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Rund um Energie III Umwelt III Wirtschaft III Nachhaltigkeit DEZEMBER 2016

GEH DOCH STIFTEN Wer endlich etwas „bewegen“ oder der Gesellschaft „zurückgeben“ möchte, gründet eine Stiftung. Meist wird daraus eine Herzensangelegenheit.

STREITFALL: ERDGAS IM EMSLAND Seite 14 AM E-AUTO KOMMT KEINER MEHR VORBEI Seite 20 ETHISCHE GELDANLAGEN LOHNEN SICH IMMER Seite 24 EINE BEILAGE IN DER SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG


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Spektrum

Klimakiller Landwirtschaft

NEWS ZU ENERGIE UND NACHHALTIGKEIT

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Stiftungen wirken MEISTENS EINE HERZENSANGELEGENHEIT

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Im Gespräch WERNER MANTL, LEITER GENERATIONENUND STIFTUNGSMANAGEMENT DER STADTSPARKASSE MÜNCHEN

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Noch brennt die Flamme S T R E I T FA L L E R D GA S A U S DEM EMSLAND

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Am E-Auto kommt keiner vorbei DIE AUTOMOBILHERSTELLER DENKEN UM

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OPFER UND TÄTER ZUGLEICH Wenn sich das Klima ändert, leidet in vielen Ländern vor allem die Landwirtschaft. Andererseits ist sie einer der Hauptverursacher des Klimawandels. 2014 stammten nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 58 Prozent der Methan-Emissionen und 79 Prozent der Lachgas-Emissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft. Dazu kommen rund 66 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Fällt der Kohlendioxid-Ausstoß im Vergleich zu anderen Verursachern nicht so stark ins Gewicht, wirken Methan und Lachgas umso schwerer. Methan gilt als 25-mal stärker klimarelevant als Kohlendioxid, Lachgas sogar als 300-mal stärker. Methan

Ethische Geldanlagen GUT FÜRS GEWISSEN, GUT FÜR DIE UMWELT

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Neue Jobs braucht das Land D I E E N E R G I E W E N D E FO R D E RT NEUE BERUFSBILDER

Kolumne DIE ZUKUNFT KOMMT BESTIMMT

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IMPRESSUM Herausgeber: SZ Scala GmbH Geschäftsführer: Stefan Hilscher, Dr. Karl Ulrich Redaktionsleitung: Hartmut E. Rätsch Redaktion: Claudia Biehahn, Katrin Lange Gestaltung: Kathrin Schemel Lektorat: Egbert Scheunemann Anzeigen und Advertorials: Daniela Schräder, Anschrift wie Verlag, Telefon 089/2183-7215, Fax -7201 Illustration Titel: Elke Ehninger Verlag: SZ Scala GmbH, Hultschinerstr. 8, 81677 München Herstellung: Hermann Weixler Litho: Compumedia GmbH, 80687 München Druck: TSB Mönchengladbach, Grunewaldstr. 59, 41066 Mönchengladbach. Das Magazin wird der Gesamtauflage der Süddeutschen Zeitung beigelegt.

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Dieses Druckerzeugnis ist mit dem Blauen Engel zertifiziert.

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entsteht in Fermentationsprozessen im Magen von Wiederkäuern oder wird in der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung freigesetzt. Lachgas wird zum Beispiel bei der Düngung mit Stickstoff frei oder bei der Ausbringung von Gärresten aus der Biogasproduktion. Die Landwirtschaft ist damit der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland.


SPEKTRUM

Das schmelzende Eis macht es möglich: Immer weiter dringt der Mensch in bisher unzugängliche Gebiete der Arktis vor.

Fischfang im Nordpolarmeer

ERSTE SCHRITTE ZUM SCHUTZ DER ARKTIS

Fotos: Fotokostic/Fotolia, Pley/iStockphoto

Das schmelzende Eis in der Arktis weckt viele Begehrlichkeiten. Nicht nur nach den Schätzen im Meeresboden, sondern auch im Wasser: Immer weiter stoßen industrielle Fischfangflotten mit ihren zerstörerischen Grundschleppnetzen in Richtung Nordpol vor, um sich den Fischreichtum im Nordpolarmeer zu erschließen. Der Kabeljaubestand der Barentssee gilt als der derzeit größte weltweit. Schon jetzt stammen mindestens 70 Prozent des atlantischen Kabeljaus von dort, das zeigt ein Report der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Doch seit dem Sommer gibt es einen weiteren Erfolg, um das empfindliche Ökosystem zu schützen. Nachdem sich 2015 die Arktis-Anrainerstaaten auf ein Fischfangverbot in den internationalen Gewässern rund um den Nordpol geeinigt hatten, ge-

lang Greenpeace kürzlich ein wichtiger Schritt zum Schutz speziell der norwegischen Barentssee. Die wichtigsten Fischereifirmen verpflichteten sich dazu, keinen Kabeljau mehr aus den bisher eisbedeckten Gewässern zu fangen, zu verarbeiten und zu verkaufen. Die gesamte norwegische Hochsee-Fischereiflotte ist dabei, ebenso große Konzerne wie McDonald’s, Iglo, die britische Supermarktkette Tesco sowie der größte Verarbeiter von gefrorenem Fisch in Europa, Espersen. Greenpeace appellierte an die norwegische Regierung, „zur Industrie aufzuschließen und das Gebiet permanent unter rechtlichen Schutz zu stellen". In der nördlichen Barentssee gibt es Kaltwasserkorallen, verschiedene Walarten, Eisbären, Walrösser und einige der weltweit größten Seevögelkolonien wie die von Papageitauchern oder Lummen.

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Mal die Fläche Deutschlands – um so viel hat das Eis in der Arktis in diesem Jahr abgenommen: 2,8 Mio. Quadratkilometer waren es im September weniger als im langjährigen Mittel, verzeichnete das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Damit erreichte das arktische Meereseis seinen zweitniedrigsten Wert nach dem Negativ-Rekord 2012. 4/2016 LUX 360° 3


SPEKTRUM

Fairphone-Gründer Bas van Abel

Blauer Engel und Deutscher Umweltpreis für das Fairphone

MIT GUTEM GEWISSEN TELEFONIEREN Ein Handy besteht aus etwa 1.200 Einzelteilen. Wenn ein Teil darin defekt ist, braucht man in der Regel ein neues Gerät. Nicht so beim neuen Fairphone 2. Das Smartphone lässt sich wie ein Legobausatz auseinandernehmen, reparieren und recyceln. Unter anderem deshalb darf das in den Niederlanden hergestellte Fairphone 2 als erstes Smartphone den Blauen Engel tragen. Zudem wurde Fairphone-Gründer Bas van Abel im Oktober mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Der Niederländer erhielt den höchsten europäischen Um-

weltpreis für seine Mission, ein Smartphone möglichst ohne Ausbeutung von Mensch und Natur zu produzieren. Das Unternehmen verwendet Mineralien, die aus konfliktfreien Förderstätten stammen und verbessert ständig die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung. Van Abel hofft, dass er mit seiner Idee auch andere Produzenten von Konsumgütern dazu ermutigt, neue Wege zu gehen. Die ersten Besteller des Fairphones mussten den Kaufpreis von 325 Euro noch vorschießen, damit die Geräte gebaut werden konnten. Mittlerweile hat das Amsterdamer Unternehmen mehr als 110.000 Smartphones verkauft, rund die Hälfte davon in Deutschland.

FORSCHUNGSPROJEKTE: KOHLENSTOFF AUS BIOMASSE Unis suchen deshalb, unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), nach alternativen Kohlenstoffquellen. Im Projekt „OptiMeOH“ soll Methanol aus organischen Reststoffen synthetisiert werden. In einem ebenfalls vom BMBF geförderten Projekt ge-

hen Forscher eines Unternehmenskonsortiums den umgekehrten Weg und versuchen, das Treibhausgas CO2 sinnvoll zu verwenden. Mit dem Projekt „CO2 Lubricants“ soll Kohlendioxid aus der Atmosphäre oder aus Abgasen in Schmierstoffe umgewandelt werden.

Klimaschutz-Wettbewerb

WELCHE SCHULE SPART AM MEISTEN ENERGIE? Schüler und Lehrer können sich bis 15. Januar 2017 mit ihren Klimaschutzprojekten wieder beim „Energiesparmeister-Wettbewerb“ bewerben. Zum neunten Mal sucht die gemeinnützige co2online GmbH gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium das beste Klimaschutzprojekt an deutschen Schulen. Der Siegerklasse winken in jedem Bundesland 2.500 Euro sowie eine Projektpatenschaft aus Wirtschaft oder Gesellschaft. Über den Bundessieger und zusätzliches Preisgeld entscheidet im Februar 2017 eine Internet-Abstimmung. 2015 haben 32.000 Schüler aus rund 300 Schulen teilgenommen. Die Bewerbung ist möglich auf www.energiesparmeister.de 4

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Foto: co2online, Faiphone (2), Rawpixel/iStockphoto, Joel Carillet/ iStockphoto

Rund 70 Prozent der chemischen Erzeugnisse werden aus Erdöl gemacht. Auf Kohlenstoff als Basis der wichtigsten Chemikalie Methanol kann die ChemieIndustrie auch in Zukunft nicht verzichten. Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und anderer


SPEKTRUM

KAMIKATSU – DIE STADT, DIE MÜLLFREI WERDEN WILL Noch vor 15 Jahren verbrannten die Einwohner der japanischen Kleinstadt Kamikatsu ihren Müll öffentlich. Heute recyceln sie 80 Prozent, in vier Jahren sollen es 100 Prozent sein. 2003 gab sich die Kommune ein striktes Mülltrennungs- und Müllvermeidungskon-

zept, über das am Anfang die wenigsten begeistert waren. Die rund 1.700 Einwohner müssen ihren Müll in 34 Kategorien sortieren, reinigen und selber im Sammelzentrum der Stadt abgeben. Mittlerweile hätten sich die Menschen daran gewöhnt, sagt Akira Sakano, Vor-

standsfrau bei der „Zero Waste Academy“, einer Non-Profit-Organisation, die die „Zero Waste“ Strategie in Japan verbreiten will. Der Kommune spare das Konzept zwei Drittel der Entsorgungskosten. In Deutschland werden etwa zwei Drittel des Hausmülls recycelt.

Saubere Schifffahrt

REGENERATIVES METHAN STATT SCHWERÖL Die meisten Schiffe auf den Weltmeeren fahren mit Schweröl, sie tragen damit erheblich zu Klimawandel und Versauerung der Meere bei. Eine umweltfreundlichere Alternative könnte synthetisch hergestelltes Methan sein, so das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Synthetisches Methan wird im „Power-to-Gas-Verfahren“ gewonnen: Mithilfe überschüssigen Ökostroms wird aus Wasser via Elektrolyse Wasserstoff gewonnen, der mit – vorzugsweise biogenem –

Kohlendioxid zu Methan umgewandelt wird. Das Methan wird anschließend zu LNG (Liquified Natural Gas) verflüssigt. „Die Technik wird in der Binnenschifffahrt bereits eingesetzt. Dabei werden kaum noch Feinstaubpartikel ausgestoßen“, erklärt ZSW-Wissenschaftler Dr. Michael Specht. Wenn LNG auf Öko-Strom basiere, würden Schiffe damit künftig kohlendioxidneutral und schwefeldioxidfrei fahren.

Mobilität auf Bestellung

HELSINKI REVOLUTIONIERT DEN NAHVERKEHR

Die gute alte Straßenbahn – neu eingefädelt

Die finnische Hauptstadt Helsinki hat einen ambitionierten Plan: Sie will bis 2025 den öffentlichen Verkehr in ein "Mobility as a Service"System ummodeln. So nennt die Verkehrsplanerin Sonja Heikkilä ihr Konzept, das alle Transportangebote der Stadt in einem einzigen Service miteinander verbinden will. Die Einwohner Helsinkis sollen sich künftig per Smartphone-App ihr individuelles Mobilitätspaket bestellen können, exakt auf ihre Ansprüche zuge-

schnitten. Das kann eine Mischung aus Carsharing-Angeboten, Elektroautos, Bus- und Bahnlinien, Mietautos oder Fahrrädern sein. Das Ziel: Private Pkw sollen auf diese Weise überflüssig werden. Seit drei Jahren gibt es in Helsinki schon Kutsuplus, ein innovatives Minibus-System, mit dem die Fahrgäste die Haltestellen und Streckenführung selbst festlegen können. Aus den Wünschen kalkuliert die App die für alle Interessenten möglichst optimale Route. 4/2016 LUX 360° 5


STIFTUNGEN

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STIFTUNGEN

ENDLICH ETWAS BEWEGEN! Wer sein Geld sinnvoll anlegen möchte, steht vor vielen Fragen. Wo bekomme ich noch wie viel Zinsen? Wohin fließt mein Geld? Werden möglicherweise Projekte und Unternehmen gefördert, die nicht in meinem Sinne sind? Und gibt es Alternativen? Wie wäre es da mit der Gründung einer Stiftung? Meist wird daraus eine Herzensangelegenheit, bei der der Stifter etwas „anschieben“ und der Gesellschaft „zurückgeben“ möchte. Deutschland ist eines der stiftungsreichsten Länder Europas. Aktuell gibt es derzeit über 21.300 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Zusammen verfügen sie über ein Vermögen von 70 Milliarden Euro. VON MONIKA GOETSCH

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STIFTUNGEN

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Kein Geld zu haben, ist ein Problem. Geld zu haben, wirft allerdings auch einige Fragen auf. Zunächst scheint die Sache klar. Man sorgt für sich und die Seinen. Aber was ist mit dem Geld, das man selbst nicht braucht? Soll man es ausgeben oder anlegen, verschenken oder spenden oder irgendwann vererben? Und wenn ja: an wen?

meinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke, darf der Stifter mit steuerlichen Vorteilen rechnen. Aber nicht selten sind es echte Herzensangelegenheiten, die Stifter dazu antreiben, mit viel Zeit und Kraft für das Gemeinwohl tätig zu sein. Wer kann und will, macht daraus einen Fulltimejob.

DIE ELIZABETH TAYLOR AIDSFOUNDATION (ETAF)

DIE SCHÜTT-STIFTUNG IM DEUTSCHEN STIFTUNGSZENTRUM

Die Schauspielerin Elizabeth Taylor stellte hierzu eine rein rhetorische Frage. „Wozu ist Geld gut, wenn nicht, um die Welt zu verbessern?“ Für sie war die Antwort klar: Geld sollte arbeiten, für die gute Sache. Als sie darum 1991 eine Stiftung gründete, war ihr alter Freund und Kollege Richard Burton gerade sechs Jahre tot, verstorben an AIDS, einer Krankheit, über die man viel zu wenig wusste. Die „Elizabeth Taylor AIDS-Foundation“ (ETAF) machte sich zum Ziel, Erkrankten zu helfen. Später beschloss Taylor, auch die Aufklärung der Krankheitsursachen zu unterstützen. Ein Vierteljahrhundert ist seither vergangen. 17 Millionen Dollar hat die Stiftung Elizabeth Taylors bis zum heutigen Tag abgeworfen und in über 600 Projekte gesteckt. Unermüdlich trieb die Prominente Spenden ein. Auch nach ihrem Tod 2011 bleibt die Stiftung aktiv für die Bekämpfung von AIDS in der Welt. Die ETAF zeigt, wie nachhaltig Stiftungen arbeiten. Eine Stiftung ist eine Geldanlage, die Gutes in die Zukunft trägt, über den Tod des Stifters hinaus. Als Vorbild taugt die Stifterin Elizabeth Taylor allerdings nur bedingt. Denn sie war nicht nur ein klein bisschen vermögend – sondern wurde in den neunziger Jahren vom Magazin Forbes als eine der reichsten Frauen Amerikas gelistet. Und sie besaß genug schillernde Prominenz, um betuchte Spender aller Sparten für ihre Sache zu gewinnen. Eine solche Erfolgsstory lässt sich nicht einfach kopieren. Und doch kann es sinnvoll sein, eine Stiftung zu gründen – etwa wenn der Erlös aus einem Hausverkauf ansteht, ein umfangreiches Erbe fließt oder unklar ist, wem man nach dem eigenen Tod etwas vermachen möchte. 50.000 Euro, so die Faustformel, sollten im Normalfall zur Verfügung stehen. Wirklich nachhaltig arbeitet eine Stiftung in Niedrigzinszeiten allerdings nur, wenn Spenden und anderes Vermögen hinzukommen. Sicher: Zunächst ist es ein rein altruistischer Akt, eine Stiftung zu gründen. Der Geldgeber verzichtet schließlich endgültig auf einen Teil des eigenen Vermögens. Aber mit dem Geld, das in die Stiftung fließt, verwirklicht er auch ein persönliches Ziel. Verfolgt die Stiftung ge-

So wie Ute Schütt, die im Jahr 2009 ihre Anteile an einer Biotechnologiefirma verkaufte und damit plötzlich vermögend war. Natürlich hätte sie das Geld einfach ertragreich anlegen können. Stattdessen nahm sie es in die Hand, um, wie sie sagt, „etwas anzuschieben und zurückzugeben“. Ute Schütt, 63, kommt aus einer Großfamilie, in der Solidarität ein hohes Gut war. Vielleicht entschloss sie sich darum, ihr Geld so anzulegen, dass es anderen nützt. Eine lebendige Stiftung schwebte ihr vor, mit einem Anliegen, hinter dem sie hundertprozentig stehen konnte.

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EINE ERSTE IDEE: Projektförderung Generation 2017 nennt sich die Ausschreibung, auf die sich Schulen in Berlin und Brandenburg mit eigenen Mehrgenerationenprojekten bewerben können.


STIFTUNGEN

„TREUHAND IST UNKOMPLIZIERTER UND DIESE KANN SPÄTER, FALLS ERFORDERLICH, IN EINE RECHTSFÄHIGE STIFTUNG UMGEWANDELT WERDEN.” Bereits in ihrer Zeit als Unternehmerin hatte sie die Frage beschäftigt, wie Generationen voneinander lernen können. So kristallisierte sich allmählich das Vorhaben heraus, eine Stiftung zu gründen, die Menschen verbindet und die Nachhaltigkeit der Generationen fördert. Von Anfang an war für sie klar: Sie würde selbst aktiv für ihre Stiftung tätig sein. Das Administrative allerdings wollte sie auslagern. Eine passende Möglichkeit bot ihr der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der das Stiftungswesen in Deutschland fördert. Über seine Tochtergesellschaft „Deutsches Stiftungszentrum“ betreut er über 610 Stiftungen, aus denen jährlich 120 Millionen Euro in gemeinnützige Zwecke fließen. Unter dem Dach des Stifterverbandes gründete Ute Schütt 2014 ihre Treuhandstiftung. Im Konsortium sitzen ihr Mann, ihre Nichte, ein Künstler und sie selbst. „Wir haben lange an unserem Claim gearbeitet“, sagt Ute Schütt. Es galt, ein erreichbares, relevantes und persönlich erfüllendes Stiftungsziel zu entwickeln, eines, für das sie ganz selbstverständlich brannte und brennt. Ein griffiges Motto fand sich auch: „Viele Generationen, ein Klang“. Eine ganze Menge Arbeit steckt Ute Schütt seither in ihre 2-Millionen-Stiftung (www.generationen-imeinklang.de). Unermüdlich ist sie unterwegs, lernt Menschen kennen, tauscht sich aus, um ein Netzwerk aufzubauen. „Man muss viel tun, wenn man keinen großen Namen hat, sondern nur ein Nobody ist mit einer Idee“, sagt sie. Eine erste Idee ist schon auf den Weg gebracht. Die Generationenwerkstatt einer Münchner Montessorischule hat Ute Schütt so begeistert, dass die Schütt-Stiftung jetzt Schulen zur Nachahmung anregen möchte: Projektförderung Generation 2017 nennt sich die Ausschreibung, auf die sich Schulen in Berlin und Brandenburg mit eigenen Mehrgenerationenprojekten bewerben können. Nicht nur Geld fließt an die geförderten Schulen, sie werden auch inhaltlich begleitet und dabei unterstützt, das Projekt nachhaltig zu finanzieren. Ute Schütt kann sich auch vorstellen, künftig Fundraising zu betreiben, wenn sich die Situation auf dem Kapitalmarkt nicht ändert. Die schlechte Zinssituation macht ihr zu schaffen. Auch über die Zukunft macht sie sich Gedanken. Irgendwann soll die Stiftung das Familienvermögen erben und selbstständig werden. „Ich hoffe, den Funken an Familienangehörige weiterzugeben“, sagt Ute Schütt.

DAS STIFTUNGSZENTRUM DES WORLD WILDLIFE FUND Wie Ute Schütt suchen auch andere Stifter einen starken Partner, der ihre Stiftung schützt und unterstützt. Der World Wide Fund For Nature (WWF) ist selbst eine der größten Natur- und Umweltschutzstiftungen und in 31 Ländern der Welt vertreten. Vor sieben Jahren gründete der WWF Deutschland darüber hinaus ein Stiftungszentrum – die Förderer, sagt Philanthropin Gaby Groeneveld, drängten darauf. Wer unter dem Dach des WWF eine Stiftung gründet, hat teilweise zuvor für die Organisation gespendet, befindet sich in der zweiten Lebenshälfte, ist interessiert an Natur und Umweltschutz. „Viele von ihnen reisen sehr gern und haben die Welt kennengelernt“, erzählt Groeneveld. Sie hilft potenziellen Stiftern dabei, ihr Lieblingsprojekt zu finden.  Zwanzig Stiftungen wurden bislang gegründet, die meisten mit einem Betrag im fünfstelligen, einige wenige auch im sechsstelligen Bereich. Steht das Stiftungsthema fest, fließen die Gelder in ein Projekt, das der WWF im Portfolio hat. So hat sich etwa eine Stifterin für Eisbären und Klimaschutz entschieden – und finanzierte von den Zinsen und Spenden ihrer Stiftung ein Schneemobil, mit dem die Wildhüter die Eisbären beobachten und zählen können. Meist rät Groeneveld zur Gründung einer Treuhandstiftung. „Treuhand ist unkomplizierter, die Verwaltungskosten sind geringer, und falls erforderlich kann diese später auch in eine rechtsfähige Stiftung umgewandelt werden“, sagt sie. Für den WWF lohnen sich die Stiftungen vor allem dann, wenn die Stifter Spenden eintreiben – die Zinserträge sind ja derzeit leider gering. Große Projekte können in der Regel nicht von einem Stifter allein finanziert werden, sagt Groeneveld, schön ist aber, dass der Stifter näher an die Projekte heranrückt, da sich Stifter oft für ein Projekt entscheiden und dies über Jahre mit ihren Spenden begleiten. Umgekehrt profitieren die Stifter davon, die Arbeitsweise des WWF kennenzulernen. „Das ist eine besondere Bildungserfahrung“, sagt Groeneveld. 

A-WORLD-FOR-TIGERS

Die Heidelbergerin Dr. Tanja Schätz-Kruft hat 2012 mit Unterstützung des WWF ihre Stiftung www.a-world-for-tigers.org auf den Weg gebracht. „Natürlich habe ich mich zu Beginn gefragt, ob es überhaupt etwas bringt, eine Stiftung zu gründen, und ob ich damit wirklich einen Unterschied bewirken kann“, sagt die Projektmanagerin und Kommunikationsexpertin bei dem Softwareentwickler SAP SE. Um mit negativen Gedanken umzugehen, hat sie sich einen Leitsatz in 4/2016 LUX 360° 9


STIFTUNGEN

„ICH HABE MICH NOCH NIE IN MEINEM LEBEN SO GLÜCKLICH UND ERFÜLLT GEFÜHLT.”

EHRGEIZIGES STIFTUNGSZIEL: das Leben des Indochinesischen Tigers in Thailand und Myanmar sichern.

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Mensch etwas Kleines beiträgt, kommt letztendlich etwas schönes Großes dabei heraus.“ Stifterin zu sein ist für sie selbst auch eine emotional bereichernde Erfahrung: „Ich habe mich noch nie in meinem Leben so glücklich und erfüllt gefühlt“, sagt sie. Die Ziele, in denen sich deutsche Stifter und Stifterinnen verwirklichen, sind vielfältig, Bildung und Soziales nehmen einen wichtigen Platz ein. Umweltstiftungen dagegen sind, so der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Felix Oldenburg, „noch ein kleines, aber mittlerweile stark wachsendes Segment des Stiftungswesens“. Etwa 2.500 von insgesamt 21.300 Stiftungen engagieren sich im Bereich Umweltschutz. Stärke gewinnen diese auch aus gemeinsamen Arbeitskreisen. So haben sich die Umweltstiftungen auf dem Deutschen StiftungsTag in Karlsruhe 2015 auf ein „Leitbild klimafreundlicher Stiftungen“ geeinigt, das die wichtigsten Grundregeln klimafreundlichen Handelns im Arbeitsalltag von Stiftungen zusammenfasst. In der Oberstdorfer Erklärung zum Klimaschutz bekennen sich die Stiftungen dazu, die Nutzung erneuerbarer Energien zu unterstützen und sich für den Erhalt natürlicher Kohlendioxid-Senken einzusetzen. Umweltstiftungen, so Oldenburg, unterstützen auch die Umsetzung der Beschlüsse zum Atomausstieg. MIT WENIG GELD STIFTER WERDEN – GEHT DAS? Eine Stiftung zu gründen, setzt Kapital voraus – meistens jedenfalls. Aber auch wer wenig hat, kann sich an einer Stiftung beteiligen und so Ideen unterstützen, für die staatliche Hilfen nicht ausreichen. Bei der Umweltstiftung Greenpeace etwa kann Stifter werden, wer bereit ist, 2.500 Euro in die Umweltstiftung zu investieren. Eine Namenszustiftung ist ab 10.000 Euro möglich. Die Umweltstiftung Greenpeace fördert kleinere bis größere Projekte, etwa die Rettung der Mönchsgeier auf Mallorca oder Solarprojekte in den Anden. Noch weniger Kapital braucht, wer sich in der Deutschen Umweltstiftung engagieren will. Diese größte und älteste deutsche Bürgerstiftung vernetzt umweltinteressierte Menschen und setzt dabei mehr auf ideelle als auf materielle Förderung. „Wir sind nicht am Geld unserer Stifter interessiert, sondern an ihrem Engagement“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jörg Sommer. Konsequenterweise verlangt die Deutsche Umweltstiftung keine Mindestbeiträge. Nur einen symbolischen Euro entrichtet, wer Stifter sein will. Und diesen Wunsch haben ziemlich viele. 2.442 Stifterinnen und Stifter sind derzeit in der Deutschen Umweltstiftung engagiert. Sämtliche Umweltverbände haben sich der Stiftung angeschlossen. Es ist eine Stiftung der Vielen, nicht der Einzelnen. Ein Thinktank, der funktioniert. Und er zeigt: Eine Stiftung ist zwar eine gute Geldanlage. Aber letztlich verbessern Ideen die Welt.

Illustration: Elke Ehninger; Fotos: Jason Doly/iStockphoto, decisiveimages/iStockphoto

Haus und Büro gehängt, der sie immer wieder daran erinnert, dass Veränderung bei jedem einzelnen Menschen beginnt. Es handelt sich um ein Zitat Ghandis: „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“ Die Stiftung, die sie gemeinsam mit ihrem Mann gegründet hat, zielt darauf ab, das Überleben des Indochinesischen Tigers in Thailand und Myanmar zu sichern. Schätz-Kruft gefällt es, ganz konkrete Dinge innerhalb eines Gesamtprojektes zu unterstützen: eine neue Wasserstation, die Ausstattung der Wildhüter mit Digitalkameras und GPS-Geräten. Auf die kleinen Erfolge ihrer Stiftung ist sie stolz. „Global gesehen handelt es sich bei allem, was ich bisher bewirkt habe, natürlich um Kleinigkeiten. Aber jedes kleine Teil im Gesamtbild zählt. Wenn jeder


SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Stiftungs- und Dienstleisterverzeichnis BUNDESVERBAND DEUTSCHER STIFTUNGEN

GREEN CITY ENERGY AG

Mauerstraße 93 10117 Berlin T: 030 / 89 79 47-0 post@stiftungen.org www.stiftungen.org

Zirkus-Krone-Straße 10 80335 München T: 089 / 8 90 66 8 -344 Ansprechpartner: Frau Kathrin Enzinger Vertriebsleitung Ökologische Geldanlagen invest@greencity-energy.de, www.greencity-energy.de

Als unabhängiger Dachverband vertritt der Bundesverband Deutscher Stiftungen die Interessen der Stiftungen in Deutschland. Der größte Stiftungsverband in Europa hat mehr als 4.000 Mitglieder; über Stiftungsverwaltungen sind ihm 8.000 Stiftungen mitgliedschaftlich verbunden. Damit repräsentiert der Dachverband rund drei Viertel des deutschen Stiftungsvermögens in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro.

Die Green City Energy wurde 2005 als hundertprozentige Tochter der Münchner Umweltschutzorganisation Green City e.V. gegründet. Als alternativer Energiedienstleister bietet die Green City Energy AG sinnstiftende Anlagemöglichkeiten aus eigener Hand. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Lösung ökologischer Herausforderungen.

WALTER BLÜCHERT STIFTUNG

STIFTUNGSZENTRUM MÜNCHNER ROTES KREUZ

Eickhoffstraße 5 33330 Gütersloh T: 05241 / 17 94 9 - 14 Ansprechpartner: Frau Silke Hanheide info@walter-bluechert-stiftung.de www.walter-bluechert-stiftung.de

Seitzstraße 8 80538 München T: 089 / 23 73 - 135 Ansprechpartner: Herr Dr. Peter Behrbohm stiftungszentrum@brk-muenchen.de www.brk-muenchen.de/sie-koennen-helfen/mit-ihrer-stiftung

Die Walter Blüchert Stiftung unterstützt mit Partnern bewährte Projekte und entwickelt eigene Programme, damit Menschen Herausforderungen meistern, gesellschaftliche Barrieren überwinden und ihre Potenziale besser nutzen können. Denn geringfügige Investitionen in frühzeitige Prävention ziehen lebenslange Erfolge nach sich.

Das Stiftungszentrum fördert die Arbeit des BRK-Kreisverbandes München insbesondere im Bereich der Jugend- und Altenhilfe, Behindertenhilfe, öffentlichen Gesundheitspflege sowie der freien Wohlfahrtspflege. Die Stiftungen verfolgen ausschließlich gemeinnützige oder mildtätige Zwecke und sind selbstlos tätig.

BAYERISCHE LANDESSTIFTUNG

STIFTUNG GUTE-TAT.DE

Alter Hof 2 80331 München T: 089 / 2 32 41 66 landesstiftung@bls.bayern.de www.bls.bayern.de

Ridlerstraße 31a 80337 München T: 089 / 45 47 50 04, Ansprechpartner: Frau Bauer-Wolfram muenchen@gute-tat.de www.gute-tat.de

Die 1972 gegründete Bayerische Landesstiftung fördert im kulturellen Bereich vor allem bauliche Maßnahmen der Denkmalpflege und der nicht-staatlichen Museen, im sozialen Bereich Bauprojekte der Alten-und Behindertenhilfe. Außerdem wird jährlich ein Kultur-, Sozial- und Umweltpreis vergeben.

„Jeder kann helfen und mit wenig Zeit viel bewegen.“ Unkompliziert und ohne langfristige Verpflichtung! Die Freiwilligenagentur bringt ehrenamtliche Helfer und Unternehmen mit sozialen Organisationen zusammen. Das Ziel ist es, zu zeigen, dass bürgerschaftliches Engagement den Einzelnen bereichert und die Gesellschaft stärkt.

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IM GESPRÄCH

„MEHR ALS NUR GELD“ Wer eine Stiftung gründen möchte, sollte sich über den Stiftungszweck Gedanken machen und fachlichen Rat einholen. Werner Mantl ist Leiter Generationen- und Stiftungsmanagement der Stadtsparkasse München und weiß, worauf es ankommt.

Wann und für wen kommt die Gründung einer Stiftung infrage? Werner Mantl: Voraussetzung ist, dass man über ein Vermögen verfügt, das für die Zukunft gesichert werden soll. Am Lebensende kann das eine wichtige Frage sein. Manche Menschen haben niemanden, der sich um sie kümmert. Oder sie wollen den Verwandten lediglich den Pflichtteil vererben. Sie möchten aber auch nicht, dass der Staat ihr Geld bekommt. Dann kann es eine gute Lösung sein, eine Stiftung zu gründen. Welche Vorteile haben die Institutionen, die Geld aus einer Stiftung erhalten? Mantl: Ein Beispiel: Der Tierpark Hellabrunn ist in München sehr beliebt. Viele möchten ihm etwas spenden. Manchmal ist es aber schwierig, besonders große Spenden zeitnah zu verwenden. Darum haben wir für den Tierpark einen Stiftungsfonds errichtet, in dem alle Zuwendungen ertragbringend angelegt werden. Das hat einen großen Vorteil. Eine Stiftung oder ein Stiftungsfonds schüttet jährlich Erträge aus, mit denen der Tierpark jedes Jahr rechnen kann. Und das im Prinzip unendlich lang. Wie legt man das Stiftungsgeld am besten an? 12

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Mantl: Unter Abwägung aller Chancen und Risiken empfehlen wir den Stiftungen, in verschiedene Anlageklassen wie Aktienfonds, gemischte Fonds, Rentenfonds oder Immobilienfonds zu investieren. Aber auch ein Direktinvestment etwa in eine Immobilie kann sinnvoll sein. Stiftungen dürfen riskant anlegen? Mantl: Abhängig von der Risikobereitschaft des Stiftungsvorstands darf das Stiftungsvermögen entsprechend angelegt werden. Das Grundstockvermögen und die Existenz der Stiftung dürfen dabei allerdings nicht gefährdet werden. Da die Stiftungsvorstände für etwaige Schäden haften, legen viele die Gelder konservativ an. Unsere Aufgabe ist es, die Stiftungsvorstände zu sensibilisieren, dass es fahrlässig sein kann, auf Erträge zu verzichten, nur um gar kein Risiko einzugehen. In Niedrigzinszeiten: Ist die hohe Zeit der Stiftungen vorbei? Mantl: Der Grundgedanke, nachhaltig etwas Gutes zu tun, bleibt aktuell. Man kann seinen Namen in die Zukunft tragen und fördern, was einem am Herzen liegt. Allerdings muss man die Vermögensanlage heute anders angehen als früher. Außerdem ist Fundraising, die höchste Form des Spendeneintreibens, von besonderer Relevanz. Was geschieht, wenn der Zweck einer Stiftung erfüllt ist? Mantl: Schon bei der Gründung ist darauf zu achten, dass es mehrere Stiftungszwecke gibt, damit eine Stiftung wirklich niemals endet. Verlangt die Bank Geld dafür, das Vermögen zu verwalten? Mantl: Nein. Unser Ziel ist ja, dass das Vermögen bei uns verwaltet wird. Sie raten häufig zu Treuhandstiftungen. Warum? Mantl: Eine rechtlich selbstständige Stiftung braucht einen Stiftungsvorstand, der dafür lebt. Aber die Stiftungsvorstände werden älter, Freunde, Bekannte oder Verwandte könnten

mit dem Ehrenamt überfordert sein. Häufig ist es schwierig, einen Nachfolger zu finden. Darum raten wir dazu, dass zertifizierte Treuhänder Verwaltung und Buchhaltung übernehmen. Kommt trotzdem noch viel Arbeit auf einen zu, wenn man eine Stiftung gründet? Mantl: Nur ein bisschen Papierkram. Der Stiftungsvertrag muss unterschrieben, das Testament gemacht, eine Vertretung oder ein Treuhänder bestimmt werden, das ist alles. Wer will, kann sich stark einbringen, aber das muss nicht sein. Haben denn überhaupt viele Menschen das Potenzial, Stifter zu sein? Mantl: In Großstädten wie München ist man häufig Millionär allein durch Wohnungseigentum. Das Geld einer solchen Immobilie kann nach dem Ableben in einer Stiftung aufleben und anwachsen. Wie viel Ertrag springt heraus? Mantl: Bei einem Stiftungsvermögen von einer Million kann mit zwei Prozent Ertrag gerechnet werden, über Dividendenausschüttung und aus Immobilienfonds. Jahr für Jahr wären das 20 000 Euro. Damit lässt sich schon Gutes tun. Und das tut auch den Stiftern gut. Inwiefern? Mantl: Ich hatte eine Kundin, eine ältere Dame, die wusste, dass sie sterben musste. Eigentlich wollte sie mehreren verschiedenen Institutionen Geld zukommen lassen. Wir haben ihr stattdessen den Stiftungsgedanken nahegelegt. Damit das Geld nicht nur einmal wirkt und dann verschwindet. Als alles unter Dach und Fach war, fühlte sich die Stifterin wie befreit. Sie lebte noch einige Monate, es war eine gute Zeit. Umgekehrt weiß ich aber auch aus der Kundenbetreuung, wie schlecht es sich anfühlen kann, zu keiner Entscheidung zu finden. Es geht hier um mehr als nur um Geld, es geht um etwas Unendliches. Wenn die Menschen wüssten, was sie bewegen können, würden viel mehr Stiftungen gegründet.


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ERDGASFÖRDERUNG IN DEUTSCHLAND

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ERDGASFÖRDERUNG IN DEUTSCHLAND

NOCH STRÖMT DAS GAS Seit den 1950er Jahren wird im norddeutschen Flachland Erdgas gefördert. Das heimische Gas macht Deutschland unabhängiger von Importen. Doch die Fördermenge nimmt seit Jahren ab. Die Vorkommen erschöpfen sich, neue Bohrungen finden keine Akzeptanz mehr. Die Menschen haben Angst vor den Folgen.

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ERDGASFÖRDERUNG IN DEUTSCHLAND

rüne Wiesen, Holsteiner Kühe, alte Bauernhöfe – und mitten in dieser Idylle immer mal wieder ein schlanker Bohrturm oder eine konstant nickende Pferdekopfpumpe. Niedersachsen ist nicht nur ein Agrarland, sondern auch so etwas wie das deutsche Texas. Seit mehr als 150 Jahren wird aus dem Boden der Norddeutschen Tiefebene Erdöl, seit mehr als 60 Jahren Erdgas geholt. 95 Prozent des in Deutschland produzierten Erdgases kommen aus Niedersachsen: aus dem Emsland, aus dem südlichen Oldenburg, den Landkreisen Nienburg und Diepholz und der Region rund um Rotenburg (Wümme). Im letzten Jahr waren es rund neun Milliarden Kubikmeter. Genug zum Heizen und Kochen für rund fünf Millionen Haushalte. DIE BRÜCKENTECHNOLOGIE Erdgas ist nach Erdöl immer noch der wichtigste Energieträger in Deutschland. Gas wird vor allem zum Heizen genutzt, spielt aber auch im Verkehr eine immer größere Rolle. Unter den fossilen Energieträgern hat Erdgas den besten Ruf, weil es die beste CO2-Bilanz hat. Bei der Verbrennung entstehen 25 Prozent weniger Treibhausgase als bei Öl und 30 bis 35 Prozent weniger als bei Kohle. Erdgas enthält keine Aromaten und wesentlich weniger Schwefel als Kohle und Öl. Dazu kommt ein weiterer großer Vorteil: Gas-Kraftwerke können Schwankungen in der Versorgung mit erneuerbaren Energien perfekt ausgleichen, weil sie flexibel regelbar sind. Aus all diesen Gründen gilt Erdgas als Partner der Energiewende und beste Brückentechnologie in ein Zeitalter ohne fossile Brennstoffe. Doch obwohl Deutschland noch beachtliche Gasvorkommen hat, ist die heimische Produktion seit Jahren rückläufig. Im Vergleich zum Jahr 2000 zum Beispiel hat sich die deutsche Erdgas-Förderung schon mehr als halbiert. Die vorhandenen Lagerstätten erschöpfen sich. Neue Bohrungen gab es in den letzten Jahren kaum noch, vorhandene Kapazitäten wurden aus politischen Gründen nicht weiter ausgebaut. Der heimische Bedarf von im letzten Jahr rund 88 Milliarden Kubikmetern wird mittlerweile zu über 90 Prozent aus Importen gedeckt. Der wichtigste Lieferant ist

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Russland, danach kommen Norwegen und die Niederlande. Der Grund: Erdgas hat in Niedersachsen seit einiger Zeit ein schweres Imageproblem. Quer durchs Land ist das Misstrauen der Bevölkerung gegen die Erdgasproduktion und die fördernden Unternehmen – die wichtigsten sind ExxonMobil, die RWE Dea AG und die BASF-Tochter Wintershall – enorm gestiegen. Nicht wenige Lokalpolitiker fordern einen kompletten Förderstopp. Zu gefährlich erscheinen ihnen mittlerweile die Konsequenzen der Erdgas-Förderung. Da sind zum Beispiel die Erdbeben, die immer öfter in der Nähe eines Erdgasfeldes auftreten. Seit Oktober 2014 zählte der Niedersächsische Erdbebendienst 13 Erdstöße mit Stärken zwischen 1,5 und 3,1. Seit 2007 waren es sogar rund 40. Zuletzt bebte die Erde im April dieses Jahres im Ort Langwedel im Landkreis Verden. Rund 200 Häuser hatten danach Risse in den Wänden. Dass die Gasförderung die Ursache ist, gilt auch dem Niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie als sehr wahrscheinlich. AUFFÄLLIGE STATISTIKEN Und dann sind da die Krebsfälle um Rotenburg/Wümme, die den Menschen in der Region Angst machen. Laut dem Epidemiologischen Krebsregister in Niedersachsen (EKN) ist die Zahl der Krebsfälle in der 20.000 Einwohner-Stadt Rotenburg und in der Gemeinde Bothel zwischen 2003 und 2012 statistisch auffällig angestiegen. Besonders häufig traten Leukämien und Lymphome auf. Betroffen sind Männer über 60. Über die Ursache der Krebsfälle gibt die Statistik keine Auskunft, doch Umweltschutzverbände und die Bürgerinitiativen vor Ort vermuten einen Zusammenhang mit der Erdgas-Förderung in der Region. Das Gas gilt ihnen keineswegs mehr als sauber. Denn wenn man nach Öl und Gas bohrt, kommt aus der Tiefe nicht nur der gewünschte Rohstoff nach oben, sondern auch hoch-

salziges Wasser, das dazu meist noch viele gesundheitsgefährdende Stoffe enthält: Kohlenwasserstoffe wie Benzol zum Beispiel, Schwermetalle wie Quecksilber und auch radioaktive Substanzen. Dieses flüssige Abfallprodukt der Gasgewinnung treibt die Menschen vor Ort um: Die Unternehmen pressen es zurück in den tiefen Untergrund. Wenn es geht dorthin, wo es ursprünglich mal herkam. Doch es wurde auch schon in höher gelegene Schichten versenkt, von wo es wieder aufsteigen und ins Grundwasser gelangen könnte, fürchten Kritiker. Durch undichte Rohrleitungen ist auch schon Lagerstättenwasser ins Erdreich gelangt. REIZTHEMA FRACKING Gesundheitsgefährdende Stoffe könnten durch die Verbrennung von Rückständen aber auch in die Luft gelangt sein oder sich in den rund 500 übers Land verteilten Schlammgruben befinden, in die man bis in die 1960er Jahre die Spülrückstände aus den Bohrungen gekippt hat, sorgen sich Bürgerinitiativen und Umweltschutzverbände. „Eine Zeitbombe“ nennt das alles der Umweltmediziner PaulMatthias Bantz, der Anfang des Jahres zusammen mit über 200 weiteren Ärzten aus der Region in einem offenen Brief an das niedersächsische Gesundheitsministerium eine wissenschaftliche Untersuchung der möglichen Zusammenhänge forderte. Und dann ist da noch das Haupt-Reizthema Fracking. Beim Fracking werden mit hydraulischem Druck über ein Bohrloch Risse im Untergrundgestein erzeugt, in dem Gas gespeichert ist. Die Methode ist immer dann eine Option, wenn Gasmoleküle nicht frei zum Bohrloch fließen können, sondern fest im Gestein eingeschlossen sind. Dazu wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem Druck in das Speichergestein gepresst. Die Gasmoleküle können über die entstandenen Risse zur Bohrung und nach oben strömen. Der Sand und die Chemikalien halten die entstandenen Risse offen. Fracking-

ERDBEBEN, KREBS UND FRACKING – PLÖTZLICH HAT ERDGAS IN NIEDERSACHSEN EIN IMAGEPROBLEM.

Fotos: Nicholas/iStockphoto, Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e. V.

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THEMA

Weil es ein Thema für die Energiezukunft ist. Erdgas aus Norwegen ist die emissionsarme und kosteneffektive Antwort auf Deutschlands Energiefragen. Und umso wichtiger, wenn es um eine klimaschonende Energiewende geht: Mit 50 % weniger CO2-Emissionen als Kohle und flexibleren Einsatz- und Speichermöglichkeiten ist es die optimale, schwankungsausgleichende Ergänzung zu erneuerbaren Energien. Mehr Information auf statoil.de

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ERDGASFÖRDERUNG IN DEUTSCHLAND

Befürworter glauben, dass die Frack-Flüssigkeit unter den Gesteinsschichten verschlossen bleibt. Kritiker sorgen sich, dass die Flüssigkeit durch Risse in darüber liegende Grundwasserschichten eindringen könnte. Mithilfe dieser Technologie wird in Niedersachsen schon seit über 50 Jahren das sogenannte „Tight Gas“ gefördert. Das sind Gasvorkommen, die in Sandsteinschichten in über 3.000 Metern Tiefe eingeschlossen sind. „Konventionell“ wird dieses Fracking genannt. Im Gegensatz zum „unkonventionellen“ Fracking, das sich auf die noch unerprobte Förderung von Gas aus Schiefer-, Ton-, Mergelgestein oder Kohleflözen bezieht. Über ein Drittel des in Niedersachsen geförderten Erdgases stammt aus „Tight Gas“-Lagerstätten, doch seit 2011 ruht diese Art Fördertätigkeit. Die Erdgasförderer hatten aufgrund des

"WIR HABEN JETZT ENDLICH EINEN RECHTLICHEN RAHMEN, DER DIE ÖFFENTLICHKEIT MIT EINBEZIEHT." starken Drucks aus der Bevölkerung und der Politik bis zu diesem Sommer freiwillig darauf verzichtet, neue Fracking-Anträge zu stellen – in der Erwartung, dass die Bundesregierung das umstrittene Thema gesetzlich neu regelt. Das ist mittlerweile passiert. Der Bundestag hat im Juni „das Regelungspaket Fracking“ verabschiedet, das das sogenannte „unkonventionelle“ Fracking bis 2021 verbietet. Danach wird neu entschieden. Nur vier Probebohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken sind bis dahin in „unkonventionellem“ Gestein erlaubt. Für die bisher schon üblichen

TEKTOMECHANIK – EINE NEUE CHANCE? Bei der Suche nach Erdgas geht nun ein Unternehmens-Konsortium in Nordrhein-Westfalen neue Wege. In der Region um die Stadt Hamm will der Firmenverbund HammGas in bisher unberührten Steinkohle-Flözen Erdgas aufstöbern und nach oben befördern. Und das ganz ohne Fracking. In dem Pilotprojekt bedienen sich die vier unter dem Namen HammGas zusammengeschlossenen Firmen als erste in Deutschland der sogenannten Tektomechanik. Anders als der Name vermuten lässt, ist die Tektomechanik eine reine Analysemethode. Sie wurde im Steinkohlenbergbau entwickelt, ursprünglich, um eingeschlossenes Gas und Wasseradern zu umgehen. Die moderne Tektomechanik nutzt diese Erkenntnisse aus Jahrzehnten des Bergbaus und kombiniert sie mit neuen wissenschaftlichen Untersuchungen und geologischen Daten, um das in den Rissen und Spalten des unterirdischen Steinkohlegebirges gespeicherte Flözgas und seine natürlichen Fließwege zu

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bestimmen. Die Tektomechanik, sagen die Betreiber, ermögliche eine weitaus präzisere Analyse des Untergrundes als traditionelle Methoden. Stoßen die Ingenieure aufgrund der Daten auf vielversprechende Gasvorkommen, gibt es Probebohrungen, und das Gas wird – wenn es sich lohnt – auf herkömmliche Weise gefördert. Das heißt, das Gas strömt allein durch den Druck in der Tiefe durch die Leitung nach oben. Im August fand bereits eine erste Bohrung bis zu rund einem Kilometer Tiefe statt. Nun läuft die Testphase, die Aufschluss über Volumen, Druck, die Durchlässigkeit des Gebirges, die Fließraten und die Gasqualität geben soll. In der Region um Hamm hoffen die vier in HammGas zusammengeschlossenen Firmen auf rund 100 Milliarden Kubikmeter Gas. „Davon wären rund zehn Milliarden Kubikmeter förderbar“, sagt ein Unternehmenssprecher. Die Vorkommen sollen etwa 20 bis 30 Jahre für die Versorgung des Großraums Hamm reichen.

konventionellen Frackings gelten nun erheblich schärfere Regeln. Unter anderem sind bei jedem künftigen Vorhaben Umweltverträglichkeitsprüfungen mit Beteiligung der Öffentlichkeit verpflichtend, die Beweislast bei Bergschäden ist umgekehrt worden – eine Stärkung der Rechtsposition von Privatleuten, deren Häuser zum Beispiel bei Erdbeben beschädigt wurden. Christoph Löwer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie e. V. (BVEG), kritisierte das FrackingVerbot im „unkonventionellen Gestein“, begrüßte aber das „Ende des Stillstandes“. Mit den neuen Regelungen würden „spürbare Verschärfungen geschaffen“, aber auch eine tragfähige Basis für die Fortsetzung der traditionellen Rohstoffgewinnung“. TRANSPARENZ SCHAFFT VERTRAUEN Bringt das neue Gesetz das Vertrauen in die Erdgasförderung zurück? Andreas Sikorski, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), hofft das sehr. „Wir haben jetzt endlich einen rechtlichen Rahmen, der die Öffentlichkeit mit einbezieht und Transparenz herstellt“, meint der Chef der niedersächsischen Bergbau-Genehmigungsbehörde, die sich aber auch selbst der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit sehr bewusst sei und die Bürger umfassend und beständig informiere. Zum Beispiel über die verschiedenen Untersuchungsprogramme rund um die niedersächsischen Erdgas-Förderplätze, die die LBEG bei unabhängigen Gutachtern in Auftrag geben hat, um die Vorwürfe zu klären. Bezahlt zum Teil aus einem Fonds der ErdgasUnternehmen. Vom Rückgewinn des Vertrauens hängt in Niedersachsen viel ab. Unter anderem 20.000 Arbeitsplätze in der Erdöl- und Erdgas-Industrie und die Einnahmen aus dem Förderzins. Sie sind schon von 815 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 370 Millionen im letzten Jahr gesunken. „Es gilt, diesen industriellen Kern in Niedersachsen einschließlich der Arbeitsplätze und des weltweit anerkannten SpitzenKnow-hows zu erhalten“, mahnt Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD).


SONDERVERÖFFENTLICHUNG DAIKIN

VORDENKER FÜR DEN KLIMASCHUTZ Luft ist erneuerbare Energie – und für jeden kostenlos verfügbar. DAIKIN, weltweiter Marktführer für Kälte-, Klima- und Wärmepumpensysteme, nutzt diese Energie, um damit Gebäude energieeffizient, CO2-arm und umweltfreundlich zu klimatisieren.

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er Gebäudesektor verursacht weltweit 30 Prozent der Treibhausgasemissionen. In Deutschland entfallen fast 40 Prozent des Endenergieverbrauchs darauf. Das Gelingen der Energiewende wird sich daher im hohen Maße im Immobilienbereich entscheiden. Die Klimaschutzziele der Regierung sehen bis 2050 eine Halbierung des Energieverbrauchs im Gebäudebereich vor. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen hohe Standards im Bereich der Gebäudehülle sowie des Energie- und Technikmixes für Heizung oder Kühlung von Gebäuden gesetzt werden. DAIKIN NIMMT DIE EIGENE UNTERNEHMENSVERANTWORTUNG im Bereich Klimaschutz wahr – und ernst: „Die Einsparung von Energie mit bestehenden Technologien sollte oberste Priorität haben. Alle dafür notwendigen Produktlösungen sind heute schon am Markt verfügbar. Wir müssen sie nur konsequent einsetzen. Ganz nach dem Motto, dass die beste Kilowattstunde die ist, die wir erst gar nicht verbrauchen“, erklärt Gunther Gamst, Geschäftsführer DAIKIN Airconditioning Germany GmbH. So stellt das Unternehmen Produkte her, die den Kunden helfen, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Dafür sind höchste Energieeffizienz und die Verwendung umweltfreundlicher Kältemittel mit einem niedrigen Treibhauspotenzial (GWP) nötig. Das Ergebnis: eine Einsparung von 28 Millionen Tonnen CO2 im Zeitraum von 2010 bis 2014 durch den Einsatz von DAIKIN Systemen. Durch die Verwendung des Kältemittels R-32 in einem großen Teil der Produktpalette können sogar 75 Prozent der

zuzeichnen, hat der Mutterkonzern DAIKIN Industries Ltd. das „Green Heart Factory“ Zertifikat ins Leben gerufen. 2014 erhielt DAIKIN Europe das „Super Green Heart Factory Certificate“ für seine Produktionsstätte in Belgien: Im Vergleich zu 2005 konnte der Müllverbrauch von 4.000 Tonnen auf 2.500 Tonnen reduziert und der Wasserverbrauch innerhalb von nur zwei Jahren halbiert werden.

Gunther Gamst, Geschäftsführer DAIKIN Airconditioning Germany: „Die Energiewende kann nur erfolgreich sein, wenn die Wirtschaft branchenübergreifend an einem Strang zieht.“

möglichen direkten Emissionen vermieden werden. Mit der Umstellung auf R-32 wird erwartet, dass 46 Prozent der vorhergesagten CO2-Emissionen von Klimaanlagen in den Entwicklungsländern bis 2050 gar nicht erst anfallen. AUCH IM EIGENEN UNTERNEHMEN IST DAIKIN für den Klimaschutz aktiv: Seit mehreren Jahren senkt DAIKIN die Treibhausgase in der Produktion – zwischen 2005 und 2014 um stolze 65 Prozent. Um eigene umweltfreundliche Fertigungsstätten intern aus-

UNTERNEHMEN, DIE KLIMASCHUTZ ALS GESCHÄFTSMODELL verstehen und als Vorreiter klimapolitisch vorangehen wollen, brauchen Planungs- und Investitionssicherheit sowie verlässliche politische Rahmenbedingungen. Deshalb ist DAIKIN Unterstützer der Stiftung 2°, einer Initiative von Vorstandsvorsitzenden, Geschäftsführern und Familienunternehmern, die sich für effektive marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Klimaschutz einsetzt. In diesem Rahmen hat DAIKIN im Dezember 2015 die Unternehmenserklärung zum Abschluss der COP21 unterzeichnet und sich vor wenigen Wochen der Unternehmenserklärung zur Diskussion um einen Kohlekonsens angeschlossen. Darin fordern die Unterstützer der Stiftung 2°, den Zeitplan eines Kohleausstiegs in Einklang mit den deutschen Klimazielen zu bringen und 95 Prozent Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2050 zu erreichen. Gunther Gamst bringt es auf den Punkt: „Wir müssen aufhören, nur über Klimaschutz zu reden. Wir müssen Klimaschutz machen, ihn leben. Wir brauchen Vordenker und eine schnellere Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen.“ 4/2016 LUX 360° 19


E-MOBILIT Y

E-MOBILITÄT NICHT MEHR ZU BÄNDIGEN Werden ab 2030 nur noch vollelektrische Fahrzeug zugelassen, könnten schon 2050 nur noch Elektroautos über deutsche Straßen gleiten. Der politische Rahmen steht, und neue Modelle von Opel, Renault, VW und auch Mercedes versprechen zudem die nötige Reichweite. VON ANDREAS SCHMITZ

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it dem Elektroauto ist es so ähnlich wie mit dem Smartphone: „Wer es einmal in der Hand gehabt hat, möchte künftig nicht mehr darauf verzichten“, meint Christoph Stürmer. Es sei sogar empirisch nachgewiesen, dass Fahrer des Vorreiter-E-Mobils Tesla ihr Elektrofahrzeug nie mehr gegen eines mit Verbrennungsmotor tauschen wollten, sagt der Industrieanalyst vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus PWC. Bis die Verbrennungsmotoren von den hiesigen Straßen verschwinden, werden dennoch Jahrzehnte vergehen. Im Jahr 2028, so berechnet das von Stürmer geleitete Autofacts-Team, werden etwa 30 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge in Europa vollelektrisch sein. 40 Prozent werden sowohl herkömmliche Motoren als auch Elektroantriebe in hybriden Antrieben nutzen und 20

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nur noch 30 Prozent auf konventionelle Verbrennungsmotoren zurückgreifen. Wann dann theoretisch kein einziges Auto mit Verbrennungsmotor mehr auf den Straßen sein wird, ist schwer vorherzusagen. Denn viele Randbedingungen fließen in ein derartiges Berechnungsmodell ein. Klar ist: Vorausgesetzt, dass – wie erst vor kurzer Zeit vom Bundesrat empfohlen – ab 2030 kein Kraftfahrzeug mehr zugelassen werden darf, das Schadstoffe in die Umwelt abgibt, und die Erneuerung des Fahrzeugbestands nach PWC-Annahmen bis zu 20 Jahre dauert, wird im Jahre 2050 nur noch der eine oder andere Liebhaber von Oldtimern Benzin oder Super tanken. HERAUSFORDERUNGEN: REICHWEITE, INFRASTRUKTUR UND PREIS Doch es gibt noch eine Menge zu tun für die Autobauer. Stefan Bratzel gebraucht für die

Herausforderungen gerne das Kürzel RIP. Dahinter verbirgt sich die Reichweite des Fahrzeugs, die Infrastruktur (für das Aufladen der Batterien inklusive Zahlungsmodalitäten) und der Preis. „Die Mischung stimmt noch nicht“, sagt der Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, weswegen der Autoexperte RIP bisher gerne als „Rest in Peace“ bezeichnet. 1. DIE REICHWEITE Kunden, die heute beispielsweise mit dem BMW i3 unterwegs sind, müssen ihr Fahrzeug nach spätestens 170 Kilometern wieder an die Steckdose anschließen. Selbst per Schnellladestation dauert es dann 20 bis 30 Minuten, bis die Batterien wieder aufgeladen sind. Während BMW noch an größeren Aktionsradien arbeitet, kündigen Konkurrenten in der Mittelklasse bereits erheblich größere Reichweiten an. Der


Fotos: Nadla/iStockphoto

Opel Ampera-e kommt Anfang 2017 auf den Markt und soll mit geladenen Batterien über 500 Kilometer weit kommen, der Renault Zoe verspricht immerhin 400 Kilometer. Und frisch vom Pariser Autosalon kommt die Ankündigung von Volkswagen, mit dem VW I.D. im Jahr 2020 den ersten Wagen auf den Markt zu bringen, der „nur elektrisch kann“ (Stürmer, PWC) und trotzdem mehr als 500 Kilometer Reichweite bieten soll. Noch ist der VW Käfer des Elektro-Zeitalters nicht gefunden, doch stoßen für Bratzel der I.D. und der Ampera-e im Preis-Leistungs-Verhältnis in eine „ganz andere Welt“ vor. Klar ist: Bis 2020 wird sich nicht nur in der Mittelklasse, sondern auch im Premiumsegment einiges tun in Sachen Reichweiten von über 500 Kilometern. Ob der Audi e-tron quattro concept oder der SUV der sogenannten Generation EQ von Mercedes Benz: Der Angriff auf Vorreiter Tesla steht bevor.

2. DIE INFRASTRUKTUR Das E-Auto benötigt Strom und dafür Ladesäulen. „Während in Holland und Norwegen bereits vor fünf Jahren damit begonnen wurde, Pläne für die Infrastruktur zu schaffen, haben wir uns in Deutschland mit Diskussionen aufgehalten“, erläutert der Präsident des Bundesverbandes eMobilität Kurt Sigl. Selbst die geplanten Installationen von Schnellladestationen an Tank- und Rast-Stationen an Autobahnen werden seines Erachtens ein bis zwei Jahre dauern. Wer derzeit sein E-Fahrzeug aufladen will, sollte zudem gut gerüstet sein. Aktuell gibt es diverse Standards für Stecker, und ein Arsenal an Adaptern ist Grundvoraussetzung dafür, Ladestationen nutzen zu können. Zwar lassen sich beispielsweise über LEMnet Ladesäulen identifizieren, jedoch sind die Konditionen sehr unterschiedlich: Manchmal ist der Strom umsonst, bei anderen kostet nur der Strom

eine Gebühr, oft ist eine spezifische Ladekarte erforderlich. „Und ein einheitliches Bezahlsystem fehlt auch noch“, moniert Sigl. Die RIP-Argumentation lässt Sigl allerdings nur teilweise gelten. Denn immerhin, so rechnet er vor, sind von den 47 Millionen Automobilen in Deutschland elf Millionen Fahrzeuge Zweit- oder Drittwagen, die gerade einmal 27,5 Kilometer pro Tour fahren würden. „Eine Ladeinfrastruktur wäre also gar nicht nötig, da es ausreicht, den Wagen über Nacht aufzuladen“, so Sigl. Auch PWC-Mann Stürmer rät zu mehr Pragmatik. Seiner Erkenntnis nach werden Autos bei 90 Prozent aller Fahrten im Nahbereich eingesetzt und das Laden selbst findet in 80 bis 95 Prozent der Fälle in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz statt. Ein E-Fahrzeug, das also hundert Kilometer weit fährt, ist seines Erachtens für viele potenzielle Nutzer völlig ausreichend. 4/2016 LUX 360° 21


E-MOBILIT Y

FÜR DIE DEUTSCHEN AUTOHERSTELLER BEDEUTET DIE ELEKTROMOBILITÄT EINEN PARADIGMENWECHSEL. 3. DER PREIS Aktuell ist die eingesetzte Lithium-IonenBatterie der große Preistreiber. Heute kostet den Berechnungen von PWC zufolge die Speicherung von einer Kilowattstunde Strom etwa 500 Euro. Fahrzeuge verbrauchen derzeit zwischen zehn und 25 Kilowattstunden Strom pro 100 Kilometer. Im günstigsten Fall wären also für eine Reichweite von 500 Kilometern derzeit alleine Batterien im Wert von 25.000 Euro nötig. Beim Renault Zoe bezahlt der Kunde lediglich das Fahrzeug und mietet die Batterien zusätzlich. „Derzeit sind die Kosten für Batterien noch extrem hoch“, so PWC-Experte Stürmer, der damit rechnet, dass eine Kilowattstunde Strom bis 2020 auf 100 Euro fallen wird. Im Verhältnis Preis zu Reichweite werden Renault mit dem Zoe, Opel mit dem Ampera-e und VW mit dem I.D. künftig am besten dastehen. Klar ist: „Mit dem wachsenden Markt und den damit verbundenen Skaleneffekten geht es dann ganz rasch“, prognostiziert Kurt Sigl, „dass das 1-Million-Ziel der Bundesregierung erreicht wird.“ Und je höher der Absatz ist, desto mehr werden die Preise fallen. ENGER POLITISCHER RAHMEN UND CHINESISCHER MARKT Die Rahmenbedingen stehen gut dafür, dass auch deutsche Autohersteller mit dem Schwung des Autosalons in Paris die Wende hin zum Elektroauto hinbekommen. „Seit dem Autosalon in Paris ist auch allen deutschen Herstellern klar geworden: Das Thema Elektromobilität bekommen wir nicht mehr vom Tisch“, fasst Automobilexperte Bratzel zusammen. „Der Druck auf die deutsche Autoindustrie ist gigantisch“, sagt auch Sigl vom Verband der Elektromobilität, der gar „eine Panik in der Autobranche“ ausmacht. Der politische Rahmen wird zudem immer enger. Es begann mit dem Ziel der Bundesregierung, im Jahr 2020 mindestens eine Million E-Fahrzeuge auf den Straßen zu haben, gefolgt vom Pariser Klimaabkommen, das für 2050 einen klimaneutralen Verkehr fordert, bis hin zum Bundesrat, der empfiehlt, ab 2030 nur noch strombetriebene Autos zuzulassen. 22

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Zudem verrät ein Blick auf die Märkte für Elektromobilität, dass ihre Entwicklung nicht mehr zu bändigen ist. Der Bedarf an Elektroautos wächst enorm. Im ersten Halbjahr 2016 wurden in China mit 240.000 Fahrzeugen mehr als doppelt so viele verkauft wie im Jahr zuvor. Auch in den USA stieg der Absatz im gleichen Zeitraum um knapp 30 Prozent auf 93.400 Fahrzeuge und in Deutschland immerhin um acht Prozent auf 14.000 E-Mobile. Nun schreckt ein neuer Gesetzentwurf aus China die deutschen Autohersteller auf: Schon ab 2018 soll offenbar eine Quote für Elektroautos gelten. Ein Punktesystem würde E-Autos deutlich vor Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor stellen. Damit wäre China um einiges ehrgeiziger als die Bundesregierung – und setzte deutsche Hersteller unter Druck, sich an den Riesenmarkt anzupassen. In der Verbrennungstechnologie können die Asiaten ihren technologischen Rückstand nicht mehr aufholen. Deshalb konzentrieren sie sich auf die Elektromobilität, wissen Experten. Die Voraussetzungen sind gut, denn sämtliche Schöpfer der Lithium-Ionen-Batterien als „Kraftquelle“ für Elektromotoren sitzen in Asien. Panasonic, Samsung und LG konkurrieren miteinander um die leistungsfähigsten Zellsysteme. „Deren Vorsprung ist uneinholbar“, meint Kurt Sigl. Während LG bereits ein Werk für Lithium-Ionen-Batterien in Polen hochzieht und in der zweiten Jahreshälfte 2017 die Produktion anlaufen lassen will, versucht nun Daimler mit seinem Tochterunternehmen ACCUMOTIVE, Boden in Hinsicht auf leistungsfähige Batterien gutzumachen. Mitte 2018 soll das 500-Millionen-Euro-Werk in Sachsen stehen und in den nächsten Jahren die kleinen Kraftwerke für „mehr als zehn“ reine Elektrofahrzeuge im Portfolio von Mercedes Benz liefern, die bis 2025 auf dem Markt kommen sollen. Dass ein eigener Ansatz für die Batterieentwicklung vonnöten ist, weiß Daimler Benz spätestens seit einem Joint Venture mit BYD in China, aus dem der „Familienstromer“ Denza hervorgegangen ist. Die Herausforderung für ausländische Autokonzerne: Lediglich Unternehmen kommen in China in den

Genuss der staatlichen Förderungen, die aus dem eigenen Land stammen – und Batteriehersteller vom Kontinent dürften hier leichteres Spiel haben, ihre Geschäfte mit den Chinesen zu machen. Hersteller von herkömmlichen Motoren haben es schon heute schwer in China: Im Reich der Mitte ist es – auch bedingt durch die schlechte Luftqualität in Chinas Großstädten – mit langen Wartezeiten verbunden, ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zugelassen zu bekommen, während es bei Elektroautos sehr schnell geht. „Die chinesischen Hersteller bieten teilweise technisch sehr einfache Autos“, befindet PWC-Experte Stürmer – sie sind schneller auf dem Markt, aber mit den Qualitätsstandards in Deutschland nicht zu vergleichen. Zugleich gelten Elektroautos aus China bei der dortigen Bevölkerung als „Arme-Leute-Autos“, meint Christoph Stürmer. Das ist eine Chance für deutsche Hersteller, die versuchen, sich mithilfe von Joint Ventures den Weg in den Markt zu ebnen und mit einem qualitativ reifen Elektrofahrzeug dem Verbrenner den Rang als Prestigeobjekt abzulaufen. NEUE GESCHÄFTSMODELLE ENTSTEHEN Für die deutschen Autohersteller bedeutet die Elektromobilität nicht weniger als einen Paradigmenwechsel, der das Auto von einst in ein anderes Licht stellt. „Neue Geschäftsmodelle werden entstehen, die heute noch niemand kennt“, ist PWC-Experte Stürmer überzeugt: Sei es die Autobatterie mit einer Kapazität von mehr als 50 Kilowattstunden als „Zwischenlager“ für lokal produzierte regenerative Energie, die Strom im Smart Grid günstig bezieht, zu höheren Preisen abgibt und so dem Fahrer ermöglicht, quasi kostenlos zu fahren. Oder aber der Serviceanbieter, der abends einen persönlichen „Tankwart“ vorbeischickt, der das Auto abholt und ein paar Stunden später geladen wieder zurückbringt. Oder aber ein E-Payment-Anbieter, der via App das Bezahlen unabhängig von der jeweiligen Ladestation ermöglicht und so das Portfolio an diversen Ladekarten überflüssig macht.


SONDERV ERÖFFENTLICHUNG CATERVA

STROM VOM DACH, SPEICHER IM KELLER Nur wer die richtige Systemlösung hat, spart spürbar Energiekosten

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aus aus der Strompreisspirale und mehr Unabhängigkeit von großen Energieanbietern. Diesen Wunsch möchten sich immer mehr Eigenheimbesitzer mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach verwirklichen. Eigenverbrauch heißt die Lösung, seit die Einspeisevergütung für die private PV-Anlage unter den Strompreis gefallen ist. Doch Photovoltaikanlagen produzieren Strom, der sofort genutzt werden muss. Dies ist selten effektiv, da der Strom am Tag produziert, jedoch meist in den Abendstunden benötigt wird. Ohne ein Speichersystem geht es also nicht. Das Unternehmen Caterva aus Pullach bei München bietet hier eine intelligente Lösung. RICHTIG VERNETZT Mit einer Photovoltaikanlage und dem intelligenten, vernetzten Stromspeicher von Caterva lässt sich das Haus komplett mit selbst erzeugtem Solarstrom versorgen und sogar eine Wärmepumpe betreiben oder ein Elektroauto laden. Ganz wesentlicher Effekt: Die Energiekosten sinken bei dieser Systemlösung spürbar. Zum Beispiel kann eine Familie mit einem Verbrauch von 5.500 kWh/a ihre Stromkosten im Laufe von 20 Jahren um ca. 20.000 Euro senken. Möglich ist dies durch die Vernetzung der Speicher. „Unser Energiemanagement vernetzt die Caterva-Sonnen zu einem virtuellen Großspeicher, optimiert die Ladezustände aller Speicher und maximiert die Wirtschaftlichkeit durch Netzdienstleistungen“, erläutert Markus Brehler, Geschäftsführer von Caterva. Eigenheimbesitzer können die CatervaSonne direkt erwerben. Wer noch keine PVAnlage besitzt, kann diese gemeinsam mit dem Stromspeicher planen und installieren lassen. Zusammen mit dem Stromspeicher wird Endkunden das Vertragsmodell „20 Jahre Freistrom“ angeboten, bei dem die Vernetzung der Stromspeicher zum virtuellen Groß-

Durch Vernetzung der Anlagen entsteht ein virtueller Großspeicher, der über das CatervaEnergiemanagement für Netzstabilität sorgt und den Haushalten Strom aus den PV-Anlagen stets zur Verfügung stellt.

Unbeschwert wohnen: Durch das intelligente Speichersystem kann Sonnenstrom auch dann verbraucht werden, wenn keine Sonne scheint.

speicher Zusatzerlöse ermöglicht. An diesen Erlösen partizipieren Endkunden in Form der jährlichen Gemeinschaftsprämie. EINFACH SELBST AUSRECHNEN Wie hoch das individuelle Kostensenkungspotenzial ist, können Eigenheimbesitzer übrigens leicht online errechnen. Der sogenannte Freistromrechner von Caterva ermittelt anhand von Jahresstromverbrauch, Wohnsitz und Dachneigung die benötigten PV-Module und berechnet das Kostensenkungspotenzial. Der Rechner steht unter www.energie-wissen. de/photovoltaikrechner zur Verfügung. Mit der Caterva-App können sich Endkunden über Status und Effizienz ihrer Cater-

va-Sonne informieren. Das Konzept des multifunktionalen, netzstabilisierenden Solarstromspeichers basiert auf einer Entwicklung der Siemens Tochter next47 GmbH, die auch Gesellschafter ist. Im Oktober hat das bayerische Wirtschaftsministerium Caterva mit dem Energiepreis 2016 ausgezeichnet.

Weitere Informationen zum Geschäftsmodell „20 Jahre unabhängig vom Strompreis, 20 Jahre Freistrom, 20 Jahre Gemeinschaftsprämie und 20 Jahre Wartung inbegriffen“ finden Interessierte unter www.energie-wissen.de und www.caterva.de 4/2016 LUX 360° 23


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RENDITE MIT GUTEM

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Wer zahlt, bestimmt, heißt es sprichwörtlich. Das gilt auch für Geldanlagen. Immer mehr Verbraucher investieren bewusst in ökologisch-ethische Finanzprodukte, um damit Gutes zu bewirken. Studien zeigen: Den Rendite-Vergleich mit konventionellen Geldanlagen müssen sie nicht scheuen. VON DANIELA BECKER

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Nach einer Erhebung des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), einem Verband für Alternativinvestments, ist der nachhaltige Anlagemarkt im Jahr 2015 allein in Deutschland um sieben Prozent auf knapp 137 Milliarden Euro angewachsen. „Es ist erfreulich, dass die institutionellen Fonds beim Divestment endlich nachziehen und ihre Anlagen kritisch überdenken. Für Alternativbanken wie uns ist das allerdings ein alter Hut“, sagt Klaus Euler, Vorstand der Ethikbank. Das kleine sozial-ökologisch orientierte Geldinstitut mit Sitz im thüringischen Eisenberg verzeichnet seit Jahren zweistellige Wachstumsraten, ähnlich geht es Deutschlands ältester grünen Bank, der GLS Bank aus Bochum. Denn auch immer mehr Privatanleger nutzen aktiv ihren Einfluss, den sie mit ihrer Geldanlage ausüben können.

Foto: pimponaco/iStockphoto

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ie Stadt Berlin will nicht mehr, dass ihr Geld in Projekte fließt, die das Klima schädigen. Das Abgeordnetenhaus hat deswegen vor einigen Monaten beschlossen, dass die deutsche Hauptstadt sämtliche Investitionen aus „Unternehmen, deren Geschäftsmodell den Zielen der Klimaneutralität zuwiderläuft“, abziehen muss. Es geht dabei um Beträge in Millionenhöhe – Rücklagen für Pensionen und Renten von Beamten und Angestellten des Landes. Während viele der deutschen Großbanken wie etwa die Deutsche Bank und die Commerzbank immer noch als Finanzierer der Kohleindustrie eine Schlüsselrolle einnehmen, bekennen sich immer mehr institutionelle Anleger wie Städte, Universitäten, Stiftungen, kirchliche Einrichtungen, Pensionsfonds oder auch die milliardenschwere Stiftung des Ölimperiums der Rockefeller zum sogenannten Divestment. Ihr Ziel: die globale Kohleverbrennung auszubremsen, einer der Hauptverursacher des Klimawandels.

GUTES TUN UND RENDITE ERWIRTSCHAFTEN „Die Menschen kommen vor allem aus zwei Gründen“, sagt GLS-Pressesprecher Christof Lützel. „Zum einen hat das Vertrauen der Deutschen in normale Banken wegen der vielen Skandale gelitten und sie wollen ihr Geld wieder jemandem wirklich anvertrauen können. Zum anderen steht der Wunsch im Vordergrund, mit seinem Geld etwas Sinnvolles zu bewirken.“ Doch was machen diese Banken anders? „Wir unterscheiden uns von konventionellen Anbietern durch strenge Anlagerichtlinien“, sagt Klaus Euler. Ethische Geldanlagen zeichnen sich dadurch aus, dass es in den Anlagerichtlinien Ausschlusskriterien und Positivkriterien gibt. Positivkriterien definieren besonders zu bevorzugende Anlagen, während Ausschlusskriterien absolut Untolerierbares definieren, in das überhaupt nicht investiert wird. Ausschlüsse können zum Beispiel Investitionen in Atomkraft oder Kohlekraftwerke sein sowie in Unternehmen, bei denen Kinderarbeit oder Tierversuche nachgewiesen wurden oder die mit Rüstungsgeschäften oder Gentechnik Geld verdienen. „Die Definition von Ausschlusskriterien ist ein absolutes Minimum“, sagt Euler. Die meisten grün und ethisch orientierten Anbieter kombinieren die Negativ- mit den Positivkriterien. Positive Kriterien können hohe Umweltstandards, Menschenrechte, Gleichberechtigung sowie der Umgang des Unternehmens mit Kunden und Lieferanten sein.

DIE KUNDEN WISSEN, WOHIN IHR GELD FLIESST Ein weiteres Merkmal nachhaltiger Geldanlagen ist die Transparenz. „Wir veröffentlichen unsere Anlagekriterien und legen zudem offen, wohin das Geld fließt“, sagt Euler. Neben den zahlreichen Förderprojekten, die von der Bank unterstützt werden, bietet die Ethikbank zum Beispiel ein sogenanntes Mikrokonto an. Insolvenzschuldner aus dem Privat-, aber auch aus dem Geschäftsbereich oder Menschen mit schlechten Schufa-Einträgen, die bei anderen Instituten keinerlei Chance auf ein Konto haben, erhalten auf diese Weise eine zweite Chance, am Wirtschaftsleben teilzuhaben. Die GLS Bank verfolgt das Prinzip der transparenten Bank bereits seit ihrer Gründung 1974. „Wir sind in den Kernbereichen des nachhaltigen Wirtschaftens aktiv: Naturkostherstellung und -verkauf, ökologische Landwirtschaft, Bildung, regenerative Energien und nachhaltiges Wohnen. Das sind die Bereiche, die aus unserer Sicht der Mensch zum Leben braucht, und in diese Bereiche investiert die GLS Bank“, sagt Lützel. Jeder Kredit, den die Bank vergibt, wird vierteljährlich im Kundenmagazin veröffentlicht. Man kann dort genau nachlesen, welche Solaranlage, welche ökologische Landwirtschaft oder welcher Kindergarten finanziert wurde. Wie bei der Ethikbank sind die Positiv- und Negativkriterien für die Geldanlage auf der Webseite einsehbar. Auch wo die Bank ihre Eigenanlage angelegt hat, kann man dort nachvollziehen.

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N ACHH A LT IGE GEL DA NL AGE

JEDES KONVENTIONELLE ANLAGEPRODUKT GIBT ES AUCH IN GRÜN Mit dem steigenden Interesse der Verbraucher ist auch der Markt für ethisch-ökologische Geldanlagen gewachsen. „Inzwischen gibt es zu fast jedem konventionellen Produkt auch eine grüne Alternative, die keinen RenditeVerzicht bedeutet“, sagt Max Deml, der als Autor des Handbuchs „Grünes Geld“ und als Herausgeber des Informationsdienstes Öko-Invest die grüne Finanzbranche seit knapp 30 Jahren beobachtet. Dass nachhaltige Investments den Renditevergleich nicht scheuen müssen, zeigen auch wissenschaftliche Studien. Wissenschaftler der Universität Hamburg

en, Rentenpapieren und Anleihen. Auch in geschlossene Fonds im grünen Bereich lässt sich investieren, zum Beispiel in Windkraft- und Photovoltaikfonds. Hier geht man eine richtige unternehmerische Beteiligung ein, wodurch das Risiko ungleich größer ist. Im schlimmsten Fall droht der Totalverlust der Einlage. „Man muss bei jedem Angebot ganz genau hinsehen, was dahintersteckt“, sagt Deml. Der Bereich der erneuerbaren Energien, der etwa ein Drittel aller Anlagen ausmache, die auf dem deutschen Markt für nachhaltige Investments gehandelt würden, sei ein gutes Beispiel für die Spanne, in der sich Investments unter dem Label „grün“ bewegen: Wenn jemand vor drei Jahren in Grünstrom investiert habe, sei je nach Anlageobjekt zwischen Totalverlust und 1.000 Prozent Gewinn, wie zum Beispiel beim Windturbinenhersteller Vestas, alles drin gewesen, so Deml.

WER SICHER SEIN WILL, DASS SEIN GELD VERANTWORTUNGSVOLL ANGELEGT IST, MUSS SICH INFORMIEREN. rund um den Wirtschaftsprofessor Dr. Alexander Bassen haben dazu in einer Metastudie 2.200 Einzelstudien zum Thema ausgewertet. Das Ergebnis: Der Fokus auf nachhaltige Unternehmen im Investmentportfolio vermindert das Risiko, ohne den Ertrag zu schmälern, da nachhaltige Unternehmen tendenziell stabilere positive Wirtschaftsergebnisse erbringen. Grundsätzlich gelten bei nachhaltigen Geldanlagen die gleichen Regeln wie bei konventionellen Investments: Je weniger Risiko man eingehen will, desto geringer sind die Erträge. Auf ein einlagengesichertes Sparbuch gibt es bei einer grünen Bank aktuell zwischen null und einem Prozent Zins. Abgesehen von dieser sehr sicherheitsorientierten Anlage gibt es natürlich zahlreiche Anlagemöglichkeiten in verschiedenen Risikoklassen. „Wir beobachten allein 1.000 Aktien, die einigermaßen grün und interessant sind“, sagt Deml. Wer sich nicht vom Erfolg eines einzelnen Unternehmens abhängig machen will, kann Fondsanteile kaufen. In einem Investmentfonds bündelt eine Kapitalgesellschaft das Geld der einzelnen Anleger und legt es in verschiedenen Vermögenswerten an – zum Beispiel in Akti26

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VERTRAUEN IST GUT, KONTROLLE IST BESSER Ein schwieriges Thema ist die Kontrolle sogenannter ökologisch-ethischer Investments. Denn Nachhaltigkeitsfonds gibt es von Hellbis Dunkelgrün, wie die Branchenbeobachter die verschiedenen Schattierungen nennen. Es gibt „hellgrüne“ Fonds, die lediglich ein oder zwei sanfte Ausschlusskriterien formulieren und sonst alles Mögliche kaufen – bis hin zu Kernkraft-, Kohle- oder Rüstungswerten. „Nur weil irgendwo ‚Sustainability‘ draufsteht, heißt das noch gar nichts. Es kann sein, dass der Fonds oder der Index zum Beispiel einen Autohersteller oder ein Unternehmen der Ölindustrie aufgenommen hat, nur aus dem Grund, weil diese Firma nachhaltigere Ziele als andere formuliert hat. Der Umwelt bringt das herzlich wenig“, sagt Finanzexperte Deml. Bislang gibt es keine Kontrollinstanz, die die Qualität grüner Anlageprodukte unabhängig überwacht. Um privaten und institu-

tionellen Anlegern eine Orientierungshilfe zu geben, hat das Forum Nachhaltige Geldanlage ein Siegel entwickelt, das immerhin Mindestanforderungen nach international anerkannten Normen gewährleisten soll. Auch bei den grünen Banken handelt es sich bei dem Versprechen, die anvertrauten Gelder nur in den festgelegten Bereichen anzulegen, um eine selbst definierte Garantie. Allerdings lassen diese Institute sich von externen Gremien kontrollieren. Die GLS Bank wählt zur Qualitätssicherung den Weg über einen Beirat. Anlageprodukte wie Aktien, Fonds oder Unternehmensbeteiligungen werden durch Bankmitarbeiter vorausgewählt. Anschließend werden die Werte dem Anlageausschuss vorgelegt, der aus sechs externen und zwei bankinternen Mitgliedern besteht. „Da wird dann auch noch mal der eine oder andere Wert aussortiert“, sagt Unternehmenssprecher Christof Lützel. Die Ethikbank lässt einmal im Jahr von einem Wirtschaftsprüfer kontrollieren, ob ihre Richtlinien korrekt eingehalten wurden. NACHHALTIGES INVESTMENT BEGINNT MIT KRITISCHEM NACHFRAGEN Ethikbank-Vorstand Klaus Euler findet ein allgemeingültiges Siegel ohnehin nicht sonderlich hilfreich: „Das ist schwierig, denn wie will man Moral definieren? Und nichts anderes sind Anlagekriterien ja eigentlich.“ Am wirksamsten, so Euler, sei ohnehin die Kontrolle durch die Öffentlichkeit. „Wir bekommen oft Nachfragen nach unseren Anlagekriterien und warum wir ein bestimmtes Produkt aufgenommen haben“, sagt Euler. Auch Max Deml rät dazu, regelmäßig Geschäftsund Rechenschaftsberichte der Anlagewerte zu studieren. Wer sicher sein will, dass sein Geld verantwortungsvoll angelegt ist, muss sich informieren. „Als Kunde sollte man seine Bank fragen: Wo fließt eigentlich das Geld hin, das ich mit meinem Sparbuch anlege? Wie ist mein Geld in eurem Kreditportfolio tatsächlich verteilt? Womit erzielt meine Lebensversicherung ihre Erträge?“, rät Max Deml. Wenn eine Bank keine Auskunft geben kann oder will, sollte man sein Geld anderweitig anlegen, rät der Finanzexperte.


B E R U F E D E R Z U TK H U ENM FA T

NEUE JOBS BRAUCHT DAS LAND Energiewende und Nachhaltigkeitskonzepte erfordern auch neue Berufe.Wer heute ins Berufsleben startet oder ein Studium beginnen möchte, dem tun sich neue Perspektiven auf. LUX360° stellt einige neue Berufe vor. VON GUNDA ACHTERHOLD UND HARTMUT NETZ

HENNING OSMERS-RENTZSCH:

NACHHALTIGKEITSMANAGER

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er Kaffeerost richtet in Mittelamerika schlimme Schäden an. Seit einigen Jahren befällt der Pilz dort viele Kaffee-Pflanzen, die Erträge gehen zurück, viele tausend Jobs sind schon verloren gegangen und die Preise steigen. „Man vermutet, dass die rasche Ausbreitung des Pilzes durch die Klimaerwärmung begünstigt wird“, stellt Henning Osmers-Rentzsch fest. Vom niedersächsischen Diepholz aus beobachtet er die Entwicklung auf den Kaffeeplantagen. „Schattenbäume und gute Bodenarbeit könnten wirksame Maßnahmen sein, denn die Kulturen werden dadurch robuster.“ Als Nachhaltigkeitsmanager bei der Firma Lebensbaum, einem Anbieter für Biolebensmittel, hat er die gesamte Lieferkette im Blick, vom Anbau der Nahrungsmittel über die Arbeitsbedingungen 4/2016 LUX 360° 27


BERUFE DER ZUKUNFT

der Mitarbeiter auf den Plantagen bis hin zur Produktion am heimischen Standort. Bei rund 500 von Lebensbaum eingesetzten Rohstoffen ist das eine komplexe Angelegenheit. „Einerseits muss man Generalist sein und sich in viele verschiedene Themen einarbeiten können“, sagt Osmers-Rentzsch. „Zugleich muss ich analytisch und systemisch denken können und wissen, was in anderen Abteilungen und Unternehmen passiert.“ Nach dem BWL-Studium folgte der überzeugte Bio-Fan seinem persönlichen Interesse und stieg als Trainee bei der Firma Lebensbaum ein: „Ich wollte unbedingt in einem nachhaltigen Unternehmen arbeiten.“ 2012 übernahm er die neu geschaffene Position des Nachhaltigkeitsmanagers. Seitdem trägt er alle relevanten Zahlen zusammen – von den CO2Emissionen, die bei der Produktion entstehen, bis hin zur Energie, die im eigenen Unternehmen eingesetzt wird. Auf dieser Basis entwickelt der Betriebswirt möglichst nachhaltige Rahmenbedingungen für alle Kernprozesse. „Diese Transparenz wird von den Kunden gefordert“, betont Henning Osmers-Rentzsch. „Auch deshalb gewinnt das Berufsbild des Nachhaltigkeitsmanagers rapide an Bedeutung.“ Den größten Teil seiner Arbeit erledigt er am Schreibtisch, ab und zu ist der 39-Jährige jedoch auch auf Teeplantagen in China oder in anderen Ursprungsländern unterwegs. „Wenn man gelegentlich selbst vor Ort ist, entwickelt man ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge“, stellt er fest. Denn allein mit Kennzahlen und Statistik geht es nicht, auch soziale und wirtschaftliche Aspekte wie Sicherheitsstandards, faire Löhne und das Verbot von Kinderarbeit gilt es zu bedenken. „Bei Besuchen auf einer Kaffeefinca in Mexiko haben wir zum Beispiel festgestellt, dass die staatliche Schule für die Kinder der Mitarbeiter gar nicht zu erreichen ist“, erzählt er. Deshalb unterstützte Lebensbaum den Aufbau einer Schule direkt auf dem Gelände. „Wenn wir langfristige Partnerschaften aufbauen und erhalten wollen, müssen wir auch für die Mitarbeiter und ihre Familien sorgen.“ Das ist nicht nur menschenfreundlich, sondern auch wirtschaftlich klug. Denn wo Farmer oder Niedriglöhner abwandern und Felder nicht mehr bestellt werden, werde es

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schwierig, an gute Rohwaren zu kommen, warnt Osmers-Rentzsch. „Das wird eine der großen Herausforderungen der Zukunft.“ Weitere Informationen: www.leuphana.de/institute/csm www.sustainability.uni-hohenheim.de

HUBERTA BOCK:

LANDMANAGERIN

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lurbereiniger übernehmen eine ebenso wichtige wie sensible Aufgabe: Sie ordnen die landwirtschaftlichen Grundstücke, bestimmen ihren Wert und legen beispielsweise durch Erbfolge zerteilte Flächen wieder zusammen. „Das Thema Grund und Boden ist immer auch mit Ängsten und Emotionen verbunden“, sagt Huberta Bock vom Amt für Ländliche Entwicklung in der Oberpfalz. „Gefragt waren deshalb schon immer Konfliktlöser.“ So ist es geblieben, auch wenn sich das Berufsbild stark verändert hat. Heute spricht man von „Landmanagern“, die sich etwa in den Außenstellen des Landwirtschaftsministeriums um die Zukunftsfähigkeit von Kommunen kümmern. „Wir sind heute eigentlich eher Unternehmensberater im ländlichen Raum“, stellt die 44-jährige Huberta Bock fest. Die Vermessungsingenieurin gerät ins Schwärmen, wenn sie von der Vielfalt ihrer Projekte und Aufgaben erzählt. Vom Hochwasserschutz über ökologische Maßnahmen oder die Unterbringung von Flüchtlingen bis hin zum Zusammenschluss von Gemeinden zu Wirtschaftsverbunden reicht das Spektrum der Themen, die sie und ihr Team bearbeiten. „Wir bringen alle Akteure an einen Tisch, entwickeln mit ihnen Konzepte und beraten die Gemeinden, wie sich die Zukunft im ländlichen Raum besser gestalten lässt.“ Mittendrin und nah am Bürger: Die Vielfältigkeit der Aufgaben spiegelt auch die Entwicklung am Lehrstuhl für Bodenordnung und

Landentwicklung an der Technischen Universität München wieder, der unter dem Label „Nachhaltiges Landmanagement“ inzwischen neue Akzente setzt. Auch Huberta Bock hat hier studiert. Nach dem Referendariat und einigen Jahren als Wissenschaftliche Mitarbeiterin ging sie als Projektleiterin für Dorferneuerungs- und Flurbereinigungsverfahren nach Schwaben und wechselte vor drei Jahren in ihre Heimat, nach Tirschenreuth. Rund 130 Mitarbeiter sind am Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz beschäftigt. Die beruflichen Anforderungen und Möglichkeiten haben sich auf allen Ebenen verändert. „Von unseren Technikern bis hin zu den Berufseinsteigern von den Hochschulen begleiten alle sehr schnell eigene Projekte und arbeiten vor Ort direkt mit den Bürgern zusammen“, erklärt Huberta Bock. Klimaveränderungen und der demografische Wandel zählen zu den großen Herausforderungen in den ländlichen Regionen. Was brauchen die jungen Leute, um dazubleiben? Diese Frage treibt Huberta Bock ganz besonders um. Zusammen mit einem Gymnasium haben die Landmanager gerade eine Plattform entwickelt, auf der sich Schüler mit ihren Ideen einbringen können. „Es geht nicht nur darum, Bestehendes zu erhalten“, betont die Sachgebietsleiterin. „Entscheidend ist, dörfliche Strukturen so anzupassen, dass sie auch modernen Ansprüchen genügen.“ Mit ihrem Studium, das eher mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet war, hat ihre Tätigkeit heute gar nicht mehr so viel zu tun. Das Planerische und Organisatorische stehen jedoch auch an den Hochschulen inzwischen stärker im Vordergrund, beobachtet die Ingenieurin. „Schließlich müssen wir Sachverhalte so präsentieren können, dass die Leute sie auch verstehen.“ Weitere Informationen: www.nachhaltiges-landmanagement.de www.bole.bgu.tum.de


BERUFE DER ZUKUNFT

KATRIN RÖW:

ELEKTRONIKERIN DER ENERGIE- UND GEBÄUDETECHNIK

Foto: iStockphoto (4)

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en ganzen Tag nur Strippen ziehen, das war einmal. Seit einem Jahr ist Katrin Röw auf Berliner Baustellen unterwegs und installiert Sicherheitsanlagen und Brandschutzvorrichtungen. „Natürlich verlegen wir auch noch Kabel und montieren Steckdosen, das gehört einfach dazu“, erzählt die 28-Jährige. „Aber was ich wirklich spannend finde, ist das Programmieren.“ Nach der dualen Ausbildung zur Elektronikerin der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik am Berliner Standort der Bauer Elektroanlagen GmbH spezialisierte sich die junge Monteurin auf die Sicherheitstechnik. Die Grundlagen der Elektrotechnik und erste Programmierkenntnisse brachte sie aus der Lehre mit, den Umgang mit den Geräten und Anlagen lernte sie in der praktischen Arbeit direkt auf der Baustelle und über Fortbildungen. Der digitale Wandel macht sich in allen Bereichen der Elektrotechnik bemerkbar, die Aufgaben sind heute ebenso umfangreich wie anspruchsvoll. Die Ausbildung in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik legt daher den Grundstein für eine weitere Spezialisierung. Mögliche Richtungen sind die Energietechnik, Medientechnik oder die Gebäudeautomation, zu der von der Beleuchtung bis zum Temperaturfühler alles zählt, was elektronisch gesteuert wird. Grundsätzlich gilt: Das Programmieren von Steuerungssystemen spielt durchweg eine immer größere Rolle. Intelligente „Bussysteme“, die eine Vielzahl von Informationen über separate Leitungen transportieren, gehören zu den Basics, mit denen sich auch Katrin Löw schon als Auszubildende beschäftigt hat. Sie verbinden elektrische Anlagen und Geräte wie Leuchten, Klimaanlagen, Heizungen oder automatische Jalousien zu einem vernetzten System, das zentral über das Internet gesteuert werden kann. Sensoren, die Außentemperatur und Helligkeit messen, regeln so beispielsweise automatisch Licht und

Temperatur. „Das erhöht die Sicherheit und den Komfort für die Bewohner“, erklärt Katrin Röw. „Und es spart natürlich Energie.“ An diesem Vormittag installiert sie eine Brandmeldeanlage auf einem Hochschulcampus. „Manchmal sind die Systeme schon vorgeplant, aber ich habe auch schon Zutrittsoder Gegensprechanlagen selbst gebaut“, berichtet die Elektronikerin. „Jede Anlage ist anders, aber das macht die Arbeit eben auch so vielfältig und abwechslungsreich.“ Katrin Röw schließt Kameras an, sichert öffentliche Gebäude mit Chip-Systemen vor unbefugten Besuchern und verdrahtet Alarmsysteme, die mit einer programmierbaren Steuerelektronik ausgerüstet sind. „Wir bauen alles vor Ort auf, montieren die Bauteile, programmieren die Systeme, testen, ob alles funktioniert, und warten die Anlagen.“ Für die Berlinerin war schon als Schülerin klar, dass sie etwas mit Technik machen wollte. „Bloß nicht im Büro sitzen!“ Daran, dass sie meistens die einzige Frau unter vielen Kollegen ist, hat sie sich schnell gewöhnt. „Bevor die Ausbildung anfing, habe ich mich schon gefragt, wie die anderen wohl reagieren werden“, erzählt sie. „Aber es war überhaupt kein Thema, ich werde genauso behandelt wie alle anderen auch.“

ANTON BERCHTOLD:

ELEKTRONIKER FÜR SOLARANLAGEN

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ur Solarenergie ist Anton Berchtold aus purer Neugierde gekommen. „Ich war schon immer an Zukunftstechnologien interessiert“, sagt der Elektro-Meister aus Dachau. Auf Messen und Ausstellungen sammelte er Informationen, und schon bald montierte sein Handwerksbetrieb die ersten Photovoltaikanlagen. Die Technik war Anfang der

1990er-Jahre noch neu und für seine Begeisterung, Sonnenlicht in elektrischen Strom zu verwandeln, wurde Berchtold oft belächelt. Doch heute gehört sein Betrieb zu den Solarpionieren der ersten Stunde und kann auf eine langjährige Erfahrung verweisen. Der Bau von Solaranlagen ist kein eigener Ausbildungsberuf, sondern gehört zum Berufsbild des klassischen Elektro-Installateurs, heute Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik genannt. Wer diesen Beruf ergreift, ist für die gesamte elektrotechnische Ausstattung eines Gebäudes zuständig. Das geht weit über die Montage von Steckdosen, Lichtschaltern und Sicherungen hinaus und umfasst die Installation von Datenkabeln, Telefon-Anschlüssen und Gegensprechanlagen genauso wie die Verdrahtung komplexer Regelungs- und Steuersysteme für Klimaanlagen, Wärmepumpen oder Sonnenschutz-Vorrichtungen. Die Montage einer Photovoltaikanlage beginnt in der Regel auf dem Dach. Dort wird die Tragekonstruktion für die Module auf den Dachbalken verankert. Dann befestigen die Monteure die Photovoltaikmodule, verkabeln sie und schließen den sogenannten Wechselrichter an. Das ist das Herzstück der Anlage: ein Stromwandler, der den Gleichstrom aus den Photovoltaikmodulen in Wechselstrom umwandelt. Ohne Wechselrichter kann kein Solarstrom ins Netz eingespeist werden. Nun wird noch ein Zähler zur Abrechnung gesetzt und eventuell ein Batteriespeicher angeschlossen, der den Sonnenstrom für den Eigenbedarf des Gebäudes zwischenspeichert. „Solaranlagen sind nur dann sinnvoll, wenn sie in ein haustechnisches Gesamtkonzept eingebunden sind“, sagt Anton Berchtold aus seiner langjährigen Praxis heraus. Heute gibt es bereits sogenannte Smart-Home-Systeme, bei denen Heizung, Lüftung, Licht, Internet und Telefon-Anlage miteinander vernetzt werden. Ist die Anlage fertig installiert und in Betrieb genommen, wird sie dokumentiert und der Kunde eingewiesen. Nachhaltig ist der Beruf allemal, denn energiesparende Gebäudetechnik kombiniert mit erneuerbarer Energie ist der Schlüssel zur Zukunft. H. N. Weitere Informationen: Elektroniker/in der Energie- und Gebäudetechnik unter www.planet-beruf.de www.berufenet.arbeitsagentur.de 4/2016 LUX 360° 29


KOLUMNE

KLAR, DIE ZUKUNFT KOMMT! VON MONIKA GOETSCH

Es ist immer etwas ungemütlich, sich die Zukunft vorzustellen. Zukunft fühlt sich nach Science-Fiction an: Ein bisschen zu kalt. Ein einsamer Ort. Dass es eigentlich immer wärmer und voller auf der Erde wird, spielt keine Rolle. Der Skeptiker sieht eine Welt, die der Technik gehört, nicht der Natur. Die Deutsche Bahn zum Beispiel. Künftig will die Bahn ohne Lokführer auskommen. Auch die Fahrkartenkontrolleure sollen verschwinden. In fünf, sechs oder sieben Jahren, so hat es Bahnchef Grube der FAZ erzählt, rollen die ersten fahrerlosen Züge durchs Netz. Oder die Automobilindustrie. Bald übernimmt das Auto selbst die Regie. All die elektronischen Systeme, die der Sicherheit beim Fahren dienen sollen, bereiten uns nur langsam darauf vor. Befürworter sagen, man könne durch autonome Fahrzeuge sehr viele Verkehrsunfälle vermeiden, schneller und effizienter fahren und noch dazu Energie sparen. Ich versuche, mir eine Fahrt in einem solchen Roboter vorzustellen. Vielleicht wäre es so wie die langen Autofahrten als Kind. Man sitzt gemütlich hinten. Es ist dunkel, es regnet. 30

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IMMERHIN: Man wäre „Teil der elektrischen Revolution“. So bewirbt ein Autohersteller das Auto der Zukunft. Und wer wäre nicht gern mal Teil einer Revolution, nur so zur Abwechslung? Man kann sich der Revolution natürlich auch verweigern und am Gewohnten festhalten. Alles ist wie immer. Bis man beim Überholen einen neugierigen Blick zur Seite riskiert, mitten in ein fremdes Auto hinein. Und feststellt: Da sitzt ja niemand. Oder da sitzt nur einer zum Schein. Ein Mensch, der schläft. Einer, der unter der Windschutzscheibe Blümchen gießt oder Serien guckt. Oder gleich eine aufblasbare Chauffeurattrappe. Könnte man sich daran gewöhnen? Vorstellbar ist es. Die neue Technik wird bequem sein, aber auch entfremdend. Wir handeln weniger und gewinnen Zeit zu entspannen. Möglicherweise fahren viel mehr Menschen Auto als bisher, alte Menschen, Kranke, Leute, die das Fahren fürchten. Aber vielleicht teilt man sich die Autos auch. Oder wohnt darin. KLAR IST: Manchmal wird die Technik versagen. Jede Technik tut das. Kürzlich fing unsere Waschmaschine an zu piepen. Die Zu- und Ablauf-Lampen leuchteten. Wenn die Zu- und

Ablauf-Lampen einer Waschmaschine leuchten, muss man den Kundendienst rufen. So steht es in der Betriebsanleitung. Der Techniker vom Kundendienst fand den Fehler schnell. Eine Nadel hatte den Schlauch durchbohrt. Viele Leute, sagte der Techniker, rufen den Kundendienst, weil ihre Waschmaschine verschwunden ist. Sie versuchen, das Ding fernzusteuern. Und es zeigt sich einfach nicht auf dem Handydisplay. DER TECHNIKER schien diese Anrufe leid zu sein. Eine Nadel im Schlauch: Das ist doch wenigstens noch ein Ereignis! Er tätschelte meine Maschine. Ein einfaches Modell. Die Maschine lässt sich nicht vernetzen oder fernbedienen. Sie dosiert auch nicht selbst das Waschmittel. Sie wäscht einfach. Dem Techniker gefiel das. „Ich schätze Geräte, in denen nicht zu viel Technik drinsteckt“, sagte der Techniker. „Denn wo keine Technik ist, kann auch kein Fehler passieren.“ Wenig beruhigend, was das Auto der Zukunft angeht. Ich will mir gar nicht ausmalen, was geschieht, wenn so ein Auto zu piepen beginnt und ein paar Lämpchen leuchten und der Techniker sagt: Ich kann Ihr Auto nicht sehen, es erscheint nicht auf meinem Handydisplay. Vielleicht ist es auch umgekehrt: Ich piepe, meine Lämpchen leuchten rot, aber der Techniker ist verschwunden und das Auto findet mich nicht mehr. Ja, sie ist kalt, die Welt der Zukunft, und sehr einsam.

Illustration: Elke Ehninger

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Die Scheinwerfer der anderen Autos sind wie die riesigen Augen friedlicher Tiere. Der Vater fährt, das Radio läuft, totale Behaglichkeit. Aber wird man sich wirklich so wohl fühlen, wenn da kein Vater auf dem Fahrersitz ist? Sondern niemand, keiner, leere Luft?


LUX 360° – Energie und Nachhaltigkeit Freuen Sie sich mit uns auf vier spannende Anzeigensonderveröffentlichungen von LUX 360° im Jahr 2017!

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Kontakt: Süddeutsche Zeitung Anzeigenverkauf Sonderthemen

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