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18. November 2012 ISSN 1436-607X

Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

24/2012 Diese Ausgabe erscheint mit

dem neuen Magazin für Männer

Was mir Mut macht Raus aus der Kirche n

Was die Gemeinde Grünhain vor Ort macht. Seite 10

Klare Sache n

Was unsere Kirche zur Organspende sagt. Seite 11

Nötiger Wechsel n

Was die Politik gegen Altersarmut tun kann. Seite 18


2 ::: Editorial

So erreichen Sie uns: Redaktion »unterwegs« Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.de Bestellen Sie jetzt ihr Abo unter Telefon 0711 83000-0 oder per E-Mail: info@blessings4you.de

kurz gesagt Zwei EmK-Pastoren vertreten

die Freikirchen in der Konferenz für Diakonie und Entwicklung des neuen

Bettag. An Heiligabend soll die Schutzzeit wie bisher um 14 Uhr beginnen. Werbung verletzt selten reli-

Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung mit Sitz in Berlin: Pastor Frank Aichele (links), Leiter der EmK-Weltmission, und Pastor Andreas Cramer, Direktor des Diakoniewerkes Martha-Maria und Vorsitzender des Verbandes evangelisch-freikirchlicher-Diakoniewerke. Cramer sitzt im Aufsichtsrat des neuen Werkes, Aichele im Ausschuss für Entwicklung. Das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung ist Mitte des Jahres aus dem Zusammenschluss von Evangelischem Entwicklungsdienst und Diakonischem Werk (mit »Brot für die Welt«) hervorgegangen. Das Tanzverbot vor stillen Fei-

ertagen will Bayern lockern. Das schwarz-gelbe Kabinett legte Mitte November einen Gesetzentwurf zur Änderung des Feiertagsgesetzes vor. Danach sollen Diskotheken und Tanzlokale bis 2 Uhr in der Nacht öffnen dürfen. Ausgenommen von der Regelung bleiben der Karfreitag und Karsamstag. Zu den sogenannten stillen Feiertagen zählen außerdem Aschermittwoch, Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag sowie Buß- und

giöse Gefühle. Der Deutsche Werberat hat in den vergangenen zehn Jahren 111 Beschwerden aus diesem Grund erhalten. Nur in einem Fall ist eine öffentliche Rüge ausgesprochen, in 22 Fällen die Werbemaßnahme gestoppt worden. Das geht aus dem Bericht zum 40-jährigen Bestehen der Selbstkontrollinstanz der Werbebranche hervor. Dem Vorsitzenden des Deutschen Werberates, Hans-Henning Wiegmann zufolge verhalten sich die meisten Unternehmen bei der Verwendung religiöser Themen und Symbole vorsichtig. Wie kann die evangelische Kirche der verbreiteten

Gottvergessenheit und einem zunehmend aggressiven Atheismus wehren? ­Darüber wurde am 4. November während der EKDSynode diskutiert. Die SPDBundestagsabgeordnete Kerstin Griese erklärte, sie erlebe in ihrem politischen Alltag teilweise eine äußerst aggressive Haltung gegen jegliche Religion. Dies sei besonders in der Debatte um die Beschneidung von muslimischen und jüdischen Jungen aus religiösen Gründen eskaliert bis hin zum Argument, Muslime und Juden sollten doch Deutschland verlassen, wenn sie ihre männlichen Kinder beschneiden wollten.  epd/idea

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TitelFoto: MEV

Mut zur Freude! Glaubt man den Medien, sind wir Deutschen Weltmeister im Jammern. Ob das auch stimmt, lässt sich aber nicht mit Sicherheit sagen – schließlich gibt es keine JammerWettkämpfe, die so etwas klären könnten. Wahr ist allerdings, dass die »German Angst«, also die deutsche Verzagtheit, im Ausland schon sprichwörtlich ist. Und mal ehrlich: Kaum ein Gespräch im Bekanntenkreis kommt ohne einen JammerTeil aus. Warum? Schließlich geht es den meisten Menschen hierzulande so gut wie nie zuvor in der Geschichte. Ich glaube, es gibt dafür hauptsächlich zwei Gründe: Zum einen wird es uns nicht einfach gemacht, zufrieden zu sein. Sind zum Beispiel die wirtschaftlichen Aussichten gut, warnen Experten (oder die sich dafür halten) vor dem nächsten Abschwung. Freude scheint verboten! Auch in Gemeinden gibt es die ewigen Schwarzseher, die immer schon Schwierigkeiten am Horizont sehen. Außerdem gibt es immer Nachbarn, bei denen es viel besser läuft. Zum anderen macht Glück angreifbar: Wer zufrieden und glücklich ist, sieht sich schnell der Erwartung ausgesetzt, sein Glück zu teilen. Und das ist vielen zu anstrengend und unangenehm. So jammert man lieber weiter. Es braucht Kraft, dem Trend zum Klagen zu widerstehen. Aber es tut gut – zuallererst uns selbst. Denn Glück beginnt mit Danken. Ihr Volker Kiemle


8 ::: Titelthema: Was mir Mut macht

Warum der perfekte Mensch eine gefährliche Illusion ist Fit sein ist das Gebot der Leistungsgesellschaft – körperlich und psychisch. Oft wird die Psychologie als Reparatur- und Tuning-Instrument für die menschliche Seele missbraucht. Aber seelisches Wohlbefinden lässt sich nicht endlos steigern, betont der Experte Michael Utsch.

I

n seiner preisgekrönten Komödie »Der Stadtneurotiker« bekennt Woody Allen: »Natürlich mache ich auch eine Psychotherapie. Aber erst seit 15 Jahren. Ich gebe meinem Analytiker noch ein Jahr, dann pilgere ich nach Lourdes!« Die Pointe offenbart eine tiefe Wahrheit: Viele Erwartungen an Veränderung durch eine Psychotherapie lassen sich nicht erfüllen. Glück und Zufriedenheit sind nämlich psychologisch nicht machbar, sondern der Nebeneffekt einer zufriedenen Beziehungs- und Alltagsgestaltung. Woher sonst kommt der verstörende Befund, dass beim internationalen Zufriedenheitsindex Deutschland auf Platz 47 liegt – nach vielen armen Entwicklungsländern?! Glück hängt offenbar nicht mit Wohlstand zusammen und kann auch kein Ergebnis von Psychotherapie sein.

Eine Chance für Christen Sicher haben psychotherapeutische Behandlungen ihre Berechtigung – etwa wenn psychosomatische Beschwerden oder die Ursachen einer Angststörung enträtselt und verstanden werden. Hier sind große Fortschritte erzielt worden, durch die seelische Störungen viel wirksamer als früher behandelt werden können. Doch die Beantwortung existenzieller Konflikte und Sinnfragen kann keine noch so gute Psychotherapie leisten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten Jahren in der Psychotherapie und der Beratung ein ernsthaftes Interesse an religiösen Bewältigungshilfen und spiritueller Unterstützung von Patienten zunimmt. Hier ist eine neue Offenheit festzustellen, die Christen entschlossen und mutig ergreifen sollten, denn esoterische und buddhistische Ideengeber sind schon fleißig unterwegs…

Schneller, höher, weiter: Die Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik haben uns in den letzten Jahrzehnten ungeahnte Erleichterungen geschenkt. Autotüren werden per Fernbedienung entriegelt, durch das Mobiltelefon ist man überall erreichbar, Preise können im Internet verglichen werden … Die junge Wissenschaft der Psychologie – sie ist gerade mal etwas mehr als 100 Jahre alt! – hat an diese Erfolgsgeschichte angeknüpft. Mit enthusiastischem Forschergeist hat man begonnen, das rätselhafte Seelenleben besser zu verstehen und psychologisch zu erklären. Die Bilanz des Erkenntniszuwachses sieht bis heute bescheiden aus. Zwar sind viele einzelne Erlebens- und Verhaltensweisen besser verständlich geworden. Aber von Herz oder Seele – zentrale biblische Umschreibungen des Personenkerns – redet in der Psychologie heute fast niemand mehr. Der Mensch als Ganzheit ist längst aus dem Blick geraten, man hat sich in Details verloren. Trotzdem ist die Psychologie in der öffentlichen Meinung zu einer Art Leitwissenschaft geworden, von der viele Menschen eine Anleitung zur Selbstoptimierung, mehr Wohlbefinden und zu »Glück in fünf Schritten« erhoffen. Die Ratgeberabteilung jeder Buchhandlung quillt vor diesbezüglichen Glücksversprechen über. Doch schon Kurt Tucholsky mahnte zur Bescheidenheit, weil er wusste: »Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher werden wollen!«

Rückkehr zu kindlichen Sehnsüchten Auf dem Markt der Selbstoptimierung und Glücksrezepte sind Seminarangebote gefragt, mit deren Hilfe man richtige Entscheidungen treffen lernen oder das Alltagsleben aufgefrischt und intensiviert werden kann. Dazu gehören Coaching-Workshops, die sich psycholo-


Titelthema: Was mir Mut macht ::: 9

gisch geben und mit utopischen Erfolgsversprechen werben. Die Aussicht auf individuelle Wunschverwirklichung mit Hilfe psychologischer »Tricks« hat sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. Zahlreiche Varianten des Positiven Denkens verheißen das Erreichen kindlicher Träume und Sehnsüchte. Nach Einschätzung einiger Kulturkritiker haben psychologische Deutungen deshalb einen derartig durchschlagenden Erfolg und enorme Prägekraft entwickelt, weil dort die Entzauberung der äußeren Natur durch die Technik durch eine Verzauberung der inneren Natur ersetzt wurde. Unübersehbar ist die westliche Kultur von einer weitreichenden Psychologisierung der Lebenswelt geprägt, deren Schattenseiten häufig übersehen werden. Im Alleingang ließ die Psychologie das Korrektiv theologischer Reflexionen und Einsichten beiseite, wodurch besonders die Frage nach der Verantwortlichkeit des Menschen vernachlässigt wurde. Es sind überhebliche psychotherapeutische Leitbilder und Behandlungsziele, die dazu beigetragen haben, die Illusion einer Verwirklichung des »ganzen« Menschen zu nähren und ein selbstsüchtiges Ego zu bedienen.

Fotos: Gerd Altmann/ladyoak.com / pixelio.de

»Heilige Inbrunst« Die Beschäftigung mit Gefühlszuständen, Wünschen, Bedürfnissen und Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch seelischen Verwundungen und deren Folgen wird in der Psychoszene mit heiliger Inbrunst betrieben. Übersehen wird dabei, dass die psychologisch aufgeputschte Suche nach dem eigenen Selbst häufig in Endlosschleifen um eigene seelische Befindlichkeiten kreist. Hier ist Dietrich Bonhoeffer zu beneiden, der am Ende seiner inneren Kämpfe voller Überzeugung beten kann: »Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!« Die Individualisierung hat psychologische Argumente mit einer kaum zu überbietenden Autorität ausgestattet. Die alleinige Orientierung an eigenen Bedürfnissen und an psychologischen Maßstäben ist jedoch ungesund. Wenn das eigene Selbst zum Objekt der Verehrung und Anbetung wird, gehen Gemeinsinn und Beziehungsfähigkeit verloren. Christliche Stimmen sind wichtig, die auf den Abweg einer »Vergötzung des Selbst« hinweisen und auf Gefahren utopischer Versprechungen mittels riskanter Psychotechniken aufmerksam machen.

Hier gibt es gegenwärtig Tendenzen, die menschlichen Eigenschaften und Anlagen als einen formbaren Rohstoff anzusehen. Keine Psychologie ist jedoch imstande, ersehnte persönliche Eigenschaften wie Schlagfertigkeit, Selbstsicherheit, Kontaktfähigkeit oder Humor anzutrainieren. Die Seele des Menschen bleibt ein Geheimnis, die keine noch so moderne Psychologie enträtseln kann. Außerdem liegt die erschreckende Vorstellung eines kommerziellen »Psychodesigns« nahe, wenn man sich den rapide steigenden Gebrauch von Psychopharmaka oder das erschreckende Ausmaß von Schönheitsoperationen vor Augen hält. Ähnliches passiert auf dem Psychomarkt mit seinem Machbarkeitswahn und seinen Heilsversprechen. Wegen der hohen Erwartungen gegenüber psychologischen Behandlungen und einer verbreiteten Unkenntnis hinsichtlich ihrer tatsächlichen Möglichkeiten ist es wichtig, sich die Mythen der Psychologie und die engen Grenzen der Psychotherapie zu verdeutlichen. Zu den populären Irrtümern zählen neben der Vorstellung von der beliebigen »Modellierbarkeit« des Charakters (Persönlichkeitseigenschaften sind relativ stabil) die Dominanz des Lustprinzips (auch wertorientierte Ziele motivieren) und der Mythos vom frühen Trauma (die ersten Lebensjahre entscheiden nicht alles). Als Ebenbild Gottes ist die menschliche Person darüber hinaus mit einem freien Willen ausgestattet und dazu beauftragt, seine Umwelt zu gestalten. Seelische Entwicklungsprozesse sind offen, also nicht vorhersehbar und nehmen manchmal einen erstaunlichen und überraschenden Verlauf - vor allem wenn der Geist Gottes ins Spiel kommt … Eine Kontrolle und Steuerung des Zufalls, die Verwirklichung aller Lebensträume und grenzenloses Durchsetzen und Bewundert-werden sind psychologisch nicht machbar. Aus christlicher Sicht gehören Leiden und Scheitern zum Leben hinzu. Gerade die Erfahrung von Krisen und die Bejahung von Grenzen vermögen unbekannte seelische Potentiale zu entfalten und bieten die Chance zu großem inneren Wachstum.

Dr. Michael Utsch ist Theologe, Psychologe und Psychotherapeut. Als wissenschaftlicher Referent der Evangelischen Zentralstelle für Welt­ anschauungsfragen beobachtet er auch den Lebenshilfe-Markt.


10 ::: Gemeindeportrait

Raus aus dem Kirchenraum fen, Gottesdiensten und Kindergottesdiensten gibt es in letzter Zeit immer wieder besondere Veranstaltungen, die anders sind. Anders deshalb, weil sie vor allem die Menschen außerhalb der Gemeinde im Focus haben. Vier Stück möchte ich herausgreifen, da sie meiner Meinung nach die Richtung anzeigen, in welche der Gemeindebezirk unterwegs ist.

Grünhain ist ein bunter, vielseitiger Gemeindebezirk.

Mehr als 260 Bezirke gibt es in der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Alle haben ihre eigene Prägung. Um diese Vielfalt zu zeigen, stellen sich in »unterwegs« regelmäßig EmK-Bezirke vor. In dieser Ausgabe geht es nach Grünhain. Da kommen wir her Bereits 1886 gründeten sich von Schwarzenberg aus kleine Ortsgemeinden, welche sich zuerst meist in Wohnungen trafen. Später wurden Kirchen gebaut oder ältere Gebäude zu Gemeindezentren umgebaut. So besitzt Grünhain seit 1926 die Zionskirche, an die 1997 ein Gemeindehaus angebaut wurde. In Beierfeld besitzen wir seit 1939 einen eigenen Saal mit Gemeinderäumen. 1926 wurde der Ge-

Foto:Privat

meindebezirk Grünhain gegründet. Wir sind ca. 324 Geschwister (incl. Freunde und Angehörige) und der Gottesdienstbesuch liegt zusammen bei 100 Brüdern und Schwestern.

Das zeichnet uns aus Wir sind ein bunter, vielseitiger Gemeindebezirk. Bei uns gibt es die nimmermüden Vorantreiber ebenso wie die skeptischen Bremser. Die Lauten in der ersten Reihe und die Leisen in der letzten. Es gibt viele begeisterte Mitarbeiter, viele fleißige Helfer und viele unermüdliche Beter. Aber das Schönste ist: Wir sind in Bewegung. Seit einigen Jahren bewegen wir uns von innen nach außen, raus aus den Kirchen auf die Menschen außerhalb der Gemeinde zu. Neben den vielen liebgewordenen traditionellen Veranstaltungen wie Gemeindegruppen, Haus-, Jugend- und Seniorenkreisen, Bibelstunden, Frauen- und Männertref-

Bezirk Grünhain n Der Bezirk Grünhain besteht aus den Gemeinden Grünhain und Beierfeld. Die Orte liegen im Erzgebirge, nördlich und südlich vom Spiegelwald, einem Aussichtsberg. www.emkgruenhain.de

Das machen wir Die Krabbelgruppe »Volltreffer«: Da treffen sich regelmäßig Muttis oder Vatis mit ihren Kindern in der Kirche. Es gibt Gemeinschaft und Gespräche. Gott kennen lernen von Anfang an. Es wird gesungen, gebastelt, gegessen. Wichtig ist dabei die Gemeinschaft auch mit Menschen außerhalb der Gemeinde. »Treffpunkt K«: Das »K« kann für vieles stehen: Kinder, Kirche, kreativ, Kreuz. Es ist ein besonderer Kindergottesdienst, mit regelmäßigen Anspielen, Gesprächsgruppen, Spielen ... Mit viel Liebe werden diese Veranstaltungen von einem Team vorbereitet und durchgeführt, wobei da auch der Fokus auf Kindern außerhalb der Gemeinde liegt. Es können, es sollen Freunde/ Freundinnen eingeladen werden. »K.i.K.« – »Kirche im Kerzenschein«: Viermal im Jahr finden in Beierfeld Abende dieser besonderen Veranstaltungsreihe statt. Im Kirchenraum, von vielen Kerzen erhellt, gibt es Konzerte und offene Abende, treten Liedermacher auf. Abende für Suchende, Fragende, Zweifelnde, Mutlose. Im Anschluss gibt es immer die Möglichkeit zu Gesprächen bei Tee und Gebäck. Lobpreisgottesdienste: Ebenfalls viermal im Jahr gibt es Sonntagabend einen Lobpreisgottesdienst mit Band. Man kann mitsingen, man kann auch nur zuhören genießen, sich fallen, für sich beten oder segnen lassen. Bernd Lorenz

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unterwegs erlebt :::

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Ein klares Votum In diesen Tagen bekommen Millionen von Menschen einen Organspenderausweis zugeschickt – ein Appell, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. In den »Sozialen Grundsätzen« der EmK werden wir ausdrücklich dazu ermutigt, wie Bischöfin Rosemarie Wenner betont.

Foto: Claus Kellner/Medienwerk der EmK

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eit Anfang des Monats ist die neue Organspendereform in Kraft. Jetzt werden die Mitglieder von gesetzlichen Krankenkassen gefragt werden, ob sie zur Organspende bereit sind. Dieses Gesetz ist für Menschen wie mich gemacht. Obwohl ich dazu tendiere, zu einer Organspende bereit zu sein, trage ich derzeit keinen Spendeausweis bei mir. Nun werde ich herausgefordert, mir meiner Meinung gewiss zu werden. Dabei half mir eine Podiumsdiskussion, die ich am Pfingstsonntag im Rahmen der Nacht der Offenen Kirchen in unserer Gemeinde in Berlin-Friedrichshain miterlebte. Eine Betroffene erzählte dankbar von dem neu geschenkten Leben, das sie durch ein Spenderorgan führen kann. Die Beiträge der weiteren Mitwirkenden zeigten unterschiedliche Ansätze bei der Suche nach Antworten auf. Dürfen wir alles tun, was medizinisch und technisch möglich ist, wenn es um die Grenze zwischen Leben und Tod geht? Darf man dem Leib Organe entnehmen, um sie einem anderen Menschen zu geben? Und wie ist es mit der Fürsorge für Schwerkranke, die durch das Organ eines Fremden eine neue Lebenschance bekämen? Ein Arzt gab Auskunft über Verfahrenswege und medizinisch-ethische Aspekte und sprach von schweren Aufgaben, in denen Mediziner stehen. Sie behandeln Menschen, die sehnsüchtig auf ein Spenderorgan warten. Andere Kollegen sprechen mit Angehörigen, die mit der harten Diagnose des Hirntodes eines nahestehenden Menschen konfrontiert sind. Falls kein Spendeausweis vorliegt, müssen diese entscheiden, ob Organe entnommen werden dürfen. In den Sozialen Grundsätzen der Evangelisch-methodistischen Kirche steht: »Wir glauben, dass Organ-

transplantationen und Organspenden Akte der Nächstenliebe, der Agape und der Selbstaufopferung sind. Wir erkennen den lebensspendenden Nutzen von Organ- und anderen Gewebespenden und ermutigen alle Gläubigen dazu, als Teil ihrer Liebe und Fürsorge für Bedürftige Organ- und Gewebespenderinnen und -spender zu werden.« Das ist ein klares Votum für Organspenden, was angesichts der komplexen Fragen verwundert.

Ein Geschenk zum Weiterschenken Der Ostdeutschen Konferenz lag bei ihrer diesjährigen Tagung eine Orientierungshilfe vor, die den Gemeinden als Hilfe zum Gespräch dient. In ihr heißt es: »Die Kirche kann in diesen Fragen nur seelsorglich raten. Die persönliche Gewissensentscheidung ist bindend.« Und weiter: »Unser Leib ist ein Geschenk des Schöpfers, über das der Mensch nicht nach Belieben verfügen kann. Er darf dieses Geschenk aber aus Liebe zum Nächsten einsetzen … Die Erwartung der Auferstehung hängt nach biblischer Überzeugung nicht an der Unversehrtheit des Leichnams … Der Glaube vertraut darauf, dass der gnädige Gott uns um Christi willen aus dem Tod zum Leben auferweckt.« In diesen Novembertagen lassen wir uns daran erinnern, dass nicht einmal der Tod uns von Gottes Liebe trennen kann. Wer in dieser Gewissheit lebt, gewinnt Kraft, sich mit Fragen um das Lebensende auseinanderzusetzen – trotz aller Ängste. Durch Gespräche in Familie und Gemeinde können wir uns gegenseitig unterstützen, in aller Freiheit und in dem uns angemessenen Zeitrahmen unsere persönliche Antwort zur Organspende zu finden.


unterwegsinfo

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125 Jahre Methodisten an der Jade Mit einem feierlichen Gottesdienst begingen die Wilhelmshavener Methodisten Mitte Oktober ihr 125-jähriges Jubiläum. Zwar sind sie schon länger bestrebt, anderen von der Liebe Jesu Christi weiterzugeben in Tat und Wort. Aber gefeiert wurde jetzt: Vor 125 Jahren wurde die erste methodistische Kapelle im damaligen Heppens, heute einem Stadtteil von Wilhelmshaven, eingeweiht.

E

s war ein mühsamer Anfang im damals oldenburgischen und preußischen Jadegebiet. Auf Weisung der Missionsgesellschaft wurde die Arbeit sogar zeitweilig unterbrochen »bis es Gott gefällt, die dürren Gebeine zu rütteln« (so der Report der Missionary Society 1866). Dennoch gab es von Oldenburg und später von Esens aus immer wieder Missionierungs-Bemühungen in der neu gegründeten Stadt um den Kriegshafen des Deutschen Reiches. Damals kamen aus allen Teilen des Reiches Arbeiter und Marineangehörige in die Region. 1884 wurden erste eigene Räume, insbesondere auch für die Sonntagsschularbeit, gemietet. Vier Jahre später wurde WilhelmshavenRüstringen, wie die Gemeinde später hieß, ein eigener Bezirk. Mit der Stadt wuchs auch die Gemeinde. Bald war die erste Kapelle zu klein. So wurde das Grundstück an die Stadt verkauft und ein paar Nebenstraßen entfernt im gerade entstandenen »Villenviertel« eine Kirche mit Wohnhaus für drei Parteien gebaut. Zur Einweihung am 4. Oktober 1914 konnten die Auswärtigen nur mit Passierschein anreisen, da Wilhelmshaven mit Beginn des Ersten Weltkrieges zur Festung erklärt worden war.

Froh über 125 Jahre EmK in Wilhelmshaven: Bischöfin Rosemarie Wenner, Harald Stein, ­Jürgen Woithe, Hartmut Hedemann und Bärbel Krohn-Blaschke (von links). Foto: WZ-Bilddienst

Der Festgottesdienst war beeindruckend. Die Predigt hielt Bischöfin Rosemarie Wenner, die denselben Text (Jakob erwacht nach seinem Traum) zugrunde legte, über den schon aus Anlass der Kapelleneinweihung 1887 und der Einweihung der Kirche 1914 gepredigt worden war.

Sichtbare Vielfalt Sichtbar wurde auch die Vielfalt, die unsere kleiner gewordene Gemeinde dennoch bietet: Verschiedene Musiker, maßgeblich an der Orgel unterstützt von Karl-Heinz Putzke aus Oldenburg, boten Älteres und Neueres. Ein Projektchor sang »Kraft für den Tag«, ein Chorlied, das während des Zweiten Weltkrieges alle zwei Wochen vom Chor der Gemeinde dargeboten worden war. Ergänzend zum Predigttext wurden Bilder gezeigt, die deutlich machten, wie das Motiv der Jakobsleiter viele Künstler zur Verarbeitung angeregt hat. Eindrücklich wurde danach Aktuelles mit der Geschichte in Verbindung gebracht. Ehemalige Pas-

toren beziehungsweise deren Kinder reisten an, viele Menschen, die an Wilhelmshaven und ihre Zeit in der Gemeinde unterschiedlichste Erinnerungen haben. Grußworte wurden überbracht aus der ACK, der Allianz, von einer Gemeinde, mit der seit 1988 die Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft mit regelmäßigen Gottesdiensten gefeiert wird. Auch die jüngste Geschichte im Bereich der Arbeit mit Kindern fand in einer kleinen Bilderschau Berücksichtigung. Der Nachmittag mit weiteren Grußworten und einem Beitrag von Harald Robbe brachte manche Menschen in Erinnerung, die in früheren Zeiten die Gemeinde maßgeblich geprägt und vielen Menschen auf dem Weg Hilfestellung gegeben haben. Worauf wollen wir uns in den kommenden 125 Jahren ausrichten? Im Vorstand werden wir Anfang des Jahres in einer Klausur überlegen, welche Schlüsse wir ziehen und welche Visionen wir verfolgen wollen. Bärbel Krohn-Blaschke


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18 ::: Zeitgeschehen

Warum Altersarmut kein Naturgesetz ist Mit einer »Renten-Schock-Tabelle« sorgte kürzlich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen für Aufregung. Allerdings gibt es Altersarmut schon heute – und sie ist kein Naturgesetz, sondern eine Folge politischer Weichenstellungen, wie der Armutsforscher Christoph Butterwegge erklärt. Er zeigt gleichzeitig Lösungswege auf, die allerdings politischen Mut erfordern.

A

ltersarmut droht nicht bloß in der Zukunft, wie die »Renten-Schock-Tabelle« suggeriert, mit der Ursula von der Leyen eine Debatte darüber in »Bild am Sonntag« angezettelt hat. Sie existiert bereits heute als ein Problem, dem lange zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Von 2003, als die Grundsicherung im Alter eingeführt wurde, bis 2011 hat sich die Zahl der Ruheständlerinnen und Ruheständler, die sie in Anspruch nehmen, um etwa zwei Drittel auf über 436.000 erhöht. Mehr als 760.000 Menschen im Rentenalter haben übrigens einen Minijob; fast 120.000 von ihnen sind 75 Jahre oder älter. Vielerorts gehören Senioren, die frühmorgens Zeitungen austragen oder in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen, längst zum Stadtbild. Seit der Vereinigung von BRD und DDR, spätestens jedoch seit der Jahrtausendwende, wurde einerseits der Arbeitsmarkt dereguliert und andererseits vornehmlich mittels der sogenannten »Hartz-Gesetze« ein breiter Niedriglohnsektor geschaffen. Das arbeitsrechtlich und tarifvertraglich geschützte Normalarbeitsverhältnis mit einer gut entlohnten Vollzeittätigkeit wurde durch unsichere Beschäftigungsverhältnisse geschwächt: Mini- und Midijobs, Leiharbeit sowie Werkund Honorarverträge prägen seither die Arbeitswelt, was erhebliche Konsequenzen für die Altersversorgung der dort Tätigen hat. Andererseits wurden die sozialen Sicherungssysteme zunehmend Markt-, also Leistungsund Konkurrenzgesetzen, unterworfen.

Riester & Co: Die doppelte Umkehr Mit der nach dem früheren IG-Metall-Funktionär Walter Riester benannten Rentenreform war eine doppelte Umkehr verbunden: Zum einen stand nicht mehr

Buchtipp Christoph Butterwegge/Gerd Bosbach/ Matthias W. Birkwald (Hg.) Armut im Alter Probleme und Perspektiven der s­ ozialen Sicherung Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 2012, 393 Seiten, 19,90 Euro. ISBN: 978-3-593-39752-8

das Ziel der Lebensstandardsicherung im Mittelpunkt der Alterssicherungspolitik, das für den Wohlfahrtsstaat nach 1945 jahrzehntelang grundlegend war. An die Stelle trat die Beitragssatzstabilität, die angeblich über die Leistungsfähigkeit des »Wirtschaftsstandortes« entscheidet. Versicherungskonzernen, Großbanken und Fondsgesellschaften wurde mit der staatlich geförderten Privatvorsorge ein neues Geschäftsfeld erschlossen, während für prekär Beschäftigte, Geringverdiener und Langzeit- und Mehrfacharbeitslose, die sich keine private Altersvorsorge leisten (können), mit dem bis zum Jahr 2030 schrittweise sinkenden Rentenniveau das Risiko der Armut im Ruhestand verbunden ist. Zum anderen brach nach der Pflegeversicherung nun auch ein »klassischer« Versicherungszweig mit dem Prinzip der paritätischen Finanzierung. Auch die Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre war eine verkappte Rentenkürzung, zwingt sie doch mehr Arbeitnehmer, mit bis zum Lebensende wirksamen Abschlägen in den Ruhestand zu gehen. Gerechtfertigt wurden die Reformen in Politik und Öffentlichkeit mit dem demografischen Wandel und mangelnder »Generationengerechtigkeit« – obwohl besonders künftige Rentnergenerationen darunter zu leiden haben. Versicherungskonzerne, Großbanken und Kapitalanlagegesellschaften taten das Ihre: Sie machten zum einen durch politische Lobbyarbeit und durch professionelle Medienkampagnen Stimmung gegen das umlagefinanzierte Rentensystem, zum anderen propagierten sie die kapitalgedeckte Altersvorsorge als einzig mögliche Antwort auf die vermeintlich krisenhafte demografische Entwicklung.

Renten aus allen Einkommen finanzieren! Soll die bestehende Altersarmut verringert und die Entstehung weiterer sozialer Ungleichheit verhindert werden, ist ein grundlegender Kurswechsel nötig. Die sich künftig verstärkende Altersarmut muss mit einer Wiederkehr des Sozialstaatsgebots im Allgemeinen und des Solidarprinzips der Gesetzlichen Rentenversi-

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Titelthema: Was mir Mut macht ::: 19

Foto: Barbara Eckholdt/pixelio.de

Ein Platz an der Sonne für alle Rentner? Eine echte Bürgerversicherung könnte es möglich machen.

cherung im Besonderen beantwortet werden. Zudem müssen Normalarbeitsverhältnisse (nicht allein für Männer) wiederhergestellt werden, die mit den Namen von Walter Riester und Bert Rürup verbundenen Rentenreformen müssen zurückgenommen werden, die Lohnersatzfunktion und das Prinzip der Lebensstandardsicherung muss wieder Geltung haben. Sinnvoll wäre die Erweiterung der Gesetzlichen Renten- zu einer Solidarischen Bürgerversicherung. Solidarisch zu sein meint, dass die Bürgerversicherung zwischen ökonomisch unterschiedlich Leistungsfähigen einen sozialen Ausgleich herstellen muss. Nicht nur auf Löhne und Gehälter, sondern auf sämtliche Einkunftsarten – also auch Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung: Dividenden, Veräußerungsgewinne und Zinsen sowie Miet- und Pachterlöse – sind Beiträge zu erheben. Entgegen einem verbreiteten Missverständnis bedeutet dies nicht, dass Arbeitgeberbeiträge entfallen. Vielmehr könnten diese als Wertschöpfungsbeitrag (»Maschinensteuer«) erhoben und damit gerechter als bisher auf beschäftigungsund kapitalintensive Unternehmen verteilt werden. Nach oben darf es weder Beitragsbemessungs- noch Versicherungspflichtgrenzen geben, die es privilegierten Personengruppen erlauben würden, sich ihrer Verantwortung für sozial Benachteiligte zu entziehen und in exklusive Sicherungssysteme auszuweichen. Nach unten muss finanziell aufgefangen werden, wer den nach Einkommenshöhe gestaffelten Beitrag nicht selbst entrichten kann. Nur im Falle fehlender, vorübergehender oder eingeschränkter Zahlungsfähigkeit der Versicherten hätte also der Staat die Aufgabe, Beiträge bedarfsbezogen aus dem allgemeinen Steueraufkommen zuzuschießen. Vorbild dafür könnte die Gesetzliche Unfallversicherung sein. Dort dient der Staat

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gewissermaßen als Ausfallbürge für Vorschulkinder, Schüler/innen und Studierende, die einen Kindergarten, eine allgemeinbildende Schule oder eine Hochschule besuchen, sowie anderen Menschen, die ehrenamtlich tätig sind.

Solidarität heißt: Wirklich alle müssen einzahlen Bürgerversicherung bedeutet, dass Mitglieder aller Berufsgruppen – also nicht nur abhängig Beschäftigte – aufgenommen werden. Da sämtliche Wohnbürger in das System einbezogen wären, blieben weder Selbstständige, Freiberufler, Beamte, Abgeordnete und Minister noch Ausländer mit Daueraufenthalt in der Bundesrepublik außen vor. Es geht primär darum, die Finanzierungsbasis des sozialen Sicherungssystems zu verbreitern und den Kreis seiner Mitglieder zu erweitern. Bürgerversicherung bedeutet, dass es sich um eine Versicherungslösung handelt, also gewährleistet sein muss, dass ihre Mitglieder, soweit sie dazu finanziell in der Lage sind, Beiträge entrichten und entsprechend geschützte Ansprüche erwerben. Dies schließt keineswegs aus, dass sich der Staat mit Steuergeldern am Auf- und Ausbau der Versicherung beteiligt. Die geplante Bürgerversicherung würde allerdings zum Einfallstor für einen Systemwechsel, wenn sie nicht nach dem Versicherungsprinzip konstruiert wäre, sondern allein aus Steuermitteln finanziert würde.

Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrt Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. 2012 sind von ihm die Bücher »Armut in einem reichen Land«, »Krise und Zukunft des Sozialstaates« sowie »Armut im Alter« erschienen.


20 ::: unterwegs info

persönlich Baiersbronn/Besenfeld ::: am 1. Juli Philipp Hein (20) und Mariam Mast (19). Brombach ::: am 4. November Lukas Bank, Doris Steinmeier und Werner Steinmeier. Cottenweiler ::: am 13. Mai Elke Wieland und Hans Wieland. Wiepkenhagen ::: am 7. Oktober Peter Richter (70).

Wir gratu lieren Lauter ::: Lisa und Günther Weißflog zur diamantenen Hochzeit. Nürtingen-Raidwangen::: ­Gerda und Roland Laux zur ­goldenen Hochzeit. Pforzheim ::: Magda und Heinz Creutziger zur eisernen Hochzeit. Rommelshausen ::: Margarete und Manfred Schert zur goldenen Hochzeit. Sandersdorf ::: Dora Hähnchen zum 102. Geburtstag. Schneeberg ::: Edelgard und Dieter Wetzel zur goldenen Hochzeit. Weißbach/Schneeberg ::: Renate und Harald Oertel zur goldenen Hochzeit.

Wuppertal-Elberfeld ::: Marta Kähne zum 90. Geburtstag.

Heimgegangen Auerbach ::: Hans Müller am 23. Oktober, 91 Jahre; Elisabeth Ebersbach geborene Steiniger am 24. Oktober, 82 Jahre. Bielefeld ::: Charlotte Willun am 5. Oktober, 90 Jahre. Braunichswalde ::: Anna Martin am 30. Oktober, 83 Jahre. Bremen ::: Marie Hermine Heuer am 1. August, 97 Jahre. Bruchsal/Kraichtal ::: Roland Frick am 13. Oktober, 72 Jahre. Crottendorf ::: Wilfried Markert am 31. Oktober, 79 Jahre. Dillenburg ::: Johann Krech am 19. Oktober, 90 Jahre. Essen ::: Irmtraud Fehrer am 25. Oktober, 77 Jahre. Mülsen ::: Ruth Döhnel geborene Göckeritz am 20. Oktober, 85 Jahre. Neuschoo/Aurich ::: Fenna Block am 26. Oktober, 99 Jahre. Oberfranken ::: Alfred Renner am 27. Oktober, 94 Jahre. Reinsdorf ::: Harry Wutzler am 23. Oktober, 82 Jahre. Schneeberg ::: Franz Ehlert am 18. September, 76 Jahre.

wowannwas T ermine Esslingen-Berkheim ::: Christuskirche, Hildenbrandstr. 13, 24. November, 14–18 Uhr, Bazar mit Spezialitäten, Adventskränzen -gestecken, Kalender, Bücher, Karten, Wohlfahrtsbriefmarken, EineWelt-Waren, Kaffee und Kuchen, warmes Vesper (16.30–18 Uhr) Angebot für Kinder. Informationen bei Sabine Wenner, Telefon 0711-3454403 Marbach ::: Katholische Kirche, 25. November ,16.30 Uhr, ­Oratorium »Messias« von G. F. Händel, mit dem Süddeutschen Kantatenchor und dem Collegi-

um Cantabile unter der Leitung von Werner F. Gann. Schömberg ::: Evangelische ­Kirche, 24. November, 19.30 Uhr, ­Oratorium »Messias« von G.F. Händel, mit dem Süddeutschen Kantatenchor und dem Collegium Cantabile unter der Leitung von Werner F. Gann. Sindelfingen ::: EmK Sindelfingen, 24. November, 18 Uhr, ­Konzert mit dem Möhringer ­Akkordeon-Orchester Accordimento unter der Leitung von ­Andrej Baumgard, Informationen unter www.accordimento.de.

Schöneck ::: Johanna Wurlitzer geborene Müller am 13. Oktober, 92 Jahre. Wangen/Allgäu ::: Rosalia Kohl am 15. Oktober, 68 Jahre. Wuppertal-Elberfeld ::: Gerda Hucke geborene Höhne am 20. Oktober, 90 Jahre.

N achruf Am 18. Oktober 2012 wurde Pastor i. R. Johannes ­Baumgartl im Alter von 92 Jahren von Gott heimgerufen. ­Geboren am 10. Juni 1920 in Bockau, wuchs er im Erzgebirge auf und erlernte den Beruf des Werkzeugmachers. Mit viel Fleiß und Geschick übte er diesen Beruf aus. 1944 wurde er einberufen und musste das Elend des Krieges und der Gefangenschaft erleben. Auch in dieser Zeit wusste er um Gottes Gegenwart. Danach geschah, was die Mutter bei seiner Geburt gewünscht und gebetet hatte: Ihr Sohn wurde ein Prediger des Evangeliums. Nach nur zwei Jahren Studium im Predigerseminar Frankfurt/ Main rief ihn die Kirche 1953

Tuningen ::: Festhalle Tuningen, 11. Dezember, 19.30 Uhr, ­Adventskonzert mit Cae & Eddie Gauntt, Informationen unter www.emk-tuningen.de

Rundfunk im Internet radio m kompakt: Aktuell und kritisch. radio m gespräch: Glaube im Dialog. radio m ­andachten: Impulse für jeden Tag. radio m themen: Berichte und ­Reportagen. radio m bei Klassik Radio (bundesweit)

zum ersten Dienst in den Bezirk Ehrenfriedersdorf. Gemeinsam mit seiner Frau Gertrud, die er am 9. September 1950 geheiratet hatte, ging es mit vollen Kräften in die kirchliche Arbeit. Gemeinsam stellten sie sich den Aufgaben in den jeweiligen Gemeinden. Den beiden wurden insgesamt fünf Kinder geschenkt. Hier wie im nächsten Bezirk sind unter seiner Leitung mehrere Kirchen und Gemeindesäle entstanden. 1956 schickte die Kirche die Familie nach Eibenstock. Danach folgten 16 Jahre in Lauter. Johannes Baumgartl hat an den Orten seines Wirkens Spuren hinterlassen. Durch sein mutiges Handeln und seine große Energie wurde er zu einem lebendigen Zeugen des Evangeliums. Er war ein gern gehörter Prediger, auch noch während seines Ruhestandes ab 1982. Die Botschaft von Gottes Gegenwart, die ihn selbst trug, hat er glaubwürdig und mit Humor verkündigt. Am Ende kam er noch für wenige Tage zum Liegen, ehe ihn Gott zu sich rief.  Friedbert Fröhlich

Andachten »Carpe diem«: 26.11. bis 1.12., 6.20 Uhr, mit Anja Kieser; Sonntagsmagazin »Klassik und ­Kirche«, sonntags, 7–8 Uhr, mit Anja Kieser. Radio AREF – sonn- und feiertags von 10-12 Uhr. www.aref.de und UKW 92,9 MHz (Großraum Nürnberg) ERF Plus Jeden Donnerstag, 20 Uhr, Bilanz – Leben im Rückblick, mit Horst Marquardt im Gespräch mit Männern und Frauen 60+. 24.11., 22 Uhr, Andachtszeit, mit Gisela Thimm.

Foto: Rolf van Melis / pixelio.de

Aufgenommen


LEBENSZENTRUM EBHAUSEN

Liebe Leserinnen und Leser des Rund­ briefs, liebe Schwestern und Brüder! Was geschieht eigentlich in der Thera­ pie im Lebenszentrum? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Hauptartikel dieses Rundbriefs von Stefanie Hittler, Sozialpädagogin und Sozialtherapeu­ tin (Verhaltenstherapie) im LZE. Den Patienten, die zu uns kommen, wollen wir helfen, neue Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln. So steht’s im Leit­

bild des LZE. Dazu gehört ganz wesentlich eine fundierte thera­ peutische Arbeit an der Sucht­ erkrankung mit dem Ziel der Teilhabe am Leben in beruflicher und privater Hinsicht. Dass dies ein langer Prozess ist, der Geduld und »Übung« braucht wird deutlich in dem, was Herr Braun unter der Überschrift »Wieso Geduld üben?« persönlich berichtet. Außerdem berichten wir über Verände­ rungen im Mitarbeiterteam sowie in Vorstand und Verein LZE e.V. Und heute schon wollen wir Sie aufmerksam machen auf das nächste Jahresfest

21

am 30. Juni 2013, bei dem der Wechsel in der Leitung des LZE began­ gen wird und Sie dazu ganz herzlich nach Ebhausen einladen. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung unserer Arbeit durch Ihre Spenden, Ihre Fürbitte und alle wohlwollende Aufmerksamkeit! Wir brauchen Sie, da­ mit »neue Perspektiven« für möglichst viele Betroffene Wirklichkeit werden. Mit herzlichen Grüßen

Kurt Wegenast und Herbert Link

Therapie im Lebenszentrum Ebhausen

W

er das Lebenszentrum Ebhausen betritt, dem fällt zunächst die große Werkstatt auf. In der Tat ist für die Bewohner im LZE mit dem Arbeitstraining und Praktikum ein guter Teil ihres Alltags ausgefüllt. Doch zur Adaptionsbehandlung im LZE gehört ebenso die psychotherapeutische Behandlung der Suchterkrankung, die über die Bearbeitung intrapsychischer Konflikte zur Stabilisierung der Abstinenz führt. Um einen erfolgreichen Verlauf der Einzel- und Gruppentherapie zu ermöglichen, findet in den ersten zwei bis drei Wochen zunächst eine ausführliche Anamneseerhebung statt. Der Patient soll hierbei herausfinden, wie es zur Entwicklung seiner Suchtmittelabhängigkeit kam, welche prädisponierenden, auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren dabei eine Rolle gespielt haben. Es ist wichtig für den Patienten, die Zusammenhänge zwischen Ereignissen und dem Verlauf seiner Lebensgeschichte und der Abhängigkeitsentwicklung zu erkennen und sich dessen bewusst zu werden. Im Gespräch wird dabei aus-

führlich auf die familiäre Vorgeschichte, die persönliche und soziale Entwicklung, die berufliche Entwicklung, und parallel dazu auf den Suchtmittelkonsum eingegangen. Bezüglich der Abhängigkeit wird im Detail erarbeitet, wann welche Suchtmittel in welcher Dosis eingenommen wurden und welche Wirkung erwartet und erlebt wurde. Konsumpausen und -veränderungen spielen dabei ebenso eine wichtige Rolle wie vorangegangene

Behandlungen. Rückmeldungen durch den Therapeuten/die Therapeutin und durch die Gruppenmitglieder können hierbei eine Dynamik auslösen, die neue Einsichten und Entwicklungsschritte ermöglichen. Auf der Basis der Kenntnisse über die Vorgeschichte werden die zugrunde liegenden Defizite und Probleme des Patienten gemeinsam erarbeitet und benannt. Häufig treffen wir hier auf Themenbereiche wie Schwierigkei-


22 ::: Lebenszentrum Ebhausen

ten in der Beziehungsgestaltung, soziale Unsicherheit, dysfunktionale kognitive Muster, Probleme im Umgang mit unangenehmen Emotionen wie Wut, Angst, Ärger und Einsamkeit. In der Zielformulierung geht es in einem nächsten Schritt darum, möglichst konkrete, überprüfbare, erreichbare und durch den Patienten selbst umsetzbare positive Ziele zu formulieren. Entscheidend ist, dass es die Ziele des Patienten sind, die angestrebt werden und dass sie so formuliert sind, dass er sich damit identifizieren kann. Auf der Grundlage der formulierten Ziele kann nun entsprechend der therapeutischen Ausrichtung Veränderung geschehen durch Nachreifung im Rahmen der therapeutischen Beziehung oder durch Stärkung der IchFunktionen (psychoanalytisch-interaktionell). Hinzu kommen im Bedarfsfall therapeutische Interventionen auf der kognitiven oder emotionalen

Ebene, beziehungsweise auf der Handlungsebene (verhaltenstherapeutisch orientiert). Dabei ist der Ausgangspunkt meist das Geschehen im Hier und Jetzt, das jedoch immer vor dem Hintergrund der persönlichen Entwicklung und der Vergangenheit betrachtet und damit in Zusammenhang gebracht wird. In dieser Weise können im Verlauf der Adaption Veränderungen erreicht werden, die dem Patienten helfen, besser mit bestehenden Defiziten zurecht zu kommen beziehungsweise diese konkret zu verändern. Im Lebenszentrum Ebhausen tragen dazu neben Gruppen- und Einzeltherapie die Arbeitstherapie, externe Praktika in Betrieben des regulären Arbeitsmarkts sowie die Lebensform der »therapeutischen Gemeinschaft« im Wohnheim bei. Alltagsereignisse werden im einzel- und gruppentherapeutischen Prozess aufgenommen und bearbeitet.

Um eine umfassende therapeutische Begleitung zu erreichen, findet im Therapieverlauf eine sogenannte »Indikationskonferenz« mit dem Patienten, dem Arbeitstherapeuten und dem/der Bezugstherapeuten/-in statt, in welcher die weiteren Schritte und Planungen gemeinsam besprochen und abgestimmt werden. Hier können Korrekturen stattfinden oder neue, zusätzliche Ziele geplant werden. Unser Ziel ist es immer, dem Patienten eine fundierte therapeutische und an seinen Zielen orientierte Behandlung zukommen zu lassen. Im Rahmen der medizinischen Rehabilitation stehen dabei die Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sowie die Integration in den ersten Arbeitsmarkt im Vordergrund. Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen, dass die Patienten – wenn sie sich darauf einlassen – einen (neuen) Sinn für ihr Leben entdecken und Hilfe im Glauben erfahren. Stefanie Hittler

Stabwechsel im Vorstand des Lebenszentrums Pastor Harald Rückert gibt das Amt des 1. Vorsitzenden des LZE ab an Superintendent Johannes Knöller Am 19. September 2000 wurde Harald Rückert, seinerzeit Superintendent in Reutlingen, von der Mitgliederversammlung des LZE zum Vorstandsvorsitzenden des Lebenszentrums gewählt. Nach Ulrich Jahreiß und Armin Besserer war Superintendent Harald Rückert damit der dritte Vorstandsvorsitzende des 1984 gegründeten Lebenszentrums. Mit der ihm eigenen Tatkraft und seiner den Menschen zugewandten Art, aber auch mit Herzblut, hat Harald Rückert die Geschicke des LZE in den vergangenen 12 Jahren maßgeblich mit gelenkt. Das Ambulant Betreute Wohnen (ABW) wurde in seiner Amtszeit durch die Schaffung von drei neuen Außenwohngruppen stark erweitert. So wurde unter anderem im Dezember 2003 vom früheren Sozialwerk das Jakob-Albrecht-Haus in Pfullingen gekauft und – gegen den starken Widerstand von Anwohnern –

für 13 Wohnplätze hergerichtet. Endlich im Jahre 2007 gelang es auch, die Anerkennung und Finanzierung des ABW bei den Kostenträgern zu erreichen. Neue Wege wurden auch beschritten durch die Einrichtung einer sogenannten BA-Stelle (Berufsakademie, heute: Duale Hochschule), durch die das Studium der Sozialpädagogik mit der praktischen Ausbildung im LZE bei bisher drei jungen Sozialpädagoginnen ermöglicht werden konnte. Schließlich wurde unter seiner Vorstandschaft im Juli 2004 das 20-jähri-

ge Bestehen des LZE gefeiert sowie in den folgenden Jahren das 25-jährige Jubiläum und die 20-jährige Leitung des LZE durch Pastor Kurt Wegenast. Mit seinen Vorstandskollegen Traugott Kurtz und Dr. Udo Heissler sowie dem Leiter des LZE Kurt Wegenast bestand stets ein harmonisches und zielgerichtetes Miteinander, das der erfolgreichen Arbeit des LZE sehr förderlich war. Harald Rückert hat sich als langjähriger 1. Vorsitzender des LZE um unsere Einrichtung, seine Bewohner und die Mitarbeiter in ganz besonders hohem Maße verdient gemacht; dafür wollen wir ihm auch an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich danken! Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand steht Pastor Harald Rückert als zugewähltes Vereinsmitglied dem Lebenszentrum weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung. Dr. Udo Heissler


Herzliche Einladung Weihnachtsfeiern

für ehemalige und aktuelle Bewohner, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende: e Donnerstag, 13. Dezember, 18.30 Uhr im Lebenszentrum, Carl-Schickhardt-Straße, Ebhausen e Dienstag, 18. Dezember, 18 Uhr Jakob-Albrecht-Haus, Pfullingen

Jahresfest mit Abschied und Einführung e 30. Juni 2013: Jahresfest mit Verabschiedung von Pastor Kurt Wegenast und Einführung von Pastor Herbert Link als Leiter des Lebenszentrums. 10 Uhr Gottesdienst, Friedenskirche Nagold ca. 12 Uhr Mittagessen 14 Uhr Verabschiedung Kurt Wegenast

Neu im Vorstand … … sowie im Verein Lebenszentrum Ebhausen e. V. sind Superintendent Johannes Knöller (links) und Volker Schumacher (rechts). In guter Tradition, dass die Superintendenten des Reutlinger Distrikts auch Vorsitzende des Vereins LZE e. V. sind, wurde Johannes Knöller in der letzten Vereinssitzung dazu gewählt. Weiterhin der zweite Vorsitzende und darüber hinaus auch in anderen Bereichen für das LZE aktiv ist Dr. Udo Heissler. Komplettiert wird der neue Vorstand von Volker Schumacher. Er gehört zur EmK in Pfullingen und bringt neben seiner Begeisterung für die Arbeit des LZE auch sein Fachwissen als Bankkaufmann in die Arbeit des Trägervereins mit ein. Wir freuen uns auf das gemeinsame Arbeiten und danken für die Bereitschaft, im LZE Verantwortung zu übernehmen. Herbert Link

Unsere neuen Freiwilligen stellen sich vor Hallo! Unsere Namen sind Ruben Held und Benedikt Burkhardt. Wir sind seit einigen Monaten die neuen Mitarbeiter des LZE. Wir absolvieren hier unser Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bzw. unseren Bundesfreiwilligendienst (Bufdi). Wir wurden beide 1994 geboren, sind folglich 18 Jahre alt. Zuvor haben Ruben sein Abitur und Benedikt seine Fachhochschulreife glorreich bestanden ... jaja, glorreich. Nach diesem Jahr möchte Ruben ein Gemeindepraktikum antreten und Benedikt möchte gerne Lehramt studieren. Benedikt wollte die soziale Arbeitsrichtung erst mal kennenlernen, bevor er sein Studium antritt und wurde durch Herbert Link auf das LZE aufmerksam gemacht. (Mit anderen Worten: Er hat Benedikt mitgeschleift …) Ruben ist durch das Kinder- und Jugendwerk aufs LZE aufmerksam geworden. Bis jetzt hatten wir einen schönen und erfreulichen Arbeitsbeginn und freuen uns auf weitere schöne Monate. Liebe Grüße aus dem Schwarzwald! Benedikt Burkhardt und Ruben Held


24 ::: Lebenszentrum Ebhausen

M

an kommt ins LZE nachdem man in einer Fachklinik für Suchterkrankungen eine Therapie gemacht hat, etwa drei Monate. Genauso lang ist die »Adaption«. Ein Adapter ist bekanntlich ein Verbinder, hier zwischen krank und gesund. Aber das ist eben nicht so einfach. Meine Adaption war letztes Jahr am 27. April zu Ende. Seither gehe ich jeden Tag nach Ebhausen in die »AT«, das ist die Abkürzung für Arbeits-Training/Therapie. Wir verpacken Sachen für die Firma Häfele, was zwar nicht besonders anspruchsvoll ist, aber:

Ich habe meinen Alltag. Der besteht aber nicht nur aus Arbeit, sondern fängt an, wenn ich aufstehe, und ist zu Ende, wenn ich ins Bett gehe. Für mein Leben ohne Alkohol ist das ganz neu: wann bin ich wach und wann bin ich müde? Nachdem das Licht aus ist, geht mir vielleicht noch etwas im Kopf rum, selten lange. Ich hab ja Zeit, ich muss mich nicht extra noch von der Betäubung erholen. Das ist jetzt doch ganz anders. Ich habe so ungefähr 20 Jahre »systematisch« getrunken und gleichzeitig in der Arbeitswelt funktioniert; inzwischen versteh ich nicht mehr, wie ich mit diesem Stress, vor

Wieso Geduld üben?

allem auch physisch, leben konnte. Früher musste ich mich meistens bei der Arbeit auch noch erholen. Ging ja auch, lange genug. Man wird die Sucht ja nicht los. Das wird so ähnlich sein wie mit einer Allergie oder einem Bandscheibenvorfall. Das Hauptwort meiner Methode heißt »Übung«. Nachdem ich also 20 Jahre lang Alkohol »geübt« habe, werde ich nicht nach einem halben Jahr mit Alkohol fertig sein. Übung heißt Askese. Dieses Wort nun versteht man eher anders. Pastor Wegenast hat sogar gemeint, das hätt er überhaupt noch nie gehört. Er meinte natürlich: in diesem unserem Zusammenhang. Askese gefällt mir besser als Abstinenz. Der bloße Verzicht erzählt mir noch nichts von der anderen Lebendigkeit, die da ist ohne Betäubungsmittel. »Lebensform« klingt gleich wieder so erhaben. Mein Alltag im Lebenszentrum ist also auch ein symbolischer Raum. Sei es in Gesprächen mit Therapeuten und Kollegen, sei es in Reibereien und Auseinandersetzungen: es ist immer der »ganze Kerle«, der gefragt ist. Einem Praktikanten im LZE hab ich mal erzählt, dass ich Mitte der 80er Jahre aufgehört hätte fernzusehen, worauf er zurückfragte »konsequent?«, was ich zwar verneinte (Fußball!), aber hinzufügte, ich hätte schlicht keinen Zugang mehr (inzwischen auch Fußball). Wenn ich also in circa 25 Jahren nochmal von meinen Erfahrungen mit der Abstinenz erzählen soll, wär eine Antwort in der Art bestimmt in Ordnung. Bis dahin hab ich ja jede Menge Zeit zum Üben. Thomas Braun

IMPRESSUM FÜR DIESE EINHEFTUNG Herausgeber: Lebenszentrum Ebhausen e.V. • Verantwortlich: Pastor Kurt Wegenast • Anschrift: Carl-Schickhardt-Straße 27, 72224 Ebhausen, Telefon (0 74 58) 99 92-0 Fax (0 74 58) 99 92-22, E-Mail: lebenszentrum@emk.de • Internet: www.emk.de/lebenszentrum Spendenkonto: Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel (BLZ 520 604 10), Konto-Nr. 100 417 092 • Fotos: Lebenszentrum Ebhausen e.V.


Meine Meinung ::: 25

Neu: CD und Chorbuch zum Gesangbuch Als im Jahr 2002 das neue Gesangbuch der EmK erschien, war darin eine ganze Reihe von Liedern zu finden, die weder im Vorgängergesangbuch noch in »Feiern und Loben« enthalten waren. Einige dieser Lieder waren durch die Chöre schon bekannt, andere waren auch ganz neu für die Gemeinden. Der Christliche Sängerbund hat damals mit einer Doppel-CD viele neue Lieder in den Gemeinden vorgestellt. Zum zehnjährigen Jubiläum ist jetzt eine weitere CD mit Liedern aus dem EmK-Gesangbuch erschienen: Gott in unsrer Mitte. Sie enthält 21 Lieder, die damals neu ins Gesangbuch aufgenommen wurden. Die Kleine Kantorei des Christlichen Sängerbundes hat diese CD unter der Leitung von Horst Krüger eingespielt, das stilistische Spektrum reicht von poppigfetzig bis nachdenklich. Weitere Mitwirkende sind Martin Sellke (Klavier), Andreas Gräsle (Orgel) und Helmut Kandert (Percussion). Neben anderen sind enthalten: Kommt, nehmt teil an unserm Fest, Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut, Kommt und empfangt den Geist des Sohnes, Das Höchste meines Lebens. n Die CD kostet 17,95 Euro. Die für die Produktion neu entstandenen poppigen Chorsätze und Arrangements sind in einem Chorbuch mit dem gleichen Titel zum Preis von 12,90 Euro erhältlich, CS-Mitgliedschöre ­bezahlen 8,90 Euro. n Bestellung über: Verlag Singende Gemeinde, Westfalenweg 207, 42111 Wuppertal, Telefon 0202 750633, E-Mail: info@cs-vsg.de

Liebe Leserin, lieber Leser! Alle zwei Wochen kommt »unterwegs« zu Ihnen – voller Informationen aus der EmK und mit Impulsen für Ihr Leben. Zahlreiche Rückmeldungen zeigen, dass wir mit der Gestaltung von »unterwegs« auf dem richtigen Weg sind. Um noch besser auf Ihre Bedürfnisse eingehen zu können, entwickeln wir »unterwegs« stetig weiter. Das alles kostet natürlich Geld. Da »unterwegs« zu einem großen Teil von den Abonnementgebühren finanziert wird, sind wir bei stetig steigenden Produktionskosten gezwungen, die Bezugspreise in Abständen anzupassen. Daher bitten wir Sie um Verständnis, dass wir den Preis für das »unterwegs«-Abonnement zum 1. Januar 2013 um 1 Euro im Quartal erhöhen. Der Preis für ein Jahresabonnement beträgt dann 59 Euro. Bitte tragen Sie diese Maßnahme mit, damit »unterwegs« auch in Zukunft in gewohnt hoher Qualität zu Ihnen kommen kann. Vielen Dank! Ihr Volker Kiemle

Gummistiefel an! Der Herbst greift nach den noch wenigen Blättern am Apfelbaum. Die letzte blühende Rose verliert den Kampf gegen Nachtfrost und den ersten Schnee. Während ich bei frischen Temperaturen unsere hohen Gräser winterfest mache, blicke ich gedanklich zurück. In den vergangenen Monaten haben wir durch den Garten eine neue Welt entdeckt. Als Büromenschen, die den Arbeitstag mit Bildschirm, Tastatur und Maus verbringen, waren wir schon gespannt, welche Abenteuer in einem Garten auf uns warten - mit Rasen, Stauden und ... Unkraut. Tut uns solch ein Schritt (um im Bild zu bleiben) vom schicken Schnürschuh zum Gummistiefel nicht auch in der Gemeinde gut? Sich bewusst auf etwas Neues einlassen. Neue Pfade im Denken, Reden und Tun suchen. Sich selbst ausprobieren – ein wunderbare Sache! Da kann Spannendes passieren – mit einzelnen und der Gemeinde. Unser Gott geht womöglich völlig neue Wege mit uns. Oder zeigt sich ganz neu. Oder überrascht uns mit Antworten, auf die wir schon lange warten. Etwas Neues wagen, das kann bedeuten: bisher passive Gemeindeglieder bringen sich mutig ein, langjährige Mitarbeiter haben Gelegenheit für eine Verschnaufpause, wir sehen unsere Gottesdienste nicht als Pflichtprogramm, sondern als großes Privileg Gott nahe zu sein. Ich akzeptiere, dass nicht alle meine persönlichen Erwartungen erfüllt werden und freue mich an der Glaubensvielfalt in der Gemeinschaft. Ich besuche eine Gemeinde­ veranstaltung, für die ich bisher überhaupt kein Interesse hatte. Wir suchen neue Begegnungen – auch mit den merkwürdigen unter uns. Ich erkundige mich beim Jugendleiter nach seiner anspruchsvollen Aufgabe. Ich erkundige mich bei Pastor(in) nach der anspruchsvollen Aufgabe. Wir lassen Enttäuschungen der Vergangenheit ruhen und betrachten die Gemeinde Gottes als Schutz- und kreativen Entwicklungsraum. Wer bewusst Neues tut, braucht etwas Mut und ein wenig Freiheit. Mit Jesus Christus ist uns die Freiheit versprochen die uns Veränderung wagen lässt denke ich so bei mir, und binde im Garten die hohen Gräser zusammen. Mit Gummistiefeln statt Schnürschuh ...

Ralf Weinmann ist Mediengestalter und engagiert sich mit seiner Frau Christine in der EmK in Waldenbuch (Baden-Württemberg).

Was meinen Sie?

unterwegs 24/2012 ::: 18. November 2012

Diskutieren Sie www.board.em

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k.de


26 ::: Rätsel Auflösung des Rätsels aus dem letzten Heft 23/2012

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. April

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Beginnen Sie 2013 jeden Tag mit Wort für heute Der traditionsreiche Kalender mit biblischen Betrachtungen für alle Tage des Jahres, herausgegeben für die drei großen Freikirchen in Deutschland: Baptisten, Methodisten und FeG. Für jeden Tag des Jahres eine Andacht zu einem ausgewählten Vers nach dem Leseplan der Ökumenischen Arbeits­ gemeinschaft für Bibellesen.

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In diesem Kritzelblock finden Sie verrückte Kritzelideen und Denkanstöße rund ums Thema „Ich und meine Gemeinde“. Da können Sie mal den ersten Stein werfen, sich ihren eigenen Pastor zusammenbasteln, erkunden, was außer Ihnen noch so für Schafe in der Herde leben und einen Strich unter alles ziehen, was Sie an Ihrer Gemeinde ärgert. Der verrückte Kritzelblock für mich und meine Gemeinde. Für Hauskreis & Co. ebenso geeignet wie für langweilige Gemeindeveranstaltungen oder zu Hause! Innovativ, kreativ und witzig.

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Herausgegeben von der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland Ludolfusstraße 2-4 60487 Frankfurt am Main Zeitschriftenredaktion im Medienwerk der EmK: Redaktionsleiter Volker Kiemle Stellvertretender Redaktionsleiter Michael Putzke Ludolfusstraße 2-4 60487 Frankfurt am Main Telefon 069 242521-150 Telefax 069 242521-159 E-Mail: unterwegs@emk.de Vertrieb • Anzeigen- und Abonnementsverwaltung: Blessings 4 you GmbH Postfach 31 11 41 · 70471 Stuttgart Telefon 0711 83000-51 Telefax -50 Anzeigendisposition: E-Mail: anzeigen@blessings4you.de Es gilt der Anzeigentarif 2011. Bezugspreise: Bei Bezug über die EmK-Gemeinde: im Quartal € 13,75. Bei Direktlieferung durch die Post: jährlich € 55,– + Versandkosten. Direkt gelieferte Abonnements verlängern sich jeweils um ein Jahr, wenn bis zum 30. September keine schriftliche Kündigung vorliegt. DTP-Produktion: Grafisches Atelier Arnold, 72581 Dettingen an der Erms Herstellung: frechdruck GmbH, 70499 Stuttgart Einheftungen in dieser Ausgabe: Mann!, LZE Beilagen in dieser Ausgabe: Brunnen, CBM

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unterwegs


An der Schwelle zum Jenseits Was erwartet uns nach dem Tod? Bei dieser Frage werden immer wieder Nahtoderlebnisse diskutiert. »Ich sah einen Tunnel aus Licht und spürte ein alles überwältigendes Angenommensein.« Wenige Menschen haben das erlebt, viele reden davon. Aber was ist dran? Eine Filmdokumentation hilft, dieses Phänomen zu verstehen.

Ä

rzte kämpfen um das Leben der neunzehn jährigen Christine Stein. 23 Minuten ist sie klinisch tot. Später erinnert sie sich, wie sie sich in diesem Moment von oben auf dem Operationstisch liegen sieht. Sie hört, wie die Chirurgen sich gegenseitig motivieren: »Mach schneller, wir müssen die Kleine durchkriegen …!« Immer wieder berichten Menschen von sogenannten Nahtoderfahrungen, bei denen sie sich erleben, als seien sie außerhalb ihres Körpers. Schätzungen gehen davon aus, dass vier Prozent der Bevölkerung diese Erfahrungen machen.

Losgelöst von Raum und Zeit Die Filmdokumentation »An der Schwelle zum Jenseits« von Rainer Fromm tastet sich an dieses sensible Thema heran und bietet in kompakten 25 Minuten Anschauungsmaterial. Der Filmemacher befragte Menschen, die nach einem Unfall oder einer schweren Erkrankung dem Tod näher waren als dem Leben. Gestandene Männer und Frauen beschreiben, in diesen Momenten außerhalb ihres Körpers gewesen zu sein, losgelöst von Raum und Zeit. Immer wieder berichten sie von Lichterscheinungen, die sie einhüllen. »Ich habe eine unwahrscheinliche Wärme und Liebe gespürt – wie noch niemals zuvor.« Im Gespräch mit Experten versucht die Dokumentation, dieses Rätsel zu lösen. Der Kardiologe Pim von Lommel aus Arnheim in Holland veröffentlichte im Jahr 2001 die weltweit größte Studie zu Nahtoderfahrungen bei Patienten, die einen Herzstillstand erlitten hatten und wiederbelebt werden mussten. Den Mediziner trieb seine Neugier an: Wie ist es zu erklären, dass

Menschen, die klinisch tot sind, noch sehen und hören können? Bei seiner Untersuchung kommt er nach eigenen Aussagen an die Grenze des wissenschaftlich Messbaren. Und dennoch nimmt er die Menschen mit ihren Erfahrungen ernst. Er beschreibt seinen Befund als paradox: Patientenberichte beschreiben ein »erhöhtes Bewusstsein, wo Raum und Zeit keine Rolle mehr spielen«, wo es nach medizinischen Vorstellungen kein Bewusstsein mehr geben kann. Erklären kann er das nicht. Der Theologe Joachim Nikolay erinnert an Paulus, der in der dritten Person von sich selbst spricht und davon berichtet, dass er in den dritten Himmel entrückt wurde. Auch er macht die Erfahrung, außerhalb seines eigenen Körpers gewesen zu sein. »Ob er dabei in seinem Leibe war, weiß ich nicht; ob er außerhalb seines Leibes war, weiß ich nicht: Gott weiß es«, so Paulus (2. Korinther 12,2). In seiner empfehlenswerten Dokumentation, die zum Beispiel in kirchlichen Medienstellen ausgeliehen werden kann, sammelt Rainer Fromm verschiedene Stimmen zum Phänomen der Nahtoderlebnisse. Die meisten Experten, die zu Wort kommen, äußern sich positiv, auch wenn sie nur beschreiben, nicht aber erklären können. Beeindruckend sind in jedem Fall die Menschen, die ihre ungewöhnlichen Erfahrungen mitteilen und ihre Angst vor dem Tod verloren haben. Übrigens sagt kein Betroffener: »Ich habe Gott gesehen«. Sabine Mehne beschreibt »ein Licht, das alles erfüllt«. Sie sucht Worte, um das Erlebte zu beschreiben. »Ich traue mich nicht, zu sagen, ich bin in der Nähe Gottes, aber ich habe mich so gefühlt.«  mip

Foto: Martina Taylor / pixelio.de

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unterwegs 24/2012  

Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

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