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29. Januar 2012 ISSN 1436-607X

Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

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Kirche konkret: Soziale Projekte in der EmK Unbekanntes Land

Musik als Brücke

Spitzfindige Wunder

n Über

n Der

nW  as

Methodisten und andere Neuseeländer. Seite 13

Verleger Friedrich ­ änssler über Kirchenmusik. H Seite 16

unsere Spieltester empfehlen. Seite 17


2 ::: Editorial

Egal, wohin ich komme und wen ich treffe in diesen Tagen: Nach einer Weile kommt das Gespräch ganz bestimmt auf den Bundespräsidenten, seine Kredite, seine Reisen und seine öffentlichen Erklärungen dazu. Dabei geht es oft so emotional her, dass man meinen könnte, die Menschen seien direkt betroffen von Christian Wulffs Handeln. Warum bringt das Thema auch nach so vielen Wochen die Menschen noch in Wallung? Ich glaube, es zeigt sich darin eine tiefe Sehnsucht nach einem moralischen Vorbild. Nach einem Menschen, der unbestechlich, geradlinig und ehrlich ist. Es sind fast unmenschliche Ansprüche – und doch kenne ich viele Menschen, auf die das zutrifft. Aber sie stehen selten im Rampenlicht und bekleiden noch seltener hohe Ämter. Vielleicht aber bedingt sich das gegenseitig – denn Macht, so scheint es, verdirbt den Menschen. Sicher ist, dass schon das Streben nach Macht gefährlich ist für die Seele. Zu verführerisch sind die Kompromisse, die man eingehen kann, um rasch nach oben zu kommen. »Jeder ist zu haben« heißt es in einem Text des Liedermachers Reinhard Fendrich. »Sag nicht, dass du nicht käuflich bist, nur weil dich bisher niemand kaufen wollte.« Deshalb ist die Affäre Wulff nicht zuletzt eine Anfrage an jeden von uns. Volker Kiemle

So erreichen Sie uns: Redaktion »unterwegs« Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.de Aboservice: 0711 83000-0

kurz gesagt Rund 642.000 Euro haben

Studie über Babyklappen Spender aus der EmK im und anonyme Geburten, die vergangenen Jahr für »Brot das Deutsche Jugend­institut für die Welt« und die »Diain München erstellt hat und konie Katastrophenhilfe« über die das Blatt berichtet gegeben. An »Brot für die hatte. Demnach wurden seit Welt« gingen rund 392.000 1999 insgesamt 973 Kinder Euro, an die »Diakonie in Baby­klappen abgegeben ­Katastrophenhilfe« 250.000 oder kamen bei anonymen Euro. Größer Einzelposten ­Geburten auf die Welt. Die waren die Spenden an die Träger dieser Angebote Katastrophenhilfe für die konnten bei rund einem von einer Hungersnot Fünftel der Kinder keine ­heimgesuchten Menschen Angaben über deren ­Ostafrika. Für diesen Zweck ­Verbleib machen. kamen aus dem Raum der EmK 155.000 Euro. Die Deutsche Bank soll durch Börsengeschäfte für den Wegen ihres Glaubens werden weltweiten Preisanstieg bei weltweit rund 100 MillioLebensmitteln und somit nen Menschen verfolgt. Das für den Hunger mitverantschätzt das Hilfswerk wortlich sein. Das werfen »Open Doors«. Besonders entwicklungspolitische gefährdet sind demnach ­Organisationen dem ­Institut Christen in Nordkorea, vor. »Die Deutsche Bank ­Afghanistan und Saudi-­ mischt beim Spekulieren Arabien. Diese Länder führen mit Nahrungsmitteln international in der ersten Liga den »Weltverfolgungsindex mit«, sagte Marita Wiggert2012« an, den »Open Doors« kürzlich veröffenthale von Oxfam. Die Bank lichte. Afghanistan ist auf prüft nach eigenen Angaben dem Index von Platz 15 auf bereits Vorwürfe, dass den zweiten Platz vorge­Agrarrohstoff-Fonds die Errückt, Saudi-Arabien um nährungslage verschlechtern ­einen Rang nach oben auf könnten. Sollte das zutrefPlatz drei. fen, will man Konsequenzen ziehen. Babyklappen sollen ­g eschlossen werden.

Das hat die stellvertretende ­Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane ­Woopen, gefordert. Zudem sollten anonyme Geburten untersagt werden. Diesen Angeboten für schwangere Frauen in Notlagen fehle die Transparenz über den Verbleib der Säuglinge, sagte die Kölner Medizinethikerin der Tageszeitung »Die Welt«. Sie reagierte auf eine

Das christliche Selbst verständnis ist der Union im

Bundestag etwas verloren gegangen. Das sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann ­Kues bei einer Disksussion in Berlin. Die einen würfen der CDU vor, nicht mehr christlich genug zu sein, die anderen wollten mit dem Christlichen nichts mehr zu tun haben. idea/epd

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Titelfoto: MEV

Machtfragen


Titelthema: Soziale Projekte in der EmK ::: 3

Befreit zum Helfen In der methodistischen Bewegung spielte der Einsatz für Schwache und Arme von Anfang an eine große Rolle. Das ist bis heute so geblieben. Wir stellen in diesem Heft einige Projekt vor.

G

ott wendet sich dem Menschen zu und schenkt ihm seine Liebe. Er schuf die Erde und stellt sie seinen Geschöpfen als Lebens- und Gestaltungsraum zur Verfügung. Er sandte seinen Sohn als Maßstab menschlicher Existenz und zur Befreiung von den Mächten der todbringenden Gewalt. Diese Liebe Gottes kann und will uns Menschen verwandeln: Wir sehen nicht (mehr) nur uns selbst (mit unserem Glück und unserer Trauer), sondern auch unsere Mitmenschen. Viele (kleine und große) Leute unserer Kirche haben an vielen (kleinen und großen) Orten in Ost und West, in Nord und Süd unseres Landes Lebenssituationen gesehen, die nicht so bleiben sollten, wie sie sind. Sie haben dies als Aufgabe und Herausforderung gesehen und sind viele (kleine und große) Schritte gegangen, um das Gesicht der Welt zu verändern, um (Lebens-) Räume zu öffnen, um Menschen zu unterstützen und zu helfen – um Gottes Liebe sichtbar zu machen. Die über 200 sozialdiakonischen Projekte von Gemeinden unserer Kirche in Deutschland wenden sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Männer und Frauen in ihren ganz unterschiedlichen Situationen und reagieren auf ganz unterschiedliche Herausforde-

rungen. Weitere Informationen sind auf der Internetseite www.emk-diakonie.de zu finden. Nachfolgend stellen wir fünf Beispiele vor: die ­Lisbeth-Oase in Frankfurt, die Inselarche in HamburgWilhelmsburg, »Never walk alone« in Flensburg, den Winterspielplatz in Fürth sowie Aufwind e.  V. in ­Berlin-Lankwitz. Bei Fragen und Anregungen können Sie sich an die Beauftragten der Jährlichen Konferenzen wenden: OJK Pastorin Heidrun Hertig (heidrun.hertig@emk. de), NJK Pastor William Barnard-Jones (william.barnard-jones@emk.de), SJK Ingrid Stahl (ingrid.stahl@ emk.de); oder auch an den Referenten für diakonische und gesellschaftspolitische Verantwortung, Pastor Hans Martin Renno, Ludolfusstraße 2–4, 60487 Frankfurt/Main, Telefon 069-2425210, hans.martin. renno@emk.de.

Hans Martin Renno ist Pastor im Bezirk Freiburg und Referent für diakonische und gesellschaftspolitische Veranwortung der EmK.

Soziales Bekenntnis

der Evangelisch-methodistischen Kirche

Foto: fotolia

Wir glauben an Gott, den Schöpfer der Welt, und an J­ esus Christus, den Erlöser alles Erschaffenen, und an den Heiligen Geist, durch den wir Gottes Gaben erkennen.

Wir stehen ein für die Überwindung von ­Ungerechtigkeit und Not.

Wir bekennen, diese Gaben oft missbraucht zu haben, und bereuen unsere Schuld.

Wir verpflichten uns zur Mitarbeit am weltweiten Frieden und treten ein für Recht und Gerechtigkeit unter den ­Nationen.

Wir bezeugen, dass die natürliche Welt Gottes Schöpfungswerk ist. Wir wollen sie schützen und verantwortungsvoll nutzen.

Wir sind bereit, mit den Benachteiligten unsere ­Lebensmöglichkeiten zu teilen. Wir sehen darin eine Antwort auf Gottes Liebe.

Wir nehmen dankbar die Möglichkeiten menschlicher Gemeinschaft an. Wir setzen uns ein für das Recht jedes Einzelnen auf sinnvolle Entfaltung in der Gesellschaft.

Wir anerkennen Gottes Wort als Maßstab in allen menschlichen Belangen jetzt und in der Zukunft.

Wir stehen ein für das Recht und die Pflicht aller Menschen, zum Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft beizutragen.

Wir glauben an den gegenwärtigen und endgültigen Sieg Gottes. Wir nehmen seinen Auftrag an, das ­Evangelium in unserer Welt zu leben. Amen.


6 ::: Titelthema: Soziale Projekte in der EmK

Eine tolle Erfindung

I

ch hab schon alles ausprobiert, aber am besten gefällt mir das Bällebad.« Viola fühlt sich schon wie zu Hause. In der kleinen Turnhalle der EmK-Fürth kurven Kinder auf Rutschautos, krabbeln durch Tunnelröhren und erklimmen juchzend die Rutsche. Die Kleinsten schlafen in der Babyecke. Der Geräuschpegel ist für die Kinder bis sechs Jahren kein Problem. Die Bistroecke im Eingangsbereich bietet für die Erwachsenen Tee und Kaffee bei lockeren Gesprächen an. An den Füßen tragen hier alle Hausschuhe oder rutschfeste Strümpfe. Die müssen sie selbst mitbringen. Winterkälte und Matschschuhe bleiben draußen. Auf dem »Ersten Winterspielplatz in Fürth« ist es angenehm warm und trocken. Jeden Montagnachmittag und Dienstagmorgen öffnet der Winterspielplatz seine Pforten. Hier am Rande der Fürther Innenstadt ist das soziale Umfeld durchwachsen. Spielflächen im Winter gibt es sonst nicht, und einen Eintritt ins Erlebnisbad können sich viele einfach nicht leisten. Das Angebot der Fürther EmK konnte gar nicht besser passen: »Wir wollen den Kindern einen Platz einräumen, an dem sie gerne gesehen und gehört werden, und den Eltern die Möglichkeit geben, auch bei schlechtem Wetter etwas Kostengünstiges zu unternehmen.« Das beschloss die Gemeinde im März 2007 auf einer Klausurtagung und rannte mit ihrer Idee bei Bürgermeister Thomas Jung offene Türen ein. Schnell waren Firmen- und Bankspenden gefunden für Spielgeräte und die Renovierung der gemeindeeigenen Turnhalle. Mit großer Werbetrommel, Prominenz und Clown Amanda startete der neue Spielplatz im November.

Treffpunkt ohne Reibungspunkte Bereits in der fünften Saison tummeln sich hier am Tag bis zu 40 Kinder und lassen ihrer Energie freien Lauf. Die Anwohner schätzen den Treffpunkt als einzige kostenlose Spielmöglichkeit für ihre Kinder im Winter.

Manche kommen sogar aus den Nachbarstädten, und so vermischen sich hier die unterschiedlichsten sozialen Schichten, ohne dass es Reibungspunkte gibt. Die begleitenden Erwachsenen verabreden sich in der Bistroecke zum Austausch. Die Mütter, Väter oder Großeltern haben für ihre Kinder die Aufsichtspflicht. »Das ist wie auf jedem anderen Spielplatz auch«, sagt Renate Strümpel von der Fürther Gemeinde. Sie gehört zum Betreuungsteam des Winterspielplatzes und freut sich, diese Möglichkeit für das Umfeld anbieten zu können. Auch wenn das bedeutet, am Sonntagnachmittag den Spielplatz aufzubauen, Bällebad füllen, Krabbeltunnel, Spieltraktoren, Autos und Eisenbahnen aufstellen. Die Bilderbücher kommen an ihren Platz, und auch die Babykrabbel­ ecke wird abgeteilt. Renate Strümpel ist neben dem Aufbau auch für Kaffee- und Teezubereitung zuständig. In der Spielzeit selbst mischt sie sich nicht ein, sorgt aber dafür, dass die Kinder gefahrlos spielen können. Auch das Aufräumen gehört für die Betreuer dazu. Jeden Dienstagnachmittag wird die Turnhalle so hergerichtet, dass sie von den anderen Gruppen wieder genutzt werden kann. »Für uns ist es wichtig, als Gemeinde im Gespräch zu bleiben«, sagt Pastor Friedbert Gruhler. »Wir sehen diese Arbeit als einen Auftrag für unser Umfeld. Natürlich freuen wir uns, wenn Leute vom Winterspielplatz bei unserem Kindertreff vorbeischauen oder sogar den Weg in den Gottesdienst finden.« Auch wenn das bisher nur vereinzelt vorkommt, ist die Anerkennung der Eltern groß für das einzige kostenlose Spielangebot in Fürth. Sie spenden gerne Geld und Lob: »Wenn es den Winterspielplatz nicht gäbe, müsste man ihn erfinden!« November bis März, montags 14.30 bis 17 Uhr, dienstags 9.30 bis 12 Uhr, Angerstraße 21-23, 90762 Fürth www.atlas.emk.de/fuerth_spielplatz.html

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Foto: Privat

Von November bis März verwandelt sich die Turnhalle der EmK in Fürth in einen Spielplatz. Montags und dienstags toben sich hier Kinder aus der Umgebung aus – und die Eltern können miteinander ins Gespräch kommen. Heiko Müller war dort.


foto: Daniel Schmidt

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem vonTitelthema: diesen meinen Soziale Projekte Wort auf in den der EmK Weg ::: ::: 77 geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Matthäus 25,37-40

Strahlende Gesichter

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ls ich am frühen Nachmittag die Christuskirche erreiche, herrscht am Seiteneingang ein reges Kommen und Gehen. Ein Mann mit grauem Bart grüßt mich mit fröhlichem Gesicht. Er schleppt zwei schwere Tragetaschen. Zwei Frauen mit Einkaufswagen unterhalten sich lautstark. Die Lebensmittelausgabe hat geöffnet. Von der Tür aus schaue ich in die Ausgabestelle. Die Tische biegen sich unter Kisten mit Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln. Etwa 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen dahinter. Auf der anderen Seite der Tische packen etwa ebensoviele »Kunden« die Waren in ihre Taschen und Körbe. Es herrscht große Betriebsamkeit. Ich grüße von der Tür in den Raum. Ein Gemeindeglied entsorgt gerade leere Kartons. Sie hat beide Hände voll. Eine andere scherzt mit einem Gast. Mittags hatte ein LKW der Hamburger Tafel die Lebensmittel gebracht. Als ich abends wieder in den Raum schaue, hat sich das Bild geändert. Alles ist aufgeräumt. Etwa ein Dutzend der Mitarbeitenden sitzt mit Kaffee entspannt in der Runde. »Wieder geschafft!«, sagt ein Mann und strahlt.

Mehr als Organisation Etwa 80 Personen holen hier jeden Montag für sich und ihre Familien Lebensmittel. Alle müssen ihre Bedürftigkeit nachweisen. Jesus sagt: »Ich war hungrig und ihr habt mir zu Essen gegeben. Was ihr den Bedüftigen getan habt, das habt ihr mir getan.« Dass sich hier mehr ereignet als nur eine rein organisatorische Maßnahme, zeigt eine andere kleine Begebenheit. In den letzten Jahren haben sich viele Kontakte ergeben. Eine sympatische ältere Dame kommt nur zur Lebensmittelausgabe, wenn das Geld gar nicht reicht. Es fällt ihr schwer, sich als arm zu bekennen. Sie arbeitet inzwischen in einer Grupe der Gemeinde mit. Kürzlich kam sie zu einer Besprechung – nach einem Unfall an zwei Krücken. »Die Teilnahme heute ist

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mir ganz wichtig«, sagte sie und strahlt. »Die Mitarbeit hier macht mein Leben wieder sinnvoll.«

Die Gemeinde hat sich verändert Die sozial-diakonische Arbeit hat etwas verändert. Zunächst in der Gemeinde. Sie hat sich mit wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an große Aufgaben gewagt und wurde selbst beschenkt mit neuen Menschen, die sich mit ihren Gaben einbringen. Das macht Mut. Daneben hat sich auch das Bild der Gemeinde in der Nachbarschaft verändert. Sie wird als verantwortungsbewusst und offen wahrgenommen und erfährt eine wachsende Akzeptanz im Stadtteil. Für viele ehrenamtlich mitarbeitende Menschen hat sich etwas geändert. Sie haben eine Aufgabe gefunden, die ihnen Sinn und Anerkennung verleiht. Sie haben auch Gemeinschaft gefunden, die sie bereichert. Und drittens haben einige hundert Menschen die Christuskirche als Ort erlebt, wo sie Hilfe und Unterstützung empfangen. Die Lebensmittelausgabe wurde ergänzt durch Kurse, in denen man lernt, wie man eine Familie mit wenig Geld gesund ernährt. Hinzu kam auch das Café Ursprung, in dem Menschen mit Behinderungen arbeiten. Natürlich geht es nicht immer ohne Reibungen und Anstrengung ab. Aber auf allen Seiten überwiegen die strahlenden Gesichter. Den Lohn gibt es nicht erst am Ende der Zeit wie im Gleichnis aus Matthäus 25. Sondern die verschiedenen Dienste werden zu einem Segen für die Stadt und für die Gemeinde. 

Karsten W. Mohr ist leitender Pastor in Hamburg-Hamm und im Diakoniewerk Bethanien


8 ::: Titelthema: Soziale Projekte in der EmK

Im »Aufwind« gibt es für Kinder ein vielfältiges Programm

Ein echter Aufwind für Kinder Im Gebäude der EmK-Gemeinde Berlin-Lankwitz werden Kinder betreut, auf die zu Hause tagsüber niemand wartet. Die zumeist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vermitteln dabei auch Werte. Benjamin Lassiwe hat den Treff besucht.

Fotos: Claudia Kittsteiner

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s ist ein gutbürgerlicher Stadtteil im alten WestUnd die sich natürlich auch darauf freuen, im »ProBerlin: In den Straßen von Lankwitz reiht sich jekt Aufwind« mit der besten Freundin zu spielen oder ein Einfamilienhaus ans Nächste, am nahen S- zu basteln. »Wir sind hier nicht mit einer Arche verBahnhof gibt es einen Bio-Supermarkt, kleine Bouti- gleichbar«, sagt Silke Flügge. »Unser Projekt ist keine quen und Restaurants. Wirkliche Armut gibt es hier Suppenküche für Kinder in sozialer Not – wir kümhöchstens sehr versteckt. Und denmern uns eher um Kinder, bei noch betreibt die örtliche EmK-Gedenen beide Elternteile arbeiWir kümmern uns um meinde das Projekt Aufwind: Einen ten, und die sich freuen, wenn »offenen Schülertreff« für Grundwir ihren Kindern eine AnlaufKinder, deren Eltern sich schulkinder, auf die zu Hause niestelle bieten.« freuen, dass wir eine mand wartet. Finanziert wird das Projekt »Als wir vor zehn Jahren angeausschließlich durch Spenden Anlaufstelle bieten.« fangen haben, waren die Hortplätze von Eltern und Gemeindegliein Berlin recht rar«, sagt Projektleidern. Nur für das Mittagessen terin Silke Flügge. Bewusst entschied sich die Gemein- erheben die Aufwind-Macher einen kleinen Beitrag de für die Gründung eines Kinderprojekts, »wir woll- von 2,50 Euro pro Kind. Und wenn das Tischgebet ten uns auch im sozialen Bereich engagieren.« Heute gesprochen ist, und die Teller leergegessen sind, bekommen nach der Schule meist mehrere Dutzend Kin- ginnt ein buntes Programm: Das Bekleben von Fliesen der im »Projekt Aufwind« vorbei – Kinder wie Laura, oder ein Band-Projekt gehören genauso zum Alltag des die auf Hilfe bei den Deutsch-Hausaufgaben hofft, Schülertreffs wie Ernährungsworkshops oder Ausflüge oder Svenja, der Deutsch leicht und Mathematik zu den Sehenswürdigkeiten Berlins. »Als christliches Projekt gehört Wertevermittlung für uns natürlich schwer fällt.


Titelthema: Soziale Projekte in der EmK ::: 9

auch dazu«, sagt Silke Flügge. »Wir beten vor dem Essen, oder hören auch mal eine Bibelgeschichte zusammen.« Dabei ist es den Machern des Aufwinds aber wichtig, niemandem den Glauben überzustülpen. »Bei uns muss niemand mitbeten oder das, was wir machen, für sich nachvollziehen«, sagt Silke Flügge. »Das Einzige, was wir von allen Kindern erwarten, ist, dass Ruhe herrscht, wenn die, die beten wollen, beten.«

Von der »VIP-Lounge« in die Gemeinde Ohnehin gehören nur ein bis zwei Prozent der Kinder, die regelmäßig zu Gast im Aufwind sind, der EmKGemeinde an. Um den Übrigen den Übergang in die Jugendarbeit der Gemeinde zu ermöglichen, hat das Aufwind-Projekt nun ein »VIP-Lounge« genanntes Programm für ältere Kinder gestartet: Während sich die klassische Arbeit des Projekts eher an Sechs- bis Zwölfjährige richtet, könnten hier auch ältere Kinder mitmachen – »bis sie alt genug sind für die klassischen Jugendangebote der Gemeinde«, sagt Silke Flügge. Denn natürlich würden sich die Aufwind-Macher freuen, wenn am Ende der eine oder andere Jugendliche neu zur EmK-Gemeinde käme. In manchen Einzelfällen ist das schon geschehen: »Eine junge Frau, die als Kind hier war, heiratet demnächst in die Gemeinde ein«, erzählt die Projektleiterin. www.aufwind-kids.de

Silke Flügge leitet den Kindertreff »Aufwind«.

MEDIENTAG

24. März 2012, Nü

rnberg

Ein Tag für Mitarbeitende und Interessierte aus dem Bereich der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit in den Gemeinden

DIE WORKSHOPS: In die Zeitung kommen Pressearbeit für die Gemeinde • Liebe deinen Leser wie dich selbst Biblische Impulse kurz und knackig • Mehr als ein paar Worte Begrüßen, vorstellen, einführen ... • Facebook, Twitter & Co. Netzwerke bilden und nutzen • Für Bücher begeistern Büchertischarbeit, die Kreise zieht • Persönlichkeits- und Urheberrecht Was juristisch zu beachten ist • Damit Zuhören Spaß macht Moderation und Präsentation • Wie wird der Beamer zum Diener? Beamer-Präsentation im Gottesdienst • Weg mit Floskeln und „Blähdeutsch“ Wie Sie richtig gute Texte schreiben • Vom Gemeindefest zum Fundraising-Event Besondere Veranstaltungen planen • Drama, Drama, Drama ... Der Bibeltext lebt! • Ihre Gemeinde im Internet Von der Website zum digitalen Treffpunkt • Gut – besser – Gemeindebrief „Blattkritik“: Lernen an Beispielen • Klare Ansagen, guter Klang Tontechnik in der Gemeinde • Präsentationen mit Leidenschaft Was PowerPoint kann – und was nicht • Bewegte und bewegende Bilder Filme produzieren und einsetzen • Ich hab da was gesehen! Vom fröhlichen Knipsen zum bewussten Fotografieren

www.medientag2012.de

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Veranstalter: Medienwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche radio m – Hörfunkagentur der Evangelisch-methodistischen Kirche


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Ein einmaliges Angebot Eine Tasse Kaffee trinken, Bekannte treffen, ein wenig plaudern: Die »Lisbeth-Oase« der EmK am Frankfurter Merianplatz bietet Frauen, die sich das sonst nicht leisten können, eine einladende CaféAtmosphäre. Zudem finden die durchschnittlich jeweils 20 Besucherinnen stets offene Ohren für ihre Ängste und Nöte. Die Journalistin Doris Stickler hat für uns die Oase besucht.

F

ür die meisten Menschen sind das Essen im Restaurant, ein Besuch im Theater oder der gemütliche Plausch mit Freunden im Café Selbstverständlichkeiten. Wem das Geld aber nur für das Nötigste reicht, muss derlei Freuden als unerschwinglichen Luxus verbuchen. Wie zum Beispiel Hilda Selzer, die von ihrer Rente nicht mal leben kann. Bis vor zwei Jahren verdiente sich die 85-Jährige deshalb noch als Haushälterin etwas hinzu. Seit sie das körperlich nicht mehr schafft, stockt eine gemeinnützige Stiftung ihre dürftigen Bezüge auf. Dennoch dreht die Seniorin jeden Euro drei Mal um. Für sie wie für viele Frauen in ähnlichen Lagen ist die Christuskirche am Frankfurter Merianplatz zur festen Anlaufstelle geworden. Seit 2004 lädt dort die Evangelisch-methodistische Gemeinde in die LisbethOase ein. Dass es jeden Montag und Dienstag Kaffee, Kuchen und belegte Brote gibt und sie eine Lebensmitteltüte mit auf den Heimweg bekommt, steht für Hilda Selzer allerdings an zweiter Stelle. Vielmehr noch schätzt sie das Frauencafé als einen Ort, wo sie Bekannte treffen und ein bisschen plaudern kann.

Liebevoll und einladend Die gesellige Kaffeehausatmosphäre, die zwischen 13.30 und 17 Uhr in der Christuskirche herrscht, animiert regelrecht zum Gespräch. Alle Tische sind liebevoll gedeckt, mit Kerzen und Gestecken dekoriert, Getränke und Speisen serviert das Lisbeth-Team direkt an den Plätzen. Die Besucherinnen stecken mal zu zweit, mal im kleineren Kreis die Köpfe zusammen, manche blättern in einer Zeitschrift, andere widmen sich ganz den Köstlichkeiten auf dem Teller. Es wird viel geredet und gelacht, ab und zu verbreitet jemand Neuigkeiten auch über größere Distanzen hinweg. Heideliese Benahmed freut sich zudem auf das anschließende Kartenspielen – eine Passion, der sie sonst nirgendwo frönen kann. »Wo sollen Leute denn hingehen, die sich keinen Besuch von normalen Cafés oder Gaststätten leisten können?« Die 70-Jährige sieht in der Lisbeth-Oase ein Angebot, »das in ganz Deutschland fehlt«. Sie kenne jedenfalls nichts, was sich vergleichen ließe. Ihr ausdrückliches Lob gilt denn auch dem »tollen ehrenamtlichen Team«.

Ein bemerkenswertes Team Was Renate Roblick und Evely Aldema vor acht Jahren auf die Beine stellten, ist in der Tat bemerkenswert. In der Christuskirche wird nämlich weit mehr als nur der Magen von »älteren, bedürftigen und wohnsitzlosen Frauen« gestärkt. Das Projekt beugt auch den fast unvermeidlichen Konsequenzen der Armut vor: Einsamkeit, Isolation und Ausgrenzung aus dem gesellschaftlichen Leben. Überdies finden die durchschnittlich jeweils 25 Besucherinnen stets offene Ohren für ihre Ängste und Nöte. Bisweilen leistet das neunköpfige Team auch tatkräftig Hilfe. Neben den Initiatorinnen erklären Hannelore Gröninger, Anni Münch, Marianne Kutschger, Anita Hübner, Brigitte Schmelzer, Ursula Salger und Angelika Schreiber unverständliche Behördenpost, begleiten Frauen beim Gang zu Ämtern oder stellen dank guter Vernetzung Kontakt zu Einrichtungen wie Frauenhäuser oder Schuldnerberatung her. Zu etwas gedrängt werde hier aber niemand, stellt Renate Roblick klar. »Wir sind einfach da, hören zu und warten, bis sich die Frauen von sich aus öffnen.« Zumal dies das Zeichen sei, dass sie angekommen sind und Vertrauen entwickeln. Sie erinnere sich noch gut an jene hochintelligente Frau, die durch den Freitod ihres Mannes aus der Bahn geworfen wurde, in Frankfurt strandete und irgendwann in der Lisbeth-Oase erschien. Anfangs sehr distanziert, sei sie zunehmend aufgetaut und von allen ins Herz geschlossen worden. Seit sie 2007 an einem Krebsleiden verstorben ist, kümmert sich das Team um ihr Grab. »Wir sind alle Menschen« Zu Roblicks besonderer Freude kann sie inzwischen auch einige Türkinnen zu den Stammgästen zählen. Wenn Pastor Hans-Ulrich Hofmann alle 14 Tage mit den Frauen singt und betet, murmelten sie eben ihr entsprechendes muslimisches Gebet. Genay, für die »Deutschland längst zur zweiten Heimat geworden« ist, bereitet das »überhaupt kein Problem«. Seit sie vor drei Jahren die Lisbeth-Oase entdeckte komme sie regelmäßig und fühle sich sehr wohl. Nur ein einziges Mal habe sie erlebt, dass eine der Besucherinnen gegen Ausländer schimpfte.

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Titelthema: Soziale Projekte in der EmK ::: 11

Das Team der Lisbeth-Oase bietet Frauen einen Raum zur Begegnung.

Foto: istock, Privat

In solchen Fällen wie auch bei gelegentlichen Streitigkeiten – manche Frauen sind psychisch nicht sehr stabil – greifen die Mitarbeiterinnen behutsam ein. Dass sie sich bei ihrem wöchentlich rund 15-stündigen Einsatz dem Leitmotiv der Heiligen Elisabeth von Thüringen verschreiben und tätige Nächstenliebe üben, hat freilich nichts mit blauäugiger Selbstlosigkeit zu tun. Die Ruheständlerinnen verfügen allesamt über langjährige Berufserfahrung, haben sich in Fortbildungen Kenntnisse verschafft und treffen sich mit Pastor Hofmann regelmäßig zu Besprechungen.

Offene Türen für Helfer Der Amtsantritt des sozial engagierten Theologen fiel genau in die Zeit, in der die Idee zur Lisbeth-Oase keimte. Renate Roblick rannte bei Hofmann sofort offene Türen ein. Zumal die Christuskirche damals begann sich als Ort zu profilieren, an dem Menschen mit wenig Geld geachtet und willkommen sind. Seit 2003 deckt jeden Donnerstag ein weiteres Team für 130 und 160 Personen den »Mittagstisch für Alle«, verschenkt oder verkauft zu symbolischen Preisen gebrauchte Kleidung und Bücher und verteilt ebenfalls gespendete Lebensmittel.

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Ein afrikanisches Sprichwort bringt diese Aktivitäten treffend auf den Punkt: »Viele kleine Leute an vielen kleinen Stellen die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.« Dass die Gemeinde zweifellos das Gesicht der Mainmetropole verändert hat, blieb hier nicht unbemerkt. Der »Mittagstisch für Alle« wurde 2009 von der Caritas mit dem Senfkornpreis – im Matthäus-Evangelium dient das Senfkorn als Sinnbild, wie aus kleinen Anfängen etwas Großes entstehen kann – und 2010 von der Stadt mit dem Frankfurter Bürgerpreis gewürdigt. Doris Stickler www.emk-frankfurt.de


16 ::: Im Interview

»Musik ist eine Brücke« Sein Name ist untrennbar mit der christlichen Musikszene in Deutschland verbunden: Friedrich Hänssler, langjähriger Inhaber des gleichnamigen Verlags, der heute zur Stiftung Christliche Medien gehört. Zusammen mit Helmuth Rilling brachte er eine Ausgabe sämtlicher Bachwerke auf den Markt, zahlreiche moderne Kirchenlieder erschienen in seinem Verlag. Zum Jahr der Kirchenmusik hat Benjamin Lassiwe mit ihm gesprochen.

Warum wird Bach bis heute gehört, während vieles andere aus dieser Zeit vergessen ist? Friedrich Hänssler: Es ist nichts so beständig, wie die Veränderung. Das gilt auch für geistliche Lieder wie für Choräle. Bei der unerbittlichen Sichtung, die die Zeit über die Jahrhunderte hinweg vornimmt, bleibt eben nur beste Qualität übrig. Wahrscheinlich liegt es aber auch daran, dass die Choräle eines Paul Gerhardt und eines Philipp Nicolai und anderer durch schwere Lebenssituationen zu echten Glaubenszeugnissen geworden und bis heute auch geblieben sind. Jahrhundertelang hat es in den Kirchen ähnliche ­Lieder gegeben.Warum geht es heute so auseinander? Friedrich Hänssler: Das ist schwer zu beantworten. Ich will jetzt nicht den Begriff der Parallelgesellschaften verwenden, aber vielleicht liegt es daran, dass sich die Kirchen stärker auseinanderentwickelt haben. In den Landeskirchen waren die Kirchentage wichtige Ereignisse für die Kirchenmusik. Ihr Liedgut ist in die Gemeinden eingezogen. Die Freikirchen und ähnliche Gruppierungen hingegen waren eher kirchentagsabstinent. Sie waren mehr mit den USA verbunden, und haben von dort viel Impulse übernommen: Im Musikstil wie in den Texten.

Im Liederbuch der Kirchentage findet sich der ­Verlegername Hänssler genauso wie in den Gesangbüchern mancher Freikirche. Wie überbrücken Sie den Graben zwischen den Kirchen? Friedrich Hänssler: Manches hat man als Verleger gar nicht in der Hand. Musik ist immer selbst eine Brücke. Ich habe festgestellt, dass sich manche Dinge, die in Komponistenwerkstätten entstanden sind, zu Recht nicht durchgesetzt haben. Wenn aber ein Lied, wie »Vertraut den neuen Wegen«, plötzlich mit bestimmten Ereignissen verbunden wird, wie damals dem Mauerfall, dann setzt es sich durch – unabhängig von Komponist, Texter, Verleger oder Kirche. Zudem wird ein neues Lied dem Echtheitstest der singenden Gemeinde unterworfen. Welche Herausforderungen für die Kirchenmusik ­sehen Sie im »Jahr der Kirchenmusik«? Friedrich Hänssler: Die Aufgabe der Kirchenmusik ist schwerer geworden – überall ertönt der Ruf, dass die Gottesdienste lebendiger werden sollen. Dabei steht so vieles im Angebot. Meiner Ansicht nach ist die Aufgabe der Kirchenmusik, die Kriterien, die das Neue Testament uns vorgegeben hat, wieder neu zu beachten: Hin zur Gemeinde, hin zu Gott und hin zum Nächsten. Martin Luther gibt uns da eine Leitlinie, wie das zu geschehen hat: »Es muss beides, Text und Noten, Accent, Weise und Gebärde aus rechter Muttersprache und Stimme kommen.« Und was wünschen Sie sich von der Kirchenmusik? Friedrich Hänssler: Zunächst einmal, dass generell wieder viel mehr gesungen würde. Im Gottesdienst, in der Familie, auch in der Schule. Die ständige Berieselung mit Musikkonserven, oft zweifelhafter Art, ist für das Singen keinesfalls förderlich. Ich sehe einen gewissen Niedergang bei Jugendchören, einen steigenden Altersdurchschnitt bei Laienchören, auch bei Kirchenchören. Nur bei der Gospelmusik gibt es ein großes Wachstum – sie entspricht den Lebensäußerungen mancher Menschen heute vielleicht mehr. Entscheidend scheint mir, dass zeitgenössische Dichter und Komponisten und Ausführende Formen finden, bei denen sie vom Bibelwort erfüllt sind, dass sie dessen Bote sein möchten.

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Foto: SCM Hänssler

Welche Musik hören Sie am Liebsten? Friedrich Hänssler: Im Laufe der Zeit hat sich natürlich mein recht breit angelegter Musikgeschmack immer wieder einmal gewandelt. Aber am Liebsten höre und beschäftige ich mich mit Johann Sebastian Bach. Das war dann auch der Grund für die Gesamtausgabe seiner Werke auf 172 CDs, die wir mit Helmuth Rilling aufgenommen haben. Meine erste selbstgekaufte Schallplatte war allerdings die »Psalmensymphonie« von Igor Strawinsky.


Spieletest ::: 17

Schnapp’s, Frigiti, dann ist Qwirkle eins von 7 Wonders Ein Pflichttermin für die Heidelberger Spieletest-Gruppe sind jedes Jahr die Internationalen Spieletage im Oktober in Essen mit der Verleihung des Deutschen Spielepreises. Als Spieleprofis entscheiden die »Heidelberger« mit über die Auszeichnung der besten Spiele eines Jahrgangs. Nachfolgend eine kleine Auswahl interessanter Spiele von Hartmut Elsässer. Qwirkle Der quirlige Name kann auf das englische Wort »quirky«, was so viel bedeutet wie »spitz-findig, gerissen« zurückgeführt werden. Dementsprechend muss man sich auch auf das Spiel mit über 100 quadratischen Spielsteinen einlassen. Der Spielgedanke klingt Spieler: 2 bis 4 einfach und fast vertraut. Alter: ab 6 Jahren Aus den vorgegebenen Autor: Susan McKinley Ros Steinen sind Reihen zu Verlag: Schmidt Spiele bilden. Eine Reihe darf Preis: ca. 23 Euro aus Steinen bestehen, die entweder alle mit der gleichen Form versehen oder gleichfarbig sind. Gleichzeitig müssen in einer Reihe mit Steinen derselben Farbe alle eine unterschiedliche Form aufweisen. Umgekehrt müssen in einer Reihe mit Steinen derselben Form alle von unterschiedlicher Farbe sein. Jeder Spieler beginnt mit seinem ersten Vorrat von sechs Steinen, die so aufgestellt werden, dass die anderen Spieler sie nicht sehen können. Ist ein Spieler an der Reihe, kann er einen oder mehrere Steine an ausliegende Reihen anlegen, dann wird sofort nach bestimmten Regeln gewertet. Oder er kann beliebige eigene Steine mit Steinen aus dem Vorrat tauschen. Zum Abschluss eines Zuges werden die eigenen Steine wieder auf die Zahl sechs ergänzt. Das Spiel endet, wenn der Vorrat aufgebraucht ist und der erste Spieler seinen letzten Stein gelegt hat. Qwirkle ist lässt sich mit viel Freude und Spannung gleichermaßen von Erwachsenen wie aufgeweckten Kindern spielen. Das Spiel fördert sowohl kombinatorische Fähigkeiten mit strategischem Akzent sowie das abstrakte Denken. Es wurde in seinem Herkunftsland, den USA, mit mehreren Spielepreisen ausgezeichnet und bei uns mit dem Prädikat »Spiel des Jahres 2011« belohnt.

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7 Wonders »Leiten Sie die Regierungsgeschäfte einer der sieben großen Städte der antiken Welt«, so lautet der Spielauftrag eingangs. Demgemäß versuchen die Spieler ihre Stadt auszubauen und ihr architektonisches Wunder zu errichten. Um das zu erreichen, müssen die Spieler Güter herstellen, mit den Nachbarstädten handeln sowie die Wissenschaften weiter entwickeln. Das alles geschieht weitestgehend mit Karten. Vorweg erhält jeder Spieler eines der sieben Weltwunder der Antike zugelost. Er legt dieses Tableau vor sich ab, zusammen mit drei Münzen. Zu Beginn eines jeden Zeitalters erhält jeder Spieler sieben Karten auf die Hand. Er wählt eine davon aus und legt sie verdeckt vor sich ab. Sobald alle Spieler ihre Karte ausgewählt haben, können sie diese gleichzeitig ins Spiel bringen. Karten die man nicht benutzt, gehen an den Nebenspieler. Es gibt sieben verschieden farbige Kartentypen, die jeweils für eine Ressource – etwa Ziegel – stehen. Fehlen dem Spieler bestimmte Ressourcen, so kann er diese von seinen beiden Nachbarn kaufen. Am Ende aller drei Zeitalter vergleichen die Spieler ihre Stärke. Je nachdem gibt es Sieg- oder Niederlagechips. Zusammengenommen mit den Punkten der Karten und Weltwunder zeigt sich jetzt der siegreiche Architekt. Besonders reizvoll fand das Spieletest-Team, dass man immer in der Abhängigkeit und Verbindung mit seinen beiden Spieler: 3 bis 7 Nachbarn spielt. Der raffinierte SpielAlter: ab 10 Jahren mechanismus, die strategischen MögAutor: Antoine Bauza lichkeiten und der rasche Spielverlauf Verlag: Repos/Asmodee Preis: ca. 34 Euro ließen sofort die Lust auf eine weitere Spielerunden aufkommen. 7 Wonders wurde mit dem Deutschen Spiele Preis ausgezeichnet. 


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Schnapp’s Anders, als es der Titel vermuten lässt, kann das lustige, temporeiche Spiel nur mit höchster Konzentration gespielt werden. Zu Spielbeginn werden die 96 Bildkärtchen gut sichtbar über den Tisch verteilt. Die Aufgabenkarten werden als getrennte Stapel verdeckt bereit gelegt. Dann wird noch die Sanduhr aufgestellt und die verschiedenfarbigen Holzwürfel danebengelegt. Dem Startspieler wird in Spieler: 3 bis 8 der ersten Runde die ErklärerAlter: ab 9 Jahren karte zugeteilt. Sein linker Autor: Carlo A. Rossi Nachbar bedient und überwacht die Sanduhr. Der nächste Verlag: Zoch Spieler im Uhrzeigersinn ist Preis: ca. 20 Euro »Sucher« und nimmt die Karte »Schnapp’s!«. Auf das Kommando »Auf die Plätze, fertig, schnapp's!« wird die Sanduhr umgedreht. Gleichzeitig nimmt sich der Erklärer die oberste Aufgabenkarte und beginnt eines der Motive zu beschreiben. Glaubt der Sucher, das dazu passende, richtige Kärtchen gefunden zu haben, schnappt er sich dieses und legt es schnell vor sich ab. Der Sucher darf nur die Worte »hab ich« oder »weiter!« aussprechen. Bis die Sanduhr einmal durchgelaufen ist, haben Erklärer und Sucher die Zeit, so viele Motive wie möglich gemeinsam zu finden. Ist die Sanduhr durch, beenden die anderen Spieler mit einem lauten »Stopp!« die Suchaktion. Die Spieler überprüfen nun alle gemeinsam, wie viele der gesuchten Motive tatsächlich gefunden wurden. Das Spielteam erhält pro erfolgreich erfüllter Aufgabe für jedes Kärtchen einen Punkt. Die entsprechenden Rollen und damit Aufgaben werden an die nächsten Spieler weiter gegeben. In der zweiten Runde zieht der Erklärer zusätzlich eine Handicapkarte. Er muss dieses »Handicap« wie etwa »verwende pro Motiv nur fünf Worte« oder »erkläre singend« unbedingt einhalten. In der dritten Runde findet ein Rollentausch statt. Waren alle Spieler ein drittes Mal Erklärer, endet das Spiel. Ein temperamentvolles Spielvergnügen bei dem man die Motive genau erfassen muss. Zur Sprachfertigkeit kommt die Merkfähigkeit dazu. Der »fröhliche Stress« durch Handicap und Sanduhr verstärkt die Spielfreude noch weiter.

Frigiti Frigiti ist ein Kunstwort. Doch dieser Wortschöpfung könnte man mit etwas Fantasie eine Bedeutung zuschreiben. Das ist der Grundgedanke dieses kreativen, witzigen Spiels. Um die Fantasie zu beflügeln, stehen den Spielern zehn Würfel mit Vokalen und Konsonanten zur Verfügung. Jeder Spieler erhält zu Beginn ein auf beiden Seiten bedrucktes Spielblatt. Die Rückseite sollte von den anderen Spielern verdeckt gehalten werden. Dazu werden Chips unter den Spielern aufgeteilt. Auf der Vorderseite des Spielblatts werden beim Vorlesersymbol der Name des Startspielers und darauf folgend die Namen der anderen Mitspieler eingetragen. Der Startspieler würfelt nun mit allen zehn Würfeln und kreiert ein möglichst vieldeutiges Kunstwort. Dieses Wort tragen die Spieler auf der Rückseite ein und verfassen dazu eine kurze Definition. Sind die Spieler fertig, legen sie ihre Blätter mit der Vorderseite in die Tischmitte. Der Startspieler mischt diese und teilt an jeden in der Runde wieder ein Blatt aus. Vor den anderen verborgen, liest jeder die erhaltene laut seinen Mitspielern vor. Sind alle Definitionen vorgelesen, wird bewertet. Dazu machen die Spieler – geheim – Kreise um den Namen des Vorlesers der entsprechenden Wortdeutung, die sie am besten finden, und um zwei weitere. Jeder Spieler nimmt dann aus seinem Vorrat drei Chips und verteilt diese entsprechend seiner Entscheidung. Die Spieler fragen nun reihum »Wer hat einen Kreis bei mir Spieler: 4 bis 7 gemacht?« AlAlter: ab 13 Jahren le die dies geAutor: Andrea Meyer tan haben, leVerlag: BeWitched (www.bewitched-spiele.de) gen einen ihrer Preis: ca. 20 Euro drei Chips in die Mitte. Der Verfasser dieser Definition erhält alle dort liegenden Chips zu seinem Vorrat. Das Spiel endet nach so vielen Runden, wie Spieler hier mitgewürfelt, Worte kreiert und nachgedacht haben. Dem Spieletest-Team fiel ein überlegenswerter Punkt auf: Sollte die Schrift eines Mitspielers den anderen bekannt sein, so wäre eine »Veränderung« der eigenen Schrift hilfreich, um eine möglichst neutrale Bewertung zu erreichen. Das kurzweilige, kreative Wortspiel macht Spaß. 

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Lauter Sieger beim Sternläufertag Unter dem Motto »Wald-LandFluss« fand Anfang Januar der Sternläufertag der Jungscharregion Waiblingen in und um Burgstall im württembergischen Rems-MurrKreis statt. Die Kinder

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er Tag begann mit einem Brunch – es standen große Herausforderungen bevor: Wie bei den Sterndeutern aus dem Osten, ging es auch beim Sternläufertag darum, auf der Suche nach dem richtigen Weg zu sein. Die biblische Geschichte bildete daher auch den Einstieg zu diesem spannenden Erlebnistag. Gestärkt an Leib und Seele durften sich die Teilnehmer auf den abenteuerlichen Weg machen: Im Wald über Land und am Fluss. Die Erste Herausforderung: Eine Flussüberquerung an einem Drahtseil. Doch nicht nur an dieser Stelle war der Weg spannend. Über Stock und Stein ging es weiter. Man folgte einem Bach durch einen Tunnel und nachdem die Ausrüstung hier den ersten Wassertest bestanden hatte (oder auch nicht), ging es weiter durchs wilde Tal voller Hindernisse. Knotenübungen, Bogen schießen, Feuer machen und einen »Ver-

letzten« transportieren – das alles gehörte natürlich auch noch zu den Herausforderungen des Tages. Voller aufregender Erlebnisse durften Teilnehmer wie Leiter den Tag dann am Grillfeuer ausklingen lassen und es gab lauter erste Sieger, die Stolz ihre Medaillen in die Kamera präsentieren konnten. 

Jungscharregion Waiblingen Das Kinder- und Jugendwerk der SJK unterstützt die Jungschararbeit im Jungscharrat. Dazu wurde die SJK in Regionen unterteilt. Zur Waiblinger Region gehören die Bezirke Aalen, Alfdorf, Backnang, Birkmannsweiler, Fellbach, Murrhardt, Remseck, Rudersberg, Schorndorf, Schwäbisch Gmünd, Waiblingen, Winnenden und Welzheim.

Ehemaliger Dozent für Altes Testament gestorben Gerhard Burck ist tot. Der langjährige Dozent am Theologischen Seminar (heute Theologische Hochschule) der EmK starb am 15. Januar nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren. Burck lehrte mehr als drei Jahrzehnte und prägte dabei Generationen von Pastoren. »Für jeden, der mit Gerhard Burck zusammengearbeitet hat, dürfte er vor allem als Ausleger des Alten Testaments im Gedächtnis bleiben«, schreibt Walter Klaiber, Bischof im Ruhestand und selbst viele Jahre Dozent und Rektor des Seminars. »Seine ruhige, behutsame und doch entschiedene Art schien wie geschaffen dafür, den manchmal verborgenen oder verschlungenen Linien der alttestament-

lichen Überlieferungen und des hebräischen Textes nachzugehen. Dabei blieb sein Auge nicht an den Einzelheiten hängen, so ernst er sie nahm. Er nahm in ihnen die theologische Botschaft des Textes wahr und konnte sie eindrücklich entfalten.« Viele würden Gerhard Burck als einen begnadeten Prediger in Erinnerung behalten, so Klaiber weiter. Äußerlich sei er überhaupt nicht der Typ des großen

Kanzelredners gewesen. »Aber die Art, wie er auch in der Predigt in die Tiefe der Texte bohrte und sie dann für die heutige Zeit zum Sprechen brachte, war für alle, die ihn hörten, faszinierend.« Burck sei der lebendige Beweis dafür gewesen, »dass nicht der rhetorische Aufwand die biblischen Texte lebendig macht, sondern das geistgeleitete intensive Nachdenken des Predigers«.  kie


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Die Kunst des Smalltalks üben Schon als Kind habe ich von meinem Vater gelernt, dass es wichtig ist, anderen Menschen möglichst immer mit einer positiven Haltung zu begegnen. Bei ihm konnte ich sehen, dass es gar nicht so schwierig ist, sich im »Smalltalk« zu üben und ein paar freundliche Worte auch mit fremden Personen zu wechseln. Das habe ich mir später auch zur Angewohnheit gemacht und dabei schon oft erlebt, dass Gott seine Hand im Spiel hatte. Zum Beispiel die über 70-jährige Dame mit dem kleinen Hund, die immer wieder meinen Weg beim Gassi gehen mit unserem Hund kreuzte. Die Hunde beschnüffelten sich, man blieb kurz stehen und es ergab sich dabei eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Das ging über mehrere Monate so und wir haben uns über alles Mögliche unterhalten. Eines Tages stand eine Knieoperation bei mir an und ich erzählte vom Vorgespräch mit dem Narkosearzt. Dabei hatte ich ihm gesagt, dass mein Leben in der Hand Gottes liegt und ich deshalb keine Angst vor dem Eingriff hätte. Die Dame schaute mich mit großen Augen an und fragte, ob ich wirklich dem Arzt so etwas Privates gesagt hätte? Ich bejahte und konnte ihr erstmals ausführlicher von meinem Glauben an Gott erzählen. Während der folgenden Begegnungen kamen wir immer wieder auf den Glauben zu sprechen. Irgendwann gab es dann eine evangelistische Veranstaltung in unserer Gemeinde, und sie kam mit. Da ich an dem nachfolgenden Gesprächskreis teilnahm, blieb auch sie. Die Themen sprachen ihr Herz an. Nach einigen Wochen begann sie ihr Vertrauen auf Gott zu setzen und ich schenkte ihr eine Bibel. Bei den weiteren Begegnungen konnte ich ihr dann bei ihren neuen Schritten im Glauben zur Seite stehen. Mittlerweile geht sie mit Begeisterung zum Seniorenkreis der Gemeinde. Vor einiger Zeit sagte sie: »Es ist doch schön, dass sich unsere Hunde damals getroffen haben, sonst hätte ich Gott nicht mehr kennen gelernt!«

Birgit Fingerhut ist Mitarbeiterin von Campus für Christus in Berlin, wo sie mit ihrem Mann auch lebt.

Einfach Hilfe anbieten Ich bin schon oft umgezogen und habe mir angewöhnt, mich meinen neuen Nachbarn vorzustellen oder auch andere neu zugezogene Menschen anzusprechen und willkommen zu heißen. Eine Nachbarin war gerade schwanger, eine andere hatte gerade ein Baby bekommen. In beiden Fällen bot ich Hilfe an, wenn ein Notfall oder Problem auftauchen sollte und ihre Männer beruflich bedingt gerade nicht erreichbar seien. Sie waren sehr überrascht, dass eine ihnen eigentlich fremde Person so etwas anbot. An Weihnachten oder zu anderen Anlässen brachte ich ihnen öfters Kekse vorbei und hörte ihnen zu. Wir sprachen oft über partnerschaftliche oder Erziehungsthemen. Dass ich an Gott glaube und in eine Kirche gehe, hatten beide inzwischen mitbekommen – selbst waren sie aber sehr zurückhaltend. Nach einigen Jahren waren sie bereit, sich einmal zu einer evangelistischen Veranstaltung einladen zu lassen. Bei der jüngeren Frau traf das Thema genau ins Herz und sie übergab noch am gleichen Tag ihr Leben in Gottes Hand. Heute arbeitet sich engagiert in einer Kirchengemeinde mit. Die andere Frau besuchte regelmäßig Frühstückstreffen für Frauen. Nach einiger Zeit war sie bereit, einen nachfolgenden Gesprächskreis zu besuchen. Die Themen dort holten sie in ihrer Lebenssituation ab. Das machte ihr Mut, auf eine Freizeit mitzufahren. Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie mit mehreren Christen zusammen ein Wochenende verbrachte. Am Ende der Freizeit gab sie ihr Leben in Gottes Hand. Es hat mich ermutigt, dass Gott die Dinge, die man sowieso gerne tut, gebrauchen kann, um sie mit Menschen zu teilen, die noch auf dem Weg sind. Es lohnt sich, im Kontakt zu Menschen treu zu bleiben. Die Ergebnisse dürfen wir getrost Gott überlassen. www.glaube-am-montag.de unterwegs 3/2012 ::: 29. Januar 2012

Foto: sxc.hu / murielle

Von missionarischen Hunden und praktischer Hilfe: Wie man Menschen in das Reich Gottes lieben kann

unterwegs 03/2012  

Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

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