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03/2015

Kirche und Welt Die Zeitschrift der Evangelisch-methodistischen Kirche der Schweiz

Im Spannungsfeld zwischen künstlicher Befruchtung und Adoption

Wenn Paare keine Kinder bekommen können Seite 8/9

«Soli Deo Gloria!» Was wirklich zur Ehre Gottes beiträgt Seite 7

The United Methodist Church

Nur wenige Kirchen öffnen ihre Tore

Damit Geld nicht unbemerkt versickert

Birgit Usche arbeitet mit Obdachlosen Seite 18/19

Eckwerte für das Familienbudget Seite 22/23


Inhaltsverzeichnis

Das Thema der Jährlichen Konferenz gemeinsam gestalten

Miteinander – kreativ 

Neue Praktikanten in der Zentralverwaltung

Erlerntes anwenden  Was wirklich zur Ehre Gottes beiträgt

«Soli Deo Gloria!» 

Im Spannungsfeld zwischen künstlicher Befruchtung und Adoption

Wenn Paare keine Kinder bekommen können 

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Wie Hafners innert 14 Tagen zu Eltern wurden

«Nein, wir brauchen den Kinderwagen sofort!»  10 Religiöse Aussagen zu Adoption und künstlicher Befruchtung

«...als hätte er es geboren» 

Zum Tod von Louise Werder (2.2.1920 –27.12.2014)

Ein Leben für die Mission 

Von der Tagung des Arbeitskreises «Naturwissenschaft und Glaube»

Warum ist Gott verborgen? 

Birgit Usche arbeitet im NetZ4 mit Obdachlosen

Nur wenige Kirchen öffnen ihre Tore  Beat Hofstetter benennt Eckwerte für das Familienbudget

Damit Geld nicht unbemerkt versickert  Meine Menschenfurcht zu überwinden, lohnt sich

Kleiner Aufwand, grosse Wirkung 

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Kirche und Welt  Nr. 03/2015

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Editorial Liebe Leserin, lieber Leser «Dann weinte Hanna und ass nichts», erzählt die Bibel von der Frau des Elkana, «deren Mutterleib der Herr verschlossen hatte» (1.Sam 1,6f.) Viele Paare, die sich Kinder wünschen, kennen diese Not. Was tun? Zwei Antwortmöglichkeiten geht diese Ausgabe von Kirche und Welt weiter nach.   Wie mehrere Generationen in der Gemeinde miteinander unterwegs sind, soll an der Jährlichen Konferenz in Aarau erfahrbar werden. Schon jetzt können Sie dafür kreativ werden. Wie, das erfahren Sie in dieser Ausgabe. Das Video dazu sollten Sie sich unbedingt anschauen!   Ein paar wichtige Eckpunkte für die Budgetplanung in der Familie zeigt Beat Hofstetter auf. Die Zahlstelle bietet zum Thema einen Workshop mit Beat Hofstetter an. Interessiert? Dann melden Sie sich doch am besten gleich an!   Im Budget von Kirche und Welt ist fest eingeplant, dass Sie die Arbeit nach Ihren Möglichkeiten unterstützen. Danke, wenn Sie den beigelegten Brief samt Einzahlungsschein beachten!

Sigmar Friedrich Redaktor

Gnadenlos positiv! Von Stefan Moll

Vor mir liegt das «Kleine Übungsheft Positives anziehen»*. Der Ratgeber hilft, für die Partnerwahl attraktiv zu werden. Er bietet ein Training, um zu einer guten Ausstrahlung zu kommen. Miesepetriges kommt auf den Müll. Frohes bleibt.   Im Projekt «Soteriologie» arbeiten wir an einer Sprache, mit der wir heute über Erlösung reden können. Nun sind wir in doppelter Versuchung, es wie dieser Ratgeber zu machen. Zunächst einmal, in dem wir uns und die Gemeinden auf eine positive Ausstrahlung trimmen: sexy, liebenswürdig und fröhlich wollen wir sein. Dann aber auch, in dem wir das Evangelium selber zum Ratgeber machen. In der Tat verschwimmen die Unterschiede zwischen Übungsheft und manchen Predigten. Es bleiben Anleitungen, um es richtig zu machen und cool zu sein. Erlösung und Erfolg kommen einander sehr nahe.   Ich bin da sehr skeptisch. Erlösung ist vor allem Gnade. Gott berührt uns, gerade weil wir nicht so positiv sind. Erlösung ist Sinn: im Leid, in Tränen, in Verstörung erkennen wir einen Wert, der auch vor Gott zählt. Und schliesslich: Im Evangelium geht es nicht um einen cleveren Lebensstil, sondern um die Beziehung zu Gott. Bei ihm aber kann jenseits von Erfolg und Misserfolg Neues blühen und Neues werden. Zum Glück!  * Michaud/Augagneur, Das kleine Übungsheft Positives anziehen

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JÄHRLICHE KONFERENZ

Das Thema der Jährlichen Konferenz gemeinsam gestalten

Miteinander – kreativ Von Beat Bachmanni

Die Jährliche Konferenz 2015 steht ganz unter dem Zeichen des «Miteinanders der Generationen». Alle, die zur Konferenz nach Aarau kommen, sollen das Miteinander von Jung und Alt hören, sehen und vor allem erleben können!

Wie erlebst du das Miteinander mit der anderen Generation? Wo haben in deiner Gemeinde junge und ältere Menschen miteinander Kontakt inner- und ausserhalb der Kirche?

Werde kreativ! Wir bitten junge und ältere Menschen aus den Bezirken, sich mit dem Thema kreativ auseinanderzusetzen. Schön ist es, wenn sich Jung und Alt gemeinsam an einen Tisch setzen und etwas zusammen machen: Texte, Fotos, Bilder, Zeichnungen, Gedichte, Lieder, Filme, Skulpturen, Projektideen, Performance oder Flashmobs ...! Es kann etwas ganz Kleines sein. Aber es darf natürlich auch aufwändig werden!

Zeig es uns! Bitte sende das Werk (falls versandfähig) bis 30. April an: Takano-Fachstelle Badenerstrasse 69 Postfach 1344 8026 Zürich oder gib uns Bescheid über das Projekt! (takano@emk-schweiz.ch) Alle Resultate dieses Wettbewerbs werden an der Konferenz in Aarau in einer Ausstellung präsentiert. Natürlich gibt es dabei auch Preise zu gewinnen! Es würde uns freuen, wenn du dich auf eine andere Generation einlässt!

DAS VIDEO ZUM THEMA

VORMERKEN!

Wir haben ein paar Personen aus EMK-Gemeinden gefragt, wie sie das Miteinander von Jung und Alt erleben. Daraus haben wir einen 6-Minuten-Film gemacht! Siehe unter: www.emk-schweiz.ch, www.takano-online.ch

Jährliche Konferenz 18.–21. Juni 2015 in Aarau Veranstaltungen zum Thema: Samstag, 20. Juni, Freie Christengemeinde Aarau, 09.00–12.30: Mit dem Sprachkünstler Bänz Friedli und Podiumsgespräch zum Thema der Generationen Sonntag 21. Juni, Schachenhalle Aarau 10.00–15.30 Uhr: Einen «Miteinander-GottesdienstTag» erleben!

Bitte zeige diesen inspirierenden Clip im Bezirksvorstand, in Gottesdiensten, an Sitzungen oder im Hauskreis, und lasst euch darauf ein!

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ZENTRALE DIENSTE

Agenda SA, 7. MÄRZ Dynamo – Theologie für die Gemeindepraxis Methodistische Theologie EMK Zürich Zelthof 9.00–12.30 Uhr Infos / Anmeldung: Fachstelle Bildung+Beratung, 044 299 30 87, bildungundberatung@emk-schweiz.ch SA, 14.MÄRZ Praktikanten: Sujeevan Somasundaram und Carmen Berger

Neue Praktikanten in der Zentralverwaltung

Erlerntes anwenden Von Gisbert Dörr

2013 hatte sich die Leitung der Zentralverwaltung und der Zahlstelle entschieden, auch im Ausbildungsbereich wieder gesellschaftliche

Carmen Berger ist 21 Jahre und kommt aus Seewis im Prätigau. Ihre Hobbies sind Lesen und Theater spielen. Sujeevan Somasundaram ist vor 20 Jahren in Schlieren geboren. Seine Hobbies sind Leichtathletik und HipHop Tanzen.

Verantwortung zu übernehmen. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit waren positiv.

Im Februar 2014 hatte dann Kevin Mattmann eine 12-monatige KV Praktikumszeit angetreten. Die guten Erfahrungen legten die Basis für eine Fortsetzung. So konnten am 2.2.2015 zwei Praktikanten in der Zentralverwaltung ihre Tätigkeit aufnehmen:

Beide habe 18 Monate theoretische Ausbildung an der HSO Wirtschaftsschule in Zürich absolviert. Nach 12 Monaten werden Sie an die Schule zurückkehren und dort ihren Abschluss als Kauffrau /Kaufmann mit eidgnössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) machen. Wir wünschen Carmen und Sujeevan eine spannende Praktikumszeit.

Kurz notiert

Hotel Artos erhält den HolidayCheck Award 2015 Das Hotel Artos in Interlaken kommt bei seinen Gästen gut an: viele von ihnen bewerteten das Hotel auf dem Reiseportal HolidayCheck positiv. Gemeinsam mit 40 weiteren Schweizer Hotels wurde es nun mit dem HolidayCheck Award 2015 ausgezeichnet. Gut 100 Gäste, die das Hotel Artos in den letzten zwei Jahren bewertet haben, gaben ihm auf der Internetplattformen für Hotelbewertungen die Note 5,6 von 6 und 96 Prozent empfehlen es weiter. Quelle: MK-News-

«Mein Alter ist meine Chance» Fachtagung Leben 55 plus 9.00–16.00 Uhr Pauluskirche, EMK Aarau Infos / Anmeldung: Heidi Schnegg, 044 299 30 88, leben55plus@emk-schweiz.ch SA /SO, 7./8. MÄRZ Stufen des Lebens Weil du JA zu mir sagst Bibelheim Männedorf Kosten: ab CHF 85.–, zzgl. Übernachtung Infos / Anmeldung: Peter Knecht, 043 433 06 34, info@stufendeslebens.ch SA, 28. MÄRZ Dynamo – Theologie für die Gemeindepraxis Lernpsychologie 1 EMK Zürich Zelthof 9.00–12.00 Uhr Infos / Anmeldung: Fachstelle Bildung+Beratung, 044 299 30 87, bildungundberatung@emk-schweiz.ch SA, 28. MÄRZ Samstagspilgern Rapperswil-Etzelpass-Einsiedeln 9.20 Uhr ab Rapperswil Kosten: ab CHF 10.­– Infos / Anmeldung: Walter Wilhelm, 061 311 35 86, mail@pundw.ch DO, 2. APRIL the last supper netV-Abend EMK Niederuzwil Infos: Michael Breiter, 079 782 56 94 SO, 26. APRIL – SO, 2. MAI Kalligraphie-Kurs mit Frieda Zwahlen Hotel Artos, Interlaken Kosten ab CHF 1002.– pro Person Infos / Anmeldung: Hotel Artos Interlaken, www.artos.ch Kirche und Welt  Nr. 03/2015

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IHRE MEINUNG

Zu «Kirche und Welt» 02.2014, S.8–12

Teils selber schuld Impressum Zeitschrift der Evangelisch-metho­distischen Kirche in der Schweiz: Erscheint monatlich Redaktor: Sigmar Friedrich Redaktionsgruppe: Martina Läubli, Michael Schwaller Redaktionsadresse: Kirche und Welt, Postfach 1344, 8026 Zürich Telefon 044 299 30 85 redaktor@emk-schweiz.ch Abonnement: Schweiz: CHF 54.– (für Mitglieder und Freunde der EMK freiwillig) Ausland: CHF 75.– Postcheckkonto: EMK Schweiz, Zeitschrift Kirche und Welt, 8004 Zürich, 80-23018-5 Adressänderung/Abbestellung: Zentralverwaltung EMK Postfach 1344, 8026 Zürich Tel. 044 299 30 80, Fax 044 299 30 89 Mail: zentralverwaltung@emk-schweiz.ch Anzeigenverwaltung: Jordi AG – das Medienhaus Christian Aeschlimann Aemmenmattstrasse 22, 3123 Belp Telefon 031 818 01 25 Telefax 031 819 38 54 E-Mail: inserate.kuw@emk-schweiz.ch Insertionsschluss für 04/2015: 12.03.15 Grafik + Gestaltung: P+S Werbung AG, 8184 Bachenbülach www.pswerbung.ch Druck / Vertrieb: Jordi AG – das Medienhaus, 3123 Belp www.jordibelp.ch Kirche und Welt wird klimaneutral hergestellt: www.preservecreation.ch Bildnachweise: S.1,8–9 Tatiana Gladskikh, 123rf.com S.2 Plaßmann, gemeindebrief.de S.3,5,7,10–11 KuW S.3 huaxiadragon, photoXpress.com S.4 Katharina Wieland Müller, pixelio.de S.9,14–17,22–23 zVg S.12–13 JMG, pixelio.de S.18–19 Reuben Degiorgio, flickr.com

Imageprobleme? Da sind wir zum Teil selber schuld. Wenn Mohammed, der Islam, Allah und andere Religionen verspottet werden, gibt es weltweit Aufschreie. Warum schweigen christliche Würdenträger zu all den negativen Berichten über Freikirchen und das Christentum? Da bewundere ich Moslems, die sich für ihren Glauben stark machen. Aber nicht dass ich die Vorgehensweise extremistischer Gruppen begrüsse. ... Als Christen sollten wir doch immer wieder Lügen widerlegen und Missstände gewisser sektiererischen Gruppierungen offenlegen und ansprechen. ... Gerhard Steiner, Oberdorf

Zu «Kirche und Welt» 02.2014, S.8–12

Mit den Falschen «im Bett» Herr Schwaller fühlt sich von den reisserischen Schlagzeilen der Medien unfair behandelt und nicht erkannt. Er sieht die Lösung in professioneller Medienarbeit. Frau Streit-Stettler bestätigt denn auch, dass die Freikirchen ein Imageproblem haben, und schlägt ebenfalls direkteren Kontakt zu den Medien vor. TAKANO versucht dem BSV zu erklären, dass sein ganzheitliches Verständnis von Mission und Evangelisation so ausgelebt wird, dass Gruppendruck vermieden werden kann, ohne allerdings konkret zu beschreiben, wie das im Alltag aussehen soll.   Die Wurzel des Problems ist damit nicht erkannt. Die EMK befindet sich im Spannungsfeld zwischen der reformierten Kirche auf der einen und evangelikalen und pfingstlerischen Gruppierungen auf der anderen Seite. Sie ist nicht klein, sondern weltweit tätig und hat, Gott sei Dank, ein äusserst demokratisches System. Die EMK ist aber m.E. (nicht nur in den Grundzügen ihrer Lehre) kaum von der reformierten Kirche zu unterscheiden. Die Schnittmenge für eine Fusion wäre gross genug. Dennoch bleibt sie Freikirche. Warum?   Mitgrund dafür ist die Person John Wesleys und seine theologischen Schwerpunkte. Doch ein anderer Grund ist, dass die EMK die evangelikal-freikirchlich ausgerichteten Gemeindeglieder einbinden muss und will. So lassen wir hier und dort manche Ideen aus dieser Ecke einfliessen und legen uns durch unsere Mitgliedschaft mit der Evangelischen Allianz mit Gruppierungen ins Bett, welche eindeutig sektiererische Merkmale aufweisen. Sie vertreten biblisch nicht haltbare, die Menschen schädigende Moralvorstellungen, arbeiten gezielt mit Gruppendruck, missionieren aggressiv und evangelisieren mit Angstmacherei. Sie verweigern Frauen gleiche Rechte, und versuchen Drogensüchtige durch Freibetungen zu heilen. ... u.a.m. ... Wer sich solche Freunde sucht, darf entsprechende Schlagzeilen nicht fürchten. ...   Bevor wir also als Vertreter der EMK den vermehrten Kontakt zu Medien suchen, sollten wir wissen, wo wir stehen, und die Identitätskrise auch strukturell überwinden. Lukas Forster, Basel

HINWEIS Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen.

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BISCHOFSBÜRO

Patrick Streiff: «Allein zur Ehre Gottes – das haben alle Religionen gemeinsam.»

Was wirklich zur Ehre Gottes beiträgt

«Soli Deo Gloria!» Von Bischof Patrick Streiff

Allein zu Gottes Ehre – so steht es auf vielen Inschriften in Kirchen. Menschen trugen und tragen dieses Anliegen in ihrem Herzen. Dennoch vermehrt ihr Tun nicht immer Gottes Ehre.

Anfang Januar geschahen die abscheulichen Attentate in Paris. Anschliessend kam es zu riesigen Demonstrationen, bei denen Menschen ihre Solidarität mit den Opfern bekundeten. Die Attentäter waren überzeugt, im Namen Gottes und zu seiner Ehre zu handeln.

Attentate ‹im Namen Gottes›? Geschändete Ehre Im Nachgang zu den Attentaten las ich den Bericht[1] eines marokkanischen Schriftstellers, der in den Niederlanden aufgewachsen war. Abdelkader Benali schildert, dass sein Geschichtslehrer über die Fatwa gegen Salman Rushdie sprach und er sich als Dreizehnjähriger empörte, wie er es in seiner Schulklasse noch

nie getan hatte. Er steigerte sich in eine Wut hinein, weil er die Ehre des Propheten geschändet sah. Er schreibt: «Zum ersten Mal merkte ich, was es hiess, ein Muslim zu sein.» Mit siebzehn Jahren las er in einer Ecke der Schulbibliothek das Buch von Rushdie «Die satanischen Verse»: «Das Buch bestätigte, was ich die ganze Zeit tief in mir geahnt hatte: Eine freie und offene Gesellschaft ist eine Bedrohung für gläubige Menschen. Ihre Religion wird verspottet, manchmal wird sie sogar unterdrückt. Und das schürt Zorn.» Säkulare Formen Allein zur Ehre Gottes – das haben alle Religionen gemeinsam. Im Protestantismus war dies am ausgeprägtesten der Wahlspruch des Reformators Calvin. Doch welches Verständnis von Gott, von seinem Handeln und Wesen, von seinem Willen und Wirken, prägt die Menschen, die zur Ehre

Gottes leben wollen oder sogar überzeugt sind, die Ehre Gottes verteidigen zu müssen? Und wie häufg kommt es in unserer säkularen Welt zu pseudo-religiösem Einsatz für die Ehre des Landes, die Ehre des eigenen Volkes oder die Ehre einer gemeinsamen Idee!

Welches Verständnis von Gott haben wir? Liebe ehrt Gott Wir tun als Christen gut daran, den Dreischritt der Liebe im Mittelpunkt zu halten, den Wesley in den Kennzeichen eines Methodisten beschrieben hat: 1. die Liebe Gottes zu uns zu erfahren; 2. Gott von ganzem Herzen zu lieben; 3. und seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben. Das trägt zur Ehre Gottes bei! [1] http://is.gd/nzz_benali

AUS DEM REISEKALENDER DES BISCHOFS IM MÄRZ 6.–7. 11.–17. 28.–29.

Vorstand Schweiz-Frankreich-Nordafrika Exekutive der Zentralkonferenz und Superintendententreffen, Warschau, Polen Distriktskonferenz Frankreich (UEEMF)

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THEMA

Im Spannungsfeld zwischen künstlicher Befruchtung und Adoption

Wenn Paare keine Kinder bekommen können Von Ute Richter

Unerfüllter Kinderwunsch ist in unserer Gesellschaft ein häufig diskutiertes Problem geworden. Etwa 15% aller Paare in der Schweiz haben Schwierigkeiten, ein Kind auf natürliche Weise zu zeugen.

Gemäss statistischer Erhebungen gibt es von Jahr zu Jahr mehr Betroffene. Über den Grund dieser Entwicklung kann man spekulieren. Fest steht jedenfalls: Sich ein Kind zu wünschen und nicht schwanger werden zu können, ist eine meist unerwartete und auch bedrückende Erfahrung. Das, was anderen als Geschenk der Liebe und des Himmels einfach selbstverständlich zuteil wird, ist einem selbst verwehrt. Belastende Situation Bei manchen Paaren entsteht der Eindruck, irgendwie unvollkommen und benachteiligt zu sein. Wenn man versucht, mittels Wissenschaft, Arztterminen, Abklärungen oder auch «geplantem Beischlaf» der Natur auf die

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Sprünge zu helfen, ist das psychisch belastend und entspricht auch nicht unserer Idealvorstellung der Gestaltung von Beziehungen.   Statistisch kommt es bei Männern und Frauen etwa gleich häufig zu Fruchtbarkeitsstörungen: in je etwa 30% der Fälle sind die Ursachen allein bei der Frau oder allein bei dem Mann oder bei beiden zu finden. In etwa 10% der Fälle bleiben die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch völlig unklar.

Die Ursachen können beim Mann oder der Frau liegen Künstlich befruchten Bei unerfülltem Kinderwunsch können unterschiedliche medizinische Verfahren helfen. So kann eine künstliche Befruchtung stattfinden. Am bekanntesten sind die «Intracytologische Spermieninjektion» (ICSI) und die «In-vitro-Fertilisation» (IVF). Bei dem IVF-Verfahren werden nach hormoneller Stimulation reife Eizellen aus dem Eierstock entnommen und

dann im Labor mit den aufbereiteten Spermien zusammengebracht. Nach 18 bis 24 Stunden kann man feststellen, ob die Befruchtung erfolgreich war. Zwei bis drei der nun befruchteten Eizellen werden im Anschluss «in vitro» («im Reagenzglas») weiter kultiviert und nach zwei bis drei Tagen in die Gebärmutter der Frau eingesetzt.   Bei der ICSI Methode kontrolliert man die Befruchtung noch weiter: ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert. Das Verfahren wird vor allem dann angewandt, wenn die männliche Fruchtbarkeit, also die Beweglichkeit der Spermien, Einschränkungen unterliegt oder wenn vorhergehende IVF-Behandlungen keinen Erfolg zeigten. Scheitern alle Versuche mit eigenem Samenmaterial, gibt es die Möglichkeit, eine anonyme Samenspende in Anspruch zu nehmen. Nur teilweise erfolgreich Mindestens tausend Kinder kommen in der Schweiz jedes Jahr dank einer Samenspende zur Welt. Das Gesetz er-


THEMA

laubt eine Samenspende für verheiratete heterosexuelle Paare. Allerdings bleiben etwa die Hälfte aller Paare, die sich einer Therapie unterziehen, dennoch kinderlos.

Die Hälfte der Paare bleibt dennoch kinderlos Probleme bleiben Die genannten Methoden werfen unterschiedliche ethische Probleme auf. Bei der IVF Behandlung werden nicht alle befruchteten Eizellen ausgetragen, ein Teil wird vernichtet. Der Mensch nimmt also hier eine Auswahl vor und zwar nach dem Zeitpunkt, an dem Leben gemäss Definition bereits begonnen hat. Massen wir uns in diesem Verfahren nicht an, «Gott zu spielen»?   Von sehr praktischer Art sind Herausforderungen, die sich aus einer anonymen Samenspende ergeben. Ist es vertretbar, einem Menschen die Information vorzuenthalten, wer sein Vater ist? Und wenn man selbst meint, es ist vertretbar: Kann ein Kind es

auch einfach so verkraften, «anonymer Herkunft» zu sein? Ein anderer Weg Es ist ein grosses Ur-Bedürfnis und Glück, selbst Kinder zu bekommen und biologisch gesprochen, die «eigenen Gene weiterzugeben». Dennoch lohnt es, sich bei unerfülltem Kinderwunsch mit Alternativen zu beschäftigen: der Adoption eines oder mehrerer Kinder.   Es gibt in unserer Gesellschaft Kinder, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht bei den leiblichen Eltern aufwachsen können. Solchen Kindern Eltern zu werden, kann eine beglückende Erfahrung für alle Beteiligten sein. Eltern sein ist unendlich mehr, als bloss die Zeugung und Geburt eines Kindes. Was ich bei Freunden und Verwandten beobachte, die Kinder adoptiert haben: Die biologische Elternschaft wird ziemlich unwichtig im Vergleich zu den anderen Aspekten des Elternseins, die da im Laufe dieses Abenteuers «Familienleben» auf Eltern und Kinder zukommen.

Mehr als Fortpflanzung Der Wunsch nach einem Kind sollte mehr sein, als sich selbst fortpflanzen zu wollen und die eigenen Gene weiterzugeben. Es sollte auch der Wunsch sein, ein Kind auf seinem Weg in jeder Weise zu begleiten, Verantwortung zu übernehmen, sich um einen Menschen mit ganzer Hingabe und Liebe zu kümmern. Insofern ist es eine gute Sache, dass viele Paare sich Kinder wünschen, und ein Grund zur Freude, wenn dieser Wunsch erfüllt wird.

ZUR PERSON Ute Richter ist leitende Hebamme und Leiterin der Geburtsstation und der Gynäkologie am Bethesda Spital in Basel.

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THEMA

Irene und Peter Hafner: «Der Weg der Adoption ist uns in verschiedener Hinsicht zum Geschenk geworden.»

Wie Hafners innert 14 Tagen zu Eltern wurden

«Nein, wir brauchen den Kinderwagen Von Sigmar Friedrich

Irene und Peter Hafner haben ihre Tochter Sabrina (28) und ihren Sohn Olivier (25) adoptiert. Sie erzählen von ihren Erfahrungen.

Irene und Peter, wie alt waren eure Kinder, als ihr sie adoptiert habt? Irene: Sabrina war drei Monate alt, Olivier vier Monate. Peter: Der Grund dafür liegt darin, dass die Mutter während drei Monaten das Recht hatte, ihre Entscheidung zu widerrufen. Wo waren die Kinder so lange? I.: Das kam auf den Vormund an. Unserer wählte den Weg, sie einer Zwischenpflege anzuvertrauen. Wann habt ihr erfahren, dass ihr Eltern werdet? I.: Das ist ganz schnell gegangen. Wir haben am 27.12. einen Anruf vom Vormund erhalten. Am 31.12. mussten wir zu ihm. Sabrina ist dann am 9.1. zu uns gekommen. Wir sind also innerhalb von 14 Tagen zu einem Kind gekommen!

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Und in dieser Zeit musste alles für das Kind vorbereitet werden! P.: Ja, wir mussten zum Beispiel den Kinderwagen noch kaufen. Die Verkäuferin sagte uns: Falls wir eine andere Farbe möchten, könne sie uns die bestellen. Wir sagten darauf: «Nein, wir brauchen den Kinderwagen sofort!» Da hat sie Irene von oben bis unten angeschaut – und offenbar gedacht: «Das sind komische Leute! Die meisten Frauen kommen mit einem dicken Bauch und haben noch ein wenig Zeit!» Das sind Erlebnisse, an denen du merkst: Das ist alles ein wenig anders...

«Ihr Mann muss dann aber auch zum Arzt!» Wie seid ihr zu der Entscheidung gekommen, Kinder zu adoptieren? P.: Wir waren, als wir geheiratet haben, 25 und 23 Jahre alt. Nach der Heirat hatte Irene sich in ihrem Beruf wohl gefühlt. Bald jedoch haben wir uns Kinder gewünscht. Aber es ist nichts passiert. Daraufhin ist Irene zur Abklärung zum Arzt gegangen. Der sagte ihr: «Aber Ihr Mann muss dann auch zum Arzt!» Es kann eben

beide betreffen! Die medizinischen Abklärungen zeigten, dass die Chancen auf eigene Kinder bei uns sehr klein sind.   Das war auch eine Zeit der Enttäuschung, dass uns verwehrt ist, eigene Kinder zu haben. Wichtig war für uns aber, dass wir uns in dieser Zeit nie gegenseitig Vorwürfe gemacht haben. Durch unsere EMK Gemeinde in Niederuzwil konnten wir eine Familie kennenlernen, die Kinder adoptiert hatte. Durch diesen Kontakt ist in uns die Überzeugung gewachsen, dass das auch für uns ein Weg sein könnte. Dann haben wir uns bei der Vermittlungsstelle gemeldet... I.: ... und es wurde uns gesagt, was wir alles vorlegen müssen: Wir sollten einen Lebenslauf schreiben – jeder für sich. Ein Schwerpunkt sollte auf den Kinder- und Jugendjahren liegen: Wie hast du dein Daheim und deine Eltern erlebt? P.: Ausserdem ein Auszug aus dem Strafregister, Angaben über unsere finanzielle Situation und auch Referenzen. Das wurde ein ziemlich umfangreiches Dossier.


THEMA

sofort!» I.: Als wir das alles zusammen hatten, hatten wir mit Frau B. von der Vermittlungsstelle ein Erstgespräch. P.: Die erste Frage, die sie uns stellte, war: «Würden Sie dem Kind sagen, dass es adoptiert ist?» Das war ihr das Wichtigste. Denn da ging schon viel in die Brüche, wenn Kinder oder Jugendliche das erst später erfahren haben.

Danach folgte eine Wartezeit Danach erhielten wir Besuche: von der Fürsorgestelle der politischen Gemeinde, und auch Frau B. ist hier gewesen. Ganz bewusst folgte dann eine Wartezeit. Damals waren das etwa zwei Jahre. Wann und wie habt ihr mit euren Kindern über die Adoption gesprochen? I.: Sobald Sabrina reden konnte, etwa mit eineinhalb oder zwei Jahren, hat sie Fragen gestellt. Das erste Mal, als wir eine schwangere Frau gesehen haben. Da fragte sie: «Gell, Mami, i bi au bi dir im Buuch inne gsii?» Und ich

sagte: «Nein, du warst nie in meinem Bauch. Du warst bei einem anderen Mami im Bauch.» – Für den Moment war das ausreichend. Immer dann, wenn die beiden Fragen hatten, haben wir die Fragen beantwortet. P.: Das offene Gespräch hat Vertrauen geschaffen, das uns bis heute begleitet. So schätzen sie uns bis heute: dass man mit uns über alles reden kann. I.: Sabrina hatte mit 15 eine Zeit, in der sie sehr stark gedrängt hat. Sie wollte wissen, wer ihre Eltern sind. Ich habe zu ihr gesagt: «Weisst du, Sabrina: Wir können diesen Weg miteinander gehen. Aber das hat auch Konsequenzen für Olivier. Der ist jetzt 12 Jahre alt.» Sie hat dann in unserem Büro die Akten studiert. Ich bot ihr an, wir könnten auch einmal gemeinsam in Zürich anrufen und fragen. Aber das wollte sie dann nicht.   Olivier hat vieles «nebenher» mit genommen. Sabrina stellte viele Fragen. Er sass still dabei und hörte zu. Dann hat er uns überrascht, als er die Lehrabschlussprüfung gemacht hat. Für seine Selbstvertiefungsarbeit wählte er das Thema «Adoption».

P.: Das war für uns eine wertvolle Möglichkeit, auch mit ihm vertieft über dieses Thema ins Gespräch zu kommen. Ich habe ihn intensiv begleitet in dieser Arbeit.   Der Weg der Adoption ist uns in verschiedener Hinsicht zum Geschenk geworden. Einerseits hat Gott für uns die beiden wie vorbestimmt, er hat sie uns anvertraut. Und er hat uns auf dem Weg begleitet, in schönen und in schwierigen Zeiten.   Wir durften durch unsere Kinder offen und neugierig werden für spezielle, uns zuerst fremde Wege. Das Vertrauen und die grosse Offenheit haben uns gegenseitig zu Beschenkten gemacht. 

PERSÖNLICH Irene und Peter Hafner gehören zur EMK Gemeinde in Eschlikon. Ihre Kinder Sabrina (28) und Olivier (25) sind leibliche Geschwister.

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THEMA

Religiöse Aussagen zu Adoption und künstlicher Befruchtung

«... als hätte er es geboren» Von Sigmar Friedrich

Was tun, wenn der Wunsch nach eigenen Kindern unerfüllt bleibt? Auf Kinder verzichten? Die Adoption von Kindern anstreben? Medizinische Hilfe in Anspruch nehmen? Wie sieht das aus der Sicht des christliche Glaubens aus? Wie urteilen andere Religionen?

In den erzählenden Texten des Alten Testamentes finden sich verschiedentlich Vorgänge, die unter heutigen Vorzeichen wohl als Adoption angesehen würden: die Söhne, die Bilha und Silpa, die Mägde von Rahel und Lea, zur Welt bringen, gelten als Kinder Rahels oder Leas (Gen 30,4–13). Mordechai nimmt seine Cousine Ester nach dem Tod ihrer Eltern als Tochter an (Est 2,7). Nicht klar geregelt Die Erzählungen um Rahel und Lea und andere kinderlose Frauen sind getragen von der Überzeugung, dass Kinder eine Gabe Gottes sind und Kinderlosigkeit eine Schande (vgl. 1. Sam 1). Mordechai nimmt mit seinem Handeln die verwandtschaftlichen Beziehungen ebenso ernst wie

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die Weisung Gottes, die Waisen unter Gottes besonderen Schutz stellt (Ex 22,21, Dtn 10,18 u.a.).   Rechtliche Anweisungen zur Adoption gibt es im Alten Testament allerdings nicht. Im Neuen Testament gibt es nur eine Stelle, in der die Waisen vorkommen. Sich ihnen zuzuwenden ist ein Ausdruck «reiner Frömmigkeit» (Jak 1,27). Der Fachbegriff für «Adoption» bleibt jedoch der neuen Beziehung zwischen Gott und den Glaubenden vorbehalten (Gal 4,4f.).

Gott adoptiert die Glaubenden Keine «richtige» Adoption Im Talmud wird festgehalten, «dass wenn jemand ein Waisenkind in seinem Haus grosszieht, es ihm die Schrift anrechnet, als hätte er es geboren.» (Sanh. 19b) Auch in der christlichen und muslimischen Frömmigkeit gilt den Waisen zusammen mit anderen hilfsbedürftigen Personenkreisen ein hohes Mass an Aufmerksamkeit und Zuwendung. Allerdings werden die Waisen dabei nicht in unserem rechtlichen Sinne adoptiert, sondern eher als Pflegekinder gross

gezogen. Speziell in der muslimischen Tradition behalten sie auch ihren ursprünglichen Familiennamen.

Problematische ‹Herrschaft der Technik› Lieber nicht künstlich Im Christentum wird in der frühen Zeit die Adoption nur dort diskutiert, wo es um das Verhältnis Jesu zu GottVater geht. Dass kinderlose Ehepaare statt mithilfe künstlicher Befruchtung ihren Kinderwunsch zu erfüllen, Kinder adoptieren sollen, wird in der jüngeren Zeit vor allem von katholischer Seite betont. Dies verbindet sich mit der Abgrenzung gegenüber der künstlichen Befruchtung, besonders gegenüber der In-vitro-Fertilisation. Diese Zeugung im Reagenzglas errichte «eine Herrschaft der Technik über Ursprung und Bestimmung der menschlichen Person» (Donum vitae, II.B.5.).   Im evangelischen Bereich gibt es eine ähnliche Zurückhaltung gegenüber einer ausserhalb des Mutterleibes stattfindenden künstlichen Befruchtung. «Aber die Not der ungewollten Kinderlosigkeit darf nicht gering geschätzt werden. Der


THEMA

Kinderwunsch: Die sozialen Grundsätze der EMK setzen sich für die Adoption ein.

Gedanken zu Kirche und Gesellschaft

Die Qualität soll stimmen

Wunsch nach einem Kind rechtfertigt jedoch noch nicht jede medizinische Massnahme», heisst es in einer Stellungnahme der EKD («Achtung vor dem Leben»).

Den Kinderwunsch erfüllen Keine Einwände Auch die russisch-orthodoxe Kirche lehnt eine Zeugung menschlichen Lebens im Reagenzglas ab. Die griechisch-orthodoxe Kirche dagegen sieht in der In-vitro-Befruchtung der weiblichen Eizelle eine Möglichkeit für verheiratete Paare, wie sie ihren Kinderwunsch erfüllen können. Auch im Judentum und im Islam findet sich eine ähnliche Offenheit, die ebenfalls nur bestimmte Rahmenbedingungen fordert, aber grundsätzlich keine Einwände gegen eine künstliche Befruchtung erhebt.

Nur zur Adoption Die «Sozialen Grundsätze» der EMK nehmen ausführlich die Fragen der Adoption auf. Die Situation der Adoptiveltern und der Adoptivkinder kommen dabei zur Sprache. Damit erhält die Adoption ein starkes eigenes Gewicht. «Wir fördern und unterstützen Bewusstseinsbildung, um für möglichst viele Kinder eine Adoption zu ermöglichen», heisst es denn auch in dem entsprechenden Abschnitt (II. L)). Schon zuvor wird festgehalten, dass auf einer in beidseitiger Treue und Hingabe gelebten «Ehe der Segen Gottes ruht, auch wenn sie kinderlos bleibt» (II. B)). Auf Fragen der künstlichen Befruchtung, um den Wunsch nach Kindern zu erfüllen, gehen die Sozialen Grundsätze hingegen nicht ein.

Wenn schon kein Kind auf natürlichem Weg, dann soll das künstliche gezeugte Kind wenigstens gesund sein. Diese Logik ist bestechend. Am 14. Juni soll die Verfassung per Volksabstimmung so geändert werden, dass die Gesundheit von künstlich gezeugten Embryos getestet werden darf. Verbunden damit soll es möglich sein, mehr Embryos auf einmal künstlich zu erzeugen und aufzubewahren.   Immer mehr ältere Menschen wünschen sich Kinder. Doch je älter Menschen sind, desto weniger fruchtbar sind sie und desto grösser werden die Risiken, ein krankes Kind zu zeugen. Die künstliche Befruchtung ist eine mögliche Antwort. Besonders gilt dies für Personen mit Erbkrankheiten. Mit der so genannten Präimplantationsdiagnostik können sie das Risiko von kranken Nachkommen deutlich senken. Zugleich stellen sich einmal mehr Fragen nach dem Wert menschlichen Lebens: Wie qualitativ hochwertig muss ein Mensch sein, damit er gezeugt werden darf? Was ist mit Eltern, die diese Qualitätskontrolle bei ihren künstlich befruchteten Embryos nicht anwenden wollen? Wird die Gesellschaft dies tolerieren und mittragen, auch wenn dadurch ein behindertes Kind gezeugt wird? Schwierige Fragen. Wir müssen sie bald schon an der Stimmurne beantworten.  Jörg Niederer

QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN: www.emk-kircheundgesellschaft.ch http://is.gd/ivf_ekd http://is.gd/ivf_rk

http://is.gd/ivf_gr http://is.gd/person_cig

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CONNEXIO

Zum Tod von Louise Werder (2.2.1920 –27.12.2014)

Ein Leben für die Mission Von Andreas Stämpfli

Am Samstag, 27. Dezember 2014 ist Louise Werder nach einem reich erfüllten Leben im 95. Lebensjahr in Lubumbashi, Demokratisch Republik Kongo, gestorben.

Louise Werder war eine der bekanntesten Missionarinnen der EMK der Schweiz. Als sie sich mit 25 Jahren entschlossen hat, «in die Mission zu gehen», war dies für die gelernte Schneidern eine Entscheidung für ihr ganzes Leben. Entsprechend umfassend gestaltete sich die knapp sechsjährige Vorbereitungszeit, die unter anderem ein Jahr Sozialpraktikum im Marthaheim in Lausanne, zwei Jahre soziale Frauenschule in Zürich, ein Jahr Französischlernen in Lausanne sowie ein Jahr Bibelschule in Vennes umfasste. Das Leben teilen Im September 1951 reiste sie im Auftrag der Frauenmissionsgesellschaft der Methodistenkirche nach Algerien aus. Dort arbeitete sie zuerst als Hilfe für Schwester Helen Manz in Les Ouadhias, in den kabylischen Bergen. Sie lernte Kabylisch und konnte bei vielen Krankenbesuchen in den Bergdör-

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fern den Menschen das Evangelium in Wort und Tat vermitteln. 1957 übernahm sie die Leitung eines Tagesheims für Mädchen in Constantine. Einige Jahre später wurde sie Schulleiterin in Alger. Zu jener Zeit arbeiteten mehrere Missionarinnen und Missionare aus Methodistenkirchen in der Schweiz und in Amerika in Algerien. Sie wurden alle durch die amerikanische Frauenmissionsgesellschaft angestellt und betreut. Ihr Einsatz beschränkte sich nicht auf die Ausübung eines Berufs wie Krankenschwester, Lehrer oder Ärztin. Vielmehr ging es darum, das ganze Leben mit einheimischen Menschen zu teilen, miteinander zu essen, zu singen, Gottesdienste zu feiern, über Freuden und Leiden auszutauschen und einander ganzheitlich zu unterstützen.   Dank der Zusammenarbeit mit der amerikanischen Methodistenkirche lernte Louise Werder auch Englisch. Sie wurde mehrere Male nach Nordamerika eingeladen und berichtete auch dort – zusätzlich zu den Heimaturlauben in der Schweiz – über ihre vielseitige Tätigkeit in Algerien. Die Arbeit wird behindert In jener Zeit wurde in Algerien der blu-

tige Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich ausgetragen. Louise Werder blieb trotz vieler gefährlicher Situationen im Land. Nach der Unabhängigkeit im Jahre 1962 wurde die Arbeit der Christen in diesem muslimischen und sozialistischen Staat immer mehr behindert. Ende Dezember 1969 wurde Louise Werder zusammen mit andern Missionarinnen aus Algerien ausgewiesen und kehrte in die Schweiz zurück.

Aus Algerien wurde sie ausgewiesen Neu beginnen im Kongo Durch Vermittlung von Alfred Honegger, damaliger Missionssekretär in der Schweiz, und dem kongolesische Bischof Shungu eröffnete sich bereits einige Monate später eine neue Arbeitsmöglichkeit für Louise Werder im Kongo (damals Zaïre), wohin sie wiederum durch die amerikanische Missionsgesellschaft geschickt wurde. Im September 1970 reiste sie in dieses Land, das immer wieder von Bürgerkriegen und Interventionen ausländischer Armeen erschüttert wurde.   Während der ersten sechs Jahre arbeitete Louise Werder in Kamina, Nord-


CONNEXIO

Wirkungsfelder (v.l.n.r.): Louise Werder mit Bischof Katembo, im Nähatelier und ihre Mitarbeiterinnen in der Restaurantküche.

katanga, als Lehrerin in der Frauenschule und später auch in einer Sekundarschule. Dazu lernte sie Suaheli und teilweise auch weitere lokale Sprachen.

Eine wichtige Mitarbeiterin des Bischofs Sekretärin des Bischofs 1976 wurde sie Sekretärin von Bischof Wakadilo Ngoy und später von Bischof Katembo Kainda. Als zuverlässige und sprachgewandte Mitarbeiterin mit guten Kontakten nach Amerika und in die Schweiz, war sie während Jahren eine der wichtigsten Stützen im Bischofsbüro in Lubumbashi.   1981 initiierte sie die Gründung eines Nähateliers im Centre Méthodiste in Lubumbashi, um kongolesischen Frauen zu eigenen Einkünften zu verhelfen. Als gelernte Damenschneiderin übernahm sie das Zuschneiden der Stoffe – in Nachtarbeit, da sie tagsüber als Sekretärin voll beschäftigt war. Aktive Rentnerin Nach ihrer «Pensionierung» Ende der 80er-Jahre stand Louise Werder weiterhin Bischof Katembo mit Rat und Tat

zur Seite. Sie begleitete ihn noch bis ins hohe Alter an die verschiedenen Jährlichen Konferenzen und nahm mit ihm zusammen die beschwerlichen, wochenlangen Reisen im Busch auf sich. Daneben leitete sie das Nähatelier und zusätzlich gründete sie im Centre Méthodiste auch das Café «Chez Nous», in dem noch heute täglich rund 200 Mahlzeiten verkauft werden. Wie das Nähatelier ist auch das Café eine Arbeitsmöglichkeit für sonst arbeitslose Frauen oder für Frauen, die sonst nie ein eigenes Einkommen hätten.

lich einschlafen. Sie wurde am 30. Dezember 2014 durch Bischof Katembo auf der Missionsstation in Mulungwishi bestattet. An der Abdankungsfeier in Lubumbashi nahmen über tausend Personen teil, und viele begleiteten sie auch auf ihrem letzten Weg nach Mulungwishi.   Am 23. Januar 2015 fand eine Gedenkfeier in der EMK 3x3 in Hunzenschwil statt, an welcher neben Familienangehörigen auch zahlreiche Weggefährtinnen aus der Schweiz teilgenommen haben. 

So oft als möglich war sie im Café ‹Chez Nous› Bleibend daheim In den letzten 25 Jahren verbrachte Louise Werder solange wie möglich fast jeden Tag im Café. Während sie dort früher die Mitarbeiterinnen anleitete, kümmerten sich später diese Frauen um sie. Sie fühlte sich im Kongo zu Hause und wollte deshalb auch im Alter nicht mehr in die Schweiz zurückkehren.   Am 27. Dezember durfte Louise Werder nach einem reich erfüllten Leben in ihrer Wohnung in Lubumbashi fried-

HELFEN SIE MIT! Connexio unterstützt Projekte der EMK im Kongo mit jährlich rund CHF 300 000 Spenden an PC 87-537056-9, EMK in der Schweiz, Connexio, Zürich, IBAN CH52 0900 0000 8753 7056 9 Weitere Informationen unter: www.connexio.ch

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UMSCHAU

Von der Tagung des Arbeitskreises «Naturwissenschaft und Glaube» der EMK Deutschland

Warum ist Gott verborgen? Von Stefan Weller

Vor zwei Jahren gründete sich der Arbeitskreis «Naturwissenschaft und Glaube» der EMK in Deutschland. Initiator war der Physiker Dr. Klaus Bratengeier, Laienmitglied der EMK-Gemeinde in Würzburg. Der Kreis hat mittlerweile über 50 Mitglieder und versteht sich als Dolmetscher in einem spannenden Dialog.

«Wie beeinflussen die modernen Naturwissenschaften das Gottesbild?», hiess das Thema der 3. Jahrestagung des Arbeitskreises am 17. Januar. Wegen des grossen Andrangs erwies sich die Würzburger EMK-Kapelle als zu klein. Die benachbarte Neue Universität stellte einen Hörsaal zur Verfügung, in dem sich etwa 100 Personen versammelten. Vielfalt der Welt Dr. habil. Hansjörg Hemminger entfaltete das Thema zunächst aus der Sicht eines Biologen und Verhaltenspsychologen. Er stellte dar, wie sich Naturwissenschaften und Theologie aktuell wieder annähern. Beide Seiten würden zunehmend lernen, dass

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die Vielfältigkeit der Welt durch die Eindeutigkeit der Naturwissenschaft nicht infrage gestellt ist. Auf naturwissenschaftlicher Seite seien es besonders die theoretischen Physiker, die ein Bewusstsein für die Grenzen der Erkenntnis entwickelt hätten. Die Naturwissenschaften könnten aber helfen, das Verhältnis Gott – Mensch immer wieder neu zu beschreiben. Das gelte gerade auch im Blick auf die Evolution als «Heldengeschichte des Lebens». Ungelöste Rätsel Noch spannender wurde es im Referat des Theologen Prof. Dr. Armin Kreiner aus München. Er setzte sich mit dem Anspruch des sogenannten Naturalismus auseinander, der in seiner erweiterten Form als «ontologischer Naturalismus» davon ausgeht, «dass es nichts gibt, was die wissenschaftliche Methode nicht erhellen und aufklären kann» (Peter Atkins). Wie kann man aus christlicher Sicht auf die Annahme reagieren, das gesamte Universum sei prinzipiell ohne Gott begreifbar und erklärbar? Kreiner erwog zwei Möglichkeiten. Die erste nannte er «Beat them – Schlag sie!» Man könne auf die unge-

lösten Rätsel bei der Welterklärung hinweisen. Richard Swinburne, ein Verfechter dieser Möglichkeit, sagt: «Es gibt Rätsel, die sind zu gross für die Wissenschaft. Die Lösung muss ausserhalb des Rahmens der Wissenschaft liegen.» Solche ungelösten Rätsel seien: 1. die Komplexität, vor allem lebender Organismen, deren Entstehung oft ungeklärt scheint (Hier setzt «intelligent design» an.); 2. die Feinabstimmung der Naturkonstanten und –gesetze im Kosmos, die schon bei geringster Abweichung die Entstehung von Leben unmöglich machen würden und die Hugh Ross «the fingerprint of God» nennt; 3. die Frage nach dem «Urknall», dem Anfang von allem, hinter den man nicht zurückfragen kann; 4. die Entstehung des Bewusstseins. Kein Lückenbüsser Nun überraschte Professor Kreiner das Auditorium mit einem persönlichen Statement: Er halte diesen Weg – «Beat them» – für wenig erfolgversprechend. Denn es handle sich hier lediglich um die Suche nach «Lücken im System». Kann man wirklich si-


EMK-UNTERNEHMEN Rieben Heizanlagen AG 3753 Oey Tel. 033 736 30 70

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Denkanstösse: Hansjörg Hemminger (l.) und Armin Kreiner hielten die Referate in der Neuen Universität in Würzburg. P+S Werbung AG Weieracherstrasse 10 8184 Bachenbülach Tel. 044 864 40 40 www.pswerbung.ch

cher sein, dass es wissenschaftlich unlösbare Rätsel gibt? Und wenn eines, wie z.B. die Entstehung von Komplexität, doch gelöst ist? Beindet sich der «Lückenbüsser-Gott» nicht schon seit Jahrhunderten auf dem Rückzug? Empfehlenswerter sei die andere Möglichkeit: «Join them» – «Schliess dich an!» Es war kein Geringerer als Dietrich Bonhoeffer, der gerade aus theologischer Sicht forderte, wir müssten von der Welt reden und in ihr handeln «als ob es Gott nicht gäbe» (lat. «etsi deus non daretur»). Gott als Arbeitshypothese müsse aus Gründen der intellektuellen Redlichkeit fallengelassen werden. Sinnvolle Verborgenheit Aus christlicher Sicht stellt sich dann aber eine andere Frage: Wenn Gott existiert – warum ist die Welt so beschaffen, dass wir sie ohne Gott erklären können? Warum ist er so verborgen, dass man ihn nicht wissenschaftlich nachweisen kann? Hat seine Verborgenheit, die wir ja alle kennen und unter der wir nicht selten leiden, gar einen tieferen Sinn und Zweck? Der Referent bot drei Antworten an:

1. Vielleicht ist Gott kein Wesen, das in einer kausalen Erklärung eine Rolle spielt. Vielleicht ist er kein Seiendes, sondern das Sein selbst, die «Tiefe des Seins» (Paul Tillich). 2. Vielleicht bleibt Gott deshalb verborgen, weil er festhalten möchte: Die Welt – seine Schöpfung – ist auch in sich selber wertvoll, unüberbietbar schön und logisch. Sie funktioniert auch, wenn er ruht – wie am siebten Schöpfungstag. 3. Vielleicht ermöglicht die Verborgenheit Gottes «Dinge», die anderenfalls nicht möglich wären: Glaube, Hoffnung, Liebe. Denn Glaube ist Vertrauen ohne Beweise; Hoffnung ist der Blick auf das, was man noch nicht sieht; Liebe ist freie Zuwendung ohne eine offensichtliche Instanz, die dazu verplichtet.

Möchten auch Sie in der Rubrik EMK-Unternehmen aufgeführt werden? Kontaktieren Sie Christian Aeschlimann unter der Nummer 031 818 01 42 oder christian.aeschlimann@ jordibelp.ch. Wir freuen uns auf Sie!

Antwort des Herzens Am Schluss lud Kreiner ein zu einem Gedankenexperiment: Wenn tatsächlich eines Tages alle naturwissenschaftlichen Rätsel gelöst wären und der Mensch wüsste, wie die Welt funktioniert, liesse sich immer noch fragen: «Warum ist die Welt, wie sie ist?» (Leibnitz). Und die Antwort des Herzens an den Verstand ist nach wie vor möglich.

MEHR ERFAHREN Informationen zum Arbeitskreis Glaube und Naturwissenschaften inden Sie unter www.emk-naturwissenschaften.de

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SELBSTÄNDIGE WERKE

Birgit Usche arbeitet im NetZ4 mit Obdachlosen

Nur wenige Kirchen öffnen ihre Tore Von Nadia Beusch

Birgit Usche ist Sozialdiakonin und arbeitet für das sozial-diakonische Werk NetZ4 im Zürcher Kreis 4. Hautnah begegnet sie in ihrer Arbeit Menschen, die «kein Dach über dem Kopf» haben.

Birgit, Du arbeitest seit sechs Jahren für NetZ4. Wie hat sich in dieser Zeit deine Arbeit verändert? Wir spüren eine deutliche Zunahme von Arbeitssuchenden aus den EUund andern europäischen Ländern. Menschen, die zuhause wegen der Wirtschaftskrise oder aus andern Gründen ihre Erwerbstätigkeit verloren haben, versuchen ihr Glück in der Schweiz. Vor allem aus Rumänien kommt eine wachsende Zahl von Wanderarbeitern. Einige schaffen es, finden eine Arbeit. Aber es sind nur wenige. Viele gehen frustriert wieder nach Hause. Manchmal haben sie nicht mal mehr genug Geld für die Heimreise. Und wie leben die Personen, die bleiben, ohne Arbeit gefunden zu haben? Viele schlagen sich irgendwie durch. Bei verschiedenen Institutionen, dar-

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unter auch NetZ4, bekommt man etwas zu Essen, darf sich tagsüber in den geheizten Räumen aufhalten, kann duschen, kriegt Kleider oder Hilfe beim Schreiben von Bewerbungen. Problematisch sind die Nächte. Wer keine feste Aufenthaltsbewilligung hat, kann nicht in den städtischen Notschlafstellen übernachten. Die Plätze bei Institutionen sind sehr beschränkt. Zudem darf man dort meist nur eine bis maximal sieben Nächte bleiben.

Heute sind mehr Frauen betroffen Das heisst: viele schlafen draussen, auch im Winter? Draussen unter einer Brücke, auf einer Parkbank, als Tourist getarnt am Flughafen. Auch im Winter. Nach unserer Beobachtung hat die Zahl der Menschen, die so in Zürich ihre Nächte verbringen, zugenommen. Vor sechs Jahren traf ich selten jemanden, der wirklich nirgends übernachten konnte. Heute haben wir sogar mehrere Personen, die als freiwillige Mitarbeiter in unsern Angeboten mithelfen, die kein Obdach haben. Das

Problem ist zum Teil, dass Menschen hierher kommen, eine Wohnung und Arbeit finden, die Arbeit jedoch wieder verlieren und damit oft auch die Wohnung, die sie nicht mehr bezahlen können. Für jemanden, der keinen festen Wohnsitz ausweisen kann, ist es sehr schwierig, eine Arbeit zu bekommen. Ein Teufelskreis. Was bewegt dich an diesem Thema besonders? Zum einen bewegt mich die Tatsache, dass vermehrt Frauen auf der Strasse leben. In meiner Anfangszeit bei NetZ4 kann ich mich an keine einzige erinnern. Heute könnte ich dir sicher fünf aus dem Stegreif mit Namen nennen.   Frauen, die auf der Strasse leben, müssen noch mehr als Männer um ihre Sicherheit bangen. Eine Frau, die ich kennengelernt habe, wurde auf der Strasse vergewaltigt. Eine andere hätte bei einem Mann wohnen können, hätte aber seine «Freundin» werden müssen. Die Gefahr, als obdachlose Frau ausgebeutet zu werden, ist sehr real.   Problematisch erlebe ich auch, dass diese Menschen nur sehr schwer medizinische Betreuung erhalten. Ob-


SELBSTÄNDIGE WERKE

Obdachlos: NetZ4 bietet Menschen, die kein zuhause mehr haben, praktische Hilfe und ein Stück Menschlichkeit.

dachlosigkeit macht auch krank. Wer keine Krankenkasse hat, wird aber nur im Notfall behandelt. Wenn jemand erst gehen kann, wenn es brenzlig wird, heisst dies, dass oft ein längerer Spitalaufenthalt notwendig wird, bis die Person wieder auf den Beinen ist. Das ist teuer und muss von der Allgemeinheit getragen werden. Es fällt also auf uns alle zurück.   Was mich auch beschäftigt ist, dass obdachlose Arbeitsmigranten am ehesten in der Besetzerszene ein Dach über dem Kopf finden. Man könnte sie fast als moderne Samariter bezeichnen! Nur wenige Kirchen öffnen hingegen ihre Tore.

Hausbesetzer als moderne Samariter Was macht NetZ4 in dieser Hinsicht? Wir bewegen uns auf einem schmalen Grat. Einerseits will die Stadt Zürich bewusst keine Unterkünfte für Wanderarbeiter, um für Menschen, die wenig Chancen auf eine Stelle haben, nicht zu attraktiv zu erscheinen. Andererseits sind wir mit Menschen wie du und ich konfrontiert, die einfach

nur arbeiten und leben möchten und in sehr schwierigen Situationen sind. Ihnen und auch dem Gebot der Nächstenliebe fühlen wir uns verpflichtet und möchten ihre Not lindern.

Wir möchten die Not lindern Hat NetZ4 da konkrete Pläne? Wir vermitteln Menschen an Institutionen, die Übernachtungen anbieten, auch wenn dies nur für ein paar Nächte ist. Natürlich sind auch alle am Gassenzmittag und bei unsern andern Angeboten willkommen. Da wir gut mit andern Werken vernetzt sind, können wir auch mal ein Bewerbungscoaching oder andere Unterstützung, die wir selbst nicht anbieten können, organisieren.   Ab März möchten wir einmal pro Monat ein Camp für eine Nacht anbieten. Wir wollen so obdachlosen Menschen, aber auch andern, die einsam sind, eine geruhsame Nacht, Duschmöglichkeit, Möglichkeit Kleider zu waschen und vielleicht am wichtigsten, Gemeinschaft und ein Stück Menschlichkeit schenken.

Kann man dieses Projekt unterstützen? Ja, kann man! Wir suchen Personen, die bei diesen «Kurzcamps» mithelfen, die Teil werden wollen. Und natürlich sind wir auch immer froh um finanzielle Unterstützung für unsere Arbeit. Danke, Birgit, für deine Zeit und den Einblick in deine Arbeit.

MEHR INFOS Birgit Usche, Schreinerin, Hebamme, Sozialdiakonin, arbeitet seit 2009 bei NetZ4. Sie wollen beim erwähnten Kurzcamp mitarbeiten? Kontakt: info@netz4.ch Sie wollen NetZ4 unterstützen? Konto: PC 80- 53406-0

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INSERATE

Zeit für ein Lächeln

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Von Hand genäht – Verbringen Sie kreative Tage im Berner Oberland und geniessen Sie gemeinsame Nähstunden. Sie werden einen Teddy von A bis Z erstellen. Vom Ausschneiden des Schnittmusters bis hin zum Stopfen des Teddys. Die passionierte Teddy-Näherin, Zita Zmoos, zeigt Ihnen wie’s geht. Es sind keine speziellen Vorkenntnisse nötig. 24. bis 26. April 2015 mit Zita Zmoos Preis für Vollpension im Einzelzimmer CHF 296.–; Doppelzimmer CHF 512.–; Kurskosten CHF 230.– pro Person inkl. Material für einen Teddybären

Bibel-Ferienwoche Lebensübergänge – Unser Leben und unsere Umgebung fordert uns durch Veränderungen immer wieder heraus. In fröhlicher Gemeinschaft suchen Sie in der Bibel nach Hilfestellungen, wie Sie sich durch den Heiligen Geist den Herausforderungen erfolgreich stellen können. Lockeres Zusammensein am Abend gehört ebenfalls dazu. 18. bis 23. Mai 2015 mit Lisbeth Brupbacher Preis für Vollpension im Einzelzimmer CHF 650.–; Doppelzimmer CHF 1120.–

Fotokurs Besser fotograieren – Fotograieren, wandern und die Bilder gleich selbst bearbeiten – angesprochen sind Hobbyfotografen, die sich gerne in der Natur bewegen und mehr aus ihrer Kamera und Bildern herausholen möchten. 12. bis 15. Juni 2015 mit René Wethli Preis für Vollpension im Einzelzimmer CHF 471.–; Doppelzimmer CHF 792.–; Kurskosten CHF 260.– pro Person, zusätzlich halbtags Computerkurs möglich für CHF 30.–

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Pfle gefa m ili en familynetwork.ch ist eine christliche Non-Profit-Organisation, die Kindern freilich nicht die Unterstützung eines ganzen Dorfes anbieten kann. Wir setzen uns jedoch dafür ein, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, deren Familien gewisse erzieherische Aufgaben vorübergehend oder dauerhaft nicht übernehmen können, in eine passende Pflegefamilie zu platzieren.

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ZAHLSTELLE

Zahlstelle

Schulung: Interessierten bietet die Zahlstelle einen Workshop mit Beat Hofstetter an.

Beat Hofstetter benennt Eckwerte für das Familienbudget

Damit Geld nicht unbemerkt versickert Von Daniela Deck

Wie viel ist genug? Wir laden Sie ein, diese Frage auf den persönlichen Lebensstandard anzuwenden. Man muss die Entscheidung aber nicht allein treffen. Eine unabhängige Beratung hilft, neue Perspektiven zu finden.

Der Finanzplaner Beat Hofstetter unterstützt Menschen anhand biblischer Prinzipien in Geldfragen. Er ist überzeugt, dass sich jedes Einkommen so einteilen lässt, dass es für alles Wichtige reicht. Das Budget als geschlossener Kreis Die Voraussetzung: Das Budget wird als geschlossener Kreis aufgestellt. Alle Bedürfnisse und Einnahmequellen werden einbezogen. So wird sichergestellt, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen. Ausserdem kann zusätzliches Geld, wie etwa eine Lohnerhöhung, nicht unbemerkt versickern. Doch wie sieht ein geschlossener Finanzkreis praktisch aus?   Nehmen wir eine fünfköpfige Familie und nennen sie Jungmann. Stefan und Antonia Jungmann leben mit

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Anna (10), Joël (8) und Elia (4) im Eigenheim, das sie mit einer Hypothek finanziert haben. Anna hat ein eigenes Zimmer, die beiden Brüder teilen ein Zimmer, wobei sich Joël oft beklagt, er wolle auch ein eigenes Zimmer. Stefan Jungmann pendelt zur Arbeit. Er verdient 80'000.– im Jahr. Antonia Jungmann hat eine Teilzeitstelle vor Ort und verdient 20'000.–. Meistens reicht das Geld. Dass aber für die Gemeinde manchmal nichts übrig bleibt, möchte die Familie ändern. Als Antonia Jungmann 250'000.– erbt, entschliesst sich das Paar zur Finanzberatung. Was raten Sie, Beat Hofstetter, als Finanzplaner der Familie Jungmann? Das Erbe sollte in erster Linie dazu dienen, das Haus nach den Bedürfnissen der Kinder umzubauen, denn die Investition in Menschen und in Sachwerte ist Geldwerten vorzuziehen. Möglich wären ein Umbau für 180'000 Franken und eine Reduktion der Hypothek. 5000–10'000.– könnten die Eltern investieren, indem sie jedem Kind ein Jugendkonto bei der Zahlstelle einrichten.

Damit bleibt das Jahreseinkommen. Was sind die wichtigsten Eckwerte für ein realistisches Budget? Beim Budgetieren gibt es Faustregeln. Die Wichtigste: Die Wohnung soll höchstens ein Drittel des Einkommens beanspruchen. Eine fünfköpfige Familie isst daheim für 1000.– im Monat und auswärts für 250.–. Viele Leute sparen beim Essen. Das ist problematisch, weil dann Nahrungsmittel gegessen werden, die weder nachhaltig noch aus der Region sind. Es bringt ethisch und finanziell mehr, dort Disziplin zu haben, wo wir oft nicht hinsehen. Das betrifft besonders Ferien (6000.–/Jahr), Freizeitgestaltung (3000.–/Jahr) sowie Smartphones und Co.   Kleider und Schuhe (2400.–/Jahr) sollten fair produziert sein. Aber es hat niemand gesagt, dass sie neu gekauft werden müssen. Auch für Erwachsene findet man oft erstklassige gebrauchte Ware. Vorsicht bei der Mobilität: Die Kosten werden hier oft unterschätzt, besonders beim Auto. Zum Stichwort «Handy». Damit tun sich viele Familien schwer. Bei allem, was über das Lebensnotwendigste hinausgeht, ist die gelebte Familienkultur entscheidend. Persön-


ZAHLSTELLE

Verstorben Hildeliese Moor (93) Frauenfeld-Weinfelden am 20.11.2014 Martha Kobelt-Herzog (87) Uzwil-Flawil am 24.11.2014 Marlies Munz-Bruhin (75) Glarus am 29.11.2014 Sonja Odermatt (85) Basel Kleinbasel am 04.12.2014

lich finde ich, dass ein Kind weder Smartphone noch Tablet braucht. Hingegen braucht das Kind gute Argumente, um mit dem Verzicht bei den Kameraden bestehen zu können. Wenn ein Kind ein Smartphone bekommt, dann machen nur Prepaid oder eine Flatrate Sinn, die 20.– nicht übersteigt (es gibt Abos für Jugendliche ab 19.–/ Monat), verbunden mit dem Deal, dass dieses Geld vom Sackgeld abgezogen wird. Bei den Eltern könnte die Anschaffung fair produzierter Geräte eine Überlegung wert sein. Gibt es im Gesundheitsbereich Sparpotenzial? Und ob! Hier ist gute Beratung besonders wichtig. Ein Beispiel: Viele Erwachsene haben in der Krankenkassenpolice eine Zahnversicherung.

Diese kostet nur. Hingegen sollte man darauf achten, dass die Kinder die Zahnversicherung haben, denn diese zahlt Spangen. Für die passende Krankenkasse empfehle ich den Prämienrechner des Bundes: http://is.gd/praemien. Es gibt nur zwei sinnvolle Franchisen: die niedrigste 300.- für Personen, die oft medizinische Leistungen beziehen, und die höchste 2500.­– für alle, die nicht mehr als 1600.- Gesundheitskosten im Jahr haben. Zum Aufbau des Polsters für die Franchise empfehle ich ein Zahlstellenkonto, das monatlich gespeist wird, bis der Gesamtbetrag erreicht ist. Reicht Familie Jungmanns Geld nun für den Zehnten an ihre Gemeinde? Auf jeden Fall – ab dem Bruttolohn gerechnet.

WORKSHOP «WIE VIEL IST GENUG?» Möchten Sie für sich persönlich herausfinden, wie viel genug ist? Für Mitglieder und Freunde der EMK, die sich für neue Perspektiven im Umgang mit Geld interessieren, bietet Finanzplaner Beat Hofstetter einen halbtägigen Workshop an (13.30–17 Uhr). Unkostenbeitrag: 75.–/Person,

120.–/Ehepaar. Mögliche Kursdaten: 2. Mai, 16. Mai 2015. Mindestens 6, maximal 12 Teilnehmende. Der Ort wird noch bestimmt. Anmeldeschluss: 20. April. Information und Anmeldung bei Gisbert Dörr, Telefon: 044 299 30 81, E-Mail: zahlstelle@emk-schweiz.ch

Rosmarie Wolf-Frei (69) Baden am 07.12.2014 Elsbeth Meier (79) Wetzikon am 12.12.2014 Ruth Schär (72) Gstaad am 16.12.2014 Susanna Wäfler-Wittwer (87) Aeschi am 16.12.2014 Jeannette Persenico (61) Birsfelden am 20.12.2014 Alice Wydler-Schärer (93) Zürich Nord am 22.12.2014 Paul Meier (87) Romanshorn am 26.12.2014 Marianne Wullschleger (89) Zofingen am 30.12.2014 Hedy Speich (84) Aarau am 02.01.2015 Kirche und Welt  Nr. 03/2015

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Kirche und Welt 3/2015  

Die Zeitschrift für Mitglieder und Freunde der EMK in der Schweiz

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