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28. Februar 2010 ISSN 1436-607X

Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

5/2010

Wie Geld und Glaube zusammenpassen Besinnung unter Kreuz n

Die Finankrise treibt New Yorks Banker in die Kirchen. Seite 11

Alles Bio! n

Gesund und günstig essen: So geht’s. Seite 14

Kettensäge im Hof n

Karlsruher Jugendkirche offiziell eröffnet. Seite 19


2 ::: Vorweg

Ihr Michael Putzke So erreichen Sie uns: Redaktion »unterwegs« Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.de Aboservice: 0711 83000-0

kurz gesagt Got tfried Maron ist Ende Rainer Kessler erklärt. »Es ­Januar im Alter von 81 Jahren gibt im Alten Testament eine gestorben. Von 1979 bis Fülle von Bestimmungen, 1997 stand er als Präsident die sich mit sozialen Fragen an der Spitze des Evangelibefassen«, sagte der Professor schen Bundes, dessen theofür Altes Testament. »Der logische Arbeit und ökumeMaßstab für eine gute nische Zielsetzung er maß­Gesellschaft war die Frage, geblich geprägt hat. Gottwie es dem Schwächsten fried Maron war von 1956 geht.« Eines der wichtigsten bis 1964 Catholicareferent Gesetze sei das Verbot am Konfessionskundlichen ­gewesen, Zinsen zu nehmen, Institut Bensheim. In dieser erläuterte Kessler. Zeit nahm er im Auftrag der Evangelischen Kirche Die Bibel ist in Frankreich in Deutschland als Presse­ kein sonderlich beliebtes berichterstatter am Zweiten Buch. Etwa jeder vierte der Vatikanischen Konzil in rund 65 Millionen Einwohner Rom teil. Später lehrte er besitzt zwar ein Exemplar, Neuere Kirchengeschichte aber von diesen lesen nur an der Kirchlichen Hoch­etwa 26 Prozent auch darin. schule in Berlin und an der 37 Prozent der gesamten Theologischen Fakultät der ­B evölkerung halten es für Universität Kiel. nützlich, eine Bibel zu haben. ­A llerdings lesen elf Prozent Aus religiösen Gründen der Religionslosen in der dürfen Schüler sich nicht ­Bibel. 31 Prozent von ihnen weigern, zusammen mit der haben ein gewisses Interesse Schulklasse den Kinofilm an dem »Buch der Bücher«. »Krabat« im Kino anIn Frankreich leben nach zuschauen. Das hat das ­offiziellen Angaben etwa ­Verwaltungsgericht Münster 47 Millionen Katholiken, entschieden. Ein religiöser 5 Millionen Muslime, Gewissenskonflikt rechtfertigt 1,2 Millionen Protestanten demnach keine Befreiung, und 650.000 Juden. ­solange im Schulunterricht das Neutralitäts- und Weil das neue Gesangbuch ­Toleranzgebot befolgt wird. im vergangenen Jahr auf Eis Das Grundrecht auf religiöse gelegt wurde, wollen das ­Erziehung gebe Eltern nicht Verlagshaus und die Jüngerdas Recht, ihre Kinder von schaftsbehörde der weltweiten bestimmten UnterrichtsEmK zwei neue Sammlungen inhalten fernzuhalten. von Liedern, Musik und ­A ndernfalls könne die Texten herausgeben. Sie sollen Funktionsfähigkeit von in einem Jahr zur Ergänzung ­öffentlichen Schulen des Gesangbuchs von 1989 ­beeinträchtigt werden. erscheinen. Die Sammlungen werden als Buch, digital und Die Sozialgesetze des im Internet veröffentlicht. Alten Testaments haben Vorbildcharakter. Das hat Quellen: epd/idea/UMNS / der Marburger Theologe Übersetzung: Reinhold Parrinello

T itelBild: Cl aus Arnold

Wurmt Sie das Titelbild? Mich jedenfalls ärgert es: Warum ist das Gewicht des Geldes so groß, dass es mehr wiegt als das Kreuz? Es sollte doch genau andersherum sein! Spätestens wenn ich einkaufen bin, merke ich, wie stark Geld ist. Ich möchte nicht mehr ausgeben, als nötig. Ich laufe durch die Regalreihen und suche nach günstigen Angeboten. Ich vergleiche die Qualität der Produkte und den Preis, den ich dafür bezahlen muss. Denn mit dem Geld muss ich verantwortlich umgehen. Und bevor ich losfahre, steht immer eine Frage im Raum: Wo kaufe ich ein? Fahre ich zum Discounter mit dem großen Parkplatz oder nehme ich auch noch einen Weg zum Bioladen in Kauf. Dort ist mein Einkaufswagen allerdings nie so beeindruckend voll, aber das Gefühl ist ein besseres. Es geht um die Frage der Nachhaltigkeit. Ist das Produkt, das ich kaufe, langlebig? Ist es so produziert worden, dass keine Ressourcen verschwendet wurden? Wurden die Produzenten fair bezahlt? Es ist eine schwere Frage. Denn ich würde gerne richtig gut und nachhaltig leben. Das schaffe ich aber nicht. Und dann ich bin versucht, es gleich ganz sein zu lassen. Geholfen hat mir folgender Tipp: Es ist schon viel gewonnen, wenn ich 10 bis 20 Prozent fair gehandelte und nachhaltig produzierte Produkte einkaufe. Wenn ich zumindest einen Teil meines ersparten Geldes ethisch anlege – auch wenn die Zinsen nicht in den Himmel wachsen.


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Wo Investitionen ein Gesicht bekommen Die Wirtschaftskrise hat auch etwas Gutes: Die meisten Menschen, die Geld anlegen wollen, schauen sehr viel genauer hin, wem sie zu welchen Konditionen ihr Geld anvertrauen. Im Vordergrund steht nicht mehr die höchste Rendite, sondern die sichere Geldanlage, und wenn sie dann auch noch nachhaltig ist, passt das umso besser in unsere Zeit. Ethisch orientierte Kreditinstitute wie Oikocredit ­bekommen das zu spüren. Im positiven Sinne.

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eit der Inder Muhammad Yunus und seine Grameen Bank 2006 den Nobelpreis erhalten haben, wissen mehr Menschen über Mikrokredite Bescheid. Lange Jahre war das nur etwas für entwicklungspolitisch engagierte Menschen gewesen. Das hat sich geändert: Inzwischen legen viele Menschen ihr Geld bewusster an. So arbeitet etwa die internationale Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit mit rund 390 Millionen Euro von Anlegern vor allem aus Europa. Die Organisation stellt damit kleine und Kleinstkredite für Menschen in Entwicklungsländern bereit, die sich eine Existenz aufbauen. In den ersten drei Quartalen 2009 wurden 84 Mio. Euro an Krediten neu bewilligt, Menschen in 69 Ländern profitieren davon. »Durch die Krise in der Finanzwelt ist deutlich geworden, was unsere Vorgehensweise im Vergleich mit den regulären Banken so anders macht«, sagt Tor G. Gull, Geschäftsführer von Oikocredit International. »Das ist einerseits unsere Sorgfalt bei der Auswahl der Kreditnehmer und andererseits deren Zuverlässigkeit bei der Tilgung.« Der Bedarf an Mikrokrediten wächst mit der Wirtschaftskrise, da auch in Entwicklungsländern mehr Menschen arbeitslos werden.

Foto: Cl aus Arnold

Pionier des Mikrokredits Oikocredit hat schon viel Erfahrung: 1975 – und damit acht Jahre vor der Grameen Bank – gegründet, hat die Organisation in der Entwicklungsfinanzierung Pionier-

arbeit geleistet und ist heute eine der weltweit größten Organisationen im Mikrofinanz-Sektor. Die »Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft« unterstützt als eine von wenigen Finanzinstitutionen Entwicklungsprojekte im Süden, die benachteiligten und ausgegrenzten Menschen zu Gute kommen. »Unsere Investitionen arbeiten schon lange für die Menschen im Süden. Aber die Bankenkrise und das generelle Umdenken in der Gesellschaft, dass es nicht nur um das eigene Wohlbefinden gehen kann, hat noch einmal etwas verändert«, sagt Florian Grohs von Oikocredit Deutschland. Die Investition in Menschen, die konkrete Form der Zusammenarbeit und die Sicherheit der Geldanlage stehen für die Anleger an erster Stelle, die alle Mitglieder der Genossenschaft sind. Sie eröffnen mit dem Erwerb von Anteilen zwar kein sicheres Sparkonto, aber seit 30 Jahren hat ein Oikocredit-Anteil von 200 Euro nichts an Wert verloren. Und die Rendite von zwei Prozent ist seit Jahren stabil. Das Geld kommt armen Menschen und vor allem Frauen zugute. Zu rund 80 Prozent werden Kleinstprojekte von Frauen unterstützt. Ein kleines Darlehen zwischen 10 und 500 Euro reicht schon: Damit schaffen sich arme Menschen wie Felicia aus Ghana, Marilu aus Peru oder Joseph aus Kenia eine eigene Existenz. Das Geld bekommen sie meist über Mikrofinanzorganisationen in ihren Ländern, die für Oikocredit als Kontakt und Gewähr dienen. kie


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»Ich muss noch in den Spiegel schauen können!« Spätestens seit der Finanzkrise sind Werte angesagt. Aber was genau ist damit gemeint? Und was hat das mit dem christlichen Glauben zu tun? Volker Kiemle hat darüber mit zwei Unternehmern gesprochen, die seit vielen Jahren mit ökologisch verträglichen Produkten handeln: dem Öko-Textilienproduzenten Roland Stelzer und dem Bio-Großhändler Hansjörg Schrade. Beide gehören zur EmK. »Ethisch korrektes Handeln« ist – zumindest als Handeln bestimmen, aber ich muss mit meinem Ge­Forderung – derzeit in der Geschäftswelt sehr in schäftemachen nicht die ganze Welt retten. Ich bin ­Mode. Wie genau geht das eigentlich – als Unternehmer letztlich in einer gewinnorientierten Welt unterwegs, in ethisch korrekt zu handeln und dabei trotzdem genug der ich vor allem für mich, meine Firma und meine Geld zu verdienen? Mitarbeiter verantwortlich bin. Mich haben ethische ROLAND STELZER: Für mich als Christ stellt sich die und idealistische Ziele in den Öko-Markt getrieben, Frage nicht so. Für mich ist ethisches Verhalten selbst- ohne Aussicht auf kurzfristige Gewinne. verständlich, und Gott kann daraus dann etwas machen. Ob man mit ethischem Wirtschaften viel Geld Ein anderes Schlagwort unserer Zeit ist die verdienen kann, steht auf einem anderen Blatt. In ­»Nachhaltigkeit«. Was verbinden Sie damit? früheren Zeiten war ein gewisser Mindeststandard ROLAND STELZER: »Nachhaltigkeit« kommt ursprüngethischen Verhaltens selbstverständlich, abzulesen am lich aus der Forstwirtschaft und bedeutet, nicht mehr Bild des ehrbaren Kaufmanns oder dem Begriff der Bäume in einem Jahr zu fällen, als an Holz in dem Jahr GOB (Grundsätze ordnungshinzugewachsen ist. Für das eigene gemäßer Buchhaltung). Dass Geschäft bedeutet das, soweit wie »Ich muss mit meinem solches Verhalten vom Konmöglich Ressourcen zu schonen. sumenten immer mehr gefordert Geschäfte­machen nicht die Also Böden und Wasser im wird, ist heute offensichtlich, abBaumwollanbau und in der Ferganze Welt retten.« zulesen an den vielen Kampagnen, tigung nicht zu verseuchen und mit denen Unternehmen ihr gesellHansjörg Schrade Wert auf eine schonende Verschaftliches Engagement betonen. arbeitung zu legen. Sehr wichtig ist Leider geht es dabei oft nur um Schönfärberei. Für mir, dass die hergestellten Produkte möglichst lange mich ist es besser, das Grundgeschäft gut zu machen, halten. Die Wegwerfmentalität ist nicht nachhaltig. Die als medienwirksame Ersatzaktionen zu starten. in Asien in Masse produzierten Textilien halten oft HANSJÖRG SCHRADE: Ethisch korrektes Handeln zeigt nicht einmal eine Saison. Danach muss man wieder sich nicht an Fair-Handels-Zertifikaten, sondern an Rohstoffe und Energie, Ackerfläche und Produktionsvielen Details: Wie ich Lieferanten behandle, wie ich kapazitäten einsetzen. Besser sind die vielleicht beim mich Mitarbeitern gegenüber verhalte – gerade solchen Kauf teureren, dafür aber hochwertigen Produkte über anderer Herkunft oder anderen Glaubens –, dass ich die Lebensdauer immer. Dieser wichtige Aspekt von ehrlich bin, wie ich mich in Konfliktfällen verhalte und Nachhaltigkeit fehlt mir leider in der heutigen Disökologische Belange beachte. Das alles muss ich über kussion. Zur Nachhaltigkeit gehört zudem auch der einen längeren Zeitraum machen, damit es faire und gerechte Umgang mit allen Menschen, die in glaubwürdig ist. Manches geht für mich überhaupt der Produktionskette eingebunden sind: Dem Bauern nicht – so bezweifle ich, dass man eine Fabrik für auf dem Feld, der Person an der Maschine, dem MitLandminen oder ein Atomkraftwerk ethisch korrekt arbeiter in der eigenen Firma und natürlich dem betreiben kann. Geld verdienen hängt mit ethisch Kunden selbst korrektem Tun aber nicht unbedingt zusammen: Der HANSJÖRG SCHRADE: Gerade in der Landwirtschaft gibt »Gute« macht nicht automatisch Gewinne, aber auch es einen deutlich sichtbaren Unterschied zwischen inbesonders niederträchtige Tricks führen nicht auto- tensiver Tierhaltung mit Importfutter oder dem Maismatisch zu Gewinn. Geschäftspartner haben nämlich anbau für Biogas auf der Schwäbischen Alb, der dann immer ein gutes Gedächtnis. Die Ethik muss mein zu Spritzmittelrückständen im Wasser der Wimsener


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Zwei Unternehmer, eine Verantwortung: Hansjörg Schrade (links) und Roland Stelzer verbinden Geschäft und nachhaltiges Handeln zum Schutz der Umwelt.

Fotos: Volker K iemle

Höhle und zu Erosion führt, und dem Bioanbau, der zum Erhalt und zur Pflege der Lebensgrundlagen beiträgt: Wasser, Luft, Tier- und Pflanzenwelt, Bodengesundheit und die Gesundheit der Arbeiter und Bauern sind durch Bioanbau nicht in Gefahr. Das eine funktioniert nur eine begrenzte Zeit unter Abbau der Lebensgrundlagen, das andere führt zu mehr Gesundheit, Lebensgrundlagen, Landschaft, ... »Nachhaltig« und »ethisch korrekt« sollen ja auch die Verbraucher handeln. Trotzdem kaufen die ­meisten möglichst billig im Discounter. Wie kann man die Menschen davon überzeugen, dass Gutes nicht nur billig sein kann? HANSJÖRG SCHRADE: Der einzelne Händler oder Hersteller ist damit in der Regel überfordert. Wir sind als Naturkosthändler Teil einer Bewegung, in der viele seit 40 Jahren mitarbeiten und so ein Bewusstsein bei vielen Verbrauchern geschaffen haben. Nach einer Pionier- und Bewusstseinsphase in dem Markt lässt das jetzt etwas nach, »Bio« wird normal. Dann gehen die Leute entweder in den Supermarkt oder sie suchen weiterhin die persönliche Integrität des Anbieters oder den besonderen Service der Biogemüsekiste, die direkt ins Haus geliefert wird, oder die schöne Auswahl auf dem Wochenmarkt. Besonders bei Bio-Produkten sind die Supermärkte nur bei wenigen Artikeln wirklich günstiger, genaues Hinschauen lohnt sich. Der aktive Anbieter muss und wird dem Kunden immer wieder erklären und darstellen, welche guten Eigenschaften er mit dem Produkt bekommt: Gesundheit, Geschmack, genaue Herkunft, optimale Verwendung durch ein Rezept dazu, Frische durch kurze Wege, kostenlosen Umweltschutz inbegriffen und so weiter. ROLAND STELZER: Da habe ich wenig Illusionen. Umfragen zeigen, dass nur zwei Prozent der Kunden freiwillig bereit sind, mehr auszugeben, um anderen etwas Gutes zu tun. Deswegen bieten wir dem Kunden für sich selbst mehr an, also einen besseren Produktnutzen. Das sind etwa Freiheit von Giften und Belastungen, das sind gute Eigenschaften in der Nut-

zung, Komfort, Pflege, Design, Haptik und Ästhetik. Es gehört aber für manche Kunden dann durchaus mit dazu, dass sie ein gutes Gewissen haben können, mit ihrem Konsum niemanden ausgenutzt oder zu viele endliche Ressourcen verbraucht zu haben. Seit ein paar Jahren bekennen sich immer mehr ­Unternehmer und Führungskräfte zu ihrem christlichen Glauben und suchen auch Gemeinschaft, etwa beim »Kongress christlicher Führungskräfte«. Was genau unterscheidet den christlichen vom nichtchristlichen Unternehmer? ROLAND STELZER: Das ist eine schwere Frage! Für mich persönlich gehört dazu ein faires Verhalten gegenüber jedermann und Ehrlichkeit beziehungsweise Liebe zur Wahrheit. Als Christ habe ich aber einen Herrn, der die Lasten tragen hilft. Dadurch hat man einen großen Vorteil. HANSJÖRG SCHRADE: Auch der christliche Unternehmer gehört vor allem in die Ortsgemeinde und in den Hauskreis und in den Kirchenchor oder die Jugendarbeit. Die Verknüpfung von Glauben und Erfolg, das »Gewusst wie«, das Unternehmensberater wie der Inhaber des tempus-Verlags, Jörg Knoblauch, predigen, hat mich bisher nicht angesprochen und sich weder mit meiner Berufs- noch Glaubenserfahrung gedeckt. Es gibt »unchristliche« Unternehmer, mit denen man über Jahre treu und verlässlich und zu beider Seiten Nutzen zusammenarbeiten kann; und es gibt christliche Unternehmer, gegen die man (innerlich kopfschüttelnd) seine Standpunkte, Preise und Rechnungen hart kämpfend verteidigen muss. Zum Glück werden wir alle durch Glauben gerecht und nicht durch den »gerechten Preis« des Mittelalters oder das »gerechte Reklamationsverhalten« heute ... Was verstehen Sie unter »werteorientierter ­Unternehmensführung«? HANSJÖRG SCHRADE: Dass ich in den Spiegel schauen kann, dass ich gekündigten Mitarbeitern oder früheren Geschäftspartnern auch Jahre später begegnen kann,


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dass Geschäfte für beide Seiten auf Dauer von Nutzen sein müssen; dass ich keine christliche Rhetorik brauche, um das Vertrauen des Geschäftspartners zu bekommen und zu erhalten. ROLAND STELZER: Man kann von niemandem etwas verlangen, was man nicht selbst vorlebt. Das ist in unserem Unternehmen selbstverständlich. Dazu gehört aber auch, allen Mitarbeitern und Beteiligten zu erklären, warum man sich so oder so verhält. Wenn man nachhaltige Produkte verkauft, wie wir das tun, dann kann man nur Erfolg haben, wenn jeder Beteiligte selbst davon überzeugt ist und sich mit Kräften dafür einsetzt. Dazu muss das Arbeitsklima passen, dazu müssen die einzelnen Entscheidungen über alle erdenklichen Aspekte passen Was würden Sie als Erstes ändern, wenn Sie Bundeswirtschaftsminister wären? ROLAND STELZER: Diesen Posten würde ich niemals anstreben. Zudem hat der Wirtschaftsminister nur einen kleinen Einfluss auf das Wohlergehen unseres Landes. Aber ich werde mich immer für Freiheit und Eigentum einsetzen, diese beiden Werte im Zusammenspiel sind Grundlage unseres Landes und Wohlstandes gewesen und heute sehr bedroht. Das erlaubt den Menschen am ehesten, so zu leben, wie sie es wollen. Für jeden Menschen ist es nötig, dass er einen Sinn in seinem Leben sieht und gebraucht wird. Ein Staat, der immer mehr Menschen in die Transferabhängigkeit bringt und dort belässt, weitet dadurch zwar seine Macht aus, aber zu Lasten des Wohlstandes und der Zufriedenheit der Menschen. HANSJÖRG SCHRADE: Wahrscheinlich wäre ich höchstens vier Wochen im Amt: Ich würde gleich zu Beginn eine »Ruck-Rede« halten gegen die Staatsverschuldung, die Unkündbarkeit der Beamten, gegen Atomkraft und den Flächenverbrauch für Straßen, In-

dustrie und Einkaufszentren auf der »Grünen Wiese«. Meine erste Tat wäre ein großer Schlag wie die Währungsreform 1948: die Abschaffung des gesamten Steuerrechts in seiner heutigen Form und die Neueinführung eines Kirchhof-Merz-Steuersystems mit der gleichzeitigen Einführung einer Grundsicherung ähnlich dem Althaus’schen Bürgergeld oder der von den Grünen vorgeschlagenen Kinder-Grundsicherung (eine Grundsicherung, bei der sich Arbeit lohnen müsste), verbunden mit der Abschaffung aller anderen Sozialleistungen wie Hartz IV, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Wohngeld, Bafög, Kindergeld, Erziehungsgeld und so weiter. Als nächstes käme das Gesundheitssystem dran – wenn ich dann noch im Amt wäre. Wenn Sie am kommenden Sonntag predigen müssten – welchen Text würden Sie wählen? ROLAND STELZER: Aus dem Philipperbrief des Paulus, Kapitel 2,12b und 13: »Schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.« Ist das paradox? Nein, nur scheinbar, so sollen wir sein und so ist Gott. HANSJÖRG SCHRADE: Ich würde einen Text aus der derzeitigen Bibellese im 5. Mose nehmen – viele haben ihn noch präsent, fangen also nicht bei Null an, manche haben sich schon eigene Gedanken dazu gemacht und es sind sehr handfeste, nacherlebbare Geschichten mit klaren Regeln, menschlichen Schwächen, einem klaren Gut und Böse, einem guten Ende, der deutlich sichtbaren Anwesenheit Gottes in der Geschichte und Gegenwart. Ich würde etwa aus Sicht eines einfachen Mannes im Volk am Fuß des flammenden Berges Horeb mir überlegen, welche praktischen Auswirkungen die Zehn Gebote heute hätten, in welche klaren Alltagsregeln sie umzusetzen wären.

ZUR PERSON Roland Stelzer ist krisenerprobt: Als er Ende der 1980er-Jahre in die Firma seines Vaters einstieg, produzierte Elmer & ­Zweifel Textilien für die Medizinbranche. Dieses Geschäft verlagerte sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fast vollständig nach Osteuropa. Stelzer ging zunächst mit, musste aber ­dennoch Umsatzeinbußen von bis zu 60 Prozent in einem Jahr hinnehmen. Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern ging der Bempflinger Unternehmer Schritt für Schritt »näher an den Endkunden heran«. Und das machte er gleich mit Öko-Textilien. Allerdings war der ökologische Markt noch viel zu klein, um damit Geld zu verdienen. Es sei mehr ein Hobby gewesen, erzählt Stelzer. Das änderte sich 2001 mit dem Beitritt Chinas in die Welthandels­ organisation. Sehr viele Textilbetriebe mussten aufgeben, Stelzer machte das bisher eher nebenbei betriebene Geschäft mit Ökotextilien zur Hauptsache – mit Erfolg. Seit 2003 gibt es eine eigene Marke, der Anteil am Umsatz stieg von 1,8 auf über 50 Prozent. »Ohne die ­Neuorientierung gäbe es unsere Firma nicht mehr«, sagt er. n Internet: www.cotonea.de

Hansjörg Schrade ist zwar nicht freiwillig ­Unternehmer geworden, dafür ist es der 51-Jährige mit Leib und Seele. Der Agraringenieur verlor 1987 zweimal seine Arbeitsstelle und machte sich dann als Markthändler selbstständig. ­Zunächst verkaufte er Bio-Gemüse auf verschiedenen Wochenmärkten und kam in die »Zeit des Bio-Booms«, wie er sagt. 1992 gründete er einen Großhandel für ­biologisch angebautes Obst und Gemüse, seit 2002 ist die Firma ­direkt neben dem Stuttgarter Großmarkt zuhause. Das Wachstum war um die Jahrtausendwende rasant – bis zu 70 Prozent in einem Jahr. Inzwischen stagniere der Bio-Markt insgesamt, ­während die Zahl der Verkaufsstellen weiter zunehme. »Das kann man als Problem ansehen, man kann es aber auch als Sieg unserer Idee ansehen.« Heute hat Schrade 40 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von 7,5 Millionen Euro im Jahr. »Ein ganz typischer kleiner Großhändler«, erklärt er. n Internet: www.ecofit.de


foto: York schön

Die Armen werden niemals ganz aus deinem Land verschwinden. Darum mache ich dir zur Pflicht: Du sollst deinem Not leidenden und armen Bruder, der in deinem Land lebt, deine Hand öffnen. 5. Mose 15,11

Wort Geldauf undden Glaube Weg ::: 7

Gott segnet solidarisches Teilen

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ls im Sommer und Herbst des Jahres 1941 der vom nationalsozialistischen Deutschland durchgeführte Vernichtungsfeldzug im Osten Europas tobte, schrieb Dietrich Bonhoeffer ein umfassendes Schuldbekenntnis stellvertretend für seine Kirche.

Kirche ist schuldig geworden Dieses Schuldbekenntnis der Kirche, welches sich an den zehn Geboten orientiert, formuliert konkret und in aller Deutlichkeit, wofür die Kirche laut Bonhoeffer angesichts der unzähligen Schreckenstaten einzustehen hatte: »Die Kirche hat ihr Wächteramt und ihr Trostamt oftmals verleugnet. Sie hat dadurch den Ausgestoßenen und Verachteten die schuldige Barmherzigkeit oftmals verweigert. Sie war stumm, wo sie hätte schreien müssen, weil das Blut der Unschuldigen zum Himmel schrie. (…) Die Kirche bekennt, Beraubung und Ausbeutung der Armen, Bereicherung und Korruption der Starken stumm mitangesehen zu haben. (…) Die Kirche bekennt sich schuldig aller zehn Gebote, sie bekennt darin den Abfall von Christus.« Das Schweigen, das Nichtstun oder gar die Partizipation der Kirche an den Grausamkeiten des Nationalsozialismus waren für Bonhoeffer nicht lediglich moralische Fragen, sondern vielmehr ein »Abfall von Christus.« Es ging für ihn um nichts weniger als den grundsätzlichen Glauben an Gott und um das, was die Kirche in ihrem Sein und Handeln ausmacht: die hoffnungsvolle Orientierung an der Wahrheit Gottes, der Gerechtigkeit Gottes und der lebensfördernden Fürsorge Gottes. In der Extremsituation des Nationalsozialismus wird für Bonhoeffer etwas deutlich, was wir fest in den biblischen Schriften verankert finden: Die lebendige Beziehung zu Gott ist nicht zu trennen von der aktiven Suche nach und Mitgestaltung von gerechtem gemeinschaftlichen Leben. Vielmehr begründet sie diese.

Gottes Gerechtigkeit befreit Leben Besonders das 5. Buch Mose entwirft eine auf den Glauben an den einen Gott beruhende soziale und politische Gesetzgebung der Teilhabe. Deutlich wird dies an der Regel des Erlassjahres, in dessen Zusammenhang der Monatsspruch für den Februar zu finden ist. Das regelmäßige Erlassjahr stellt die Befreiung aus dem Kreislauf der Verschuldung dar (5. Mose 15,1–11). Nicht die Ökonomie und die Politik sollen nach dieser Vorstellung die unkontrollierbare Vorherrschaft genießen, sondern im Zentrum steht das von Gott geschenkte und durch seine Gerechtigkeit befreite Leben. Armut ist auch in Deutschland eine immer größer werdende Realität. Aus dem biblischen Text erfahren wir: Im solidarischen Teilen mit in Armut und Not lebenden Menschen liegt der Segen Gottes, im Verzicht und in der Befreiung aus Verschuldung: »Du sollst ihm etwas geben, und wenn du ihm gibst, soll auch dein Herz nicht böse darüber sein; denn wegen dieser Tat wird dich der Herr, dein Gott, segnen in allem, was du arbeitest, und in allem, was deine Hände schaffen« (Vers 10). Auf diesen Segen Gottes, in dem Lebenskraft und Lebensfülle liegen, dürfen wir vertrauen. In diesem Segen wird neues, gemeinschaftliches und befreites Leben möglich – denn »eigentlich sollte es bei dir gar keine Armen geben« (Vers 4). In diesem Segen Gottes sind wir herausgefordert, eine Alternative zu leben und für eine gerechte Wirtschaft im Dienst für das Leben aller Menschen einzustehen.

Stephan von Twardowski ist Vorsitzender des Ausschusses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der Norddeutschen Jährlichen Konferenz. Er lebt in Hamburg.


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Finanzkrise: Wird die Chance genutzt? Die Zentralkonferenz (ZK) der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland hat gleich zu Beginn der Finanzkrise im November 2008 in Dresden eine Grundsatzerklärung zur Neubesinnung im Umgang mit Geld beschlossen und veröffentlicht. Nach etwas mehr als einem Jahr prüft Lothar Elsner, was aus den Handlungsaufforderungen im dritten Teil der Erklärung geworden ist.

»Als Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland orientieren wir uns an folgenden Selbstverpflichtungen: Wir verpflichten uns, das freie Vermögen (Geldvermögen) der Kirche an Unternehmungen zu solchen Bedingungen zu verleihen oder anzulegen, die das Verfolgen sozialer und ökologischer Ziele ermöglichen und fördern, auch wenn das die Rendite etwas schmälert.« Alle Verwalter von Rücklagen in unserer Kirche sind verpflichtet, bei den Anlageentscheidungen die bereits von der ZK 2000 beschlossenen ethischen Kriterien einzuhalten. Dazu gehören Negativkriterien, also der Ausschluss von Investitionen in Unternehmen der Tabak- und Alkoholbranche sowie der Waffenproduktion. Vielmehr soll in solche Unternehmen investiert werden, die auch soziale und ökologische Ziele verfolgen und erreichen, wie etwa den Anteil erneuerbarer Energieerzeugung zu vergrößern. Gerade bei diesen Positivkriterien gibt es erheblichen Spielraum. Deshalb suchen die Verantwortlichen Partner wie etwa die Umweltbank, die schon mehr Erfahrung in der Suche nach den passenden Unternehmen und Fonds haben. Die ZK selbst hat 2008 beschlossen, dass für einen Teil des Versorgungsfonds ein Spezialist für »ethisches Investment« als Vermögensverwalter verpflichtet werden soll. Das wird gerade von der Kommission für Finanzen und Arbeitsrecht vorbereitet.

»Wir verpflichten uns zum Dienst mit den Armen. Dies geschieht durch das Teilen von Geld, aber auch durch den Einsatz für gerechte Strukturen in aller Welt. Wenn heute allenthalben diskutiert wird, wie Geld sicher angelegt werden kann, bringen wir die Frage ins Gespräch, wie Geld ethisch verantwortlich eingesetzt wird. Dies geschieht zum Beispiel durch die Förderung von Mikrokrediten« (Bischöfin Wenner in ihrer Botschaft an die ZK 2008). Die Jährlichen Konferenzen, die Weltmission und Bethesda sind Mitglieder der weltweiten ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft »Oikocredit« und legen dort einen Teil ihrer Rücklagen an. Oikocredit ist einer der größten privaten Finanzierer von Mikrokrediten (www.oikocredit.org). Die Süddeutsche Jährliche Konferenz (SJK) hat 2009 ihren Anteil auf 100.000 Euro verdoppelt. »Wir fordern die Bundesregierung auf, sich international für folgende Maßnahmen einzusetzen und wo möglich im nationalen Rahmen damit zu beginnen: Verbot der rein spekulativen Derivate des Finanzmarktes (Leerverkäufe, Kreditrisiken).« Hier zeigte sich, dass gerade die Instrumente der Absicherung gegen Schwankungen von Währungen, Preisen und Kursen besonders zur Spekulation geeignet sind. Eine Abgrenzung des sinnvollen vom schädlichen Gebrauch ist schwierig. Trotzdem wurde – zur Überraschung mancher Finanzmarktspezialisten – im letzten Jahr in Deutschland, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern etwa der Leerverkauf von Finanzwerten verboten oder eingeschränkt.

World Economic Forum /swiss-image.ch/Photo by Michael Wuertenberg

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ie Erklärung zur »Neubesinnung im Umgang mit Geld« ist in die Abschnitte »Sehen«, ­»Urteilen« und »Handeln« gegliedert. Im letzten Teil heißt es unter anderem:


Geld und Glaube ::: 9

»Einführung einer Börsenumsatzsteuer, um die Schwankungen zu dämpfen und die Allgemeinheit an den Gewinnen zu beteiligen.« Die Finanztransaktionssteuer wurde bereits vom Nobelpreisträger James Tobin 1972 gefordert, um Währungs- und Kursschwankungen zu dämpfen. Früher galt eine Finanzmarkt-Steuer als Projekt von linken Globalisierungskritikern. Inzwischen wird sie von etlichen Staatschefs (Brown, Merkel, Sarkozy) gefordert. Neben den spekulationsdämpfenden Effekt rückt als Hauptargument, die Akteure auf den Finanzmärkten an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen. In Deutschland gab es eine Onlinepetition, der sich innerhalb von drei Wochen 66.000 Unterstützer angeschlossen haben. Deshalb muss dieses Thema im Bundestag behandelt werden. Außer der FDP befürworten alle im Bundestag vertretenen Fraktionen inzwischen eine solche Steuer. »Größere Transparenz und stärkere Kontrolle und Regulierung der Finanzinstitutionen.« Beim G20-Treffen, in den Ankündigungen von Barack Obama, bei den Reden auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos werden sehr weitreichende Änderungen gefordert und zum Teil angekündigt. Tatsächlich ist noch nicht viel passiert. Es ist deutlich, dass viele Banken sich einer Kontrolle und Regulierung gerne entziehen möchten. Noch sind die Folgen des Versagens der Banken und Finanzmärkte so offensichtlich, dass die Politik die Chance hat, eine Regulierung durchzusetzen. Unser hartnäckiges Nachfragen (zum Beispiel bei den Banken oder den Politikern des Wahlkreises) ist nötig, um den Druck der Öffentlichkeit hochzuhalten. »Bewertung und Behandlung der spekulativen ­Geschäfte als Glücksspiel mit allen dafür geltenden Einschränkungen.« Diese Forderung wurde von verschiedenen Seiten kritisiert: Es sei unrealistisch, wenn man sie rechtlich umsetzen wolle. Sie hat den Sinneswandel zum Ziel, nicht alle Geldgeschäfte, die nicht verboten sind, gesellschaftlich zu akzeptieren. Wie lange die öffentliche Kritik an solchen Handlungsweisen andauern wird – auch nach dem Abklingen der Finanzkrise –, bleibt abzuwarten.

Das in Deutschland lange umstrittene und von der CDU/SPD-Koalition beschlossene schärfere Gesetz gegen Steuerflucht bleibt vorerst nur eine Drohung. Es kommt nicht zur Anwendung, sondern wurde zum 1. Januar 2010 ausgesetzt, weil es aus Sicht des Finanzministeriums derzeit keine solchen Steueroasen gibt. Das Gesetz sah Auflagen für Firmen und Privatpersonen bei Geldtransfers in Länder vor, die als Steueroasen eingestuft werden und die in Steuerfragen nicht nach internationalen Standards handeln. Deutsche Behörden könnten dann Geschäfte mit diesen Staaten behindern. Unternehmen würden Vorteile verlieren, wenn sie Auskünfte verweigern. Zuletzt haben aber etliche Länder, die lange als Steueroasen kritisiert worden waren, eine Kooperation mit Deutschland sowie eine enge Zusammenarbeit auf Basis der OECD-Standards zugesagt. Dies war auch Folge des wachsenden internationalen Drucks. In der Wahl der Mittel (Kauf gestohlener Daten) bei der Verfolgung von Steuerflucht und -hinterziehung zeigt sich wohl auch, für wie schädlich und bedrohlich für die Gesellschaft diese Delikte angesehen werden. »Transparente Erhebung von Abgaben und Steuern auf alle Einkommens- und Vermögensarten. Progressive Belastung der höheren Einkommen.« Hinter der Auseinandersetzung um eine mögliche Steuerentlastung, wie sie im Koalitionsvertrag vorgesehen ist, geht es um die Grundentscheidung unserer Gesellschaft, wie das Gemeinwesen in Zukunft finanziert werden soll. In der Grundsatzerklärung sind dazu die wichtigsten Erkenntnisse formuliert. »Der Markt braucht einen begrenzenden und stabilisierenden Rahmen, er braucht die gesicherte Existenz aller Teilnehmenden als Grundlage und er braucht die soziale Korrektur der Marktmacht. Ein Staat, der sich um soziale Gerechtigkeit müht, nimmt Einzelpersonen und Unternehmen mit Steuern also nichts weg, sondern bekommt den Teil, der dem Gemeinwesen zusteht.« In der Summe sieht man, dass sich bestätigt hat, dass »die gegenwärtige Krise ... in sich die Chance (trägt) für Einzelne und die Gesellschaft, zur Besinnung zu kommen und umzukehren zu einem menschen- und schöpfungsgerechten Umgang mit dem Geld.« Ob die Chance genutzt wird, ist noch immer offen.

»Eindämmung von Steuerflucht und konsequente Verfolgung und Bestrafung der Steuerhinterziehung als organisiertem Diebstahl.« ie mit! Diskutieren S zialforum.de www.emk-so ad: r zum Downlo Das ZK-Papie /8zQOG http://is.gd

Dr. Lothar Elsner leitet das Bildungswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche. Er lebt in Gerlingen.


Gemeindeportrait und Glaube 10 ::: Geld

Gemeinde im Brennpunkt: Klein, aber aktiv

Wer wir sind »Wir sind eine kleine, aber aktive Gemeinde.« So stellten wir uns am 15. November 2009 beim Gottesdienst im Rundfunk BerlinBrandenburg vor. Bei nur 85 Kirchengliedern ist es erstaunlich, wie viele Gruppen die EmK-Gemeinde im Berliner Südosten hat: Zwei Senioren-, drei Gesprächsgruppen, einen Kreativkreis und den Kindergottesdienst; 15 Personen nehmen am wöchentlichen Bibelgespräch teil und ein kleiner Chor singt regelmäßig im Gottesdienst! Es stimmt schon: »klein, aber aktiv«. Was wir machen Die Gemeinde der Friedenskirche zeichnet sich aus durch einen lebendigen Austausch. Das gilt so-

wohl für das sonntägliche Kirchencafé als auch für die Gespräche um Glauben und Bibel. Eine Frau hat das so ausgedrückt: »Am meisten Spaß macht mir die Bibelstunde.« Die Oberschöneweider sind auch gut darin, tatkräftig zuzupacken. In unserem schönen, zehn Jahre alten, Gemeindesaal finden einige Schulungen und Feiern statt, und Menschen von innerhalb und außerhalb der Kirche sind begeistert von unserer Gastfreundschaft. Seit einem Jahr machen wir ein besonderes Angebot für unseren »Kiez« – ein Berliner Ausdruck für einen Stadtteil: Das monatliche »Frühstück um Zehn«. Nach ausgiebigem Frühstück gibt es Live-Musik und persönliche Glaubenserfahrungen.

Bezirk Berlin-Oberschöneweide n Berlin-Oberschöneweide liegt im Südosten Berlins. n Die Gemeinde ist in der Ökumene vor Ort sehr enga-

giert. Gemeinsam mit den ökumenischen Partnern ­gestaltet die Gemeinde Gebets- und Bibelwochen. Das größte Engagement gilt der ökumenischen Tafel »Laib und Seele«. n Gottesdienst: Sonntag, 9 Uhr Helmholtzstraße 19-23, Berlin n Internet: http://friedenskirche.net

Wo wir leben Wir leben in einem Stadtteil mit 18 Prozent Arbeitslosigkeit, die auch vor der Gemeinde nicht Halt macht. Nach der friedlichen Revolution brachen fast 20.000 Arbeitsplätze weg. Doch gerade in diesem schwierigen Stadtteil wurde vor zehn Jahren die erste Bürgerplattform Deutschlands gegründet. Menschen verändern ihren Kiez. Die Gemeinde Oberschöneweide war Gründungsmitglied, und einige Gespräche mit Politikern fanden und finden bei uns statt. So lernte auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Friedenskirche kennen. Beharrliches Bürgerengagement hat politisch etwas bewirkt: Die Hochschule für Technik und Wirtschaft kam hierher. 7.500 Studierende in den Industriebauten verändern das Lebensgefühl positiv. Es geht um eine Demokratie vor Ort, oder – wie der Gründer von Organizing in Deutschland, Leo Penta – sagt: »Die Stars sind die Menschen.« Durch unser Engagement in der Plattform und durch den InternetTreff, den wir täglich in unseren Kirchenräumen anbieten, sind wir in Schöneweide bekannt und manche Kontakte entstehen. Joachim Georg

Foto: Pr ivat

Mehr als 260 Bezirke gibt es in der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Alle haben ihre eigene Prägung. Um diese Vielfalt zu zeigen, stellen sich in »unterwegs« regelmäßig EmK-Bezirke vor. In dieser Ausgabe geht es nach Berlin-Oberschöneweide.


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»Jedem Christen platzt irgendwann der Kragen« Christliche Manager an der Wall Street sind nicht besser als andere, aber krisenfester, meint Jan Thomas Otte. Der Journalist hat sich im Bankenviertel Manhattans auf die Suche nach Frommen gemacht und einige gefunden. Vivek Matthew hat die Höhenflüge und Abstürze im Investment-Banking erlebt. Neun Jahre bebuchte er wie Watkins die Konten seiner Auftraggeber. Nicht in der Industrie, sondern auf Seite der Investoren bewegte der Business-Analyst hohe Summen. Matthew machte die größtmögliche Rendite für seine Kunden, spekulierte mit hohem Risiko auf Kosten anderer, dem Nutzen weniger verpflichtet: Fremdkapital durch billige Kredite. Die letzten acht Jahre war das ein einträgliches Geschäft gewesen, auch für die Gläubiger, Banken und Versicherungen. Der junge Börsenmakler war während der New Economy-Krise bei der Bank Morgan Stanley eingestiegen. Er erlebte die Hybris gieriger Spekulanten im Internetgeschäft. An das Platzen dieser Blase erinnert sich Matthew gut. Der 11. September 2001 zeigte ihm auf schockierende Weise, wie schnell als unzerstörbar wahrgenommene Wolkenkratzer s

Foto: pixel io / O. F ischer

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eit der Krise besuchen in New York dreimal so viel Manager Gottesdienste wie vorher, sagt Pfarrer James Cooper von der anglikanischen Trinity Church, direkt gegenüber der Börse. Sogar die weltlichen Finanzmagazine berichten über diesen Trend. Doch was bedeutet das? Systemkritik am Kapitalismus finden viele Banker christlichen Glaubens berechtigt, einen Abschied vom Investment-Banking aber nicht. Trotzdem stehen sie dem Leistungsdruck der immer höheren Kapitalerträge skeptisch gegenüber. Eine von ihnen ist die Buchhalterin Sherron Watkins. Sie hat bei dem 2001 insolvent gegangenen Energiekonzern Enron gearbeitet, der wegen Bilanzfälschung im großen Stil Schlagzeilen machte. Der christliche Glaube habe in ihrem Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt, sagt Watkins, die im evangelikalen Südwesten der USA, dem so genannten »Bible Belt«, aufgewachsen ist. Sie wisse, wie heikel es sein könne, zwischen Glauben und Geldgeschäften integer zu bleiben, wie das Gewissen einen drängen könne. Als ihr Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen ihres Unternehmens auffielen, erzählt sie, habe sie zunächst das Gespräch mit ihrem Pfarrer gesucht, mit ihm gebetet. Die Bibelstelle aus dem Hebräerbrief, in der es um die »Wolke der Zeugen« geht, habe sie nicht losgelassen. Schließlich suchte sie ihren damaligen Vorgesetzten auf und wies ihn auf die moralischen Grauzonen seiner Bilanzen hin. Das Ergebnis: Sie sei als Nestbeschmutzerin beschimpft worden und habe ihren Arbeitsplatz verloren. Inzwischen hat Watkins die Seiten gewechselt und tourt durch die USA. Sie berät Manager und Unternehmen, wirbt dafür, »kreative«, also betrügerische Buchhaltung zu vermeiden. Aufrichtigkeit könne sehr weh tun, sagt sie: »Ein Manager sei nicht nur seinen professionellen Standards verpflichtet, dem Wohl der Investoren«. Sondern auch den vielen Mitarbeiter und dem Schicksal ihrer Familien. Viele Jahre habe sie an ihrem Arbeisplatz stillgehalten. Doch am Ende habe sie es nicht mehr ausgehalten: »Jedem Christen platzt irgendwann der Kragen«, glaubt die Buchhalterin. Diese Enrons gebe es überall. Und auch Christen seien anfällig für diese Gier.

New Yorks Kirchen haben seit der ­F inanzkrise regen ­Zulauf – wie hier die Trinity Church in Manhattan.


in Trümmern liegen können. Und dann, im ver- »Avodah« (Arbeit). Der Manager, lehrt Miller, der gangenen Jahr, die größte Krise des Finanzsystems seit seine Arbeit als Avodah begreift, beachte dreierlei: 1. 1929. Obwohl ihn sein Chef auch weiterhin als »Per- Höchste Professionalität im Beruf, 2. bemühe er sich, former« lobte, kündigte er, nur wenige Wochen bevor Gottes Gaben und die eigenen Fähigkeiten zu erkendie Pleite der Lehmann Brothers bekannt wurde. nen und 3. im Dienst am Nächsten Gott die Ehre zu Seit zwei Semestern studiert er nun im Aufbaustu- geben. dium Theologie in Princeton, fünfzig Meilen von der Weiterhin interessiert Miller, was den Glauben der Wall Street entfernt. Doch will Matthew diesen Aus- Manager von morgen prägen wird, was in ihnen vorstieg keinesfalls als Zeichen von Reue verstanden geht, wenn sie von einer Karriere an der Wall Street wissen. Er persönlich habe nichts falsch gemacht, fin- träumen. Wenn auch plakativ, seien dies oft Statusdet Matthew. Vor allem an der Basis habe er seinen symbole: schnelles Geld, rote Ferraris und Villen auf Job gewissenhaft durchgeführt, betont er, jede Trans- Long Island. »Sie entsprechen der Logik unserer aktion sei technisch korrekt gewesen. Sein Job an der Märkte um Geld und Geltung«, sagt Miller, »sie unWall Street sei wie jeder andere gewesen: viel Hand- terteilen Menschen in solche, die das alles haben, und werk, viel Routine. Von »Moralaposteln« im für ihn andere, die es sich noch nicht leisten können.« Der neuen theologischen Umfeld hält er wechristliche Glaube, so Millers Studien, nig: »Vom Investment-Banking haben bewahre das Menschsein der Manadie meist keine Ahnung, maßen sich »Investment-Banking ger, ihre Identität: »Ohne dieses Koraber ein strenges Urteil an«, sagt der ist eine Versuchung, rektiv verwandelt man sich sehr 31-Jährige. Damit meint er manche Ein Manager verwandele aber kein Widerspruch schnell.« Theologie-Professoren die, so Matthew, sich schnell in jemanden, der die Mezum Glauben.« gegen Manager Stimmung machten. chanismen bedient, die ihn selbst in Und die besondere Verantwortung den Chefsessel befördert hätten: das der Banken? Die habe jeder Mensch für das, was er permanente Vergleichen mit den Leistungen anderer, tue, findet Matthew. Es komme auf den »Bodenkon- die kompetitiven Rankings um Anerkennung, meist takt« an, die Glaubwürdigkeit dessen, was man tue. zum Quartalsende. Manche Personaler nennen diese Ihm habe dabei der regelmäßige Besuch eines christli- »Qualifikation« »Passion wanted« (Leidenschaft gechen Hauskreises in Manhattan geholfen. Das Mit- sucht). So steht es auch in den Karrierebroschüren der gefühl für seine Nächsten habe er trotz des Börsenge- Banken. Um ihren Nachwuchs, »High Potentials«, schäfts nicht aus den Augen verloren. Daran werde er werbend, beschreiben viele ihre Unternehmenskultur auch bei jedem Gottesdienst am Broadway erinnert: mit Formeln wie »grow or go« (wachse über dich hi»Es gibt den Obdachlosen in meiner Kirche, der First naus oder lasse es bleiben). Presbyterian Church, genauso wie den InvestmentRobert Doll hat diese Karriereleitern gemeistert. Banker«, beschreibt er die sozialen Unterschiede New Als Christ sind für ihn Wettbewerb und Kooperation Yorks. Investment-Banking sei eine Versuchung, aber im Allgemeinen kein Widerspruch. Im Umgang mit kein Widerspruch zu seinem eigenen Glauben. seinen Mitarbeitern schon. Das Reden um ihr Fordern David Miller lehrt Ethik an der Princeton Univer- und Fördern nimmt der Manager ernst. Dabei bezieht sity. Seine Vorlesungen wirken für Zuhörer wie Mat- sich Doll auf den so genannten Leverage-Effekt, das thew glaubwürdiger als die anderer Theologen. Auch Dogma der Finanzwirtschaft: ein Hebel, der bei kleiMiller hinterfragt in seinen Kursen die gängige Praxis nen Variationen einer Variablen zu größerer Rendite der Banken, aber er tut das als Theologe und Betriebs- führt. Gerade im Personalwesen der Banken sei der wirt. Rund fünfzehn Jahre managte er für die briti- missbraucht worden: »Das darf kein Feigenblatt, eine sche Großbank HSBC Versicherungen an der Wall Legitimation für Ausbeutung, sein«, sagt der InvestStreet. Dann schrieb er seine Doktorarbeit über christ- ment-Chef bei BlackRock. liches Management. Miller überschreibt das Wirken Die Finanzwelt, in der er lebt, hält er theologisch Gottes in der Wirtschaft mit dem hebräischen Wort gesehen für unbeständig. »Jede Kursschwankung wird

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Geld und Glaube ::: 13

sich irgendwann zu Füßen vom Herrn Jesus auflösen«, giert sich sogar als Laienprediger in der anglikanisagt der schwerreiche Christ. Doll nimmt sein Glau- schen Kirche. Am Abend wird Doll in seiner Gemeinbensbekenntnis ernst. Trotz der Millionengewinne de wie jede Woche zwei Chöre leiten. Die wenigsten gehöre ihm nichts auf Dauer, Demut sei ihm wichtiger. dort wissen, was er beruflich macht. Doll möchte das Vor allem bei diesen unglaublichen Summen. In letzter auch in Zukunft so halten. Hierarchieebene verwaltet Doll 2,7 Billionen USIn einem Institut für verantwortliches WirtschafDollar Kundenvermögen. ten, mitten im New Yorker Bankenviertel, lädt Laura Die Geldgeschäfte lenken schnell ab von dem, was Berry, die für Nicht-Regierungsorganisationen arbeiDoll eigentlich will: seiner Berufung nachkommen. Mit tet, regelmäßig Investment-Banker zum Mittagessen. Mitte Fünfzig will er vor allem eines: »Zeugnis für Gestärkt durch einige Pfarrer, wirbt sie um die »neue ­Jesus Christus ablegen«. Sein finanzieller Erfolg, sagt Verantwortung nach der Krise«. Professoren wie Daer, könne ihm Religion, Glauben und Spiritualität nie- vid Miller aus Princeton sorgen mit ihr dafür, dass mals ersetzen. In der Öffentlichkeit ethischen Investments im Kapitasteht er allerdings eher wegen seiner lismus mehr Aufmerksamkeit geDas schnelle Geld, ökonomischen Expertise – etwa im schenkt wird. der Ferrari und die Villa Fernsehsender CNN, der ihn tägDas Ziel von Berrys Arbeit ist lich um Einschätzungen bittet. einfach, seine Umsetzung scheinauf Long Island: ­Dabei mischt Doll die Sprachen bar hoffnungslos: »Glauben als Die Ziele der Manager seiner beiden Welten, die der Kirche Grundlage für moralisches Verund des Konzerns. halten zurückgewinnen. Und synentsprechen der Logik Für Außenstehende kann das chron nachhaltigere Geldanlagen unserer Marktwirtschaft. fördern«. So übersetzt Berry die kryptisch klingen: »Gottesfurcht senkt die Transaktionskosten, geBergpredigt, die Zehn Gebote und rade in der Krise«, sagt er bestimmt. »Glaube schafft die Goldene Regel in den Alltag der Anzugträger. »Ich Vertrauen, kann sogar das Verhalten der Mächtigen bin immer wieder verblüfft, wie viel Manager eigentändern, ein echter Erfolg.« Dennoch: Im hektischen lich aus der Bibel wissen«, erklärt Berry. Umso mehr Alltag der Börse, einer Hundert-Stunden-Woche mit enttäusche sie, wie wenig dieses Wissen auch umgeNachtschichten scheint kaum Zeit für Gott zu sein. setzt werde. Doch der Glaube gebe ihm Rückhalt und innere HeiChristen hatten in den letzten zwanzig Jahren mit lung. Er mache ihn sensibler für Bedürfnisse anderer. ihren Moralvorstellungen wenig Einfluss auf die Wall Seinen 20-Millionen-Dollar-Bonus vom vergange- Street. Auch Juden, Muslimen und anders religiös vernen Jahr habe er gespendet, sagt er. Bei vielen Kolle- wurzelten Menschen sei das vor der Krise so gegangen beobachtet er, wie sie der hohe Leistungsdruck zu gen. Sie und ihre Mitstreiter wollen dafür sorgen, dass Einzelkämpfern macht. Sein Fazit: »Gerade die den Verantwortlichen an der Wall Street der Glaube bräuchten Jesus am meisten.« Und ergänzt: »Gott an Christus wieder wichtig wird. Nur diese Verankeliebt auch die Banker.« Er erinnert sich gern an die rung schaffe endgültige Gewissheit, Hoffnung und Geschichte des Zöllners Zachäus. Der kletterte in ei- Vertrauen – da ist sich die römische Katholikin sicher: nen Baum, um Jesus zu sehen. Doll sitzt im Wolken»Die Gemeinschaft mit anderen Christen hilft beim kratzer: »Gott sei Dank habe ich die Demut, wieder Bewusstwerden eigener Defizite.« Gemeinde, in welden Weg nach unten zu finden«, lacht er. cher Form auch immer, ist für die Wall-Street-ChrisDoll wirkt wie ein Moralist. Die haben an der Wall ten unverzichtbar. Jetzt stehen zumindest zwei BeStreet wenig zu suchen. griffe wieder auf ihrer Agenda: »Dienstleistung« am Aber er ist nicht der Einzige im Top-Management, Nächsten und »Investment« in die Gesellschaft. der darum mitunter für naiv gehalten, aber trotzdem Kann Gottesfurcht also Gier überwinden? Wahrvon den Kollegen gehört wird. Stephen Green, Vor- scheinlich nicht immer. Aber manchmal eben doch. stand von HSBC, der größten Bank der Welt, engaArtikel aus »zeitzeichen« 12/2009


Familie und Glaube 14 ::: Geld

Richtig gut ernährt zwischen Aldi und Bioladen Wir möchten gesund, schmackhaft und günstig essen und dabei die Umwelt und soziale Standards im Auge behalten – ein oft schwierieger Spagat, vor allem beim knappen Familienbudget. Petra Plaum hat Experten und Mütter zum Konzept der nachhaltigen Familienernährung befragt. »Kind eins hasst Gemüse, Kind zwei ist gegen vieles allergisch, Kind drei soll abnehmen. Und jetzt muss ich beim Einkauf und Kochen auch noch an Klima und soziale Zusammenhänge denken? Ich kaufe doch schon Biosachen, das ist teuer genug!« Solche Gedanken treiben manch eine Familienmanagerin um, wenn sie das erste Mal von nachhaltiger Ernährung hört. Nachhaltige Ernährung – das klingt nach zusätzlichem Druck auf den Schultern von Eltern. Soll es nicht, meinen Experten wie Rebecca Mecking. Die Ökotrophologin von der Universität München rät: »Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum, 300 Gramm pro Person und Woche sind genug. Meine zweite Regel lautet: Genuss soll nicht zu kurz kommen. Fangen Sie dort mit der nachhaltigen Ernährung an, wo es Ihnen am leichtesten fällt.« Denn Nutztierhaltung belastet die Umwelt mit weitaus mehr Treibhausgasen als der Anbau von Getreide, Obst und Gemüse. Für Rinder werden zum Beispiel weltweit Wälder gerodet, denn ein Rind braucht viel Grünfutter. Sobald es dieses verdaut hat, stößt es zudem schädliches Methan aus. Viel Rindfleisch, viel Milch und viel Käse auf vielen Tellern heißt also: Das Klima leidet. Weniger vom Rind heißt also weniger CO2 . Doch die nachhaltige Ernährung umfasst noch viel mehr. Unter anderem artgerechte Tierhaltung und umweltfreundlichen Pflanzenanbau. Und dass jeder hier, der es sich leisten kann, auf die Informationen & Tipps Buchtipp n Karl von Koerber und andere:

Das Klimakochbuch. Kosmos Verlag, Stuttgart 2009, 12,95 Euro. ISBN: 978-3-440-11926-6 n Dr. Karl von Koerber, Gründer und Leiter des Büros für

E­ rnährungsökologie München, hat an der Technischen ­Universität München/Weihenstephan das Fach »Nachhaltige Ernährung« aufgebaut. Einen Überblick über Hintergründe und Schwierigkeiten der nachhaltigen Ernährung finden ­Interessierte auf seiner Homepage www.bfeoe.de/hintergrund/index.shtml n Ernährungstipps, Fachwissen und vieles mehr von der

Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.: www.dge.de

Bedürfnisse von Menschen in der Dritten Welt Rücksicht nimmt. Denn sie sind es, die viele Lebensmittel nach Deutschland exportieren und von uns Ernährungsgewohnheiten kopieren. Sie sind es auch, die die Folgen des Klimawandels zurzeit viel stärker zu spüren bekommen als wir Mitteleuropäer. Die Folgen unserer Essgewohnheiten belasten die ganze Welt? Klingt nach schwerer Kost. Doch mit gesundem Menschenverstand, Experimentierfreude und vor allem Genuss schaffen viele eine nachhaltige Ernährung, sagen Expertinnen. Nachhaltig essen heißt: Vollwertiges Essen, viel Regionales und Saisonales und wo möglich Bio-Produkte. »Bei meinen Ernährungsberatungen ist Fleisch oft ein Thema. Bitte nicht sieben Mal pro Woche Fleisch oder Wurst, dreimal reichen auch, meine ich. Oder: Legen Sie mal ein Bio-Schnitzel und ein anderes Schnitzel in eine Pfanne und schauen Sie, wie viel nach dem Braten übrigbleibt. Dann kommt einem das Biofleisch nicht mehr so teuer vor.« Sigrid Petras, Ernährungsberaterin aus Mittenwalde (Brandenburg) Sigrid Petras ist nicht in erster Linie Öko-Aktivistin. Sondern staatlich geprüfte Diätassistentin, Familienmutter, aktiv in der Evangelisch-methodistischenKirche und in Sachen »gesunde Ernährung« den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) verbunden. Bei der DGE gibt es zehn Regeln zur vollwertigen Ernährung, die erste und wichtigste lautet: »Vielseitig essen.« Zudem legen sie allen »reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln«, »Gemüse und Obst – nimm fünf am Tag«, »täglich Milch und Milchprodukte, ein bis zweimal pro Woche Fisch, Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen« ans Herz. Wer das Ganze schonend, fettarm und mit nicht zu viel Salz zubereitet, der tut laut DGE schon ziemlich viel Gutes für den eigenen Körper. »Essen Sie bunt«, empfiehlt Sigrid Petras. »Und kaufen Sie Saisonales und Regionales.« Im Winter locken


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Kohl und Rüben, Erdbeer- und Spargelzeit ist von Mai bis Juni, Trauben gehören zum Herbst – so zu denken, spart Geld. Das gute Gefühl, die Umwelt geschont zu haben, gibt es gratis dazu. Denn was in der Nähe gerade im Freien gedeiht, muss weder energieintensiv gezüchtet noch mit vielen Abgasen transportiert und gelagert werden. Bio ist dann das Tüpfelchen auf dem i. Es nutzt der Umwelt, und wer es ausprobiert, findet den Geschmack meistens überzeugend. Dass allen Analysen zufolge wenig bis gar keine Giftstoffe in Bio-Obst und -Gemüse stecken, erleichtert Eltern die Entscheidung. »Unser jüngstes Kind hat Zöliakie hat und reagiert auf Gluten, wie es etwa in Weizen steckt, allergisch. Für uns war das eine Herausforderung – man weiß vorher ja gar nicht, in wie vielen Speisen und Saucen sich Gluten verbirgt! Aber inzwischen ist es ein ­Gewinn, so viel über Ernährung zu wissen.« Kathrin Mittwollen, Referentin für Arbeit mit Kindern in der EmK

Bei Mittwollens wird viel gekocht. Für viele Familien ist das heute nichts Selbstverständliches mehr: Risotto aus dem Eisfach, Schupfnudeln aus der Packung, Kartoffelbrei aus der Tüte haben die Küchen erobert. Dass einige Lebensmittel allergieauslösende Zutaten, Geschmacksverstärker, zu viel Salz, Zucker oder Fett enthalten, fällt oft erst auf, wenn der Körper aufmuckt. Wie viel Energie es kostet, Fertiggerichte herzustellen, wird jetzt zudem Thema in den Medien. »Lernt kochen«, sind sich Befürworter nachhaltiger Ernährung einig. Es muss nicht immer Feinschmeckerküche sein – Linsensuppe mit Gemüse oder Pellkartoffeln mit Quark gehen schnell und kosten wenig. Und wenn Kohl oder Spinat den Kindern nicht munden, warum nicht Süßliches aus Kürbis, Rote Beete oder Pastinake ausprobieren? Nachhaltig essen heißt: Neugierig und offen bleiben und nachdenken. Dazu gehört auch, die Siegel auf Lebensmitteln zu hinterfragen. Zum Beispiel, was Bioqualität angeht: Das EG-Öko-Siegel ist zuverlässig. Es belegt: Spritzgiftfreies in hoher Qualität gibt es auch bei ALDI, LIDL und Co. Aber: Besser für Mensch, Tier und Umwelt sind Lebensmittel, die zusätzlich die bewährten Siegel von Anbietern wie Bioland, Demeter und Ecovin tragen. Für ein BiolandSiegel muss der ganze Hof biologisch bewirtschaftet werden, fürs EG-Öko-Siegel reicht die Umstellung des betreffenden Feldes. Und artgerechte Tierhaltung sowie Energiesparen werden bei Bioland-Bauern weitaus größer geschrieben. Zudem sind Discounter-Produkte oft mehrfach verpackt. Das macht sie nicht ungesünder, aber doch weniger umweltfreundlich als die Konkurrenz aus dem Bioladen. Familien, denen Zeit und Finanzen die Wahl lassen, setzen heute darum immer häufiger auf einen Mix. Das kann so aussehen: Einmal die Woche Biokiste vom Bioladen, einmal die Woche Großeinkauf beim Discounter, ansonsten geht es zu Fuß zum Bäcker und Metzger nebenan oder zum Wochenmarkt. Montag, Mittwoch, Freitag gibt es frische Küche, dreimal Mischkost wie Nudeln aus der Packung mit frischer Rohkost, einmal Tiefkühlpizza – und ab und zu geht’s ins Fastfood-Restaurant. »Wenn man dieses Essen ganz verbietet«, sagt Ökotrophologin Rebecca Mecking vorsichtig, »erhält es für Kinder den Reiz des Verbotenen.«

Petra Plaum ist freie Journalistin und als Mutter von drei Kindern immer auf eine gute Ernährung bedacht.

Foto: pixel io/ Thorben Wengert


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Von: thomas.guenther@emk.de An: unterwegs@emk.de Betreff: E-Mail aus Cambine

In Maputo gibt es einen Park, dort weht fast immer eine schwarz-rot-goldene Fahne. Sie markiert den Treffpunkt der Madgermanes. So heißen hier die, »die in Deutschland waren«. 1979, vor mehr als dreißig Jahren, kamen die ersten Vertragsarbeiter aus Mosambik in die DDR. Sie waren jung und ­kamen mitten aus dem Bürgerkrieg. In Deutschland war es kalt. Sprache und Kultur waren ihnen fremd. Immerhin war Frieden. Und sie erhielten eine A ­ usbildung. Sie lebten in Wohnheimen. Nur manchmal kam es zu näheren Bekanntschaften mit Einheimischen. Unter den Mosambikanern in der DDR waren auch ­Christen. Oft wurden Kirchengemeinden in der Nähe der Wohnheime zu Orten der Begegnung. Auch in EmK-Gemeinden gingen damals ­mosambikanische Brüder und Schwestern ein und aus. Dann kam das Jahr 1989 und das Ende der DDR. Der Vertrag mit Mosambik wurde hinfällig. Es gab fremdenfeindliche Gewalt. Auch Mosambikaner kamen ums Leben. Viele wurden innerhalb kürzester Zeit in ihr ­Heimatland zurückgeschickt. Haben wir den Auftrag Gottes damals wahrgenommen, dem Fremden Schutz zu gewähren? Die meisten Verbindungen sind inzwischen abgerissen, auch in unseren Gemeinden. Versuche, Kontakte neu zu knüpfen, gab es selten. Als Christen in der DDR konnten wir nicht einfach nach Afrika reisen. Dafür kamen die Mosambikaner zu uns. Ich bin gewiss: Gott wollte uns schon damals zeigen, dass Mission keine ­Einbahnstraße ist. Thomas Günther n Claudia Günther arbeitet in der Leitung des Carolyn Belshe

Waisenhauses in Cambine/Mosambik. Ihr Mann Thomas Günther lehrt an der Theologischen Schule in Cambine. n In dieser Rubrik werden künftig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EmK-Weltmission aus ihrem Alltag berichten.

Jugend und Kinder vergessen? Zum Heft 2/2010 Danke für das Aufgreifen dieses wichtigen und dringenden Themas. Möge doch unser Herr und Gott Mut, Kraft, Liebe, Erkenntnis, Kreativität, Einmütigkeit und Seinen Segen vielerorts schenken. Was ich aber vermisse, ist die Erwähnung der nachhaltigen Wirkung von Kinder- und Jugendarbeit. Diese Arbeit ist wie die Aussaat von Samen und bedingt, wie bekannt, ausdauernde Geduld sowie Früh- und Spätregen. Geduld, Früh-und Spätregen ist in der Kinder- und Jugendarbeit gut vergleichbar mit Nachsorge, ohne die kein Wachstum möglich ist. Der Samen, der in der Sonntagschule und im kirchlichen Unterricht gesät wird, wie soll der wohl ohne Nachsorge wachsen und gedeihen? Lässt man nicht allzu oft diesen Samen verdorren? Und überlässt man das Feld mit dem ausgesäten guten Samen nicht allzu oft dem sehr eifrigen Satan? Joachim Prusok, Barsbüttel Hocherfreut! Zu »Buße, Kreuz, Gebet: Wie Gemeinden neu werden« (2/2010) Über diese Interviews bin ich hocherfreut und danke den Brüdern Eberhard Schilling und Andreas Kraft sehr! Aus meiner Sicht ist das nicht ein Ansatz unter vielen Ansätzen zum geistlichen Gemeindeaufbau, sondern Grundlegung. Vor allem wird die Grundlage einer gelebten Beziehung zu unserem lebendigen Herrn deutlich. Und aus dem letzten Abschnitt sei der Mut machende Satz erwähnt: »Weil wir es mit einem lebendigen Gott zu tun haben, gibt es immer Hoffnung für die Kirche.« Den lebendigen Gott machen nicht wir, etwa mit pädagogischen und psychologischen Mitteln, sondern er ist da. Martin Waitzmann, Kaiserslautern Mehr mit dem Islam beschäftigen Zu »Umstrittene Religionsfreiheit« (3/2010) Es ist für mich eine Gedankenlosigkeit, wenn nicht sogar eine Unverschämtheit, wenn Pastor Jürgen Stolze unsere methodistischen Vorfahren dem Islam gleichstellt. In diesen muslimischen Staaten werden christliche Minderheiten diskriminiert, verfolgt und ermordet. In Deutschland beansprucht man dagegen Religionsfreiheit und will mit dem Bau von Moscheen die Macht des Islam darstellen. Gerade einem Pastor unserer Kirche sollte es bekannt sein, warum sich damals Menschen von der Landeskirche trennten und methodistische Gemeinden gründeten. Ich empfehle Pastor Stolze, sich mehr mit dem Islam und seinen Zielen zu beschäftigen. Rüdiger Fritzsch, Plauen Ihre Leserbriefe erreichen uns am schnellsten per E-Mail: unterwegs@emk.de Leserbriefe geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung besteht nicht.


unterwegsinfo

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Meldung sorgt für Irritationen Eine Rede am 11. Februar auf der Generalsynode der Kirche von England, gemeinsam gehalten vom Präsidenten und vom Vizepräsidenten der Methodistischen Kirche in Großbritannien, hatte Spekulationen genährt, beide Kirchen würden sich in Kürze vereinigen. Entgegen anders lautenden Meldungen ist das nicht der Fall.

Fotos: Paul Harr ington / Methodist Recorder.

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David Gamble ist Präsident der Methodistenkirche in Großbritannien.

er Präsident der Methodistischen Kirche hatte gegen Schluss der Rede gesagt: »Wir sind darauf vorbereitet, unsere Existenz aufzugeben, nicht weil wir schrumpften oder unseren Sendungsauftrag nicht erfüllten, sondern um des Sendungsauftrags willen. Mit anderen Worten: Wir sind darauf vorbereitet, verändert zu werden und sogar uns aufzulösen, indem wir eine eigene Existenz als (gemeinsame) Kirche haben, falls das den Erfordernissen des Reiches Gottes dient.« Vorher war aber von mancherlei Hindernissen auf dem Weg zu einer Vereinigung die Rede gewesen. So kennt die Methodistische Kirche in Großbritannien kein Bischofsamt. Es gibt einen Präsidenten, zurzeit Pastor David Gamble, und einen Vizepräsidenten, zurzeit

Dr. Richard Vautrey, die jeweils vom Beginn einer Jährlichen Konferenz bis zum Beginn der nächsten amtieren. Der Präsident ist immer ein Geistlicher, der Vizepräsident ein Laie. Die Kirche von England hat mit dem Erzbischof von Canterbury, zurzeit Dr. Rowan Williams, und dem Erzbischof von York, zurzeit Dr. John Sentamu, zwei länger amtierende Geistliche an der Spitze, die zudem noch in der weltweiten Anglikanischen Kirchengemeinschaft besonderes Ansehen genießen. Damit ist auch angesprochen, dass die Kirchen in einer Gemeinschaft weiterer Kirchen stehen, auf die sie Rücksichten zu nehmen haben. Die Methodistische Kirche von Großbritannien gehört dem Weltrat methodistischer Kirchen an. Frauen sind in der Kirche von

Live aus der Friedenskirche in Chemnitz überträgt das MDR-Fernsehen am 7. März ab 10 Uhr den Gottesdienst zum Gedenken an das Flächen­ bombardement am 5. März 1945. Damals blieb nur eine der Kirchen blieb verschont: die Friedenskirche der methodistischen Gemeinde. Seither begeht die Gemeinde diesen Tag mit einem Friedensgottesdienst. In diesem Jahr kommen

unter dem Thema »Bewahrt« Zeitzeugen ebenso zu Wort wie die beiden heutigen Partnergemeinden aus Russland und den USA. Die Predigt hält Pastor Christhard Rüdiger. Die Band und der Chor der Gemeinde gestalten den Gottesdienst mit ihrer Musik. »Augenschmaus« heißt die ­Ausstellung der Malerin Petra Grupp, die noch bis zum

Richard Vautrey ist Vizepräsident der Methodistenkirche in Großbritannien.

England noch nicht auf allen ­Ebenen geistlicher Ämter zugelassen. Lokal gebe es teils eine sehr enge Zusammenarbeit. In anderen Gebieten sehe es anders aus. Es komme auf die beteiligten Personen an, berichteten Gamble und Vautrey. Seit den 1960er-Jahren gibt es intensive Gespräche zwischen beiden Kirchen. Am 1. November 2003 wurde von Vertretern beider Kirchen ein offizieller Bund geschlossen, der beide Kirchen auf einen Weg zu immer intensiverer Zusammenarbeit brachte. Diesen Bund zu beleben, war Zweck der eingangs erwähnten Rede. Eine Vereinigung beider Kirchen wird nicht ausgeschlossen. Bis es aber dazu kommen könnte, sind noch einige Hindernisse zu überwinden. Reinhold Parrinello

kurz &bündig 25. April im Stuttgarter ­B ethesda Krankenhaus zu sehen ist. ­»Gezeigt werden Materialbilder und Gemälde in Acryl-, Öl-, Pastellund Mischtechniken. n Geöffnet täglich von 8 bis 20 Uhr in den

Aufenthaltsbereichen der Galerie im 4.-6. Obergeschoss, Hohenheimer Straße 21. Informationen im Internet: www.bethesda-stuttgart.de


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10 Jahre Seniorenhilfe Friedrichroda

Im Vergleich mit anderen Vereinen, die schon auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken, nehmen sich zehn Jahre natürlich wenig aus. Aber auch die muss man erst einmal schaffen. Die Seniorenhilfe der EmK in Friedrichroda hat’s ­geschafft – und dieses Jubiläum festlich begangen.

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ründungsväter und -mütter, darunter Superintendent Reinhard Theysohn, Pastor Jürgen Blum, Werner und Renate Gerlach und viele andere hatten am 23. Januar 2000 die »Seniorenhilfe Friedrichroda der Evangelisch-methodistischen Kirche e.V.« gegründet. Genau zehn Jahre später wurde der Geburtstag gefeiert. Das Leitmotiv »Dienet einander ein

Wiesloch: Wesley-Scouts zweisprachig S

eit gut einem Jahr haben wir in Wiesloch eine kleine Pfadfindergruppe. Das wäre eigentlich nichts Besonderes, aber wir arbeiten in der Gemeinde Wiesloch in unseren Gottesdiensten zweisprachig, weil wir viele Geschwister bei uns haben, die »aus aller Welt« kommen, und deshalb ist neben Deutsch auch Englisch bei uns ganz normal. Die neue Kindergruppe wird nur englischsprachig geführt, weil es in der Arbeit mit Kindern etwas mühsam ist, alles zweimal sagen zu müssen. So wurde von unseren Mitarbeitern der Leitfaden der deutschen EmK-Wesley-Scouts ins Englische übersetzt.

Am 7. Februar war ­ astor Andreas Heeß aus P Kaiserslautern gekommen, um unsere Gruppe feierlich als Stamm der WS aufzunehmen. Zusammen mit einer Mitarbeiterin aus Kaiserslautern (KL) und ­einigen Scouts hat Pastor Heeß unseren Gottesdienst gestaltet und zusammen mit Pastor Roland Stephan die drei »Häuptlinge« des Wieslocher Stamms für ihre Arbeit ­gesegnet. Auf dem Bild hinten von links die beiden aus KL, der Gemeindepastor und die Wieslocher WS-­

Leiterin, davor links die beiden WS-Mitarbeiter aus Wiesloch, ­deren Muttersprache Englisch ist, dazu die Kinder des neuen Stamms.  Roland Stephan

Fotos: pr ivat

An interessanten Themen für die Treffen mangelt es den Senioren in Friedrichroda nicht.

jeder mit der Gabe, die er empfangen hat als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes« war und bleibt die Motivation, älteren Menschen neben Geselligkeit auch Hilfe in Alltagsfragen anzubieten. Schon ein Jahr später stand eine Begegnungsstätte außerhalb der Kirchenschwelle allen älteren Bürgern der Stadt offen. Menschen unterschiedlicher Konfessionen spürten, dass hier ihre Anliegen gehört und ernst genommen wurden und sie erlebten eine Gemeinschaft fröhlicher und hilfsbereiter Menschen. Das Konzept stimmte: In den folgenden Jahren wurden jährlich mit rund 50 thematischen Veranstaltungen mehr als 700 Teilnehmer erreicht. Hilfe geben und Hilfe annehmen, das Alter besser und lebenswerter gestalten – das gelang den 34 Mitgliedern und zehn Freunden mit der Zeit immer besser. An Themen mangelt es nicht: Bis heute, so berichtet Hildegard Hartmann, hat sich noch kein Thema wiederholt. Anke Gerlach


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Erste Jugendkirche eröffnet! »espírito«, die erste Jugendkirche in der Fächerstadt Karlsruhe, ist am ersten Februarwochenende mit einem vielfältigen Programm in der EmK-Erlöserkirche eröffnet worden. Skurril war der Auftakt des Aktionskünstlers Guntram Prochaska: Er griff im Vorhof der Jugendkirche zur Kettensäge und ließ so eine Installation entlang der Turmmauer der Erlöserkirche entstehen.

Foto: Alexi a Passi as

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ott spricht: »Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?« (Jesaja 43,19a). Passend zur Jahreslosung im Jahre 2007 begannen die Vorbereitungen für die Jugendkirche der EmK in Karlsruhe. Im Februar 2008 kam Oliver Lacher, der Jugendpastor, kurze Zeit später Christoph Schwalbe, der Sozialpädagoge. In einer ersten Phase wurden Räume hergerichtet, Beziehungen aufgebaut und Strukturen geschaffen. Von Anfang an beteiligten sich viele Jugendliche (siehe auch »unterwegs« 1/2010). Die Jugendkirche wohnt unter einem Dach mit der Erlösergemeinde. Im Untergeschoss der Erlöserkirche entstanden großzügige Räume. Das Herzstück ist ein ­Bistro, hinzu kommen ein Kicker-Bereich, Entspannungsoasen, ein BillardBereich, eine Terrasse und ein Büro. Jetzt gibt es konkrete Vorstellungen davon, was die Jugendkirche in Karlsruhe ist und wofür sie steht. Erst im Dezember 2009 hat sie nach einem lebhaften Prozess ihren Namen »espírito« von den Jugendlichen bekommen und wird nun in den Regelbetrieb geschickt. Bei der Eröffnung herrschte reger Betrieb. Teilnehmer des Der »Wilden Südens«, einer Jugendkirchen-Wochenendfreizeit, waren

zu Besuch gekommen. Insgesamt kamen rund 150 Jugendliche, schauten oder nahmen an einem der zahlreichen Workshops teil. So gab es in Kooperation mit der Karlsruher Sektion des Deutschen Alpenvereins einen Kletter-Workshop. Wagemutige konnten sich vom 30 Meter hohen Kirchturm abseilen lassen. Beim Graffiti-Workshop gestalteten die Jugendlichen zusammen mit dem Künstler Moritz Menacher ein ein mal zwei Meter großes Kunstwerk mit dem Logo der Jugendkirche. Etwas verspätet kam Matthias Zimmermann, der 17-jährige U23 Mittelfeldspieler des KSC und U18 Nationalspieler des DFB. Trotz einer Verletzung ließ er mit rund 20 Mädchen und Jungen auf einem benachbarten Hartplatz die Bälle tanzen. Abends traf man ihn noch beim Konzert der Band »Good Weather Forecast«: »Toll hier, ich wusste gar nicht, dass es sowas in Karlsruhe gibt.« Mit einem Festgottesdienst wurde espírito am Sonntag offiziell eröffnet. 400 Besucher kamen, sahen und staunten. Die jungen Menschen hatten den Gottesdienst vorbereitet und hielten ihn auch. Die Atmosphäre war so offen, dass ein Jugendlicher spontan nach vorne ging, von eigenen Fehlern redete und seinem Vater für die Unterstützung dankte. Ein bewegender Augenblick! Die nächste große Aktion ist das Musical »LiebeChaosKlicks«. Es beschreibt den Lebensalltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in einer sich sozial, kulturell, medial und religiös verändernden Gesellschaft. Für den 25. April 2010 ist die Uraufführung geplant Alexia Passias n Hermann-Billing-Straße 11,

Karlsruhe, Telefon 0721 7540802, www.jugendkirchekarlsruhe.de


20 ::: unterwegs info

persönlich Au fgeno mmen Böblingen ::: am 7. Februar ­Eva-Maria Bauer (15) und Tanja Kempfert (18). Recklinghausen ::: am 31. Januar Preethi Jerosch (50).

W i r g r at u l ie ren Crottendorf ::: Ursula und ­Dietmar Brückner zur goldenen Hochzeit; Gisela und Wilmar Schmiedel zur goldenen ­Hochzeit. Delmenhorst ::: Else Brinkmann zum 90. Geburtstag; Marta ­Meyer zum 90. Geburtstag; Alfred ­Wolring zum 90. Geburtstag. Heilbronn-Friedenskirche ::: Maria Eisenmann zum 90. Geburtstag.

Heimsheim ::: Lydia Haas zum 90.Geburtstag Münsingen ::: Klara Kronenwett zum 95. Geburtstag. Murrhardt ::: Hilde und Eugen Doll zur diamantenen Hochzeit. Rutesheim ::: Hanna Philippin zum 90. Geburtstag. Wuppertal-Elberfeld ::: ­Annelotte Böhmer zum 90. Geburtstag; Ruth Hölschen zum 90. Geburtstag.

H eimgeg angen Alfdorf ::: Ruth Schmid ­geborene Saur am 24. Januar, 92 Jahre. Aue ::: Ilse Albani geborene Schröber am 5. Februar, 86 Jahre.

Beilstein ::: Daniel Gemmrich am 7. Februar, 33 Jahre. Bietigheim ::: Marie Merlau am 5. Februar, 1 Tag. Burkhardtsgrün ::: Elsa ­Römisch am 4. Februar, 96 Jahre. Dessau ::: Charlotte Brandau am 18. Januar, 100 Jahre. Eisenach ::: Irene Schwertfeger geborene Angermann am 4. Februar, 81 Jahre. Freudenstadt ::: Hermann Neef am 10. Februar, 88 Jahre. Göppingen ::: Frida Rettich ­geborene Bessler am 31. Januar, 94 Jahre. Lauter ::: Anita Rabis geborene Ullmann am 6. Februar, 79 Jahre. Marbach am Neckar ::: Eugen Braunbeck am 22. Januar, 88 Jahre.

Oppenweiler ::: Lore Erb am 7. Februar, 79 Jahre. Reinsdorf ::: Ella Büttner ­geborene Schmutzler am 13. Januar, 97 Jahre. Rutesheim ::: Erna Bodamer am 3. Februar, 83 Jahre. Stuttgart-Weilimdorf ::: ­Manfred Seutter am 5. Februar, 81 Jahre. Treuen ::: Else Kiesewetter am 1. Februar, 88 Jahre. Vaihingen/Enz ::: Martha ­Württemberger am 7. Februar, 88 Jahre. Wuppertal ::: Elfriede ­Kamphausen am 10. Februar, 95 Jahre. Zschorlau ::: Hanni Lerch am 31. Januar, 82 Jahre.

Stuttgart; Leitung: Matthias ­Walter und Alfred Schaar. Anmeldung zu den Seminaren: Telefon 0711- 8600690, E-Mail: Bildungswerk@emk.de.

radio m bei Klassik Radio (bundesweit) Andachten »Carpe diem«: 8. bis 13.3 | kurz nach 6 Uhr: mit Anja Kieser; Sonntagsmagazin »Klassik und ­Kirche«: sonntags | 7–8 Uhr: mit Kerstin Vogel.

wowannwas T e r mine Crottendorf ::: Friedenskirche, 26. März bis 3. April, 19 Uhr, Kreuzwegandachten. Bielefeld ::: Kreuzkirche (Schildescher Straße 102), 27. März, 9.30 Uhr, Regionaler Frauentag Ostwestfalen-Lippe, mit Hanna-Ruth Eberhardt, Information: Telefon 05232 89604, E-Mail: angelika.neugebauer@emk.de. Bruchsal ::: Friedenskirche (Moltkestraße 3), 27. März, 19.30 Uhr, Pop & Soul-Konzert für die »Aktion 5000x1000«, mit Maria und Dietmar Hess. Chemnitz ::: Erlöserkirche (Dresdner Straße 111 a), 20. März, 10 Uhr bis 16 Uhr, Missionstag der OJK, Information und Anmeldung bis zum 1. März: Telefon 037602 6178, E-Mail: birgit.klement@emk.de Nagold ::: Seniorenzentrum Martha-Maria, 26. März, 19 Uhr, Stationäre Hospizarbeit – ­Umgang mit Sterben, Tod und Trauer, mit Hannelore Geczi.

Niefern-Öschelbronn::: Christuskirche (Uhlandstraße 1), 20. März, 9.30 bis 12 Uhr, ­Frauenfrühstück der Region Enzkreis, mit Kirsten Katz, Information: Telefon 07231 4438804,­ E-Mail: heide@lubahn.de Weinsberg ::: Christuskirche (Bleich 38), 28. Februar, 19.30 Uhr, »Keine halben Sachen«, Kabarett-Abend mit DUO CAMILLO.

Semin ar e Zwischen Ökonomie und ärztlichem Ethos ::: Unser Gesundheitssystem im Spannungsfeld immer knapper werdender Mittel und ärztlicher Verantwortung für das Wohl der Patienten. Seminar für Ärztinnen und Ärzte, 16. bis 18. April, Wuppertal, Leitung: Dr. med. Beate Meinhold-Elsner, Dr. med. Reinhold Raschke, Dr. Lothar Elsner. Männer trauern anders ::: Für Männer, die ihre Partnerin oder andere ihnen liebe Menschen verloren haben, 24. April, Bildungs- und Begegnungszentrum

Ausste llung Konstanz ::: Gemeindemitglieder erzählen von ihrer Geschichte mit einem Bibelwort. Ausstellung in der Friedenskirche (Am Briel 43), geöffnet bis 28. März, Dienstag bis Samstag 14-18 Uhr, Sonntag von 14-17 Uhr; freitags 18 Uhr meditativer ­Wochenschluss, 19 Uhr Musik, ­Lieder und Lesungen. Informationen: Telefon 07531-62264.

rundf unk im Internet radio m kompakt: Podcast-­ Magazin – engagiert. radio m im Gespräch: PodcastGespräche über den Glauben. radio m Themen: Berichte und ­Reportagen. radio m ­Andachten: ­Kostenlos zu ­abonnieren: www.radio-m.de

Radio AREF Sonn- und feiertags von 10-12 Uhr. www.aref.de und UKW 92,9 MHz (Großraum Nürnberg)

Deutschlandradio Kultur 13.3., 16.05 Uhr, Interview mit Frank Eibisch zum Thema »Wunder« ERF Donnerstag, 20 Uhr, ­Bilanz, mit Horst ­Marquardt. 5. und 63. | 6.20 Uhr, Wort zum Tag, mit Pastor Joachim Schard. 6.3. | 10.30 Uhr, Bibel heute, mit Pastor Hans-Joachim Reimers MDR Fernsehen 7.3. | 10 Uhr, Fernsehgottesdienst aus der EmK-Friedenskirche ­Chemnitz.


Meine Meinung ::: 21

Kirchentag: Brotsegnung statt Abendmahl T

ausend Tische sollen auf dem Odeonsplatz und der Münchener Maximilianstraße aufgebaut werden. Zehntausend Menschen sollen gemeinsam Brot verzehren, das zuvor von einem orthodoxen Priester gesegnet wurde. So stellen sich die Organisatoren des zweiten Ökumenischen Kirchentags, der vom 12. bis 16. Mai in der bayerischen Landeshauptstadt stattfinden soll, den Freitagabend vor: Christen aller Konfessionen sollen Tischgemeinschaft halten. »Diese Tischgemeinschaft wird keine gemeinsame sakramentale Abendmahls- oder Eucharistiefeier sein«, betonte der evangelische Präsident des zweiten ÖKT, der Medizinprofessor Eckhard Nagel, kürzlich vor Journalisten in München. »Wir wissen, dass es sich viele Menschen wünschen – aber die Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Protestanten wird beim 2. Ökumenischen Kirchentag keine Realität sein.« Stattdessen greifen die Organisatoren mit der Brotsegnung auf einen orthodoxen Brauch zurück, um »ein Zeichen für unseren tiefen Wunsch nach Gemeinsamkeit« zu setzen. Möglicherweise wird auch der eine oder andere prominente Politiker dann an den Tischen sitzen. Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden jedenfalls ebenso am ÖKT teilnehmen wie zahlreiche Minister. In Bibelarbeiten, Podiumsdiskussionen und Gesprächsforen werden sie sich Themen wie dem Frieden, der Globalisierung, dem interreligiösen Dialog und der sozialen Gerechtigkeit widmen. Den klassischen Kirchentagsthemen also, die auch schon in Köln 2007 und Bremen 2009 auf dem Programm der Christentreffen standen. Doch auf die Frage, was denn die beiden vorherigen Kirchentage konkret bewirkt hätten, gab es von den Verantwortlichen nur Antworten, die schwammig waren. »Man kann nicht messen, wie sich ein Kirchentag auf die Gesamtgesellschaft auswirkt«, sagt Eckhard Nagel. »Aber christliche Positionen werden durch einen Kirchentag in der Öffentlichkeit wahrgenommen.« Immerhin: Derzeit diskutieren die Verantwortlichen Nagel zufolge darüber, ob man die Besucher zu einer Selbstverpflichtung einlade, sich nach dem Kirchentag stärker sozial zu engagieren. Und der Kirchentagspräsident brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass am Ende des Münchener Christentreffens ein »Anstoß« für ein neues Sozialwort der beiden großen Kirchen stehen könnte. Benjamin Lassiwe

Teufel und Beelzebub Der Hehler ist so schlimm wie der Stehler. Stimmt das? Zurzeit schickt sich der Staat an, zum zweiten Mal einem Stehler die Diebesbeute teuer zu bezahlen. Damit macht er sich zum Hehler. Jemand hat eine CD-ROM gestohlen mit den Daten von Menschen, die einen beträchtlichen Teil ihres Geldes an den Augen des Fiskus vorbei ins Ausland transferiert haben. Der Staat will diese Datensammlung für zwei Millionen Euro kaufen, in der Hoffnung, hundert Millionen dadurch einzunehmen. Meine erste Reaktion war: Recht geschieht den Steuersündern! Die großen Geldverdiener, die sowieso schon genug haben, betrügen voller Gier auch noch den Staat und damit uns alle. Doch bei näherem Hinsehen kommen mir Zweifel: Ist es wirklich zielführend, mit Diebesgut Steuerhinterzieher dingfest zu machen? Heißt das nicht, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben? Nimmt nicht die Moral eines Volkes Schaden, wenn der Staat so anfechtbar handelt? Andererseits: Sollen sich die Steuersünder wirklich eins ins Fäustchen lachen, wenn der Staat aus moralischen Gründen auf diese Art von Aufklärung verzichtet? Ich meine, am Ende bleiben nur Fragen und eine Einsicht: Welche Entscheidung hier auch getroffen wird, sie wird immer mit Schuld belastet sein. Es ist ein ­Beispiel für die unausweichliche Verflechtung aller Menschen mit der Schuld. In einer solchen Situation können wir nur noch beten: »Vergib uns unsere Schuld!«

n Informationen im Internet unter www.oekt.de, Telefon

089 559997-337. »unterwegs« wird in einem Sonderheft am 11. April alle Beteiligten aus der EmK beim Ökumenischen Kirchentag vorstellen.

Diederich Lüken ist Pastor im Bezirk Stuttgart-Bad Cannstatt.


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In das Land zog Paulus 2

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Endlich Frühling! Der kleine Igel freut sich riesig auf das erste Picknick im Grünen mit seinen Freunden. Plötzlich steht seine Tante vor der Tür und bittet ihn, auf ihr Baby aufzupassen. Dachs, Fuchs und Maus sind gar nicht begeistert, das Igel-Kind und seine lästige Schmusedecke mitzunehmen. Doch als sie in eine schwierige Lage geraten, ändern sie ihre Meinung ganz schnell …

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Brunnen Verlag Fühlbuch Gebunden, 32 Seiten Best-Nr. 196.873 • 12,95 €

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Der kleine Igel und die rote Schmusedecke

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waagerecht: 1. »Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie ..., die der Wind verstreut« (Ps 1,4), 5. »Lass nicht zweierlei Art unter deinem Vieh sich ...« (3. Mose 19,19), 10./11. siehe Anmerkung, 13. Abk.: Nummer, 14. siehe Anmerkung, 16. »Einiges fiel auf gutes ... und trug Frucht« (Mt 13,8), 18. geistl. Amtstracht (Mehrz.), 20. Kalifenname, 21. Abk.: Reichsmark, 22. »die ­Juden zuerst und ... die Griechen« (Röm 1,16), 24. bibl. Prophetenbuch, 26./27. siehe Anmerkung, 30. »der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu ...« (Lk 15,15), 32. »Du sollst nicht ...-brechen« (2. Mose 20,14), 34. Nebenfluss der Donau, 35. engl.: an, auf, 36. »zusammengerafft, wie man ... sammelt« (Jes 10,14), 37./39./ 41. siehe Anmerkung, 42. Kreuzes­ inschrift, 44. Schriftenbündel, 45. »Esau war ­Jakob ... um des ­Segens willen« (1. Mose 27,41), 46. Nachbar, 48. Kfz-Kennz.: Ückermünde, 49. engl.: eins, 50. Kfz-Kennz.: ­Solingen, 51. Julius erlaubte Paulus, »sich ... zu lassen« (Apg 27,3), 52. »Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der ...« (Jes 9,2).

Folgeband der Besteller Der kleine Igel und die rote Mütze Der kleine Igel und das große Geschenk Der kleine Igel rettet seine Freunde

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senkrecht: 1. musikal. Anwendungszeichen in Psalmen (z.B. in Ps 67,2), 2. »Ermuntert einander mit ...« (Eph 5,19), 3. »Der HERR hat David einen ... geschworen« (Ps 132,11), 4. Abk.: United States, 6. Ich habe euch in allem gezeigt, dass man »sich der Schwachen ... muss« (Apg 20,35), 7. Land, in das Paulus zog (Gal 1,17), 8. »Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in ...« (1. Mose 2,8), 9. chem. ­Zeichen: Nickel, 12. Gemüsefrucht, 15. Ort in Brasilien (Kurzw.), 17. ­indonesische Insel, 19. chem. Zeichen: Tellur, 21. Gemütsbewegung, 23. »Der Gerechte weiß um die ... der Armen« (Spr 29,7), 25. Fluss durch Marburg, 28. »Wie lange hinket ihr auf beiden ...?« (1. Kön 18,21), 29. der Samariter »brachte ihn in eine ... und pflegte ihn« (Lk 10,34), 31. »dieser dein Bruder war ...« (Lk 15,32), 33. »Für ... steht die Gnade fest« (Ps 89,3), 34. »Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern ...« (1. Mose 32,29), 36. nach einer Frau benanntes bibl. Buch (alte Schreibweise), 38. Telefonat, 40. Salze der Harnsäure, 41. Kultbild der Ostkirchen, 43. Biene, 44. Wohlfahrtsorganisation (Abk.), 47. Abk. für senkrecht 36.

Anmerkung: Waagerecht 10, 11, 14, 26, 27, 37, 39 und 41 ergeben Worte aus einem »kleinen« Prophetenbuch.

K L A G E

N A T U R

M A D A M

O L I I

I E N M S S W E L R E N E T E U A I R U S E D B B E N L E W E G A N E O N G U T C H B E

N I E T D D I D T O C H M E S T U R A O B O S H U E T L O N D O N E R

W G E I N E A D E M R E U E R I O F E N A R D A H N E H R A N E M E N T

Auflösung des Rätsels aus dem letzten Heft 4/2010 Das gesuchte Wort aus dem 40. Psalm lautet: »Lass deine Güte und Treue ­allewege mich behüten« (Psalm 40,12)

Für Menschen, die unterwegs sind. hanno nell / www.bibelr aetsel.de

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M. Christina Butler

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rte Schöpfung ndeln Gottes erneue Hoffen und Ha Ein Aufruf zum chofsrats der Ein Brief des Bis che odistischen Kir Evangelisch-meth

Bischofswort der EmK: Ein Aufruf zum Hoffen und Handeln Christen sind Hoffnungsträger in dieser Welt – und sie setzen dafür sichtbare Zeichen. ­ Die leidende Schöpfung und leidende Menschen in vielen Teilen der Welt brauchen dringend ­gelebte Hoffnung!

EmK-Forum

– texte themen – thesen

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Mit dieser Verantwortung setzen sich die Bischöfe der EmK auseinander und richten ein »Hirtenwort« an ihre Gemeinden und die methodistischen Christen weltweit. Um es nicht bei Worten zu belassen formulieren sie neun Verhaltensweisen, zu denen sie sich selbst ­verpflichten, und sie laden dazu ein, sich den Selbstverpflichtungen anzuschließen.

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I M P RE SS UM

unterwegs Herausgegeben von der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland Ludolfusstraße 2-4 60487 Frankfurt am Main Zeitschriftenredaktion im Medienwerk der EmK: Redaktionsleiter Volker Kiemle Stellvertretender Redaktionsleiter Michael Putzke Ludolfusstraße 2-4 60487 Frankfurt am Main Telefon 069 242521-150 Telefax 069 242521-159 E-Mail: unterwegs@emk.de Vertrieb • Anzeigen- und Abonnementsverwaltung: Blessings 4 you GmbH Postfach 31 11 41 · 70471 Stuttgart Telefon 0711 83000-51 Telefax -50 Anzeigendisposition: E-Mail: anzeigen@blessings4you.de Es gilt der Anzeigentarif 2009. Bezugspreise: Bei Bezug über die EmK-Gemeinde: im Quartal € 12,50. Bei Direktlieferung durch die Post: jährlich € 50,– + Versandkosten. Direkt gelieferte Abonnements verlängern sich jeweils um ein Jahr, wenn bis zum 30. September keine schriftliche Kündigung vorliegt. DTP-Produktion: Grafisches Atelier Arnold, 72581 Dettingen an der Erms Herstellung: frechdruck GmbH, 70499 Stuttgart Beilagen in dieser Ausgabe: Brunnen Verlag, Johannis Verlag

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