser urbanen Öffnung des Stadtteils auf, ohne kritische Stimmen auszuschließen. Mit den Symposien wurde das Ziel definiert, den aktuellen Prozess zu unterstützen und einen für jeden zugänglichen Raum zu schaffen, in dem sich verschiedene Standpunkte bezüglich der Entwicklungen im Lendviertel artikulieren ließen. Den Organisatoren der Reihe geht es damit auch darum, das Gespür für den öffentlichen Raum gezielt weiter zu aktivieren. In der Publikation Gries, Lend – Geschichten.Räume.Identitäten, die sich detailliert mit dem Stadtteil Lend beschäftigt, wird ein Spektrum legitimer Handlungen im öffentlichen Raum und dessen Verschiebung angesprochen: „Wo unsere Eltern uns noch ganz selbstverständlich mit selbstgeschmierten Broten und Kaffee aus der Thermoskanne versorgten..., trinken wir heute kostenpflichtigen Latte Macchiato aus Pappbechern...“. Die Thermoskanne von damals ist heute vielleicht schon eher als Symbol der Auflehnung gegen eine allgemeine Kommerzialisierung des urbanen Raumes zu begreifen. Nicht ohne Hintergrund treffen sich kleine Gruppen alljährlich Anfang Mai im Bezirk Lend, um auf den Straßen und Plätzen das Projekt Permalend-Breakfast zu zelebrieren. Sie frühstücken mit dem eigenen Küchentisch und den selbstgeschmierten Brötchen auf dem Bürgersteig oder trinken Kaffee auf dem Parkplatz um die Ecke. Haben wir, als Stadtbewohner, also die Selbstverständlichkeit der Nutzung des öffentlichen Raumes verloren oder abgegeben an einige wenige sogenannte Kreative? Drei Symposien in den vergangenen Jahren kreisten um die Frage nach der dem Stadtbewohner zustehenden Be-Handlung der Stadt. Was ist legitim und was wird von der lokalen Gemeinschaft als angenehm oder unangemessen betrachtet? Wer macht Stadt und wer bleibt unbeteiligt? Wer trägt die Verantwortung für den Ort? Oder welche Einflussfaktoren bestimmen den urbanen Raum? Im Spannungsfeld individueller Interessen, meldet die Stadt Einfluss auf den nicht unwesentlichen Aspekt der Gestaltung des Raumes an. Gestaltung ist hier nicht ausschließlich auf einen räumlich-architektonischen Bereich zu reduzieren, sondern bezieht ebenso soziale und ökonomische Handlungsfelder ein. Bewohner und Stadt sind also aufeinander angewiesen. So liegt es nahe, dass in einem ersten Symposium 2008 die für die Stadt Graz wirtschaftlich und politisch attraktive Umdeutung des Lendviertels, zur Sprache kam. Die Relevanz dieser urbanen Renaissance wurde ausgelotet und im Diskurs befreite man sich von den gängigen Mythen über eine für die Stadtentwicklung instrumentalisierbaren kreativen Szene. Die Referenten erarbeiteten zusammen mit den Akteuren des Lends mögliche Rahmenbedingungen für eine positive Wechselwirkung zwischen städtischen Instanzen und urban-motivierten Agitatoren.

Das Symposium LOKAL HEROES – WOHNEN vom Mai 2009 setzte sich zum Ziel „konkrete Defizite, Anforderungen und Lösungsvorschläge einer künftig notwendigen Wohnungs-, Bau- und Stadtpolitik zu formulieren und in Folge den jeweils verantwortlichen VertreterInnen von Politik und Verwaltung der Stadt Graz zu übergeben“. Da oftmals die Höhen von Mieten und das Angebot von unkonventionell nutzbarem Raum für die Ansiedlung einer kreativen Szene entscheidend ist, wurde betrachtet ob mit bewusst auf die ökonomische Situation potentieller Impulsgeber abgestimmten Maßnahmen ein Gewinn für den gesamten Bezirk zu erreichen ist. Es erschloss sich schnell, dass der Vorgang der Aufwertung zwar stark über die Mieten beeinflusst wird, aber nicht ganz so explizit gesteuert werden kann, wie es Planungsinstanzen bisweilen wünschen. Die Bereitschaft zum prozessualen Agieren wurde ebenso diskutiert, wie die unterschiedlichen Positionen zu Gentrifizierung, ob dirty oder nicht. Das Symposium räumte mit dem Irrtum auf, dass der Kreative oder Künstler alleiniger Auslöser positiver Veränderungen sein kann und damit vorhandene Kräfte verdrängt. Wenn Künstler aus ökonomischen Beweggründen zu räumlichen Pionieren werden, spricht die Fachwelt von den ersten Schritten einer Aufwertung, die für eine Stadt von hohem Nutzen sein kann. So manche Stadt möchte hier konkret kontrollieren, möchte soziale Problemviertel in Künstlerviertel, Künstlerviertel in Akademikerviertel, dann diese in Viertel für Besserverdienende ummodeln und so den maximalen Gewinn bei Lebensstandard und Sicherheit kassieren, ohne kontinuierlich kostenintensive Investitionen zu tätigen. Für diesen ersten Schritt sind Städte mittlerweile bereit Geld auszugeben, Imagepflege zu betreiben und Marketingstrategien zu bemühen. Das passiert völlig unabhängig davon, dass die propagierte Entwicklungskette keinesfalls immer auf diese vorgezeichnete Art und Weise entsteht. Im Gegenteil sind die Impulse urbaner Aufwertung sehr viel komplizierter in ihrer Wirkung und auch nicht einfach an die Gruppe der Künstler, bestenfalls der Lebenskünstler, zu binden. Ausschlaggebender als politische oder stadtplanerische Unterstützung scheint die konkrete lokale Situation zu sein. Es geht um die Konfiguration des „Vor Ort“ und die Motive ansässiger Bewohner, wenn es sich um Umwälzungen handeln soll, die sich langfristig positiv auf einen Stadtbezirk und auf den öffentlichen Raum auswirken. Wenn aber nicht der Künstler, wer kann dann einen solchen Umschwung stützen? Andreas Ruby, Autor aus Berlin, umschreibt in der Architekturzeitung horizonte (#2, 2010) die Träger dieser Transformationsprozesse als lokale „kulturelle Akteure“, die Gesellschaft machen. Sie verfügen über das Wissen und den Zugang zu Ressourcen, die eine Art selbstinitiierte Umprogrammierung eines Ortes möglich machen. Man kann dieses Wissen im besten Sinne als local know-how bezeichnen. Es verschafft seinem Besitzer einen entscheidenden Vorsprung vor dem außenstehenden Planer oder Politiker. Die vorhandenen Informationen werden in Netzwerken und intern unter Gleichgesinnten ausgetauscht. Dabei betrifft dieses Wissen unterschiedlichste Lebensbereiche wie das soziale Gefüge oder den ökonomischen Background. Nicht nur Wohnungen werden so von einer Hand in die andere vermittelt. Klarer Weise werden auch Bedürfnisse und Differenzen, Potenziale und Fähigkeiten dadurch schneller erkannt. Diese werden deshalb auch effizienter genutzt. Das Erlangen des Lokalen Knowhows braucht vor allen Dingen Zeit. Dies einbezogen in die Betrachtung, ergibt sich eine ganz selbstverständliche Nachhaltigkeit lokalen Engagements, da langfristiges Interesse Auslöser ist. Die Verantwortung des Einzelnen fügt sich in die Netzwerke einer veränderbaren Nachbarschaft ein und bestimmt den Ton im Kiez, die Stimmung im Quartier. Einer komplexen Kombination aus der ökonomischen Verfassung des Einzelnen, egal ob ehemals Zuwanderer oder Langzeitbewohner, den infrastrukturellen Vorteilen, einer gewissen Skepsis von Außen und einer sichtbaren räumlichen Patina ist es zu verdanken, dass in einem Stadtteil wie dem Lend ein Klima entsteht, in dem unkonventionelle Aktionen (Nutzungen) zu feststellbaren Verbesserungen führen. Meist wird der Bezirk dadurch erst als ein solcher von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Damit steigt dann auch der It-Faktor eines Quartiers unabhängig davon ob das Gentrifizierung bedeutet oder nicht. Die angesprochenen unkonventionellen Nutzungen bedürfen meist nicht neugeschaffener räumlicher Strukturen. Aus den Umständen der Prekarität, im neueren Sinne als post-fordistisch verstanden, leitet sich ein höchst flexibles Raumbedürfnis ab, welches nicht auf Permanenz und Expansion abzielt. Geringe Distanz zwischen Arbeits- und Lebensraum und der Anschluss an lokale Netzwerke, also auch die Frage nach dem passenden Café für die Pausen, entscheidet hier weit stärker über Auswahl und Aneignung eines Ortes. >


Auch die Teilnehmer des Symposiums LOKAL HEROES – WER MACHT STADT? waren sich einig, dass die Fähigkeit zum Umgang mit prekären Lebenswelten eher von jedem Einzelnen abhängt und nicht einer Gesellschaftsgruppe, oder wie Richard Florida es formuliert, der creative class zu zusprechen ist. Man könnte fast herauslesen, dass die finanziell stabile Arbeitsvariante einer Vollzeitfestanstellung in den jungen Generationen europäischer Städte bewusst gemieden wird. Leben und Arbeiten rücken räumlich zusammen. Wenn diese Grenze verschwimmt, verändert sich auch der Umgang mit den Räumen, so dass ehemals eindeutig wirtschaftlich genutzte Räume nun auch Lebensqualität generieren müssen. Das Mitspracherecht am urbanen Raum, zumindest im direkten Umfeld, wird plötzlich in den ehemaligen Arbeitsvierteln verstärkt eingefordert. Urbane und authentische Partizipation ohne massive politische Subvention wurde im Lend in Graz nicht nur ausfindig gemacht, sondern man wagt die These, dass damit „die klassische Stadtplanung durch Politik und Verwaltung immer mehr an Einfluss verliert“. Und doch sind die Prozesse auf die Hilfe der Politik angewiesen. Die Akteure sind oftmals von öffentlichen Fördergeldern abhängig. Es gab mit dem Symposium den Versuch zu bestimmen, welche Akteure sich heute in diesem Spannungsfeld befinden. Ein Blick in Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen steht noch aus: Ähnlich wie über Prozesse der Gentrifizierung, müsste man auch von Degentrifizierung sprechen. Die auf eine Aufwertung folgende Abwärtsentwicklung macht in unterschiedlicher Intensität fast jeder Bezirk einer Stadt zum einen oder anderen Zeitpunkt durch. Zeitliche Ausdehnung und Ablesbarkeit variieren allerdings heftig. Auch die urbanen Eigeninitiativen haben ihre Halbwertszeiten. Auf die Probe werden die Projekte ebenso gestellt, wenn sich ein Hype entwickelt, wenn sich Prominente und Medien mit einklinken und das lokale Thema irgendwie globalisiert wird. Das Symposium HOW TO LOKAL HERO?, das sich inhaltlich in die Serie der Lokal Heroes Symposien einreiht, stellt zur Debatte welche Wirkungen langfristig zu erwarten sind. Urbane und partizipatorische Projekte sollen nicht als Einmal-Events betrachtet werden. Konstruktiv ist zu diskutieren, ab wann eine Überentwicklung eintritt und zu welchem Zeitpunkt Ideenexport oder Ausdehnung der Projekte nicht mehr die im lokalen Umfeld zu beobachtenden positiven Effekte nach sich zieht. Interessant wird hierbei der Blick in andere Europäischen Städten sein, da diese eventuell relevante Entwicklungen für den Lend aufzeigen. Mit dem Lendviertel und dem lokalen Fest des Lendwirbels steht dem Verein ein sozio-urbanes Testlabor zur Verfügung, in dem reale Partizipation untersucht werden kann. Der Lendwirbel beweist die produktive Existenz eines ausgeprägten, offenen und lokalen Netzwerkes. Die Symposien sind Teil dieses Bezugssystems. So sind Festival und Debatte zwar situationistisches Feuerwerk, in letzter Konsequenz aber eigentlich nichts Anderes als selbstverständliches Nutzen des öffentlichen Raumes durch seine Produzenten. Wer da hineingerät macht mit, nur zuschauen geht nicht. (cg)

2008 Im Mai 2008 fand am Grazer Lendplatz ein Symposium statt, das nach Potenzialen kreativer Szenen für die nachhaltige Entwicklung von Stadtteilen fragte. Das Symposium (und eine begleitende Ausstellung) wurde von den vor Ort arbeitenden und lebenden Architekten Elisabeth Oswald, Gottfried Prasenc und Harald Saiko und von dem Soziologen Rainer Rosegger initiiert. ExpertInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentierten Theorien und Fallbeispiele zur Ansiedlung und Etablierung von Kreativwirtschaft in einem Stadtviertel und deren Folgen für die urbane Atmosphäre des Gebiets. Noch vor wenigen Jahren wäre der Lendplatz wohl kaum als geeigneter Veranstaltungsort für ein derartiges Symposium erschienen. Heute jedoch liegt er inmitten eines Viertels, das gerade im Begriff ist, eine Transformation seines Charakters zu durchleben. Der Stadtteil rund um die Mariahilferstraße zwischen Südtiroler- und Lendplatz hat in den letzten Jahren seinen Ruf als Scherbenviertel zusehends verloren und durch den Zuzug von neuen Geschäften, Büros und Lokalen an urbaner Dichte und Dynamik gewonnen. Derartige Attraktivierungen von Stadtteilen durch kreative Szenen erhalten zurzeit große Aufmerksamkeit in Fachliteratur und Presse. Nicht zuletzt seit Richard Florida geht man davon aus, dass das Vorhandensein einer kreativen Szene als Indikator für den gesamtwirtschaftlichen Aufschwung eines Gebietes gedeutet werden kann. Die Erwartungen an die Kreativwirtschaft sind groß: Rettung der Wirtschaft, Aufwertung benachteiligter Stadtviertel, Wiederbelebung des öffentlichen Raums, Lösungen für den Leerstand oder Ähnliches. Kein Wunder also, dass die Förderung und Ansiedlung kreativer Szenen als Patentrezept in zahlreichen Stadtentwicklungskonzepten aufscheint. Das Symposium „Lokal Heroes 8020 – Kreative, Stadt, Entwicklung“ nahm das von der kreativen Szene vor Ort veranstaltete Stadtteilfest Lendwirbel zum Anlass, um einen differenzierteren Blick auf die Bedeutung von kreativwirtschaftlichem Gewerbe in einem Stadtteil zu werfen. Der Berliner Spezialist für Creative and Knowledge Industries, Bastian Lange, zeigte in seinem Vortrag zehn paradoxe Eigenheiten der Kreativwirtschaft auf, die vor allem den planerischen Umgang mit ihr erschweren. Oliver Frey, Stadtsoziologe aus Wien, sprach über Strategien zur Steigerung der Identifikation der BewohnerInnen mit ihrer Stadt und dem Stadtquartier und deren Implikationen für die Positionierung der Stadt innerhalb des Städtewettbewerbs. Die Wiener Wirtschafts- und Kulturwissenschaftlerin Doris Rothauer hielt einen Vortrag über den Wettbewerbsfaktor „Kreativität“ am Beispiel des Kreativwirtschaftsförderungsansatzes der Stadt Wien. Markus Neppl, Architekt von ASTOC Architects & Planners (D/NL), präsentierte das von ihm entworfene Stadtentwicklungskonzept für ein „kreatives“ Mannheim. Weiters wurde von der Wiener Kulturtheoretikerin und Autorin Elke Krasny die Künstlerinitiative SOHO Ottakring in Wien vorgestellt und von dem Schweizer Geographen und Stadtaktivisten Matthias Bürgin das Zwischennutzungsprojekt nt/Areal im Gebiet eines alten DB-Güterbahnhofs in Basel. Als zentrale Schaltstellen der Thematik kristallisierten sich drei Ebenen heraus: die Ebene der AkteurInnen, die Eben des Stadtraums und die Ebene der Stadtpolitik. Die Ebene der AkteurInnen. Im Kontrast zu den hohen Erwartungen an sie, lassen sich die tatsächlichen AkteurInnen kreativer Szenen nicht so leicht identifizieren: Längst handelt es sich dabei nicht mehr ausschließlich um die künstlerische Bohème. Richard Florida, der Vater der „creative class“, etwa definiert die KreativarbeiterInnen deutlich breiter: Wissenschaft und Technik, Architektur und Design, Bildung, Kunst, Musik und Unterhaltung bilden für Florida den „Superkreativen Kern“ der neuen Klasse, den er allerdings noch um Beschäftigte aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzsektor, Justiz und Gesundheitswesen ergänzt. Nicht jeder Vertreter der oben genannten Bereiche scheint allerdings tatsächlich zu jenen, das Städtebild verändernden, kreativen Szenen zu gehören. Vielleicht lässt sich die Kreativwirtschaft also zusätzlich zu den Arbeitsinhal-


ReferentInnen 2008: Theo Deutinger Rotterdam,TD-Architects Rotterdam Kurt Smetana Ottakring, Gebietsbetreuung Ottakring Philipp Klaus Zürich, INURA Zürich Institut Elke Krasny Wien, Kulturtheoretikerin, Kuratorin, Stadtforscherin und Autorin Markus Wilfling Graz, Künstler

ten noch genauer durch spezifische Arbeitsweisen abgrenzen? Netzwerke, so die einheitliche Meinung der Referenten, kennzeichnen die Arbeitsweisen der Kreativen – komplexe Beziehungsgeflechte, die zum Teil konkret örtliche Nähe bedeuten müssen, wie Oliver Frey betont, zum Teil aber auch digitaler und damit ortloser Natur sein können. Bastian Lange spricht von kreativen Szenen als Motoren für eine neue urbane Arbeitsweise: „Ich bin der Auffassung, dass Attribute, die man an diese neue Ökonomie richtet und mit ihr verbindet, wie Kleinteiligkeit, Authentizität, Flexibilität und Mobilität nur die äußeren Insignien einer neuen urbanen Arbeitskultur sind, die ich in aller Kürze mit dem Begriff ‚prekär’ zusammenfasse.“ Prekär auch deshalb, weil Kreativwirtschaft meist nicht nur die Übernahme von künstlerischen Arbeitsweisen und -inhalten bedeutet, sondern auch die Übernahme des ökonomischen Status der Boheme einschließt. In dem kleinen und überschaubaren Gebiet des Lendviertels kennt man sich. Die Vernetzung der Arbeit geschieht hier ganz nebenbei: auf der Straße oder in dem Lokal „die Scherbe“, vor Ort „Kantine“ genannt. Die direkte Nachbarschaft einer so großen Zahl an kreativen Büros und Ateliers ermöglicht das Verleihen von Arbeitskraft und -inhalten in einer Weise, die an das nachbarschaftliche Verborgen von Salz erinnert. Ein Beispiel für das gewollte Arbeiten in Netzwerken bildet auch die im Lend ansässige Bürogemeinschaft „GAFT“, in der bisweilen mehr als fünfzehn kreative Menschen ihrer Arbeit nachgehen.

Die Ebene des Stadtraums Bezogen auf den Stadtraum ergaben sich im Zuge des Symposiums wiederum zwei Dimensionen, die zwar interdependent sind, jedoch eine analytische Trennung erlauben: Es kann gefragt werden, welche Voraussetzung ein Stadtraum bieten muss, um die Etablierung einer kreativen Szene zu ermöglichen. Die Antwort der ReferentInnen fiel einheitlich aus: Kreativwirtschaft braucht den urbanen Raum. Wie es Elke Krasny beschreibt, können nur aus der Dichte, der Heterogenität und Pluralität der Stadt, Zwischen-Räume entstehen, in denen die Produktion von Neuem möglich wird. Und auf eben diese Produktion des Neuen ist Kreativwirtschaft angewiesen. „Aus den Zwischen-Räumen, den geteilten Zwischen-Räumen, die auch den geteilten Interessen antagonistischer Verhältnisse entsprechen können, kann eine Transformationskraft entstehen, die sich durch Allianzen, Kollaborationen und Begegnungsknotenpunkte auszeichnet.“ (Elke Krasny) Weiters wurde häufig – entgegen der Annahmen rein digitaler Online-Arbeitsweisen – die Ortsgebundenheit der kreativen Szene erwähnt. Markus Neppl erscheint sie gar ein „neuartiges Bürgertum“ zu sein: „Sie engagiert sich lokal, sie ist fester verwurzelt als sie zugibt und sie ‚kümmert sich’ um ihr Umfeld.“ Oliver Frey sieht diesen stark ausgeprägten Ortsbezug in der Notwendigkeit von Faceto-Face-Kommunikation, von lokalem tacit knowledge (implizites Wissen) und in der Möglichkeit des „Verschmelzens von Ressourcen des Ortes, sozialen Netzwerken und Individuen zu einem endogenen Potenzial.“ Man kann also in einem zweiten Schritt auch fragen, welche Auswirkungen eine kreative Szene, hat sie sich bereits in einem Viertel etabliert, ihrerseits auf den Stadtraum hat. Während Bastian Lange von derartig gewichtigen Veränderungen ausgeht, dass er eine neue Form des Urbanismus, den „flexiblen und situativen Urbanismus“, entstehen sieht, scheint diese Frage für andere noch eher offen zu sein. Einigkeit besteht implizit darüber, dass Kreativwirtschaft für eine positive Atmosphäre der Lebendigkeit und Hipness in einem Stadtviertel sorgen kann. Offen hingegen erscheinen Fragen nach Halbwertszeit und nach der Stabilität solcher Szenen. Markus Neppl stellt sich weiters die Frage, ob die kreative Klasse ihren kollektiven Ausdruck in architektonischen Dimensionen suchen wird, oder ob sie dazu zu wenig homogen und zu diffus bleibt. Klar erscheint auch, dass kreative Szenen, über die einzelnen von ihnen angeeigneten Quartiere hinaus, Anziehungspunkte für die gesamte Stadt darstellen. Es sind Viertel, in denen sich nicht nur die AkteurInnen selbst, sondern viele StadtbewohnerInnen und TouristInnen aufhalten wollen: Sie bilden die kritische Masse an KonsumentInnen von Produkten und Dienst-

leistungen, die den Fortbestand der Szene sichern. Es entsteht Flair und Atmosphäre, die sich nicht durch „abwaschbare Stadtteilimagepolitur“ oder „kosmetische Behübschungsstrategien“ (Elke Krasny) erzeugen lassen und daher für die Qualitäten einer Stadt umso kostbarer sind. Das Lendviertel zeichnet sich durch einen baulichen Charakter aus, der gut zu den vernetzten und freundschaftlichen Arbeitsweisen der Kreativen passt. Die relativ niedrigen Häuser, die heterogene Bebauung, die Fußgängerzone und der Bauernmarkt am Lendplatz geben dem Viertel den Charme eines Dorfes in Innenstadtlage; eine Atmosphäre, die sich allerdings erst durch den Zuzug der kreativen Szene wirklich etablieren konnte. Die Mariahilferstraße war über Jahre hinweg vor allem durch Rotlichtlokale und leerstehende Geschäfte geprägt – heute gibt es fast kein leeres Geschäftslokal mehr. Zusätzlich verstärkt wird das Gefühl der Belebung des Viertels durch die teilweise Aneignung des öffentlichen Raums durch die Kreativen, die etwa Bänke oder selbstgebaute Möbelstücke vor ihren Lokalen und Läden aufstellen. Eine häufige Form der Raumaneignung von entstehenden kreativen Szenen stellt die Zwischennutzung von leerstehenden Gebäuden oder Räumlichkeiten dar. Elke Krasny stellte das Wiener Kunstprojekt SOHO Ottakring vor, das vor zehn Jahren mit der künstlerischen Nutzung von leerstehenden Geschäften rund um den Wiener Brunnenmarkt begann. Matthias Bürgin sprach über die großangelegte Zwischennutzung eines ehemaligen Güterbahnhofs in Basel, die zu einer beträchtlichen Wertsteigerung des Areals führte. Auch im Lend konnte man eine derartige Zwischennutzung beobachten: Die Marienmühle, ein großes, lange leerstehendes Gebäude in der Nähe des Lendplatzes, wurde in den späten 90er Jahren von der Kreativszene als selbst angeeignete Künstlerateliers und halblegale Clubbing Location zwischengenutzt. In der Neuerrichtung des Gebäudes „rondo“ an der Stelle der ehemaligen Marienmühle im Jahr 2007 wurde dieser Zwischennutzung Rechnung getragen. Acht Künstler- und vier Wohnateliers werden auf dem Gelände der ehemaligen Marienmühle Kreativen für ein bzw. für ein halbes Jahr mietfrei vom Land Steiermark zur Verfügung gestellt. Die Ebene der Stadtpolitik Wird die Ansiedlung einer kreativen Szene von der Politik als Chance der Aufwertung und Belebung eines Stadtviertels erkannt, so muss man auch Fragen nach der Planbarkeit und den Förderungsmöglichkeiten für die Kreativwirtschaft stellen. „Kreative Szenen sind nicht planbar, aber durch falsche Planung kann ihre Entfaltung massiv behindert werden.“ Dieses Statement von Markus Neppl gibt die generelle Meinung des Symposiums gut wieder. Stadtplanung scheint nicht die Mittel zu haben, willentlich eine kreative Szene in einem bestimmten Gebiet anzusiedeln, sie kann allerdings wachsam sein für aufkeimende Kreativwirtschaften und schnell mit der Schaffung von Rahmenbedingungen reagieren. „Eigenentwicklungen zulassen und Möglichkeitsräume entwickeln!“ sagt Oliver Frey, und Doris Rothauer formuliert: „Kreativität trägt dort am meisten zur ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung bei, wo ihr der notwendige Gestaltungsspielraum zu einem organischen Wachsen gelassen wird, zwar durchaus mit politischer und wirtschaftlicher Unterstützung, aber dennoch selbst bestimmt. Kreativwirtschaft muss gewachsen sein und gelebt werden.“ Stadtpolitik und Stadtplanung müssen in der Arbeit mit kreativen Szenen traditionelle Wege verlassen und gewissermaßen selbst kreativ werden. Elke Krasny formuliert: „Die Forderung ist das Zulassen des Denkens von Möglichkeiten, die vorher nicht denkbar waren. Gewendet zur Forderung, ist es eine Umkehr gewohnter oder konventionalisiert eingängiger Denkrichtungen: statt Vertikalität Transversalität.“ Hinter der Forderung des transversiven Denkens steht die Verabschiedung vereinfachender Konzepte wie BottomUp und Top-Down Methoden. Stadträume und Beziehungsgeflechte sind Strukturen, deren Komplexität, Vielschichtigkeit und Multidimensionalität nicht geleugnet werden dürfen, sondern im Gegenteil sich im Denken über sie widerspiegeln sollen. Erlernen könne man das von den Kreativen selbst: „Von diesen krisenerprobten Akteuren zu lernen, heißt kreative Improvisation und Auseinandersetzung mit der Situation anzuerkennen, um davon urbane Perspektiven sowie planungspolitische Verfahren zu entwickeln.“ (Elke Krasny) „Kreativ steuern!“ fordert Oliver Frey. Gemeint ist mit kreativer Stadtpolitik: das bewusste Ablegen von nicht mehr aktuellen Handlungsstrategien und den Mut zu Veränderungen. Dies bedeutet einerseits mehr Offenheit in der Stadtentwicklungsplanung gegenüber unterschiedlichen Akteuren, Netzwerken und Bedarfsgruppen, andererseits bedeutet es aber auch mehr Klarheit in der Verteilung von Kompetenzen und die Verbesserung von Kommunikationssystemen in der Verwaltung: Gekonnte Partizipation, Empowerment von benachteiligten Gruppen, Aktivierung von Netzwerken, Schützen und Fördern von kulturellen Ressourcen, kooperative Kommunikationsstrukturen und klare Verantwortlichkeiten – so könnte Kreativität nicht nur eine Vision des Stadtmanagements sein, sondern ein Arbeitsprinzip von Politik und Verwaltung. (mv)


ReferentenInnen 2009:

findet deutlich: politisch-öffentliche Maßnahmen müssen den privaten Raum des Einzelnen garantieren. Wohnen in der Stadt ist für Krasny in dem grundsätzlichen Spannungsfeld des Urbanen zwischen Individualisierung und Vergemeinschaftung angesiedelt. Urbanität befindet sich atmosphärisch immer zwischen zwei extremen Polen, die von Simmels Blasiertheit und Reserviertheit (mit dem positiven Nebenprodukt der erhöhten persönlichen Freiheit) bis zu Zardinis Vorstellungen des Lebens in camaraderie und conviviality reichen. Krasny weist auf das Fehlen einer politischen Philosophie des Wohnens hin, die sich entlang der interdependenten Dimensionen der Freiheit, der Reserviertheit, der Distanz, des Kontakts und des Kollektiven entfalten muss.

Andrej Holm Berlin, Soziologe, Stadtaktivist Robert Kaltenbrunner Berlin, Leiter der Abteilung Bauen, Wohnen, Architektur des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung Georg Kogler Wien, Leiter Projektentwicklung, Kallco Bauträger Elke Krasny Wien, Kulturtheoretikerin, Kuratorin, Stadtforscherin und Autorin Patricia Zacek-Stadler Wien, Architektin, Publizistin und Wohnbauforscherin

2009 Das Symposium 2008 beschäftigte sich mit allgemeinen Fragen zu Kreativwirtschaft und deren Bedeutung für die Stadtentwicklung und möglichen Implikationen für politische Handlungen, da der Zuzug einer kreativen Szene in ein Viertel sich zunächst in einer Veränderungen im öffentlichen Raum zeigt. Das Symposium 2009 versuchte einen Schritt weiter zu gehen und zu fragen, wie es hinter dieser Oberfläche im Bereich des Wohnens aussieht. Gentrifizierung ist ein Prozess, der häufig mit dem Zuzug von kreativen Szenen assoziiert wird – ein Prozess, in dem die alteingesessene, teils migrantische, Bevölkerung aufgrund junger zuziehender Pioniere abwandert. Das Symposium stellte sich hierzu die grundlegende Frage, ob solche Gentrifizierungsprozesse auch im Stadtteil Lend zutreffen und ob sie als Verdrängung oder als natürliche Bewegungen in einer kleinen Stadt wie Graz zu deuten sind. Innerhalb einer solchen Transformationsproblematik tun sich Fragen nach den Wohnverhältnissen aller beteiligten AkteurInnen auf: Einerseits scheinen Spannungsfelder zwischen dem Wohnbedürfnis der ursprünglichen Bevölkerung und den neuen Freizeit- und Arbeitsstrukturen der jungen Kreativen vorprogrammiert. Andererseits stellt sich die Frage, ob die neuen netzwerkartigen Arbeitsweisen der Kreativszene auch mit neuen Formen und Modellen des Wohnens einhergehen. Hierzu wurde neben einem Blick auf internationale Wohnmodelle der Fokus vor allem auf aktuelle Wohnbauprojekte im Lendviertel gelegt. Schließlich wurde auch die politische Ebene beleuchtet: Wie wird auf die Schaffung, Veränderung und Umdeutung von Wohnraum innerhalb solcher Transformationsprozesse seitens der öffentlichen Hand reagiert? Mit Untersuchungen derartiger Problemfelder durch internationale ExpertInnen soll zur Entwicklung einer neuen (Umbau)Kultur von Stadt innerhalb eines urbanen Identitätswechsels beigetragen werden, wobei die grundlegende Frage lautet: Ist eine Durchmischung von urbanen Grundfunktionen wie Wohnen, Arbeit und Freizeit in einem ethnisch und sozial heterogenen Stadtviertel angesichts unserer individualisierten Gesellschaft nur eine naive Illusion oder doch ein Allheilmittel? Was heißt Wohnen in der Stadt? Im ersten Vortrag des Nachmittags sprach Robert Kaltenbrunner, Leiter der Abteilung Bau- und Wohnungswesen im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Berlin, über die grundsätzliche Unmöglichkeit das Themenfeld „Wohnen“ jenseits gesellschaftlicher Gesamtentwicklungen zu betrachten. „Es gibt kein richtiges Wohnen im Falschen“ – schließt er an Adorno an und meint damit im Konkreten, dass Wohnen nicht wie im Alltag meist üblich vorwiegend als Privatsache zu sehen sei, sondern als politisches Handlungsfeld. Für die Politik sei dabei vor allem zu beachten, dass Städtebau mehr ist als bauliche Maßnahmen. Da sich Transformationen oft zunächst jenseits des physischen Raums im Bereich des Sozialen vollziehen, gilt es für die Politik auf diese Veränderungsprozesse zu achten und Stadtentwicklung mit anderen, als nur baulichen Mitteln zu denken. Leitbilder und städtische Visionen sollen dabei als Ziele möglichst klar definiert werden, der Weg dorthin aber Raum für temporäre Projekte und Experimente bieten. Im konkreten Bereich des Wohnens könnte – nach Kaltenbrunner – das Leitmotiv lauten: Räume für solidarische Nachbarschaftsquartiere zulassen. Aufgrund demographischer Veränderungen erscheint die physische wie soziale Nähe zu NachbarInnen wieder an Bedeutung zu gewinnen. Möglich werden solche Netzwerke, die auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit und nicht auf juristischen Verbindlichkeiten beruhen, durch ein gewisses Maß Homogenität im Quartier. Segregation erscheint Kaltenbrunner also nicht als grundsätzlich negatives Phänomen, sondern als – in gewissen Ausmaßen – verbindendes Element für eine Nachbarschaft. Als Beispiel führt Kaltenbrunner eine Berliner Baugruppe an, in der über 100 Parteien das Gelände des Urban Krankenhauses in Kreuzberg zu Wohn- und Gewerbeflächen umbauen. Hier kann einerseits eine solidarische Nachbarschaftsgruppe entstehen und andererseits durch geringe bauliche Maßnahmen bereits bestehende Strukturen im Kiez entwickelt werden. Auch Elke Krasny, Kulturtheoretikerin aus Wien meint, Wohnen müsse grundsätzlich weniger als Privatsache denn als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse gesehen werden. Durch den Verweis auf Artikel 25 der Menschenrechte, der das Recht auf Wohnraum als Grundrecht jedes Menschen ausweist, wird die Grauzone zwischen privat und politisch, in der sich das Wohnen be-

Gentrifizierung?! Auf der Suche nach einer allgemeingültigen Definition von Gentrifizierung in der Debatte der letzten 30 Jahre findet Andrej Holm, Stadtsoziologe und -aktivist aus Berlin, zwar keine gemeinsame Beschreibung des Gesamtprozesses, jedoch identifiziert er den kleinsten gemeinsamen Nenner: „Als Gentrifizierung wird ein Prozess beschrieben, durch den Haushalte mit höherem Einkommen BewohnerInnen mit geringeren Einkommen aus der Nachbarschaft verdrängen und die wesentlichen Merkmale und Stimmungen der Nachbarschaft verändern.“ Mit dieser Definition lenkt Holm das Augenmerk auf einen Aspekt der Gentrifizierung jenseits von baulicher und sozialer Aufwertung, nämlich auf die Veränderung der Stimmung bzw. des Charakters oder der Atmosphäre eines Gebiets. Dies führt Holm zu der Erkenntnis, dass es verschiedene Formen der Verdrängung innerhalb des Gentrifizierungsprozesses gibt, die er wie folgt zusammenstellt: • Mit direkter und ökonomischer Verdrängung ist die Vertreibung von BewohnerInnen durch Bedrohung oder Gewalt von Seiten der HauseigentümerInnen oder durch Mietsteigerungen gemeint. • Von indirekter oder exklusiver Verdrängung ist dann die Rede, wenn ein freiwilliger Auszug eines Haushalts erfolgt, jedoch durch Aufwertungen ein Wiedereinzug eines Haushalts mit ähnlichem ökonomischen Status nicht mehr möglich ist. • Mit Verdrängungsdruck durch den Wandel der Nachbarschaft ist gemeint, dass die ursprüngliche BewohnerInnenschaft durch eine veränderte Bevölkerungsstruktur und eine neue Infrastrukturversorgung einstige Vorteile des Wohnorts einbüßt. • Weiters gibt es die Beobachtung der Verdrängung aus dem Lebensstil, die vor allem steigende Mieten und die damit verbundenen Einschränkungen im Gesamtkonsum für die benachteiligte Bevölkerung im Auge hat. Hiermit wird deutlich, dass es zur Abwanderung von alteingesessener Bevölkerung nicht nur aufgrund von Mietpreissteigerungen kommen kann, sondern dass auch der veränderte Charakter eines Viertels und die Wahrnehmung von kulturellen Dissonanzen, sowie der Verlust von sozialen Netzwerken Gründe für den Wegzug sein können. Dies kann für ökonomisch ohnehin schon schwache Personen große Risiken mit sich bringen, die Holm wie folgt umreißt: • Verlust preiswerter Wohngelegenheiten bis hin zur Verdrängung aus dem Gebiet (ökonomisch) • Verlust und Auflösung bestehender sozialer Netzwerke und (Über-)Lebensarrangements (sozial) • Entfremdungstendenzen und Zunahme von kultureller Dissonanz gegenüber dem Quartier und seinen Entwicklungen (kulturell) • Benachteiligung durch sozial exklusive Aneignungspraktiken (funktional) Gentrifizierung nicht nur aus einem negativen Blickwinkel zu betrachten, bemühte sich Georg Kogler in seinem Vortrag. Er betonte den Beitrag den die bauliche Aufwertung für einen Reurbanisierungstrend (und damit gegen eine Zersiedelung des Umlands) leisten kann. Genau jenem Argument, dass Gentrifizierung (bis zu einem gewissen Grad) positiv zu beurteilen sei, wenn sie zur sozialen Durchmischung eines Quartiers beitrage, widerspricht Kogler, wenn er von den funktionalen Risiken spricht: Durch „Abgrenzungs- und Schließungspraktiken“ würden die zuziehenden BesserverdienerInnen ein „räumlich vermitteltes Distinktionsverhalten“ gegenüber den sozial Benachteiligten zeigen, die wiederum keinen Zugang zu den neu entstehenden Infrastrukturangeboten hätten. Als Empfehlung gegen die Vermeidung der negativen Begleiterscheinungen der Gentrifizierung spricht sich Andrej Holm für eine aufgeklärte Pionierfigur aus. Die Pioniere, welche eben oftmals durch die Mitpreissteigerung selbst am Ende die Leittragenden der Gentrifizierung sind, sollen sich von Beginn an mit den möglichen Konsequenzen ihres Zuzuges auseinandersetzen. Er appelliert an die Pioniere sich mit den unsichtbaren VerliererInnen zu solidarisieren und sich kritisch mit der Aufwertung und ihrem Beitrag zur Aufwertung auseinanderzusetzen. In einem Punkt herrschte Einigkeit: die StadtbewohnerInnen sollen sich auch als solche begreifen und ihre Chancen auf die Bespielung des öffentlichen Raumes sowie Mitgestaltung ihrer Stadtteile ergreifen. Dazu bedarf es auf der einen Seite mehr Transparenz im Rahmen der stadtpolitischen Maßnahmen und Mitspracherechte sowie anderseits ein Bewusstsein über die eigene Verantwortung auf der Seite der StadtbewohnerInnen. (mv)


Auffallend jung sind die Menschen, die sich für einen Zuzug in den Grazer Lend interessieren. Seitdem sich diese virulente Szene innerhalb weniger Jahre angesiedelt hat, steht kaum mehr ein Geschäft leer. Abseits offizieller politischer Strategien von Wirtschaftsförderung und Standortmarketing hat sich das Leben und das Stadtbild wirklich und nachhaltig verändert. Die Plätze und Straßen, Ecken und Gassen werden z. B. mit dem Lendwirbel im Mai jeden Jahres zum temporären Spielplatz der Ideen und Experimente und zum Präsentations-, Kommunikations-, Diskussions- und Entwicklungsraum. Es wird gestaunt und gerockt, gekocht und gebastelt, vorgeführt und ausgestellt und der urbane Lebensraum als Bühne des Lebens zurückerobert.

2010 In einem Entwurf der Stadt Graz für ein Stadtentwicklungskonzept ist unter dem Stichwort Integration und Beteiligung von einem Lebensqualitätsindikator zu lesen. Vorstellbar ist eine Maschine, die gewillten Bewohnern sagt, welche Lebensqualität sie zu erwarten haben, sollten sie sich in dem einen oder anderen Stadtteil von Graz niederlassen. Es könnte eine große, laute und komplizierte Informationsverarbeitungsmaschine sein, die gleich irgendwelchen Versuchsapparaten Daten aufnimmt und sie zu potenziellen Glaubenssätzen erfolgsversprechender Stadtentwicklung verarbeitet. Beschrieben wird ein „Rauminformationssystem“ welches „objektive Fakten mit subjektiven Empfindungen der Bevölkerung überlagert, um daraus unterschiedlichen Handlungsbedarf ... ableiten zu können“ (vgl. 4.0 Stadtentwicklungskonzept Graz Entwurf, März 2011). Um beides, die objektiven Fakten und das subjektive Empfinden, für den Lebensqualitätsindikator nutzbar zu machen, muss man diese nun erst einmal feststellen und definieren. Danach wäre man dann in der Lage zu Handeln. Zu kompliziert? Vielleicht. Wenig authentisch scheint eine solche Entwicklungs- und Beratungsmaschinerie, besonders im Vergleich zu der bereits überall in Graz sichtbaren Bereitschaft der Stadtbewohner zur Übernahme urbaner Verantwortung. Statt subjektive Empfindungen werden in diesem Fall konkrete individuelle Lebensvorstellungen und auch der Wille diese umzusetzen formuliert. Eine Triebfeder, die unterschiedliche Interessen zwar aufeinanderprallen lässt, aber auch die notwendige Toleranz für große Verhandlungsspielräume mitsichbringt. Ein Handlungsfeld wird aufgespannt, was irgendwie ein bisschen selbstregulativ, auf alle Fälle selbstinitiiert ist und meistens mit positiven Auswirkungen auf die lokale Identität einhergeht. Dieses Feld braucht allerdings Akteure. Wer steckt dahinter, und wessen Interessen oder Lebensvorstellungen stehen in der Stadt zur Disposition? Im Lend lassen sich Verhandlungsspielräume dieser Art und deren Akteure beobachten. Der vierte Gemeindebezirk Lend erstreckt sich als ehemaliger Gewerbe- und ArbeiterInnenbezirk vom Stadtzentrum bis zum Hauptbahnhof in Graz. Lend hat aktuell etwa 28.000 EinwohnerInnen und mit 25% den zweithöchsten Anteil an Hauptwohnsitzen von NichtÖsterreicherInnen in Graz, Tendenz steigend. So treffen rund um Mariahilferstraße und Lendplatz heute verschiedene Kulturen aufeinander. Der seit dem 18. Jahrhundert bestehende Bauernmarkt, Rotlichtetablissements und alte Wirtshäuser stehen neben Kunsthaus, Haus der Architektur oder Kunstvereinen wie dem Medienturm oder Rotor. Zu migrantischem Leben gesellen sich alternative In-Lokale sowie zahlreiche KünstlerInnenund Kreativkollektive mit ihren Büros, Ateliers und Läden. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie in diesem Bezirk wohnen und/oder arbeiten, also radikal anwesend sind und sich den urbanen Raum teilen.

Die These, dass Stadtplanung und konkrete Stadtteilentwicklung durch Politik und Verwaltung immer mehr an Einflussmöglichkeit verliert oder verspielt, bestimmte die Fragestellung, wer die AkteureInnen solcher Handlungsräume heute und in Zukunft noch sein können und was das Leben in der Stadt ausmacht? Dabei interessierte die Sphäre des Stadtraumes als Bühne des Lebens ebenso, wie die verschiedenen Lebensformen der Individuen und Communities, die diesen heutzutage bevölkern. Wenn in der Architektur und im Städtebau der Eindruck von Stadt, die Anmutung eines Raums als Urbanität bezeichnet wird, so ist es in der Soziologie eine Lebensweise, wie sie nur in einer Stadt entstehen kann. Beiden gemeinsam ist die Stadt, die wir täglich gestalten und beeinflussen, in der wir wohnen und arbeiten. Im Gegensatz zu der im vergangenen Jahrhundert etablierten Auffassung, dass Stadt das Anonyme ist, das Fremde, rücken die heutigen Erlebnisse, die Stadt in Richtung Gemeinschaft. Das Wir wird wichtig und lässt Netzwerke entstehen, die sowohl im lokalen als auch im globalen Kontext funktionieren. Allgemeines migrantisches Verhalten, Hinzuzug und Wegzug der Akteure, vermeidet, dass aus dem Gefühl Stadt das Gefühl Dorf wird, trotz engerer lokaler Zusammenschlüsse. Im Wesentlichen tauschen sich die Akteure aus, sorgen für immer neue Impulse und verschaffen damit allen Beteiligten Zugang zum öffentlichen Raum. (cg)

ReferentenInnen 2010 Matthias Bürgin Basel, Berater für Stadt und Kultur Oliver Frey Berlin, Stadt und Raumplaner Bastian Lange Leipzig, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter am Leibniz-Institut für Länderkunde Markus Neppl Baden-Württemberg, Professor Stadtquartiersplanung, Entwerfen, Städtebau Doris Rothauer Wien, Wirtschaftswissenschaftlerin, Kulturmanagerin, Kuratorin


definitions by heart: nicht immer allgemeingültige Definitionen wichtiger Begriffe in der Diskussion um urbane Entwicklung bezüglich der Grazer Situation, (gesammelt und zitiert)

ben, damit die Kreativwirtschaft ihr maßgebliches Potential für die Attraktivitätserzeugung der Stadt weiterhin entfalten kann. Wie kann nun die Sicherung dieser Kleinstunternehmer gewährleistet werden? Derzeit gibt es keine fruchtbaren Strategien. Die Stadtverantwortlichen bauen auf die Kreativität jener, die jetzt schon unter sehr prekären Arbeitsverhältnissen und nur durch sehr viel Arbeitseinsatz und Selbsthilfe überleben. Somit zeigt sich auch in Zürich das Paradoxon der Kreativwirtschaft. Eine mögliche Alternative zur Sicherung des Potentials der lokalen Kreativwirtschaft bestünde in der Steuerung von Boden- und Mietpreisen.“ Aus Wie Zürich zu seinen Kreativen kam... und sie behalten sollte. (Phillip Klaus, 2010)

Prozess, ein: im Kern eine fortlaufende, schrittweise Veränderung durch reaktive Handlungen (cg) Entwicklung, die: Veränderung, fortlaufender Wandel (vgl. Duden) reziprok: re·zi·prok, auch re·zip·rok; aus dem Lateinischen; wechselseitig, in Wechselbeziehung stehend, gegenseitig (vgl. wiki) SOHO: heute in Wien im Stadtteil Ottakringen zu finden. Unabhängige, beispielhafte Selbstinitiative mit sichtbaren, hörbaren und bleibenden Auswirkungen auf die räumliche und soziale Konstitution des urbanen Umfeldes (cg) Gemeinde, die: auch Kommune, eine verwalterische Einheit, administrative Entität; bisweilen auch emotional und gesellschaftlich definierbar (vgl. Wiki; cg) LEND, der: Nirgendwo ist Graz derzeit aufregender (Falter 20/08); siehe auch Heimat (cg) Initiative, die: von lat. Initium; Anfang, Beginn oder Anstoß einer Handlung, Unternehmungsgeit und Entschlußkraft (vgl. DUDEN) Partizipation, die: (v. lat.: particeps = an etwas teilnehmend; zugehöriges Verb: partizipieren) Beteiligung, Teilhabe, Teilnahme, Mitwirkung, Mitbestimmung, Einbeziehung‘. Partizipation gilt als gesellschaftlich relevant, weil sie zum Aufbau von sozialem Kapital führen kann und dann soziales Vertrauen verstärkt. (wikipedia) Stadtteil, ein: oder auch Quartier, Bezirk; untergeordnete administrative Einheit einer Stadt; bisweilen als Marke oder Namen verwendet; manchmal symbolische Bedeutung über die geografischen Grenzen hinaus; eventuell auch auf metaphorischer Ebene verwendet; Beispiel: Bronx, Kreuzberg etc. (cg) lokal hero, der: auch genannt der lokale Held, während sich lokal sowohl von der Bezeichnung eines dem Helden zugewiesenen Umfeldes ebenso ableiten lässt, wie von dem allgemein gebräuchlichen Wort Lokal für Gaststätte, Café oder ähnliches (cg) 8020: Postleitzahl Lend, Graz, Stmrk. Lokal, das: Aufenthaltsort mit großer Annehmlichkeit, je nach Ausstattung; vgl. Wohnzimmer (cg) Roundtable, der: runder Tisch, Fläche zwischen Gesprächspartner, verbindend und in Relation setzend (cg) kreative Prozess, der: Jeder kreative Prozess findet in einem Ökosystem statt, dessen Chaos und Ordnung, Zufall und Gesetz, Freiheit und Strukturzwang, Spontaneität und Berechnung in vielfältigen, dauernd wechselnden Kombinationen die quantitativen und qualitativen Aspekte dieses Prozesses bestimmen. (Gottlieb Guntern) Raum, der: relativistisch verstanden ergibt er sich aus der Struktur der relativen Lage der Körper. Die Aktivität des Handelns geht mit der Produktion von Räumen einher. (nach Martina Löw, 2001) soziales Kapital, das: Ökosystem, ein: die Eigenschaften eines Ökosystems können am ehesten mit den Begriffen Kreisläufe, Rückkopplung, Kommunikation und Selbstorganisation beschrieben werden. (frei nach wikipedia) Stadtleben, das: siehe Kommunikation (Markus Wilfing, 2010)

2008 bis 2011 „Warum ist die Stadt ein Magnet, obwohl sie stinkt? ... die Stadt bietet die Möglichkeit das Unmögliche möglich zu finden... was ist Stadtleben: ist Kommunikation...Ich habe Platz für illegale Raves zur Verfügung gestellt, nach dem Motto BRAUCHT IHR RAUM? schafft ihn euch! ... Stadtaneignung bedeutet Stadträume zur Verfügung zu stellen.“ (Markus Wilfling, 2010) „There is hope! Märkte zwischen Guerrilla und Großkonzern – am Beispiel des Verlagswesens: Schon seit Jahren lassen sich zwei Bewegungen in der Verlagslandschaft beobachten. Mittelständische Verlage werden von Konzernen aufgekauft. Gleichzeitig gründen sich kleine, unabhängige, guerilla-ähnliche Verlage. Letztere sind schneller, agieren wie PILOTFISCHE und begleiten die nur langsam manövrierbaren Wale. Kleine Verlage betreiben eine Guerilla Taktik, mit der sie überraschen, indem sie gute Bücher machen. Es gibt also Hoffnung aus der Paradoxie – zeitweise – zu entfliehen und sich auf Märkten zu positionieren. Discourse – don´t believe the hype. Change the discourse and tell your own story!“ Aus Mythen der Kreativwirtschaft, (Bastian Lange, 2008)

texte: mv ist mara verlic; cg ist claudia gerhäusser, gp ist gottfried prasenc

„Die Diagnose lautet, dass die Städte, insbesondere die urbanen innerstädtischen Bereiche, spezifische Bedingungen für kreative Innovationen in der Wissens- und Kulturproduktion bereitstellen und sich dort neue Formen sozialer Vergemeinschaftung im Sinne einer neuen Regulation von Arbeits- und Lebensformen herauskristallisieren. Dieses Potenzial der Städte in einer Wissensgesellschaft könnte zu einer „Renaissance der Städte“ (Läpple) beitragen. Die Tatsache, dass die europäischen Gesellschaften seit den 1970er Jahren einen erheblichen ökonomischen, technologischen und kulturellen Wandel, das heißt einen tief greifenden und komplexen sozialen Wandel durchlaufen, wird kaum noch bestritten. Es wird betont, dass diese Prozesse eine neue, stark veränderte Herausforderung an die gesellschaftliche Reaktivität, die als „zweite industrielle Revolution“, „Dienstleistungs-Revolution“ oder „cultural turn“ oder auch „kreative Revolution“ (Frey 2004) bezeichnet werden. Das Gemeinsame dieser Beschreibungen massiver Herausforderungen ist die Notwendigkeit, in einer Gesellschaft ein umfangreiches und angemessenes Potenzial an Kreativität bereit zu stellen. Unter „Kreativität“ werden in der Regel neue und innovative Produkte, Verfahren, Vernetzungen und Sichtweisen verstanden, die von der Kunst und Kultur über technologische Innovationen bis zu Verfahren des Governance reichen können. Eine institutionelle Kreativität wird durch Offenheit, Toleranz, Vielfalt und positive Einstellungen gegenüber sozialem Wandel erzeugt oder verstärkt.“ Aus Stadtpolitik kreativ, aber wie? (Oliver Frey, 2008) „Urbane Impulse: Entwicklungen, welche nur der ökonomischen Verwertungslogik und den formellen Planungsmethoden folgen, sind an der Tagesordnung. In Basel, wo das brachfallende Areal des DB-Güterbahnhofs eines der letzten Stadterweiterungsgebiete darstellte, sollte es nicht anders kommen. Doch: der kleine Verein «k.e.i.m.» richtete unter dem Label nt/ Areal ab 2000 eine Zwischennutzung in der ehemaligen Betriebskantine und der benachbarten Wagenmeisterei im Zentrum des 19 Hektaren großen Areals ein. Ausgangspunkt für die Initianten war die selbstverfasste Fachstudie «Akupunktur für Basel», welche das Transformationspotenzial des Areals akribisch analysierte. Die Autoren stellten die These auf, dass Zwischennutzung, wenn richtig gesteuert, dem bisherigen Unort frühzeitig eine eigene Identität und urbane Impulse vermitteln kann, welche im Stadtgefüge positive Spuren hinterlassen. Zwischennutzung wird also als informelles Planungsinstrument verstanden, welches einen Vorbezug von Urbanität ermöglicht und sich sukzessive mit der formellen Planung verschränkt. Das neue Quartier kann so von Anfang an von einer städtischen Atmosphäre profitieren.“ Aus Zwischennutzung als Standortentwicklung (Matthias Bürgin, 2008) „Die Räumlichkeiten der Pioniere, Zwischennutzungsmöglichkeiten und Nischen für nachkommende Kleinstunternehmer müssen erhalten blei-

„Abseits offizieller politischer Strategien von Wirtschaftsförderung und Standtortmarketing hat sich das Leben und das Stadtbild hier nachhaltig verändert. Das Stadtteilfest Lendwirbel, das Fest der anwesenden kreativen Szene, geht in die dritte Runde. ... Im Fokus: Planungsprozesse und Strategien, die dem Unplanbaren und der Dynamik des Alltags gegenüber stehen, ...“ (Harry Saiko, 2010) „Die zunehmende Komplexität einer mit einer Vielzahl an unterschiedlichsten Lebensstilen angereicherten Informationsgesellschaft stellt traditionelle Problemlösungsstrategien grundsätzlich in Frage. Lineare Herangehensweisen haben sich erübrigt und weichen einem Prozessdenken, in dem Flexibilität anstelle der Fixierung von Zuständen eine Nachhaltigkeit definiert. Neue Kommunikationsformen durch neue Medien, Individualisierung, Globalisierung , um die gängigsten Stichworte zu nennen, führen zu eine Pluralität von Interessen an de Lebensraumgestaltung und zu neuen Partizipationsformen. Leitbilder für die Stadtentwicklung sind zunehmend von einer solchen Pluralität der AkteurInnen geprägt und gestalten ergo die Aushandlungsprozesse komplexer.“ Aus Stadtenwicklung unter Berücksichtigung von lokaler Identität aus Gries, Lend – Geschichten, Räume, Identitäten (Gottfried Prasenc, 2009)

David Bowie macht es ebenso wie Edward Norton, Rocko Schamoni und Dr. Motte. Egal ob Highline Park New York, Hamburg oder Megaspree Berlin, weltweit bekannte Persönlichkeiten verbrüdern sich mit urbanen Aktivisten, deren lokale Motivation durch ihre Unterstützer globale Kraft erhält und zum überregionalen Thema wird. So rückt der Impuls lokalen Handelns trotz, oder gerade wegen globaler Netzwerke heute verstärkt in den Mittelpunkt städtischer Aufmerksamkeit. Weit ab dieser Hype-Entwicklungen steht meist zu Beginn für eine kleine Gruppe die simple Frage nach einem geeigneten Lebensgefühl im Vordergrund. Bevor Proteste und Aktionen überhaupt für Medien und Prominenz interessant werden, bedarf es aktiver, urbaner Eigeninitiative. Das Symposium 2011 will den zeitlichen Stufen der im Zuge lokaler Projekte oder auch sozio-urban motivierter Aktionen entstandenen Veränderungen nachspüren. Welches Ausmaß kann so ein Projekt annehmen? Das Symposium fragt nach städtischen Impulsen und deren Weiterentwicklung oder Überentwicklung. Es sucht nach der Geschichte dieser lokalen Aktivitäten. Warum sehen sich diese individuell angestoßenen Projekte immer mehr einer Institutionalisierung und Kommerzialisierung ausgesetzt und mit welchen Folgen kann die urbane Gemeinschaft heute rechnen? Welche Wendung nimmt eine solche aus individuellen Interessen entstandene Aktivität, wenn Prominente, Medien und Politik mit einsteigen? HOW TO LOKAL HERO? Stellt also die Frage nach der Zukunft. Steht am Ende der Export in andere Städte oder ein Abzug der Kreativpioniere, dann ein Scheitern des Projekts? REFERENTEN/INNEN Ula Schneider, Initiatorin von SOHO/ Wien Philippe Schmidt, Urbanist/ Weimar Christoph Twickel, Initiator von NIONHH/ Hamburg Erol Yildiz, Soziologe/ Klagenfurt + Köln Christoph Laimer, Journalist, derive/ Wien


Konzept und Umsetzung: Isabel Espinoza, Elisabeth Oswald, Carola Peschl, Gottfried Prasenc, Rainer Rosegger

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Die Mädchen saßen auf den Tischen und warteten auf ihre Kunden. In den 80er Jahren kam eine steigende Zahl an Studenten und Jugendlichen, die nur auf der Suche nach einem Glas Bier waren. Das vertrieb die Mädchen. Catacumbas Jazz-Bar von Herrn Baptista und Herrn Manuel; Lissabon

Herr Manuels Sohn kennt das Bairro schon ewig und ist sehr stolz darauf Mitgestalter der Geschichte des Familienunternehmens zu sein. (Ausstellungsbeitrag: Daniel Oliveira, Lissabon)

Seit 1998 ist es ein Ort für Jazz und Blues Bands und somit eine von dutzenden Bühnen, die Live-Musik im Bairro Alto spielen. Seit mehr als 40 Jahren ist es im Besitz von Herrn Baptista und Herrn Manuel. Vor der Umwandlung in eine Jazz-Bar befand sich hier ein Bordell mit bis zu 23 arbeitenden Frauen. Die heutigen Besitzer der Jazz-Bar erzählen mit Begeisterung und einem Lächeln im Gesicht von dieser Vergangenheit.

In der Ausstellung „Lokal Heroes hier und anderswo“ wurden Stadtteile aus europäischen Städten porträtiert, die einen ähnlichen Prozess der Veränderung wie das Lendviertel in den letzten 10 Jahren durchlebten: Aus benachteiligten, ärmeren Stadtteilen werden trendige Viertel, wo neue Menschen zuziehen und sich dadurch das Bevölkerungsgefüge verändert. Im besten Fall kommt es zu einem neuen Miteinander unterschiedlicher sozialer und ethnischer Gruppen. Oft ist es aber so, dass die neuen reichen Gesellschaftsschichten in die renovierten Wohnungen dieser Viertel ziehen und Alteingesessene durch die erhöhten Mietpreise verdrängt werden. Dieser Prozess wird in der Soziologie als „Gentrifizierung“ bezeich­net.

In den achtziger Jahren kam es zur Veränderung des Publikums und der Sohn von Herrn Manuel, ein Musiker, sorgte für eine Neuausrichtung der Bar. „Es hat mich ziemlich viel Zeit gekostet die Meinung der beiden zu ändern! Ich fing an hier Musik aufzulegen. Zuerst war es nur ein Tag pro Woche, danach zwei Tage und so fort. Der Prozess führte dazu, dass das Lokal komplett renoviert und 1998 neu eröffnet wurde. Wir haben die Eingangstür verkleinert, wegen der Banden, die immer wieder Dope auf der Strasse verkaufen und die Atmosphäre stören.“ Es ist Montag und Paulo Lopes spielt mit seinem Quartett in einem der drei Räume der Bar. Der Sohn von Herrn Manuel fährt fort: „Heute ist es ein Treffpunkt für eine große Gruppe von Musikliebhabern und Nachtschwärmern. Jetzt haben wir Live-Musik von Montag bis Donnerstag, ich hätte es auch gerne am Wochenende, aber da ist es einfach zu überfüllt und zu laut mit all den Touristen und Menschen aus der Umgebung. Die einzelnen Bandmitglieder können nicht einmal die anderen Instrumente hören.“

Die Ausstellung machte diese Entwicklungen sichtbar, führte aber auch den kritischen Diskurs im Zuge des Lendwirbels über mögliche Veränderungsprozesse weiter. Letztendlich soll mit der Ausstellung auch die Frage nach potentiellen Handlungsmöglichkeiten gestellt werden. Die einzelnen Städteporträts wurden jeweils von lokalen AkteurInnen vor Ort erstellt. Die Zugänge der einzelnen AkteurInnen sind verschieden, was sich in den Porträts widerspiegelt und so die jeweils subjektive Sicht auf die Dinge wiedergibt. Es ist der Versuch einer lebensweltlichen Annäherung an das Phänomen.

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Vilnius Graz Dortmund Zúrich Berlin Amsterdam Lissabon Bilbao Madrid


compagnie silberfish (katharina grilj, elisabeth zeindlinger, nicole hopfer) 12. – 14. September 2008

still inside Zwischen 12. und 14. September 2008 wurden die beiden Schaufenster des OnomatoBüros zur unkonventionellen Bühne umfunktioniert. Nicht ein klassisches Theater mit seiner klaren Abgrenzung zwischen Publikum und KünstlerInnen, sondern der öffentliche Raum selbst wurde zum Aufführungsort und die Mariahilferstraße verwandelte sich in einen Zuschauerraum. Die Öffnung des Raumes ermöglichte außerdem die Interaktion mit dem Publikum. Inhalt der Tanzperformance still inside war die Auseinandersetzung zwischen Privatem und Öffentlichem, dem Zwang zur Präsentation des Einzelnen mit den damit verbundenen Kaschierungsmustern. Auch das Hinterfragen von gängigen Körpermustern, Schönheitsidealen und eigenen Makeln wurde thematisiert und dabei auch das Publikum nicht ausgespart. compagnie silberfish (elisabeth zeindlinger, nicole hopfer) 07. Mai 2009

tanz für uns Es war der Versuch, die gängige Aufgabenverteilung zwischen KünsterInnen und Publikum umzukehren. Dabei wurden die PassantInnen aufgefordert, für die beiden im Schaufenster sitzenden Tänzerinnen zu tanzen. Durch Blickkontakt wurden die Vorbeigehenden auf das Geschehen aufmerksam gemacht und durch post its, die von beiden Seiten ans Schaufenster geklebt werden konnten, wurde die Kommunikation ermöglicht. Das Konzept ist überraschenderweise voll aufgegangen: es wurde getanzt und gesprungen und zwar über alle Altersgrenzen hinweg, d. h. angefangen von kleinen Kindern bis zu PensionistInnen ließen sich äußerst viele überreden und ernteten den Applaus der beiden TänzerInnen. Überraschend, wie tanzfreudig und offen das Grazer Publikum war und wie leicht es fiel, die Leute dazu zu bewegen, sich selbst im öffentlich Raum darzustellen und quasi selber zu performen.

farbtafel chartre

der kopf stellt sich ein unterbricht störend eigentlich. die bewegung knackst, knarrt, wird holprig aus dem eigenen takt gerissen. ich beginne von neuem, du beginnst von neuem, sich immer wieder einlassen auf das loslassen. einen text wie die bewegungen des körpers frei aus dem ärmel schütteln ihn fliessen lassen und schauen was passiert. auch deine figur die du spielst, hat sie wirklich eine bedeutung? das spiel. aus deinem du oder von noch viel weiter? entsteht plötzlich deine form, vielleicht ist es einem tanz gleich? hin und wieder wirst du vielleicht an der hand genommen, um den nächsten schritt zu initiieren, elmar nimmt dich an der hand von dir zu dir. er nimmt sich selbst an der hand.

ein zwei worte gedanken von hesse „und hast du dich einmal fallengelassen...“ wie war das ende des satzes und spielt es eine rolle? Lendwirbel 2010, 3.-8. Mai 2010 jeden Morgen um 8.00 Uhr am Mariahilferplatz


temporäre interventionistische glücksforschung

Aufgrund der jährlichen Zusammenkunft verschiedener Menschen im Mai, wurde ein internationales Team von GlücksforscherInnen beauftragt, das Glück der Menschen im Lend zu erforschen. Auf der ewigen Suche Menschen suchen seit jeher das Glück. Menschen sind hin und wieder glücklich. Dann ist es vorbei. An jene Momente des Glücks erinnert man sich. Jene Momente des Glücks möchte man wieder haben. Das Institut für Glückseligkeit Die ständige Suche nach dem persönlichen Glück veranlasst eine Gruppe von ambitionierten Glücksforscher-Innen das Institut für Glückseligkeit kurzfristig nach Graz, in den Bezirk Lend, zu verlagern und dort im Mai 2010 Feldforschung zu betreiben. Die Untersuchung im Auftrag des Instituts für Glückseligkeiten umfasst Befragungen von PassantInnen zur Erforschung von Einflüssen auf das Glücksverhalten. Das Team Es wurde ein internationales Team an WissenschaftlerInnen zusammengestellt, um ein bestmögliches Ergebnis zu erlangen. Hr. Prof. Golhan, akadem. Glücksforscher und Leiter des Instituts für Glückseligkeiten. Aktuelle Forschungsarbeit über das Glücksverhalten in Anlehnung an moderne Technologien und Hydraulik

Individuelle und gesellschaftliche Auffälligkeiten Die Untersuchungen wurden in allen Landeshauptstädten durchgeführt und am Institut für Glückseligkeit in Graz ausgewertet. Die Besonderheiten in Graz waren: Die Leute sprachen sehr gerne über ihr Glück und waren auch bereit, ihre persönlichen Glücksbringer und Glücksboten preiszugeben. Signifikant auffallend war das Interesse und die Neugier der PassantInnen am portablen Büro des GlücksforscherInnenteams. Die überwiegende Sympathie für die Sun und die Relevanz der Musik auf das allgemeine Glücksverhalten war ebenfalls gut zu beobachten. Aufgrund der großen Nachfrage in der Bevölkerung, sowie den interessanten Beiträgen und auch Nachreichungen von ProbandInnen, wird die vorerst interne Auswertung für Graz und das Ergebnis der Forschung nun teilweise veröffentlicht.

Hr. Prof. Wempert, Glücksforscher und Privatdozent. Forscht am Gerfried-LeinerInstitut in Essen für angewandte Glückswahrnehmung. Autor des Buches: Glück ist Männersache. Dr.in Eppenrat, Glücksforscherin, Kommunikationstrainerin und Supervisorin. Betreut die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Instituts. Mag.a Fritzenstein, Bereich Öffentlichkeitsarbeit, arbeitet mit dem Satz: Glück kann man fühlen! Fräulein Gundi, Praktikantin, Mitarbeiterin für alle anfallenden Glücksfragen Frau Sun, Praktikerin im Bereich Empathie und Wärme. Langjährige Erfahrung in der Begleitung von individuellen und kollektiven Glücksprozessen.

Auszüge aus der Auswertung An der Untersuchung teilgenommen haben 39 ProbandInnen, wobei der Anteil an weiblichen Teilnehmerinnen (22 Personen) überwog. • Die Grundstimmung bei der Befragung war signifikant gut (88 %). • Prominente Glücksbringer Stein (40 %), Schlüsselanhänger und Sun (10 %), alte Erbstücke (9 %) Schmuck (3 %) keine Angabe (38 %) • Glückszahl Die Zahlen 7 und 5 wurden bevorzugt genannt (89 %) • Erfundene Glücksgeschichten Bei den Glücksgeschichten war zu beobachten, dass die Personen „Glück im Unglück“ Geschichten bevorzugten (55 %) Einen weiteren wichtigen Anteil hatten die „Beziehungsgeschichten“ (30 %). Neben den Geschichten mit surrealistischem Ende (10 %) machten einige auch keine Angaben (5 %). • die Glückseinschätzung nach der Befragung 65 % der Menschen sind sehr glücklich 20 % sind glücklich 7 % sind selig 5 % sind glückselig 3 % haben keine Ahnung Falls jemand Interesse an dieser Glücksforschung hat, bzw. seinen/ihren Beitrag zur Glücksforschung noch nicht geleistet hat, aber sehr gerne Teil der Untersuchung sein möchte, der/die ist herzlich eingeladen den Fragebogens zu beantworten, und diesen an das Institut zu schicken! (zu finden unter www.freigangproduktionen.at) Die Forschung dankt! In diesem Sinne bleibt uns vom Institut für Glückseligkeit nur ein herzliches HABEN SIE GLÜCK! Und.. die Sonne, die Sonne und du... uhuhuhu...gehört dazu hu hu hu... die Sonne, die Sonne und du...uhuhuhu gehört dazu hu hu hu!!!!


(Lend+ ist das Bewusstsein, dass Lend ohne die Nachbarschaft mit Gries nicht Lend w채re.) (*) siehe: http://de.wikipedia.org/ wiki/Permakultur (**) siehe: http://www.permanentbreakfast.org


PermaLend+Breakfast _will den Begriff Permakultur (*) in unserer ummittelbaren Umgebung, dem urbanen Quartier Lend+ anwenden, anpassen, neu interpretieren und mit dem Format des Permanent Breakfast (**) verknüpfen. _ist ein Experiment, eine Anwendung um Nachbarschaft näher zu bringen, um Kommunikation anzukurbeln. _ist ein Beitrag für Vielfalt statt Einfalt, langfristig statt kurzfristig, Kooperation statt Konkurrenz. _ist die Einladung den Bezirk als urbane Nachbarschaft Lend+, als bunten Garten lebendiger Vielfalt unterschiedlicher Menschen und Bedürfnisse, Gestaltungen und Nutzungen zu denken. _wird an den Morgen vor und während des Lendwirbel im öffentlichen Raum als lebendige kommunikative Installation und Zukunftswerkstatt auftauchen. _lädt parallel alle BewohnerInnen und BesucherInnen von Lend(Wirbel) dazu ein, die klassische Idee des „Permanent Breakfast“ (**) nach Friedemann, Derschmidt u. a. wieder aufzunehmen und damit in Kommunikation zu treten und den öffentlichen Raum zu befrühstücken.

Mit PermaLend+Breakfast _beziehen wir uns auf den Gedanken der Permakultur als Überbegriff und Leitsatz für die Entwicklung und Anwendung von ethisch basierten Prinzipien zur Planung, Gestaltung und Erhaltung zukunftsfähiger Lebensräume, der vor allem in Gartenbau, sowie in der Land- und Energiewirtschaft angewandt wird. (*) _erinnern wir uns an die Idee des Permanent Breakfast des österreichischen Künstlers Friedemann Derschmidt u. a., die zum Ziel hat, öffentliche Räume ohne Voranmeldung zu „befrühstücken“ und die Kommunikation unter den Teilnehmenden zu fördern. (**)

PermaLend+Breakfast _ist eine soziokulturelle Intervention im öffentlichen Raum. _ist eine kulinarisch-kommunikative Installation. _ist Austausch über Standpunkte, Blickwinkel und Sichtweisen und auch über Lebensrealitäten, Lebensräume und Lebensträume. _ist eine reich gedeckte Frühstücks-Runde-Tafel. _ist ein Projekt von >Montagsatelier< [I. Espinoza & N. Pötsch] _vor-für-bei Lendwirbel 09 und 10


lendwirbel 2008 - architekturtage 2008 und lendwirbel 2009

GEMEINSAM WOHNEN – Wie wir wohnen wollen!

Ursprüngliche Idee war es, gemäß dem Motto des HDA Graz „ge-

meinsam statt einsam“, auch jene junge Bewohnerinnen und Bewohner im Lend zum Workshop einzuladen, die nicht so selbstverständlich vom Angebot der Architekturvermittlung für Kinder Gebrauch machen, weil sie zwar hier wohnen, aber nicht zu den regelmäßigen BesucherInnen von HDA und Kunsthaus zählen. Schließlich hatte das HDA gerade erst seine Anker im Palais Thinnfeld ausgeworfen. Um die Kinder der Migrantinnen und Migranten zu erreichen, erschien es uns am stimmigsten, zuerst in der Schule einen Workshop zum Thema „Interkulturelles Wohnen“ zu veranstalten. Von den Iglus, Trulli, Blobs und anderen Häusern, wie wir es geplant hatten, setzte sich die Architektur Afrikas mit ihren vielfältigen Formen von Anfang an durch, weil die Schülerinnen und Schüler der Volksschule Afritsch, wo Mabel Altmann und ich im Vorfeld einen Workshop abhielten, über diesen Kontinent am meisten wussten und auch sechs Schüler dieser Klasse ihre Wurzeln in diesem Kontinent hatten. Trotz unserer Bemühungen, die Kinder zu motivieren auch am Workshop im HDA teil zu nehmen, kam kein Kind der Schule zum Workshop. So blieb die engagierte Idee des gemeinsamen Austausches von Kindern mit unterschiedlichen Wurzeln über das unterschiedliche Wahrnehmen und Gestalten von Architektur bloß ein guter Ansatz und am Workshop nahmen so wie immer Kinder aus Architektur interessierten Familien teil. Nachdem wir den Bauch des Kunsthaus – den Space 03 bespielt hatten, schritten wir mutig ans Werk: Vor Selma Etareris Laden „DA LOAM“ hatte Tags zuvor die Firma TONDACH einen „Haufen Ton“ abgeladen und ich blieb skeptisch, wie und ob wir es schaffen würden, aus diesem Berg so etwas wie Architektur zu produzieren und vertraute voll und ganz auf die Künste Selmas, die ja am besten weiß, wie man mit Ton umgeht. In der Tat entstand im Laufe des Nachmittags nicht zuletzt unter reger Beteiligung von zufällig Vorbeikommenden ein Lehmhaus, das wir mit Weiden, die wir vom Ufer der Mur holten, deckten. Es bot einigen Menschen – großen wie kleinen – Platz und blieb sogar über Nacht stehen. Der Ton wurde weiter verarbeitet, die Idee arbeitete weiter, um ein Jahr darauf wieder aufgenommen zu werden: Das Konzept verdichtete sich zu einer erweiterten Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen das BRG Kepler wurde als Schulpartner gefunden und das Kinderbüro Steiermark als Hauptsponsor. Daraus entstand >

In zwei Workshops in der 1A Klasse des BRG Kepler begaben wir uns, Katja Hausleitner und ich, unterstützt vom Lehrerinnenteam der Schule, Stefanie Menzinger und Helene Simbürger, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern auf Spurensuche zum Thema WOHNEN – von der Bestimmung des Wohnens, über die persönlichen Bedürfnisse zum kollektiven Verständnis von Wohnen: „Die Begriffsbestimmung der scheinbaren Alltäglichkeit des Wohnens erweist sich bei genauerer Betrachtung als gar nicht so einfach. WOHNEN ist sehr individuell und gleichzeitig von großer gesellschaftlicher Bedeutung! Jeder Mensch hat eigene, individuelle Bedürfnisse, gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass möglichst alle Menschen genug Raum zum Wohnen haben. Das ist nicht selbstverständlich. WOHNEN ist ein Menschenrecht Aber nicht alle Menschen haben ein Recht auf wohnen. Fast jeder 5. Mensch dieser Erde verfügt über keinen Wohnraum, weil er entweder auf der Flucht ist, oder einfach zu arm. In Österreich stehen jedem Menschen ca. 42m² Wohnfläche zur Verfügung. WOHNEN ist mehr als die Bilder, die wir aus der Werbung kennen. Je mehr wir über uns wissen, desto besser wissen wir, wie wir wohnen wollen.“ Der inhaltliche Bogen der beiden Workshops spannte sich von den Wohnformen auf der ganzen Welt – „Wie wohnen Menschen wo?“ – , über die Auseinandersetzung mit dem Wohnen der eigenen Familie bis zu den Groß- und manchmal Urgroßeltern – „Das Zuhause meiner Familie“ – bis zu den eigenen Wohnbedürfnissen und ihrer Umsetzung auf dem Papier. Im Rahmen des Lendwirbels schließlich wurden am Freitag und Samstag die eigenen Vorstellungen im zur Architekturwerkstatt umgestalteten HDA aus Ton in Form gebracht. Die Keramikkünstlerin Selma Etareri gab die fachkundige Anleitung zum Umgang mit dem Material, das in diesem Jahr reichlich in Form von noch nassen Dachziegeln von der Firma TONDACH zur Verfügung gestellt worden war. Auch zufällig Vorbeikommende konnten Hand anlegen und so entstand aus der Vielfalt von Vorstellungen eine ganze Siedlung, fast schon eine Stadt. Im Rahmen eines kleinen Symposiums wurde das Projekt der Öffentlichkeit sowie den zahlreich erschienen Eltern präsentiert. „Ein ziemlich schönes Projekt. Die ganzen Ideen, die wir gehabt haben, waren bewundernswert.“ (Lukas, 1A BRG Kepler) In diesem Jahr nahmen fast alle Schülerinnen und Schüler am Wochenende am Workshop teil; das BRG Kepler zählt aber auch nicht zu den Schulen im Bezirk, die in der Mehrzahl von Kindern und Jugendlichen von Migranten und Migrantinnen besucht werden. An diesem Projekt wird noch gearbeitet! Ute Angeringer-Mmadu


streetgallery 2010, candy + andy


Lend Fühlen Frage: Wie stellt sich der Lend auf einer reflektierten Metaebene dar? Ein Rundgang durch einen künstlerisch gestalteten Raum – in Kooperation mit dem Forum Stadtpark / KünstlerInnen. Antwort: Unterschiedliche, mit Kunst und deren Produktion in Berührung stehende Menschen wurden eingeladen, ihren persönlichen, subjektiven Blick auf den Bezirk freizulegen. Zweintopf strömten mit den TeilnehmerInnen durch die von der streetgallery bespielte Mariahilferstrasse, mit der Intention, schweigend die Raumveränderungen durch Kunst wirken zu lassen. Danach eröffnete Joachim Hainzl durch die Sammlung und den Vortrag von Erfahrungsberichten von Bordell- und Prostitutionskunden einen spezifischen Blick auf das Stadtviertel und seine Rotlichtvergangenheit und -gegenwart. Anschließend zeigte der Künstler ILA auf verspielte Art und Weise den Bezirk in den späten Nachtstunden – dieser Teil des Walks wurde auf Fahrrädern bestritten, und führte, begleitet von kleinen Feuerstellen, die als Markierung dienten, vom Lendplatz über den Volksgarten, den Mühlgang entlang bis an die Mur. Bei diesem Walk wurde auf Aspekte eingegangen, die überspitzt, verstörend, intim, berührend, unübersehbar an einem bestimmten Ort oder in einem bestimmten Raum zu finden sind.

gestalterischer Dimensionen reduziert werden und eine gesamtheitliche Erkenntnis entstehen. Mit den Lendwalks haben wir versucht, einen niederschwelligen Zugang zu unterschiedlichen Aspekten dieses vielschichtigen Stadtteils zu ermöglichen, Problemzonen zu erkennen, Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren, aber auch gleichzeitig in die schönen und bunten Seiten der Lend-Alltäglichkeit mit allen Sinnen einzutauchen. Jeder Walk wurde einem menschlichen Sinn zugeordnet und daraus ein thematischer Bezug zum Lendviertel abgeleitet. Die Themen waren: Gebauter und angeeigneter Wohn-, Arbeits- und Lebensraum, biographische Räume, Wahrnehmung des Raums aus der Perspektive sinnesbeeinträchtigter Menschen, Raum der Migration und künstlerische Rezeption des Raums. Die Führungen sind in Kooperation mit Institutionen und ExpertInnen zu den jeweiligen Themenstellungen konzipiert worden. In der Umsetzung wurde auf einen niederschwelligen Zugang zum Thema abseits eines alleinigen ExpertInnendiskurses geachtet. Allen TeilnehmerInnen wurde ein breiter Wahrnehmungshorizont eröffnet. Geleitet wurden die Führungen von ausgesuchten Personen mit thematischem und räumlichem Bezug.

Lend Tasten Frage: Wie fühlt sich der Lend an? Ein Rundgang durch den Raum, ohne ihn zu sehen – in Kooperation mit dem Odilien-Institut. Antwort: Daniela, eine sehbehinderte Frau, hat die TeilnehmerInnen mit Simulationsbrillen durch die Strassen von Lend geführt und so den Stadtraum abseits des visuellen Sinns erlebbar gemacht. Die TeilnehmerInnen wurden von mehreren Begleitpersonen betreut, sodass es möglich war, sich komplett auf die verbleibenden Sinne einzulassen. Die Erfahrung von vielleicht sehr vertrauten Wegen unter dem Aspekt der Sehbeeinträchtigung hat es erlaubt, den Bezirk mit geschärften Sinnen wahrzunehmen und sich nach Abschluss des Walks dem Stadtraum mit einem neuen Blick zu nähern.


Streetgallery 2010, im öffentlichen Raum

7 Menschen – 7 Schnitzeljagden Überraschungen auf Alltagswegen Für die Zeit des Lendwirbels haben sich die InitiatorInnen der Streetgallery und jene vom Annenviertel! etwas ganz Besonderes für das Publikum einfallen lassen: 7 Personen wurden eingeladen mit ihren Erfahrungen und ihren Kenntnissen im Bereich Lend / Gries / Annenviertel! die TeilnehmerInnen der Jagd an Orte von besonderem und vor allem von sehr persönlichem Interesse zu führen. Es war eine Freude!

Streetgallery 2010, im öffentlichen Raum


Lendwirbel 2010 teddy schenker

die cremeschnitten


die cremeschnitten

Baroness Top S

tony wegas

francois la mer

harry filser

die cremeschnitten

die teddys


Der Lendwirbel ... eine lebendige Pflanze ... ihre Bestandteile sind Offenheit, Gleichheit, Integration, Grenzüberschreitung, Unabhängigkeit ... kombiniert mit guter Stimmung und Sympathie ... natürlich aus sich heraus gewachsen ... ohne institutionelle oder politische Beigaben ... Wir freuen uns auf die Blüten dieser Pflanze, die sich jedes Jahr Anfang Mai entfalten ... und immer überraschen ... Iris Kastner Geschäftsinhaberin des Designgeschäftes kwirl in der Mariahilferstrasse

Kreative und junge Menschen stellen miteinander „etwas auf die Beine“ das von Jahr zu Jahr besser wird und auch jenseits von traditionellen Strukturen funktioniert. Leider ist der Lendwirbel noch nicht bei allen Grazerinnen und Grazern bekannt. Das Lendviertel hat sich in den letzten Jahren sehr positiv gewandelt. Solche Veranstaltungen sind notwendig, um Vielfalt zu ermöglichen und für neue Impulse zu sorgen. Ich wünsche dem Lenwirbel noch mehr Bekanntheit und keine kommerzielle Vereinnahmung. Der offene Charakter soll erhalten bleiben. Die Aufwertung des Viertels durch Kreativität und offene Räume soll sich weiterhin erfolgreich entwickeln. Ich wünsche den Verantwortlichen des Lendwirbels alles Gute! Karl-Heinz Herper Stadtrat


liisun beim eröffnungsfest 2010

Liebe FreundInnen, 2008 ist im Mai etwas passiert, was zwar aus der Entwicklung des Bezirks Lend erahnbar war, dass es aber derartig erfolgreich sein würde und wird, und es der ganzen Stadt ein neues zusätzliches Profil geben würde, glaubten die Wenigsten. Der Lendwirbel war geboren und wird heuer zum 4ten Mal ausgetragen. Viele (vor allem einige Politiker) fragten sich damals wozu das Ganze, ist das ein Unsinn oder hat das einen Sinn?   Damals beim ersten Mal marschierte ich als surrealer Bischof verkleidet, Kondome verteilend, mit einer Königin und einem König, so wie einigen Knappen durch die Stadt, unser Ehrengast war Hermes Phettberg der, leider man muss es sagen, als relativ unappetitliche Figur und ziemlich schräg in seinen Aussagen, einen Großteil des Publikums vom Lendwirbel mehr verwirrte als faszinierte. Trotzdem war es eine absolut interessante Situation als er von mir einen Preis verliehen bekam, sich plötzlich auf den Boden warf und den Lendplatzboden küsste. Und einen wirklichen Sinn hatte das Ganze sicher nicht, vielleicht konnte man es als Dadaismus im öffentlichen Raum bezeichnen.   Dass mir das Reale, das scheinbar Normale ja immer ein bisschen suspekt ist, wisst ihr ja aus meinen Journalen, zuerst der „Neuen Ordnung“ und jetzt seit schon zwei Jahren aus „SMART“ dem Journal für spiralisierten Dadaismus. Aber Menschen, die den Boden küssen, sind mir unverständlich, egal ob Papst, Politiker oder wer auch immer, man kann viele Stellen des Partners oder der Partnerin küssen, und bei Menschen, die man mag, ist ein Küsschen auf die Wange auch OK, aber den Boden, wo zuerst das Gackerl vom Lumpi der Frau Bezirksvorsteher lag, oder vielleicht ein Junkie gerade ausgespuckt hat, das ist nicht einmal eine dadaistische Welt, das ist absurd. Trotzdem sitze, oder saß, ich lieber mit einer schrägen, aber sicher nicht bösen Persönlichkeit, wie es eben ein Hermes Phettberg ist oder war, an einem Tisch, als mit einem adretten Bürgermeister oder einem seiner Kumpanen aus einer anderen Partei, die für ein Bettlerverbot eintreten aber dicke Schlitten fahren und Unsummen für ihre Büros und Spesen ausgeben. Das schöne am Lendwirbel ist seine Offenheit für alle möglichen Ideen und Performances, für jede Art von Musik und künstlerischer Ausdrucksweise, und, das alles ohne nach einer zwanghaften Sinnhaftigkeit zu fragen. Er ist eine sympathische Plattform auch für lustigen „Unsinn“ und somit natürlich ein Liebkind von Captain Dada. Ich werde mich beim diesjährigen Lendwirbel wieder spontan ins Geschehen einbringen und bin gerade am Überlegen, mit welcher Aktion ich das Publikum sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Nachdenken bringen werde. In eurem Sinn, Ihr seid viele! Die Straße gehört uns! Ich freue mich auf ein Wiedersehen Euer Günter Bogen manchmal auch Captain Dada

Reclaim the Street! Das wird in der Lendwirbel-Woche auf das Beste praktiziert. Sich den Raum vor der Tür zu nehmen und damit ein Signal zu setzen: Die Stadt sind wir – die Stadt gehört uns! Die tolle Vernetzungsarbeit im Viertel und die damit einhergehende Chance für ganz Viele, sich am Programm zu beteiligen. Der Versuch, sehr demokratisch und kollektiv zu agieren. Wenn obige Prinzipien verlassen werden würden wäre das nicht so gut. Dann würde der Lendwirbel vielleicht ein austauschbares Event. Er lebt aber von der Vielfalt der AkteurInnen. Der öffentliche Raum der Stadt Graz hat sich in den letzten Jahren sowohl zum Positiven als auch zum Negativen verändert. Negativ: Mehr gesetzliche Restriktionen. Stichwort Bettelverbot. Stichwort Handyverbot in der Bim, Stichwort diverse Alkoholverbote etc. Auf der anderen Seite gibt es Bewegungen und Solidarität dagegen und aus dem geht hervor: Wir lassen uns den öffentlichen Raum und unsere Rechte darin nicht wegnehmen. Sehr wahrscheinlich müssen diese Initiativen in nächster Zeit noch stärker werden. Das Beste was geschehen kann sind Bottom up Initativen, in der sich freie Menschen zusammenschließen. So entstehen auch Dinge, die in der Basis – bei den Kunstschaffenden, bei den AnwohnerInnen – verankert sind. Im Unterschied zu Top down Aktionen, die zu oft aufgesetzt sind und nicht die Meinungen und Wünsche jener widerspiegeln, die‘s betrifft.

liisun

Der Lendwirbel lebe lange und er möge den Vielen, die ihn ausmachen weiter Freude und auch viel Mühe bei der Konzeption machen. Denn solange das so ist, bleibt er ein lebendiger Organismus. Wir wünschen uns, dass wir gemeinsam bestehende Formen des Zusammenlebens in einer transkulturellen, vielfältigen Stadt ausbauen und neue finden. Damit das Leben in einer Stadt von frei denkenden und handelnden Menschen auf Dauer Freude macht. Margarethe Makovec, Anton Lederer – < rotor > Verein für zeitgenössische Kunst

liisun

liisun


Konzept und Durchführung: Carola Peschl und Rainer Rosegger. Beteiligt waren an der Umsetzung unter vielen anderen: Akdag, Petra Eyawo-Hauk, Daniela Griesbauer, Joachim Hainzl, ILA, Martin Kramer, Anton Lederer, Omoka Ogudugu, Markus Pernthaler, Martina Pusterhofer, Winfried Ritsch, Harald Saiko, Irene Windisch, Zweieintopf. Wir danken euch für das sinnliche Erlebnis! Bilder (C) Günther Kubiza

Lend Hören

Lend Kosten Frage: Wie schmeckt und riecht der Lend? Ein Rundgang durch den multikulturell-kulinarischen Raum – in Kooperation mit dem Verein Danaida. Antwort: Der Walk führte zunächst zum Kebab-Restaurant Akdag und danach zum Restaurant Omoka in der Keplerstrasse, wo jeweils ein Buffet auf die TeilnehmerInnen wartete. Sowohl der Geschmack unterschiedlicher Kulturen im Lend, das Degustieren und auch der Weg zwischen den kulinarischen Stationen hat einen Einblick in die Realität der MigrantInnen im Bezirk Lend gegeben. Ergänzt durch die Erfahrungsberichte von Petra Eyawo-Hauk vom Verein Danaida, die Aufschluß über ihre tägliche Arbeit mit MigrantInnen gaben. So entstand sowohl ein Blick hinter die Kulissen des Alltagslebens der MigrantInnen, als auch ein geschmackliches Kennenlernen der unterschiedlichen, im Lend ansässigen Kulturen.

Lend Sehen Frage: Wie hat sich der gebaute Raum im Lend entwickelt? Ein Rundgang durch Wohn-, Arbeits- und Lebensräume – in Kooperation mit ansässigen ArchitektInnen und KünstlerInnen. Antwort: Dieser Walk verband die unterschiedlichen Nutzungen, Umbrüche und räumlichen Strukturen der im Lend zu findenden Raumkonfigurationen. Der Bogen wurde vom HdA über die Baustelle ÖGB- Haus, den <rotor>, das Rondo mit Wohn- und Arbeitssituation bis hin zur Rose am Lend und dem Kunsthaus gespannt. Die dazwischen liegenden und raumbildenden Strukturen des sozialen Wohnbaus wie auch die auch im Lend vorhandene Gründerzeitbebauung mit den dem Bezirk immanenten Grün- und Freiräumen Volksgarten und Lendplatz bildeten das Facettenreichtum dieses Stadtviertels ab. Bei diesem Walk ging es um die gebauten, und auch um die zwischen dem Gebauten liegenden öffentlichen und privaten Räume im Lend und deren Nutzungsvielfalten. Der Walk wurde inhaltlich mit dem an diesem Tag stattfindenden Symposium zum Thema „Lokal Heroes – Wohnen zwischen Individualisierung und Vergemeinschaftung“ abgestimmt.

Lendwalks 7.  – 9. Mai 2009

Frage: Welche Geschichten hat der Lend? Ein Rundgang durch den Lend auf Grundlage menschlicher Biographien – in Kooperation mit freigangproduktionen und dem Medienkunstlabor. Antwort: Der Walk führte durch die zentrale Ader des Lendviertels, nämlich die Mariahilferstraße. In der Kombination von Geräuschen, die neuralgische Orte des Bezirkes über Audioboxen wiedergegeben haben und über Megaphon vorgetragene oral history ́ (ein Bewohner des Bezirkes erinnert sich an die unterschiedlichen Nutzungen der Stadträume im Laufe der Zeit) ergab sich ein buntes, facettenreiches Bild des Bezirkes – nicht nur über unterschiedliche Räume, sondern auch über unterschiedliche Zeiten gespannt. Auszug aus dem Interview mit Hrn. Galatik: „... da war früher oben das Eiserne Haus, früher wars anschließend an das Thienfeld und hat das Cafe Meran beherbergt und auch Geschäfte, und so weiter, zuletzt hats dem Kastner dann gehört und da waren um die Ecke herum die Brüder Lechner drinnen, die haben eine sehr gute Pizzeria drinnen gehabt, eine der ersten Steinofenpizzen, die dort gemacht worden sind. Diese Mariahilferstraße hat eine wichtige Funktion gehabt, sie war die Nord-Süd Verbindung, also eher nach Westen, ist vom Murtal heruntergegangen, später ist sie dann da vorne gelaufen, vor dem Kunsthaus rauf, und war immer eine wichtige Transitstrecke. In meiner Zeit sind die Autos noch durchgefahren...“

Mit den Lendwalks wurde im Rahmen des Lendwirbels 2009 ein Format angeboten, das seine Wurzeln in den „Spaziergangswissenschaften“ im 20. Jahrhundert hat: Ausgehend von den Dadaisten in Paris um 1920, die das Gehen als ästhetische Praxis etablierten, und den umherstreifenden Situationisten in den 1960er Jahren, die eine Verbindung zwischen Geographie und Psychologie für neue Formen der Stadtentwicklung propagierten, begründete Lucius Burckhardt in den 1980er Jahren die Promenadologie – die Wissenschaft des Spazierengehens. Diese Wissenschaft beschäftigt sich mit der Frage nach dem Blick und der Perspektive der BetrachterInnen in der Wahrnehmung ihrer Umwelt. (Vgl. u.a. archplus: situativer urbanismus. Nr. 183 März 2007). Menschliche Wahrnehmung erfolgt über Sinnesorgane. Oft nehmen wir unsere Umwelt jedoch nur eindimensional reduziert, geprägt von persönlichen Erfahrungen und gesellschaftlich produzierten Stereotypen war. Gleichzeitig erfolgt die Wissensproduktion über diskursiv, rationale Prozesse. Deswegen war es uns ein Anliegen, die klassischen Räume der Wissensproduktion (Hörsaal, Podiumsdiskussion etc.) zu verlassen und direkt mit dem Stadtraum in Verbindung treten. Über die Walks sollte der „bunte“ Grazer Stadtteil Lend mit allen Sinnen erfahrbar gemacht werden. Derartig – so die Idee – kann vielleicht die Komplexität soziokultureller, ökonomischer, architektonisch und


Fiago Black Aid

Le TamTam

Hella Comet

Pirates on a Boat of Love

Fiago


Ich bin dorthin zurückgekehrt, wo ich auf die Welt gekommen bin und wohne direkt über unserem Geschäft, das jetzt mein Sohn führt. Wenn ich aus meinem Fenster auf den Platz blicke, möchte ich mit keinem anderen Ort der Welt tauschen. Der Markt, gleich unten ein super Lokal, wo man nicht mehr drei Messerstiche Eintritt zahlen muss, wie vor 30 Jahren. All die anderen Pizzerias, Eissalons und Gaststätten und die Jugend sorgen für ein einzigartiges Flair und auch die Eros Bar, als nostalgisches Wahrzeichen. Der Lendwirbel ist eine super Sache und ein wichtiger Bestandteil der dem Viertel seinen Stempel aufdrückt. Gerhard Musyl – Seniorchef vom Frisiersalon Musyl am Lendplatz, der seit 60 Jahren besteht


Hallo Hr. Peter Grabensberger Am Lendwirbel finde ich gut, dass er der jungen Kreativ-Szene einen Rahmen bietet, in dem sie sich präsentieren und der Bevölkerung ihre Vielfalt darbieten kann. Der Lend hat sich in den letzten Jahren in eine sehr positive Richtung entwickelt und stellt sich heute als moderner und lebenswerter Bezirk dar. Gerade der Lendwirbel mit seinen Veranstaltungen ist bereits zu einem Markenzeichen des Bezirkes geworden. Ich wünsche mir, dass der Lendwirbel in dieser Form weiter geführt wird und jedenfalls in unserem Bezirk bleibt und dass der Bezirk Lend in der Öffentlichkeit und bei den Bewohnerinnen und Bewohnern den positiven Stellenwert bekommt, den er verdient. Ich wünsche dem gesamten Veranstaltungsteam ein erfolgreiches Festival und gutes Gelingen! Otto Trafella Bezirksvorsteher Graz-Lend


Clinic

Die! Die! Die! Eternias

FM4 Parkplatzrave

Le TAMTAM

Fiago

King Fou


Hc Roth

EdelweiĂ&#x; Crew

ID

A Thousand Fuegos Sweet Sweet Moon

Posch Band

Upperclass Shoplifters

Hella Comet

Posch Band

Tat Eve


Gut finde ich die Initiative an sich! Sie würde mehr Aufmerksamkeit verdienen! Der öffentliche Raum im Lendviertel hat sich in den letzten Jahren sehr zu seinem Besten verändert! Jegliche Beteiligung der Bevölkerung ist sehr positiv! Ich wünsche dem Lendwirbel eine hohe Aufmerksamkeit und vielfältige neue Ideen und den Mut und das Engagement zur Umsetzung! Dr. Christian Buchmann Landesrat

Als ich vor 15 Jahren hier begonnen habe, gab es nur den Mohrenwirt, den Uhrturmblick und das Brot & Spiele. Jetzt braucht man nur zu schauen, wie viele Lokale es hier gibt. Also die Idee vom Lendwirbel ist nicht schlecht. Bei dem Programm, das die Agentur Onomato gegenüber macht, da leb ich mit. Da haut alles hin. Klein, fein, lieb, kurz und bündig. Man kann sich gut unterhalten. Das Straßentheater hat mir besonders gut gefallen. Nur meine Frau muss im Gastgarten Platz zum Servieren haben. Johann Schwinzerl, Inhaber des Mohrenwirts, seit 1586 Gasthaus in der Mariahilferstrasse


Vor allem gut ist, dass aus einem Stadtviertel heraus in einer so beispielhaften, „spartenüberschreitenden“ Initiative Kunst, Kultur und andere Lebensqualitätsindikatoren berücksichtigt werden. Schade ist, dass noch nicht alle anderen Stadtteile sich dieses Erfolgskonzept zu eigen gemacht haben. Kunst und Kultur, verbunden mit einer wachsenden Kreativszene und ambitionierten Persönlichkeiten aus allen Wirtschaftsbereichen sowie engagierte BezirksbewohnerInnen sorgen permanent für positive Veränderung. Gerade im Kunst- und Kulturbereich sehe ich in den 10 Jahren meiner Tätigkeit als Kulturamtsleiter kaum Vereinnahmung, wohl aber erfolgreiche Integration und Symbiose. Ich gestehe meine Subjektivität: Ich wünsche mir, dass Kunst und Kultur, Wissenschaft und Kreativbereich in den Köpfen aller den zustehenden Platz erhalten. Weiter so. Dr. Peter Grabensberger Abteilungsvorstand Kulturamt Stadt Graz In unmittelbarer Umgebung unseres Wohn- und Arbeitsplatzes spielen beim Lendwirbel unglaublich viele tolle, junge Bands direkt auf der Straße und am Platz. Man kann sich betrinken, kennen lernen, miteinander reden. Es ist ein Bewusstsein für ein lebhaftes Szeneviertel entstanden. Das find ich toll, weniger toll find ich die Streetgallery. Also ich hab nichts dagegen, aber richtig gut finde ich die Bands. Im Lend geht es lebhafter zu. Was mich sonst an Graz stört ist, dass alles designt wird, von jeder Würstelbude bis zu Straßenzügen hat alles einen Einheitsschick. Es gibt in Graz eine echte Tradition für Literatur, bildende Kunst, Architektur. Sicher nicht für Design. Das ist eine Logik, die die Stadt als Ort des Konsums sieht und nicht als produktiven Spielort und Spiegel ihrer selbst. Hier am Lend ist das angenehmerweise aufgeweichter. Sandro Droschl Kunstverein Medienturm

Berndt Luef und Thomas Rothleuttner


Happy Kids

Pirates on a Boat of Love

Le TamTam Clinic

LoFi Bohème

Lendmaschine Tat Eve

Waikiki Star Destroyer

LoFi Bohème Davidek Die! Die! Die! Eternias

Lendmaschine

Tony Wegas


WE BOMB THE TREE (vormals atlantischer jagdbogen, 10600 v. chr.) arbeit von ILA


1936

kurz gefasst

1910

1870

Blickt man in der Grazer Stadtgeschichte zurück, so präsentiert sich das Mariahilferviertel zu anderen Zeiten bereits als sehr lebendiger Stadtteil. Historisch hatte dieser nördliche Teil der alten Murvorstadt vor allem verkehrstechnisch große Bedeutung. Zunächst prägte der Verkehr am Fluss (Floßlend) das Viertel. Ab dem 17. Jh. war es die Wiener Straße, ab Mitte des 19. Jh. dann die Annenstraße, die das Mariahilferviertel zur Verkehrsdrehscheibe machte. Auch als der überregionale Verkehr längst in Umfahrungsstraßen verlagert war, blieb der Lendplatz Endstation für die Buslinien aus der Weststeiermark und durch die Tramlinien 2 und 3 an den innerstädtischen Verkehr angeschlossen. Der Lendplatz und seine Umgebung waren die ganze Zeit über „Handelsumschlagplätze“ mit Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben sowie gewerblicher Infrastruktur. Gleichzeitig war das Gebiet aber auch von je her ein Stadtteil, das jene Personen aufnahm, die in den bürgerlich geprägten Bezirken des linken Murufers keinen Platz fanden: Gesindel, Gesetzlose und VerbrecherInnen in früheren Zeiten, ZuwanderInnen und MigrantInnen heute. Im ausgehenden 19. Jh. und zu Beginn des 20. Jh. war Lend ein ArbeiterInnenbezirk mit ca. 30.000 EinwohnernInnen und vielen Arbeitsstätten vor Ort. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. schlossen jedoch viele industrielle Produktionsbetriebe im Lend ihre Pforten. Anfang der 1990er Jahre hatte die Umgestaltung der Mariahilferstraße zur Fußgängerzone einen negativen Effekt auf die Gewerbestruktur in der Straße: zahlreiche Geschäfte mussten schließen oder abwandern, weil die StammkundenInnen nicht mehr mit dem Auto vorfahren konnten. Die bestehende Gebäudesubstanz in der Straße wurde immer schlechter, viele Geschäftslokale standen leer. Die Zuwanderungsphase der letzten 15 Jahre veränderte den Bezirk nachhaltig. Lend hat aktuell mit 24% den zweitgrößten Anteil an Menschen mit Nicht-Österreichischer Staatsbürgerschaft in Graz (im benachbarten Gries leben 28%) – auf gesamtstädtischer Ebene liegt der Anteil bei 15%. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die traditionell vergleichsweise niedrigen Immobilien- und Mietpreise im Lend. Ungefähr zur gleichen Zeit kam es in den 1990er Jahren zur Ansiedlung einzelner künstlerischer Initiativen rund um den Lendplatz. Es entstanden Büros kreativ Tätiger und Ateliers von KünstlerInnenkollektiven – anfangs jedoch eher unbemerkt und „unsichtbar“, weil für diese Arbeitsstätten zunächst Wohnungen umfunktioniert wurden. Mit der Murgalerie wurde in den 1990er Jahren eine Initiative von den Gewerbetreibenden rund um die Mariahilferstraße ins Leben gerufen, die sich bemühte, durch künstlerische Zugänge das Gebiet wieder zu beleben. 2003 wurde das Kunsthaus am Südtirolerplatz und somit auf der rechten Murseite eröffnet. Gleichzeitig siedelten sich neue Lokale im Bereich zwischen Südtiroler- und Lendplatz an (z. B.: Thinnfeld, Central, Tribeka, 2003-Bar, Exil). Kurz darauf wurden das Kulturamt und das Wirtschaftsamt der Stadt auf den Mariahilferplatz verlegt; etwas später eröffneten sozialökonomische Betriebe mit kreativem Schwerpunkt (z. B.: tagwerk) sowie einige neue Geschäfte. Nach der Eröffnung des Lokals Die Scherbe kam es in ziemlich rascher Folge zu einer weiteren Ansiedlung neuer kreativer Büro- und Gewerbegemeinschaften in leer stehenden Geschäftslokalen sowie zur Eröffnung neuer Läden (z. B. Möbel, Design, Mode, Bücher). Mit der Aneignung von leer stehenden Geschäftsräumen wurden die neuen Gewerbeformen sichtbar. Betonenswert erscheint vor allem die Unabhängigkeit dieser Entwicklung von Entscheidungen der Stadtpolitik. In Graz gab es bis 2007 kein spezielles Förderungsprogramm für die Ansiedlung der kreativen Szene im Bezirk Lend. Erst mit Eröffnung des Projektes „Rondo“, einem Wohn-, Büro- und Geschäftshaus wurde diesem Aspekt Rechnung getragen: Acht KünstlerInnen- und vier Wohnateliers werden hier Kreativen vom Land Steiermark für ein bzw. für ein halbes Jahr mietfrei zur Verfügung gestellt. Trotz des multikulturellen Charakters des Stadtteils – der auch als Attraktor für die junge Szene zu werten ist – sind Menschen mit Migrationshintergrund an diesem Prozess kaum aktiv beteiligt. Seit 2008 ist eine Entwicklung in Richtung Gentrifizierung festzustellen, die sich in steigenden Immobilienpreisen bemerkbar macht. Seit diesem Jahr gibt es auch den Lendwirbel und damit eine intensive Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen.


Pirates on a Boat of Love

Killed by 9V Batteries

Hella Comet

Wilhelm show me the Major Label

Hella Comet

Die Fenstergucker

Dust Covered Carpet Favela Gold

Lendmaschine


HC Roth & Wilhelm show me the Major Label

Dust Covered Carpet

Killed by 9V Batteries

Dust Covered Carpet Posch Band

Sir Tralala

The Happy Kids

ID


bastelanleitungen für gestaltungs-spielraum

deinen

urbanen

Die Stadt gehört uns allen! Und vor un-

3. Permanent-Breakfast

6. Straßenspiele

serer Haustüre finden wir unseren Ge-

Gemeinsames Frühstücken auf der Stra-

Straßenspiele werden im öffentlichen

staltungs-Spielraum. Mit dem Lendwir-

ße oder im Park. Jeder ist eingeladen und

oder halb-öffentlichen städtischen Raum

bel wollen wir auf eine lustvolle Art und

kann etwas mitbringen. Zufällig vorbei-

gespielt. Dabei wird mit moderner Tech-

Weise die Qualität unseres Lebensumfelds

schlendernde PassantInnen werden na-

nik (Kamera, Mobiltelefone, GPS etc.)

erhöhen und das aktive Zusammenleben

türlich gleich eingeladen sich auch an den

oder einfachsten Mittel (Stift und Papier,

zwischen verschiedenen Menschen in der

Frühstückstisch zu setzen. Schön gedeckt

Landkarte oder mündlichen Vereinbarun-

Nachbarschaft fördern. Und was hier im

und mit guten Sachen zum Essen und

gen) gespielt. Da viele Straßenspiele auf

Lend geschieht, kann auch vor deiner

Trinken beladen, lassen sich dort die ers-

Kinderspielen basieren, sind deren Regeln

Haustüre passieren!

ten Stunden des Tages in entspannter At-

meist leicht. Diese Spiele erzeugen inten-

mosphäre genießen.

sive Erfahrungen und ändern die Sicht-

Wir haben ein paar beispielhafte Aktionen

Und dass Leute neugierig schauen, ist

weise auf deine Umgebung. Denn Stra-

Die Beispiele stammen aus einer Publikation

gesammelt, die zeigen, dass selbst kleine

dabei durchaus gewollt. Der eine oder

ßenspiele nutzen den öffentlichen Raum

von Andreas Förster. Für mehr Ideen & Inspira-

Taten große Wirkung in der Nachbar-

andere wird sich vielleicht auch dazuset-

oft in einer neuen Art und Weise. Sie

tion: www.neighbourgood.net oder folge

schaft haben können. In der Wissenschaft

zen, beim nächsten Mal schon selber was

zwingen die SpielerInnen dazu mit ihrer

@neighbourgood auf Twitter.

spricht man hier von der „Akkumulation

mitbringen und die Idee viral weitertragen

gewohnten Umgebung neu umzugehen.

von sozialem Kapital“. Wie dem auch sei.

bis wir alle gemeinsam den öffentlichen

Sei kreativ und kreiere dein eigenes Spiel.

Wir haben einiges davon selbst auspro-

Raum befrühstücken (siehe dazu perma-

The city is your playground!

biert und können versichern: Vor allem

lend breakfast Beitrag in diesem Heft).

macht es Spaß, führt meist zur Verbesse-

Taste the flavor!

7. Carrotmobs Eine lose Gruppe von KonsumentInnen

rung des Zusammenlebens mit unseren NachbarInnen (sowie zur Erhöhung der

4. Guerilla-Stricken

kauft innerhalb eines kurzen Zeitraums

Konflikttoleranz, die vielleicht bei der

Guerilla-Stricken kombiniert öffentliches

in einem ausgesuchten Geschäft Güter

nächsten Party von Nöten sein kann) und

Stricken und Straßenkunst, um die Um-

und/oder Dienstleistungen. Ein vorab

dient ganz nebenbei auch noch der Rück-

gebung zu verschönern. Neben der eigent-

vereinbarter Prozentsatz der entstande-

eroberung unseres öffentlichen Raums.

lichen Funktion des Strickens, die Her-

nen Einnahmen wird dann in ökosoziale

stellung von Bekleidung etc., spielt der

Vorhaben investiert. Die TeilnehmerIn-

Eine Warnung sei noch ausgesprochen:

soziale Aspekt eine ebenso große Rolle.

nen dieser „Carrotmobs“ werden zuvor

Informiere dich über Gesetze und sei

Dabei werden nicht nur neue Strickmus-

per Facebook, Twitter, SMS oder anderen

rücksichtsvoll gegenüber deiner Nachbar-

ter ausgetauscht, sondern auch der neueste

Kommunikationswegen über die geplante

schaft.

Tratsch und Klatsch.

Aktion informiert.

Und gestrickt werden kann überall. Es ist

Die Idee dahinter ist, dass aktive Konsu-

1. Straßenmobiliar

kein großer Aufwand eine Strickgruppe

mentInnen verantwortungsvolle Läden

Ein paar Sessel oder ein Sofa auf dem

ins Leben zu rufen. Mit Wolle und Na-

belohnen und stärken können. Durch die

Gehsteig laden NachbarInnen und Pas-

deln in der Tasche geht’s ab ins nächste

Steigerung der Einnahmen können Ge-

santInnen zum kurzen Innehalten ein. Be-

Café oder besser noch; ins Freie: Der erste

schäfte einen Teil in Umweltprojekte oder

sonders gut kombinierbar mit freier Inter-

Schritt in Richtung – Guerilla-Stricken ist

gute Zwecke investieren. Die Konsument-

netnutzung, wie z. B. in der Stockergasse

als Reaktion auf den tristen Großstadt-

Innen tragen durch ihren Einkauf dazu

im Lend.

dschungel entstanden. Plötzlich habe Sta-

bei, die Welt ein klein weniger grüner und

Straßenmobiliar ist eine der günstigsten

tuen Mützen auf oder einen Schal um den

sozialer zu gestalten. Be a consumer!

und effektivsten Möglichkeiten die Straße

Hals gewickelt. Gebäude, Straßenlaternen

zu beleben. Wer würde an einem schönen

oder Hydranten werden in bunte und wei-

8. Hyperlocal Journalism

Tag nicht lieber draußen in der Sonne

che Stricksachen gepackt. Craft and smile!

Engagierte BürgerInnen nehmen die Be-

sitzen? Mach den ersten Schritt: Warum

richterstattung über unser Lebensum-

nicht einfach Stuhl und Laptop nehmen

5. Guerilla-Gardening

feld selber in die Hand. Dabei handelt

und sich raus auf die Straße setzen? Und

In Städten finden sich oft freistehende,

es sich oft um einen Mix aus Gemein-

vielleicht kommen beim nächsten Mal

verwahrloste Flächen, die von niemandem

schaftsblog, Bürgerbeteiligung und tradi-

schon mehr Leute, weil sie neugierig sind,

genutzt werden. Von PassantInnen gar

tioneller Webseite mit herkömmlichem

was da so passiert – auf der Straße in dei-

nicht beachtet oder als Müllhalden ver-

Informationsgehalt. Wichtig ist aber die

nem Wohnquartier. Sit down and enjoy!

wendet, verstecken sich potenzielle Grün-

Relevanz für das eigene Lebensumfeld:

flächen in Fußgängerzonen, am Rande

Im Gegensatz zum klassischen Journalis-

2. Piratenkino

von Gehsteigen, in Baulücken etc. Und

mus betreffen „hyper-lokale“ Nachrichten

Kino – umsonst?

keiner kümmert sich darum, weil die Be-

und Botschaften immer eine bestimmte

Gute Filme mag jeder. Warum in über-

sitzerInnen keine Zeit und kein Geld in-

Gegend oder Ort und stehen daher in

teuerte Kinos gehen, wenn Piraten-Kino

vestieren wollen oder die Flächen einfach

starker Verbindung mit der dortigen Be-

gratis ist und noch dazu viel mehr Spaß

ignoriert werden.

völkerung. Schließlich sind die Bewohner-

macht? Schnell wird aus einem Leintuch

Allerdings gibt es sehr wohl Leute, de-

Innen die besten ExpertInnen für ihren

eine Leinwand, die mobiler nicht sein

nen ihre Umgebung wichtig ist und die

Lebensraum. Hyperlocal Blogs stehen mit

kann. In einem Hinterhof, am Dachbo-

ein brachliegendes Land anregt, aktiv zu

traditionellem Journalismus aber auch in

den, wo auch immer. Ausgestattet mit

werden. Indem sie die Verantwortung

wechselseitiger Beziehung. Viele Blogs ar-

einem Projektor steht dem „Home-Kino“

für diese Flächen übernehmen und sie

beiten mit offiziellen Nachrichten, filtern

der etwas anderen Art nichts mehr im

mit Pflanzen, Blumen und Gemüse be-

diese nach geografischer Relevanz und

Weg. Und wenn sich dann auch noch

bauen, werden sie zu sogenannten Gue-

integrieren sie in ihren Inhalt. Viele die-

jemand um’s Popcorn kümmert, ist der

rilla-GärtnerInnen. Es ist eine lohnende

ser Blogs bieten ihren NutzerInnen auch

Filmeabend perfekt. Aber Achtung! Nicht

Aufgabe, wenn aus vernachlässigten und

eine Plattform, um direkt Nachrichten

alle Filme dürfen ohne weiteres öffentlich

verschmutzen Flächen kleine grüne Oasen

zu schreiben, Anregungen zu geben bzw.

gezeigt werden. Es gibt aber durchaus Pro-

in der Stadt entstehen und das Bewusst-

diese zu kommentieren. Eine Wiederbe-

duktionen, die keine strengen Copyright-

sein und Verhalten von Menschen lustvoll

lebung des guten alten Anschlagbretts an

Gesetze verfolgen. Oder frag doch in der

verändert werden kann: Viel schwerer fällt

der Ecke. Den Leuten wird dadurch eine

Nachbarschaft, ob’s nicht einen Hobby-

es den StadtbewohnerInnen ihren Müll in

Stimme gegeben, ein Gefühl der Gemein-

filmer gibt, der seine Filme präsentieren

einen kleinen Garten zu kippen, als auf

schaft entsteht, das letztendlich zu wei-

möchte. Möglichkeiten gibt’s viele! See

eine verwahrloste Fläche. Beim Ernten der

terem Engagement führen kann. Good

the difference!

Früchte harter Arbeit . Keep on digging!

news attitude!


Ein TaLend arbeit von Zweientopf

Jetzt für jeden Anlass:

Ein

für den Lend

Es ist rund, attraktiv im Design, glänzt in

durch sein schlichtes und zeitlos schönes

der Stadtmarketing Austria, bei der die

dezentem Gold, hat einen Wert von 10

Design auf 40 mm. Auf einer Seite zeigt

Bedeutung regionaler Einkaufswährun-

Euro, ist zeitlich unbegrenzt einlösbar

der Umriss des Bezirkes den Gültigkeits-

gen untersucht wurde, nimmt der Grazer

und bei Jung und Alt gleichermaßen be-

bereich und die Zahl „10“ den Wert der

Bezirk Lend mit seiner Geschenkmünze

liebt – eben ein richtiger Star!

Münze an, umkreist vom Schriftzug

im Ranking der Bezirke bis 30.000 Ein-

„DEIN EINKAUFSTALER IN LEND“,

wohner den 1. Platz ein. Um der großen

Für die oft stressige Suche nach Geschen-

der über der Zahl thront. Auf der zweiten

Nachfrage nach Talenden gerecht zu wer-

ken präsentiert nun auch der Lend eine

Seite befindet sich der legendäre Gold-

den, wurde heuer der Münzbestand um

bewährte Lösung. Mit dieser Geschenk-

esel aus der Mariahilferstraße. Diese Ge-

50 Prozent auf 150.000 Stück erhöht.

idee erhält wirklich jeder, was er sich

schenkmünze ist einzigartig auf der Welt

Der Obmann des Vereins der Wirtschaft

schon lange gewünscht hat: Das Talend

und ein gern gesehenes Zahlungsmittel

in Lend beziffert den Umsatz, der mit den

ist ein beliebtes Präsent geworden, vor

in allen Geschäften und Gastronomie-

Geschenkmünzen im Bezirk getätigt wird,

allem dann, wenn man sich über die Art

betrieben in Lend. Einerseits bietet man

auf rund zwei Millionen Euro im Jahr:

des Geschenkes nicht festlegen will. Mit

ein Shopping-, Wellness- oder Genusser-

„Dadurch bleibt Lend viel wertvolle Kauf-

Talenden sind Sie beim Schenken also

lebnis, andererseits wird mit dem Erwerb

kraft erhalten!“

immer auf der richtigen Seite. Die prak-

der Münzen auch ein Beitrag geleistet, Ar-

tischen Münzen sind einzeln in allen

beitsplätze vor Ort zu sichern.

Mit diesen Geschenkmünzen sind Sie in

Geschäften im Lend einlösbar und da-

Die „Währung mit dem Esel“ – das Mo-

Lend also bestens beraten. Nützen Sie

her auch für kleine Anschaffungen zwi-

tiv erinnert an das berühmte Märchen der

unsere einmalige Probeserie – einlösbar

schendurch ideal. Denn statt unsinnig

Gebrüder Grimm – ist nicht nur ein ide-

in den Mitgliedsbetrieben der Werbege-

Unpassendes mühsam zu suchen, erwirbt

ales Präsent für private Anlässe, etwa für

meinschaft Lend.

man vor Weihnachten oder Geburtstagen

Geburtstage oder zu Weihnachten, son-

einfach einige Talende. Sie sind in allen

dern auch für Firmen, weil als Prämie für

Wir wünschen Ihnen schon jetzt viel Freu-

Geldinstituten in Lend – in einer kreati-

Mitarbeiter nach dem Gutscheingesetz bis

de und nette Überraschungen mit Ihren

ven Verpackung aus LKW-Plane aus dem

zu einem Wert von 180 Euro steuerfrei.

Talenden!

Betrieben und Wirten im ganzen Bezirk

Im Mai 2008 wurden die Talende in Lend

einzulösen. Ob Designerstück, Retrojacke

erstmals eingeführt. Die möglichen Ge-

oder Haarschnitt oder ein romantisches

schenkideen, die sich durch diese Mün-

Abendessen zu zweit – jeder Beschenkte

zen ergeben, sind so vielfältig, wie die

erfüllt sich seinen sehnlichsten Wunsch

verschiedenen Lokale und Geschäfte als

selbst, und das ist wahrhaft das größte

auch die Handwerksbetriebe, bei denen

Geschenk!

die oder der Beschenkte sich sein individuelles Geschenk aussuchen kann.

Ein Talend im Wert von 10 Euro besticht nicht nur durch die Vielzahl der Möglich-

Die Akzeptanz des Talends ist österreich-

keiten im „Tauschhandel“, sondern auch

weit absolute Spitze. Laut einer Studie

- unentgeltliche Einschaltung -

Recyclingkreislauf – erhältlich und bei


ein grosses danke an all jene menschen, die sich angesprochen f端hlen!

dankie faleminderit chokrane sagolun chnorakaloutioun hvala merci dankon mahalo toda diakuiu takk grazie blagodaram dakujem gracias thank you ...


LENDWIRBEL Manifest