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LOST VOICES

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Love, Death & Poetry

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Love Is A Dog From Hell. - Charles Bukowski (1920 – 1994) amer. Schriftsteller

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MOIst NOISES X Stories Penny Weiss………………Maggie‘s Motel………………………………………….……04 Ivar Bahn…………………..Speed………………………………....................................06 Martin Beyer……………….Nachts in der Küche…………………………………………08 Thomas Laessing…………Immer wieder montags kommt die Erinnerung………...…09 Markus Ebersbach………..Wie lange schon?.............................................................11 Patrick Steiner……………..Die Fotos des Herrn B………………………………………12 Martin Sieber……………….Ein Sieber…………………………………………………….15 Poetry Manfred Kern……………… Höllenfahrt……………………………………………………18 Marcus Mohr………………..Langer Samstag inner City…………………………………20 Johannes Witek…………….Ein Mond für die Beladenen………………………………..21 Ulrich Kersten………………Diesseits der Stadt…………………………………………..22 Jörg Fauser…………………Liebesgedicht…………………………………………….…..23 Jim Nisbet…………………..XXIV (from 26 Serviettes)…………………………………...23 Interview Jim Nisbet……………………………………………………………………………………..24 Al empfiehlt………………………………………………………………………..…………29 LV‘s…………………………………………………………………………………………….31 Coverimage „Lovers Embrace“ by Jean-Marc Laroche More infos at www.jmlaroche.com Das "Liebesgedicht" von Jörg Fauser (Seite 23) ist dem Band "Trotzki, Goethe und das Glück. Gesammelte Gedichte und Songtexte" entnommen. © by Alexander Verlag Berlin 2005. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch den Verlag (www.alexander-verlag.com). Fotos/Bilder in dieser Ausgabe Markus Ebersbach (Seite 17)

Herausgeber: Marc Mrosk, Kontakt: ElVau@gmx.de

Alle Rechte der hier aufgeführten Werke liegen bei den jeweiligen Autoren, Fotografen/ Künstlern. All stories, poems and pictures in this magazine are owned by the writers and artist named in this issue.

alle Ausgaben online unter www.issuu.com/elvau

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neue Website unter www.elvau.com

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MAGGIE‘S MOTEL von Penny Weiss

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Trockene texanische Luft hing in Zimmer 23 und die Klimaanlage setzte stündlich mindestens dreimal aus. Maggie wischte sich mit einem feuchten Tuch den Schweiß aus den Achselhöhlen und beobachtete ihren Kunden, der am Tisch saß und noch eine Line Koks durch die Nase zog. „Willst du wirklich nicht“, fragte er, „ich hab noch viel mehr davon.“ Sie schüttelte den Kopf und griff nach ihrem Shirt. Er kam ihr zuvor und verlangte eine Extrarunde. „Ich möchte noch mal“, sagte er. „Das kostet dich aber noch mal einen Fünfziger“. „Okay“, sagte er ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden den Preis zu drücken. Maggie hatte einen guten Tag erwischt. Insgesamt 250 Dollar und es war nicht mal drei Uhr durch. Nicht schlecht für ein Mädchen, das sich hässlich wie ein Tintenfisch vorkam. Doch sie war sexy und hatte einen Wahnsinnskörper. Einer ihrer Kunden kam sogar bis aus Houston - nur wegen ihr. Noch ein Jahr in diesem Geld-Fick-Geld Tempo weitermachen und sie könnte in eine andere Stadt ziehen, um ein neues Leben zu beginnen. Weg von den ganzen fremden Schwänzen und schlechten Mundgerüchen. Sie zog ihren Slip aus und legte sich aufs Bett. Er zog noch mehr Pulver rein, bis sein Kopf zuckte und kurz darauf auf der Tischplatte aufschlug. „Alles in Ordnung, Baby?“ fragte sie, doch bekam wie erwartet, keine Antwort. Sie stand auf und ging zu ihm rüber. Ganz vorsichtig streichelte sie ihm den Rücken und sah das Blut, das aus seiner Nase über den Tisch lief. Sie ekelte sich, ließ aber ihre Hand noch einen Moment auf seinem Körper, als wolle sie ihn sanft wecken. Doch vom Wachwerden war er weit entfernt. Sie dachte an einen Weg hier raus, wieder zurück auf die Straße, am besten ins Auto, mit dem er sie hergefahren hatte. Sie machte einen Schritt weg von ihm und hörte noch einmal seine letzten Worte durch ihren Gehörgang hallen: „Ich hab noch viel mehr davon.“ Intuitiv blickte sie zu den Vorhängen, hinter denen die Freiheit lag. Dort auf dem sandigen Parkplatz, keine zehn Meter von ihrem Zimmer entfernt, stand sein Wagen. Sie durchwühlte die Taschen seiner 501er Levi’s Jeans und fischte die Wagenschlüssel heraus. Nicht allzu lange Zeit zum Überlegen, visierte sie direkt den Kofferraum an. Sie schloss auf und ließ die Haube hochklappen. Zusammengekrümmt wie ein Fötus, lag der leblose Körper da und hielt eine Tasche in der Hand. Maggie verdaute den Schock schneller als sie es für möglich gehalten hatte und griff sich die Tasche. Sie hatte schon etwas im Kofferraum erwartet, nicht unbedingt eine Leiche, aber zu mindest so was wie zwei Gewehre und eine Tasche voller Koks. Aber es gab keine Waffen und die letzten Überreste von dem Pulver lagen im Handschuhfach, eingewickelt in einen kleinen Plastikbeutel. Sie schätze es auf nicht mal vier Gramm. Die Tasche barg den wirklichen Schatz. Das Geld zählte sie neben ihrem verschiedenen Freier am Tisch, während seine großen toten Augen ihr dabei zusahen. Es waren genau 34.500 Dollar. Sie zählte noch dreimal und kam immer wieder auf dieselbe Summe. Selbst in den schlimmsten Stunden sollte man nie aufhören an Wunder zu glauben. Aschenputtel war auferstanden und spürte die Erleichterung in jeder Faser ihres Körpers. Sie schloss die Tasche und parkte draußen den Wagen direkt vor der Zimmertür. Zweimal zog sie eine streichholzlange 4 Line vom Koks und packte anschließend ihren toten Prinzen ganz fest unter den Achseln. Ihr Herz sprang auf und ab, während der Schweiß ihre Stirn überflutete.


Keine Pause, kurz anstrengen und dann war es geschafft. Keine Vorfreude, dazu wäre später noch genug Zeit. Es interessierte sie nicht, wo das Geld herkam oder wer der tote Mann im Kofferraum war. Ihren Kunden warf sie hinten vor die Rückbank, seine Klamotten auf ihn drauf und warf die Tür zu, dass um sie herum eine Sandwolke entstand. Sie lachte, als sie auf den Fahrersitz sprang und den Motor anwarf. Ihr Puls erreichte Rekordwerte, während sie vom Parkplatz fuhr. Sie bemühte sich um einen Moment der Ernüchterung, wo alles wieder einen Sinn ergeben würde, doch er kam nicht. Hatte sie etwas vergessen? Es ging alles so schnell. Ihre Klamotten hatte sie bei sich. Das Geld lag neben ihr auf dem Sitz. Seine Klamotten lagen hinten bei ihm. Das Kokain war weggewischt, zusammen mit dem Blut. Nur der Gestank muss im Zimmer zurückgeblieben sein – mehr nicht. „Ich fahr nach New Mexico, begrabe die Leichen irgendwo in der Wüste und investiere das Geld in ein anständiges Geschäft. Mein neues Geschäft. Ich will weg, weg von der ganzen Scheiße. Ich eröffne mein eigenes Motel. Genau. Das wollte ich schon immer.“ Sie sah eine junge Frau am Straßenrand, knapp 30 Meilen weiter nördlich, die Interstate 35 hoch laufen und trat auf die Bremse. Langsam fuhr sie neben dem blonden Ding mit der Jeans und dem zu großen Shirt weiter und begutachtete eine Kopie ihrer selbst von vor gut zwei Jahren. „Ich nehme dich mit Baby und erspare dir so den ganzen Scheiß.“ Sie stoppte den Wagen und wartete darauf Gutes zu tun. Doch alles blieb still. Maggie ruhte ihren Kopf auf dem Lenkrad aus und begann zu zittern. „Reiß dich zusammen, es läuft doch alles so gut.“ Die junge Frau war verschwunden. Maggie rieb sich die Stirn trocken und das Make-up aus dem Gesicht. Zurück blieb eine Fratze, die nicht mehr fähig war zu lachen. Wo war ihr vergangenes Ich, das eben noch am Straßenrand auf eine Mitfahrgelegenheit wartete? Niemand war zu sehen. Maggie war es egal. Man sollte nie zurückblicken. Sie fuhr weiter und steckte ihre Hand in die Tasche, die auf dem Beifahrersitz lag. Sie bewegte ihre Finger zwischen den Geldscheinen entlang. So sexy. Es erregte sie. „Du hast es geschafft“, sagte sie lächelnd. Ein geiles Gefühl. Langsam ließ ihre Anspannung nach und ihre Schultern entspannten sich. Mit verträumtem Blick schaute sie in den Rückspiegel und sah den State Trooper hinter ihr her schleichen. Sie erschrak, ergriff reflexartig mit beiden Händen das Lenkrad und rieb die Ummantlung wie eine Wunderlampe. „Fuck, bitte, bitte, bitte. Verdammt, das habe ich nicht verdient.“ Der Trooper blieb hinter ihr, aber winkte sie nicht an den Straßenrand. Sie spürte seinen Blick auf ihrem Hinterkopf haften, wie ein Skorpion, der sich noch überlegte, ob er zustechen sollte. „Ganz ruhig, ganz ruhig“, ermahnte sie sich und atmete tief durch. „Ich schwöre, ich bin durch mit dem ganzen Dreck. Ich mache das nicht mehr. Keine Freier mehr.“ Schweiß lief ihr in die Augen. Blinzelnd rieb sie die brennende Suppe von der Netzhaut und sah - erst verschwommen und dann ganz klar - eine Hand aus dem Fenster der Trooperkarre winken. Sie dachte nicht lange über eine Flucht nach und befolgte seine Anweisung. Die Angst hatte gesiegt. „Ich sag ihnen, Officer, ich bin durch mit der ganzen Scheiße, aber für sie mache ich noch mal eine Ausnahme. Lassen Sie mich laufen und ich blas ihnen einen.“ Das sprach sie aber nicht aus, sondern blieb stumm und ergab sich. Der Bulle sah hinten durch das Fenster auf die nackte Leiche und öffnete den Gürtelholster seiner Waffe. 5 „Na, Schätzchen, dann mach doch mal den Motor aus, komm langsam zu mir raus und zeig mir mal, was du Schönes im Kofferraum hast.“


SPEED von Ivar Bahn Er ist drei Uhr morgens gekommen und er liegt auf der Couch. Immer noch in Sachen. Die Schuhe baumeln halb ausgezogen an den Enden seiner Beine. Es stinkt. Die Lache auf dem Teppich stinkt. Da liegt eine Flasche. Sie ist leer und außen voll Kotze. Er stinkt. Sein halblanges Haar und seine Füße stinken, davon, und der Rest stinkt auch. Er hatte, als er auf die Couch gefallen ist, noch angefangen damit, ist schließlich ins Schwitzen gekommen dabei, und drauf sitzen geblieben. Seit zehn Jahren hat es keine mehr mit ihm übers nächste Frühstück hinaus geschafft. Er wälzt sich herum und sieht zur Uhr. Dann wandert sein Blick durch die verwahrloste Bude, seine Hand bleibt an der Hose hängen, fingert dort herum. Sein Traum kam jetzt allmählich zurück. Er geht ins Bad duschen. Er wirft die Kaffeemaschine an und räumt die Jacke weg, die auf dem Boden liegt. Er trinkt Kaffee, und er wird noch ein paar Tassen brauchen, bis er loslegen kann, und dort wird er weiter welchen trinken. Dann, am Abend, das Spiel dieser Truppe, in der er selber mal war. Ewiger Torschützenkönig, das wird ihm nicht so gleich einer nachmachen. Ist jetzt in der Zweiten. Sein Armzug ist immer noch famos, nur, die Luft reicht gerade mal für dreißig Minuten; für zwei mal fünfzehn. Drei Pausen pro Spiel, so bekommt er es hin. Manchmal wechselt er auch mit einem. Da muss er nur bis zur Mitte zurück, brauch’ sich da hinten nicht den Arsch aufzureißen. Ansonsten ist dort links außen sein Platz. Aber diese kleinen wendigen Gegenspieler, die muss er sich nicht mehr antun. Er geht auf Mitte Vierzig zu. Um seinen Arm beneiden sie ihn. Was für ein Arm. Zwei Schritte, gerade Schritte, dann das Auge, und den Rest macht dieser Arm; durchziehen oder ablegen, zum Kreis, nach außen, fast blind das alles. Er ist locker, dieser Arm, so ein lockerer Arm. Diese Lockerheit hat den gesamten Kerl so aussehen lassen. Eine schöne Zeit lang. Der Arm ist übrig geblieben. Er fährt mit dem Wagen zur Tankstelle, macht ihn halbvoll und nimmt sich noch zwei belegte Brötchen mit, Mayonaise statt Butter, ein Salatblatt und das Fett der Salamischeibe tropft gleich los. Er wirft die Tüte auf den Beifahrersitz und zu den Flecken dort kommen die hinzu. Er gibt ordentlich Gas und ist gleich da. Er geht die Treppen rauf und er bringt als Erstes den Kaffee zum Laufen. Er stellt ein paar Fuhren zusammen, so, dass niemand groß leer herumkutschen wird und sieht sich die Ergebnisse in der Sportzeitung an. Die Jungs von einst, als er gerade achtzehn und mit ihnen Jugendmeister geworden war, spielen alle nicht mehr. Die meisten sind Trainer im Ausland oder betreuen den Nachwuchs, meist in gutklassigen Vereinen, ein paar sind Sportlehrer an Schulen. Er hatte damals von denen, als er nicht erste Wahl geworden war und die ihn ausgemustert hatten, so’n Sportstudium angeboten bekommen, als Abfindung sozusagen. Er hat sich’s eine Zeit lang überlegt, ob er’s nicht doch machen soll, aber schließlich ist er nicht hingegangen. Hat sich dann dieser anderen Truppe angeschlossen, die grad auf dem Weg nach oben

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war und es hat sich für ihn als eine Fehlentscheidung erwiesen. Deren Trainer hatte auf die Routiniers geschworen, und er und noch ein paar andere junge Talente, und die gedacht hatten, mit der Zeit hebeln sie den alten Kader schon aus, saßen Spiel für Spiel draußen und hatten nur mal kurze Einsätze. Trotz der Klatschen, die sie dann kassierten, hatte sich nichts geändert und er ist dort weggegangen zu einer Mannschaft, wo die Alten draußen saßen und die Jungen auf dem Parkett standen, zweite Liga zwar, die aber ordentliche Ambitionen hatte. Waren alle Hausmeister dort oder Hallenwart, und tatsächlich hatten sie sich den ganzen Tag nur in der Halle herum getrieben. Jeden Tag zweimal Training, dazwischen Sauna, gutes Essen und oft genug gemeinsames Freizeitprogramm. Waren auf einem guten Weg dort. Der Haufen hat sich aber bald darauf aufgelöst. Auflösen müssen. Die Betriebe als Sponsoren gab’s nicht mehr, Arbeit auch nicht, und so sind die meisten von da weggezogen. Die Handvoll, die dann tief im Westen in der Spedition des Onkels von dem einen Unterschlupf gefunden hatte, warf Onkels Truppe innerhalb von drei Jahren drei Klassen höher. Dabei ist’s dann geblieben, mussten ja noch arbeiten nebenher. Vorbei die Zeiten des obligatorischen Hallenwartens. All diese Mannschaften gab es noch, oder nach einer Weile wieder, und er schaute sich regelmäßig deren Ergebnisse an. Aus der Zeitung hatte er auch erfahren, wohin es wen verschlagen hatte, und bald konnte er sich’s schon zusammenreimen, wer von denen, die er kannte, da oder dort bleiben würden; also hineinpassten, oder wer auf dem Absprung war. Es war für ihn eine Beschäftigung geworden, darauf zu tippen, und er hatte schmunzeln müssen, wenn das Fachblatt dann ein paar Wochen nach seinem Tipp damit aufwartete. Aber schließlich hatte er’s sich ja damals auch ausrechnen können, dass er bei den Alteingeschworenen nicht groß zum Zuge kommen würde und ist trotzdem hingegangen. Gut, er war sehr jung gewesen und es musste schnell gehen, und die Kohle, die sie ihm monatlich in die Hand gedrückt hatten, war auch in Ordnung gewesen. Hatten ihm den Titel eines Lokschlossers übergestülpt, und einmal die Woche vormittags sind sie tatsächlich durch die Montagehallen geführt worden und die Arbeiter dort haben ihre Witze gemacht. Obwohl sie an den Wochenenden ihr Publikum waren. Ein gutes dazu. Er steckt die Zeitung ein und geht was Essen. In seine Mittagskneipe. Zwei Bier, ein Mordsschnitzel, bisschen Gemüse, Möhren und Erbsen, und Kartoffeln so viel er schafft. Alles für einen Freundschaftspreis, den für dauerhafte Treue. Helga, die Wirtin, schreibt an. Obwohl er gut verdient, ist er regelmäßig paar Tage vor Monatsende pleite. Genauso regelmäßig bezahlt er jedoch die Außenstände, wenn er dann wieder flüssig ist. Kredit haben zu können, gehört für ihn zu den wichtigeren Dingen im Leben. Vielleicht war das einer der Gründe für seine Großzügigkeit. Vielleicht auch einer dafür, dass er allein war. Zwei Stunden später treffen sie sich vor der Halle. Gegen den Nachbarort geht’s heute, und danach schauen sie sich noch das der Ersten an. Und sie werden danach einen richtigen Heben gehen, doch er wird aufpassen müssen, wenn er morgen fahren sollte. Er hatte sich dann doch überhoben, was nichts Außergewöhnliches war bei ihm, doch er hatte fahren müssen. Einer war abgesprungen. Er ist spät aufgebrochen und er hatte seinen Kaffee vergessen, und er hat dann 7 mächtig Gas gegeben. Er muss kurz eingenickt sein. Als er wieder alles vor sich hatte, war er schon zu nah dran gewesen.


NACHTS IN DER KÜCHE von Martin Beyer

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Ich fühlte mich wie der Mann aus der Danone-Werbung, der nachts an den Kühlschrank schleicht, um seinen Magen zu bemitleiden… In der Hoffnung auf etwas Essbares öffnete ich die Kühlschranktür und fand außer gähnender Leere nur eine Schüssel mit rohen Fleischstücken im Gemüsefach. Mit Heißhunger verschlang ich eins davon und spülte den fahlen Nachgeschmack (er erinnerte mich kurioserweise an Mensch) mit dem offenen Bier vom Vorabend herunter. Plötzlich… lautes Schmatzen aus der hinteren Ecke der Küche. Ich ließ das fast leere Bier fallen und starrte in die Ecke, aus der das Geräusch kam. „Na, schmeckt´s?“ fragte mich der nächtliche Besucher. Er war wohl durch die Verandatür hereingekommen, die wir immer für den Postboten offen lassen. Ich wollte nicken, blieb aber mitten in der Bewegung stecken… O.k., Smoking trägt man heutzutage schon mal, wenn man zu Besuch kommt. Aber eine blutverschmierte Fleischerschürze und ein haarscharfes Schlachtermesser passen nun wirklich nicht zu Smoking und Krawatte. Der nächtliche Besucher ging ohne zu zögern auf den Kühlschrank zu und nahm sich ebenfalls ein Stück Fleisch heraus. Ein faustgroßes. Mit einem gekonnten Schnitt trennte er das Fleisch vom Knochen und in zwei gleiche Hälften. Eine davon gab er mir. Mit der anderen Hälfte prostete er mir zu und begann, genussvoll das Fleisch mit seinen Zähnen zu zerreißen. Das Fleisch war kaum verspeist, schon kündigte ein lautes Rülpsen von seinem gut gefüllten Magen. Nach dem nächtlichen Imbiss ging der Herr im Smoking samt Fleischerschürze und Schlachtermesser ins Bad und unterzog sich einer gründlichen Reinigung unter der Dusche. Im Nachhinein stellt ich fest, das er mein Duschgel und mein Handtuch benutz hatte. So lautlos wie der Besucher gekommen war, so lautlos verschwand er wieder. Nun wollte ich doch und endlich wissen, wer diese Person war. „Schatz? Liebling?“ rief ich in Richtung Schlafzimmer. Keine Antwort. Jetzt erst fiel mir auf, das meine Frau keine Ihrer üblichen Kommentare erklingen ließ, wie: „Schnucki, Du platzt noch mal aus allen Nähten!“ oder „Du wollest doch abnehmen, was machst Du schon wieder in der Küche?“. Ich taste mich also im Dunkel, um meine Frau nicht zu wecken, zurück ins Schlafzimmer. Angekommen beim Bett stelle ich fest, dass Ihre Hälfte unnatürlich kalt ist. Das kalte Grauen überkommt mich erst, als ich das Licht anknipse. Blutflecken auf dem Bettlaken. Bei einer Frau eigentlich normal, aber ich kenne meine bessere Hälfte gut genug. Sie hatte Ihre Tage erst vor zwei Wochen! Eine dünne rote Spur führt vom Bett in die Küche. Von der Küche in die Speisekammer. Direkt zur Tiefkühltruhe. Aus dieser tropft es. Ich öffne die Truhe und sehe ein entstelltes mir sehr bekanntes Gesicht. Schlagartig wird mir bewusst: Nichts ist ab sofort mehr so wie es einmal war und …wir hatten noch nie so viel Frischfleisch im Haus.

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IMMER WIEDER MONTAGS KOMMT DIE ERINNERUNG von Thomas Laessing immer wieder montags kommt die erinnerung sagte sie schnitt sich den zeigefinger der linken hand mit dem kaesemesser in der rechten ab warf den finger sprang in das schwimmerbecken des lokal anaesthesierten hallenbades und zog keine haifische an weil an diesem abend nur fette alte frauen zu reedreederedeed-musik wasser traten die blauen westen um die paense unter wasser kam itzikuo peng der schon lange was von ihr wollte den finger stolz reckend ueber die oberflaeche die schwimmbrille zog er zurueck sein grinsen breit nahm sie doch wie der koch legte sie auf die wickelauflage in der entsprechenden kabine und naehte mit nadel und ziegendarm zuvor bei den bademeisteri geordert und sagte zu ihr die sich nicht im geringsten wehrte frueher oder spaeter wird zusammenwachsen was zusammenpasst und sie die nicht ilse heißt und auch nicht graefin mariza schon gar nicht elfriede und im leben nicht noch einmal nicht ein einziges mal schnurzelschnueffelnaeschen genannt werden will entgegnete wenn du den finger meinst ok wenn du uns meinst vergiss es das hatten wir schon du nicht in mich wird niemals sein meinte itzikuo nach vollzogener op krieg dich ein mir ging’s hier nur um jeden tag eine gute tat und da kam eben dein finger angeschwommen also tat ich was ein mann tun muss und jetzt geh ich auch ich muss noch dreißig bahnen und die die nicht ilse noch elfriede heißt ja die gaenzlich namenlos scheint was ein schein ist denn sie hat einen namen der aber hier nicht verraten wird jumpte von der wickelauflage vom tisch in ihrem zitronenfalterbikini und fragte lieber haette ich frug geschrieben aber so sagt man ja heute nicht mehr außer meinem alten der sagt das noch was ich ungemein cool finde kannst du mir nicht noch ein paar teile mehr angeln ich brauchte noch winkte nicht wunk itzikuo ab und sagte koennte ich zwar aber du taetest unterstellen dass ich es nur taete erwartend eine gegenleistung was nicht der wahrheit entspricht entspraeche such’s dir aus ich taete es selbstlos und gerne und tauchen kann ich gut lachte die frau deren namen wir nicht kennen weil der autor so gemein ist ihn uns nicht zu nennen ihren namen und antwortete auf die nicht gestellte frage natuerlich wuerdest du wollen eine gegenleistung weil ihr maenner alle nur das eine wollt itzikuo vergiss es die frau aber wenn du vielleicht tauchen koenntest itzikuo nein mach ich nicht die frau nach dem ring mit den sieben wuenschen itzikuo ich kann nur welche mit fuenf tauchen die frau siehst du da haben wir es itzikuo ich koennte mal magdalene fragen die kann tauchen bergen welche mit sieben wuenschen die frau eigentlich hatte ich nur kurz ins schwimmbad gewollt itzikuo erzaehl mir jetzt nicht und dann kam ein kaesemesser geflogen die frau und dann kam ein kaesemesser geflogen itzikuo ihr den ruecken zuwendend murmelnd man kann hoeren ßig bahnen die frau mit den angenaehten finger lutscht die naht sagt ich mag tempiwechsel das war jetzt unnoetig merkt der autor an weil es das aufmerksame leseres eh merkt waehrend die wassertreterinnen blau verschnuert die paense eine bahn nach der anderen ziehen und itzikuo krault

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was das zeug haelt ruft die frau deren namen wir nicht kennen magst du goldhamsterinnen doch itzikuo hoert nix das wasser im ohr den kopf im kraulrausch und die frau mit dem abbenen wieder drannenen finger setzt sich auf gefliestes dafuer vorgesehenes und wir breaken hier mit zwei backslashs um zu ueberlegen welchen namen wir der cutterin geben koennen was liegt naeher als sie schneiderin mit nachnamen zu nennen nicht schneider sondern -in etwa so wie ceremnov und ceremnova prima brauchen wir nur noch einen vornamen wie waer’s denn mit thomasine apfelbirne nein nicht schon wieder obst das orangene hieronymusboschbild ist mir zu saeurehaltig außerdem schriebe ich hieronymus lieber nur mit lauter i weil die assoziation mit anonymus zu stark duftet und assoziation auch lieber mit lauter z aber mich fragt ja niemand also nennen wir sie die die mit dem nachnamen seit kurz schneiderin heißt doch einfach marzella petunia gladioleska bilcherina walnussia kommodentantia sollten wir ihr auch einen beruf zuweisen der ihr nicht berufung ist ja ich waere dafuer ich sogar ich bin dafuer also sie ist sammlerin von gebrauchtwagenteilen die sie mit perlglanzlack aus der dose farbig aufpeppt und verkauft von irgendwas muss man ja leben und ihre firma ja sie ist selbststaendig heißt luzzi im kruemmer hat sieben wuensche frei auch wenn itzikuo ihr nur fuenf tauchen will beziehungsweise er sagt er kann nur fuenf was wahrscheinlich gelogen ist so wie er schwimmt wie man sehen kann wahrscheinlich kann er neun wuensche ringe tauchen und verdammt der text geht mir durch ich wollte eigentlich was ganz anderes adieu planung und vorbereitung sind neunzig prozent des erfolges klopp’s in die tonne das bassin die trompete hier ist jetzt die pause nach dem ersten abschnitt weil der autor aufs klo muss manche sagen ich muss mal eben nach texas und sich danach das naechste null-dreier oeffnen besser gleich drei und fuer danach den weißherbst und die sprudelampullen bereitstellen kann ja wieder ne lange nacht werden leg mir mal jemand ne kanuele dann muss ich nicht immer nachschenken was den prozess des tippens gewaltsam interruptiert also wenn jemand marzella schneiderin heißt ich hab das jetzt nicht nachgeprueft das ist erfunden und nicht persoenlich und bitte nicht verklagen sondern erst mal per e-mail nachfragen falls und absatz und naechster teil itzikuo hat seine dreißig restbahnen abgerissen und trocknet sich den haarlosen alabasterjuenglingskoerper vermutlich rasiert wenigstens ungepierct zumindest was man so sieht unter den argusaugen der marzella ab die denkt wenn er schon nicht die sieben wuensche dann koennte man ja vielleicht wenigstens dreht sich itzikuo kurz um und schuettelt den kopf und marzella denkt na wenigstens ist mein finger wieder dran und der mohr hat seine schuldigkeit getan der mohr kann gehen was will denn der von mir den ess ich doch zum fruehstueck wenn der nicht mal tauchen kann ringe mit sieben wuenschen waere ja auch ein wunder gewesen tuedelt ihr handy im schwimmsack es besteht anwesenheitspflicht sonst fuehren wir ihren sohn polizeilich vor nein holen ihn ab natuerlich zunaechst mal bitte rufen sie zurueck liebe grueße die klassenlehrerin denkt marzella isser wieder nicht in die schule aber was soll ich denn noch alles reden und tun wenn der einfach nicht geht oder geht und wenn ich weg bin kehrt er zurueck und sitzt vor seinem pc und ich weiß von nix und dann kommen solche nachrichten oder freundi rufen mich an und sagen was ist denn karl-klaus morgens schon online bei wer-wen-nicht-kennt.eu und sie denkt hatte bis jetzt gedacht vielleicht isser ja online im edv-raum der schule aber inzwischen sind die zeichen zu deutlich und sein vater in italien was will der groß machen so weit weg so traegt sie muss tragen 10 die last alleine also wieder pflicht


und probleme und nix mit itzikuo in der kabine oder danach sonstwo so einfach ist es eben nicht dabei koennte es doch so einfach sein mit fragezeichen warum ist das mit dieser kopuliererei aber auch so kompliziert ich glaub ich schneid mir meinen finger grad wieder ab vielleicht taucht ja noch mal einer danach ach gleich sind die vorgegebenen zeichen voll ich muss aufhoeren bis zum naechsten mal versprochen tschuess und bleibt sauber

WIE LANGE SCHON?

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von Markus Ebersbach Heute Nacht bin ich aufgewacht, 3Uhr, keine Ahnung wo ich war, es war dunkel, und der Radiowecker neben mir schien mir die Uhrzeit in die Augen einbrennen zu wollen. An meiner Seite bewegte sich jemand oder etwas. Ich stand auf und fand den Ausgang vom Zimmer, aber wusste immer noch nicht wo ich war, es war alles fremd, auch als ich den Lichtschalter im Flur gefunden hatte und die scheinbar 10.000Watt Glühbirne Licht machte, hatte ich nur ein großes Fragezeichen in meinem Kopf. Ich öffnete die anderen Zimmertüren auf der Suche nach dem Klo, natürlich - die letzte war es.. Da die Lampe im Flur Licht machte wie das Flutlicht im Stadion, setzte ich mich im Schatten auf die Klobrille und pisste erstmal, ich glaube ich habe gelächelt… Finger waschen hatte ich keinen Bock, so stapfte ich im Neonlicht in die Küche, die ich vorhin gefunden hatte, direkt auf den Kühlschrank zu, machte ihn auf, und ich lächelte wieder: ne gute Menge halbe Liter Dosen Veltins. Ich nahm mir eine, machte sie auf, griff mir eine der Zigaretten vom Tisch und zündete sie an. Nach dem ersten Schluck dachte ich weiter nach wo ich wohl bin. Die Küche hatte ich schon mal gesehen, bildete ich mir jedenfalls ein. So wie ich mich fühlte hatte ich gerade mal eine Stunde, vielleicht auch zwei geschlafen, trotzdem versuchte ich nachzudenken und sah mir alles genau an. Den Kalender an der Wand, das dreckige Geschirr im Abwasch, die Tapete, Fotos an der Wand, sogar den Fußboden, als ich fertig war hatte ich die 7. Dose geleert und war müde, suchte mir den Weg zurück aus dem Zimmer aus dem ich gekommen war, und legte mich wieder ins Bett. Ich merkte noch wie die Sonne meine Augen berührte, aber ich war zu müde um zu sehen wer neben mir lag, ich umarmte die Person...wer weiß wie lange ich das hier schon mache.

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DIE FOTOS DES HERRN B. von Patrick Steiner

Sie blätterte um. »Und die haben alle Sie gemacht?« Ich nickte, sie blätterte um. »Haben die Fotos, diese Posen und all das eine tiefere Bedeutung?« »Das ist Kunst. Natürlich haben sie eine tiefere Bedeutung.« Sie nickte verständnisvoll. Zur selben Zeit waren zwei Typen im Blaumann damit beschäftigt, die großen Fenster im Erdgeschoss so lange zu putzen, bis nur noch streifenfreie Durchsichtigkeit übrig war. Ich beobachtete sie dabei und fragte mich, wie sie das guten Gewissens schafften. Schmutzige Fenster, existierte soetwas überhaupt? Wo der verschmierte Dreck doch die Aussicht zu neuer Gestalt deformierte und nach jedem Regen wie ein semistatisches Kaleidoskop umdefinierte. Ich blieb oft vor den schmutzigen Schaufenstern leerstehender Läden stehen und zeichnete mit den Fingern Formen und Figuren auf das Glas und hoffte, ein Passant würde sich daran erfreuen. Nein, es gab keine schmutzigen Fenster, nur ungenutzte Leinwände. Wenn man sich eine durchschnittliche Bankfiliale vorstellt, ist das für gewöhnlich nichts Spannendes. Aber das ist ein Philosophiestudium auch nicht. Wenn man in eine Bank spaziert, sieht man üblicherweise immer das selbe. Rauher Teppich, viel Glas, gelegentlich etwas Kunst, die Standardautomaten in der Nähe des Eingangs und kleine Einzelarbeitsplätze oder eine lange Theke. Hier arbeitete ich, nachdem ich die Uni geschmissen hatte. Es langweilte mich zu Tode, in den Werken alter Griechen oder nicht ganz so alter Europäer zu blättern und anhand ihrer Schriften die Welt zu erklären. Ich schmiss und wollte irgendwo neu anfangen. Ich zog in eine kleine Stadt, kaufte mir einen Anzug und fing an, in einer Bank zu arbeiten, um meine eigenen Erkenntnisse zu erlangen und die Welt selbst zu analysieren. Meine älteren Kollegen blickten auf mich herab. Am Anfang, weil ich so motiviert und voll idealisierter Vorstellungen vom Bankwesen war. Später, als sich die Ernüchterung einstellte, weil sie recht behalten hatten. »Die Fotos sind wirklich interessant. Und die Kleider sind sehr hübsch.« »Danke. Ich habe die Kleider für jede einzeln ausgesucht und nur für sie gekauft.« Sie sah mich an und nickte genauso ruhig und verständnisvoll, wie sie das die letzten sechsunddreißig Minuten bereits tat. »Und jetzt möchten Sie mich fotografieren?« »Ja.« »Aber ich bin doch vollkommen gewöhnlich. Nichts Besonderes, wie diese Mädchen, und vorallem nicht so schön wie sie.« »Genau deswegen. Sie sind absolut gewöhnlich. Ein ganz normaler Mensch, genau wie ich.« 12 Die Ruhe in ihrem Gesicht wandelte sich mit einem Schlag zu fassungsloser Distanz.


Es war Oktober. Die Welt war feucht und bleich und mein Gesicht war es auch. Warum ich weinte, war mir nicht so ganz klar. Vielleicht lag es an der Arbeit. Andererseits umgaben mich wenigstens dort einige Menschen. Aber für die Kunden und Kollegen war ich meist nur ein humanoider Geldautomat, sprachgesteuert und ohne Softwarefehler. Die Einsamkeit, in der sich meine Gedanken verhedderten und abhanden kamen, war viel mehr die Abwesenheit von Menschlichkeit. Ich fühlte mich wie das braune Laub, über das ich schlenderte. Umringt von meinesgleichen und dennoch wärmte ihre Nähe nicht mehr und die Zeiten, in denen man gemeinsam die Nase in den Wind streckte, waren unwiederbringlich verloren. Die Monotonie der Bank wurde immer unerträglicher und ich war bereits kurz davor, noch einmal zu schmeissen. Wieder in eine neue Stadt zu ziehen. Im Prinzip bestand meine Arbeit daraus, Menschen ihr eigenes Unglück zu verkaufen. Bis eines Tages eine ältere Dame meine Wange berührte und sagte, ich wäre so ein guter Junge. Damit endete ihr Beratungsgespräch; sie wollte für ihren Enkel ein Sparbuch eröffnen. Und damit endete auch die Schwere meiner Monotonie. Obwohl wir gemeinsam das Standardprozedere durchliefen und ich wie immer die Angebote herunterleierte, wirkte sie sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Gern geschehen, sagte ich, und meinte es in diesem Moment zum ersten Mal auch so. Es war befriedigend, dieser Greisin ein schlechtes Angebot aufzuschwatzen. Ich begriff, dass die Menschen das brauchen. Nicht unbedingt die schlechtesten Konditionen, aber dass ihnen jemand das Gefühl gibt, sich richtig entschieden zu haben; egal wie unvorteilhaft die Entscheidung für sie werden könnte. Und für mich hieß das: Die Menschen möchten verletzt werden, solange man sie nur mit ausreichender Gewissenhaftigkeit verletzt. Mit dieser Einsicht brauchte ich keinen zweiten Neuanfang. Ich wurde gerade ein zweites Mal geboren. Wenn man eine Mauer einreisst und sich lange genug fragt, was man mit der gewonnenen Freiheit anstellt, kann man dabei zusehen, wie die Mauer langsam wieder zusammenwächst. Während der Mittagspausen lag ich im Park – auf Gras, dem Laub und manchmal sogar Schnee – und beobachtete Wolken und gelegentlich ein paar Vögel. Hier unten war alles immerzu im Wandel und dort oben, da änderte sich höchstens die Windrichtung. Als Wolke hat man nicht viel zu tun, außer von einem Horizont zum nächsten zu wabern und wenn der Wind dreht, wabert man vielleicht zum Ausgangspunkt zurück. Oberhalb der Erdoberfläche war es selbstverständlich, ein Ziel zu haben und selbst wenn sich die Windrichtung änderte, verfolgte man einfach ein neues Ziel. Ich verbrachte viele Mittagspausen damit, diese Kontinuität zu entschlüsseln und auf meine Situation zu übertragen. »Und Sie wollen damit wirklich aufhören?« »Noch nicht. Eine Frau fehlt noch.« »Warum ausgerechnet eine?« »Damit es eine schöne, runde Zahl gibt. Jetzt sind es nur neun. Gibt es eine schlimmere Zahl als neun? Dieser Hauch von Nichts, der zur erlösenden, wundervollen Zehn fehlt, 13 lässt mir keine Ruhe.«


»Und dafür wollen Sie mich?« »Ja.« Sie hielt einen Moment inne. »Das ist sehr schmeichelhaft. Ich muss über dieses Angebot nachdenken. Bitte entschuldigen Sie mich einen Moment.« Sie legte das Fotoablum auf den Tresen und ging ruhigen Schrittes in Richtung Toiletten. Nach ein paar Metern wurden ihre Schritte schneller. Sie drehte sich mehrfach um. Rannte fast schon und stolperte fast auch ihren Pumps. Aus der Ferne glich sie mit ihren langen, dünnen Beinen und dem dunkelblonden Haar einem jungen, aufgescheuchten Reh. Es war ein wunderschöner Anblick. Es ist nichts falsch daran, den Menschen das zu geben, was sie verlangen. Ich bereitete sie akribisch darauf vor. Ich nannte ihnen die Bedingungen für ihr Unglück und was sie dafür zahlen müssten und es machte sie glücklich, was wiederrum mich glücklich machte. Wenn man einem Menschen auf offener Straße in das Gesicht schlägt, erwartet er einen solchen Schmerz nicht und wahrscheinlich rastet er aus. Aber wenn man jemandem erzählt, was er zu erwarten hätte und wie das umgesetzt würde, kann er sich darauf einstellen und vielleicht sogar gefallen daran finden. So lernte ich mein erstes Fotomodel kennen. Ich grüßte sie mit ausreichend Abstand, um sie nicht aufzuscheuchen und sagte, dass ich ihren nächsten Drink bezahlen würde, um sie nicht mit ihrer eigenen Arglosigkeit zu überrumpeln. So kamen wir ins Gespräch und ich bereitete sie darauf vor, dass ich sie noch in dieser Nacht fotografieren, ihr gut tun und Schmerzen zufügen würde. Sie zierte sich ein bisschen, doch zuletzt war sie mir vollkommen ergeben. Ihre Fotos wurden die schönsten. Der leicht geöffnete Mund, die großen, leuchtenden Augen. Keine war so wie sie. Acht weitere Mädchen sollten ihr folgen, aber keine von ihnen war wie Anna, deren Bauch und Brüste ich küsste, die unter mir zuckte und sich windete, während mein Gürtel sich immer enger um ihren Hals schmiegte. Neun Mädchen. Es fehlte Nummer Zehn. Mir fehlte nur noch eine. Dann würde ich aufhören können und irgendwo ein neues Leben anfangen. Mein Koffer stand bereits ungeduldig im Schlafzimmer und ich bin mir sicher, wenn ich nicht hinsah, sprang er vor Freude auf dem Bett herum. Die letzten Fotos für die letzten freien Seiten. Eine runde Zahl. Dann endlich würde sich der Wind für mich drehen. »Sophie. Sophie, ich habe alles dabei.« Als sie meine Stimme hörte, erstarrte sie zu einer Salzsäule oder vielleicht auch zu Eis, ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen. Ich stellte mich neben sie – und lächelte. Sie trug noch immer ihr Namensschild an der Bluse. S. Weishaupt stand darauf und vor dem inneren Auge sah ich, wie schön sie sein würde. Nackt und nur mit dem Namensschild bekleidet, das sich durch die oberen Hautschichten ihrer linken Brust bohrte. Aber auf den Fotos würde das womöglich den Blitz zu sehr reflektieren, dachte ich. »Du trägst den ganzen Tag lang deinen Namen durch die Öffentlichkeit und wunderst dich auch noch darüber, dass ich weiß, wo du wohnst? Bitte, lass uns 14 doch reingehen, Sophie.«


Ich lese, also schreibt es. Italo Calvino

F

EIN SIEBER von Martin Sieber

Noch war nichts mit ihm, noch konnte er keine großen Triumphe feiern oder Erfolge verbuchen, aber so ein Sieber war geduldig. Es betrachtete sich als eine Art Pflanze, die noch reifen musste, bevor endlich eine erste Blüte von noch nie gesehner Schönheit zwischen den obersten Zweigen ihren ersten Spross treiben würde. Seine Nahrung war das Lesen. Die seltensten, die auserlesensten Bücher waren ihm zuzuführen, verrätselte Bilder und Gedanken von Dichtern und Denkern ins Bewusstsein einzuträufeln – und eines Tages würde das Wunder geschehen, würde die Entelechie sich entfalten. Alles Milde und Mittlere müsste das Sieber nur in sich zerstören, sich immer weiter zerlesen und zerdenken, sich auf immer gefahrvollere Weise selbst verlieren, um mit den Stimmen im Buch zu einem einzigen Chorus zu verschmelzen! Von der Erfolglosigkeit, diesem gänzlichem Fehlen von bestätigenden Zeichen seines Genies, durfte es sich nicht entmutigen lassen – seine Zeit würde noch kommen, o ja, das würde sie ganz gewiss! Irgendwann, in noch ungewisser Zukunft, da würde es das eine Buch schreiben, in dem alles Gelebte völlig aufgehen würde, in dem die über viele Jahre hinweg mühsam angehäuften Kenntnisse und Erfahrungen ihren Platz und ihre Verwendung finden würden. Das Sieber konnte nicht anders, die Verblendung hatte schon zu lange System. Tief in sich, einem schicksalhaften Glauben gleich, spürte es, dass mit ihm etwas Besonders sei – und mit jedem Tag, an dem es nichts gegen diese Überzeugung tat, wurde es nur mehr und mehr in diese Logik eines aufgesparten Erfolgs hineingezogen. Was hätte das Sieber auch jenseits dieses Traumes erwarten können? Es hatte doch sein ganzes Dasein auf dieser fixen Idee gegründet, es hatte ja nichts anderes außer dieser Vorstellung einer noch unbewiesenen Meisterschaft. Nichts würde vom ihm bleiben, wenn es jenen Traum verwarf: nicht eine Neigung, nicht ein Körnchen Interesse blieben dann, und die arme Pflanze würde augenblicklich eingehen. Keine Sekunde durfte deshalb ungenutzt verstreichen. Alles musste das Sieber sich seiner Entwicklung zunutze machen, keine Trivialität sollte seine wunderbare Metamorphose verzögern oder gar negativ beeinträchtigen. Seinen Lebensweg pflasterte es mit Büchern – und wehe es trat nur einmal in die matschige Spalte rauher Wirklichkeit! Absurd! Lächerlich! Ekelhaft! Die Welt sollte nur in seinen Nervenbahnen wirken; vom Gedachten wollte es getragen sein. Siebers Leben war ein mit unzähligen Zusätzen und Anmerkungen versehenes, ein ganz durch den Intellekt gefiltertes Leben. Die Wirklichkeit diente ihm nur dazu, sie auf eine allgemeine Erkenntnis hin zu überschreiten, ja Erfahrung ging fürs Sieber im Wissen auf. Oh, wie das Sieber es hasste, wenn der Bewusstseinsstrom nichts mehr abwarf – und keine sinnvolle Zeile weit und breit! Dann saß das Sieber da in Bus und Bahn und zuckte mit den Achseln. Dann war das Denken nur eine hässliche Dopplung der Außenwelt. Da alles bloß im Begriff war, gab es nichts zu begreifen. Es musste wieder warten. So ein Sieber tat nichts außer warten, aber hatte immer zu tun. Das Rätsel, das es 15 selbst war, hatte es gefangen genommen, eine unendliche Aufgabe ohne Anfang und


Ende. Es lebte vom Überschuss des Denkens. Es war ein Suchendes. Fragte man das Sieber, was es denn suche, es wüsste nichts zu antworten; erst wenn es fand, wusste es es. Das war dann ein Gefühl wie eine Tür, die nachgibt, ein Schlüssel im Schloß, ein Penis in der Vulva, wie eine warme Suppe, die sich in den leeren Magen legt – ja, es war Glück! Wie eine erneute Verbindung von etwas vormals nur lose Verbundenem oder gar Getrenntem – eine Reprise. Da stand das Sieber still und horchte. Auch forschte und siebte es liebend und leidenschaftlich gern. Dann schraubte sich das Sieber immer weiter in einen Gegenstand ein und gab der Welt auf jene Weise einen manischen Gesichtspunkt. Dies grenzte an höchste Dummheit, denn alles andere sank zu Unwichtigem herab und das Sieber lief umher wie ein Fast-Blinder. Fuhr es dann wieder hoch aus seinem Loch in der Erde, spielte die Welt auf mit gähnender Leere. Wieder musste das Sieber warten. Oh, dieses Warten! Es trieb das Sieber bis an den Rand des Wahnsinns! In diesen Momenten zweifelte es am Sinn des Wartens und an dem, was es vorgab vorzubereiten. War das Warten sinnlos, dann war es auch Sieber selbst. Was tat es schon? War das, was das es tat oder zu tun meinte, also das Denken als Geschäft, nicht eher nur „eine Anwandlung von Denken, ein Denken, das sich niemals ganz verwirklicht, das sich ins Eventuelle, ins Unwirkliche verrannt hat, losgelöst von jeder Tat, jedem Gegenstand, ja, jedem Begriff überlegen ... ein Warten auf das Denken“, wie Emile Cioran von Paul Valéry schrieb? – Oh, das Sieber liebte das Zitieren, sein ganzer Kopf war voll von fremden Sätzen, gern umgab es sich mit Namen großer Dichter und Denker. Wurde es dadurch nicht selber groß? Nahm es nicht von ihrem Glanze? Ohne seine Bücher war es nichts, wusste es nichts, konnte es nichts. Las das Sieber des Nachts eine Zeile, die ihm unsterblich schien, so schnaubte es auf vor Erregung: Die will ich mir einprägen, sagte es sich und las sie ein zweites und ein drittes Mal. Es wollte seine Bücher zweimal besitzen, nicht nur dort im Bücherschrank, wo sie zahlreich und wie Freunde aneinander lehnten, auch in seinem Geist sollten sie stets gegenwärtig sein. Die Bücher, die waren sein Gedächtnis! Und wenn das Sieber mal eins nach einer Lieblingsstelle durchsuchte und blätterte und blätterte ohne Erfolg, dann war ein flüchtiges Weh in seinem Kopfe. Betrübt saß es da und starrte vor sich hin. Doch nach nur wenigen Stunden sah man das Sieber wieder gebeugt über Bücher. Die flüsterten. Die Buchstaben, die waren wie das Sieber selbst: sie waren stumm und konnten dennoch sprechen. War sein Leben somit nicht selbst ein Geschriebenes? War es nicht selbst Literatur? Schlug das Sieber ein Buch zu, dann setzte es sich fort in einem inneren Dialog, den es mit auf die Strasse trug. Eine namenlose Schwätzerei war in ihm, ein unendlicher Vorrat an Romanvorlagen, Skizzen, Entwürfen, Wendungen, ersten wie letzten Sätzen. Ein Romancier hatte sich festgesessen in seinem Kopf; und saß dieser einmal, konnte er nicht mehr aufstehen. Als lyrisches Ich strukturierte er nunmehr sein Wahrnehmen und Denken – im Präteritum. Mit schönen Worten. Mit Einfällen und Verknüpfungen, mit Erinnerungen an Gelesenes. Dieses rätselhafte, 16 schwatzhafte Es umhüllte alles Tun und Treiben in seltsame Unwirklichkeit und tauchte die Dinge in eine dunstige Transluzenz.


Hielt das Sieber nicht tausend unsterbliche Momente für sich fest? Momente, in denen eine verborgene Schönheit und Wahrheit des Lebens den schnöden Alltag überragte? In diesen Augeblicken fühlte das Sieber so sehr, dass es selbst der Stoff war, aus dem die Romane sind – nur wenn es zum Stift griff, zerbrach sofort alle hohe Empfindung! War es somit nicht Autor ohne Buch, eine Schriftstellerei ohne Schrift? War es nicht wie das Walser, dem irgendwann der Spaziergang genügte? Oder wie ein Joubert, das Herrschaft über jenen Raum erlangen wollte, aus dem alle Bücher hervorgehen und der, einmal gefunden, von der Aufgabe, welche zu schreiben, enthob ... so dachte und fragte das Sieber sich wie es am Fenster stand und auf die Strasse herabblickte. Aber nein, nie würde es normal leben können, wie die Menschen dort unten; bei seinem Leben musste was herauskommen, ein Endprodukt seines Zögern und Zauderns, ein hübsches Destillat, das dieses ewige Hin- und Her der Gedanken und Gefühle einfing und festschrieb für immer. Bloßes Träumen reichte hier nicht; so ein Sieber wollte Wirklichkeit werden. Die stille Zeugenschaft im Es, die in der Nacht wie eine Kerzenflamme zitterte, sie musste ein Brand werden außerhalb. – Oh, wie tief spürte das Sieber sein eigenes Ungenügen! Und wie heftig war sein Wunsch, wenigstens die Hand aus dem Lächerlichen hinauszustrecken. So groß war die Sogkraft der Kunst! So tief die Kluft, die ins Sieber geschlagen wurde! So hell das Licht, an dem es selbst teilhaben wollte! Und so kalt der Schatten, den das Ungenügen über es warf! Im Ungenügen, im Selbsthass fand das Sieber auf seine letzte und einzige Höhe. Ein Blitz müsste durch so einen hindurchgehen, damit aus Es wieder Ich würde! Damit so ein Sieber unterscheiden lerne zwischen Hartz 4 und seiner Mission!

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HÖLLENFAHRT (Manfred Kern) Eine Gegend, wo die Garagen aussehen wie Leichenhallen, und nach dem Tod ihres Vaters erschien ihr das Brillenetui ihres Mannes als Sarg. Wie lange bist du schon deinen Kinderschuhen entwachsen und welche Sarggröße hast du? Das Quiz im Fernsehen, und am Fenster fällt ein Blatt von der Zimmerlinde mit einem schrecklichen Donnern. Einmal stand ein Fotograf vor der Tür und sagte zu ihr: Wollte ich ein gutes Bild von dir machen, müsste ich erst mit dir schlafen. Ein Film, wo der Mann die Frau fragt: Lebst du noch? – Nein, sagt die Frau, ich hab damit aufgehört. Darüber konnte sie lachen. Ein Mann, der heimkommt und sagt: Komm, lass dem Dreck doch bis morgen Zeit zu verschwinden und sie über den Küchentisch legt. Wie viele Wünsche hat sie noch frei? Todmüde und der Abwasch steht immer noch draußen. Das Haus trägt eine Maske aus blinden Fenstern, nur der Gartenzwerg im Vorgarten grinst. Hier bist du zuhause, hier bist du verloren. Sie schaut nur noch zwischen den Fingern hindurch.

Q

Rasenmäher oder Hundegebell, ansonsten herrscht Ruhe – solange kein Blatt von der Zimmerlinde fällt auf den frisch gewienerten Boden. Dann donnerts im Gebälk und der Staub erhebt sich auf dem Schrank von der Hutschachtel. Und sie hat schon wieder eine Laufmasche im Strumpf. Einmal trank sie Sekt aus dem Schuh. Ihren Kater nennt sie Silvester. Er hat ihr eine Maus gefangen und als Liebesbeweis auf die Schwelle gelegt. Sie muss die Maus noch in die Mülltonne tragen,

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und auf dem Weg kann sie gleich nach der Post sehen. Am Gartentor erwarten sie aber wieder nur die dreckigen Witze des Nachbarn, und sie starrt weiter zur Decke. Sie hört das Donnern der Erde, die auf den Sargdeckel des Vaters fällt. Am Boden entdeckt sie ein Lindenblatt. Und sie weiß nie, habe ich zuviel oder zu wenig gegossen. Und was macht man gegen die Läuse? Mindestens einmal täglich denkt sie: Jetzt schmeiße ich alles hinaus und mich hinterher. Von draußen in ein leeres Haus hinein blicken und dann einfach gehen. Das wäre ein filmreifer Abgang. Sie muss auch noch Schuhe putzen und einkaufen und kochen und waschen und am Abend fickt sie ihr Mann auf dem Rücksitz des roten Porsche in der jetzt noch leeren Garage. Die muss sie auch noch auskehren. Und damit fängt sie am besten gleich an. Wenn sie nach ihrem Sternzeichen gefragt wird, sagt sie: Sieht man das nicht, ich bin eine Jungfrau. Und wenn sie nach ihrem größten Wunsch gefragt wird, sagt sie: ein Pferd. Und dann lacht sie so laut und jeder fragt sich, warum. Hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich: sie bekommt keine Kinder. Sie hat wirklich alles versucht. Aber sie wird den Rasenmäher herausholen und sich über den Fuß fahren. Im Grunde ihres Herzens aber weiß sie nicht, was sie will. Früher schrieb sie Gedichte. Kein Verlag hat sie jemals gedruckt. Und dann hat ihr Mann sie verbrannt. Er mag keine Flausen. Sie stochert im Ofen in der kalten Asche herum. Sie schrieb ein Testament. Darin steht nur, dass sie verbrannt werden will. Sie hat es beim Notar hinterlegt, ihr Mann hat davon keine Ahnung. Wüsste er es, er würde sie schlagen. Aber sie will in kein Grab. Eine Urne mit Blumen für das Fenstersims eines Hauses, das es gar nicht gibt. Davon handelt eines ihrer verbrannten Gedichte. In solch einer Lage, ist es noch immer das Beste, wenn man sich erst mal die Fingernägel lackiert.

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Und ohne Lippenstift fühlt sie sich nackt. Schon als Kind hasste sie ihren eigenen Mund. Er ist ihr zu schön. Immer wollte sie hässlich sein. Sie denkt heute noch, das hätte sie vor vielem bewahrt. Aber das hat sie niemals geschafft: sie konnte nie ihre Schönheit zerstören. Sie würde als Tote noch schön sein. Noch als Asche wäre sie schön. Am schönsten aber stehen ihr Tränen. Das hat sie schon als Mädchen gewusst. Sie ist wahrscheinlich eh nur zum Weinen geboren. Auf dem Rücksitz des Wagens lag sie eingerollt unter der Decke nackt und tränkte das Polster mit Tränen und Blut. Über Stock und Stein ging die Fahrt mit dem Vater am Steuer vorne, der rauchte.

M

LANGER SAMSTAG INNER CITY (Marcus Mohr) Hab in ´n Hauseingang gepisst, und da kam einer raus, meinte: Wegmachen oder Bullen! Und ich sagte: Bullen! Und Kumpel sagte: Gottverdammt, ich mach’s schon weg. Holte ´nen Eimer Wasser drüben aus der Kneipe, hat’s ausgeschüttet, weggemacht. Meinte, ich wär ´ne Speckfotze, und ich sagte: Stimmt. Im Rewe durfte ich keine Süßigkeiten essen, ohne sie vorher zu bezahlen, der Ladendetektiv sagte, das wäre verboten. Verständlich machte er sich dadurch, dass er mich packte, unter der Kehle, und ich sagte: Wegmachen oder Bullen! Und er sagte: Bullen! Und die kamen dann auch. 20 Endlich.


EIN MOND FÜR DIE BELADENEN (Johannes Witek) Nachdem er dreiundvierzig Jahre in seinem kleinen Apartment gelebt hat (allein) ist er auch dort gestorben (allein) Hausmeister in einem Krankenhaus ohne Freunde ohne Familie ohne einen Menschen. Manchmal hat der Vermieter im Parterre laute Stimmen von oben gehört die sich angeschrien und wild diskutiert haben dann hat er angerufen und gesagt: „Komm schon, Henry, wir müssen morgen früh aufstehen! Sag deinen Gästen, sie sollen leise sein.“

O

und die Antwort: „Hier bin nur ich! Keine Gäste.“ Und kurz darauf, von oben: „Ich hab dir doch gesagt du sollst leise sein!“ Nach seinem Tod fanden sie ein 15.145 Seiten fassendes Manuskript mit dem Titel „The Story of the Vivian Girls, in What is known as the Realms of the Unreal, of the Glandeco-Angelinnian War Storm, Caused by the Child Slave Rebellion“ voll von Zeichnungen, Aquarellen und den abartigsten Geschichten über „Prinzessinnen des Volkes der Abbiennia“ "Blengigomeneans" und jede Menge weitere abgefahrene Scheiße.

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Ein Mann. Nacht. Allein. In seinem Fenster der selbe Mond, den wir sehen. Ich nehme an, er hat ihn oft gesehen. Oder vielleicht auch nicht, vielleicht war er zu beschäftigt. Henry Darger, Leute. Nie gehört, ich weiß. Zeit wird’s.

DIESSEITS DER STADT (Ulrich Kersten)

Q

Kurz vor einem Feiertag werde ich fliehen aus einer Einrichtung am Rande der Stadt, auf der Seite wo die Wälder sind und der Tierpark und abends die Sonne untergeht. Fünf Tage lang werde ich mich verbergen in diesen Wäldern jenseits der Stadt, ohne Nahrung, ohne Medikamente und am Ende auch ganz ohne Kleidung. Am sechsten Tag werde ich gehen in die Stadt, wo das Licht ist und die Schatten und man wird auf mich warten und mich empfangen mit offenen Armen. In den Armen wird eine Decke sein, um zu beschützen meine Nacktheit und mich, ein Arzt wird dabei sein und ich werde die Stadt sehen und das Licht und die Schatten dahinter.

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N LIEBESGEDICHT (Jörg Fauser) Als wir uns liebten. liebten wir uns selbst nicht. Als wir uns den Krieg erklärten, gaben wir uns schon verloren. Als wir geschlagen waren, bemühten wir die Geschichte. Als wir allein waren, übertönten wir sie mit Musik. Als wir uns trennten, blieben wir am gleichen Ort. So lagen wir uns bald wieder in den Armen und nannten es ein Liebesgedicht, aber kein Liebesgedicht erklärt uns die Angst vor der Liebe, und warum der Himmel so blau war, als wir uns trafen, und warum er immer noch blau sein wird, wenn wir sterben werden,

XXIV (from 26 Serviettes) (Jim Nisbet) It's time to go to the guitar store again they don't have vodka there but it's full of plectra & strings to make a fool of me metronomes to mark tunes & beats I can't keep books I'll never read at your grave incomprehensible unless you seize the tempo now & defeat Capital by learning to read music non quitte pas moi maintenent don't quit me now lust for articulation desert me not lest I be served the dessert I deserve a wasted life another mouth full of infinite sand

du für dich, ich für mich.

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AS I WALK THROUGH THE VALLEY OF THE SHADOW OF DEATH… …I bring a book of Jim Nisbet find a good spot to read and make myself at home. The writer of crime/noir novels such as „Lethal Injection“ has given us a look inside his mind.

An Interview with Jim Nisbet

LV: Where do you find your characters? JN: Everywhere. Inside my head and out. The good ones, like the novels themselves, start with a mere seed of an idea, an image, an impression, a character trait, a circumstance, and co-crystallize along with the narrative and yr hmbl srvnt's close attention. Bobby Mencken and Lethal Injection, for example, started with a 100-word article in the San Francisco Chronicle, one of © 2012 by Carol Collier those little things off the wire a paper will use to fill out the length of a column, called a "bullet" in the trade. Here's an actual (remembered) example, from the days when the Chronicle was a great paper: "Adelaide: A dog urinated on a lamppost, and the lamppost exploded. The dog escaped unharmed, and no other injuries were reported." That kind of thing. A dateline and a sentence or two of text and that's it. Felix Feneon did a whole book of them. Meanwhile, as goes composition, I can type as fast I can lie, which is pretty fast. LV: You taught creative writing at the Naropa University in Boulder, Colorado. If you would have to answer it with a few sentences: what is the key to become a good writer? JN: Teaching creative writing has no more to do with being a good writer than studying creative writing does. I don't think writing, real writing, can be taught. In fact, I think it 24 more likely that it's communicable, which of course is impossible.


JN: I taught at Naropa three separate times, two weeks each, I think it was, in the mid-90s, and that's how I found out. Of the two best stories I received, the first, the first year I taught there, was from a student who, upon my advice, quit the program, got his money back, and went out to live a real life. He returned three years later, the last year I taught there, to thank me for the advice and to drop off a recent story. He had become a bartender, gained weight, been in jail, sobered up, lived with various women, was still single, etc. Whatever, the second story was better than the first. I observed that his work reminded me of Spleen de Paris. He'd never heard of it. He went away, found a copy, and came back a few days later just to say "Wow". The second good story was from an itinerate actor who, passing through Boulder with a traveling show, noticed in the local paper that I was teaching there, and dropped one of his stories into my faculty mailbox. Though he was no older or younger than most of my students, his story stood head and shoulders above their work. It took me a while to figure out he wasn't even in the class. He turned up at a book signing and introduced himself. Interesting guy. There's always the chicken and egg argument, writers are born not made or vice versa, as the twig is bent, and so forth. But I think that, like music, there is a definite genetic predisposition, aka talent, aka gift. Whether this trait can be realized in any way is yet another question, and maybe that's where teaching comes in. Personally, as goes the teaching of creative writing, I don't get it. Merely trading money for advice strikes me as unlikely to help. As for myself, I've never formally studied writing. I think one way to become an interesting writer is to live an interesting life. A second tip: learn the tools of the trade: grammar, spelling, like that. A natural ability to tell a story can't hurt, but oral storytelling is quite different than a story written down. Face up to the game you're trying to play: read the writers who are almost certainly now and forevermore your betters. Whether their works humbles you or not, you might learn something from them about writing. Finally, if I've learned anything about art, it's the story of art is a story of exceptions. On the other hand, as a writer of thrillers, do I get to talk about art? LV: Which writers inspire you? JN: One way or another, I'm influenced by everything I've ever read. I remember reading the beginning of The Idiot, in 1970, as if I'd read it this morning. Similarly, I'll never forget finishing The Past Recaptured, the last volume of Remembrance of Things Past, by the light of a pie display case in a dark and air-conditioned diner called Dimples (named for a Shirley Temple movie) in Burbank, California., in 1981. Disgusted with wasting my time on inferior writers, I've recently started in on Proust again. Stendhal. Faulkner. Jane Austin. The early books of Franรงoise Sagan, but really her whole career is fascinating. Janwillem van de Wetering and Robin Cook (aka Derek Raymond) I counted among my friends. I've read all of Robin's books, 25 as well as Janwillem's accounts of his experiences with Zen Bhuddism. (Along with an infatuation with drink, Robin and I shared a distaste for Tolstoy.)


JN: There's an American volume that contains a chronological selection of Chekhov's stories, earliest to last, and the crescendo of achievement is astonishing. My brother is an accomplished writer, author of six or seven books of natural history, and our conversation on the subject of writing is life-long. I know a lot of poets, and have read widely in poetry, though latterly not so much -- Kenneth Rexroth's 100 Poems from The Chinese; Joanne Kyger, Frank O'Hara, Darrell Gray, Tom Raworth, John Weiners, Verlaine, Marina Tsetaeva... -- culminating, lately, in my own full-on translation of Les Fleurs du Mal, whose inked type I have reason to hope will kiss the page, or however books are lately printed, one of these days, and it was a terrific experience, it's one of the great poetic works. There are many, many others. Philip K. Dick. Keep The River On Your Right. Paustovsky. Apsley Cherry-Garrard's The Worst Journey In The World. Ulysses, for that matter; The Odyssey, for another. Josuah Slocum's Sailing Alone Around The World. The Strange Last Journey of Donald Crowhurst. Moby-Dick. Any of a number of great scientific works, particularly, lately, concerning astrophysics, but mathematics as well, e.g., Piotr Bekman's A History of Pi. There are many wonderful books by many wonderful writers, but here's the deal: What with one thing and another, mainly to do with keeping bread on the table, in a good year I average reading four books a month. Often it's more like three, and occasionally it's a mere two. But let's go with four. That adds up to 48 books per good year. At the moment, I'm 64 years old. Let's say I live another ten years. That means I can expect to read another 480 books, tops, before I croak. And a long time ago I asked myself, why should they be shitty books? Now, I mentioned I've gotten back into Proust. This is partially a result of having wasted my curiosity on 1.9 books by a very famous thriller writer, at the end of which experience I wanted to take a bath, I wanted to commit suicide, I felt exactly like I feel after squandering an evening on television or a football match or a Hollywood movie -- three things I never do for precisely that reason. (I haven't owned a television since 1976.) Moreover, I abandoned the second book at 522 pages, about sixty pages from the end, something I rarely do. But there's nothing for it. That little piece of my life has been pissed away, and it's irretrievable. I feel the same way about commuting. These experiences constitute a large trap. Inside the trap, you get to share your impressions with other victims, and experience the effervescent, brief, cocaine-like pseudo-salubrity of ersatz community. Actually, it's not even that much fun, it's more like a group of people conspiring to hold up a sheet of transluscent plastic to ward off a tidal wave of fear. Outside the trap, you get different impressions. As goes literature, you're either in or you're out. If you're reading trash, or watching almost any television, or sitting through most movies, you're there to keep from thinking. It's like Buckminster Fuller's opinion of higher education. He said that college was put there by The Great Pirates, who in reality run everything, in order to distract the brighter people who might otherwise figure out what's really going on. Leave Homer on the shelf, and he'll stay there. But that's the beauty of a book. When you wake up tomorrow, or next week, or any time, between now and the grave, that book, and others like it, 26 will be waiting for you.


LV: What was your main influence that turned you into a writer? JN: It's all of a piece. LV: Most of your novels deal with the violent lives of the forsaken. How often have you been to hell in your life? JN: I've been in some pretty tight spots. And some pretty great ones. LV: The best way to write a noir novel is... JN: Jump in and don't fake it. Like any other good book. Hah! LV: Your characters always have to deal with their inner demons. How do you tame your inner demons? JN: My writing obviously, if partially, channels something along those lines. But inner demons are there to be understood, talked to, wrestled with, exercsied (exorcised, maybe, but not necessarily) and, hey, why not harness the bastards? The main thing about inner demons is, hurting yourself is one thing, while hurting other people is something else altogether. But if people get hurt by opening one of your books...? LV: Your book “Lethal Injection” is about a crook who’s been executed. What made you using the death penalty as a subject in your story? JN: As I mentioned a few answers ago, that book grew out of a 100 word newspaper story. It concerned a young black man in Huntsville, Texas, the prison where Texas carries out their lethal injections. In this particular case, they rolled the guy into the death chamber, inserted the needles, got the saline solution going and -- the phone on the wall rang. A court had instigated a temporary stay of execution. So they turned off the saline solution, removed the needles, and rolled the guy -- or maybe he had to walk, with a little help, no doubt -- back to his cell. A week later came another 100-word story: they did it again, and this time, no phone call. The guy died. So my initial fascination with this story was, what could possibly have gone through this guy's mind during that week? And I began to write. My story, obviously, went in another direction, its own direction, and that very quickly. As go novels, that's a point to make. I may have started out being interested in the story I read in a newspaper, but, very quickly, the emerging story took on its own life, and I had to go with that. You have no choice. It's an amazing process, and I don't care to examine it too closely. Might disturb the juju. You understand. 27 I might note that both Dostoevsky and Henri Beyle were assiduous readers of newspapers, and that Crime and Punishment and Le Rouge et le Noir were both incited by contemporary newspaper accounts of spectacular crimes.


LV: You have won awards and your books have been translated in many different languages. Still, your fame is limited mostly to crime novel fans. Does it bother you not having the big breakthrough yet or is it a relief? JN: You know, I've had an amazing life. I don't give a shit about fame, and that's the truth, but what notoriety or renown or respect or derision I do get comes directly from my books, and that's the best. It's honest and it's fair. The work speaks. The hard part is the money. As a friend of mine used to say, The hand is always bigger than the money. Money equals time, and time is what is needed to write a book. Don't get me wrong. I've written novels in three weeks, four, five, six... Windward Passage took me three years, but I spent 90% of that time not working on it. So what's that come out to -- 15 weeks? Too long! But I love that book. But after Windward Passage, I reverted to form: Old & Cold -- 3 weeks; Snitch World -- 3 weeks... But the deal is, insofar as it's a deal at all, plus or minus the novel's inner will, I write exactly the book I want to write. And the consequences... Well. Look at it this way. I'll be 65 on Saturday, the 20th of January, just a few days from now. The mortgage is due on February 10, and, at the moment, I don't have it. Not for the faint of heart, this Jim Nisbet business! LV: What is coming up next for you? JN: That would be 2012? Perhaps two novels in Italy, The Octopus on My Head in Germany, Windward Passage in France... And three novels in the US: the sequel to the Gourmet, which I called Ulysses' Dog, written in 1980 and never published here (though in print under that title in France since 1990), which the publisher wants to call The Caged Spider; and two new novels, Old & Cold, in June, and Snitch World, maybe in the fall. The difference in quality between the first title and the latter two, I'm happy to stipulate, should be sufficient to induce whiplash. I learned a few things in 35 years. If I can find the money with which to buy the time to write them, there will be more books. If not... So you see, as goes writing, a certain desperation has always been a factor... Thank You, Jim!

Jim Nisbets Bßcher gibt’s beim Pulp Master Verlag unter www.pulpmaster.de

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mit literarischem Scharfsinn analysiert unser Meisterrezensent Al Bücher, die ihm in letzter Zeit in die Hände gefallen sind…

Also, wenn das mal kein heißes Schießeisen ist! Bessere Kriminalliteratur wird sich nur schwer finden lassen und authentischer geht’s wohl auch kaum mehr. „The Wire“ -Macher David Simon liefert ein Buch der Extraklasse. Leben und Sterben in Baltimore. Wer noch mehr Gangsterdasein miterleben will, muss schon selbst zur Waffe greifen. David Simon, Homicide Kunstmann Verlag, ISBN 978-3888977237, 800 Seiten, 24,90 Euro Trink ein Glas Absinth auf ex und du hast annähernd das Gefühl, das du beim Lesen von Johnsons „Keine Bewegung“ bekommst. Es knallt unheimlich und lässt dich so schnell nicht mehr los. Eine Bonny & Clyde Story, schnell und brillant erzählt. Heute noch kaufen und sofort anfangen zu lesen. Los, los, los…. Denis Johnson, Keine Bewegung! Rowohlt TB Verlag, ISBN 978-3499256615, 205 Seiten, 7,99 Euro Beim Krausser hätte man wohl einen Krimiroman um einen Psychokiller nicht wirklich erwartet. Umso erfrischender ist das Ergebnis. Kein üblicher Metzelthriller, sondern ein verstricktes Puzzlespiel mit einem schön verkorksten Hauptkommissar. Blut, Sex und Aspirin für den Morgen danach. So macht das Lesen wieder Spaß! Helmut Krausser, Aussortiert Dumont Buchverlag, ISBN 978-3832161668, 256 Seiten, 9,99 Euro Zwei Jungs, ein Mord. Verzweiflung, Liebe, Sühne und zerstörte Träume vor dem Hintergrund einer verblassten Stahlregion im Herzen Amerikas. Eine bemerkenswerte Geschichte, die an die ganz großen amerikanischen Erzählungen erinnert. Gehört zu den besten Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen hab. 29 Philipp Meyer, Rost Klett-Cotta Verlag, ISBN 978-3608938937 , 464 Seiten, 22,95 Euro


Der King lebt!... und entführt uns in die frühen 60er, um das Attentat auf den damaligen US-Präsident John F. Kennedy zu verhindern. Sein Protagonist ist Jake Epping, ein Kleinstadtlehrer, der das Abenteuer seines Lebens wittert. Hier bekommt man auf über 1000 Seiten für sein Geld verdammt gute Unterhaltung geboten. Stephen King, Der Anschlag Heyne Verlag, ISBN 978-3453267541, 1056 Seiten, 26,99 Euro Altmann, der sonst eher seine Reiseerlebnisse aus versch. Teilen der Erde in Büchern niederschreibt, begibt sich hier auf eine ganz andere Reise. Nämlich tief in die Vergangenheit, tief in die ganze Scheiße hinein, die der Autor in seiner Kindheit bzw. Jugend erfahren musste. Ein Buch wie ein Schlag in den Magen. Wirkt noch lange nach! Andreas Altmann, Das Scheißleben m. Vaters, das Scheißleben… Piper Verlag, ISBN 978-3492053983, 256 Seiten, 19,99 Euro Der Witek hat's mal wieder getan: getextet ohne Rücksicht auf Verluste. Der Autor, der seine Corn-Flakes mit Tabasco isst und den Alltag mit ganz anderen Augen als der gemeine Durchschnittsbürger sieht. Prosa und Lyrik aus den Tiefen eines verschrobenen Geistes, der die Hoffnung auf ein besseres Leben nie aufgegeben hat. Johannes Witek, Gebete an den Alligator und die Klimaanlage Chaotic Revelry, ISBN 978-3981245776, 274 Seiten, 26,99 Euro Episoden aus dem Leben eines Schriftstellers, aus der Sicht seines Untermieters. Von und mit Poetry-Slamer Marc Uwe Kling. Ernsthaft, ironisch, humorvoll. Für nebenbei, zwischendurch oder an einem Stück. Unterhaltung garantiert! Marc-Uwe Kling, Die Känguru Chroniken Ullstein Verlag, ISBN 978-3548372570, 272 Seiten, 7,95 Euro

Der junge Audun Sletten erzählt von seinem Heranwachsen in der norwegischen Arbeiterklasse. Roh, hart und unverblümt. Bücher aus dem hohen Norden müssen nicht immer Krimis sein. Ein wahres Juwel des ehemaligen Buchhändlers Per Petterson. Das zu lesen ist mehr als nur in Ordnung! Per Petterson, Ist schon in Ordnung Hanser Verlag, ISBN 978-3446236400, 224 Seiten, 19,90 Euro

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C am 4. Juli ´80 in Iowa geboren. Zieht herum, schreibt Geschichten.

LV‘s

Penny Weiss

geboren am 12. Februar 1964 in Kleinmachnow, Forstarbeiter, Hausmeister, Gärtner, seit 2005 freiberuflicher Autor, sechs Kinder

Ivar Bahn

geboren an nur einem Tag, schreibt, textet, dichtet, reimt, gestaltet, lebt. Veröffentlichungen in div. Mags und Blogs. www.martin-beyer.com

Martin Beyer

geboren 1961 in Kaiserslautern, lebt in Kusel, Rheinland-Pfalz. Veröffentlichungen seit 2004 in Literaturzeitschriften und Büchern. Aktuelles Buch: Mathilde in Fetzen.

Thomas Laessing

geb. 1973. Freischaffender Künstler in Malerei, Fotografie und Lyrik, Autodidakt, Internetauftritt unter www.galerie-ebersbach.de '89 in Stuttgart geboren und verbrachte knapp zwei Dekaden in der schwäbischen Provinz. Derzeit lebt er in Dresden und vor allem auch in seinem Kopf.

eingetopft 1980 in Duisburg

geb. 1956 in Rothenburg.o.d.T., freier Schriftsteller in Coburg. Bisher 9 Bücher, 1 CD. Zuletzt erschienen: "Heimatdmuseum" (2010); "Heimatsong" (2011). www.habbag.sternturm.de

Markus Ebersbach

Patrick Steiner

Martin Sieber

Manfred Kern

Baujahr 81, Mitherausgeber des Straßenfeger. Keine Bestseller, keine Preise, kein Intellektueller

Marcus Mohr

Geboren 1981. Lebt und studiert in Salzburg. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien

Johannes Witek

geboren 1971 in Prenzlau, lebt seit 1989 in Erfurt, Tätigkeiten u.a. als Bibliotheksassistent, Galerieassistent und Grafiker. Geboren am 16. Juli 1944 in Bad Schwalbach, Taunus. Deutscher Schriftsteller und bekannte Stimme der deutschen literarischen Underground-Szene in den 70ern und 80ern. Fauser starb am 17. Juli 1987 zwischen Feldkirchen und München-Riem. Jahrgang 47, Autor von zwölf Romanen und mehreren Lyrikbänden. Verlegt wurde seine Romane iu.a. in Japan, Frankreich, Italien, Polen und Russland. „Dunkler Gefährte“ wurde für den Hammett-Prize nominiert. Er lebt mit seiner Frau in San Francisco.

Ulrich Kersten

Jörg Fauser

Jim Nisbet

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LOST VOICES #10