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Die Chronik von Selchow 1242–2012

1918 hatten die Schüler durch eine Grippeepidemie im November Grippeferien. 1918 wurde die geistliche Ortsschulaufsicht aufgehoben und die ersten Elternbeiräte gewählt. 1919 wurde das gesamte Schulwesen unter Aufsicht des Staates gestellt. Die Gemeinden konnten daran beteiligt werden. 1921 erfolgte die Ablösung der niederen Küsterdienste. Gutsbesitzer Neuhauß stellte am 8.10.1921 den Antrag an die Schuldirektion, die Herbstferien zu verlängern, da die Kartoffelernte noch nicht abgeschlossen war und Frostgefahr bestand. Die Kinder sollten bei der Ernte mithelfen. 1922 wandte sich Schulverbandsvorstand Neuhauß an die Regierung/Schulwesen wegen der schlechten Schulzustände in Selchow. Er berichtete: der Lehrer Herr Eggert habe zu Beginn der Pfingstferien 3 Monate Urlaub genommen, der 2. Lehrer Nossack war an Gelbsucht erkrankt. Die zuständige Vertretung aus Waßmannsdorf, Giesecke und Pfennig, haben den Unterricht nicht übernommen. Der zuständige Schulrat aus Tempelhof war entlassen worden, so dass ein Chaos in der Schule herrschte. Die Selchower sind aber anständige, fleißige Leute und verlangen den Schulunterricht. Eine schnelle Lösung wurde nicht gefunden. 1923 hatte eine Besichtigung der Schule ein erschreckendes Ergebnis: die Fenster in allen Etagen waren defekt, viele Scheiben waren zerbrochen, der Fußboden war beschädigt, die Öfen mussten umgesetzt werden und die Bohlen in den Aborten waren beschädigt. Die Wohnung des Lehrers war ebenfalls beschädigt, das Gebäude hatte Feuchtigkeit in allen Ecken, es gab große Putzschäden, die Wasserabflussrohre funktionierten nicht, das Dach war beschädigt und der Keller war nass. 1924 beantragte der Lehrer Nossack seine Versetzung. In die Schule gingen 59 Kinder. Die Gemeinde meinte, für 59 Kinder nur einen Lehrer zu benötigen und wollte dadurch die Ausgaben für die zweite Lehrerstelle sparen. Die freiwerdenden Mittel sollten für die Reparatur des Schulgebäudes eingesetzt werden. 1925 war die 1924 begonnene Reparatur der Schule abgeschlossen. 1926 unterrichtete in Selchow nur noch ein Lehrer. 1927 erhielt Kurt Zastrow eine Hilfslehrerstelle in Selchow. 1928 kam für Lehrer Zastrow Gerhard König aus Pasewalk nach Selchow. 1930 kam Walter Jähnichen als Lehrer nach Selchow. Keine 2 Wochen nach seinem Dienstantritt wurde er wieder entlassen. 1930 wurde Herr Hobel Lehrer in Selchow, aber schon am 1.1.1931 wieder versetzt. Der Kreisarzt stellte fest, dass das Wasser aus dem Brunnen für die Schule ungenießbar war. 1931 wurde wieder eine 2. Lehrerstelle beantragt. 1932 ergab die Visitation, dass in Selchow 59 Kinder zur Schule gehen, aber nur für 52 Kinder Platz vorhanden ist. Daraufhin wurde eine Halbtagsschule beantragt und genehmigt. 1935 mussten 65 Kinder unterrichtet werden. Die größeren Schüler erhielten 33 Unterrichtsstunden, die kleineren Schüler 26 Unterrichtsstunden. 1935 unterrichtete die Lehrerin Lehmmann 41 Schüler, Lehrer Eggert 24 Schüler. 1936 unterrichtete Käthe Genetat die Selchower Schüler. Sie wurde 1938 nach Zernsdorf versetzt. 1936 wurde folgender Erlass des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung herausgegeben: „In Einvernehmen mit dem Herrn Preußischen Finanzminister und nach Benehmen mit den Herrn Kassenanwalt der Landesschulkasse genehmige ich, dass die ruhende Lehrerstelle in der evangelischen Volksschule Selchow wieder zu verwalten und zu besetzen ist.“ 1938 kam Käthe Laub als Lehrerin nach Selchow, sie ging 1939 nach Perleberg. 1941 benötigte die Gemeinde 4.700 RM für die Reparatur der Schule und beantragte dafür einen Zuschuss bei der Regierung von 3.000 RM, erhielt aber nur 1.230 RM.

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