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ME NS CHE N UND G E S C HICHT E N VO M GIP F E L DE R WE LT A u s ga be W i n te r 2 0 1 8 / 2 0 1 9

EXTRAVAGANT Gewohntes neu erfinden – etwa ein Pferderennen auf dem zugefrorenen St. Moritzersee


MITWIRKENDE

In der Welt der Kommunikation ist Fabrizio D’Aloisio zu Hause; in den vergangenen Jahren arbeitete er unter anderem als Kommunikations­berater und Journalist. Seine Texte und Bilder erschienen in Magazinen wie „Swiss International Airlines“ oder „Ride“. Zu seinem Spezialgebiet zählen klassische Autos. Wer wäre da geeigneter gewesen, den Winter-Raid zu begleiten? Eben, dachten wir uns auch!

CUS

LEANDRO ALZATE Geboren ist Leandro Alzate in Bilbao, heute lebt er in Berlin. Schon als Jugendlicher war er kreativ – und hat seine Zeit mit dem Zeichnen von Comics verbracht. Seine smarten Illustrationen gefallen nicht nur uns. Auch für „The Financial Times“ oder „Die Zeit“ hat er bereits Szenarien verbildlicht. Wie St. Moritz als Rätsel aussieht? Zeigt Leandro Alzate auf Seite 42.

... ist das Pseudonym eines deutschen Rätselautors. CUS’ Identität ist so geheimnisvoll wie seine Denkspiele, deren Lösungen nicht immer auf der Hand liegen. Angeblich lebt er im Raum München und ist Jurist. Was fest steht: Seine Rätsel erscheinen unter anderem im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“. Für uns hat sich der Geheimniskrämer des Engadins angenommen.

MADLAINA WALTHER Zunächst absolvierte Madlaina Walther in Zürich ein Sportlehrerstudium. Anschliessend studierte sie an der Schweizer Journalistenschule redaktionelle Fotografie. Als Outdoorund ActionsportFotografin kombiniert die ­Engadinerin nun beides. Mit uns erkundete sie während einer Snowsafari die schönsten Skipisten rund um St. ­Moritz.

IM PR ESSU M Herausgeber: Engadin St. Moritz Tourismus AG, Via San Gian 30, CH-7500 St. Moritz Verlag: C3 Creative Code and Content GmbH, Heiligegeistkirchplatz 1, 10178 Berlin, www.c3.co Gesellschafter der C3 Creative Code and Content GmbH sind zu 85 % die Burda Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Offenburg, und zu 15 % die KB Holding GmbH, Berlin. Alleinige Gesellschafterin der Burda Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist die Hubert Burda Media Holding Kommanditgesellschaft, Offenburg. Gesellschafter der KB Holding GmbH sind die Herren Lukas Kircher (Geschäftsführer, Berlin) und Rainer Burkhardt (Geschäftsführer, Berlin) zu je 50 %. Redaktion: Yasmine Sailer (Leitung), Lisa Bierbauer, Annemarie Gassen. Freie Autoren: CUS, Fabrizio D’Aloisio, Franco Furger, Christian J. Goldsmith, Eva Holz Egle, Anina Rether, Stefan Skiera, Sam Urech • Artdirector: Charlotte Bourdeix • Grafik: Regina Fichtner • Bildredaktion: Franziska Cruccolini Titelbild: Leo Mason/Gettyimages • Lithografie: w&co MediaServices München GmbH & Co KG • Lektorat: Lektorat Süd Projektmanagement: Franziska Radmacher • Druck: Druckhaus Ernst Kaufmann GmbH & Co. KG, Raiffeisenstrasse 29, D-77933 Lahr Rechte: Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Engadin St. Moritz Tourismus AG und unter Angabe der Quelle.

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Fotos: Filip Zuan, Madlaina Walther, privat (2)

FABRIZIO D’ALOISIO

Wir arbeiten mit verschiedenen Fotografen, Autoren und Illustratoren zusammen. Das bereitet uns grosse Freude und macht jede neue Ausgabe zu einem Unikat.


TOP-EVENTS

EVENTKALENDER Die Höhepunkte des Winters 2018/2019

DEZEMBER

8.–9.12. 28.–30.12.

AUDI FIS SKI WORLD CUP ST. MORITZ Aufeinandertreffen der weltbesten Athletinnen in den Disziplinen Super-G und Parallel-Slalom www.skiweltcup-stmoritz.ch

SINFONIA 2018 Klassische Musik auf höchstem Niveau geniessen www.sinfonia-engiadina.ch

JANUAR

11.–19.1. 13.–20.1. 17.–18.1. 18.–20.1. 19.1. 21.–27.1.

26. ST. MORITZ GOURMET FESTIVAL Neun Tage mit rund 40 Genuss-Events für Feinschmecker www.stmoritz-gourmetfestival.ch

61. CONCOURS HIPPIQUE

14. WINTER-RAID

1.–3.2.

Zwei Blues-Konzertabende in besonderer Atmosphäre www.samedanblues.ch

IBSF WELTCUP BOB UND SKELETON AUF DEM OLYMPIA BOB RUN ST. MORITZ

SNOW POLO WORLD CUP ST. MORITZ Poloturnier auf dem gefrorenen St. Moritzersee www.snowpolo-stmoritz.com

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ENGADINSNOW Freeride-Spektakel in der Corvatsch-Nordwand www.engadinsnow.com

WHITE TURF ST. MORITZ

7.–11.2.

NOMAD ST. MORITZ

14.–16.2. 16.2. 23.–24.2.

LA DIAGONELA Klassisches Langlaufdistanzrennen der Ski-Classics-Serie. Start und Ziel: Zuoz www.ladiagonela.ch

Golfturnier mit farbigen Bällen mitten im Schnee www.engadin.stmoritz.ch/topevents

3./10./ 17.2.

Aussergewöhnliche Oldtimerrallye mitten im Winter www.raid.ch

14. OUT OF THE BLUE’S FESTIVAL SAMEDAN

ENGADIN SNOW GOLF CUP BY MASERATI

FEBRUAR

Traditionelles Springsportevent in familiärer Atmosphäre www.stmoritz-concours.ch

Wettkampf auf der einzigen Natureis-Bobbahn der Welt www.olympia-bobrun.ch

25.–27.1.

26.–27.1.

Extravagantes Pferderennsportevent und gesellschaftlicher Höhepunkt im Winter www.whiteturf.ch

Zusammenkunft einiger der weltweit führenden Galerien in einzigartiger Architektur www.nomadstmoritz.com

CRICKET ON ICE Prestigeträchtiges Cricket-Event mit Spielern und Gästen aus der ganzen Welt www.cricket-on-ice.com

GRAND NATIONAL Höhepunkt der Cresta-Run-Saison www.cresta-run.com

ST. MORITZ ICE CRICKET Cricket-Legenden treten auf Schnee gegeneinander an www.icecricket.ch

MÄRZ

1.–2.3. 3.–10.3.

FIS FREESKI WORLD CUP CORVATSCH Die weltbesten Freeskier bieten akrobatische Tricks www.corvatsch.ch/freeski-world-cup-corvatsch

ENGADINER MARATHONWOCHE Das Highlight der Woche: der Engadin Skimarathon www.engadin-skimarathon.ch

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38 CH E E R S ON IC E Ausgefallene Gewohnheiten pf legt man in St. Moritz

EXTRAVAGANT Wie ausgefallen etwas ist, liegt letztlich im Auge des Betrachters. Die aussergewöhnlichsten Ideen haben in jedem Fall dann die beste Chance, Realität zu werden, wenn sie an einem Ort entstehen, der Mut zu Unkonventionellem hat. Etwa St. Moritz. Lassen Sie sich von unseren Geschichten inspirieren – und wagen Sie etwas!

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Fotos: Gettyimages, Patrick Blarer, Madlaina Walther, Filip Zuan, Romano Salis

seit mindestens 155 Jahren.


WINTER

2018/2019

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MITWIRKENDE, IMPRESSUM

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E D I TO R I A L

EVENTKALENDER WINTER 2018/2019

GERHARD WALTER IM GESPRÄCH MIT MARTIN BERTHOD

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S P O RT E R L E B N I S AUF DER WELTBÜHNE Cricket-Champions aus aller Welt beim ersten „Amul St. Moritz Ice Cricket“

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EISKALTES VERGNÜGEN Wir begleiten zwei Rallye-Piloten beim legendären Winter-Raid

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PISTENJAGD Eine Safari im Winter? Ja – auf Skiern über die besten Pisten rund um St. Moritz

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KU L I N A R I K CORVIGLIA RELOADED Die Bergstation auf der Corviglia hat ein neues, kreatives Restaurantkonzept

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DAS SCHÖNSTE ENDE DER WELT Im Hotel Fex nächtigt man fernab jeglichen Trubels inmitten unberührter Natur

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MUSSE KAUM ZU GLAUBEN Kurioses hat in St. Moritz Geschichte. Eine Auswahl an Fun Facts aus 155 Jahren

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ST. MORÄTSEL Testen Sie Ihr Wissen über das Oberengadin

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MIT STIL VORAUS Ob Après-Skifahrer, Profisportler oder Trendsetter – wir zeigen die passende Ausrüstung für jeden Typ

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N AT U RS C H Ö N H E I T AUGEN AUF! Auf wen man hierorts schon mal treffen kann? Auf diese heimischen Tiere zum Beispiel

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ENGADINER GESPÜR FÜR SCHNEE Wie wir Schnee und Eis nachhaltig recyceln

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M A N U FA K T U R EIGENSINNIG SCHÖN Ramon Zangger fertigt in seiner Werkstatt in Samedan Holzmöbel mit Geschichte

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WAS WÄRE, WENN ... ST. MORITZ EIN INSTRUMENT WÄRE? Ein Interview mit der Engadiner Holzbildhauerin Nora Engels

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VORSCHAU: DIE NÄCHSTE AUSGABE

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Tourismusdirektor Gerhard Walter (l.) und Eventmanager Martin Berthod (o.) lassen 37 Jahre Veranstaltungen Revue passieren.

GERHARD WALTER IM GESPRÄCH MIT MARTIN BERTHOD

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ls Skirennläufer ist er in jungen Jahren Weltcup-Rennen gefahren, hat 1976 auf der Streif in Kitzbühel die OlympiaQualifikation gegen seinen Bruder verloren und 1978 nach einer Knieverletzung als 17. der Weltrangliste seine aktive Rennläufer-Karriere beendet. Drei Jahre später begann für ihn in St. Moritz eine Karriere, die ihm die folgenden 37 Jahre Leistungen auf Weltniveau abverlangen sollte. Bevor Martin Berthod 2019 von seinem Posten als oberster Eventmanager von

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St. Moritz zurücktritt, schaut er gemeinsam mit Tourismusdirektor Gerhard Walter auf Erfolge und Herausforderungen, die aussergewöhnlichsten Events und seine Beziehung zu St. Moritz. G.W.: Mit welchem Gefühl blickst du auf den Ruhestand? M.B.: Ich habe noch viele Projekte, deshalb hatte ich noch keine Gelegenheit, an die Zukunft zu denken, aber ich freue mich auf mehr Zeit für mich selber. Der Sport fasziniert mich immer noch. Die Vielseitigkeit ist enorm

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Fotos: Madlaina Walther (2), imago/ZUMA/Keystone (1)

EDITORIAL

hier in St. Moritz, von Sommer bis Winter, mit den unterschiedlichsten Gästen, Teilnehmern und Zuschauern. Ich hatte auch immer Glück mit meinen Mitarbeitern, das hat mir Motivation gegeben. Woher kommen die besten Ideen für Events? Das Problem ist eher, dass wir zu viele Ideen haben. Dann muss man sich fragen, wie man die Tradition weiterführt oder ob man lieber einen neuen Trend aufgreift. Insgesamt ist in St. Moritz die Kommunikation wichtig, und wir waren immer aufgefordert, neue, überraschende Events zu suchen. Wie bleibt man so lange so motiviert? Die Luft, die Höhe … Höhentraining. Nein, im Ernst: Es hat immer Spass gemacht! Irgendwo kommt immer das nächste Ziel. Für mich passt der Sport zu St. Moritz, und St. Moritz hat grosse Chancen, sich weiterzuentwickeln. Was rätst du deinem Nachfolger? Man muss den Sport lieben und so ausführen, dass er sowohl dem Teilnehmer als auch dem Zuschauer Spass macht. Man sollte sich möglichst vielseitig interessieren und muss immer evaluieren, was speziell für St. Moritz sinnvoll ist. Was war der beste berufliche Tipp, den du je erhalten hast? „Bevor du etwas sagst, musst du erst die Koffer abstellen.“ Das hiess: Wenn du ankommst, bist du hier noch nicht heimisch. Ich war aber von Beginn an hier glücklich. Ich hatte viele Freunde aus dem Skisport, das hat geholfen. Ich hab mir damals gedacht, ich komme aus dem kleinen Grindelwald in die grosse Welt, und musste schnell lernen, dass hier auch nur mit Wasser gekocht wird. Hier oben dauert’s halt länger, bis das Wasser kocht, und es wird nicht ganz so heiss. Wie soll dein letzter Arbeitstag aussehen? Ich möchte am 12. April aufhören, weil ich am 13. angefangen hab. Ich weiss nur, dass wir an meinem ersten Tag im Büro Cervelat gegrillt haben. Das werde ich nicht machen, da stinkt nachher das ganze Haus. Deine letzten Worte zum Abschied? Ich bin ein St. Moritzer! Ich bin ja tatsächlich eingebürgert, da darf ich das schon sagen.

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Auch Cricket on Ice hat Martin Berthod nach St. Moritz geholt. Das erste Match: 1989

ÜBER MARTIN BERTHOD Der ehemalige Skirennfahrer, geboren im Berner Oberland, ist seit 1981 als Eventmanager verantwortlich für die sport­lichen Grossereignisse in St. Moritz. Er holte die Ski-WM, das Ice Cricket und zahllose andere Veranstaltungen ins Engadin und war mit seinem Sports & Events-Team im Schnitt an 200 Events jährlich beteiligt. Der Sportwelt bleibt er als Chef des Organisationskomitees des AUDI FIS Ski World Cup St. Moritz erhalten.

ÜBER GERHARD WALTER Ursprünglich kommt Gerhard Walter aus Tirol. Seit 2017 ist er CEO von Engadin St. Moritz. Er studierte Tourismus in Innsbruck, machte einen Executive MBA an der Wiener Wirtschaftsuni­v ersität und war Tourismusdirektor von Lech und Kitzbühel. Zu seinen Hobbys zählt im Winter Skifahren. Im Sommer ist der 52-Jährige begeisterter Bergsteiger, Wanderer und Läufer.

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SPORTERLEBNIS

SPORTERLEBNIS Selbstredend kann man im Winter „einfach nur“ Ski fahren, Curling spielen oder Schlittschuh laufen. Oder aber, man interpretiert gewöhnliche Sportarten neu – und etabliert ausser­gewöhnliche. In St. Moritz spielt man Cricket nicht nur auf Gras, sondern auch auf Eis, rast mit offenem Oldtimer durch den Schnee und begibt sich mit einem Skilehrer auf Snowsafari. Möglich ist, was Spass macht!

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Foto: Filip Zuan

SPORTERLEBNIS

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Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

Bereit zum Schlag: Cricket auf Eis wird in St. Moritz seit fast 30 Jahren gespielt – 2018 kamen zum ersten Mal internationale Cricket-Stars zusammen.

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SPORTERLEBNIS

ICE CRICKET

AUF DER WELTBÜHNE Millionen TV-Zuschauer blickten im Februar gespannt auf den St. ­Moritzersee. Ein extravaganter neuer Anlass sorgte für Aufregung in den Commonwealth-Nationen. FOTO S : F I L I P Z UA N , M I C H A E L S O N D E R EG G E R

Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

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utzende Journalisten aus aller Welt, Fernsehproduzenten und mittendrin Cricket-Weltstars mit mehr TwitterFollowern als Tennislegende Roger Federer: Aufregung in St. ­Moritz am 8. und 9. Februar 2018. Zum ersten Mal spielten Cricket-Champions auf Schnee und sorgten damit für Interesse rund um den Globus. Eine Szene abseits des Spielfelds sollte anschliessend gar zwei verfeindete Atommächte einen Schritt näher zusammenführen. Aber alles der Reihe nach: Cricket ist in unseren Breitengraden ein Randsport. Während in Indien, Pakistan, Australien, Südafrika und anderen Commonwealth-Nationen Fussball gegen Cricket keine Chance hat, tun sich die Kontinentaleuropäer schwer, diesen Sport zu lieben. Allerdings längst nicht alle. Dieser exotische Weltsport und das ­Engadin gehören traditionell zusammen: Im „Lyceum Alpinum“ in Zuoz wird schon seit über 100 Jahren Cricket

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gespielt. Seit bald 30 Jahren findet zudem jährlich auf dem gefrorenen St. ­Moritzersee „Cricket on Ice“ statt. Ein Anlass, der Interessierten die Möglichkeit bietet, vor der herrlichen Berg­kulisse Cricket zu spielen. Das weckte in Vijay Singh eine Idee. Der Sohn einer Schweizerin und eines Inders träumte von einem Event, in dem CricketChampions auf dem See gegeneinander antreten. In Hans Wiedemann, Delegate of the Board des Badrutt’s Palace Hotels in St. ­Moritz, fand Singh vor sechs Jahren einen Partner, der von der Idee begeister t war. „Ich bin schweizerisch-australischer Doppelbürger und habe rund 13 Jahre in Australien gearbeitet. In diesen Jahren habe ich Cricket kennengelernt und meine Leidenschaft dafür entdeckt“, erklärt Wiedemann. Nach jahrelanger Vorbereitung war es im Februar 2018 so weit: St. ­Moritz wurde dank „St.  ­Moritz Ice Cricket“ für zwei Tage zum

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Die „Royals“ mit ihren Spielern aus England, Pakistan, Südafrika und Neuseeland traten auf dem zugefrorenen St. ­M oritzersee gegen die „Badrutt’s Palace Diamonds“ an (l.). Zusammenhalt spielte an beiden Spieltagen eine grosse Rolle (u.).

„DIE EINMALIGE GELEGENHEIT, EINEM MILLIONENPUBLIKUM DIE SCHÖNHEIT DES ENGADINS ZU ZEIGEN.“ Hans Wiedemann, Delegate of the Board des Badrutt’s Palace Hotels

Der Batsman bzw. Schlagmann versucht, den Ball beim Cricket so weit wie möglich wegzuschlagen (o.). Hilfreich und unabdingbar dabei: ein Schläger aus Holz (l.)

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SPORTERLEBNIS

INFO Das nächste „St. Moritz Ice Cricket“ findet vom 23. bis 24. Februar 2019 statt. www.icecricket.ch

Nabel der Cricket-Welt. Stars aus Indien, England, Australien, Südafrika, Neuseeland und weiteren Commonwealth-Nationen spielten zwei Cricket-Spiele auf dem gefrorenen St. ­Moritzersee. Die Partien wurden in 25 Ländern live ausgestrahlt. In Dutzenden weiteren Ländern erreichten Zusammenfassungen und Highlight-Clips zahlreiche Wohnstuben und Smartphones. „Dieser Anlass war nicht nur für St. ­Moritz ein Glücksfall, sondern auch für Graubünden und die gesamte Schweiz. Eine einmalige Gelegenheit, einem Millionenpublikum die Schönheit von St. ­Moritz und des ­Engadins zu zeigen“, sagt Hans Wiedemann. Und Singh betont: „Ein grosser Erfolg! Die Top-Spieler zeigten Cricket auf höchstem Niveau – und das auf Schnee und bei Minustemperaturen.“ Das Team „Royal“, angeführt von den Pakistan-Superstars Shoaib Akhtar und Shahid Afridi, trat gegen die „Badrutt’s Palace Diamonds“ an, für die mit dem indischen Idol Virender Sehwag der vielleicht grösste Star des Events auflief. Er hat auf Twitter knapp 18 Millionen Follower (zum Vergleich: Roger Federer hat zwölf Millionen), in seiner Heimat kennt ihn jedes Kind. Ein Spiel dauerte gut drei Stunden, beide Wettkämpfe haben die „Royals“ für sich entschieden und somit den Gesamtsieg eingeheimst. Auf dem See lud ein extravagantes VIPZelt die glamourösen Gäste zu Champagner und Verköstigung ein. Der Fernsehsender Sony/ESPN baute ein Live-Studio auf, sodass die Gäste hautnah miterleben durften, wie vom Studio aus in alle Welt gesendet wurde. Am Donnerstagabend, nach dem ersten Spieltag, fand im Badrutt’s Palace Hotel ein extravagantes Galadinner statt. Gäste hatten die Möglichkeit, mit ihren Cricket-Idolen anzustossen und den Abend zu verbringen – das alles in luxuriösem Ambiente. Juwelier-, Orientteppich-, Fotografie- und Gemäldeausstellungen rundeten den Anlass ab. Und da nn k a m es a m R a nde des „St.­Moritz Ice Cricket“ noch zu einer Szene, die zwei verfeindete Atommächte wieder etwas

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Hans Wiedemann (l.), Delegate of the Board des Badrutt’s Palace Hotels, im Gespräch mit dem indischen Cricket-Star Virender Sehwag

näher zusammenrücken liess. Shahid Afridi, langjähriger Captain und einer der grössten Cricketers Pakistans, posierte für Fotos, seine Fans feierten ihn. Eine junge Zuschauerin mit indischer Flagge wollte mit ihm aufs Bild. Aus Respekt versteckte sie aber ihre Indien-Fahne. Als Afridi das sah, forderte er sie auf, ihre Flagge ins Bild zu halten. Mit dieser Geste setzte Afridi ein starkes Friedenszeichen zwischen den verfeindeten Nationen Pakistan und Indien. Da in beiden Ländern Cricket eher Religion als Sport ist, zeigt sich die sportliche Rivalität in Indien/Pakistan eigentlich nie von der „hässlichen Seite“, sondern gerade von der positiven, verbindenden Seite. „Afridi gewann mit dieser ergreifenden Szene viele Sympathien auf beiden Seiten der Grenze“, schrieb „The Times of India“, und „The Hindu“ betonte: „Afridis berührende Geste gewinnt die Herzen Indiens.“ Afridi sagte dazu: „Als Cricket-Spieler können wir Vor­bilder sein und im Umgang mit einzelnen Menschen zeigen, wie die Beziehungen ganzer Nationen sein könnten.“ Ein grossartiges Zeichen, das zeigt, wozu Sport fähig ist: dazu, Grenzen zu überwinden. Aber auch dazu, St. Moritz auf die ganz grosse Commonwealth-Bühne zu heben. Autor: Sam Urech

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SPORTERLEBNIS

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s gibt auf der Welt zwei Arten von Menschen: solche, die nach dem Kettenmontieren bei minus zwölf Grad und Sturm im Julierpass-Hospiz einen heissen Pfefferminztee trinken, und solche, die lieber eine Cola mit Eis bestellen. Die meisten gehören zur ersten Kategorie, Louis Frey und Patrick Dätw yler zur zweiten. Es ist der 17. Januar 2018, und in ganz Graubünden sind viele Passübergänge wegen intensiven Schneefalls und Sturmböen geschlossen. Zeitgleich ist Starttag der Oldtimer-Rallye Winter-Raid, die heuer in die 15. Austragung geht. Louis Frey war als Einziger bei allen Ausgaben dabei. Er und sein lang jähriger Co-Pilot Patrick „Pädi“ Dätwyler sind heute Morgen aus Muri angereist, um am Nachmittag in St. Moritz zum Prolog des Winter-Raids zu starten. Ihr Fahrzeug: ein ­L agonda M35 Le Mans Rapide von 1934. Und wer sich ein wenig mit klassischen Automobilen auskennt, wird jetzt wohl den Kopf schütteln. Denn der Lagonda hat weder eine Heizung noch Windschutzscheiben – geschweige denn ein Dach. A ls ein baugleiches Fahrzeug 1935 die 24 ­Stunden von Le Mans gewann, kam wohl niemandem in den Sinn, dass 83 Jahre später zwei Verrückte im tiefsten Winter eine viertägige Rallye damit fahren würden. Verrückt heisst in diesem Fall vor allem passioniert. Denn die Leidenschaft für klassische Automobile begleitet Louis und Pädi von Kindesbeinen an: „Unsere Väter fuhren schon immer Klassiker. Wir zwei haben uns bei einer

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Kein gewöhnlicher Anblick: Im Sommer oben ohne fahren kann jeder, im Winter gehört Mut dazu – und warme Kleidung!

MAN MUSS SCHON ETWAS VERRÜCKT SEIN, EINE WINTER-RALLYE IM CABRIO ZU FAHREN. ODER SEHR PASSIONIERT. Mille Miglia kennengelernt, da waren wir 16 und 20“, sagt Co-Pilot Pädi. Dass sich die beiden mögen, sieht man auf den ersten Blick. Die Chemie muss schliesslich stimmen, wenn man vier Tage auf engstem Raum miteinander auskommen will. Aber wieso um Himmels willen fahren sie im tiefsten Winter mit einem offenen Lagonda? „Im Sommer können alle Auto fahren, im Winter ist es etwas Spezielles“, so Frey. Aussergewöhnliches zieht den sympathischen Werkstattbesitzer in der Tat an, kürzlich

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SPORTERLEBNIS 15. WINTER-RAID

EISKALTES VERGNÜGEN Louis Frey ist eine Legende der Oldtimer-Rallye Winter-Raid. Als Einziger hat er alle 15 Austragungen erfolgreich absolviert. Wir haben ihn und seinen Co-Piloten Patrick Dätwyler direkt vor dem Rallye-Start 2018 auf dem Julierpass getroffen und auf den Prolog begleitet. F O T O S : PA T R I C K B L A R E R , FA B R I Z I O D � A L O I S I O ( A U F M A C H E R F O T O )

Kennen keine Kälte: Louis Frey (l.) und Patrick Dätwyler heizen beim Winter-Raid im offenen Oldtimer durch Schnee und Eis.

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Rallye-Pilot Louis Frey (l.) und Co-Pilot Patrick Dätwyler, stilecht in wetterfesten Ledermänteln

ÜBER DEN WINTER-RAID Hans-André Bichsel, ein Doyen der Schweizer Oldtimer-Szene, veranstaltet seit 2003 mit dem Winter-Raid eine Rallye, die jeweils im Januar in St. Moritz mit einem Prolog startet und dann in drei oder vier Tagen durch die benachbarten Alpenländer führt. Ziel der Rallye ist meist wieder die ­Engadiner Alpen­m etropole. Am Winter-Raid dürfen Sport- und Personenwagen bis und mit Jahrgang 1988 starten, die für den Strassenverkehr zugelassen sind. Unterwegs gilt es, verschiedene Regelmässigkeits-, Schlauch- und Navigationsprüfungen zu absolvieren. Sieger wird das Team mit den geringsten Abweichungen bei den jeweiligen Sollzeiten. www.raid.ch/de/winter-raid/winterraid

porträtierte ihn das Schweizer Fernsehen, weil er das Chassis eines Feuerwehrautos von 1911 mit einem 1’000-PS-Flugzeugmotor zusammenbaute. „Leider habe ich keine Strassenzulassung dafür erhalten“, erzählt Louis und s c h mu n z elt , w ä h r end d a s R a d io i m Hospiz „Highway to hell“ von AC/DC spielt.

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Grosses Finale in der Fussgängerzone von St. Moritz: Hier endet die Winter-Rallye nach zweieinhalb Tagen.

„Das wäre genau unsere Musik zum Fahren – wenn wir ein Radio hätten!“, tönt es unisono. Wir glauben ihnen aufs Wort. Trotzdem sind diese Teufelskerle doch auch nur Menschen. Oder? Ist ihnen denn nicht kalt beim Fahren? „Das ist eine Einstellungs- und Kleidersache. Kalt wird es einem nur, wenn es warm und feucht ist. Dann fängt man nämlich an zu schwitzen, und wenn man einmal nass ist, bleibt man es auch“, sagt Pädi. „Und wenn es regnet, dann singen wir gemeinsam immer lauthals das Kinderlied ‚RägeRägetröpf li‘“, ergänzt Louis mit einem herzhaften Lachen. In ihren ledernen und gefetteten Militärmänteln passen die beiden perfekt zu ihrem Vorkriegsfahrzeug. Das entgeht auch den Zuschauern nicht, die die beiden ständig nach einem Erinnerungsfoto fragen. Louis Frey: „Wir sind mit dem Lagonda ein regelrechter Zuschauermagnet, gerade am Start in der Fussgängerzone von St. Moritz. Viele wol-

INFO 2019 geht der Winter-Raid in eine neue Runde – vom 17. bis 19. Januar.

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SPORTERLEBNIS

Der Lagonda M35 Le Mans kommt nicht nur ohne Dach aus – er hat zudem weder Heizung noch Windschutzscheibe.

len ein Foto mit uns, auch Damen in langen weissen Pelzen. Wir warnen dann jeweils, dass unsere Kleider und auch das Fahrzeug geölt sind, aber es macht ihnen nichts aus, dreckig zu werden.“ Louis und Pädi sind nicht nur zwei sprichwörtliche Unikate, sie sind auch so natürlich, dass einem das Herz aufgeht. Immer zuvorkommend, dankbar, sympathisch und voll bei der Sache. Vielleicht auch, weil man den Lagonda nicht einfach so nebenbei fahren

kann. „Durch die ständige Bein- und Lenkarbeit bist du immer in Bewegung, das Ding musst du mit dem Allerwertesten fahren, nicht wie moderne Autos, die dich bequem chauffieren“, erklärt Louis. In der Tat, während der Fahrt mit dem Lagonda zittert man wegen der Vibrationen des Motors am ganzen Körper, versteht das eigene Wort im Wind nicht mehr. Das Fahrzeug will die volle Aufmerksamkeit des Fahrers, und das ist auch gut so. Louis und Pädi werden damit die nächsten drei Tage unter hochwinterlichen Bedingungen bis nach Cortina in die Dolomiten und zurück nach St. ­Moritz fahren. Bevor die beiden auf brechen, gestehen sie hinter vorgehaltener Hand, dass sie eigentlich gerne ein Bier getrunken, aber aus Furcht vor dem Fotografen dann doch eine Cola bestellt hätten. Wie war das noch mal? Es gibt zwei Arten von Menschen. Louis und Pädi gehören zweifellos zu derjenigen Sorte, von der man im Leben nie genug kriegen kann. Start your engines, gentlemen! Autor: Fabrizio D’Aloisio

AM ZIEL: DREI FRAGEN AN RALLYE-PILOT LOUIS FREY

Louis Frey hat die Leidenschaft für Oldtimer quasi in die Wiege gelegt bekommen.

Louis, herzliche Gratulation zur Zielankunft! Wie war die Rallye? Grossartig! Angefangen beim Prolog, bei dem wir mehrere Male durch die St. Moritzer Fussgängerzone fahren durften. Die Zuschauer hat’s riesig gefreut. Zwischenzeitlich hat es quer durch das Auto geschneit, auf dem Julier konnten wir kaum etwas sehen. In den Dolomiten hatten wir dann blauen Himmel und sommerliche Temperaturen (Anmerkung der Redaktion: 0 Grad). Co-Pilot Pädi hat alles super gemacht, und wir sind problemlos durchgekommen.

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Hat euch die Streckenwahl gefallen? Und wie, sie war wunderschön und einmalig. Interessant war auch das erstmalige Anfahren von Objekten auf der Strecke, an denen man Aufgaben lösen musste. Euer Fazit? Wir konnten richtig Gas geben, das Ambiente war durchwegs super, und der Veranstalter hat alles hervorragend organisiert. Dass wir am Schluss mit dem „Trofeo delle Dolomiti“ auch noch einen Preis gewonnen haben, hat uns total überrascht. Wir kommen wieder!

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AUF SKIERN DURCHS ENGADIN

PISTENJAGD Sobald die legendäre Hahnenseeabfahrt öffnet, beginnt in St. Moritz die Jagdsaison. Auf der Snowsafari jagen Skifahrer und Snowboarder aber keine Steinböcke oder Hirsche, sondern über die besten Pisten und einmal quer durchs Tal. F O T O S : M A D L A I N A W A LT H E R

Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Blick auf das atemberaubende Bergpanorama ist nur einer von vielen Gründen für die Snowsafari.

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SPORTERLEBNIS

Skilehrerin Carmen Baumann kennt sich aus. Autor Franco Furger zeigte sie auf der Snowsafari die schönsten Pisten und Aussichtspunkte zwischen Corvatsch und Corviglia.

Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

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ir sitzen auf dem Sessellift zur Anhöhe Giand’Alva. Je höher wir schaukeln, desto überwältigender ist die Bergwelt. Wir freuen uns, denn es erwartet uns nicht nur der schönste Ausblick der Tour, sondern auch die berüchtigte Hahnenseepiste. Oben angekommen ruft Carmen: „Dort auf der Kuppe ist der beste Fotoplatz.“ Und wie! Unsere Skilehrerin hat nicht zu viel versprochen. Unter uns breiten sich Silvaplaner- und Silsersee aus wie ein riesiges weisses Tuch, das zwischen die Berghänge gespannt ist. Was für eine Weite! Einfach gewaltig. Zwischen den beiden Seen erkennen wir die Häuserreihen von Sils. Dort hat unsere Reise am frühen Morgen begonnen.

„Snowsafari“ nennt sich unser Ausf lug auf Ski und Snowboard, der uns von Sils über St. Moritz bis nach Celerina führt. Das Wildlife besteht aus einem grossen Raben und einer Alpendohle – oder auf Rätoromanisch ausgedrückt: aus Corvatsch und Corviglia. Dem Skifan zergehen diese Namen wie Pulverschnee unter den Füssen – denn so heissen die beiden berühmten Skigebiete von St. ­Moritz, in denen wir heute von einer Piste zur nächsten jagen und die Umgebung von oben entdecken. Der heutige Tag in Zahlen: Wir carven über elf verschiedene Traumpisten, legen dabei 88 Kilometer zurück und zählen am Ende des Tages 4’444 Höhenmeter auf unserer ­Tracking-App. Mindestens. Die Hälfte der Snowsafari, den Teil im Gebiet Corvatsch, haben wir bereits hinter uns. „Erkennt ihr die Piste Curtinella?“, fragt uns Carmen. „Ihr wisst schon, diese wolltet ihr unbedingt zweimal fahren, weil sie so schön ist.“ Wir lassen den Blick über die Berghänge schweifen, und plötzlich erkennen wir die Piste wieder. Und wir sehen auch die Bergstation, die oberhalb der mächtigen CorvatschNordwand thront. Dort oben auf 3’303 Metern Höhe, dem höchsten Punkt der Snowsafari,

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Im Winter lässt sich die Region rund um St. Moritz auf Skiern oder dem Snowboard am schönsten erkunden (1+2). Noch besser: an der Seite eines Insiders, der hier aufgewachsen ist und das Skigebiet in- und auswendig kennt (3). Auf Skifans warten hier nicht nur wunderschöne Pisten, sondern bei entsprechend gutem Wetter auch entspannte Momente im Liegestuhl (4).

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konnten w ir vom Matterhorn über die Zugspitze bis zum Ortler sehen. Und wie herrlich der Schnee dort oben war! Gedankenversunken ziehen wir nochmals schnelle Schwünge über die Gletscherpiste und sehen, wie der Schnee im Gegenlicht glitzert. Zum Glück sind wir dem Tipp von Carmen gefolgt und die Piste über die Fuorcla Surlej gefahren. Nirgends ist die Sicht auf das Berninamassiv so beeindruckend wie hier. „Diese lange weisse Krete ist der berühmte Biancograt. Im Sommer kann man von hier die Bergsteiger sehen, wie sie über den schmalen Grat den Piz Bernina erklimmen“, erklärt uns unsere Skilehrerin. Carmen Baumann kennt hier jede Spitze und jeden Stein; sie ist in Champfèr, einem Nachbarort von St. Moritz, aufgewachsen. Als Dreijährige stand sie zum ersten Mal auf Skiern, seither ist der Schneesport ihre grosse Leidenschaft. „Ich liebte es als Kind, in die Skischule zu gehen“, sagt sie. Heute erteilt die 27-Jährige selbst Skiunterricht. Gerne geht sie mit ihren Gästen auf Snowsafari, denn dies sei die beste Art, die Region rund um St. Moritz kennenzulernen. Darum empfiehlt sie, die Snowsafari zu Beginn des Aufenthalts zu fahren. Aber etwas Fitness und Können brauche es schon dazu. Denn es warten einige echte Steilhänge, die einen sicheren Parallelschwung erfordern. Zum Beispiel auf der Hahnenseepiste, die nun direkt vor uns liegt.

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SPORTERLEBNIS

TIPPS VON CARMEN BAUMANN Mit einem Skilehrer oder einer Skilehrerin, die alle Berge, Pisten und Geheimtipps kennt, ist die Snowsafari noch erlebnisreicher. Carmen Baumann aus Champfèr verrät uns ein paar Tipps. CORVATSCH BERGSTATION 3´ 303 M

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FURTSCHELLAS BERGSTATION 2 ´ 800 M

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START SNOWSAFARI PIZ NAIR 4

ST. MORITZ BAD

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Kaffee und Brezel im Bergrestaurant sind eine gute Stärkung für einen langen und erlebnisreichen Tag. Die einladende Lounge ist mit Fellen geschmückt.

 2 CURTINELLA

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CELERINA

Das Tolle an der Snowsafari ist, dass man keine Piste zweimal fährt. Bei der Curtinella macht Carmen aber gerne eine Extrarunde. Nicht nur wegen der super Piste, sondern auch, weil die neue Sesselbahn im Porschelook so cool ist.

 5 SALASTRAINS

 3 CORVATSCH

 6 MARGUNS

 4 HAHNENSEE

 7 CELERINA

Eines der vielen Panorama-Highlights ist die Bergstation Corvatsch. Dort lohnt es sich, auf die Dachterrasse hochzusteigen. Gutes Wetter ist nicht Pflicht, macht die Snowsafari aber bunter – vor allem auf Fotos.

Fotos: PR (1)

ZIEL

Die Hahnenseepiste ist legendär. Der Grund dafür ist nicht nur die spektakuläre Hanglage, sondern auch, weil sie noch eine reine Naturschneepiste ist. Unbedingt vorab informieren, ob die Piste geöffnet ist.

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Sich einmal wie ein Weltmeister fühlen! Das geht, wenn man die anspruchsvolle WM-Piste auf Corviglia hinunterkurvt und ins Zielgelände auf Salastrains einfährt. Zumindest mit ein wenig Fantasie.

Am meisten Spass macht die Snowsafari mit einer Gruppe von guten Freunden. Bei der Sternbar auf Marguns lässt es sich bestens auf eine gelungene Tour anstossen.

Die sprichwörtliche Sahne auf der Snowsafari-Torte gibt es nach der langen Talabfahrt nach Celerina. Dort bietet ein Foodtruck eine grosse Auswahl an feinen Waffeln an. Ob mit Sahne, Nutella oder Zimt und Zucker: Alle sind sie lecker.

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SPORTERLEBNIS

Die gesamte Strecke der Snowsafari ist lang, und man benötigt viel Ausdauer. Allerdings bieten sich auch immer wieder Möglichkeiten, durchzuatmen und/oder einzukehren, wie etwa in die Stüvetta Giand’Alva (1). Der Traum eines jeden Wintersportlers: mit dem Snowboard den fluffigen Pulverschnee durchpflügen (2). An den schönsten Aussichtspunkten sollte man unbedingt innehalten, um ein paar Erinnerungsfotos vom Bergpanorama zu schiessen (3).

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Carmen hat die Snowsafari auch schon mit Kindern gemacht. Wenn sie ausdauernd sind und gut fahren, sei dies kein Problem. „Aber der Tag ist lang, wenn man die ganze Snowsafari fahren will“, warnt die erfahrene Skilehrerin. Flexibel bleiben und sich dem Wetter und dem Müdigkeitsniveau anpassen, lautet deshalb ihr Motto. „Man kann die eine oder andere Piste auch auslassen oder früher aussteigen und den Rest der Snowsafari am nächsten Tag fahren.“ Carmens Worte beruhigen uns, da wir schon ein wenig unsere Beine spüren, und gleichzeitig stacheln sie uns an. Wir wollen natürlich die ganze Snowsafari fahren mit allen Highlights: mit der Corvatsch-Bergstation und der Hahnenseepiste, mit dem Piz Nair und der WM-Piste. Carmen, die kein bisschen müde wirkt, zeigt auf die gegenüberliegende Talseite. „Seht ihr, dort war das Zielgelände der Ski-WM. Und die gleichförmige Pyramide dort ist der Piz Nair. In rund einer Stunde stehen wir auf dem Gipfel.“ Puh!, denken wir. Scheint noch etwas weit entfernt zu sein, dieser Piz Nair. Zum Glück bietet die Snowsafari genügend Möglichkeiten, um einzukehren und sich zu stärken. Rund 20 Bergrestaurants hat man zur

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Auswahl, wie uns Carmen vorrechnet, die meisten mit einer wunderbaren Sonnenterrasse. Wir haben die Stüvetta Giand’Alva gewählt, die am unteren Ende des soeben gefahrenen Sessellifts liegt. Auf der Terrasse läuft Reggae, der Chef brät uns eine feine Grillwurst und serviert dazu Polenta. „Wenn wir Zeit haben, machen wir auf Corviglia eine Extrarunde zur Trutz-Hütte“, sagt Carmen. Dort gebe es himmlischen Apfelstrudel. „Und in der Glünetta gönnen wir uns einen Aperol Spritz.“ Doch zunächst geht es auf die längste Abfahr t der Snowsafari: die berühmte Hahnenseepiste. Sie ist zehn Kilometer lang und beginnt mit einem langen Steilhang. Sie

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Mit dem Sessellift Munt da San Murezzan geht es hoch hinauf im Skigebiet Corviglia (4). Dort wartet ein überwältigender Ausblick auf die verschneiten Bergketten (5). Zwischen den Abfahrten sollte man unbedingt den Einkehrschwung üben und in einem der 20 Bergrestaurants, etwa der Glünetta-Hütte, vom reichhaltigen Speisenangebot kosten (6). Ein echter Genuss am Ende des Tages: die Talabfahrt nach Celerina (7).

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DIE SNOWSAFARI IN ZAHLEN: 2 Dreitausendergipfel, 11 Traumpisten, 88 Pistenkilometer, 4’444 Höhenmeter

INFO Alle Infos zur Snowsafari: www.engadin.stmoritz.ch/ snowsafari

führt vom Gebiet Corvatsch hinunter nach St. Moritz Bad, von wo es mit der Signalbahn weiter ins Gebiet Corviglia geht. Carmen fährt vor und zieht präzise Kurzschwünge in den griffigen Schnee. Sie jauchzt vor Freude. In der Tat, die Piste ist perfekt präpariert, unsere Skier finden mühelos Halt und tun genau das, was wir wollen. Und so meistern auch wir den Steilhang ohne Schwierigkeiten. Die lange Abfahrt führt im unteren Bereich durch idyllische Waldpassagen und endet direkt vor dem schlossartigen und eindrucksvollen Kempinski Grand Hotel des Bains. Wow, was für ein Kontrastprogramm die Snowsafari bietet: Ruhe und Natur pur in

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Sils, hochalpine Bergwelt am Corvatsch, und nun stehen wir mitten im urbanen St. Moritz. Wir sind gespannt, was uns das Gebiet Corviglia noch alles bieten wird. „Ihr werdet begeistert sein“, sagt Carmen. „Die Pisten sind kupiert, breit und offen, einfach herrlich. Mögt ihr noch?“ Wir nicken ihr mit einem breiten Lächeln zu. „Super, dann fahren wir als Nächstes die WM-Piste, die ist ein Muss. Und dann geht’s auf die beiden Aussichtspunkte Piz Nair und Trais Fluors, wo man über das ganze ­E ngadin blicken kann.“ Und schon hat Carmen ihre Skier geschultert und läuft Richtung Talstation. Autor: Franco Furger

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Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

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KULINARIK

KULINARIK

Foto: Filip Zuan

Das Geheimnis kulinarischer Träume liegt irgendwo zwischen FoodTrends und traditionell bewährtem Gusto. Ein neues Restaurantkonzept auf der Corviglia meistert den Spagat – und kredenzt seinen Gästen in zwei Locations internationale Kost und herrlich frische Engadiner Küche. Letztere wird auch im Hotel Fex serviert. Mühelos mischt man hier Damals mit Heute – und entspricht damit ganz dem Zeitgeist.

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Mmh! Blumenkohlcreme und Ei, getoppt mit Kaviar. Dieses und weitere raffinierte Gerichte kann man sich im White Marmot schmecken lassen.

ZU TISCH AUF 2’468 METERN

CORVIGLIA RELOADED FOTO S : F I L I P Z UA N

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Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

Die Bergstation auf der Corviglia hat ein neues kulinarisches Highlight. Im Restaurant White Marmot ist mehr zu geniessen als Spitzenküche und eine gute Zigarre – es ist die Neuerfindung einer Tradition, die es nur in St. Moritz gibt.


KULINARIK

Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

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Marco Moroni kennt alle globalen Küchentrends – der Chef de Cuisine interpretiert sie im White Marmot auf seine Art.

n manchen Orten der Welt wäre es nur eine Baumassnahme. Die Meldung könnte lauten: „Am 16. Dezember 2017 wurde das White Marmot Restaurant und Bar nach komplettem Umbau des vorhandenen Gebäudes eröffnet.“ Wir sind aber in St. Moritz, präziser auf 2’468 Metern Höhe, am Hausberg der bekanntesten Wintersportregion der Welt, der Corviglia. Und damit an dem Berg, der als erster für seine kulinarischen Höchstleistungen in Champagner-Luft bekannt wurde. Diese Tradition reicht in eine Zeit zurück, in der die Bretter noch aus Holz und die Skischuhe aus Leder waren – und diese wird nun neu interpretiert, ­C orviglia reloaded eben. Oder, um es in den Worten von Christian Meili zu sagen: „Unsere Gäste meinen immer, hier ist es wie in London oder New York. Nur die Aussicht ist viel schöner.“

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Meili ist der Leiter Gastronomie und Lodging des neuen Hotspots und einer der Neuerfinder des Berges. Diese Neuerfindung begann mit einem Abschied. Der Gastronomiepionier Reto Mathis zog sich im März 2017 zurück. Mathis und zuvor sein Vater Hartly hatten 50 Jahre lang an der kulinarischen Legende Corviglia gearbeitet, ihr „Corviglia-Schnee“, Kartoffelschnee mit Kaviar und einer Sauerrahmsauce, wurde zum Signature Dish des Lifestyles von St. Moritz. Um „Sinn und Geist“ (Meili) dieses Hauses in die Zukunft zu tragen, entschloss sich die Betreiberin der Station, die ­Engadin St. Moritz Mountains AG, den Gastronomiekomplex in die eigenen Hände zu nehmen. Alles sollte neu werden und doch der Tradition angemessen bleiben. So wurde das renommierte Atelier Zürich gebeten, sich über eine adäquate Innenausstattung Gedanken

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KULINARIK

ZWEI LOCATIONS, DIE DEN ANSPRÜCHEN AN EINEN SKITAG RECHNUNG TRAGEN. Einer, der auf der Corviglia mit seiner Location Tradition neu belebt (Chef Christian Meili, r.), und einer, der dafür sorgt, dass der Gaumen tanzt (Küchenchef Marco Moroni)

zu machen. Die Idee der Designer: Da das Gebäude aus den 1970er-Jahren stammt, solle man sich an diese Zeit anlehnen. „Wir haben uns viele alte Fotos angesehen, alles war ziemlich bunt damals, das Design, die Skianzüge“, sagt Meili. Und bunt ist das White Marmot dann auch geworden, das Interieur gehalten in Grün, Rosa und Weinrot. Im Barbereich steht die grosse weisse Murmeltier-Skulptur, die dem Restaurant den Namen gibt. Wobei es im Grunde falsch ist, nur von einem Restaurant zu sprechen. Denn unter dem Dach des Hauses finden sich zwei Locations, die den unterschiedlichen Ansprüchen der Gäste an einen Skitag Rechnung tragen – neben dem White Marmot mit dem Séparée Golden Eye steht den Gästen noch Edy’s Restaurant offen. Marcello Gervasi hat als Gastgeber im White Marmot bereits unvergessliche Momente erlebt: „Wir haben bis 3 Uhr morgens bei Vollmond einen Geburtstag gefeiert, das war sensationell.“ Nicht nur bei solchen Gelegenheiten (für die das Restaurant auf Anfrage auch

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abends gebucht werden kann), sondern täglich wird bei Gervasi eine mediterrane Küche mit Sidekicks aus den globalen Küchentrends zelebriert. Chef de Cuisine Marco Moroni tischt Pasta und Lobster auf, hat aber auch eine veritable Burger-Kollektion zusammengestellt. Seinen Corviglia-Paris-Texas-Burger füllt er mit Entenleber, dem ­C orviglia-Burger spendiert er eine Polenta-Kruste. Und man wäre nicht in St. Moritz, wenn es keinen Kaviar gäbe – serviert wird er auf einem Ei mit Blumenkohlcreme. Die passenden Getränke dazu lassen sich auf der erlesenen Weinkarte finden. Dass Prominenz aus der ganzen Welt noch heute auf der Corviglia einkehrt, ist nun wahrlich kein Geheimnis. Einer der häufigsten Gäste war in den ersten Monaten der indische StahlMagnat Lakshmi Mittal. Aber Chef Christian Meili wollte seine Location auch „öffnen, eine Bar machen – man kann einfach hereinkommen, ohne einen Tisch zu reservieren“. Der Herausforderung, alles neu zu machen, haben sich die Betreiber ebenso mit Edy’s Restaurant gestellt. Auch mit der Wahl

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SPORTERLEBNIS

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Nicht nur von der stylischen Einrichtung her kann es das White Marmot mit Restaurants in Metropolen wie New York oder London aufnehmen (1); auch die Gerichte sind hier erstklassig kreativ (2–5). Küchenchef Marco Moroni setzt auf das gewisse Etwas – Lobster auf der Pasta zum Beispiel oder Entenleber in einer seiner Burger-Kreationen. 3

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Fotos: Ingo Rasp (1)

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„ES IST EIN COOLES SELBSTBEDIENUNGSKONZEPT.“ Christian Meili, Leiter Gastronomie und Lodging, über Edy’s Restaurant

dieses Namens verweist man auf der Corviglia auf die Tradition, mit der sich die Bergstation verbunden wissen will. Es sind die Vornamen zweier Skihelden: Edy Reinalter und Edy ­Rominger. Reinalter wurde Slalom-Olympiasieger bei den Winterspielen 1948, Austragungsort: St. Moritz. Ausserdem war er Mitglied der berühmten „Guardia Grischa“, einer Gruppe von Skifahrern, die zur damaligen Zeit die alpinen Wettbewerbe dominierten. Auch

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Edy Rominger gehörte dazu, der im Winter 1946/47 23 von 26 Rennen gewann. Der „­Rominger-Sprung“ auf der WM-Abfahrtspiste existiert bis heute und ist nach Edy und seinem Bruder Ruedi benannt. Das Edy’s ist keine A lphüt te geworden, aber doch ein relativ lockerer Betrieb, ein „Free Flow Restaurant“. Ein Begriff, den Meili so erklärt: „Es ist ein supercooles Selbstbedienungskonzept ohne Schlangen, der Gast kann sich frei bewegen. Die Grundidee der Küche ist Frische. An der Frontcooking-Station haben wir typische Gerichte wie Älplermagronen (ein Nudelgericht) oder Rösti. Kalte Gerichte wie Mozzarella-Salat kommen in ein Glasgefäss, alles ist portioniert und stammt nicht von einem ­Buffet.“ Meilis erste Erfahrungen mit dem neuen Konzept: „Die Skilehrer und die eigenen Mitarbeiter äussern sich sehr positiv. Das

INFO White Marmot Restaurant & Bar T +41 81 833 76 76 Edy’s Restaurant T +41 81 833 76 77 Bergstation Corviglia www.mountains.ch/ de/restaurants/ restaurants-corviglia

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KULINARIK

WHITE MARMOT Gäste können sich auf klassische, modern zubereitete Gerichte freuen und speisen in stilvollem Ambiente – das Interieur ist an die 1960er- und 70er-Jahre angelehnt. Neben einem Restaurant-, Lounge- und Barbereich gibt es auch das Séparée, das ganz in Gold gehalten ist. Passend zum Namen des Restaurants, thront an der Bar eine weisse Murmeltier-Skulptur.

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EDY’S RESTAURANT Wer es lockerer mag, kehrt auf der Corviglia im Edy’s ein. Das Free Flow ­Restaurant ist perfekt für eine unkomplizierte, gemütliche Pause von der Piste. Die Skirennfahrer Edy Reinalter und Edy Rominger haben zum Namen der Location inspiriert.

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Fotos: Dolores Rupa, PR (1)

Lichtdurchflutet, modern und mit grandiosem Ausblick: das Edy’s Restaurant (1). Wie das White Marmot befindet es sich auf der Corviglia (2). Im Edy’s geht es dank Selbstbedienung unkompliziert zu (3). Serviert werden für das Engadin typische Speisen (4).

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ist immer ein gutes Zeichen.“ Vor allem, wenn man weiss, dass in Edy’s Restaurant auch Capuns serviert werden, jene Bündner Spezialität, bei der ein Spätzleteig, den man zuvor mit Salsiz oder Bündnerf leisch bestreut hat, in Mangoldblätter eingewickelt wird. Es heisst, es gebe dafür in der Schweiz so viele Rezepte wie Schwiegermütter. Die Tatsache, dass sich noch niemand beklagt hat, darf mithin als ein gewichtiges Indiz für die Qualität der Küche gelten. Bleibt die Frage, welche Funktion man auf Corviglia dem Séparée Golden Eye zugedacht hat, das seinen Namen trägt, weil es in sanftes Champagnergold getaucht wurde; wenn die Sonne hereinfällt, changiert der Raum komplett ins Goldene. Nun, man kann hier eine ­Zigarre rauchen – und beim Blick in die Berge darüber nachdenken, w ie alles begann. ­Damals, als die Bretter noch aus Holz waren. Autor: Christian J. Goldsmith

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KULINARIK

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Dr. Marc Bär-Schilder, Besitzer (l.), Patrick Gloser, Geschäftsführer (M.), Sara Bachmann, Direktionsassistentin. Die Familie Bär hat das Hotel Fex 2009 erworben und seitdem liebevoll renoviert. So wurde der Charme von einst erhalten und in die heutige Zeit übersetzt.

a früher, da hatten wir auch mal einen Fernseher“, sagt Marc Bär-Schilder, der Eigentümer des Hotels Fex, der gerade auf einem der filigranen Thonet-Stühle im Speisesaal Platz genommen hat. Der langgezogene Raum erinnert mit seinen Kronleuchtern, den klassischen Kaffeehausstühlen und dem knarzenden Fischgrätparkett an einen kleinen Ballsaal aus den Goldenen Zwanzigerjahren. Ein Fernseher würde in dieses nostalgische Ambiente nicht sonderlich gut passen, der Grund für seine Abschaffung war jedoch ein anderer: „Ich sass vor acht Jahren im Hotel, verfolgte während der Fussball-WM das Spiel zwischen Honduras und der Schweiz und musste mitansehen, wie unsere Mannschaft aus dem Turnier flog“, erzählt der 63-Jährige. „Um so etwas zu erleben, fährt man doch nicht hier hoch ins Fextal!“ Seit diesem Ereignis ist das Haus eine TV-freie Zone. Wer hier ein Zimmer bucht, ist aber auch nicht auf der Suche nach modernem Entertain-

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ment, sondern strebt nach Ruhe und möchte die unberührte Natur geniessen. Davon gibt es reichlich. Das Hotel liegt auf einer Höhe von 1’966 Metern und gehört zusammen mit einem Bauernhof und der Berghütte Alp Muot Selvas zu den letzten Häusern im kaum besiedelten Fextal, das acht Kilometer lang ist und bei Sils Maria beginnt. Vom Speisesaal aus blicken die Gäste auf eine hufeisenförmige und schneebedeckte Bergkette, gekrönt von Dreitausendern wie dem Piz Fora und dem Piz Tremoggia. Gleich dahinter liegt Italien, das mit der Schweizer Seite über Pfade verbunden ist, die vor rund hundert Jahren von Salz- und Kaffeeschmugglern genutzt wurden. Ende des 19. Jahrhunderts stand das Hotelgebäude noch nicht neben dem leise plätschernden Gebirgsflüsschen Fedacla, sondern im pulsierenden St. ­Moritz Bad. Der damalige Besitzer Balthasar Arquint entschloss sich jedoch kurz nach der Jahrhundertwende, das Haus in seine Einzelteile zu zerlegen und im

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SPORTERLEBNIS

GESCHICHTSTRÄCHTIG

Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

DAS SCHÖNSTE ENDE DER WELT Das Hotel Fex liegt in einem unberührten Seitental des Oberengadins und hat eine geheimnisvolle Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts stand das Gebäude nämlich noch in St. Moritz, dann wurde es in seine Bestandteile zerlegt und im Fextal wieder aufgebaut. Auf der Spur einer Hotel-Legende. F O T O S : S T E FA N S K I E R A

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KULINARIK

Fextal wieder zusammenzusetzen. Ein wagemutiges Unternehmen, an dem viele Lastkutschen beteiligt waren und um das sich bis heute zahlreiche Legenden ranken. Sicher ist: ­Balthasar Arquint besass im Fextal bereits das Restaurant Edelweisshalde. „Und vielleicht haben ihn die Gäste beim Essen ja immer wieder gefragt, warum man denn in diesem schönen Tal nicht übernachten kann. Daraufhin ist er mit dem Hotel einfach umgezogen“, vermutet der heutige Besitzer Marc Bär-Schilder. Eine zweite Theorie knüpft an die damaligen Pläne der Graubündner an, mehrere Bahntunnel zu bauen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Schweiz mit Italien verbinden sollten. Möglicherweise war so ein Tunnel – der jedoch nie gebaut wurde – auch für das Fextal geplant und Arquint wollte an der Belebung der Grenzregion mit seinem Hotel teilhaben. „Wir müssten eigentlich mal eine Doktorarbeit in Auftrag geben“, sagt Bär-Schilder, „um das alles genau zu erforschen.“ Jedenfalls hält er den Umzug auch für ökonomisch erklärbar, denn Holz sei als Baumaterial damals ziemlich teuer gewesen, und das Recycling und der aufwendige Transport hätten sich deshalb wohl gelohnt. Die Atmosphäre der Gründerzeit prägt noch heute das Ambiente des Hauses. So hängt beispielsweise der goldgerahmte Spiegel im Speisesaal noch immer am selben Platz wie vor

DIE ATMOSPHÄRE DER GRÜNDERZEIT PRÄGT NOCH HEUTE DAS HAUS. 100 Jahren, „das beweist ein altes Foto“, sagt Marc Bär-Schilder, der zusammen mit seiner Frau Lotte das Hotel 2009 erwarb. Zuvor hatte es mehrere Betreiber – und seinen Charme nach einigen Umbauten leicht eingebüsst. Das Paar aus Zürich ging bei der Renovierung vor vier Jahren behutsamer vor. In einigen Zim-

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Nichts als Weite und Natur: der Ausblick aus einem der 15 Zimmer des Hotels Fex

mern kamen historische Details wie Deckenmalereien zum Vorschein, die liebevoll restauriert wurden. Ein Fresko aus der Anfangszeit des letzten Jahrhunderts schmückt auch das Foyer, genauso wie eine historische Landkarte, die eine gesamte Wand bedeckt. Viele antike Wohnaccessoires wie Krüge, Schalen, Truhen, eine kupferne Waage und bestickte Lampenschirmchen erinnern, stilvoll arrangiert, an vergangene Zeiten. Anders als im Fin de Siècle wird den Gästen heute kein 13-Gänge-Dinner mehr serviert, sondern ein Vier-Gänge-Menü mit regionalen, nachhaltig angebauten Zutaten. Nach einem Tag auf Langlaufskiern oder gemütlichen Lesestunden in der Bibliothek treffen sich die Gäste dann im Speisesaal (ohne Musik!) und lassen sich mit schweizerisch-mediterranen Spezialitäten von Küchenchef Giorgio Biavaschi verwöhnen. Bei Risotto mit Graubündner Malögin-Käse darf fröhlich geplaudert werden – zum Beispiel über die Geschichte des Hotels, das nicht alle seine Geheimnisse sofort preisgibt. Autor: Stefan Skiera

INFO Hotel Fex Via da Fex 73 7514 Fex/Sils Preise inklusive Halbpension zwischen 125 und 180 CHF pro Person und Tag; T +41 81 832 60 00 www.hotelfex.ch

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Die Felle auf den Stühlen wärmen, sodass man auch im Winter draussen sitzen kann (1). Nicht nur aufgrund der Lage des Hotels kann man sich aufs Wesentliche konzentrieren – die gesamte Einrichtung wie hier im Speisesaal strahlt stilvolle Einfachheit aus (2). Serviert werden schweizerische und mediterran angehauchte Speisen (3).

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MUSSE

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Was Tausende kunstvoll in den Schnee gezeichnete Fan-Botschaften, auf Schlittschuhen servierter Champagner und ein 30-Gänge-Picknick auf dem Julierpass miteinander verbindet? Die Tatsache, dass in St. Moritz fast alles machbar ist. Ob Profisportler oder Trendsetter, der Ort hält für jeden etwas bereit. Was man dafür benötigt: die passende Ausrüstung – und Offenheit für alles Neue.

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HÄTTEN SIE ES GEWUSST?

KAUM ZU GLAUBEN Extravagante Gästewünsche, aussergewöhnliche Events, kuriose Anekdoten: In St. Moritz gibt es nichts, was es nicht gibt. Wir haben überraschende Fakten aus 155 Jahren gesammelt.

Wenn das mal kein Ansporn für die WM-Athleten war: Die Fan-Botschaften und Portraits der Ski-Stars wurden innerhalb von zwei Tagen als „One-LineDrawings“ in den Schnee gezeichnet.

Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

IN DEN SCHNEE GEZEICHNET Schneekunst vom Feinsten zeigten während der Ski-WM 2017 nicht nur die Athleten auf ihren Brettern. Auch die Schweizer Fans legten eine beeindruckende Kreativität an den Tag, um ihre Stars anzufeuern. Tausende von Botschaften wurden auf einer Fläche von rund 16 Fussballfeldern in eine gigantische Schneezeichnung umgesetzt. Mit speziell konstruierten Roboter-Schneeschleudern entstand so das weltweit erste Schneekunstwerk dieser Art.

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20 MILLIONEN ... südasiatische Fernsehzuschauer blickten im Februar 2018 nach St. Moritz. Der Grund: Zum ersten Mal fand hier der internationale Wettkampf „Amul St. ­Moritz Ice Cricket“ mit Cricket-Champions aus Indien, England, Südafrika und Neuseeland statt. Sportler vom Kaliber von Fussballstars wie Messi oder Ronaldo lockten: Der Inder Virender Sehwag hat knapp 18 Millionen Twitter-Follower. Ob Pferderennen, Polo- oder Golfturniere – was sonst auf englischem Rasen stattfindet, wird in St. Moritz auf dem zugefrorenen See ausgetragen. Die Idee, Cricket, eine der grössten Sportarten weltweit, auf Eis zu spielen, soll 1987 an einer Bar entstanden sein. Ganz offensichtlich alles andere als eine Schnapsidee.

Fotos: PR (3), Andy Mettler/Swiss-image, Michael Sonderegger, Filip Zuan, PR/Badrutt’s Palace

In St. Moritz scheint fast alles möglich – hier wird Polo oder Cricket nicht zwingend nur auf Gras gespielt, sondern auch auf Eis.

EIN ELEFANT IN DER LOBBY Die Gäste des Badrutt’s Palace Hotels ­mögen es exklusiv. Auch bei ihren Wünschen. Drei Kuriositäten-Highlights:

PLATZ 3 Einst war einem Hotelgast auf 3’000 Metern Höhe danach fernzusehen. Kurz darauf wurde ein TV-Gerät mit dem Hubschrauber zu ihm hochgeflogen.

PLATZ 2 Eine Braut verlangte für ihre Verlobungszeremonie mehrere Kamele. Das Palace machte es möglich.

PLATZ 1 Ein Gast wollte seiner Frau ein Geschenk auf unvergessliche Weise überreichen: via Elefantenrüssel. Da gerade ein Zirkus in der Nähe gastierte, war das für die Belegschaft ein Leichtes. Bloss: Der Dickhäuter wollte partout nicht durch den Hotel­eingang. Erst als ihn der Pâtissier mit einigen Pralinen lockte, liess er sich überzeugen. Wie das Tier wieder aus der Lobby gekommen ist? Mit dem gleichen Trick. Süss, nicht?

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BESCHWINGTE KELLNER

Champagner gefällig? Schwer vorstellbar, dass man den Schaumwein extravaganter servieren kann

In den 1920er-Jahren galten die Eisf lächen vor den grossen Hotels als Hotspots der mondänen Gesellschaft. Die High Society liess sich nach einigen Runden auf dem Eis von Kellnern in Frack und Schlittschuhen bedienen. René Breguet war einer von ihnen, der mit beschwingter Leichtigkeit Tabletts balancierte und den Gästen perlenden Champagner in Kristallgläsern servierte. Eis-Soireen mit Live-Bands galten als chic, und wer selbst zu wackelig auf den Kufen stand, genoss von den Hotelbalkonen die beste Aussicht auf das illustre Treiben. In den Glanzzeiten des Eiskunstlaufs hatten in St. Moritz 18 grosse Häuser eigene Eisflächen. Heute sind es noch drei. Und eines davon – das Suvretta House – leistet sich den Luxus einer eigenen Trainerin.

IN DEN 1920ER-JAHREN GALTEN DIE EISFLÄCHEN GROSSER HOTELS ALS HOTSPOTS DER MONDÄNEN GESELLSCHAFT.

Wer noch am persönlichen Eislauftalent feilen möchte, kann im Suvretta House einen Profi buchen (o.). Der historische Eislaufpavillon des Kulm Hotels St. ­M oritz wurde 1905 erbaut und zur Ski-Weltmeisterschaft 2017 vom weltbekannten Architekten Lord Norman Foster renoviert (r.).

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André Citroën hat Chaplin und dessen Geliebte einst mit seinem Raupenfahrzeug (u.) auf den verschneiten Julierpass kutschiert, um dort ein Picknick abzuhalten – eines mit 30 Gängen!

Fotos: Getty Images, PR/Suvretta House St. Moritz, PR/Kulm Hotel, Dokumentations Bibliothek St. Moritz (4)

Zu den berühmtesten Gästen von St. Moritz zählte etwa Charlie Chaplin.

EXZENTRISCHER HOLLYWOODSTAR Die Liste der Filmstars, die im Winter nach St. Moritz kommen, ist so lang wie die Bahnfahrt ins Oberengadin: Schon Alfred Hitchcock, Marlene Dietrich, Luis Trenker oder die Diva Gloria Swanson trafen sich hier zu Champagner und Hummersuppe. Auch Charlie Chaplin liess sich von der einzigartigen Atmosphäre bezaubern, obwohl ihn die Berge einschüchterten: „Ihre bedrohliche Präsenz gibt mir das Gefühl, überf lüssig zu sein“, soll der bekennende Exzentriker einmal gesagt haben. Mitte Dezember 1931 bis Anfang März 1932 verbrachte Charlie Chaplin in St. Moritz. André Citroën war ebenfalls vor Ort und lud zu

einem 30-gängigen (!) Picknick auf den Piz Julier ein. Stolz präsentierte der Autofabrikant Chaplin und dessen Geliebter May Reeves sein Raupenfahrzeug und fuhr die beiden damit zur verschneiten Passhöhe. Dort angekommen, erwartete ein Hellseher die illustre Gruppe von Gästen. Er deutete die Zukunft anhand von persönlichen Objekten, ohne zu wissen, wem sie gehörten. Als er Chaplins Brille in den Händen hielt, sagte er: „Der Besitzer ist auf der Höhe seines Schaffens. Er wird ein hohes Alter erreichen, aber keines natürlichen Todes sterben.“ Chaplins Reaktion? „Solange er mir ein langes Leben garantiert, nehme ich einen gewa ltsamen Tod gerne in Kauf.“ Tatsächlich verbrachte er seine letzten 25 Lebensjahre oberhalb von Vevey und starb mit 88 Jahren ohne Fremdeinwirkung an einem Schlaganfall.

DIE LISTE DER FILMSTARS, DIE IM WINTER NACH ST. MORITZ KOMMEN, IST LANG. W I N T E R 2 0 1 8 / 2 0 1 9 S T. M O R I T Z

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DEM HERRGOTT SO NAH Ein winziger Friedhof in grandioser Kulisse. Ein berühmtes Gemälde. Ein grosser Künstler, der hier begraben liegt. Wo?

RATEN SIE MIT!

ST. MORÄTSEL

A: Pontresina – B: Celerina C: Silvaplana – D: Maloja

Ungewöhnliche Fragen verlangen manchmal ganz gewöhnliche Antworten. Der deutsche Rätselautor CUS fordert Sie (und uns) heraus – finden Sie die Lösung?

P I Z PA L Ü

I L L U S T R AT I O N : L E A N D R O A L Z AT E

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ZUR HOCHZEIT EINE KUGEL

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LECKER DANK HÖHENLUFT Kenner schwören auf diese Engadiner Spezialität, nicht geräuchert, sondern luftgetrocknet – die Höhenluft macht’s möglich. Wer die beste macht? Da scheiden sich die Geister: Der Laudenbacher in La Punt? Der Heuberger in St. Moritz? Oder Hatecke, ebenfalls in St. Moritz? Wir wollen ja nur wissen: Wie heisst diese Köstlichkeit?

D I AV O L E Z Z A

An Heiligabend, kurz vor Mitternacht, traf er seine Zukünftige beim Weihnachtsball in Samedan. Am Neujahrstag waren die beiden bereits verheiratet. Nur wenige Stunden währte das Glück, denn noch vor der Hochzeitsnacht war sie tot. Erschossen. Wer’s nicht glaubt, lese es nach. Der Name des Helden? A: Sherlock Holmes – B: Robert Langdon

M U O T TA S MURAGL

A: Copa – B: Capuns C: Salsiz – D: Schüblig

C: Clark Kent – D: James Bond

PONTRESINA

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EINTAGSHALT

FLAZ

Zum Engadiner Skimarathon richtet die Rhätische Bahn eine eigene Haltestelle nur für diesen Tag ein. Wie heisst sie? A: Maloja Start – B: St. Moritz Ski C: Bever Park & Run D: S-chanf Marathon

CELERINA

INN SAMEDAN

LA PUNT 42

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HOCHSTAPLER Der Inn fliesst in die Donau. Eigentlich müsste es umgekehrt sein, denn der Inn ist der grössere Fluss und führt fast immer mehr Wasser als die Donau. Demnach müsste die Donau in den Inn münden, und Wien und Budapest lägen am Inn. Doch auch der Inn ist ein Hochstapler. Ein nicht sehr prominenter Bach, der noch im Oberengadin in den Inn mündet, ist grösser als der Inn. Folglich müsste der Fluss, der ins Schwarze Meer fliesst, weder Donau noch Inn heissen, sondern eigentlich ...

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SHOWDOWN Eine spektakuläre Sportanlage im Oberengadin. Die einzige ihrer Art weltweit. Nur im Winter, nur für Amateure. Die Sprache? Englisch. Frauen? Nicht erlaubt. Zuschauen dürfen aber alle. Nur ein Einziger hat die ganze Strecke je unter 50 Sekunden geschafft, ein leibhaftiger Lord natürlich. Wie heisst die Anlage?

A: Flaz – B: Fex C: Fedoz – D: Vallun

A: Cresta Run – B: White Turf C: Olympia Bob Run D: Polo on Snow

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WEGLOS 5

Seilbahnen locken Wanderer an. Sei es, dass sie von der Bergstation talwärts marschieren. Sei es, dass sie nach dem Aufstieg bequem ins Tal gondeln wollen. Nur die Bergstation einer Seilbahn hier im Oberengadin ist für Wanderer kaum erreichbar – kein Fussweg, nicht mal ein Klettersteig führt hinauf, hier bleiben die Gäste der Seilbahn unter sich. Wo?

WOHLKLINGENDER NAME Der Name des berühmten Piz Palü über Pontresina und Diavolezza klingt wunderbar – auf Rätoromanisch. Was bedeutet sein Name auf Deutsch?

C O R VA T S C H

A: … Alpenglühen – B: … Sumpfspitze C: … Silberschloss D: … Dreigestirn

A: Muottas Muragl – B: Piz Nair C: Corvatsch – D: Diavolezza

R O S E G TA L

FEX FEDOZ

SILS

M A LOJA F E X TA L

ST. MORITZ

S I LVA P L A N A

PIZ NAIR

VA L L U N

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PLAN-WAGEN Ein Pferdeschlitten, der nach Fahrplan fährt? Einmalig in der Schweiz, vielleicht sogar in der ganzen Welt. Im Winter auf Kufen, im Sommer auf Rädern. Wohin geht die Reise?

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A: Fextal – B: Rosegtal W I N T E R 2 0 1 8 / 2 0 1 9 S T. M O R I T Z

C: Puschlav – D: Val Bever

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MIT STIL VORAUS Ob Après-Skifahrer, Profisportler oder Trendsetter – auf den schneeweissen Hängen und prachtvollen Pisten des Oberengadins treffen alle aufeinander. Was die Wintersportler gemeinsam haben: ein Händchen für gutes Equipment! Wir haben beispielhaft zusammengestellt, wie Letzteres aussehen kann.

APRÈS-SKIFAHRER

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Auf der Piste ist er stylish unterwegs, Funktion und Ästhetik gehen bei ihm Hand in Hand. Den Tag in den Bergen kostet dieser Wintersportler in vollen Zügen und bis tief in die Nacht hinein aus. Denn ein perfekter Tag muss auch einen gebührenden Abschluss finden, so das Motto des Après-Skifahrers.

Die Hato Lounge im Posthaus ist ideal, um einen Tag in den Bergen stilvoll ausklingen zu lassen.

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1. Unisex-Sonnenbrille mit flaschengrünen Gläsern und einer Fassung in Hornoptik, aus der 1856 St. Moritz Kollektion von Vogel Optik St. Moritz*. 2. Die Sonne als Marken­z eichen von St. Moritz ziert das St. Moritz Limited Edition Armband by Cruciani. Entwickelt hat es Eveline Fasser Testa*. 3. Strick­h andschuhe mit Knopf, aus Kaschmir von Cashmere House Lamm. 4. Kaschmirbandana in Vintage-Optik von Lala Berlin. 5. Die Kerze St. Moritz INVIERN von Udur St. Moritz duftet nach Enzian, Wacholder und Arvenholz. Inspiriert wurde der Berliner Parfümeur Geza Schön von einem kalten Wintertag in den Bergen.* *über www.shop.stmoritz.ch

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Fotos: Daniel Martinek/PR, PR (5)

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PROFISPORTLER Der Profisportler wirbelt den glitzernden Pulverschnee mit seinen frisch gewachsten Skiern auf. Den atemberaubenden Ausblick und seine schnellen Schwünge hält er mit einer Actioncam fest. Die feinste Ausrüstung ist ihm gerade gut genug, um die Berge des Oberengadins zu erobern. Da er den ganzen Tag auf der Piste verbringt, darf ein Drink im Rucksack nicht fehlen!

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Neben top präparierten Pisten bietet das Skigebiet am Piz Corvatsch die längste beleuchtete Nachtabfahrt der Schweiz und einen grossen Snowpark. Mit 3’303 Metern ü. d. M. ist die Bergstation Corvatsch die höchstgelegene in Graubünden.

Fotos: Gian Giovanoli/ PR, PR (6)

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1. Sicher ist sicher: Rucksack P.RIDE von ABS hat 32 Liter Fassungsvermögen und ist mit einem Lawinenairbag ausgestattet. 2. Mit der Skibrille von Bogner hat man bei jedem Wetter den richtigen Durchblick. 3. Die Glacier Cream LSF 30 von Piz Buin schützt die Haut auch auf dem Berg optimal. 4. Der Skischuh MTN Explore von Salomon mit praktischen Einstiegsschlaufen ist ideal für Tourengeher, denn er bietet 63°-Bewegungsspielraum. 5. Die Thermosflasche von Sigg hält Tee und andere Heissgetränke warm. 6. Dank der Actioncam mit 4k-VideoAuflösung und Ultra-Weitwinkel-Objektiv von Rollei kann man die rasanten Manöver daheim noch einmal erleben.

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TRENDSETTER Der Trendsetter ist mit seinem professionellen wie stylischen Equipment jederzeit für ein Selfie gerüstet. Ausgestattet mit den neuesten Gadgets, stilvoller Skimode und schicken Accessoires, gibt er auf der Piste den Ton an. Seine leichten, mühelosen Schwünge sitzen genauso perfekt wie die Skimode, die er trägt. 1

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Rast macht der Trendsetter im angesagten Restaurant El Paradiso im Skigebiet Corviglia (Celerina). Von der Terrasse aus geniesst er den atemberaubenden Ausblick.

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Fotos: Mauritius Images, PR (6)

1. Die Skier von Indigo mit dem stylischen Muster entstanden in Kooperation mit St. Moritz. 2. Die dazu passende limitierte Skihelm-Edition schützt auf der Piste optimal. 3. Daunenjacke Becca mit orangefarbenem Innenfutter von Bogner. 4. Mit dem wasserdichten Mini GPS Tracker von TKStar wird man überall gefunden. 5. Müde von der gestrigen Après-Ski-Sause? Sieht dank der schicken Sonnenbrille, Modell Lunettes, von Moncler niemand. 6. HerrenSkischuh für echte Profis: Der Hades von Dahu ermöglicht dank 140er-Flex mit einer Mittelfussbreite von 97 mm und einem glasfaserverstärkten Exoskelett einen aggressiveren Angriffswinkel.

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INTERVIEW

WAS LIEGT IM SKI-TREND?

Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

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Neue Designs testet Bogner-CEO Andreas Baumgärtner in der Regel selbst. Was eine gute Skiausrüstung für ihn ausmacht und worauf es bei der Kreation ankommt? Hat er uns im Gespräch verraten.

esignen von Skimode – worauf kommt es an? Funktionalität ist eine Grundvoraussetzung. Bei Bogner kann der Endverbraucher die Teile nicht nur zum Skifahren anziehen, sondern auch abseits der Piste nutzen. Für uns spielen zudem Faktoren wie Zeitgeist, Trend und unser Markenverständnis eine grosse Rolle. Es ist immer die Marke, die Historie, die uns beeinf lusst und Werte vorgibt, wie wir unsere Kollektionen entwickeln. Wie wichtig ist dabei Funktionalität und wie wichtig Optik? Die Qualitäten, die wir bei Bogner Ski einsetzen, haben alle einen funktionalen Background, etwa Wassersäulen. Zudem ist immer schon ein modischer Anspruch vorhanden. Die Verbindung von Funktionalität und Fashion ist unsere Leidenschaft. Welche Ausrüstung ist für den Profi Pflicht, wie sollte ein Einsteiger ausgestattet sein? Wenn jemand mit dem Skifahren startet, ist er mit einer Skihose und einer Jacke gut beraten. Skiprofis und Athleten lieben unseren funktionellen Overall. Auch der Trendsetter kann zum Overall greifen. Für Damen darf dieser deutlich enger sein. Möglich macht dies High-Performance-Stretch-Material. Je nach Temperatur kann man eine Daunenjacke darüber tragen – stylish auch für jede Après-Ski-Bar. Was passt 2018/19 zum Pisten-Trendsetter? Wir haben natürliche Materialien mit Funktionalität verbunden. Es gibt weniger Echtpelz an den Krägen, dafür mehr Wolle, Lammfell oder Loden. Auch Luxury Streetwear spielt eine Rolle. Daher kommt das Thema Layering. Wir arbeiten oftmals mit einem Secondlayer, der unter der Skijacke herausspickt. Dadurch wird eine andere Farbigkeit sichtbar. Zu den Trendfarben gehören in diesem Jahr graustichige Töne. Diese kombinieren wir zu Senfgelb und Schwarz, teilweise auch zu kontrastigen Zippern. Im Trend sind zudem Onesies, die neue Variante des Overalls. Hierfür ist Bogner prädestiniert, weil Maria Bogner diesen in den Fünfzigern quasi erfunden hat. Wir haben tolle Teile aus dem Archiv neu interpretiert.

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In welchen Teil der Ausrüstung lohnt es sich besonders zu investieren? Sicherheit ist von grosser Relevanz. Man sollte einen guten Helm haben, der sitzt und bequem ist. Auch für einen guten Skischuh sollte man genügend Geld ausgeben, da dieser eine entscheidende Rolle spielt. Wie hat sich die Skimode in den vergangenen Jahren verändert? Sehr modische Teile sind heute mit hoher Funktionalität machbar, was früher so nicht der Fall war. Die Entwicklung in den Materialien bietet ganz neue Möglichkeiten. Gerade auch hinsichtlich der Silhouetten. Mit welchem extravaganten Accessoire kann man seinen Skilook in dieser Saison zum Hingucker machen? Mit Tüchern etwa. Hier eignet sich ein Kaschmirschal oder ein Kaschmirbandana. Von Farbe und Muster her muss das gar nicht zwingend passend sein, das Individuelle ist eher, wenn es nicht 100 Prozent zum Rest passt. Dasselbe gilt auch für die Handschuhe. Wie sieht Ihre persönliche Skikleidung aus? Ich versuche, funktionelle Kleidung mit einem individuellen, modischen Stil zu verbinden. Die Drei-Lagen-Jacke von Bogner mixe ich zum Beispiel mit verschiedenen Lagen. Die Jacke ist sehr dünn, deshalb kann man sie gut layern. Meine Schichten sind von der Farbigkeit unerwartet. Neon trifft etwa auf Dunkelrot. Das Tolle ist, dass man im Schnee aufgrund der weissen Reflexionsfläche viel mit Farbe machen kann. Man kann sich an einen Ton trauen, mit dem man vielleicht nicht durch die Innenstadt gehen würde. Wo fahren Sie rund um St. Moritz Ski? Ich bin jedes Jahr meist das Wochenende vor Weihnachten in St. Moritz und mag sowohl die Corviglia, wo oft mehr Sonne ist, als auch den sehr alpinen Corvatsch. Mir gefallen das Après-Ski und die tollen Restaurants, die es auch auf den Pisten gibt. Internationaler Lifestyle trifft auf die hochalpine Welt. Das hat schon viel mit der Bogner-Kollektion zu tun. Für uns ist St. Moritz deshalb ein sehr spezieller Ort. Interview: Lisa Bierbauer

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SPORTERLEBNIS

NATURSCHÖNHEIT

Foto: Claudio Gotsch

Die Berge, die Seen und das Licht tragen dazu bei, dass St. Moritz im Gedächtnis bleibt. Wer einmal da war, kommt meistens zurück in das Dorf, das so ganz anders ist als andere. Aufgrund seiner einzigartigen Tierwelt zum Beispiel. Alles, was den Ort ausmacht, muss geschützt und wertgeschätzt werden. Mit Projekten, die nicht mahnen, sondern Spass machen.

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Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

SPORTERLEBNIS

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NATURSCHÖNHEIT

TIERISCH WAS LOS

AUGEN AUF! Rund um St. Moritz gibt es nämlich so einiges zu sehen. Heimische Steinböcke und Gämsen zum Beispiel. Ein Gespräch darüber, wer hier lebt und wo man die Tiere am besten beobachten kann.

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Am liebsten leben Murmeltiere in Kolonien, die wiederum aus mehreren Familien bestehen (1).

in der Schweiz, wo diese Tiere wieder gesichtet wurden. Was macht das Oberengadin zum Paradies für so viele Tierarten? C.G.: Hier gibt es noch viel unberührte, raue Natur sowie den Schweizerischen Nationalpark – eine Umgebung, die Tiere suchen, finden und wo sie sich sehr wohlfühlen. Gibt es Tierarten, deren Population sich in den letzten Jahren signifikant vergrössert oder verkleinert hat? R.S.: Ja, vor allem der Rothirsch. Im ganzen Kanton Graubünden ist die Zahl dieser Wildart gestiegen. Da diese Tiere sehr scheu sind, ist es trotzdem schwierig, sie in freier Wildbahn zu beobachten. Stehen auch Tierarten unter Artenschutz? ­R.S.: Da gibt es einige. Der Steinbock etwa ist speziell, man darf ihn nur eine kurze Zeit im

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Fotos: Claudio Gotsch (Nr. 1, 3), Raphi Bauer (Nr. 2), Shutterstock

ind die nicht süss?! Wir haben uns mit Naturfotograf Claudio Gotsch und Wildhüter Romano Salis über die im Engadin beheimatete Tierwelt unterhalten. Welches sind die Tierarten, auf die man rund um St. Moritz am häufigsten trifft? C.G.: Am häufigsten sieht man die Paarhufer wie Reh, Hirsch, Gämse und Steinbock. Natürlich trifft man auch den Fuchs, Dachs oder Marder an. Weiter geht es mit fast allen Hühner- und Entenarten und anderen Kleintieren. Ganz selten sind Biber, Wölfe und ­Bären, welche sich in den letzten Jahren aber wieder häufiger blicken lassen. Wer sie zu sehen bekommt, kann sich glücklich schätzen, da diese Tiere sehr scheu und selten sind. Gibt es Tierarten, die nur im Oberengadin zu bestaunen sind? R.S.: Ausschliesslich im Oberengadin gibt es keine. Ein faszinierendes Tier ist der Engadiner Bär. Es ist ein Nachtfalter, der in den Hochalpen lebt. Diese Art wurde nur in den Alpen, im Gebirge Bulgariens und in Sibirien entdeckt. Leben im Oberengadin sehr seltene ­T iere? R.S.: Ja, eines davon ist der Fischotter. Diese Art ist wegen des Lebensraumverlusts und der Gewässerverschmutzung im letzten Jahrhundert in der Schweiz ausgestorben. Das Oberengadin gehört zu den wenigen Orten


„WIR HABEN EINE DER GRÖSSTEN STEINBOCKKOLONIEN DER ALPEN.“ Romano Salis, Wildhüter

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Die Steingeiss ist das weibliche Pendant zum Steinbock (2). In der Gegend ist auch der männliche Steinbock anzutreffen, am Piz Albris bei Pontresina gibt es eine der grössten Kolonien (3). Ebenfalls im Oberengadin zu Hause: Eichhörnchen (4).

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Mit ein bisschen Glück kann man auch die folgenden Wildtiere im Oberengadin beobachten: Alpenschneehase (1), Rotfuchs (2), Reh (3) oder Bartgeier (4).

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Oktober bejagen. Ein Jäger muss lange warten, bis er einmal einen Steinbock schiessen darf. Jedes Tier muss bewilligt werden. Wie reagiert man am besten, wenn man auf ein wildes Tier trifft, damit man es nicht verschreckt? C.G.: Keine hektischen Bewegungen machen, sich langsam und leise zurückziehen – und ganz wichtig: Hunde an die Leine. Dies gilt vor allem in den Winter- und Frühlingsmonaten, wenn die Energie der Tiere knapp ist. Wozu dienen die Wildschutzgebiete? R.S.: Wildschutzgebiete richten sich in erster Linie an die Jägerschaft. Es sind Rückzugsgebiete des Wildes, welche möglichst auch von der übrigen Bevölkerung respektiert werden müssen. Sie sind mit rot-gelber Farbe markiert. Man sollte diesen Markierungen nicht folgen, da sie meist in unwegsames Gelände führen. Wo kann man sich über die Wildschutzgebiete informieren? C.G.: An den Wildschutzrand-

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gebieten sind Informationstafeln mit Karten aufgestellt. Zudem gibt es Banner und Abschrankungen, die auf die Schutzgebiete hinweisen. Unter www.wildruhe.gr.ch können alle Schutzgebiete abgerufen werden. Der grösste Fehler, den man machen kann, wenn man auf ein wildes Tier trifft? R.S.: Dem Tier nachzulaufen oder es im verletzten Zustand zu berühren. C.G.: Versuchen, dem Tier zu folgen oder ihm gar nachzurennen, wenn es die Flucht ergriffen hat. Darf man die Tiere füttern? C.G.: Nein! Dies ist gesetzlich seit 2017 verboten und kann bestraft werden. Wichtig ist hier Aufklärung – viele Leute wissen nicht, dass sie mit dem Füttern mehr Schaden anrichten als Gutes tun. Die Tiere sind im Winter auf die natürlichen Futterquellen eingestellt, ihre Mägen ebenso. Grünabfälle, Komposthaufen oder sonstige

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Fotos: Claudio Gotsch (Nr. 1, 3), Romano Salis (Nr. 2, 4)

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NATURSCHÖNHEIT

ÜBER CLAUDIO GOTSCH

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„IM NATIONALPARK KANN MAN GARANTIERT TIERE BEOBACHTEN.“ Claudio Gotsch, Naturfotograf

Fütterungen können zum qualvollen Tod führen. Schalenwildtiere werden zudem häufig Opfer auf Strassen und Schienen, weil sie nicht in natürlicher Weise im Einstandsgebiet leben, sondern dazu motiviert werden, zum menschlichen Angebot zu wandern. Hirsche müssen regelmässig erlegt werden, weil sie durch das Füttern ihre natürliche Scheu verlieren. Unter www.stop-fuetterung.ch kann man nachlesen, warum das Füttern mehr schadet als nützt. Wovon ernähren sich die Tiere im Winter? R.S.: Die Gämsen zum Beispiel ernähren sich im Winter nur von altem Gras, Flechten, Nadeln und Zwergsträuchern. Das Rotwild im Bergell überwintert im tiefer ­gelegenen Teil des Tals. Dort haben sie ihren Wintereinstand mit viel weniger Schnee, und das Nahrungsangebot ist grösser. Man muss also nicht nachhelfen? R.S.: Nein, das ist nur in Ausnahmefällen nötig und wird dann vom Kanton aus reguliert, damit die Tiere geschützt sind. An welchen Plätzen rund um St. Moritz kann man Tiere besonders gut beobachten? C.G.: Im Nationalpark, mit oder ohne Führung. Hier ist die Chance, ein Tier zu beobachten, sehr gross und fast garantiert in einer unberührten,

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Der Naturfotograf aus La Punt ist vor allem bekannt für seine ausdrucksstarken tierischen Schwarzweissaufnahmen. Claudio Gotschs beste Fotos entstehen im Sommer – „die Tiere sind dann von früh bis spät aktiv“. Zu seinen liebsten Engadiner Tieren zählen Hirsch, Adler und Bartgeier – „aber Hand aufs Herz, jedes Tier hat seine eigene Faszination und Schönheit, darum sind eigentlich alle meine Lieblingstiere“. Was Claudio Gotsch noch in seiner Fotogalerie fehlt? Wolf und Bär! www.engadin-foto.ch

ÜBER ROMANO SALIS Von Beruf ist Romano Salis Wildhüter und Bergführer – eine seiner grossen Leidenschaften ist aber auch die Fotografie. Ihn beeindrucken besonders Berglandschaften, nicht selten trifft er dort auf die Engadiner Tierwelt. Die Gämse findet der gebürtige Pontresiner am speziellsten. „Einfach, weil sie ein sehr schönes Tier ist, mit dem dunklen Fell und den weissen Färbungen.“ Eines der Tiere, denen Romano Salis zuletzt in freier Wildbahn begegnete, war das Steinhuhn. www.salisromano.ch

fantastischen Engadiner Landschaft. R.S.: Die beste Beobachtungszeit ist in der Morgen- und in der Abenddämmerung. Wie nähern Sie sich den Tieren an, um sie in ihrem natürlichen Umfeld zu fotografieren? C.G.: Ich studiere die Tiere und deren Gepflogenheiten tagelang aus der Distanz. So weiss ich, wie ich sie nicht störe oder verjage. Die schönsten Fotos gibt es, wenn das Tier zu mir kommt und nicht ich zum Tier. R.S.: Man sollte nicht stören. Geduld ist wichtig, bis zum Foto kann es dauern. Man muss die Tiere gut kennen. Wichtig ist auch der Wind, damit die Tiere einen nicht riechen. Interview: Lisa Bierbauer

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NATURSCHÖNHEIT

ICE STUPA VILLAGE

ENGADINER GESPÜR FÜR SCHNEE Am Fusse des Morteratschgletschers befindet sich im Winter ein besonderes Naturdenkmal – eines mit kegelförmigen Gebilden aus Eis. Glaziologe Felix Keller erklärt, was es mit den sogenannten Eis-Stupas auf sich hat.

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ie Wanderer, die sich gerade auf den Weg zum Morteratschgletscher gemacht haben, sind sich nicht sicher, was es mit folgendem Eisgebilde auf sich hat: Fünf glitzernde Hügel schmiegen sich da am Waldrand in Sichtweite des Bahnhofs aneinander. Mit ihrer spitzen Form erinnern sie an buddhistische Stupas – kuppelförmige Tempel, die man häufig in Indien sieht. Gletscherforscher Felix Keller hat sich mit einem Schutzhelm vor dem Eingang der Eisskulptur positioniert: „Diese Stupas sind nicht meine Erfindung“, erklärt er den Besuchern. „ Sie stehen normalerweise im indischen Ladakh und dienen dazu, im Frühling die Felder zu bewässern.“ Damit seine Zuhörer diese Information einordnen können, holt der Glaziologe weiter aus. „Ladakh ist eine niederschlagsarme Gebirgswüste in Indien auf rund 3’500 Metern Höhe. Im Frühling während der Keimzeit fehlt dort das Wasser für die Landwirtschaft.“ Dafür hätten die Ladakhi, so ver-

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sichert der Wissenschaftler, eine bestechend einfache Lösung gefunden. Im Winter zweigen sie das spärlich vorhandene Wasser aus den Flüssen ab und spritzen es vertikal nach oben, sodass ein attraktives kegelförmiges Eisgebilde entsteht. Das Wasser gefriert, und es bilden sich in und auf dem Weidengeflecht bis zu 20 Meter hohe Eiskegel, mit deren Schmelzwasser im Frühling die Pf lanzen bewässert werden. Eine Technik, die so ähnlich schon seit Generationen im Himalaya angewendet wird. Aber welchen Zweck haben die Eis-Stupas hier am Bahnhof Morteratsch – der augenscheinlich nicht wie Ladakh in einem Wüstengebiet liegt? „Sie sollen auf den Gletscherschwund aufmerksam machen“, sagt Keller, „und die Besucher dazu ermutigen, selbst etwas für den Erhalt der Umwelt zu tun.“ Der 56-jährige Forscher und Initiator des symbolträchtigen Projekts ist davon überzeugt, dass man Menschen nur mit positiven Erlebnissen und nicht mit mahnendem Zeigefinger zum

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Durch insgesamt zwei Eingänge können Besucher das aus Eis-Stupas bestehende Gebilde erkunden.

„MAN KANN MENSCHEN NUR MIT POSITIVEN ERLEBNISSEN ZUM UMDENKEN MOTIVIEREN.“ Felix Keller, Glaziologe und Initiator von „Ice Stupa Artificial Glaciers of Ladakh“

In einem Zeitraum von zwei Monaten sind die fünf Eis-Stupas zu einem einzigen Gebilde zusammengewachsen, das in der Nähe des Morteratschgletschers auf den Schutz von Eis aufmerksam machen soll.

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AUS WEIDENZWEIGEN WIRD IM LAUFE DES WINTERS EIN DENKMAL FรœR DIE NATUR.

Am Anfang steht ein Geflecht aus Weidenzweigen (1), das im Laufe des Winters zu einer Eisskulptur mit Tausenden von Eiszapfen zusammenfriert (2). Glaziologe Felix Keller spielt gerne Geige (3). Das Innere der Stupas kรถnnen Besucher erkunden (4). 2

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NATURSCHÖNHEIT

Snow Farming auf der Diavolezza: Weisse Stoffbahnen sorgen dafür, dass der Schnee auf dem ersten Pistenstück im Sommer nicht schmilzt.

Fotos: privat (1)

INFO Die Erkundung des Ice Stupa Village verbindet man am besten mit einem Spaziergang ins Val Morteratsch zum Morteratschgletscher.

Umdenken motivieren kann. Die fünf Stupas sollen Spass machen und sind deshalb auch begehbar. Zahlreiche Helfer, etwa Schüler aus Pontresina, haben dafür aus Weidenzweigen fünf Kuppeln errichtet und sie mit geflochtenen Laubengängen verbunden. Anschliessend wurde aus dem benachbarten Berninabach Wasser herangeführt und über dem Geäst versprüht, damit es daran gefriert. Innerhalb von zwei Monaten wuchs eine Eisskulptur, die Öffnungen hat wie ein Iglu, sodass Besucher das Gebilde erkunden können. Vor dem Eintreten setzt man einen Helm auf – an den Tausenden von Eiszapfen, die in den Kuppeln von der Decke hängen, kann man sich schnell den Kopf stossen. Als ob das nicht Spektakel genug wäre: Manchmal gibt Felix Keller, der ein exzellenter Violinenspieler ist, vor und in den Stupas einige Stücke zum Besten. Um für den Schutz des ewigen Eises zu werben, ist Keller schon oft mit befreundeten Musikern in der Natur aufgetreten. Auch direkt am Mor teratschgletscher. Um den Schmelzvorgang zu stoppen, hat der Glaziologe nicht nur Geigenklänge im Gepäck, sondern ebenso einen handfesten Plan: „Es würde schon reichen, zehn Prozent der Eisfläche, also einen Quadratkilometer, regelmässig zu beschneien. Dann würde der Gletscher wieder anfangen zu wachsen.“ Allerdings müsste man dies 30 Jahre lang regelmässig tun. Das dafür nötige Wasser könne man aus einem gerade

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entstehenden Gletschersee entnehmen, der 200 Meter höher liegt als der Gletscher. So würde die Beschneiungsanlage alleine mit der Lageenergie des Wassers betrieben werden – ohne Elektrizität. Allerdings bräuchte man dafür ganze 300 Schneelanzen. Alternativ, so Keller, könne man weit weniger Lanzen auch an Seilbahnen befestigen, die nachts wie eine mobile Sprinkleranlage funktionieren und am Tag Personen befördern. Noch ist das alles Zukunftsmusik. Felix Keller hat das Modell bereits der wissenschaftlichen Community sowie den örtlichen Behörden präsentiert. Die ersten Reaktionen waren positiv, obwohl sich alle bewusst sind, dass so eine Beschneiungsanlage n icht u nbe d i ng t schön au s sä he. „ Da muss man abwägen“, sagt der Glaziologe, „aber es geht darum, den Morteratschgletscher als Süsswasserspeicher für kommende Generationen zu erhalten.“ Gerade die Wintersportler freuen sich, wenn Gletscher und Pisten im Oberengadin weiterhin gute Skibedingungen bieten. Dafür wird in der Region eine Menge getan. Wenn im Mai die Saison zu Ende geht, machen sich beispielsweise die Mitarbeiter der Corvatsch-Seilbahn daran, das Pistenstück an der Bergstation mit weissen Stoff bahnen abzudecken. „So verhindern wir, dass ein Grossteil des Schnees im Sommer wegschmilzt“, sagt Philipp Erne von der Corvatsch AG. Rund eine Woche lang sind zehn Mitarbeiter damit beschäftigt, die Vliese von 70 mal fünf Metern mit Hilfe einer Pistenraupe auf dem 200 Meter langen Hang auszulegen. „Früher mussten wir diesen Bereich beschneien, das ist jetzt nicht mehr nötig, somit schonen wir auch die Umwelt. Und dank dieses Snow Farmings können wir die Saison schon früher beginnen“, sagt Philipp Erne. Im Einsatz ist er mit seinen Kollegen auch an der Diavolezza. Dort decken die Pistenarbeiter im Frühjahr unterhalb der Bergstation eine Schneefläche ab, die dreimal grösser ist als das Teilstück am Corvatsch. Die Stoffbahnen werden meist im Oktober, dem Beginn der Wintersportsaison, wieder entfernt. Am Ende der Abfahrt können die Skifahrer dann ein auffälliges Gebilde aus Weidenzweigen in Form mehrerer Stupas bewundern – aus denen im Laufe des Winters ein Denkmal für die Natur wird. Autor: Stefan Skiera

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Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

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SPORTERLEBNIS

MANUFAKTUR

Foto: Romano Salis

Unter allen Dingen, die wir besitzen, haben sie einen aussergewöhnlichen Wert für uns: Stücke, mit denen wir etwas verbinden. Im Falle von Schreiner Ramon Zangger und seinen Kunden sind dasHolzmöbel mit Engadiner Geschichte. Nora Engels hingegen fertigt mit grosser Passion Alphörner, die sie manchmal sogar zu Tränen rühren ...

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REGIONALES MÖBELDESIGN

EIGENSINNIG SCHÖN Mit seinen Möbeln aus Engadiner Holz will Ramon Zangger den Menschen ein Stück Heimat, Halt und Besinnung geben. Für die zeitlosen und funktionalen Kreationen hat der Schreiner bereits etliche Designpreise erhalten. Ein Besuch in der Werkstatt des Möbelmachers in Samedan.

tarker, aromatischer Duft strömt durch die Schreinerwerkstatt von Ramon Zangger. In diesem langgezogenen Raum, dem ehemaligen Stall eines Engadiner Bauernhauses aus dem 13. Jahrhundert, stapeln sich Arvenbretter. Sie warten auf ihre Verarbeitung, und es ist ihr Harz, welches die Nase so betört. „Ein einzelner Baumstamm birgt verschiedene Holzstrukturen und bietet somit diverse Möglichkeiten der Verwertung. Aus den ‚Filets‘ werden Massivmöbel, aus anderen Teilen Bodenlatten oder Furnierblätter, den Abfall nutzen wir als Brennholz“, erklärt der Möbelschreiner und Designer. Derweil sind rundum laute Holzverarbeitungsmaschinen am Werk. Auf dem Weg zum perfekten Brett wird die Holzoberf läche erst gehobelt, dann geschliffen, anschliessend fein gefeilt und auf das exakte Format zugeschnitten. Zurück zur Arve, dem Lieblingsholz von Ramon Zangger. Knorrig-eigenwillig und erhaben wächst der Nadelbaum (botanisch

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Zirbelkiefer) im Alpenraum auf 1’200 bis 2’800 Metern Höhe und wird seit jeher genutzt. Kunstvoll gestaltete Arvenstuben finden sich in zahlreichen historischen Engadiner Häusern. Neben dem „Urchigen“ strahlen diese Einrichtungen eine zeitlose Schönheit aus. Hier setzt Ramon Zangger an. Aus dem rustikalen Holz erschafft er moderne Möbel mit Bestand. Seit über 25 Jahren schlägt der Schreinermeister eine Brücke zwischen Tradition und Moderne. „Am Anfang hatte ich Mühe, dieses Holz mit seinen auffälligen Astbildern im zeitgenössischen Wohnbereich zu integrieren“, erzählt der ins Bündnerland eingewanderte Basler. Neben der herkömm­lichen Schreinerarbeit entwickelte er seine ­eigene Formensprache. Wer sich im Ausstellungsraum über der Werkstatt umsieht, e­ rblickt Unikate von ganz besonderem Reiz. Ob Anrichten, Schränke, Stühle, Hocker oder Tische: Die wohlproportionierte Form sow ie das Dekor von Zanggers Möbeln

Fotos: Xxxxxxxxxxxxxxxxx

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„HANDWERK BEDEUTET, DEN UMGANG MIT DEM MATERIAL ZU KENNEN.“ Ramon Zangger, Schreinermeister

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Im Ausstellungsraum zeigt Ramon Zangger seine Möbel: natürlich moderne Stücke mit traditionellem Engadiner Charme.

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Der Anfang eines jeden Zangger’schen Möbelstücks: die Idee auf Papier bringen, anschliessend entsteht am Computer eine Skizze (o.). Einige der Stücke bekommen Verzierungen – zum Beispiel Ornamente (u.).

ÜBER RAMON ZANGGER Ramon Zangger wurde 1953 in Basel geboren und wuchs im indischen Bombay sowie in verschiedenen Regionen der Schweiz auf. Nach der Matura absolvierte er die Aus­bildung zum Möbelschreiner (Davos) und Innenausbauzeichner (Zürich). 1982 wurde er Betriebsleiter der Zimmerei und Schreinerei seines Schwiegervaters in Samedan, welche er mit seiner Frau ­Emilia 1984 übernahm. 1995 begann R ­ amon Zangger, eine eigene Kollektion zeitgenössischer Engadiner Möbel zu schaffen. Es folgten Innenausbauarbeiten für namhafte ­Architekten und Bauherren. Der Möbelmacher engagiert sich seit vielen Jahren auch kulturell und baute in Samedan unter anderem die Plattform „La Tuor“ für Handwerk, Architektur und Design auf.

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Was Ramon Zangger aus Holz fertigt, hat Bestand. Seine Möbelstücke sind nicht nur praktisch, sie erzählen immer auch ein Stück Engadiner Geschichte.

INFO Ramon Zangger Möbelwerkstatt Surtour 12 7503 Samedan T +41 81 852 54 95 www.ramonzangger.ch

gründen auf Engadiner Tradition, neu „aufgemischt“, behutsam verfremdet. Etwa der Schrank „spler“: Auf dem massiven Kasten dominieren zwei überdimensionierte Rosetten – ein im Engadin seit Langem verwendetes Sonnensymbol. Bei den Schränken „recham“ und „schatulla“ kommt die Verzierung erst bei geöffneten Türen zum Vorschein. Letzterer ist übrigens Zanggers Lieblingsmöbel. Warum? „Die ,schatulla‘ ist ein Konzentrat aus meinem funktional-gestalterischen Arbeiten mit regionalem Material – massiv und ungeschminkt. Der von mir selbst entwickelte Metallbeschlag lässt sich 270 Grad öffnen und stützt gleichzeitig das Brett vor dem natürlichen Krummwerden.“ Und: „Die eingearbeiteten traditionellen Ornamente aus dem eigenen Kulturraum erfreuen das Herz.“ Der Handwerker hat noch lange nicht alle Verzierungsmöglichkeiten ausgereizt. In einer Ecke des Ausstellungsraumes stehen neue Musterbohrungen. Mit seinen Möbeln spricht der Designer anspruchsvolle Menschen an: kulturverankerte, umweltbewusste Leute, Sammler von Liebhaberobjekten, Freunde der Region. „Unsere Kundschaft sucht einen emotionalen Bezug zum Stück, ein Heimatgefühl vielleicht, zeigt Interesse für die Geschichte dahinter.“ Im

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Mineralbad von Samedan kann man auf den Möbeln von Ramon Zangger sitzen, im Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich ist der Hocker „ziccalin“ dauerausgestellt, für namhafte Architekten und Bauherren realisierte er auch Innenausbauten in St. Moritz und Umgebung. Doch nicht nur das Massivholz von Arve, Nussbaum, Eiche oder Esche reizt Zangger. „Man kann auch mit furniertem Material sehr ansprechende Möbel oder Einrichtungen wie etwa Küchen machen“, ist er überzeugt. „Der Aufwand ist zwar gleich gross, der Vorteil aber klar: Furnierplatten verziehen sich nicht aufgrund von Wärme und Kälte.“ Zudem könne aus einem Stamm viel mehr Fläche generiert werden, wenn man ihn in dünne Scheiben schneide und diese dann als Veredelung auf Spanplatten leime. „Beides hat seine Berechtigung, es kommt ganz darauf an, wozu ein Möbel dienen soll.“ Dann und wann kommen Interessierte mit einem Wunsch zu Ramon Zangger. Ob ein Auftrag von aussen oder ein eigener Entwurf: Erst bringt der Designer die Idee zu Papier, dann setzt einer seiner sieben Mitarbeiter die Skizze am Computer und anschliessend in einem Modell um. „Meist unterbreite ich den Prototyp meiner Frau zur Begutachtung, bevor ich ihn weiterentwickle.“ Mit Technik hat der Gestalter keinerlei Berührungsängste. Ohne Computer und hochspezialisierte Maschinen laufe heute im Schreinereibetrieb nichts. Auch die Rosetten oder Stickerei-Ornamente werden computergesteuert ins Holz gelasert und gefräst. „Handwerk bedeutet, den Umgang mit dem Material zu kennen und zu wissen, wie man am schnellsten und am besten zum Ziel kommt. Wir müssen nicht nur kreativ, sondern auch wirtschaftlich arbeiten.“ Immer geht es Ramon Zangger in seinem Wirken darum, hinter dem eigenen Kulturraum zu stehen, daraus Neues zu schöpfen und Differenzen zu anderen Orten zu schaffen. Er selbst nennt das: „Eigensinnig bleiben.“ Und diesen Anspruch sieht man jedem einzelnen seiner Möbel an. Autorin: Eva Holz Egle

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INTERVIEW

WAS WÄRE, WENN ...

... ST. MORITZ EIN INSTRUMENT WÄRE? Nora Engels hat viele Hobbys, sie treibt etwa gerne und viel Sport, spielt auf Alphörnern – und hat diese auch selbst gebaut. Das traditionelle Instrument fasziniert sie seit vielen Jahren, beim Fertigen verwendete sie ausschliesslich Arvenholz aus dem Engadin. Ein Gespräch, das zeigt, wie besonders Traditionelles ist.

rau Engels, wenn St. Moritz ein Instrument wäre – welches wäre es? Da der Ort viele Facetten hat, sehe ich zu jeder Jahreszeit ein anderes Instrument: Wenn ich an den Winter mit den vielen Gästen aus aller Welt denke, kommt mir ein grosses Streichorchester in den Sinn, das ein Stück von Ludwig van Beethoven spielt. Im Frühling, wo es ruhiger ist und man fast nur Einheimische antrifft, setze ich St. Moritz mit dem Alphorn in Verbindung – Naturtöne in der wunderschönen Landschaf t. Im Sommer, wo hier v iele Sportler trainieren, Gäste und Einheimische um den See laufen, spielt eine fröhliche Trompete. Im goldenen Herbst höre ich eine Harfe, die den Tanz der Blätter begleitet. Zu welchen Anlässen würde Musik darauf gespielt werden? Bei jedem Anlass, ob sportlich, kulturell oder volkstümlich, spielt Musik eine grundlegende Rolle. Sie gehört einfach dazu. Das Alphorn zum Beispiel kann immer eingesetzt werden und findet stets grossen Anklang. Sie haben einige Alphörner selbst gebaut – eine ungewöhnliche Tätigkeit für eine junge Frau. Wie k­ amen Sie dazu? Seitdem ich Alphorn spie-

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Seitdem sie vor etwa sieben Jahren mit dem Alphornspielen angefangen hat, ist Nora Engels begeistert von dem Instrument. Bisher hat die gebürtige Beverinerin fünf Alphörner gefertigt – drei hat sie verkauft, zwei selbst behalten. Aktuell absolviert die gelernte Schreinerin in Brienz ihre zweite Ausbildung zur Holzbildhauerin. „Die Arbeit mit Holz erfüllt mich sehr“, so die 28-Jährige. Ob Tiere, Ornamente, Menschen oder abstrakte Gegenstände, Nora Engels schnitzt jeden Tag. Einer ihrer grössten Wünsche ist ein eigenes Atelier. Wo? „Natürlich im Engadin, das ist meine Heimat.“

Illustration: Pascal Cloetta; Fotos: privat, PR

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ÜBER NORA ENGELS

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INTERVIEW

Das Alphorn passt zu jedem Anlass und gefällt immer, findet Nora Engels.

le, fasziniert mich der Bau dieses Instruments. Da ich gelernte Schreinerin bin, waren mir die meisten Maschinen zum Fertigen bekannt. Oft hörte ich, dass die Äste des Arvenholzes den Ton negativ beeinf lussen. Ich konnte es dennoch nicht lassen, einen Versuch zu starten und Alphörner ganz aus dem Holz der Engadiner Arve zu bauen. Letztendlich baute ich wunderschöne, schlichte Arvenalphörner, ohne viel Zierde. Was genau faszinierte Sie am Instrumentenbau? In erster Linie das Holz – und dann die Naturtöne des Alphorns. Sie berühren mich so sehr, dass ich manchmal, wenn ich spiele, Tränen in den Augen habe. Die meisten Alphornbauer halten ihre Bauweise geheim. Sie haben Erfahrung, Know-how und Bauart über Generationen weitervererbt bekommen und geben ihr Wissen nicht gerne weiter. Einer von ihnen hat zu mir gesagt: Du selbst bist dein bester Lehrmeister. Dieser Satz ist mir geblieben. Wenn man etwas unbedingt will, schafft man es. Was inspiriert Sie zu neuen Alphornentwürfen? Ich bin voller Ideen, wobei ich mich aktuW I N T E R 2 0 1 8 / 2 0 1 9 S T. M O R I T Z

ell mehr auf meine Tätigkeit als Bildhauerin konzentriere. Eines meiner Alphörner habe ich schwarz gefärbt und spiralförmig vom Becher bis zum Anfang des Handrohrs Edelweiss, Enziane und Vergissmeinnicht eingeschnitzt, sodass das helle Holz wieder zum Vorschein kam. Ich dachte zunächst, ich kann ein Arveninstrument doch nicht schwarz übermalen. Mein Bruder meinte: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Nun habe ich ein edles Alphorn, das in der prallen Sonne zwar nicht ideal zu spielen ist, doch habe ich grosse Freude an meinem „Sunntigsalphorn“ und weiss jetzt, dass ein schwarzes Instrument in der Sonne im Klang tiefer wird. Wie lange dauert es, ein Alphorn zu bauen? Was ist dafür notwendig? Es braucht grosses Wissen über das Holz. Ein musikalisches Gehör ist ebenfalls wichtig und natürlich viel Erfahrung im Bau. Insgesamt braucht man zum Fertigen etwa 80 Stunden. Natürlich kommt es auf die Bauart an. Mich persönlich faszinieren besonders die Alphornbauer, die alles von Hand machen – Walter Bachmann etwa. Interview: Lisa Bierbauer

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SOMMER 2019

Wo man sich im Oberengadin im Sommer abkühlen kann? In einem der vielen Seen etwa. Wir stellen unsere Favoriten vor.

VORSCHAU Im Mai 2019 erscheint eine neue Ausgabe – und zwar ganz wörtlich. Aus unserem bisherigen St. Moritz Magazin wird ein Heft über das Engadin. Wir freuen uns auf noch mehr Geschichten vom schönsten Sehnsuchtsort der Welt.

ALLEGRA! 2019 BEGINNT MIT EINEM MAGAZIN ÜBER DAS OBERENGADIN EIN NEUES KAPITEL

Die Galerie Stalla Madulain befindet sich im Herzen von Madulain – in einem historischen Stall! Junge und etablierte Künstler haben hier eine inspirierende Kulisse für ihre Werke. Wir statten der besonderen Galerie einen Besuch ab.

1 Lecker dank Höhenluft: LÖSUNG C Salsiz heisst die berühmte luftgetrocknete Wurst. 2 Dem Herrgott so nah: LÖSUNG D Auf dem kleinen Friedhof von Maloja liegt der Maler Giovanni Segantini begraben. Sein Gemälde „Der Schmerz der Trauer“ zeigt eben diesen Friedhof. 3 Zur Hochzeit eine Kugel: LÖSUNG D James Bond heiratet? Ja, und zwar sowohl im Film als auch in der Romanvorlage von Ian Fleming zu „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Und nur im Roman spielt die Szene im Oberengadin: Bond flüchtet aus der Festung des Oberbösewichts Blofeld auf dem Piz Gloria. In höchster Not erreicht er den Eislaufplatz

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von Samedan, wo gerade ein Weihnachtsball stattfindet. Dort trifft er Tracy – die er wenige Tage später heiratet. Leider wird Tracy gleich nach der Hochzeit erschossen. 4 Eintagshalt: LÖSUNG D Am Ziel des Engadiner Skimarathons in S-chanf hält die Rhätische Bahn an der eigens eingerichteten Haltestelle S-chanf Marathon. 5 Wohlklingender Name: LÖSUNG B Piz Palü – der ebenso schöne wie klangvoll benannte Berg heisst auf Deutsch schlicht Sumpfspitze (lateinisch palus – der Sumpf ). 6 Hochstapler: LÖSUNG A Der Flaz mündet bei Samedan in den Inn. Da der Flaz meist mehr Wasser führt als der Inn, müsste der Fluss

eigentlich ab hier Flaz heissen. 7 Showdown: LÖSUNG A Mit dem Kopf voran geht es für die tollkühnen Gentlemen in den Eiskanal des Cresta Run von St. Moritz hinab nach Celerina. Ladys sind hier eigentlich nicht erlaubt, nur manchmal gibt es Ausnahmen – zuletzt im Januar 2018. 8 Weglos: LÖSUNG C Die Bergstation des Piz Corvatsch ist zu Fuss aus dem Tal über keinen Pfad oder Klettersteig erreichbar. Dagegen gehen von der Mittelstation viele Wanderwege ab. 9 Plan-Wagen: LÖSUNG B Von Pontresina ins Rosegtal fährt im Winter der Pferdeschlitten und im Sommer die Pferdekutsche, und zwar nach Fahrplan.

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Fotos: Mauritius Images, Romano Salis

AUFLÖSUNG DES RÄTSELS VON SEITE 42


„ES IST DIE HARMONIE ZWISCHEN DER NATUR UND DEM INTERNATIONALEN FLAIR, DIE DAS ORTSBILD SO BESONDERS MACHT.“ NATASCHA LAMM, GESCHÄFTSFÜHRERIN CASHMERE HOUSE LAMM ST. MORITZ

E nga di n St . M o r i t z To ur i s mus AG Via San Gian 30 C H - 7 5 0 0 St . M o r i t z w w w.e n ga d i n .s t mo r i t z .ch

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Profile for Engadin St. Moritz

St. Moritz Magazin Winter 2018/19  

EXTRAVAGANT Gewohntes neu erfinden - etwa ein Pferderennen auf dem zugefrorenen St. Moritzersee

St. Moritz Magazin Winter 2018/19  

EXTRAVAGANT Gewohntes neu erfinden - etwa ein Pferderennen auf dem zugefrorenen St. Moritzersee