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INHALT

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Wofür schlägt Dein Herz, Patrick Streiff?

Mirjam und Johann Wäfler verwirklichen neue Formen des Kirche-Seins

Die Erneuerung der Kirche fördern

6 In Turbenthal wurde die Konferenzkollekte zum Event

Wo ist die Woche – wo die Jugend?

7 Miteinander Kirche bauen

«Die in Zürich»

8 Fleisch oder nicht Fleisch, das ist hier die Frage

Der Sprung vom Schnitzel zum Glauben

10 Weshalb Susanne Weder-Schäfer zu vollwertigen Nahrungsmitteln rät

Mangelernährung trotz Überfluss?

12 Zum Tod von Heinz Stirnemann (17.5.1928–13.8.2016)

Ein Evangelist und Bibellehrer

13 30 Jahre «Lechería» – und es geht weiter …

Backen für eine bessere Zukunft

14 40 Jahre Weyergut Bethanien – Rückblick und Ausblick

Gute Pflegeplätze – für alle alten Menschen

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Kirche und Welt

Nr. 10/2016

Mit Bar statt mit Kanzel

18 Eindrückliche Begegnungen mit Frauen aus aller Welt

Berufen zu verkündigen

21 Neue Mitarbeitende der Connexio-Geschäftsstelle

Ein starkes Team

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Die Zahlstelle: solidarisch - nachhaltig - transparent

Ein wert-voller Vorsprung der Zahlstelle

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Editorial

Vitamine für die Kirche von heute

Liebe Leserin, lieber Leser

 VON RETO NÄGELIN

Auf den ersten Seiten der Bibel wird von der Grundsünde des Menschen erzählt. Diese Grundsünde ist verbunden damit, dass die Menschen eine Frucht essen. Gegessen wird nicht allein, sondern in Gemeinschaft: «sie assen beide». Darüber liesse sich weiter sinnieren: über die Verfehlung, die eingeht in den Menschen und zu einem Teil seiner selbst wird, die Gemeinschaft zugleich herstellt und zerstört … In der Sprachwelt von Menschen, die mit Kirche und Glauben nichts mehr am Hut haben, gehört das Essen zu den wenigen Bereichen, in denen noch davon gesprochen wird, dass jemand «sündigt». Dafür kommt diese Vorstellung in der Kirche so gut wie nie zur Sprache. Trotz Genesis 3 und einer Vielzahl anderer Texte. Und trotz mancher Bedenken, die sich aufgrund ethischer und gesundheitlicher Fragen beim Essen erheben. Eine «Mahlzeit» hat in den Kirchen jedoch einen richtig prominenten Platz erhalten: das «Abendmahl». Nicht nur «Sünde» hat mit essen zu tun, sondern auch «Heil». Eingeübt wird dabei eine Weise zu essen, bei der Menschen mit anderen teilen und sich daran erinnern, dass Leben immer Leben auf Kosten anderer ist – auch und gerade beim Essen. Auch darüber liesse sich weiter sinnieren …

3. September 2016. Rund 50 Personen, Jugendliche, junge Erwachsene, Pfarrpersonen und Jungschärler aus der ganzen EMK Schweiz treffen sich in Winterthur. Die Jugendarbeit der EMK-Schweiz liegt ihnen am Herzen. Kurzinputs zu «WG in der Kirche», ein Poetry Slam zu «Wieso ich doch noch Christ bin», ein Einblick in die Jugendarbeit von Kambodscha. Open-Space (Ja, Konferenzen gehen auch anders) mit heissen Themen: Kirchen von heute, Takano morgen, auftanken als engagierter Christ, international sich zusammen politisch engagieren, efizient werben, Sonntagmorgen Godi abschaffen, Angestellte als Ressourcen nutzen, Party Church, Hipster Christen … An der Youthcon.ch gab es echte Vitamine für die Kirche von heute und morgen. Es tat und tut echt gut, nicht um den heissen Brei herum zu reden und Gespräche zu führen, die Fleisch am Knochen haben. Und besonders die Menschen, die sich hier trafen, sind Multivitamin für das Reich Gottes – wenn wir die De-Mut haben, in sie zu investieren. Ein paar Videoprotokolle aus den Gruppen inden Sie auf www.takano-online.ch. Ach übrigens, die Themen (und die Menschen) dürfen sie gerne auch in ihrer Gemeinde einsetzen. Sie sind eine offene Quelle (Opensource) lebenspendenden Wassers.

Sigmar Friedrich Redaktor

Kirche und Welt

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IHRE MEINUNG / KURZ NOTIERT

Zu «Kirche und Welt» 09/2016, S.7

Verzichten und beenden

Anzeigenverwaltung: Jordi AG – das Medienhaus Christian Aeschlimann Aemmenmattstrasse 22, 3123 Belp Telefon 031 818 01 25 Telefax 031 819 38 54 E-Mail: inserate.kuw@emk-schweiz.ch

In der letzten Ausgabe von «Kirche und Welt» ist das Verzichten und Loslassen in der Gemeinde als eine Voraussetzung für Veränderungen beschrieben worden. Was bedeutet das? Es gibt viele Gründe, nicht verzichten zu wollen. Beispiele kennen wir aus unserem Leben. Auf Liebgewordenes zu verzichten, ist nicht falsch; es gehört zum Leben. Die gesellschaftliche Entwicklung hat das Verzichten nicht gefördert, im Gegenteil. Wir behalten eine Sache oder Beziehungen gerne, weil wir wissen, was wir haben. Wir wollen kein Risiko eingehen und verteidigen und rechtfertigen das Erreichte. Doch weshalb behalten wir so vieles, das uns blockiert und einen Neuanfang verhindert? Bevor wir das Loslassen zulassen, müssen wir beenden lernen. Beenden scheint etwas vom Schwierigsten zu sein. Es ist ein schwieriger Prozess in verschiedenen Phasen. Eine Entscheidung für das Beenden bedarf der Reifung, der Intuition und des Vertrauens. Viele Menschen können sich ein Beenden schwer vorstellen. Respektvolles und würdiges Beenden ist eine Lebenskunst, denn es liegt nicht alles in unserer Hand. Gelingendes Beenden ist ein Geschenk. Ohne ein gutes Beenden gelingt aber der Übergang zu einem neuen Weg kaum. Und so müssen sich nicht nur Gemeinden für das Behalten, Verzichten oder Beenden entscheiden. Dies gilt ebenso für die Kirche als Institution mit all ihren Gremien und Diensten. Veränderung oder Neuausrichtung? – Das ist nicht unbedingt das Gleiche. Eine Neuausrichtung ist immer ein Wagnis. Dazu braucht es Mut. Eine Entscheidung für einen neuen Weg hilft das Unbekannte besser anzugehen und stärkt das Vertrauen. Eine Neuausrichtung entsteht, wenn ich frei bin. Ich wünsche uns allen den festen Glauben an neue Wege, auch wenn wir nicht wissen was kommt. Wie heisst es so schön im Lied: «wir wissen nicht was kommt wir wissen nur, das jeder Tag, aus seinen Händen kommt.»

Insertionsschluss für 11/2016: 13.10.2016

Markus Voegelin

Impressum Zeitschrift der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz: Erscheint monatlich Redaktor: Sigmar Friedrich Redaktionsgruppe: Martina Läubli, Michael Schwaller Redaktionsadresse: Kirche und Welt, Postfach, 8021 Zürich 1 Telefon 044 299 30 85 redaktor@emk-schweiz.ch Abonnement: Schweiz: CHF 54.– (für Mitglieder und Freunde der EMK freiwillig) Ausland: CHF 75.– Postcheckkonto: EMK Schweiz, Zeitschrift Kirche und Welt, 8004 Zürich, 80-23018-5 Adressänderung/Abbestellung: Zentralverwaltung EMK Postfach, 8021 Zürich 1 Tel. 044 299 30 80, Fax 044 299 30 89 Mail: zentralverwaltung@emk-schweiz.ch

Graik + Gestaltung: P+S Werbung AG, 8184 Bachenbülach www.pswerbung.ch

Kirche und Welt wird klimaneutral hergestellt: www.preservecreation.ch Bildnachweise: S.1,9 Jürgen Nießen, pixelio.de S.2 Mester, gemeindebrief.de S.3,5,7 KuW S.5 Rainer Sturm, pixelio.de S.6,10-19,21 zVg S.8 uschi dreiucker, pixelio.de S.22 skeeze, pixabay.com S.23 Pezibear, pixabay

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Kirche und Welt

Begegnungstage «Leben 55 plus»

Stolpern gehört dazu Vom 14.-16. November finden in Interlaken die Begegnungstage «Leben 55 plus» statt. Sie stehen unter dem Thema «hinfallen – aufstehen – Krone richten – weitergehen». Anhand der Lebensgeschichten von Hagar und Elia erarbeiten die Teilnehmenden das Thema durch Referate, Gespräche und kreatives Gestalten. Daraus entspringen Impulse für den eigenen Lebensweg: stolpern und fallen gehören dazu – und dennoch ist gelingendes Leben möglich.

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hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen Begegnungstage Leben 55 plus

GLEICH ANMELDEN! MO.–MI., 14.–16.11.16 Hotel Artos, Interlaken Infos / Anmeldung: Hinfallen, aufstehen, KroneNiederholzstr. richten, weitergehen: Annemarie Roser, 62, Erfahrungen, die wir auf unserer Lebensstrasse Wie geht es mir damit? Wo finde ich 4125machen. Riehen, Tel. 061 601 63 86, Halt? Wie ereignet sich bei mir «gelingendes Leben»? a.roser@bluewin.ch Anmeldeschluss: 16. Oktober 2016 Einen Flyer inden Sie in Ihrer EMKGemeinde und unter: www. emk-bildungundberatung.ch/303

BENTEUER+GLAUBE

Druck / Vertrieb: Jordi AG – das Medienhaus, 3123 Belp www.jordibelp.ch


VORSTAND

Wofür schlägt Dein Herz, Patrick Streiff?

Die Erneuerung der Kirche fördern  VON BISCHOF PATRICK STREIFF

Das Herz kann nur schlagen, wenn es frischen Sauerstoff gibt, der auch die eigene Herzmuskulatur durch-

sourcen (Personen und Finanzen)? Wie viel Ressourcen braucht es in den Gemeinden und mit wie wenig können wir das Nötige in den zentralen Diensten bewältigen?

blutet. Zugleich ist das Schlagen des

Früchte der Erneuerung dient der Sauerstoffzufuhr im gan- Die Mission der Kirche wächst an ihren Rändern, dort wo Methodistinnen zen Organismus. und Methodisten Gemeinden bilden, Der Vorstand der Jährlichen Konfe- den Glauben im Alltag leben und ihn renz hat für sich selber das belebende mit anderen Menschen teilen. Dort Wirken des Geistes braucht es genügend Gottes genauso nöfrischen Sauerstoff Die Mission wächst tig wie die Gemeinder Liebe Gottes. Ich den und Glieder der an den Rändern hoffe und bete, dass Kirche. Zugleich ist der Vorstand die Erder Vorstand nicht für sich selber da, neuerung der Kirche fördern kann sondern zur Förderung des Dienstes und in fünf Jahren in einer wachsender Kirche im gesamten Konferenz- den Zahl von Gemeinden Früchte der gebiet. Erneuerung sichtbar werden. Herzens kein Selbstzweck, sondern

Geistlich und zeitlich Im alten «Kirchenvorstand» war ich als Bischof nur ab und zu als Gast anwesend, leitete aber den Strategierat. Im neuen Vorstand, der beides vereint, bin ich mit Überzeugung mit dabei, weil es um den Gesamtauftrag der «geistlichen und zeitlichen» Anliegen geht: Was prägt unsere Arbeit (siehe: Missionsauftrag und Profil der EMK)? Wie fördern wir die Erneuerung der Kirche? Wie nutzen wir unsere Res-

ZUR PERSON Alter 61; verheiratet mit Heidi, die sich freut, schon AHV-Rente zu beziehen, obwohl alle sie jünger als mich einschätzen; vier Kinder zwischen 36 und 29 Jahren, sowie 2 1/3 Grosskinder (nach aktuellem Wissensstand). Erholsame Zeiten verbringe ich am liebsten mit Familiengliedern und in der freien Natur.

DIE HERZSCHLAG-SERIE In einer Reihe von Beiträgen stellen wir den Vorstand unserer JK vor und zeigen, was diese Personen bewegt in ihrem Engagement. Sie antworten auf diese Fragen: Wofür schlägt Dein Herz, das heisst … was gibt Dir die Gewissheit: Das, was ich im Vorstand tue, ist wichtig! Hier bin ich am richtigen Ort!? … welchen Traum von der EMK nährst Du in Dir: Wie soll die EMK in fünf Jahren aussehen?

Erneuerung schafft neue Lebensräume – und bewahrt die Substanz

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UMSCHAU

In Turbenthal wurde die Konferenzkollekte zum Event

Wo ist die Woche – wo die Jugend?  VON UELI SENNHAUSER

Alljährlich sammeln wir im Mai diese spezielle Kollekte, sie heisst immer noch: «Woche der Jugend». Doch ist diese Sammlung zu einer fast normalen Sonntagskollekte geworden. In Turbenthal fragte man sich: Wo ist die Woche und wo die Jugend am Ort geblieben?

Wir haben versucht, dieser speziellen Woche einen Inhalt zu geben. Der Versuch war ein highlight! Unsere Frage wurde mit einem tollen Erlebnis beantwortet. Die Woche begann mit dem Jugendgottesdienst «take a way» am Sonntagabend in der Kirche Zell, ein Jugendanlass, der auf Allianzbasis regelmässig die junge Generation anspricht. Die Band «living flame» begeisterte die jugendliche Christenschar. Dieser etwas laute Event war Start unserer Woche! Und was für eine Woche! Individualistisches Miteinander Nur einmal habe ich gefragt, ob even-

tuell ein «homecamp» die nötige Am Mittwochabend war der geplante Würze für eine «Woche der Jugend» «Lob- und Gebetsabend», etliche der sei. – Von Sonntagabend bis Sonntag- Jungen nahmen teil. Es war erfrimorgen war unsere Kapelle von ju- schend, ganz einfach: gut! gendlichem Elan erfüllt. Was organisieren wir? Wer kocht, wer kommt, Feierliches Miteinander wer ist verantwortlich? Alle meine Am Sonntag um 08.30 Uhr trafen wir Fragen waren überflüssig. Die Jungen uns an der Töss zur Taufe. Glasklar haben ihre Woche der Jugend selber war das Wasser, etwas frisch die gestaltet. Über doodle meldete man kühle Bise. Anschliessend erwartete sich zum Essen an. uns ein feines Frühstück. Für 30 Leute Am Morgen ging man Es war erfrischend war gedeckt, es aszur Arbeit, am Abend war man in der Ka- – einfach gut! sen mehr als 50, wir pelle, schlafen hier hatten genug. Anoder auch zu Hause. Ein fröhliches, in- schliessend war dann noch unser Gotdividualistisches Miteinander zeich- tesdienst. Es war der Abschluss der nete diese Woche aus: eine fröhliche, «Woche der Jugend», der Saal war zum ermutigende Gemeinschaft. Bersten voll, die Luft zunehmend schwer. «living fame» beschenkte uns Erfrischendes Miteinander mit jugendlichen Songs und die KolUnd die Gemeinde … ich meine die tra- lekte wurde gesammelt: «Woche der ditionelle, war sie lediglich das ge- Jugend». Ob sie in Zürich noch willmäuerte Gebäude!? Am Montagabend kommen ist, auch wenn wir sie erst fand eine Sitzung statt. Wir reservier- im September zusammengelegt haten einen Raum bei den Jungen! Am ben? Wir preisen den guten Hirten JeMittwochmorgen haben sich die Pfar- sus, der uns eine erfüllte, lebendige, rer der Region getroffen. Sie reser- jugendliche und provozierende Woche vierten einen Raum bei den Jungen. geschenkt hat. Bald wieder!

In Turbenthal erlebten die Jugendlichen eine besondere «Woche der Jugend».

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AUS DEM K ABINETT

Jörg Niederer: «Als Geleitete leiten wir miteinander die Kirche.»

Miteinander Kirche bauen

«Die in Zürich»  VON JÖRG NIEDERER

Als Distriktsvorsteher höre ich in den Gemeinden immer wieder Menschen sagen: «die in Zürich». Gemeint sind damit die Mitarbeitenden der Zentralverwaltung, im Wesentlichen die Leitenden der Kirche. Und ja, auch ich als Distriktsvorsteher bin mitgemeint.

«Die in Zürich», das ist die methodistische Variante der Aussage: «die da Oben». Es schwingt meist ein Ton der Unzufriedenheit mit. Selbst der positiv formulierte Satz: «Da haben es die in Zürich einmal so richtig gut gemacht», bedeutet, dass sie es die anderen Male wohl nicht so gut gemacht haben. Meine Aufgabe ist es dann, Verständnis für die Arbeit der Leitenden und der Zentralverwaltung zu schaffen. Keine leichte Sache, da ich ja, wie gesagt, auch zum Establishment gehöre. Wie du Was also sind «die in Zürich» für Menschen»? – Zuerst: «Die in Zürich» sind Menschen wie du und ich (und da ich

ja sowieso dazu gehöre, bleibt von die- der Seite der Bezirke. Und dann sage ser Redewendung noch: Es sind Men- ich manchmal zu ihnen: «Das sind schen, wie du!). Sie arbeiten meist Menschen wie du und ich». Sie arbeisorgfältig und manchmal ein bisschen ten meist sorgfältig und manchmal weniger. Sie haben Faein bisschen wenimilie und Bekannte Alle sind herausger. Sie haben Famiund Hobbys und Frust gefordert, einander lie und Bekannte und Hobbys und und Freude. Sie mei- zu vertrauen Frust und Freude. nen es gut und sie machen es oft auch sehr gut. Sie halten Sie meinen es gut und sie machen es sich an Vorgaben und suchen neue oft auch sehr gut. Sie halten sich an Wege. Sie reiben sich an den anderen Vorgaben und suchen neue Wege. und finden sich mitunter in Situationen, in denen sie «die auf den Bezir- Wir gemeinsam ken» nicht so recht verstehen. Und na- Und alle, «die in Zürich» und «die auf türlich meinen sie mit «denen auf den den Bezirken», sind herausgefordert, Bezirken» die dort Leitenden. einander zu vertrauen. Gemeinsam (und nicht gegeneinander) sind wir Wie du und ich mit Christus unterwegs, und von Gott Wenn «die in Zürich» von «denen auf bewegt. Als Geleitete leiten «die in Züden Bezirken» sprechen, dann rech- rich» und «die auf den Bezirken» mitnen sie mich als Distriktsvorsteher ir- einander eine Kirche, die Wege sucht gendwie auch dazu. Für sie bin ich auf und findet in Gottes Welt hinein.

AUS DEM REISEKALENDER DES BISCHOFS IM OKTOBER bis 16.10 19.–23.10 ab 27.10

USA Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien, Norwegen Bischofsrat, Georgia USA

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THEMA

Agenda SO.–D0. 2.–6. OKTOBER Glauben leben in einer Welt religiöser Vielfalt Theologische Woche Theologische Hochschule Reutlingen D Infos / Anmeldung: www.th-reutlingen.de SAMSTAG, 29. OKTOBER Dynamo - Theologie für die Gemeindepraxis Dynamo-Informationstag 9.00–12.30 Uhr EMK Zürich «Zelthof» Infos / Anmeldung: Fachstelle Bildung+Beratung, 044 299 30 87, bildungundberatung@emk-schweiz SAMSTAG, 29. OKTOBER Connexio-Konferenz «Migration» 9.00–16.15 Uhr EMK Bern-Altstadt Infos / Anmeldung: Connexio, 044 299 30 70, connexio@emk-schweiz.ch, www.connexio.ch SAMSTAG, 29. OKTOBER Frei. Methodist sein. Überall. Pilgern im Osten Müllheim-Wigoltingen bis Frauenfeld Infos / Anmeldung: Markus Da Rugna, 071 460 28 24, markus.da.rugna@emk-schweiz.ch SAMSTAG, 5. NOVEMBER Dynamo - Theologie für die Gemeindepraxis Gemeindebau 2 10.00–15.00 Uhr EMK Bülach Infos / Anmeldung: Fachstelle Bildung+Beratung, 044 299 30 87, bildungundberatung@emk-schweiz SAMSTAG, 5. NOVEMBER entwurzelt - «ich bin fremd gewesen...» Mitarbeitertagung Distrikt Nordwestschweiz 10.00–16.00 Uhr EMK Zürich 4 Infos / Anmeldung: : Sonja Bitterli, dlf.nordwestschweiz@emk-schweiz.ch, 062 296 55 04

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Das fordert heraus: Christliche Liebe macht an der Stalltür nicht halt.

Fleisch oder nicht Fleisch, das ist hier die Frage

Der Sprung vom Schnitzel zum Glauben  VON CHRISTOPH SCHLUEP-MEIER

Zum Thema «Fleischkonsum» schweigt die Bibel auf den ersten Blick. Offenbar ist es kein relevantes Thema. Bei genauerem Hinsehen jedoch stösst man auf Paulus, der die Gemeinden in Korinth und in Rom im Zusammenhang mit dem Götzenopferleisch berät. Und hier indet ein Sprung vom Schnitzel zum Glauben statt.

schriften gehalten haben. Er spricht zwar nie darüber, wie aber könnte einer, der die Gültigkeit des Gesetzes für die Heiden verneint, sie selbst aber doch einhalten wollen? Hat er auch Schwein gegessen? Ich würde sagen: Wenn man es ihm aufgetischt hat, ass er auch davon – das ist die christliche Freiheit.

Belastende Herkunft Nun aber entstand ein neues Problem: Heidenchristen kannten keine SpeiPaulus ass wie alle Juden Fleisch, so- sevorschriften, mit denen sie als lange es koscher war und den Geset- Christen in Konflikt hätten kommen zesvorschriften entsprach. Aller- können, aber sie wussten, dass prakdings wohl eher selten, denn die tisch alles Fleisch in einer antiken meisten Menschen Stadt aus eiseiner Zeit assen in Hat Paulus auch Schwei- nem heidnischen Tempel der Regel Brot und nefleisch gegessen? gekochten Getreidestammte, wo brei, gelegentlich täglich Tiere Früchte oder Oliven, selten Obst und geopfert wurden, deren Fleisch über Salat und noch seltener Fleisch. Denn die Metzgereien in den Verkauf geall das war rar und entsprechend langte. Wurden Heidenchristen nun teuer. So war Paulus gezwungener- zu einer Feier im Tempel oder zu eimassen zumeist Vegetarier. Nach sei- nem privaten Besuch eingeladen, ner Bekehrung wird er sich nicht dann fürchteten sie, dass das Fleisch mehr an die jüdischen Speisevor- von einem Opfer stammte. Mit dem


heidnischen Kult wollten sie aber nichts mehr zu tun haben, auf ihrem Teller schon gar nicht. Freier Verzicht Für Paulus war klar: Es gibt ausser Gott keine anderen Götter, und darum ist Opferfleisch auch nicht gefährlich. Christen dürfen ohne Sorge davon essen. Damit hätte er es bewenden lassen können. Aber Paulus wäre nicht Paulus, wenn er die Tiefe der Problematik nicht erkannt hätte. Denn den Konsum zu erlauben, löst das Problem für die nicht, die sich trotz gutem Zureden noch immer vor dem Götzencharakter solchen Fleisches fürchten. Sie im Namen der Freiheit dazu zu zwingen, wäre geradezu paradox. Darum fragt Paulus: Worum geht es überhaupt? Seine Antwort: Es geht nicht ums Essen. Es geht um das Gewissen der Christen, die sich fürchten. Sie mögen die Tiefe der Freiheit in Christus noch nicht erkannt haben, aber gerade darum soll nicht der Stärkere sie zur Einsicht zwingen, denn das würde dazu führen, dass sie zwar essen, es nachher aber bereuen und sich vor Gottes Strafe fürchten. Die Lösung kann nur darin bestehen, dass der, der in aller Freiheit zu leben fähig ist, verzichtet, damit der, der sich fürchtet, in keinen Gewissenkonflikt gerät. Dies allein entspricht der Liebe, und einzig dieses Verhalten wird dem Messias gerecht, der für die Sünder und Zweifler, für die Zauderer und die Ängstlichen gestorben ist. Also assen die meisten Christen, zumindest in der Gemeinschaft mit anderen, kein Fleisch und lebten – freiwillig! – vegetarisch. Vom Schnitzel zum Kern des Glaubens: Wie werde ich mit dem, was ich mir auf den Teller lege, der Liebe gerecht?

men, die skeptisch auf unser Salami- preisen und ohne Rücksicht für diese brot äugen. Aber immer öfter können Freiheit eintreten? Nein, das können wir nicht mehr so tun, wie wenn da- wir nicht. Sind Vegetarier also doch mit der Liebe schon entsprochen wäre. die besseren Christen? Gott sei dank Denn die Salami wächst nicht am ist diese Frage sinnlos, denn für Baum, sondern hatte einst ein Herz Christus gibt es keine besseren und und war nicht willig zu sterben. Die schlechteren Christen. Allerdings: Liebe hört nicht an der Kirchen- oder Für die Welt, in der wir leben, und Küchentüre auf, sondern geht den vor allem: in der auch andere mit Weg bis in den Stall, wo unser Fleisch uns leben müssen, besteht dieser als Schwein, Kalb oder Pute lebt. Und Unterschied noch lange! Ich persönlich möchte in und aus sie geht weiter: Zu den Getreidefeldern, die in Südamerika in Weideflä- der Liebe Gottes den Menschen zugeche verwandelt werden, um für die wandt leben. Nun aber liebe ich reichen Länder Rinder zu züchten, ob- Fleisch fast so sehr wie Schokolade. wohl der Getreideanbau viel mehr Er- Darum bin ich Sonntagsbratenvegetrag liefern würde. Menschen müssen tarier: Unter der Woche verzichte ich hungern, damit gerne im NaMenschen hungern, ich den Grill bemen der christladen kann. Und damit ich grillieren kann lichen Freiheit die Liebe geht zum Wohle von weiter bis in den Dschungel Brasili- Mensch und Tier. Und am Wochenens, der gerodet wird, um Soja oder ende, am liebsten am Sonntag, Mais für die Tiermast anzupflanzen. geniesse ich von Herzen ein Stück Und wieder hungern Menschen, wie- Fleisch. Mein Konsum ist damit um der sterben Tiere aus, wieder verödet ein Vielfaches reduziert, und das ist Land. Die Frage des Paulus bleibt ak- sinnvoll. So schmeckt mir der Sonntuell, auch wenn die Umstände sich tagsbraten auch besser. Drei von vier ändern. Mitgliedern meiner Familie leben vegetarisch, und das bewundere ich. Persönliche Antwort Leider bin ich nicht der vierte, das Können wir uns als Christen auf un- würde mir nicht gelingen. Aber Sonnsere Freiheit berufen und essen, was tagsbratenvegetarier kann ich sein. wir wollen? Ja, das können wir. Kön- Und das bin ich, im Namen der Liebe nen wir gleichzeitig die Liebe Gottes und der Freiheit. Christ sein und Fleisch essen - geht das zusammen?

Neue Belastungen Heute haben wir andere Sorgen, nur schon darum, weil unser Fleisch vom Metzger kommt und nicht vom Tempel. Aber die Frage des Paulus, worum es denn überhaupt gehe, bleibt aktuell. Selten bis nie müssen wir auf ängstliche Mitchristen Rücksicht neh-

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THEMA

Weshalb Susanne Weder-Schäfer zu vollwertigen Nahrungsmitteln rät

Mangelernährung trotz Überfluss?  VON SIGMAR FRIEDRICH

«Ganzheitliche

Ernährungsbera-

tung» bietet Susanne Weder-Schäfer an. Im Gespräch sagt sie, was darunter zu verstehen ist und worauf wir bei der Ernährung achten sollten.

schiedene Angebote in der Schweiz angeschaut, fand aber keine, die meinen Vorkenntnissen und Vorstellungen entsprach. Da nahm ich in Deutschland eine Ausbildung bei Dr. med. M.O. Bruker, Gesellschaft für Gesundheitsberatung GGB, in Angriff.

Frau Weder, wie sind Sie dazu gekommen, Ernährungsberatung anzubieten? Sie bieten «ganzheitliche ErnähErnährung hat mich schon immer in- rungsberatung» an. Was heisst in teressiert. Ohne viel über die genauen diesem Zusammenhang «ganzHintergründe zu wissen, war ich heitlich»? überzeugt: In der Ernährung liegt viel In der Ausbildung beschäftigten wir Potenzial, das meinen Körper stärkt uns nicht nur mit Ernährungsfragen, sondern erhielten auch Einblicke in und fit erhält. Als meine Kinder zur Welt kamen, verschiedenste Themen rund um die Mit dem vollen Wert verlockend gesund. brachte eines der Kinder eine Veran- Gesundheit: zum Beispiel was Kosmelagung mit, die tika anrichten können, wo die Ursachen für Störungen oder mich unter Umwas die Kleidung be- Krankheiten liegen könnten. Die Woraus gewinnen ständen hätte von trifft, wir erhielten Ein- breiter gefächerte Ausbildung verwir Kraft? – Aus der blicke in psychologi- mittelt das Bewusstsein, dass auch Arzt zu Arzt laufen lassen. Was Ernährung! sche Themen, auch andere Bereiche einen Einfluss hakonnte ich tun als naturheilkundliche ben können. Wie Dr. Bircher Benner Mutter? Mir war klar: Ich kann einer- Therapien haben wir kennengelernt. einmal sagte: «Die Ernährung ist seits darauf achten, dass das Umfeld Das Hauptgebiet war jedoch die Er- nicht das Höchste im Leben, sie ist möglichst im Lot ist. Auf der anderen nährung, auf dem wir eingehend ge- aber der Nährboden, auf dem das Seite habe ich mich gefragt: Woraus prüft wurden. Höchste gedeihen oder verderben gewinnen wir Kraft? Was stärkt unJede Krankheit hat Ursachen und kann.» ser Abwehrsystem? – Unsere Ernäh- beruht meistens auf unterschiedlichen rung! Diese beiden Pfeiler kann ich Pfeilern. Unter anderem ist einer die Wie läuft eine solche Beratung ab? bieten. Ernährung. Daneben gibt es die Le- Die Personen rufen an. Ich frage nach So habe ich mich in Buchhandlun- bensführung, die Konstitution, auch dem Grund. Wir vereinbaren einen gen begeben und habe die Bücher psychologische Faktoren spielen mit, Termin. Dabei erläutere ich, dass es zum Thema Ernährung durchge- es gibt toxische Beeinflussung, die wir in der Beratung nicht darum gehe, ihschaut. Bei einem hatte ich den Ein- nicht völlig nen einfach Rezepte druck: das ist der Weg für mich. steuern kön- Nährboden, auf dem abzugeben – quasi eiDie Ernährung dieses Kindes ge- nen etwa hindas Höchste gedeihen nen fertigen Menustaltete ich konsequent. Und es war sichtlich der Plan oder Zusatzpräoder verderben kann spannend, dass es genau so kam, wie Umwelt und parate zu empfehlen. es im Buch beschrieben war: Es trat ihren BelasEs ist vielmehr wichnicht von heute auf morgen eine Ver- tungen. Aber die Ernährung können tig, dass sie die Hintergründe der Wiränderung ein. Nach und nach wurde wir beeinflussen und steuern. kung zwischen den Lebensmitteln, aber das Immunsystem stärker. «Ganzheitlich» meint also: Wenn den Nahrungsmitteln und dem OrgaAls dann der Jüngste im Kindergar- wir jemandem gegenüberstehen, ach- nismus, eventuell ihrem Leiden erten war, schaute ich mich nach einer ten wir darauf, sein ganzes Umfeld kennen lernen. Dass sie sehen und Ausbildung um. Ich habe mir ver- einzubeziehen und herauszufinden, verstehen, weshalb und wie man et-

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THEMA

was umstellen sollte und kann – wenn Ziel ist also, dass ich die Lebensmitsie das wollen. tel, die ich aufnehme, vollständig Danach schaue ich natürlich, wie nutzen kann? der Ernährungsplan der Personen aus- Ja. Unter «Lebensmittel» verstehe ich sieht, die zu mir kommen: Was wird das, was wir von der Natur erhalten bereits gut umgesetzt? Was können können, nicht jenes, das fabrikatosie beibehalten? Die meisten realisie- risch verarbeitet und aufbereitet ren nach den Hintergrundinformatio- wurde. Ein Beispiel: weisse Nudeln nen schnell, wo etwas geändert wer- oder Ruchbrot. Für ihre Zubereitung den müsste. Erst jetzt komme ich mit werden die Getreidekörner geschält, Rezepten – die spezifisch auf sie zuge- die Randschichten und der Keim werschnitten sind. Dabei versuche ich he- den entfernt. Nur der Mehlkörper wird verwerrauszufinden, wo die Person Eine Frage der Qualität, der tet. Das hat ihre Vorlieben Verarbeitung und der Menge seine Ursache hat. Ich achte, in der Zeit vor dass sie die Rezepte umsetzen kann, rund 150 Jahren. Da konnte wissendamit sich die Speisen und Köstlich- schaftlich erst belegt werden, dass die keiten zu ihren Gunsten auswirken, Lebensmittel aus den Grundbausteiihr Immunsystem stärken und nicht nen und ein paar Mineralien bestebelastend wirken. hen. Aufgrund des damaligen Wissens meinte man: Es reicht, wenn ich Wie ernähre ich mich richtig? Mit zum Beispiel Ruchmehl zu mir Fleisch, vegetarisch, vegan? nehme. Ich würde nicht sagen: nur das eine Im letzten Jahrhundert wurden oder das andere ist richtig. Es ist die weitere Stoffe nachgewiesen – die Frage der Qualität, der Verarbeitung sogenannten Vitalstoffe, wie Vitaund der Menge. Wenn ich Lebensmit- mine, Mineralien, Spurenelemente, tel mit dem ganzen Wert verwende Enzyme, Aromen, Faserstoffe, ungeund schonend verarbeite, habe ich ne- sättigte Fettsäuren, essentielle Eiben den Grundnährstoffen – Fett, weisse etc. Jedes Lebensmittel ist Kohlehydrate, Eiweisse – noch die mit Grundnährstoffen und Vitalstofganze Werkzeugpalette, die uns hilft, fen so zusammengesetzt, dass wir es die Grundbausteine ab-, um- und auch ohne Rückstände ganz verwerten Neues aufzubauen. und abbauen können. Wenn wir aber

nur ein fabrikatorisch verarbeitetes Teilprodukt eines Lebensmittels essen, nehmen wir meistens nur die isolierten Grundbausteine, Eiweiss, Fett oder Kohlehydrate zu uns – es fehlen uns so die Werkzeuge, die Vitalstoffe, um diese um-, auf- und abzubauen. Trotz des Nahrungs-Überflusses kommen wir so in eine Mangelernährung.

ZUR PERSON Susanne Weder-Schäfer ist ärztlich geprüfte Gesundheitsberaterin GGB. Die Mutter von vier Kindern bietet unter anderem Kochkurse, Kinderkochkurse und Einzelernährungsberatungen. Weitere Informationen: www.verdesse.ch

In Kochkursen leitet Susanne Weder-Schäfer an, feine Gerichte zu kreieren mit Nahrungsmitteln, die den vollen Wert enthalten.


NACHRUF

Zum Tod von Heinz Stirnemann (17.5.1928–13.8.2016)

Ein Evangelist und Bibellehrer

Verstorben Lena Droz-Walter (92) Bern am 25.3.2016

 VON JOSUA BUCHMÜLLER

Emil Trummer (94) EMK-Schweiz am 31.3.2016 Werner Kaufmann-Graber (95) Staffelbach am 4.5.2016 Ursula Witzig (72) Rüti-Wald-Hombrechtikon am 12.5.2016 Peter Mumenthaler (71) Gelterkinden am 15.5.2016 Martha Schäublin-Eglin (99) Basel-Ost am 29.5.2016 Friedi Fink (81) Eschlikon am 2.6.2016 Ruth Preisig-Bachmann (73) Herisau am 2.6.2016 Hanni Thomet-Lüthi Wirz (86) Frutigen-Adelboden am 5.6.2016 Traugott Heller (82) Region Schaffhausen am 10.6.2016 Jakob Rohr (91) Rüti-Wald-Hombrechtikon am 10.6.2016 Hansueli Zurbrügg-Zbären (80) Frutigen-Adelboden am 17.6.2016 Matthäus Schild (68) Interlaken am 18.6.2016

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Heinz Stirnemann wurde als drittes Kind von Jean und Seline Stirnemann in Gränichen AG geboren. Durch den Dienst der Heilsarmee fand er zum lebendigen Glauben an Jesus Christus. Nach seiner Schulzeit trat er die Lehre als Stationsbeamter bei der Wynentalbahn an. Es fiel ihm nicht leicht, den Bahndienst zu verlassen, als er die klare innere Berufung empfing, in den Dienst Gottes zu treten. Die Ausbildung zum Verkündiger des Evangeliums erhielt er im Seminar für biblische Theologie auf dem Beatenberg. 1954 verheiratete er sich mit Gerda Widmer. Nach der Hochzeitsfeier zog das junge Paar nach Böblingen in Württemberg, um eine evangelistische Arbeit zu beginnen. Dort wurden die Söhne Martin und Andreas geboren, später auch noch die Tochter Esther. In Böblingen wurden Heinz und Gerda mit der Evangelischen Gemeinschaft bekannt. In jener Zeit wuchs in ihm der Wunsch, seinen Dienst in einer Gemeinde zu tun. Er bewarb sich bei der Evangelischen Gemeinschaft in der Schweiz und wurde 1957 als Prediger aufgenommen. Seine erste Dienstzuweisung bekam er nach Brugg-Windisch. Nach zehn Jahren wurde ihm 1967 die Gemeinde in Bern-Bümpliz zugewiesen; dazu 1975 auch noch die Aufsicht über den Bezirk Bern-Lukas-Belp. 1978 erhielt

er seinen Dienstauftrag in Basel an den Gemeinden Allschwilerplatz und St. Johann. Die letzten fünf Jahre im aktiven Dienst erlebten Heinz und Gerda ab 1988 auf dem Bezirk Sissach-Gelterkinden. Schon früh wurden Heinz Stirnemann zusätzlich zur Gemeindearbeit auch übergemeindliche Aufgaben anvertraut. Von 1960–1973 redigierte er das Sonntagsschulblatt «Der Kinderfreund». Ein besonderes Engagement leistete er bei der Entstehung und dann in der Führung der Bibelschule in Adelboden. 1993 traten Heinz und Gerda in den Ruhestand und zogen nach Muttenz. Da Heinz schon über 40 Jahre zum Trägerverein des Diakonats Bethesda gehörte, lag es nahe, dass sie sich der Bethesda-Gemeinde anschlossen. Hier fühlten sie sich wohl und wussten sich mit allen herzlich verbunden. Bei Heinz war 2004 die Parkinson‘sche Erkrankung festgestellt worden. Wegen der fortschreitenden Krankheit wurde 2011 der Umzug in eine Alterswohnung und im Sommer 2015 der Einzug ins Pflegeheim nötig. Seine Kräfte nahmen immer mehr ab, insbesondere auch das Sprechvermögen. Umso kostbarer waren für ihn und Gerda die Verbundenheit im Glauben. Am 13. August durfte Heinz still einschlafen und heimgehen in die ewige Welt. Wir wissen ihn bei Gott geborgen.

Heinz Stirnemann mit seiner Frau Gerda


CONNEXIO

Der Schuppen, in dem alles begann, steht heute nicht mehr.

30 Jahre «Lechería» – und es geht weiter …

Backen für eine bessere Zukunft

Am Anfang stand das Anliegen, die Probleme der Strassenkinder der argentinischen Hauptstadt an der Wurzel anzupacken: dort, wo ihre Familien zu Hause sind. In einem einfachen Schuppen im Quartier begannen Freiwillige ein Freizeitprogramm für Kinder aus benachteiligten Familien anzubieten.

ten: von Überfällen auf die Lechería, von Geldsorgen und Gebetserhörungen, von gescheiterten Jugendlichen aber auch von solchen, die den Rank gefunden haben. Zu Letzteren gehört auch Serena. Sie ist heute so alt wie die Lechería und kam mit fünf Jahren zum ersten Mal in den Schuppen. Dort hat sie den Halt gefunden, der ihr zu Hause gefehlt hat. Die Mitarbeitenden sind ihr zur Familie geworden. Und die Aufgabenhilfe, die sie dort bekommen hat, hat ihr bei ihrem Schulabschluss geholfen. Inzwischen hat sie Sozialarbeit studiert und arbeitet selbst in der Lechería mit. Sie ist dankbar, dass sie diesem für ihr Leben so wichtigen Ort damit etwas zurückgeben kann.

Zurück in die Lechería Nelly und Erich Allenbach waren bereits seit 1965 mit der EMK in Argentinien tätig. Auf der Suche nach einer neuen Aufgabe stiessen sie Mitte der 1980er-Jahre zum Team und übernahmen als erste Vollzeitmitarbeitende die Koordination. Die beiden haben manch eine Anekdote auf Lager, wenn sie von den letzten 30 Jahren berich-

Ganzheitlich lernen Der Schuppen, in dem alles begann, existiert schon lange nicht mehr. Auch das Angebot der Lechería ist angepasst worden. Zwar werden nach wie vor für die Kinder Mittagessen serviert, damit sie eine warme Mahlzeit bekommen. Daneben werden aber, unter anderem von Serena, Freizeitaktivitäten angeboten wie Backen,

 VON ANNE BARTH

Die «Lechería de la Solidaridad» im Quartier von San Pablo in Buenos Aires unterstützt Strassenkinder. Für viele dieser Kinder wurden die Mitarbeitenden zur Familie. In diesem Jahr feiert die «Lechería» (wörtlich: Milchausgabestelle) ihr 30-jähriges Bestehen.

Theater, Schach und Sport. Das Konzept ist ganzheitlich, denn beim Backen zum Beispiel lässt sich gut schreiben, lesen und rechnen üben, und das gemeinsame Erlebnis stärkt die Beziehung zu den LeiterInnen. Insgesamt 271 Kinder profitieren im Jubiläumsjahr von diesen Angeboten. Nelly und Erich Allenbach sind heute im aktiven Ruhestand. Sie unterstützen die Lechería immer noch tatkräftig, haben die Leitung aber an Jüngere abgegeben. So ist auch gewährleistet, dass die Lechería noch viele Jahre für die Kinder und Jugendlichen des Quartiers da sein kann. www.lecheria.com.ar

IHRE SPENDE HILFT! Spenden an: EMK in der Schweiz, Connexio, Zürich, PC 87-537056-9 IBAN CH52 0900 0000 8753 7056 9 Weitere Informationen: www.connexio.ch, 044 299 30 70 connexio@emk-schweiz.ch

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SELBSTÄNDIGE WERKE

40 Jahre Weyergut Bethanien – Rückblick und Ausblick

Gute Pflegeplätze – für alle alten Menschen Sanierung mit Weitblick Die sorgfältige Planung und bauliche Umsetzung, der gute Unterhalt sowie die bereits erfolgten Teilsanierungen boten in den vergangenen 40 Jahren gute bauliche Rahmenbedingungen zur Führung des Betriebes. Das Weyergut Bethanien – ursprünglich als reines Altersheim konzipiert – ist heute ein Pflegeheim und vermag den zeitgemässen Anforderungen und Richtlinien nicht mehr zu genügen. Die nun zur Umsetzung gelangende Gesamtsanierung des Weyerguts, entwickelt die grundsolide Gebäudestruktur durch tiefgreifende Anpassungen im Innern sowie einige wenige äussere Erweiterungen, zu einem modernen, auch für die Zukunft Das Weyergut Bethanien in Wabern wird einer Gesamtsanierung unterzogen. gut gerüsteten Pflegeheimbau.

 VON: THOMAS LAUWINER, LEITER WOHNEN & PFLEGE BERN

Am 27. und 28. August feierte das Weyergut Bethanien in Wabern bei Bern sein 40-jähriges Bestehen. Lange Zeit hat des Gebäude vielen betagten Menschen ein liebevolles Zuhause geboten. Im kommenden Jahr wird das Weyergut einer Totalsanierung unterzogen, um seinen Bewohnerinnen und Bewohnern auch in Zukunft ein zeitgemässes, behagliches Zuhause zu sein.

Ein Höhepunkt der abwechslungsreichen Jubiläumsfeierlichkeiten war der Festgottesdienst. «Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich» – mit diesem Glückwunsch wandte sich Bischof Patrick Streiff in seiner Predigt an die versammelte Festgemeinde. Dieses im Kontext eines Pflegeheims zunächst eher seltsam anmutende Jesuswort erschloss sich den Zuhören-

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Betreuung und Pflege als Diakonie den im Verlauf der Predigt als Licht Eine Unternehmung, die heute im auf Leben und Wirken in unserer Pflegeheimbereich tätig ist, sieht sich mit grossen Herausforderungen konInstitution. Aus dem Gottesdienst ergab sich frontiert und muss die Schritte in die eine weitere schöne Verbindung zur Zukunft sehr sorgfältig erwägen. Die Situation des Weyergut Bethanien: baulichen Voraussetzungen sind daDie Kollekte wurde zugunsten des bei nur eine Ebene. Nicht neu ist die Martha-Maria Heims in Budakezi (et- Problematik des Fachkräftemangels was ausserhalb von Budapest, Un- beim Pflegepersonal. Diese wird sich garn) eingesammelt. Wie Pfarrer in den kommenden Jahren noch zuMatthias Fankhauser ausführte, soll sätzlich verschärfen. Auf der betriebsmit dem Erlös von 1500.– Franken ein wirtschaftlichen Ebene spüren wir als neuer Fussweg Betreiber die zwischen dem Al- Am Weg zwischen Entwicklung der tersheim und der Heim und Kapelle bauen Gesundheitskosten in erster Linahegelegenen Kirche mitfinanziert werden, so dass nie am stetig zunehmenden Kostendie alten Menschen im Heim eine Mög- druck und dem enormen lichkeit und Erleichterung haben, am Abrechnungs- und Kontrollaufwand. Die Frage, weshalb sich die DiakoGottesdienst teilzunehmen. Auch die Diakonie Bethanien will in Wabern am nie Bethanien zur langfristigen WeiWeg zwischen Heim und Kapelle terführung des Weyergut Bethanien bauen. Als Element der Sanierung soll bekennt, beantwortete Jürg Bitzer, eine Einhausung des kurzen Abschnit- Präsident der Diakonie Bethanien, in tes zwischen Kapelle und heutigem seiner Festansprache wie folgt: «Es ist Haupteingang des Heims erfolgen. uns ein Anliegen, als kleine Organi-


SELBSTÄNDIGE WERKE

Mit einem Festgottesdienst wurde in Wabern gefeiert.

sation gute Pflegeheimplätze anzubieten, deren Finanzierung allen alten Menschen möglich ist. Es liegt uns zudem am Herzen, unseren Betrieben eine eigene Note zu geben.» So sollen im Weyergut die Grundwerte der Diakonie Bethanien auf behutsame und einladende Weise spür- und sichtbar werden. Partnerschaft mit der EMK In seiner Festrede legte Fredy Jorns, Direktor der Diakonie Bethanien, dar, dass die Partnerschaft der Diakonie Bethanien mit den EMK-Gemeinden in Raum Bern seit über 100 Jahren währt. 1915 entsandte die Diakonie Bethanien auf Ersuchen der Methodistengemeinden der Stadt Bern Diakonissen zur Eröffnung und Führung einer Pflegestation. 1976 konnte das Altersheim Weyergut seinen Betrieb

aufnehmen. Bis Ende 2012 zeichnete die durch die EMK getragene Stiftung «Alters- und Pflegeheim Weyergut» für die Führung des Betriebes verantwortlich. Nachdem die Diakonie Bethanien immer schon Eigentümerin der Liegenschaft war, übernahm sie 2013 die vollständige Zuständigkeit des Betriebes. Trotz dieser Ablösung wird das Leben und der Betrieb im Weyergut Bethanien weiterhin von der Zusammenarbeit mit den örtlichen EMK-Gemeinden beeinflusst. Das kirchliche und insbesondere das persönliche Engagement von Mitgliedern der EMK durchwirken unseren Betrieb auch heute. Dieses Miteinander ist uns wertvoll und wichtig und stellt einen Mehrwert dar, der ganz wesentlich zur Einzigartigkeit des Weyergut Bethanien beiträgt.

Weyerguet Bethanie Am Fuess vom Gurte, am Eichholz nah, gsehsch ds Weyerguet Bethanie stah. Hie wirsch es friedlechs Plätzli inge u darfsch e gueti Zyt verbringe. Muesch nümme schaffe, kei Plichte wo d‘geng all’s hesch müesse richte. Me wohnt gärn da, het Pleg u Rueh, muss sälber nümm im Hushalt tue. E feini Chuchi, es gmüetlechs Zimmer u für d’Gsundheit het me immer grad sofort Hilf, we‘s nötig isch so dass du guet umsorget bisch. E guete Geischt erfüllt das Huus u Gott der Herr leit drüberuus si Säge uf das Wärch u d‘ Mönsche. Chönnt me sich öppis Bessers wünsche? I ha‘s erfahre u i gloube, ja – es chönnt eim niene besser gah. Erika Moser, 89, Bewohnerin des Weyergut Bethanien

IDEM – IM DIENST EINES MITMENSCHEN IDEM-Freiwillige leisten in der Diakonie Bethanien einen wertvollen Beitrag, indem sie den Alltag unserer Bewohner/innen bereichern. Wenn Sie in der Region Bern wohnen und den Bewohner/innen des Weyergut Bethanien etwas Zeit schenken möchten, freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Telefon 031 960 92 11, weyergut@bethanien.ch

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FRESH EXPRESSIONS

Mirjam und Johann Wäfler verwirklichen neue Formen des Kirche-Seins

Mit Bar statt mit Kanzel

Verstorben Idy Flückiger (85) Aarau am 28.6.2016

 VON MIRJAM UND JOHANN WÄFLER

Heidi Rickly (91) Spiez-Oey am 4.7.2016

Im Startklar-Kurs, der Personen Impulse und Begleitung bietet, die neue Formen des Kirche-Seins ent-

Mathilde Bolliger (89) Affoltern am Albis am 8.7.2016

decken und leben wollen, hatte Johann Wäler ein Projekt entwickelt. Zuerst sah es so aus, als wollte nichts daraus werden. Nun wurde

Eric Nussbaumer (93) Neuchâtel am 9.7.2016

die Vision doch Wirklichkeit …

Richard Mailänder-Krebs (87) Zürich Ost am 14.7.2016 Vreni Stricker-Diem (63) Herisau am 17.7.2016 Willi Strässler (85) Stäfa-Männedorf am 18.7.2016 Christine Lerch (59) Aarau am 20.7.2016 Maria Balmer (87) Thun am 22.7.2016 Kurt Gyr (89) Region Greifensee am 26.7.2016 Margrit Augsburger-Stähli (88) Schlatt am 27.7.2016 Robert Währer (81) Burgdorf-Breitenegg am 1.8.2016

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Stellen Sie sich vor: Mitten im Dorfkern steht eine Kirche. Wie jede andere Kirche hat sie schöne Kirchenfenster und einen Glockenturm. Anstelle von starren Wänden hat diese Kirche jedoch eine Seitenwand, die als Vordach hochgeklappt werden kann. Es hat keine Kirchenbänke, sondern bequeme Sessel, die zum Verweilen einladen. Dort, wo in anderen Kirchen die Kanzel steht, befindet sich in dieser Kirche eine Bar. Jugendliche, Kinder, Erwachsene schlendern durch das Dorf und machen Halt bei der Kirche. Unvorstellbar?

Weiterbildung in der Hoffnung, zu lernen, wie wir mit Menschen unterwegs sein können, die den Schritt in die Kirche nicht machen wollen oder können. In diesem Kurs wurde eine Vision immer konkreter, das Herzensanliegen: Einen Ort schaffen, an dem man zur Ruhe kommen und auftanken kann. Ein Platz, an dem man einfach sein kann und in der Gemeinschaft Zeit füreinander und für Gott hat, sich verschenken und beschenken lassen darf. Während der Weiterbildung suchten wir immer wieder nach Möglichkeiten, diese Vision umzusetzen. Die konkrete Vorstellung veränderte sich immer wieder, bis in unseren Gedanken das Bild eines grossen Anhängers entstand, dessen Seitenwand als Vordach hochgeklappt werden kann, mit Stühlen und Tischen, Getränken und Spielmöglichkeiten. Dieser Anhänger könnte in Lagern eingesetzt werden, um das Leitungsteam zu entlasten und das Lagerleben zu bereichern.

Am STR16 durften wir diese unge- Überschwemmung wohnte Kirche gestalten. Die Kirche Die offene Kirche im STR16 war ein war ein Ort, an dem Kinder und Lei- Testlauf, um herauszufinden, ob und ter während der Freizeit einfach sein wie das Angebot genutzt würde. Wir konnten. Ein gemütlicher, einladen- wussten nicht, ob das Interesse für der Platz. Es gab Kafein solches Angebot fee, Getränke für die da ist. Doch wir wurKinder und wir waren Fragen, Träume, den geradezu überda und hatten Zeit. Zeit Sorgen teilen schwemmt. Es kamen für kleine und grosse Kinder, die während Gespräche über Gott der langen Mittagsund die Welt. Fragen, Träume und zeit nicht so recht wussten, was maSorgen konnten geteilt werden, aber chen. Leiter, die gerne mal mit jeauch in Gruppen ein lustiges Mitei- mandem ausserhalb des eigenen nander erlebt werden. Die Gespräche Teams ein Gespräch führten. Helfer, und gemeinsame Zeit sollten einfach die gerade etwas Freizeit hatten, und gut tun. Ressortleiterinnen, denen es einfach gut tat, sich hinzusetzen und bei eiSuchbewegungen nem Getränk durchzuatmen, bevor Johann begann 2014 die Startklar- es wieder weiterging.


FRESH EXPRESSIONS

Wir freuen uns, dass dieser Testlauf gelungen ist, und hoffen, dass auch in kleineren Lagern solche Stationen entstehen.

und für Gott hat. Wir würden uns freuen, wenn eine Gruppe entsteht, die gemeinsam und mit Gott unterwegs ist. Wir haben während der StartklarWeiterbildung vieles angedacht und Fortführung Auch in der EMK Glarus öffnete sich versucht, Schritte zu gehen. Oft waeine Tür. Jugendliche, zu denen wir ren wir auch enttäuscht und ratlos. durch Lager Kontakt hatten, wünsch- Nun können wir sagen: wo Gott ten sich einen Ort, an dem wirkt, da bleibt uns sie sich treffen und Ge- Wo Gott wirkt, das Staunen. Das meinschaft erleben könmotiviert uns, auch bleibt uns nur weiterhin dem Geist nen. Gemeinsam mit ihnen richteten wir den Keller in das Staunen Gottes zu folgen, der EMK Glarus ein. So entAusschau zu halten, stand der «Chillcellar», ein Ort, an wo er am Wirken ist, und dann mudem man einfach sein kann und in tig durch die Türen, die er öffnet, der Gemeinschaft Zeit füreinander durchzugehen.

Gedanken aus Kirche und Gesellschaft

Wenn Nahrungsmittel hungrig machen

Die etwas andere Kirche am STR16 wurde intensiv genutzt.

ENTWICKLUNGEN Darüber, wie Johann Wäler mit seiner Projektidee unterwegs war, berichtete «Kirche und Welt» zuletzt in der Ausgabe 9/2015 www.issuu.com/emk_schweiz. Etwas von der Begeisterung über diese Kirche indet sich in den Interviews zum STR16: is.gd/str16_interviews Personen, die wie Johan Wäler neue Wege wagen und Ungewohntes ausprobieren wollen, um in neuer Weise Kirche zu leben, wenden sich an Matthias Fankhauser, 079 463 89 65, fx@emk-schweiz.ch

Was geschieht, wenn man in einer Stadt gefüllte Einkaufswagen herumstehen lässt? In Winterthur geschah Folgendes an der Ausstellung «Die Welt im Einkaufswagen»: Obwohl alle ausgestellten Lebensmittel Imitate waren und alle Einkaufswagen mit einer Plexiglasscheibe zusätzlich gesichert wurden, versuchten Personen an deren Inhalt zu kommen. Besonders angetan hatten es den Leuten die beiden Wägelchen mit Schokolade und Fleisch. Bei der Schokolade verschwanden viele der in Schokoladepapier eingepackten Holztafeln. Sie wurden zwischen den Gitterstäben herausgeklaubt. Beim Wägelchen mit den Fleisch-Imitaten wurde gar die Plexiglasscheibe eingeschlagen und der Inhalt gestohlen. Fleisch und Schokolade. Schweizer wissen, was gut ist. Dass Kakaobauern und -bäuerinnen einen Durchschnittslohn haben, der viermal tiefer ist als die 2 Dollar pro Tag, die die Armutsgrenze markieren, wird meist ausgeblendet. Dass man mit dem Wasserverbrauch für ein Kilo Rindleisch 486 mal Duschen kann (für ein Kilo Getreide reicht es für 42 mal Duschen), ist den meisten ebensowenig bewusst. Fleisch und Schokolade lassen viele Menschen hungrig und durstig zurück, wie die geklauten Imitate aus den Einkaufswagen in Winterthur. Mehr zur Aktion «Die Welt im Einkaufswagen»: www.is.gd/einkaufswagen Jörg Niederer

Kirche und Welt

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FRAUENNETZWERK

Eindrückliche Begegnungen mit Frauen aus aller Welt

Berufen zu verkündigen  VON BARBARA BÜNGER

Haben Sie Lust einen Artikel über

bekommen konnten, wurde auch Zeit für einen Ausflug (NASA, Ranch, Museen) eingeplant.

Strukturen zu lesen? Oder lieber etwas über Begegnungen mit Frauen aus der ganzen Welt? Die Struktur, die mir eine Woche lang die unterschiedlichsten Begegnungen ermöglichte, war die 13. Delegiertenversammlung

des

methodistischer

Weltbundes

Frauen

zum

Thema: «Chosen people – called to proclaim», «Erwählte Menschen – berufen zu verkündigen».

Die Konferenz fand in Houston (Texas, USA) statt, in einem wirklich riesigen Hotel. Unser Programm war so dicht, dass wir gefühlte 90% unserer Zeit in diesem Gebäude mit Worship, Bibelarbeiten, Berichten, Wahlen und Workshops verbrachten. Damit wir etwas vom Leben und der Kultur der gastgebenden Nation mit-

Das macht Mut Auf dem Weg zu einer Ausstellung über das Leben von 1620 – 1876 in Texas lernte ich Pille aus Estland kennen. Sie erzählte: «Die Methodistenkirche in Estland ist nur eine kleine Kirche. Die Erfahrung, dass wir Frauen zu einer so grossen Gemeinschaft, wie dem Weltbund methodistischer Frauen, gehören, gibt uns Mut und Kraft, da im Kleinen weiter zu machen, wo wir leben.» Das gibt Hoffnung Während des Berichts, den wir von unseren Vertreterinnen an der UNO erhielten, sass ich neben Hannah aus der Dominica (Karibik). Sie sagte zu diesem Bericht: «Im Angesicht all der grossen Nöte dieser Welt, gibt die

Methodistische Frauen aus der ganzen Welt trafen sich in Houston.

Tatsache, dass sich Menschen aus allen Teilen der Welt an einen Tisch setzen, Hoffnung. Egal, ob das nun die UNO ist oder diese Konferenz hier.» Das war schwierig Wir konferierten auch an der Geschäftssitzung – und das bis in die späte Nacht hinein. Die Wahlen der neuen «Worldofficer» verliefen nicht ganz ohne Misstöne. Am Ende hatten wir jedoch vier Frauen aus Europe/ Britain und Ireland, West Africa und South Pacific, die in die Verantwortung für den Weltbund methodistischer Frauen hinein gesandt wurden. Übrigens: Regula Stotz aus der Schweiz war in den letzten fünf Jahren World Vice President und geht nun in den «Ruhestand». Da war ich fremd Ebenfalls wurden die Verantwortli-


ZAHLSTELLE

Die Zahlstelle: solidarisch – nachhaltig – transparent

Ein wert-voller Vorsprung der Zahlstelle geber sind Privatpersonen. Sie erhalten einen festen Zins für ihr Kapital. Hohe Effizienz Sowohl die Börse als auch die Zahlstelle funktionieren effizient: Kreditnehmer und -geber finden zuverlässig und gestützt auf transparente Regeln zueinander. Im weiteren Sinn wird die Effizienz der Börse gern als Vermehrung des Wohlstands für die gesamte Gesellschaft gesehen. Langfristig gesehen, etwa seit dem 2. Weltkrieg, stimmt das bisher. Doch die Finanzkrise von 2008 hat mit der Vernichtung unzähliger Arbeitsplätze ohne direkten Zusammenhang mit der Börse gezeigt, dass die Börse der Gesellschaft viel Schaden zufügen kann. Die Zahlstelle hat eine andere Aufgabe: Sie stellt der EMK Geld zur Verfügung, damit diese ihre Aufgabe für Gott und die Menschen wahrnehmen kann. Mehr Wohlstand ist nicht das Ziel. Primär- und Sekundärmarkt Die Börse gliedert sich in den so genannten Primärmarkt (ca. 1 Prozent) und Sekundärmarkt (99 Prozent). Auf dem Primärmarkt werden Aktien und Anleihen vom Unternehmen zum ersDer schnelle Handel der Börse wird zunehmend durch Computerprogramme ten Mal verkauft und verschaffen ihm abgewickelt. Kapital. Anschliessend werden die Titel auf dem Sekundärmarkt unabhän VON DANIELA DECK Was verbindet, was unterscheidet gig vom Unternehmen gehandelt, woZahlstelle und Börse? bei die Kurse schwanken. Die Zahlstelle beschränkt sich auf Was hat die Zahlstelle mit der Die Börse ist ein Marktplatz, auf dem Börse gemeinsam? Die wichtigste Unternehmen Geld für ihre Investi- eine Art Primärmarkt. Die Bezirke Gemeinsamkeit ist das Vertrauen tionen finden. Die Geldgeber, vor verhandeln mit dem Zahlstellenauszwischen Kapitalgeber und -neh- allem Fonds, Pensionskassen und schuss über benötigte Kredite. Die mer, deutliche Unterschiede sind Private, erhalten erfolgsabhängige Einleger geben der Zahlstelle dafür freie Hand, im Vertrauen darauf, dass Grösse und Tempo. Während jede Dividenden für ihr Kapital. Die Zahlstelle stellt den Geldfluss das Geld regelkonform und im HinBörse täglich Milliarden umschichtet, funktioniert die Zahlstelle der- innerhalb der EMK sicher und sorgt blick auf den langfristigen Nutzen für zeit mit knapp 60 Mio. Franken und dafür, dass die Bezirke die Mittel für die Bezirke eingesetzt wird und dass ihre Bauprojekte erhalten. Die Geld- diese die Kredite zurückzahlen. viel gemächlicher.

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ZAHLSTELLE

Die von der Zahlstelle zusammengetragenen Mittel wollen helfen, solidarisch miteinander Zukunft zu bauen.

Kontrolle und Sicherheit Alle Börsenteilnehmer sollen für ihre Entscheidungen jeweils denselben Wissensstand haben. Dafür sorgen strenge Regeln. Im Fall einer Firmeninsolvenz werden die Forderungen der Kapitalgeber berücksichtigt, nach denen der Angestellten und Lieferanten. Damit tragen die Kapitalgeber ein beträchtliches Risiko. Bei der Zahlstelle geschieht die Kontrolle hauptsächlich über das Sechsaugenprinzip durch Geschäftsstellenleiter, Zahlstellenausschuss und Revisionsstelle. Die Kapitalgeber tragen ein geringes Risiko, weil die Immobilien der EMK Schweiz einen realen Gegenwert zu den Zahlstelleneinlagen bilden. Der Notfallknopf Geschäfte werden an der Börse nicht mehr nur von Menschen abgewickelt, sondern zunehmend von Computerprogrammen, die die Börsentitel nach Kriterien durchsuchen und in Sekundenbruchteilen Millionen (Ver-)Käufe tätigen. Der Hochfrequenzhandel übersteigt die menschliche Reaktionsfähigkeit und kann den Handel

verzerren, etwa durch schlechte Pro- Bei der Zahlstelle ist die Beteiligung grammierung von Algorithmen. Des- für jede/n freiwillig. Dank der Zahlhalb ist die Börsenaufsicht heute mit stelle kann die EMK bis zu einem geeinem Notfallknopf ausgerüstet, der wissen Grad losgelöst vom Finanzden Handel für zwei Minuten unter- markt agieren. Die Regeln für die bricht, was allen Beteiligten Zeit zum Darlehen der Bezirke und den Zins Denken gibt, wenn sich die Kurse un- der Einleger kann die Zahlstelle unerklärlich entwickeln. Der Notfall- abhängig festlegen. Sie orientiert sich knopf wird durchschnittlich einmal aber an den Trends am Finanzmarkt. pro Tag gedrückt. Die Zahlstelle braucht keinen Not- Ein Problem der Ethik fallknopf, da sich die Verhandlungen An der Börse ist jede/r selbst dafür mit bauwilligen Bezirken über Mo- verantwortlich, nach welchen ethinate, wenn nicht Jahre hinziehen. Es schen Regeln er/sie Geld investiert. werden Gutachten Ein Gebot der von Experten einEthik gilt hingegeholt und ErDie Zahlstelle braucht gen für alle: Austragserwartungen sen stehende sol len durch die (Bsp. Mietzinse) keinen Notfallknopf Geschäfte keinen mit Erfahrungen aus früheren BauSchaden erleiden. projekten verglichen. Ein langsamer, Es ist dies ein Prinzip, das in den gründlicher Prozess, begleitet vom letzten Jahren oft missachtet wird. Gebet und Hören auf Gottes Wort. Die Folge: Gewinne werden eingesteckt und Verluste der Gesellschaft Globale Verflechtung (dem Steuerzahler) aufgebürdet. In unserer Gesellschaft kann prakBei der Zahlstelle sind solche Egotisch niemand der Börse ausweichen, trips ausgeschlossen, denn die Verweil die Pensionskassen dort im gros- wendung der Einlagen ist klar geregelt. Spekulation ist ausgeschlossen. sen Stil aktiv sind.

ANREGENDE BÖRSENSTUDIE Die Idee für diesen Artikel ist dank der Studie «Gut oder Börse – Überlegungen zum ethischen Börsenhandeln» des Vereins zur Förderung der Ethik und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage (Corporate Responsibility Interface Center CRIC) entstanden. CRIC-Geschäftsführer Klaus

Gabriel, Banker und katholischer Theologe, hat diesen Sommer die Ergebnisse der Studie präsentiert. Information zu CRIC und die Börsenstudie inden Sie hier: www.cric-online.org

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Zahlstelle SOLIDARISCH NACHHALTIG TRANSPARENT

Gebührenfreie Anlagen für jede Lebenslage. SOLIDARISCH

NACHHALTIG

TRANSPARENT

Unsere Dienstleistungen verbinden Anleger und Darlehensnehmer zu einer Interessengemeinschaft unter dem Dach der EMK in der Schweiz.

Unsere Aufgabe erfüllen wir seit über 100 Jahren. Mit wirksamen Strategien stellen wir uns den sich verändernden Herausforderungen.

Unsere Produkte sind einfach. Die Konditionen sind eindeutig. Unsere Strategie ist effektiv. Die Ziele sind klar.

Evangelisch-methodistische Kirche Badenerstrasse 69 – Postfach 1328 – CH-8021 Zürich 1 – Tel 044 299 30 81 – www.zahlstelle.ch

Kirche und Welt 10/2016  

Die Zeitschrift für Glieder und Freunder der EMK in der Schweiz

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