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ISSN 1436 · 4536645 18. Dezember 2011

Das Magazin für den ganzen Mann. SEITE

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esundheit gilt heutzutage den meisten Mitbürgern als der höchste Wert. Das ist nicht selbstverständlich, denn vielen Menschen galt lange Zeit das Seelenheil als noch erstrebenswerter. Nach dem Verlust vieler Illusionen über die Chancen, das Heil auf Erden zu erreichen – im 20. Jahrhundert sollte das mal der Markt, mal der Nationalsozialismus, mal der Kommunismus erbringen –, ist mittlerweile der Körper zur letzten Instanz von Glück und Wahrheit geworden. Ein gesunder Körper gilt als der Beweis für ein gelungenes Leben. Für dieses Ziel joggen manche oder gehen ins Fitnessstudio, viele versuchen sich an immer neuen Diäten, obwohl leichtes Übergewicht sogar mit einer höheren Lebenserwartung einhergeht. Ein gesundheitsförderlicher Lebensstil – ausgewogen essen, mäßig trinken, sich bewegen und nicht rauchen – ist fraglos sinnvoll. Gesundheitsbegriffe sind aber keineswegs wertfrei, sondern können bis zum Krankenmord führen. Gesundheit wurde nämlich in der ersten Hälfte des Jahrhunderts immer stärker mit Bezug auf den Volkskörper de�iniert: Gegen die »Degeneration des deutschen Volkes« sollte jeder seiner »P�licht zur Gesundheit« nachkommen, wie es schließlich die Nazis formulierten. Sie verbanden Eugenik mit Rassismus, der die »lebensunwerten« Behinderten und die Juden schließlich der systematischen Vernichtung preisgab. Heutzutage gilt als Leitidee die umfassende De�inition der Weltgesundheitsorganisation von 1948, die Gesundheit als »einen Zustand des vollständigen

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Drei Fragen an Prof. Dr. Peter Kropp

Titelthema: Keine Sorge vor der Vorsorge

2 • 2011 Andreas Malessas Gedanken

körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen« de�iniert. Damit grenzt sie sich von dem Gesundheitsbegriff ab, der sicher für die meisten Menschen um 1900 galt. Damals lag die Lebenserwartung bei der Geburt noch bei knapp 45 Jahren für die Männer und gut 48 Jahren für die Frauen. Bald sank die Säug-

Die

letzteInstanz

Warum körperliche Gesundheit in den vergangenen 111 Jahren immer wichtiger geworden ist

lingssterblichkeit stark. Dann verbesserten sich die Lebensverhältnisse, vor allem Ernährung, Bildung und Hygiene, weiter. Die Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, die viel zur Sterblichkeit beitrugen, kamen unter Kontrolle. Derzeit nehmen allerdings Erkrankungen durch den Lebensstil massiv zu: Diabetes wegen Fehlernährung und

Bewegungsmangel ist das wichtigste Beispiel. Unsere Großeltern litten also sicher an anderen Krankheiten, vor allem war aber ihre Lebenserwartung viel geringer. Wir tun deshalb gut daran, gesundheitsförderlich zu leben, uns nicht dauernd Krankheit wegen Abweichungen von Richtwerten einreden zu lassen – und ansonsten nicht in einen Gesundheitswahn zu verfallen. Dr. Martin Dinges Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart


Ein kurzer Ges

Keine Sorge vor der Männer scheuen den Gang zum Arzt. Nicht einmal ein Fünftel der berechtigten Männer nutzt das Krebsvorsorgeangebot. Dahinter könnte die Angst stecken, dass tatsächlich etwas nicht in Ordnung ist, sagt der Hamburger Mediziner Volker Brandes.

D

ass am Auto etwas kaputtgehen kann, ist Männern klar. Beim eigenen Körper ist das anders. »Viele Männer leben in der Illusion, unkaputtbar zu sein«, sagt Volker Brandes. »Sie scheuen deshalb den Gang zum Arzt, auch wenn sie es besser wissen müssten.« Dagegen setzt er die Überzeugungsarbeit von Mann zu Mann: »Männer mögen Fakten und können aus Erkenntnissen Konsequenzen für das eigene Leben ziehen.« Ein Beispiel: Ein Mann nahm

undheits -Leitf

aden fü

r Männer • Treibt reg elmäßig, 2– 3 mal pro W mindestens oche, 30 Minuten Sport, wenn euer A rzt nichts d agegen hat! • Ernährt eu ch mediterra n! (Ausgewo Vollwer tkost gene , p�lanzliche F • Lasst ab 4 0 Jahren den ette) P SA-Wer t reg bestimmen elmäßig , um das häu �igste Krebsl des Mannes eiden , den Prostat akrebs, früh zu entdecken zeitig . • Lasst ab 5 5 Jahren ein e D ic k d ar m sp durchführe iegelung n. • Denkt an d ie H • Seid n et t zu au tk re b sv o rs o rg e . euren Ehefra uen. • Geht regel mäßig in die Kirche.

Vorsorge.

binnen einer Woche 20 Kilogramm ab – nachdem er von Brandes gehört hatte, dass bei Übergewichtigen zehn Kilo weniger die Leistungsfähigkeit um 30 Prozent erhöht, das Diabetesrisiko um 50 Prozent senkt und das Leben um drei Jahre verlängert. Fakten zählen auch, wenn es um sportliche Betätigung geht: Sportlich aktive Menschen senken ihr Dickdarmrisiko um 50 Prozent, sagt Brandes. Zudem hätten schwedische Forscher herausgefunden, dass das Risiko, an AlzheimerDemenz zu erkranken, um 60 Prozent sinkt, wenn man zweimal pro Woche Sport treibt. Noch ein Argument: Frauen leben im Schnitt fünf Jahre länger als Männer. »Das ist kein Schicksal«, sagt Brandes. »Die Daten, die wir kennen, sprechen

Partnerschafts-Tipp Freundschaft: Wie geht es Ihrem besten Freund?

Müssen Sie bei dieser Frage lange überlegen? Weil Sie Ihren besten Freund seit Monaten nicht gesprochen haben? Weil Sie meist nur über Fußball und Politik reden? Weil Sie vielleicht gar keinen (mehr) haben? Da geht es Ihnen wie den allermeisten Männern. Beruf, Partnerschaft und Kinder lassen uns oft unsere Freundschaft(en) vernachlässigen. Das ist fatal. Denn gerade in Krisenzeiten, und die kommen in jedem Leben, ist der Wert eines wirklichen, treuen und solidarischen Freundes unschätzbar. Denn nicht nur eine Partnerschaft braucht beiderseitiges Engagement und P�lege, auch Freundschaften halten nicht automatisch, zumindest nicht ihre Qualität. Vielleicht können Sie mit Ihrem besten Freund eine überdauernde Vereinbarung treffen, etwas, was nicht so schnell im Alltag untergehen kann: ein regelmäßiges Treffen, oder eine gemeinsame Urlaubsreise jedes Jahr. Björn Süf�ke ist Männertherapeut und Autor. Zuletzt sind erschienen »Männerseelen

– ein psychologischer Reiseführer« und »Die Ritter des Möhrenbreis – Geschichten von Vater und Sohn«. www.maenner-therapie.de

dafür, dass wir Männer verloren gegangenes Land wiedergewinnen können.«

Wie ein Werkzeug

Eine Ursache für die männliche Scheu, sich mit Krankheiten zu befassen, liegt in der Einstellung zum eigenen Körper: »Männer benutzen ihren Körper häu�ig wie ein Werkzeug, koste es, was es wolle«, sagt Brandes. »Signale des Körpers werden dabei überhört.« Männer müssten deshalb nicht nur lernen, auf die Signale ihres Körpers zu hören, sondern auch »das Weinen unserer Seele zu entdecken und es nicht länger als Kopfschmerz oder schlechte Laune zu missdeuten«. Als Beispiel nennt der Arzt Jesus selbst: So habe Jesus immer wieder für Ruhephasen bei seinen Jüngern gesorgt und sich selbstverständ-

Berufs-Tipp Misserfolge sind wichtig! »Erfahrungen bekommen Sie dadurch, dass Sie nicht bekommen, was Sie eigentlich wollten.«

Dan Stanford Eine wichtige Besprechung ist zum Desaster geworden. Ihre Vorschläge für das weitere Vorgehen wurden unsanft abgelehnt. Das ist eine sehr frustrierende Situation, die nicht schön ist. Aber es gibt auch eine positive Seite. Wenn Sie sich strukturiert fragen, was falsch gelaufen ist und darüber auch mit anderen unbefangen sprechen, dann haben Sie die Chance, eine wichtige Erfahrung fürs Leben zu machen. Haben Sie dabei keine Angst als Versager dazustehen, denn der professionelle Umgang mit eigenen Fehlern ist sogar eine Stärke. Reinhard Ruch hat als Manager in großen Unternehmen gearbeitet und berät jetzt Führungskräfte als Trainer und Coach. www.st-z.de


3 Fragen an: lich an den Sabbat gehalten. »Auch Männern täte ein Ruhetag in der Woche gut.« Denn zunächst geht es darum, vermeidbare Erkrankungen gar nicht zu bekommen. Das heißt: Viel Bewegung, gesunde Ernährung, gute Esskultur. Nicht rauchen, Stress und Bluthochdruck vermeiden. Und auch das »Bäuchlein«, das sich bei vielen Männern ansetzt und das manche für gemütlich halten, muss weg: Das Fett im Bauchraum, so haben Studien herausgefunden, ist geradezu ein Killer. »Es sendet eine Vielzahl von hormonähnlichen Stoffen aus, die besonders den Blutgefäßen schaden«, sagt Brandes. »Das kann zum Herzinfarkt und Schlaganfall führen.« Zwölf von 100 Männern sterben an einem Herzinfarkt. Wenn Männer aber krank sind, hält Brandes Moralisieren und Schulmeistern für unangebracht. »Vielmehr brauchen Männer Beistand, Verlässlichkeit und Motivation, nicht selten auch Trost. Der Schuss vor den Bug beinhaltet immer auch die Chance, sein Leben zu vertiefen und achtsamer zu werden.« Nicht zuletzt sollten Partner die Last der bedrohenden Krankheit gemeinsam in einer offenen Kommunikationskultur zu tragen versuchen und die Trauer über die Erkrankung nicht voreinander verbergen. Denn wer emotional gut aufgefangen ist, kann auch mit einer schweren Krankheit besser umgehen.

Kropp ist sor Dr. Peter es of Pr Zur Person: sche s für Medizini ut it st In s de Direktor ock. iversität Rost Un r de an e gi Psycholo o eigentlich ? er inen Schmer z« – wies der Schmerz selbst ist natürlich imm ke t nn ke er an di In g; ch »Ein un au er n uß ih zä er soll hmer inbar nicht zeigt, er eher um die Sc

rn Es geht hi Schmerz sche erungen bei Männe ein Indianer den da er Ab n. de dass Schmerzäuß an t, n. ig re vorh ze ie e ag hm re na zu g An er hefti Diese falsche erz-Signale wenig hm äl nicht emp�inden. Sc f w au be , z so er en hm r Sc Kinder lern re dann, wenn de unerwünscht sind. Vorteil, insbesonde n erz aber zu stark vo r hm ga Sc so r s de da n en W . gt in kl ab Gelegentlich ist selbst it Schmerzund vielleicht von g; dies geht nur m un tz tü rs te Un tigt werden kann le zia ch Unterstützung. ir zum Ertragen so , Weinen, Suche na wird, benötigen w en ei hr Sc – d sin ndeutig äußerungen, die ei en ?

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chen basteln soll? Warum �inde ich die Frage, ob beim Sommerfest Wa ffeln mit oder ohne Puderzucker angeboten Der Elternabend zählt werden sollen, eher zu den letzten verbliezweitrangig? benen Abenteuern des Mann-Seins. In der Regel Mit zunehmender Schulk ist Mann dort ein Exot un arriere der Kleinen ter den »Mein-Leonwird es einfacher. Je nach kann-schon-lesen«- und Schulart und -system »U nsere-Vanessa-ist»Twentyniner« – nur eine geht es dann um die be eine-echte-Künstlerin«-M de ute nden Fragen: ütt ern. Die trifft man Modeerscheinung? Sie sind groß und Klassenfahrt, Versetzung zwar auch auf dem Spiel , Kla ssenzimmerrenopla tz groß im Kommen: Mountainbikes oder beim Arzt. vierung. Das ist vertraute In der Schule aber sind s Terrain. Allerdings die »Mein-Kind-ist-wasmit extragroßen Rädern. Weil sie nimmt mit der Zahl der Besonderes«-Aussagen Schuljahre auch die in der Regel ein unverauch andere Rahmen und Gabeln Za hl meiner Geschlechtsgen hohlener Vorwurf an die ossen zu, die den Lehrer oder gleich an brauchen, ergibt das mehr als ein Elternabend mit einer Ab die Schule an sich: »Ihr teilungsbesprechung werdet unseren Kindern, »MTB mit großen Rädern«. Die groverwechseln: immer sch diesen überirdischen We ön Pro�il zeigen, sen, nicht gerecht!« ßen Laufräder bügeln Unebenheiten int ellektuelle Duftmarken Auf jeden Fall muss ers setzen und ja keinen t einmal darüber besser weg, verbessern Laufruhe anderen zu Wort komm diskutiert werden. en lassen. Diese Typen und Grip. Aber sie beschleunigen wollen nicht nur die Sch Dagegen nimmt der Ma ule madig machen wie nn an sich die Dinge etwas langsamer und benötigen die Übermuttis, sondern zunächst so, wie sie sin auch noch sich selbst d. So ist für uns auch die andere Übersetzungen, um am promoten. Das ist anstr Schule eine Einrichtung en gend, und dagegen , die angenommen werBerg mithalten zu können. Ergibt hilft nur eins: sich frühz den will. Und mit ihr de eit ig mit den Lehrern r Elternabend. Dabei gibt unterm Strich ein neues Fahrgefühl und mitleidenden Eltern es unterschiedliche Stu ver bünden. Denn fen , die zu bewältigen mit anderen Möglichkeiten. der Elternabend ist ein sind. In der Grundschule Or t de r Prüfung und tau chen unvermittelt Genug, um mehr zu sein als eine der Bewährung. Er kann existenzielle Fragen auf: au ch wirklich nett Bin ich ein schlechter Modeerscheinung. sein. Besonders, wenn ma Vater, weil ich nicht weiß, n sic h danach noch wi e ich diese EngelGerrit Mathis ist Redaktionsleiter irgendwo trifft. Volker Kiemle von radio m und Fahrrad-Experte.

Sport-Tipp


Was schenk’ ich wem? Deswegen sag’ ich im Advent ja noch weniger als sonst. Wenn Frauen, Töchter, Schwestern und Schwägerinnen über Markenartikel, Produktnamen, Firmenlogos, Hals- und Bundgrößen, Farbnuancen, Materialbeschaffenheit und Preise möglicher Geschenke diskutieren, im Konjunktiv – möchte, hätte, würde, könnte, gäbe, müsste –, da kann ich nicht mitreden. Ich weiß nämlich nicht, warum Frauen sogar denjenigen das Richtige schenken, die sie nur �lüchtig kennen, während Männer auch denen das Falsche schenken, die sie von Herzen lieben. In Ratgeberbüchern stand, ich solle meiner Frau das ganze Jahr über sensibel »ihre Wünsche ablauschen«.

Hab ich gemacht. Im Juli auf Usedom z. B. ging unsere Luftmatratze kaputt. Mal sehen, ob sie sich Heiligabend über die neue freut. Was man Kindern im Pubertätsalter schenkt, taucht im Januar bei ebay auf, denn eigentlich brauchen sie nur Geld. Das �indet meine Frau aber unromantisch, deshalb schenke ich ihnen Kinound Kosmetik-Gutscheine in einer schönen Weihnachtskarte und das Geld unauffällig zwischendurch. Was sich Neffen, Nichten und Enkelkinder wünschen, erfährt man meist von deren Eltern. Also nur pädagogisch wertvolle Sachen, Bücher und so. Will man den eigenen Eltern das Richtige schenken, sollte man jahrelang Listen geführt haben: Alte Leute haben ein gutes Langzeitgedächtnis und heben alles auf …!

Wenn meine Geschwister wissen wollen, was ich mir wünsche, fragen sie meine Frau. Ich brauch’ aber eigentlich nix und was ich brauche, kaufe ich mir irgendwann. Deshalb kriege ich meist geschenkt, was meine Frau gebrauchen kann. Ist mir aber lieber so, als wenn ich mit ihr samstags in die Stadt müsste. Nur zwischen meinen Freunden und mir ist das Schenken einfach: Zuverlässig werden Rotwein�laschen ausgetauscht und Silvester gemeinsam geleert. Fertig. Was ich mir wirklich mal wünschen würde? Dass meine Liebe zu all meinen Lieben nicht an der Geschicklichkeit gemessen wird, mit der ich Geschenke aussuchen kann … Andreas Malessa

Gott nicht verkleinern Vor 27 Jahren bekam Jürgen Huppenbauer eine schwere Leukämie. Im Gespräch mit Volker Kiemle erzählt er davon. Jürgen Huppenbauer ist nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. Dabei hätte er vor 27 Jahren allen Grund dazu gehabt. Am Morgen des 23. Dezember 1984 bekommt er einen Anruf, der sein Leben schlagartig veränderte: Sein Arzt eröffnete ihm, dass er Leukämie habe – und zwar in einer besonders aggressiven Form. Die Anweisungen des Mediziners sind knapp: Huppenbauer soll den nächsten Flug nach Hamburg nehmen. Seine Frau, die noch in Hamburg wohnt, holt ihn ab und fährt ihn in die Klinik. Dort wird der damals 32-Jährige sofort einer Chemotherapie unterzogen. »Einen Tag später hätte das keinen Sinn mehr gehabt«, erzählt Huppenbauer. »Aber das haben mir die Ärzte erst viel später gesagt.« Die Zukunftsplanung gerät völlig durcheinander. Erst drei Monate zuvor hatte der frisch examinierte Jurist seine erste Stelle in Bonn angetreten. Seine Frau lebte noch in Hamburg, der Umzug

war schon fast über die Bühne. Im Dezember hat er Luftnot beim Treppensteigen. Der Arzt tippt zunächst auf die Nachwirkungen der Prüfungszeit. Aber es wird nicht besser, und schließlich hat der Arzt den Verdacht, der durch den Bluttest bestätigt wird. Sechs Monate dauerte die erste Chemotherapie. Danach ist klar: Huppenbauer braucht eine Knochenmarkspende. Weil kein Spender zu �inden ist, entscheidet er sich für die damals noch neue Eigenspende. In Heidelberg, wo die Therapie durchgeführt wird, bittet er die dortige EmK-Gemeinde um Fürbitte. Auch die Gemeinde in Hamburg-Eppendorf betet für den Patienten. »Ich vertraue auf die Macht des Gebets«, sagt Huppenbauer. Die Therapie gelingt. Huppenbauer kann wieder seine Arbeit beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft in Bonn aufnehmen. »Als ich krank wurde haben die gesagt, ich soll mich auskurieren und dann

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wieder da einsteigen, wo ich angefangen habe«, erzählt Huppenbauer. Er arbeitet noch immer dort – inzwischen in Berlin – und war jahrelang als eine Art »Außenminister« zuständig für die internationalen Kontakte des Verbands. Es sollte noch zehn Jahre dauern, bis er als geheilt galt. Kinder hat das Paar keine – die Risiken seien einfach zu hoch gewesen, sagt Huppenbauer. Hat er wegen seiner Krankheit mit Gott gehadert? Nein, sagt Huppenbauer. Die Frage »Warum lässt Gott das zu« ist für ihn eine Verkleinerung Gottes. »Menschen, die Leid als Strafe Gottes verstehen, würde ich einen anderen Gottesbegriff empfehlen. Es gibt einfach Dimensionen, die wir nicht erfassen können.« Es komme darauf an, mit der Situation, in der man sei, aktiv zu leben. »Man kann niemand die Schuld geben, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat.« Volker Kiemle mann! wird unterstützt von

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