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13. März 2011 ISSN 1436-607X

Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

6/2011

Wie durch Regionalisierung Neues entsteht Hoffnung lernen n

Warum der Tropfen auf den heißen Stein wichtig ist. Seite 9

Nachdenken lohnt n

Was Orangensaft mit Kinderarbeit zu tun hat. Seite 11

Einfach helfen n

Wie ein Springseil das Leben von Berliner Kindern verändert. Seite 16


2 ::: Editorial

So erreichen Sie uns: Redaktion »unterwegs« Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.de Aboservice: 0711 83000-0

kurz gesagt Für Kinder und Jugendliche in St. Petersburg (Russ-

nertag auf der Langensteinbacher Höhe erklärt. Er riet dazu, sich zuerst um die ­eigene Kirche zu kümmern. »Schimpft nicht auf die Muslime, die freitags in die Moschee gehen, sondern sorgt dafür, dass wieder mehr Leute am Sonntag in die Kirche gehen!«

land) wird es auch weiterhin eine Anlaufstelle in der EmK geben. Das ­teilte Bischof Hans Växby, Moskau, Ende Februar mit. Zuvor war bekannt geworden, dass die Behörden das »Spring Center« geschlossen und die örtliche Pastorin der EmK als Direktorin Die Mehrheit der ­Deutschen abgesetzt hatten. In diesem wird eingeäschert. Das hat Zentrum wird durch die die Verbraucherinitiative Kommune und eine Ge»Aeternitas« nach einer meinde der EmK eine wert­Untersuchung von rund 660 volle Arbeit mit benachteiKommunen erklärt. Demligten jungen Menschen ­eines nach waren von 340.000 Stadtteils geleistet, ­allerdings ­Bestattungen in den Jahren unter neuer Leitung. 2008 bis 2011 rund 55 ­Prozent Feuerbestattungen. Markant sei das große Thomas Günzel aus Leipzig Ost-West-­Gefälle, heißt es wird neuer Direktor des weiter. Man schätze den Evangelischen ­Anteil in Ostdeutschland Allianzhauses auf mehr als 80 Prozent. in Bad Blan­Kirchliche Friedhofsträger kenburg. Der flossen nicht in die Untersu50-jährige chung ein. Theologe wird Nachfolger von Reinhard Holmer, der Chef Führende Kirchenvertreter in den USA haben die von des Evangelischen Diakonissen-Mutterhauses Elbinrepublikanischen Politikern gerode wird. Günzel war angestrebten Kürzungen im Fahrdienstleiter bei der sozialen Bereich verurteilt. Deutschen Reichsbahn und Die Hilfen für arme Menstudierte Theologie. Seit schen seien nicht für das 1998 ist er als Theologe Haushaltsdefizit verant­ und Lehrer für Religion und wortlich. Die Republikaner Ethik im Berufsbildungs­wollen Kürzungen von 2,3 werk Leipzig angestellt. Milliarden Dollar bei der 1999 wurde er zum Pfarrer ­Wohnungsbeihilfe, von 1,75 im Ehrenamt ordiniert. ­Milliarden Dollar beim JobTraining und von 390 MilEuropa muss als positives lionen Dollar beim HeizBeispiel bei der Religionsgeldprogramm. Für das freiheit vorangehen und Haushaltsdefizit seien we­damit auch den Bau von sentlich »maßlose ErhöhunMoscheen erlauben. Das gen des Militäretats« sowie hat der Vorsitzende der »riesige« Steuererleichterun­Unions-Bundestagsfraktion, gen verantwortlich, erklärten Volker Kauder, beim Mändie Kirchenvertreter. epd/idea

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Titelfoto: Claus Arnold Foto: Privat

Frühmorgens haben sie die Frau vor den Tempel gezerrt. Beim Ehebruch ertappt! Für die obersten Religionshüter ist klar: Sie muss sterben! Zuerst wollen sie aber wissen, was dieser seltsame Prediger dazu sagt, der sich seit einiger Zeit hier herumtreibt. Vielleicht können sie ihn ja kriegen – wer will sich schon auf die Seite einer Verbrecherin schlagen? Doch Jesus lässt sich nicht provozieren. »Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie«, lautet seine Antwort (Johannes 8,7). Die Ankläger trollen sich. Jesus bleibt mit der Frau allein zurück. Er verdammt sie nicht. »Sündige hinfort nicht mehr«, mit diesem Satz schickt er sie fort. Diese Geschichte wurde in den vergangenen Wochen oft zitiert (siehe Seite 15), als es um Karl-Theodor zu Guttenberg ging. Gerade Christen sollten nicht richten, sondern dem Mann, der sich seine Reputation so gründlich verspielt hat, eine zweite Chance geben – wie Jesus es mit der Ehebrecherin tat. Wir wissen nicht, was Jesus getan hätte. Auch kann keiner von uns in das Herz des Ex-Verteidigungsministers schauen. Deshalb war es gut, dass sich Kirchenvertreter in der Plagiatsaffäre sehr zurückgehalten haben. Doch auch zu Guttenbergs Rücktritt war ein gutes Zeichen: Ein öffentliches Amt verträgt sich nicht mit unzureichend aufgeklärten Verdächtigungen. Die zweite Chance bleibt. Ihr Volker Kiemle Redaktionsleiter


Regionalisierung in der EmK ::: 3

Von der Grenze zum Horizont ist der Weg nicht weit Mit dem Konzept der »Regionalisierung« lassen sich auch klein gewordene Gemeinden versorgen. Sie fördert die gabenorientierte Zusammenarbeit und hat missionarisches Potenzial – wenn die Gemeinden lernen, über die eigenen Grenzen hinauszudenken. Die Grenzen des Konzepts liegen in den Entfernungen. Das zeigen drei Beispiele aus dem Essener Distrikt.

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Foto: Christine Schmidt/pixelio

ie Regionalisierung wurde im Essener Distrikt in drei Großbezirken umgesetzt: Rheinland, Ruhrgebiet Ost und Bergisches Land. Der Mittelpunkt des Bezirkes Rheinland ist die Gemeinde in Köln, zugleich auch die größte Gemeinde in dem Bezirk. Dazu gehören noch eine Gemeinde in Bonn und zwei in Düsseldorf. Die Ausdehnung ist erheblich. »Die aktiven Mitglieder der Gemeinden wohnen bis zu 140 Kilometer voneinander entfernt«, erklärt Pastor Van Jollie. Zurzeit ist eine von zwei Pastorenstellen vakant. Die Versorgung der Gemeinden ist möglich durch das Engagement der neun Laienprediger und Laienpredigerinnen und vier Predigthelfer und Predigthelferinnen. Fast alle sind auch bereit, in den weiter entfernten Gemeinden Gottesdienste zu halten. Die Regionalisierung sei »finanziell notwendig«, hebt Van Jollie hervor. So sei es möglich, auch »die kleineren Gemeinden zu betreuen und hoffentlich weiterzuentwickeln«.

Gabenorientiert arbeiten Seit 2004 arbeiten die Gemeinden Bochum, Gelsenkirchen und Recklinghausen/Marl intensiver zusammen. Die Keimzelle war die Regionalgruppe, in der die Hauptamtlichen sich trafen, um theologisch miteinander zu arbeiten und zu planen. Regelmäßig wurden auch Vertreter der Gemeinden einbezogen. Die Pastoren Rainer Mittwollen und Marco Alferink erhielten eine gemeinsame Dienstzuweisung in alle Gemeinden. Unverzichtbar war aber, dass die Gemeinden einen konkreten Ansprechpartner in »ihrem Pastor« behalten. »Menschen identifizieren sich mit der örtlichen Gemeinde, weniger mit dem Bezirk«, betont Marco Alferink. Mit der Zeit bekommen die Mitarbeiter in den Bezirksgremien auch die anderen Gemeinden in den Blick. Im Jahr 2007 wurden die Bezirke Bochum, Gelsenkirchen und Recklinghausen/Marl mit Dortmund und Hamm zum Großbezirk Ruhrgebiet Ost vereinigt. »Im Bezirk werden die Verwaltungsaufgaben mit dem Ziel zusammengefasst, die eigentliche Gemeindeebene zu stärken«, erläutert der leitende Pastor Rainer Mitt-

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wollen das Konzept. Die Stärke der Zusammenarbeit ist die gabenorientierte Arbeitsteilung. »Wir haben gerade mit gutem Erfolg ein Jugendwochenende im Bezirk durchgeführt«, erklärt Rainer Mittwollen. Die Zusammenarbeit im Bezirk mache es leichter, mit zweieinhalb Stellen fünf Gemeinden zu versorgen – auch wenn man für manche Wege eine gute Stunde benötigt.

Missionarische Perspektive Im Bezirk Bergisches Land arbeiten die Gemeinden Wuppertal-Elberfeld, Solingen, Velbert sowie die Gemeinde der Schwesternschaft Bethesda zusammen. Alle Gemeinden sind in einer halben Stunde mit dem Auto erreichbar. Die benachbarte Gemeinde in Wuppertal-Barmen schloss sich der Regionalgruppe auf eigenen Wunsch nicht an. Der leitende Pastor Thorsten Kelm will mit den anderen Gemeinden des Bezirkes Bergisches Land gemeinsam ein missionarisches Projekt angehen. »Die Ausrichtung der Jährlichen Konferenz in Wuppertal im letzten Jahr hat die Gemeinden zusammengebracht«, sagt Thorsten Kelm. Gemeindemitglieder aus Velbert hatten in Wuppertal einen Stand auf dem Stadtfest »Barmen live« organisiert. Hier ging es um mehr als die eigene Gemeinde, nämlich um die gemeinsame Aufgabe, Christus zu bezeugen. Michael Putzke

GroSSbezirke im Ruhrgebiet Bezirk Rheinland n Vier Gemeinden mit 236 Mitgliedern und 268 Angehörigen n Zwei Pastorenstellen, eine ist zurzeit unbesetzt Bezirk Ruhrgebiet Ost n Fünf Gemeinden mit 330 Mitgliedern und 208 Angehörigen n Zweieinhalb Pastorenstellen Bezirk Bergisches Land n Vier Gemeinden mit 396 Mitgliedern und 208 Angehörigen, einschließlich die Schwesternschaft Bethesda n Drei Pastorenstellen


4 ::: Regionalisierung in der EmK

Dreh- und Angelpunkt bleibt die Gemeinde Die Berliner EmK hat Erfahrung mit der so genannten »Regionalisierung«: Weil die Gemeinden kleiner geworden sind, haben sich Bezirke zusammengeschlossen. Pastorinnen und Pastoren sind nun für fünf Gemeinden zuständig. Über die Erfahrungen hat Volker Kiemle mit dem leitenden Pastor des ­Bezirks Berlin-Stadt, Gabriel Straka, und mit dem Laiendelegierten Holger Mittelstädt gesprochen. Was verbinden Sie spontan mit dem Wort »Regionalisierung«? HOLGER MITTELSTÄDT: Vor allem die Hoffnung auf Synergieeffekte – die dann aber nur bedingt eingetreten sind. GABRIEL STRAKA: Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich: Das ist der Versuch der Kirche, auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Und dass das mit Chancen und Vorteilen, aber auch mit Nachteilen verbunden ist.

Wie ist der Weg der Regionalisierung gewesen? GABRIEL STRAKA: Gedanklich vorbereitet wurde dieser Prozess über viele Jahre in intensiven Gesprächen. Dabei waren viele verschiedene Gemeinden einbezogen. Am Ende waren es dann fünf Bezirke mit sechs Gemeinden, die diesen Weg gegangen sind. Es war immer ein Ausloten, und auch die Beweggründe der einzelnen Gemeinden waren unterschiedlich. Hinzu kam ein gewisser Druck des Kabinetts, das für Personalentscheidungen in der EmK zuständig ist, beziehungsweise des Superintendenten.

Was stand zu Beginn der Regionalisierung in Berlin? GABRIEL STRAKA: Es gab vor zehn Jahren 18 Gemein-

Wie kam die Idee der Regionalisierung den, von denen jede einen eigenen Gemeindebezirk in den Gemeinden an? bildete und – von einigen Ausnahmen abgesehen – ei- HOLGER MITTELSTÄDT: Sehr unterschiedlich! Auch desnen Pastor hatte. Die Gemeinden wurden kleiner, und halb haben von den acht Gemeinden, die zu Beginn irgendwann ging es nicht mehr, der Gespräche dabei waren, dass jede Gemeinde einen Pasletztlich nur fünf mitgemacht. »Je stärker die tor hatte. Größere Lösungen Es gab Gemeinden, die klar gewaren nötig. einzelnen Gemeinden sagt haben, dass sie in der jetziLage nicht dazugehören sind, desto stärker ist gen Am Anfang stand wollen. Am Anfang gab es aber also die Not? schon die Hoffnung, mehr Geder Bezirk.« HOLGER MITTELSTÄDT: Nicht meinden an einen Tisch zu bePastor Gabriel Straka unbedingt. Natürlich stellte kommen. sich für uns die Frage, wie wir mit den kleiner werden- GABRIEL STRAKA: Um es gleich zu sagen: Euphorie den Gemeinden umgehen sollen. Aber es geht bei der war nicht im Spiel. Es gab Gemeinden, die hatten den Regionalisierung auch darum, so zu arbeiten, dass für Verdacht, bei diesem Prozess zu verlieren – zu Unrecht, alle Seiten etwas Positives herauskommt – also mehr wie ich meine! zu haben als die Summe des Einzelnen. GABRIEL STRAKA: Ich vermute, es wäre niemand auf Was haben die Gemeinden durch den Gedanken gekommen, größere Bezirke zu bilden, die Regionalisierung gewonnen? wenn alle Gemeinden gewachsen wären. HOLGER MITTELSTÄDT: Zum einen gibt es natürlich Synergieeffekte. Vor allem aber stimmen sich die Pastoren des gemeinsamen Bezirks viel stärker miteinander information ab, und das stärkt die einzelnen Pastoren. Das würde n In Berlin bilden die Gemeinden Kreuzberg, Mitte, Marzahn, es nicht geben, wenn jeder Pastor quasi als Einzelkämpfer in seiner Gemeinde stünde. Das ist ein GeZepernick sowie die englischsprachige Gemeinde den Bezirk winn für die einzelnen Gemeinden – auch wenn das Berlin-Stadt. n Leitender Pastor ist Gabriel Straka. Zum Pastorenteam vielleicht auf den ersten Blick nicht so deutlich aussieht. gehören zudem Caroly Kappauf, Thomas Steinbacher, ­Romesh Modayil und Lars Weinknecht. www.emk-berlin.de unterwegs 6/2011 ::: 13. März 2011


Regionalisierung in der EmK ::: 5

GABRIEL STRAKA: Es sind jetzt ganz andere Dinge

möglich. Ein aktuelles Beispiel ist das Projekt »Kinder in die Mitte«, dessen Trägerschaft wir als Bezirk jetzt übernehmen werden. Die Gemeinde Berlin-Mitte, wo das Projekt bisher in der Trägerschaft der BethesdaSchwesternschaft beheimatet ist, hätte das alleine nicht geschafft. Als Bezirk haben wir eben doch etwas breitere Schultern als eine kleine Gemeinde. Welche Synergieeffekte hätten Sie sich noch gewünscht? HOLGER MITTELSTÄDT: Die Hoffnung, dass es überge-

Fotos: privat/Volker Kiemle

meindliche Schwerpunkte in den Gemeinden gibt, hat sich nicht so erfüllt. So scheitert etwa ein gemeindeübergreifender Jugendkreis nach meiner Beobachtung an der räumlichen Entfernung. Problematisch finde ich es auch, dass drei Pastoren noch Dienstzuweisungen außerhalb des Bezirks haben.

für mich sogar eine Grundvoraussetzung für eine gelungene Regionalisierung. HOLGER MITTELSTÄDT: Aus Gemeindesicht würde ich noch stärker darauf achten, dass Gremien auch übergemeindlich mehr zusammenarbeiten. Und dass es etwa nur noch eine Bezirkskasse und nur einen Finanzausschuss gibt. Aber mit den jetzigen Strukturen arbeiten wir ganz gut. Wie ist das derzeit? GABRIEL STRAKA: Die Gemeinden sind finanziell autonom, wir überwachen und steuern die Haushalte aber gemeinsam. HOLGER MITTELSTÄDT: Das ist auch wichtig, weil es die Identifikation der Mitglieder mit ihrer Gemeinde stärkt. Es gibt keinen Bezirk irgendwo, der finanzielle Probleme der Gemeinde löst. Deshalb ist es auch wichtig, dass das bestehen bleibt.

Sie haben einen »Druck des Kabinetts« erwähnt … GABRIEL STRAKA: Druck ist Die Gemeinde ist also nicht das richtige Wort. Das KaDreh- und Angelpunkt? »Regionalisierung GABRIEL STRAKA: Ja, und das binett kann ja Regionalisierung auch über Dienstzuweisungen ganz bewusst. Uns geht es ja ist ein Gewinn für erzwingen. Aber in Berlin hat nicht nur um die Menschen, die alle Gemeinden.« man die Gemeinden aufgeforschon zur Gemeinde gehören, dert, eine Lösung zu finden. So sondern auch um die, die hinHolger Mittelstädt konnte die Regionalisierung von zukommen. Die wollen einer unten wachsen. Natürlich stand Gemeinde angehören, nicht eiimmer die Möglichkeit im Raum, dass das Kabinett nem Bezirk. Der Bezirk ist eine Verwaltungseinheit. eingreift und per Dienstzuweisung Strukturen auf den HOLGER MITTELSTÄDT: Nur so können Gemeinden Weg bringt, die einer Regionalisierung im Ergebnis ganz unterschiedlicher Prägung unter einem Dach zugleichkommen. Das wäre aber von oben draufgesetzt sammenarbeiten. worden. Wird die Regionalisierung zurückgedreht, Was würden Sie heute anders machen auf dem Weg zu wenn die Mitgliederzahlen steigen? einem großen Bezirk? GABRIEL STRAKA: Nein, das glaube ich nicht. Je stärker GABRIEL STRAKA: Ich würde von vornherein darauf die einzelnen Gemeinden sind, desto stärker ist der bestehen, dass Pastorinnen und Pastoren keine Dienst- Bezirk. Und dann wachsen auch die angesprochenen zuweisungen außerhalb des Bezirkes haben. Das wäre Synergieeffekte.

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6 ::: Regionalisierung in der EmK

Leichter im großen Verbund

Die Jugendkirche ist ein Projekt des vereinigten Bezirks Karlsruhe.

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arlsruhe, die »Stadt des Rechts« im Südwesten Deutschlands, hat seit 150 Jahren methodistische Gemeinden. In dieser langen Zeit gab es Gründungen und Schließungen von Gemeinden, neue Bezirkszuordnungen und Vereinigungen. Durch den Regionalisierungsprozess in der Süddeutschen Jährlichen Konferenz kamen im Jahr 2005 die Bezirke KarlsruheDurlach, Karlsruhe-Erlöserkirche, Karlsruhe-Grötzingen sowie der Bezirk Baden-Baden/Loffenau in einen Verbund. Im Sommer 2009 vereinigten sich die drei Karlsruher Bezirke zu einem Bezirk Karlsruhe. Wie kam es in so kurzer Zeit zu diesem Schritt? Wie lebt es sich jetzt in einem Bezirk mit sieben Gemeinden, vier Pastoren, einer Lokalpastorin und rund 800 Menschen, die mit den Gemeinden verbunden sind? Die Bildung eines gemeinsamen Bezirks in Karlsruhe hat vor allem zwei Gründe: Bei den Pastoren wuchs der Wunsch nach einer intensiven Zusammenarbeit in einem Team. Die Bezirke wollten ein gemeinsames Projekt (die »Jugendkirche«) umsetzen. Beide Faktoren schienen in der Struktur eines gemeinsamen Bezirks einfacher umsetzbar zu sein als mit drei unabhängigen Bezirken.

Gottfried Liese ist leitender Pastor des Bezirks Karlsruhe.

Die große Chance der größeren Einheit Natürlich gab es auch Vorbehalte. Die Gemeinden haben unterschiedliche Prägungen. Die lokalen Rivalitäten zwischen den Karlsruher Ortsteilen finden sich auch in der EmK. Man hat jahrzehntelang gut nebeneinander und ohne große Berührungspunkte leben können. Aber schnell zeigte sich, dass ein gemeinsamer Bezirk auch Chancen bietet. Die Jugendkirche lässt sich in einem größeren Rahmen besser mit der kirchlichen Arbeit vernetzen. Wir stehen vor gemeinsamen Herausforderungen: Wie kann in Zukunft ein möglicherweise kleinerer Kreis von Hauptamtlichen die Arbeit in den Gemeinden fördern? Wie können die örtlichen Schwerpunkte richtig gesetzt werden? Wie lässt sich die Vielfalt an Mitarbeitenden und Gemeinden fruchtbar einsetzen? Ein gemeinsamer Bezirk kann mit seinen Gremien als »Verwaltungs- und Verantwortungseinheit« diese Aufgaben anpacken. Durch intensive Beratungen in einem fünfzehnköpfigen Lenkungsausschuss wurde die Bildung eines gemeinsamen Bezirks vorbereitet. Alle drei Bezirkskonferenzen stimmten am Ende einstimmig (!) dem »Vereinigungsvertrag« zu. Diese einmütige Entscheidung kam sicherlich auch dadurch zustande, dass heikle Punkte wie Gemeindevereinigungen oder Gebäudeverkäufe kein Thema waren. Für die Ortsgemeinden änderte sich zunächst nichts. Die Regionalisierung soll die Ortsgemeinden in ihrer Mission stärken. Sehr positiv erleben wir die Zusammenarbeit im Pastoren-Team. Die Teamfähigkeit der Hauptamtlichen wird gefördert – ein wichtiger Nebeneffekt der Regionalisierung. Wir sind auf dem Weg, die einzelnen Gemeinden in ihrer Schwerpunktsetzung und Profilierung zu fördern. Das fällt im größeren Verbund leichter. Wir hoffen, dass die gemeinsame Verantwortlichkeit wächst und so auch schwierige Entscheidungen, die Einschnitte bringen werden, besser zu tragen sind. Dass auch der 45 Kilometer entfernte Bezirk BadenBaden/Loffenau zum Verbund gehört, ist leider bisher nicht in den Blick gerückt. Wenn ein großer Teil im Verbund sich intensiv verbindet, bleibt der Rest leicht auf der Strecke. Die nächste Herausforderung in der Region steht also schon vor der Tür.

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Foto Volker Kiemle

In Karlsruhe war es vor allem das Projekt »Jugendkirche«, das die sieben Gemeinden einander näher brachte. Der Zusammenschluss zu einem großen Bezirk ging dann relativ einfach über die Bühne, wie Pastor Gottfried Liese berichtet.


foto: York schön

»Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, Regionalisierung Wort auf in der denEmK Weg ::: 7 so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.« Johannes 17,21

Einheit in Jesus trägt – auch im Streit

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as bedeutet es für ein Kind, wenn es erlebt, dass seine Eltern sich streiten? »Für ein Kind kann es sogar wichtig sein, etwas vom Streiten der Eltern mitzuerleben«, sagte ein Studiogast in einer Radiosendung zum Thema. Als einer, der seine Eltern kaum hat streiten sehen, habe ich aufgehorcht und war gespannt auf die Begründung: Gerade so könne das Kind die Erfahrung machen, dass ein Streit auch wieder beigelegt wird. Wenn das allerdings nicht geschieht, dann kann der Streit der Eltern leicht zu großen Verunsicherungen führen. Nicht selten fühlt sich ein Kind für den Streit der Eltern sogar persönlich verantwortlich. Diffuse Schuldgefühle bleiben zurück, die manchmal ein Kind bei seiner weiteren Entwicklung belasten können. Denn grundsätzlich sehnen sich alle Menschen nach einem Leben in Frieden und Harmonie.

Vertrauen gewinnen Nicht von ungefähr üben sich zurzeit fast alle politischen Parteien hierzulande in Einmütigkeit. Denn wie immer ihr Programm aussieht, eines führt garantiert zu Stimmenverlust: Wenn Angehörige einer Partei sich gegenseitig »zur Schnecke machen« oder sich abfällig über einen Koalitionspartner äußern. Nicht anders ist auch für Jesus klar: Nur wenn seine Jünger eins sind, können auch andere durch sie Vertrauen gewinnen, dass Jesus wahrhaftig vom himmlischen Vater in die Welt gesandt wurde und Gottes Liebe uns in ihm persönlich begegnet. Deshalb betet Jesus inständig für die Einheit seiner Jünger. Umso wichtiger ist damit die Frage: Was meint Jesus eigentlich mit dieser Einheit? Meint er, dass wir Christen nach außen so wirken sollten, als wären wir alle Freunde? Millionen von Menschen könnte ich dann zu meinen Freunden rechnen. Sehr wahrhaftig würde mir das aber nicht erscheinen. Auch bei Jesus höre ich nicht, dass wir uns einen solchen Krampf antun sollen. Oder meint Jesus, wir sollten in allem einer Meinung sein? Müssen wir eine ähnliche Lebensführung prakti-

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zieren? Sollen wir uns in politischen Fragen einig sein? Meint diese Einheit, wir sollen unsere Kinder in der gleichen Weise erziehen? Müssen wir vielleicht sogar ein einheitliches Äußeres pflegen?

Verwurzelt in Jesus Wer genau auf Jesu Worte hört, kann feststellen: All das ist von Jesus nicht gemeint. Jesus spricht gar nicht von einem einheitlichen Auftreten, sondern von einer einheitlichen Verwurzelung. »Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein«, so betet Jesus für seine Jünger. Die Liebe, die Vater und Sohn miteinander verbindet, diese Liebe soll auch die Einheit der Jünger und Jüngerinnen Jesu ausmachen. Das heißt nicht, dass unter Christen und Christinnen immer nur »Friede, Freude, Eierkuchen« herrschen muss; dass strittige Themen und Verletzungen nicht angesprochen werden dürfen. Aber gewiss heißt es wohl, dass wir, wenn wir miteinander streiten, es im Geist der Liebe tun; dass wir versuchen, den anderen zu verstehen, ohne ihn zu verurteilen. Und dass wir darum beten, erfüllt von der Barmherzigkeit Jesu vergeben zu können, wo uns Unrecht geschehen ist, und um Vergebung zu bitten, wo wir Unrecht getan haben. Wenn solches geschieht, dann mache ich mir keine Sorgen, wenn Christen sich streiten. Dann spüre ich die Verwurzelung in der liebenden Gemeinschaft zwischen Jesus Christus und unserem himmlischen Vater. Dann erlebe ich Beziehung, die wirklich trägt und mit Freude erfüllt. Dann erlebe ich auch beim gemeinsamen Ringen Gottes Frieden, den Jesus Christus uns schenkt und den ich jedem von Herzen wünsche!

MarCo Alferink ist Pastor im Bezirk Ruhrgebiet Ost und wohnt mit seiner Familie in Recklinghausen.


10 ::: Aus Briefen an die Redaktion

leserbriefe Hoffnung gilt nichts mehr Zu »Warum die Ewigkeit frei macht« (24/2010 ) Wie richtig geschrieben: Es gehört zum Menschsein die Sehnsucht nach dem Ewigen. Die Vorstellung von der Ewigkeit hat sich im Laufe der Zeit grundlegend verändert und damit auch die Vorstellungen, wie ein irdisches Leben aussehen kann. Eine total zutreffende Analyse, eine gute Diagnose. In dieser Diagnose liegt sehr viel Zündstoff, welcher leider vom Satan gut verwässert wurde und somit selten diskutiert wird. Wie ist es sonst erklärlich, dass gegen diesen Zeitgeist nichts gesagt oder geschrieben wird? Es wird nur sehr gut festgestellt, wie auch Volker Kiemle richtig schreibt: Die Lebenseinstellung der Menschen, auch vieler Christen, hat sich radikal geändert. Unser irdisches Leben wird nicht mehr bestimmt durch die Hoffnung auf das Leben nach dem Tod. Damit werden auch die zahlreichen Aussagen der Bibel, besonders die unseres Herrn Jesus Christus, nicht mehr erwähnt. Das Ergebnis sind leere Kirchen und schrumpfende Gemeinden. Joachim Prusok, Barsbüttel bei Hamburg Kein realistisches Bild Zu »Wie du mir, so schenk ich dir ...« (26/2010) Die Verallgemeinerungen »Schon die alten Griechen« und »Und bei den alten Römern« geben keine realistische Wiedergabe von den antiken griechischen und römi-

schen Verhältnissen. Es bedarf einer genaueren Betrachtung. Das Schenkverhältnis der Griechen wird beispielsweise in Platons »Eutyphron (Von der Frömmigkeit)« erfüllt: »Wie du mir, so schenk ich dir ...«. Hinsichtlich der Schenkfreudigkeit der römischen Kaiser ist zu beachten, dass Kaiser nicht gleich Kaiser war. Drei Gruppen Kaiser gab es im antiken Rom: Kaiser im Prinzipat, Kaiser im Dominat (der Kaiser als unumschränkter Herrscher) und die Soldatenkaiser (die Kaiser aus Heeresmacht und -wahl). Im Prinzipat galt, als Fürsorgepolitik, die Regel: »Brot und Spiele«. Die Soldatenkaiser fühlten sich im Wesentlichen dem Heer verpflichtet. Die Kaiser des Dominats übten die Politik der Gunsterweisung und spielten Parteien gegeneinander aus. Sonderbarerweise kommt von Traianus, einem Kaiser des Prinzipats, der Ausspruch: »Das römische Volk kann in der Hauptsache nur durch zwei Dinge in Zaum gehalten werden: dass man ihm genügend zu essen gibt und ihm spektakuläre Schauspiele bietet.« In der Apostelgeschichte heißt es von Jesus: »Geben ist seliger als Nehmen« (20,35). Ein naives Schenken ist selten geworden. Werner Ribock, Hamburg

Vielen Dank! Zu »Nicht perfekt und trotzdem auf einem guten Weg« (3/2011) Vielen Dank an die Redaktion und an die Autorin Petra Plaum für diesen Artikel. Er spricht mir aus der Seele, weil darin

der manchmal recht schwierige Alltag im Umgang mit Teenagern sehr realitätsnah dargestellt wird. Solche Erfahrungen tun gut. Sabine Mozer, Wüstenrot-Neuhütten

Erschreckend! Zu »kurz gesagt« (4/2011) Die Unterstützung homosexueller Menschen kann nur darin bestehen, ihnen seelsorgerlich zu helfen, die falsche Lebensauffassung zu überwinden und aufzugeben. Es ist erschreckend, von »spärlichen« Aussagen der Bibel lesen zu müssen, wo doch das Alte und das Neue Testament genügend Aussagen machen, wie Homosexualität zu beurteilen ist. Die Steigerung, bestehend darin, Homosexualität als Pfarrer zu praktizieren und sie aufgrund von »Gerechtigkeitswidrigkeiten« zu befürworten, ist schlicht unerträglich. Friedrich Hauser, Villingen-Schwenningen Kann Gott »funktionieren«? Zu »Hier erleben Menschen Befreiung« (4/2011) Wir schaffen es – 36 Menschen haben sich in der Gemeinde BerlinLankwitz an einem Sonntag als Glied aufnehmen lassen. Für mich sind das 36 Wunder, die Gott gewirkt (»geschaffen«) hat. Denn ER ist jedem dieser Menschen in ein-

Ihre Leserbriefe erreichen uns am schnellsten per E-Mail: unterwegs@emk.de Leserbriefe geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung von Leserbriefen besteht nicht.

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Von: bernd-dieter.fischer@emk.de An: unterwegs@emk.de Betreff: E-Mail von Fachgruppe GFS

Trinkgewohnheiten Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung: Große Worte! Wo fängt man an? Und wenn schon: nur ein Tropfen auf den heißen Stein! Apropos Tropfen: Da bin ich bei meinem Thema. Es geht um Trinkgewohnheiten. Nein, nicht der Alkohol, sondern der O-Saft! Vor kurzem tauchte in einem der GFS-Ausschüsse die Frage auf: Wie wär’s mit einem Artikel für die Gemeindebriefe mit dem Thema Orangensaft? Wer schreibt ihn? Nun, zu zweit sagten wir zu. Ich wusste allerdings nicht, worauf ich mich einließ.

Foto: Peter Freitag / pixelio

zigartiger Weise begegnet und hat sie zu diesem Glaubensschritt geführt. Dabei hat er sicherlich viele Mitarbeiter der Gemeinde als Werkzeuge benutzt. So hätte ich es bisher ausgedrückt. Das Interview aber beginnt mit der Frage: »36 neue Mitglieder an einem Sonntag – wie schafft man das?« Der Pastor liefert das Rezept, das, so heißt es am Schluss, ganz »klar« auch in anderen Gemeinden »funktioniert«. Fazit: Wir können so viele Gliederaufnahmen also wirklich »schaffen«. Denn Gott »funktioniert«, wenn wir wirklich wollen, viel beten und es richtig machen. Pastor Knut Neumann, Hof

Bitte weniger Fremdwörter! Zu »Auf dem Weg zu einer gerechten Welt« (4/2011) Es ist bestimmt nicht jedem Leser möglich, in Artikel eingestreute Fremdwörter ohne Zuhilfenahme von Lexika zu verstehen. Dazu gehört das

wiederholt verwendete Wort »Konvokation«. Das laut Lexikon verwendbare Wort »Einberufung« wäre im vorliegenden Fall mit Sicherheit besser verständlich. Auch diejenigen Autoren, die auf Grund ihrer Bildung durch das Erlernen der lateinischen Sprache unbekümmert entsprechende Formulierungen verwenden, dürften sich unter anderem auf den Bildungsstand der Allgemeinheit unter dem Kirchenvolk zu verständigen versuchen. Ansonsten ist das Thema der Kriegführung und der Schaffung von Frieden mit gewaltlosen Mitteln sehr aufschlussreich dargestellt. Für mich war es erstaunlich, dass der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck grundsätzlich falsch zitiert wird: »Unsere Sicherheit ...«, anstatt bedauerlicherweise meist zu lesen: »Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch ...«  Ernst August Schaub, Grebenstein

Die Tatsache: Deutschland ist Spitzenreiter beim Orangensaft mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 10 Litern. Normalverbraucher – so wie ich – kaufen ihn im Getränkemarkt ein und richten sich nach Preis und Geschmack, ohne sich über die Herkunft Gedanken zu machen. Doch bei der Beschäftigung mit den Herstellungsbedingungen von Orangensaft ging mir ein Licht auf! Der größte Teil des bei uns konsumierten Orangensafts wird mit Hilfe von Kinderarbeit produziert: Kinder schleppen die Früchte in schweren Säcken, ziehen sich dabei orthopädische Schäden zu, vergiften sich durch den ständigen Kontakt mit Pestiziden. Kinderarbeit ist Ausbeutung und hindert am Schulbesuch. Kinderarbeit ist Gift für die Entwicklung eines Landes. Will ich dieses System stützen? Die Alternative: Der zum Beispiel im Weltladen angebotene Saft aus Mexiko sichert die Existenz von Maya-Bauern, die für ihr Orangensaft-Konzentrat einen Preis erhalten, der etwa 20 Prozent über dem Weltmarktpreis liegt. Mit dem Mehrpreis werden Gemeinschaftsaufgaben in den Siedlungen der Kleinbauern und der ökologische Landbau gefördert, also auch der Schulbesuch von Kindern ermöglicht! Nachdem der Artikel fertig war, stand mein Entschluss fest: Für mich kommt nur noch der O-Saft mit Fair-Trade Siegel in Frage. Vielleicht können Sie, liebe Leserschaft von Unterwegs, einmal Ihre Trinkgewohnheiten überdenken? Der Kauf von Produkten aus fairem Handel ist ein Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit. Mehr darüber finden Sie unter www.emk-gfs.de (> Gemeindebrieftexte). n Bernd-Dieter Fischer ist Vorsitzender der Fachgruppe für

­ erechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (GFS) G der EmK n In dieser Rubrik werden künftig die Vertreterinnen und

­Vertreter von EmK-Werken über Aktuelles und Bemerkenswertes aus ihren Arbeitsgebieten schreiben.


Regionalisierung in der EmK 14 ::: Gemeindeportrait

Da ist Musik drin ...

Mehr als 260 Bezirke gibt es in der Evangelischmethodistischen Kirche in Deutschland. Alle haben ihre eigene Prägung. Um diese Vielfalt zu zeigen, stellen sich in »unterwegs« regelmäßig EmK-Bezirke vor. In dieser Ausgabe geht es nach Calw. Da kommen wir her Begonnen wurde die Arbeit im Bezirk Calw 1865 von Pforzheim. 1868 wurde der Bezirk selbstständig. 1870 wurde die Calwer Kapelle eingeweiht, 1888 die in Stammheim. Ab etwa 1890 hat die Arbeit in Schwarzenberg begonnen. 1925 wurde die Zionskapelle in Oberkollbach eingeweiht. 1980 wurden in Schwarzenberg und 1991 in Stammheim die neuen Christuskirchen eingeweiht. Die Gemeinde Calw wurde 1991 mit Stammheim vereinigt. Das machen wir In unserem Bezirk gibt es eine starke musikalische Arbeit. Wir haben zwei Singchöre und einen großen Posaunenchor mit 32 Bläserinnen und Bläsern und einer lebendigen Jungbläserarbeit. Frauen tragen einen Großteil unserer Arbeit mit. Die Arbeit mit den Kin-

dern wird derzeit in zwei Sonntagsschulen und einer kleinen Jungschar geleistet sowie in jährlichen Kinderwochen oder -musicals. Der Teenieund Jugendkreis findet gemeindeübergreifend mit etwa 20 Jugendlichen statt. Der Bezirk veranstaltet alle zwei Jahre den Sponsorenlauf »Lauf für eine Welt« bei dem in der Regel zwischen 25.000 und 30.000 Euro für Projekte der Weltmission erlaufen werden. In Oberkollbach gibt es seit 2005 den Gästegottesdienst »Lichtblicke«, der von einem Team gestaltet wird. 2009 hat die Gemeinde Stammheim das kirchliche Umweltzertifikat »Grüner Gockel« sowie das europäische EMASZertifikat erhalten.

Deshalb machen wir das alles 2009 hat der Bezirksvorstand für die Gemeinde Stammheim das Bild eines Baumes entwickelt. Darin bilden die Wurzeln die Glaubens-

Bezirk Calw n Zum Bezirk Calw gehören die Gemeinden Calw-Stammheim,

Oberkollbach und Schwarzenberg. n Der Bezirk hat 180 Mitglieder, 220 Kirchenangehörige und –zugehörige und knapp 100 Freunde. 19 Prozent sind ­Kinder und Jugendliche, 16 Prozent junge Erwachsene, 45 Prozent Erwachsene und 20 Prozent Senioren. n Calw liegt etwa 40 Kilometer südwestlich von Stuttgart am Rande des Schwarzwaldes und ist eine Kreisstadt mit 23.000 Einwohnern. Stammheim ist ein Stadtteil mit 4.500 Einwohnern und hat ­dörfliche Strukturen. Oberkollbach hat etwa 1.100, Schwarzenberg knapp 700 Einwohner. www.emk-calw.de

grundlagen aus der Bibel, den großen christlichen und methodistischen Bekenntnissen sowie der (methodistischen) Tradition und Connexio. Der Stamm soll unsere Lebenskultur aus Vielfalt und Lebendigkeit und einer gut gemischten Altersstruktur ausdrücken. Die Äste sollen ein Bild für unsere Schwerpunkte sein. Die Zweige sind Aktivitäten, die mit diesen Schwerpunkten verbunden sind.

Das haben wir noch vor 2009 hat die bezirksweite 40-TageAktion »Expedition zum Ich« gute geistliche Spuren hinterlassen. Im März und April 2011 wollen wir uns in einer zweiten 40-Tage-Aktion mit dem Buch »Fruchtbare Gemeinden« von Robert C. Schnase beschäftigen. Seit Herbst 2010 gibt es eine parallel entstandene Gruppe von rund 20 Personen, die sich »Gemeinde missionarisch entwickeln« nennt. Blickrichtung ist besonders das methodistische Gesamtziel, »Menschen für Jesus Christus zu gewinnen, damit die Welt verändert wird«. Die Herausforderung für die Gemeinden Oberkollbach und Stammheim wird sein, wie die Gemeinden in ihren dörflichen Strukturen zukunftsfähig werden können. Joachim Schumann und Barbara Blaich

unterwegs 6/2011 ::: 13. März 2011

Foto: privat

Im Bezirk Calw gibt es eine starke musikalische Arbeit.


Regionalisierung Zeitgeschehen in der EmK ::: 15

Wie man mit Werten führt 3.800 Teilnehmer. 60 Seminare und eine zentrale Frage: Beim Kongress christlicher Führungskräfte vom 23. bis 26. Februar wurde in Nürnberg danach gesucht, mit welchen Werten sich Unternehmen christlich führen lassen. Zum Thema wurde auch der geplante Auftritt des Verteidigungsministers.

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umindest ein Wunsch blieb Horst Marquardt versagt: Man möge doch bitte, sagte der Vorsitzende des Kongresses christlicher Führungskräfte, den Fall Guttenberg nicht zum Hauptthema der Tagung machen. Aber angesichts der Plagiatsaffäre wurde die Einladung des Verteidigungsministers kontrovers diskutiert. Ist es klug, ihn auf einem Kongress, der mit dem Slogan »Mit Werten in Führung gehen« wirbt, sprechen zu lassen? Ja, sagte Marquardt: Der Kongress stelle sich auch den Niederlagen im Leben, daher müsse auch der in Schwierigkeiten steckende Minister sprechen dürfen. Es könne keinen christlichen Wertekongress geben, wenn man nur Referenten einladen dürfte, die makellos wären. Fast alle großen biblischen Gestalten könnten dann nicht auftreten: »Mose nicht wegen Totschlags, Abraham nicht wegen Lüge, David nicht wegen Mordes und Ehebruchs und Paulus nicht, weil er als einstiger Christenverfolger gleich mehrere Menschen auf dem Gewissen hatte.« Das Problem erledigte sich, der Minister sagte selbst ab. Trotzdem setzte die Kongressleitung eilig eine Podiumsdiskussion an. Dabei wurden die bekannten Argumente ausgetauscht: Albrecht Fürst zu Castell-Castell wies auf die klare Entschuldigung hin, um die zu Guttenberg im Bundestag gebeten habe. Er sei besorgt um die politische Kultur, wenn ein Schuldbekenntnis und die Bitte um Vergebung nicht mehr anerkannt würden. Für den Dekan der Freien Theologischen Hochschule Gießen, den Ethiker Stephan Holthaus, sind die Enthüllungen über zu Guttenbergs Doktorarbeit zwar ein »Super-GAU«, zwischen dem Fehlverhalten und dem anschließenden Umgang mit zu Guttenberg will er aber unterscheiden. Die Debatte habe etwas Pharisäerhaftes an sich. Die Kirche Jesu Christi

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a, ich habe auch schon mal abgeschrieben. In der 3. Klasse muss das gewesen sein, bei einer Mathe­ arbeit. Tagelang habe ich mich seiner­zeit mit einem schlechten ­Gewissen geplagt, denn ich hatte gelernt: So etwas tut man nicht. Es war ein Fehler, den ich damals begangen habe, da das Abgeschriebene dann auch noch falsch war. Vor allem aber war es Schuld – dem 10-Jährigen wohl nachzusehen. Schuld, weil auch ­geistiges Eigentum Eigentum ist und unterwegs 6/2011 ::: 13. März 2011

sei jedoch eine Kirche der zweiten Chance. Es gelte: »Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein« (Johannes 8,7). Der Paderborner Student Johann Kornelsen gab zu bedenken, Vergebung sei daran gebunden, dass man Schuld eingestehe. Dennoch wäre es ungerecht, den Kongress auf den Fall Guttenberg zu reduzieren. Die insgesamt 3.800 Besucher konnten unter mehr als 60 Seminaren mit zum Teil bekannten Referenten wählen, dazu gab es spezielle Angebote etwa für Familienunternehmer und Berufseinsteiger. In einer Ausstellung präsentierten sich rund 280 Unternehmen, vor allem aus der Berater- und Medienbranche. Erfolgreiche Unternehmer wie der Gründer der Baumarktkette OBI, Manfred Maus, oder der Konzerneigentümer Friedhelm Loh – nach Berechnungen des amerikanischen Wirtschaftsmagazins »Forbes« einer der 600 vermögend­ sten Menschen der Welt – sorgten sowohl für den Promi-Faktor als auch für authentische Aussagen. So berichtete Loh, er habe noch nie in seinem Leben so viel Gebetsunterstützung erhalten wie in der Wirtschaftskrise im Jahr 2009. Da habe auch sein Unternehmen mehr als ein Drittel des Umsatzes verloren. Zum Schluss wurde die »Nürnberger Erklärung« verabschiedet. Darin wird betont, dass ohne ein ethisches Fundament keine Wirtschaftsordnung dauerhaft zum Wohl aller Menschen funktionieren kann. Stattdessen brauche es die Maßstäbe Gottes für die Menschen, wie sie in den Zehn Geboten zum Ausdruck kommen. Das bedeute Integrität, Ehrlichkeit, Fleiß, Verlässlichkeit, Barmherzigkeit und Fairness in allen Lebensbereichen. Korruption, Betrug, unfaire Löhne, überzogene Gehälter und Abfindungen müssten abgelehnt werden.  kie/idea

seine nicht nachgewiesene ­Aneignung Diebstahl. Nun behauptet Herr zu Guttenberg, dies sei ihm aus Versehen unterlaufen – der Kinder und der Arbeit wegen. Ein solcher Lapsus aber kann in ­diesem Ausmaß einem auch nur halbwegs gebildeten Menschen nicht ­passieren. Also wäre dem ehemaligen Minister entweder ein dramatischer Mangel an Intelligenz zu ­bescheinigen, was ich gewiss nicht tue. Oder aber er belügt dreist das Volk, dessen ­Minister

kommentar er war. Dies zu bagatellisieren oder zu ignorieren, halte ich für katastrophal. Pastor Frank Eibisch ist Direktor des Diakoniewerkes Bethanien, ­Theologischer Geschäftsführer der ­Bethanien Krankenhaus Chemnitz gGmbH und der Fachklinik ­Klosterwald gGmbH.


Reportage in der EmK 16 ::: Regionalisierung

Wie ein Springseil Kirchentüren öffnet Die Aufgabe wurde der Gemeinde Berlin-Mitte vor die Füße gelegt: Auf dem Spielplatz neben der Kirche waren viele Kinder ohne Begleitung. Bethesda-Schwestern begannen, mit den Kindern zu spielen – der Start für »Kinder in die Mitte«. Jetzt ziehen sich die Schwestern zurück, die Arbeit geht unter der Regie des Bezirks Berlin-Stadt weiter. Benjamin Huth hat sich umgesehen.

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om Nordbahnhof südwärts – das ist noch zu Mitte« zuständig. Mit dem Springseil waren Betheslesen auf dem Zettel aus meiner Hosentasche, da-Schwestern aus Wuppertal in Berlin unterwegs. der Rest ist nur noch Brösel. Ich laufe ein Stück Gefragt hatte sie der damals für die Gemeinde zuund frage eine Passantin: Guten Tag, ich suche die ständige Pastor Matthias Götz, denn ihm waren auf Kirche in der Schröderstraße. Ach, Sie wollen zu »Kin- dem Nachbargrundstück der Kirche, dem großen Zilder in die Mitte«? Dann gleich die nächste links. An le-Spielplatz, viele Kinder aufgefallen, die immer oheinem weithin sichtbaren Kirchturm kann man sich ne Begleitung dort waren. Einsame Kinder. Die jedenfalls nicht orientieren, wenn man zur Erlöserkir- Schwestern folgten nach Beratung und Gebet der Bitche in der Schröderstraße will. Aber woher wusste die te. Und fingen an, mit den Kindern auf dem Spielplatz Frau von »Kinder in die Mitte«? Ich hatte doch nur zu spielen. nach der Kirche gefragt. Das Wohngebäude aus Backstein verrät durch sei- Der Gemeindesaal fest in Kinderhand nen Torbogen und zwei beleuchtete Schaukästen, dass Mittlerweile sind zwölf Jahre ins Land gegangen. sich im Hinterhof eine Kirche befindet. Rechts und Montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr ist der Gelinks stehen sanierte Häuser meindesaal fest in Kinderhand. aus der Gründerzeit, auf der Im abgetrennten Spielbereich »Unsere Formel: Straße drei Mercedes, ein Porist Platz für freies Spielen. Fast sche, ein Maserati zwischen Kinder, Kirche, Kiez.« täglich werden besondere aneher gewöhnlichen Autos. Ist geleitete Aktivitäten angebohier der Ort für ein Sozialproten: dienstags gemeinsames Pastor Lars Weinknecht jekt? Das schmiedeeiserne Tor Musizieren, mittwochs ein ist zu. Ein Mädchen mit SchulTeenie-Kreis, donnerstags ein rucksack und Beutel kommt biblisches Thema, einmal im und klingelt, ein Knacken in der Gegensprechanlage. Monat ein gemeinsamer Jugendkreis. Im Sommer Ich bin’s, Clara! (Name geändert) Ein Surren, das Tor geht’s weiterhin so oft wie möglich auf den Spielplatz. lässt sich öffnen. Ich schlüpfe mit rein. Drinnen erwarNoch wichtiger aber sind die täglichen Angebote. tet uns Lars Weinknecht. Zuerst begrüßt er Clara ganz Ab 15 Uhr gibt es ein gemeinsames warmes Mittagesherzlich, dann mich. Wir sind verabredet. sen, das von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern »Alles fing mit einem Springseil an«, erklärt Pastor aus verschiedenen Berliner EmK-Gemeinden gekocht Weinknecht. Er leitet das Kinder- und Jugendwerks wird. Für einige Kinder ist das die erste Mahlzeit des der Norddeutschen Jährlichen Konferenz und ist mit Tages. Für viele von ihnen auch eine neue Erfahrung, einem Viertel seines Dienstauftrags für »Kinder in die Zeit zum Essen und Reden zu haben, ohne dass der Fernseher läuft, gemeinsam mit einem Gebet zu beginnen und gemeinsam aufzuhören. Kinder in die Mitte Auch die Hausaufgabenhilfe und vor allem die offenen Ohren und die Zeit für die Kinder und Jugendn »Kinder in die Mitte« wurde 1998 von Diakonissen der lichen sind sehr wichtig. Täglich kommen etwa 15 Bethesda-Schwesternschaft Wuppertal ins Leben gerufen. Kinder vorbei, die meisten aus der direkten Nachbarn Zum 1. April 2011 übernimmt der EmK-Bezirk Berlin-Stadt schaft. In die strahlt das Projekt auch aus. Man könnte die Trägerschaft. Der Wechsel wird am 27. März, 11 Uhr, mit es auf die – in diesem Falle positive – Formel von den einem festlichen Gottesdienst in der Erlöserkirche (Schröder»3 K« bringen: Kinder, Kirche, Kiez. Mittlerweile erstraße 5) gefeiert. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen. www.atlas.emk.de/emk_berlin_mitte.html unterwegs 6/2011 ::: 13. März 2011


Regionalisierung in der EmK ::: 17

Nachmittags gehört die Erlöserkirche den Kindern. Für viele ist das der einzige Ort, wo sie spielen und zur Ruhe kommen können.

Fotos: Benjamin Huth

wachsen weitere Kiezaktivitäten aus der Arbeit mit Kindern. Eine Nachbarschaftsinitiative wurde gegründet, die sich in den Räumen der Kirchengemeinde trifft. Aber auch als Vermittler in Problemfällen, etwa zwischen Eltern und Jugendämtern, wird das Projekt mehr und mehr anerkannt.

Alles anders, alles gleich Nach dieser langen, segensreichen Zeit wird die Schwesternschaft Bethesda/Wuppertal die Trägerschaft des Projektes zum 1. April diesen Jahres an den Gemeindebezirk Berlin-Stadt abgeben. Die nötigen Strukturen dafür sind schon auf den Weg gebracht, ein Verwaltungsrat hat die Arbeit aufgenommen, ein Förderverein ist in Gründung. Viele der bisherigen Unterstützerinnen und Unterstützer haben schon signalisiert, sich weiterhin finanziell und auch im Gebet an der Arbeit zu beteiligen. Auch die etwa zehn ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wollen weiterhin mitarbeiten. Dennoch kommen mit der Schaffung der Personalstellen für die neue pädagogische Leiterin, eine weitere Mitarbeiterin (50 Prozent) und die schon bestehenden zwei FSJ-Stellen hohe Kosten auf das Projekt zu, die erst einmal aufgebracht werden müssen. Im ersten Jahr wird Schwester Heidi noch in Berlin bleiben, um die neue Leiterin zu unterstützen und sich besonders dem Besuchsdienst bei den Familien der Kinder zu widmen. Die Gemeinde, der Bezirk, aber auch die ganze EmK sind nun gefragt, dieses Projekt bei seinem Neuanfang verstärkt zu unterstützen.

unterwegs 6/2011 ::: 13. März 2011

Kommst du mal wieder? Ob denn in absehbarer Zeit weniger Kinder kommen würden, weil in die teuer sanierten Häuser jetzt weniger arme Familien zögen, möchte ich noch von Lars Weinknecht wissen. Auch hier im ‚hippen’ Berlin-Mitte gibt es viel Armut. Aber das ist nicht nur eine Frage des Materiellen, eher eine bleibende und wachsende soziale Frage. Wenn Mama und Papa jeden Tag bis abends arbeiten sind, sind die Kinder auch einsam. Und für die wollen wir da sein. Als ich gehe, kommen noch viele Fragen von den Kindern: Wohin ich ginge, wie alt denn meine Kinder seien, ob sie auch mal die Zeitung lesen können, für die ich schreibe. Am meisten aber freue ich mich über die Frage: Kommst du mal wieder? Auf dem S-Bahnsteig am Nordbahnhof zieht es. Ich friere. Ich drehe mich in Richtung der Erlöserkirche. Kein Kirchturm ist von hieraus zu sehen. Und doch scheint es aus dieser Richtung irgendwie warm zu sein. Ich werfe den Zettel aus meiner Hosentasche in den Papierkorb. Wenn ich der Einladung der Kinder folge, werde ich ihn nicht brauchen. Antoine de Saint-Exupéry würde in Anlehnung an 1. Samuel 16,7 sagen: Man sieht nur mit dem Herzen gut.

Benjamin Huth ist Liedermacher, Theologe, Laienprediger und Laienmitglied des Bezirks Berlin-Friedrichshain. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.


unterwegsinfo

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unterwegs 6/2011 ::: 13. März 2011

Neue Wege in der Gottesdienstgestaltung Zweimal im Jahr findet in Stuttgart-Giebel eine zentrale Fortbildung für Laienprediger und Predigthelfer statt. Hauptreferent war in diesem Jahr der Alttestamentler Frank Crüsemann.

D

ie zentralen Fortbildungen werden vom Bildungswerk der EmK veranstaltet. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass zum einen bedeutende Theologen eingeladen werden, um mit den Teilnehmern Grundsatzfragen von Verständnis und Auslegung der Heiligen Schrift zu diskutieren und ihnen so den aktuellen Stand der Theologie auf verschiedenen Gebieten nahezubringen. Zum anderen kommen hier Menschen zusammen, die meist schon viele Jahre im Verkündigungsdienst tätig sind und Erfahrungen aus sehr unterschiedlichen Gemeinden austauschen. Sie können voneinander lernen und neue geistliche Impulse mitnehmen. Anfang Februar war unter dem Thema »Geheiligt werde dein Name – Der Name Gottes in der Bibel und im Gottesdienst« der Alttestamentler Frank Crüsemann zu Gast. Er brachte den Teilnehmern nahe,

kurz &bündig Um die Wurst ging es kürzlich in

Balingen: Unter dem Motto »Weil uns nicht alles Wurst ist ...« veranstalteten die Sonntagschulen des Bezirkes Balingen ihren ersten »WürstleSonntag«. Zu einem bunt zusammengestellten Salatbüfett wurden sieben ver-

Lothar Elsner und Ulrike Burkhardt-Kibitzki (ganz links) leiteten die Fortbildung für Laienprediger und Predigthelfer.  Foto: privat

wie in Israel die Heiligkeit und geradezu Unnahbarkeit des Namens Gottes gesehen wurde und ging dann weiter zu der Frage, was denn Christen heute verbinden mit dem »Geheiligt werde dein Name« als Teil des »Vater unser«-Gebets. In Arbeitsgruppen tauschten die Teilnehmer Erfahrungen aus und sprachen neue Wege an zu wesentlichen Elementen für die Gestaltung des Gottesdienstes. Dabei zeigten die Vielfalt vorgestellter Möglichkeiten und die Erfahrungen von Teilnehmern Wege auf, wie

schiedene Wurstsorten angeboten, so dass für jeden Geschmack etwas dabei war. Abgerundet wurde das Mittagessen mit Kaffee und Kuchen. So füllte sich der Sammeltopf neben dem Ausgang schnell mit reichlich Spenden für den Rentenfonds der EmK. Auch Superintendent Johannes Knöller »outete« sich als Würstchenliebhaber und nahm mit seiner Frau an diesem Mittagsangebot der Kinder teil. Eine Aktion, die zur Nachahmung empfohlen wird. Helge König-Blocher/ Mirabell Schlagenhauf

gerade Eingangswort und Segensbitte und -zuspruch vielfältiger und situationsangepasster gestaltet und so der ganze Gottesdienst lebendiger werden kann: Gefragt ist dann Mut zu Neuem und Ungewohntem. Der von Teilnehmern gestaltete Sonntagsgottesdienst und die Diskussion eingereichter Predigten schlossen diese Fortbildung ab. Die 15 Teilnehmer – zwölf aus der SJK und drei aus der NJK – kehrten neu motiviert und gestärkt heim in den Verkündigungsdienst in ihren Heimatgemeinden.  Klaus Thimm

Mit mehr als 50 Mahnwachen

haben in Dresden Kirchengemeinden am 19. Februar ein Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Das berichtet die Zeitschrift EANN. Demnach waren evangelische und katholische Kirche sowie mehrere Freikirchen, darunter Adventisten, Baptisten, Mennoniten und die EmK beteiligt. Bei den Protesten gegen den Aufmarsch rechter Gruppen hatte es schwere Ausschreitungen linker Demonstranten gegeben. Dabei wurden mehr als 80 Polizisten verletzt.  kie


unterwegs info ::: 19

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persönlich

Au f genommen Altensteig ::: am 20. Februar Steffen Schnürer (16). Bebra ::: am 30. Januar Nicola Rödl (45) und Andreas Schade (31). Freudenstadt ::: am 20. Februar Christel Frey (54) und Frank Saßnowski (16). Hamm ::: am 6. März Christine Dietz (41). Schweinfurt ::: am 2. Januar Ante von Postel (19).

W ir g r atu lier en Auerbach ::: Hildegard Günnel zum 90. Geburtstag. Chemnitz-Friedenskirche ::: Anny Schubert zum 90. Geburtstag.

Heidelberg ::: Else Bastine zum 90. Geburtstag. Leonberg ::: Ursula Frey zum 90. Geburtstag. Mühlheim am Main ::: Auguste Müller zum 90. Geburtstag Reinsdorf ::: Ruth Meyer zum 90. Geburtstag. Schleiz ::: Isolde und Immanuel Kögler zur goldenen Hochzeit. Witzschdorf ::: Leonie Keller zum 90. Geburtstag. Zschorlau ::: Gertrud Baumgartl zum 90. Geburtstag; Lisbeth Große zum 90. Geburtstag.

H eimgeg a ngen Albstadt-Tailfingen ::: Maria Blickle geborene Conzelmann am 20. Februar, 100 Jahre.

Berlin/Friedrichshain ::: HansJoachim Rindler am 5. Februar, 70 Jahre; Harry Schneidereit am 16. Februar, 85 Jahre. Crottendorf ::: Edelhard Siebert am 18. Februar, 75 Jahre. Halle ::: Irene Brackis am 17. Januar, 85 Jahre. Laichingen ::: Benjamin Schäfer am 21. Februar, 72 Jahre. Nürnberg-Zionskirche ::: ­Walter Wagner am 14. Februar, 82 Jahre. Oberkollbach ::: Ida Keppler ­geborene Lötterle am 14. Februar, 83 Jahre; Otto ­Rexer am 16. Februar, 86 Jahre. Schönfels ::: Ehrhard Günther am 9. Februar, 90 Jahre.

wowannwas

Te rmine Berlin ::: Auferstehungskirche, 9. April, Multimedia im Internet, Informationen und Anmeldung im Bildungswerk, Telefon 040 52594293, E-Mail: bildungswerk.nord@emk.de, www.emk-bildung.de Fellbach ::: EmK-Gemeinde­ zentrum (Gerhart-HauptmannStraße 35), 9. April, Besuchsdienst-Seminar, Leitung: Jutta Specht, Klinikseelsorgerin, Informationen und Anmeldung bei Markus Jung, Telefon 0711 581493 oder E-Mail: markus.jung@emk.de Leer ::: EmK (Friesenstraße 52), 2. April, Tu dir was Gutes – Vergib!, Seminartag für Frauen der Region Weser-Ems, Informationen unter Telefon 0491 9607723. München ::: Krankenhaus ­Martha-Maria, Wolfratshauser Straße 109, vom 17. März bis 5. Juni, Ausstellung »Surreale unterwegs 6/2011 ::: 13. März 2011

Wirklichkeit«, Werke der Münchner Künstlerin »Don«, Vernissage am 17. März, 18 Uhr. Weinsberg ::: Christuskirche (Bleich 38), 27. März, 19.30 Uhr, D:Projekt unplugged, Informationen unter Telefon 07134 2782. Wolfsburg ::: Friedenskirche (Heinrich-Heine-Straße 45a), 19. März, 19 Uhr, Konzert mit Gospeltrain Danndorf. Wüstenrot-Neuhütten ::: Burgfriedenhalle (Öhringer Straße 80), 27. März, 11 bis 18 Uhr, 31. Bazar, Informationen unter www.emk-wuestenrotneuhuetten.de

Semin ar e Gott mit mir – Segen empfangen und weitergeben ::: ­Seminar für Frauen, Limburg, 31. März bis 3. April, Informationen unter 07231 26492.

Schönheide ::: Jutta Auras geborene Schlesiger am 17. Februar, 72 Jahre. Sehma ::: Gerda Pietzsch am 13. Februar, 73 Jahre. Stuttgart-Hoffnungskirche ::: Anni Sternhuber am 11. Februar, 96 Jahre; Marta Zipf am 18. Februar, 88 Jahre. Weitefeld ::: Renate Krah ­geborene Müll am 25. Januar, 79 Jahre. Wuppertal-Bethesda ::: Diakonisse Martha Hübner am 12. Februar, 84 Jahre; Diakonisse Fridl (Frida) Müller am 24. Februar, 94 Jahre. Zwickau-Friedenskirche ::: Margarete Perkolab geborene Körner am 18. Februar, 84 Jahre.

Ausstellungen Leingarten ::: EmK-Gemeindezentrum (Brühlstraße 32), 20. März bis 10. April, Bilderausstellung »Schönheit des ­Vergänglichen«, von Roland Schweizer, Vernissage 20. März, 16.30 Uhr.

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24 ::: Portrait

Ein Tanz mit dem Leben Jimmy Liebermann hat Charme und ein strahlendes Lächeln. Zudem ist er hilfsbereit und ein wahres ­Organisationstalent, obwohl er wegen seiner Behinderung sich nur mühsam artikulieren kann. Die ­Journalistin Angela Körner-Armbruster aus Nagold erzählt, was man von dem jungen Mann ­lernen kann.

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ir kennen uns inzwischen ein gutes Dutzend Jahre und ich weiß: Wenn ich Jimmy Liebermann nicht verstehe, ist er nicht verletzt. Er weiß, dass er undeutlich spricht, wiederholt alles geduldig. Ich habe gelernt, ihn zu verstehen – im doppelten Wortsinn. Und er hat mich vieles gelehrt. Durchhalten zum Beispiel. »Ich bin zäh« sagt er mit Nachdruck. »Sonst kommt man ja zu nichts.« Zuerst hieß das nach einer komplizierten Geburt einfach nur: überleben. Jetzt braucht er diesen Ehrgeiz beim Kampf gegen die Spasmen in Händen und Beinen. Er ist 35 Jahre alt und merkt, dass seine Energie nachlässt. Er hat Angst vor einer gesundheitlichen Verschlechterung. Dennoch akzeptiert er sein Leben, das die Gesunden so gern sein »Schicksal« nennen. Wenn neben ihm im Straßencafé wegen Banalitäten gejammert wird, schaut er verständnislos hinüber und denkt sich: »Einen Tag, nur einen Tag sollten solche Menschen mit einer Behinderung leben müssen ...« Er kann nicht richtig gehen und er kann nicht richtig greifen. Mit ihm ist alles entschleunigt. Im Gespräch mit Jimmy werden Hedgefonds und Wolkenkratzer und ehrgeizige Höhenflüge entthront. »Natürlich muss man sich Ziele setzen – aber sie müssen vernünftig und erreichbar sein. Und man muss zwischen Realität und Traum unterscheiden.« Traum ist: eine Rundreise durch Amerika. Realität ist: alleine ins Musical nach Hamburg zu fahren. Traum ist: eine Frau an seiner Seite. Realität ist: ein großer Freundeskreis, mit dem er schon auch mal durchfeiert. Traum ist: wenn die Gesunden aufgeschlossen sind und von den Kranken lernen. Realität ist: sich zu freuen an dem, was man hat. Von Jimmy kann man lernen, trotz negativer Erlebnisse vertrauensvoll auf Fremde zuzugehen. Wenn düstere Gedanken kommen, lässt er sich nicht hängen, sondern packt den Rollator und geht in ein Bistro. Weil er kontaktfreudig und zudem ein guter Zuhörer ist, bleibt er nie lang allein. Jimmy Liebermann kann kaum lesen und nicht schreiben – aber er möchte die Geschichte seines bewegenden Lebens in ein Buch packen. In den vergangenen Jahren hat er oft von diesem Traum erzählt und kürzlich ist tatsächlich ein Stückchen davon Wirklichkeit geworden. Ein Kapitel ist ge-

druckt. Es heißt »Mein Tanz mit dem Leben« und hat Platz in dem Buch »Mehr vom Leben« gefunden. Darin erzählen Jimmy und 70 andere Menschen mit Behinderungen von ihren Herausforderungen und Entbehrungen, von ihrem Kampf und ihrem Sieg. Sie erzählen von ihrem Mut zum Leben und machen damit anderen Mut. Für Jimmy, den unermüdlichen Kämpfer, war diese Buchvorstellung in Köln ein großes Erlebnis. Ein echter »Promi« hat aus seiner Geschichte vorgelesen und seinen Namen ins Mikrofon gesagt. Er darf stolz sein auf sich und seinen Erfolg, auf seine Lebensfreude und seinen Lebenswillen. Und weil Jimmy Liebermann eben »ein wirklich guter Kerl« ist, teilt er seine Freude dankbar mit allen, die mit ihm seinen Weg gehen, damit auch sie »mehr vom Leben« haben.


unterwegs 06/2011